Kitabı oxu: «Schluckdiagnostik»

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Die Autoren


Dr. Jochen Keller studierte Sprachheilpädagogik und Patholinguistik an der Universität zu Köln und ist seit 1995 Leiter der logopädischen Abteilung im St. Martinus-Krankenhaus Düsseldorf. Dort spezialisierte er sich auf die Diagnostik und Therapie oropharyngealer Dysphagien mit neurogeriatrischem Schwerpunkt. Im Jahre 2003 war er maßgeblich am Aufbau der apparativen Schluckdiagnostik in seiner Klinik beteiligt und entwickelte hausinterne klinische Standards im Dysphagiemanagement. Während seiner freiberuflichen Tätigkeit für die Firma Rehder/Partner Medizintechnik, Hamburg hielt er deutschlandweit Vorträge und half bei der Implementierung der Schluckendoskopie in vielen neurologischen und geriatrischen Kliniken. Als Autor mehrerer Fachartikel veröffentlichte er die erste deutschsprachige Übersicht zum Thema »Dysphagie bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD)« und ist Co-Autor des ersten deutschen FEES-Ausbildungscurriculums für neurogene Dysphagien der DGN, DSG und DGG. Des Weiteren war er Initiator und Programmgestalter der »Düsseldorfer Dysphagie Tage«, die im zweijährigen Turnus von 2011–2019 stattfanden. Als FEES-Ausbilder ist er auch weiterhin aktiv an der Zertifizierung der endoskopischen Schluckdiagnostik beteiligt. Im Rahmen seiner Promotion, die er 2017 an der Universität Witten/Herdecke abschloss, entwickelte er eine endoskopische Graduierung retropharyngealer Raumforderungen zur Bestimmung ihres Einflusses auf die Schluckfunktion. Dr. Jochen Keller ist aktives Mitglied der Deutschen interdisziplinären Gesellschaft für Dysphagie e. V. (DGD) sowie der Arbeitsgruppe FEES für neurogene Dysphagien unter Leitung von Prof. Dr. Rainer Dziewas.


Priv.-Doz. Dr. Herbert F. Durwen studierte Humanmedizin an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn und verbrachte danach zwei Jahre als Research Fellow an der Harvard Medical School in Boston, USA. 1990 erwarb er seine Anerkennung als Facharzt für Neurologie und erhielt 1994 die Venia Legendi für dieses Fachgebiet. 1997 folgten schließlich die Anerkennungen für die Bezeichnungen »Psychotherapie« und »Klinische Geriatrie«.

Seit 2000 war er Chefarzt der Klinik für Akut-Geriatrie und Neuro-Geriatrie am St. Martinus-Krankenhaus Düsseldorf bis zum Eintritt in den Ruhestand Mitte 2021. Seitdem steht er seinem Institut für Medizinische Begutachtung und Beratung in Köln vor.

Er ist zudem Mitglied verschiedener Fachgesellschaften, Co-Autor diverser Buchprojekte und nicht zuletzt Gutachter für Gerichte und andere Auftraggeber.

Die Schwerpunkte seiner klinischen und wissenschaftlichen Arbeiten sind Fragestellungen zu Kognition und Demenz sowie zu Bewegungsstörungen, Schmerz und Schluckstörungen beim älteren Patienten.

Jochen Keller Herbert F. Durwen

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1. Auflage 2022

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-039758-3

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-039759-0

epub: ISBN 978-3-17-039760-6

Geleitwort
von Rainer Dziewas

Schluckstörungen gehören zu den häufigsten und gefährlichsten Symptomen diverser Krankheitsbilder, wie zum Beispiel dem akuten Schlaganfall, dem Morbus Parkinson und Tumorerkrankungen des Kehlkopfes und Rachens. Betroffene Patienten werden in unterschiedlichen Settings (ambulante Strukturen, Akutkrankenhaus, Rehabilitationseinrichtungen) und von verschiedenen medizinischen Fachdisziplinen (u. a. Neurologie, Geriatrie, Gastroenterologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Phoniatrie) sowie Professionen (u. a. Logopäden, Ärzten, Diätassistenten, spezialisierte Pflegekräften, Atemtherapeuten) betreut.

Auch wenn für spezifische klinische Szenarien, wie z. B. das Dysphagiemanagement des akuten Schlaganfalls, diagnostische und therapeutische Algorithmen fest etabliert sind, ist in vielen Situationen ein individualisiertes und im multiprofessionellen Team abgestimmtes Vorgehen erforderlich, um die bestmöglichen Behandlungsergebnisse zu erzielen. Zu den Schlüsselaufgaben, mit denen sich die Dysphagieexperten dabei in jedem Einzelfall aufs Neue und mit jeweils wechselnden Schwerpunkten konfrontiert sehen, gehört unter anderem die subjektiven Beschwerden des Patienten mit objektiven Befunden abzugleichen, die Schlucksicherheit und Schluckeffizienz zu evaluieren, das Störungsbild präzise zu beschreiben, den zugrunde liegenden Pathomechanismus abzuleiten und weitere diagnostische Schritte zu planen, um die Ätiologie der Schluckstörung aufzuklären. Zudem müssen die für den Patienten geeignete Kostform ermittelt und weiterführende therapeutische Schritte festgelegt werden, bevor diese häufig komplexen Zusammenhänge schließlich mit dem Patienten in verständlicher Weise und im Hinblick auf dessen individuelle Wünsche und Ziele zu erörtern sind.

Neben profundem Fachwissen wird eine erfolgreiche Bewältigung dieser diagnostischen, therapeutischen und kommunikativen Herausforderungen vor allem durch eine umfangreiche, praktische klinische Erfahrung ermöglicht. Jochen Keller und Herbert F. Durwen gehören zweifellos zu den Pionieren der deutschen Dysphagiologie. Die Autoren blicken auf über 20 Jahre klinischer Tätigkeit zurück und haben ihre herausragenden Fachkenntnisse und didaktischen Fähigkeiten in zahlreichen Seminaren, Workshops und Kongressen unter Beweis gestellt.

Mit diesem Buch gelingt den Autoren der didaktisch außerordentlich wichtige und wertvolle Brückenschlag von der abstrakten Ebene des Fachwissens zu der konkreten Anwendung im Einzelfall. Jeder der mehr als 20 Kasuistiken stellen die Autoren dabei eine prägnante, auf die wesentlichen Aspekte des anschließend beispielhaft besprochenen Krankheitsbildes fokussierte Einleitung voran. Die sich anschließenden Patientenbeispiele, die durch umfangreiches Videomaterial angereichert sind, enthalten jeweils eine detaillreiche und lebendige Beschreibung des klinischen Verlaufs und eine präzise Darstellung der stets multimodalen Dysphagiediagnostik. In einem abschließenden Fazit werden dann die einzelfallbasierten Erkenntnisse wieder in den übergeordneten klinischen und wissenschaftlichen Kontext eingeordnet. Neben hochprävalenten Krankheitsbildern wie Schlaganfall, Parkinson-Syndromen und Demenzen werden auch seltenere, häufig schwer zu diagnostizierende Erkrankungen wie die Myasthenia gravis und das Miller-Fisher-Syndrom behandelt.

Dieses Buch richtet sich an alle Therapeuten und Mediziner, die sich um die Versorgung von Patienten mit Schluckstörungen kümmern. Aufgrund seiner durchdachten Konzeption und seines lebensnahen, der langjährigen Praxis der Autoren entsprungenen Inhalts ist dieses Buch eine ideale Orientierungshilfe in diesem schwierigen klinischen Terrain und bietet zahlreiche konkrete Hinweise und wertvolle Denkanstöße für das praktische Dysphagiemanagement. Ich wünsche dem Buch von Jochen Keller und Herbert F. Durwen daher eine breite und interessierte Leserschaft aus allen involvierten Berufsgruppen und therapeutischen Settings, viele konstruktive Kommentare und eine baldige Neuauflage.

Osnabrück, im Januar 2022

Prof. Dr. med. Rainer Dziewas

»Our goal is never to make someone non-oral, – it is to define the treatment effect, that allows them to eat, at least something. – So we have to know: Why are they aspirating, why do they have that residue, what´s causing it?«

(Jerilyn »Jeri« A. Logemann, DRS-Meeting, Seattle, Washington 2013)

Vorwort der Herausgeber

Dieses Buch ist das Produkt einer mehr als 20-jährigen Erfahrung in der Diagnostik und Behandlung von Schluckstörungen. Dabei handelte es sich vorwiegend um Patienten der neurogeriatrischen Klinik des St. Martinus-Krankenhauses Düsseldorf, das als eine der ersten Kliniken in Deutschland über die Möglichkeit der endoskopischen Schluckdiagnostik (FEES) verfügte. Die Entwicklung der damaligen Fallzahlen von anfänglich 100 auf 345 stationäre endoskopische Schluckuntersuchungen im Jahr, zeigte, dass mit zunehmender klinischer Erfahrung die Notwendigkeit einer detaillierten Schluckdiagnostik bei deutlich mehr Patienten1 gegeben war, als anfänglich vermutet. Hierbei war sicherlich die geriatriespezifische Multimorbidität bzw. auch ein gemeinsames Auftreten altersbedingter Veränderungen des Schluckens mit dysphagieassoziierten Erkrankungen, wie z. B. dem Schlaganfall von Bedeutung.

Eine wesentliche Erkenntnis, die wir in diesem Zusammenhang allerdings gewannen, war, dass einige Erkrankungen, die gemeinhin nicht oder nur sehr selten mit Dysphagien in Verbindung gebracht werden, tatsächlich mit teils schweren Schluckstörungen einhergehen können und das Outcome der Betroffenen dabei maßgeblich ungünstig beeinflussen. Hierzu zählen z. B. die chronischobstruktive Lungenerkrankung (COPD) und die zervikale Spondylose, die in Bezug auf Dysphagien in der Fachliteratur bisher noch keine hinreichende Beachtung finden und als Dysphagieursache im klinischen Alltag noch häufig übersehen werden.

Daher sollen in diesem, sehr praktisch orientierten Fallbuch, nicht nur typische Befunde von Dysphagien, beispielsweise als Folge eines Schlaganfalls oder eines Parkinson-Syndroms dargestellt werden, sondern auch seltenere Erscheinungsformen, wie bei der Myasthenia gravis oder dem Miller-Fisher-Syndrom, aber auch nicht-neurogen bedingte Dysphagien Erwähnung finden. Damit wollen wir die ätiologische Vielschichtigkeit von Schluckstörungen abbilden, um den klinischen Blick auf derartige Phänomene zu schärfen.

Da sich die fiberoptische endoskopische Evaluation des Schluckens (FEES) zu einem obligaten Bestandteil der Basisdiagnostik oropharyngealer Dysphagien entwickelt hat und inzwischen fast überall verfügbar ist, bildet sie auch bei allen hier dargestellten Kasuistiken einen wesentlichen Teil der Diagnostik, die in einigen Fällen auch durch videofluoroskopische oder gastroenterologische Befunde ergänzt wird. Gerade vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren veröffentlichten FEES-Ausbildungscurricula verschiedener medizinischer Fachgesellschaften und der darauffolgenden Etablierung curricularer FEES-Kurse, möchten wir diese Veröffentlichung auch als ein unterstützendes Medium für derartige Fortbildungsinitiativen und Zertifikatskurse begreifen. So besteht ein wesentlicher Teil dieses Buches auch aus insgesamt 22 Kasuistiken und 37 Originalvideos, die auf der Verlagswebseite heruntergeladen werden können, die Dysphagien unterschiedlichster Genese abbilden und ihre Symptomatik praxisnah darstellen. Diese sind jeweils in den aktuellen dysphagiologischen Forschungsstand eingebunden, um einen optimalen Lernerfolg zu gewährleisten.

