Kitabı oxu: «Der Bürg mit dem Hundehalsband»

Şrift:

Helmuth Santler
Der Bürg mit dem Hundehalsband

Storys, Sketches und Satirisches

Ein E-Book vom Textmaker

ISBN: 978-3-84350-09-44

Erstellt mithilfe von Sigil 0.7.1., Wien, Mai 2013

Erweiterte Neuauflage erstellt mithilfe von Sigil 0.9.7., Wien, Jänner 2017

Überarbeitete Neuauflage erstellt mithilfe von Sigil 1.8.0., Wien, Jänner 2022

Cover: E. T. A. Hoffmann – Kapellmeister Kreisler, Gestaltung: Herbert Gruber, d.sign Gruber & Partner KG

Die Printausgabe dieses Titels ist erhältlich unter ISBN 978-3-945620-79-3.

Inhalt


peachsmack CC-BY-SA 2.0; Bearbeitung Textmaker
Sketches

Ort der Handlung der hier präsentierten vier Mikro-Komödien ist Wien, wo ich seit den 1980er-Jahren wohne. Das verwendete Idiom ist den hiesigen Gepflogenheiten abgeschaut; für besondere Härtefälle sind Übersetzungen in Form von Fußnoten eingefügt.

Die Sachen sind allesamt schon einige Jahre alt. Heute würden manche Dialoge merklich anders klingen, denn in den drei Jahrzehnten, in denen Neudeutsch, Deutsch-Deutsch und Gemmabillaismus miteinander um die linguistische Vorherrschaft ringen, hat sich das Urwienerische auf eine vom Aussterben bedrohte Sprachart zurückentwickelt.

Beruhigungshinweis für alle, die mit dem Dialekt Schwierigkeiten haben: Alle übrigen Texte sind mit einer Ausnahme in ordentlichem Schriftdeutsch gehalten.

Blubbies im Establishment

Von oben ist ein ca. 25-jähriger Mann zu sehen. Er sitzt am Klo, in den Anblick nackter Mädchen in einem Pornoheft versunken, und masturbiert.

Vor der Klosetttüre tritt eine ca. 25-jährige Frau, in ein straightes Businesskostüm gekleidet, etwas verkrampft von einem Fuß auf den anderen.

Anna (genannt Ann): Mach schon, i muaß total dringend. Außerdem hab i's sowieso eilig.

Richard (genannt Ritschi), gedämpft durch die Häusltür: I ... kumm ... eh glei.

Ritschis Gesicht frontal: es macht einen äußerst angespannten Eindruck.

Anns Gesicht frontal: zeigt denselben Ausdruck wie Ritschis.

Der geteilte Bildschirm zeigt Ann und Ritschi diesseits und jenseits der Klosetttüre. Ann zischt plötzlich davon, die Kamera folgt ihr ins Bad, wo sie sich über die Duschkabine hockt und uriniert. Zeitgleich schafft es Ritschi, und beider Gesichtsausdruck wandelt sich in einen der behaglichen, entspannten Zufriedenheit.

Beide: Aaaaah...

Von oben sieht man zuerst zerknülltes Klopapier in der Muschel, das fortgespült wird, dann eine gelbe Flüssigkeit, die aus einer Duschtasse geschwemmt wird.

Die Klotüre, von außen gesehen, öffnet sich und Ritschi kommt heraus. Während des folgenden Dialogs gehen die beiden langsam in die Küche und treffen Vorbereitungen fürs Frühstück: Kaffeekochen, Essen aus dem Kühlschrank holen usw.

Ritschi (mit dem Porno unterm Arm): Schon frei, Ann.

Ann: Schon is gut. Danke, jetzt brauch i's nimmer.

Ritschi: Ist wohl in die Hose gegangen.

Ann: Nein, in die Duschkabine.

Ritschi: Ma, du bist a Schweindl. Und i wollt mi grad brausen(1) gehn.

Ann: Gute Idee, geh di brausen. Von wegen Schweindl! Glaubst i was ned, was du so lang am Klo treibst?

Ritschi: Ich meditiere gegen meine Prüfungsangst.

Ann: Tatsächlich? Du hast heit a Prüfung?

Ritschi: Nicht direkt heute. In vier Wochen. Aber rechtzeitige Vorbereitung ist das Um und Auf. Du weißt ja – Angst lähmt.

Ann: Na und? Sollst du bei der Prüfung vorturnen?

Ritschi: Nein, es geht um die Kommunikation politischer Ideologie in heimischen Printmedien von 1945 bis heute.

Ann: Ist ja hochinteressant! (Mit Blick auf das Pornoheftchen) Die Stellung der Frau ist dir offenbar ein besonderes Anliegen.

Ritschi: Du kennst mich ja: Ich bin für die Gleichberechtigung. Das Problem ist nur, wenn alle dieselbe Stellung einnehmen, passiert überhaupt nichts mehr. Männer und Frauen müssen sich ergänzen, nicht kopieren.

Ann: Na, dann ergänz mal die Milch. Die im Kühlschrank ist zum Schmeißen.

Ritschi: Ich schon wieder. Eigentlich wär der Robert dran.

Ann: Der schlaft noch; is erst um vier in der Früh nach Hause gekommen.

Ritschi: Woher weißt du das denn so genau?

Ann: Jemand hat mal gesagt, Männer und Frauen müssen sich ergänzen ...

Ritschi: Ah, so ist das. Na dann werd' ich den beiden Turteltäubchen halt das Frühstück bringen. Hätten Sie's gerne ans Bett oder darf ich in der Küche servieren?

Ann: Idiot! Der Robert hat mich aufgeweckt und um ein Aspirin angebettelt. Voll im Öl, der Typ. Den Dunst, den der verbreitet hat, hätt' ma als Insektenvertilgungsmittel verwenden können. Jetzt mach schon, i muaß dann los.

Ritschi verlässt die Wohnung in Schlapfen und Jogginganzug. Eine Tür von der Küche geht auf und Robert tritt auf; er trägt eine Unterhose und Socken und sieht reichlich mitgenommen und völlig übernächtigt aus.

Robert: (mit einer Stimme, die an Tom Waits erinnert) Könnt`s ihr ned leiser sein? In mein Kopf streitens grad, obs hämmern oder bohren sollen. Hast no a Aspirin?

Ann: Na, du hast da die letzten drei schon in der Nacht verabreicht. Wie wär's mit einer eiskalten Dusche?

Robert: Wie wärs mit einer Kopfmassage, mein Liebling?

Ann: Deine Gehirnzellen haben anscheinend mehr als üblich gelitten, mein Säufling. Keine Zeit für solche Scherze.

Die Eingangstür geht auf und Ritschi kommt mit der Milch zurück.

Ritschi: Sieh mal an, Totgesagte leben länger.

Er öffnet das Milchpackerl, riecht daran und rümpft die Nase.

Ritschi: Des gibt's ned. Die is a schlecht.

Ann: Lass mich mal. (riecht auch daran, kostet einen Schluck) Die Milch is ganz in Ordnung, der komische Geruch stammt von unserem lieben Mitbewohner.

Robert: Okay, okay, schon kapiert. (verschwindet im Badezimmer)

Ann macht sich in ziemlicher Eile über ein schnelles Frühstück her; Ritschi sieht ihr, gemächlich eine Semmel mit Käse kauend und gelegentlich Kaffee schlürfend, eine Weile zu.

Ritschi: Was treibt di eigentlich so? Kriagst jetzt an Stress auf deine alten Tag?

Ann: I hab an Vorstellungstermin. Werbebranche.

Ritschi: Palmers-Model?

Ann: Wennst meine Höschen seh'n willst, brauchst nur die Wäsche waschen. Ich bewerb mich als Texterin.

Ritschi: Ein Waschdurchgang mit Höschen-rein, macht braune Flecken winzig klein.

Ann: Wer würde dieses Mittel wählen, wenn ihn so blöde Sprüche quälen. Und was hast du so vor den ganzen Tag?

Ritschi: Ich? Wieso fragst du das?

Ann: Weiß ich auch nicht, wo die Antwort doch eh immer die gleiche is. Mitleid wahrscheinlich.

Ritschi: Na danke, du bist echt aufbauend. Geh, schleich di zu dein Termin. I halt da die Daumen, dass dem Establishment verfallst. Irgendwer muaß die Miete ja zahln.

Ann: Bin schon weg.

Ann zieht sich rasch etwas über und die Schuhe an und verlässt die Wohnung. Ritschi kaut weiter an seiner Semmel und murmelt etwas wie "halt sie wohl für was bessers" in das Gebäck. Robert ist im Bad fertig und gesellt sich im Bademantel zu Ritschi. Lässt sich schwer auf einen Sessel am Frühstückstisch niederplumpsen.

Robert: Biiitte, an Kaffee. I packs ned, i hab an Schädel wia a Kraterlandschaft.

Ritschi: (Schenkt ihm einen Kaffee ein) Wo warst denn leicht?

Robert: Eh nur im Stammbeisl. Um Mitternacht fallt dem Wirt'n auf amol ein, er hat Geburtstag. Mehr brauchst ned. Der Tequila ist geflossen und i bin verfolln. Frag mi ned, wia i hamkumman bin. Totalabsturz.

Ritschi: Na, is eh erst der vierte in dem Monat.

Robert: Was solln des jetzt heißen?

Ritschi: Das du am besten Weg nach Kalksburg(2) bist, wennst so weitermachst.

Robert: Oasch!(3) I hab alles unter Kontrolle.

Ritschi: Besonders die Totalabstürze, vermute ich.

Robert: Sag mal, nervt di irgendwas? Du bist voll ätzend.

Ritschi: Die Ann, wennst es wissen willst. Behandelt mich wie einen Vollidioten. Voll im Stress, das Fräulein, wichtige Termine. Sie wird nämlich Werbetexterin. Außerdem hab i heit no nix graucht.

Steht auf und verschwindet kurz in seinem Zimmer. Zurück am Frühstückstisch, breitet er alle nötigen Utensilien aus: lange Papers, Bauschale, Zigaretten, eine halb zerrissene Visitenkarte, Feuerzeug und ein Stück Dope. Beginnt einen Joint zu bauen.

Robert: Du schimpf mi no amol Alkoholiker. Mit dein Zeig bist a ned bessa. I fang wenigstens den Tag ned mit Saufn an.

Ritschi: Dafür heast mit Aspirin auf und ich mit süßen Träumen.

Schnitt. Dieselbe Einstellung, mehr als zwei Stunden später. Ritschi zieht gerade an einem Gerät (4) , ein Blick auf den Aschenbecher zeigt zwei weitere typische Stummel. Robert macht einen ersten zaghaften Schluck aus einer Bierflasche. Die Tür geht auf – Ann ist zurück.

Ann: Hey Jungs. Na, schon wieder fleißig bei der Arbeit?

Robert lässt beinahe die Bierflasche fallen, die recht wackelig am Tisch landet. Ritschi bekommt einen Hustenanfall.

Robert: Was machstn du schon wieder da? Gefeuert vor der Einstellung?

Ann: Ganz im Gegenteil – erster Auftrag auf Honorar!

Ritschi: Na, dem musst es ja ordentlich besorgt haben.

Ann: Sicher. Der Personalchef ist zuletzt am Hundehalsband vor mir herumgekrochen und hat darum gefleht, dass ich ihm meine Absätze in den Hintern schieb. Wofür hältst du mich eigentlich, Dauerbedröhnter? Ich hab Textproben hergezeigt und er war voll angetan. Hat gemeint, wir sollten es mal versuchen.

Robert: Und was wird's? Ein Sprücherl für den Blindenverband? Oder sollst die Massen ins Brigittenauer(5) Hallenbad locken?

Ann: (plötzlich etwas zögerlich) Ähh – na, ned so was.

Ritschi: Na was dann? Sag schon. Uns fallt sicher was ein.

Ann: Es geht um Spielzeug.

Robert: Und zwar? Was lasst dir denn auf amol alles so aus der Nasn ziagn?

