Kitabı oxu: «SINDA - Standardized Infant NeuroDevelopmental Assessment»

Die AutorInnen
Prof. Dr. Mijna Hadders-Algra, Professorin für Entwicklungsneurologie, University Medical Center Groningen, Niederlande.
Dr. Uta Tacke, Kinderneurologin, Universitäts-Kinderspital Basel, Schweiz.
Prof. Dr. Joachim Pietz, Kinderneurologe, KinderPalliativTeam Südhessen, ehem. Universitätsklinikum Heidelberg, Deutschland.
PD Dr. Heike Philippi, Kinderneurologin, SPZ Frankfurt Mitte, Lehrauftrag Goethe-Universität Frankfurt, Deutschland

Die Kontexte Frankfurt gGmbH ist die gemeinnützige Projektgesellschaft von vier großen sozialen Trägern in Frankfurt am Main, die im Sozial- und Gesundheitswesen mit ihren mehr als 3.500 Fachkräften umfassende und vielfältige Komplexleistungen erbringen.
Ein Schwerpunkt der Kontexte Frankfurt gGmbH sind Innovationen im Gesundheitswesen, insbesondere im Bereich der Frühdiagnostik, der Entwicklungsneurologie und der Teilhabeförderung.
Die Kontexte Frankfurt gGmbH hat die Veröffentlichung des vorliegenden Fachbuches finanziell unterstützt, da seine Ergebnisse für die medizinische Versorgung von Kleinkindern von herausragender Bedeutung sind.
Mijna Hadders-Algra Uta Tacke Joachim Pietz Heike Philippi
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1. Auflage 2021
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-037922-0
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-037923-7
epub: ISBN 978-3-17-037924-4
mobi: ISBN 978-3-17-037925-1
Inhalt
1 Übersicht der Zusatzmaterialien
2 Danksagung
3 1 Einführung
4 1.1 Was ist SINDA – Standardized Infant NeuroDevelopmental Assessment ?
5 1.2 Warum SINDA?
6 1.3 Das SINDA Manual
7 I Grundlagen
8 2 Frühzeitige Erkennung von Säuglingen mit hohem Risiko für Entwicklungsstörungen und neurologische Erkrankungen
9 2.1 Die Entwicklung des jungen menschlichen Nervensystems
10 2.2 Ätiologie neurologischer Entwicklungsstörungen
11 2.3 Herausforderungen bei der Früherkennung von entwicklungsneurologischen Erkrankungen
12 2.3.1 Entwicklungsneurologische Beurteilungsmethoden müssen altersspezifisch sein
13 2.3.2 Entwicklungsneurologische Dysfunktionen stellen sich altersabhängig unterschiedlich dar
14 2.3.3 Eine frühe Entwicklungsvorhersage ist schwierig
15 2.4 Früherkennung ebnet den Weg für Frühinterventionen
16 3 Aufbau, psychometrische Eigenschaften und Anwendung von SINDA
17 3.1 Aufbau
18 3.1.1 Neurologische Skala
19 3.1.2 Entwicklungs-Skala
20 3.1.3 Sozioemotionale Skala
21 3.2 Psychometrische Eigenschaften
22 3.2.1 Psychometrische Eigenschaften der Neurologischen Skala
23 3.2.2 Psychometrische Eigenschaften der Entwicklungs-Skala
24 3.2.3 Psychometrische Eigenschaften der Sozioemotionalen Skala
25 3.3 Anwendung von SINDA in der klinischen Praxis
26 3.3.1 Verhaltenszustand
27 3.3.2 Eltern
28 3.3.3 Untersuchungsbedingungen
29 3.4 Einführung in die Kapitel mit der Beschreibung der Items
30 II SINDA-Skalen
31 4 Die Neurologische Skala
32 4.1 Einführung und allgemeine Grundsätze
33 4.1.1 Verhaltenszustand, Reihenfolge der Untersuchung und Kopfhaltung
34 4.1.2 Allgemeine Angaben auf dem Untersuchungsformular
35 4.1.3 Interpretation der Ergebnisse
36 4.1.4 Beschreibung der Items
37 4.2 Domäne »Spontanmotorik«
38 Item 1 Kopf & Hals & Rumpf: Bewegungen und Haltungen (B)
39 Item 2 Arme: Bewegungen und Haltungen (B)
40 Item 3 Hände: Bewegungen und Haltungen (B)
41 Item 4 Beine: Bewegungen und Haltungen (B)
42 Item 5 Füße: Bewegungen und Haltungen (B)
43 Item 6 Asymmetrischer tonischer Nackenreflex (ATNR) (B)
44 Item 7 Qualität der globalen Spontanmotorik (B)
45 Item 8 Quantität der globalen Spontanmotorik (B)
46 4.3 Hirnnerven
47 Item 9 Gesichtsausdruck (B)
48 Item 10 Mundmotorik (B)
49 Item 11 Glabellareflex (T)
50 Item 12 Augenstellung & Augenbewegungen (B&T)
51 Item 13 Optischer Blinkreflex (T)
52 Item 14 Pupillenreaktion (T)
53 Item 15 Akustischer Blinkreflex (T)
54 4.4 Domäne »Motorische Reaktionen bei posturaler Stimulation«
55 Item 16 Traktion zum Sitzen (Pull-to-sit Manöver) (T)
56 Item 17 Kopf in Bauchlage (B)
57 Item 18 Bauchschwebelage (T)
58 Item 19 Axilläre Hängelage (T)
59 Item 20 Füße berühren die Unterlage (T)
60 4.5 Domäne »Muskeltonus«
61 Item 21 Hals und Rumpf (T)
62 Item 22 Widerstand gegen passive Bewegungen der Arme, Armtraktion (T)
63 Item 23 Widerstand gegen passive Bewegungen der Beine, Beintraktion
64 Item 24 Füße: Widerstand gegen passive Bewegungen (T)
65 4.6 Domäne »Reflexe und Reaktionen«
66 Item 25 Obere Extremitäten: Bizepssehnenreflex (BSR) (T)
67 Item 26 Untere Extremitäten: Patellarsehnenreflex (PSR) und Fußklonus (T)
68 Item 27 Fußsohlensensibilität (T)
69 Item 28 Fußsohlenreaktion (T)
70 5 Die Entwicklungs-Skala
71 5.1 Einführung
72 5.1.1 Verhaltenszustand und Testsituation
73 5.1.2 Reihenfolge der Untersuchung und Position des Säuglings
74 5.1.3 Allgemeine Angaben auf dem Untersuchungsformular
75 5.1.4 Interpretation der Ergebnisse
76 5.2 Beschreibung der Entwicklungsitems für zweimonatige Säuglinge
77 Item 1 Lächelt reaktiv auf das Lächeln der Mutter oder Untersucherin
78 Item 2 Nimmt Kontakt auf, studiert Gesicht und Mimik
79 Item 3 Reagiert auf gurrende Laute der Mutter oder Untersucherin
80 Item 4 Bildet mindestens zwei verschiedene Laute, z. B. gaah, ooh
81 Item 5 Lautiert dialogartig in Reaktion auf Ansprache
82 Item 6 Reagiert auf Geräusche
83 Item 7 Fixiert Objekt in 30 cm Entfernung für kurze Zeit
84 Item 8 Folgt einem Objekt mit Kopf oder Augen horizontal
85 Item 9 Folgt einem Objekt mit Kopf oder Augen vertikal
86 Item 10 Bewegt Hand zum Mund
87 Item 11 Schaut eigene Hand an
88 Item 12 Bewegt Arm in Richtung eines attraktiven Objekts
89 Item 13 Im gehaltenen Sitz wird der Kopf für mindestens drei Sekunden gehalten
90 Item 14 Beine sind wechselnd auf der Unterlage und beidseits mindestens drei Sekunden angehoben
91 Item 15 Kopfheben für mindestens drei Sekunden
92 5.3 Beschreibung der Entwicklungsitems für dreimonatige Säuglinge
93 Item 16 Schaut zwischen Mutter und Untersucherin hin und her
94 Item 17 Expressives Lautieren: Zeigt Gefühle durch Lautieren
95 Item 18 Blinzeln bei optischer Annäherung der Hand
96 Item 19 Wendet Augen zum Geräuschobjekt
97 Item 20 Schaut langsam von einem Geräuschobjekt zum anderen
98 Item 21 Folgt einem Objekt mit Augen oder Kopf horizontal und vertikal
99 Item 22 Bewegt Arm wenn ein Objekt im Blickfeld erscheint
100 Item 23 Hände werden zur Mittellinie gebracht und Hände berühren sich
101 Item 24 Im gehaltenen Sitzen wird der Kopf für mindestens fünf Sekunden gehalten
102 Item 25 Beine werden von der Unterlage abgehoben mit Fuß-Fuß-Kontakt für mindestens drei Sekunden