Dabei hat der Leser die Möglichkeit, den diagnostischen Prozess von der Anamnese, über die klinische Diagnostik bis hin zur apparativ gestützten Evaluation nachzuvollziehen. Die instrumentellen Verfahren liegen in Form von FEES- und teilweise auch videofluoroskopischer Aufnahmen vor, die zum Download bereitstehen. In einigen Fällen kommen auch die Betroffenen selbst zu Wort, die in Auszügen aus Erstgesprächen, ihre individuelle Symptomatik eindrücklich schildern.

So wenden wir uns mit diesem Fallbuch nicht nur an die bereits in der klinischen Versorgung von dysphagischen Patienten tätigen erfahrenen Ärzte und Sprachtherapeuten, sondern auch an Studierende aus den Bereichen der Medizin und Logopädie sowie an interessierte Kolleginnen und Kollegen anderer Fachgebiete, die sich zum Thema »Schluckstörungen« fortbilden möchten.

Wir hoffen, damit einen nützlichen Beitrag zur qualifizierten Weiterbildung in der klinischen Dysphagiologie zu leisten.

Jochen Keller und Herbert F. Durwen

Düsseldorf im Januar 2022

1 Zugunsten einer lesefreundlichen Darstellung wird in der Regel die neutrale bzw. männliche Form verwendet. Diese gilt für alle Geschlechtsformen (weiblich, männlich, divers).

Danksagung

Unser besonderer Dank gilt zunächst den Mitarbeitern des Kohlhammer Verlags, im Speziellen Frau Dr. Carmen Rapp, Herrn Dr. Ruprecht Poensgen und Herrn Jannik Schwarz, die als ständige Ansprechpartner entscheidend zum Gelingen dieses Buchprojektes beigetragen haben.

Für das Erstellen und Überlassen von Abbildungen sowie für wertvolle Anregungen und Hinweise danken wir:

Frau Simone Brinkmann, Mitarbeiterin der EDV-Abteilung des St. Martinus-Krankenhauses Düsseldorf,

Frau Prof. Dr. phil. Stefanie Duchac, Professorin im Studiengang Logopädie (B. Sc.) an der SRH Hochschule für Gesundheit und Marco Durin Duchac von MDD Pictures,

Herrn PD Dr. med. Michael Jungheim, Oberarzt der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie der medizinischen Hochschule Hannover,

Frau PD Dr. med. Jutta Keller, Leiterin der Funktionsdiagnostik und Sonografie des viszeral-medizinischen Zentrums, Israelitisches Krankenhaus Hamburg,

der Firma Rehder/Partner, Medizintechnik Hamburg,

Herrn Dr. med. Matthias Wenning, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin des St. Martinus-Krankenhauses Düsseldorf,

Frau Birgit Wiora, Referentin Unternehmenskommunikation und Marketing, Katharina Kasper Holding GmbH und Herrn Daniel Poensgen für das Erstellen verschiedener Abbildungen.

Inhalt

1  Geleitwort

2 von Rainer Dziewas

3  Vorwort der Herausgeber

4  Danksagung

5  Übersicht der Videos

6  Einleitung

7  1 Kasuistiken in der klinischen Dysphagiologie

8  2 Physiologische Komponenten des Schluckaktes und ihre Bedeutung für das Verständnis der Schluckpathologie

9  2.1 Orale Bolusmanipulation und -formung

10  2.2 Boluspositionierung und -containment

11  2.3 Oraler Bolustransport

12  2.4 Timing der Schluckreflextriggerung

13  2.5 Velopharyngealer Abschluss

14  2.6 Laryngealer Verschluss

15  2.7 Zungenbasisretraktion

16  2.8 Pharyngeale Kontraktion

17  2.9 Hyolaryngeale Exkursion

18  2.10 Öffnung und Verschluss des oberen Ösophagussphinkters (oÖS)

19  2.11 Ösophagealer Bolustransport

20  2.12 Öffnung und Verschluss des unteren Ösophagussphinkters

21  3 Ätiologie von Dysphagien

22  4 Pathophysiologie des Schluckaktes

23  4.1 Dysphagiesymptome und ihr pathophysiologischer Hintergrund

24  4.2 Presbyphagie

25  5 Diagnostik von Dysphagien

26  5.1 Verfahren der Dysphagiediagnostik

27  5.1.1 Die Bedeutung apparativer Verfahren in der Dysphagiediagnostik

28  5.2 Anamnese

29  5.3 Diagnostik oropharyngealer Dysphagien

30  5.3.1 Screeningverfahren

31  5.3.2 Die klinische Schluckuntersuchung (KSU)

32  5.3.3 Die fiberoptische endoskopische Evaluation des Schluckaktes (FEES)

33  5.3.4 Die Videofluoroskopie des Schluckaktes (VFS)

34  5.3.5 Die pharyngeale Hochauflösungsmanometrie (pHRM)

35  5.3.6 Die Sonografie

36  5.3.7 Weitere apparative Verfahren

37  5.4 Diagnostik ösophagealer Dysphagien

38  5.4.1 Die flexible Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD)

39  5.4.2 Der Ösophagusbreischluck

40  5.4.3 Die hochauflösende Ösophagusmanometrie

41  5.4.4 Die Langzeit-pH-Metrie und Impedanzmessung

42  5.4.5 Die Ösophagus-Funktionsszintigraphie

43  5.5 Die Bedeutung einer einzelfallorientierten und therapiegeleiteten Dysphagiediagnostik

44  6 Kasuistiken

45  6.1 Dysphagie nach Schlaganfall

46  6.1.1 Theoretischer Hintergrund

47  6.1.2 Kasuistik

48  6.1.3 Kasuistik

49  6.2 Dysphagie bei idiopathischem Parkinson-Syndrom (IPS)

50  6.2.1 Theoretischer Hintergrund

51  6.2.2 Kasuistik

52  6.3 Dysphagie bei progressiver supranukleärer Blickparese (PSP)

53  6.3.1 Theoretischer Hintergrund

54  6.3.2 Kasuistik

55  6.4 Dysphagie bei Multipler Sklerose (MS)

56  6.4.1 Theoretischer Hintergrund

57  6.4.2 Kasuistik

58  6.5 Dysphagie bei Amyotropher Lateralsklerose (ALS)

59  6.5.1 Theoretischer Hintergrund

60  6.5.2 Kasuistik

61  6.5.3 Kasuistik

62  6.6 Dysphagie bei Demenz

63  6.6.1 Theoretischer Hintergrund

64  6.6.2 Kasuistik

65  6.7 Dysphagie bei Myasthenia gravis (MG)

66  6.7.1 Theoretischer Hintergrund

67  6.7.2 Kasuistik

68  6.8 Dysphagie bei Miller-Fisher-Syndrom

69  6.8.1 Theoretischer Hintergrund

70  6.8.2 Kasuistik

71  6.9 Dysphagie bei Critical illness Polyneuropathie und -Myopathie (CIPMN)

72  6.9.1 Theoretischer Hintergrund

73  6.9.2 Kasuistik

74  6.10 Dysphagie bei Einschlusskörperchenmyositis (IBM)

75  6.10.1 Theoretischer Hintergrund

76  6.10.2 Kasuistik

77  6.11 Dysphagie bei ventralen zervikalen Spondylophten

78  6.11.1 Theoretischer Hintergrund

79  6.11.2 Kasuistik

80  6.11.3 Kasuistik

81  6.12 Dysphagie bei chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD)

82  6.12.1 Theoretischer Hintergrund

83  6.12.2 Kasuistik

84  6.13 Dysphagie bei Kopf-Hals-Tumoren

85  6.13.1 Theoretischer Hintergrund

86  6.13.2 Kasuistik

87  6.13.3 Kasuistik

88  6.14 Dysphagie bei Zenker-Divertikel

89  6.14.1 Theoretischer Hintergrund

90  6.14.2 Kasuistik

91  6.14.3 Kasuistik

92  6.15 Dysphagie bei Z. n. HWS-Operation

93  6.15.1 Theoretischer Hintergrund

94  6.15.2 Kasuistik

95  6.16 Medikamenteninduzierte Dysphagie

96  6.16.1 Theoretischer Hintergrund

97  6.16.2 Kasuistik

98  6.17 Dysphagie bei Fremdkörperimpaktation

99  6.17.1 Theoretischer Hintergrund

100  6.17.2 Kasuistik

101  Zusatzmaterial zum Download

102  Literatur

103  Stichwortverzeichnis

Übersicht der Videos
Zusatzmaterial

Den Link, unter dem das Zusatzmaterial verfügbar ist, finden Sie unter Kap. Zusatzmaterial zum Download.


Video 6.1.2:FEES prädeglutitive stille Aspiration
Video 6.1.3a:FEES Ruhebeobachtung, Sekretstatus und Phonationsprüfung
Video 6.1.3b:FEES eingeschränkter pharyngealer Bolustransfer
Video 6.1.3c:VFS eingeschränkte Larynxelevation und ausbleibende Epiglottiskippung
Video 6.2.2a:FEES off Phase Zungenpumpen und verzögerter Schluckreflex
Video 6.2.2b:FEES on Phase deutlich promptere Schluckreflextriggerung und suffizienterer Bolustransfer nach L-Dopa-Gabe
Video 6.3.2:FEES Speichelaspiration mit insuffizientem Husten
Video 6.4.2:FEES Speichelresiduen und postdeglutitive Aspiration über Interarytenoidregion
Video 6.5.2:FEES Residuen in den Valleculae mit eingeschränktem Clearing durch Nachschlucken
Video 6.5.3a:FEES enthemmter Würgreflex mit Verengung des Pharynx
Video 6.5.3b:FEES enthemmter Würgreflex auch bei Schluckversuch
Video 6.6.2a:FEES Störung des pharyngealen Bolustransfers und pharyngeale Hypästhesie
Video 6.6.2b:FEES verzögerte Schluckreflextriggerung und beginnende Penetration
Video 6.7.2:FEES zunehmende pharyngeale Schwäche
Video 6.8.2:FEES Aspiration mit schwachem reflektorischem Husten PA° 7
Video 6.9.2:FEES Speichelresiduen in gesamtem Pharynx und stille Aspiration PA° 8
Video 6.10.2a:FEES insuffizienter pharyngealer Bolustransfer mit Residuen in gesamtem Pharynx
Video 6.10.2b:VFS schwache pharyngeale Kontraktion und Öffnungsstörung des oÖS
Video 6.11.2:FEES retropharyngeale Raumforderung und Bolusresiduen
Video 6.11.3a:FEES retropharyngeale Raumforderung mit Verdecken beider Aryknorpel
Video 6.11.3b:FEES Störung des pharyngealen Bolustransfers und Penetration
Video 6.11.3c:VFS Spondylophyt C3/C4 als mechanisches Passagehindernis
Video 6.12.2a:FEES Stille Aspiration bei konsekutivem Schlucken PA° 8
Video 6.12.2b:VFS Intradeglutitive stille Aspiration PA° 8
Video 6.13.2:FEES schwere Störung der pharyngealen Phase mit ausbleibendem Whiteout
Video 6.13.3a:FEES vollständiger velopharyngealer Abschluss durch kompensierende Elevation der Uvula
Video 6.13.3b:FEES pharyngeale Residuen und suffizientes Clearing durch Nachtrinken
Video 6.14.2a:FEES Regurgitation nach Schluckversuch mit Obstmus
Video 6.14.2b:VFS Darstellung des Divertikels mit Bolusverhalt von anterior
Video 6.14.2c:VFS Darstellung des Divertikels mit Bolusverhalt von lateral
Video 6.14.3a:FEES massive Regurgitation mit Penetration
Video 6.14.3b:VFS massive Regurgitation mit Aspiration
Video 6.15.2a:FEES phayngeale Bolusresiduen mit Penetration über Interarytenoidregion
Video 6.15.2b:VFS postdeglutitive Aspiration
Video 6.16.2a:FEES schwere Störung des pharyngealen Bolustransfers
Video 6.16.2b:FEES deutlich verbessertes Abschlucken
Video 6.17.2:FEES diskrete Regurgitation

Einleitung

Obwohl Schlucken für uns alle selbstverständlich ist und meist unbewusst verläuft, ist es eine der komplexesten Funktionen des menschlichen Organismus. Essen und Trinken zu können ist nicht nur lebensnotwendig, sondern bildet auch einen wesentlichen Teil der Lebensqualität. Da der Schluckvorgang sowohl willkürliche als auch reflektorische Anteile enthält, die phasenhaft ablaufen, ist er mit einer einfachen Bewegung, wie beispielsweise das Heben einer Hand oder das Laufen nicht zu vergleichen. Er wird von einem komplexen Netzwerk neuronaler Zentren und Nervenbahnen gesteuert, die verschiedene Ebenen des zentralen und peripheren Nervensystems involvieren und miteinander verbinden (Hamdy et al. 1996; Warnecke und Dziewas 2018).

