Kitabı oxu: «Dialektik des geisteswissenschaftlichen Universums»

Şrift:

Horst-Joachim Rahn

Dialektik des

geisteswissenschaftlichen

Universums

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2016


Horst-J. Rahn (geb. 20. 02. 1944) studierte Betriebswirtschaftslehre, Pädagogik und Psychologie an der Universität Mannheim (1968 - 1972). In 1964 absolvierte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Firma Grünzweig & Hartmann AG in Ludwigshafen/​Rhein. Danach erwarb er dort als Ausbildungsleiter seine Führungserfahrungen und Praxis im Personal- und Ausbildungswesen. Seit 1975 hielt er an der Fachhochschule Ludwigshafen über 30 Jahre hinweg Vorlesungen u. a. über Personalwesen und Führungspsychologie. Außerdem nahm er Lehrtätigkeiten an der FH Heidelberg, BA Mannheim und an der IHK Ludwigshafen wahr. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Veröffentlichungen. In den letzten Jahren seiner schriftstellerischen Tätigkeit beschäftigte er sich mit dem Sinn des Lebens und insbesondere mit Aphorismen. Für seine bleibenden Verdienste an der FH Ludwigshafen wurde er in 2005 mit der Hochschulmedaille ausgezeichnet. Heute ist er im Ruhestand.

E-Mail: Horst.Rahn@t-online.de

Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Coverabbildungen (gemeinfrei):

Vorderseite (v. l. n. r.):

Goethe, von Ebner-Eschenbach, Marx, Papst Johannes XXIII.

Rückseite (v. l. n. r.):

Voltaire, Schlegel, Kant, Trotzky

Copyright (2016) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2016

Meinen Eltern gewidmet

Vorwort

Die Idee für dieses umfassende Werk basiert auf der Entdeckung, dass sich viele Aphorismen und Zitate zu bestimmten Stichworten als Thesen bzw. Antithesen eignen und im Ergebnis als thematische Synthese präsentierbar sind. Vor allem die Inhalte folgender Bücher haben mich zu diesem Buch angeregt: Einerseits das Zitatenhandbuch von Eberhard Puntsch (erschienen 1967 bei der Modernen Verlags-GmbH) und andererseits das Argumente-Buch (pro und contra) von Rudolf Walter Leonhardt aus dem Jahre 1974 (Piper-Verlag). Es reifte in mir der Wunsch, diese Inhalte grundsätzlich zu erweitern und durch viele Zitate der Literatur und durch zusätzliche Stichworte anzureichern. Hinzu kamen weitere Anregungen in 2012 nach Abschluss meiner Veröffentlichung zum „Sinn des Lebens – Erinnerungen und Postulate zur Lebensbewältigung“ und insbesondere die Veröffentlichung meiner Aphorismen in 2015 beim Engelsdorfer Verlag in Leipzig. Es ergab sich die Gelegenheit, die obigen Gedanken zu vollenden und unter Sichtung von dazu passender Literatur die vorliegenden Inhalte zusammenzutragen und sinnvoll zu ordnen. Dabei bin ich von folgendem Aufbau des Buches ausgegangen:

(1) Die Stichworte münden in die dialektische Betrachtung des Menschen, die Dialektik der Sinnbasis bzw. des philosophischen Überbaus, die dialektische Sicht der Welt und des theologischen Überbaus.

(2) Die Thesen zu den einzelnen Stichworten sind als Pro-Argumente zu verstehen, die jeweils ausdrücken, was für das jeweilige Argument spricht.

(3) Die Antithesen der Phänomene sind Contra-Argumente, die inhaltlich verdeutlichen, was jeweils gegen das Argument gerichtet ist.

(4) Die Synthese bildet die Conclusio als Schlussfolgerung, die insbesondere von meinem persönlichen Standpunkt getragen wird.

(5) Im Namensteil finden Sie ein Register mit den Hinweisen auf Daten der über eintausend großen Geister, welche mit ihren Weisheiten dieses Werk tragen.

(6) Im Literaturteil werden über achthundert ausgewählte Werke zitiert, deren Autoren sich um diese Thematik verdient gemacht haben. Über eintausend Fußnoten und ein Stichwortverzeichnis runden dieses Werk ab.

Schon Fichtes Dialektik ging vom Kampf der Gegensätze aus, dem ewigen Widerspruch der Polaritäten, die am Ende in die Zusammengehörigkeit des Verschiedenen münden. Nachdem ich mich viele Jahre lang ausschließlich mit betriebswirtschaftlicher und pädagogischer Literatur auseinandergesetzt habe, suchte ich nach neuen, ebenfalls interessanten Aufgaben und fand sie in obiger Aufgabenstellung. Der besondere Reiz eines solchen Werkes, in präziser Form, Thesen und Antithesen zusammenzutragen, liegt vor allem in der enorm hohen Abwechselung und in dem Ineinandergreifen natur- bzw. geisteswissenschaftlichen Gedankenguts. Bei der Sammlung dieser Thesen galt im Zweifel: „In der Kürze liegt die Würze!“ Damit wurden die Idee und der Versuch geboren, wesentliche Aussagen über das geisteswissenschaftliche Universum zu sammeln, zu ordnen und zu interpretieren.

Meine persönlichen Beiträge wurden dabei im Text jeweils mit einem Stern versehen.* Gerade die Darlegung der jeweiligen, persönlich geprägten Synthesegedanken in kompakter Form kann und will es nicht jedem Leser recht machen. Das kann auch nicht das Ziel sein, sondern das Buch möchte zur Unterhaltung beitragen, zum Nachdenken anregen und zur vernünftigen Gewinnung weiterer, interessanter Standpunkte verhelfen. In vielen Fällen sind zur Findung einer Konklusion als logischem Schluss vor allem Kompromisse notwendig. Auch Widerspruch ist erwünscht!

Grünstadt, im November 2015

Horst-Joachim Rahn

Gliederung

Cover

Titel

Der Autor

Impressum

Widmung

Vorwort

1. Grundlagen des geisteswissenschaftlichen Universums

1.1 Geisteswissenschaftliches Universum

1.2 Faszination der Dialektik

1.3 Wissenschaft und Forschung

1.4 Theorie und Praxis

2. Dialektische Betrachtungen des Menschen

2.1 Entwicklung des Menschen

2.1.1 Geburt

2.1.2 Kindheit

2.1.3 Jugend

2.1.4 Frau

2.1.5 Mann

2.1.6 Ehe

2.1.7 Altern

2.1.8 Sterben

2.1.9 Leben nach dem Tode?

2.2 Menschlicher Geist

2.2.1 Denken

2.2.2 Vernunft

2.2.3 Verstand

2.2.4 Gefühl

2.2.5 Wollen

2.2.6 Wissen

2.2.7 Gewissen

2.2.8 Klugheit

2.2.9 Dummheit

2.2.10 Intelligenz

2.3 Das Gute, das Böse und das Schöne

2.3.1 Das Gute und das Böse

2.3.2 Das Schöne

2.4 Tugenden des Menschen

2.4.1 Tapferkeit

2.4.2 Mut

2.4.3 Mäßigung

2.4.4 Dankbarkeit

2.4.5 Vertrauen

2.4.6 Ehrlichkeit

2.4.7 Besonnenheit

2.4.8 Hilfsbereitschaft

2.4.9 Barmherzigkeit

2.4.10 Hoffnung

2.4.11 Geduld

2.4.12 Fleiß

2.4.13 Bescheidenheit

2.4.14 Höflichkeit

2.4.15 Menschlichkeit

2.5 Untugenden des Menschen

2.5.1 Stolz

2.5.2 Geiz

2.5.3 Eitelkeit

2.5.4 Wollust

2.5.5 Zorn

2.5.6 Neid

2.5.7 Lüge

2.5.8 Faulheit

2.5.9 Völlerei

2.6 Antriebe des Menschen

2.6.1 Bedürfnis

2.6.2 Begehren

2.6.3 Egoismus

2.6.4 Leidenschaft

2.6.5 Ehrgeiz

2.7 Verhalten des Menschen

2.7.1 Aggression

2.7.2 Vorsicht

2.7.3 Anstand

2.7.4 Entschuldigung

2.7.5 Freundlichkeit

2.7.6 Anpassungsfähigkeit

2.7.7 Kritik

2.8 Gegebenheiten des Menschen

2.8.1 Ich

2.8.2 Du

2.8.3 Freundschaft

2.8.4 Ziel

2.8.5 Charakter

2.8.6 Vorbild

2.8.7 Ehre

2.8.8 Erfahrung

2.8.9 Ruhe

2.8.10 Freude

2.8.11 Emotionen

2.8.12 Humor

2.8.13 Selbsterkenntnis

2.9 Bittere Gegebenheiten

2.9.1 Einsamkeit

2.9.2 Leid

2.9.3 Not

2.9.4 Schmerz

3. Dialektik der Sinnbasis und des philosophischer Überbaus

3.1 Persönliche Sinnbasis

3.1.1 Leben

3.1.2 Lebensbewältigung

3.1.3 Lebensgrundsätze

3.1.4 Lebenssinn

3.2 Philosophischer Überbau

3.2.1 Wahrheit

3.2.2 Weisheit

3.2.3 Gerechtigkeit

3.2.4 Freiheit

3.2.5 Glück

3.2.6 Liebe

3.2.7 Zufriedenheit

4. Dialektische Sicht der Welt

4.1 Gesellschaft

4.1.1 Gemeinschaft

4.1.1.1 Nation und Vaterland

4.1.1.2 Orden und Ehrentitel

4.1.2 Politische Systeme und Anschauungen

4.1.2.1 Diktatur

4.1.2.2 Sozialismus/Kommunismus

4.1.2.3 Klassengesellschaft

4.1.2.4 Monarchie

4.1.2.5 Demokratie

4.1.3 Gesellschaftsprobleme

4.1.3.1 Streit

4.1.3.2 Mobbing

4.1.3.3 Frauenquote

4.1.3.4 Moral

4.1.3.5 Kongress

4.1.3.6 Großstadt

4.1.4 Rechtsprobleme

4.1.4.1 Schwangerschaftsabbruch

4.1.4.2 Todesstrafe

4.1.4.3 Tötung auf Verlangen

4.2 Kultur

4.2.1 Kunst

4.2.2 Kulturbereiche

4.2.2.1 Musik

4.2.2.2 Malerei

4.2.2.3 Festspiele

4.2.2.4 Drama

4.2.2.5 Dichtung

4.2.2.6 Theatersubventionen

4.2.3 Buchkultur

4.2.3.1 Bestseller

4.2.3.2 Bücher

4.2.3.3 Buchmesse

4.2.3.4 Schriftsteller

4.2.3.5 Fremdwörter

4.2.3.6 Aphorismen

4.2.3.7 Handgeschriebenes

4.2.3.8 Kleinschreibung

4.2.3.9 Klassiker

4.2.3.10 Journalismus

4.2.3.11 Literaturkritik

4.2.3.12 Stilblüten

4.2.4 Medienkultur

4.2.4.1 Fernsehen

4.2.4.2 Film

4.2.4.3 Internet

4.2.5 Verkehrskultur

4.2.5.1 Autofahren

4.2.5.2 Bahnreisen

4.2.5.3 Flugreisen

4.2.5.4 Schiffsreisen

4.2.5.5 Reisen ins Ausland

4.2.5.6 Sportwagen

4.2.5.7 Motorradfahren

4.2.5.8 Radfahren

4.2.6 Ernährungskultur

4.2.6.1 Essen und Trinken

4.2.6.2 Alkoholkonsum

4.2.6.3 Cocktail

4.2.7 Lebenskultur

4.2.7.1 Feste

4.2.7.2 Abendanzug

4.2.7.3 Feuerwerk

4.2.7.4 Bordelle

4.2.7.5 Zigaretten

4.2.7.6 Camping

4.2.7.7 Folklore

4.2.7.8 Heimat

4.2.7.9 Freikörperkultur

4.2.7.10 Frühaufsteher

4.2.7.11 Sex

4.2.7.12 Zeitumstellung

4.2.8 Sportkultur

4.2.8.1 Fußball

4.2.8.2 Videobeweis (Fußball)

4.2.8.3 Olympische Spiele

4.2.8.4 Reiten

4.2.8.5 Wandern

4.2.9 Kulturtechniken

4.2.9.1 Reden

4.2.9.2 Schreiben

4.2.9.3 Lesen

4.2.9.4 Rechnen

4.2.9.5 Spielen

4.2.9.6 Schachspiel

4.2.9.7 Tanzen

4.3 Natur

4.3.1 Biologie

4.3.2 Chemie

4.3.3 Entdeckung

4.3.4 Experiment

4.3.5 Forschung

4.3.6 Fortschritt

4.3.7 Medizin

4.3.7.1 Gesundheit

4.3.7.2 Krankheit

4.3.8 Physik

4.3.9 Technik

4.3.10 Tiere

4.3.10.1 Hunde

4.3.10.2 Katzen

4.3.11 Jahreszeiten

4.4 Erziehung

4.4.1 Erziehungsbereiche

4.4.1.1 Abitur

4.4.1.2 Studium

4.4.1.3 Numerus clausus

4.4.1.4 Bildung

4.4.1.5 Berufswahl

4.4.2 Erziehungspersonen-/institutionen

4.4.2.1 Eltern

4.4.2.2 Familie

4.4.2.3 Vorschulerziehung

4.4.2.4 Schule

4.4.2.5 Schulfreier Samstag

4.4.3 Erziehungsmaßnahmen

4.4.3.1 Gespräch

4.4.3.2 Strenge

4.4.3.3 Lob

4.4.3.4 Tadel

4.4.3.5 Schulnoten

4.4.3.6 Hausaufgaben

4.4.4 Erziehungsprozesse

4.4.4.1 Lehren

4.4.4.2 Lernen

4.4.4.3 Latein

4.4.4.4 Mündliche Prüfung

4.4.5 Erziehungsmerkmale

4.4.5.1 Autorität

4.4.5.2 Persönlichkeit

4.5 Politik

4.5.1 Frieden

4.5.2 Gewalt

4.5.3 Gesetz und Ordnung

4.5.4 Macht

4.5.5 Lobbyismus

4.5.6 Militär und Krieg

4.5.7 Parlamentsdebatten

4.5.8 Podiumsdiskussionen

4.5.9 Bundespräsident

4.5.10 Rassentrennung

4.5.11 Strategie

4.5.12 Wahlkampf

4.6 Wirtschaft

4.6.1 Wirtschaftordnungen

4.6.1.1 Marktwirtschaft

4.6.1.2 Zentralverwaltungswirtschaft

4.6.1.3 Kapitalismus

4.6.2 Unternehmungsformen

4.6.2.1 Aktiengesellschaft

4.6.2.2 GmbH

4.6.2.3 OHG

4.6.2.4 Kommanditgesellschaft

4.6.3 Wirtschaftselemente

4.6.3.1 Arbeit

4.6.3.2 Arbeitsteilung

4.6.3.3 Betrug

4.6.3.4 Bewirtungsaufwand

4.6.3.5 Computer

4.6.3.6 Fehler

4.6.3.7 Gerücht

4.6.3.8 Globalisierung

4.6.3.9 Hauseigentum

4.6.3.10 Ideen

4.6.3.11 Innovation

4.6.3.12 Irrtum

4.6.3.13 Recht

4.6.3.14 Sonntagsarbeit

4.6.4 Wirtschaftsfaktoren

4.6.4.1 Kapital

4.6.4.2 Geld

4.6.4.3 Einkommen

4.6.4.4 Gewinn

4.6.4.5 Erfolg

4.6.5 Führung

4.6.5.1 Unternehmer

4.6.5.2 Führungskraft

4.6.5.3 Karriere

4.6.5.4 Gruppe

4.6.5.5 Gruppenarbeit

4.6.5.6 Projektgruppe

4.6.5.7 Matrixorganisation

4.6.5.8 Kommunikation

4.6.5.9 Aufgabe

4.6.5.10 Kompetenz

4.6.5.11 Verantwortung

4.6.5.12 Delegation

4.6.5.13 Planung

4.6.5.14 Stellenbeschreibung

4.6.5.15 Leistungsbeurteilung

4.6.5.16 Vorgesetztenbeurteilung

4.6.5.17 Vorstandsgehälter

4.6.5.18 Strategische Allianzen

4.6.5.19 Zentralisation

5. Dialektik des theologischen Überbaus

5.1 Schöpfung

5.2 Evolution

5.3 Himmel

5.4 Seele

5.5 Glaube

5.6 Kirchenaustritt

5.7 Weihnachten

5.8 Religion

5.9 Christentum

5.10 Gott

5.11 Gebet

5.12 Zehn Gebote

Gesamtfazit

6. Namensregister

7. Literaturverzeichnis

8. Stichwortverzeichnis

Fußnoten

1. Grundlagen des geisteswissenschaftlichen Universums

Das Universum als Kosmos1 bezeichnet in der Physik die umfassende Anordnung aller Materie und Energie. Dabei ist das Gegebene aus der Zeit heraus bedingt.2 Es ist das zu einem Ganzen zusammengefasste Weltall.3 Im Gegensatz zu diesem Universum mit der Sonne, der Milchstraße, den Sternen, dem Mond und der Erde besteht das geisteswissenschaftliche Universum insbesondere aus Gott, dem Gebet, dem Himmel, der Welt, der Gesellschaft und dem Menschen. Gott ist hier das Zentrum des geisteswissenschaftlichen Universums. Das erstgenannte Universum wird von den Naturwissenschaften4 analysiert.

1.1 Geisteswissenschaftliches Universum

„Das geisteswissenschaftliche Universum ist ein theoretisches Konstrukt als spezielle Gesamtordnung in Form einer mehrdimensionalen Raum-Zeit-Welt. Es ist insbesondere Gegenstand theologischer und philosophischer Betrachtungen und zeigt den Wirkzusammenhang zwischen Gott, der Gesellschaft, dem Menschen und seiner Welt.“5 Wir gehen davon aus, dass die Philosophie die Wissenschaft der Wahrheit ist (Aristoteles) und dass die Theologie die Lehre von Gott im Himmel, des Glaubens und der Glaubensdokumente darstellt. Aber auch andere Geisteswissenschaften tangieren dieses Thema. Theologie und Philosophie bilden in der Welt des Menschen als Metaebene den theoretischen Überbau und damit das Äquivalent zu dessen persönlicher Sinnbasis,6 die sich mit dem Sinn des menschlichen Lebens auseinandersetzt.

Der Philosoph Konrad P. Liessmann beschäftigte sich intensiv mit dem „Universum der Dinge.“ Nach seiner Auffassung geht es im Grunde bei dieser Betrachtung der Welt des Menschen darum, viele Dinge, mit denen wir es täglich zu tun haben, besser zu verstehen.7 Die Welt des Menschen ist unvorstellbar groß, aber der einzelne Mensch ist darin nur ein ganz kleines, aber bedeutendes Element. Mit seinem Geist (z. B. Intelligenz, Denken, Gefühl, Wollen, Wissen, Gewissen), seinen Tugenden und Untugenden, seinem bewussten Erleben (z. B. Wahrnehmung, Emotionen, Liebe), seiner inneren Haltung (z. B. Gesinnung, Besonnenheit, Mut), seinem Handeln (z. B. Verhalten), seinem Umfeld (z. B. Das Böse, das Gute, die Natur) und dem Ergebnis des Handelns (z. B. Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit) bildet er Ansatzpunkte für tiefere dialektische Betrachtungen. Das Ziel dieser Arbeit besteht darin Wege aufzuzeigen, wie sich der Mensch in dem großen geisteswissenschaftlichen Universum besser zurechtfinden kann.

1.2 Faszination der Dialektik

Wir wollen den Versuch wagen, das schwierig zu erfassende geisteswissenschaftliche Universum mit der Methode der Dialektik zu ergründen und zu beschreiben. „Wir können das geisteswissenschaftliche Universum in seiner Gesamtheit bzw. Funktionsweise nicht vollständig erklären, weil es unübersehbar komplex ist und uns Menschen dazu die Kenntnisse fehlen.“*

Der Begriff Dialektik wird in der philosophischen Literatur sehr unterschiedlich verwendet.8 Johann Gottlieb Fichte spricht 1794 das erste Mal von einem synthetischen Verfahren, welches die Vereinigung der Gegensätze von These und Antithese zum Zweck hat.9 Der Philosoph F. W. J. Schelling10 behauptet, dass die Triade als Dreiheit von These-Antithese und Synthese der Entwicklung in Natur und Geschichte entspricht. „In der durchgängigen Tiefe und Breite zu analysierender Inhalte des geisteswissenschaftlichen Universums gewinnt die dialektische Methode nicht nur für den Dialektiker eine gewisse Faszination.“* Dieser ist ein Mensch, „… der das Für und Wider einer Sache scharfsinnig darlegen Widersprüche, die im Denken auftauchen, geschickt erklären und lösen kann.“11

Vereinfachend lässt sich der Zusammenhang in folgender Weise ausdrücken:

► Eine These ist eine allgemeine Aussage, die das Wesentliche aus einem Aussagenkomplex zur Geltung bringen soll. Thesen sind als Pro-Argumente zu verstehen, die jeweils zeigen sollen, was für das jeweilige Argument spricht.

► Eine Antithese ist die auf das Wesentliche begrenzte Gegenbehauptung zu einer These. Die Antithesen sind also Contra-Argumente, die detailliert angeben, was gegen das jeweilige Argument spricht.

► Die Synthese bildet den Versuch einer sinnvollen Verknüpfung von These bzw. Antithese und bildet dabei die Conclusio als Schlussfolgerung, die z. B. von einem persönlichen Standpunkt getragen wird und im Ergebnis als subjektiv zu interpretieren ist.

Die dialektische Sicht des geisteswissenschaftlichen Universums soll zunächst am Beispiel des Menschen und seiner Welt beschreiben werden. Die vielen Aphorismen, Thesen, Fußnoten, Sprüche und Aussagen dieses kompakten Werkes stammen von vielen großen Geistern und wurden in mehrjähriger, zeitlich sehr aufwändiger Arbeit jahrelang gesammelt und später systematisch geordnet.12 Es kommen in diesem Buch viele Meinungen zu Wort, die nicht alle im Einzelnen reflektiert werden können. Es ist ein weiteres Ziel dieser Arbeit, den Leser mit den Thesen bzw. Antithesen und Synthese zum Genießen, zum Nachdenken, und zur vertiefenden Diskussion anzuregen.

1.3 Wissenschaft und Forschung

Der große englische Dichter W. Shakespeare sagte: „Wissenschaft, was für ein Segen bist du!“ Die Wissenschaft ist der Erwerb von neuem Wissen durch Forschung, seine Weitergabe durch die Lehre sowie die Gesamtheit des so erworbenen Wissens. Die Tätigkeit eines Forschers besteht darin, Sätze oder Systeme von Sätzen aufzustellen und systematisch zu überprüfen.13 Forschung ist die methodische Suche nach neuen Erkenntnissen, ihre systematische Dokumentation und Veröffentlichung in Form wissenschaftlicher Arbeiten. „Für mich ist das wissenschaftliche Arbeiten die Krone des menschlichen Tätigseins überhaupt.“*

Wir unterscheiden14 Metawissenschaften (z. B. Philosophie, Theologie), Naturwissenschaften (z. B. Physik, Chemie, Biologie, Geologie, Medizin, Informatik), Geisteswissenschaften15 (z. B. Rechtswissenschaft, Pädagogik, Psychologie, Soziologie, Geschichte, Sprachwissenschaften, VWL, BWL) und Formalwissenschaften, z. B. Logik, Mathematik. Was will die Wissenschaft? „Sehen, um vorauszusehen, so lautet der Spruch der wahrhaften Wissenschaft“ (A. Comte). Dabei gilt: „Missbrauchte Begriffe sind nicht mehr unschuldig“ (U. Erckenbrecht). Die Wissenschaft sucht insbesondere nach Begründungen. Aber sie stellt klar: „Wo keine Wirkung ist, braucht man keine Ursache zu suchen“ (Rousseau). Bezogen auf das obige Thema der Dialektik des geisteswissenschaftlichen Universums imponiert die Feststellung: „Nichts in der Welt ist stärker als eine Idee, für die die Zeit gekommen ist“ (V. Hugo). Zum Schluss: „Ihrer wahren Wesensbestimmung nach ist die Wissenschaft das Studium der Schönheit der Welt“ (S. Weil). Auch die Wissenschaft lässt sich dialektisch betrachten.

► „Die Wissenschaft nährt die Jugend und ergötzt das Alter“ (Cicero). „Sie ist ewig in ihrem Quell, unermesslich in ihrem Umfang, endlos in ihrer Aufgabe, unerreichbar in ihrem Ziel“ (K.E. von Baer). „Wissenschaft ist nichts als geordneter und erprobter, gesunder Menschenverstand“ (T.H. Huxley). „Persönlichkeit auf wissenschaftlichem Gebiet hat nur der, der rein der Sache dient“ (M. Weber). „Als namhafter Wissenschaftler haftet man mit seinem Namen“ (G. Uhlenbruck). Erfolgreiche Menschen würdigen aber auch die Leistungen ihrer Mitstreiter: „Wenn ich weiter als andere gesehen habe, dann nur deshalb, weil ich auf der Schulter von Giganten stand“ (I. Newton). Die folgende Bemerkung ist von großer Bedeutung: „Die Wissenschaft ist immer Diener, aber sie darf nicht dienen“ (T.H. Huxley).

► Auch die Wissenschaft wird kritisch beurteilt.16 „Wer den Kern der Sache trifft, zerstört dabei oft die Frucht, die ihn so attraktiv macht“ (A. Bechstein). Interessant ist auch folgende Aussage: „Manches wird erst kompliziert, wenn man es möglichst einfach erklären will“ (E. Ferstl). Wissenschaftliches Arbeiten führt nicht zwangsläufig zum Erfolg: „Die Gelehrsamkeit kann auch ins Laub treiben, ohne Früchte zu tragen“ (G.C. Lichtenberg). Der Menschenkenner F.W. Nietzsche stellt fest: „Sie sind kalt, diese Gelehrten!“ Es gibt aber auch gefühlvolle Wissenschaftler!

Insbesondere Fußnoten prägen die Wissenschaft: „Fußnoten sind die Schweißperlen des Forscherfleißes“ (U. Erckenbrecht). „Wissenschaftliche Kontrahenden versetzen sich gegenseitig Fußnoten“ (H.J. Quadbeck-Seeger). Nachweisbar ist: „Es gibt Wissenschaftler, die Probleme erledigen und es gibt Probleme, die Wissenschaftler erledigen“ (S. Latzel). J.W. von Goethe wirft die Frage auf: „Was ist denn die Wissenschaft? Sie ist nur des Lebens Kraft. Ihr erzeuget nicht das Leben. Leben erst muss Leben geben.“ Eigentlich schade ist: „Wissenschaft belehrt nur den Klugen“ (aus Russland). Was fällt dem Wissenschaftler schwer? „Nichts fällt Wissenschaftlern schwerer als ein Umzug in ein neues Theoriengebäude“ (H.J. Quadbeck-Seeger). Leider gilt zeitlos: „Auch die Wissenschaft hat ihre Selbstsucht“ (F.C. Overbeck). Oder: „In der Wissenschaft ist einer der stärksten Kräfte der Neid“ (W. von Humboldt). Und es gilt zeitlos: „Wo der Glaube anfängt, hört die Wissenschaft auf“ (E. Haeckel). „Wissenschaft fängt eigentlich erst da an interessant zu werden, wo sie aufhört“ (J. von Liebig). Da sind wir beim Thema!

► Fassen wir zusammen: „Vollgestopft mit Wissenschaft und Technik begreifen wir heute, dass der Verstand allein die Leute nicht klug macht“17 (P. Bosmans). „Trotz der Wunder von Wissenschaft und Technik sind die tiefen menschlichen Probleme geblieben“ (Dalai Lama). Außerdem: „Wissenschaftliche Revolutionen sind selten“*18 A. Einstein sagte einmal: „… dass der Wissenschaftler vor die Wahl gestellt ist, entweder verständlich und oberflächlich oder gründlich und unverständlich zu schreiben.“ Das ist nach seiner Auffassung nicht immer richtig: „Im Prinzip sollte jeder Mensch die Ergebnisse der Forschung nachvollziehen, überprüfen und für sich selbst nutzen können.“ Ein weiterer Experte hat in einem Vorwort folgendes betont:

„Erst wenn der Wissenschaftler aus dem berüchtigten Elfenbeinturm seiner Wissenschaft herauskommt, merkt er, wie klein eigentlich sein eigener Beitrag zu der Gesamtheit des Menschenwissens ist“

(Konrad Lorenz)

„Wissenschaft ist heute keine allein nationale Begebenheit mehr, weil sich die Globalisierung auch hier zeigt“ (H.J. Quadbeck-Seeger). Zum Schluss: „Der Wissenschaftler soll zwar die Wissenschaft ernst nehmen, aber er darf sich nicht selbst ernst nehmen“ (P. Blanchard).

1.4 Theorie und Praxis

Eine Theorie19 ist eine Menge von Gesetzen, die durch logische Ableitbarkeitsbeziehungen miteinander verbunden ist. Sie bildet ein System von Sätzen, dessen Axiome und Theoreme als Hypothesen zu interpretieren sind, beispielsweise als Wenn – Dann – Aussagen.20 Die Tätigkeit eines Forschers besteht darin, solche Sätze oder Systeme von Sätzen aufzustellen und systematisch zu überprüfen. Mit Theorien beschäftigt sich auch die Wissenschaftstheorie. Die Praxis zeigt sich in den Gegebenheiten der Wirklichkeit und in der Anwendung im Alltag.21 Sie versteht sich als tätige Auseinandersetzung mit der Realität und ist durch Vollendung, Taten und Handlungen gekennzeichnet. Theorie und Praxis stehen sich auch im geisteswissenschaftlichen Universum gegenüber. Dazu äußern sich sowohl Naturwissenschaftler als auch Geisteswissenschaftler.

► Grundsätzlich gilt: „Unsere Theorien sind unsere Erfindungen …“ (K. Popper). Bewährte Theorien halten sich hartnäckig: „Denn je bewährter eine bestehende Theorie ist, umso empfindlicher und widersetzlicher zeigt sie sich gegenüber allen Abänderungsversuchen“ (M. Planck). Folgender Vergleich ist gelungen: „Theorie bringt Licht in die Praxis; Praxis bringt Leben in die Theorie“ (H.J. Quadbeck-Seeger).22 Die Erfahrung zeigt: „Praktiker erfahren oft sehr schmerzlich, dass ihnen die Theorie gefehlt hat“ (F.P. Rinnhofer). „Man kann Theoretikern vieles unterstellen – aber einen großen Wagemut besitzen sie“ (M.G. Reisenberg). Zum Schluss: „Theorie ist die Mutter der Praxis“ (L. Pasteur).

► Aber: „Grau, teurer Freund ist alle Theorie …“(J.W. von Goethe). „Mitunter wird die Theorie von der Praxis übertroffen“ (unbekannt). „Die Tragödie der Wissenschaft – das Erschlagen einer schönen Hypothese durch eine hässliche Tatsache“ (T.H. Huxley). „Theorien können ins Kraut schießen und seltsame Blüten treiben“ (H.J. Quadbeck-Seeger). „Praxis ohne Theorie leistet immer noch mehr als Theorie ohne Praxis“ (Quintilean). Auch: „Die meisten Theorien sterben in der Praxis“ (E. Limpach). Aber: „Theorie bereitet keineswegs auf die Praxis vor“ (L. Maisel). Zum Schluss: „Die Praxis ist die Quelle der Theorie“ (A. Saheb) bzw. „Die Praxis ist der Reißwolf der Theorie“ (H. Schmid).

► Mein Fazit: „Praxis ohne Theorie ist blind, Theorie ohne Praxis unfruchtbar“ (J.D. Bernal). Beide sollen sich gegenseitig ergänzen, wie es z. B. Leonardo da Vinci ausdrückte: „Stets muss die Praxis auf guter Theorie beruhen.“ Die Praxis sollte das Ergebnis des Nachdenkens sein, nicht umgekehrt“ (H. Hesse). Und es gilt zeitlos: „Theorien zu entwickeln bedarf es einer ausreichenden Praxis“ (M.G. Reisenberg). I. Kant sagte: „Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie.“ Dabei soll eine gute Theorie Erklärungswert besitzen, andere Wissenschaften befruchten und auch Prognosen ermöglichen. Demgegenüber korrigiert und bereichert die Praxis menschliche Erkenntnisse, verhindert die Erstarrung von Theorien und orientiert sich an aktuell, zeitlich oder örtlich anstehenden Gegebenheiten. „In der Theorie gibt es keinen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. In der Praxis schon“ (J. Berra). Zum Nachdenken: „Die Theorie verhält sich zur Praxis oft, wie die Behauptung zur Enthauptung“ (K. von Welser). Dazu passend:

„Theorie ist, wenn nichts klappt und jeder weiß warum. Praxis ist, wenn alles klappt und keiner weiß warum. Wir vereinen Theorie und Praxis: Nichts klappt und keiner weiß warum“

(unbekannt)

Wer die Realität kennt, weiß, dass Theoretiker und Praktiker nicht immer miteinander harmonieren: „Theorie und Praxis sind Partner, aber nicht immer Freunde“ (H.J. Quadbeck-Seeger). „Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist nicht so groß, wie der zwischen Praktikern und Theoretikern“ (H.J. Quadbeck-Seeger). Dazu die Forderung: „Eine gute wissenschaftliche Theorie sollte einer Bardame erklärbar sein“ (E. Rutherford). Zum Schluss humorvoll: „Im Niemandsland zwischen Theorie und Praxis blühen die Hypothesen“ (H.J. Quadbeck-Seeger).

2. Dialektische Betrachtungen des Menschen

Die dialektische Betrachtung des Menschen als Teil des geisteswissenschaftlichen Universums bezieht sich mit ihren Thesen, Antithesen und Synthesen auf die Entwicklung bzw. den Geist des Menschen, auf das Böse, das Gute und das Schöne, auf die Tugenden und die Untugenden, auf die Antriebe, auf das Verhalten und darüber hinaus auf bestimmte Gegebenheiten. Von großer Bedeutung für die Entwicklung des Menschen im geisteswissenschaftlichen Universum sind Wechselwirkungen zwischen genetischen, ökologischen, sozialen und kulturellen Faktoren. Wo steht der Mensch? „Der Mensch steht in der Mitte der Schöpfung, zwischen Stoff und Geist, zwischen Zeit und Ewigkeit“ (A. Magnus). Mit der Erforschung des Menschen als kulturell und gesellschaftlich geprägtem Lebewesen befassen sich u. a. die Anthropologie23, die Sozialwissenschaften, die Philosophie und die Psychologie. Mit der Typologie des Menschen hat sich insbesondere die Psychologie intensiv auseinandergesetzt. Der Mensch wird auch in der Philosophie unterschiedlich betrachtet:

► Anerkennend sagt W. Shakespeare: „Welch ein Meisterwerk ist der Mensch! Wie edel durch Vernunft! Wie unbegrenzt an Fähigkeiten …“ Proragoras würdigt das Individuum ebenfalls: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge.“ J.W. von Goethe stellt fest: „Die Menschen sind, trotz allen ihren Mängeln, das Liebenswürdigste, was es gibt.“ Dazu treffend: „Es gibt Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen“ (G. de Montpassant). Und ergänzend: „Wie liebenswert ist der Mensch, wenn er wirklich ein Mensch ist“ (Menander). Noch stärker ausgedrückt: „Der Mensch ist ein Volltreffer der Evolution“ (H.S. Markl). Deshalb gilt ihm unsere Sorge: „Die Sorge um den Menschen selbst und sein Schicksal muss stets das Hauptanliegen der fachwissenschaftlichen Bestrebungen sein“ (A. Einstein). „Jeder große Mensch entnimmt allen Dingen und allen Menschen Gutes“ (J. Ruskin). Von besonderer Bedeutung sind dabei die Gene und die Augen: „Die Gene sind Ketten, die uns mit Ahnen und Verwandten verbinden“ (H.J. Quadbeck-Seeger). „Die Augen sind Fenster ins Innere“ (H. Lahm). Ganz anders urteilt C. Powell: „Die Menschen in meinem Leben haben mich zu dem gemacht, der ich bin.“ F. von Schiller sucht den Bezug zur Natur: „Der gebildete Mensch macht die Natur zu seinem Freund.“ Am Ende noch eine positive These: Das Leben ist für den Menschen schön, wenn er es nimmt wie es ist.24

► Nicht alle Menschen haben mit Menschen gute Erfahrungen gemacht: „Mensch: Grausame Zumutung der Schöpfung“ (P. Rudi). Mancher Experte äußert sich weniger anerkennend: „Was ist der Mensch? Jedenfalls nicht das, was er sich einbildet zu sein, nämlich die Krone der Schöpfung“ (W. Raabe). Auch Molière äußert sich negativ: „Der Mensch ist, ich gesteh’ es Euch, ein böses Lebewesen.“ K. Kraus kommt zu folgendem Ergebnis: „Menschsein ist irrig.“ Auch lässt sich feststellen: „Über jeden Menschen gibt es etwas Negatives zu berichten, man muss nur intensiv danach suchen.“* Ein weiteres Urteil: „Der Mensch kommt unter den Tieren der Welt dem Affen am nächsten“ (G.C. Lichtenberg). Realistische Aussage: „Es hat keinen Sinn, dem Spiegel die Schuld zu geben, wenn das Gesicht entstellt ist“ (N.W. Gogol). Oder global gesehen: „Der Mensch verkommt in der heutigen Zeit zur bloßen Nummer“ (M. Wichor). Bedauerndes Urteil: „Mensch, du armer, Lebensgehetzter, ewig hoffender, ewig getäuschter Tantalus“ (Otto Ludwig). „Galaktisch gesehen sind wir völlig unbedeutend“ (A. Maggauer-Kirsche). Mitunter sind wir an manchen negativen Entwicklungen selbst nicht ganz schuldlos, denn: „Wer sich selbst zu wichtig nimmt, menschlich immer tiefer sinkt.“* Und zum Schluss: „Menschen, auf die kein Verlass ist, sollte man verlassen“ (G. Uhlenbruck).

► Zusammenfassung: Wir haben erkannt, dass die Menschen von unterschiedlichen Bedürfnisse ausgehen: „In jedem Menschen sind zu jeder Stunde gleichzeitig Begehren mächtig, das eine nach Gott und das andere nach Satan“ (C. Baudelaire). Die obigen Expertenurteile über Menschen bewegen sich zwischen den extremen Möglichkeiten des Menschen als Volltreffer der Evolution bzw. einer grausamer Zumutung durch die Schöpfung. Die Wahrheit liegt wohl dazwischen: „Nehmen Sie die Menschen wie sie sind, andere gibt’s nicht“ (K. Adenauer). Oder mathematisch ausgedrückt: „M4 = Man Muss Menschen Mögen“ (C.K. Rath). Pfiffig: „Dass der Mensch das edelste Geschöpf sei, lässt sich auch schon daraus annehmen, dass ihm noch kein anderes Geschöpf widersprochen hat“ (G.C. Lichtenberg). Die Schauspielerin Tsa Tsa Gabor kommt zu folgendem Ergebnis: „Menschen, an denen nichts auszusetzen ist, haben nur einen, allerdings entscheidenden Fehler: sie sind uninteressant.“

Zu den wesentlichen Merkmalen des Menschen gehören das Angewiesensein auf mitmenschliche Zuwendung in der Kindheit, das Sprechen lernen, geistige Anlagen bzw. kulturelle und soziale Bindungen. Menschen stellen sich Fragen nach ihrer persönlichen Freiheit, nach ihrer Stellung in der Natur und nach der Lebensaufgabe: „Die Hauptaufgabe des Menschen sollte es sein, andere Menschen glücklich zu machen“ (B. Stramke). Dabei ist folgender Rat zu beherzigen: „Wo immer du lebst, achte den Menschen!“* „Dem Menschen selbst ist gar nicht so recht bewusst, wie klein er letztlich in dieser großen Welt ist.“* Nicht erst beim Besuch der Großen Mauer im Nordwesten von Peking in 2006 wurde mir klar, dass wir alle nur ein winziges Rädchen in dem großen geisteswissenschaftlichen Universum sind. Ich habe noch nie in meinem Leben eine so große Menschenmenge auf einem Bauwerk gesehen.