103 Item 26 Kopfheben über 45° für mindestens drei Sekunden
104 5.4 Beschreibung der Entwicklungsitems für viermonatige Säuglinge
105 Item 27 Interesse an der Umgebung und orientiert sich im Raum
106 Item 28 Richtet wechselnd Aufmerksamkeit auf Objekte und Personen
107 Item 29 Bildet mindestens drei verschiedene Laute
108 Item 30 Bildet mindestens einen Lippenlaut und eine Konsonant-Vokal-Verbindung
109 Item 31 Zeigt Gefühle durch Lautieren, lacht stimmhaft
110 Item 32 Schaut auf »verschwundenes« Objekt
111 Item 33 Ergreift ein im Blickfeld gehaltenes Objekt mit der Hand
112 Item 34 Führt Objekt zum Mund und erkundet mit Mund und Hand
113 Item 35 Erkundet Objekt mit beiden Händen
114 Item 36 Im gehaltenen Sitzen wird der Kopf für mindestens zehn Sekunden gehalten und nur kurzes Wackeln
115 Item 37 Hand-Knie-Kontakt
116 Item 38 Kopfheben über 45 Grad mit Abstützen auf den Unterarmen für mindestens fünf Sekunden
117 5.5 Beschreibung der Entwicklungsitems für fünfmonatige Säuglinge
118 Item 39 Bildet mindestens drei Konsonant-Vokal-Verbindungen
119 Item 40 Lokalisiert Stimme und wendet Augen zur Stimme
120 Item 41 Schaut mindestens drei Sekunden auf »verschwundenes« Objekt
121 Item 42 Betrachtet in seiner Hand gehaltenes Objekt
122 Item 43 Greift über die Mittellinie nach einem Objekt
123 Item 44 Übergibt Objekt von Hand zu Hand
124 Item 45 Hält ein Objekt fest und berührt gezielt ein zweites Objekt
125 Item 46 Spielt mit Schnur
126 Item 47 Stützt sich auf beide Unterarme und greift nach Objekt
127 Item 48 Im gehaltenen Sitzen stabile Kopfkontrolle
128 5.6 Beschreibung der Entwicklungsitems für sechsmonatige Säuglinge
129 Item 49 Betrachtet aufmerksam und anhaltend die Mimik der Untersucherin
130 Item 50 Benutzt eigene Mimik zur Kommunikation
131 Item 51 Macht durch Lautieren auf sich aufmerksam
132 Item 52 Bildet Silbenreihen mit Sprachmelodie
133 Item 53 Wendet Augen und Kopf zu leisem Geräusch, z. B. Papierrascheln
134 Item 54 Schaut fallendem Objekt nach, das Krach macht
135 Item 55 Untersucht Spielzeug mit Interesse an Einzelheiten
136 Item 56 Hält zwei selbst ergriffene Objekte kurz fest
137 Item 57 Spielt mit Fuß (Hand-Fuß-Kontakt)
138 Item 58 Schaukelnde und schlängelnde Rumpfbewegungen
139 Item 59 Ein- oder beidseitiger Handstütz
140 5.7 Beschreibung der Entwicklungsitems für siebenmonatige Säuglinge
141 Item 60 Verfolgt mit Interesse Kuckuck-Spiel
142 Item 61 Zeigt referenziellen Blickkontakt
143 Item 62 Verdeutlicht Wünsche mit Gesten und Mimik
144 Item 63 Imitiert Konsonant-Vokal-Verbindungen
145 Item 64 Beobachtet Kritzeln
146 Item 65 Macht Geräusch durch Klopfen mit Objekt
147 Item 66 Ergreift und hält zwei Objekte für mindestens drei Sekunden fest
148 Item 67 Zieht Objekt absichtlich an Schnur heran
149 Item 68 Benutzt den Scherengriff (Daumen-Zeigefinger)
150 Item 69 Sitzt ohne Unterstützung für mindestens drei Sekunden frei Sitzt ohne Unterstützung für mindestens drei Sekunden frei
151 Item 70 Dreht sich von der Rückenlage in die Bauchlage
152 Item 71 Greift aus der Bauchlage nach Objekt mit Anheben des Armes
153 Item 72 Kreisdrehen (Pivoting)
154 5.8 Beschreibung der Entwicklungsitems für achtmonatige Säuglinge
155 Item 73 Imitation von z. B. Klatschen, Wedeln
156 Item 74 Reagiert auf ein deutliches »nein«
157 Item 75 Erwartet mit Blick verschwundenes Objekt
158 Item 76 Schaut Bilder im Buch an
159 Item 77 Dreht und wendet Objekt beim Betrachten
160 Item 78 Versucht Objekt aus Becher zu räumen
161 Item 79 Kommt selbständig in Vierfüßlerstand
162 Item 80 Fortbewegung z. B. durch Robben, Rollen
163 5.9 Beschreibung der Entwicklungsitems für neunmonatige Säuglinge
164 Item 81 Bildet verbundene Drei-Silbenkette (canonic babbling)
165 Item 82 Reagiert auf eigenen Namen
166 Item 83 Läutet Glöckchen absichtlich
167 Item 84 Entfernt ein Hindernis um an ein Objekt zu kommen
168 Item 85 Exploriert Objekt beim Betrachten mit den Fingerspitzen
169 Item 86 Legt Objekt in einen Becher
170 Item 87 Sitzt anhaltend frei
171 Item 88 Sitzt frei und dreht Oberkörper
172 Item 89 Kniestand und hält sich dabei an Möbeln fest
173 Item 90 Fortbewegung auf allen Vieren, Hüpfen, Poporutschen
174 5.10 Beschreibung der Entwicklungsitems für zehnmonatige Säuglinge
175 Item 91 Imitiert Backe-Backe-Kuchen oder Fingerspiele
176 Item 92 Variiert Mimik, Gestik in Reaktion auf vertraute und fremde Personen
177 Item 93 Reagiert auf die Frage: »Wo ist …?« (Person, Objekt)
178 Item 94 Bildet mindestens zwei verschiedene verbundene Drei-Silbenketten
179 Item 95 Schaut Bilder im Buch an und blättert um
180 Item 96 Gemeinsame Exploration (joint attention)
181 Item 97 Nutzt den Zeigefinger zum Berühren von Details eines Objekts
182 Item 98 Setzt sich selbständig auf
183 Item 99 Zieht sich zum Stehen hoch
184 5.11 Beschreibung der Entwicklungsitems für elfmonatige Säuglinge
185 Item 100 Findet Spielzeug unter einem Becher
186 Item 101 Hält zwei Objekte und ergreift ein drittes
187 Item 102 Benutzt Löffel zum Rühren in Becher, auf Teller (Imitation)
188 Item 103 Zieht an der richtigen Schnur Objekt heran
189 Item 104 Macht einige Schritte seitwärts an Möbeln
190 5.12 Beschreibung der Entwicklungsitems für zwölfmonatige Säuglinge
191 Item 105 Auf Aufforderung werden semantische Gesten gezeigt
192 Item 106 Verwendet »Mama« oder »Papa« oder anderes Wort begrifflich
193 Item 107 Findet Objekt unter einem von zwei Bechern
194 Item 108 Deutet mit Zeigefinger auf Person oder Objekt
195 Item 109 Benutzt Pinzettengriff
196 Item 110 Wirft kleinen Ball nach vorne
197 Item 111 Freies Stehen für mindestens drei Sekunden
198 Item 112 Geht an einer Hand gehalten einige Schritte
199 Item 113 Geht in die Hocke mit Festhalten
200 6 Die sozioemotionale Skala
201 6.1 Einführung
202 6.1.1 Allgemeine Bemerkungen und Ergebnisberechnung
203 6.2 Beschreibung der Items der sozioemotionalen Skala
204 6.2.1 Interaktion
205 6.2.2 Emotionalität
206 6.2.3 Selbstregulation
207 6.2.4 Reaktivität
208 III Auswertung
209 7 Bedeutung der SINDA Ergebnisse
210 7.1 Die Ziele von SINDA
211 7.2 Neurologische Skala von SINDA
212 7.3 Entwicklungs-Skala von SINDA
213 7.4 Die sozioemotionale Skala von SINDA
214 7.5 Schlussbemerkungen
215 Literatur
216 Stichwortverzeichnis
Übersicht der Zusatzmaterialien
Weitere Informationen sowie den Link, unter dem die Zusatzmaterialien verfügbar sind, finden Sie auf S. 197.
Skalen
| SINDA-Formular: | Neurologische Skala |
| SINDA-Formular: | Entwicklungs- und sozioemotionale Skala – 6 Wochen bis 6,5 Monate. |
| SINDA-Formular: | Entwicklungs- und sozioemotionale Skala – 6,5–12,5 Monate. |
Die Formulare können ausgedruckt oder digital ausgefüllt werden.