Die Fähigkeit zu schlucken beginnt bereits in einem frühen Stadium der pränatalen Entwicklung, etwa in der zwölften fötalen Lebenswoche (Dellow 1976) und modifiziert sich im frühen Kindesalter über das Saugen bis hin zur Nahrungsaufnahme im Erwachsenenalter, wobei sich die Ausformung des Kaumusters erstmalig mit dem Durchbruch der Milchzähne vollzieht (Graber 1963). Wie die Fähigkeit zu atmen, begleitet es uns während der gesamten Lebensspanne und ist dabei ähnlichen Alterungsprozessen unterworfen, wie auch viele andere Funktionen des menschlichen Organismus. Dementsprechend können Schluckstörungen in allen Altersgruppen auftreten, unterschiedliche Aspekte des komplexen Schluckvorgangs entweder isoliert oder gleichermaßen betreffen und eine Vielzahl ätiologischer Faktoren als Ursache aufweisen. So unterscheidet man Schluckstörungen, die bereits im frühen Kindesalter, beispielsweise aufgrund von Geburtstraumen oder Entwicklungsstörungen auftreten, von Dysphagien im Erwachsenenalter, denen neben neurologischen Ursachen, wie Schlaganfällen, Parkinson-Syndromen oder Demenzen, auch Tumor- oder Skeletterkrankungen zugrunde liegen. Insbesondere in der Geriatrie treffen derartige Erkrankungen auf eine bereits durch das Alter modifizierte Schluckfunktion (sog. »primäre Presbyphagie«), was für die Diagnostik und Behandlung dieser Patientenklientel eine besondere Herausforderung darstellt (Keller und Durwen 2012; Prosiegel 2005b; Rofes et al. 2011).

Hinzu kommt, dass mit zunehmendem Lebensalter auch die Dysphagieprävalenz exponentiell ansteigt. Diese liegt in der Gesamtbevölkerung bei etwa 13 % der > 65-Jährigen und betrifft mehr als 50 % der Altenheimbewohner (Clavé et al. 2012; Clavé und Shaker 2015). Außerdem konnten Rittig et al. (2009) zeigen, dass bei dysphagischen geriatrischen Patienten die mediane stationäre Verweildauer in Akutkliniken um drei und in rehabilitativen Einrichtungen um fünf Tage verlängert war, was einen nicht unerheblichen Kostenfaktor in Bezug auf das DRG-System darstellt.

Die somatischen Folgen von Schluckstörungen sind meist schwerwiegend und reichen von Dehydrierung, erschwerter Medikamenteneinnahme, Malnutrition bis hin zu Aspirationspneumonien (Ekberg et al. 2002; Marik und Kaplan 2003). Insbesondere bei älteren Patienten kann dies eine verzögerte Rekonvaleszenz oder in letzter Konsequenz sogar den Tod bedeuten (De Pippo et al. 1994; Gottlieb et al. 1996; Smithard et al. 1996).

Da die Nahrungsaufnahme ein elementares Grundbedürfnis des Menschen ist, haben Dysphagien auch teils erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen.

Dies macht deutlich, dass es sich bei Schluckstörungen, wie es der Terminus suggerieren mag, nicht ausschließlich um eine Funktionseinschränkung im engeren Sinne handelt, sondern vielmehr alle drei Ebenen der ICF (engl.: »International Classification of Functioning, Disability and Health«), wie Körperfunktionen und -strukturen, Aktivitäten sowie die gesellschaftliche Teilhabe, betroffen sein können (Prosiegel 2005a).

Vor diesem Hintergrund muss die Behandlung von Schluckstörungen multiprofessionell ausgerichtet sein und setzt eine akkurate und interdisziplinäre Diagnostik voraus, die eine detaillierte Evaluation der individuellen Symptomatik sowie deren Pathogenese zum Ziel hat. Dieser diagnostische Prozess, der sich je nach Ätiologie in unterschiedlichen Verfahren abbildet, involviert verschiedene Berufsgruppen, wie Gastroenterologen, Geriater, HNO-Ärzte, Neurologen, Radiologen und Sprachtherapeuten und soll Gegenstand der weiteren Ausführungen sein.

1 Kasuistiken in der klinischen Dysphagiologie

Die Betrachtung des Einzelfalls ist seit jeher ein wertvoller Bestandteil wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns. Die systematische Darstellung von Kasuistiken hat vor allem in den Sozialwissenschaften, der Pädagogik und Psychologie eine lange Tradition. Im medizinischen Bereich ist sie infolge der Fokussierung auf eine statistisch dominierte, evidenzbasierte Forschung etwas in den Hintergrund getreten, bleibt jedoch ein unverzichtbarer Bestandteil der ärztlichen Ausbildung. Insbesondere bei der Beobachtung seltener oder noch unbekannter Phänomene und Zusammenhänge, steht die Betrachtung des konkreten Einzelfalls häufig am Anfang weiterer wissenschaftlicher Analysen, kann aber gleichzeitig auch eine lehrreiche Illustration bereits bestehender Erkenntnisse sein. Eine Kasuistik sollte sich daher nicht nur in einer detaillierten Beschreibung des Einzelfalls erschöpfen, sondern – soweit vorhanden – auch stets Bezug auf bereits bestehende Forschungsergebnisse nehmen. Dieser Anspruch wird in Bezug auf Schluckstörungen bereits im Titel einer sehr empfehlenswerten Veröffentlichung von Coyle et al. (2007) mit dem Titel »Evidence-Based to Reality-Based Dysphagia Practice: Three Case Studies« deutlich. Hier werden drei Kasuistiken dysphagischer Patienten aus der klinischen Praxis dargestellt und der diagnostische Prozess vor dem Hintergrund fortlaufender Hypothesenbildungen mit Bezug auf die jeweils bestehenden evidenzbasierten wissenschaftlichen Grundlagen aufgezeigt.

Kasuistiken erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit und widersprechen nicht der durchaus berechtigten Forderung einer Orientierung an evidenzbasierten Daten in der Medizin. Sie sind vielmehr ein wichtiges Instrumentarium zum Verständnis klinischer Phänomene und nehmen in der Aus- und Weiterbildung von Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften einen hohen Stellenwert ein.

Ihre didaktischen Vorzüge liegen vor allem in einer systematischen Darstellung der individuellen Krankengeschichte, des diagnostischen Prozedere, der beobachteten Symptomatik sowie ggf. auch darauf aufbauender therapeutischer Interventionen.

Blickt man beispielsweise in die Historie der Neurowissenschaften, so war die genaue Beschreibung der Symptomatik hirnverletzter Patienten nicht nur für das Verständnis von Störungen höherer kortikaler Funktionen von Bedeutung. Vielmehr führte sie letztlich auch zu einem tieferen Verständnis dieser Hirnfunktionen selbst und ebnete den Weg zur Entwicklung erster therapeutischer Verfahren (Leischner 1987). Zu erinnern sei z. B. an den im Jahre 1868 berichteten Fall des Arbeiters Phineas Gage, dem während einer Explosion eine Eisenstange durch den Frontallappen seines Gehirns getrieben wurde und dessen Sozialverhalten und Charakter sich daraufhin erheblich veränderten (Damasio 2010). Auch die erste systematische Beschreibung einer nicht-flüssigen Aphasie durch den französischen Chirurgen und Anthropologen Paul Broca sowie der von Carl Wernicke beschriebene Verlust der Fähigkeit, Sprache zu verstehen, bildeten später die Grundlage der heute noch gültigen Syndromeinteilung von Aphasien (Hartje und Poeck 2006). Andererseits reihten sich derartige Einzelfalldarstellungen in die damals aktuellen Diskussionen bezüglich der Art und Lokalisierbarkeit höherer kortikaler Funktionen ein, die in der sog. »Phrenologie« ihren Ursprung nahmen.

In Zeiten moderner Bildgebung weiß man heute, dass derartige komplexe Hirnfunktionen, wie beispielsweise die Sprachfähigkeit eines Menschen, von einem neuronalen Netzwerk hervorgebracht werden, prozesshaft ablaufen und durch entsprechende Konnektionsbahnen miteinander verbunden sind.

Auch in Bezug auf die nervale Steuerung des Schluckaktes sprechen wir heute von einem »Schlucknetzwerk«, das mehrere neuronale Zentren involviert (Hamdy et al. 1996; Jean 2001; Warnecke und Dziewas 2018). Insbesondere in der Betrachtung neurogener Dysphagien ist das Konzept eines netzwerkgesteuerten Schluckaktes sowohl für die Diagnostik als auch die Therapie von entscheidender Bedeutung. So beschrieb James Parkinson in seiner historischen Schrift »An essay on the shaking palsy« aus dem Jahre 1817, einen Patienten, der neben den typischen parkinsonassoziierten Bewegungsstörungen, offensichtlich auch die Fähigkeit zur selbständigen Nahrungsaufnahme verloren hatte und dem es schwerfiel, die Nahrung im Mund zu behalten und zu schlucken (Parkinson 1817). Die Beobachtung, dass Parkinsonpatienten nicht nur extrapyramidal-motorische, sondern auch sensible Störungen aufweisen, bestätigten die Forschungsergebnisse von Braak et al. (2004), die stadienabhängige degenerative Veränderungen auf mehreren Etagen des zentralen Nervensystems, vor allem auch des Hirnstamms, bei der Parkinson-Erkrankung nachweisen konnten ( Kap. 6.2.1).

Die Tatsache, dass einige der Betroffenen auch Dysphagien aufwiesen, führte allerdings schon sehr viel früher zur Entwicklung eines ersten Untersuchungsprotokolls der radiografischen Untersuchung oropharyngealer Dysphagien, damals noch »cookie swallow test« genannt (Logemann et al. 1983). Dieser wurde von der Sprachtherapeutin und Autorin, Jeri A. Logemann, erstmals beim Kongress der »American Speech and Hearing Association« (ASHA) im Jahre 1976 in Houston vorgestellt.

Abgesehen von dem außerordentlich komplexen Gebiet der oropharyngealen Dysphagien, lässt sich die Entwicklung von der Kasuistik, hin zur differenzierten Erkenntnis der beschriebenen Störungsphänomene, auch im Bereich ösophagealer Dysphagien nachvollziehen. So wurde beispielsweise schon im Jahre 1675 von Thomas Willis ersmalig ein Patient beschrieben, dessen Schluckstörung erfolgreich durch die Dehnung des Mageneingangs mittels eines Walfischknochens behandelt werden konnte. Die hier zugrunde liegende Erkrankung wurde genau 240 Jahre später durch Hertz (1914) mit einer fehlenden Öffnung des unteren Ösophagussphinkters in Verbindung gebracht und ist heute unter dem Begriff der »Achalasie« bekannt. Nachfolgend konnten degenerative Veränderungen des dorsalen Vaguskerns sowie intrazelluläre Einschlusskörperchen (sog. »Lewy bodies«) in den Ganglienzellen des Plexus myentericus als pathogenetisches Korrelat nachgewiesen werden (Cassella et al. 1964). Das Behandlungsprinzip der Überdehnung des hypertonen Sphinkters (»Bougierung«) wird heute in Form der sog. »Ballondehnung« bzw. »pneumatischen Dilatation« eingesetzt (Fellows et al. 1983).