Die Bewältigung des Lebens durch den Menschen zeigt sich in der Art und Weise, wie er sein individuelles Dasein meistert. „Weise Lebensführung gelingt keinem Menschen durch Zufall“ (Seneca). Ein frommer Mann sagte einmal: „Herr, ich wollte, daß ich wäre ein Mensch nach Deinem Willen.“ (A. Magnus). Jeder Mensch, der den Erfolg sucht, muss mit Bedacht auswählen, in welchen Fällen er welche Maßnahmen ergreift, um jeweils das richtige tun zu können. Trotzdem gibt es für die Praxis keine Patentrezepte. Auch durch Alltagssorgen darf man sich nicht von einer grundsätzlich positiven Lebenseinstellung abbringen lassen. „Letztlich wird derjenige eher zufrieden und glücklich werden, der es versteht, negative Lebenserfahrungen positiv zu verarbeiten.“*25

2.1 Entwicklung des Menschen

Die Entwicklung des Menschen lässt sich von der Geburt aus, über das Kindheits-, Jugend-, Erwachsenenalter (Mann und Frau) bis zum Tode und danach darstellen. „Die Gegenwart reicht von der Geburt bis zum Tod“ (A. Eilers). Wobei festzustellen ist: „Bei der Geburt weinen wir, beim Tode sehen wir warum“ (aus Bulgarien). Sehr kompakt: „Zweimal sind wir unbeschwert von jedem Gepäck: bei der Geburt und beim Tod“ (F. Löchner). Dabei gilt: „Die Geburt bringt nur das Sein zur Welt; die Person wird im Leben erschaffen“ (Th. S. Jouffroy). Der Menschenkenner A. Schopenhauer sagt: „Nach dem Tode wirst du das sein, was du vor deiner Geburt warst.“ Die einzelnen Phasen der Entwicklung des Menschen werden nun in dialektischer Sicht interpretiert.

2.1.1 Geburt

Die Geburt des Menschen ist der Prozess am Ende einer Schwangerschaft und hat in jedem Leben eine Kulturgeschichte.26 Ich erblickte am 20. Februar 1944 in dem kleinen – aber sehr liebenswerten – Städtchen Olbernhau27 im mittleren Erzgebirge (440 m NN)28 in Sachsen29 das Licht der Welt. Auch die Geburt des Menschen lässt sich aus dialektischer Sicht beurteilen:

► „Die Geburt eines Kindes ist ein Glück über alles“ (A. Necker-Saussure). Wie ist das zu beurteilen? „Wenigstens mit seiner Geburt macht jeder Mensch einen Fortschritt“ (M.G. Reisenberg). Kontaktfreude wird meistens schon in die Wiege gelegt: „Freundlichen Menschen schenkt Gott schon bei der Geburt den Schlüssel zu anderen Herzen“ (E. Joung). Wir sind in der Regel nicht allein: „Gleich von Geburt an begleitet einen jeden ein Schutzgeist, der unbemerkt sein Leben leitet“ (Menander). Deshalb kommen wir aus positiver Sicht zum Ergebnis: „Das beste Rezept auf Erden ist das der Geburt“ (W. Fürst). Allerdings hat das alles auch eine Gegenseite:

► Etwas hart ausgedrückt: „Gleich nach der Geburt bekommt man lebenslang“ (unbekannt). Und: „Der Tod ist der Antipode der Geburt“ (W. Meurer). Manche Babys werden in eine schwierige Welt „hineingeworfen“: „Alkoholkinder sind schon vor der Geburt bestraft“ (M. Hinrich). Und eine für einen so erfolgreichen Menschen erstaunliche Feststellung: „Meine Geburt war das erste meiner Missgeschicke“ (J.J. Rousseau). Auch: „Manche verderben es schon von Geburt an mit sich selbst“ (M.G. Reisenberg). Der Amtsschimmel greift für alle schon früh zu: „Mit der Geburt beginnen leider auch die behördlichen Verfolgungen“ (M.G. Reisenberg).

► Fazit: Die Geburt eines Menschen ist für die Betroffenen ein kaum zu beschreibendes Erlebnis, weil es unter normalen Umständen mit einem „Glück über alles“ verbunden ist. Eine Schwangerschaft dauert durchschnittlich 266 Tage und endet, wenn der Fötus die Gebärmutter der Mutter verlässt. Die Dauer der Geburt ist unterschiedlich; statistisch gesehen wird mit 13 Stunden für Erstgebärende gerechnet und 8 Stunden für Mütter, die bereits ein Kind geboren haben. Eine erfolgreiche Geburt erfordert eine gute Vorbereitung30 und eine gute medizinische Betreuung.31 Für die Mutter bringt eine Geburt zunächst große Schmerzen mit sich, oft auch Durchfall oder Erbrechen. Der Werbetexter Manfred Postel stellte philosophisch fest: „Die Wehen der Geburt sind der Atem der Schöpfung.“ Wenn ein Mensch zur Welt kommt, dann ist das für die Betroffenen ein großes Ereignis. Dabei gilt die Erkenntnis: „Geburt macht weder böse noch gut“ (Deutsches Sprichwort). Oder anders gesehen: „Der Mensch ist von Geburt an gut, aber die Geschäfte machen ihn schlecht“ (Konfuzius). „Alle Menschen sind von Geburt an gleich“ stellt der ehemalige Präsident der USA (Th. Jefferson) fest. Ist das wirklich so?

Demgegenüber behaupten Experten der Astrologie, dass die Konstellation der Sterne Einfluss auf die Wesensmerkmale des betreffenden Menschen habe. Damit wären die Menschen nicht von Geburt an gleich. Dazu folgende Modellbeispiele in kompakter dialektischer Betrachtung mit den jeweiligen positiven und negativen Charaktereigenschaften.32


Tierkreiszeichen: Positive Tendenzen Negative Tendenzen
Fische (19.02. - 20.03.) empfindsam, mitfühlend, selbstlos, hilfsbereit, feinfühlig, verständnisvoll, schnell eingeschnappt, blauäugig, phlegmatisch, leidend, verletzlich, passiv,
Widder (21.03. - 20.04.) risikofreudig, dynamisch, reaktionsschnell, energisch, unternehmerisch, cholerisch, impulsiv, jähzornig, uneinsichtig, jähzornig, uneinsichtig, manchmal aggressiv,
Stier (21.04. - 20.05.) beharrlich, zielorientiert, herzensgut, verlässlich, starker Wille, treu, starrköpfig, stur, kaum anpassungsfähig, bedächtig,
Zwillinge (21.05. - 21.06.) lernbereit, interessiert, gut im Argumentieren, anpassungsfähig, launisch, wandlungsfähig,
Krebs (22.06. - 22.07.) sehr gefühlsbetont, fürsorglich, mitfühlend, empfindsam, hilfsbereit, phlegmatisch, bequem, nicht durchsetzungsfähig,
Löwe (23.07. - 22.08.) ehrgeizig, unbeirrbar, durchsetzungsfähig, sehr willensstark, selbstherrlich, eitel, hochmütig, kaum anpassungsfähig,
Jungfrau (23.08. - 22.09.) Gute Beobachtungsgabe, Sicherheitsstreben, analysierend, nüchtern, kritisch, mitunter zynisch, wenig romantisch,
Waage (23.09. - 22.10.) Streben nach Harmonie, sachlich, ausgleichend, abwägend, verträglich, zögerlich, weniger gefühlsbetont,
Skorpion (23.19. - 21.11.) zuverlässig, verschwiegen, verantwortungsvoll, Disziplin, verschlossen, argwöhnisch, mitunter spröde,
Schütze (22.11. - 20.12.) tolerant, anpassungsfähig, gesellig, heiter, kühn, unbesonnen, sprunghaft,
Steinbock (21.12. - 19.01.) fleißig, ausdauernd, ehrgeizig distanziert, kühl, weniger Gefühl,
Wassermann (20.01. - 18.02.) freiheitsliebend, sanguinisch, großzügig, gesellig, uneigennützig, geistig rege lebt sich voll aus, mitunter oberflächlich, dominant

„Allerdings sind die Aussagen der Astrologie als Charaktertypologie begrenzt. Man sollte Menschen nicht in ein Rollenbild pressen, sondern vielmehr differenzierend urteilen.“*33

2.1.2 Kindheit

Kinder sind Menschen, die sich in der Entwicklungsphase der Kindheit befinden, also in der Zeit von der Geburt bis zur Pubertät.34 Zu unterscheiden sind Kleinstkind, Kleinkind und Schulkind. Juristisch gesehen ist ein Kind, wer noch nicht 14 Jahre alt ist. Die Art und Weise, wie sich ein Kind mit der Welt auseinandersetzt, ist das Ergebnis von Wechselwirkungen zwischen Entwicklungsprozessen und Erfahrungen, die das Kind schon früh mit seiner Umgebung macht. Für die Erziehung der Kinder ist es besonders bedeutsam, dass man ihnen zuhört, sich ihren Gefühlen gegenüber offen zeigt und als Erzieher bestimmt bzw. konsequent auftritt.35 Konsequente Eltern setzen ihren Kindern frühzeitig Grenzen.36 Denn: „Wer Kindern keine Grenzen setzt, verbaut ihnen den Weg zum Leben“ (E. Koch).

Leider geht es den Kindern nicht überall so gut, wie in Deutschland: Täglich verhungern in der Welt viele Kinder. Dazu der ehemalige Schauspieler Karlheinz Böhm, der in Äthiopien viel Gutes nicht nur für arme Kinder getan hat: „Wollen wir wirklich immer erst so lange warten, bis uns Schreckensbilder verhungerter Kinder aus unserer Bequemlichkeit herausreißen?“ Die dialektische Betrachtung der Kindheit führt zu folgenden Erkenntnissen:

► „Leuchtende Kinderaugen sind Impressionen des Himmels“ (F. Schmidberger). Martin Luther sagte: „Kinder sind das liebste Pfand in der Ehe. Sie binden und erhalten das Band der Liebe.“ Und wir stellen fest: „Die Kinder sind das Gewissen der Eltern“ (T. Toeche-Mittler). R.W. Leonhardt hat das kompakt so ausgedrückt: Kinder sind liebenswert, nett, unschuldig und einfach süß. Für die eigenen Kinder übernehmen die Eltern gern Verantwortung. Wenn Kinder in der Familie fehlen, gibt es kein erfülltes Leben. Wer keine eigenen Kinder hat, kann ihnen kein Vermögen vererben. Ohne eigene Kinder gibt es keine Enkelkinder. Eine Gesellschaft, die keine Kinder mehr will, verliert ihre Zukunft. Wenn die Älteren nicht mehr für die Jungen sorgen wollen, gibt es bald keine Jüngeren mehr, die für die Alten sorgen werden.37 Zum Schluss spannt M. Gandhi den großen Bogen zum Frieden: „Wenn wir wahren Frieden in der Welt erlangen wollen, müssen wir bei den Kindern anfangen.“

► R.W. Leonhardt stellt demgegenüber aber auch treffend fest: Kinder kosten viel Zeit und Nerven. Kinder auf die Welt zu setzen ist heute für die Eltern sehr teuer. Außerdem gibt es für nicht wenige Menschen nichts Schöneres auf der Welt, als nur sich selbst verantwortlich zu sein, ohne Kinder großziehen zu müssen: „Mit Kindern hast du Probleme, die du ohne Kinder nie hättest.“* Die Frau, die ihren Mann liebte, liebt nach der ersten Geburt an erster Stelle ihr Kind. Manche Männer fühlen sich dann zurückgesetzt. Wer sein kinderloses Leben genießt, soll nicht denken, dass Kinder kaputte Ehen kitten. Es geht wohl besser ohne Kinder: Warum zur sowieso gegebenen Überbevölkerung auf der Erde beitragen? „Nicht wenige Kinder sind ihren Eltern sowieso nicht dankbar, sondern sie gehen später ihre eigenen Wege.“* Aus Japan stammt die wahre Erkenntnis: „Zuerst hat man das Kind auf dem Arm, dann auf dem Schoß und schließlich auf dem Rücken.“

► Fazit trotz kritischer Sicht: „Kinder sind der größte Schatz der Erde und bilden unsere Zukunft.“* „Weib und Kind das höchste Gut auf Erden sind“ (N. Lenau). „Kinder sind ein Segen Gottes“ (W. Shakespeare). Sie sind eine Brücke zum Himmel (aus Persien). „Kinder erfrischen das Leben und erfreuen das Herz“ (F.D.E. Schleiermacher). „Ein Kind ist ein Buch, aus dem wir lesen und in das wir schreiben sollen“ (P. Rosegger). „Die Eindrücke der Kindheit wurzeln am tiefsten“ (K.E. Franzos). „Erinnerungen an unsere Kindheitstage sind unentbehrliche Bausteine unseres Erwachsenwerdens“ (W. Meurer).

„Von der Freude der Kindheit und Jugend ernährt sich unser ganzes Leben“ (O. Ernst). Erstaunlich ist, dass mancher seine eigenen Kinder nicht liebt: „Wer seine Kinder nicht liebt, hat sie nicht verdient“ (F. Schmidberger). Und zu beachten ist: „Wer ein Kind schlägt, schlägt sich selbst“ (H.A. Bruder). Es geht auch ohne Schläge, aber Konsequenzen müssen sein! „In den Kindern erlebt man sein eigenes Leben noch einmal, und erst jetzt versteht man es ganz“ (Kierkegaard). Meine persönliche Folgerung: „Eine Gesellschaft, die keine Kinder mag, ist auf dem falschen Weg und stirbt aus.“* Deshalb ist zu fordern:

„Wir müssen einen nächsten Schritt machen, wir müssen Lebensbedingungen schaffen, die es uns ermöglichen, mehr Kinder zu haben …“

(Iris Radisch)

Interessant ist auch folgende Feststellung: „Am Vornamen der Kinder erkennt man den Geist der Eltern“ (W. Schwöbel). Ein Leben ohne jeden Kontakt zu Kindern kann ich mir nicht vorstellen. Da wir selbst keine Kinder haben, freuen wir uns immer über den Kinderbesuch aus der Nachbarschaft, wo vor allem die kleine Klara W. (ab 3 Jahre) uns sehr viel Freude bereitet hat. Wer keine eigenen Kinder haben möchte oder haben kann, sollte die Möglichkeit der Adoption nutzen, was im konkreten Falle allerdings gut zu überlegen ist. Es gibt viele Fälle, wo die adoptierten Kinder ihren neuen Eltern viel Freude gebracht haben, es gibt aber auch ebenso viele Fälle, wo es nicht so war und großer Kummer folgte.

„Wer Kinder mag, der wirst’s versteh’n, dass sie oft eigne Wege geh’n“ (O. Stock). Man versteht die Kinder nicht, ist man nicht selbst kindlichen Herzens. „Man weiß sie nicht zu behandeln, wenn man sie nicht liebt, und man liebt sie nicht, wenn man nicht liebenswürdig ist“ (L. Börne). Und es ist zu beachten: „Kinder erleben nichts so scharf und bitter wie Ungerechtigkeit“ (Ch. Dickens). „Wenn man seine Kindheit bei sich hat, wird man nie älter“ (J.W. v. Goethe). Die Erfahrung zeigt: „Tute einem Kind Ehre an, und es wird dir Ehre antun“ (aus Rhodesien). Allerdings ist die Kindheitszeit kostbar: „Heute gewinnt man den Eindruck, als wenn sich die Kindheit immer mehr verkürzen würde.“* „Dabei soll die Kindheit die glücklichste Zeit des Lebens sein; ich bezweifle das, denn man muss erst alt werden, um das zu wissen“ (W. Schlichting). „Was aber in der Kindheit zerstört wurde, kann im Leben niemals mehr korrigiert werden – man kann sich höchstens damit arrangieren“ (W.J. Reus).

2.1.3 Jugend

Die Jugendzeit ist die Zeit des Übergangs zwischen Kindheit und dem Erwachsenenalter.38 Der Abschnitt ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil in ihm entscheidende Weichen für die weitere Entwicklung des Menschen gestellt werden.39 Diese Altersspanne ist allerdings nicht genau festlegbar und im Einzelfall von unterschiedlicher Dauer. In dieser Zeit vollzieht sich die Geschlechtsreife (Pubertät). Die Jugendzeit ist die Zeit des Erlernens und Einübens von Kompetenzen sowie der Entwicklung moralischer Orientierungen, die zur selbstständigen und eigenverantwortlichen Übernahme von Rollen der Erwachsenen führen sollen40, z. B. als Eltern, Bürger, Erwerbstätige bzw. Konsumenten. Wann wird man erwachsen? „Erwachsen wird man, wenn man damit aufhört, sich für den Nabel der Welt zu halten.“ (A. Rahn). Die Dialektik der Jugendzeit:

► Wer sich mit der Jugend umgibt, wird nicht so schnell alt: „Im Kreis der Jugend muss man weilen, der Jugend Lust und Freude teilen. Wer das vermag, der wird bewahren ein junges Herz bei grauen Haaren“ (W. Jordan). „Die Jugend ist uneigennützig im Denken und Fühlen. Sie denkt und fühlt deshalb die Wahrheit am tiefsten und geizt nicht, wo es kühne Teilnahme an Bekenntnis und Tat gilt“ (H. Heine). „Dabei ziemt die Bescheidenheit dem Jüngling“ (T.M. Plautus). Wie bleibt der Mensch „jung“? „Man bleibt jung, so lange man noch lernen, neue Gewohnheiten annehmen und Widerspruch ertragen kann“ (M. von Ebner-Eschenbach).

► Eine wahre Erkenntnis ist: „Junge Leute leiden weniger unter eigenen Fehlern als unter der Weisheit der Alten“ (L. de Vauvenargues). Und es gilt: „Wer kükenklug ist, wird nicht huhnalt“ (aus Dänemark). Zum Nachdenken: „Altklug wird jung alt“ (E. Baschnonga). A. Einstein stellt fest: „Das Ärgerliche an der jungen Generation ist die Tatsache, dass ich nicht länger dazu gehöre.“ Eine interessante Feststellung ist: „Pubertät ist, wenn Eltern anfangen, schwierig zu werden“ (Gräfin Fito). Außerdem steht die Behauptung: „Das wird kein ganzer Kerl, der nie ein Rüpel war“ (O.J. Bierbaum). Nicht neu ist: „Es ist keine Kunst, jung zu sein, wenn man 24 Jahre alt ist“ (Sprichwort). Zum Schluss: „Eine freudlose Jugend ist nur zu oft das traurige Vorspiel zu einem freudlosen, vergrämten, menschenscheuen, ja menschenfeindlichen Alter“ (F. Spielhagen).

► Conclusio: „Ach, das ist das Schönste an der Jugend, dass sie mit ebenso viel Hoffnungen operiert wie das Alter mit Erinnerungen“ (B. von Suttner). Andererseits bringt die Jugend auch Probleme mit sich: Dass Probleme mit der Jugend nicht neu sind, sagt schon Sokrates: „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ Dazu meine Wertung: „Wer für die Jugend kein Verständnis hat, hat seine eigene vergessen:“*

„Wer nie in der Jugend Gewitterdrang über jedes trennende Gitter sprang, wer nie in sünd’gem Verlangen gebebt hat und immer nur nach Erlaubtem gestrebt hat, den schmücke das Wams mit Orden und Tressen, doch sag ihm, er habe zu leben vergessen“

(Oskar Blumenthal)

„Die schlechten Züge, die boshaften und hinterlistigen Streiche seiner Jugend wird ein kluger Mann nicht zum besten geben; denn er fühlt, dass sie auch von seinem gegenwärtigen Charakter noch Zeugnis ablegen“ (A. Schopenhauer). Das Genie Schopenhauer wurde übrigens von Goethe früh erkannt, denn er prophezeite ihm eine große Laufbahn. Schopenhauer selbst fühlte sich von niemandem verstanden. Seine Pudel liebte er abgöttisch. Sein Vater soll Selbstmord begangen haben und seine Mutter setzte ihren intelligenten, aber schwierigen Sohn vor die Tür, als dieser 21 Jahre alt war.41 „Was ist denn die Jugend? „Die Jugend ist ein unvergessener Traum, denn man ist „unsterblich.“* „Und was ist Liebe? Der Inhalt des Traums“ (S. Kierkegaard). Merke: Alt werden, das ist Gottes Gunst. Jung bleiben, das ist Lebenskunst (Sprichwort). „In der Tat gibt es ältere Menschen, die in ihrem Herzen jung geblieben sind und es verstanden haben, den Abschied von der Jugend auf mehrere Jahrzehnte zu verteilen“ (F. Rosay).

2.1.4 Frau

Eine Frau ist ein erwachsener Mensch von weiblichem Geschlecht und das geschlechtliche Gegenstück ist der Mann. Frauen unterscheiden sich physiologisch gesehen von Männern z. B. durch die unterschiedlichen Geschlechtsmerkmale und durch den Knochen- und Muskelaufbau. In psychologischer Hinsicht sind Unterschiede zwischen Frau und Mann allerdings mit Vorsicht zu interpretieren. Die Frau scheint mitunter jedoch zu emotionalem Verhalten zu neigen, zeigt häufig mehr Personeninteresse als der Mann und hat eine etwa 4 bis 5 Jahre höhere Lebenserwartung. Etwas bissig: „Wenn eine Frau einen Schönheitswettbewerb gewinnt, ist es ein Miss-Erfolg“ (D. Fleichhammel). Interessant: „Die größte Klugheit einer klugen Frau besteht darin, ihre Klugheit nicht zu zeigen“ (V. Woolf). Und auf den ersten Blick ist folgendes nicht immer zu erkennen: „Jede Frau beherrscht die Kunst, einen Mann zu beobachten, ohne ihn anzusehen“ (G. Armani). Auch Frauen werden unterschiedlich beurteilt.

► Thesen: „Am Anfang aller großen Dinge steht eine Frau“ (A. Walpole). Etwas überschwänglich: „Frauen, ihr Engel der Erde! Des Himmels lieblichste Schöpfung! Ihr seid der einzige Strahl, der unser Leben erhellt“ (A. de Lamartine). Ohne Frage: „Die Frauen sind die Stützen der Gesellschaft“ (H. Ibsen).42 „Frauen sind unserer Kindheit Stütze, unserer Jugend Freude und unseres Alters Trost“ (P. Aretino). Es stimmt auch: „Anmut macht schön das Weib“ (W. von der Vogelweide). Für mich persönlich gilt: „Durch ihre Schönheit wird meine Frau zu meiner Geliebten.“* Und vor allem für Genießer: „Die nackte Frau ist ein göttliches Werk“ (W. Blake). „Eine Frau ist eine Dame, die es einem Herrn leicht macht, ein Herr zu sein“ (Sprichwort). Stark ist die folgende Erkenntnis: „Willst du genau erfahren, was sich ziemt, so frag nur bei edlen Frauen an“ (J.W. von Goethe). „Die beste Frau ist die, die am wenigsten spricht“ (Perikles). „Die stärkste Waffe einer Frau ist ihre Sanftheit“ (D. Wieser). Feststellung einer klugen Frau: „Die Fantasie des Mannes ist die beste Waffe der Frau“ (S. Loren). Auch: „Die Lippen einer Frau haben viele Krankheiten geheilt“ (aus Frankreich). Verdeckte Wünsche: „Eine Frau soll aussehen wie ein junges Mädchen, auftreten wie eine Lady, denken wie ein Mann und arbeiten wie ein Pferd“ (C.K. Simon). Ich stehe zu folgender Erkenntnis: „Wir Männer sollten unsere Frauen verehren.“*43

Dazu eine Anekdote über Nasreddin Hodscha44, den orientalischen Till Eulenspiegel. Seine historische Existenz ist nicht gesichert, aber man nimmt an, dass er im 13./​14. Jahrhundert im südwestlichen Anatolien gelebt hat. Im Orient war es früher erlaubt, dass Männer mehr als eine Ehefrau haben durften. Nasreddin nahm sich also eine zweite Frau, die deutlich jünger als die erste war. Eines Abends als er nach Hause kam, traf er beide zankend an. Sie keiften darüber herum, welche von beiden er wohl mehr liebte. Zuerst sagte Nasreddin, dass er sie beide gleich lieb habe, aber mit dieser Antwort war keine der beiden Frauen wirklich zufrieden. So fragte die Ältere: „Nehmen wir einmal an, wir drei sitzen in einem Boot und es fängt zu sinken an. Welche von uns beiden würdest du dann retten?“ Nasreddin dachte einen Moment nach und dann sagte er zu seiner ersten Frau: „Aber Liebling, du kannst doch schwimmen, nicht wahr?“

► Antithesen: „Schwachheit, dein Nam’ ist Weib“ (W. Shakespeare). Oder auch: „Das Weib ist stets ein wankendes und veränderliches Wesen“ (Vergil). F.W. Nietzsche zieht heftig nach: „Die Frau war Gottes zweiter Fehler.“ Und: „Es gibt niemanden, der weiß, was ein Weib vermag“ (H. Ibsen). Emanzen haben es bei den Männern meistens nicht leicht. Der Kampf um die Gleichstellung der Frau ist dabei ein geschichtliches Phänomen.45 Heute ist manches anders geworden: „Unsere Zeit hat die Ritterlichkeit durch die Gleichberechtigung ersetzt“ (S. Fleicher). „Männer haben ihre Seilschaften, Frauen Netze“ (Gräfin Fito). Und es gilt schon immer: „Eine Frau mit Vergangenheit hat keine Zukunft“ (O. Wilde). „Wenn die Weiber auch von Glas wären, sie würden doch undurchsichtig sein“ (aus Russland). „Eine Frau ist eine Person, die dauernd in den Spiegel blickt, außer wenn sie eine Parklücke verlässt“ (unbekannt). Manche stellen resignierend fest: „Nichts ist unerträglicher als eine wohlhabende Frau“ (Juvenal). Auch: „Die Zwiebel hat sieben Häute, ein Weib neun“ (aus Russland). Sehr kluge Frauen haben es allerdings auch nicht immer leicht: „Manche kluge Frau ist nur deshalb allein, weil sie es nicht verstanden hat, ihre Klugheit zu verbergen“ (Daphne du Maurier).

„Frauen sind ganz einfach. Zumindest solange man sie nicht kennt“ (B. Stramke). Verblüffend: „Was eine Frau verdeckt, ist manchmal mehr als sie hat“ (F. Ammon). „Die Mehrzahl der anständigen Frauen sind verborgene Schätze, die nur deshalb sicher sind, weil sie niemand sucht“ (F. de la Rochefoucaould). Ganz anders: „Jedes Weibes Fehler ist des Mannes Schuld“ (J.G. von Herder). Bisweilen bleiben Reaktionen nicht aus: „Brummt das Weib den ganzen Tag, so geht der Mann zum Schwarzen Bären“ (J.U. Megerle). Oder er geht ins Wirtshaus zur „Nickenden Fichte!“ (unbekannt). „Früher bekam der Mann eine Frau, die kochen konnte wie seine Mutter, heute bekommt er eine Frau, die trinken kann, wie sein Vater“ (unbekannt). Etwas heftig: „Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!“ sagte F.W. Nietzsche: An dieser Stelle einige Worte über diesen großen Mann, der allerdings körperlich relativ klein war und dicklich wirkte. Er trug einen trotzigen Schnurrbart, war stark kurzsichtig, litt unter ständigen Magenbeschwerden und schweren Migräneanfällen. Vermutlich hatte er später eine Syphilis-Infektion. Bereits mit 35 Jahren fühlte er sich als körperliches Wrack.46 Von Frauen hatte er nicht mehr viel.

► Synthese: „Ein Weiberfeind ist auch ein Menschenfeind“ (J. Paul). Das gilt aber nicht immer. Es gilt allerdings: „Der größte Reichtum für einen Mann ist eine gute Frau.“* „Das Weib trägt die Schuld des Lebens nicht durch Tun, sondern durch Leiden ab, durch die Wehen der Geburt, die Sorgfalt für das Kind …“(A. Schopenhauer). Aber aufgepasst: „Eine Frau auf Händen zu tragen, ist die gefährlichste Methode, mit einer Frau umzugehen“ (M. Frisch). Auch gilt: „Frauen ticken anders als Männer“ (unbekannt). Und: „Frauen würden ihre Fehler sofort zugeben, wenn sie welche hätten“ (R. Lembke). Interessant ist: „Der Mann ist der Kopf und die Frau ist der Hut“ (aus Schweden). „Ist sie der Hals, dann bewegt sie den Kopf so, wie sie es will“ (aus Griechenland). Trotzdem: „Frauen sehnen sich nach einem Führer, der ihnen folgt“ (P. Kosorin). Oder auch: „Die Frau möchte einen Löwen als Mann, der aus ihrer Hand Zucker frisst“ (A.O. Weber). Für Männer gilt gegenüber Frauen grundsätzlich: „Mann soll sich Frauen niemals aufdrängen“ (A.F. von Knigge). G. Casanova war wegen seiner Verführungskünste bekannt: „Um eine Frau zu verführen, muss man ihr nur einreden, dass ihr Ehemann sie nicht versteht.“

Außerdem gilt: „Wer die Frau eines Freundes begehrt, wird oft dadurch bestraft, dass er sie tatsächlich bekommt“ (unbekannt). Darüber hinaus: „Frauen, die lange ein Auge zudrücken, tun es am Ende nur noch, um zu zielen“ (H. Bogart). „Frauen unterscheiden sich in ihren Vorteilen, nicht aber in ihren Nachteilen“ (M. Richter). O. Wilde hat einmal gesagt: „Frauen sind da, um geliebt, nicht um verstanden zu werden.“ „Man erkennt die besten Frauen am Glück ihrer Männer und an der edlen Art ihrer Kinder“ (J. Ruskin). Nicht zu unterschätzen ist die Sehnsucht einer starken Frau nach einem starken Mann.47 Auch ist schon immer klar: „Eine Partnerschaft funktioniert nur, wenn man sich gegenseitig achtet.“* Außerdem gilt: „Die schönsten Frauen sind die, denen wir gefallen“ (G. Laub). Und: „Die besten Frauen sind am schwersten kennen zu lernen“ (J. Ruskin). Klare Feststellung: „… Mir ist eine Frau lieber, die nicht durch Äußerlichkeiten auffällt, sondern ihre Schönheit in der Beziehung entfaltet“ (G. Armani). Sehr treffend: „Eine Frau, welche die Fehler ihres Mannes nicht liebt, liebt ihn nicht“ (S. Loren). Zum Schluss: „Es gibt keinen Erfolg ohne Frauen“ (K. Tucholsky).

2.1.5 Mann

Ein Mann ist ein erwachsener Mensch von männlichem Geschlecht. Mitunter sucht er heute nach seiner Identität.48 Das Gegenstück des Mannes ist die Frau. Männer unterscheiden sich physiologisch gesehen von Frauen, z. B. durch die Geschlechtsmerkmale und durch den Knochen- und Muskelaufbau. In psychologischer Sicht sind Unterschiede zwischen Mann und Frau vorsichtig zu interpretieren. „Männer suchen zuerst die Sache, Frauen suchen zuerst den Menschen“ (P. Fröhling). Der Mann scheint mehr sach- als personenbezogen zu denken und scheint sich wohl weniger von Emotionen als die Frau leiten zu lassen. Seine Lebenserwartung ist in Deutschland etwa 4 bis 5 Jahre geringer als die der Frau. Interessant ist die folgende Feststellung einer Frau: „Ein schöner Po ist das Dekolleté eines Mannes“ (E. Klepgen). „Wenn ein Mann den Geburtstag seiner Frau vergisst, hat er nicht gemerkt, dass sie ein Jahr älter geworden ist“ (Josef Meinrad). Wir Männer sind gar nicht so schlimm, wie es manchmal aussieht:

„O liebe Mädchen, liebe Frauen. Ihr unser Unglück, unser Glück, Zwar spricht man oft von Euch mit Grauen. Und kehrt doch stets zu Euch zurück“

(P.A. de Beaumarchais)

► „Jeder Mann ist der Sohn einer Frau“ (aus Russland). „Ohne die Frauen würde der Mann roh, grob, einsam sein und die Anmut nicht kennen“ (Chateaubriand). Und es gilt: „Nichts schmeichelt einem Mann so sehr, wie das Glück seiner Frau“ (S. Johnson). „Der Mann ist des Weibes Haupt“ (Neues Testament: Epheser 5,23). Auch: „Vatertag ist ein Tag, an dem alle Männer zu Vätern werden“ (G. Kropp). Direkter Bezug zum Spiel: „Ein Schachspiel kann weitergehen ohne Königin, aber nicht ohne König“ (P. Kosorin). „So ein Traummann ist was Schickes, wird gewürdigt manchen Blickes und die Frau ihn gerne nimmt, wenn auch sein Charakter stimmt“ (N. van Tiggelen).

► Aber: Traummänner sind genauso selten wie Traumfrauen: „Auch die tollsten Hechte haben Gräten“ (K. Karius). Und: „Der ideale Ehemann ist ein unbestätigtes Gerücht“ (B. Bardot). „Es sind nicht alle Männer, die Hosen tragen“ (aus Schweden). Andere Feststellung: „Ein Weib, das unverschämt und männlich ward, ist nicht so widrig wie ein weibischer Mann“ (W. Shakespeare). Auch: „Ein Junggeselle ist ein Mann, dem zum Glück die Frau fehlt“ (Sprichwort). Bemerkenswert: „Auch ein kluger Mann wird zu Hause nicht so geschätzt wie draußen.“* Außerdem: „Wo die Frau die erste Geige spielt, streicht der Mann den Brummbass“ (W. Schlichting). Leider: „Es gibt Männer, die man mit jeder Frau betrügen könnte“ (K. Kraus). Auch: „Im Sohn will die Mutter Mann werden“ (Ch. Morgenstern). „Männer, die Schwächen zeigen, sind Weicheier!“ (Sprichwort).

► Fazit: „Ein Mann, der nachgibt, obwohl er recht hat, ist entweder ein Weiser oder verheiratet“ (J. Ramone). Dabei gilt: „Die Eroberung der Frauen ist das spannendste Abenteuer eines Mannes“ (G. de Maupassant). Und: „Der größte Reichtum für eine Frau ist ein guter Mann.“* Auch: „Das Schönste an den Männern sind ihre Frauen“ (F. Ammon). Männer (Frauen) wollen von ihren Frauen (Männern) verstanden, aber auch geliebt werden. Norbert van Tiggelen drückt es für die Männer so aus: „Lieber Gott schenk mir ’ne Frau, die nicht schimpft, wenn ich bin blau. Die für mich das Bier besorgt und das Haushaltsgeld mir borgt. Eine, die nicht ständig redet, Pläne für den Abwasch schmiedet. Die im Bett ein Engel ist und mir aus den Händen frisst …“

Dazu das Gegenstück: „Lieber Gott, schenk mir einen Mann, der im Haushalt alles kann. Der auch lieb und zärtlich ist, das Verwöhnen nicht vergisst. Er soll reichlich Muskeln haben … Er muss immer gut aussehen und zu seiner Meinung stehen, muss beim Shopping mich begleiten, darf sich niemals mit mir streiten. Muss mich auf den Händen tragen, darf nicht nach dem Konto fragen …“ (N. van Tiggelen). Vor allem: „Vernünftige Männer vertrauen auf die weibliche Intuition“ (P. Kosorin). Zum Schluss meine Überzeugung: „Richtige Männer stehen zu ihren Frauen und sind ihnen treu.“*

2.1.6 Ehe

Die Ehe ist eine rechtlich anerkannte, dauerhafte Verbindung einer Frau und eines Mannes zu einer Lebensgemeinschaft. Sie kommt als Eheschließung durch eine vertragliche Vereinbarung zustande und stellt ein Dauerrechtsverhältnis dar. Ihr Zweck ist die eherechtliche Lebensgemeinschaft. Die Partner werden auch als Eheleute, Ehegatten und Ehepartner bezeichnet. Abreden der Partner über Getrenntleben oder über die Erlaubnis intimer Beziehungen zu anderen Personen sind für eine Ehe unwirksam. Die rechtsgültige Beendigung der Ehe ist die Scheidung. In manchen Staaten der Erde wird der Begriff Ehe auch für Lebenspartner gleichen Geschlechts verwendet, die dort sogar das volle Adoptionsrecht für Kinder erhält. Ein anderes Thema ist die eheliche Treue: „Ehebruch beginnt nicht im Bett, sondern im Kopf“ (D. Fleichhammel). Und es gilt auch: „Ehe ist eine Koalition mit der Opposition“ (W. Weidner). Vor allem die Beurteilung der Ehe ist sehr unterschiedlich:

► „In einer guten Ehe fügen sich Himmel und Erde zusammen“ (aus Brasilien). Sehr treffend: „Glücklicher Bund, wo der Gatte das Haupt und die Gattin das Herz ist“ (F. Haug). „In einer guten Ehe soll niemand die Hosen anhaben“ (Sprichwort). „Mann und Frau müssen eins sein, sonst ist es keine Ehe“ (L. Thoma). Und. „Vom guten Partner weiß man, dass er seine Ellenbogen nur zum Einhaken benutzt“ (W. Hadulla). Der Frauenkenner H. de Balzac bringt es auf den Punkt: „Das Bett ist das Barometer der Ehe.“ Warum ist die Ehe so beliebt? „Die Ehe ist deswegen so beliebt, weil sie das Maximum der Versuchung mit dem Maximum an Gelegenheit verbindet“ (G.B. Shaw). Besonders treffend ist: „Gleiches Blut, gleiches Gut und gleiche Jahre geben die besten Ehepaare“ (Sprichwort). Auch die zahlreichen Ehescheidungen sprechen nicht gegen die Institution Ehe, denn oft sind beide Geschlechter bald wieder mit anderen Partnern verheiratet. Millionen von Ehen halten sogar 30 Jahre und länger.49

► In nicht wenigen Fällen folgen den hohen Erwartungen von Ehepartnern herbe Enttäuschungen. Deshalb gilt: E h e = Errare humanum est (irren ist menschlich). „Wer im Hafen der Ehe gelandet ist, sollte nie vergessen, dass die Heimat der Liebe das offene Meer ist“ (E. Ferstl). Schon zu Beginn kann man feststellen: „Die Ehe ist ein Zweikampf, der mit Ringen beginnt.“ Dabei ist zu beachten: „Die richtigen Polterabende kommen erst in der Ehe“ (Gräfin Fito). „Die meisten Differenzen in der Ehe beginnen damit, dass eine Frau zu viel redet und ein Mann zu wenig zuhört“ (Sprichwort). Interessant ist: „Pantoffelhelden sind die Kriegsdienstverweigerer der Ehe“ (K. Klages). „Je länger man unverheiratet bleibt, desto rühmlicher ist es“ (G.J. Cäsar). Schlimmer ist die Feststellung: „Die Ehe ist eine Institution zur Lähmung des Geschlechtstriebs“ (G. Benn). Oscar Wilde meint dazu: „Ehe: gegenseitige Freiheitsberaubung im beiderseitigen Einvernehmen.“ Mancher schimpft über seinen Ehepartner: „Wer über den Ehepartner bei anderen klagt, der bricht die Ehe“ (H. Oeser). Die Erfahrung zeigt: „Vor der Heirat hört die Frau dem Mann zu, danach ist es umgekehrt. In der Ehe hören die Nachbarn beiden zu!“ (Sprichwort). „Manche Ehe ist ein Todesurteil, das jahrelang vollstreckt wird“ (A. Strindberg). Makaber: „Von einer Madonna bleibt in der Ehe oft nur das Kreuz übrig“ (F. Beutelrock). Ähnlich schwer wiegt die folgende Erkenntnis: „Wer unglücklich verheiratet ist, hat bereits einen Vorschuss auf die Hölle“ (aus Schweden).

► Synthese: Bekommt jeder wirklich den Partner, den er verdient?50 Wie oben zu lesen ist, machen die Menschen sehr unterschiedliche Erfahrungen mit der Ehe. Die Entscheidung für eine Ehe muss deshalb sehr gut überlegt sein. „Drumm prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet“ (F. von Schiller). „Es ist besser unglücklich verliebt zu sein als unglücklich verheiratet. Manchen gelingt beides“ (G. de Maupassant). „Einen passenden Partner zu finden, ist vor allem heute ein Griff in die Lostrommel.“* „Glück in der Ehe ist allein eine Sache des Zufalls“ (J. Austen). Ergebnis: „Heirate oder heirate nicht. Du wirst beides bereuen“ (Sokrates). Auch die Ehe hat ihre Ansprüche: „Zur Heirat gehört mehr, als nur vier Beine ins Bett“ (K. Tucholsky). Der Kenner weiß: „In der Ehe muss man eine unaufhörlichen Kampf gegen ein Ungeheuer führen, das alles verschlingt: die Gewohnheit“ (H. de Balzac). Merke: „Das große Geheimnis jeder guten Ehe ist, jeden Unglücksfall als Zwischenfall und keinen Zwischenfall als Unglücksfall zu behandeln“ (H. Nicolson). „Der Zank in der Ehe ist die Schneedecke, unter der sich die Liebe warm hält“ (J. Paul). Außerdem: „Richtig verheiratet ist der Mann erst dann, wenn er jedes Wort versteht, das seine Frau nicht gesagt hat“ (A. Hitchcock).