Videos
Kapitel 4
Video 4.1: Durchführung der SINDA neurologischen Skala bei einem fünfmonatigen Säugling in Rückenlage
Video 4.2: Durchführung der SINDA neurologischen Skala bei einem neunmonatigen Säugling
Video 4.3: Variationsreiche und symmetrische Bewegungen von Armen und Händen bei einem viermonatigen Säugling (Item 2 und 3)
Video 4.4: Atypische Bewegungen der Arme und Hände bei einem viermonatigen Säugling (Item 2 und 3)
Video 4.5: Variationsreiche und symmetrische Bewegungen von Beinen und Füßen bei einem zehnmonatigen Säugling (Item 4 und 5)
Video 4.6: Atypische Bewegungen der Beine und Füße bei einem dreimonatigen Säugling (Item 4 und 5)
Video 4.7: Qualität der globalen Spontanmotorik, typisch (Item 7)
Video 4.8: Global atypische Spontanmotorik (Item 7)
Video 4.9: Spontanmotorik vorherrschend hypokinetisch (Item 8)
Video 4.10: Spontanmotorik vorherrschend hyperkinetisch (Item 8)
Video 4.11: Variationsreicher und symmetrischer Gesichtsausdruck (Item 9)
Video 4.12: Glabellareflex (Item 11): typische Reaktion
Video 4.13: Glabellareflex (Item 11): atypische Reaktion
Video 4.14: Testung von Augenstellung und Augenbewegungen (Item 12)
Video 4.15: Augenstellung und Augenbewegungen (Item 12): atypischer Befund, Strabismus convergens
Video 4.16: Optischer Blinkreflex: typische Reaktion (Item 13)
Video 4.17: Untersuchung der Pupillenreaktion (Item 14)
Video 4.18: Akustische Reaktion auf Klatschen (Item 15): typische Reaktion
Video 4.19: Akustische Reaktion auf Klatschen (Item 15): atypische Reaktion
Video 4.20: Pull-to-sit (Item 16): typischer Befund
Video 4.21: Pull-to-sit (Item 16): atypische Reaktion, Kopf hängt
Video 4.22: Pull-to-sit (Item 16): atypische Reaktion, Kopf in aktiver Retroflexion
Video 4.23: Pull-to-sit (Item 16): atypische Reaktion, minimale Aktivierung von Arm- und Schultermuskeln
Video 4.24: Pull-to-sit (Item 16): atypische Reaktion, inadäquate Hüftflexion
Video 4.25: Kopf in Bauchlage (Item 17): typischer Befund
Video 4.26: Kopf in Bauchlage (Item 17): atypischer Befund, hebt Kopf nicht an
Video 4.27: Kopf in Bauchlage (Item 17): atypischer Befund, stereotype Überstreckung des Kopfes, eingeschränkte Kopfdrehung
Video 4.28: Bauchschwebelage (Item 18): typischer Befund
Video 4.29: Bauchschwebelage (Item 18): atypischer Befund, Kopf und Rumpf hängen
Video 4.30: Axilläre Hängelage (Item 19): typischer Befund
Video 4.31: Axilläre Hängelage (Item 19): atypischer Befund, Durchschlüpfphänomen
Video 4.32: Axilläre Hängelage (Item 19): atypischer Befund, stereotype Beinbewegungen
Video 4.33: Füße berühren die Unterlage (Item 20): typischer Befund
Video 4.34: Füße berühren die Unterlage (Item 20): atypischer Befund
Video 4.35: Testung Tonus von Hals und Rumpf (Item 21)
Video 4.36: Testung Widerstand gegen passive Bewegungen der Arme bei einem jungen Säugling in Rückenlage, Armtraktion (Item 22)
Video 4.37: Testung Widerstand gegen passive Bewegungen der Arme bei einem größeren Säugling auf dem Schoß der Mutter (Item 22)
Video 4.38: Testung Widerstand gegen passive Bewegungen der Beine bei einem jungen Säugling in Rückenlage, Beintraktion (Item 23)
Video 4.39: Testung Widerstand gegen passive Bewegungen der Beine bei einem jungen Säugling auf dem Schoß der Mutter (Item 23)
Video 4.40: Testung Widerstand gegen passive Bewegungen der Füße (Item 24)
Video 4.41: Widerstand gegen passive Bewegungen der Füße (Item 24): asymmetrischer Muskeltonus
Video 4.42: Prüfung des Bizepssehnenreflexes (Item 25)
Video 4.43: Reflexprüfung an den unteren Extremitäten: Patellarsehnenreflex und Fußklonus (Item 26)
Video 4.44: Fußsohlensensibilität (Item 27) und Fußsohlenreaktion (Item 28): typische Reflexantwort
Video 4.45: Fußsohlensensibilität (Item 27): atypische Reflexantwort, fast keine Reaktion
Video 4.46: Fußsohlensensibilität (Item 27): atypische Reflexantwort, stereotype Zehenbewegungen
Video 4.47: Fußsohlensensibilität (Item 27): atypische Reflexantwort, asymmetrisch
Video 4.48: Fußsohlenreaktion (Item 28): atypische Reflexantwort, stereotype, tonische Dorsalflexion der 1. Zehe
Video 4.49: Fußsohlenreaktion (Item 28): atypische Reflexantwort, stereotype, tonische Plantarflexion der Zehen
Video 4.50: Fußsohlenreaktion (Item 28): atypische Reflexantwort, fast keine Reaktion
Video 4.51: Fußsohlenreaktion (Item 28): atypische Reflexantwort, asymmetrisch
Kapitel 5
Video 5.1: Lächelt reaktiv auf das Lächeln der Mutter oder Untersucherin (Item 1)
Video 5.2: Nimmt Kontakt auf, studiert Gesicht und Mimik (Item 2)
Video 5.3: Reagiert auf gurrende Laute der Untersucherin (Item 3)
Video 5.4: Lautiert dialogartig in Reaktion auf Ansprache (Item 5) und bildet mindestens zwei verschiedene Laute, z. B. gaah, ooh (Item 4)
Video 5.5: Reagiert auf Geräusche (Item 6)
Video 5.6: Fixiert Objekt in 30 cm Entfernung für kurze Zeit (Item 7) und folgt einem Objekt mit Kopf oder Augen horizontal (Item 8) und vertikal (Item 9)
Video 5.7: Bewegt Hand zum Mund (Item 10)
Video 5.8: Schaut eigene Hand an (Item 11)
Video 5.9: Bewegt Arm in Richtung eines attraktiven Objekts (Item 12)
Video 5.10: Im gehaltenen Sitz wird der Kopf für mindestens drei Sekunden gehalten (Item 13)
Video 5.11: Beine sind wechselnd auf der Unterlage und beidseits mindestens drei Sekunden angehoben (Item 14)
Video 5.12: Kopfheben: das Kinn wird mindestens drei Sekunden von der Unterlage abgehoben (Item 15)
Video 5.13: Schaut zwischen Mutter und Untersucherin hin und her (Item 16)
Video 5.14: Expressives Lautieren: Zeigt Gefühle durch Lautieren (Item 17)
Video 5.15: Blinzeln bei optischer Annäherung der Hand (Item 18)
Video 5.16: Wendet Augen zum Geräuschobjekt (Item 19)
Video 5.17: Schaut langsam von einem Geräuschobjekt zum anderen (Item 20)
Video 5.18: Folgt einem Objekt mit Augen oder Kopf horizontal und vertikal (Item 21)
Video 5.19: Bewegt Arm, wenn ein Objekt im Blickfeld erscheint (Item 22)
Video 5.20: Hände werden zur Mittellinie gebracht und Hände berühren sich (Item 23)
Video 5.21: Im gehaltenen Sitzen wird der Kopf für mindestens fünf Sekunden gehalten (Item 24)
Video 5.22: Beine werden von der Unterlage abgehoben mit Fuß-Fuß-Kontakt für mindestens drei Sekunden (Item 25)
Video 5.23: Kopfheben über 45° für mindestens drei Sekunden (Item 26)
Video 5.24: Interessiert sich für die Umgebung und orientiert sich im Raum (Item 27)
Video 5.25: Richtet wechselnd Aufmerksamkeit auf Objekte und Personen (Item 28)
Video 5.26: Bildet mindestens drei verschiedene Laute (Item 29)
Video 5.27: Bildet mindestens einen Lippenlaut und eine Konsonant-Vokal-Verbindung (Item 30)
Video 5.28: Zeigt Gefühle durch Lautieren, lacht stimmhaft (Item 31)
Video 5.29: Schaut auf »verschwundenes« Objekt (Item 32)
Video 5.30: Ergreift ein im Blickfeld gehaltenes Objekt mit der Hand (Item 33)
Video 5.31: Führt Objekt zum Mund und erkundet mit Mund und Hand (Item 34)
Video 5.32: Erkundet Objekt mit beiden Händen (Item 35)
Video 5.33: Hält den Kopf im gestützten Sitzen für mindestens zehn Sekunden, kurzes Wackeln erlaubt (Item 36)
Video 5.34: Hand-Knie-Kontakt (Item 37)
Video 5.35: Kopfheben über 45 Grad mit Abstützen auf den Unterarmen für mindestens fünf Sekunden (Item 38)
Video 5.36: Bildet mindestens drei Konsonant-Vokal-Verbindungen (Item 39)
Video 5.37: Lokalisiert Stimme und wendet Augen zur Stimme (Item 40)
Video 5.38: Schaut mindestens drei Sekunden auf »verschwundenes« Objekt (Item 41)
Video 5.39: Betrachtet in seiner Hand gehaltenes Objekt (Item 42)
Video 5.40: Greift über die Mittellinie (Item 43)
Video 5.41: Übergibt Objekt von Hand zu Hand (Item 44)
Video 5.42: Hält ein Objekt fest und berührt gezielt ein zweites Objekt (Item 45)
Video 5.43: Spielt mit Schnur (Item 46)
Video 5.44: Stützt sich auf beide Unterarme und greift nach Objekt (Item 47)
Video 5.45: Im gehaltenen Sitzen stabile Kopfkontrolle (Item 48)
Video 5.46: Betrachtet aufmerksam und anhaltend die Mimik der Untersucherin (Item 49)
Video 5.47: Benutzt eigene Mimik zur Kommunikation (Item 50)
Video 5.48: Macht durch Lautieren auf sich aufmerksam (Item 51)
Video 5.49: Bildet Silbenreihen mit Sprachmelodie (Item 52)
Video 5.50: Wendet Augen und Kopf zu leisem Geräusch, z. B. Papierrascheln (Item 53)
Video 5.51: Schaut fallendem Objekt nach, das Krach macht (Item 54)
Video 5.52: Untersucht Spielzeug mit Interesse an Einzelheiten (Item 55)
Video 5.53: Hält zwei selbst ergriffene Objekte kurz fest (Item 56)
Video 5.54: Spielt mit Fuß (Hand-Fuß-Kontakt) (Item 57)
Video 5.55: Schaukelnde und schlängelnde Rumpfbewegungen (Item 58)
Video 5.56: Ein- oder beidseitiger Handstütz (Item 59)
Video 5.57: Verfolgt mit Interesse Kuckuck-Spiel (Item 60)
Video 5.58: Zeigt referenziellen Blickkontakt (Item 61)
Video 5.59: Verdeutlicht Wünsche mit Gesten und Mimik (Item 62)
Video 5.60: Imitiert Konsonant-Vokal-Verbindungen (Item 63)
Video 5.61: Beobachtet Kritzeln (Item 64)
Video 5.62: Macht Geräusch durch Klopfen mit Objekt (Item 65)
Video 5.63: Ergreift und hält zwei Objekte für mindestens drei Sekunden fest (Item 66)
Video 5.64: Zieht Objekt absichtlich an Schnur heran (Item 67)
Video 5.65: Sitzt ohne Unterstützung für mindestens drei Sekunden frei (Item 69)
Video 5.66: Dreht sich von der Rückenlage in die Bauchlage (Item 70)
Video 5.67: Greift aus der Bauchlage (Item 71)
Video 5.68: Kreisdrehen (Pivoting) (Item 72)