Dies macht deutlich, dass allein schon die theoretische Aufbereitung von Kasuistiken zu einer ersten Strukturierung und Ordnung beobachteter klinischer Phänomene führt. Gerade die interdisziplinäre Diskussion, im Spannungsfeld unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen und Theoriebildungen, kann letztlich zu einem tieferen Verständnis und zu weiteren Forschungsansätzen führen. So bilden Kasuistiken auch in speziellen Fortbildungs- und Kursprogrammen zum Thema »Dysphagie«, wie z. B. den FEES-Basiskursen oder -Expertenworkshops, ein unverzichtbares Element (Dziewas et al. 2018). Letztlich ist der »besondere Einzelfall« sinnvollerweise immer auch Thema in Fachjournalen und auf medizinischen Kongressen (Babores und Finnerty 1998; Barikroo und Lam 2011; Keller und Durwen 2020 und 2017b).

Dieser kurze und längst nicht vollständige Exkurs zur Bedeutung von Kasuistiken in der allgemeinen klinischen Forschung und der Beschäftigung mit Störungen des Schluckaktes im Speziellen, zeigt, dass bei aller Forderung zu statistisch gesichertem, evidenzbasiertem Handeln, der klinische Einzelfall eine ebenso wichtige Rolle spielt. Dies führt, insbesondere auch im (schluck-)therapeutischen Bereich, zu der Forderung eines Einzelfallorientierten Vorgehens, was den konkreten Patienten mit seiner individuellen Symptomatik berücksichtigt und in den Vordergrund stellt ( Kap. 5.5).

2 Physiologische Komponenten des Schluckaktes und ihre Bedeutung für das Verständnis der Schluckpathologie

Der sichere und vollständige Bolustransfer ist ein Produkt aus neuronal vermittelter Muskelaktivität und Sphinktermechanismen, die durch das Erzeugen sich kontinuierlich verändernder intraluminaler Drücke den Bolus vorantreiben (McConnel et al. 1989) und die Trennung von Atem- und Schluckpassage koordinieren. Dieser hochkomplexe Mechanismus muss dabei fortwährend durch sensorische Rückkoppelungsschleifen kontrolliert und ggf. modifiziert werden. Hieraus folgt, dass Störungen einzelner oder mehrerer dieser funktionalen Ebenen entweder zu einer Fehlleitung des Bolus oder einem inkompletten Transport führen und nur mittels unterschiedlicher instrumenteller Verfahren differenziert untersucht werden können.

Um die Komplexität dieses Vorgangs besser abzubilden und die physiologischen Abläufe zu strukturieren, teilt man den Schluckakt in verschiedene Phasen ein, die zum einen willkürlich und bewusst, zum anderen reflektorisch ablaufen (Dodds und Stewart 1990; Logemann 1995). Unabhängig von der Nahrungsaufnahme wird allerdings auch regelmäßig und häufig unbewusst Speichel geschluckt, der tagsüber mit einer Frequenz von etwa einem Schluck pro Minute realisiert wird. Des Nachts sinkt die Schluckfrequenz und kann insbesondere bei neurogenen Grunderkrankungen, wie z. B. den Parkinson-Syndromen reduziert sein.

Willkürlich gesteuterte Schluckphasen

• Präorale/antizipatorische Phase

• Orale Vorbereitungsphase

• Orale Transportphase

Reflektorisch gesteuerte Schluckphasen

• Pharyngeale Phase

• Ösophageale Phase

Die präorale Phase bzw. antizipatorische Phase, die sich z. B. auf das visuelle und olfaktorische Erkennen der Nahrung, Hinführen der Nahrung zum Mund (sog. »Hand-Mund-Bezug«) und kognitives Erfassen der Essenssituation etc. bezieht, spielt in der instrumentellen Diagnostik oropharyngealer Dysphagien zwar nur eine untergeordnete bis gar keine Rolle, bildet jedoch einen wichtigen Aspekt in der klinischen Schluckuntersuchung ( Kap. 5.3.2).

Bei der nun folgenden Darstellung des physiologischen Schluckvorgangs und seiner Pathophysiologie erscheint uns ein Fokussieren auf die wesentlichen neuromuskulären und biomechanischen Aspekte der einzelnen Schluckphasen wichtig, deren Störung die typischen dysphagischen Symptome hervorrufen und die im Mittelpunkt der Diagnostik stehen. Dabei ist eine isolierte Betrachtung dieser einzelnen Faktoren nur aus didaktischen Gründen sinnvoll, da sie sich in verschiedenen Phasen des Schluckaktes und in einem fließenden Übergang vollziehen. Erst in ihrer koordinierten Orchestrierung führen sie zu einem vollständigen und sicheren Bolustransfer. Die Illustration dieser Ebenen erfolgt dabei anhand videofluoroskopischer und endoskopischer Aufnahmen, um den Leser bereits hier an die wichtigsten anatomischen Landmarken der an anderer Stelle dargestellten apparativen Verfahren der Schluckdiagnostik heranzuführen.

An der neuronalen Steuerung der einzelnen Schluckphasen sind die Hirnnerven V (3. Ast aus dem N. trigeminus), VII (N. facialis), IX (N. glossopharyngeus), X (N. vagus) und XII (hypoglossus), die Ansa cervicalis (C1–C3) sowie eine Vielzahl gepaarter Muskeln beteiligt. Einen ausführlichen Überblick zur neuronalen Kontrolle des Schluckens geben Leonard und Kendall (2008), Prosiegel und Weber (2010) sowie Warnecke und Dziewas (2018).

In Anlehnung an Engelke (2007) wird die Schluckpassage als ein »multifunktionelles Hohlorgansystem« verstanden, in dem Sphinktermechanismen verschiedene Räume miteinander verbinden und wieder trennen, um durch kontinuierliche Druckveränderungen sowohl den Bolustransport als auch den Schutz der Atemwege zu gewährleisten. Dieses hochkomplexe biofunktionelle Zusammenspiel soll im Folgenden beschrieben werden.

2.1 Orale Bolusmanipulation und -formung

Nachdem die Speise in den Mundraum gebracht wurde, muss sie derart verändert werden, dass sie sicher geschluckt werden kann. Feste Nahrung wird dabei gekaut, eingespeichelt und zu einem schluckfertigen Bolus geformt, der in Konsistenz und Größe für den weiteren Transport geeignet ist. Dies dauert bei gesunden Menschen etwa zehn Sekunden (Palmer et al. 1992). Die Zunge führt dabei rotatorische, laterale und vertikale Bewegungen aus. Bissstärke, Kauzyklus und Bewegungsauslenkung der faziooralen Muskeln werden dabei durch ein ständiges sensorisches Feedback moduliert (Matsuo und Palmer 2008). Durch die Kontraktion des M. bucccinator wird verhindert, das Bolusteile in den Wangentaschen verbleiben. Während dieses Vorgangs sind die Lippen geschlossen, um zu verhindern, dass Bolusteile aus dem Mundraum entweichen. Die Formung eines kohärenten Bolus ist nicht nur für einen vollständigen Transport notwendig. Unvollständig gekaute oder eingespeichelte Nahrung, die in den pharyngealen Spalträumen verbleibt, kann, wenn sie aspiriert wird, zu einer Obstruktion der Atemwege führen ( Abb. 5.17).

2.2 Boluspositionierung und -containment

Im Anschluss an die Bolusmanipulation erfolgt die Positionierung des Speisebreis auf dem vorderen bis mittleren Zungendrittel. Insbesondere bei Konsistenzen, die nicht gekaut werden, vor allem also Flüssigkeiten, muss die Zunge den Bolus vollständig umschließen (engl.: »Containment«) und nimmt dabei eine Schüsselform ein. Die orale Boluskontrolle wird realisiert durch den Kontakt der Zungenspitze zum Alveolardamm von anterior und seitlich aus dem Kontakt der Zungenränder zu den lateralen Gaumenrändern. Nach posterior wird durch die Anhebung des Zungenrückens und Absenken des Velums der »glosso-velare Abschluss« gebildet, welcher ein vorzeitiges Abgleiten der Flüssigkeiten in den Pharynx verhindert. Dieser glossovelare Kontakt wird beim Kauen von fester Nahrung durch die Zungenbewegungen nicht immer konstant gehalten, sodass Nahrungspartikel durchaus schon während der oralen Vorbereitungsphase in den Pharynx abgleiten können, ohne dass dies stets als pathologisch gewertet werden kann.

In der folgenden Abbildung ( Abb. 2.1) sind sowohl das orale Boluscontainment als auch die wichtigsten anatomischen Landmarken der oropharyngealen Schluckpassage dargestellt.


Abb. 2.1: Boluscontainment am Ende der oralen Vorbereitungsphase und die wesentlichen anatomischen Landmarken der Schluckpassage im lateralen Strahlengang der Videofluoroskopie (VFS): 1. Nasopharynx, 2. Velum, 3. Zungenschüssel mit KM-Bolus, 4. Mandibula, 5. Os hyoideum (Hyoid), 6. Valleculae, 7. Epiglottis, 8. Aryknorpel, 9 Glottisebene, 10. Sinus piriformes, 11. Oberer Ösophagussphinkter, 12. Trachea, 13. Ösophagus.

Ist der glosso-velare Abschluss, beispielsweise als Folge einer oral apraktischen Störung, lingualer Dyskinesien oder einer Hypoglossusparese beeinträchtigt, kann dies ein sog. »posteriores Leaking« zur Folge haben, dem vorzeitigen Abgleiten des Bolus in den Pharynx, was je nach Ausprägung mit einer erhöhten (prädeglutitiven) Aspirationsgefahr verbunden ist. Ist der Lippenschluss insuffizient, so können Speichel, Speisebrei oder auch Flüssigkeit aus dem Mundraum nach vorne entweichen (sog. »anteriores Leaking«) ( Kap. 4.1).

2.3 Oraler Bolustransport

Nach der sicheren Positionierung presst die Zunge den Bolus in den hinteren Mundraum, indem sie einen fortschreitenden Kontakt mit dem Gaumen von anterior nach posterior sowie von lateral nach medial aufbaut. Die Lippen bleiben ohne Tonisierung geschlossen, wohingegen sich der Wangentonus kurzfristig erhöht. Hierdurch wird ein dynamischer positiver Druck auf den Bolus erzeugt, der ihn am Gaumendach entlang vorantreibt und im weiteren Verlauf zur Auslösung des Schluckreflexes führt. Dieser Vorgang dauert weniger als eine Sekunde.


Abb. 2.2: Hebung der Zungenspitze zu Beginn des oralen Bolustransports. Der noch geöffnete Pharynx und Larynx sind an der Luftsäule zu erkennen (rot umrandetes Feld).

