Kitabı oxu: «Dem Tod entronnen»
Vorwort
Liebe Leserinnen und Leser,
Der menschliche Körper ist ein Wunder der Natur, er ist belastbarer als viele Menschen denken. Man kann ihn öffnen und wieder schließen,
Teile entnehmen und andere Teile einbauen und er funktioniert weiter.
Häufig ein Zusammenspiel zwischen Organspender und Organ
Empfänger. Aber die moderne Medizin vermag vieles zu reparieren, wie zum Beispiel, neue Hüften oder Herzklappen.
So ist es mir passiert, das Herz hat gesagt, ich mach jetzt nicht mehr mit, Hinterwandinfarkt. So gravierend, dass Bypässe und Stents nicht mehr helfen konnten und ich eigentlich klinisch Tod war. Wären da nicht
sehr gute Ärzte gewesen, die das verhindert haben. Ich hatte Glück im Unglück, der Erstbehandler, ein sehr erfahrener Kardiologe, welcher Not
Dienst hatte, hatte so lange reanimiert, bis ich wieder im Leben zurück war. In den weiteren Phasen waren auch wirklich sehr gute Ärzte am
Werk, bis hin zur Transplantationsklinik, wo dann ein neuer Motor eingebaut wurde. Der auch heute nach 11 Jahren noch einwandfrei läuft.
Bleiben sie interessiert
Ihr
Heinrich Rudolph
Erschienen im Selbstverlag
Inhalt
Wie alles begann
Koma Träume
Das erste Mal Zuhause
Neuer Kunstherzantrieb/ Schrott
Warten auf ein neues Herz
Die Transplantation
Schlimmer geht nimmer
Transplantationsgesetz
Organspenderausweis
Organhandel
Medikation und Nebenwirkungen
Ärzte im Allgemeinen
Genesung
Dem Tod entronnen
Schlusswort
Wie alles begann
Es war ein Sonntag im Januar 2010, als es um kurz nach 22 Uhr dreimal an der Tür klingelte, ich dachte, wer will denn um die Uhrzeit noch was von Dir. Als ich die Tür öffnete, war ich mir nicht sicher, ob ich mich im Datum vertan hatte, vielleicht war ja schon Karneval vorgezogen worden. Da stand so ein schwarz gekleideter Witzbold vor der Tür, ne Kapuze auf und einer Sense in der Hand, ich dachte mir der hat doch wohl den Gong nicht gehört. Stroh und Heu werden in unseren Breitengraden doch erst im Juni gemacht, dann meist auch nicht um diese Uhrzeit. Ich fragte Ihn, was er denn wolle und ob er noch von Silvester benebelt sei, oder ob er gerade von einem Maskenball kommt und sich vorher noch eine „Linie„ reingezogen hat. Seine Antwort war genauso eigenartig, wie er selbst, er sagte zu mir, ich will Dich abholen, komm mit, worauf ich Ihm erwiderte, ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Na ja hab Ihm dann die Tür zugeknallt und hörte nur noch einen Aufschrei im Treppenhaus und ein metallisches Klirren, vermutlich war Ihm die Sense aus der Hand gefallen. Er dachte wohl, er kann es so machen wie diese Sekte, die immer Dosennahrung sammelt, weil der Weltuntergang vor der Tür steht, die lieber sterben, als eine Blutkonserve von anderen zu bekommen. Oder hatte er bei denen vielleicht sogar einen Schnellkurs im Kapern von Wohnungen absolviert.
Fuß zwischen die Tür und mit der Nase direkt am Türblatt, was wohl auch sein Nasenbein leicht lädiert hatte. Ich hörte Ihn dann im Treppenhaus nur noch fluchen, ich komme wieder, ich dachte mir, komm nur wirst schon sehen was du davon hast, vielleicht gebrochene Zehen und ein zertrümmertes Nasenbein, oder vielleicht einen wundervollen Beginn einer teuren Freundschaft mit seinem Zahnarzt zum Basteln der Dritten.