Video 5.69: Imitiert nach Aufforderung z. B. Klatschen, Wedeln (Item 73)
Video 5.70: Reagiert auf ein deutliches »nein« (Item 74)
Video 5.71: Erwartet mit Blick verschwundenes Objekt (Item 75)
Video 5.72: Schaut Bilder im Buch an (Item 76)
Video 5.73: Dreht und wendet Objekt beim Betrachten (Item 77)
Video 5.74: Versucht Objekt aus Becher zu räumen (Item 78)
Video 5.75: Kommt selbständig in Vierfüßlerstand (Item 79)
Video 5.76: Fortbewegung z. B. durch Robben, Rollen (Item 80)
Video 5.77: Bildet verbundene Drei-Silbenkette (canonic babbling) (Item 81)
Video 5.78: Reagiert auf eigenen Namen (Item 82)
Video 5.79: Läutet Glocke absichtlich (Item 83)
Video 5.80: Entfernt ein Hindernis, um an ein Objekt zu kommen (Item 84)
Video 5.81: Exploriert Objekt beim Betrachten mit den Fingerspitzen (Item 85)
Video 5.82: Legt Objekt in einen Becher (Item 86)
Video 5.83: Sitzt anhaltend frei (Item 87)
Video 5.84: Sitzt frei und dreht Oberkörper (Item 88)
Video 5.85: Kniestand und hält sich dabei an Möbeln fest (Item 89)
Video 5.86: Fortbewegung auf allen Vieren, Hüpfen, Poporutschen (Item 90)
Video 5.87: Imitiert Backe-Backe-Kuchen oder andere Fingerspiele (Item 91)
Video 5.88: Variiert Mimik, Gestik in Reaktion auf vertraute und fremde Personen (Item 92)
Video 5.89: Reagiert auf die Frage: »Wo ist …?« (Person, Objekt) (Item 93)
Video 5.90: Bildet mindestens zwei verschiedene verbundene Drei-Silbenketten (Item 94)
Video 5.91: Schaut Bilder im Buch an und blättert um (Item 95)
Video 5.92: Gemeinsame Exploration (joint attention) (Item 96)
Video 5.93: Nutzt den Zeigefinger zum Berühren von Details eines Objekts (Item 97)
Video 5.94: Setzt sich selbständig hin (Item 98)
Video 5.95: Zieht sich zum Stehen hoch (Item 99)
Video 5.96: Findet Objekt unter einem Becher (Item 100)
Video 5.97: Hält zwei Objekte und ergreift ein drittes (Item 101)
Video 5.98: Benutzt Löffel zum Rühren in Becher, auf Teller (Imitation) (Item 102)
Video 5.99: Zieht an der richtigen Schnur Objekt heran (Item 103)
Video 5.100: Macht einige Schritte seitwärts an Möbeln (Item 104)
Video 5.101: Auf Aufforderung werden semantische Gesten gezeigt (Item 105)
Video 5.102: Verwendet »Mama« oder »Papa« oder anderes Wort begrifflich (Item 106)
Video 5.103: Findet Objekt unter einem von zwei Bechern (Item 107)
Video 5.104: Deutet mit Zeigefinger auf Person oder Objekt (Item 108)
Video 5.105: Benutzt Pinzettengriff (Item 109)
Video 5.106: Wirft kleinen Ball nach vorn (Item 110)
Video 5.107: Steht für mindestens drei Sekunden frei (Item 111)
Video 5.108: Geht einige Schritte an einer Hand gehalten (Item 112)
Video 5.109: Geht in die Hocke mit Festhalten (Item 113)
Kapitel 6
Video 6.1: Typische und atypische Emotionalität
Video 6.2: Typische und atypische Selbstregulation
Video 6.3: Typische und atypische Reaktivität
Danksagung
Die Arbeit, die wir in diesem Buch beschreiben, ist das Ergebnis von Zusammenarbeit und Beiträgen vieler Personen. Wir danken Herrn Professor Dr. med. Prof h.c. (UCM) Florian Heinen aus München für seinen Enthusiasmus und die Unterstützung bei der Durchführung und Fertigstellung von SINDA. Wir danken auch dem interdisziplinären Team am SPZ Frankfurt-Mitte (Deutschland) für das anhaltende Interesse an SINDA und die Energie bei der Datenerhebung unserer klinischen Kollektive. Unser Dank gilt auch dem Team der Physiotherapie am Universitäts-Kinderspital in Basel (Schweiz) für die gute Zusammenarbeit und die Unterstützung in unserem SINDA Projekt. Wir sind besonders dankbar für die glänzende und kompetente Unterstützung von Anneke Kracht, die alle Abbildungen und Videoclips aufbereitet hat. Wir möchten auch Dr. André Rupp für seine hervorragende statistische Unterstützung aufrichtig danken. Wir danken Donna Tennigkeit (Medizinstudentin) für die Eingabe der klinischen Daten in die Datenbanken.
Die Erhebung der niederländischen Normdaten wäre nicht möglich gewesen ohne die Beiträge der Kolleginnen der KinderAcademie in Groningen (Niederlanden; Leitung der KinderAcademie: Selma de Ruiter, PhD, und Francien Geerds, MSc), der vielen Masterstudierenden der Medizin der Universität von Groningen, der Kinderphysiotherapeutinnen Ying-Chin Wu, PhD, und Patricia van Iersel, PhD, und der Kinderneurologin Kirsten R. Heineman, PhD. Nicht zuletzt danken wir den vielen Eltern und Säuglingen, die an den Untersuchungen, die diesem SINDA-Manual zugrunde liegen, teilgenommen haben, insbesondere denen, die es uns erlaubt haben, Fotos und/oder Videoaufnahmen ihrer Säuglinge als Bildmaterial für SINDA zu verwenden.
Die Erhebung der Normdaten war Teil des IMP-SINDA-Projekts, das von der Cornelia Stiftung und der Stiftung Entwicklungsneurophysiologie Groningen finanziell unterstützt wurde. Schließlich danken wir Linze Dijkstra für die technische Unterstützung beim IMP-SINDA-Projekt.
Mijna Hadders-Algra, Uta Tacke, Joachim Pietz und Heike Philippi
1 Einführung
1.1 Was ist SINDA – Standardized Infant NeuroDevelopmental Assessment?
Das Untersuchungsverfahren »Standardized Infant NeuroDevelopmental Assessment« ist eine klinische Screeningmethode zur Identifikation und Begleitung von Säuglingen, die ein hohes Risiko für entwicklungsneurologische Erkrankungen haben. Sie ist anwendbar für den Altersbereich von sechs Wochen bis zwölf Monaten »Korrigierten Alters (KA)«. SINDA richtet sich an medizinische Fachpersonen, die in der Frühdiagnostik von Entwicklungsstörungen und neurologischen Erkrankungen tätig sind, wie z. B. Kinder- und Jugendärzte, Entwicklungs-, Kinderneurologen, spezialisierte Physio-, Ergo- und Sprachtherapeuten. SINDA ermöglicht es den Fachpersonen, den aktuellen entwicklungsneurologischen Befund zu bestimmen und gibt Informationen zum Risiko des Kindes für spätere Entwicklungsstörungen und neurologische Erkrankungen wie Cerebralparese, Intelligenzminderung oder Verhaltensstörungen (Hadders-Algra et al. 2019, 2020).
SINDA besteht aus drei Skalen:
• Die Neurologische Skala besteht aus 28 Items, die für den gesamten Altersbereich von sechs Wochen bis zwölf Monaten KA gelten und in jedem Lebensalter identisch formuliert sind. Ein Schwerpunkt liegt auf der Beurteilung der Qualität der spontanen Bewegungen. Die Durchführungszeit beträgt etwa zehn Minuten.
• Die Entwicklungs-Skala besteht aus 15 Items für das korrigierte Alter des jeweiligen Kindes; für den gesamten Altersbereich gibt es 113 Items. Sie umfassen die Bereiche Kognition, Kommunikation, Grob- und Feinmotorik. Die Durchführungszeit ist abhängig vom Alter des Säuglings; sie beträgt etwa 5–7 Minuten für die jüngste und 10–15 Minuten für die älteste Altersgruppe.
• Die Sozioemotionale Skala beurteilt vier Verhaltenskategorien: Interaktion, Emotionalität, Selbstregulation und Reaktivität. Die Items sind für den gesamten Altersbereich identisch. Sie werden während der Durchführung der Entwicklungs-Skala mitbeurteilt, sodass keine zusätzliche Zeit nötig ist.
SINDA kann in jeder (geeigneten) Umgebung durchgeführt werden. Man braucht nur einfache Materialien: eine Untersuchungsmatratze (-liege) und ein paar attraktive Objekte, die in jeder Spielzeugabteilung erhältlich sind, wie eine kleine Micky Maus Figur, eine Rassel und einen Ball.
1.2 Warum SINDA?
SINDA wurde entwickelt, da es bislang kein kurzes und präzises Verfahren gab, das den neurologischen Status, den Entwicklungsstand und den sozioemotionalen Befund des Säuglings beurteilt. Es gibt zwar Verfahren, die jeweils einzelne Domänen berücksichtigen. So kann der neurologische Befund mit der Hammersmith Infant Neurological Examination (HINE; Haataja et al. 1999; Romeo et al. 2016) und mit den Methoden nach Amiel-Tison (Amiel-Tison und Grenier 1986) und Touwen (Touwen 1976) beurteilt werden. HINE ist international weit verbreitet und schnell durchführbar. Allerdings berücksichtigt HINE kaum die spontanen Bewegungen, obwohl nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen der Zustand des kindlichen Gehirns gerade über die Spontanmotorik erkannt werden kann. Aus diesem Grund hat die Qualität der Spontanmotorik in der Neurologischen Skala von SINDA einen zentralen Stellenwert. (HINE hat den Nachteil, dass die Risikoabschätzung altersabhängig ist und nicht für alle Altersgruppen im Säuglingsalter zur Verfügung steht.)
Zur Entwicklungsbeurteilung des Säuglings werden häufig die Bayley Scales of Infant and Toddler Development (Bayley 2006), die Griffiths Mental Development Scales (Green et al. 2015) und die Mullen Scales of Early Learning (Mullen 1995) durchgeführt. Diese Verfahren dienen der umfassenden – im Alltag oft delegierten – Entwicklungsbeurteilung, wohingegen es sich bei SINDA um ein Screeningverfahren handelt. Im Vergleich zu den genannten Tests gilt für SINDA:
1. SINDA beschränkt sich auf das 1. Lebensjahr,
2. SINDA hat die praktikabel kürzeste Durchführungszeit,
3. SINDA lässt sich leicht erlernen und
4. SINDA benötigt als Materialien nur gängige Spielsachen, die leicht und überall im allgemeinen Handel erhältlich sind.
Damit ist SINDA das einzige Verfahren, das zum Screening von neurologischem Befund, Entwicklungsstand und sozioemotionalem Verhalten einfach und zu geringen Kosten anwendbar ist. Es kann ohne Schwierigkeiten in den klinischen Alltag von medizinischen Fachleuten integriert werden.