2.4 Timing der Schluckreflextriggerung

Die zeitgerechte Auslösung des Schluckreflexes und damit die koordinierte Trennung von Atem- und Speiseweg erfolgt an sog. »Triggerzonen«, die in direkter Verbindung mit den Schluckzentren des Hirnstamms stehen und sich u. a. an den vorderen Gaumenbögen und dem Zungengrund befinden. Eine ungestörte oropharyngeale Sensibilität ist hierfür zwingende Voraussetzung. Äste des N. trigeminus (V), N. glossopharyngeus (IX) und des N. vagus (X) sorgen für ein sensibles Feedback. Die sensiblen Rezeptoren der Schleimhäute werden über den Plexus pharyngis des N. glossopharyngeus (IX) sowie des N. laryngeus superior über den N. Vagus (X) innerviert und stehen mit dem sog. Tractus solitarius, dem sensiblen Schluckzentrum des Hirnstamms, in Verbindung. Am Timing der Schluckreflextriggerung sind jedoch auch supramedulläre Zentren und kortikobulbäre Bahnen beteiligt, die für einen koordinierten Ablauf der reflexgesteuerten Bewegungen sorgen (Warnecke und Dziewas 2018). Ein Ausdruck von altersbedingten Veränderungen des Schluckvorgangs (»primäre Presbyphagie«) ist die allmähliche Verlagerung dieser Triggerzonen nach caudal in Richtung Hypopharynx. In der radiologischen Diagnostik markiert die erste Bewegung des Os hyoideums nach superior den Zeitpunkt der Schluckreflextriggerung. Dabei sollte das Kontrastmittel die Ebene der Valleculae noch nicht überschritten haben (Stanschus 2002).

2.5 Velopharyngealer Abschluss

Die posteriore Abdichtung des Nasopharynx und damit die Trennung von Nasen- und Rachenraum ist, neben der Medialisierung der Aryknorpel zu Beginn des Larynxverschlusses und dem Beginn der Superiorbewegung des Hyoids, eine der ersten Aktionen der reflektorischen »pharyngealen Phase«. Durch die Hebung des Velums gegen die Rachenhinterwand wird dabei ein Eindringen von Bolusmaterial in den Nasopharynx verhindert, und gleichzeitig der Druck auf den Bolus erhöht. Dieser sog. »velopharyngeale Abschluss« ist eines der ersten »Sphinktermechanismen« der pharyngealen Schluckphase und unterstützt die linguo-pharyngeale Schubkraft. Wie in Abbildung 2.3 dargestellt, senkt sich dabei auch der Zungengrund, damit der Bolus in den Rachen abgleiten kann.

Abb. 2.3: Beginn der pharyngealen Phase. Erste Hebung des Os hyoideum (Pfeil unten), velopharyngealer Abschluss (Pfeil oben), Ventralbewegung der Aryknorpel, Absenken des Zungengrundes und Verengung des Luftraumes zwischen Arynknorpel und laryngealem Teil der Epiglottis. Dorsalneigung der Epiglottis (Pfeil Mitte).

2.6 Laryngealer Verschluss

Der Verschluss des Larynx und damit des Atemwegs ist ein essenzielles Element der pharyngealen Schluckdynamik und geschieht auf drei Ebenen. Zunächst erfolgt eine Approximation der Aryknorpel nach medial und ventral, wobei sich auch die Stimmlippen und Taschenfalten einander annähern. ( Abb. 2.4). Es kommt zu einem reflektorisch vermittelten Atemstopp, der sog. »Schluckapnoe«. In verschiedenen Studien konnte mittels synchronisierter Auswertung elektromyografischer, manometrischer und endoskopischer Daten gezeigt werden, dass die Approximation der Aryknorpel nach medial und ventral eine der frühesten strukturellen Bewegungen zu Beginn der pharyngealen Phase darstellt (Perlman et al. 1999; Shaker et al. 1990).

Der supraglottische Raum des Aditus laryngis verengt sich dabei zunehmend. Während des Abkippens der Epiglottis nehmen die Aryknorpel weiteren Kontakt zum laryngealen Teil der Epiglottis auf, die nachfolgend über den Aditus kippt und ihn vollständig verschließt. Die Epiglottiskippung ist vor allem ein Produkt der Bewegungsmechanik von Zungenbasisretraktion, hyolaryngealer Exkursion und pharyngealer Konstriktion.

Abb. 2.4: Beginn der pharyngealen Phase in der FEES: Approximation der Aryknorpel nach medial und ventral (Pfeile mitte), beginnender Stimmlippen- und Taschenfaltenschluss, Verengung der aryepiglottischen Falten (Pfeile) und beginnende laryngeale Elevation.

2.7 Zungenbasisretraktion

Die kolbenartige Bewegung des Zungengrundes nach dorsal und kaudal ist ebenfalls Teil der pharyngealen Phase und bewirkt in Verbindung mit der Pharynxkontraktion sowohl einen kräftigen Schub auf den Bolus als auch eine mechanische Unterstützung der Epiglottiskippung ( Abb. 2.5 und Abb. 2.6). Der hierdurch ausgeübte Druck, der durch den velopharyngealen Abschluss nicht nach kranial entweichen kann, treibt den Bolus weiter in den Rachen. Typische Symptome einer abgeschwächten Zungenbasisretraktion sind Bolusresiduen am Zungengrund und in den Valleculae ( Kasuistik 6.5.2 und Kasuistik 6.13.2).

Abb. 2.5: Beginn der Dorsalbewegung des Zungengrundes, weitere ventro-kraniale Verlagerung des hyolaryngealen Komplexes und Annäherung der Aryknorpel zum laryngealen Teil der Epiglottis. Hierdurch weiteres Verengen des Lutftraumes (rot umrandetes Feld).

2.8 Pharyngeale Kontraktion

Der Pharynxschlauch besteht aus drei Pharynxkonstriktoren, dem M. constrictor pharyngeus superior, dem M. constrictor pharyngeus medius sowie dem M. constrictor pharyngeus inferior. Der obere Pharynxkonstriktor, auch als »Passavant‘scher Wulst« bezeichnet ( Abb. 6.25), bildet gemeinsam mit dem Gaumensegel den velopharyngealen Abschluss. Der untere Konstriktor bildet gemeinsam mit dem M. cricopharyngeus den oberen Ösophagussphinkter, der daher auch »pharyngo-ösophageales Segment« genannt wird und hebt dabei auf die anatomisch-funktionelle Einheit dieser Muskeln ab2. Die kontinuierliche Kontraktion dieser Muskeln, die am Bolusende beginnt, übt einen weiteren Schub auf den Bolus aus. Ist diese Kontraktion, beispielsweise aufgrund einer neurogen bedingten pharyngealen Schwäche, beeinträchtigt, kommt es zu einer unvollständigen Bolusaustreibung und damit ebenfalls zu Residuen, die meist an den Pharynxwänden und in den Sinus piriformes lokalisiert sind ( Abb. 6.15 und Abb. 6.16).


Abb. 2.6: Pharyngeale Kontraktion und Austreibung des Bolus in Richtung des oberen Ösophagussphinkters. Die Luftwege sind jetzt vollständig verschlossen. Es ist kein Luftraum zwischen Arynknorpel und Epiglottis mehr erkennbar. Deutliches Verengen des Pharynx von kranial (Pfeil).

2.9 Hyolaryngeale Exkursion

Die Larynxelevation ist eine der evidentesten Aspekte des Schluckaktes, da sie den Verschluss des Atemwegs mit hervorruft und die Öffnung des oberen Ösophagussphinkters in der pharyngealen Phase unterstützt. Bei Schluckversuchen wird sie in der klinischen Diagnostik mittels Palpation regelhaft kontrolliert ( Abb. 5.2). Allerdings greift der Terminus »Elevation« in Bezug auf die Bewegungsrichtung des Larynx zu kurz, da es sich hierbei nicht nur um eine Hebung nach superior, sondern um eine nach oben und vorne gerichtete Bewegung handelt. Das Os hyoideum spielt hierbei eine ganz wesentliche Rolle, da es den Larynx mit der oberen Zungenbeinmuskulatur (sog. »suprahyoidale Muskulatur«) verbindet. Durch ihre Kontraktion hebt sich das Os hyoideum und der Larynx nach oben und vorne. Daher wird diese Bewegung auch als »ventro-kraniale Verlagerung des hyolaryngealen Komplexes« bezeichnet und unterstützt dabei biomechanisch die Öffnung des oberen Ösophagussphinkters. Folglich resultiert aus einer gestörten hyolaryngealen Exkursion sekundär auch eine insuffiziente Öffnung des Sphinkters, die pharyngeale Residuen meist in den Valleculae, den Sinus piriformes und auf der Postcricoidregion zur Folge hat. Die meisten Öffnungsstörungen des oberen Ösophagussphinkters sind auf eine reduzierte hyolaryngeale Exkursion zurückzuführen, wohingegen primäre Relaxationsstörungen nach Logemann (1988) eher selten sind und nur in etwa 6 % der Fälle beobachtet werden.


Abb. 2.7: Endpunkt der hyolaryngealen Exkursion (Pfeil oben) und Beginn des ösophagealen Bolustransports (Pfeil unten).

2.10 Öffnung und Verschluss des oberen Ösophagussphinkters (oÖS)

Der obere Ösophagussphinkter ist eine C-förmige Muskelschlinge, deren Hauptanteil vor allem aus tonischen Muskelfasern besteht und aus dem kaudalen Anteil des M. constrictor pharyngis inferior, einem Teil der kranialen Ösophagusmuskulatur sowie dem M. cricopharyngeus gebildet wird (Kahrilas 1988). Letzterer inseriert am Ringknorpel des Larynx und steht mit diesem in Bezug auf das Schlucken in einer funktionalen Verbindung.

Der obere Ösophagussphinkter ist bei einem asymmetrisch verteilten Ruhetonus kontrahiert und verhindert den Lufteintritt in die Speiseröhre beim Atmen und Sprechen sowie das Entweichen von gastrointestinalen Sekreten in den Pharynx und Larynx. Die Messung dieses Ruhedruckes ist Gegenstand der Manometrie ( Kap. 5.3.5 und Kap. 5.4.3). Die Öffnung des oberen Ösophagussphinkters wird hervorgerufen durch den Vorschub des Bolus und beginnt mit einer nerval vermittelten muskulären Relaxation, die bereits etwa 0,1 sec. vor Beginn der hyolaryngealen Exkursion einsetzt und etwa für 0,5–1,5 sec. anhält. Öffnungsweite und -dauer hängen dabei von der Bolusgröße, -konsistenz, dem Bolusdruck sowie vor allem der ventro-kranialen Verlagerung des hyolaryngealen Komplexes ab. Diese Öffnungsdynamik sorgt darüber hinaus für die Bildung eines Unterdrucks an der Spitze des Bolus, der hierdurch von unten angesaugt wird. Die Kombination aus pharyngealem Druckaufbau und der Sogwirkung durch den geöffneten Ösophaguseingang wird auch als »pharyngo-ösophagealer Saugpumpenstoß« bezeichnet.

Nachdem der Bolus den oberen Ösophagussphinkter passiert hat, das Os hyoideum in die Ruheposition zurückgekehrt und der Larynx sich wieder geöffnet hat, ist auch der Sphinkter wieder vollständig geschlossen und zu seinem Dauertonus zurückgekehrt (sog. »Restitutionsphase«). Der entstehende initiale Verschlussdruck ist dabei kurzfristig höher als der Ruhedruck. Dies ruft eine primäre peristaltische Welle hervor, die sich als Postrelaxationskontraktion auf den tubulären Ösophagus fortsetzt und den Bolus vorantreibt. (Lang 2013). Eine Öffnungsstörung des oberen Ösophagussphinkters führt somit zu einer Verminderung des Abschluckvolumens mit entsprechender Bildung pharyngealer Residuen, die nachfolgend auch aspiriert werden können (sog. »postdeglutitive Aspiration«). Differenzialdiagnostisch sollte dabei allerdings geklärt werden, ob es sich um eine primäre Relaxationsstörung des oÖS handelt oder die Öffnungsstörung durch eine reduzierte hyolaryngeale Exkursion hervorgerufen wird. Hierfür ist eine weitere manometrische bzw. videofluoroskopische Evaluation angezeigt.