Wenn der Partner allerdings geht und nicht mehr will, soll man konsequent sein und nicht Dingen nachtrauern, die nicht mehr sind.51 „Die Ehe ist und bleibt die wichtigste Entdeckungsreise, die der Mensch unternehmen kann“ (S. Kierkegaard). Von Kierkegaard stammt auch der Ausspruch: „Man soll nicht immer recht haben wollen.“ „Man darf auch von der Ehe nicht zu viel erwarten und muss es im Leben nehmen, wie es kommt: nach dem Ärger kommen schönere Tage, wo man wieder zufriedener wird! In einer guten Ehe rauft man sich doch immer wieder zusammen.“* Wichtig ist, dass man sich gegenseitig achtet, immer wieder seine Zuneigung zeigt, Probleme gemeinsam löst52 und einen Streit nicht zu eng sieht. Patentrezepte zur Lösung von Streit gibt es aber nicht. Merke zum Schluss: „Eheliche Treue ist unverzichtbar, denn Ehe ist nicht teilbar mit anderen Menschen.“*

2.1.7 Altern

Das Alter des Menschen ist ein Lebensabschnitt zwischen dem mittleren Erwachsenenalter und dem Tod. Das Altern ist ein Prozess, der mit nachlassender Aktivität und körperlichen Problemen verbunden ist, z. B. ab 60 Jahre. Von dem römischen Dichter Ovid stammt der Ausspruch: „Nichts ist schneller als die Jahre.“ „Ich fühle mich nicht alt, weil ich so viele Jahre hinter mit habe, sondern weil nur noch so wenige vor mir liegen“ (E. Kishon). Interessant ist, dass in Deutschland nach einer Meldung vom Februar 2013 schon 17.000 Menschen über 100 Jahre und älter sind, wobei die Tendenz steigernd ist. Die besten Aussichten auf ein langes Leben haben gut ausgebildete Frauen: Heute ist die Zahl der hundertjährigen Frauen knapp viermal so hoch wie die der Männer. Aber nicht jeder erreicht ein hohes Alter. Georg Büchner ist nur 23 Jahre alt geworden: „Ich bin so jung und die Welt ist so alt.“ Gegensatz: Mit 108 Jahren sagte Johannes Heesters: „Ich danke Gott für all die schönen Jahre.“ Die älteste Frau der Welt war Japanerin und 117 Jahre alt. Auch das Alter wird nicht einheitlich beurteilt.

► „Alter bedeutet Erfahrung, Gelassenheit, Einsicht und Erinnerung.“* Dabei gilt: „Ewig bleiben treu die Alten“ (J. von Eichendorff). „Die Würde ist die Sonne des Alters“ (aus Persien). „Gütige Herzen altern nie“ (N. Tommassen). Und es gilt bis heute: „Die Pension ist die begehrteste Alterserscheinung“ (W. Weidner). „Dem Alter ist mit Respekt und Ehrerbietung zu begegnen.“* Im Grunde haben die Menschen nur zwei Wünsche: „Alt zu werden und dabei jung zu bleiben“ (P. Bamm). Altern wird zur Aufgabe: „Älter werden ist eine Lebensaufgabe“ (H. Lahm). „Falten im Gesicht sind die Seiten des Lebensbuches“ (H. Lahm). In ihm haben Geburtstage ihren Stellenwert: „Geburtstage sind Stufen auf der Lebenstreppe“ (H. Lahm). Nicht alle Menschen haben eine lange Lebenstreppe: „Ein langes und erfülltes Leben ist ein Geschenk Gottes“ (unbekannt). „Es ist ein Vorteil des Altwerdens, dass man gegen Hass, Beleidigungen, Verleumdungen gleichgültig wird, während die Empfänglichkeit für Liebe und Wohlwollen stärker wird“ (O. von Bismarck). Hinzu kommt: „Das Alter hat zwei große Vorteile. Die Zähne tun nicht mehr weh und man hört nicht mehr als das dumme Zeug, das ringsum gesagt wird“ (G.B. Shaw).

► Demgegenüber sollten wir nie vergessen: „Alter schützt vor Torheit nicht“ (J. Bosshart). Kaum zu glauben: „Mancher gesittete Herr träumt von seinen Flegeljahren“ (B. Fuchs). Andererseits hat die Realität gezeigt: „Wer schon in jungen Jahren maximalen Erfolg hat, wird selten alt.“* Wer sehr alt werden will, sollte wissen: „Das Alter verklärt oder versteinert“ (M. von Ebner-Eschenbach). „Das Alter ist ein Tyrann, der bei Lebensstrafe alle Vergnügungen der Jugend verbietet“ (F. de La Rochefoucauld). „Das ist des Alters Los auf Erden, dass alle Rechte zu Pflichten werden“ (P. von Heyse). Im Alter lassen Gesundheit, Mobilität, Stabilität, Zeugungsfähigkeit und Sinnesleistung nach.53 Und etwas sarkastisch: „Die Rente mit 67 gibt endlich auch den Menschen mit weniger gefährlichen Berufen die Chance, bei der Arbeit zu sterben“ (S. Sarek).

Etwas makaber ist: „Alt ist man dann, wenn man nicht mehr zusammen mit seinen Zähnen schläft“ (E. Petrucci). Und: „Wer zu früh geht, den bestraft die Rente“ (K. Karius). „Je höher die Lebenserwartung, desto weniger darf man vom Leben erwarten“ (G. Kocher). Im Alter wird alles schwerer: „Selbst das Laster wird zur Last“ (W. Puzicha). „Das Alter, das man haben möchte, verdirbt das Alter, das man hat“ (P. Bamm). „Je bösartiger ein Leben geführt wurde, umso größer ist das Selbstmitleid im Alter“ (E. Klepgen). Zum Nachdenken: „Wir alten Männer sind gefährlich, weil wir keine Angst mehr vor der Zukunft haben“ (P. Ustinow). Manche wollen für immer jung sein: „Schrecklich, wenn ein Mensch nicht alt werden kann, schrecklich für ihn und für die anderen“ (W. Pfleiderer). Für das Alter trifft zu: „Ich bin nicht mehr Ich, Du bist nicht mehr Du, Wir sind nicht mehr Wir. Er ist nicht mehr Er, das macht mir das Alter schwer.“*

► Zusammenfassend gilt für das Alter: „Vorbei sind Kraft und Lust und Schönheit der Jugend. Geblieben sind: Erfahrung, Erinnerung und Tugend“ (G. Schäfer). Und vor allem: „Jahre sollte man nicht zählen, sondern erleben“ (O. Stock). Mit zunehmendem Alter tritt ein Leistungswandel ein: Die Erfahrung nimmt zu und die Körperkräfte nehmen ab (U. Lehr)54. „Mit dem Alter nimmt man an Torheit und Weisheit zu“ (F. de la Rochefoucaould). Was heißt alt werden? Es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie man alt wird (W. Mitsch). „Das Schöne im Alter ist, etwas sein zu dürfen, ohne etwas werden zu müssen“ (E. Reinhardt). „Man sollte in Würde alt werden“ (S.B. Nuland) und das Leben nehmen wie es ist: „Nichts macht schneller alt als der immer vorschwebende Gedanke, dass man älter wird“ (G.C. Lichtenberg). Ab 75 Jahren ist jedes Jahr ein Geschenk Gottes! Aus Spanien stammt die Weisheit: „Wenn du sehr alt werden willst, dann musst du beizeiten anfangen.“ Denn: „Ein ausschweifendes Leben verkürzt das Alter.“* „Im Alter zahlen wir die Rechnung für unsere Jugendsünden.“55

J. Knittel meint: „Alt ist man dann, wenn man an der Vergangenheit mehr Freude hat als an der Zukunft.“ Marie von Ebner-Eschenbach: „Mehr noch als nach dem Glück unserer Jugend sehnen wir uns im Alter nach den Wünschen unserer Jugend zurück.“ Auch: „Die gute alte Zeit ist eine rückwärts gerichtete Utopie“ (unbekannt). „Mit zunehmendem Alter ist es wichtig, dass sich der Mensch körperlich bewegt.“* Übrigens: „Zwischen jung und alt liegen manchmal nur wenige Minuten“ (H. Lahm). Eigentlich nicht ganz verständlich ist: „Lang leben will halt alles, aber alt werden will kein Mensch“ (J.N. Nestroy). Wie unterscheiden sich Alter und Jugend? „Das Alter wägt, die Jugend wagt“ (E.B.S. Raupach). „Früher lebte man kürzer – dafür stirbt man heute länger“ (H. Stein).

Der begnadete Schauspieler J. Fuchsberger sagte: „Altwerden ist nichts für Feiglinge.“ Jahrelang kam er mit 3 - 4 Stunden Schlaf aus, war 60 Jahre lang Kettenraucher und hatte mit 75 Jahren drei Bypässe, vier Stents und einen Herzschrittmacher.56 Auf die Frage, wie er seinen Tag verbringe, sagte er einmal: „Ich stehe auf und hole mir die Zeitung, schlage zuerst die Todesanzeigen auf, lese sie aufmerksam durch – wenn ich nicht drinstehe – ziehe ich mich an!“57 Der Rennfahrer J.M. Fangio stellt etwas makaber fest: „Eines der besten Mittel gegen das Altwerden ist das Dösen am Steuer eines fahrenden Autos.“ Was ist für ältere Menschen wichtig? „Kein älterer Mensch darf davon ausgehen, dass er im Alter seine verdiente Ruhe hat!“* Schaut ein älterer Mensch in die Zukunft, sollte er das Alter mit Stil, Gelassenheit und Engagement zu bewältigen suchen.58 „Altersbeschwerden sind ein dezenter Hinweis der Natur, sein Leben zu ordnen und sich auf einen Abschied vorzuberieten“ (K.W. Dickhöfer). Zum Schluss: „Wer zufrieden stirbt, dem kann es nah dem Tode nicht mehr besser gehen“ (G. Brand).

2.1.8 Sterben

Das Sterben (Exitus) ist das Erlöschen der Organfunktionen eines Lebewesens, das unmittelbar zu seinem Tod führt. Der Sterbevorgang ist der Übergang vom Leben zum Tod. Dazu gibt es vier unterschiedliche Grundhaltungen:

▪ Der Tod ist das endgültige Ende der Existenz eines Lebewesens.

▪ Der Tod ist nur eine Phase, die zu einem neuen Leben führt (Reinkarnation).

▪ Der Tod ist der Übergang in einen anderen Seinszustand (Auferstehung, Unsterblichkeit).

▪ Leben und Tod sind indifferent.

Sterben ist einerseits etwas Normales, andererseits ist es hart. Der Tod wirkt auf den Menschen Angst einflößend und furchtbar.59 „Manch einer arbeitet so eifrig für seinen Lebensabend, dass er ihn gar nicht mehr erlebt“ (M.M. Ronner). „Mitunter kommt mit dem Tod des Menschen seine Anerkennung.“* M. Luther stellt fest: „Der Tod ist eigentlich nur die Angst vor dem Tod.“ Es gilt auch der Rat: „Nimm dir Zeit, sonst nimmt sie dich mit der Zeit“ (A. Marti). Das Sterben und der Tod werden unterschiedlich gesehen:

► „Der hat die Weisheit erfasst, der ebenso sorglos stirbt, wie er geboren wurde“ (Seneca). Hoffnungsvoll klingt: „Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot“ (E. Kant). „Ein schönes Sterben ehrt das ganze Leben“ (aus Italien). Auch: „Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren“ (J.W. von Goethe). Außerdem: „Menschlich zu reden, hat der Tod eine schöne Bestimmung, die daraus besteht, dem Alter ein Ziel zu setzen“ (J. de La Bruyère). Und eine weitere interessante Erkenntnis: „Wer früh stirbt, ist länger im Himmel“ (M. Richter). Mit positiver Wirkung: „Der Tod zahlt alle Schulden“ (Sprichwort). Aber auch: „Ein Mensch, der für nichts zu sterben gewillt ist, verdient es nicht zu leben“ (M. Luther King). „In den meisten Fällen ist die Todesursache eines Menschen sein Leben“ (Voltaire). „Wir müssen immer lernen, zuletzt auch noch sterben lernen“ (M. von Ebner-Eschenbach). Ist sterben schwierig? „Sterben kann gar nicht so schwer sein – bisher hat es noch jeder geschafft“ (N. Mailer). Zum Schluss: „Am Ende unseres Lebens werden wir an unseren Taten gemessen, nicht an Titeln.“*

► Sterben ist nicht einfach: „Das Schlimmste an der Trennung ist der endgültige Abschied“ (G. Donat). „Es ist hart zu leben, aber härter ist es noch zu sterben“ (aus Albanien). Mehrdeutig ist: „Sterben ist das Letzte“ (Horaz). „Nicht der Tod, sondern das Sterben beunruhigt mich“ (M. de Montaigne): „Des Todes Schmerz liegt in der Vorstellung“ (W. Shakespeare). Und: „Geboren wird immer zu zweit. Gestorben wird immer allein“ (W.J. Reus). Der Tod ist nicht wählerisch: „Er nimmt sogar die Kranken“ (L. Peppel). Die letzten Worte von J.A. Mozart waren: „Der Geschmack des Todes ist auf meiner Zunge. Ich fühle etwas, was nicht von dieser Welt ist.“ Und mehrdeutig ist: „Wenn du im Sarg liegst, dann hat man dich das letzte Mal reingelegt“ (unbekannt). Auch: „Von der Wiege bis zur Bahre, nichts als Schwindel all’ die Jahre“ (U. Erckenberecht). Am Ende mit Humor: „Auch die besessensten Vegetarier beißen nicht gern ins Gras“ (J. Ringelnatz).

► Zusammenfassend erkennen wir: „Alles Irdische ist vergänglich“ (J.V. von Scheffel). Und: „Jedem ist seine Zeit zugewiesen“ (Vergil). „Es gibt kein Leben ohne Sterben. Für die meisten Menschen ist die Weiterexistenz nach dem Tode höchst unwahrscheinlich.“* Aber: Wenn der Tod des Menschen das Ende von allem ist, dann verliert das Leben gewissermaßen seinen Sinn. In der Religion wird deshalb auf die Unsterblichkeit der Seele als immaterielle Gegebenheit hingewiesen. „Menschen, die wir lieben, leben in uns weiter, auch wenn sie gestorben sind.“* Und es gilt außerdem: „Über Tote soll man nur Gutes reden“ (Diogenes). Das Wesen des Todes ist schwierig zu erfassen: „Wir verstehen das Leben nicht. Wie sollen wir dann das Wesen des Todes erfassen?“ (Konfuzius). Auch: „Wenn man wirklich alt ist, dann wünscht man sich den Tod“ (A. Strindberg). „Das Leben liegt in unserer Hand, das Sterben in der Regel nicht!“* „Gute Christen sterben nicht, sie gehen täglich einen Schritt weiter ins Paradies“ (J. Baptist M. Vianney). J.C.F. Hölderlin, der es im Leben nicht einfach hatte, sagte: „Wir sterben, um zu leben.“ Und es gilt auch: „Wer den Tod akzeptiert, der respektiert das Leben“ (J. Vogt). Zum Schluss: „Das Festhalten am Leben ist nur die Angst vor dem, was danach kommt“ (D. Wieser).

2.1.9 Leben nach dem Tode?

Viele Diskussionen entzünden sich an der religiösen Frage, ob es ein Leben nach dem Tode gibt – oder nicht.60 Es gibt einige Berichte von Menschen, die ihre individuellen Erfahrungen in der Nähe des Todes an die Nachwelt weitergegeben haben. Dazu gibt es Stichworte, wie z. B. „Verlassen des eigenen Körpers“, „Begegnung mit Toten“ und „Rückschau auf das eigene Leben“. Diese Einzelerlebnisse wurden als Totenbettvisionen von Menschen reflektiert, die in lebensgefährliche Situationen geraten sind, diese auch für ihre Umwelt überraschend überlebt haben. So berichtet ein neunjähriges Mädchen61 ,das während einer Operation in Todesnähe geriet, denn ihr Herz hörte auf zu schlagen: „Ich war oben an der Decke und schaute von oben herunter“, dann: „… Später ging ich durch einen Tunnel und kam in den Himmel. Der Tunnel war sehr lang und sehr dunkel. Am Ende war ein Licht!“ Das Mädchen kam dann wieder zu Bewusstsein.

Weder bei Pflanzen noch bei Lebewesen gibt es ein Leben ohne Sterben.62 Ist die Seele des Menschen unsterblich? Nicht nur die Atheisten, sondern auch viele andere Menschen lehnen die These von einem Leben nach dem Tode ab. Für die meisten Menschen ist die Weiterexistenz nach dem Tode höchst unwahrscheinlich, weil Beweise für ein Weiterleben fehlen: „Doch hinter dem Sterben wurde noch keiner als anwesend gesehen, es sei denn als Leiche.“63 Wenn der Tod des Menschen das Ende von allem ist, dann verliert das Leben gewissermaßen seinen Sinn. In der Religion wird deshalb auf die Unsterblichkeit der Seele als immaterieller Gegebenheit hingewiesen, welche die durch das Leben und darüber hinaus beständige Identität, Einmaligkeit64 und Einzigartigkeit eines jeden Menschen ausmacht.65 Da wir davon ausgehen, dass das Leben nicht sinnlos sein kann, gibt es wohl ein Leben nach dem Tode. Wir können uns allerdings nur auf den Glauben berufen66, weil Nachweise für eine solche Behauptung nicht existieren.67 Wahrscheinlich ist: „Es gibt ein Weiterleben nach dem Tode: nämlich auf dem Grabstein. So leben wir dann in der Realität weiter.“*

Ob es für uns ein Weiterleben nach dem Tode gibt oder nicht: „Das Dasein jetzt und hier ist auf jeden Fall als sinnvoll zu interpretieren und möglichst aktiv zu durchleben.“*68 Wer sein eigenes Leben und das seiner Mitmenschen als sinnlos empfindet, der ist nicht nur unglücklich sondern auch kaum lebensfähig.69 Als Folgen der Sinnlosigkeit des Lebens können Gewalt, Depressionen, Drogensucht, Respektlosigkeit, ohne Perspektive in den Tag hineinleben und Desinteresse bis zur Wertlosigkeit des eigenen Ichs genannt werden.70 Es gilt festzuhalten, dass kein Mensch umsonst gelebt hat: „Jeder Mensch hat – so wie er ist – seine Daseinsberechtigung.“* Das sollten wir einfach akzeptieren und als Christen entsprechend handeln, ohne zu verurteilen. Eine ganz andere Lösung bot ein kluger Kopf, der im Fernsehen gefragt wurde, ob es ein Weiterleben nach dem Tode gebe und er die für alle überraschende Antwort parat hatte: „Ja, wenn ich gestorben bin, geht das Leben weiter!“ Nach dem Englischen Philosophien Julian Baggini wird das letzte Wort zum Thema „Sinn des Lebens“ nie gesprochen werden. Der Mensch sollte sich aber auf der Basis der angebotenen Möglichkeiten entscheiden, was er eigentlich selbst will:71

„Man kann nicht für alle Möglichkeiten gleich offen sein, weil man sonst am Ende überhaupt nichts mehr glaubt. Und trotzdem muss man Entscheidungen treffen, welche Richtung das eigene Leben nehmen soll. Daran ist nicht zu rütteln“

(J. Baggini)

Sich entscheiden muss er wohl schon deshalb, weil jeder einzelne Mensch sichergehen muss, dass er die richtigen Fragen stellt und befriedigende Antworten darauf findet. Nach der Auffassung von Baggini ist die Suche nach dem Sinn des Lebens bzw. nach dem Sinn des Daseins72 ihrem Wesen nach subjektiv.73 Jeder Mensch muss seinen eigenen Weg selbst finden.74 Anselm Grün hat das sehr treffend einmal so ausgedrückt: „Ich bin auf der Welt, um das einmalige Leben, das mir Gott geschenkt hat, zu leben … Ich finde meinen Sinn, wenn ich meine persönliche Lebensspur in diese Welt eingrabe.“75

2.2 Menschlicher Geist

Der menschliche Geist ist im geisteswissenschaftlichen Universum ein psychisches System, das z. B. aus den Teilsystemen des Denkens (z. B. Vernunft, Verstand, Scharfsinn, Esprit), des Fühlens (z. B. Gefühl) bzw. des Wollens (z. B. Trieb, Streben) besteht. Die Edelsteine des Geistes können dabei nach K.P. Liessmann in vielerlei Gestalt erscheinen, z. B. als These, als Wendung, als Fußnote oder als Aphorismus.76

Geist zu haben heißt, bestimmte Fähigkeiten und Eigenschaften zu besitzen.77 Diese können hier nicht alle im Detail untersucht werden. Zum menschlichen Geist zählen u. a. Wissen, Klugheit, Dummheit und Intelligenz. Auch das Bewusstsein als Teil des Denkens bzw. das Unbewusstsein bzw. das Gewissen als sittliches Bewusstsein von Gut und Böse bilden Teilsysteme dieses Gesamtsystems. Nach der psychologischen Schichtentheorie umfasst die Funktionsebene „Geist“ alle kognitiven, d. h. „mit dem Kopf“ erbrachten Leistungen eines Menschen. In der Kognitionspsychologie78 werden Daten über geistige Prozesse gesammelt. Der Mensch besteht dabei aus Körper und Geist.79 Geist grenzt sich von Materie ab.80 Und: „Der Geist bewegt die Materie“ (Vergil). „Yoga und Autogenes Training zeigen, dass der Geist durchaus die Materie beherrschen kann.“* In den Naturwissenschaften ist aber die Auffassung weit verbreitet, dass der Geist Bestandteil der Materie sei. Im Gegensatz zum menschlichen Geist ist der Heilige Geist, der Geist Gottes. Beide sind wesentliche Bestandteile des geisteswissenschaftlichen Universums. Der menschliche Geist ist hier in dialektischer Sicht zu analysieren.

► T. Livius findet, dass der menschliche Geist unersättlich ist. „Alles, was wir tun, prägt unseren Geist“ (Dalai Lama). Hierher gehört auch das Gefühl: „Es gibt keinen … Geist als jenen, der seine Quellen im Herzen hat“ (L. de Vauvenargues). Auch Träume zählen zum Geist, denn: „Träume sind entfesselter Geist“ (S. Wache). „Der beste Beweis für Geist ist Wissen und Klarheit“ (F. Petrarca). Auch gilt zeitlos: „Lernen fördert den Geist.“* „Das Geistige hat seinen Ausdruck im Antlitz“ (S. Kierkegaard). Was bewegt den Geist? „Kerzenlicht erhellt den Geist und wärmt die Seele“ (M. Poisel). Außerdem: „Im Tanz befreit die Seele den Körper vom Geist“ (L. Hirn). „Ein Bad erfrischt den Körper, eine Tasse Tee den Geist“ (aus Japan). Aber: „Jeder schöpferische Geist ist auch Kritiker“ (G. Eliot). Geist hat auch mit Autorität zu tun: „Wo der Geist redet, schweigen die Papageien“ (P. Rudi). Wir erkennen, dass der menschliche Geist viele Interpretationen erfährt.

► Gott sei Dank gilt: „Auch ein großer Geist nicht alles weiß“ (E.H. Bellermann). Aber es heißt auch in der Bibel: „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ (Matthäus 26, 41). Und: „Geist wächst nicht auf trockenem Boden“ (Augustinus). Papier ist geduldig: „Was der Geist nicht hergibt, kann auch das Papier nicht leisten“ (M. Richter). Geist kann sich auch in Spott äußern: „Spottsucht ist oft Armut an Geist“ (J. de la Bruyère). „Ein vorgeprägter Geist ist niemals ein freier Geist“ (aus China). Es gibt unterschiedliche Arten von Ausprägungen des menschlichen Geistes: „Ein Schöngeist ist meist weder Geist noch schön“ (B. Fuchs). Außerdem: „Ein Kleingeist kann nicht großzügig sein“ (A. Rahn). „Widerspruchsgeist ist das einzige, was manche Leute an Geist besitzen“ (P. Sirius). „Ein ungezähmter Geist ist Quelle zahlloser Leiden“ (Dalai Lama). Und zum Schluss: „Ein erhabener Geist verachtet niedrige Dinge“ (Erasmus von Rotterdam).

► Fazit: „Der Geist ist zwar unerschöpflich, unterliegt aber auch gewissen Grenzen.“* Denn: „Mit Geistesblitzen kann man die Welt erleuchten, aber keinen Ofen heizen“ (C.F. Hebbel). Wir können geistreiche Menschen (z. B. klug denkend, wissend und einfühlsam, mit gutem Willen) und geistlose Menschen unterscheiden, die diese Kriterien nicht erfüllen. „Gegen die Geistlosigkeit ist selbst der Kampfgeist machtlos“ (B. Fuchs). Und es gilt: „Das größte Gut des Menschen ist sein unsteter Geist“ (J. Asimov). Zum Verhältnis von Alter und Geist können wir feststellen:

„Wenn der Geist jung ist, spielt das Alter keine Rolle“

(Ralf S. Kassemeier)

In der Praxis unterscheiden wir große und kleine Geister: „Ein kleiner Geist will nur glauben, was er sieht“ (F. de La Rochefoucauld). Auch gilt: „Je kleiner der Geist, umso größer die Einbildung“ (Aesop). Ohne Frage ist großer Geist mit schöpferischer Intelligenz verbunden. „Genialität beginnt dort, wo man den normalen Geist aufgibt“ (M.M. Jung). Aber wir müssen einschränken: „Ein geistreicher Mann ist nur etwas wert, wenn er Charakter hat“ (N. Chamfort). Zum Schluss: „Unser Geist muss offen, kritisch und kreativ sein, wenn wir unsere Chancen nutzen wollen“ (Jürgen Witt).81

2.2.1 Denken

Das Denken ist jedes aktive kognitive Verhalten des Menschen. Damit ist es ein wesentliches Elemente des psychischen Systems Geist. Denken prägt den Verstand als Fähigkeit bzw. Tätigkeit, sich mit einer Menge von Informationen über Wirklichkeiten auseinanderzusetzen, sie zu bestimmten Zwecken zu unterscheiden und mit Informationen zu vergleichen, zu werten, zu ordnen und zu speichern. Das Denken ist auch mit Problemlösen verbunden.82 Aber einschränkend: „Das Bedenklichste in unserer bedenklichen Zeit ist, dass wir noch nicht denken.“83 In das, was Denken heißt, gelangen wir, wenn wir selbst denken lernen. Denken ist also mit Lernen verbunden.84 „Wer selber denkt, hat Heimvorteil“ (M. Rumpf). Aber bedauerlich ist: „Leider lernt der Mensch Denken immer als Letztes“ (W. Fürst). Übertreiben sollte man es aber auch nicht: „Wer ständig denkt, wird zum Thinkoholic“ (H.J. Quadbeck-Seeger). Wie ist das Denken als Teil des menschlichen Geistes dialektisch zu beurteilen?

► These: „Das Denken macht die Größe des Menschen aus“ (B. Pascal). Außerdem gilt: „Denken ist des Menschen bestes Teil“ (H. Ibsen). „Gedanken leben vom Denken“ (M. Hinrich). „Das Denken ist die Arbeit des Geistes, die Träumerei seine Lust“ (V.M. Hugo). Weltberühmt ist der folgende Ausspruch:

„Ich denke, also bin ich“

(René Descartes)

Descartes war zunächst Soldat und entwickelte sich zu einem exzellenten Mathematiker. Er hasste es, wenn er zu früh geweckt wurde, weil er morgens gern lange ausschlief.85 Aufgrund seiner Intelligenz erfreute er sich großen Ruhmes, doch sein tiefes Misstrauen und seine Arroganz machten ihn empfindlich gegenüber jeder Kritik.86 Hier bewahrheitet sich wieder meine Erkenntnis: „Sehr kritische Menschen vertragen selbst überhaupt keine Kritik.“* Bescheiden meint demgegenüber L.A. Seneca: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Der mallorquinische Philosoph und Theologe Raimundus Lullus fand: „Denken macht durstig … und wer Durst hat, kann nicht denken.“87 Zum Denken sollte man sich die Zeit nehmen: „Man kann nicht denken, wenn man es eilig hat“ (Platon). „Nur wer viel allein ist, lernt gut zu denken“ (W. Ronsels). Deshalb sage ich: „Denken blüht in der Stille.“* S. Graff meint dazu: „Es gibt nichts Wichtigeres auf der Welt, als den Menschen zum Nachdenken zu bringen.“ Kommt die Bildung vom Lesen? „Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene“ (C. Hilty). Ein bekannter Politiker bekennt: „Man muss einfach reden, aber kompliziert denken, und nicht umgekehrt“ (F.J. Strauß). Typisch ist der folgende Ausspruch von Thomas Gottschalk: „Ich habe eine große Klappe und kann schnell denken.“ Zum Schluss: „Wer mundfaul ist, kann trotzdem denkfleißig sein!“*

► Antithese: „Manchmal bezweifle ich, dass das Denken wirklich ein Vorteil ist“ (D. Wieser). Denn: „Denken heißt zerstören“ (F. Pessoa). Und: „Manchmal ist das Denken eine Plage“ (A. Merbach). Dann wundert es uns nicht: „Denken macht einsam“ (P. Rudi). „Auch das Denken schadet bisweilen der Gesundheit“ (Aristoteles). Zum Verhältnis Sein und Denken: „Denken und Sein werden vom Widerspruch bestimmt“ (Aristoteles). Denken ist mit Logik verbunden, aber: „Scharfkantiges Denken eckt an“ (H.J. Quadbeck-Seeger). Auch Gefühl ist nötig: „Unsere Gedanken beginnen zu welken, sobald ihnen die Sonnenstrahlen des Herzens fehlen“ (D. Mühlemann). Und es gilt: „Denken, ohne zu zweifeln ist Schwärmerei“ (H.J Quadbeck-Seeger). Leider: „Jeder akzeptiert nur die Zusammenhänge, die er überschaut“ (M. Richter). „Was nützt es dem Menschen, wenn er Lesen und Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen überlässt“ (E.R. Hauschka). Verblüffend ist: „Bei manchen Köpfen steigt beim Denken so viel Rauch auf, dass die Umgebung total vernebelt wird“ (T. Zölffel). Ein Top Manager muss es wissen: „Die meiste Zeit geht dadurch verloren, dass man nicht zu Ende denkt“ (A. Herrhausen).

► Synthese: Das logische Denken prägt insbesondere den Verstandesmenschen.88 „Zu einem vollkommenen Menschen gehört die Kraft des Denkens, die Kraft des Willens und die Kraft des Herzens“ (L. Feuerbach). Aber: „Wir lieben die Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken, vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir“ (M. Twain). Ein berühmter französischer Staatsmann plädiert für das Handeln, vor allem, wenn die Zeit gekommen ist:

„Nimm dir Zeit zum Nachdenken, aber wenn die Zeit zum Handeln gekommen ist, dann höre auf nachzudenken und handle“

(Napoleon Bonaparte)

„Das Denken ist als Arbeit des Geistes etwas Wunderbares, vor allem, wenn es zum Erfolg führt.“* „Zum Denken sind wenige Menschen geneigt, obwohl alle zum Rechthaben“ (A. Schopenhauer). „Denken ist schwer, darum urteilen die meisten“ (C.G. Jung). Vieles wiederholt sich: „Alles ist schon gedacht worden, man muss nur versuchen, es noch einmal zu denken“ (J.W. von Goethe). Wir wissen: „Das Denken ist keine Massenveranstaltung“ (R. Walden). Denken ist manchmal Wahnsinn: „Je näher man dem Wahnsinn kommt, desto besser versteht man die Wirklichkeit“ (D. Mühlemann). Und zum Schluss sollten wir auch im Rahmen der Betrachtungen des Denkens nie vergessen: „Der Mensch denkt, Gott lenkt!“ (unbekannt).

2.2.2 Vernunft

Die Vernunft ist die geistige Fähigkeit des Denkens eines Menschen, nämlich in konkreten Fällen zu erkennen, aus welchen Gründen etwas geschieht und welche Folgen abzuleiten sind. Die Vernunft ist einerseits als theoretische Art (als sinnliche Wahrnehmung) und andererseits praktisch als Orientierung des Handelns zu sehen. „Vernünftig ist, was mit Verstand geschieht.“* Außerdem: Vernunft ist eng mit Kritik verbunden.89 Die Vernunft wird aber nicht einheitlich bewertet.

► Es gibt zur Vernunft viele Meinungen: „Die Vernunft unterscheidet uns Menschen von Tieren.“* „Einsicht ist der erste Schritt zur Vernunft“ (S. Gönül). „Durch Vernunft, nicht durch Gewalt, soll man Menschen zur Wahrheit führen“ (D. Diderot). „Wenn du eine weise Antwort verlangst, musst du vernünftig fragen“ (J.W. von Goethe). Rudolf Walter Leonhardt betont folgende pro-Argumente zur Vernunft: Wo die Vernunft nicht in höhere Vernunft abhebt, leistet sie einiges. Wenn wir selbst unsere Interessen durchboxen und gegen eine allgemeine Vernunft handeln, dann spüren wir, dass es eine solche gibt. Auch wer überall nur Unvernunft zu entdecken meint, setzt damit eine Norm, die Vernunft heißt. Die Vernunft ist der größte Hauptnenner der Menschheit (z. B. gegen den Atomtod). Zum Schluss: Ohne Vernunft gäbe es die Wissenschaft nicht.90

► „Der Mensch ist vielerlei, aber vernünftig ist er nicht“ (O. Wilde). „Vor allem ökonomische Interessen können die Vernunft am Gängelband führen.“* „Fast nie kommt der Mensch aus Vernunft zur Vernunft“ (C. de Montesquieu). „Wo der Mut keine Zunge hat, bleibt die Vernunft stumm“ (J. Müller). „Kein Vormarsch ist so schwer wie zurück zur Vernunft“ (B. Brecht). „Mit unserer Vernunft ist es so weit nicht her: was vermag sie gegen die Liebe?“ (unbekannt). Und vor allem: „Die Vernunft ist des Herzens größte Feindin“ (G. Casanova). Auch: „Gegen Emotionen hat die Vernunft kaum eine Chance.“* Interessant: „Wer sich ständig von der Vernunft leiten lässt, ist nicht vernünftig“ (Ch. Tschopp). Ähnlich: „Vielleicht ist es unvernünftig, immer vernünftig zu sein.“ (S. Rogal). „Wenn man sich von der Vernunft lange genug leiten lässt, kommt man zu ganz unvernünftigen Schlussfolgerungen“ (S. Butler). Auch die „großen“ Philosophen konnten nicht einheitlich klären, was „vernünftig“ ist.91

► Ein Fazit zieht Grillparzer: „Die Vernunft ist der durch die Phantasie erweiterte Verstand.“ Wir Menschen haben aber mitunter unsere Probleme mit der Vernunft. Die Vernunft ist wohl auch nicht die Schaltzentrale unseres Verhaltens. Deshalb kommen Wissenschaftler zu dem folgenden Ergebnis:92

„Der klare Verstand als zentrales Merkmal des menschlichen Handelns ist eine Fiktion“

(Richard David Precht)

Die wichtigsten Impulse unseres Verhaltens kommen nicht aus dem Großhirn – dem Sitz der Vernunft, sondern sie kommen aus unserer Gefühlszentrale im Zwischenhirn. J.J. Rousseau meint dazu: „Die Vernunft formt des Menschen, das Gefühl leitet ihn.“ Als Vordenker in der Zeit der Aufklärung war Rousseau überall in Frankreich bekannt. Er war zu einem kleinen Waldgasthaus gewandert und er merkte, dass die Leute wieder einmal über ihn tuschelten. „Das ist der Lohn meines Ruhmes“, brummelte er vor sich hin und setzte sich an einen freien Tisch. Ein älteres Weib wagte sich an seinen Tisch und fragte: „Sind sie nicht der bekannte Philosoph Voltaire?“ „Nein, Madame! Der bin ich nicht!“ knurrte Rousseau. Dennoch ließ die Frau nicht von Rousseau ab, der in Ruhe gelassen sein wollte und nun bereits etwas unwirsch reagierte. Endlich kam der Wirt mit dem Wein: „Madame!“ sagte er tadelnd zu der Frau: „Wisst Ihr denn nicht, wer dieser Herr ist? Es ist der vortreffliche Diderot, Frankreichs Stolz und unter den Lebenden unser gewaltigster Philosoph.“93

2.2.3 Verstand

Der Verstand ist die Fähigkeit des Menschen, durch das Denken, Bedeutungen, Beziehungen und Sinnzusammenhänge zu erfassen und zu erschließen.94 Deshalb die Folgerung: „Der Mensch sollte sich immer darum bemühen, vernünftig zu handeln.“ Der kategorische Imperativ fordert: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“ (E. Kant). Also postulieren wir mit Kant: „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Auch gilt: „Der Verstand steht als schlussfolgerndes Denken“ (Aristoteles) in enger Beziehung zur Vernunft. Folge deshalb dem guten Rat eines weisen Menschen:

„Lass die Zunge nicht dem Verstand vorauseilen“

(Chilon aus Sparta)

► „Verstehen setzt einen Verstand voraus“ (E. Klepgen). Aber: „Menschenverstand ist viel seltener als man denkt“ (Friedrich der Große). „Derer sind wenige, die Verstand haben“ (Dante). „Wer großen Verstand hat, weiß viel“ (L. de Vauvenargues). „Wo Verstand ist, braucht es nicht viele Worte“ (Sprichwort); denn: „Verstand zeigt sich im klaren Wort“ (Euripides). G. Klopstock geht noch weiter: „Verstand ist ein Edelstein, der am schönsten glänzt, wenn er in Demut gefasst ist.“ Und es gilt: „Horizont ist keine Frage der Größe“ (H. Lahm). „Immer etwas Schönes zu ersinnen, ist die Gabe eines göttlichen Geistes“ (Demokrit). Daraus entsteht die weitere Folgerung: „Möge Gott dir gesunden Menschenverstand geben“ (irischer Spruch).

► Verstand kann aber mitunter auch hinderlich sein: „Verstand hemmt die Spontaneität“ (Querulix). Auch: „Der Verstand schützt uns nicht vor Launen“ (Vauvenargues). „Nicht jeder, der Verstand hat, hat auch Verständnis“ (H. Lahm). Ähnlich: „Wo Verständnis fehlt, hat es der Verstand schwer“ (K.W. Dickhöfer). Interessant sind Zusammenhänge zwischen Gefühl und Verstand: „Ohne den Verstand würde das Gefühl mitunter ausufern.“* Stärker ausgedrückt: „Der Verstand ist die Zwangsjacke unserer Gefühle“ (P. Sereinigg). „Wo unser Verstand aufhört, beginnt unser Herz“ (A. Maggauer-Kirsche). Ähnlich: „Manchmal versteht das Herz mehr als der Verstand“ (J.M. Kulmer). „Das Herz kennt Gründe, von denen der Verstand nichts weiß“ (Pascal). Das Verhalten von Menschen hängt auch vom Kopf ab: „Leere Köpfe verlieren ihren Verstand viel leichter“ (M.G. Reisenberg). Und: „Mit dem Kopf durch die Wand, deutet auf wenig Verstand“ (E.H. Bellermann). Resignierend, aber wahr: „Es gibt so weniges, worüber wir richtig urteilen“ (L. de Vauvenargues). Zum Nachdenken: „Das Unbegriffene verbirgt das Unbegreifliche.“ (S. Weil).

► Fazit: Gefühle, Spontaneität, Launen und Eitelkeit wirken zuweilen dem Verstand entgegen. „Wo die Eitelkeit anfängt, hört der Verstand auf“ (M. von Ebner-Eschenbach). Auch: „Wo Verstand befiehlt, ist Gehorsam leicht“ (Th. Fontane). „Ohne Verstand ähnelt der Kopf einem leeren Topf“ (aus Spanien). Der Verstand lässt sich treffend anhand des Verstandesmenschen erklären:95 Er zeichnet sich durch logisches Denken, seine Vernunft, seine Abstraktionsfähigkeit und durch sein scharfsinniges Urteil aus. Dabei verbindet er logische Denkarbeit mit einem guten Gedächtnis. Aber: „Das Gefühl ist nicht die Stärke des Verstands.“* Und: „Das Gefühl versteht, was der Verstand nicht begreift“ (Bonaventura). Auch: „Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt“ (B. Pascal). Außerdem: „Der Verstand und die Fähigkeit, ihn zu gebrauchen, sind zwei verschiedene Gaben“ (Grillparzer). Aber: „Je weniger Verstand einer hat, umso weniger merkt er den Mangel“ (aus Großbritannien). Und: „Nicht alles, das man nicht versteht, muß deshalb gleich falsch sein“ (K.W. Dickhöfer). Interessant: „Der Blick des Verstandes fängt an scharf zu werden, wenn der Blick der Augen an Schärfe verliert“ (Platon). Zum Schluss das treffende Zitat von Wilhelm Hey: „Verstand und Witz kann leicht entzücken, doch fesseln kann allein das Herz.“ Diesen schönen Satz habe ich 1974 meiner Isolde in das Album zu unserer Hochzeit geschrieben.