1.3 Das SINDA Manual
Das SINDA Manual erleichtert Anwenderinnen die Durchführung der SINDA Skalen. Kapitel 2, ein theoretisches Kapitel, fasst die Prozesse der frühen Hirnentwicklung zusammen und bildet so eine Grundlage für die Früherkennung und Frühintervention entwicklungsneurologischer Störungen und Erkrankungen. Kapitel 3 beschreibt die praktischen Aspekte bei der Testung und gibt Informationen zu den psychometrischen Eigenschaften von SINDA.
Kapitel 4–6 bilden den Hauptteil des Manuals, sie beschreiben die Durchführung der einzelnen Items und benennen die Kriterien für die Beurteilung als »typisch« und »atypisch«. Dabei bezieht sich Kapitel 4 auf die Neurologische Skala, Kapitel 5 auf die Entwicklungs-Skala und Kapitel 6 auf die Sozioemotionale Skala. Zu den Kapiteln gehören neben den Abbildungen auch zahlreiche Videobeispiele, die über https://dl.kohlhammer.de/978-3-17-037922-0_sinda angesehen werden können. Der kurze Text zu den Videos ist in englischer Sprache verfasst, da SINDA international eingesetzt wird. In Kapitel 7, dem letzten Kapitel, wird die Aussagekraft der SINDA Ergebnisse im Hinblick auf spätere entwicklungsneurologische Erkrankungen und aktuellen Förder- und Behandlungsbedarf beleuchtet.
Zum Schluss der Einführung drei wichtige Anmerkungen:
• Erstens: Altersangaben in diesem Manual beziehen sich stets auf das um die Frühgeburtlichkeit korrigierte Alter (KA), außer sie werden explizit anders benannt (z. B. Fetalalter oder Gestationsalter bei Frühgeborenen).
• Zweitens verwenden wir die Begriffe »Mutter« und »Eltern« stellvertretend für den Vater und für andere Bezugs- und Begleitpersonen bei der Untersuchung.
• Drittens ist es für Autoren immer schwierig über Personen zu schreiben, die ja weiblich, männlich oder divers sein können. Man hat die Wahl zwischen korrekter Benennung aller Geschlechtsformen oder die Beschränkung auf nur eine. Im letzten Fall ist der Text wesentlich einfacher zu lesen, erweckt jedoch den Eindruck, andere Geschlechter würden vernachlässigt werden. Wir haben uns aus Gründen der besseren Lesbarkeit entschieden, jeweils nur eine Geschlechtsform zu verwenden, für die Fachpersonen die weibliche und für das Kind die männliche Form. Wir möchten hiermit ausdrücklich unsere alle-Geschlechter-respektierende Haltung betonen.
I Grundlagen
2 Frühzeitige Erkennung von Säuglingen mit hohem Risiko für Entwicklungsstörungen und neurologische Erkrankungen
Es ist eine große diagnostische Herausforderung, bereits früh im Säuglingsalter Kinder mit Entwicklungsstörungen und neurologischen Erkrankungen oder dem hohen Risiko für diese sicher zu erkennen. Die Schwierigkeit ergibt sich aus den erstaunlichen Entwicklungsprozessen des jungen Gehirns, die eine frühe präzise Vorhersage von Entwicklungsstörungen erschweren. Andererseits ermöglicht die hohe Plastizität des jungen Gehirns Chancen für Frühinterventionen. In diesem Kapitel werden die folgenden Themen dargestellt: (1) Eine Übersicht der entwicklungsbedingten Veränderungen des jungen menschlichen Nervensystems, (2) die Ursachen von Entwicklungsstörungen und neurologischen Erkrankungen, (3) die Schwierigkeiten bei der Früherkennung. Zum Abschluss (4) werden wir darlegen, dass Säuglinge mit einem hohen Risiko für Entwicklungsstörungen möglichst frühzeitig identifiziert werden sollen, denn nur so können Frühinterventionen eingesetzt werden, die darauf abzielen, den kindlichen Entwicklungsverlauf zu verbessern und das Wohl der Familie zu fördern.
2.1 Die Entwicklung des jungen menschlichen Nervensystems
Die Entwicklung des menschlichen Gehirns dauert viele Jahre: Erst im Alter von etwa 40 Jahren entspricht es in seiner Konfiguration dem Gehirn eines Erwachsenen (De Graaf-Peters und Hadders-Algra 2006; Hadders-Algra 2018a;
Abb. 2.1). Die Entwicklungsprozesse im Gehirn sind das Ergebnis einer kontinuierlichen Wechselwirkung von Genen und Umwelt, Aktivität und Erfahrung.
Die neuronale Entwicklung beginnt in der fünften Wochen post menstruationem (pm) mit der Bildung des Neuralrohrs aus dem Ektoderm. Das sehr junge Neuralrohr generiert bereits spontane Aktivität. Die ersten Bewegungen des Fetus treten mit sieben Wochen pm auf, bevor spinale Reflexbögen vollständig ausgebildet sind. Daran lässt sich erkennen, dass intrinsische, spontane Bewegungsmuster eine Grundeigenschaft des Nervengewebes darstellen. Kurz darauf werden die spontan generierten Bewegungsmuster durch afferente Information ergänzt und damit die weitere Hirnentwicklung unterstützt (Hadders-Algra 2018a, b).
Abb. 2.1: Schematischer Überblick über die im menschlichen Gehirn ablaufenden Entwicklungsprozesse
Die fettgedruckten Linien zeigen an, dass die links erwähnten Prozesse sehr aktiv sind, die gestrichelten Linien zeigen an, dass die Prozesse zwar noch andauern, aber weniger ausgeprägt ablaufen. Das Diagramm basiert auf der Übersicht von Hadders-Algra (2018a).
EGL = external granular layer (äußere Körnerschicht); M = Monate; PMA = postmenstruelles Alter; W = Wochen; J = Jahre. Abbildung mit freundlicher Genehmigung von ›Early Detection and Early Intervention in Developmental Motor Disorders - from Neuroscience to Participation‹ von Mijna Hadders-Algra, veröffentlicht von Mac Keith Press (www.mackeith.co.uk) in der Reihe »Clinics in Developmental Medicine«, 2021.
Kurz nach dem Verschluss des Neuralrohrs beginnt in spezifischen ventrikelnahen Bereichen die Bildung der corticalen Zellpopulationen. Die meisten neuronalen Zellen werden zwischen der 5. und 25.–28. Woche pm gebildet. Von ihrem periventrikulärem Ursprungsort aus wandern sie zu ihrem Zielort an der Cortexoberfläche. Dieser Migrationsprozess findet zwischen der 12. und 28. Woche pm statt und erreicht seinen Höhepunkt zwischen der 20. und 26. Woche pm. Während der Wanderung beginnen sie sich zu differenzieren, d. h. sie bilden Axone, Dendriten, Synapsen mit Neurotransmittern und Rezeptoren. Ebenso bilden sich intrazelluläre Strukturen und die komplexen, neuronalen Membranen. Es ist wichtig festzuhalten, dass die ersten Generationen von Zellpopulationen ihre Wanderung nicht bis zum Cortex fortsetzen, sondern diese in der sogenannten corticalen Subplatte beenden.
Die corticale Subplatte liegt als transiente Struktur zwischen der corticalen Platte und der späteren weißen Substanz. Sie bildet das Zentrum, in dem neuronale Differenzierung und Synaptogenese für den sich entwickelnden cerebralen Cortex stattfinden; hier münden die ersten corticalen Afferenzen (z. B. vom Thalamus) und hier findet sich die höchste synaptische Aktivität der mittleren Fetalzeit (Kostović et al. 2015). Die Subplatte ist auch eine wichtige Struktur für die Organisation des fetalen motorischen Verhaltens. Dies zeigt sich auch daran, dass die synaptische Aktivität in der corticalen Subplatte etwa zeitgleich mit komplexen Bewegungen auftritt, die sämtliche Körperteile einschließen und variable Gelenkstellungen möglich machen (Hadders-Algra 2018b).
Die Subplatte ist zwischen der 28. und 34. Woche pm am dicksten. Kurz davor, mit etwa 25–26 Wochen pm beginnen Subplatten-Populationen allmählich abzusterben und später gebildete Populationen fangen an, die corticale Platte zu besiedeln. Zeitgleich kommt es zur Verlagerung der thalamo-corticalen Afferenzen, die nun zu ihrem endgültigen Ziel, der corticalen Platte einsprossen (Kostović et al. 2014a).
Im dritten Schwangerschaftsdrittel nimmt der cerebrale Cortex an Größe zu, die Gyrierung beginnt (Kostović und Judas 2010), gleichzeitig wird die Subplatte schmächtiger. Zu diesem Zeitpunkt existieren im menschlichen Cortex zwei getrennte, aber miteinander im Austausch stehende Schaltkreise: ein transienter fetaler Schaltkreis in der Subplatte und der noch unreife, aber sich stetig weiterentwickelnde bleibende Schaltkreis in der corticalen Platte (Rindenplatte). Dieser Zustand der »Doppelverschaltungen« dauert an bis sich die Subplatte zurückbildet. Das passiert im primären motorischen, sensorischen und visuellen Cortex im Alter von etwa drei Monaten nach dem errechnetem Termin (ET), im assoziativen präfrontalen Cortex aber erst im Alter von etwa einem Jahr (Kostović et al. 2014b).
Die Prozesse bei der Entwicklung des Kleinhirns sind ähnlich, sie haben jedoch einen anderen zeitlichen Verlauf. Der Höhepunkt der Kleinhirnneurogenese liegt zwischen der 12. und 34. Woche pm. Zu dieser Zeit bilden sich die im Kleinhirn zahlenmäßig dominierenden Zellen, die Körnerzellen. Sie entstehen in der äußeren Granulatschicht, einer ebenfalls nur transienten Struktur des jungen Gehirns. Diese Schicht ist zwischen der 12. Woche pm und 3–4 Monaten nach ET am stärksten ausgeprägt. Von der äußeren Körnerschicht wandern die Körnerzellen einwärts zu ihrem endgültigen Zielort in der inneren Körnerschicht und nicht wie die corticalen von innen nach außen (Hadders-Algra 2018a).