2.11 Ösophagealer Bolustransport

Der menschliche Ösophagus ist ein mit Schleimhaut ausgekleideter Muskelschlauch und verbindet mit dem oberen Ösophagussphinkter in Höhe des 5.–6. Halswirbels und dem unteren Ösophagusphinkter, in Höhe des 11. Brustwirbels den Pharynx mit dem Magen. Sein maximaler Durchmesser hängt dabei vom jeweiligen Kontrakturzustand ab und beträgt ca. 1,5–3,5 cm (Lierse 1990). Er wird entsprechend seiner Lage in drei unterschiedlich lange Abschnitte unterteilt:

• Die pars cervicalis (ca. 8 cm),

• die Pars thoracica (ca. 16 cm)

• die Pars abdominalis (ca. 1–3 cm).

Der tubuläre Ösophagus beginnt an der unteren Grenze des oberen Ösophagussphinkters am 6. Halswirbel (Mashimo und Goyal 2006). Der proximale Anteil des Ösophagus besteht aus quergestreifter Skelettmuskulatur, auf Höhe des Aortenbogens folgt die ca. 4–6 cm lange sog. »Transitionszone«, die den Übergang von quergestreifter zu glatter Muskulatur bezeichnet, bis hin zum distalen Bereich, der ausschließlich aus glatter Muskulatur besteht. Innerhalb der Transitionszone wird die schwächste Kraft der peristaltischen Kontraktion gemessen.

Im Hinblick auf den ösophagealen Bolustransfer ist zu beachten, dass die Dehnbarkeit des Ösophagus an drei physiologischen Engstellen eingeschränkt ist. Die obere Enge wird durch den Ringknorpel hervorgerufen und daher als Angustia cricoidea bezeichnet, die mittlere Enge entsteht durch die Kreuzung des Aortenbogens und wird daher auch »Aortenenge bzw. Angustia aortica« genannt, die untere Engstelle, die sog. Angustia diaphragmatica, ist am Durchtritt des tubulären Ösophagus durch das Zwerchfell (Hiatus oesophageus) lokalisiert. Vor allem an diesen Stellen können größere Nahrungsboli oder auch Fremdkörper bevorzugt impaktieren.

Der ösophageale Bolustransfer vollzieht sich, abhängig von Bolusvolumen, -konsistenz und dem passierten Segment, mit einer Propulsionsgeschwindigkeit von 2–8 cm/Sekunde (Mittal und Bhalla 2004). Er wird hervorgerufen durch koordinierte Muskelkontraktionen, die den Ösophagus mit einer Kontraktionsamplitude von 40–80 mmHg als peristaltische Welle durchlaufen (Katschinski et al. 2002; Netscher et al. 1986). Eine erste treibt den Bolus zur Pars cardiaca voran, eine zweite fungiert als Reinigungswelle. Diese wird durch intrinsische, bolusbedingte Dehnungsreize des tubulären Ösophagus ausgelöst. Dabei wird der Bolustransport in aufrecht sitzender Position durch die Schwerkraft unterstützt. Die propulsive Peristaltik wird durch intramurale und vagale Reflexbögen gesteuert, wobei die axiale Beweglichkeit durch die Kontraktion der longitudinalen Muskulatur hervorgerufen wird.

Störungen der ösophagealen Boluspassage können – je nach Lokalisation – charakteristische Beschwerdebilder hervorrufen, wie einen Bolusverhalt oder auch eine sog. »Regurgitation «, ein Wiederaufsteigen des geschluckten Bolus.

Die von den Patienten subjektiv angegebenen Symptome können dabei aber auch recht unspezifisch sein und von (pharyngealen) Missempfindungen, wie einem Globusgefühl bis hin zu Krämpfen und retrosternalen Schmerzen (sog. »nicht-kardialer Brustschmerz«) reichen. Im Anamnesegespräch sollte daher berücksichtigt werden, dass die vom Patienten subjektiv lokalisierte Höhe der Beschwerden nicht immer dem tatsächlichen Ort der Schädigung entspricht und somit vermeintlich pharyngeale Störungen ihren eigentlichen Ursprung im ösophagogastralen Bereich haben können.

2.12 Öffnung und Verschluss des unteren Ösophagussphinkters

Auch der untere Ösophagussphinkter (uÖS), die sog. »Pars cardiaca ventriculi« oder kurz »Cardia« genannt, ist in Ruhe tonisch kontrahiert und stellt hierdurch eine physiologische Refluxbarriere dar. Seine Relaxation beginnt kurz nach dem Durchtritt des Bolus in den Ösophagus, etwa 2–3 sec. nach der Schluckinitiierung und setzt sich mit Eintreffen der ersten peristaltischen Welle am ösophago-gastralen Übergang fort. Dabei sinkt der Druck des unteren Ösophagussphinkters bis auf das Niveau des Mageninnendrucks (Pehl 2018).

Die Öffnung des unteren Ösophagussphinkters wird durch eine Aktivierung der postganglionären inhibitorischen Fasern im Plexus myentericus, auch »Auerbachplexus« genannt, vermittelt und durch den Bolusdruck getriggert (Allescher und Weingart 2012). Seine Retonisierung nach Aufnahme des Bolus verhindert ein Zurückfließen der Nahrung. Somit können Störungen der Öffnungs- und Verschlussfunktion des unteren Ösophagussphinkters zu einem ösophagealen Bolusverhalt bzw. einem Reflux von gastralem und/oder gastroduodenalem Inhalt führen. Typisch für einen gastro-ösophagealen Reflux ist eine mit dem Schluckakt nicht assoziierte transiente Relaxation des unteren Ösophagussphinkters. Auch ein permanent reduzierter Sphinktertonus kann bereits bei geringer gastraler Druckerhöhung einen Reflux verursachen (Kahrilas 1996).

Der Ruhe- bzw. Grundtonus des unteren Ösophagussphinkters, der etwa bei 20 mmHg liegt und damit höher als der intragastrale Druck ist, kann auch durch Pharmaka, wie beispielsweise Anticholinergika, Kalziumantagonisten oder auch exogene Noxen, wie Nikotin oder Alkohol beeinflusst werden (Schumpelick et al. 2000). Zu den tonussenkenden Substanzen gehören Dopamin und Beta-Rezeptor-Agonisten, tonussteigernde Substanzen sind beispielsweise die Neurotransmitter Substanz P und Acetylcholin (Klinke et al. 2005). Die Kontraktion des unteren Ösophagussphinkters wird vor allem durch das Acetylcholin der Ganglienzellen des Plexus myentericus hervorgerufen. Eine reduzierte oder aufgehobene Relaxation des unteren Ösophagussphinkters, die meist mit einer insuffizienten oder gänzlich ausbleibenden peristaltischen Aktivität ( Abb. 5.26), in seltenen Fällen jedoch auch mit einer Hypermotilität des tubulären Ösophagus einhergehen kann (Cassella et al. 1964), wird als »Achalasie« bezeichnet.

2 Zum besseren Verständnis wird der in der Literatur am häufigsten benutzte Begriff »oberer Ösophagussphinkter« auch in dieser Veröffentlichung beibehalten.

3 Ätiologie von Dysphagien

Der physiologische Schluckakt ist sowohl an die Intaktheit neuronaler Steuerungsmechanismen als auch an die Unversehrtheit anatomisch-funktioneller Strukturen der Schluckpassage geknüpft. So können die Ursachen von Dysphagien außerordentlich vielfältig sein und alle Schluckphasen betreffen, wobei neurogene Erkrankungen ätiologisch am häufigsten sind (Warnecke und Dziewas 2018). Neurogen bedingte Dysphagien werden u. a. durch Erkrankungen des zentralen oder peripheren Nervensystems, der neuromuskulären Übergangsregion oder der Schluckmuskulatur selbst hervorgerufen (Prosiegel 2018). Andere nicht neurogene Ursachen sind beispielsweise angeborene Fehlbildungen, Kopf-Halstumore, Z. n. therapeutischer Radiatio, Erkrankungen der HWS bzw. des retropharyngealen Raumes oder des Ösophagus und Magens. Aber auch psychiatrische und dentale Erkrankungen können Auslöser von Schluckstörungen sein (Nienstedt und Pflug 2017). Eine ausführliche Übersicht zur Ätiologie von Dysphagien findet sich in Bartolome und Schröter-Morasch (2018) sowie bei Arens et al. (2015).

Obwohl bei manchen Grunderkrankungen alle Phasen des Schluckvorgangs gleichermaßen betroffen sein können, ist es dennoch sinnvoll, zwischen oropharyngealen und ösophagealen Dysphagien zu unterscheiden.

Als oropharyngeale Dysphagien bezeichnet man Störungen der Boluspassage vom Mund- und Rachenraum bis zum pharyngo-ösophagealen Übergang, wohingegen ösophageale Dysphagien Störungen der Boluspassage vom tubulären Ösophagus, dem gastro-ösophagealen Übergang bis zum Magen bezeichnen. Beide Formen unterscheiden sich im Hinblick auf die diagnostische Herangehensweise und die Behandlung. Ätiologie und Symptomatik ösophagealer Dysphagien werden in Kapitel 5.4 eingehender dargestellt.

Die Biomechanik und sensorischen Funktionen der oralen und pharyngealen Schluckphase können durch folgende Erkrankungen beeinträchtigt werden.

Neurogene Erkrankungen

• Schlaganfälle (Ischämische Infarkte, intrazerebrale Hirnblutungen, Subarachnoidal- und Subduralblutungen)

• Neurodegenerative Erkrankungen (ALS, Parkinson-Syndrome, Demenzen etc.)

• Hirntumore

• Entzündliche Erkrankungen des ZNS (Multiple Sklerose, Meningitis)

• Erkrankungen der neuromuskulären Übergangsregion (Myastenia gravis, Lambert-Eaton-Rooke-Syndrom)

• Myositiden (Dermatomyositis, Einschlusskörperchemyositis, Polymyositis)

• Botulismus

• Neuro- und Myopathien (z. B. Z. n. Langzeitbeatmung, Critical-Illness-Polyneuropathie und -Myopathie, akutes Guillain-Barré-Syndrom, Miller-Fischer-Syndrom)

• Muskeldystrophien (Cystrophia myotonica Curshmann-Steinert-Batten, okulopharyngeale Muskeldystrophie vom Typ Duchenne)

• Kindliche Zerebralparesen

• Schädel-Hirn-Traumen

• Hohe Querschnittslähmungen

Mechanisch-anatomische Ursachen

• Oro- und Hypopharynxkarzinome, Larynxkarzinome, Z. n. partieller Glossektomie und Larynektomie, Z. n. Neck-Dissektion

• Erkrankungen des retropharyngealen Raumes (z. B. Abszesse, Hämatome)

• Ventrale zervikale Spondylophyten

• Zervikale Hyperlordose

• Z. n. Fremdkörper-Ingestion

Andere Ursachen

• Postradiogene Störungen

• Z. n. HWS-OP (vor allem nach ventralem Zugang)

• Carotisendarteriektomie

• Xerostomie, Exsikkose

• Medikamentöse Nebenwirkungen

• Mykosen (Mundsoor)

• Struma (selten!)