2.2.4 Gefühl

Das Gefühl ist ein Gestimmtsein, das sich im Fühlen des Menschen ausdrückt und mit Sensibilität verbunden ist. Wir Menschen erleben alles, was uns fördert als Wert und alles, was uns hemmt als Unwert. Diese Erlebnisse heißen Gefühle.96 Das Gefühl ist ein Grundphänomen des Erlebens einer Erregung (Spannung) oder Beruhigung, z. B. Entspannung. Es wird mehr oder weniger von Lust oder Unlust begleitet. Menschen haben negative Gefühle, wie Angst bzw. Ärger und positive Gefühle, wie beispielsweise Freude und Liebe. Gefühle sind mit Affekten, Emotionen und Empfinden verbunden.97 Gemütsbewegungen im Sinne eines Affekts sind Emotionen, mit denen sich die Emotionspsychologie beschäftigt.98 Wie erkennt man Gefühle? Sie lassen sich z. B. in Gesichtern ablesen.99 Ein Individuum, das sich in seinem Handeln stark von seinen Gefühlen leiten lässt, ist ein Gefühlsmensch (s. unten).

► „Das Gefühl ist die lebendige Mutter des gesamten Geisteslebens“ (F.T. von Vischer). „Insbesondere Menschen, die sich lieben, werden vom Gefühl getrieben“ (F. Ammon). „Nichts richtet das Gemüt so auf, wie das Gefühl, geliebt zu sein“ (Th. Fontane). „Nur das Gefühl versteht das Gefühl“ (H. Heine). „Das höchste aller Gefühle für einen Menschen ist, dass er anerkannt und geschätzt wird“ (unbekannt). Und es ist nachweisbar: „Einfühlungsvermögen ist der Reichtum unseres Herzens“ (Almut Adler). „Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden“ (C. Spitteler). Auch gilt: „Für die Sprache des Herzens braucht es keinen Duden“ (A. Marti). Papst Benedikt XVI sagte etwas, was man so nicht erwarten konnte: „Mein Herz schlägt bayerisch.“ „Welch eine himmlische Empfindung ist es, seinem Herzen zu folgen“ (J.W. von Goethe). „Kein Gefühl ist gleich dem Gefühl der Zufriedenheit“ (K. Eisenlöffel). Und: „Ein großes Gefühl braucht Raum für Ausschweifungen“ (E. Ellinger). Zum Schluss: „Die wichtigste Energiequelle unseres Lebens ist und bleibt die menschliche Wärme“ (E. Ferstl).

► Die andere Seite des Gefühls lässt sich so ausdrücken: „Wo viel Gefühl ist, ist auch viel Leid“ (Leonardo da Vinci). Ähnlich: „Jedes schöne Gefühl hat seine Tränen“ (L. Bechstein). Wenn wir Gefühl und Verstand vergleichen, kommen wir zu folgendem Ergebnis: „Das Gemüt hat mehr Mängel als der Verstand“ (F. de la Rochefoucauld). Vor allem: „Autorität, wie Vertrauen werden durch nichts mehr erschüttert, als durch das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden“ (Th. Storm). „Auch in einem Rolls-Royce wird geweint, vielleicht mehr als in einem Bus“ (F. Sagan). Wie zeigen sich Gefühle? „Die Gefühle offenbaren sich umso weniger, je tiefer sie sind“ (H. de Balzac). „Das schwere Herz wird nicht durch Worte leicht“ (F. von Schiller). Nicht nur für Musiker gilt: „Wer zart besaitet ist, kann nie die erste Geige spielen“ (G. Uhlenbruck).

► Zusammenfassend erkennen wir: „Unsere Gefühle sagen mehr als tausend Worte“ (G. Kropp). Das Gefühl lässt sich am Verhalten eines Gefühlsmenschen100 erklären. Dieser gibt sich ganz seinen Werterlebnissen hin. Er ist durch seine leichte Gefühlsansprechbarkeit und den oft raschen Wechsel der Stimmungslage gekennzeichnet. Der Gefühlvolle ist verständig und einfühlsam (z. B. gutes Empfinden für Musik), gutmütig und interessiert, entscheidet oft „aus dem Bauch heraus“, hat eine reiche Phantasie und neigt zu Kompromissen. Dazu passt die folgende Feststellung eines klugen Kopfes:

„Die großen Gedanken kommen aus dem Herzen“

(Vauvenargues)

Der Gefühlsmensch kann sich in andere Menschen hineinversetzen und kann ihnen wirksamen Zuspruch geben. Wir folgern: „Gefühlvolle Menschen haben ein Herz für andere. Menschen ohne Gefühl verstehen andere kaum.“* Nachteilig kann sein, dass dem Gefühlsmenschen manchmal die Konzentration bzw. das logische Denken abhanden kommen. Denn: „Denken und Empfinden sind von Natur aus verschieden“ (Aristoteles). Nicht selten lässt sich der Gefühlsmensch von anderen Menschen stärker beeinflussen als andere. Außerdem ist er sehr empfindsam und auch die Tränen fließen schneller als bei den mehr zum Denken neigenden Menschen.

2.2.5 Wollen

Das Wollen ist das Streben des Menschen, das sein Handeln leitet. Es ist die Fähigkeit, sich auf Grund von Motiven und in bewusster Stellungnahme zu ihnen für Handlungen zu entscheiden, im Unterschied zu Trieb, Instinkt und Begehren. Zu einem vollständigen Willensvorgang gehören das Motiv, das eigentliche Wollen und die Verwirklichung des Gewollten. Wille entzündet sich nur am Antrieb und kann mit hoher Beharrlichkeit verbunden sein. Zum Willen gehört nicht nur das Umsetzen von Entschlüssen durch Handeln oder Willensäußerung.101 Auch das Unterlassen einer Handlung kann eine Willensverwirklichung sein. Der Wille hat seine positiven, aber auch seine negativen Seiten.

► „Des Menschen Wille ist sein Himmelreich“ (Sprichwort). „Der Wille ist der Antrieb des Menschen zur Zielerreichung.“* Auch: „Der Wille ist der Ursprung aller Taten“ (F. Schmidberger). „Der gute Wille ist das Kostbarste im Menschen“ (Fénélon). „Guter Wille und gute Tat sind die Eltern des Glücks“ (Sprichwort). Auch folgendes ist Ausdruck des Wollens: „Ich lasse nicht locker“ (R. Koch). Konfuzius sagt: „Wenn der Wille auf das Gute ausgerichtet ist, gibt es nichts Böses.“ Ebenfalls: „Der Wille öffnet die Türen zum Erfolg“ (L. Pasteur). „Mut und Wille ergeben manchmal Mutwillen“ (W. Busch). Und: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ (Sprichwort). Ähnlich: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Gebüsch“ (J. Eberwein). Zum Schluss: „Wenn der Wille da ist, sind die Füße leicht“ (aus England).

► Die andere Seite zeigt sich in folgender Erkenntnis: „Des Menschen Wille ist seine Hölle“ (W. Busch). Das zeigt sich nicht selten bei Zerwürfnissen: „Streit fängt dort an, wo der gute Wille aufhört“ (F. Ammon). Manchmal muss man ab und zu geben: „Der unbedingte Wille ist vor allem in der Liebe absolut tödlich“ (P. Rudi). „Schlecht kämpft der Wille gegen stärkeren Willen“ (Dante). Und: „Aufgeben heißt, am eigenen Willen gescheitert zu sein“ (B. Stramke). „Wo der Mut fehlt, fehlt der Wille“ (A. Selacher). „Den Menschen fehlt nicht die Kraft, es fehlt ihnen der Wille“ (V. Hugo). Auch Ziele sind bedeutsam: „Wo Ziele fehlen, irrt der Wille umher“ (H.J. Quadbeck-Seeger). Ein zu starker Wille ist gefährlich: „Beharrlichkeit ist eine gute Sache, solange sie nicht in Sturheit gipfelt“ (E. von Ostheim). „Je heftiger man nach etwas strebt, desto weiter kommt man von Ziel ab“ (Lu Bu We). Für manchen ist es einfach: „Der hat alles, der nichts will“ (Sprichwort). Auch gilt: „Es lacht mancher, der beißen will“ (Sprichwort). „Im Willen liegt die Schuld, nicht in der Tat“ (E.B.S. Raupach). Zum Schluss: „Manche müssen durch Nachgeben ihren Willen durchsetzen“ (P. Sirius).

► Fazit: „Einerseits ist des Menschen Wille sein Himmelreich, andererseits seine Hölle“*: Es kommt also darauf an, in welcher Weise der Mensch seinen Willen gebraucht. Der Wille ist dauernd auf die betreffende Zielvorstellung eingestellt. Das Handeln ist die Wirkung eines Willensentschlusses nach außen. Ohne Streben gibt es kein Wollen: Dieses ist anhand des Willensmenschen102 gut erklärbar: „Der Willensmensch verfolgt seine persönlichen Ziele beharrlich, manchmal pedantisch, mitunter ausdauernd und mit großen Betätigungsdrang. Bisweilen kommt es bei ihm zu Ausbrüchen, wenn es bei der Zielerfüllung nicht vorangeht.“*

„Wenn dein Wille nicht will, wird dein Wollen nicht können

und das Können nicht dürfen“

(P.E. Schumacher)

„Der Mensch muss nichts wollen, aber wenn er will, dann muss er“ (unbekannt). „Ich kann, weil ich will, was ich muss“ (I. Kant). Und auch: „Ein williges Pferd soll man nicht zuviel reiten“ (M. Luther). Oder: „Wer will, der kann und wer nicht kann, der soll nicht wollen“ (M. Genin). Vor allem: „Man darf nichts Unmögliches wollen“ (I. von Loyola). Merke eine wahre Erkenntnis zur Lebensbewältigung: „Du sollst nicht wollen, was du nicht kannst“ (F. Ammon).

2.2.6 Wissen

Das Wissen umfasst einerseits als Alltagswissen allgemein verfügbare Orientierungen alltäglicher Sach- und Handlungszusammenhänge. Andererseits sind es umfassende Kenntnisse als vernetzte Informationen aus den verschiedenen Wissenschaften103, z. B. ein verfügbarer Bestand von Fakten, Theorien und Regeln. Dabei wird von der Gültigkeit bzw. von der Wahrheit des Wissens ausgegangen. Es gibt also Alltagswissen und Spezialwissen. Konfuzius erklärt das Wissen auf seine Weise: „Zu wissen, was man weiß, und zu wissen, was man tut, das ist Wissen.“ Im Grunde gibt es drei Wege zum Wissen: Die Selbsterfahrung, eigenes Handeln und die Fremderfahrung.104 Das Wissen ist als grundlegender erkenntnistheoretischer Begriff Gegenstand philosophischer Diskussionen. Trotzdem gilt leider: „Wir lernen viel und wissen wenig“ (C.L. von Knebel). Auch die Wissenschaft hat ihre Grenzen.105 In eine ganz andere Richtung wurde festgestellt: „Die Wissenden reden nicht viel. Die Redenden wissen nicht viel“ (unbekannt). Und es gilt: „Es ist nicht genug zu wissen – man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen – man muss auch tun“ (J.W. von Goethe).

► Thesen: „Es fällt immer auf, wenn jemand über Dinge redet, die er versteht“ (H. Käutner). Bekannt ist: „Wissen ist Macht“ (F. Bacon). Und: „Wer den Durchblick hat, kann Zusammenhänge erklären.“* Auch: „Wissen ist nur dann Macht, wenn du etwas über die richtigen Leute weißt“ (P. Schumacher). „Genug weiß niemand, zu viel so mancher“ (M. von Ebner-Eschenbach). Und es gilt: „Je mehr wir in uns aufnehmen, umso größer wird unser geistiges Fassungsvermögen“ (Seneca). Wissen besitzt man langfristig: „Wissen ist ein Schatz, den man nicht verliert“ (aus China). „Die wichtigste Voraussetzung für Wissen ist immer Neugier“ (E. Rutemöller). „Das Staunen ist eine Sehnsucht nach Wissen“ (Th. von Aquin). „Alles Wissen besteht in einer sicheren und klaren Erkenntnis“ (Descartes). „Alles auf der Welt kann man rückgängig machen, bloß nicht das Wissen“ (A. Marovia). Ein kluger Rat ist: „Halte dich immer für dümmer als die anderen. Sei es aber nicht“ (J. Cocteau). „Zwar weiß ich viel, doch möchte ich alles wissen“ (J.W. von Goethe). Entscheidend ist: „Bildung kann einen sehr glücklich und gelassen machen“ (G. Jauch). „Das schönste Glück des denkenden Menschen ist, das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche zu verehren“ (J.W. von Goethe). Aber es stimmt auch: „Eine Investition in Wissen bringt nicht immer die besten Zinsen“ (B. Franklin).

► Antithesen: „Wer alles besser weiß, muß noch viel dazu lernen“ (F. Ammon). Viel Wissen macht zwar stark, aber: „Nichts wissen macht auch nichts“ (Sprichwort). Allerdings muss man die Folgen richtig einschätzen: „Wer nichts weiß, muss alles glauben“ (M. von Ebner-Eschenbach). Und: „Wer alles glaubt, weiß nichts – wer alles weiß, glaubt nichts“ (H.A. Bruder). Grundsätzlich gilt: „Alles Wissen ist begrenzt“ (S. Radulian). Ähnlich: „Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt“ (A. Einstein). Sokrates sagt bescheiden: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Außerdem: „Mit dem Wissen wächst der Zweifel“ (J.W. von Goethe). „Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht“ (J. Ringelnatz). „Je spezieller das Werk, desto breiter die Ignoranz“ (M. Richter). Und auch: „Man darf nicht alles wissen“ (Horaz). Wer Wissen sammelt, sollte es ordnen, denn: „Wissen ohne Ordnung ist Hausrat auf einem Leiterwagen“ (K. Lorenz). Und es gilt zeitlos, dass das Wissen allein nicht ausreicht: „Die einzige Gewähr für das wirkliche Wissen ist das Können“ (P. Valery). Wir alle haben die Erfahrung machen müssen: „Erst nach dem Studium merkst du, das du zu wenig weißt“ (aus China).

► Synthese: „Mit unserem Wissen eröffnen wir uns unsere Lebenschancen.“106 Mithilfe unseres Wissens sichern wir unsere Existenz. Über unser Wissen erschließen wir uns schrittweise die Welt. Außerdem leben wir in einer Zeit des raschen Wandels. Aber es gilt bis heute: „Umso mehr sich der Mensch im geisteswissenschaftlichen Universum Wissen schafft, desto mehr keimen in ihm Wissenszweifel.“* Wissen macht nicht immer glücklich: „Hätte ich gewusst, dass mir mein heutiges Wissen so viel Seelenqualen bereitet, wäre ich lieber unwissend geblieben.“ (H.R. Menzel). „Je mehr Einsicht man hat, desto mehr Größe und Niedrigkeit entdeckt man im Menschen“ (B. Pascal). Wissen verändert sich: Nach einer Aussage von Hubert Burda verändert sich die Halbwertzeit des Wissens monatlich. Oder nimmt die Lebensdauer wissenschaftlicher Befunde eher zu? Aber: Eine Halbwertzeit des Wissens lässt sich wohl eher nicht feststellen, weil „Wissen“ nicht quantifizierbar ist. Allerdings: „Wissen ist ein Schatz, den man niemals verliert.“* „Seitdem ich denken kann, habe ich mich bis heute stark engagiert, um mir Wissen anzueignen.“* „Wir Menschen brauchen Wissen, nicht nur um unser Leben zu bewältigen, sondern auch, um im Beruf und darüber hinaus bestehen zu können.“* Und zum Schluss: „Ein Haus ohne Bücher ist arm“ (H. Hesse). Letztlich gilt für uns alle: „Der Mensch lernt, solange er lebt, und stirbt doch unwissend“ (aus Jugoslawien).

2.2.7 Gewissen

„Das Gewissen ist das menschliche Bewusstsein“ (Demokrit). „In der Ethik ist das Gewissen das Bewusstsein eines inneren Gerichtshofs des Menschen“ (E. Kant). Dieser legt den sittlichen Wert oder Unwert des eigenen Verhaltens bzw. die Fähigkeit der moralischen Selbstbeurteilung offen. Das Gewissen107 enthält Polaritäten.108 „Das Gewissen erhält als moralische Instanz positive und negative Informationen direkt von der Seele.“* Wenn jemand ein schlechtes Gewissen hat, macht er sich Vorwürfe und fühlt sich schuldig. Hat er ein reines Gewissen, dann stimmt ihn das positiv: „Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange, ist sich des rechten Weges wohl bewusst“ (J.W. von Goethe). Wir können also gutes und schlechtes Gewissen unterscheiden.

► Ein gutes Gewissen bringt uns den Seelenfrieden: „Das Gewissen ist Gottes Gegenwart im Menschen“ (E. Swedenborg). „Ohne ein fröhliches Gewissen und ein unbeschwertes Herz vor Gott kann niemand selig werden“ (M. Luther). „Wenn euer Gewissen rein ist, so seid ihr frei“ (J.W. von Goethe). „Das Gewissen ist unser bester und zuverlässiger Wegweiser“ (L. Tolstoi). Gut ist es zu wissen: „Eine innere Stimme warnt vor falschen Handlungen“ (Sokrates). „Ein gutes Gewissen hilft uns dabei, im geisteswissenschaftlichen Universum besser zurecht zu kommen.“* Denn: „Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen“ (Ovid). „Ein gutes Gewissen lacht über falsche Beschuldigungen“ (aus Indien). Anders gesagt: „Das Gewissen ist der Wachhund, der die Sünden verbellt“ (unbekannt). Und es gilt: „Wer sich schuldig fühlt, braucht keinen Ankläger“ (aus Estland). Weitere Meinungen dazu: „Man entgeht wohl der Strafe, aber nicht dem Gewissen“ (Sprichwort). „Das Gewissen ist eine Wunde, die nie heilt und an der keiner stirbt“ (C.F. Hebbel). „Das Gewissen ist der einzige Spiegel, der weder betrügt, noch schmeichelt“ (Ch. von Schweden). Deshalb: „Sei deines Willens Herr und deines Gewissens Knecht“ (M. von Ebner-Eschenbach).

► „Böses Gewissen verraten die Augen“ (Deutsches Sprichwort). Und es gilt auch: „Nimm dein Gewissen nicht auf den Rücken“ (China). „Ohne eine ethische Verantwortung bleibt das Gewissen leer. Ohne Verantwortung ist das Gewissen blind“ (L. Honnefelder). Erstaunlich: „Gewissen und Feigheit sind in Wirklichkeit ein und dasselbe“ (O. Wilde). Auch: „Gewissenbisse erziehen zum Beißen“ (F.W. Nietzsche). Warnung: „Grenzen, die nie gesetzt werden, können jederzeit überschritten werden“ (Almut Adler). „Gewissenlosigkeit ist nicht Mangel an Gewissen, sondern der Hang, sich an dessen Urteil nicht zu kehren“ (E. Kant). Andererseits: „Viel Fleiß und wenig Gewissen machen den Beutel voll“ (Sprichwort). Interessante Bemerkung: „Wenn das Gewissen ein Rotlicht ist, dann bemühen sich die meisten, noch schnell bei gelb über die Kreuzung zu kommen“ (S. Berger). Zum Nachdenken: „Das Gewissen ist eine Schwiegermutter, deren Besuch nie endet“ (H.L. Mencken).

► Fazit: „Das Gewissen ist das menschliche Bewusstsein vom Guten und dem Bösen im geisteswissenschaftlichen Universum.“* „Ein schlechtes Gewissen ist ein Zeuge, den man Tag und Nacht mit sich herumträgt“ (Juvenal). Auch gilt: „Wenn der innere Schweinehund bellt, will er damit das Gewissen verjagen“ (E. Ferstl). Eine weitere Erkenntnis: „Das so genannte gute Gewissen ist oft nur ein guter Falschmünzer“ (G. Nyncke). Oder: „Das gute Gewissen bedingt ein schlechtes Erinnerungsvermögen“ (E. Baschnonga). Was merken wir uns hier? Bei der Beurteilung von Prinzipien zur Lebensbewältigung ist ein klarer Trennstrich zum Selbstbetrug des Menschen zu ziehen. „Mitunter ist der Wille zum Guten zwar gegeben, aber das konkrete Verhalten des Menschen ist in der Realität oft alles andere als prinzipientreu.“* Die ausschließliche Orientierung des Menschen an seinem eigenen Gewissen kann den Menschen auch in die Irre führen.109 „Niemand wird in der Welt leichter betrogen … als das Gewissen“ (J. Paul). Wie ist es zu bewerten, wenn ein Mensch nur noch seinem Gewissen folgen mag? Die folgende Meinung findet meine volle Unterstützung!

„Statt mit einem objektiven Gerichtshof haben wir es bei unserem Gewissen eher mit einer Art doppelter Buchführung zu tun, die zahlreiche Tricks kennt, um ihre Bilanzen zu fälschen“

(Richard David Precht)

Aber: „Wir sollten uns nicht dem Bösen zuwenden, sondern uns klug am Bewusstsein des Guten orientieren; wir sollten mit Klugheit die Autorität der Zehn Gebote anerkennen und diese einhalten. Alles andere bringt unseren Geist vom rechten Weg ab.“*

2.2.8 Klugheit

Die Klugheit ist eine dem Verstand bzw. der Vernunft zugeordnete Eigenschaft und Fähigkeit des Menschen. Sie ist eine edle Säule der Intelligenz und hilft Zusammenhänge zu deuten.110 Ein kluger Mensch hat die Fähigkeit, Handlungsziele zu erkennen und im jeweiligen Einzelfall angemessen und geschickt zu handeln. Klugheit ist damit die erworbene Kompetenz einer Person, durch die sie sich selbst und dadurch ihr Handeln und Leben zu orientieren vermag.111

Dazu eine Anekdote über Nasreddin Hodscha112, den orientalischen Till Eulenspiegel. Zwei Jungen beschlossen, Nasreddin mit einem Versuch hereinzulegen. Mit einem kleinen Vogel, den sie in ihren Händen versteckten, wollten sie den weisen Mann fragen, ob dieser in ihrer Hand tot oder lebendig sei. Wenn er sagte, der Vogel sei lebendig, würden sie diesen erdrücken und ihm damit zeigen, dass er falsch lag. Wenn er dagegen sagte, der Vogel sei tot, würden sie diesen fliegen lassen. Als sie nun den weisen alten Mann fanden, fragten sie ihn: „Nasreddin, was wir in der Hand halten, ist das tot oder lebendig?“ Der kluge Nasreddin sagt nach kurzer Überlegung. „Ach meine jungen Freunde, dies liegt ganz in eurer Hand!“

Einerseits ist Klugheit auf Einzelfälle bezogen, aber es ist auch auf das Allgemeine gerichtetes Wissen. „Manchmal muss man auch über seinen eigenen Schatten springen“ (unbekannt). Oft ist das schwierig: „Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet zum Berg kommen“ (Mohammed). Demütige Klugheit grenzt sich von Gerissenheit, Cleverness und Verschlagenheit ab, die nur einen praktischen Nutzen oder einen persönlichen Vorteil zum Ziel haben. Auch die Klugheit lässt sich unterschiedlich betrachten.

► Ist die Klugheit vom Alter abhängig? „Klugheit steckt nicht in den Jahren, sondern im Kopf“ (aus Armenien). „Nur der ist weise, der weiß, dass er es nicht ist“ (Sokrates). Der weise Mann erkennt: „Die Klugen haben miteinander viel gemein“ (J.W. von Goethe). Anderer Interpretation: „Wenn du eine weise Antwort verlangst, musst du vernünftig fragen“ (J.W. von Goethe). Denn: „Ob ein Mensch klug ist, erkennt man viel besser an seinen Fragen als an seinen Antworten“ (F.G duc de Lévis). Auch: „Kluge Menschen suchen sich die Erfahrungen selbst aus, die sie machen möchten“ (A.L. Huxley). Deshalb: „Sei klüger als andere, wenn du kannst, aber sage es ihnen nicht“ (G.K. Chesterton). Kluge Menschen sollte man nicht gängeln: „Dem Klugen braucht man nur den Anfang zu sagen. Das Ende weiß er selber“ (aus Angola). Bemerkenswert ist aus der Lebenspraxis: „Je weiser und besser ein Mensch ist, umso mehr Gutes bemerkt er in den Menschen“ (B. Pascal).

► Hüte dich davor, zu klug sein zu wollen, denn das endet meistens böse. Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung. „Wer die anderen neben sich klein macht, ist nie groß“ (J.G. Seume). Hier gilt zeitlos:113

„Die Klugheit dir zu Kopfe steigt,

der Herrgott dir die Grenzen zeigt“

(Horst-Joachim Rahn)

Aber es stimmt auch: „Wer stets über den Dingen steht, verliert die richtige Perspektive“ (A. Andersen). „Allzu kluge Leute führen selten große Werke aus“ (I. von Loyola). „Klugsein hat noch nie einen Menschen an Dummheiten gehindert“ (St. Zweig). „Man kann sagen, dass allzu viel Klugheit die Lust am Leben verdirbt“ (M. Kessel). „Es ist schlimm, wenn man weder genug Verstand hat, um gut zu reden, noch genug Selbsterkenntnis hat, um zu schweigen“ (J. de la Bruyère). „Der Wunsch, klug zu erscheinen, verhindert oft, es zu werden“ (La Rochefoucauld). Interessant: „Die Klugheit des Fuchses wird oft überschätzt, weil man ihm auch noch die Dummheit der Hühner als Verdienst anrechnet“ (H. Kasper). Deshalb: „Man überschätze die Klugheit nicht! Sind denn die besten Menschen – die sich für andere opfern – klug?“ (J. Bosshart). Mitunter sind wir mit unserer Weisheit am Ende: „Was hilft alle Erkenntnis, wenn die Kraft fehlt?“ (Th. Storm). Zum Schluss: „Eine frohe Hoffnung ist mehr wert als zehn trockene Wirklichkeiten“ (Grillparzer).

► Synthese: „Echte Klugheit ist edel, wenn sie mit Demut gepaart ist; unechte Klugheit ist fatal.“* „Wer allzu klug sein will, wird scheitern.“* „Je minder sich der Kluge selbst gefällt, um desto mehr schätzt ihn die Welt“ (F. Gellert). Verblüffende Feststellung: „Daheim werden verständige Männer am wenigsten geschätzt“ (aus Island). „Klugheit ist mehr als Einsicht und weniger als Weisheit.“ „Klugheit besteht zur Hälfte darin, zu wissen, was man nicht weiß“ (Konfuzius). Und es gilt: „Der Klügere gibt so lange nach, bis es ihm zu dumm wird“ (A.M. Bussek). Sind kluge Menschen mutig? „Kluge Leute sind selten mutig. Sie sind vorsichtig und maßvoll, also eigentlich feige. Wirklichen Mut haben nur die Narren“ (A.F. Galiani). „Ein heller Kopf hat viel voraus, er überredet leicht den Dummen, doch läuft’s auf einen Streit hinaus, dann muss der Klügere verstummen“ (Johann, N. Nestroy). Auch folgende Erkenntnis ist bemerkenswert:

„Man kann schlauer sein als ein anderer,

aber nicht schlauer als alle anderen“

(Francois de la Rochefoucauld)

Dazu sagt Goethe zu Eckermann: „Man meint immer, man müsse alt werden, um gescheit zu sein. Im Grunde hat man bei zunehmenden Jahren zu tun, sich so klug zu erhalten, als man gewesen ist.“ Und es ist ganz wichtig zu erkennen: „Nicht alle klugen Menschen können aber richtig zuhören. Sie filtern nämlich das, was sie hören, durch ihre eigenen Erfahrungen und lesen ihr Leben in das Leben des anderen hinein“ (S. Corey). Zum Schluss K. Tucholsky: „Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.“ Zum Schluss bemerkenswert: „Bauernschlau, pfiffig, geweckt sein bedeutet, dass die Intelligenz Tempo hat“ (O. Spengler). Das Gegenteil von Klugheit ist Dummheit.

2.2.9 Dummheit

Die Dummheit bezeichnet allgemein sprachlich einen Mangel an Intelligenz bzw. eine geringe Begabung bzw. eine törichte Handlung eines Menschen. Sie umfasst auch die Einstellung, etwas nicht wahrnehmen zu können bzw. etwas nicht erfassen zu wollen und die mangelhafte Fähigkeit, aus Wahrnehmungen die richtigen Schlüsse zu ziehen. „Dilletanten sind Menschen, die eine Sache nicht richtig begreifen, jedoch fest überzeugt sind, sie erklären zu können“ (G. Perluca). Die Bezeichnung Dummheit ist eine starke Wertung oder eine Beleidigung sowie Herabminderung, sobald sie im Zusammenhang mit Personen verwendet wird. Merke: „Wir sollten damit vorsichtig sein, anderen Menschen vorschnell Dummheit zu unterstellen.“* Betrachtungen zur Dummheit bringen oft Subjektives mit sich.114 Auch über die Dummheit lässt sich unterschiedlich philosophieren.

► „Das Recht auf Dummheit gehört zur Garantie der freien Entfaltung der Persönlichkeit“ (M. Twain). Außerdem: „Weisheit hat Genzen – Dummheit nicht“ (S. Rogal). Bemerkenswert: „Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blindheit der Bewunderer zusammen“ (H. Geißler). Auch: „Gibt es eine Eigenschaft der menschlichen Natur, die man nicht erwerben kann, die angeboren sein muss, so ist es die Dummheit“ (L. Börne). Dabei gilt: „Ein hohler Kopf unterschätzt die Größe seines Vakuums.“* In der Praxis nachweisbar ist: „Mit leerem Kopf nickt es sich leichter“ (Zarko Petan). Ebenfalls ist richtig: „Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz“ (Sprichwort). „Ein Kluger bemerkt alles. Ein Dummer macht über alles eine Bemerkung“ (H. Heine). „Dummheit ist auch eine natürliche Begabung“ (W. Busch). „Was der Esel sagt, glaubt er“ (aus Persien). „Woran man einen Dummkopf erkennt? Er weiß alles“ (H. Schmid). Zum Schluss: „Dummheit musste sich noch nie rechtfertigen“ (A. Saheb).

► Die Praxis zeigt es: „Kleingeister leiden naturgemäß an Größenwahn“ (H. Schmid). „Der Dumme hat mitunter Glück: Manche mogeln sich hindurch und kommen dabei oft weiter als man denkt.“* Dazu gibt es viele Meinungen: „Ein blindes Huhn findet auch wohl ein Korn“ (Sprichwort). „Auch ein Studium schützt vor Dummheit nicht“ (H. Lahm). „Nichts erfrischt unser Blut so sehr, wie wenn es uns gelungen ist, eine Dummheit zu vermeiden“ (J. de la Bruyère). „Unsichtbar wird die Dummheit, wenn sie genügend große Ausmaße angenommen hat“ (B. Brecht). Zum Schluss die etwas launige Meinung: „Besser dumm und reich als schlau und unzufrieden“ (Th. Holtbernd).

► Was lernen wir aus obigen Thesen? „Die Dummheit wäre nicht Dummheit, wenn sie den Geist nicht fürchtete“ (N. Chamfort). „Die Dummheit verrät sich am leichtesten durch die Einbildung“ (Sprichwort). Es ist erstaunlich: „Auch der Dumme hat manchmal einen gescheiten Gedanken. Er merkt es nur nicht“ (D. Kaye). Anders gedacht: „Alberne Leute sagen Dummheiten, Gescheite machen sie“ (M. von Ebner-Eschenbach). Manchmal ist das Handeln schwierig: „Gegen die Dummheit ist kein Kraut gewachsen“ (aus Japan). Verblüffend ist die Aussage: „Zum Karneval geht die Dummheit als Wahrheit“ (M. Richter). Übrigens: „Man kann auch mit braunen Augen blauäugig sein“ (H. Lahm). Manchmal ist es zum Verzweifeln: „Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens“ (F. von Schiller). Der ehemalige Bundeskanzler Konrad Adenauer sagte einmal: „Das hat der liebe Gott nicht gut gemacht. Allen Dingen hat er Grenzen gesetzt, nur nicht der Dummheit.“ Und: „Am gefährlichsten sind die dummen Menschen mit dem intelligenten Gesichtsausdruck“ (W. Mitsch). Auch die Dummheit ist relativ:

„Dummheit ist nicht wenig wissen, auch nicht wenig wissen wollen. Dummheit ist glauben, genug zu wissen“

(Konfuzius)

„Man hat seinen Geist nie so nötig, wie wenn man es mit einem Dummkopf zu tun hat“ (aus China). Vor allem in der Erziehung hat der Begriff seinen Stellenwert. Für Pädagogen verbietet sich eine Wertung, wie z. B. „das war ein dummer Beitrag …“, weil sie die betroffene Person sehr stark herabmindert und das zugrunde liegende Problem keinesfalls löst. Auch schwächere, beschränkte und vereinsamte Kinder und Jugendliche sollten richtig geführt werden.115 Wer vorschnell Menschen zu Versagern abstempelt, der macht sie zu solchen. Zu einem Teil liegt es in der Hand des Pädagogen, das Verhalten schlechter Schüler zu beeinflussen.116 Zum Schluss: „Arroganz und Beleidigung haben nicht nur in der Pädagogik keinen Platz.“*

2. 2. 10 Intelligenz

Die Intelligenz (lat. intelligentia = Einsicht, Verstand) wurde bis heute nicht wissenschaftlich allgemeingültig definiert.117 Während die klassisch interpretierte Intelligenz eines Menschen auf kognitiven Elementen bzw. auf dem folgerichtigen Denken basiert, zeigt die soziale (bzw. emotionale) Intelligenz die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle richtig wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen. Die Korrelation zwischen Intelligenz und Bildungserfolg ist positiv. Intelligenz wird auch in Form eines Quotienten (IQ) ausgedrückt, der sich aus Intelligenztests ergibt. Ein IQ von 100 gibt die durchschnittliche Intelligenz an. Während ein IQ von > 140 als extrem hohe Intelligenz gesehen wird, deutet ein IQ von < 80 auf niedrige Intelligenz hin (Tabelle).

Der IQ von 50 % der Bevölkerung liegt im Bereich von 90 bis 110. Etwa 25 Prozent liegen darüber und 25 % darunter; weniger als 0,5 % der Bevölkerung hat einen IQ von 140.118

IQ-Wert Erklärung

140 und höher extrem hohe Intelligenz

120 – 139 sehr hohe Intelligenz

110 – 119 hohe Intelligenz

90 – 109 durchschnittliche Intelligenz

80 – 89 niedrige Intelligenz

70 – 79 sehr niedrige Intelligenz

unter 70 extrem niedrige Intelligenz

► Thesen der Vererbungstheoretiker: So wie Haut- und Haarfarbe vererbt werden, ist auch Intelligenz erblich bedingt. Geistig hoch stehender Nachwuchs ist ein Faktor der Kulturgeschichte. Die Umwelttheoretiker müssen sich endlich darauf einigen, wann eigentlich die Intelligenz erworben wird (drittes bis sechstes Lebensjahr?), wenn nicht mit der Geburt. Obwohl eineiige Zwillinge nach der Geburt getrennt wurden, aber jahrelang in unterschiedlichen Milieus gelebt haben, hatten sie nach Messungen den gleichen IQ.119 Und: „Nur ein zufriedener Mensch kann emotionale Intelligenz entwickeln“ (A. Marti). Auch gilt: „Zuhören zu können benötigt ein ausgewogenes Maß von Intelligenz“ (M. Wichor).

► Antithesen: Intelligenz ist keine Erbanlage, sondern wird nach der Geburt durch die Umwelt erworben. Kinder in einem intakten Elternhaus haben einer höheren IQ als Heimkinder, auch wenn diese intelligente Eltern haben. Wenn die Intelligenz (IQ-Messung) eines Zehnjährigen (Milieueinfluss) höher angesetzt wird als die eines Dreijährigen, dann ist diese Intelligenz wohl erworben worden. Die eineiigen Zwillinge (nach der Geburt getrennt) können ihre Fähigkeiten auch der Ähnlichkeit des Milieus zu verdanken haben, z. B. in der Zeit zwischen Geburt und Trennung.120

► Synthese: Ohne entsprechende Umwelt können sich die besten Erbanlagen nicht entwickeln. Ohne Erbanlagen hilft auch die beste Erziehung nichts.121 Wenn J.A. Mozart schon in sehr frühen Jahren am Klavier saß und ihn seine Eltern früh gefördert haben, dann ist es schwierig festzulegen, ob das Erbgut oder die Umwelt hier stärker prägend waren. Intelligenz wird sowohl vererbt, als auch erworben. Ungeklärt ist dabei, welche prozentualen Anteile dafür genau verantwortlich sind. Allgemeine IQ-Werte stehen mit dem beruflichen Erfolg nur in einem mäßigen Zusammenhang: Der Lebenserfolg eines Menschen ist nicht allein von der Intelligenz abhängig. Vielleicht ist das auch ganz gut so! Zum Schluss: „Intelligenz ist nicht mit Weisheit identisch“* . „Weisheit entspringt nicht so sehr dem Verstand als aus dem Herzen“ (P. Rosegger). Im Taktgefühl zeigt sich die Intelligenz des Herzens (Sprichwort). „Intelligenz ist begrenzt, Dummheit endlos“ (A.M. Bussek): Intelligenz lässt sich auch leichter als sie verbergen. Zum Schluss: „In Verbindung mit Bildung ist Intelligenz sehr wertvoll.“*

2.3 Das Gute, das Böse und das Schöne

Das Gute und das Schöne verehren wir, das Böse ist zwar gegeben, aber wir mögen es weniger. Der Autor Colin McGinn hat in einem seiner Bücher122 die ethische Debatte darüber belebt und uns zur Auseinandersetzung mit diesen Themen bewegt. Das Gute lässt sich meist zweifelsfrei erkennen, was bei dem Bösen nicht immer so ist. „Das Gute ist eine Aufforderung, es auch zu tun, das Böse zu lassen und das Schöne zu suchen.“*

2.3.1 Das Gute und das Böse

Das Böse ist die Kraft, die den Menschen zum moralisch falschen Handeln antreibt, z. B. zur Sünde, Lüge, Angeberei, zum Egoismus und/​oder zum Verbrechen. Das Böse ist eine Herausforderung für Philosophie und Theologie.123 Aus China stammt dazu das Sprichwort: „Das Böse lernt sich leicht, das Gute schwer.“ Demgegenüber werden unter dem Begriff des Guten traditionell moralische und ethische Werte verstanden. Wir sollten im Rahmen der Betrachtungen des geisteswissenschaftlichen Universums vorrangig das Gute in den Blick nehmen, das sich z. B. in der Bescheidenheit, Selbstlosigkeit, Höflichkeit, Ehrlichkeit, dem Edelmut, der Hilfsbereitschaft und in der Demut zeigt. Aber: „Die Guten können zu unglücklichen Opfern der Bösen werden“ (M. de Sade). Lässt sich das Böse bekämpfen? In China werden Drachen verehrt, weil sie das Böse zugunsten des Guten bekämpfen. Ein interessanter Bezug ergibt sich zum Phänomen der Faszination: „Das Gute behält seine Faszination in der Niederlage und verliert sie im Sieg. Das Böse behält seine Faszination im Sieg und verliert sie in der Niederlage“ (M. Rumpf).

► Was ist das Böse? Der Aufklärer und seltsame Querkopf J.J. Rousseau, der selbst wenig Kritik vertrug und Zurückhaltung bzw. Demut nicht kannte, hält den Menschen eigentlich von Natur aus für gut. Trotzdem gibt es überall Lug und Trug, Mord und Totschlag.124 „Das ist der Fluch der bösen Tat, dass sie fortzeugend immer Böses muss gebären“ (F.v. Schiller). Auch: „Das radikale Böse ist ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Natur“ (E. Kant). Und: „Das Böse in der Welt rührt uns viel mehr als das Gute“ (Ch. von Schweden). Warum ist das so? „Die Macht des Bösen lebt von der Feigheit der Guten“ (Don Bosco). „Aus bösen Gedanken entspringen böse Taten“ (Sprichwort). Durch seine zerstörerische Haltung ist das Böse wohl auch ein Phänomen der Leiderfahrung.125 Außerdem: „Wenn die Realität mies ist, sind die Miesmacher nicht weit“ (A. Saheb). Aber es gilt insbesondere: „Wer das Böse duldet, lässt es galoppieren.“* Menschlich ist allerdings die Feststellung: „Auch die größten Heiligen waren höchstens tageweise ohne Sünde“ (Papst Johannes Paul I.). Und: „Das Böse ist ein verzehrendes Feuer“ (E. Stein). Oder einfacher: „Das Böse ist das Fehlen des Guten“ (Th. von Aquin). Für ganz clevere gilt: „Wer einem andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“ (Mohammed). „Wenn das Böse siegt, wird es ernst“ (A.M. Bussek). Außerdem lässt sich feststellen: „Böse Menschen werden im Alter bitter“ (H.J. Quadbeck-Seeger).