Ann: Tiviblubbies.

Ritschi und Robert schauen sie groß an, dann einander, dann wieder sie. Gleichzeitig prusten sie los.

Robert: Die gehirnamputierten Kleinkindverblöder? Und was sollst du da machen?

Ann: Sie brauchen einen Liedtext für ein Kinderfest, bei dem es Stoffblubbies zu gewinnen gibt. Ja, lachts nur. Ist immerhin ein Anfang.

Ritschi: (singt) Stinki, Gaga, Tiviblubbie, ooh.

Ann: Frau merkt gleich, du bist Experte. Ich komm darauf zurück. Jetzt mach i mi ans Werk.

Ann geht ab in ihr Zimmer; Robert und Ritschi bleiben sichtlich amüsiert am Küchentisch sitzen.

Ritschi: Die meints richtig ernst. Die Karriere ist nicht aufzuhalten.

Robert: Ja, nach dem Start kanns ja wohl nur mehr aufwärts gehen.

Ritschi: Als Nächstes darf sie dann schon die Tischkarten für den nächsten Firmenempfang verfassen.

Robert: Böse, böse. Aber i sag dir eins – a bissl a Kohle wär nicht schlecht. Mei Brieftaschen besteht nur noch aus Zwiebelleder(6). Wie geht's'n dir damit?

Ritschi: So ähnlich. Seit i nur mehr rauch und nix mehr vercheck(7), bin i chronischer Negerant(8).

Robert: Fangst halt wieder an.

Ritschi: Na, is ma zu riskant. In Zeiten wie diesen häng i mi ungern aus'n Fenster. Die blede G'schicht is nur: I kann eigentlich nix anders als verchecken.

Robert: Dann müss ma das Produkt wechseln. Du bist der Verkäufer, ich schaff die Kundschaft heran. Dope zieht immer noch am besten, nur legal muss halt sein.

Ritschi: I glaub i waß, wo des hinführt ...

Szenenwechsel: Einige Tage später befinden wir uns auf der Donauinsel (9) , wo eine Freiluftbühne aufgebaut ist; der kitschig-bunten Farbdekorierung zufolge offensichtlich für Kinder, welche sich denn auch in großer Zahl vor der Bühne versammelt haben. Dahinter stehen einige Erwachsene. Ein clownesk gekleiderter Mann hüpft auf der Bühne herum und gibt ein Lied zum Besten. Der Refrain: Tiviblubbies, gelb und rot, stehn zur Seite in der Not. Tiviblubbies, grün und blau, machen uns ganz superschlau.

Den Kindern scheint das Lied zu gefallen, denn sie krähen den Refrain begeistert mit. Der Gesichtsausdruck der Eltern weist eher ins Schmerzliche. Etwas abseits sieht man Ann, sehr sommerlich-luftig gekleidet, die die Szene mit einer Mischung aus Skepsis und Zufriedenheit betrachtet. Neben ihr steht ein etwas älterer, geschäftsmäßig gekleideter Herr, der Personalchef, der wiederum Ann mit einiger Zufriedenheit betrachtet.

Schnitt. Die Kamera zeigt Robert und Ritschi in einiger Entfernung der obigen Szenerie, die im Hintergrund zu erkennen ist. Ritschi hat einen Bauchladen umgehängt, der schier überquillt mit Süßigkeiten aller Art. Robert kämpft mit dem Gewicht von zwei schweren Kühltaschen. Die beiden nähern sich zielstrebig dem Ort der Tiviblubbie-Verherrlichung.

Dort ist das Lied in der Zwischenzeit verklungen und der Entertainer kündigt die große Verlosung der Stoffblubbies an. Mitten in seine Erkärung des Prozedere mit Freiwilligen, die sich auf der Bühne einem Tiviblubbie-Quiz stellen müssten, ertönt plötzlich eine sehr laute Stimme.

Robert: (im Stile eines Marktschreiers) Kalte Getränke, kalte Getränke. Bier, Cola, Apfelsaft, bald habt ihr wieder neue Kraft.

Ritschi: Süßigkeiten, Süßigkeiten, heute GRATIS Süßigkeiten.

Spätestens mit dem Wort "gratis" haben die beiden die Aufmerksamkeit aller auf sich gezogen. In Großaufnahme sind Anns vor Entsetzen geweitete Augen zu sehen. Kindergeschrei wird laut: "Mama, ich hab so Durst." "Ich will was schlecken(10)." "Darf ich ein Cola?"

Ein erster Erwachsener, offenbar ein Vater, wendet sich an die beiden.

Vater: Was soll das mit den gratis Süßigkeiten? A Schmäh(11), oder?

Robert: Aber nein. Beim Kauf eines Getränkes erhalten Sie eine Süßigkeit Ihrer Wahl gratis dazu.

Vater: Aha. Na gut, ich nehm ein Bier. (ruft) Lotte!

Ein kleines Mädchen eilt herbei.

Vater: Schau, da kannst dir was aussuchen zum Schlecken.

Lotte macht sich mit Begeisterung daran, aus dem süßen Sortiment das Richtige auszuwählen. In kürzester Zeit sind Robert und Ritschi umringt von Eltern und Kindern. Die Getränke gehen weg wie die warmen Semmeln, die Kinder verdrängen sich gegenseitig vom besten Platz vor Ritschis Bauchladen. Im Hintergrund sieht man den Kinder-Entertainer, der verzweifelt versucht, sein Tiviblubbie-Quiz zu veranstalten, aber niemand hört ihm mehr zu. Schwenk auf Ann und den Personalchef.

Personalchef: Eine unglaubliche Frechheit. Was fällt diesen Typen ein? Die machen alles kaputt.

Ann: (die sich ein bisschen schwer tut, das Lachen zu verbeißen) Tatsächlich unerhört. Fehlte nur noch, dass sich der Moderator auch ein Bier holt. Im Übrigen hab ich einen Mordsdurst.

Personalchef: (blickt Ann aufs höchste verwundert an) Wie darf ich das verstehen? Sie wollen doch nicht etwa ...?

Doch Ann lässt den Mann bereits stehen und strebt auf Robert und Ritschi zu. In diesem Moment schmeißt der Clown-Unterhalter auf der Bühne das Mikro hin, greift sich die Stoffblubbies und schmeißt sie wahllos in die Menge; ein Riesengerangel entsteht, das sich nach kurzer Zeit in eine Menge von vielen heulenden und einigen wenigen strahlenden Kindern auflöst. Rufe wie: "Der Bub hat mich g´haut, die Buben sind so blöd." "Mamaaaa!" "Ich hab ein grünes, ich hab ein grünes!" oder einfaches Geplärre werden laut. Einige Kinder haben tatsächlich unbedeutende Kratz- und Schürfwunden ("Blute, blute!").

Dann treffen Ann und der Unterhalter, der in der Zwischenzeit die Bühne verlassen hat, gleichzeitig bei Robert und Ritschi ein.

Ann: (fröhlich) Danke, die Herren. Das wärs dann wohl gewesen mit meinem Job.

Unterhalter: Habt's noch a Bier?

Robert: Aber immer.

Ritschi: War uns ein Vergnügen, Ann. Die Errettung der Wohnungsgenossin vor den Untiefen des Kommerz – eine wahrlich heldenhafte Tat.

Der Personalchef tritt hinzu.

Personalchef: Ann, Sie kennen diese beiden Figuren? Ich bin entsetzt. Sie können sich denken, dass das Konsequenzen haben wird. (An Robert und Rischi gewandt) Und Sie können sich auf etwas gefasst machen; Ihnen steht eine Schadenersatzklage ins Haus.

Ann: Immer mit der Ruhe. Den Tiviblubbie-Job schmeiß ich gerne hin. Und was den Schadenersatz betrifft – schauen Sie doch mal, was diese Stoffteile angerichtet haben. Die Kids sehen aus wie nach einer Schlacht; glauben Sie, das wäre eine gute Schlagzeile: Nach Kampf um Tiviblubbies mehrere Kinder in ärztlicher Behandlung?

Personalchef: (kann sich nicht entscheiden, ob er knallrot anlaufen oder erbleichen soll und ringt zur Sicherheit nach Luft) Sie ... Sie wagen es nicht ...

Ritschi: Sie haben ja gar keine Vorstellung, was unsere Ann so alles wagt, Sie Hundehalsband.

Robert: Da hams a Bier, geht aufs Haus. Und dann ab durch die Mitte. (drückt ihm eine Flasche in die Hand)

Der Personalchef nimmt die Flasche und geht ab. Die drei hocken sich auf die mittlerweile großteils verlassene Wiese, greifen sich die letzten Flaschen aus der Kühltasche, öffnen sie und prosten einander zu.

Ann: Na dann, ihr Vögel. Gemmas wieder von vorne an.

Ritschi: Dei Karriere is sowieso ned aufzuhalten.

Robert: Wir übernehmen auf alle Fälle das Catering-Service.

Ann: Bloß nicht!

Allgemeines Gelächter und Ende.

© 1995

Einige Übersetzungshilfen bzw. Erläuterungen:

(1) duschen

(2) Der Ortsteil des 23. Wiener Gemeindebezirks, in dem das Anton-Proksch-Institut zu finden ist, die größte Suchtklinik Europas.

(3) Arsch

(4) Joint

(5) Stadtteil von Wien

(6) Zum Weinen leer

(7) verkaufen

(8) pleite

(9) In den 1970ern künstlich angelegte, 20 km lange Insel in der Donau, im Grunde ein Wasserschutzprojekt, heute aber vor allem als beliebtes Naherholungsgebiet aus der urbanen Realität Wiens nicht mehr wegzudenken.

(10) naschen

(11) Scherz, hier eher im Sinne von Täuschung

Turbo 1 an Zentrale

Zwei junge Männer, beide keine gebürtigen Wiener, laufen auf der Alten Donau eis. Ihr Wagen parkt oberhalb einer steilen Böschung, die durch eine Schneematschschicht zu einer unansehnlichen, schmutzigbraunen Rutschbahn geworden ist. Direkt am Ufer stehen zwei Paar Stiefel. Der See ist ziemlich bevölkert; es ist ein sonniger Sonntag im Wiener Winter.

Michael: (hält in der rechten Hand eine Dose Bier, die er beim Reden zur Unterstreichung seiner Worte benutzt) Die Maxi ist am Freitag in der Nacht über die Mauer vom Zentralfriedhof geklettert, weil sie "Grabstätte bei Nacht und Schneefall" fotografieren wollte. Wie sie wieder raus will, sieht sie ein Kieberer(23). Der Typ hat den Hund auf sie gehetzt, obwohl sie sich ohnehin nicht bewegt hat. Die Bisswunden hat sie mir gezeigt: am Wadl, an der Hüfte und an der linken Schulter. Wie im Wilden Westen. Was meint der Doktor jur. dazu?

Manfred: Rechtswidriger Waffengebrauch und Körperverletzung, eindeutig. Aber ohne Zeugen kannst sowieso nichts unternehmen. Da steht dann Aussage gegen Aussage. Weiß sie wenigstens die Dienstnummer von dem Supersheriff?

Michael: Für den war sie eine Schwerverbrecherin. Sie ist überhaupt nicht zu Wort gekommen. Ihre Aussichten waren auf das Mündungsrohr seiner Pistole beschränkt.

Manfred: (schüttelt den Kopf) Schreibst was d'rüber?

Michael: Klar. Eine Polizistenpistole.

Schweigend laufen die beiden weiter. Sie nähern sich einer Brücke. Knapp hintereinander tauchen sie in den Schatten ein. Plötzlich bricht das Eis, nacheinander platschen die beiden in das eiskalte Wasser. Sie kommen rasch wieder ans Trockene.

Michael: Fuck it! Nichts wie ins Auto.

Mit den tropfnassen, schweren Kleidern etwas unbeweglich, eilen sie zu ihrer Einstiegsstelle. In großer Hast zerren sie sich die Eisschuhe von den Füßen, greifen zu ihren Stiefeln. Nachdenklich blickt Michael auf die Schuhe.