Na ja leider war der 2.Januar 2010 wirklich der zweitschlimmste Tag in meinem Leben, schlimmer war nur noch der viel zu frühe Tod meiner Lebensgefährtin Doris, die mit gerade mal 38 Jahren an Brustkrebs verstorben war. Hatte ein eigenartiges Gefühl im linken Arm und im Kiefer und Druckgefühl in der linken Brustseite, ich wusste dass da etwas nicht stimmte und hab reagiert. Rief die Arztnotrufzentrale an, aber der ältere Halbgott in Weis, welcher Dienst hatte, meinte nur ich solle doch irgendwo in ein Krankenhaus fahren, obwohl er hätte hellhörig werden müssen, da die Symptome eindeutig auf einen Infarkt

Gleichberechtigung auch hier, ergo die „Sensenfrau“
hingedeutet haben. Womit ich ja auch Recht hatte, er hat nicht einmal darauf hingewiesen, dass ich mir eine Taxe nehmen soll und mich nicht mehr selbst ans Steuer setzen könne. Dem Onkel Doktor war das alles so egal, er machte jedenfalls den Eindruck, ich hätte somit sogar noch andere gefährdet. Wahrscheinlich hatte in dieser Nacht ein Gynäkologe, oder ein total Branchen fremder Dienst. Also er wollte jedenfalls nicht kommen, der Weißkittel hätte wenigstens sofort einen Rettungswagen zu mir schicken müssen. Ne Rechnung über die 10.-€ Praxisgebühr für diesen „Notdienst“, die kam dann aber sofort, teurer als ein Anruf auf einer 0900er Nummer. Habe den Arzt mittlerweile wegen unterlassener Hilfeleistung § 323c StGB, bzw. wegen Unterlassung einer gebotenen Handlung nach §§ 223 und 229 StGB angezeigt, also Strafantrag gestellt. Er musste dann lediglich eine Strafe von 2.500 Euro zahlen, zu zahlen an eine soziale Einrichtung. Das war also ein Menschenleben wert, vom Schadenersatz-Prozess ganz zu schweigen. Obwohl er rechtskräftig verurteilt war, spielte dieser Aspekt im Schadenersatz und Schmerzensgelds-Prozess überhaupt keine Rolle. Die Ansprüche wurden voll abgeschmettert mir blieben nur die Rechnungen der Anwälte. Da ich mit Medizinrechts-Anwälten keine Erfahrung hatte, habe ich mir einen aus dem Internet gesucht, dieser saß in Norddeutschland.
Als erstes war ein hoher Vorschuss Fällig, bevor man überhaupt mal den Stift in die Hand genommen hat. Der Anwalt machte mir gute Hoffnung, war nett und freundliche und war dann auf wundersame Weise nicht mehr in dieser Kanzlei. Der nächste Anwalt war dann auch wieder weg und beim letzten habe ich die Schriftsätze selbst geschrieben, damit es voran ging. Die nächste Anwältin dieser Kanzlei hatte natürlich auch erst mal keine Ahnung, da sie sich ja auch wieder ganz neu einarbeiten musste. So lief das Ganze dann fast zwei Jahre still vor sich hin, abgesehen von weiteren Vorauszahlungen passierte dann recht wenig. Doch was für ein Wunder, irgendwann kam der ersehnte Prozess, leider kam aber niemand. Dieser Kanzlei aus dem Norden, war es wohl zu aufwändig. Dafür gab es dann einen Korrespondenz-Anwalt aus meiner Stadt, der sich natürlich auch nicht in die Materie eingelesen hatte.
Warum auch, ging ja nur um einiges an Geld. Im Prozess saß er dann da und hat kein Wort raus gebracht, im Gegensatz zur sehr guten Anwältin der Haftpflichtversicherung des bösen Arztes. Sie hat meinem Korrespondenz-Anwalt sodann den Garaus gemacht. Die Richter hat das auch nicht sonderlich interessiert, die Herren waren dann mit dem ganzen Schnellverfahren nach fünf Minuten bereits fertig und ich um einige Tausend Euro an Gerichts und Anwaltskosten ärmer.
Fazit: Suchen sie sich einen Anwalt aus der Nähe und wägen Sie selbst vorsichtig ab ob sie klagen oder nicht. Die Anwälte der Haftpflicht Versicherer sind meist wirklich sehr gut, die lassen sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Vorher hatte ich natürlich alle anderen Möglichkeiten einer außergerichtlichen Einigung ausgelotet, mit erschreckend schlechtem Ergebnis.
Patientenhilfevereine: Mal ehrlich, vergessen sie diese ganz ganz ganz schnell wieder, diese sind bei größeren Sachen überhaupt keine Hilfe, auch wenn sie es in ihren Broschüren markig anpreisen. Sie verlieren nur Zeit, Zeit die sie vielleicht gar nicht haben.