► Was ist das Gute? „Gut sein heißt, mit sich selber im Einklang sein“ (O. Wilde). „Aus guten Gedanken entspringen gute Taten!“ Merke: „Wer das Gute anstrebt, ist auf dem richtigen Weg zur Zufriedenheit.“* „Das Gute allein ist auf Dauer beachtenswert“ (K.L. Immermann). Außerdem: „Alles was gut ist, ist zeitlos.“* F.M. Dostojewski sagt hoffnungsvoll: „Ich will nicht und ich kann nicht glauben, dass das Böse normal sei“. Folgender Rat ist treffend: „Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse mit dem Guten“ (Papst Johannes XXIII). Deshalb gilt: „Betrachtet alles von der guten Seite“ (T. Jefferson). Und humorvoll: „Das Gute – dieser Satz steht fest – ist stets das Böse, was man lässt“ (W. Busch). „Das Gute durchdringt, das Böse wuchert“ (Sprichwort). Überzeugend ist: „Wer Gutes tut, fragt nie warum“ (K. Eisenlöffel). „Das Böse kommt von selbst, um das Gute muss man kämpfen“ (aus Spanien). Zum Schluss verblüffend: „Wenn der Teufel alt wird, will er Mönch werden“ (aus Frankreich). Zum Schluss: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ (E. Kästner).

► Was lernen wir daraus? Der Mensch hat die Freiheit, gut oder böse zu handeln. Allerdings nimmt die Seele des Menschen – mit einem Chip vergleichbar – sein gutes und böses Verhalten stetig und unbemerkt auf: Wer sich niederträchtig verhält, löst damit negative Festschreibungen in seiner Seele aus, die in zunehmendem Maße eine Tendenz zur Unzufriedenheit bewirken. Wer sich im Sinne der Zehn Gebote verhält, wird positive Seelen-Aufzeichnungen haben. Diese zeigen das Gute, machen eher zufrieden und bringen uns dem Glück näher. Der Seelenzustand kann sich vom Bösen zum Guten entwickeln, aber auch umgekehrt. Dabei sollten wir wissen: „Kein Bösewicht kann jemals glücklich sein“ (Juvenal). „Selten freilich sind gute Menschen“ (Juvenal). Aber wir wissen: „Der Mensch weiß wohl um das Gute, auch wenn er es nicht tut „ (H. von Bingen). Und es gilt: „Ein böses Wort ist wie ein Stein, der in einen Brunnen geworfen wird. Die Wellen mögen sich glätten, doch der Stein bleibt“ (Konfuzius). Wer ist gut? „Gut sind die, die auf Böses gut reagieren“ (A.M. Meneghin).

Leider hat sich in der Praxis auch gezeigt: „Wer viel Gutes gibt, wird zum Dank mit Schlägen belohnt“ (F. Schmuck). „Wenn wir in diesem Augenblick wüssten, was alles Schlechtes in der Welt geschieht, würden wir nicht mehr an das Gute glauben.“* Trotzdem sollten uns nicht vom Guten abbringen lassen:

„Will das Böse dich besiegen, dann lass dich ja nicht unterkriegen; genieße, was dir Gott beschieden, dann macht das Gute dich zufrieden“

(Horst-Joachim Rahn)

Warum verbreitet sich das Böse mehr und schneller als das Gute? Vielleicht deshalb, weil die Verbreitung des Guten mit Anstrengungen bzw. Entbehrungen verbunden ist. Im „Faust“ lässt Goethe seine Hauptgestalten Faust und Mephistopheles (das Böse verkörpernd) wirken, die einen Pakt schlossen, den der Teufel am Ende verlor. Faust fragt Mephistopheles: „Nun gut, wer bist du denn?“ Dieser antwortet: „Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“126 Und später: „… So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element.“ Fazit: Wir sollten im Leben versuchen, das Gute anzustreben bzw. zu bewirken und das Böse zu meiden bzw. zu bekämpfen. „Man kann nicht jeden Tag ein gutes Werk vollbringen, aber wir sollten es versuchen“ (H.G. Nitschke). Außerdem gilt zeitlos: „Einander beizustehen ist Bruderpflicht“ (K.W. Ramler). Zum Schluss treffend: „An das Gute im Menschen zu glauben, ist eine weitere Herausforderung unserer Zeit“ (A.M. Meneghin).

2.3.2 Das Schöne

„Das Schöne ist für uns Menschen ein gefühlter ästhetischer Zustand. Dieser ist eine Mischung der zarten Nuancen von Wohlgefühlen und Begierden“ (F.W. Nietzsche). Das Schöne und das Hässliche durchlaufen den gleichen Klassifizierungsprozess wie auch das Harmonische und Disharmonische. Doch währen das Harmonische höchstens Wohlgefallen in uns auslöst, kann das Schöne mehr, denn es erweckt Assoziationen, spricht unsere Gefühle an und bewegt vor allem unsere Triebe bzw. Instinkte. „Das Schöne in der Kunst, Kultur und in der Natur ist nicht einfach in Worte zu fassen: man muss es genießen.“*

► Christian Morgenstern hat das Schöne sehr treffend beschrieben: „Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.“ Ähnlich: „Halte dich ans Schöne! Vom Schönen lebt das Gute im Menschen“ (E. von Feuchtersleben). „Das Schöne eröffnet sich eher dem Guten als dem Bösen.“* „Das Schöne ist der Glanz des Wahren“ (Augustinus). Sehr gut: „Edles erkennt man daran, dass es zeitlos schön ist“ (A. Assa). Und: „In der Wahrheit findet man das Schöne“ (F. von Schiller). „Durch das Schöne wird die Sinnlichkeit des Menschen geadelt“ (C. Oeser). „Wahres und Gutes wird sich versöhnen, wenn sich beide vermählen im Schönen“ (F. Rückert). „Schönheit bändigt allen Zorn“ (J.W. von Goethe). Nicht immer gilt: „Alles Große und Edle ist einfacher Art“ (G. Keller). „Das Schöne vergeht nie ganz, denn es geht in die Erinnerung ein“ (R. Kaune). Sehr treffend sagt es E. Reinhardt: „Das Schöne am Alter ist, etwas sein zu dürfen, ohne etwas werden zu müssen.“

► Aber: „Wer schön sein will muss leiden – wer nicht schön ist, leidet sowieso“ (Gräfin Fito). Leider gilt zeitlos: „Auch das Schöne muss sterben“ (F. von Schiller). „Um das Schöne zu erkennen, muss man das Hässliche gesehen haben“ (aus Friaul). Außerdem: „Schönheit und Verstand sind selten verwandt“ (Sprichwort). Aus China: „Schöne Frauen bringen den Männern Hochwasser.“ Was haben Liebe und Schönheit gemeinsam? „Sie sind beide vergänglich“ (S. Gönül). „Die wahre Schönheit kommt von innen. Leider setzt sie sich oft nicht nach außen fort“ (K. Feldkamp). Leider gilt auch: „Ach, wie bald, ach wie bald, schwinden Schönheit und Gestalt“ (W. Hauff). „Leider lässt der Alltag für uns Menschen viel Schönes zur Gewohnheit werden.“* Und: „Das Schönste ist immer viel zu schnell vorbei!“* Auch beim Essen hat das Schöne nicht immer eine Chance: „Eine schöne Krawatte zieht die Tagessuppe magisch an“ (Sprichwort).

► Fazit: „Was die Schönheit ist, weiß nur Gott“ (A. Dürer). „Nach dem Höchsten und Herrlichsten musst du ringen, wenn dir das Schöne zuteil werden soll“ (C.D. Friedrich). „Wenn mehr von uns Heiterkeit, gutes Tafeln und klingende Lieder höher als gehortetes Gold schätzen würden, so hätten wir eine fröhlichere Welt“ (J.R.R. Tolkien). In der Philosophie wird das Schöne gern mit dem Guten verglichen: „Das Gute muss bewiesen werden, das Schöne nicht“ (B. de Fontanelle). „Menschlich und edel ist das Gute, göttlich und unsterblich ist das Schöne“ (R. Hamering). „Das Schöne ist außerdem in der Lage, uns zu aktivieren, denn es entstehen Aufmerksamkeit, Neugier und Freude. Wer an Glücksgütern und Besitz reich ist, aber in seinem Hause das Schöne nicht pflegt, den kann man nicht glücklich nennen“ (Euripides). Der graue Alltag richtet vieles zugrunde: „An das Edle und das Schöne, möchte ich mich so gern gewöhnen; doch der Alltag ist viel stärker, bringt mir immer wieder Ärger!“*

Hierzu der gute Rat: „Denke an das Schöne, das du erreicht hast, und das Negative wird zur Nebensache“ (E. Rau). „Das Beste im Leben ist, Verständnis für alles Schöne zu haben“ (Menander). Dazu noch ein sehr guter Rat: „Bewahre dir ein kritisches Gefühl für das Schöne, so versiegen deine Quellen des Vergnügens nie“ (F. von Schiller). Dazu passt auch die weise Feststellung: „Schöne Erinnerungen sind die Schmuckstücke des Lebens“ (H. Joost). „Der Schlüssel zur ewigen Jugend ist die Fähigkeit, das Schöne zu sehen. Wer diese Fähigkeit besitzt, wird niemals alt“ (F. Kafka). Zum Schluss meine Bitte: „Lasst uns in einer zunehmend kalten Gesellschaft ein wenig heile Welt erhalten!“*

2.4 Tugenden des Menschen

„Die Tugend ist die Gesinnung eines Menschen, welche auf die Verwirklichung moralischer Werte ausgerichtet ist“ (Sokrates). Sie ist eine vorbildliche Haltung bzw. eine hervorragende Charaktereigenschaft, die eine Person dazu befähigt, das Gute in der Welt des geisteswissenschaftlichen Universums zu realisieren. Zu den Kardinaltugenden zählen Klugheit, Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung. Demgegenüber bestehen soziale Tugenden127 aus Hingabe, Dankbarkeit, Staunen, Vergebung, Vertrauen und Aufrichtigkeit. Soldatische Tugenden sind gegenseitiges Verständnis, guter Wille, Hilfsbereitschaft und Kameradschaft. Weitere wichtige Tugenden sind: Mut, Bescheidenheit, Besonnenheit, Höflichkeit und Menschlichkeit. Auch Tugenden unterliegen einem Wandel.128 Wo ist die Tugend denn einzuordnen? „Die Tugend wohnt im Herzen und sonst nirgends“ (Voltaire).

Die christlichen Tugenden gehen auf die Zehn Gebote zurück (Altes Testament). Im Neuen Testament ergänzt Jesus Christus in seiner Bergpredigt die Tugenden Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Sanftheit, Reinheit des Herzens und Friedfertigkeit. Die drei göttlichen Tugenden bestehen aus Glaube, Hoffnung und Liebe. Nach Prudentius kämpfen die sieben himmlischen Tugenden (Demut, Mildtätigkeit, Keuschheit, Geduld, Mäßigung, Wohlwollen und Fleiß) mit den entsprechenden Untugenden des Menschen (Stolz, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit) um die Vorherrschaft in der Seele. Auch die Tugenden werden in der Philosophie unterschiedlich gesehen.

► Welches sind die wichtigsten Tugenden? „Die nützlichen Tugenden der Bürger sind Menschlichkeit, Billigkeit, Tapferkeit, Wachsamkeit und Arbeitsliebe“ (Friedrich der Große). Und: „Scham ist eine große Tugend“ sagt B. Freidank. Außerdem wird auf die Diskretion hingewiesen, denn: „Eine der wichtigsten Tugenden … ist die Verschwiegenheit“ (A. von Knigge). Die Gesinnung des Menschen ist dabei auf hohe Ziele gerichtet: „Tugend ist der Weg zur Glückseligkeit, zu einem geglückten Leben“ (Aristoteles). Außerdem besteht ein direkter Bezug zur Wahrheit: „Die höchste, ja … die einzige Tugend, die der Mensch besitzen kann, ist die Wahrheit gegen sich und andere“ (S. Bernhardi). Aus der Erfahrung wissen wir: „Wahre Stärke liegt im Verzeihen“ (R. Bloch). Auch die Selbstlosigkeit hat hier ihren Platz: „Mehr als jede andere Tugend betont der Buddhismus Uneigennützigkeit, die in Liebe und heilender Hinwendung Ausdruck findet“ (T. Gyatso).

► Aber wir sollten uns durch die positive Würdigung der Tugenden nicht blenden lassen: „Tugenden sind mit Zunahme der Reichtümer gesunken“ (K.J. Weber). Denn: „Wenn das Geld ruft, hat die Moral seit jeher kaum eine Chance.“* Auch die Eitelkeit kann Tugenden zunichte machen: „Tugenden und Mädchen sind am schönsten, ehe sie wissen, dass sie schön sind“ (L. Börne). Wenn wir bestimmte Tugenden von anderen Menschen fordern, tun wir das nicht immer ganz selbstlos. Marie von Ebner-Eschenbach sagt dazu: „Wir verlangen sehr oft nur deshalb Tugenden von anderen, damit unsere Fehler sich bequemer breitmachen können.“ Wahre Tugend ist reinste Gesinnung und ist streng von Schmeichelei zu trennen: „Schöne Worte und schmeichlerisches Gehabe gehen selten mit wahrer Tugend einher“ (Konfuzius). Zum Schluss erkennen wir, dass hohe Tugendhaftigkeit im praktischen Leben durchaus nicht erfolgreich sein muss: „Wenn einer besonders tugendhaft ist, lass ihn zum Einsiedler werden“ (von den Philippinen). Ähnlich: „Wem die Scham erste Tugend ist, darf sich nicht wundern, wenn sich kein Partner findet.“*

► Wir lernen aus den Thesen und Antithesen zur Tugend: „Die Verwirklichung moralischer Werte ist durchaus nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, denn Geldgier, Eitelkeit und Stolz verführen uns schneller als wir es verhindern können.“* „Eine vorbildliche Haltung und hervorragende Charaktereigenschaften sind ohne Frage anstrebenswert: Aber sie müssen nicht zum unbedingten Lebenserfolg führen.“* „Wer möchte in tugendhafter Größe und in einer sich schnell verändernden Welt zum totalen Eigenbrödler werden oder ein Leben lang ganz ohne Partner sein?“*

Vielleicht kann der Kategorische Imperativ als Tugend-Grundsatz die Lösung aus dem Dilemma bringen: „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer Allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte“ (E. Kant). Aber es gilt auch, dass dem Leben eigene Gesetze innewohnen, wie es sogar die Bibel offen legt: „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ (Matthäus 26.41). In diesem Sinne scheint mir auch bei der Bewertung von Tugenden ein wenig menschliches Verständnis angebracht, weil wir alle Fehler machen:

„Die großen Tugenden machen einen Menschen bewundernswert. Die kleinen Fehler machen ihn liebenswert“

(P.S. Buck)

Deshalb wohl auch die Feststellung: „Wer tugendhaft lebt, wird geehrt, aber nicht beneidet“ (aus Persien). Dazu eine weitere Forderung: „Der Mensch sollte nicht tugendhaft, sondern nur natürlich sein, so wird die Tugend von selbst kommen“ (G. Keller). Interessant ist auch die Herstellung des direkten Bezugs der Tugend zum Laster: „Der Tugend folgt die Belohnung, dem Laster die Strafe“ (H. von Kleist). Ein früherer amerikanischer Präsident philosophiert: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Leute ohne Laster auch sehr wenige Tugenden haben“ (A. Lincoln). Abschließend die schlitzohrige Aussage eines Menschenkenners: „Man denkt sich den moralischen Unterschied zwischen einem ehrlichen Manne und einem Spitzbuben viel zu groß“ (F.W. Nietzsche). Zum Schluss mein Rat: „Bei der gezielten Bewertung von Tugenden sollte das menschliche Verständnis nicht außen vor bleiben.“* Alle folgenden Tugenden werden in dialektischer Sicht betrachtet.

2.4.1 Tapferkeit

Die Tapferkeit ist die Fähigkeit eines Menschen, einer schwierigen Situation ohne Furcht entgegenzutreten.129 Hinsichtlich dieser Tugend ist insbesondere in folgendem Fall Mut erforderlich: „Der höchste Mut ist Unerschrockenheit angesichts des sicheren Todes“ (Vauvenargues). Tapferkeit äußert sich in dem Willen, einen physischen oder mentalen Konflikt ohne Angst durchzustehen. Tapferkeit kann beispielsweise durch Anerkennung, Beförderung, Geld bzw. durch Orden belohnt werden. Dabei gilt: „Weisheit, Mitleid und Tapferkeit sind die drei wichtigsten sittlichen Eigenschaften des Menschen“ (Konfuzius). In vielen Fällen wird der Tapfere von der Überzeugung getragen, für eine gute Sache zu kämpfen, auch wenn es manchmal sinnlos erscheint. Wer es versteht, sich in aussichtslosen Situationen trotzdem zu behaupten, der besitzt Standhaftigkeit. „Die Tapferkeit steht zwischen der Tollkühnheit und der Feigheit“, sagt Aristoteles. Wie ist die Tapferkeit als Tugend zu bewerten?

► „Die Tapferkeit wird zu Recht als die erste der positivern Eigenschaften des Menschen angesehen, weil sie diejenige ist, die alle anderen gewährleistet“ (W. Churchill). Vor allem für die Jugendzeit gilt: „Die Tapferkeit trotzt der Ermahnung“ (Ovid). Dazu passt: „Die Begeisterung für rechte Tapferkeit ist der Jugend schönstes Vorrecht“ (H. v. Treitschke). Und: „Tapferkeit ist unparteiisch“ (T. Lenk). „Tapferkeit in Verbindung mit Macht führt zu Tollkühnheit“ (Aristoteles). Tapferkeit braucht auch Zuversicht: „Das Vertrauen auf die eigene Kraft ist die Grundlage der Tapferkeit“ (Friedrich der Große). „Tapferkeit ist die Fähigkeit, von der eigenen Furcht keine Notiz zu nehmen“ (G.S. Patton). Und Tapferkeit ist mit Aktivitäten verbunden: „Wer einen Ertrinkenden retten will, muss sich nass machen, wer einen Entlaufenen einfangen will, muss rennen“ (Lü Bu We).

► Nicht alle Menschen haben mit der Tapferkeit gute Erfahrungen gemacht, vor allem, wenn es um Leben und Tod geht: „Der militärische Ausdruck für Dummheit ist Tapferkeit“ (S. Sarek). W. Shakespeare sagt es milder: „Der bessere Teil der Tapferkeit ist die Besonnenheit.“ Und: „Tapferkeit muss eine Krankheit sein. Viele sind an ihr gestorben“ (E. Blanck). Tapfer zu sein ist nicht jedermanns Sache: „Sie tapfer, aber geh’ aus de Schusslinie“ (aus dem Kaukasus). Deshalb verwundert folgender Ausspruch nicht: „Tapferkeit ist ein Anfall, der bei den meisten Menschen schnell vorübergeht“ (M. Twain). Wer fällt, muss möglichst schnell wieder aufstehen: „Um aufzustehen, muss man gefallen sein“ (D. Wieser). Zum Schluss: „Die Tapferkeit mancher Leute ist nur ein Rechnen mit der Furchtsamkeit des Gegners“ (H. de Balzac).

► Zusammenfassung: Wer meint, auf Tapferkeit verzichten zu können, kann böse Überraschungen erleben: „Wer sich seiner Haut nicht wehrt, dem wird sie abgezogen“ (J.V. von Scheffel). Auch gilt: „Tapferkeit wird dadurch nicht schlechter, dass sie ein wenig schwerfällt“ (G.B. Shaw). Darüber hinaus stellen wir mit Konfuzius fest: „Wer wirklich gütig ist, kann nie unglücklich sein; wer wirklich weise ist, kann nie verwirrt werden; wer wirklich tapfer ist, fürchtet sich nie.“ Damit steht fest: „Gegen die Infamitäten des Lebens sind unsere besten Waffen: Tapferkeit, Eigensinn und Geduld. Die Tapferkeit stärkt, der Eigensinn macht Spaß und die Geduld gibt Ruhe“ (H. Hesse). Es gilt auch: „Die Tugend des Glücks ist Mäßigung, die Tugend des Unglücks ist Tapferkeit“ (F. Bacon). Die Tapferkeit kann auch mit negativer Erfahrung verbunden sein:

„Männer von Charakter, Tapferkeit, Klugheit und Weisheit haben meist lange in Not und Bedrängnis gelebt“

(Mong Dsi)

Zum Schluss eine kompakte Meinung: „Der Jammer der Menschheit ist, dass die Klugen feige, die Tapferen dumm und die Fähigen ungeduldig sind. Das Ideal wäre der tapfere Kluge mit der nötigen Geduld“ (T. Capote).

2.4.2 Mut

Mut ist die psychische Gestimmtheit des Menschen, sich etwas zu trauen bzw. etwas zu wagen und keine Angst zu haben. Diese Tugend zeigt sich in unerschrockenem, überlegtem Verhalten vor allem in gefährlichen Situationen, z. B. in Wagemut, Tapferkeit, Kühnheit und Beherztheit. Er basiert auf dem Selbstbehauptungswillen und dem Selbstwertgefühl des Menschen: „Mut ist die Summe von positiven Erfahrungen“ (A. Selacher). Daraus ist ableitbar: „Wer Gutes tut, hat frohen Mut“ (J.H. Voß). Wer andere Menschen ermutigt, tut damit etwas Gutes. Mut benötigt der Mensch auch, um sich selbst zu erkennen: „Der Mut zur Selbsterkenntnis verrät Charakterstärke“ (E. Ferstl). Was ist das Gegenteil von Mut? „Das größte Laster ist die Verzagtheit“ (Franz von Assisi). Was ist Demut? „Demut ist der Mut, mit Gott zu rechnen“ (A. Maggauer-Kirsche). Auch der Mut kann in dialektischer Sicht gesehen werden.

► J.W. von Goethe hat erkannt: „Zu allem Großen ist der erste Schritt der Mut“. Denn nach einem deutschen Sprichwort gilt: „Wer wagt, gewinnt.“ „Unmögliches wird möglich, wenn es an Mut nicht fehlt“ (E. Kulmann). „Mut ist Eifer, der Angst die Stirn zu bieten“ (M. Gitzel). Ohne eine große Portion Mut wird alles nichts, denn: „Ohne Mut trägt die Weisheit keine Früchte“ (B.G. y Morales). Es besteht auch Bezug des Mutes zur Gerechtigkeit: „Mut ist die Tugend, die für Gerechtigkeit eintritt.“ (M.T. Cicero). Auch die Umsetzung gelingt: „Wozu der Mensch den Mut hat, dazu findet er auch die Mittel“ (E.B.S. Raupach). Ganz großen Mut erfordert es, wenn es um Leben und Tod geht: „Der höchste Mut ist die Unerschrockenheit angesichts des Todes“ (L. de Vauvenargues). Hier gilt auch: „Die Gefahr erhöht den Mut“ (W. Shakespeare).

Mut hat ohne Frage mit Kampf zu tun:

„Mut ist, zu kämpfen.

Auch wenn der Gegner übermächtig ist“

(Werbespruch von Miserior)

Mutige Menschen haben es im Leben besser: „Nur durch Mut kann man sein Leben in Ordnung bringen“ (L. de Vauvenargues). Existenzielle Krisen sind nur mit Mut zu bewältigen.130 Dazu sagt Astrid Lindgren keck: „Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!“ Zum Schluss: „Dem Mutigen gehört die Welt“ (Sprichwort). Wer mutig ist, der hat auch den Beistand von ganz oben, denn: „Dem Mutigen hilft Gott“ (F. von Schiller).

► Auch der Mut hat seine Grenzen: „Übermut tut selten gut“ (Sprichwort). Das gilt vor allem bei Kindern. Den Erwachsenen sollte bewusst sein, dass Übermut zu Wichtigtuerei werden kann. Dann gilt zeitlos: „Wer sich selbst zu wichtig nimmt, menschlich immer tiefer sinkt.“* Auch gilt: „Mut ist manchmal nur Leichtsinn“ (P.E. Schumacher). Für den Journalismus gilt mitunter: „Lieber Staub aufwirbeln, als Staub ansetzen“ (H. Burda). Der Bezug des Mutes zum Willen wurde bereits oben hergestellt: „Wo der Mut fehlt, fehlt der Wille“ (A. Selacher). Und: „Als Feigheit offenbart sich vorgetäuschter Mut“ (S. Schütz). Er entsteht zuweilen auch aus Angst: „Wenn dich der Mut verlässt, holt die Angst dich ein“ (W. Ludin). Hinsichtlich der Angst gilt schon immer: „Verzweiflung macht einem Feigling Mut“ (T. Fuller). Darüber hinaus: „Mut ist nicht Freisein von Angst, sondern ihre Überwindung“ (Sprichwort). Bemerkenswert ist Folgendes: „Die schwach sind an Mut, sind stark an Schläue“ (W. Blake). Mut ist auch nicht immer selbstlos: „Die Mutigen sagen immer allen ins Gesicht, was sie von sich halten“ (J. Rukowska). Zum Schluss zum Nachdenken: „Wer die Sanftmut als Schwäche ansieht, verkennt ihren Mut“ (E.R. Hauschka). Und: „Armut darf nicht arm an Mut machen“ (G. Uhlenbruck).

► Was lernen wir nun daraus? „Wer aus Übermut alles umrennt, wird scheitern.“* Merke vor allem: „Der Mutige landet eher am Haken.“* Aber wer im Leben nichts wagt und überall ängstlich ist, der gewinnt ebenfalls nichts. „Wer nie über seine Grenzen geht, bleibt immer unter seinen Möglichkeiten“ (M. Knecht). Vor allem die nächste Generation wird zur Lebensbewältigung im sich immer mehr wandelnden geisteswissenschaftlichen Universum viel Mut und auch Gelassenheit brauchen: „Ob du Mut hast, erkennst du, wenn du in Not bist!“ (P.E. Schumacher). Reinhold Niebuhr hat sich sehr treffend zum Zusammenhang zwischen Gelassenheit und Mut geäußert: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ Für die nächste Generation, die einiges durchmachen wird, womit sie nicht gerechnet hat, habe ich folgenden, gut gemeinten Rat:

„Um im Leben zu bestehen, braucht der Mensch viel Mut und Zuversicht, denn sonst überlebt er nicht“

(Horst-Joachim Rahn)

Vor allem dürfen wir uns nicht hängen lassen: „Du kannst in jedem Moment neu anfangen, denn der Fehler ist nicht das Hinfallen, sondern das Liegenbleiben“ (M. Pickford). Interessant ist auch die folgende Feststellung: „Wirklichen Mut haben nur die Narren“ (A.F. Galiani). Die folgende Erkenntnis verblüfft: „Als ich mich entschlossen hatte, Mut zu zeigen, waren alle Gegner bereits gegangen“ (A. van Rheyn). Nicht jeder Mensch ist allerdings mutig, was wohl auch mit seinen Genen zusammenhängt. Der Mensch muss aber mit seinen Veranlagungen leben, denn kein Mensch kann aus seiner Haut heraus. Zur konkreten Tat ist der Mut aber eine unabdingbare Voraussetzung: „Sich opfern ist Tat“ (M. Richter). Zum Schluss: „Alles, was Mut macht, ist ein Geschenk des Himmels“ (H. Joost). Und es gilt für uns alle heute der gute Rat: „Schöpfe aus der Vergangenheit Kraft für die Zukunft.“ (J.V. von Scheffel).

2.4.3 Mäßigung

Die Mäßigung ist das Abschwächen extremer Verhaltensweisen von Menschen im Leben, z. B. das Vermeiden von Völlerei, von Zorn, von Geiz und von sexuellen Ausschweifungen. Das Ergebnis der Mäßigung ist die Mäßigkeit. Dazu sind Besonnenheit und Selbstbeherrschung erforderlich. Es gilt, bei unserem Verhalten züchtig131 bzw. genügsam zu sein. Nach Aristoteles steht die Mäßigung zwischen Empfindungslosigkeit (Stumpfheit) und Zügellosigkeit. Im Christentum gilt die Mäßigung als grundlegende Tugend. Der Mangel an Mäßigung ist die Maßlosigkeit. Mein Lieblingsphilosoph Konfuzius wird insbesondere wegen seiner Bescheidenheit verehrt. Er plädierte auch für Mäßigung, die bedeutet Maß zu halten, also jeweils nur so viel zu nehmen, wie man wirklich braucht: also von allem nicht zu viel und nicht zu wenig.

► Wir stellen zunächst fest: „Genügsamkeit ist großer Gewinn“ (aus Indien). „Nur durch die Mäßigung erhalten wir uns“ (J.W. von Goethe). Deshalb der gut gemeinte Rat: „Drum lebe mäßig, denke klug, wer nichts gebraucht, der hat genug“ (W. Busch). Und es gilt auch: „Die Tugend des Glücks ist die Mäßigung“ (F. Bacon). Auf einen einfachen Nenner gebracht bedeutet das: „Wer barfuss geht, den drücken die Schuhe nicht“ (Sprichwort). „Mäßigung und Enthaltsamkeit sind das sicherste Verwahrungsmittel gegen Überdruss und Erschlaffung“ (M. Wieland). Die Folge daraus ist: „Arbeit und Mäßigung halten den Menschen gesund“ (J.J. Rousseau).

► Der Genießer Oscar Wilde kontert: „Mäßigung ist eine verhängnisvolle Sache. Nichts ist so erfolgreich wie der Exzess.“ Auch gilt: „Gelegentliche Ausschweifungen wirken anregend. Sie verhüten, dass Mäßigkeit zur Gewohnheit abstumpft“ (W.S. Maugham). Wir wissen alle: „Im praktischen Leben kommt man leider mit Mäßigung oft nicht weiter:“* „Lauten Forderungen wird leider öfter entsprochen als stillen Bitten“ (H. Lahm). Und: „Durch ständiges Nehmen vergisst man oft das Geben“ (H. Joost). Mancher muss sich erst übergeben, bevor er begreift, was Mäßigkeit bedeutet: „Wer sich den Magen verdorben hat, lobt die Mäßigkeit“ (H. Mardach). Oder: „Abstinenz ist leichter als Mäßigung“ (E. Balser). Auch: „Es ist leichter, einer Begierde ganz zu entsagen, als in ihr Maß zu halten“ (F.W. Nietzsche). Zum Nachdenken: „Wo Mäßigung ein Fehler ist, ist Gleichgültigkeit ein Verbrechen“ (G.C. Lichtenberg).

► Was sagen uns die Erkenntnisse aus obigen Thesen und Antithesen? „Zu große Mäßigung führt zu schmerzlichen Entbehrungen und unmäßiges Verhalten kann Krankheiten mit sich bringen.“* Deshalb gilt es, das richtige Maß des Verhaltens zu finden. „Maßvoll“ heißt nicht, „bis das Maß voll ist“ (P. Cerwenka). „Trotzdem muss man im Leben ab und zu „ausflippen“ und richtig genießen, ohne dass es in Völlerei ausartet.“* In den meisten Fällen des Übermaßes ist Mäßigung oder sogar Enthaltsamkeit angebracht, mit Ausnahme der Liebe: „Wahre Liebe kennt kein Maß“ (S. Properz). Oder ähnlich: „Das Maß der Liebe ist zu lieben ohne Maß“ (Aurelius Augustinus). Es besteht auch Bezug zur Gesundheit: „Heiterkeit, körperliche Bewegung und Mäßigkeit sind die besten Ärzte“ (F.M. Grimm). Das Prinzip der Mäßigung gilt für groß und klein. Allerdings: „Die Mäßigung der Großen mäßigt nichts als ihre Laster“ (L. de Vauvenargues). Zum Schluss der Rat: „Vergesset nie, dass ohne Mäßigung auch die natürlichsten Begierden zu Quellen des Schmerzes, durch Übermaß die reinste Wollust zu einem Gifte wird, das den Keim eures künftigen Vergnügens zernagt“ (C.M. Wieland).

2.4.4 Dankbarkeit

Dankbarkeit ist eine Tugend bzw. eine Haltung des Menschen in Anerkennung einer erhaltenen positiven Zuwendung. Sie zeigt sich im Dank als der wohlwollenden Erwiderung von empfangener Hilfe oder von anderen Leistungen. Dankbare Menschen fühlen sich subjektiv gesehen besser und sind zufriedener mit ihrem Leben. Dankbarkeit kann sogar glücklich machen132 und hat somit durchaus etwas Mächtiges.133 Die Dankbarkeit setzt voraus, dass der Nehmer einer Wohltat etwas bekommt, was er nicht fordern kann. Von Dank ist das Wort „danke“ abgeleitet. Das Gegenteil von Dank ist der Undank als das Fehlen von Dankbarkeit. Wir wissen aus der Praxis: Viele Menschen sind dankbar, andere leider nicht!

► „Dank und Liebe sind die größten Mächte der Welt“ (F. von Bodelschwingh). Was ist die größte Kraft des Lebens? „Die größte Kraft des Lebens ist der Dank“ (H. von Bezzel). Der deutsche Arzt A. Schweitzer hat im Leben viel Gutes getan. Er postuliert: „Vergiss den Anfang nicht, den Dank. Verschiebe die Dankbarkeit nie.“ Außerdem: „Du sollst dankbar sein für das Geringste, und du wirst würdig sein, Größeres zu empfangen“ (T. von Kempen). Hinzu kommt der Rat, im Leben nicht alles als selbstverständlich zu nehmen: „Gedenke der Quelle, wenn du trinkst“ (aus China). Mit dem Herzen ausgedrückt: „Das Gedächtnis des Herzens heißt Dankbarkeit“ (P. Bosmans). „Dankbare Menschen sind wie fruchtbare Felder, sie geben das Empfangene zehnmal zurück“ (A. von Kotzebue). Und ebenfalls treffend: „Dankbarkeit und Weizen gedeihen nur auf gutem Boden“ (Sprichwort). Zum Schluss die These: „Wir sind für nichts so dankbar, wie für Dankbarkeit“ (M. von Ebner-Eschenbach).

► Leider sind nicht alle Menschen dankbar: „Sie bitten zwar inständig, wenn sie aber ihr Ziel erreicht haben, reagieren sie falsch.“* „Die Bitte ist immer heiß, der Dank kalt“ (Sprichwort). Manche Menschen reagieren unverschämt: „Wenn man einem den Finger bietet, nimmt er gleich die ganze Hand“ (Sprichwort). Und vor allem ist weit verbreitet: „Undank ist der Welt Lohn“ (Sprichwort). Anderen Menschen ist Dankbarkeit sogar lästig: „Die Dankbarkeit ist eine Last, und jede Last will abgeschüttelt sein“ (D. Diderot). Manche kommen zu einem ganz anderen Ergebnis: „Die Dankbarkeit der meisten Menschen ist nichts als eine geheime Begierde nach größeren Wohltaten“ (La Rochefoucauld). Es kommt auch auf das Ausmaß der zugrunde liegenden Tat an: „Wer für alles gleich Dank begehrt, der ist selten des Dankes wert“ (J. Trojan). Interessant ist auch der Standpunkt von Ewald v. Kleist: „Wer sich viel über Undankbarkeit beschwert, ist ein Taugenichts, der niemals aus Menschlichkeit, sondern aus Eigennutz andern gedient hat.“ Jetzt wird es deftig: „Wenn die Sonne auf einen Misthaufen scheint, so antwortet er mit Gestank“ (Sprichwort). Und mit Bezug zum Tier: „Wenn die Sau satt ist, stößt sie den Trog um“ (aus Holland). So kommen wir zu dem unbefriedigenden Ergebnis: „Dankbarkeit ist in den Himmel gestiegen und hat die Leiter mitgenommen“ (aus Polen).

► Fazit: „Wer heute für seine guten Taten Dank erwartet, wird leider oft enttäuscht.“* Der Textdichter Lothar Peppel stellt erstaunt fest: „Waren das noch Zeiten, als man den kleinen Finger reichte, und sie einem nur die ganze Hand nahmen.“ „Undank und Unverschämtheiten sind leider heute weit verbreitet. Aber das sollte uns nicht abhalten, auch ohne Dank weiterhin Gutes zu tun.“* Der Journalist Walter Ludin sagte einmal: „Der schönste Dank ist jener, der aus lauter Freude vergessen wird.“ Oder die Meinung von W. Schlichting: „Rechne nie auf Dank und du wirst zuweilen angenehm überrascht sein.“ Ganz anders hat sich Shakespeare in seinem Werk „Was ihr wollt”. (Viola) geäußert: „Ich hasse Undank mehr in einem Menschen als Lügen, Hoffahrt, laute Trunkenheit, als jedes Laster, dessen starkes Gift das schwache Blut bewohnt.“ Ähnlich auch der Ausspruch:

„Ich hasse jeden, dessen Dankbarkeit erlischt“

(Euripides)

Und der Heilpraktiker E. Blanck stellt fest: „Ich erwarte keinen Dank mehr, nur weniger Undank.“ In der Erziehung sollte dem Phänomen des Dankens wieder mehr verpflichtende Beachtung geschenkt werden: „Heute gewinnt man vielfach den Eindruck, als wenn alles selbstverständlich sei und vor allem bei noch jungen Menschen mitunter die Wahrnehmung der Rechte gegenüber den Pflichten dominiere.“* „Wir danken zu wenig und fordern zu viel“ (S. Wittlin). Dennoch: Wir gläubigen Menschen stehen zur zur Dankbarkeit: „Das Gefühl für Dank und Liebe ist die Quelle des Glaubens“ (Pestalozzi).

2.4.5 Vertrauen

Das Vertrauen134 ist die subjektive Überzeugung von der Richtigkeit bzw. Redlichkeit von Personen, von Handlungen anderer Menschen oder auch von sich selbst. Es basiert auf einer Vertrauensgrundlage (z. B. die Vertrauenswürdigkeit eines Freundes oder das gegenseitige Vertrauen der Partner in der Ehe) und ist eine durch Erfahrung bekräftigte Hoffnung auf Erfüllung von erwünschten Gegebenheiten. Es ist ein elementarer Tatbestand des sozialen Lebens.135 C.F. Hebbel äußerte sich dazu so: „Vertrauen ist die größte Selbstaufopferung.“ Dabei wird das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten als Selbstvertrauen136 bzw. als Selbstwertgefühl137 bezeichnet. Das Gegenteil von Vertrauen ist Misstrauen. M. Gandhi war ein guter Mensch und kommt zu den Ergebnis: „Misstrauen ist ein Zeichen von Schwäche.“ Ist das wirklich so?

► Ein deutsches Sprichwort verdeutlicht: „Vertrauen strahlt Zuversicht und Güte aus.“ Und es galt immer: „Vertraue dem, der dir vertraut ist“ (V. Frank). Obwohl das auch Grenzen hat, wie es Missbrauch mancher Kinder bestätigt. Deshalb sollte man Kinder auf solche Gefahren hinweisen und sie vor zu viel Zutrauen warnen. Wenn die Menschen erwachsen werden, sollte sie aber ihr Leben nicht auf der Basis von Misstrauen verwirklichen. Trotzdem sollte kein Mensch unvorsichtig sein. Für die Liebe gelten sowieso ganz andere Gesetzmäßigkeiten. Grundsätzlich gilt für wachsende Partnerschaften: „Ohne Vertrauen kann die Liebe nicht wachsen“ (E. Ferstl). Dazu passt: „Vertrauen ist eine Blume, die man zart behandeln muss“ (A. Ritter). „Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vertrauen hat“ (M. Claudius). Und zum Schluss: „Das Vertrauen ist etwas so Schönes, dass selbst der ärgste Betrüger sich eines gewissen Respekts nicht erwehren kann vor dem, der es ihm schenkt“ (M. von Ebner-Eschenbach).

