Kitabı oxu: «Micha und die Verschwörung in Bethlehem»
Harry Voß
Micha und die Verschwörung in Bethlehem
Impressum
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alle Rechte vorbehalten
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Bibellesebund Verlag, Marienheide
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Autor: Harry Voß
Illustrationen und Covergestaltung: Georg Design, Münster
(www.georg-design.de)
ISBN 978-3-95568-412-9
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Inhalt
Titel
Impressum
1. Dezember
2. Dezember
3. Dezember
4. Dezember
5. Dezember
6. Dezember
7. Dezember
8. Dezember
9. Dezember
10. Dezember
11. Dezember
12. Dezember
13. Dezember
14. Dezember
15. Dezember
16. Dezember
17. Dezember
18. Dezember
19. Dezember
20. Dezember
21. Dezember
22. Dezember
23. Dezember
24. Dezember
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1. Dezember
Micha zuckte zusammen, als ein fremder Mann ihm plötzlich von hinten eine Hand auf die Schulter legte. Er war den ganzen Tag schon mit den Ziegen auf dem Feld außerhalb des Dorfes gewesen und hatte überhaupt nicht bemerkt, dass sich ihm jemand näherte. Vor lauter Schreck ließ er Ricky, seine Lieblingsziege, fallen, die er gerade noch in den Armen gehalten hatte. Ricky meckerte laut und sprang zur Seite.
„Entschuldigung“, sagte der Fremde. „Ich wollte dich nicht erschrecken. Ich wollte dich nur fragen, ob du kurz etwas für mich aufbewahren kannst.“
Micha schaute dem Fremden misstrauisch in die Augen. „Was soll ich denn aufbewahren?“
„Einen Beutel mit Gold“, antwortete der Mann und presste schon im nächsten Augenblick einen schweren Lederbeutel gegen Michas Körper. Micha hielt ihn sofort fest.
„Nur ein oder zwei Tage“, fuhr der Mann fort. „Hinter mir sind Räuber her, die schon ein paar Mal versucht haben, mir den Beutel abzunehmen. Bei dir werden sie ihn nicht vermuten. Ich bring nur schnell meine Ware weg, dann komm ich zurück und hol das Gold ab. Schaffst du das?“
„Klar“, sagte Micha sofort, aber er fragte sich gleichzeitig, ob ihm das so recht war. Wo sollte er zwei Tage lang einen Beutel mit Gold aufbewahren?
„Ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann“, sagte der Mann und ging auf einen großen Wagen zu, vor dem ein Pferd gespannt war. Micha wunderte sich, denn er hatte den Wagen gar nicht kommen hören.
Dann fiel Micha noch was ein. „Was krieg ich denn dafür, dass ich auf Ihr Gold aufpasse?“
„Du sollst deinen angemessenen Lohn schon erhalten“, sagte der Mann und stieg auf den Wagen. „Treff ich dich hier wieder an?“
„Ja“, sagte Micha. „Ich bin immer hier. Schon wegen unserer Ziegen, auf die ich aufpassen muss.“
„Bis bald. Und noch was.“ Der Mann sprach leise und wirkte dabei etwas gefährlich. „Zu niemandem ein Wort. Verstanden?“
Dann ergriff er die Zügel und das Pferd setzte sich in Bewegung. Auf dem Wagen sah Micha jede Menge Kisten, Tonkrüge und andere Gegenstände, die laut hin und her rutschten und gegeneinander schepperten. War das ein Warenhändler? Oder gar ein Schmuggler? Micha sah dem Wagen nach, bis er in der Ferne der hügeligen Landschaft nicht mehr zu erkennen war. Erst jetzt bemerkte er, dass Ricky schon länger um ihn herumsprang und laut meckerte.
„Keine Angst, Ricky“, sagte Micha und streichelte seine Ziege. Ein bisschen wollte er allerdings damit auch sich selbst trösten. Als er sich umschaute, hatte er das Gefühl, dass sich hinter einem Baum in seiner Nähe ein Schatten bewegt hatte. War da jemand? Hatte ihn jemand beobachtet? Micha starrte genau auf den Baum, ob sich da noch einmal was bewegte. Sollte er hingehen und nachschauen?
„Wer war das?“, hörte er auf einmal eine barsche Stimme neben sich. Wieder zuckte Micha zusammen. Jakob, einer der Hirten von der großen Schafherde auf dem Feld, stand plötzlich neben ihm. Auch ihn hatte Micha nicht kommen hören.
„Keine Ahnung“, sagte Micha. Den Beutel mit Gold hatte er notdürftig in seinen breiten Gürtel gesteckt.
„Was wollte er?“
„Den Weg nach Jerusalem wollte er wissen“, log Micha.
Jakob packte Micha an der Schulter und schaute ihn streng an. „Lüg mich nicht an, Junge!“
Micha hielt Jakobs Blick stand und schaute ihm ebenso streng ins Gesicht. Dem alten Jakob musste Micha überhaupt nichts erzählen. Die Hirten von der anderen Herde waren raue Männer, denen jede Schlägerei willkommen war. Selbst die Hirtenjungen in Michas Alter waren jederzeit bereit, sich zu prügeln. Micha versuchte ihnen sooft es ging aus dem Weg zu gehen.