Arztnotrufzentralen: Ich persönlich vertraue diesen Ärzten dort nicht mehr, ich werde dort nie wieder anrufen. Sollte etwas sein, fahre ich ins nächstgelegene Krankenhaus oder bei Verdacht auf schwer wiegende Erkrankungen rufe ich lieber die 112 an. Durch Arztnotruf- Zentralen verlieren sie nur kostbare Zeit und wenn sie Pech haben sogar noch ihr Leben, so wie es mir fast gegangen wäre. Krankenhäuser sollten sie aber wirklich nur in Notlagen nutzen, nicht bei jeder Kleinigkeit, wie Grippe z.B. Die Notfallstationen sind wirklich für schwere Notfälle. Das gleiche gilt für die Notrufnummer 112, bitte nicht wegen jeder Kleinigkeit dort anrufen. Solchen Ärzten, wie den, den ich in der Arztnotrufzentrale hatte braucht das Land nicht, man sollte Ihnen die Zulassung entziehen, mit einem bisschen Glück können sich dann die Erben übers Erbe freuen, also vorher gleich eine Sterbeversicherung abschließen. Muss aber dazusagen, dort sind nicht alle Ärzte gleich, einem anderen Patienten, welcher später auch transplantiert worden ist, hat der diensthabende Arzt das Leben gerettet. Dieser Patient hatte genau das gleiche wie ich, Herzinfarkt, TAH totales Kunstherz und später die Transplantation, aber da bei ihm sofort und richtig gehandelt wurde, hat er die ganzen gravierenden Folgen die ich habe nicht. So habe ich dann ein Taxi gerufen, da ich vorsichtshalber selbst nicht mehr fahren wollte, es war die Nacht wo hier fast 20 cm Neuschnee gefallen war. Meine Glückssträhne ging aber noch weiter, ein freundlicher Taxifahrer aus irgendeinem Kampfgebiet dieser Welt, vermutlich Afghane sollte mich dann in ein bestimmtes Krankenhaus fahren, leider kannte der gute Mann sich aber wohl in Kassel nicht wirklich aus, das ganze entwickelte sich zu einer Geisterfahrt durch Kassel. Gut dass es nicht mittags war, sonst hätte er wohl noch mitten auf der Straße angehalten und seinen Gebetsteppich gen Mekka ausgerollt. Musste ihm ständig den Weg erklären, obwohl es mir zunehmend schlechter ging und jede Minute zählte. Im Krankenhaus angekommen ging dann alles sehr schnell, die nette Dame an der Pforte des Roten Kreuz Krankenhauses erkannte schnell, dass es mir sehr schlecht ging, schoss sofort los einen Rollstuhl holen und jagte mit mir durch die Gänge zur Kardiologie im Ambulanten Herzzentrum Kassel. Das erste Mal im Leben, das ich Rollstuhl gefahren bin, wow was für ein Gefühl, vorher noch mit 1.400 PS geflogen und dann mit 0,0001 PS durch die Gänge gejagt. Der Arzt in der Notaufnahme war auch sofort da, nur so richtig hatte er die Situation auch nicht erkannt. Beziehungsweise nicht eingeschätzt, er hat erst mal Blut abnehmen lassen, um die Troponin und andere Werte zu erhalten. Diese Tests müssen zwei bis drei Mal wiederholt werden, erst dann sind sie valide. Das hat alles sehr viele Zeit gekostet und die Situation verschärft. Von der Notaufnahme würde ich dann ins benachbarte ambulante Herzzentrum verlegt, wo dann die richtigen Schritte unternommen wurden. Dort wurde einen Katheter gelegt, wo ich zum ersten Mal im Leben mein Herz gesehen habe, selbst als Laie war erkennbar, das wohl mein Herz nicht mehr wirklich alltagstauglich war, das Ding war wohl total im Eimer. Das waren wohl etwa zehn Minuten, danach bin ich in den kardiogenen Schockzustand, ergo ins Koma gefallen und erst nach langer Zeit in einer ganz anderen Stadt in einer Spezialklinik wieder aufgewacht. Der Notdienstkardiologe vom Ambulanten Herzzentrum in Kassel, welches direkt am Roten Kreuz Krankenhaus angegliedert ist hat mir dann letztendlich das Leben gerettet. Durch überdurchschnittliche lange Reanimation, klinisch war ich wohl schon im Jenseits angekommen. Ein dickes Dankeschön an den Kardiologen Herrn R.Voge, (Leider verstorben), ohne Ihn würde ich jetzt die Radieschen von unten sehen, obwohl geht ja gar nicht, Gemüse darf ja auf dem Friedhof gar nicht angepflanzt werden. Na ja hätte dann eine