Manfred: Wie mach i das jetzt? I geh glei mit die Socken. (Er stapft die Böschung hinauf; Michael folgt. Mit einigen Schwierigkeiten erreichen sie den Wagen. Manfred sperrt den Kofferraum auf. Die beiden ziehen sich bis auf die Unterhose aus, werfen das nasse Zeugs in den Kofferraum, setzen sich hinein und fahren los.)

Michael: Selbst die Alte Donau wird zum Abenteuer, wenn man sich blöd genug anstellt. Meine Hoffnungen gelten der Heizung deines Autos.

Manfred: (fährt sehr schnell) Wenigstens kann i amol so in Wien fahren, wie i's immer schon wollt. Ein echter Notfall.

Von einer Nebenstraße kommend, taucht plötzlich ein Streifenwagen auf. Mit Sirene und Blaulicht verfolgen sie die beiden ein paar hundert Meter, überholen dann und drängen Manfreds Wagen an den rechten Straßenrand.

1. Polizist: (Am Funk; seine Ottakringer(24) Herkunft ist nicht zu überhören) Turbo 1 an Zentrale. Mir ham zwa rasende Flitzer gestoppt. Werden einschreiten.

Zentrale: Zentrale an Turbo 1. Wir halten den Kanal offen; ruaft's uns sofort, wenn's a Verstärkung braucht's.

Der Beifahrer steigt aus und beginnt amtszuhandeln. Kaugummikauend deutet er Manfred, das Fenster zu öffnen.

2. Polizist: Macht Ihnen des Spaß, nackert durch Wien zu rasen? Zagn's amol die Papiere!

Manfred: Wir sind in der Alten Donau eingebrochen und haben das nasse Gewand im Kofferraum; die Papiere sind auch dabei.

2. Polizist: So, so, einbroch'n samma. Des gibt eana no lang ned des Recht auf überhöhte Geschwindigkeit im Ortsgebiet. Siech i jetz bald an Ausweis oder ham's kan?

Michael: Wollen Sie uns eine Lungenentzündung anhängen oder reicht eine Anzeige? Wir sind zu schnell gefahren, na gut. Es handelt sich schließlich um einen Notfall ...

2. Polizist: Mit eana hat ka Mensch gred'. Waun's frech a no wearn, ziag ma andere Seit'n auf. An Ausweis, aber dalli! (Der Wichtigkeit seines Amtes voll bewusst, kaut er triumphierend auf seinem Gummi. Irgendwie schafft er es, gleichzeitig hämisch zu grinsen.)

Manfred: (in dem der Zorn aufwallt) Geb's Sie amol ihr'n Kaugummi die frische Luft wieder. Laut Ministerialratsbeschluss ist das Kaugummikauen im Dienst verboten.

Mittlerweile hat sich um das Auto eine Menschenansammlung gebildet. Zwischenrufe werden laut: "De Schwuchteln wear'n immer präpotenter. Verkehr im Verkehr, ha, ha, ha." "Da Kiebara soll se schleichn, bevur sie da erste in sei Gummiwuascht (25) valiabt."

2. Polizist: (winkt seinem Kollegen, der hinzueilt) Kümmer di um de Leit, Walter. (Deutet auf das Innere des Wagens) Zwa Obaschlaue! Waßt wos der ma dazölln wü? A Ministerialratsbeschluss gegen's Kaugummikauen. Des packst ned!

1. Polizist: Pass liaba auf, wos'd sogst! Den Beschluss gibt's wirklich. (Zur Menge gewandt, die dem Dialog mit hörbarem Vergnügen gefolgt ist) Weitergehen, weitergehen. Zerstreuen Sie sich!

1. Passant: Wia soll i des mach'n? I bin eh scho so zerstreut.

1. Polizist: (laut) Wer war des?

2. Passant: A verirrter Verwirrter ...

1. Polizist: (zieht seine Pistole und hält sie dem 2. Passanten vor die Brust) Sie hab'n den Kerl also gesichtet! Wer wars? I warn Sie: Es ist strafbar, eine Amtshandlung zu behindern.

2. Passant: I hab niemanden g'sehn.

1. Polizist: Des werma no klärn. (eilt zum Wagen zrück) I hol Verstärkung. (Nimmt das Funkgerät und tut es.)

2. Polizist: (hat ebenfalls seine Waffe gezogen und zeigt mit ihr über Manfreds Wagen auf die Menge. Mit lauter Stimme) Keiner rührt sich von der Stelle! Alle die Ausweise bereithalten!

Michael: Sie verlangen Unmögliches. Noch dazu mit Kaugummi.

2. Polizist: (ins Wageninnere brüllend) WER HAT MIT IHNEN GRED'?

Michael: Na Sie. Wir sind eine Teilmenge von allen.

2. Polizist: (verschluckt den Kaugummi) Wos hom's g'sagt?

Michael: Wir sind eine Teilmenge von allen.

2. Polizist: (schreit) DES HAB I EH G'HÖRT. I WARN EANA ...

Manfred: (zu Michael) Kennst du eine "Erna"?

Michael versucht mit wenig Erfolg, einen Lachanfall zu verbeißen. In diesem Moment ertönt Sirenengeheul. In wenigen Sekunden wimmelt es von Polizisten – Streifenwagen, Alarmwagen bremsen sich quietschend ein, zig Beamte, zum Teil im Kampfanzug, schwärmen aus. Auch Hunde sind dabei und schlagen ohrenbetäubend an. Ein Offizier steht breitbeinig inmitten des Geschehens. In seiner Rechten hält er ein Megafon.

Offizier: DAS GELÄNDE IST UMSTELLT. WIDERSTAND IST ZWECKLOS. LASSEN SIE IHRE WAFFEN FALLEN UND KOMMEN SIE MIT ERHOBENEN HÄNDEN HERAUS.

Die Polizisten haben ihre Stellungen bezogen und verharren bewegungslos, die Waffen im Anschlag. Die Passanten blicken verdutzt auf den Offizier und brechen in Gelächter aus.

Offizier: (zornbebend) RÄUMEN! RÄUMEN!

Die Polizisten stürmen auf den verschreckten Haufen Menschen los. Gummiknüppel kommen zum Einsatz, Hunde verbeißen sich in Waden, Schüsse fallen. Wie Sandsäcke werden die Passanten zu den Einsatzwagen geschliffen und dort in Gewahrsam genommen. Die meisten Wagen rasen mit Blaulicht und Sirene vom Tatort. Übrig bleiben Turbo 1, der Wagen des Offiziers und Manfred und Michael, die mittlerweile vor Kälte zittern.

Offizier: (geht auf den Wagen der beiden zu und schaut hinein) Guten Tag. Die Situation ist bereinigt. Wer sind Sie? Warum tragen Sie keine Kleidung?

Manfred: Dr. Manfred Vogel. Mein Freund und ich sind beim Eislaufen auf der Alten Donau eingebrochen und haben die nassen Sachen in den Kofferraum geworfen, um eine Erkältung zu vermeiden.

Michael: Mag. Michael Sattler. Wir bräuchten wirklich dringend eine heiße Dusche und einen kräftigen Punsch. (niest)

Offizier: Natürlich, meine Herren. Die Polizei, dein Freund und Helfer. (winkt den 2. Polizisten heran, der sich eben einen neuen Kaugummi in den Mund schiebt) Sie eskortieren mir diesen Wagen bis vor die Haustür!

Manfred: Skodagasse 9. Im Achten.

Offizier: Skodagasse 9. Sie haben's gehört. Pronto, wenn ich bitten darf. Die beiden Herren holen sich den Tod, wenn sie nicht bald in eine warme Stube kommen. Und spucken's ja den Kaugummi wieder aus!

2. Polizist: (verschluckt den Kaugummi) Ääh ... aber ... die zwei Flitzer sind viel zu schnell gefahren und ...

Offizier: Das sind keine Flitzer, sondern ehrbare Bürger! Akademiker! Keine Diskussionen! Los!

2. Polizist: Zu Befehl, Herr Major! (verstört eilt er zum Streifenwagen und steigt am Beifahrersitz ein. Sein Kollege sitzt bereits am Steuer.)

Offizier: Das wär's. Gute Fahrt, meine Herren.

Beide: Danke.

Der Streifenwagen fährt an; Blaulicht und Sirene sind eingeschaltet. In halsbrecherischem Tempo biegt er um die erste Ecke. Manfred folgt dichtauf. Am Ziel angekommen, behindert der Polizeiwagen ein Auto, das eben einen günstig gelegenen Parkplatz belegen möchte, sodass Manfred und Michael fast direkt vor der Haustüre parken können. Die ältere Frau in dem anderen Wagen, die sich diese Behandlung nicht so ohne Weiteres gefallen lassen möchte, wird für die beiden verärgerten Beamten zum willkommenen Sündenbock. Während die zwei Uniformierten wieder einmal amtshandeln, hüpfen die frierenden Akademiker in größter Hektik aus und um das Auto, bepacken sich mit ihren Sachen aus dem Kofferraum und laufen so beladen, barfuß und in Unterhosen, über die Straße ins Haus. Ein Sandler, der die ganze Szene interessiert verfolgt hat, schüttelt sich ein wenig, weil ihn der Anblick der nackten Männer frieren lässt; andererseits ein willkommener Anlass, sich mit einem kräftigen Schluck aus seiner Schnapsflasche ein wenig aufzuwärmen. Das Haustor fällt hinter Manfred und Michael ins Schloss.

1. Polizist: Sie stengan mitt'n auf da Stroßn, Gnädigste. Des geht so ned.

Ältere Frau: Machen Sie sich jetzt auch noch über mich lustig? Ich stehe nur hier, weil Sie mich am Einparken gehindert haben.

2. Polizist: Also mia san schuld? Woll'n S' des damit sagn?

Ältere Frau: Ja wer denn sonst? Im Übrigen würde ich jetzt gerne wieder auf die Suche nach einem Parkplatz gehen.

1. Polizist: Immer mit da Ruhe, Gnädigste. Ausweis und Fahrzeugpapiere, wenn ich bitten darf.

In der Straße beginnt es sich zu stauen, der 2. Polizist hält den Verkehr endgültig an. Hupen ist zu hören. Während die Amtshandlung in eine hitzig geführte Diskussion auszuarten scheint, greift der 2. Polizist wieder zum Funkgerät.

2. Polizist: Turbo 1 an Zentrale. Mir ham da an Fall von schwerer Verkehrsbehinderung und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Dringender Handlungsbedarf.

Zentrale: Verstanden, Turbo 1. Braucht's a Verstärkung?

© 1992

(23) Polizist

(24) Der 16. Wiener Gemeindebezirk

(25) Gummiwurst – der Hartgummi-Schlagstock

Die Leiden des jungen Mieters

Ein Zinshaus wird renoviert. Alles ist mit einer dicken, weißlichen Staubschichte überzogen; in den Gängen und im länglichen Innenhof stapeln sich Zementsäcke, Paletten und Abfall, vor allem leere Säcke; für die standhaften Bewohner ist es mitunter nicht leicht, zu ihren Stiegenaufgängen zu gelangen. Die weniger standhaften haben ihre Wohnungen längst geräumt, welche nunmehr „neu adaptiert“ werden (an den gewinnträchtigsten Standard). In diesen Wohnungen ist alles auf Schimäre angelegt: Marmor imitierende Kacheln am Boden, Stadlauer-Fenster, Portas-Türen, mit Gewalt hineingequetschte Bad- und WC-Bereiche.