► Demgegenüber meinte W.I. Lenin: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“. Auch: „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist menschlicher“ (G. Dunkl). Schlechte Erfahrungen führen zu folgendem Ergebnis: „Hast du gar zu viel Vertrauen, wirst du über’s Ohr gehauen.“* „Das Vertrauen ist eine zarte Pflanze. Ist es zerstört, kommt es sobald nicht wieder“ (O. von Bismarck). Und es gilt auch: „Wer das Vertrauen hat zerstört, der wird so bald nicht mehr gehört.“* Auch: „Wer damit anfängt, dass er allen traut, wird damit enden, dass er jeden für einen Schurken hält“ (C.F. Hebbel). Alles entwickelt sich: „Vertrauen ist das, was man hat, bevor man die Realität begreift“ (W. Meurer). Und treffend zum Schluss: „Vertrauen ist die Mutter der Sorglosigkeit“ (B.C. y Morales).

► Zusammenfassung: Bei kaum einem Stichwort gehen die Meinungen so weit auseinander wie bei der Beurteilung des Vertrauens, was wohl an den unterschiedlichen Erfahrungen liegt, die die Menschen mit ihm machen. Vertrauen hat ganz unterschiedliche Folgen: „Aus Vertraulichkeit entsteht die zarteste Freundschaft und der größte Hass“ (A.C. de Rivarol). Und es gilt: „Trau keinem, der nie Partei genommen!“ (G. Keller). Es gilt aber auch: „Wer nicht genügend vertraut, wird kein Vertrauen finden“ (Laotse). Vor allem Freundschaft basiert auch auf gegenseitigem Vertrauen:

„Die Freundschaft ist das edelste Gefühl,

dessen das Menschenherz fähig ist“

(Carl Hilty)

„Ich weiß, dass ich jemanden in meiner Nähe habe, dem ich rückhaltlos vertrauen kann, und das ist etwas, was Ruhe und Kraft gibt“ (E. Stein). Der folgende Ausspruch von König Ludwig II. von Bayern verdeutlicht, dass man vor allem zu einem engen Freund Vertrauen haben soll: „Wenn jemand schlecht von deinem Freunde spricht, und scheint er noch so ehrlich, glaub ihm nicht! Spricht alle Welt von deinem Freunde schlecht, misstrau der Welt und gib dem Freunde Recht! Nur wer so standhaft seine Freunde liebt, ist wert, dass ihm der Himmel Freunde gibt.“ Eine wesentliche Erkenntnis zum Schluss: „Ohne Vertrauen zu schenken, wird man nie Vertrauen zurückbekommen“ (unbekannt). „Für viele Menschen hält das Leben Enttäuschungen bereit, die unser Vertrauen stark erschüttern. Trotzdem sollten wir nicht verzagen, im Leben Vertrauen zu wagen.“*138

2.4.6 Ehrlichkeit

Die Ehrlichkeit ist eine sittliche Eigenschaft des Menschen, die sich beispielsweise in der Aufrichtigkeit, Redlichkeit, Offenheit und Wahrhaftigkeit äußert. „Ehrlichkeit ist das erste Kapitel im Buch der Weisheit“ (T. Jefferson). Ehrlich zu sein ist eine besondere Charaktereigenschaft des Menschen: Wer ehrlich ist, der täuscht oder belügt andere nicht. Ich habe Menschen kennen gelernt, die das vorgelebt haben, aber auch andere, die das Wesen der Ehrlichkeit nicht antizipiert haben. Beispielsweise dann, wenn anderen Menschen – mitunter verletzend – ehrlich die Meinung gesagt wird. Damit provozieren wir Konflikte. Auch: „Ehrlichkeit ist keine Kategorie der Rhetorik“ (G. Beck). Das Gegenteil von Ehrlichkeit ist die Unehrlichkeit, also die Lüge, die heute leider weit verbreitet ist. Betrug gehört leider zum alltäglichen Leben: „Der Ehrliche ist leider oft der Dumme.“139 Trotzdem bleiben nicht wenige Menschen bei der Ehrlichkeit, weil sie innerlich stark sind. „Die Verabscheuung der Lüge ist sowohl ein Anliegen der Theologie als auch der Pädagogik.“* Das Ergebnis der Ehrlichkeit ist die Ehrenhaftigkeit. Sie sucht dabei den direkten Bezug zum Menschen.

► Das bedeutendste pro-Argument ist für mich: „Ehrlich währt am längsten“ (Sprichwort). Und: „Jede Ehrlichkeit beginnt mit der Ehrlichkeit zu sich selbst“ (D. Gropp). Hier können wir viel von den meisten Kindern lernen: „Ehrlichkeit ist die Weisheit der Kinder“ (M. Richter). Warum gilt das nicht ebenso für die Erwachsenen? Weil das geradlinige Leben mit zunehmendem Alter immer schwieriger wird? Dabei gilt: „Ehrlichkeit ist anstrengend“ (H. Stendhal). Dabei ist es doch gar nicht so schwierig: „Alle Meinungen sind achtenswert, wenn sie aufrichtig sind“ (J.P. Sartre). Und es gilt: „Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine Lüge“ (Th. Mann). Vor allem für die Liebe gilt: „Ehrlichkeit und Offenheit sind Bestandteile einer dauerhaften Partnerschaft.“* „Wir haben die Pflicht, unseren Partner darüber zu informieren, was auch für ihn wichtig ist. Auch dann, wenn der Partner vielleicht verärgert reagiert.“* „Ehrlichkeit schafft Vertrauen und Unehrlichkeit wirkt sich früher oder später negativ aus!“* Ehrlichkeit in diesem Sinne bedeutet auch, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

► Demgegenüber haben nicht wenige Menschen mit der Ehrlichkeit keine guten Erfahrungen gemacht: „Mit der Ehrlichkeit fängt auch die Dummheit an“ (aus Japan). Folge: „Wo Ehrlichkeit das Dümmste ist, wird Ehrlichkeit auch nicht vermisst“ (E.H. Bellermann). Oder karrieremäßig interpretiert: „Ehrlichkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“ (Sprichwort). Auch wurde in Erfahrung gebracht: „Ehrlichkeit öffnet nicht jede Tür“ (V. Frank). Oder: „Mit Offenheit verschließt man sich alle Türen“ (G.W. Heyse). Vorsicht vor der „ehrlichen“ Meinung: „Was dem einen leicht von der Zunge geht, liegt dem anderen schwer im Magen“ (G.W. Heyse). Manchmal macht sie einsam: „Ehrlich sein: einsam sein“ (Max Frisch). Oder sie trifft uns innerlich: „Ehrlichsein tut mitunter weh.“*140 Aber: „Lieber ehrlich und einsam als unehrlich und angriffslustig.“* Stimmt das Folgende? „Die Ehrlichkeit dient mehr dem Selbstzweck als der Nächstenliebe“ (D. Mühlemann). Und: „Ehrlichkeit wär’ eine schöne Bürde, wenn sie nicht so drücken würde“ (E. Blanck). Ganz anders ist folgende Erfahrung: „Spontane Ehrlichkeit geht meistens mit der Lüge schwanger“ (V. Frank). Und: „Auf die Dauer kriegt auch die Ehrlichkeit Probleme mit dem Gleichgewicht“ (Art v. Rheyn). Für die Geschäftswelt gilt: „Wenn man einem Menschen trauen kann, erübrigt sich ein Vertrag. Wenn man ihm nicht trauen kann, ist ein Vertrag nutzlos“ (J.P. Getty). Zum Schluss: „Das Tragische ist, dass man mit Lüge und Falschheit im Leben weiter kommt als mit Offenheit und Ehrlichkeit“ (P.E. Schulberg). Ich bezweifle das!

► Was ist nun richtig? Ehrlichkeit erfordert gerade in der heutigen Zeit viel Mut: „Sie ist die … die Mutprobe unserer Zeit“ (R. Karius). Und: „Ehrlichkeit wiegt mehr als Erfolg des Augenblicks“ (unbekannt). Ich stehe persönlich dazu: „Ehrlichkeit währt am längsten.“ Zum Nachdenken: „Wer Geradlinigkeit krumm nimmt, liegt schief“ (W. Lörzer). Etwas eigen interpretiert: „Sieh zu, dass du ein ehrlicher Mensch wirst, denn dann sorgst du dafür, dass es einen Schurken weniger auf der Welt gibt“ (T. Carlyle). „Ehrlichkeit ohne Offenheit ist wie ein Haus ohne Tür“ (A. Brie). Zur Entwicklung der Ehrlichkeit: „Manche sind nur ehrlich geworden, nachdem sie entdeckt haben, dass auch das sich lohnen kann“ (Ch. Chaplin).

Heute sind viele Menschen nicht mehr ehrlich, sondern sie lügen, um sich vermeintliche Vorteile zu verschaffen. Der Trieb, seinen eigenen Vorteil zu suchen ist so stark, dass er den Trieb zur Wahrhaftigkeit ständig gefährdet.141 Wir sind heute schon so weit, dass sich nicht wenige Kinder und Jugendliche die Lügen von Erwachsenen zum Vorbild nehmen. Damit muss Schluss sein: „Wir sollten wieder zu den alten Werten zurückkehren, beispielsweise zu Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Bescheidenheit.“* „Ohne Ehrlichkeit kein Vertrauen, ohne Vertrauen keine Zusammenarbeit“ (V. Frank). „Ich behaupte: Es geht auch ohne Lügen.“* Und diese Erkenntnis zeigt uns: „Die Wahrheit der Dialektik liegt nicht immer in der Mitte.“* Das Motto sollte sein:

„Sei immer redlich, wenn du auch betrogen wirst, denn das ist der Probierstein des Wackeren, dass er selten auf redliche Menschen trifft und doch sich selber gleich bleibt“

(Ludwig Tieck)

Manche machen sich über die Ehrlichkeit von Menschen sogar lustig: „Wie kann man so dumm sein, ich bin doch nicht blöd!“ (unbekannt). Die Antwort von G. Klopstock: „Wer redliche Arme verachtet, Weh dem!“. Zum Schluss sagt ein indischer Weiser sehr treffend: „Ehrlichkeit ist eine einzigartige Tugend, auf der der Einzelne und das Leben des Volkes sicher ruhen kann. Die Gesellschaft kann nur fortdauern, wenn sie mit angelassenem Mörtel der Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit gebaut ist“ (Swami Sivananda).

2.4.7 Besonnenheit

Die Besonnenheit142 ist die Haltung der Gelassenheit eines Menschen, insbesondere in schwierigen Situationen selbstbeherrscht, vernünftig, abwägend bzw. distanziert zu handeln und die Vernunft walten zu lassen. Dabei gilt es, Geduld zu zeigen und vorschnelle bzw. unüberlegte Handlungen zu vermeiden. Die Besonnenheit zählt zu den Kardinaltugenden wie Weisheit, Tapferkeit und Gerechtigkeit. Im Gegensatz zur Besonnenheit steht die menschliche Impulsivität, bei dem der Mensch spontan und ohne jeden Einbezug von Konsequenzen reagiert. Dazu ein Beispiel:

Der Philosoph Ludwig Feuerbach hatte sich mit Berta Löw verheiratet und suchte im Wald seine Ruhe auf einer Holzbank. Da stand plötzlich der Förster vor ihm: „Angermaier ist mein Name, ich bin der Oberforstrat des hiesigen Reviers. Mit wem habe ich das Vergnügen?“ „Das weiß ich nicht, ich kenne ihre näheren Lebensumstände nicht“ sagte Feuerbach. „Mein Herr, sagte der Forstrat Angermeier ungehalten“. Er sah Feuerbach streng an: „Sie sind recht unhöflich und seltsam dazu. Sie sollten wissen, dass ich ein namhafter Gelehrter bin, der schon zwei Bücher geschrieben hat. Meine Werke sind im hiesigen Revier von durchschlagender Wirkung, wenn Sie verstehen, was ich meine!“ Feuerbach antwortete besonnen: „Ich denke schon, Sie sehen mich zutiefst beeindruckt. Neben einem Mann wie Ihnen, Herr Angermeier, kann ein schlichter Waldläufer wie ich, sich nur klein vorkommen, wenn auch nicht unbedingt hässlich!“143

► Sophokles sagt zur Gelassenheit würdigend: „Aller Güter höchstes sei Besonnenheit.“ Und es gilt: „Besonnenheit ist eine Tugend, die mit dem Alter wächst“ (F. Schmidberger). Auch Politiker sollten sie beherzigen, denn: „Besonnenheit ist die Vernunft der Politik“ (L. Genbetta). Grundsätzlich zählt das deutsche Sprichwort: „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.“ In ganz anderer Interpretation sieht es N.G. Dávila: „Die Gelassenheit ist die Folge akzeptierter Unsicherheit.“ Auch in kriegerischen Zeiten hat sie ihre Bedeutung: „Die höchste Krone des Helden ist die Besonnenheit mitten in Stürmen der Gegenwart“ (J. Paul). Außerdem: „Mut und Besonnenheit paarten sich, ihr geliebtes Kind nannten sie Tapferkeit“ (Sprichwort). Wir können in aller Gelassenheit feststellen: „Wer mit Bedacht handelt, erreicht, was er erstrebt“ (aus Arabien). Oder auch: „Kommt Zeit, kommt Rat“ (Sprichwort). Zum Schluss: „..zu dem, der warten kann, kommt alles mit der Zeit“ (aus Frankreich).

► Dem wird entgegengehalten: „Niemand ist mehr Fehlern ausgesetzt, als der Mensch, der nur aus Überlegung handelt“ (Vauvenargues). Oder deftiger: „Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz“ (M. Luther). „Die Besonnenheit bedeutet Gelassenheit und Selbstbeherrschung, zu langes Zaudern kann aber auch schaden. Deshalb mein Rat: „Sei besonnen, aber warte nicht, bis es zu spät ist.“* Und es gilt: Einseitige, unkritische Besonnenheit gleitet in die Tatenlosigkeit ab.“* Dazu passt: „Zu dem der immer wartet, kommt gewöhnlich alles zu spät“ (E. Oesch). Außerdem gilt in unserer hektischen Zeit: „Der Mensch hat das Warten verlernt. Darin liegt das Grundübel unserer Zeit“ (W.S. Maugham). Zum Schluss: „Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten“ (F. von Schiller).

► Was ist nun für unsere Lebensbewältigung wichtig? „Il faut faire le pas selon la jambe“, d. h. den Schritt muss man dem Bein anpassen (aus Frankreich). Und zu beachten ist auch: „Wirf deine alten Schuhe nicht weg, ehe du neue hast“ (aus Flandern). Zu viel Besonnenheit ist auch nicht gut: „Habe Geduld, aber nicht zu viel“ (unbekannt). Und: „Man darf Zurückhaltung nicht mit Schwäche verwechseln“ (R. Plümer). Die Besonnenheit zählt bei Konfuzius zu den zentralen Idealen und ist eine Geisteshaltung, die nicht mit Ängstlichkeit verwechselt werden darf:

„Der Ängstliche besinnt sich so lange,

bis seine Besonnenheit keinen Sinn mehr macht“

(A. Brie)

Insbesondere edle Menschen gelten als besonnen: „Mittleren Menschen mag man den Mut loben, edlen die Besonnenheit“ (W. Rathenau). Der heilige Franz von Sales sagt: „Die Besonnenheit steht in Verbindung mit der Tugend des Stillschweigens, was allzeit besser sei, als eine lieblose Wahrheit zu verkünden.“ „Zur Besonnenheit gehört auch, die rechten Pläne zu fassen, das Gute und Schlechte und alles, was im Leben zu erstreben und zu meistern ist, beurteilen zu können, alle wirksamen Güter recht zu benutzen, den nötigen Umgang zu pflegen, überall den rechten Zeitpunkt zu erkennen, geistesgegenwärtig zu sein in Wort und Tat, in allen nützlichen Dingen erfahren zu sein“ (Aristoteles). Aber: „Hüte Dich, alles zu begehren, was Du siehst, alles zu glauben, was Du hörst, alles zu sagen, was Du weißt, und alles zu tun, was Du kannst“ (Inschrift an einem Kloster in Lyon). Vor allem, wenn man etwas von Anderen verlangt, sollte man sehr vorsichtig sein: „Überlege einmal, bevor du gibst, zweimal bevor zu annimmst, und tausendmal, bevor du verlangst“ (M. von Ebner-Eschenbach).

2.4.8 Hilfsbereitschaft

Die Hilfsbereitschaft ist die Bereitwilligkeit zur Hilfe durch einen Menschen für einen anderen. Der Hilfe geht beispielsweise eine Bitte des Hilfsbedürftigen voraus oder eine davon unabhängige Entscheidung durch hilfsbereite Menschen. In den zwischenmenschlichen Beziehungen ist die Hilfsbereitschaft ein besonderer Bestandteil der Kooperation: Menschen handeln unter spezifischen Bedingungen mehr oder weniger altruistisch.144 Echt gläubige Menschen betrachten Hilfe als eine natürliche Pflicht, die sich als Aufgabe aus ihrem Glauben ergibt. Viele nicht gläubige Menschen folgen ihrem Gewissen und sehen die Hilfsbereitschaft ebenfalls als eine vorrangige Aufgabe. Nicht wenige Personen denken im Leben nur an sich selbst und helfen anderen kaum. Eine funktionsfähige Gesellschaft kommt aber ohne Hilfsbereitschaft nicht aus. Man kann vorsorgende Hilfe (z. B. Vorsorgeuntersuchungen, Nutzung von Versicherungen), nachsorgende Hilfe (z. B. Rehabilitation), Soforthilfe (z. B. Erste Hilfe) und humanitäre Hilfe unterscheiden, z. B. Beistand in Not. Auch die Hilfsbereitschaft hat zwei Seiten.

► Thesen zur Hilfsbereitschaft: „Man muss sich gegenseitig helfen, das ist ein Naturgesetz“ (J. de la Fontaine). Auch: „Es kennt der edle Mann nicht eine schönere Pflicht, als die zu helfen, mit allem, was er hat und was er kann“ (Sophokles). Oder ermutigend: „Wer einen Blinden vierzig Schritte führt, dem werden seine früheren Sünden vergeben“ (Mohammed). Oder: „Dem Mann kann geholfen werden“ (F. von Schiller). Das Genie J.W. von Goethe fordert überzeugend: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.“ Der österreichische Schriftsteller F. Grillparzer stellt unumwunden fest: „Es ist so schön, für andere zu leben.“ Dazu passt: „Nach „lieben“ ist „helfen“ das schönste Zeitwort der Welt“ (B. von Suttner). Grundsätzlich gilt: „Anderen Menschen helfen zu können erfüllt mit höchster Zufriedenheit.“*

► Es gibt auch Antithesen zur Hilfsbereitschaft: „Jeder überschätzt seinen Wohltätigkeitssinn“ (E. Wertheimer). Oder anders: „Es gibt eine Art Hilfsbereitschaft, die einfach nur widerlich berührt, weil sie nichts so sehr wie der Eitelkeit des Helfenden dient“ (P. Rudi). Nicht immer endet Hilfsbereitschaft positiv: „Elende Helfer, … die nicht helfen können, ohne zugleich zu schaden“ (G.E. Lessing). Oder: „Wer nicht im Augenblick hilft, scheint mir nie zu helfen“ (J.W. von Goethe). Nachdenklich macht: „Ein Wohltäter hat immer etwas von einem Gläubiger“ (C.F. Hebbel). Auf der Autobahn ist leider folgendes nicht selten: „Auf einen Helfer kommen fünf Dutzend Gaffer“ (aus Italien).

► Meine Synthese zur Hilfsbereitschaft: „Hilfsbereitschaft ist für jede intakte Gesellschaft ein unabdingbare Tugend.“* Grundsätzlich gilt: „Um Almosen geben zu können, muss man nicht reich sein“ (Don Bosco). Wer nicht von innen heraus dazu bereit ist: Hilfreiches Verhalten lässt sich durchaus lernen.145 Die Hilfsbereitschaft hat Folgen: „Mein Herz freut sich, dass du so gern hilfst“ (Bibel: Psalm 13,6). Ob mit positiven oder negativen Folgen: „Hilfsbereitschaft spricht sich schnell herum“ (A. van Rheyn). Und Hilfe hat ihre Begründungen: „Unglück hat mich gelehrt, Unglücklichen Hilfe zu leisten“ (Vergil). Irgendwie erstaunlich ist: „Menschen helfen lieber dem, der ihrer Hilfe nicht bedarf, als dem, welcher sie nötig hat“ (C.F. Hebbel). Eigentlich haben wir alle Hilfe nötig:

„Wenn jeder dem anderen helfen wollte,

wäre allen geholfen“

(Marie von Ebner-Eschenbach)

Zum Nachdenken: „Wir sollten alle hilfsbereit sein, aber aufpassen, dass dabei niemand zu Schaden kommt.“* Im Einzelfall trifft Hilfe auf unterschiedliche Personen: „Dem Hungrigen ist leichter geholfen als dem Übersättigten“ (M. von Ebner-Eschenbach). Im Rahmen der Entwicklungsländer ist vielen Hungernden weniger leicht zu helfen. Das ist ein ganz schwieriges Thema! Auch sollte man nicht immer nur Hilfe von außen erwarten: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“ (Deutsches Sprichwort). Und zum Schluss das sehr wahre Wort: „Wer seine Ohren verstopft vor den Schreien des Armen, der wird selbst nicht erhört werden, wenn er um Hilfe ruft“ (Bibel: Sprüche Salomos 21.13).

2.4.9 Barmherzigkeit

Die Barmherzigkeit ist die Tugend, das Leid anderer Menschen gewahr zu werden und sich seiner durch Hilfe anzunehmen. „Barmherzigkeit ist damit die Quelle der sozialen Gerechtigkeit.“ Deshalb gilt: „Gnade ist die Stütze der Gerechtigkeit“ (aus Russland). In den Religionen hat die Barmherzigkeit einen hohen Stellenwert. Im Christentum und Judentum ist sie eine herausragende Eigenschaft Gottes (z. B. 2. Mose 34, 6). Aus Barmherzigkeit rettet Gott die Menschen aus ihrer Verstrickung in ihre Schuld. Die von Gott erfahrene Barmherzigkeit wird für gläubige Menschen zur Motivation und steht in enger Verbindung zu Nächstenliebe, Menschenliebe, Hilfsbereitschaft und Humanität: „Selig sind die Barmherzigen, den sie werden Barmherzigkeit erlangen“ (Matthäus 5,7).

► Wie zeigt sich Barmherzigkeit in der Praxis? „Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt“ (Bibel: Psalm 41, 2). Für Thomas von Aquin hat die Barmherzigkeit einen besonders hohen Stellenwert: „An sich ist die Barmherzigkeit die größte der Tugenden.“ Und: „Barmherzigkeit beginnt im eigenen Haus – aber sie sollte dort nicht enden“ (Sprichwort). Interessant ist: „Großherzigkeit ist der Klugheit keine Rechenschaft über Motive schuldig“ (L. de. Vauvenargues). Die Barmherzigkeit hat Folgen: „Wer andere in Not aufrichtet, richtet sich selber auf“ (unbekannt). Auch: „Selig, die barmherzig sind, denn sie werden Erbarmen finden“ (Bibel: Matthäus 5,7). Und: „Gott wird sich niemandem erbarmen, der sich der Menschen nicht erbarmt“ (Mohammed). Auch der heutige Papst äußert sich treffend dazu: „Die Barmherzigkeit Gottes kommt von oben. Es ist an uns, als Amtsinhaber der Kirche, diese Botschaft lebendig zu halten …“ (Papst Franziskus).

► Die Barmherzigkeit wird aber auch kritisch gesehen: „Barmherzigkeit ist eine überholte und eine unzeitgemäße Tugend“ (unbekannt). Typisch: „Wahrlich, ich mag sie nicht, die Barmherzigen, die selig sind in ihrem Mitleiden. Zu sehr gebricht es ihnen an Scham“(F.W. Nietzsche). Mancher hat Probleme damit: „Das Tor der Barmherzigkeit ist schwer zu öffnen und schwer zu schließen“ (aus China). Und: „Man erlaubt gern der Wohltätigkeit eine wunderliche Außenseite“ (J.W. von Goethe). Alles ist relativ: „Barmherzigkeit gegen die Wölfe ist Unrecht gegen die Schafe“ (aus Holland). Noch schlimmer: „Wenn Gnade Mörder schont, verübt sie Mord“ (W. Shakespeare). Barmherzigkeit hat Folgen: „Mitleid und Erbarmen verderben das Geschäft“ (aus Indien). Auch: „Eine allzu reichliche Gabe lockt Bettler herbei, ohne sie abzufertigen“ (J.W. von Goethe). Zu Ende gedacht: „Wird der Reiche wahrhaft barmherzig, so hört er bald auf, reich zu sein“ (L. Tolstoi).

► Was lernen wir daraus? Die Barmherzigkeit ist keinesfalls eine unzeitgemäße oder überholte Tugend.146 Als Schlüssel zum Leben ist sie in unserer Gesellschaft allerdings ein sträflich vernachlässigtes Thema.147 Wir stellen zumindest für die Christenwelt fest: „Wer andern gegenüber nicht hilfreich ist, der kann nicht sein ein guter Christ.“* In dem Apostolischen Schreiben vom 26. 11. 2013 weist Papst Franziskus insbesondere auf die Bedeutung der Barmherzigkeit hin.

Die sieben leiblichen Werte der Barmherzigkeit sind: Die Hungrigen speisen, den Dürstenden zu trinken geben, die Nackten bekleiden, die Fremden aufnehmen, die Kranken besuchen, die Gefangenen besuchen und die Toten begraben. Die sieben geistigen Werke sind: die Unwissenden lehren, den Zweifelnden recht raten, die Betrübten trösten, die Sünder zurechtweisen und die Lästigen geduldig ertragen. Denen, die uns beleidigen, gerne verzeihen, für die Lebenden und die Toten beten. Ist das alles für uns Menschen zu hoch gegriffen und nicht erfüllbar? Tun wir selbst genug für andere Menschen?

„Wir sprechen zwar ernsthaft über Barmherzigkeit,

aber wir tun in unserer Bequemlichkeit zu wenig“

(Horst-Joachim Rahn)

Alle gläubigen Menschen sind zur Barmherzigkeit verpflichtet: „Liebe, Almosen, Hingabe und Geduld sind die vier Dinge, die aus einem Menschen einen Heiligen machen“ (aus Italien). So weit gehe ich allerdings nicht. Aber: „Almosen geben macht nicht arm, Stehlen nicht reich und Reichtum nicht weise“ (aus England). „Da die Barmherzigkeit eine Eigenschaft Gottes ist, ist sie in ihrer Gesamtheit für uns Menschen wohl niemals erreichbar.“*

2. 4. 10 Hoffnung

Die Hoffnung ist die Erwartungshaltung des Menschen, dass in der Zukunft etwas Wünschenswertes eintritt, ohne dass bei ihm darüber Gewissheit besteht. Es kann das Hoffen auf ein bestimmtes Ereignis oder auf einen Zustand sein, z. B. Gesundheit oder finanzielle Sicherheit. Die Hoffnung kann von Angst und Sorge begleitet sein, dass das Erwünschte nicht eintritt. In der Theologie ist die Hoffnung außer dem Glauben und der Liebe eine der drei Kardinaltugenden. Dabei ist Gott selbst die Quelle und Grundlage der christlichen Hoffnung. Wenn ausgedrückt werden soll, dass die Hoffnung nicht berechtigt ist, dann wird von der Illusion oder einem Wunschtraum gesprochen. Ihr Gegenteil ist die Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit bzw. Resignation. Hoffnung ist auch ein philosophisches Prinzip.148 Was ist Hoffnung?

▪ „Die Hoffnung ist eine Anleihe auf das Glück“ (J. Joubert).

▪ „Hoffnung ist die Verquickung von Wunsch und Erwartung“ (A. Bierce).

▪ „Hoffnung ist eine Flamme, die ständig flackert, aber nie erlischt“ (aus Ungarn).

Und zum Schluss: „Hoffnungen sind die Wünsche an die Zukunft“ (P.O. Pirron). Das Gegenteil ist ein Leben ohne Hoffnung: „Hoffnungslosigkeit ist schon die vorweggenommene Niederlage“ (K. Jaspers).

► Pro-Argumente zur Hoffnung: „Hoffnungen sind Schwerkräfte, die uns nach oben ziehen“ (E. Ferstl). B. Stramke sagt es so: „Die Hoffnung ist das Ausbringen von Saat auf kargem Boden.“ Insbesondere gilt: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ (Sprichwort). Wir sollten die Hoffnung nie zu schnell aufgeben: „Die Hoffnung stirbt erst, wenn man sie aufgibt“ (J. Weger). Vor allem gilt grundsätzlich: „Der Lebende soll hoffen“ (J.W. von Goethe). Denn: „Hoffnung ist der Anker der Welt“ (Weisheit der Bantu). Hoffnung bezieht sich vor allem auf die Zukunft: „Hoffnung auf einen kommenden, besseren Tag lässt Unglück leichter ertragen“ (B. Ramlow). Denn: „Was wäre ein Leben ohne Hoffnung“ (J.C.F. Hölderlin). Es gibt auch heute noch Menschen, die sich für das Schicksal interessieren und anderen Hoffnung machen: „Die größten Menschen sind jene, die anderen Hoffnung geben können“ (J. Jaurès). Zwei kluge Köpfe äußern sich ebenfalls dazu: „Wer nichts waget, der darf nichts hoffen (F. von Schiller). Und zum Schluss: „Die Hoffnung hilft uns leben“ (J.W. von Goethe).

► Dazu gibt es contra-Argumente: Wenn die Hoffnungen nicht immer erfüllt werden, gibt es negative Folgen: „Hoffnung ist der erste Schritt auf der Straße der Enttäuschung“ (Sprichwort). Und: „Hoffnung macht mehr Betrogene als Schlauheit“ (Vauvenargues). Im schlimmsten Falle gilt: „Hoffnung ist das Winseln um Gnade“ (H. Krausser). Sie kann uns auch in die Irre führen: „Hoffnung macht blind“ (St. Radulian). Oder: „Hoffnung ist der krankhafte Glaube an das Unmögliche“ (H.L. Mencken). Manchmal bringt die Hoffnung viel verschwendete Zeit: „Hoffnung bedeutet ausharren, aber nicht erfüllen“ (K. Peltzer). Ähnlich wirkungsarm: „Hoffnung ist oft ein Jagdhund ohne Spur“ (W. Shakespeare).

► Conclusio zur Hoffnung: Der kranke Friedrich Hölderlin fragte: „Was wären wir Menschen ohne Hoffnung?“ Seine tiefgründigen Gedichte bildeten einen Höhepunkt der deutschen Lyrik. Wir Menschen brauchen die Hoffnung, vor allem, wenn uns die Erfüllung eines Vorgangs oder das Eintreten eines Ereignisses wichtig ist. Vor allem kranke und einsame Menschen brauchen Zuwendung und Hoffnung.149 Und es gilt weltweit auch folgende traurige Feststellung: „Hoffnung ist das Brot der Armen“ (Thales von Milet). Und: „Der Traum macht die Welt der Armen reich“ (E.R. Hauschka). Nietzsche meint dazu: „Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzen Bach des Lebens.“ Und Francis Bacon sagt dazu: „Die Hoffnung ist ein gutes Frühstück, aber ein schlechtes Abendbrot.“ Über den Tag hinaus gedacht: „Die kurze Lebenszeit verbietet, eine lange Hoffnung zu beginnen“ (Horaz). „Im Leben kommt vieles anders als man denkt, aber die Hoffnung sollte man vor allem dort nicht aufgeben, wo zumindest noch kleine Chancen bestehen.“*

E. Kant fragte: „Was dürfen wir hoffen?“ Antwort: „Träume deine Träume, aber erwarte nicht, dass sie in Erfüllung gehen“ (P.O. Pirron). „Für den Fall, dass die Hoffnungen nicht erfüllt werden, sollten wir nicht resignieren, sondern nach neuen Wegen suchen.“* „Es wär’ so schön gewesen, es hat nicht sollen sein“ (J.V. von Scheffel). Zu beachten ist auch: „Wer nichts erwartet, wird nie enttäuscht“ (U. Erckenbrecht). Ein guter Rat eines klugen Menschen ist hier hilfreich:

„Drei Dinge helfen, die Mühseligkeit des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen“

(Emmanuel Kant)

„Manchmal treibt uns die Hoffnung auch an.“* Eine Hoffnung kann sein: „Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her“ (Sprichwort). „Die Hoffnung, so trügerisch sie ist, dient wenigstens dazu, uns auf angenehmem Weg an das Ende des Lebens zu führen“ (La Rochefoucauld). Und es gilt auch: „Wenn eine über lange Zeit gehegte Hoffnung plötzlich vom Erfolg umarmt wird, dann ist das die größte Befriedigung auf dieser Welt.“* „Fast die Hälfte seines Lebens hofft der Mensch beinah vergebens. Würd’ die Hoffnung gänzlich fehlen, wär’s ein hoffnungsloses Leben.“ (H. Fleitmann). Und Jim Henson meint zum Schluss: „Ich hoffe immer noch, dass ich die Welt ein wenig besser verlasse, als ich sie vorgefunden habe.“

2. 4. 11 Geduld

Geduld ist die Fähigkeit eines Menschen, ruhig und beherrscht unangenehme oder lange andauernde Gegebenheiten zu ertragen.150 Hier muss der Mensch in der Lage sein, zu warten und Ausdauer zu zeigen. Der Engländer sagt dazu locker: „Abwarten und Tee trinken.“ Geduldig ist ebenfalls, wer Schwierigkeiten und Leiden mit Gelassenheit, Standhaftigkeit und Sanftheit ertragen kann. Dazu gehört: „Sanftmut macht sich unsichtbar“ (S. Kirkegaard). Auch in der Bibel und im Koran wird die Geduld als Tugend an verschiedenen Stellen angesprochen. Das Gegenteil der Geduld ist die Eile bzw. die Hast: „Ungeduldig sucht sie zu beschleunigen, was eigentlich seine Zeit braucht“ (J. Dahl).

► Es gibt viele Thesen zur Geduld: „Geduld ist die Tugend der Glücklichen“ (B. de Spinoza). Glücklich sind vor allem Liebende: „Geduld und Liebe überwinden alles“ (Th. Storm). Grundsätzlich gilt: „Geduld ist die Kunst zu hoffen“ (Vauvenargues). Und es gilt auch hier: „Gut Ding will Weile haben“ (Ovid). Mit Bezug zur Natur heißt das: „Wenn man lange genug wartet, wird das schönste Wetter“ (aus Japan). Oder: „Geduld ist ein Baum, dessen Wurzeln bitter, dessen Früchte aber sehr süß sind“ (aus Persien). Tiefgründig ausgedrückt: „Die Geduld ist der Schlüssel zur Freude und zur Zufriedenheit“ (Sprichwort). Zur Abrundung der Bezug zur Hoffnung: „Geduld ist das Ausdauertraining für die Hoffnung“ (G. Uhlenbruck).

► Es gibt auch Antithesen zur Geduld: „Geduld ist eine Qual“ (P.E. Schumacher). Vor allem für hektische bzw. gehetzte Menschen gilt: „Geduld? Dafür habe ich keine Zeit!“ (unbekannt). Deshalb sollten wir beherzigen: „Wer die Geduld verliert, ist schon halb verloren“ (aus China). Mit Bezug zur Natur: „Der Ungeduldige fährt sein Heu nass ein“ (W. Busch). Merke dazu: „Wir sollten immer die Folgen unseres Verhaltens bedenken.“* Vor allem: „Durchschneide nicht, was du lösen kannst“ (J. Joubert). Auch wer sehr krank ist, hadert mit der Geduld: „Ungeduld begleitet wahre Leiden“ (W. Shakespeare).

Der französische Philosoph Blaise Pascal151 ist als sehr geduldiger Mensch bekannt. Er hatte sich über eine Jahr lang dem Thema Nächstenliebe gewidmet. Ein besonders schwieriger Fall war der 80-jährige Fignon, der seit Menschengedenken darniederlag und noch immer nicht sterben konnte. Pascal setzt sich zu ihm ans Bett, wobei der alte Fignon ihn immer wieder aufs Neue dazu nötigte, den Vorhand auf und zuzuziehen, weil ihn das Licht störte. Auch ansonsten war der 80-Jährige etwas ungehalten und provozierte den Philosophen ständig. Pascal versuchte ihn zu beruhigen, indem er ihm geduldig einige seiner philosophischen Beiträge über den Menschen vortrug. „Aufhören!“ brüllte der Alte. „Bring mir Wein, denn dieses Gestammel ist nur mit Wein zu ertragen!“ Und er setzte noch etwas drauf: „Du bist nicht nur ein miserabler Krankenpfleger, sondern auch ein hundserbärmlicher Schriftsteller …“ schimpfte der Alte. Den ansonsten ruhigen Pascal packte plötzlich der Zorn und er holte von der Anrichte eine Karaffe Wasser und schüttete sie über dem verdutzten Alten aus. Dieser sagte: „Ich kann dir gar nicht sagen wie froh ich bin. Endlich habe ich dich einmal zornig gesehen; jetzt aber weiß ich, dass du ein Mensch bist wie wir alle …!“ Dazu passend:

„Geduld ist die Eigenschaft, die am dringendsten benötigt wird, wenn man sie verloren hat“

(Caray Mac Williams)

► Zusammenfassend stellen wir fest: „Zuweilen hat auch der Geduldigste gar keine Geduld mehr.“* Trotzdem: „Geduld ist oftmals der einzige Weg zum Erfolg“ (M. Meurer). Aber sei nicht ungeduldig: „Man kann nicht Apfelbäume pflanzen und schon im nächsten Jahr die Früchte ernten“ (B. Beitz). Auch gilt: „Geduld ist aller Schmerzen Arznei“ (P. Sirius). Aus Frankreich stammt ein Sprichwort, das ebenfalls zur Arznei Stellung bezieht: „Geduld ist die beste Arznei im Unglück.“ Geduld braucht man fast immer: „Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man die großen Vorhaben zum Scheitern“ (Konfuzius). Auch beim Schreiben von Büchern ist Geduld nötig: „Nicht Kunst und Wissenschaft allein, Geduld will bei dem Werke sein“ (J.W. von Goethe). Geduld lässt sich durchaus lernen. „Die Geduld bleibt in unserer hektischen Zeit aber nicht selten auf der Strecke. So es für uns nicht immer einfach, geduldig und gelassen zu bleiben.“* Was heißt es denn gelassen zu sein? Ruhe und Ordnung im Kopf haben, Akzeptanz für Unabänderlichkeiten zeigen, maßvollen Umgang mit sich und anderen pflegen bzw. angemessenes Benehmen zeigen.152

Wie soll man mit Trotz umgehen? „Den trotzigsten Sinn weiß Sanftmut nur zu heilen“ (Phädrus). Während in unserer Gesellschaft heute vieles relativ schnell bereitgestellt werden kann, ist der Geduldsfaden äußerst dünn gesponnen. Deshalb sollten wir uns viel mehr bewusst machen, wenn uns der Geduldsfaden mitunter reißt. Vor allem sollten wir daraus lernen. Gegen Ungeduld kann viel getan werden.153 Dabei sind manche Denkmuster zu ändern: Wir sollten beispielsweise versuchen, eventuelle Wartezeiten sinnvoll zu nutzen. Auch regelmäßige Übungen zur Entspannung (z. B. Yoga, Autogenes Training) können helfen, geduldiger zu werden. Gelassenheit lässt sich für uns Menschen auch trainieren. Und zum Schluss: „Ich lerne es täglich, lerne es unter Schmerzen, denen ich dankbar bin: Geduld ist alles“ (R.M. Rilke).

2. 4. 12 Fleiß

Der Fleiß ist als strebsames Verhalten eine Tugend des Menschen, die mit Zielstrebigkeit, Eifer, Arbeitsamkeit und Beharrlichkeit verbunden ist.154 In wissenschaftlicher Sicht ist er ein wesentlicher Erfolgsfaktor. „Der Preis des Erfolgs ist Hingabe, harte Arbeit und unablässiger Einsatz für das, was man erreichen will“ (F.L. Wright). In abwertender Sicht wird der Fleiß – mitunter gegen die Intelligenz „ausgespielt.“ Die Arbeitsamkeit wird dann nicht selten als „Angepasstheit“ abgewertet, weil es angenehmer erscheint, weniger zu arbeiten und „clever“ sein Geld zu verdienen. „Für mich steht Fleiß im Verhältnis zur Cleverness wie Arbeit zu Schwarzarbeit.“* Das Gegenteil von Fleiß ist Faulheit. „Zur Faulheit wird man geboren, zum Fleiß erzogen“ (E. Ellinger).