vollkommen überteuerte Einkistenwohnung ohne Strom, fließend Wasser gehabt, natürlich ohne Heizung gehabt, keinen Fernseher mehr, nichts. Wie heißt es so schön, der Sarg hat keine Regale, also nichts mitnehmen. Solche Ärzte wie diesen Kardiologen R.Voge bräuchte das Land wirklich mehr davon, nicht abgehoben, immer nett, humorvoll, ein Arzt der auch lachen kann, nimmt sich Zeit für seine Patienten, obwohl die Hütte rappelvoll ist. Er hat mir auch bis heute bei allem immer ohne große Worte weitergeholfen. Wenn ich Probleme hatte Termine bei anderen Ärzten zu bekommen, er hat angerufen und dann hatte ich teilweise noch am gleichen Tag einen Termin. Einmal zwei Tage später, samstags um 7.45 Uhr morgens, wo er selbst erstaunt war und was ganz wichtig ist, die Empfehlungen an andere Ärzte die er hatte waren allesamt immer das Beste was so in Kassel an Ärzten vorhanden war. Er hatte dann noch zwei Stents implantiert, welche aber auch keinen Erfolg mehr zeigten. Ich habe Ihn dann später nach meiner ersten Entlassung aus einer renommierten Herzklinik Mal besucht und ihn gefragt warum er die Reanimation nicht nach 20 Minuten eingestellt hat. Er lächelte und meinte Zitat „Wir haben uns gedacht, das arme Kerlchen können wir doch nicht auf dem Tisch liegen lassen“ ein lustiger Typ von Arzt, ist Mensch geblieben, nicht abgehoben, wie viele andere. Im Fernsehen sehen die Ärzte doch nach 20 Minuten auf die Kuckucksuhr an der Wand, wo dann der Vogel rauskommt und den Zeitpunkt des Todes angemessen verkündet. Im folgendem schalten dann alle schnell die Maschinen ab, um den teuren Ökostrom, der ja gar keiner ist, zu sparen und in die Kaffeepause zu gehen. Werfen dir dann nur noch ein weises Laken übers Gesicht, Ende Gelände. Nun gut ein Laken haben Sie mir nicht übers Gesicht geworfen und der Vogel aus der Kuckucksuhr hat auch die Klappe gehalten, wahrscheinlich hatte er mal den Slogan gehört, „Rettet unsere Wälder, esst mehr Spechte„ und dachte das er vielleicht als Kuckuck mit einem Specht verwechselt werden könnte und dann auch zum Opfer fallen könnte. Ich bin dann wohl noch in der gleichen Nacht ins Städtische Klinikum in Kassel gekommen, wo man mir dann sogleich einen Schrittmacher eingebastelt hat. Um das ganze nochmal schön geschmackvoll abzurunden, dachte man, man könnte mir doch einfach mal ne Vene aus dem Bein pflücken und mir noch einen Bypass legen. Gesagt getan, die Chirurgen haben dann sofort mal „Tool Time„ gespielt, die elektrische Stichsäge aus der Schublade geholt, ein paar scharfe Küchenmesser aus der Kantine lagen schon bereit und los ging es. Dann ging es mir an den Kragen, oder besser gesagt mit der Stichsäge ans Brustbein und siehe da, da haben die mich auseinander geklappt wie einen Faltkarton von der Post und mir die Vene aus dem Bein gezogen und ans Herz genagelt, na ja wenigstens haben sie das Bein da gelassen, wo man es normalerweise auch hat. Alles in allem und ernsthaft muss man sagen, dass das Chirurgenteam des Klinikum Kassel hervorragende Arbeit geleistet hat, auch Ihnen gebührt mein Dank. In der Hinsicht hatte ich wirklich Glück, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort die besten Ärzte hatte, bis auf den alten Herren aus der Notrufzentrale. Lag dann dort etwa 15 Tage im künstlichen Koma. Mein Sohn sagte mir dann irgendwann mal, dass die den Hahn für die Sedierung zugedreht haben, um mir in die Augen zu sehen. Die Doc´s wollten sehen, ob ich durch Sauerstoffunterversorgung vielleicht einen an der Waffel habe. Nachdem klar war, dass ich noch ganz dicht war, haben sie den Hahn wieder aufgedreht und haben mich weiter schlafen lassen. Anmerkung, sollten Sie mal zu einer geplanten OP müssen, kaufen sie sich im Fachhandel Lebensmittelfarbe, oder einen Marker, markieren Sie die zu operierende Stelle mit einem Kreis und zusätzlich mit auffälligen Pfeilen, die auf die zu operierenden Stelle verweisen. Wenn man