Der Held der Geschichte lebt in einer Zimmer-Küche-Wohnung auf Stiege 1 im 1. Stock. Auf dieser Etage werden zwei Wohnungen umgestaltet. Im Gang vor dem Fenster zum Hof steht eine Mischmaschine, vom Sicherungskasten am Gang spannen sich Drähte in Kopfhöhe zu den leer stehenden Räumlichkeiten. Unser Held, nennen wir ihn Michael, muss den Gang mehrmals am Tag überqueren, um zur Toilette zu gelangen; die frei schwebenden Leitungen zwingen ihn, sich dabei mehrmals zu bücken. Er ist fast immer zu Hause, weil er an seinem Computer an seiner Diplomarbeit werkt.

Groß: Ein Radiowecker zeigt 7:00 Uhr; Michael schläft tief und fest in seinem Hochbett. In dem Moment, in dem die Anzeige auf 7:01 springt, ertönt ein infernalisches Kreischen aus dem Innenhof: Ein Arbeiter zersägt Marmorimitatkacheln mit einer Flex. Dabei entsteht eine Fontäne aus Staub, die waagrecht nach vorne schießt und sich dann in Wolken im Hof verbreitet.

Michael wird aus dem Schlaf gerissen. Er schreckt hoch, will den Wecker abschalten und muss verwirrt feststellen, dass dies nichts nützt. Er registriert die Uhrzeit und sinkt stöhnend zurück, hält sich die Stirn; das Kreischen schwillt an und ab (wenn die Maschine leer läuft), aber an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Seufzend wickelt er sich aus seiner Decke, torkelt die Leiter hinab und geht mit halb geöffneten Augen zum Fenster, um es zu öffnen. Der frühe Morgen empfängt ihn mit einer beißenden Staubwolke, die ihn zum Husten bringt. Rasch schließt er das Fenster wieder. Er schlurft zu seiner Stereoanlage, die vom Vorabend noch viel zu laut eingestellt ist, und schaltet ein. Die Verkehrsfunk-Signation dröhnt durch den Raum. Michael zuckt zusammen und schaltet wieder aus. Tief durchatmend, macht er sich in Richtung Toilette auf den Weg, mittlerweile in einen Morgenmantel gekleidet. Im Moment des Türöffnens wird das Kreischen erheblich lauter. Er bahnt sich den Weg unter Drähten und um die Mischmaschine herum, verschwindet am Klo. Pinkel und Spülgeräusche.

Michael geht wieder zurück. Auf halbem Weg kommt ihm aus einem oberen Stockwerk ein Nachbar entgegen, der zwei große und anscheinend schwere Koffer die Stiegen hinunterschleppt.

Michael: (gähnend) Guten Morgen! Wohin geht denn die Reise?

Nachbar: In den 14. Bezirk … ich ziehe um.

Michael: (macht einen teilnahmsvoll-resignierenden Blick gen Himmel) Rausgeekelt! Another one bites the dust.

Nachbar: Nicht mehr lang. (Er klopft Michael freundschaftlich auf die Schulter, von der sich eine kleine, weiße Staubwolke löst; beide beginnen zu husten, verabschieden sich zugleich. Der Nachbar quält sich weiter mit den Koffern ab, Michael geht in seine Wohnung zurück.)

Michael legt eine Platte auf: Franz Liszt, Ungarische Rhapsodien. Das weiterhin an- und abschwellende Kreischen aus dem Innenhof wird größtenteils von der Klaviermusik übertönt. Er massiert seinen schmerzenden Kopf und versucht, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Dann steht er mit festem Schritt auf, schaltet die Musik ab und den Computer ein, setzt sich an das Gerät und beginnt zu schreiben. In diesem Moment beginnen die Arbeiter, in der angrenzenden Wohnung, Wand an Wand, den Verputz abzuschlagen. Das schwere Hämmern ist nicht nur unerträglich laut, sondern löst auch kleine Beben aus, die in Michaels Wohnung den Verputz gleich mitlösen. Kalkteilchen rieseln auf ihn herab. Mit verbissenem Gesichtsausdruck holt M. eine Plastikfolie aus einem Schrank und bedeckt den ganzen Schreibtisch und sich selbst. Er schreibt weiter. Plötzlich wird der Bildschirm unvermittelt schwarz. Panisch drückt er wahllos einige Knöpfe, springt dann auf, kämpft sich unter der Plane hervor und eilt auf den Gang, wo einer der Arbeiter eben den Sicherungskasten schließt.

Michael: Bist du wahnsinnig? Schalt sofort den Strom wieder ein!

Arbeiter: Kollega?

Michael: Strom! Licht! Einschalten! Die ganze Arbeit von heute beim Teufel.

Arbeiter: Kollega, Licht aus?

Michael: Ja, verdammt. Die falsche Wohnung.

Er rotiert händeringend herum, während der Arbeiter den Sicherungskasten wieder öffnet und den Fehler behebt. Grinsend verschwindet er in der Wohnung, die gerade in Arbeit ist. M. geht in seine zurück, blickt traurig auf seinen Computer, greift sich an seinen schmerzenden Kopf und gibt den Gedanken an geistige Arbeit auf. In einem Eck der Küche lehnen ein Brett und zwei Regalwinkel. Mit diesen beladen, geht er auf die Toilette. Dann deutet er dem Arbeiter in der Wohnung, zu kommen, zeigt ihm die Teile und vollführt Bewegungen wie mit einer Bohrmaschine. Der Mann nickt verstehend, geht ab und kommt rasch mit Bohrmaschine und Werkzeugkasten zurück. Die passenden Schrauben sind bald gefunden. M. stellt sich auf die Klobrille und beginnt zu bohren. Der Arbeiter steht in der offenen Tür und sieht zu. Ein älterer Mann im Anzug nähert sich.

Mann: (zu M.) Was du machen?

Michael: (irritiert) Wer sind Sie?

Mann: Äah … Ich bin von der Hausverwaltung und muss mich für alles interessieren. Was machen Sie?

Michael: Bitte, interessieren Sie sich. Ich montiere ein Brett, wie Sie sehen. Im Übrigen wohne ich hier.

Mann: (dümmlich) Aha.

Er dreht sich um und verschwindet wieder. Der Arbeiter blickt M. fragend an, deutet hinter sich und tippt sich an den Kopf. M. nickt bestätigend, beendet das Montieren der Regalwinkel und legt das Brett drauf.

Arbeiter: Kollega, fertig?

Michael: Ja, danke.

Die beiden gehen in die jeweiligen Wohnungen zurück. In Michaels Bude dröhnt nach wie vor der Vorschlaghammer, der in der angrenzenden Wohnung eingesetzt wird. Der junge Mann steht ratlos herum, als es klopft.

Michael: (öffnet die Tür) Was gibt’s?

2. Arbeiter: Wir stemmen jetzt für den Kloabfluss vom oberen Stockwerk.

Michael: Und?

2. Arbeiter: Nur, dass Sie's wissen. Schreien Sie, wenn Sie herauskommen.

Michael: (misstrauisch) Wo stemmen Sie denn?

2. Arbeiter: Hier entlang. (Deutet von oben nach unten entlang des Türstocks.) Ich hoff' nur, dass wir nicht zu Ihnen durchbrechen.

Michael: Ich hör wohl nicht richtig – machen Sie das gefälligst so, dass nichts passiert! (schließt die Tür und geht zum Telefon, wählt.) Hausverwaltung? Grüß Gott, Sabenter. Ich rufe an wegen dem Haus Altklostergasse 101. Es besteht die Gefahr, dass in meine Wohnung eingebrochen wird.

Frau: (am Telefon) Für Sicherheitsfragen ist die Polizei zuständig.

Michael: Ich meine die Arbeiter, die vor meiner Wohnungstüre stemmen. Sorgen Sie dafür, dass die Arbeiten ordentlich gemacht werden – nicht so, dass ich ein Loch in der Wand habe.

Frau: Was reden Sie? Machen Sie keine dummen Witze!

Michael: (ein besonders lautes Krachen ertönt, unmittelbar von einem dumpfen Geräusch gefolgt. Er sieht zur Eingangstüre, neben der ein Loch in der Wand klafft. Trümmer von Ziegelsteinen liegen in der Küche. Schreit in den Apparat.) WITZE? ICH SOLL KEINE WITZE MACHEN? Es ist schon passiert – sie sind herinnen. Tun Sie etwas! Sofort!

Frau: Holen Sie den Arbeiter an den Apparat.

Michael: Okay. (legt den Hörer neben das Telefon, geht zur Tür und öffnet sie. Kein Mensch ist zu sehen.) Scheiße! (zurück zum Telefonat) Hallo? Die sind alle verschwunden.

Frau: Beruhigen Sie sich – wir regeln das. Unverzüglich, ich verspreche es Ihnen. Sie hören von uns. Auf Wiedersehen.

Michael: Ääh … wiedersehen. (Legt auf, verlässt die Wohnung. Der Arbeiter kommt die Treppe herab und versucht, als er Michael erblickt, rasch zu flüchten.)

Michael: Halt, stopp! Richtet mir meine Wohnung wieder her, auf der Stelle!

Arbeiter: Du Polizei rufen?

Michael: Nein, die Hausverwaltung.

Arbeiter: Warum dann kein Kollega mehr da?

Michael: (grinsend) Das schlechte Gewissen, vermutlich.

Plötzlich heben sich überall staubige Planen, unter denen Arbeiter hervorkriechen. Türen öffnen sich und geben Blaumänner frei, einer lässt sich von der Decke, wo er sich an einem Balken festgeklammert hatte, herab. Im Nu ist Michael von Männern umringt, die erleichtert durcheinanderreden. Bierflaschen werden geöffnet, Zigaretten entzündet, einige beginnen zu singen, andere zu beten. Eine Art orientalisches Spontanfest ist voll im Gang, als zwei Polizisten auftauchen.

1. Polizist: Wer gibt diese Party?

Mehrere Arbeiter zeigen, nach einer kurzen Schrecksekunde, auf Michael, der ziemlich betrunken auf einem Sandsack halb sitzt, halb liegt und sich mit einer Hand an einem Draht festklammert.

1. Polizist: (an Michael gewandt) Es ist eine Anzeige wegen Ruhestörung ergangen. Ihren Ausweis, bitte.

Michael: (mit umflortem Blick, den Kopf langsam hebend. Sein Zungenschlag ist merklich beeinträchtigt.) Ruhestörung? Wer? Warum? Die Vorschlaghämmer? Die Kreissägen? Alles ruhig, so schön ruhig. Trinken's a Bier mit mir, Herr Inspektor – auf die Stille. (Hält dem Polizisten eine volle Bierflasche entgegen, die dieser ignoriert.)

2. Polizist: Spinnt der? Oder wü a uns vaoaschen?

1. Polizist: Vielleicht beides. Nemman mit.

Die beiden packen Michael links und rechts unter und richten ihn auf. Er wehrt sich überhaupt nicht, sondern wiederholt selig lächelnd „auf die Stille, auf die Stille“. Die drei verschwinden aus dem Bild. Die Arbeiter blicken ein wenig schuldbewusst drein und machen sich dann daran, das Loch in der Mauer zu Michaels Wohnung zu schließen.

© 1990

Der Selbstmörder

Werner, etwa 25 Jahre alt, steht in einer Telefonzelle der U-Bahn-Passage Schottentor. Sein Gesichtsausdruck zeigt Verbitterung und Resignation, als er zu telefonieren beginnt. Er wählt die Nummer von Veronika, die ihn kurz zuvor verlassen hat.

Veronika: Hallo?

Werner: Servus, Veronika. Ich bin's, Werner. Ich wollte …

Veronika: (ihn barsch unterbrechend) Du wolltest mich noch einmal beknien, zu dir zurückzukommen. Vergiss es! Ich habe dir gesagt, es ist aus, und dabei bleibt es.

Werner: Veronika, bitte. Hör mir doch wenigstens zu. Ich schaffe es nicht ohne dich. Ich fühle mich so einsam … ich brauche dich.

Veronika: Such dir eine andere Klagemauer, das Spiel habe ich bis zum Überdruss genossen. Ciao, ich leg' jetzt auf.

Werner: Veronika, nein, warte. Wenn du mich verlässt, bring ich mich um. Ich werf' mich vor die U-Bahn.