► Was spricht für den Fleiß? „Ohne Fleiß kein Preis“ (Sprichwort). Und: „Das Beste findet sich dort, wo sich Fleiß und Begabung verbindet“ (J. Kepler). Meine volle Unterstützung hat der folgende Spruch: „Der Fleiß bringt heimlichen Segen, wenn du arbeitest mit Lust“ (Hebbel). Folge: „Umso härter ich arbeite, umso glücklicher werde ich“ (S. Goldwyn). Auch: „Fleiß ist aller Tugenden Anfang“ (Friedrich der Große). Napoléon Bonaparte geht sogar so weit, dass er behauptet: „Genie ist Fleiß.“ Dazu passt: „Geniale Menschen beginnen große Werke, fleißige Menschen vollenden sie“ (Leonardo da Vinci). Fleiß ist auch mit Betätigungsdrang verbunden: „Alles gelingt, wen man mit rechtem Eifer angreift“ (S. Smiles). Und: „Fleiß ist die beste Form der Leidenschaft“ (Th. Mann). Auch für die Kunst gilt: „Kunst ist Fleiß“ (Sprichwort). „Die Talente sind oft gar nicht so ungleich, im Fleiß und im Charakter liegen die Unterschiede“ (T. Fontane). Der amerikanische Profi-Golfer E.T. Tiger Woods verriet: „Ich messe den Erfolg nicht an meinen Siegen, sondern daran, ob ich jedes Jahr besser werde.“

► Ist der Fleiß nur positiv zu bewerten? Manche Menschen behaupten: „Wer viel arbeitet, dem fehlt die Cleverness!“ (unbekannt). „Fleiß ist die Chance der Unbegabten“ (A. Bechmann). Oder: „Fleiß ist die Wurzel aller Hässlichkeit“ (O. Wilde). Vom gleichen Autor: „Ehrgeiz ist die letzte Zuflucht des Versagers“ (O. Wilde). War der sehr begabte irische Dichter Oscar Wilde kein Freund des Fleißes? Oder kokettierte der als überheblich bekannte Erfolgsschriftsteller mit obigen Aussagen nur mit dialektisch zugespitztem Spott? Es hatte sich nämlich herausgestellt, dass er durchaus perfektionistische Phasen hatte, wo er seine Werke immer wieder akribisch überarbeitete. Zum Thema Fleiß und Klima: „Die Faultiere leben im tropischen Südamerika, und zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich von jeder Tätigkeit mit Fleiß fernhalten“ (J.G.A Galletti). Zum Schluss zum Nachdenken: „Nicht nur „ohne Fleiß kein Preis“, sondern auch kein Fleiß ohne Preis“ (E. Blanck).

► Zu welchem Ergebnis kommen wir hier? Die Antithesen sind teilweise arrogant formuliert. „Fleiß ist nicht die Chance der Unbegabten, sondern der Talentierten, denn Intelligenz allein reicht zum Erfolg nicht aus.“* „Vor allem hat es der Fleiß nicht verdient, gegen die Cleverness ausgespielt zu werden.“* Für die Einstellung der nachwachsenden Generation zur Arbeit ist das in keiner Weise dienlich, sondern schädlich. Wenn es um Fleiß geht, drücken sich manche: „Bei Ausreden ist die Welt voller Erfinder“ (H. Wiener). Und: „Wenn die Pflicht ruft, gibt es viele Schwerhörige“ (G. Knuth). Ein Tipp: „Wir sollten mehr tun und weniger reden“ (Ding Xiaoping). Der frühere Bundeskanzler H. Kohl sagte zu Recht: „Fleiß und Gemeinsinn sind die Grundlagen für den Reichtum unseres Landes.“ Fazit:

„Die Abwertung des Fleißes ist Versündigung an der Leistungsgesellschaft“

(Horst-Joachim Rahn)

„Die Welt lebt von Menschen, die mehr tun als ihre Pflicht“ (E. Balser). Im Berufsleben und in der Wissenschaft spielt der Fleiß sogar eine sehr große Rolle. Nicht zuletzt wegen des enormen Fleißes unseres Volkes haben wir es geschafft, dass aus den vielen Trümmern nach dem Zweiten Weltkrieg eine erfolgreiche Nation wurde.155 Auch gilt: „Das vorliegende Werk zur Dialektik des geisteswissenschaftlichen Universums wäre ohne Fleiß nicht möglich geworden.“* Warum der Fleiß auch in der Schule heute mitunter abgewertet wird, kann ich nicht nachvollziehen. Leider haben sich auch bei manchen Lehrkräften Meinungen breit gemacht, die für die Entwicklung unserer Gesellschaft nicht gut sind. Fleiß ist nicht durch Intelligenz ersetzbar, sondern beide führen nur zusammen zum Ziel.

Auch das Auswendiglernen (z. B. von Vokabeln, Wendungen, Gedichten oder Formeln), hat durchaus seinen Sinn. Es wird von Betroffenen häufig kritisiert, ist aber zum Training der Merkfähigkeit notwendig und lässt sich nicht durch bequemes, reines verstehen Wollen ersetzen. „Wer es sich in der Gesellschaft von Anfang an bequem machen will, wird schon früh scheitern.“* Zum Schluss die wahre Erkenntnis: „Der Fleiß bringt Brot und die Faulheit Not!“ (Sprichwort). „Leider gibt es zum Thema Fleiß wenig gute deutsche Literatur: Auch hier zeigt es sich, dass der Fleiß nicht den Stellenwert besitzt, der ihm eigentlich zukommt.“*

2. 4. 13 Bescheidenheit

Die Bescheidenheit156 ist eine Tugend des Menschen, die sich in einem genügsamen, zurückhaltenden bzw. anspruchslosem Verhalten äußert. „Bescheidenheit ist der Anfang aller Vernunft“ (L. Anzengruber). Was ist sie nicht? „Bescheidenheit ist nicht ärmliches Verhalten, sondern Zufriedenheit mit dem Wenigen“ (G.P. Bischoff). Bescheidenheit ist der Verzicht auf etwas zugunsten anderer Menschen. Bescheidene Menschen beanspruchen von etwas Gegebenem nur wenig für sich selbst, selbst dann, wenn die Möglichkeit der Vorteilnahme besteht: „Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt“ (F. von Schiller). Demut ist demgegenüber eine Verhaltensweise gegenüber Gott. „Alle Pietät geht von der Bescheidenheit aus“ (J. Ruskin). Auch gilt: „Tiefe schafft Bescheidenheit“ (J.V. von Scheffel). Das Gegenteil von Bescheidenheit ist Größenwahn, beispielsweise im Rahmen kapitalistischer Völlerei: Grenzenlose Wachstumserwartungen befördern die Gier nach Kapital, während arme Menschen das teilen, was sie haben.157 Ein harter Tadel der Habgier ist hier angebracht.158

► Erfreulich ist, dass es bescheidene Menschen auch heute noch gibt. „Glück ist Selbstgenügsamkeit“ (Aristoteles). „Bescheidenheit ist das Einmaleins zum Glück“ (E. Baschnonga). Und: „Weisheit ist bei den Demütigen“ (Sprüche 11,2). Woher kommt dieses Verhalten? „Die Bescheidenheit glücklicher Menschen kommt von der Ruhe, welches das Glück ihren Gemütern verleiht“ (La Rochefoucauld). Diese Gemüter müssen keineswegs große Lichter sein: „Kleine Lichter leuchten auch“ (M. Wichor). Die Jugend ist seit jeher anspruchsloser, muss aber in der Regel auch nicht für den eigenen Lebensunterhalt sorgen: „Bescheidenheit ziert den Jüngling“ (Plautus). Aus Bescheidenheit kann durchaus Respekt erwachsen: „Du möchtest respektiert werden? Sei bescheiden!“ (P. Kosorin). Und beachte: „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ (G.S. Plinius). Selbstlos sagt der geniale Maler P. Cézanne: „Die Erkenntnis der eigenen Kraft macht bescheiden.“ Manche werden Menschen deshalb bewundert, aber auch nicht registriert: „Bescheidenheit ist eine Eigenschaft, für die der Mensch bewundert wird, falls die Leute je von ihm hören sollten“ (E.W. Howe). Und Gottfried Keller sagt: „Ich bin noch gar nichts, und muss erst werden, was ich werden will.“ Zum Schluss: „Wenn jemand bescheiden bleibt, nicht beim Lobe, sondern beim Tadel, dann ist er es“ (J. Paul).

► Die Bescheidenheit hat aber auch eine zweite Seite: „Falsche Bescheidenheit ist die schicklichste aller Lügen“ (N. Chamfort). Auch: „Es gibt eine Bescheidenheit, die nur der Mantel des Hochmuts ist“ (C. Sylva). A. Schopenhauer traut dem Verhalten vor allem dann nicht, wenn sich große Geister bescheiden geben: „Bescheidenheit bei mittelmäßigen Fähigkeiten ist bloße Ehrlichkeit. Bei großen Talenten ist sie Heuchelei.“ F.W. Nietzsche interpretiert Bescheidenheit in eine ganz andere Richtung: „Wer sich selbst erniedrigt, will erhöht werden.“ Stimmt das denn? J.W. von Goethe meint: „Nur die Lumpe sind bescheiden, Brave freuen sich der Tat.“ Der irische Dramatiker R.B. Sheridan bringt den Liebhaber ins Spiel: „Bescheidenheit ist eine Eigenschaft, die die Frauen an einem Liebhaber mehr loben als lieben.“ Die folgende Auffassung ist ganz anders: „Bescheidenheit ist oft nur Mangel an Persönlichkeit“ (U. Löchner). Und mit Bezug zur Kunst: „Die Bescheidenheit hat keine Bretter für die Bühne“ (M. Hinrich). Das Thema ist sehr vielschichtig: „Sobald man sich seiner Bescheidenheit bewusst ist, verliert man sie“ (S. Prudhomme). Eine ähnliche Erkenntnis ist: „Die Bescheidenheit, die zum Bewusstsein kommt, kommt ums Leben“ (M. von Ebner-Eschenbach).

► Was lernen wir daraus? Anspruchslosigkeit und Zurückhaltung werden in unserer satten und verwöhnten Gesellschaft bei den Erwachsenen leider immer seltener. Dazu sagt Katherine Mansfield: „Manchmal befürchte ich, dass es keine Menschen einfachen Gemütes mehr gibt.“ Der bekannte deutsche Philosoph G.F.W. Hegel äußert: „Wer etwas Großes will, der muss sich zu beschränken wissen, wer dagegen alles will, der will in der Tat nichts und bringt es zu nichts.“ Der von mir verehrte chinesische Philosoph Konfuzius stellt fest: „Wer das Gefühl der Menschlichkeit und Bescheidenheit nicht hat, ist kein Mensch.“ Auch in unserer Gesellschaft wünschen wir uns mehr Bescheidenheit. Wie soll das gehen? „Zur Größe gelangt man, indem man demütig ist“ (S. Ramakrishna). Dabei gilt: „Größe und Demut schließen einander nicht aus“ (W. Dilthey).

Wie ist es mit der weiblichen Bescheidenheit? „Das Religiöse steht der weiblichen Bescheidenheit sehr wohl; es gibt der Schönheit ein gewisses edles gesetztes und schmachtendes Aussehen“ (G.E. Lessing). Ein deutsches Sprichwort bringt es auf den Nenner: „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.“ Dazu bemerkt F. Fellini: „Bescheidenheit ist eine große Tugend – besonders bei anderen Menschen.“ Marie von Ebner-Eschenbach treffend: „Siege, aber triumphiere nicht!“ Kritiker werfen der Bescheidenheit vor, sie sei nur eine anerzogene Verhaltensweise. Die Freiwilligkeit des Verzichts eines Menschen auf Vorteile wird unterschiedlich beurteilt: „Bescheidenheit ist für den beruflichen Erfolg und für die Selbstverwirklichung des Menschen mitunter hinderlich.“* „Falsche Bescheidenheit ist Anmaßung“ (G.E. Lessing). Und André Gide sagt: „Ich glaube, nichts lehrt einen besser Bescheidenheit, als wenn man einen wertvollen Menschen liebt.“ Und Dieter Nuhr meint dazu: „Demut und Bescheidenheit sind für mich Begriffe, die zu Unrecht vollständig ausgestorben sind.“ Ich stimme ihm zu und finde, dass sie etwas Edles beinhalten. Deshalb plädiere ich für mehr Bescheidenheit und drücke es positiv so aus: „Bescheidenheit ist der Schlüssel zur Zufriedenheit.“*159

2. 4. 14 Höflichkeit

Die Höflichkeit ist zuvorkommendes, freundliches Verhalten im Umgang mit anderen Menschen und äußert sich in der Achtung, Wertschätzung und Respekt. „Die wahre Höflichkeit besteht darin, dass man einander mit Wohlwollen entgegenkommt“ (J.J. Rousseau). Sie ist vor allem durch gesellschaftliche Normen und Umgangsformen geprägt und äußert sich auch in der Zurückhaltung beim Ausspruch möglicherweise heikler Themen. Hier gilt das Motto: „Wahre den Anstand und verletzte niemand.“ (Sprichwort). Höflichkeit ist ein Verhalten, das zum normalen Umgang der Menschen miteinander gehört, z. B. das Anklopfen an der Tür und das Grüßen des anderen. „Höflichkeit hat auch den Zweck, die Vorzüge eines anderen Menschen indirekt in Erscheinung zu bringen“ (A. Schopenhauer). Das Gegenteil von Höflichkeit ist Unhöflichkeit, Grobheit, Rücksichtslosigkeit oder gar Barbarei.

► „Höflichkeit wirkt wohltuend, wenn sie aus echtem Gefühl heraus kommt“*: „Es gibt eine Höflichkeit des Herzens, sie ist der Liebe verwandt“ (J.W. von Goethe). Ähnlich: „Die Höflichkeit ist die Schwester der Liebe (F. von Assisi). Und: „Takt ist der Verstand des Herzens“ (C.F. Gutzkow). Es reimt sich: „Höflichkeit und Treue bringt nimmer Reue“ (Sprichwort). Höfliches Verhalten ist mit Wohlwollen verbunden: „Höflichkeit ist Wohlwollen in Kleinigkeiten“ (T.B. Macaulay). Oder intellektuell ausgedrückt: „Höflichkeiten sind das Kleingeld unter den Wohltaten“ (H.J. Quadbeck-Seeger). Auf das ganze Leben bezogen: „Das Leben ist kurz, aber man hat immer Zeit, höflich zu sein“ (R.W. Emerson). Oder auch: „Höflichkeit ist der Versuch, die anderen so zu sehen, wie sie nicht sind“ (V. de Kowa).

► „Höflichkeit kann zur Farce werden, wenn sie ins Devote abrutscht.“* Dieses Verhalten kann zu folgender Feststellung führen: „Höflichkeit ist gespielte Unterwürfigkeit“ (F.J. Schaarschuh). Ähnlich: „Höflichkeit ist die angenehmste Form der Heuchelei“ (A.G. Bierce). Aber auch: „Unhöflich sind der Niedrigkeit Genossen“ (J.W. von Goethe). Höflichkeit kann auch aus Berechnung geschehen: „Es gibt Menschen, die einem kleine Höflichkeiten aufdrängen, um nachher große Gegendienste verlangen zu können“ (A. Strindberg). In Frankreich lebt die Höflichkeit mit der Mentalität und mit der Sprache. Etwas direkter ausgedrückt: „Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist“ (J.W. von Goethe). Folgende drei Aussprüche zeigen, wie vielseitig das Thema Höflichkeit ist: „Es ist keine Höflichkeit, einem Lahmen den Stock tragen zu wollen“ (A. Schnitzler). Mit Bezug zur Tierwelt: „Der Fuchs grüßt den Zaun um des Gartens willen“ (Sprichwort). Und der Meister der Aphorismen La Rochefoucauld sagt zum Schluss: „Die Menschen können nur deshalb in Gemeinschaft leben, weil sie Betrüger und Betrogene zugleich sind.“

► Wie manche Antithesen zeigen: „Zu viel Höflichkeit ist unhöflich“ (Nachman, Rabbi von Bratzlaw). „Wir sollten falsche Höflichkeit erkennen bzw. abtrennen und die wahre Höflichkeit als Herzenssache verstehen und praktizieren.“* „Die Höflichkeit ist nicht ein Resultat aus der Erziehung, sondern primär das eigene Ergebnis aus Anstand, Weitsicht und Toleranz“ (O. von Allmen). Einleuchtend ist: „Höflichkeit ist eigentlich weiter nichts als ein vorsichtiges Bestreben, gegen niemand Verachtung und Geringschätzung zu zeigen“ (J. Locke). Einer der größten Menschenkenner erkennt das Wesentliche:

„Höflichkeit ist wie ein Luftkissen: Es mag nichts drin sein, aber sie mildert die Stöße des Lebens“

(Arthur Schopenhauer)

„Soll etwas gelingen, so bedarf es bei allem Nachdenken noch eines sicheren Taktes, welcher nur durch frühe Übung und Angewöhnung gewonnen wird“ (J.G. Fichte). Und zum Schluss der geniale Rat von George Washington: „Sei höflich zu allen, aber freundschaftlich nur mit wenigen, und diese wenigen sollen sich bewähren, ehe du ihnen Vertrauen schenkst.“

2. 4. 15 Menschlichkeit

Die Menschlichkeit ist als Tugend die humane Gesinnung eines Menschen. Sie äußert sich beispielsweise in der Achtung des Mitmenschen, Toleranz Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Nachbarschaftshilfe, Engagement in sozialen Einrichtungen und im achtsamen Umgang mit der Natur. „Dabei heißt tolerant sein, Widersprüche aushalten können“ (G. Grass). Der Gedanke der Humanität umfasst auch die allgemeine Menschenwürde, wie sie im Grundgesetz verankert ist:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“

(Art. 1, 1 Grundgesetz)

Die Menschlichkeit hat auch im Rahmen der Menschenführung als Erfolgsfaktor ihren Stellenwert.160 Grundsätzlich gilt für uns alle: „Behandle Menschen immer so, wie du selbst behandelt werden möchtest“ (nach I. Kant). Der kluge Schöpfer des kategorischen Imperativs lebte in Königsberg und konnte sich im Alter ein Haus, einen Hausdiener und eine Köchin leisten. Kant wird – etwas überzeichnet – als spröder, pünktlicher und professoraler Typ dargestellt. In seiner Studienzeit war er ein guter Katenspieler und verdiente sich sein Studium auch mit Billardspielen. Später litt er an der Alzheimer-Krankheit und war am Ende total orientierungslos.161 Er starb 80jährig in Königsberg. Seine Forderungen nach mehr Menschlichkeit gelten bis heute. Auch der Dalai Lama162 fordert seit Jahren engagiert: „Alles, was wir brauchen, ist mehr Menschlichkeit.“ Das Gegenteil ist die Unmenschlichkeit, die sich z. B. in Rücksichtslosigkeit, Gewalt und unterlassener Hilfeleistung zeigt. Die Menschlichkeit grenzt sich auch von verschiedenen tierischen Eigenheiten und Gegebenheiten ab.

► Was bedeutet Menschlichkeit? „Sie ist die höchste Tugend“ (L. de Vauvenargues). Und: Menschlichkeit ist Humanität: „Sie besteht darin, dass niemals ein Mensch einem Zweck geopfert wird“ (A. Schweitzer). Woran ist sie zu messen? „Menschlichkeit misst sich vor allem an Demut“ (K. Feldkamp). Wie entfaltet sie sich? „Das Wesen der Menschlichkeit entfaltet sich nur in der Ruhe. Ohne sie verliert die Liebe alle Kraft ihrer Wahrheit und des Segens“ (J.H. Pestalozzi). Wie kann man sie erhalten? „Man muss sich besiegen lassen und Menschlichkeit haben“ (Moliére). Zum Verhältnis von Vernunft und Menschlichkeit: „Der Mensch soll nicht vernünftiger, er soll menschlicher werden“ (I.G. von Herder). Zur Partnerschaft äußert sich der österreichische Dichter E. Ferstl: „Solange die Menschlichkeit uns miteinander verbindet, ist mir völlig egal, was uns trennt.“ Und: „Lieben ist für mich die schönste Art von Menschlichkeit“ (D. Wieser). Für uns alle ist wichtig: „Die wirkungsvollste Energiequelle unseres Lebens ist und bleibt die menschliche Wärme“ (E. Ferstl).

► Der Schweizer Journalist W. Ludin wirft die entscheidende Frage auf: „Es gibt Milliarden von Menschen. Warum gibt es so wenig Menschlichkeit?“ Wieso wird die oben gepriesene Menschlichkeit nicht überall im Kleinen und auch im Großen praktiziert? In Mikrosicht eruieren wir: „Bei den meisten Erfolgsmenschen ist Erfolg größer als die Menschlichkeit“ (D. du Maurier). In Makrosicht kann auch aktuell festgestellt werden: „Die fürchterlichen Massaker wurden niemals von Skeptikern oder Nihilisten verübt, sondern von Gläubigen und Utopisten, im Namen von mächtigen Idealen“ (R. Burger). Und für die Politik gilt: „Geschickte Reden und eine zurechtgemachte Erscheinung sind selten Zeichen der Mitmenschlichkeit“ (Konfuzius). Nicht wenige Menschen haben mit der Menschlichkeit nicht nur gute Erfahrungen gemacht: „Wer sich in unserer Gesellschaft menschlich zeigt, unterliegt der Gefahr, ausgenutzt zu werden.“* Deshalb kommt G. Uhlenbruck zu keinem erfreulichen Ergebnis: „Mensch zu sein, das ist heute ein Risikofaktor.“ In anderer Sicht wird Menschlichkeit vorgetäuscht, aber nicht dementsprechend gehandelt: „Sie trinken heimlich Wein. Und predigen öffentlich Wasser“ (H. Heine). Die deutsche Lyrikerin R. Bloch folgert: „Wir sind dort verloren, wo die Menschlichkeit ihr Gesicht verliert.“

► Mögliche Synthese mit Oscar Wilde, der liberal reagiert: „Jeder Mensch hat seinen wunden Punkt und erst das macht ihn menschlich.“ Diese Sicht trifft aber nur partiell zu. Die Menschlichkeit wird meistens erst dann zum wirklichen Thema, wenn wir Menschen sie entbehren müssen. Leider verzeichnen wir auch in unserer Gesellschaft eine zunehmende menschliche Kälte und teilweise einen Mangel an Menschlichkeit, beispielsweise wenn Menschen brutal zusammengetreten werden, obwohl sie hilflos am Boden liegen. Die Aggressionen von Menschen kommen hier an eine Schmerzgrenze.163 „Was nutzt das Bekenntnis zur Unantastbarkeit der Würde des Menschen, wenn Menschenrechte mit Füßen getreten werden? Um der Menschlichkeit wieder mehr Geltung zu verschaffen, dürfen wir alle nicht müde werden, durch eigenes Vorbild und bewusstes und zielgerichtetes Verhalten gegen die Unmenschlichkeit anzugehen.“* Und wir stellen resignierend fest: „Solange Menschlichkeit nur von den anderen gefordert wird, wird das nichts.“* Außerdem: „Ohne den konsequenten Kampf gegen die sozialen Missstände in unserem Landes werden wir das Böse nicht in den Griff bekommen, zumal die Untugenden immer stärker vorankommen.“* Vor allem: „Menschlichkeit bedeutet Herzenswärme.“* Zum Schluss noch die Erkenntnis: „Jeder Mensch ist verdammt, bis in ihm die Menschlichkeit erwacht“ (W. Blake).

2.5 Untugenden des Menschen

Eine Untugend ist im Gegensatz zur Tugend die mangelnde Gesinnung eines Menschen. * Untugenden sind Laster, also die das übliche Maß überschreitenden Gewohnheiten, Neigungen und Willensrichtungen.164 Untugenden äußern sich in schlechten Angewohnheiten von Menschen und werden deshalb als für den Einzelnen und für die Gemeinschaft als schädlich angesehen. Was als Untugend bzw. als Laster angesehen wird, ist in hohem Maße von der Meinung innerhalb einer Gesellschaft abhängig. Beispiele für Untugenden sind Wollust, Zorn, Lüge, Eitelkeit, Geiz, Faulheit, Neid und Stolz.165 In der Welt des geisteswissenschaftlichen Universums sollten wir die Untugenden zwar kennen, aber zu meiden versuchen. Auch die Untugenden werden in dialektischer Sicht vorgestellt.

2.5.1 Stolz

Der Stolz bezeichnet das stark ausgeprägte Selbstwertgefühl eines Menschen. Die Ausprägungen des Stolzes reichen von der positiven Interpretation als berechtigte Freude über eine eigene Leistung (z. B. über einen erfolgreichen Studienabschluss) oder stolz auf einen Freund zu sein, bis hin zu negativer Wertung als übertriebenes Selbstbewusstsein, z. B. Hochmut, Eitelkeit, Hochnäsigkeit, Arroganz, Prahlerei, Überheblichkeit und Narzissmus.166 Der Stolz zählt als Untugend zu den 7 Todsünden. „Der Stolz ist vielfach gleich, verschieden sind nur die Mittel und die Art, ihn an den Tag zu legen“ (La Rochefoucauld). Der Stolz kann auf sich selbst, aber auch auf gesellschaftliche Anerkennung ausgerichtet sein. Er zeigt sich in Gebärden und Gesten, z. B. in einer aufrechten Körperhaltung (positiv) bzw. wenn „die Nase hoch getragen wird.“ Gibt es Zusammenhänge zwischen Stolz und Arroganz? „Arroganz entsteht, wenn der persönliche Erfolg schneller wächst als die eigene Persönlichkeit.“ (S. Kühne). „Arroganz ist die Karikatur des Stolzes“ (E. Freiherr von Feuchtersleben). Dagegen ist Selbstachtung eine positive Pflicht, um das Wertvolle zu erhalten und das Unwürdige zu entfernen. „Wird Stolz sich seiner bewusst, so ist er Eitelkeit“ (W. Rathenau). Das Gegenteil von Stolz ist Demut. „Man kann nicht früh genug die Erfahrung machen, wie entbehrlich man in der Welt ist“ (J.W. von Goethe). Demgegenüber gibt es leider auch den falschen Stolz: „Mancher ertrinkt lieber, als dass er um Hilfe ruft“ (W. Busch). Hochmut ist schwierig zu bekämpfen. Hier ist Selbsterkenntnis nötig. Hilft es, Bescheidenheit dagegenzusetzen? „Oft täuscht man sich, wenn man glaubt, durch Bescheidenheit den Hochmut bezwingen zu können“ (N. Machiavelli). Wie zeigt sich der Stolz?

► Der Stolz zeigt sich im Selbstwertgefühl des Menschen: „Stolz kommt von innen, er ist die direkte Hochschätzung unserer selbst“ (A. Schopenhauer). „Der Stolz ist die berechtigte Freude darüber, etwas Besonderes geleistet zu haben“ (unbekannt). Auf seine Höchstleistungen kann der Mensch stolz sein. Mancher lebt aber mit seinem Stolz in einer anderen Welt: „Traumprinzen wohnen in Luftschlössern“ (A. Adler). Oftmals kommt dann das Erwachen zu spät. Trotzdem muss auch eine Niederlage nicht in Depression enden: „Eine stolz getragene Niederlage ist auch ein Sieg“ (M. von Ebner-Eschenbach). Nach dem Motto: „Kopf hoch, wenn der Hals auch dreckig ist“ (Sprichwort).

► Demgegenüber sind Hochnäsigkeit und Überheblichkeit Untugenden, die dem Menschen schaden: „Wer von oben herabschaut, ist nicht stolz, sondern arrogant“ (E. Blanck). Noch besser: „Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden“ (Sokrates). Ähnlich: „Dummheit, Stolz und Unverschämtheit sind Blutsverwandte“ (aus Russland). Wogegen müssen wir angehen? „Ärger, Stolz und Neid sind unsere wahren Gegner“ (Dalai Lama). Jeder sollte die Folgen seines Verhaltens durchdenken, denn man kann sehr tief fallen: „Wer abhebt, benötigt einen guten Fallschirm.“* Etwas deftiger: „Ein Esel bleibt immer ein Esel, auch wenn sein Sattel aus feinstem Leder ist“ (aus Türkei). Interessant ist auch die folgende Erkenntnis: „Stolze Menschen hassen Stolz bei anderen“ (B. Franklin). Deshalb verwundert uns nicht: „Unter den Stolzen ist immer Hader“ (Sprüche 13,10). Stolze reagieren oft falsch: „Demütigung beschleicht die Stolzen oft“ (J.W. von Goethe). Zum Schluss: „Der Stolze verzehrt sich selbst“ (Ch. W. von Gluck).

► Fazit: Der wirklich Erfolgreiche weiß: „Wer stolz auf sich selber ist, braucht wenig Komplimente“ (A. Marti). Auch gilt: „Ein stolzer Mensch verlangt von sich das Außerordentliche, ein hochmütiger schreibt es sich zu“ (M. von Ebner-Eschenbach). Es stimmt auch: „Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz“ (Sprichwort). Sie schaden uns: „Stolz ist das Haupthindernis auf dem Wege der Entwicklung“ (Dalai Lama). Geltung, Ansehen und Macht werden zur Bedrohung, wenn das Geltungs- und Machtstreben ausartet. Und es gilt: „Zu viel Stolz lässt kaum Platz für Weisheit“ (C.K. Rath). „Wer aus Geltungssucht zum Streber wird, denkt nur an seine Karriere und schiebt alles beiseite, was ihm im Wege steht. Er ist sogar bereit, seinen Glauben und seine Religion aufzugeben, wenn er dadurch sein Ziel erreichen kann“ (Auszug aus dem Katholischen Katechismus für Erwachsene). Merke: „Den Stolz hat Gott noch stets vernichtet und Demut immer aufgerichtet“ (K.L. Immermann). So mancher Hagestolz täuscht sich enorm:

„Manche Hähne glauben,

dass die Sonne ihretwegen aufgeht“

(T. Fontane)

Dazu Goethe: „Wie gerne säh ich jeden stolzieren, könnt er das Pfauenrad vollführen.“ Und: „In Wirklichkeit ist vielleicht keine unserer natürlichen Leidenschaften so schwer zu überwinden wie der Stolz“ (B. Franklin). Zum Nachdenken: „Wer über die Verächtlichkeit des Ruhmes Bücher schreibt, wird es trotzdem nicht versäumen, seinen Namen auf das Titelblatt zu setzen“ (Cicero).167 Freiherr von Knigge äußert dazu folgende edle Wünsche: „Ich möchte gern, dass man Stolz als eine edle Eigenschaft der Seele ansähe; als ein Bewusstsein wahrer innerer Erhabenheit und Würde; als ein Gefühl der Unfähigkeit, niederträchtig zu handeln.“ Zum Schluss sucht Albert Schweitzer den wissenschaftlichen Bezug: „Die Wissenschaft, richtig verstanden, heilt den Menschen von seinem Stolz, denn sie zeigt ihm seine Grenzen.“168 Oder in anderer Sicht: „Je größer der Mann, desto geringer der Stolz“ (C.F. Hebbel).

2.5.2 Geiz

Der Geiz ist die zwanghafte oder übertriebene Sparsamkeit eines Menschen. Der Geizige ist unfähig, Güter mit anderen zu teilen und unterliegt der Habgier bzw. der Erhaltung und Vermehrung seines Besitzes. Es wird auch vom Pfennigfuchser, Geizhammel und Rappenspalter gesprochen. Das Schicksal von armen Menschen interessiert ihn leider überhaupt nicht. Der Geizige lebt karg und gönnt sich für sein eigenes Leben fast nichts. Vielmehr erfreut er sich am permanenten Anhäufen von Kapital und von Habenzinsen: „Der Geiz hat den Ehrgeiz, immer mehr Geld auf seinem Konto zu horten“ (unbekannt). Merke: „Wer mit einem Geizhals verheiratet ist, hat kein schönes Leben.“* Die Wurzeln dieses Verhaltens liegen wohl schon in der Kindheit. Es kann auch in der Erziehung durch Lernvorgänge bedingt sein. „Wer geizige Eltern hat, wird dadurch stark beeinflusst und verinnerlicht diese Haltung.“* Auch: „Der Geiz wächst mit dem Gelde“ (Sprichwort). Er zählt als Untugend im Christentum zu den 7 Todsünden. Die Nähe zum Neid ist unverkennbar: „Geiz und Neid hausen unter einem Dach“ (aus Sizilien). Das Gegenteil von Geiz ist die Mildtätigkeit.

► Pro-Argumente: Zwischen Geiz und Sparsamkeit sind die Grenzen fließend.169 Wer zu übertriebener Sparsamkeit neigt, findet Geiz gar nicht so schlimm: „Geiz ist geil!“ (Werbespruch). Und fügt schnell hinzu: „Der Geiz ist etwas ausschließlich Menschliches“ (O. Gildemeister). Trotzdem: „Viel Geld zu besitzen und reich zu sein, ist etwas Wunderbares!“ (unbekannt). „Wenn nicht gespart wird, dann ist kein Geld für Kredite da!“ (unbekannt). Und: „Die Volkswirtschaft braucht sparsame Menschen!“* Auch postuliert der Geizige unehrlich: „Ich spare für meine Familie, damit ihr es später besser geht.“ Es ist wohl wahr: „Der Geiz sucht Gründe für seine Sparsamkeit“ (M.M. Jung).

► Contra: Der Geizige gönnt sich selbst und anderen nichts: „Das größte Vergnügen aller Geizhälse besteht darin, sich ein Vergnügen zu versagen“ (G. Benn). Und: „Nichts zu geben findet der Geizige immer Ursache“ (Sprichwort). Es ist kaum zu glauben, aber wahr: „Dem Geizigen ist es sogar um das Wasser leid, mit dem er sich wäscht (T.M. Plautus). Übertriebene Sparsamkeit eines Menschen ist von Übel: „Geiz ist das Futter der Gier“ (S. Schütz). Auch gilt: „Geiz ist ein kranker Geist“ (M. Hinrich). „Der Geiz hat den Ehrgeiz, viel Geld auf seinem Konto zu haben.“* Medizinisch ausgedrückt heißt das: „Wenn ein Geizhals Geld ausgibt, verliert er Blut“ (aus Polen). So sind die Folgen offensichtlich: „Geiz zerstört Körper und Seele“ (aus Abessinien). Und auch: „Geiz macht ein Herz aus Stein und Erz“ (Sprichwort). Auf einen Werbespruch entgegnet A. Selacher: „Geiz ist geil? Geiz macht impotent.“ Großzügigkeit ist für den Geizigen ein Fremdwort: „Mancher Geizkragen hält sich schon für großzügig, wenn er den Sonnenschein mit anderen teilt“ (W. Meurer). Dazu eine kurze Geschichte.

Der Philosoph Franz von Baader weilte auf dem Gutshof seines Freundes Boris v. U., der als sehr geizig bekannt war und vor allem die Bettler hasste. Nun stand ein sehr alter, zerlumpter Mann vor dem Philosophen und fragte: „Sie sind doch der bekannte Philosoph Professor Franz von Baader, aus Bayern stammend?“ „Ja doch!“ „Sie haben ein bedeutendes Werk über Vermögenslose geschrieben, haben Sie eine milde Gabe für mich?“ Der Philosoph sagte: „Ich habe selbst nicht viel, aber mein guter Freund Boris wird sich vielleicht erkenntlich zeigen!“ Der Hausherr Boris kommt hinzu und rief voller Entsetzen: „Ein Bettler, ich gebe nichts! Raus!“ „Sie sind sehr liebenswürdig“, sagte der Bettler: „… möge es Euch ergehen wie Abraham, Isaak und Jacob!“ Boris meinte erstaunt: „Ein Schnorrer, aber höflich ist er!“ „Höflich?“ meinte der Bettler: „Was ich Euch wünsche ist, dass Ihr umherirrt wie Abraham, blind werdet wie Issak und hinkt wie der unselige Jacob!“

► Conclusio: Manche Geizige wurden mit ihrem Geiz sehr reich, andere haben sich zugrunde gerichtet.170 Kein Mensch möchte als geizig gelten, denn geizige Menschen sind in der Regel nicht beliebt: „Geizhals und Glück werden sich niemals kennen lernen“ (B. Franklin). Der Geiz trennt Paare und er lässt Freundschaften auseinander gehen. Denn: „Geiz ist die Wurzel allen Übels“ (Timotheus 6,10). Wenn Frauen heute auf Partnersuche sind, dann sehen sie den Geiz als die unbeliebteste Eigenschaft bei Männern. Befragungen zeigen, dass die Hälfte der Männer auch keine geizige Frau heiraten möchte. Bei diesem Phänomen sind die Übergänge zwischen Sparsamkeit und Geiz fließend. Der Geizige selbst leidet nicht unter dieser negativen Eigenschaft, sondern er freut sich an seinem Geld. „Wer den Geiz auf die Spitze treibt, kommt nicht umhin, sich in totaler Konsumverweigerung zu ergötzen“ (J. Wilbert). „Geiz beginnt, wo die Armut aufhört“ (H. de Balzac). „Man kann sich keine Niederträchtigkeit denken, deren ein Geizhals nicht fähig wäre“ (A.F. von Knigge). „Viel versprechen, wenig geben, lässt den Geizhals in Frieden leben (aus Flandern).“ „Einen Geizhals kann man aber nicht ändern: man muss ihn nehmen, wie er ist.“* Die gute Seite dabei ist:

„Geiz ist das einzige Laster, das sich in den Augen der Nachkommen in eine Tugend verwandelt“

(Martin Held)

Deshalb gilt: „Geizhälse sind die Plage ihrer Zeitgenossen, aber das Entzücken ihrer Erben“ (Th. Fontane). Und: „Des Geizhalses einzige Wohltat ist sein früher Tod“ (aus Bulgarien). Am Ende kann aber keiner etwas mitnehmen: „Jedenfalls hat es keinen Sinn, der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein“ (P. Ustinow).

2.5.3 Eitelkeit

Die Eitelkeit ist dasjenige Wohlgefallen des Menschen an sich selbst, das sich auf vermeintliche Vorzüge vor anderen stützt und im Unterschied zum Stolz diese Vorzüge von den andern unbedingt anerkannt wissen will.171 Beispielsweise die Sorge um die Schönheit, um die geistige Vollkommenheit bzw. um das eigene Aussehen. Dabei sind die Grenzen zwischen der natürlichen Freude am eigenen Körper und der übertriebenen Sorge um die eigene Attraktivität fließend. Wir können als normale Eitelkeit die persönliche und die nationale Eitelkeit unterscheiden. Der überzogen eitle Mensch ist sehr stark von seinen vermeintlichen Vorzügen überzeugt und stellt sie häufig zur Schau. Übertriebene Eitelkeit ist eine Untugend. Das Gegenteil von Eitelkeit ist eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber der eigenen Person bzw. gegenüber Nationen. Man kann nun die Frage aufwerfen: „Ist Eitelkeit ein verwerfliches Laster oder eine fördernde Kraft?“172 Sie hat wohl von beidem etwas:

► Thesen: „Eine gewisse Eitelkeit ist menschlich“* . „Ohne die Eitelkeit wäre die Welt nur halb so schön“ (F. Löchner). Das gilt vor allem für bestimmte Künstler: „Musiker sind nicht eitel, sie bestehen aus Eitelkeit“ (K. Tucholsky). Treffend: „Eitle Fernsehjournalisten halten sich selbst für mindestens ebenso bedeutend wie ihre prominenten Interviewpartner“ (E. Probst). Aber: „Große Eigenschaften entschuldigen kleine Eigenheiten“ (Wiliam Penn). Für den Alltag gilt: „Wem sein Aussehen ganz egal ist, mit dem stimmt etwas nicht“ (unbekannt). Für das Besondere und Große gilt: „Glanz und Gloria, Triumph der Eitelkeit (O. Baumgartner-Amstad). Oder für den Sport gilt: „Medaillenspiegel: Attribut nationaler Eitelkeit“ (A. Eilers). Und: „Wenn der Ehrgeiz als Zwerg zur Welt kommt, nennt man ihn Eitelkeit“ (unbekannt).

Interessant ist auch folgende Meinung: „Der Mensch hat es so gern, wenn man über ihn spricht, dass ihn sogar eine Unterhaltung über seine Fehler entzückt“ (A. Maurois). Wie lässt sich übertriebene Eitelkeit erkennen? „Selbsterkenntnis behütet dich vor Eitelkeit“ (M. de Cervantes-Saavedra). Auch gilt: „Macht und Eitelkeit machen uns beredt“ (Ch. von Schweden). Außerdem: „Die Eitelkeit ist die Höflichkeits-Maske des Stolzen“ (F.W. Nietzsche). Etwas vermessen ist folgende Feststellung: „Eitelkeit ordnet Lebensglück gern der eigenen Intelligenz zu“ (M.M. Jung). Oft gilt im Leben: „Den größten Streich spiel uns immer noch die eigene Eitelkeit“ (E. Koch). Edle Menschen erkennen rechtzeitig die nötige Konsequenz: „Die Eitelkeit ist das erste, was der Weise ablegt“ (aus China).