Psychogene Ursachen

• Phagophobie

• Globus pharyngis (Ein Globus pharyngis kann auch organisch bedingt sein (Reflux)

4 Pathophysiologie des Schluckaktes

Dysphagien können alle Etagen des oropharyngo-ösophagealen Traktes betreffen und sich somit auch auf alle Phasen des Schluckaktes auswirken. In vielen Fällen ist es dabei möglich, den verschiedenen Grunderkrankungen Leitsymptome zuzuordnen (Prosiegel und Weber 2010; Warnecke und Dziewas 2018). Im Folgenden werden die wesentlichen dysphagischen Symptome dargestellt und ihr pathophysiologischer Hintergrund erläutert ( Tab. 4.1):

4.1 Dysphagiesymptome und ihr pathophysiologischer Hintergrund

In aller Regel sind dysphagische Symptome phasenspezifisch. Ihnen können spezifische Dysfunktionen zugeordnet werden. Ein unkontrolliertes Entweichen von Bolusmaterial entweder nach vorne aus dem Mundraum (sog. »anteriores Leaking«) oder nach hinten in den Pharynx (sog. »posteriores Leaking« oder »Pooling«) wird als »Leaking« bezeichnet. Beide Formen resultieren aus einer Störung der oralen Phase im Rahmen eines reduzierten Lippen- bzw. glossovelaren Abschlusses. Zu unterscheiden ist das Leaking von einer verzögerten Schluckreflextriggerung, welche durch eine reduzierte pharyngeale Sensibilität entsteht. Davon abzugrenzen ist das sog. »Drooling«, was sich auf einen Speichelverlust aus dem Mundraum bezieht und weniger mit einer Hypersalivation in Verbindung steht, sondern häufig eine reduzierte Schluckfrequenz als Ursache aufweist. Ein endolaryngeales Eindringen von Bolusmaterial wird, wenn es die Region oberhalb der Stimmbänder oder diese selbst betrifft, als »Penetration « bezeichnet. Erreicht der Bolus die Region unterhalb des Stimmbandniveaus und damit die Trachea, so wird dies »Aspiration « genannt. Als eine der schwerwiegendsten Folgen von Dysphagien, kann sie zu einer sog. »Aspirationspneumonie« führen, insbesondere dann, wenn sie ohne reflektorischen Husten einhergeht (sog. »stille Aspiration«) (Leder et al. 1998; Ramsey et al. 2005). Penetrations- und Aspirationsereignisse werden in Bezug auf ihre zeitliche Relation zum Schluckreflex in prä-, intra- und postdeglutitive Penetrationen bzw. Aspirationen unterteilt.

Orale, pharyngeale oder ösophageale Residuen bezeichnen in der Schluckpassage verbliebenes Bolusmaterial und sind Ausdruck eines insuffizienten bzw. inkompletten Bolustransfers. Sie können, in Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Dysfunktion, in unterschiedlichen Spalträumen der Schluckpassage verbleiben. So ist z. B. der pathophysiologische Hintergrund von Residuen in den Valleculae häufig eine reduzierte Zungenbasisretraktion, wohingegen Bolusreste an der Postkrikoidregion auf eine Öffnungsstörung des oberen Ösophagussphinkters hindeuten (Pluschinski und Blonder 2009). Als »Odynophagie « wird ein schmerzhaftes Schlucken bezeichnet, was häufig im Zusammenhang mit pharyngealen Raumforderungen und entzündlichen Prozessen im Pharynx oder Larynx beschrieben wird (Walther 1991). Bei der klassischen Passagestörung des pharyngoösophagealen Übergangs, dem Zenker-Divertikel, können unverdaute Nahrungsbestandteile in der Schleimhauttasche verbleiben und regurgitiert werden ( Kasuistik 6.14.2 und Kasuistik 6.14.3). Letztlich kann auch ein gastroösophagealer Reflux zu pharyngo-laryngealen und ösophagealen Schleimhautalterationen sowie Aspirationen führen.

In der nachfolgenden Tabelle sind die wesentlichen Symptome oropharyngealer Dysphagien sowie ihre Definition dargestellt:

Tab. 4.1: Symptome oropharyngealer Dysphagien und ihre Definition


SymptomDefinition

* Globus- und Fremdkörpergefühl können auch als unspezifische Symptome im Rahmen ösophagealer Dysphagien auftreten.

Einen Überblick über spezifische Dysphagiesymptome neurogener Dysphagien sowie deren pathophysiologischen Hintergrund geben Warnecke und Dziewas (2018).

4.2 Presbyphagie

Im Rahmen des normalen Alterns kommt es u. a. durch den Abbau von Muskelmasse (»Sarkopenie«), die insbesondere schnelle (Typ-II-)Muskelfasern betrifft, der Abnahme der Bindegewebselastizität sowie synaptischer Vernetzungen im zentralen Nervensystem, auch zu Veränderungen der Schluckphysiologie (Achem und Devault 2005). Diese sog. »primäre Presbyphagie«, kann dabei alle Phasen der Schlucksequenz betreffen (Logemann 1990). Entsprechend wurden eine verlängerte orale und pharyngeale Transitzeit sowie eine verzögerte Schluckreflexlatenz beobachtet (Ekberg und Feinberg 1991; Nilsson et al. 1996; Robbins et al. 1992). Auch eine reduzierte mukosale Sensibilität und Abnahme von Geschmack- und Geruchssinn können sich negativ auf die Schluckfunktion auswirken. Doch gerade, weil diesen physiologischen Veränderungen kein Krankheitswert beigemessen werden kann, ist die Abgrenzung von pathologischen Befunden in der Praxis häufig schwierig. Ein Pathologisieren derartiger normaler Alterungsprozesse kann zudem eine ungerechtfertige Restriktion der oralen Nahrungsaufnahme oder andere, die Lebensqualität älterer Patienten unnötig einschränkende, Maßnahmen nach sich ziehen.

Darüber hinaus haben verschiedene Studien der letzten Jahre gezeigt, dass es offensichtlich – als Reaktion auf die altersbedingten Veränderungen der Schluckfunktion – zu adaptierenden zerebralen Veränderungen und kompensatorischen Mechanismen des alternden Gehirns in Form einer zunehmend bilateralen kortikalen Steuerung kommt (Teismann et al. 2010). Dies zeugt von einer nicht unerheblichen neuronalen Plastizität des alternden Gehirns. Solche Erkenntnisse sind auch für die Behandlung schluckgestörter älterer Patienten von Bedeutung. Zeigen sie doch, dass das Altern nicht ausschließlich als ein stetiger Abbauprozess zu verstehen ist, sondern sich in einem flexiblen und anpassungsfähigen System mit entsprechender Reservekapazität vollzieht.

In diesem Zusammenhang werden jedoch zwei Aspekte bedeutsam: Zum einen ist damit zu rechnen, dass im höheren Lebensalter die Häufigkeit von mit dysphagienassoziierten Erkrankungen zunimmt (sog. »sekundäre Presbyphagie«), zum anderen ist mit dem Altern auch eine sukzessive Reduktion der funktionellen Reservekapazität des Organismus verbunden (Schröter-Morasch 2018b). Dieser Abbau von Kompensationsmöglichkeiten geht mit einem zunehmenden Morbiditätsrisiko einher (Mager 1999).

So sind in Bezug auf Dysphagien bei älteren Menschen unterschiedliche pathophysiologische Konstellationen möglich, die sowohl neurogen bedingte Störungen des zentralen Schlucknetzwerks als auch Alterationen der am Schluckvorgang beteiligten anatomischen Strukturen involvieren. (Kolb und Vogel 2000; Prosiegel 2005b). Allerdings sollten Beeinträchtigungen des Schluckens bei älteren Patienten auch nicht vorschnell mit einem physiologischen Alterungsprozess gleichgesetzt werden, da dies zu einem Verzicht auf eine akkurate Diagnostik und auf eine entsprechende Behandlung führen könnte (Turley und Cohen 2009). Einen systematischen Überblick zu Dysphagien im Alter findet sich bei Keller und Durwen (2012).

5 Diagnostik von Dysphagien

Der Begriff »Diagnostik« leitet sich aus dem griechischen Verb »diagignoskein« ab, was »gründlich erkennen/kennenlernen«, »entscheiden« oder »beschließen« heißt. Damit ist kein statischer Zustand gemeint, sondern vielmehr ein Prozess, der mit der genauen Beobachtung eines zu untersuchenden Aspektes bzw. Objektes beginnt, sich über erste Hypothesenbildungen zu möglichen kausalen Zusammenhängen fortführt und – im günstigsten Falle – bis hin zur entsprechenden Erkenntnis vollzieht.

Aus medizinisch-therapeutischer Perspektive impliziert die Diagnostik allerdings immer auch das Projizieren auf mögliche Behandlungsstrategien. Für die Zielsetzung der Dysphagiediagnostik im Speziellen bedeutet dies, dass bereits aus dem Erkennen der Symptomatik Rückschlüsse auf Störungen der Biomechanik des Schluckaktes sowie deren mögliche ätiologische Faktoren gezogen werden sollten, um hieraus entsprechende Behandlungsoptionen abzuleiten. So wird man einem dysphagischen Patienten sicherlich nicht gerecht, wenn sich beispielsweise die bildgebende Diagnostik »nur« in der Dokumentation einer vermuteten Aspiration oder eines ösophagealen Bolusverhalts erschöpft. Daher enthält sowohl der Untersuchungsstandard der FEES als auch der der VFS bezogen auf oropharyngeale Dysphagien Hinweise zur Evaluation möglicher therapeutischer Manöver bereits während der Untersuchung (Duchac et al. 2020; Keller und Durwen 2010; Langmore 2001).

5.1 Verfahren der Dysphagiediagnostik

Die Diagnostik von Dysphagien bezieht, neben einer sorgfältigen Anamnese und allgemeinen körperlichen Untersuchung, auch ein orientierendes Labor (Blutbild, Entzündungsparameter etc.), eine klinische Schluckdiagnostik sowie ggf. auch instrumentelle Verfahren mit ein, deren Reihenfolge sich in der Regel nach den klinischen Erfordernissen richtet. Dieses umfassende Vorgehen bildet die Voraussetzung für eine adäquate Therapie.

Hierbei kann man grob zwischen invasiven und nicht-invasiven Verfahren unterscheiden.

Invasive Verfahren

• Fiberoptisch endoskopische Evaluation des Schluckaktes (FEES)

• Pharyngeale und ösophageale Hochauflösungsmanometrie

• Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD)

• Langzeit-pH-Metrie (24Std.-pH-Metrie)

• Schluckprovokationstest (SPT)

Nicht-invasive Verfahren

• Videofluoroskopie (VFS)

• Ösophagusbreischluck

• Ösophagus-Funktionsszintigrafie

• Sonografie

• Klinische Schluckuntersuchung (KSU)

• Dysphagiescreeningtests, Aspirationsschnelltests (außer SPT)

Die Auswahl der entsprechenden Methode ist von verschiedenen Faktoren abhängig, wie beispielsweise der Mobilisierbarkeit des Patienten oder der Ätiologie der Dysphagie. So sind Parameter, die in Screeningtests für eine bestimmte Patientenpopulation gute Sensitivitäts- und Spezifitätswerte erreichen, nicht ohne Weiteres auf eine andere Patientenpopulation übertragbar. Denn während beispielsweise das Vorliegen einer Dysarthrophonie bei akuten Schlaganfallpatienten einen Aspirationsprädikator darstellt (Daniels 2000), gilt dies nicht für Parkinson-Syndrome (Warnecke und Dziewas 2018).

Doch auch die Therapie selbst kann ein wichtiger bzw. entscheidender Bestandteil der Diagnostik sein. So legt das Ansprechen eines beobachteten Symptoms auf einen bestimmten Wirkstoff das Vorliegen einer vermuteten Erkrankung nahe. Dieses, auch in vielen anderen Bereichen der Medizin genutzte Prinzip der sog. »therapeutischen Diagnostik«, kommt in der Evaluation von Schluckstörungen, beispielsweise in Form des FEES-Tensilon-Tests®, zur Anwendung ( Abb. 6.11). Aber auch die probatorische Einnahme eines Protonenpumpenhemmers kann bei einer unauffälligen Gastrokopie die Verdachtsdiagnose eines vom Patienten unbemerkten Refluxes (sog. »stiller Reflux«) bei Sistieren der Beschwerden nahelegen.

So handelt es sich im Wesentlichen um fünf immanente Aspekte der Schluckdiagnostik:

1. Bei Dysphagien unklarer Genese sollte versucht werden, einen Hinweis über den möglichen ätiologischen Hintergrund zu erhalten.