ganz auf Nummer sicher gehen möchte kann man auch noch den letzten Befund z.B. aufs Bein, oder andere Körperstellen schreiben, manche Ärzte haben so ihre Probleme mit rechts und links oder sind so von der Rolle, dass sie die Röntgenbilder falsch rum betrachten. Das Klinikum hat dann, weil keine Angehörigen auffindbar waren, die Polizei nachts zu mir nach Hause geschickt, die Nachbarn befragen, ob bekannt ist wo eventuell Angehörige aufzutreiben sind. Die Nachbarn waren hocherfreut, dass sie endlich mal wieder jemand mitten in der Nacht aus dem Schlaf reist und dann noch die Polizei, hätte zu gern mal die Gesichter gesehen. Bei einem hatten sie dann Glück, er wusste, dass mein Sohn in einem anderen Bundesland, weit weg von Kassel arbeitete. Sie haben dann dort in der
Firma angerufen, wo der Pförtner dann die Beine in die Hand genommen hat und zur Wohnung meines Sohnes gelaufen ist, also ganz in der Nähe. Dort hat er Ihm dann die Botschaft vom bevorstehenden Erbe verkündet. Zu diesem Zeitpunkt musste damit gerechnet werden, dass ich den Löffel abgebe, worauf er sich dann sofort auf den Weg nach Kassel machte. Er sollte ja die Chance haben, mich noch mal lebend zu sehen, vielleicht auch noch kurz ansprechbar, so dass ich Ihm eventuell noch die Zahlenkombination vom Tresor geben konnte. Aber wie sagte Luigi in seiner Werbung für eine beliebte Kaffeesorte immer. „Ich habe gar keinen Tresor“. Am nächsten Tag war dann wieder Karneval angesagt, meine Ex Frau, sehr gläubig, sehr sehr katholisch, kam sodann gleich mit einem Priester ins Krankenhaus, der mir die letzte Ölung verpassen sollte. War schon gespenstisch und hatte wohl meinen Sohn auch etwas geschockt. Noch war ich ja nicht ganz Tod, nur ein bisschen, er hat den Priester dann zur Konkurrenz zum Teufel gejagt, samt seiner Flasche Sonnenblumenöl aus dem Supermarkt.
Jetzt fehlte nur noch der Gefangenenchor von Nabucco und die Inszenierung wäre perfekt gewesen. Muss aber sagen, ich habe mit der Kirche absolut nichts am Hut, glaube an das was wissenschaftlich erwiesen ist und sonst nichts. Außer dass es im unendlichen Universum noch anderes Leben gibt, uns gibt es ja auch. Das was man Jesus, oder Gott nennt, das waren Gestalten die gut Geschichten erzählen konnten, so ähnlich wie die chinesischen Geschichtenerzähler das in den Wirtshäusern in China heute noch tun, respektiere aber jeden, der an etwas glaubt. Da hatte ich aber noch Glück, dass Sie nicht gleich einen faltbaren Klappsarg aus Pappe mitgebracht hatte, kein Scherz so was gibt es tatsächlich, ist ein Schweizer Patent, kosteten vor Jahren mal 295.-€ und war selbst bei uns bis 200 Kg zugelassen. Also liebe Leser, einfach so einen Papp Sarg kaufen, zusammengeklappt passt er hinter jede Wohnzimmer Schrankwand, oder unters Bett, bei einem Doppelbett bekommen Sie etwa 8 Stück drunter, vielleicht mal ein nettes Geburtstagsgeschenk, wird dann bei Bedarf wie ein Karton von der Post zusammengebastelt und fertig ist die Laube. So haben sie dann eine Inflationsfreie Anlage und sogar steuerfrei, also keine Einkommenssteuer, vielleicht mal eine neue Geschäftsidee, statt Aktien oder Investmentfonds mal in Pappsärge investieren. Wie heißt es so schön in der Werbung für ein Schweitzer Bonbon, „ Wer hat es erfunden„ nein ausnahmsweise mal nicht der bekannte Bonbon Hersteller. Mein Intensivzimmer sah zwar aus, als ob Weihnachten ist, links und rechts einen Weihnachtsbaum mit grünen Perfusoren, Schläuche und Kabel wohin das Auge (nicht meines) blickte, musste wohl gespenstisch ausgesehen haben, wie bei einem Testlauf von Frankenstein. Habe das nur aus Erzählungen von Angehörigen mitbekommen.
Als ich dann in der fremden Stadt nach Wochen wieder aus dem Koma aufgewacht bin konnte ich mich nicht mehr bewegen, nicht mehr sprechen. Nicht mal mehr den Mund aufmachen und eine kleine retrograde Amnesie, also so einen kleinen Schatten hatte ich auch noch.