„Ich warne dich“, sagte Jakob schließlich, ließ Micha los und schlurfte zu seiner Schafherde davon. Micha nahm sich vor, den Goldbeutel so schnell wie möglich wieder loszuwerden.
Zacharias lobt Gott:
Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels; denn er ist uns zu Hilfe gekommen und hat sein Volk befreit! Einen starken Retter hat er uns gesandt, einen Nachkommen seines Dieners David! So hatte er es schon vor langer Zeit durch seine heiligen Propheten angekündigt: Er wollte uns retten vor unseren Feinden, aus der Gewalt all derer, die uns hassen.
Lukas 1,68-71
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2. Dezember
Als es dunkel wurde, trieb Micha die Ziegenherde in Richtung Dorf zurück. Seine Familie hatte sieben Ziegen. Michas Aufgabe war es, tagsüber auf sie aufzupassen. Ricky allerdings gehörte Micha allein. Als sie geboren wurde, hatte Michas Vater ihm das Zicklein geschenkt. „Dann passt du vielleicht auch besser auf die anderen auf“, hatte er gemeint. Ricky hatte sich schnell als eine sehr kluge Ziege herausgestellt. Seit ein paar Tagen konnte sie sogar kurz auf den Hinterbeinen stehen und ihm die Hufe wie zur Begrüßung reichen. Micha war sehr stolz auf dieses Kunststück.
Jakob und seine Männer hatten keine eigenen Schafe. Sie hüteten die Schafe der Reichen aus dem Dorf. Darum war deren Herde auch manchmal so groß, dass sie kaum mehr den Überblick hatten. Und im Grunde waren denen die Schafe auch ganz egal.
Am Dorfeingang kam Micha an der Tränke vorbei, einer großen Wanne aus Lehm, zu der die Schafe und Ziegen morgens und abends zum Trinken gebracht wurden. Mit gespreizten Beinen stand Michas Vater auf den beiden Seitenwänden der Tränke und fluchte laut vor sich hin: „Ein Dreck ist da wieder drin! Wo sind eigentlich die Hirten, die dafür zuständig sind, das hier sauber zu halten?“ Mit beiden Händen griff er immer wieder in die Drecksbrühe hinein, schaufelte Berge von Schlamm heraus und ließ sie neben die Tränke fallen. Seinen teuren Filzhut hatte er dazu nicht abgenommen, obwohl er bei jedem Bücken bedrohlich auf dem Kopf hin und her wackelte.
„Vater!“, rief Micha und rannte mit seinen Ziegen auf ihn zu. „Schau, was ich Ricky beigebracht habe! So eine kluge Ziege! Sie kann dir die Hufe geben! Pass auf!“
„Lass mich in Ruhe“, knurrte der Vater, balancierte sein Gewicht auf dem Rand der Tränke aus und beugte sich wieder nach vorne. „Du siehst doch, dass ich arbeite.“
„Los, Ricky“, rief Micha seiner dressierten Ziege zu. „Gib Vater die Hand. Sag schön Guten Abend.“ Ricky stellte sich gehorsam mit den Vorderbeinen auf den Rand der Tränke, hob dann eins der Beine und schlug mit dem Huf unsanft auf Vaters Po. Vater schrie laut auf, verlor das Gleichgewicht und fiel mit einem lauten Platsch bäuchlings in die Tränke.
„Ricky, ich glaub, das führen wir besser ein andermal vor“, sagte Micha vorsichtig und hob seine Ziege von der Tränke runter. Da tauchte der Vater aus dem Wasser auf und polterte los: „Micha!!!“ Das konnte er gut brüllen. Wenn Vater ihn so rief, klang das schon fast wie ein Schimpfwort. „Du Lausejunge! Das hast du absichtlich gemacht!“
„Nein, Vater!“, rief Micha erschrocken. „Warte, ich helfe dir!“ Micha wollte nach Vaters Hand greifen, da sah er den teuren Filzhut im Wasser schwimmen. Mit einem gezielten Griff hatte Micha den Hut aus dem Wasser gerettet und hängte ihn an einen Zaunpfahl in der Nähe. Danach war er ganz für den Vater da. Aber der Vater war sehr schwer. Die beiden brauchten mehrere Anläufe, um ihn endlich aus dem Becken zu ziehen. „Na warte, wenn wir zu Hause sind“, drohte der Vater und schüttelte sich wie ein Hund nach dem Baden. „Wo ist mein Hut?“
Micha zeigte auf den Zaunpfahl, aber da war kein Hut mehr. Die brave Ricky kaute genüsslich an einem Stück Filz, dem kläglichen Rest dessen, was bis eben noch ein Hut war. Vater holte einmal tief Luft und dann erschallte seine Stimme laut durchs ganze Dorf: „Micha!!!“
Jetzt gab es nur noch eins für Micha: abhauen. Er rannte ins Dorf. Bei jedem Schritt überprüfte er, ob er den schweren Goldsack noch in seinem Gürtel hatte. Ohne diesen Beutel wäre er sehr viel schneller gewesen. Aber den Beutel zu verlieren, konnte er sich jetzt nicht auch noch leisten.