Veronika: Ich habe dich verlassen … im Übrigen: Den Mumm hast du sowieso nicht. (legt auf)

Werner: Veronika, bitte, Veronika … (hört schluchzend noch ein paar Sekunden dem Tuten im Hörer zu, legt dann auf. Einige Münzen fallen in das Ausgabefach zurück, aber er registriert es nicht. In völlig geknickter Körperhaltung schlurft er aus der Telefonzelle.)

Ein Sandler(26), der die Szene verfolgt hat, eilt zum Telefon, entnimmt ihm die Geldstücke, verliert dabei aber so gut wie nie den Blickkontakt zum Rücken Werners, der Richtung U-Bahn wankt. Nachdem die Münzen in einer Tasche der abgerissenen Kleidung des Sandlers verschwunden sind, geht er dem Verstörten hinterher.

Werner: (zu sich selbst murmelnd) Was soll das alles noch? Sinnlos, total sinnlos. Die wird schon sehen, dass ich genug Mut habe. Wenn's mi von der Garnitur kratzen, wird ihr das sehr, sehr leid tun. Aber dann kann sie mi nimmer anrufen und um Verzeihung bitten, dann is' sie allein mit dem Problem.

Er nähert sich den Entwertern und entnimmt aus reiner Gewohnheit seiner Brieftasche einen Fahrschein. Bevor er ihn in den Schlitz schiebt, hält er aber inne, betrachtet ihn eine Weile und legt ihn dann auf das Kästchen obenauf. In diesem Augenblick kommt ein Kontrollor in Uniform die Treppe heraufgerollt. Er sieht, wie Werner den Fahrschein auf den Entwerter legt. Im Hintergrund der folgenden Szene sieht man den Sandler, der hocherfreut auch den Fahrschein einsteckt.

Kontrollor: (mit sich selbst sprechend) Was macht denn der da? Na, jedenfalls a leichte Beute. (geht energisch und zielsicher auf Werner zu und spricht ihn mit Triumph in der Stimme an) Guten Tag, Ihren Fahrausweis, bitte.

Werner: (zuckt zusammen) Was? A Schwarzkappler! Des halt i ned aus. (geht weiter)

Kontrollor: (umläuft Werner und stellt sich ihm erneut in den Weg) Bleiben Sie stehen! Zeigen Sie mir Ihren Fahrschein!

Werner: (sieht dem Kontrollor lang, tief und sehr ernst in die Augen und spricht dann mit Grabesstimme) Tote brauchen keinen Fahrschein. (lässt den verwirrten Mann stehen und geht weiter auf die Rolltreppe zu)

Kontrollor: (nach einer ausgiebigen Schrecksekunde) Sie san aber no sehr lebendig für an Toten. Der Schmäh is guat, aber ned guat gnua fia mi. Wenn Sie sich nicht sofort ausweisen, rufe ich die Polizei. (Da Werner unbeeindruckt weiterschlurft, greift der Schwarzkappler zu seinem Funkgerät) Zentrale? Rasch, an Streifenwagen zur U2 Schottentor. I versuch, den Schwarzfahrer so lange aufzuhalten. Ende. (Hastig schaltet er ab, lässt das Gerät wieder an seinen ursprünglichen Platz zurückrutschen und stürzt hinter Werner her, der nur noch zwei Schritte von der Rolltreppe entfernt ist.)

Der Mann in Schwarz umläuft Werner und verbarrikadiert mit seinem Körper die einzige nach unten führende Rolltreppe. Werner, momentan irritiert, hält inne und versucht dann, den Mann aus dem Weg zu schieben. Es entwickelt sich ein Handgemenge. Die beiden nähern sich bedrohlich der Brüstung der über einen Teil des Bahnsteigs gebauten Galerie, gut sechs Meter geht es von dort hinunter. Der Sandler, der dem Geschehen aus nächster Nähe beiwohnt, spricht aufgeregt, nachdem er seine kurz zuvor erworbenen Schätze wieder hervorgekramt und begutachtet hat, den nächstbesten Passanten an. Dieser ist leidlich fein gekleidet.

Sandler: Sechs Schüling und an Anzelfoarschein auf'n Schwarzkappler.

Passant: (der den Ereignissen ebenfalls seine hingebungsvolle Aufmerksamkeit schenkt) Einverstanden. (Sie schlagen ein. Beide wischen ihre Hände an den Hosenbeinen ab und starren weiter auf die Rauferei.)

In diesem Augenblick gelingt Werner ein schwerer linker Haken, der den Kontrollor über die Brüstung befördert. Dumpfer Aufprall, aufgeregte Schreie. Werner beugt sich über das Geländer; aus dieser Perspektive sieht man den Uniformierten in einer Blutlache regungslos liegen. Ein Schwenk bringt zwei Polizisten ins Bild, die, von den Schreien angetrieben, die letzten Meter im Laufschritt bewältigen. Einige Passanten zeigen auf Werner, der immer noch fassungs- und regungslos über die Brüstung gebeugt dasteht. Rufe wie „Der war's!“, „Mörder!“, Schnappt's ihn euch!“ machen den beiden Polizisten die Entscheidungsfindung sehr einfach. Von links und rechts ergreifen sie gleichzeitig den verhinderten Selbstmörder, ein prüfender Blick nach unten überzeugt sie von der Richtigkeit ihres Tuns. Werner, schon wieder von einer neuen Situation überfordert, will sich heftig losreißen, woraufhin beide Polizisten in einem synchronen Bewegungsablauf die Gummiknüppel ergreifen, Schwung holen und punktgenau, einer von links, einer von rechts, einen Schlag auf Werners Kopf landen. Ohne einen weiteren Laut bricht Werner zusammen. Jetzt kommen wieder die beiden Wetter ins Bild.

Sandler: A Unentschieden; baade san k.o.

Passant: Der Kontrollor ist wohl eher tot. Außerdem war der Zweikampf eindeutig entscheiden; das Eingreifen der Polizei hatte mit unserer Wette nichts zu tun. Sie schulden mir sechs Schilling und einen Einzelfahrschein. (Hält die Hand auf)

Sandler: (gibt ihm widerstrebend das Gewünschte) Heast, Oida, host a poar Schüling?(27)

Passant: (im Wegdrehen) Ja. (entfernt sich mit raschen Schritten)

****************

Ein Gerichtssaal. Geschworene, volle Ränge.

Richter: (mit Blick auf die Geschworenenbank) Sind Sie zu einem einstimmigen Urteil gekommen?

Sprecher der Geschworenen: Das sind wir, euer Ehren. Wir befinden den Angeklagten für schuldig.

Richter: Angeklagter, erheben Sie sich. (Werner, sehr bleich im Gesicht, befolgt die Aufforderung) Das Hohe Gericht verurteilt den Angeklagten zu lebenslänglicher Haft. Nehmen Sie das Urteil an?

Werner: Nein, ich will die Todesstrafe.

Richter: Hamma ned. Lebenslänglich also. (Der Richterhammer knallt aufs Pult.) Die Sitzung ist geschlossen.

© 1992


Satirisches

Von 2003 bis 2014 habe ich für das Magazin „Wege“ die Kolumne „verWEGEn“ verfasst. Sechs meiner verWEGEnen Lieblingstexte bilden das Rückgrat des satirischen Teils. Ganz am Anfang steht aber „Das Wahrheiten des No-bert Hxfer“, entstanden angesichts der bedrohlichen Aussicht auf einen extrem rechtspopulistischen Bundespräsidenten kurz vor der Bundespräsidentenstichwahlwiederholung 2016. Der Kelch ist an uns vorübergegangen ... fürs Erste.


Das Wahrheiten des No-bert H.

No-bert H×fer war am Ziel: Obwohl er von den bekannt radikalen Linkskatholiken in die Arme einer kleinen religiösen Protestgruppe getrieben worden war, obwohl sich mit Ausnahme einer Orangenpartei (einmal pressen und der gesamte Saft ist draußen) und natürlich seinen eigenen Einbläulingen praktisch die gesam­te medial präsente Öffentlichkeit ge­gen ihn ausgesprochen hatte, hatte sich eine Mehrheit für ihn gefunden. No-bert war Bundesprassident.

Sofort versammelte er seine Getreuen um sich und bläute ihnen ein, dass die Zeit der Zurückhaltung nun­mehr über­standen sei. Gekommen sei die Zeit des Wunderns über das, was möglich ist. „Immer lächeln“ wurde zum Staatsmotto erhoben, die Korn- zur Nationalblume erklärt und die internationalen Beziehungen auf ein vernünftiges Maß einge­schränkt: auf alle, die den Satz „der vom Thron des Familienoberhaupts ge­stoßene Mann sehnt sich unverändert nach einer Partnerin, deren Brutpflegetrieb auferlegte Selbstverwirkli­chungsambitionen überragt“ verstehen und inhaltlich gutheißen.

BÖS, der Bairisch-Österreichische Staatenbund, brachte endlich zusammen, was zusammengehört. Südtirol erhielt eine ständige Vertretung, Vorarlberg wurde vor die Wahl gestellt: Annahme des Bösterreichischen als Amtssprache oder Abschiebung in die Schweiz.

Im sofort in Angriff genommenen neuen amtlichen Regelwerk des Bösterreichischen wurden etliche linguisti­sche Fehler der Vergangenheit behoben. „lügen“ wurde etwa mit den Vermerken „veraltet, nur noch in der Zusammensetzung ,Lü­genpresse‘“ versehen sowie dem Verweis auf den neuen korrekten Begriff „wahrhei­ten“ („Bei der Vorwahl-Behaup­tung, nicht für den Östritt zu sein, wahrheitete No-bert H×fer im Sinne seines Gemeinwesens.“). Fremdländisches wurde ausgemerzt (siehe Östritt statt Öxit, Gemeinhüter statt Polizei, Taktonung statt Musik) oder zumindest rechtsschreibend angepasst (Händi, kuhl, Proweida).

Siegestrunkene Massen zogen über die Ringstraße freiheitlicher Studenten, die neuen rot-weiß-roten Fah­nen mit ein­gefügter Kornblume schwenkend und im Takt der neuen Ordnung skandierend: „Ein Volk, ein BÖS, ein H×fer“.

Abweichler bekamen den ungezügelten Zorn der Einbläulinge zu spüren: Der Begriff „Gründüngung“ eta­blierte sich für eine besonders ekelhafte Form der Bestrafung durch den aufgebrachten Pöbel, bei der Kli­mawandel-Gläubige oder sonstwie des politischen (bzw. Bösterreichisch gemeinverwahrenden) Grün-Seins Verdächtige als Aborte missbraucht wurden. Eine besonders tatkräftige Gemeinheit (Bösterreichisch für eine gemeinverwahrende Ordnungsgruppe) am rechten Gesinnungsrand der Einbläulinge ging Gerüchten zufolge sogar so weit, die grüngedüngten Opfer nach Mög­lichkeit an Ort und Stelle zu verscharren, um ihre frucht­bringende Wirkung zur Gänze zu nutzen.

Dieselbe Gemeinheit stand auch im dringenden Verdacht, für das wiederholte Vorkommnis des „Aderlasses“ verant­wortlich zu sein; damit wurde die häufig tödliche Praxis bezeichnet, „das Rot aus den Roten abzulas­sen“. Als Rote gal­ten alle links von den Einbläulingen, bei denen das Grün nicht überwog; in Zweifelsfällen wurden einfach beide Bestra­fungsmaßnahmen angewendet.