Konnte mich an viele Sachen nicht mehr erinnern, was sich jedoch nach
und nach wieder gegeben hat. Wieder Schläuche in mir bis zum Abwinken, anstatt lecker Schnitzel und Rouladen gab es eine Pipeline in meinen Magen, künstliche Ernährung, na ja Begeisterung kam da bei mir nicht gerade auf. Vor meinem Bett stand dann der nächste Schock, ein Riesenkasten in Blau, auch liebevoll „Big Blue„ genannt, mit zwei Schläuchen, die sich in meiner Bauchdecke befanden. Der erste Gedanke der mir durch den Kopf schoss, wie geht man mit solch einem Monstrum spazieren und wie komme ich damit Zuhause drei Stockwerke hoch, zumal mir nicht mal klar war, wozu der Kasten überhaupt dienen sollte. Irgendwann hab Ichs dann rausbekommen, das die mir mein schönes eigenes Herz raugeschnitzt hatten und ein (TAH) totales Kunstherz eingebaut hatten, wusste ja bis dato nicht mal, dass es so was überhaupt gab. Das wurde mir dann erst klar, als ich eines nachts unbeabsichtigt auf den Schläuchen lag, was zur Folge hatte, das keine Luft mehr in das Kunstherz gepumpt wurde, ich sofort Atemnot bekam und fast erstickt bin und mir sicher war, dass mein Ende in Sicht war und der Sensenmann doch noch zu seinem Erfolg kommen sollte. Was mich jedoch stutzig gemacht hatte war, dass ich keinen Tunnel sah mit gleisendem Licht, wo ich drin verschwinden sollte und auch der Film des
Lebens lief nicht ab, so wie man es aus Berichten von Patienten mit Nahtoderlebnissen immer mal gehört hatte. Es war schon komisch das man im Angesicht des Todes doch noch so rational denken kann. Da ich an allen möglichen Monitoren hing, kam sofort ein Pfleger angeschossen und hat die Schläuche wieder unter mir herausgezogen, Sekunden später war wieder alles in Ordnung. Später hab ich dann erfahren, dass man versucht hatte mein Herz drin zu lassen und eine Thoratec (Unterstützung) Maschine anzubauen, da werden zwei Löcher ins Herz gestanzt und Schläuche angenäht, was jedoch auch in die Hose gegangen ist. Einer der Koordinatoren meinte, Zitat Originalton West, „mein Herz wäre wie ein 14 Tage altes Schnitzel gewesen, wo keine Naht mehr gehalten hat“. Also hat man dann diese Idee fallen lassen, hat mich dann drei Tage mit offenem Brustkorb auf der Intensivstation liegen lassen, damit der Brustraum etwas abheilen konnte. Hab mir dann gedacht, die hätten mich doch tagsüber in die Eingangshalle schieben können, so als Spendenbüchse, hätte eine Menge reingepasst, auch Scheine, der Schlitz war ja groß genug. Im Folgenden wurde mir dann ein totales Plastik Kunstherz eingebaut.
Die externe Einheit von Cardio West Typ „Excor „ funktionierte einwandfrei. Da lief ich dann nun mit einem Wägelchen durch die Gegend, wie Nick Napp, lustig. Der Sensenmann war stinksauer, wieder keinen Abschluss gemacht und er brauchte ja die Kohle immer noch für seinen Zahnarzt, für die Dritten, Pech!
Wie schon erwähnt, als ich dann nach einigen Wochen aufwachte, war mein erster Gedanke, irgendetwas muss wohl ganz und gar schief gelaufen zu sein. Das schwirrte mir dann vielleicht so fünf Minuten im Kopf rum, dann hab ich mir gesagt, gut es ist passiert, dumm gelaufen, da muss ich durch, positiv denken, alles andere bringt nichts, sonst komme ich aus der Nummer nicht wieder raus. Irgendwann kamen dann mein Sohn und mein Bruder samt Familie zu Besuch, kommen ins Intensivzimmer und gehen an mir vorbei und gehen wieder raus. Ich staunte nicht schlecht, hatten die mich tatsächlich nicht wiedererkannt oder wollten die mich vielleicht gar nicht mehr kennen. Da ich nicht sprechen konnte und nicht mal die Finger heben konnte, war es unmöglich mich bemerkbar zu machen. Dann kam eine Pflegerin samt meiner Familie wieder rein, da liegt doch Ihr Vater/Bruder, Schwager!