2. Ein möglichst genaues Beschreiben der vorliegenden Symptomatik (z. B. ein vorzeitiges Abgleiten des Bolus in den Pharynx, eine verzögerte Schluckflextriggerung oder eine Regurgitation).

3. Das Ableiten neuromuskulärer Dysfunktionen (Pathomechanismen), die die beobachteten Dysphagiesymptome hervorrufen.

4. Empfehlungen zur weiteren Differenzialdiagnostik

5. Die Evaluation möglicher therapeutischer Ansätze.

Bezüglich ätiologischer Zuordnungen und differenzialdiagnostischer Aspekte, sollte eine entsprechende Abklärung interdisziplinär ausgerichtet sein und umfasst – je nach klinischem Erscheinungsbild – unterschiedliche Professionen, wie z. B. Neurologie, HNO-Heilkunde, Gastroenterologie, Geriatrie, Kieferorthopädie, Logopädie und Radiologie.

5.1.1 Die Bedeutung apparativer Verfahren in der Dysphagiediagnostik

Apparative Verfahren sind ein evidenter Bestandteil der allgemeinen medizinischen Diagnostik und liefern zwei- bzw. dreidimensionale Abbildungen körperlicher Strukturen und Organe. Die dabei verwendete Untersuchungsmethode ist abhängig von der jeweiligen Fragestellung. So werden bei einem vermuteten zerebral-morphologischen Ereignis vor allem computer- oder magnetresonanztomografische Aufnahmen genutzt, während beispielsweise bei der Gefäßdopplersonografie, der arterielle Blutfluss zur Darstellung kommt und somit auch der dynamisch-funktionelle Aspekt eine Rolle spielt. Diese Unterscheidung zwischen anatomischer und funktioneller Bildgebung ist für die Schluckdiagnostik von besonderer Bedeutung, denn – wie in kaum einem anderen Bereich – geht es hier vor allem um die Darstellung fein aufeinander abgestimmter und orchestrierter biomechanischer Abläufe. Je hochauflösender dabei die Bildfolge, desto genauer die Möglichkeit des Erkennens von Störungen dieses Prozesses.

Während sich in den frühen 1960er und 1970er Jahren die apparative Schluckdiagnostik entweder »nur« auf den klassischen Ösophagusbreischluck zur Darstellung der ösophagealen Phase beschränkte und oropharyngeale Störungen – wenn überhaupt – nur mittels sehr geringer Bildfolgen untersucht wurden, haben sich in den letzten Jahrzehnten, nicht zuletzt aufgrund des technischen Fortschritts, die Möglichkeiten instrumenteller Schluckdiagnostik erheblich weiterentwickelt. Während die Videofluoroskopie zunächst als Goldstandard der Diagnostik oropharyngealer Dysphagien galt, hat sich in den letzten Jahren – vor allem durch die Möglichkeit der bettseitigen Diagnostik – die fiberendoskopische Schluckdiagnostik flächendeckend etabliert und ist inzwischen fast überall verfügbar.

Auch in der pharyngealen und ösophagealen Hochauflösungsmanometrie, sind für das Erfassen intraluminaler Druckereignisse inzwischen sehr dünne Sonden mit deutlich mehr Sensoren verfügbar und die Darstellung der Druckverläufe kann anhand von farbigen Druckkonturplots erfolgen ( Kap. 5.3.5 und Kap. 5.4.3).

Die einzelnen Verfahren der Schluckdiagnostik ergänzen sich somit im Hinblick auf die zu untersuchenden Aspekte des Schluckaktes und erlauben eine akkurate Differenzialdiagnostik.

Vor diesem Hintergrund sollten sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

• Die Möglichkeit der Videoaufzeichnung sollte gegeben sein, um die dynamischen und komplexen Abläufe in einzelnen Sequenzen der Bild-zu-Bild Analyse nachfolgend genauer beurteilen zu können und beispielsweise auch zeitliche Relationen zu erfassen (z. B. prä-, intra- oder postdeglutitive Aspiration).

• Die Extraktion aussagekräftiger Bilder sollte für die Befunddokumentation möglich sein.

Das diagnostische Vorgehen richtet sich nach der individuellen Fragestellung und den in der Anamnese und klinischen Diagnostik erhobenen Befunden. Bei V. a. das Vorliegen einer oropharyngealen Dysphagie ist die FEES das apparative Verfahren, was inzwischen meist als erstes zum Einsatz kommt, da es im klinischen Setting in Bezug auf die Durchführung besondere Vorteile bietet und inzwischen nahezu überall verfügbar ist. Allerdings ist damit auch ein ethischer Aspekt verbunden. So bedürfen Fragestellungen, die primär mittels einer endoskopischen Schluckdiagnostik beantwortet werden können, keiner Videofluoroskopie.

5.2 Anamnese

Die Anamnese dient dem systematischen und möglichst vollständigen Erfassen der Krankengeschichte des Patienten. Die Informationen werden dabei mittels Durchsicht der Patientenakte und dem strukturierten Anamnesegespräch gewonnen, wobei vor allem Angaben von Interesse sind, die möglicherweise direkt oder indirekt mit einer Dysphagie assoziiert sind. Relevante Aspekte sind daher u. a.:

• Aktuelles Vorliegen oder Z. n. einer mit dysphagieassoziierten Erkrankung

• Zeitpunkt des Auftretens der Erkrankung und Dauer der Symptomatik

• Art der ggf. bereits im Vorfeld erfolgten Diagnostik

• Z. n. (rezidivierenden) Pneumonie(en), (vor allem rechter Unterlappen!)

• ungewollte Gewichtsabnahme

• erhöhte Entzündungsparameter (CRP, Leukozyten)

• Aktuelle Pharmaka, die die Schluckfähigkeit beeinflussen könnten

Im Anamnesegespräch wird zwischen der direkten (Eigenanamnese) und der indirekten (Fremdanamnese) Anamnese unterschieden. Letztere kann sowohl als Ergänzung der Eigenanamnese, als auch bei eingeschränkter Kontaktierbarkeit oder Kommunikationsfähigkeit des Patienten, beispielsweise im Rahmen einer fortgeschrittenen Demenz oder schweren Aphasie, herangezogen werden ( Kasuistik 6.17.2). Unabhängig davon, ist ein früher Kontakt zu den Angehörigen auch vor dem Hintergrund der Therapieplanung und Beratung sehr wichtig.

Bereits aus der ersten Kontaktaufnahme zum Patienten kann der Untersucher wichtige Rückschlüsse auf mögliche Störungen der mit der schluckfähigkeitassoziierten Parameter ziehen. Hierbei spielen, neben der Beurteilung der Sprach- und Sprechfähigkeit sowie des Stimmklangs, der Wachheitsgrad, die Körperhaltung, wie auch Zeichen einer Malnutrition, Kachexie oder Exsikkose eine Rolle.

Im Weiteren sind in der Eigen- und/oder Fremdanamnese die nachfolgenden Fragen möglichst genau zu klären:

• Wie lange bestehen die Beschwerden schon und haben sie sich im Laufe der Zeit verändert?

• Trat die Schluckstörung plötzlich auf oder eher schleichend?

• Gibt es auch symptomfreie Intervalle?

• Wie ist die aktuelle Ernährungssituation (orale Ernährung ohne Kostformeinschränkung, oral mit Kostformeinschränkung, PEG-/PEJ-Anlage, nasogastrale Sonde, mit oder ohne orale Beikost)?

• Welche Symptomatik lässt sich beschreiben (z. B. Husten/Räuspern während oder nach den Mahlzeiten, erschwertes Kauen, Gefühl von Residuen)?

• Sind die Beschwerden konsistenzabhängig? – Werden bereits bestimmte Konsistenzen gemieden?

• Sind die Beschwerden tageszeitabhängig oder wird eine zunehmende Verschlechterung während einer Mahlzeit bemerkt?

• Können die Störungen genauer lokalisiert werden (oropharyngeal, ösophageal, gastral)?

• Ist die Speichelkontrolle eingeschränkt? – Kommt es zu einem Drooling?

• Besteht dabei das Gefühl, zu viel oder zu wenig Speichel im Mund zu haben?

• Gibt es Faktoren, die als hilfreich erlebt werden? (z. B. Änderung der Kopfhaltung, Nachtrinken, Temperatur der Speise etc.)

• Ist das Schlucken schmerzhaft?

• Haben sich Sprechen oder die Stimme verändert?

Hierbei sollte sowohl auf direkte als auch indirekte Hinweise für das Vorliegen einer Dysphagie geachtet werden:

Direkte Hinweise auf Dysphagie

• Husten/Räuspern, Atemnot während und nach den Mahlzeiten

• Speichelverlust aus dem Mundraum (Drooling)

• Bolus- oder Speichelverhalt im Oro- und Hypopharynx bzw. Ösophagus

• Austreten von Flüssigkeit oder Bolusbestandteilen aus der Nase

• Verlangsamtes Kauen

• Regurgitation

Indirekte Hinweise auf Dysphagie

• Rezidivierende Pneumonien/Bronchitiden

• Rezidivierend erhöhte Entzündungsparameter

• Veränderungen der Kopfhaltung während der Nahrungsaufnahme

• Meiden bestimmter Konsistenzen

• Verlängerte orale Nahrungsaufnahme

• Gewichtsabnahme/Kachexie

• Exsikkose

Allerdings sollte beachtet werden, dass bei manchen Betroffenen und deren Angehörigen ein fehlendes Problembewusstsein vorliegen kann. So kommt es im klinischen Alltag durchaus häufiger vor, dass selbst offensichtliche Aspirationshinweise vonseiten des Patienten oder der Angehörigen nicht mit einer Schluckstörung in Verbindung gebracht werden bzw. dieser Auffälligkeit eine nur geringe oder gar keine Bedeutung beigemessen wird (»Jeder verschluckt sich doch mal«).

Zur Unterstützung einer detaillierten Anamnese liegen inzwischen standardisierte Fragebögen vor, die für verschiedene Patientenpopulationen validiert wurden und zum einen spezifische Dysphagiesymptome erfassen, zum anderen auch Aspekte der Lebensqualität berücksichtigen.

• Anamnesebogen zur klinischen Errfassung von Schluckstörungen nach Hirnverletzung (Schröter-Morasch 1994)

• M.D. Anderson-Dysphagia-Inventory (MDADI) (Chen et al. 2001); (dtsch. Übers.: Schluckbezogene Lebensqualität bei Mundhöhlen-Karzinomen: Anderson-Dysphagia-Inventory deutsche Version) (Bauer 2010)

• Eating Assessment Tool (EAT-10) (Belafsky et al. 2008); (dtsch. Übers.: Schluckfragebogen EAT-10) (Zaretsky et al. 2018)

• Sydney Swallow Questionnaire (SSQ) (Wallace et al. 2000) (dtsch. Übers.: (SSQ-G) Hotzenköcherle 2011; Bohlender et al. 2021)

• Swallowing Quality of Life (Swal-QOL) (McHorney et al. 2002); (dtsch. Übers.: Fragebogen zur Lebensqualität von Personen mit Schluckbeschwerden) (Gabriel 2004).

• Swallowing Disturbance Questionnaire (SDQ) (Manor et al. 2007; Cohen und Manor 2011; dtsch. Übers.: Fragebogen zur Beurteilung von Dysphagien bei (Parkinson-) Patienten mit Schluckbeschwerden (Simons 2012)

• Münchner Dysphagie Test – Parkinson’s disease (MDT-PD) (Simons et al. 2014)

Der MDT-PD wurde zum Erfassen beginnender und leichtgradiger, parkinsonassoziierter Schluckstörungen von Simons et al. (2014) entwickelt und validiert.

Buhmann et al. (2018) konnten in einer kontrollierten Cross-sectional Beobachtungsstudie zeigen, dass der MDT-PD eine erhöhte Aspirationsneigung allerdings nicht hinreichend sicher detektiert.

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