Das offizielle Bösterreich hatte mit derlei Übergriffen selbstver­ständlich nichts zu tun. Obwohl Prassident H×fer sich sofort nach seinem Wahltriumph mittels einiger Änderungen der Verfas­sung mit nahezu uneingeschränkten Machtbefugnissen ausgestattet, seine Amts- auf Lebenszeit verlängert und sich symbolträchtig zur Ein-Prozent-Gesellschaft bekannt hatte, indem er 1 Prozent des BNP als sein Jahressalär als Prassident festlegte – mit einer festgesetzten Untergrenze von 3 Milliarden Euro –, obwohl er es also wirklich nicht mehr nötig hatte, anderen etwas vorzuspielen, distanzierte er sich in einer prassidialen Stellungnahme von den barbarischen Praktiken mit den Worten: „Gerechter Zorn gegen unser Gemeinwesen gefährdendes Abweichlertum ist das eine, doch Gründüngungen und Ader­lässe schädigen unter Umständen, insofern es sich um einheimische Bösterreicher handelt, den gesunden Volkskörper in einer dem großen Ziel der Reinigung un­seres Gemeinwesens abträglichen Weise. Entspre­chenden Gerüchten, dass tatsächlich echtgebürtige, wenn auch ge­sinnungsmäßig abweichende Bösterrei­cher letztgültig zu Schaden kommen, ist auf das Genaueste nachzugehen. Soll­ten die angeblichen Ausüben­den dieser Gewalttaten, für die selbstverständlich die Unschuldsvermutung gilt, tatsächlich die Verantwor­tung übernehmen, werden unverzüglich Umschulungsmaßnahmen in die Wege geleitet werden, mit de­nen die fragliche Gemeinheit wieder zum starken Stamm unseres geliebten Gemeinwesens zurückgebracht wird. So­lange es fremdländische, leicht verzichtbare bzw. unerwünschte Abweichler gibt, gibt es keinen Grund, den Nährboden unserer Volksgemeinschaft zu schwächen. Denn auch wenn der Pfad für Abweichler für im­mer verloren sein mag, be­steht doch immer Hoffnung für ihre Abkömmlinge, durch rechtes Streben, einge­bettet im sicheren Schoß gesinnungs­fester Kreise, zum wahren Bösterreichertum zurückzufinden. Dies sa­gen wir im unerschütterlichen Glauben an die Kraft des reinen Blutes unseres gesunden Volkskörpers. H×fer heilt!“

„H×fer heilt!“, verkündete denn auch die Echopresse und lobte einmal mehr die staatstragende Souveränität ihres Prassidenten. Die dieser auch parteiintern bereits unter Beweis gestellt hatte, indem er innerer Zerris­senheit der Ein­bläulinge von Anfang an einen Riegel vorschob: Er schuf einen neuen Wallfahrtsort, St. Ra­che, und würdigte damit die Bedeutung des zweiten Mannes im Staat, Bundesabkanzler Hetz-Christian Ra­che. Der war zwar durch den prassidialen Machtzuwachs zu einer gemeinverwahrenden Symbolfigur, vulgo Prassionette, geworden, durfte sich dafür aber als graue Eminenz hinter dem Aufstieg des No-bert H×fer im nach ihm benannten Wallfahrtsort jederzeit in den Huldigungen der Pilgerscharen sonnen.

Die kat-hohle Kirche hatte sich schon Jahrzehnte zuvor, in der wirklich guten alten Zeit, nicht erkennbar ge­gen die Ver­einnahmung durch die damaligen Machthaber zur Wehr gesetzt. Mittlerweile war ihr allgemeiner Einfluss geschrumpft; der offene Bruch des Prassidenten mit der zahlenmäßig noch immer größten religi­ösen Gruppe Bösterreichs machte aus dem leckenden Schiff eine Titanic, aus dem Mitgliederschwund einen Sturzbach der Ent-kat-hohlisierung. Kurz ge­sagt: Die einst so mächtige Kirche war in keiner Position, den Einbläulingen ernsthaft etwas entgegensetzen zu kön­nen, selbst wenn sie das gewollt hätte. So wurde Ra­che in nie dagewesenem Eiltempo heiliggesprochen – noch dazu zu Lebzeiten.

Trotz dieses ungeheuerlichen Bruchs mit den Traditionen erfuhr der Rache-Kult einen Aufschwung sonder­gleichen. „Auf Rache schwören“ gehörte bald zum festen Stammtischvokabular in den Gauen Bösterreichs, und parallel zum Staatsgruß „H×fer heilt!“ wurde auch „Rache heilt!“ zum geflügelten Wort. „Unser Bundesno-bert“, wie der Prassident gerne liebevoll genannt wurde, musste sich deshalb aber keine Sorgen machen, sein Bundesabkanzler würde ihm wo­möglich wieder den Rang ablaufen. Der gewiefte Taktierer und Stratege wurde von den Entwicklungen keinesfalls überrascht: Alles verlief entsprechend seinem Plan.

Rache selbst war aus dem Machtspiel genommen, genoss zugleich aber buchstäblich die Verehrung eines Heiligen, was seinem Ego, ganz wie H×fer es vorausgesehen hatte, noch mehr schmeichelte, ja gewaltig zu Kopf stieg – sein Heiligenbildnis zeigt ihn mit blitzsprühenden Augen, nacktem, muskulösem Oberkörper und schmerzhaft weißen Zäh­nen; die Hände ruhen auf den Schädeln von einem Mann und einer Frau, die links und rechts von ihm demütig seine Einbläuungen entgegennehmen, sein mächtiges Haupthaar wird von einem Kokablattkranz gekrönt. Auch wegen derlei Götzenhaftigkeit rieb die kat-hohle Kirche sich weiter auf – Traditionalisten konnten ihr Entsetzen über die Heiligspre­chung eines lebenden Menschen nicht überwin­den, schrieben die Kirchensatzungen doch eindeutig vor, dass Heilige verehrt werden müssen. Was nun dar­auf hinauslief, dass neben der Dreifaltigkeit eine Art lebender Halbgott entstand, dessen direkter Draht zu Gott kirchenseits hochoffiziell bestätigt worden war; theologisch gesehen eine Kontinentalver­schiebung, mit der insbesondere die bisherige Kirchenelite weder mitwollte noch mitkonnte. Eine weitere Spaltung der ganz und gar nicht mehr „universalen“ Religionsgemeinheit schien bald nur noch eine Frage der Zeit. Viele jener Anhän­ger, denen derlei kirchenphilosophische Gedankengänge am Allerwertesten vorbeigingen, strömten derweil dem Ra­che-Kult zu und verwandelten in genauer Befolgung der kat-hohlen Heiligenverehrungsvor­schriften ihre Kirche in eine guruhörige Sekte zurück. Die große Masse tat, was sie schon die Jahrzehnte zu­vor getan hatte, wenn auch nunmehr lawinenartig: Sie trat aus.

Aus H×fers Sicht ein Erfolg auf allen Linien: Rache „zu Tode befördert“, wie er es gerne für sich allein aus­drückte, die Kat-hohlen auf den kürzesten Weg zu ihrer eigenen Vernichtung gebracht und dabei selbst als Teil der Religions-Pro­testgruppe frei von jeder Verantwortung. Die Einbläulingen-Partei war zu einem Kult geworden, H×fer zu dessen Hohe­priester. Endlich konnten die bisher von den politischen, rassischen, ideo­logischen, völkischen, fremdsprachlichen, aus­ländischen, inländischen, intellektuellen, religiösen und sonsti­gen Feinden als Behauptungen, Propaganda oder gar glatte Lügen verunglimpften eingebläuten Wahrheiten im unverfälschten Glanz unbedingter Wahrhaftigkeit erstrahlen. Egal was Rache von sich gab, ob er der De­mokratie an sich die Daseinsberechtigung absprach, nach einem starken Führer schrie, die Schuld an allen Missständen je nach Stimmungslage den Asylanten, Islamisten, Flüchtlingen, Musli­men, Burka-Trägerinnen, Linkslinken, Migranten, Sozialschmarotzern oder Vaterlandsverrätern zuschob, den baldigen Bürgerkrieg her­aufbeschwor, den Untergang des Abendlandes prophezeite – alles wurde von den Eingebläuten aufge­sogen, als gelte es die Milch des Herrn zu trinken. Noch wichtiger: Es wurde nicht hinterfragt, nach Fakten geprüft oder zur Diskussion gestellt, es wurde geglaubt. H×fer stellte hinter den Kulissen sicher, dass Rache sich dabei – Ehre! Treue! – an seinen Plan hielt und nichts verkündete, das diesem zuwiderlief, also seine, H×fers, Stellung untergrub. Das funktionierte weitestgehend reibungslos, da der Bundesabkanzler seine symbolische Position in vollen Zügen ge­noss: Sie entband ihn der Mühen des gemeinverwahrenden Tagesgeschäfts und verhalf ihm zu gottähnlicher Vereh­rung. Welches Interesse sollte er daran haben, zu den Grabenkämpfen der Gewöhnlichen zurückzukehren? Und in den seltenen Fällen, in denen doch einmal der alte Hetz-Christian zum Vorschein kam, andere niedermachend zur eigenen Erhebung anstatt zum Wohle der großen Gemeinheit der Einbläulinge, mit Sätzen um sich schlagend im unablässigen Kampf um die Spitze, setzte H×fer sein huldvollstes Lächeln auf und erklärte den andächtig Lauschenden, wie im ers­ten Moment befremdlich Wirkendes tatsächlich zu verstehen waren. Als Hohepriester der großen Gemeinheit hatte er die Deutungshoheit, sein Wort war nicht bloß Gesetz; es aufzunehmen, anzunehmen, zu verinnerlichen war gelebter Glaube.

Ja, No-bert H×fer war am Ziel. Und lächelte.

© 2016

Schöne neue Gesundheitswelt

„Guten Morgen, Bürg(21) Santler! Sie sind heute um 7:32 aufgestanden (übernorm). Ihre momentanen Werte: Blutdruck 135 zu 80 (norm), BMI 29 (übernorm), Puls vor Beginn des Normtrainings 60, Höchstwert 160, Regenerationswert 98 (norm). Blutzucker unauffällig. Empfohlene Frühstücks-Kalorienmenge: 120.“

Ich gab die Zahl in die Kücheneinheits-Konsole ein, die wenig später eine Tasse Tee (lactosefreie Leichtmilch, Zuckerersatz), zwei Scheiben Normknäck und einen exakt bemessenen Strang ProMorning® produzierte. Die kackbraune Masse, ein ernährungswissenschaftlich optimierter Cocktail aus Eiweiß, Mineralstoffen, Spurenelementen, Vitaminen und ein paar Füllstoffen – „Alles, was Bürg braucht. Garantiert normiert.“ – erinnerte mich an eine schleimige Nacktschnecke, wie sie da aus dem Extruder quoll. Manche behaupteten, das Protein darin stamme tatsächlich von Nacktschnecken. Auch ohne diese Information konnte ich das Zeug kein bisschen leiden. Ich trank den Tee, klatschte das ProMorning® aufs Normknäck und spülte beides anschließend im Klo hinunter. Die Menge wurde natürlich registriert, aber die chemische Analyse schafften nur die moderneren Toiletteneinheiten in den Horm®-Häusern der Innenstadt. Außerdem unterschied sich das Normfrühstück analytisch ohnehin nicht von Scheiße … ja, okay, es unterschied sich meiner Meinung nach nicht von Scheiße.