Zacharias lobt Gott:
Unser Gott ist voll Liebe und Erbarmen; er schickt uns den Retter, das Licht, das von oben kommt. Dieses Licht leuchtet allen, die im Dunkeln sind.
Lukas 1,78-79a
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3. Dezember
In dem kleinen Dorf Bethlehem war in diesen Tagen ein Menschenauflauf wie auf einem Markt. Alles voller Leute, die von überall gekommen waren, um sich hier in Steuerlisten eintragen zu lassen. Schon seit Micha geboren war, hatten die Römer ganz Israel besetzt. Micha hatte gehört, dass sogar sämtliche Länder rund ums Mittelmeer dem römischen Kaiser unterstanden. Den Kaiser selbst hatte noch nie jemand zu Gesicht bekommen. Aber in jedem Landstrich hatte ein kaiserlicher Vertreter seinen Palast und achtete darauf, dass alle ihre Steuern an die Römer zahlten. Dieser Kaiser nun hatte ein Gesetz erlassen, dass die ganze römische Welt gezählt werden sollte. Dafür musste jeder in den Ort reisen, aus dem seine Vorfahren stammten und sich dort in eine Liste eintragen.
Micha und seine Familie hatten es gut. Ihre Vorfahren kamen aus Bethlehem. Darum mussten sie nicht woandershin reisen. Michas Vater war an einem Nachmittag im Zollhaus des alten Levi gewesen und hatte sich eingetragen. Aber viele andere im Land mussten zum Teil irrsinnig weite Reisen auf sich nehmen. So tummelten sich unzählige Leute in Bethlehem, weil sie hier ihre Wurzeln hatten.
Bethlehem wurde die „Davidstadt“ genannt, weil hier vor etwa tausend Jahren König David geboren worden war. Das musste ein sehr guter König gewesen sein. Bis heute wurde ehrfürchtig von ihm erzählt. Er hatte in Jerusalem regiert. Zum Ende seiner Regierung hatte wirklich Friede im Land geherrscht. Später hatte es leider immer wieder Kriege in Israel gegeben.
Im Moment herrschten die Römer über Israel. Aber deren Kaiser unterdrückte die Menschen nicht. Im Gegenteil. Seine Soldaten bauten überall Straßen aus und achteten darauf, dass einigermaßen Ruhe im Land herrschte. Trotzdem hasste Vater den Kaiser. Ein römischer Kaiser bedeutete, sie waren nicht wirklich frei. Wenn die Familien abends beisammensaßen, erzählten sie sich Geschichten aus alten Zeiten, als David noch König und die Welt noch in Ordnung war. Die Lehrer der Heiligen Schriften redeten auch von einer Prophezeiung, nach der irgendwann mal ein König wie David kommen sollte, der allen den Frieden bringen würde. Dabei fiel auch immer mal die Bemerkung, dass dieser König aus Bethlehem kommen sollte. Ausgerechnet Bethlehem! Deshalb wurde Bethlehem von den umliegenden Städten und Dörfern immer ein bisschen verehrt, obwohl hier in diesem Nest nichts los war, aber auch wirklich gar nichts. Abgesehen davon, dass Micha hin und wieder vor seinem Vater davonlaufen musste. So wie jetzt gerade.
„Micha!!!“, brüllte der Vater wieder hinter ihm.
Micha rannte bis zu ihrem Haus und wollte sich hinter dem Brennholz verstecken. Aber da hatte der Vater, nass bis auf die Knochen, ihn endlich eingeholt und zog ihn unsanft am Ohr. „So, mein Junge!“, schimpfte er. „Das hast du nicht umsonst getan!“ Er schleifte Micha am Ohr hinter sich her bis in den Stall direkt neben dem Haus. „Hier kannst du bis morgen früh über deine Dummheiten nachdenken!“ Der Vater trieb die Ziegen zu Micha in den Stall und verschloss die Tür.
Bevor Micha irgendetwas anderes tat, holte er den Beutel mit dem Gold aus seinem Gürtel und steckte ihn in die Futterkrippe tief unter das Stroh. Da würde ihn so schnell niemand suchen. Und in zwei Tagen könnte er ihn wieder mit aufs Feld nehmen und es dem merkwürdigen Händler zurückgeben. Dann setzte sich Micha in eine Ecke im Stall, rief Ricky zu sich, nahm sie in den Arm und seufzte tief.
Zu jener Zeit ordnete Kaiser Augustus an, dass alle Menschen in seinem Reich gezählt und für die Steuer erfasst werden sollten. Und alle gingen hin, um sich einschreiben zu lassen, jeder in die Heimatstadt seiner Vorfahren.
Lukas 2,1 und 3
Pulsuz fraqment bitdi.