Irgendwann, als ich wieder etwas flüstern konnte, kam eine Schwester zu mir und fragte mich, ob ich mal einen Spiegel haben möchte. Hab lange überlegt, ob ich das tolle Angebot annehmen sollte, oder doch lieber nicht, aber ich war mutig und hab leise ja geflüstert. Sie kam dann auch prompt mit so einem Spiegel, wie ihn Friseure nutzen zurück, als ich mich dann im Spiegel sah, war mir nicht ganz klar, ob die da ein Bild von Jesus draufgeklebt hatten, so als Schocktherapie. Ich hatte lange Weise Haare, sah aus wie Jesus, Gesicht ganz schmal, die Augenhöhlen eingefallen und so eigenartig Rot, Rosa, Lila unterlaufen, sah gespenstisch aus. Habe das erste Mal im Leben wirklich einen Schrecken bekommen. Aber meine Hände und Füße taten nicht weh, war ein gutes Zeichen, also hatte mich doch keiner ans Kreuz genagelt, demzufolge war ich nicht Jesus. Na ja irgendwann haben sie mir dann die Magensonde rausgezogen, bissel unangenehm, aber war ja wieder ein kleiner Fortschritt, habe dann in der ersten Zeit Joghurt gegessen, feste Nahrung, die man kauen musste ging gar nicht. Den Joghurt wollte ich eigentlich auch nicht haben, hatte keinen Appetit, aber der Pfleger aus dem Morgenland wollte ihn mir unbedingt reinschieben, sowie man Gänse mästet. Die behandeln einen als ob man nicht mehr alle Kugeln am Christbaum hat, er kam dann an, ein Löffel für Papi, ein Löffel für Mami, hab dann geflüstert, das die aber bei schon verstorben sind und ich die Löffel deshalb gar nicht mehr essen musste, irgendwie hat es Ihm die Sprache verschlagen. So ging es dann Tag für Tag, immer das gleiche dumme Spiel, aber man muss sagen, er hatte Ausdauer und ja letztendlich auch Recht, ich musste essen, um wieder zu Kräften zu kommen. Dann kam die nächste Aktion, das erste Mal nach Monaten im Koma aufstehen, ging gerade nochmal gut, die Kauleiste war nicht gebrochen, da mich drei Schwestern kurz vor dem Aufschlag auf den harten Boden auffingen. Hatte durch die lange Zeit im Koma natürlich die ganze Muskulatur verloren was mir aber nicht bewusst war, woher auch. Hätte glatt Modeln können, so wie die Hungerhaken en auf dem Laufsteg. Durch die Koma Zeit hatte ich 27 Kg Gewicht verloren von ursprünglich 88 Kg und einer Größe von 196 cm, das war mal ein BMI.
Sie holten dann so einen Riesen Rollator, wo man fast drin stehen konnte, meine Herren, die Barmherzigen Schwestern vom Orden der Gelbkittel hatten Mühe mich da reinzubekommen. Bin dann vielleicht so 20 Meter gelaufen, aber dann war Ende im Gelände, nichts ging mehr.
Irgendwann ging es dann immer ein bisschen mehr, wenn man im vorherigen Leben immer aktiv war und Wert auf sein Äußeres gelegt hat, gepflegt rumgelaufen ist und dann plötzlich wie ein Berber aussieht, dann passiert ganz plötzlich so etwas, das ist schon hart. Allein Haare waschen, das hatte in den ersten Monaten keiner gemacht, stellen sie sich mal vor wie schön fettig und klebrig das ist, so etwa wie in alten schwarz Weis Filmen aus den Fünfzigern, wo die Frisuren selbst bei Orkanstärke sich nicht bewegten und vor lauter Pomade in der Sonne glänzten das man fast erblindete. Eine Schwester hat mir dann nach Monaten mal den die Haare gewaschen, bis dahin wusste ich ja gar nicht, wofür man blaue Müllsäcke noch verwenden konnte, Sie hat Ihn zusammengerollt und unter meinen Kopf gelegt, dann mit einem großen Messbecher die Haare nass gemacht und dann mit Shampoo gewaschen, das war ein Gefühl, endlich saubere Haare. Man muss schon sehr sehr viel Geduld aufbringen, um aus der Nummer wieder rauszukommen, ohne durchzudrehen. Es gab aber auch kleine Lichtblicke und nette Schwestern auf dieser Intensivstation. Nach Monaten nur mit geschmacklosem Tee und Wasser und Flüssigkeit und Nahrung aus der Pipeline, was ich nun wirklich gar nicht ausstehen kann hat man Sehnsucht nach einer schönen kalten Cola. Eine Schwester kam mal und fragte ob ich denn mal Lust auf irgendetwas hab, na klar, aber das konnte ich Ihr ja schlecht sagen auf was ich Lust habe und hab
mich dann entschieden Ihr zu sagen, dass ich gerne mal eine Cola trinken würde. Ich dachte, jetzt wird Sie Dich gleich mit der Bettpfanne an die Wand nageln, nein nichts davon, ist ins Schwesternzimmer gelaufen und hat mir eine Cola aus Ihrem eigenen Bestand geholt. Das kann sich ein gesunder Mensch gar nicht vorstellen, ist als ob Ostern und Weihnachten auf einen Tag gefallen sind, es sind manchmal Kleinigkeiten die man genießt.