Am Abend davor war ich nach der vorgeschriebenen Trainingseinheit nicht gleich nach Hause gegangen. („Gesund aus eigenem Antrieb“ war am Programm gestanden; man erzeugt mit eigener Pedalkraft den Strom zum Betrieb eines MultiVisors® für die Dauer von 45 Minuten. So lange dauerte eine Ausgabe des wichtigsten Health-Magazins „Fit in“, das jed Bürg nachweislich mindestens einmal pro Woche gesehen haben musste.) Nachdem ich mein Gesundheitsziel des Monats eingespeist hatte (Senkung des BMI um 0,4 Punkte) und unter den abschätzigen Blicken der topgestylten 3-Dees mit ihren normvollendeten Körpern (ich hatte mich natürlich mit der kraftsparenden 2-D-Version der Sendung begnügt) im Duschraum verschwunden war, ging mir wieder einmal die Galle über. Ich entwickelte den unwiderstehlichen Drang auf ungefilterten Genuss, verschwand in der Unterstadt und bestellte mir, kaum dass ich in die aromatischen Dünste des Hedon eingetaucht war, eine Portion Curryhuhn und Reis. Wie viele Gesetze ich damit gleichzeitig brach (Essen nach 17.00 Uhr, Fleisch ohne nachweisbare Mangelerscheinung, mindestens ein Dutzend nicht zugelassener Gewürze, frei gewachsenes Gemüse [und damit nicht von VegFood® genmanipuliert, patentiert und kontrolliert], ...) war mir unbekannt und herzlich egal. Mindestens zwei Minuten lang saß ich in stiller Andacht vor dem Curry und berauschte mich an den aufsteigenden Düften. Dann schob ich eine Gabel Reis in mich hinein und kaute darauf herum, bis der Brei in meinem Mund süßlich geworden war. Den Trick hatte mir eine Chinesin beigebracht: Es bereitete die Geschmacksknospen ideal für die nun folgende Aromaexplosion vor.

Schließlich konnte ich mich nicht länger zurückhalten und spießte eines der Hühnerstücke in der dunkelgelben, cremigen Soße auf. Oh Es im Himmel! Dieser Biss! Diese Konsistenz! Dieses Feeling! Und über allem: diese Soße! Im Hedon machten sie sie mit Butterschmalz, Kokosmilch und etwas Erdnusspaste, allesamt seit den Cholesterin-Aufständen streng verbotene Substanzen. (Nicht ganz korrekt: VegFood®-Kokosmilch wurde kontingentiert abgegeben, aber irgendwie schafften es die Fuzzis des Multi, auch ihrer Kokosmilch jeglichen Charakter auszutreiben.)

Eine Stunde lang schwebte ich auf Wolke sieben. Sollte ich noch eins draufsetzen? Ein Stückchen von der legendären Baklava des Hedon, die sie stolz als „100 % illegal“ anpriesen? Ein Blick in die Brieftasche nahm mir die Entscheidung ab: konnte ich mir nicht leisten. Von einer Zigarette als Abschluss eines Mahls träumte ich schon gar nicht mehr. Selbst hier, im schönsten und größten Tempel der Indie-Bewegung, gönnte sich so gut wie niemand mehr dieses Vergnügen. Nach dem Erlass des globalen, allumfassenden, jederzeitigen und permanenten Rauchverbots, mit dem die Gesundheitsfaschistoas(22) sich endgültig als führende Weltmacht etablierten, war der totale Krieg gegen die unerwünschten Drogen ausgerufen worden. Ein Gramm Tabak kostete mittlerweile mehr als ein fürstliches Abendessen, wie ich es gerade zu mir genommen hatte. Seufzend wandte ich den Blick wieder von der exklusiven Raucher-Lounge direkt unter der Decke des Hedon ab, wo sich ein Paar einen der Glimmstängel teilte, und versuchte stattdessen mit einigem Erfolg, den Currygeschmack noch einmal wachzurufen.

Zu den Vorzügen des Hedon gehörte auch, dass es hier noch wildes Wasser zu trinken gab. Sogar kostenlos, wenn man etwas konsumierte. Ich füllte mir beim Hinausgehen eine Flasche davon ab, denn aus den Leitungen der Haushalte floss ausschließlich ©Wate® – garantiert normiert. In diesem Fall bedeutete das geklärt, gereinigt, keimfrei gemacht, destilliert, mit Spurenelementen angereichert, chloriert, jodiert und fluoriert. Wir tranken immer dasselbe Wasser, unendlich oft wiederaufbereitet. Den Aufwand ließ man sich teuer bezahlen. Zuerst hatte man die Wasserrechte privatisiert, aber weil den Betreibern die Gewinnmargen immer noch viel zu gering waren, ersann man eine – selbstverständlich patentrechtlich geschützte – Methode der Wasseraufbereitung. An sich ging es nur ums Geld, aber politisch wurde die Sache mit dem aufkommenden Slogan „garantiert normiert“ an Mensch gebracht. Oder vielmehr an die Gesundheitsfaschistoas, die sich begeistert auf die „Beseitigung des letzten Risikofaktors“ stürzten. Es dauerte schon ein paar Jahre, aber schlussendlich hatte man eine Mehrheit da, wo man sie haben wollte: in Angst vor dem Wasserhahn. Das „wilde Wasser“ geriet zunehmend in Verruf, Monat für Monat wurde es für ein neues Gesundheitsproblem „nachweislich“ verantwortlich gemacht. Mundschutz beim Duschen wurde obligat, ©Wate® kam, erst noch in Flaschen, auf den Markt. Dann wurde die gesamte Wasserversorgung auf das neue Produkt umgestellt und das große Abcashen konnte beginnen. Es war der Traum jed Drogendealings: Alle waren zum ausschließlichen Konsum seinihres Produktes gezwungen – per Verordnung. Natürlich waren die Capoas der Gesundheitsfaschistoas im Geheimen an den ©Wate®-Gewinnen beteiligt, die mit der Einführung der Stimmungs-Wässer in verschiedenfarbigen Flaschen noch einmal explodierten, aber was nützte einem dieses Wissen schon? Die Entwicklung hatte gegen Ende des 20. Jahrhunderts angefangen: Zug um Zug war alles reguliert worden. Für mehr Sicherheit und Gesundheit nahm die von den Marionetten-Medien in Angst gehaltene Bevölkerung in Kauf, dass ihre individuellen Entscheidungsspielräume immer kleiner wurden. Das eigentliche Ziel, die totale Kontrolle aller Lebensbereiche im Interesse der Wirtschaft, wurde erst offenbar, als längst eine Mehrheit die tausenden Gesundheits- und Verhaltensvorschriften unhinterfragt verinnerlicht hatte.

„Bürg Santler!“, meldete sich da meine Kom-Einheit. „Es ist 8.30 Uhr. Zeit für Tätigkeit. Außerordentlicher Tagesordnungspunkt: Erklärung für das gestrige Eintreffen nach der Norm-Heimkehrzeit 22.00 Uhr.“

Ich setzte meinen Helm auf, legte die Prallschutzkleidung an und schnallte die Reflektoren um; das Radfahren zur Arbeit gehörte zu den wenigen Vorschriften, die ich gerne befolgte, auch wenn ich auf das Sicherheits-Brimborium gut hätte verzichten können. Auf dem Weg würde mir schon eine Ausrede einfallen, auch wenn ich alle Credits für nächtliche Aktivitäten in diesem Monat schon verbraucht hatte. Für alle Fälle nahm ich mein wildes Wasser mit, das ich in eine der blauen ©Wate®-Activity-Flaschen umgefüllt hatte. Zum Bestechen des IT-Typen, der an den Personalprotokollen saß, war das weit besser als Geld.

(21) Die radikal geschlechtsneutrale Anrede verdankten wir dem Höhepunkt der Political-Correctness-Ära in den 20er-Jahren. Immerhin musste sich seither niemand mehr mit dem nervigen Binnen-I herumärgern.

(22) Über die Frage, ob zuerst das männliche „O“ oder das weibliche „A“ in den geschlechtsneutralen Endungen zu stehen habe, wurde per Volksabstimmung entschieden.

Erschienen in der Zeitschrift „Wege“, Frühjahr 2012

Das größte Abenteuer überhaupt

Kürzlich wurde in Spanien der Nudismus gesetzlich erlaubt. Was ein Mann in Pamplona zum Anlass nahm, um sein Recht zu kämpfen, nackt durch die Stadt laufen zu dürfen. Er meinte, er sei zuhause unbekleidet und nütze die textilfreien Stunden im Freibad der Stadt, deshalb sehe er nicht ein, wozu er sich für die paar hundert Meter zwischen seinem Domizil und dem örtlichen Pool etwas überziehen müsse. Das Gericht stimmte ihm zu, weshalb der Mittvierziger seit einiger Zeit zweimal wöchentlich durch Pamplona schwingt, ausgerüstet mit dem von Reinhard Fendrich bekannt gemachten Dreiteiler (zwei Schlapfen und eine Sonnenbrille) und dem Gerichtsbescheid.

Das nackte Überleben ...

… ist in unserer Überflussgesellschaft zum Spiel geworden. Sich das Recht zu erstreiten, sich völlig hüllenlos den Elementen (und der eher konservativen Bevölkerung Pamplonas) präsentieren zu dürfen, ist zwar witzig, aber auch nur aus der Sicht einer Gesellschaft, der es an rein gar nichts wirklich mangelt. Was aber ist mit jenen, die ihr anscheinend doch nicht so kostbares Leben absichtlich in größte Gefahr bringen? Menschen erklimmen Felswände, die noch nie jemand bezwungen hat, und falls doch auf einer noch schwierigeren, gefährlicheren Route. Ist das auch erledigt, lässt man Seile und Haken weg. Oder man wartet auf den Winter oder ersteigt gleich zugefrorene Wasserfälle. Trotz allem gehen den Extrembergsteigern schön langsam die Optionen aus. Hier einige Vorschläge für die Ärmsten, denen nichts mehr einfällt, wie sie irgendetwas als Allererste machen könnten: Erstbesteigung des Großglockner in Flip-Flops oder, noch besser, High-Heels; Nacktmarathon, -triathlon oder -ultramehrkampf; rückwärts den Berg raufgehen oder auf allen Vieren die Sahara durchkriechen.

Willkommen – Bienvenue – Welcome – im Kabarett

Das Überleben – eine Frage der sensationellsten Inszenierung. Ich gestehe, dass ich auch zu jenen gehöre, die angesichts von Saltos mit Motorrad, Sprüngen über 23 Autobusse oder Mountainbike-Abfahrten mit 162 Stundenkilometern erst einmal interessiert hinsehen und sich der staunenden Bewunderung nicht entziehen können. Panem et circenses, Brot und Spiele, hat schon in der römischen Antike bestens funktioniert, nur war man damals ehrlicher als heute: Die Gladiatoren wurden zum möglichst publikumswirksamen Sterben ausgebildet, ohne Wenn und Aber. Wenn sich heute ein Skifahrer ins Koma stürzt oder gleich das Genick bricht, geht ein wohlig-gruseliger Schauer des Mitgefühls durch die Medien, es wird über Sicherheitsmaßnahmen diskutiert und die Fahrervertreter dürfen auch mal wieder zu Wort kommen. Dann wird, im Bewusstsein alles ethisch und politisch korrekt abgehandelt zu haben, zur Tagesordnung übergegangen. In Spanien ist man da schon weiter: dort laufen im Fernsehen als Lückenfüller Aufnahmen von Skiunfällen und sich überschlagenden Stieren bzw. Toreros in Serie, mit Dick-und-Doof-Sound auf lustig getrimmt. Fünf Knochenbrüche, drei Sehnenrisse und eine ausgekugelte Schulter pro Minute: zynisch und geschmacklos. Aber immerhin ehrlich: Andere riskieren ihr Leben und ihre Gesundheit, damit die Masse auf der anderen Seite ihre Hetz hat.