Zur Entwicklung des Gehirns gehört auch die Bildung von Gliazellen, die besonders in der zweiten Schwangerschaftshälfte erfolgt. Ein Teil der Gliazellen, die Oligodendrozyten, sind u. a. für die Myelinisierung der Axone zuständig. Die Oligodendrozyten werden besonders zwischen der 28. und 40. Woche pm gebildet (Volpe 2009). Die Myelinisierung ist im letzten Schwangerschaftsdrittel und in den ersten sechs Monaten nach ET besonders stark (Yakovlev und Lecours 1967; Haynes et al. 2005). Sie ist allerdings dann ein langandauernder Prozess, der erst im Alter von etwa vierzig Jahren abgeschlossen ist (De Graaf-Peters und Hadders-Algra 2006).
Die Entwicklung des Nervensystems besteht nicht nur aus der Produktion neuraler Elemente wie Axone und Synapsen, sondern es kommt auch zu Abbauprozessen mit neuronalem Zelltod (durch Apoptose), Axonretraktion und Synapsenelimination. Der Nervenzelltod wurde bereits erwähnt; im Zentralnervensystem von Säugetieren sind schätzungsweise die Hälfte der ursprünglich gebildeten Nervenzellen davon betroffen. Sie sterben als Folge der Wechselwirkung zwischen endogen programmierten Prozessen und exogenen Einflüssen. Erfahrung induziert chemische und elektrische Signale, die dann in diese Wechselwirkung eingehen (Lossi und Merighi 2003). Ein bekanntes Beispiel ist die Axonelimination während der Entwicklung der cortico-spinalen Bahnen. Anfangs sind die Projektionen zum Rückenmark bilateral angelegt, aber allmählich – etwa ab dem letzten Schwangerschaftsdrittel – werden die Axone der ipsilateralen Bahnen eliminiert. Dieser Eliminationsprozess dauert bis zum Alter von etwa zwei Jahren, dann besteht der cortico-spinalen Trakt hauptsächlich aus kontralateralen Projektionen (Eyre 2007). Die Rückbildung zentraler Synapsen beginnt im mittleren Schwangerschaftsdrittel und ist zwischen Pubertätsbeginn und frühem Erwachsenenalter am stärksten (Petanjek et al. 2011).
Zur Hirnentwicklung gehört auch die Bildung von Neurotransmittern und Rezeptoren, die ab dem frühen Fetalalter vorhanden sind (für eine Übersicht siehe Herlenius und Lagercrantz 2001). Interessanterweise gibt es um den ET eine vorübergehende spezifische Programmierung verschiedener Transmittersysteme mit transienter Überexpression der noradrenergen α2- und der glutamatergen NMDA-Rezeptoren, relativ hoher serotonerger Aktivierung und einem hohen dopaminergen Umsatz. Vermutlich wird durch diese Neurotransmitterkonstellation um den ET eine erhöhte Erregbarkeit erreicht, die unter anderem auch die Motoneurone betrifft. Diese wird benötigt, um den Übergang vom periodischen Atemmuster des Fetus zur postnatalen kontinuierlichen Atmung zu erleichtern, die eine Voraussetzung für das postnatale Überleben ist (Hadders-Algra 2018b).
Zusammenfassend ist das Gehirn während Fetalzeit und erstem Lebensjahr des Kindes durch eine besonders hohe Entwicklungsaktivität mit lebenszeitig einmaliger Dynamik gekennzeichnet. Die deutlichsten Veränderungen finden in der zweiten Schwangerschaftshälfte und in den ersten drei Monaten nach ET statt, besonders in der corticalen Subplatte und im Kleinhirn. Da die transiente Subplatte zahlreiche komplexe Entwicklungsänderungen durchläuft und dies in Wechselwirkung mit bedeutsamer funktioneller Aktivität passiert, werden zwei Entwicklungsphasen unterschieden: 1) die transiente Phase der corticalen Subplatte, die etwa drei Monate nach ET endet, wenn nämlich permanente Schaltkreise im primärmotorischen und somatosensorischen Cortex und in der Sehrinde die Subplatte ersetzen; und anschließend 2) die Phase, in der permanente Schaltkreise dominieren. In dieser zweiten Phase, insbesondere in den verbleibenden Monaten des ersten Lebensjahres, bestehen die entwicklungsbedingten Veränderungen im Wesentlichen in der Neubildung von Axonen, Dendriten- und Synapsen, einer ausgeprägten Myelinisierung und der Integration permanenter Schaltkreise in den Assoziationsfeldern (Hadders- Algra 2018a).
Tab. 2.1: Ursachen/Faktoren, die zu Entwicklungsstörungen und neurologischen Erkrankungen führen können

aus: Dan et al. 2014; Deciphering Developmental Disorders Study 2015; Mwaniki et al. 2012; Miller et al. 2016; Stanley et al. 2000.
CMV = Cytomegalie Virus
a Geburtsgewicht < 10. Perzentile; b 2014 geschätzte Rate an Frühgeborenen, weltweit 10,6 %, entsprechend fast 15.000 000 Lebendgeborenen im Jahr 2014 (Chawanpaiboon et al. 2019).
UrsachenZeitpunkt
2.2 Ätiologie neurologischer Entwicklungsstörungen
Die häufigsten Ursachen, die zu Entwicklungsstörungen führen und/oder damit assoziiert sind, werden in Tabelle 2.1 zusammengefasst. Ob eine Erkrankung oder ein Risikofaktor wie eine intrauterine Wachstumsretardierung oder Frühgeburtlichkeit zu einer entwicklungsneurologischen Erkrankung führt oder nicht, hängt ab von:
• dem Zeitpunkt des Einwirkens
• der Intensität des Risikoereignisses
• der Dauer des Risikoereignisses
• der Resilienz des Säuglings und der Familie und davon, ob die Risikofaktoren isoliert oder in Kombination mit anderen auftreten.
So ist beispielsweise bekannt, dass die Cerebralparese (CP) häufig das Ergebnis nicht nur einer einzelnen, sondern einer Kette ungünstiger Bedingungen ist (Stanley et al. 2000). Eine solche Kette ungünstiger Bedingungen ist z. B. das Rauchen der Schwangeren, die intrauterine Wachstumsretardierung, die Frühgeburtlichkeit, und die darauffolgende intraventrikuläre Blutung.
Die Risikofaktoren können zu Hirnanlagestörungen, Hirnschädigungen, wie z. B. zu »white matter lesions«, (sogenannter periventrikulärer Leukomalazie) oder zu einem ischämischen Infarkt im Versorgungsgebiet der Arteria cerebri media, aber auch zu subtileren, mikrostrukturellen – mit Bildgebung nicht eindeutig detektierbaren – Beeinträchtigungen der Hirnentwicklung führen.
2.3 Herausforderungen bei der Früherkennung von entwicklungsneurologischen Erkrankungen
Die großen neurobiologischen Veränderungen im jungen Gehirn haben weitreichende Folgen für die entwicklungsneurologische Diagnostik im ersten Lebensjahr des Kindes. In den folgenden drei Abschnitten werden die wichtigsten Aspekte behandelt.
2.3.1 Entwicklungsneurologische Beurteilungsmethoden müssen altersspezifisch sein
Die fortlaufenden Veränderungen in der frühen Hirnentwicklung erfordern altersspezifische Untersuchungsmethoden. Mit anderen Worten, die Methoden müssen an die altersspezifischen Merkmale des Nervensystems angepasst werden. SINDA wurde für Säuglinge im Alter von sechs Wochen bis zwölf Monaten entwickelt. Wir haben sechs Wochen KA als untere Altersgrenze gewählt, weil dann die Phase um den ET endet, die durch eine transiente physiologische Übererregbarkeit beschrieben werden kann. Als obere Altersgrenze von SINDA haben wir zwölf Monate festgelegt, mit dem Ziel, eine Neurologische Skala zu entwickeln, die altersunabhängig ist. Bei Säuglingen bis zum Alter von zwölf Monaten können motorische Reaktionen wie die Traktion zum Sitzen oder die axilläre Hängelage auf gleiche, standardisierte Weise provoziert werden. Etwa ab zwölf Monaten jedoch, wenn die Kinder fast oder ganz frei gehen können, lassen sich diese Reaktionen nicht mehr zuverlässig bewerten. In diesem Alter hat sich die Fähigkeit des Gehirns im Hinblick auf eine antizipatorische Haltungskontrolle so stark geändert (Cignetti et al. 2013), dass die Kinder eine passive Haltungsprovokation nicht mehr zulassen.
Die entwicklungsneurologischen Änderungen bestimmen die Altersspanne von SINDA. Innerhalb des Altersbereichs sechs Wochen bis zwölf Monate wurde SINDA so konstruiert, dass (1) die Neurologische Skala altersunabhängig ist, und zwar nicht nur in der Art der verwendeten Untersuchungsitems, sondern auch im Hinblick auf die Beurteilungskriterien für typische und atypische Leistungen und auf den Risiko cut-off; (2) die Entwicklungs-Skala von SINDA aus einem Set unterschiedlicher Items für jeden Altersmonat besteht, die jedoch zu einem identischen Grenzwert für atypische Leistungen für jedes Alter führen; (3) die Sozioemotionale Skala von SINDA aus identischen Items und Beurteilungskriterien für atypisches Verhalten besteht.