Koma Träume
Seien Sie nicht beunruhigt darüber, wenn sie aus dem Koma, oder der Narkose aufwachen und sich an die Träume und Alpträume erinnern, Sie sind kein Fall für den Psychiater geworden, die Geschlossene bleibt Ihnen erspart, Sie haben noch alle Tassen im Schrank. Nach vielen Gesprächen mit anderen Patienten, die mir alle das gleiche berichteten, ist es normal, dass man die unmöglichsten Träume hat, deshalb durfte ich auch später nach Hause gehen und wurde nicht in die Klapse verfrachtet. Als ich im Koma lag hatte ich die unmöglichsten Träume, die sich immer und immer wieder wiederholten, wie in einer Endlosschleife, als ob einer den DVD Player auf Repeat geschaltet hatte. Ein Beispiel, meine Nachbarin hatte im wirklichen Leben einen Lebensgefährten, welcher aber verstorben war und sie hatte eine Ferienwohnung in Österreich. Ich selbst bin leidenschaftlicher Flieger und habe mehrere Pilotenscheine und Ratings aus aller Welt, bin viel in Lateinamerika und den USA geflogen. Im Traum war die Ferienwohnung aber auf Helgoland, direkt am Strand, wer Helgoland kennt, weiß das die meisten Ferienwohnungen auf dem Oberland sind, bei mir war sie aber unten. Bin von Kassel aus mit einer zweimotorigen Rockwell Commander 690 A (mein Lieblingsflugzeug, hatte den Typ aber nie geflogen) dorthin geflogen und im Tiefflug an der Ferienwohnung vorbeigebrettert und bin dann dort gleich gelandet. Was in der Realität aber gar nicht möglich ist, da der Flugplatz auf Helgoland Düne ist und die Landebahn für den Vogel zu kurz ist. Wurde dann freundlich von meiner Nachbarin und Ihrem Lebensgefährten empfangen, welcher Tage später dann auch im Traum verstarb.
Die Komaträume waren alle sehr bizarr, hatten aber meist doch in irgendeiner Art und Weise einen Bezug zum wahren Leben, nur halt örtlich und zeitlich versetzt. In einem anderen Traum war ich in Schweden an einem großen See, als Hubschrauberpilot eines Rettungshubschraubers. War aber eine einsame Gegend, da hätte ich vielleicht ein paar Elche retten können, was aber nicht ging, da die nicht krankenversichert waren, ne Platin Kreditkarte hatten die auch nicht dabei. Der Hubschrauberlandeplatz war auf dem See, auf einer Holzplattform und die Rettungsleitstelle an Land mit genügend Platz für einen Hubschrauber. Das einzige was an dem Traum stimmte war die Tatsache, dass ich in Schweden schon immer mal Urlaub machen wollte, das Land fasziniert mich noch heute.
Es wäre jetzt zu ausführlich alle Komaträume niederzuschreiben, kann mich aber an alle noch genau erinnern, habe aber auch mit vielen anderen Patienten gesprochen, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten, das hat mich dann doch beruhigt, dachte schon ich hätte nicht mehr alle Latten am Zaun. Meist kommt es auch nach dem Aufwachen aus einer langen Komaphase zu einer retrograden Amnesie, die aber nach und nach wieder verschwindet. Es kommen immer wieder kleine Denkanstöße und dadurch kommt dann auch die Erinnerung langsam wieder zurück. Einiges ist aber auch heute noch nach zehn Jahren nicht wieder da. Das einzige was mir aufgefallen war, ich hätte nach dem Aufwachen sofort eine komplexe Flugnavigationsplanung erstellen können, alles was mit der Fliegerei zu tun hat, Fachwissen, Formeln etc. war alles ganz klar vorhanden.
Pulsuz fraqment bitdi.