Im Fernsehsessel des Lebens

Auf dieser anderen Seite, gewissermaßen im Fernsehsessel des Lebens, wird indes ängstlich den neuen Götzen gehuldigt: Sicherheit und Gesundheit (was im Prinzip auch mit körperlicher Sicherheit umschrieben werden könnte und also im Grunde das gleiche ist). Je unglaublicher die Aktionen der neuen Gladiatoren (und möglichst sexy auftretenden Gladiatorinnen) vor den Kameras werden, desto mehr wird das Leben der breiten Masse normiert, geregelt, in gesetzliche Watte gepackt. Ich habe mir einst das Mofafahren abgewöhnt, weil gerade, als ich im richtigen Alter dafür war, die Helmpflicht eingeführt wurde. Zweifellos vernünftig und sicher und „gesund“, aber ich kann den Hohlraumschutz (wie mein Vater Helme zu nennen pflegte) einfach nicht ausstehen. Seither fahre ich Rad, das ist ohnehin viel besser. Nur wurde jetzt die Helmpflicht beim Radfahren eingeführt, immerhin zunächst nur für Unter-12-Jährige. Wann folgen die Erwachsenen? Und wann muss auch die Risikogruppe Nr. 1 im Stadtverkehr Helme aufsetzen – die Fußgänger(innen)? Muss es denn für alles eine Vorschrift geben? Warum maßt sich der Staat an, für mich zu entscheiden, was ich konsumieren soll, darf, oder wovon ich gefälligst die Finger zu lassen habe? Und wenn schon – warum stehen dann nicht auf jeder Limoflasche Warnhinweise wie auf den Zigarettenschachteln: Der Konsum stark zuckerhaltiger Getränke kann zu Fettleibigkeit führen, erhöht das Diabetesrisiko und fördert Bluthochdruck. Und Alkohol: „Kann zu Adipositas beitragen, schädigt Gehirnzellen und Organe und führt zu körperlicher Abhängigkeit.“ (Ganz im Gegensatz zu Hanf, nebenbei bemerkt.)

Wahnsinn Fensterputzen

Höchst fragwürdig ist bei der ganzen Sache die heuchlerische Irrationalität, die paradoxerweise alle diese so supervernünftig wirkenden Erlässe und Vorschriften und Regeln bestimmt. Ginge es nach einer realistischen Risikoeinschätzung, müssten natürlich die allergefährlichsten Umstände zuerst an die gesetzliche Kandare genommen werden: Autofahren, Sport und Haushalt. „Autofahren kann Sie und Ihre Angehörigen entnerven, verstümmeln oder töten.“ „Sport ist Mord.“ „Fensterputzen kann zu unkontrollierter vertikaler Abwärtsbewegung führen.“ „Sorgen Sie vor dem Besteigen einer Leiter für einen nach ÖNORM 123 vorschriftsmäßig gesicherten Sturzraum.“

Höhepunkt der paradoxen Irrationalität sind die sogenannten „iatrogenen Infektionen“: Die Krankenhausmedizin, Tempel der staatlich geregelten Gesundheitsvorsorge, ist fünfmal lebensgefährlicher als Autofahren. 5.000 Menschen, wird geschätzt, sterben jährlich in Österreich an ihrer Behandlung im Krankenhaus...

Das Leben lässt sich nicht regulieren; das Leben folgt seinen eigenen Gesetzen, die seit Milliarden von Jahren Bestand haben, Menschheit hin oder her. Technisierung und Zivilisierung haben uns von der Natur=dem Leben zunehmend entfremdet, und dieser Prozess wird heute in nie dagewesener Beschleunigung vorangetrieben. Zuerst gingen wir unserer Instinkte verlustig, dann des Vertrauens in unser eigenes Urteilsvermögen: Was nützt Intelligenz, wenn sie buchstäblich haltlos, entwurzelt, ist? Vielleicht sollten wir anfangen, wieder ans Überleben im wörtlichen Sinn zu denken: an die Grundlagen, an das, was wirklich von existenzieller Bedeutung ist. Anstatt uns weiterhin die Bürokraten-Version der Existenz aufs Aug' drücken zu lassen – oder uns in immer krassere Extremsituationen zu begeben, um überhaupt noch irgendetwas zu spüren oder die Masse von dem abzulenken, was wirklich zählt. Das könnte uns wieder die Augen für das ganz alltägliche Wunder des Daseins auf diesem Planeten öffnen, das wahrzunehmen das größte Abenteuer überhaupt ist.

Erschienen in der Zeitschrift „Wege“, Herbst 2011

Praktische Aufklärung

„Guten Morgen, allerseits. Ich darf mich vorstellen: Dr. sex. Roberta Kitzler.“ (grinst wissend und überspielt routiniert den obligaten Lacher bei dieser Eröffnung). „Mein Assistent wird heute Dominik sein; ich glaube er ist ein bisschen nervös, also begrüßt ihn doch mal mit einem freundlichen Applaus.“

Die Klasse, 17 Mädchen und 10 Burschen einer Sechsten, folgt der Aufforderung mit tobender Begeisterung; aus ihrer jahrelangen Erfahrung weiß die Sexdoktorin, dass nichts für das Gelingen der praktischen Aufklärungsstunden wichtiger ist, als die übermäßige Spannung zu beseitigen, die die Teenager trotz aller zur Schau getragenen Coolness unweigerlich befällt. Der Trick mit dem angeblich nervösen Assistenten klappte jedes Mal.

Roberta, eine Enddreißigerin gesegnet mit wohlproportionierter Üppigkeit, ist im Sinne der allgegenwärtigen, zu glatten Kunstwesen retuschierten Modelfiguren der Medien keineswegs als wirklich schön zu bezeichnen; dennoch strahlt sie eine beinahe unerklärliche sexuelle Anziehungskraft aus, der sie sich vollkommen bewusst ist.

Sie lässt ihren Blick über die jungen Gesichter gleiten, in denen kindlicher Eifer und jugendliche Skepsis um die Vorherrschaft ringen; Schule – megaöd. Aber die praktische Aufklärung, da soll es richtig zur Sache gehen, haben sie alle gehört. Mit der Auswahl der Personen sind jedenfalls die meisten voll zufrieden: die Sexdoktorin gefällt den Burschen; Dominik, Anfang 30, dunkelblond, sonnengebräunt und sichtlich auf seine Fitness bedacht, ist zwar eigentlich steinalt, aber er wirkt sympathisch und sieht jung und einfach gut aus. Er fängt sich den einen oder anderen schmachtenden Mädchenblick ein, den er mit einem freundlichen, aber gänzlich unverbindlichen Lächeln quittiert.

When it comes to love …

„Learning by doing“, ergreift nun Dr. Kitzler wieder das Wort, „ist unsere Devise, und deshalb genug der Vorrede. Dominik, wenn ich bitten darf?!“

Der Assistent tritt hinzu, die beiden umarmen einander innig, aber nicht verschlingend. Minutenlang stehen sie so, die Blicke verschränkt; manchmal wandert eine Hand Dominiks sanft den Rücken Robertas auf und ab, einmal packt Roberta herzhaft eine Hinterbacke Dominiks. Weiter geschieht nichts.

Gerade als sich Unruhe in der Klasse zu verbreiten droht, wendet sich die Doktorin an die Jugendlichen: „Was, werdet ihr euch fragen, soll das hier mit Sex zu tun haben? Ich werde es euch sagen: einfach alles. Denn Sex zwischen Partnern wird nur dann zum Erlebnis, wenn beide Teile sich aufeinander einlassen. Das braucht Zeit – nehmt euch stets so viel Zeit für Sex wie irgend möglich. Das braucht Ruhe und Entspannung – Stress ist der schlimmste Liebestöter überhaupt. Und es braucht die Verbindung der Seele – seht einander in die Augen, nehmt einander wahr, fühlt, spürt. Das sieht von außen nicht spektakulär aus, aber was könnte unwichtiger sein? Es passiert sehr viel: Ihr atmet den Duft ein, ihr tauscht eure Herzens- und Körperwärme, ihr berührt einander. Glaubt mir, das allein kann schon ziemlich erregend sein. Nicht wahr, Dominik?“

Grinsend löst sich der Assistent von ihr und dreht sich halb zur Seite, sodass die Beule in seiner Hose deutlich zu sehen ist.

... I want a slow hand

Plötzlich umfasst Roberta seinen Kopf, zieht ihn zu sich, die beiden küssen sich leidenschaftlich. Die Köpfe in der Klasse röten sich ein wenig. Es ging also doch richtig zur Sache.

„Küssen“, erklärt nun Roberta, während Dominik ihre Hinterbacken streichelt und immer wieder die Innenseiten der Oberschenkel berührt, „ist einfach wunderbar. Wichtig ist dabei, wie überhaupt bei allen Stufen der körperlichen Liebe, die Balance zu wahren; die Burschen sollen die Mädchen nicht verschlucken oder mit der Zunge penetrieren ohne Rücksicht auf Verluste. Die Mädchen dürfen ruhig forscher und fordernder zu Werke gehen, als sie vielleicht glauben. Das ist eine der wichtigsten Grundregeln: Beim Sex geht es darum, was dem anderen gefällt; meist gehen aber alle so vor, wie es ihnen selbst gefällt. Wenn ihr euch nicht sicher seid – redet darüber. Keine falsche Scham. Burschen möchten eher kräftig berührt werden, nicht auragestreichelt; Mädchen wünschen sich meist ‘slow hand’ und ‘easy touch’. Das kann im Einzelfall aber auch alles ganz anders sein. Und was es im Detail bedeutet, das müsst ihr schon selber wissen und auch mitteilen.“

I want a lover who spends some time ...

Während ihrer Ausführungen hat Dominik ihr die Bluse aufgeknöpft und ihre prächtigen Brüste auch vom BH befreit; Roberta hat mit geschickten Fingern seine Hose geöffnet und sein steifes Glied mit energischem Griff hervorgeholt. Die Klasse hält hörbar den Atem an.

„Frauen lieben Umwege“, fährt die Sexdoktorin fort, während Dominik ihre Brüste mit seiner Hand umschmeichelt und rund um die Nippel mit Küssen bedeckt. „Achtet darauf, wie Dominik alles liebkost, außer meinen Nippeln.“

Jetzt meldet sich auch Dominik einmal zu Wort: „Männer haben es lieber, wenn es beim Sex zur Sache geht – wo hast du gelernt, einen Penis so erregend anzufassen, Roberta?“

„Danke für die Frage, Dominik. Ich habe Männern beim Masturbieren zugesehen und es dann unzählige Male selbst probiert – verbunden mit der Bitte, mich ehrlich und streng zu benoten. Wahrscheinlich ist es kein Nachteil, dass ich Penisse mag.“

Damit geht sie in die Hocke und nimmt Dominiks Eichel mit sichtlichem Vergnügen in den Mund. Sie demonstriert einige grundlegende Oraltechniken, deren Wirksamkeit sich an Dominiks Stöhnen erkennen lässt. „Wenn es beiden Spaß macht, ist es immer in Ordnung; aber, noch einmal: die Balance ist entscheidend. Wärst du so freundlich, Dominik?“

„Aber mit dem allergrößten Vergnügen“, bemüht sich der Assistent etwas keuchend um Korrektheit. Roberta hebt ihren Rock, unter dem sie – ein berufliches Erfordernis – nichts trägt. „Ich liebe Cunnilingus“, versichert Dominik, „ganz besonders wenn die Frau glatt rasiert ist. Das intensiviert das Erlebnis ungemein – für beide –, und man bekommt keine Haare zwischen die Zähne.“

... Not come and go in a heated rush

Roberta setzt sich auf den Katheder und Dominik taucht tief in ihren Schoß. „Ooh ...“ genießt die Frau geräuschvoll, und erläutert dann: „Lasst euch auch hier wieder Zeit; spielt mit den Schamlippen, der Klitoris, und seid besonders anfangs sachte. Eine versteifte Zunge kann eine unvorbereitete Knospe allzu heftig malträtieren. Nimmt die Lust ... aah ... dann zu, darf es auch leidenschaftlicher werden. Und, Mädchen, lasst ruhig was hören – Männern gefällt lustvolles Stöhnen, außerdem könnt ihr ihnen so am besten signalisieren, was euch gerade besonders oder nicht so gut gefällt.“

Die Schulglocke ertönt und reißt die Klasse aus ihrer tranceartigen Aufmerksamkeit, in die sie zuletzt verfallen war. Und ich wache auf und frage mich wieder einmal, warum etwas so Kostbares und Unvergleichliches wie Sex unter Liebenden so ganz und gar dem Zufall der eigenen Erfahrung überlassen wird, mit überwiegend frustrierenden Folgen. Wo wir doch angeblich so aufgeklärt sind …

Helmuth Santler, 2010

Pulsuz fraqment bitdi.

19,03 ₼

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