2.3.2 Entwicklungsneurologische Dysfunktionen stellen sich altersabhängig unterschiedlich dar
Die altersabhängigen Eigenschaften des Nervensystems beeinflussen die Art und Weise, in der die Funktionsstörung des Gehirns zum Ausdruck kommt. Bei Erwachsenen zeigt sich eine neurologische Beeinträchtigung durch spezifische und fokale Symptome, z. B. als spezifisches Syndrom einer spastischen Hemiparese nach ischämischem Hirninfarkt (Stroke). Im Gegensatz dazu machen sich neurologische Störungen bei jungen Säuglingen überwiegend durch eine generalisierte und unspezifische Funktionsstörung bemerkbar. Beispielsweise kann ein Frühgeborenes mit einem linksseitigen Infarktgeschehen durch generalisierte Hypotonie, generalisierte Hypertonie, Hypokinesie, Hyperexzitabilität oder abnorme »General Movements« auffallen (Hadders-Algra 2004; Hamer et al. 2018). Bei Säuglingen, die später die Diagnose einer CP bekommen, ändert sich die Symptomatik graduell von den frühen unspezifischen Symptomen bis hin zur spezifischen (spastischen, dyskinetischen oder ataktischen, uni- oder bilateralen) CP-Symptomatik. Deshalb wird eine CP meist erst gegen Ende des ersten Lebensjahrs oder später diagnostiziert (Granild-Jensen et al. 2015). Es gibt jedoch viele Ausnahmen von dieser allgemeinen Regel. Beispielsweise kann bei einigen Kindern die Diagnose einer unilateralen spastischen CP schon in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres gestellt werden, während sich bei anderen Kindern das klinische Bild der CP erst nach Jahren eindeutig zeigt. Auch andere Diagnosen können erst nach einiger Zeit gestellt werden. So treten die ersten subtilen Symptome von Autismus-Spektrum-Störungen (ASD) meist in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres auf (Ozonoff et al. 2010), das mittlere Alter der Diagnosestellung liegt derzeit jedoch noch bei 4–5 Jahren (Zwaigenbaum und Penner 2018).
2.3.3 Eine frühe Entwicklungsvorhersage ist schwierig
Die tiefgreifenden Veränderungen der Hirnentwicklung im Säuglingsalter (
Abb. 2.1) haben wichtige Konsequenzen für unsere Möglichkeiten, bereits früh eine Vorhersage von Entwicklungsrisiken zu treffen. Säuglinge können eine komplikationsreiche Neonatalanamnese, einschließlich einer Hirnläsion (z. B. eine intraventrikuläre Blutung) haben und früh atypische entwicklungsneurologische Befunde zeigen. Trotzdem ist es aufgrund der großen Neuro-Plastizität möglich, dass sie aus ihren Symptomen »herauswachsen« und sich im weiteren Verlauf motorisch unauffällig entwickeln. Aber auch das Gegenteil ist möglich: Kinder, die im frühen Alter asymptomatisch sind, können mit zunehmendem Alter auffällig werden, da die Anforderungen an neuronale Leistungen komplexer werden und die Umweltanforderungen steigen (Hadders-Algra 2002; Zwaigenbaum und Penner 2018). Das Kind – mit seinem läsionsbedingt eingeschränkten biologischen Repertoire – wächst in sein Defizit hinein.
2.4 Früherkennung ebnet den Weg für Frühinterventionen
Das Kapitel 2.3.3 unterstreicht, dass es schwierig ist, im ersten Lebensjahr neurologische Entwicklungsstörungen verbindlich zu diagnostizieren. Dies widerspricht jedoch nicht der möglichen Notwendigkeit frühzeitiger Interventionen. Säuglinge ohne spezifische Diagnose, aber mit einem hohen Risiko für eine entwicklungsneurologische Erkrankung, brauchen frühe Fördermaßnahmen, um ihr plastizitätsbedingtes Entwicklungspotenzial auszuschöpfen. Frühinterventionen zielen jedoch nicht primär darauf ab, eine spezifische Diagnose zu behandeln oder zu verhindern, sondern das Kind und seine Familie im Alltag zu unterstützen. Die Alltagssituation ist im Allgemeinen gekennzeichnet durch die psychische Belastung der Eltern und die anhaltenden Sorgen um die atypische Entwicklung des Kindes, die ihm nur begrenzte Möglichkeiten zur Erkundung seiner Umgebung gibt. Eine frühe Intervention soll beide Aspekte berücksichtigen (Hadders-Algra et al. 2017; Spittle et al. 2015; Hadders-Algra 2021a, b). Erstens zielt sie darauf ab, die Eltern zu unterstützen, insbesondere ihnen im Umgang mit ihrem Kind mehr Sicherheit zu vermitteln. Das ist dann besonders nötig, wenn das Kind nach der Geburt auf der Neugeborenen-Intensivstation aufgenommen war. Zweitens hat die frühzeitige Intervention das Ziel, die Entwicklung des Kindes direkt zu fördern indem sie die hohe Neuroplastizität der frühen Entwicklung so weit wie möglich nutzt.
Was bedeutet das für SINDA? SINDA ist ein Screening-Instrument zur Erkennung von Säuglingen mit hohem Risiko für Entwicklungsstörungen und neurologische Erkrankungen. Wenn SINDA beim Kind ein solches Entwicklungsrisiko entdeckt, wird ein doppeltes Vorgehen empfohlen: (1) weitere Diagnostik zur Ursachenklärung; und (2) Einleitung frühzeitiger Fördermaßnahmen. Dies wird in Kapitel 7 näher erläutert.
3 Aufbau, psychometrische Eigenschaften und Anwendung von SINDA
Dieses Kapitel besteht aus vier Teilen. Im ersten Teil wird der Aufbau von SINDA dargestellt, im zweiten die psychometrischen Eigenschaften und im dritten Teil die Anwendung von SINDA in der klinischen Praxis. Das Kapitel schließt mit einer kleinen Einführung in die folgenden Kapitel, in denen die SINDA-Items im Detail beschrieben werden.
3.1 Aufbau
SINDA ist ein entwicklungsneurologisches Screeningverfahren für Säuglinge im Alter von sechs Wochen bis zwölf Monaten KA. Es ist so konzipiert, dass es von Fachpersonen der Säuglingsbetreuung wie Kinderärzten, Entwicklungspädiatern, Kinderneurologen und auf Kinder spezialisierte Therapeuten (Physio-, Ergo- und Sprachtherapeuten) relativ einfach und schnell genutzt werden kann. SINDA liefert Fachpersonen nicht nur Informationen über den aktuellen entwicklungsneurologischen Befund, sondern auch über das Risiko des Säuglings für eine entwicklungsneurologische Erkrankung wie CP, geistige Behinderung und/oder Autismus-Spektrum-Störung.
SINDA besteht aus drei Skalen: einer Neurologischen Skala, einer Entwicklungs-Skala und einer Sozioemotionalen Skala. Der Aufbau der Skalen wird im Folgenden zusammengefasst. Die Items der einzelnen Skalen werden in den anschließenden Kapiteln beschrieben.
3.1.1 Neurologische Skala
Die neurologische Skala von SINDA wurde als Untersuchungsinstrument konzipiert, das (1) alle neurologischen Bereiche des Säuglings berücksichtigt; (2) standardisiert ist, d. h. aus einem identischen Satz von Items und Beurteilungskriterien für Säuglinge im Alter von sechs Wochen bis zwölf Monaten besteht; (3) einen Risiko-Grenzwert hat, der weitgehend unabhängig vom Alter des Säuglings ist; (4) in etwa zehn Minuten durchführbar ist, einschließlich der Befunddokumentation auf dem einseitigen Untersuchungsformular (
Abb. 4.1); (5) mit einem wesentlichen Teil der Items die Qualität spontaner Bewegungen erfasst; und (6) Aussagen zur Entwicklungsprognose ermöglicht.
Die Skala besteht aus 28 Items, die fünf neurologische Domänen erfassen:
• Spontanmotorik (8 Items); sieben der acht Items beurteilen die Bewegungsqualität in Bezug auf Variation und Stereotypie, das achte Item die Quantität der Bewegungen. Die recht große Zahl von Items, die sich mit der Qualität der Spontanmotorik befassen, basiert auf der zunehmenden Erkenntnis, dass die Qualität der spontanen Bewegungen Rückschlüsse auf die Integrität des Nervensystems beim Säugling ermöglicht (Heineman et al. 2011; Hadders-Algra 2018c). Die Unterscheidung von Bewegungsvariation versus Stereotypie basiert auf klinischer Beobachtung, nicht auf Videobewertung wie bei der Beurteilung der General Movements (Heineman und Hadders-Algra 2008). Dies bedeutet, dass nur eindeutige Stereotypien, einschließlich durchgängiger Asymmetrien, als »atypisch« bewertet werden. Dies entspricht der üblichen klinischen Praxis (Berger und Michaelis 2009; Hadders-Algra et al. 2010; Michaelis und Berger 2007; Touwen 1990). Die Tatsache, dass es sieben Items für die Beurteilung der Bewegungsqualität gibt, ermöglicht die Unterscheidung zwischen milden und schweren Formen der Bewegungsstereotypien. So führt beispielsweise die bei Säuglingen relativ häufig beobachtbare Kopfvorzugshaltung, die von einer Asymmetrie der Arm- und Handbewegungen begleitet sein kann, nur zu einer Reduktion von maximal drei Punktwerten in der Domäne der Spontanmotorik (d. h. mit einem Abzug von weniger als der Hälfte der Punkte, die in diesem Bereich erreicht werden können; Einzelheiten siehe im folgenden Text). Dies steht im Gegensatz zu deutlich stereotypen Bewegungen in allen Körperteilen, die zu einer Reduzierung der Domänenbewertung um sieben Punkte führen. Letzteres bedeutet, dass die Punktzahl des Kindes dann in die Kategorie »gefährdet« fällt (siehe folgender Text).
• Hirnnervenfunktion (7 Items); diese Domäne umfasst Items zur Beurteilung der Mimik und Mundmotorik, der Augenbewegungen sowie der Reaktionen auf visuelle und akustische Reize.
• Motorische Reaktionen auf posturale Stimulation (5 Items); diese Domäne beinhaltet zum Beispiel das Pull-to-Sit-Manöver und die axilläre Hängelage.
• Muskeltonus (4 Items); diese Domäne beurteilt den Muskeltonus an Hals und Rumpf, Armen, Beinen und Füßen.
• Reflexe (4 Items); diese Domäne enthält nicht nur Muskeleigenreflexe, sondern auch die Fußsohlenreaktion und die -sensibilität, d. h. die Reaktion des auf sanftes Berühren/Kitzeln an der Fußsohle.
Jedes Item wird nach definierten Kriterien als »typisch« oder »atypisch« bewertet (
Kap. 4). Bei vielen Items führt eine konsistente Asymmetrie zur Beurteilung »atypisch«. Die Summe der einzelnen Itempunkte ergibt den neurologischen Gesamtpunktwert. Die maximale Punktzahl beträgt 28 Punkte; eine Punktzahl von ≤ 21 gilt als »Risikogrenzwert« und zeigt an, dass das Kind ein hohes Risiko für eine entwicklungsneurologische Störung hat (Hadders-Algra et al. 2019).
SINDA beinhaltet dabei keine der eindeutig altersabhängigen Reaktionen, wie die Moro-Reaktion, den Hand- und Fußgreifreflex und die Parachute-Reaktion. Die Einbeziehung solcher Antworten wäre mit dem altersunabhängigen Konstrukt der neurologischen Skala nicht vereinbar.
3.1.2 Entwicklungs-Skala
Die Entwicklungs-Skala von SINDA wurde als ein Instrument konzipiert, das (1) über den Entwicklungsstand des Säuglings informiert; (2) die Entwicklung von Kognition, Kommunikation, Fein- und Grobmotorik erfasst; (3) aus 15 standardisierten Items pro Monat besteht; (4) zu einem altersbezogenen Punktwert führt, der weitgehend unabhängig vom Alter des Säuglings ist; (5) für Fachpersonen, die in der Säuglingsvorsorge arbeiten, leicht anwendbar ist und relativ wenig Zeit in Anspruch nimmt; (6) die Vorhersage entwicklungsneurologischer Befunde erleichtert.
Die Entwicklungs-Skala besteht aus 113 Items, die nach Alter angeordnet sind mit jeweils 15 Items pro Lebensmonat, von zwei Monaten bis zu zwölf Monaten (± 2 Wochen). Bei der Durchführung der Entwicklungs-Skala werden nur die 15 Items getestet, die dem korrigierten Alter des Säuglings in Monaten entsprechen (
Abb. 5.1 und
Abb. 5.2). Diese 15 Items erfassen die Bereiche Kognition, Kommunikation, Fein- und Grobmotorik. Jedes Item wird als »typisch« oder »atypisch« beurteilt, wobei »typisch« bedeutet, dass die definierten Alterskriterien erfüllt sind (
Kap. 5). Die Summe der Item-Scores ergibt den Entwicklungsscore. Die maximale Punktzahl beträgt 15 Punkte; eine Punktzahl von ≤ 7 Punkten gilt als atypisch (Hadders-Algra et al. 2020). Wenn das Ergebnis im atypischen Bereich liegt (Punktzahl ≤ 7), können die Items der nächst jüngeren Altersgruppe getestet werden und so Hinweise für das Ausmaß der Entwicklungsstörung des Säuglings liefern.
Die Durchführungszeit der Entwicklungs-Skala hängt vom Alter des Säuglings ab: bei Säuglingen im Alter von 2–3 Monaten beträgt sie 5–7 Minuten, bei Säuglingen im Alter von 4–9 Monaten 7–10 Minuten, und bei Säuglingen im Alter von 10–12 Monaten 10–15 Minuten. In diesen Zeitangaben sind die Bewertungen enthalten. Die Ergebnisse werden auf einem der beiden Formulare der Entwicklungs-Skala notiert (
Abb. 5.1 und
Abb. 5.2); das eine Formular deckt den Altersbereich von 2–6 Monaten (bzw. den Bereich zwischen 6 Wochen und 6,5 Monaten) ab, das andere Formular deckt den Bereich von 7–12 Monaten (bzw. den Bereich zwischen 6,5 und 12,5 Monaten) ab.
Die Skala besteht nicht für jeden Monat aus 15 neuen Items. Dies hätte zu einem Umfang von 165 Items (11 mal 15 Items) geführt. Die Entwicklungs-Skala enthält nur 113 Items, da einige Items in mehreren, benachbarten Altersgruppen vorkommen.
3.1.3 Sozioemotionale Skala
Die Sozioemotionale Skala wurde für Fachpersonen konzipiert und hat folgende Merkmale: Der sozioemotionale Befund (1) kann während der entwicklungsneurologischen Untersuchung einfach, schnell und standardisiert beurteilt werden; (2) ist weitgehend unabhängig vom Alter des Säuglings; (3) gibt Hinweise über das aktuelle sozioemotionale Verhalten des Säuglings und in begrenztem Umfang auch über das Risiko des Säuglings für spätere Verhaltens- und emotionale Probleme.
Die Skala beurteilt vier Verhaltenskategorien: Interaktion, Emotionalität, Selbstregulation und mit drei Items die Kategorie Reaktivität (
Kap. 6). Die Punktwerte werden unten auf dem Formular eingetragen (
Abb. 5.1 und
Abb. 5.2).
Die Beurteilung der Interaktion zwischen Säugling und Erwachsenem basiert auf den altersspezifischen Kognitions- und Kommunikationsitems der Entwicklungs-Skala, die durch einen roten Punkt gekennzeichnet sind. Wenn das Kind sich bei mindestens der Hälfte der altersspezifischen »Rote Punkte«-Items »typisch« verhält, wird die Interaktion der sozioemotionalen Skala als typisch (
, fröhliches Smiley-Symbol), andernfalls als atypisch (
, trauriges Smiley-Symbol) bewertet.
Die anderen fünf Kategorien, d. h. Emotionalität, Selbstregulation, Reaktivität auf Positionsänderungen und Reaktivität auf visuelle und akustische Reize, werden am Ende der Entwicklungsuntersuchung bewertet. Dabei wird der klinische Eindruck des kindlichen Verhaltens während der Untersuchung berücksichtigt. Die Bewertung erfolgt als typisch (fröhliches Smiley-Symbol) oder atypisch (trauriges Smiley-Symbol). Die drei Reaktivitätsitems werden zu einer einzigen Reaktivitätsbeurteilung zusammengefasst, die dann als atypisch bewertet wird, wenn mindestens zwei der drei Reaktivitätsitems als atypisch beurteilt wurden. Dies bedeutet – vielleicht überflüssig –, dass die sechs Punkte der sozioemotionalen Skala von SINDA zu einer Bewertung von vier Verhaltensweisen führen: Interaktion, Emotionalität, Selbstregulierung und Reaktivität.
3.2 Psychometrische Eigenschaften
Die folgenden Kapitel beschreiben die psychometrischen Eigenschaften der drei SINDA Skalen. Diese Eigenschaften wurden in zwei klinischen Studien und in einer Gruppe von Säuglingen, die für die niederländische Säuglingspopulation repräsentativ ist, untersucht.
Die beiden klinischen Studien wurden an Säuglingen durchgeführt, die ins Sozialpädiatrische Zentrum in Frankfurt, Deutschland (SPZ Frankfurt-Mitte) zugewiesen wurden. Es handelt sich bei SPZs um Spezialambulanzen in Deutschland für Kinder, die ein Risiko für eine entwicklungsneurologische Störung haben oder bei denen eine solche vorliegt. Die SINDA-Skalen gehören seit 2012 zur täglichen Routine im SPZ in Frankfurt-Mitte. Es wurden in die Studien nur solche Säuglinge eingeschlossen, die mit SINDA untersucht wurden und bei denen entwicklungsneurologische Befunde im Alter von mindestens 24 Monaten KA verfügbar waren. Die entwicklungsneurologische Beurteilung beim Follow-up bestand aus einer standardisierten neurologischen Untersuchung und Entwicklungstestung, meist mit den Bayley Scales of Infant Development II (Bayley 1993). Insgesamt wurden 181 bzw. 223 Säuglinge in die Studien eingeschlossen; der Anteil der Kinder mit einer Cerebralparese betrug jeweils 16 %. Für Details zu den beiden Studien verweisen wir auf Tabelle 3.1 und Hadders-Algra et al. 2019, 2020.
Tab. 3.1: Details zum Studien-Kollektiv vom SPZ Frankfurt-Mitte

Studie I 1Studie II 2
1 Hadders-Algra et al. 2019.
2 Hadders-Algra et al. 2020.
3 Hoher mütterlicher Bildungsstand = Universität oder Fachhochschule
4 Small for gestational age = Geburtsgewicht < 10. Perzentile.
5 Neurologische Diagnose: CP oder andere Diagnosen, z. B. Septo-optische Dysplasie, Aicardi-Goutières Syndrom, CASK-Mutation und Dystonie
6 Beispiele für andere Hirnläsionen sind Pachygyrie, corticale Atrophie, subdurale Blutung
7 Diagnosen nach ICD-10, Kapitel V (F)
KA = korrigiertes Alter; CP = Cerebralparese; GMFCS = Gross Motor Function Classification System; IVH = intraventrikuläre Haemorrhaghie; MDI = Mental Developmental Index; PDI = Psychomotor Developmental Index; PVL = periventrikuläre Leukomalacie
Die niederländische Studie mit dem Namen »IMP-SINDA-Projekt« hatte als Ziel, Normdaten für zwei Untersuchungsinstrumente, das »Infant Motor Profile (IMP)« und das »SINDA« zu erheben. Das IMP ist eine videobasierte Untersuchung des motorischen Verhaltens von Säuglingen im Alter von 3–18 Monaten KA. Im »IMP-SINDA-Projekt« wurden im Zeitraum von Januar 2017–März 2019 1.700 Säuglinge im Alter von 2–18 Monate mit IMP und mit SINDA untersucht. Die Stichprobe bestand aus 100 Säuglingen/pro Altersmonat (100 zwei Monate alte Säuglinge, 100 drei Monate alte Säuglinge, etc. und 100 18 Monate alte Säuglinge). Die Säuglinge waren repräsentativ für die niederländische Bevölkerung in Bezug auf mütterlichen Bildungsgrad, ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht und Frühgeburtlichkeit (
Tab. 3.2). Für die SINDA-Normdaten wurden nur die Daten von Säuglingen im Alter von 2–12 Monaten verwendet.
Tab. 3.2: Details zur niederländischen Normierungspopulation mit Säuglingen von 2–12 Monaten

1 Hoher mütterlicher Bildungstand = Universität oder Fachhochschule
2 Small for gestational age = Geburtsgewicht < 10. Perzentile.
Soziale und perinatale MerkmaleErgebnisse
Pulsuz fraqment bitdi.