► Antithesen: Übertriebene Eitelkeit kann als Untugend süchtig bzw. affig machen: „Eitelkeit ist eine persönliche Ruhmsucht“ (J.W. von Goethe). Auch: „Die Eitelkeit, der nimmersatte Geier, fällt nach verzehrtem Vorrat selbst sich an.“ (Shakespeare). „Wo die Eitelkeit anfängt, hört der Verstand auf“ (M. von Ebner-Eschenbach). Auch viel Geld kann zu überzogener Eitelkeit führen: „Ein schwerer Beutel macht leicht eitel“ (A. a Santa Clara). Dann ist die Überheblichkeit nicht weit: „Wer Eitelkeit zum Mittagbrot hat, bekommt Verachtung zum Abendbrot“ (B. Franklin).

Auch hier gilt: „Wer abhebt, benötigt einen guten Fallschirm.“* Eitelkeit findet sich insbesondere vor dem Spiegel: „Eitelkeit macht jeden Spiegel blind“ (A. Brie). Noch stärker ausgedrückt: „Für die Eitelkeit ist selbst die Pfütze ein wohlgefälliger Spiegel“ (A. Schopenhauer). Aber: „Wenn Menschen in Not sind, dann sinkt der Stellenwert der Eitelkeit enorm:“* „In der Not verdunstet viel Eitelkeit“ (M. Hinrich). Zum Nachdenken: „Die Strafe für Eitelkeit ist Schmeichelei“ (W. Raabe). „Mitunter wird mit übertriebener Eitelkeit bzw. mit Affigkeit versucht, Schwächen der eigenen Person zu übertünchen.“* Wird die überhöhte Eitelkeit verletzt, dann gibt es oft unangemessene Reaktionen: „Verletzte Eitelkeit hat hundert Krallen“ (aus Piemont). Oder: „Verletzte Eitelkeit infiziert sich oft mit Hassgefühlen“ (G. Uhlenbruck). Deshalb gilt auch hier: „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“ (Sprichwort).

► Synthese: „Wenn sich eine vornehme Frau für ihren Mann vor dem Spiegel schön macht oder der edle Mann eitel seine Fliege für den besonderen Abend zurechtlegt, dann sind diese Verhaltensweisen normal.“* Aber wir stoßen an eine Grenze, wo die Eitelkeit zur Affigkeit wird, die es für alle zu vermeiden gilt. „Männer, die Angst davor haben, dass man ihre gefärbten Haare ans Licht bringen könnte, waren mir schon immer suspekt.“* In der christlichen Theologie zählt die Eitelkeit zu den Hauptsünden, denn sie lenkt das Denken des Menschen von Gott ab und zu sich selbst hin. „Sehr eitle Menschen wollen vor allem sich selbst gefallen“* Dazu äußert sich ein Menschenkenner treffend:

„Man muss sich also eingestehen, dass die eitlen Menschen nicht sowohl Anderen gefallen wollen, als sich selbst, und dass sie so weit gehen, ihren Vorteil dabei zu vernachlässigen; denn es liegt ihnen oft daran, ihre Mitmenschen ungünstig, feindlich, neidisch, also schädlich gegen sich stimmen, nur um die Freude an sich selber, den Selbstgenuss, zu haben“

(F.W. Nietzsche)

Wer gar zu eitel ist, kann sogar zum Schöngeist oder zum Hagestolz werden. Die Betroffenen sollten sich dann nicht wundern: „Niemand hat aber Mitleid mit dem Schmerz der Eitelkeit“ (S. Johnson). Deshalb sollten wir Menschen rechtzeitig gegensteuern: „Tötet eure Eitelkeit, bevor sie euch umbringt“ (P.E. Schumacher). Das ist aber alles gar nicht so einfach, denn: „Eitelkeit ist darum so schwer abzulegen, weil man sie, unter allen Lastern allein, den ganzen Tag genießen kann“ (J. Paul).

2.5.4 Wollust

Wollust ist die extreme Form sexueller Lust, nämlich als sinnliche Begierde mit erotischen Fantasien. Das aktive Handeln des Menschen zur wilden Steigerung der sexuellen Befriedigung ist dabei eingeschlossen. „Moderne Technik eröffnet viele Wege, sündiges Verhalten zu befriedigen“ (F. Löchner). „Die Wollust liebt die Mittel nicht den Zweck“ (H. von Hofmannsthal). Und: „Die Wollust ist die Katastrophe des Genusses“ (E.M. Cioran). Die Wollust zählt im Christentum als Untugend zu den 7 Todsünden. Das Gegenteil der Lust ist die Unlust, das Gegenteil von Wollust ist die Keuschheit als Enthaltsamkeit: „Wo Lust schrumpft, wächst Sitte“ (M.M. Jung). Wir wollen zunächst zwischen Lust und Wollust unterscheiden:

► Die Lust als Glücksgefühl ist etwas ganz Normales: „Es ist eine Lust zu leben“ (U. von Hutten). Die Lust ist ein Antrieb, der auf die Befriedigung eines stark empfundenen Bedürfnisses oder Mangels ausgerichtet ist. Die Lust war schon in der Antike, im Mittelalter und in der neueren Zeit ein interessierendes Thema.173 „Die Lust ist Ursprung und Ziel des glücklichen Lebens“ (Epikur). Sie ist mit heftigen, zeitlich begrenzten Glücksgefühlen (z. B. Liebe, Sex, Lustgefühl, Begierde), Freude (z. B. Sport, Arbeit) bzw. Genuss (z. B. beim Essen, Trinken) verbunden.

Träumen wir nur? „Alle Lust der Welt ist ein Traum nur“ (F. Petrarca). „Wo die Lust anfängt, hört der Spaß auf“, sagt P. Mommertz. Auch: „Lust verkürzt den Weg“ (W. Shakespeare). Ebenfalls gilt: „Lust findet Zeit“ (W. Puzicha). Und: „Je seltener das Angenehme, desto größer die Lust (Epiktet). Ohne Lust bewältigen wir unser Leben nicht: „Lust ist der beste Motor“ (M. Hinrich). Auch gilt für den Sex: „Phantasie ist der größte Lustgewinn“ (D. Wieser). Ähnlich ausgedrückt: „Lust steigert sich an Lust“ (K. Tucholsky). Der französische Philosoph Honoré de Balzac wirft die Frage auf: „Vielleicht ist die Liebe nur Dankbarkeit für die Lust?“ Als Formen der Lust sind Lebenslust und sexuelle Lust zu unterscheiden. Hier eine treffende Beschreibung der sexuellen Lust:

„Dein herrlicher Körper treibt mich zum Wahnsinn. Ich begehre dich heftig, möchte noch mehr; du machst mich verrückter mit jeder Berührung. Ich liebe dich, brauche dich, will dich so sehr“

(H.C. Neuert)

► Gott hat uns aber im Umgang mit der Lust Grenzen gesetzt: „Du sollst nicht gelüsten deines Nächsten Weibes“ (5 Mose, 5,21) und „Du sollst nicht ehebrechen“ (5 Mose, 5,18). Wenn wir meinen, diese Gebote locker umgehen zu können, um sich beim Ehebruch voll der Wollust hinzugeben, dann täuschen wir uns gewaltig, denn die Folgen von Ehebruch können heftig sein: „Wer Lust begehrt, begehrt Leid“ (Buddha). Auch: „In den Katakomben der Lust wohnt auch der Frust“ (F. Löchner). „Wer Laster hat, ist in ständiger Gefahr, von ihnen überfahren zu werden“ (W. Lörzer). Aber es gilt ebenfalls: „Standhaftigkeit bedarf der Versuchungen“ (A. Saheb). Und vor allem: „Wollust nährt Sünde“ (Sprichwort). Nicht nur die Tinte in meinem Füllfederhalter sträubt sich dagegen, von den schrecklichen Ereignissen eines Lustmordes174 oder von der Kinderpornographie zu berichten. Darüber hinaus kokettiert mancher mit den Geboten Gottes: „Gib mir Keuschheit und Enthaltsamkeit – aber jetzt noch nicht“ (Augustus Aurelius). Oder in ganz anderer Sicht urteilend: „Ein Eunuch hat es leicht zu moralisieren.“* Die extremen Beurteilungen reichen von der himmelsträchtigen Liebe bis zur niederträchtigen Wollust. Sie wird auch als schönste Todsünde bezeichnet.175

► Synthese: „Gott hat uns u. a. auch die sexuelle Lust geschenkt, damit wir mit unserem Ehepartner glücklich sind, mit ihm in der Liebe Spaß haben und für Nachwuchs sorgen können. Die sexuelle Lust mit dem Ehepartner immer wieder neu zu erleben gehört zu den schönsten Geschenken, die uns Gott gegeben hat.“* Diese Lust ist so wundervoll, dass man sie nicht in Worte kleiden kann; man glaubt, kurze Zeit irgendwie im Paradies zu sein. Aber Gott hat uns hinsichtlich außerehelicher Partnerschaften strenge Grenzen gesetzt. Der Umgang damit ist allerdings nicht einfach, wie es die vielen negativen Ereignisse in unserer heutigen Gesellschaft und in der Welt deutlich zeigen. Der Ehebruch aus dem Motiv bloßer Wollust ist heute nicht selten. Der Ehebruch ist heute leider weit verbreitet und wenn nicht die Angst vor Aids gegeben wäre, hätten wir noch mehr von diesen Verfehlungen. Ehebruch bringt in vielen Fällen tiefes Leid, das den betroffenen Partner seelisch zugrunde richten kann. Deshalb gibt es hier definitiv keine liberalen Kompromisslösungen: „Eheliche Treue ist unverzichtbar, denn Ehe ist nicht teilbar mit anderen Menschen.“*

2.5.5 Zorn

Der Zorn ist die extreme emotionale Erregung eines Menschen und hat eine lange Kultur- und Literaturgeschichte.176 Er kommt in der Praxis als heftiger Ärger, wutartiger Affekt, Aggression, Wut und Impulsivität vor177 und kann schnell zu unkontrollierten Handlungen führen, z. B. zum Anbrüllen anderer Menschen oder zum lauten Fluchen. Er existiert auch als Zürnen, beispielsweise als Zorn über eine Untat, als Jähzorn, als Volkszorn und zuletzt als „Zorn Gottes“. Der Wut geht eine persönliche Kränkung voraus, beispielsweise wenn jemand sehr ungerecht behandelt wird. Wieso? „Auch Ursachen haben Ursachen“ (H.U. Bänziger). Zorn ist als Untugend mit Unmut und häufig mit Unzufriedenheit verbunden. Die Empörung ist ein weiterer Zustand der Erregung. Im Christentum ist der Zorn eine der 7 Todsünden.178 Das Gegenteil von Zorn ist Geduld. Dem Zorn wird ein gewisses Verständnis, aber auch viel Unverständnis entgegengebracht.

► Thesen: Zorn ist als Erregung etwas Normales, denn kein Mensch ist normalerweise in der Lage, die Ungerechtigkeiten dieser Welt so einfach hinzunehmen. Auch Martin Luther hat das gespürt: „Der erste Zorn ist immer der beste.“ Definitiv: „Der Zorn ist kurze Raserei.“ (Horaz). Auch unerfüllte Liebe kann mit Zorn verbunden sein: „Liebe kennt keinen Hass, aber Zorn (P. Mommertz). Und es gilt: „Wer nie im Zorn erglühte, kennt auch die Liebe nicht“ (E.M. Arendt). Sogar: „Zorn macht Schwache stark“ (Ovid). Zorn ist häufig mit Lautstärke verbunden: „Der Zorn bläst laut ins Horn.“* Die Reaktion darauf sollte nicht laut sein, denn: „Sanfte Rede stellt den Zorn“ (Sprichwort). Ein wahres Wort: „Die Empörung ist der Zorn der Gerechtigkeit“ (S. Prudhomme). Wenn die Gerechtigkeit verletzt wird, sollten wir uns mehr darüber aufregen! Wir lassen uns viel zu viel bieten, ohne uns zu wehren, sagt St. Hessel, und damit hat er Recht: „Empört Euch“: en francais: „Indignez vous!“179

► Antithesen: Der Zorn hat als Untugend auch eine bösartige Seite: „Ach, der Zorn verderbt die Besten“ (F. von Schiller). „Der Zorn verrät ein böses Gewissen“ (F. von Schiller). „Ein kurzes Wort mit Unbedacht bringt Jahre voller Zorn und Krach“ (A. Bechstein). Mitunter kann es schlimm ausgehen, denn: „Der Zorn schafft eine Waffe“ (Vergil). Vielfach gilt: „Im Zorn trifft man nur selten gute Entscheidungen“ (E. Limpach). „Keine Leidenschaft trübt die Unvoreingenommenheit des Urteils mehr als der Zorn“ (M. de Montaigne). Auch der Glaube der Juden stellt richtig: „Sobald der Mensch in Zorn gerät, gerät er in Irrtum“ (Talmud). Und: „Nimmer hat die Wut sich gut verteidigt“ (Shakespeare). Manchmal geht es hitzig zu: „Wo es funkt, kann es heiß werden“ (P.F. Keller). Aber: „Jähzornige Frauenzimmer – gleich wie Männer auch – sind weniger schlimm als stille Wasser, welche tief“ (Euripides). Man glaubt es kaum: „Auch im Lamm ist Zorn“ (Sprichwort). Nicht selten: „Ohnmacht züchtet Wut“ (E. Pannek). Zuweilen gilt auch: „Nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tötet man“ (F.W. Nietzsche). Manchmal geht es sehr laut zur Sache: „Zorn ist eine große Kraft, die mehr Leid als Freude schafft“ (L. Hirn). Und: „Ärger ist wie Säure. Er zerfrisst vor allem das Gefäß, in dem er sich befindet“ (P. Hohl). Zum Schluss: „Der Zorn lässt die Menschen nicht alt werden“ (Sprichwort). Deshalb kommen wir zu dem klaren Ergebnis: „Wut muss man bekämpfen“ (Shakespeare).

► Synthese: „Kann sich der Mensch einerseits in seiner Erregung wehren, aber anderseits sein eigene Wut bekämpfen? Ja, denn alles zu seiner Zeit. Manchmal muss man sich u. U. auch lautstark empören, z. B. wenn ein hilfsbereiter älterer Mensch von einem Rüpel niedergeschlagen und obwohl er hilflos am Boden liegt immer noch getreten wird.“* In anderen Fällen ist es wichtig, dass man sich zusammenreißt, nämlich wenn man sich aus persönlichen Gründen verständlicherweise geärgert, der Partner es aber ganz anders gemeint hat. Merke: „Missverständnisse lösen nicht selten Zorn aus.“* „Auch zu viel Alkohol kann Zorn mit sich bringen.“*

Deshalb: „Der Edle bändigt seinen Zorn und mäßigt seine Triebe“ (aus China). Wie kann man auf Zorn reagieren? Vor allem: „Dem Zornigen soll man das Schwert nehmen.“ Außerdem: „Tue nie etwas aus momentanem Zorn heraus.“ Der folgende gute Rat ist schon sehr alt: „Das größte Gegenmittel gegen den Zorn ist der Aufschub“ (Seneca). „Manchmal ist es gut, dass man ausweicht (z. B. nach draußen gehen), wenn man den Zorn spürt.“* Denn: „Zorn ist ein Windsturm, der die Lampe des Verstandes ausbläst“ (R.G. Ingersoll). Folgendes ist auch richtig:

„Es ist besser, im Zorn zu kommen und im Frieden zu gehen, als in Frieden zu kommen und im Zorn zu gehen“

(W.J. Reus)

Übrigens: „Gemütsmenschen kommen aufgrund ihres Wesens mit der Bekämpfung von Wut besser zurecht als Choleriker, da diese meistens zum Aufbrausen neigen.“* Zum Schluss versöhnlich: „Wenn der Zorn verebbt, flutet die Reue“ (G. Uhlenbruck).

2.5.6 Neid

Der Neid ist das ethisch vorwerfbare, intensive Empfinden des Menschen, nämlich seine Auffassung, die Besserstellung anderer Menschen sei ungerechtfertigt. Bosheit, Feindseligkeit, ohnmächtiges Begehren, verborgener Groll und Gehässigkeit beschreiben dieses Laster.180 Es ist eine Missgunst mit dem Wunsch, diese Besserstellung (z. B. Besitztümer, Gesundheit, Schönheit, Status) selbst zu besitzen bzw. ist das große Verlangen, sie anderen wegnehmen zu wollen. Im Christentum zählt der Neid zu den 7 Todsünden, weil gerade er die dunkle Seite der menschlichen Natur zeigt. Das Gegenteil des Neids ist das Wohlwollen. Neid hat viele, aber kaum freundliche Gesichter.181 Nach Nietzsche begründet sich die soziale Gerechtigkeitsbewegung in dem Neid der zu kurz Gekommenen und sie zeigt sich z. B. im Sozialneid. Der kollektive Neid ist oft verbunden mit der Empörung über die ungerechte Güterverteilung und kann weitgehende politische Wirkungen haben.182 „Gerade heute ist Sozialneid nicht zu unterschätzen.“* Niccolo Paganini meint grundsätzlich: „Die Tüchtigen werden beneidet, den Talentierten wird geschadet und die Genies werden gehasst.“ Demgegenüber gibt es bei den Tieren den Futterneid. Auch der Neid lässt sich unterschiedlich bewerten.

► Der Neid ist heute in unserer Gesellschaft als Untugend leider sehr weit verbreitet, denn: „Die gefährlichsten Herzkrankheiten sind immer noch Neid, Hass und Geiz“ (P.S. Buck). „Der Neider gönnt anderen auch das nicht, was er selbst nicht haben möchte“ (M. Pickford). Aus Frankreich stammt die Erkenntnis: „Der Neid ist die Wurzel aller Übel.“ Er lässt den Betroffenen einfach nicht in Ruhe, wie uns ein Spruch aus Großbritannien vermittelt: „Der Neid ist sein eigener Folterknecht.“ Eigenartig ist, dass ein Neider die Gegebenheiten meist überzogen bewertet: „Neid schaut immer durchs Vergrößerungsglas“ (E. Blanck). In der Gruppe hat es sich auch folgendes gezeigt: „Auf Neid ist mehr Verlass als auf Solidarität“, wie H.J. Quadbeck-Seeger richtig bemerkt. Mitunter kommt der Neid schneller auf als uns recht sein kann: „Kaum hat mal einer ein bissel was, gleich gibt es welche, die ärgert das“ (W. Busch). Zuweilen setzt sich der Neid längerfristig fest: „Unser Neid dauert stets länger als das Glück derer, die wir beneiden“ (La Rochefoucauld). Wer anderen etwas neidet, behält es meist nicht für sich: „Die Tochter des Neids ist die Verleumdung“ (G. Casanova). Deshalb sind wir über folgendes nicht erstaunt, was J.W. von Goethe erkannt hat: „Man darf sich nicht wundern, wenn Neid schnell in Hass übergeht.“ Neid hat auch eine Schwester: Die lachende Schwester des Neides ist die Schadenfreude.183 Sie ist eine positiv erlebte Emotion, der in der Regel Neid vorausgegangen ist, obwohl die angemessene Reaktion Mitleid wäre.

► Ist der Neid der Menschen wirklich so groß oder ist das alles übertrieben? Die deutsche Sozialwissenschaftlerin N. Pomes beschwichtigt: „Neid zeigt uns unsere Wünsche.“ Spitzbübisch ist die Feststellung von W. Busch: „Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.“ Ähnlich: „In Deutschland ist die höchste Form der Anerkennung der Neid“ (A. Schopenhauer). Manchen zurückgezogen lebenden Menschen baut der Neid sogar auf: „Nichts hilft so gut, die Einsamkeit zu überbrücken wie der Neid“ (M. Genin). Nach Oscar Wilde ist Neid auch mit Anerkennung verbunden, denn: „Die Anzahl unserer Neider bestätigt unsere Fähigkeiten.“ Vor allem wird einem der Neid nicht geschenkt: „Neid muss man sich sehr hart erarbeiten“ (E. Reuter). Es ist bekannt: „Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen“ (R. Lembke). Der griechische Arzt und Dichter Epicharmos geht noch weiter: „Wer von niemandem beneidet wird, der ist nichts wert.“ Mancher genießt den Neid: „Erfolg ist nur halb so schön, wenn es niemanden gibt, der einen beneidet“ (N. Mailer).

► Was lernen wir daraus? Der Menschenkenner A. Schopenhauer bringt es auf den Punkt: „Wir denken selten an das, was wir haben, aber immer an das, was uns fehlt.“ Müssen wir wirklich gegenüber anderen Menschen neidisch sein? Ich sage: „Missgunst und Neid sind keine guten Ratgeber, sondern Merkmale des Bösen.“* „Wie gleichen sich doch Mensch und Tier in Neid und Gier“ (P.E. Schumacher). Neid wird es immer geben: „Die Neider sterben wohl, doch nimmer mehr der Neid“ (Molière). Auch zeigt die Erfahrung: „Neid braucht keinen Grund“ (E. Klepgen). „Neidische Menschen sind doppelt schlimm dran: …denn sie ärgern sich nicht nur über das eigene Unglück, sondern auch über das Glück der anderen“ (Hippias). Wie entsteht Neid?

„Neid entsteht aus Schwäche, Kleinmut, mangelndem Selbstvertrauen, selbstempfundener Unterlegenheit und überspanntem Ehrgeiz. Deswegen verbirgt der Neider seinen unschönen Charakterzug schamhaft. Geht es dem Beneideten an den Kragen, genießt der Neider stille Schadenfreude“

(G. Aly)

Deshalb kommen wir zu dem Ergebnis: „Das sicherste Zeichen des wahrhaft verständigen Menschen ist Neidlosigkeit“ (La Rochefoucauld). Wie sollten wir Menschen uns denn verhalten? Mit der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach können wir zusammenfassen: „Andere neidlos Erfolge erringen sehen, nach denen man selbst strebt, ist Größe.“ Oder etwas anders ausgedrückt: „Andere glücklich und zufrieden zu sehen ist eine der größten Herausforderungen für unseren Neid.“*184 Zum Schluss der hilfreiche Rat von Seneca: „Dem Neide wirst Du entgehen, wenn Du verstehst, Dich im Stillen zu freuen.“

2.5.7 Lüge

Die Lüge ist eine bewusst falsche Aussage oder unwahre Behauptung eines Menschen, beispielsweise lügen aus Angst, Geltungsbedürfnis oder aus Berechnung. In der Absicht zu täuschen werden dabei Tatsachen verdreht.185 Oscar Wilde bringt Lüge und Kunst in Verbindung und behauptet auf seine Art: „Das Lügen und das Dichten sind Künste.“ Beim Kind kann man dann nicht von Lüge sprechen, wenn es zwischen der Realität und den Produkten seiner Phantasie noch nicht unterscheiden kann. Bei Erwachsenen ist die übermäßige Neigung zur Lüge Ausdruck einer psychologischen Fehlentwicklung, die mit Charakterschwäche, Erziehungsfehlern, Enttäuschungen oder schlechtem Umgang zusammenhängen kann. In der Regel fühlen sich Menschen verletzt, und hintergangen, wenn sie belogen werden: Das Christentum verurteilt die Lüge deshalb als Sünde. Auch die Lüge hat eine lange Kulturgeschichte.186 Das Lügen wird im Allgemeinen als Untugend negativ bewertet, aber mitunter auch relativ wohlwollend beurteilt.

► Thesen: „Die Lüge ist immer ein Selbstmord des Geistes“, meint J.G. Fichte. Das Lügen ist nicht nur in der Politik, sondern auch im Privatbereich weit verbreitet: „Es wird nie mehr so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd“, meint O. v. Bismarck. Gerade heute wird in unserer liberalen Gesellschaft viel gelogen: „Wer lügt, der riskiert damit, dass er auch dann, wenn er die Wahrheit sagt, nicht ernst genommen wird.“* Und: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht“ (Phädrus). Den Lügenden trifft es dann auch selbst: „Die Strafe des Lügens ist nicht, dass ihm niemand mehr glaubt, sondern dass er selbst niemandem mehr glauben kann“ (G.B. Shaw). Meistens bleibt es nicht bei einer Lüge: „Eine Lüge schleppt zehn andere nach“ (Sprichwort). Die Lüge bringt oft Böses mit sich: „Gutes kann niemals aus Lüge und Gewalt entstehen“ (M. Gandhi). Andere negative Verhaltensweisen sind dann nicht weit: „Lügen und Stehlen gehen miteinander“ (Sprichwort). Gott sei Dank kommt man aber mit der Lüge nicht weit, denn: „Lügen haben kurze Beine“ (Sprichwort). Aus Russland stammt das kluge Sprichwort: „Mit Lügen kann einer durch die Welt kommen, aber bestimmt nicht zurück“ (aus Russland). Interessant ist die folgende Feststellung: „Das Gefährliche an Halbwahrheiten ist, dass immer die falsche Hälfte geglaubt wird“ (H. Krailsheimer). Das alles ist auf die Dauer unbefriedigend und es kommt hinzu: „Die Lüge ist wie ein Schneeball, je mehr an ihn wälzt, desto größer wird er“ (M. Luther). Der Lügner findet sogar im Grab keine Ruhe: „Jemand hat so viel Lügen mit ins Grab genommen, dass angebaut werden musste“ (M. Hinrich).

► Antithesen: Nach S. Dietz ist eine prinzipielle Verurteilung der Lüge aber nicht zu rechtfertigen.187 Auch F.W. Nietzsche stellt fest: „Kein Leben ohne Lügen.“ Außerdem sagt er zum Nachdenken: „Wer nicht lügen kann, weiß nicht, was Wahrheit ist.“ Ist denn das Lügen an sich gar nicht so schlimm? „Mit der ersten Lüge wird man Mensch“ (St. Schütz). Oder gehört die Lüge gar zum Erwachsenwerden? „Wer nie lügt, wird nie groß“ (aus Uganda). Die Lüge kann auch mit Sex verbunden sein: „Die nackte Lüge hat schöne Beine“ (M. Hinrich). R.W. Emerson findet das Lügen sogar schön, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann: „Die Wahrheit ist etwas Schönes, ohne Zweifel, aber Lügen auch.“ Zum Nachdenken: „Manche Menschen können so erfrischend lügen, dass einem der Durst nach Wahrheit vergeht“ (E. Ferstl).

Oder anders gesehen: „Lieber eine glatte Lüge als eine ungefällige Wahrheit“ (aus Ägypten). Der englische Philosoph S. Butler sieht es so: „Der beste Lügner ist der, der mit den wenigsten Lügen am längsten auskommt.“ Es gibt Arbeitsfelder, die uns zur Lüge verführten: „Die Einkommensteuer hat mehr Menschen zu Lügnern gemacht als der Teufel“ (W.P. Rogers). Oder wollen wir Menschen gar, dass uns andere mitunter nicht die Wahrheit sagen? „Die Menschen sind alle so geartet, dass sie lieber eine Lüge als eine Absage hören wollen“ (M.T. Cicero). Wir erkennen, dass das Thema Lügen sehr vielschichtig ist, wie uns auch folgende Weisheit vor Augen führt: „Einzig den Ärzten ist es erlaubt zu lügen (unbekannt). Und nach Grotius: „Im Kriegsfall sind List und Lüge erlaubt.“ In bestimmten Situationen bestehe kein Recht auf Wahrheit.188

► Synthese: Psalm 116,11 drückt es ganz hart aus: „Alle Menschen sind Lügner.“ Oder etwas geminderter, aber treffend: „Die Welt ist voller Leute, die Wasser predigen und Wein trinken“ (G. Guareschi). Dazu W. Busch väterlich: „Wer dir sagt, er hätte noch nie gelogen, dem traue nicht, mein Sohn.“ Und: „In der Schnelligkeit ist die Lüge immer der Wahrheit voraus“ (W. Meurer). Manchmal ist mit heute das viele Lügen im Alltag zuwider:

„Lug und Trug regier'n die Welt, weil kein Anstand heut' mehr zählt. Das macht mich alles sehr betroffen, kann nur auf bess're Zeiten hoffen“

(Horst-Joachim Rahn)

Gott sei Dank kann ich mich auf meine Frau und meine Freunde immer verlassen. Denn es gilt zeitlos: „Ehrlich währt am längsten“ (Sprichwort). „Heute wird die Lüge in unserer Gesellschaft leider nicht als ein Vergehen bewertet, sondern als legitimes Mittel zur Selbstverteidigung oder gar als Kavaliersdelikt.“* „Wir sollten die Lüge nicht wohlwollend beurteilen, sondern uns wieder mehr um die Wahrheit bemühen.“* Das gilt ohne Einschränkung auch für die Notlüge, wenngleich J. Joyce feststellt: „Der Erfinder der Notlüge liebte den Frieden mehr als die Wahrheit.“

In der Bibel wird der Teufel als der „Vater der Lüge“ bezeichnet (Joh. 8, 44). Das achte Gebot der Zehn Gebote lautet: „Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“ (5. Mose, 5 20), was im Christentum und im Judentum als generelles Verbot der Lüge interpretiert wird. Auch im Islam ist Lügen nicht erlaubt. Im Buddhismus gilt sie als eine der zehn Untugenden. Augustinus betrachtet die Lüge als eine Sünde. „Wir sollten mehr Wert auf die Achtung und Befolgung aller Zehn Gebote legen, auch wenn das in der Praxis nicht so einfach ist.“* Vergessen wir dabei nicht: „Das permanente Lügen führt – wie alles Böse – zu negativen Festschreibungen in unserer Seele.“*189 „Lüge führt auf längere Sicht zur Unzufriedenheit.“* „Wer gelogen hat, muss dauernd der Wahrheit ausweichen, um von ihr nicht überfahren zu werden“ (W. Ludin). Und ich behaupte zum Schluss: „Es geht auch ohne Lüge! Oder bin ich damit gar unehrlich oder unmenschlich?“*

2.5.8 Faulheit

Faulheit ist die zu geringe innere Motivation eines Menschen, sich anzustrengen und im Leben etwas zu leisten. Die Erklärungen der Faulheit reichen von einer allgemein bestehenden Tendenz zur Trägheit und Bequemlichkeit bis zu einem schlechten Charakter. Faulheit kann individuell-immanent sein, aber auch durch Krankheit, geringe Anreize, bzw. mangelnde Erfolge oder aus Widerstand gegen ein System ausgelöst werden. Also ist vor der Bewertung bzw. Ergreifung von Maßnahmen zu prüfen, warum ein Mensch zur Faulheit neigt. Die Faulheit ist eine Untugend und gehört wie der Geiz, der Neid, die Völlerei, der Stolz, der Zorn und die Wollust im Christentum zu den 7 Todsünden. Das Gegenteil der Faulheit ist der Fleiß. Faulheit lässt sich sowohl wohlwollend als auch kritisch beurteilen.

► Thesen: Vor allem in der Pubertätszeit stellt die Faulheit ein Problem dar. „Auch ich war in dieser Zeit kein guter Schüler.“*190 Damit bin ich nicht der einzige, denn die Pubertät ist eine schwierige Zeit. Leider gibt es aber auch nicht wenige Erwachsene, die nicht arbeiten wollen: „Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute“ (Sprichwort). Ein fauler Mensch ist bestrebt, sich möglichst wenig anzustrengen: „Ich bin ein fauler Sack, und das ist gut so!“ (unbekannt). Oder ein anderer sagt: „Es ist schön, den ganzen Tag die bequeme Seite des Lebens genießen zu können.“* Faulheit lässt sich in wohlwollender Sicht ganz unterschiedlich ausdrücken:

▪ „Die Faulheit ist keine Zier, doch Entspannung schenkt sie dir“ (Querulix).

▪ „Morgen werde ich mich ändern, gestern wollt ich es heute schon“ (Ch. Busta).

▪ „Faulheit: Das eine nicht tun und das andere lassen“ (W. Ludin).

▪ „Faulheit: der Hang zur Ruhe ohne vorhergehende Arbeit“ (E. Kant).

▪ „Faulheit kennt kein Rückenweh“ (aus Russland).

Oder auch die folgende Version: „Der Faule lebt in Harmonie mit dem Bestehenden und verspürt keinen Drang es zu ändern“ (T. Troll). Manche verehren die Faulheit sogar: „Die Arbeit ist etwas Unnatürliches. Die Faulheit allein ist göttlich“ (A. France). Am Abend haben Arbeitsame und Faule etwas gemeinsam: „Abends werden auch die Faulen müde“ (D. Fleichhammel). Mit Effektivität lässt sich manches auffangen: „Effizienz ist die Faulheit der Intelligenten“ (Gräfin Fito).

► Antithesen: Auch hier zitiere ich gern meinen Lieblingsphilosophen S. Kierkegaard: „Aller Laster Anfang ist Faulheit.“ In realistischer Sicht der Faulheit stellen wir folgende Meinungen vor:

▪ „Faulheit ist Untätigkeit in Potenz“ (J. Panten).

▪ „Faulheit macht Schwielen am Hintern“ (aus Arabien).

▪ „Faulheit steht sich selbst im Wege“ (Seneca).

▪ „Zu den großen Leistungen sind nur wenige fähig, zu großer Faulheit fast jeder“ (H.J. Quadbeck -Seeger).

Gott sei Dank gibt es viele Menschen, die gern arbeiten, weil ihnen ihre Arbeit Spaß macht. Das ist wohl entscheidend. Und es gilt zeitlos: „Faulenzen ist längst nicht so schön, wie es klingt (E. Koch). Lassen wir uns also nicht von der Faulheit verführen.

► Synthese: „Wer in der Schulzeit faul ist, bekommt die negativen Folgen erst später zu spüren.“* Viele Eltern müssen oft resignierend erkennen, dass ihre Kinder in der Schule nicht aufpassen und schlechte Noten bringen. Mit Strafen und Zwang ist oft nicht viel zu gewinnen. Man sollte zuerst die Motivationshemmungen der Kinder zu ergründen versuchen. Auch Anreize für bessere Schulleistungen halte ich für hilfreich. Und: Jugendliche Faulheit erscheint heilbar.191 Jeder praktizierende Pädagoge weiß aber, dass das alles nicht so einfach ist. Später trifft es immer die Betroffenen selbst: dann ist es nicht selten zu spät. Wer auch als Erwachsener faul ist, hat keine Einnahmen: „Faulheit ist der Schlüssel zur Armut“ (Sprichwort). Häufig kommen weitere Probleme hinzu: „Nach Faulheit folgt Krankheit“ (Sprichwort).

Das Ausruhen von der Arbeit ist nicht mir Faulheit zu verwechseln: „Wer immer in den ganzen Tag hinein lebt, kennt den Stellenwert der Pausen nicht.“* „Trotz allem: Eine gewisse Faulheit ist wohl im Innersten eines jeden Menschen gegeben.“* „Aber die Faulheit, welche im Grunde der Seele des Tätigen liegt, verhindert den Menschen, das Wasser aus seinem eigenen Brunnen zu schöpfen“ (F.W. Nietzsche). „Der Mensch sollte auch schon früh lernen, dass es keine Leistung ohne Gegenleistung gibt. Mit unserer Leistungsgesellschaft ist Faulheit des Menschen als allgemeine Tendenz zur Ruhe und Bequemlichkeit nicht vereinbar.“* Auch die Bibel macht es deutlich: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ (2 Thess 3,9). Vor allem junge Menschen sollten zu der Erkenntnis gebracht werden, dass Arbeiten zum Leben gehört und dass Faulsein auf Dauer falsch ist192: „Es gibt kein Recht auf Faulheit“ (G. Schröder). Andere Frage: Sollen wir Almosen geben?

„Man gibt Almosen, um der Not abzuhelfen, aber nicht,

um die Faulheit auf die Weide zu treiben“

(Augustinus Aurelius)

Die Folgen des frühzeitigen Verweigerns von Leistung hat der Mensch immer selbst zu tragen: „Faulheit geht voraus, Schmalhans folgt hintendrein“ (aus Norwegen). Wirtschaftsexperten weisen in Deutschland seit Jahren darauf hin, dass viele Schulabsolventen hinsichtlich des nötigen Wissens und Könnens den Anforderungen der Berufswelt leider nicht mehr entsprechen.193 „Wer Schülerfaulheit nicht vertreibt, deren Lebenszukunft früh vergeigt.“* Wir sollten das ernster nehmen, sonst gibt es bald ein böses Erwachen.

2.5.9 Völlerei

Völlerei ist üppiges und unmäßiges Essen und Trinken, z. B. Fresssucht bzw. Sauferei. Sie zählt im Christentum zu den 7 Todsünden und ist ein Laster, das den Menschen zu einem ausschweifenden Leben verführt. Die Vergehen der Völlerei bzw. der Trunksucht stellten nicht nur im Altertum und in der ganzen Geschichte194 ein Problem dar, sondern sind auch heute noch ein großes Gesellschaftsproblem.195 Nicht wenige von uns können den Verführungen des unmäßigen Essens und Trinkens nicht widerstehen und verhalten sich in ihrer Genusssucht hemmungslos: Die Folgen sind Fettleibigkeit und totales Übergewicht. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass vor allem im Alter mangelnde Bewegung das Ganze noch verstärkt. Mögliche Folgen davon sind z. B. Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall.196 Das Gegenteil von Völlerei als Maßlosigkeit ist die Mäßigung. Pseudonym-Schriftsteller B. Traven meint zu dem Thema: „Leicht wird es den Menschen auf Erden nicht gemacht, sie würden sonst zu rasch in Völlerei und Unzucht ausarten.“ Außer der Ess- und Trinkvöllerei sind – etwas locker interpretiert – Wissensvöllerei und Kapitalvöllerei unterscheidbar: „Mehr wissen zu wollen, als man braucht, ist eine Art Völlerei“ (Seneca). Zur Gier nach Geld halten wir fest: „Kapitalistische Völlerei ist unchristlich.“*

► Pro: „Das ganze Gerede von der Völlerei ist übertrieben“ (unbekannt). Es heißt doch immer: „Wer gut arbeitet, der soll auch gut essen“ (aus Russland). Wir alle wissen: „Der Appetit kommt beim Essen“ (F. Rabelais). Schon der kluge Konfuzius erkannte: „Essen und Beischlaf sind die beiden größten Begierden des Mannes.“ Manche Männer schwören darauf: „Viel Bier ist gut gegen Schlaflosigkeit“ (unbekannt). Auch: „Eine Flasche Wein pro Tag hilft gegen niedrigen Blutdruck“ (unbekannt). So hat jeder seine Rechtfertigungen. Aber leider gilt: „Der Bauch hat keine Ohren“ (M. Luther). Wenn der Mensch vom vielen Trinken einen Kater hat: „Der Kater hat nicht immer Völlerei, er hat auch Fastenzeiten“ (Sprichwort).

► Contra: Der französische Schriftsteller J.A. Brillat-Savarin drückt es sachlich und treffend aus: „Fresser und Säufer verstehen nichts vom Essen und Trinken.“ Man sollte das Essen und Trinken genießen, aber nicht übertreiben. Vielfach wird auch Weihnachten, eigentlich das Fest der Liebe, missbraucht. „Weihnachten: ein besonderer Tag der Völlerei, Trunksucht, Gefühlsduselei, Annahme von Geschenken, öffentlichem Stumpfsinn und häuslichem Protzen gewidmet“ (A.G. Bierce). Da verhalten sich Tiere besser: „Während das Tier die Lust sucht, um sich zu erhalten, erhalten wir Hedonisten das Leben um der Lust und Völlerei willen und gefährden so nicht selten unsere Selbsterhaltung“ (A. Vogt). Deshalb gelten die folgenden, wohlgemeinten Ratschläge: „Lass dich durch kein Beispiel zu den verbreiteten Ausschweifungen der Völlerei und der Trunkenheit verleiten – die erste bewirkt unvermeidlichen Stumpfsinn und die andere Tollheit“ (P.D. Stanhope). Und zum Schluss: „Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung und komme dieser Tag schnell über euch.“ (Lukas 21,34).

► Conclusio: Manche Menschen fürchten überhaupt nichts und leben ganz einfach in den Tag hinein. Der deutsche Politiker Walther Rathenau nennt sie Furchtmenschen: „Was den Furchtmenschen unrettbar verrät ist, dass er sich amüsieren kann. Der Furchtfreie kennt die Freude, die Begeisterung, den Rausch, die Völlerei – aber er ist nicht amüsabel.“ Der italienische Regisseur Marco Ferreri geht erheblich weiter: Er schockierte in 1973 mit seinem Film „Das große Fressen“ die Welt, denn er zeigte den Schock des Suizid durch übermäßiges Fressen und erzeugte große Abscheu, u. a. durch unappetitliche Gelage. Auch die Kirche war hier nicht immer ein Vorbild: Der italienische Kirchenlehrer Thomas von Aquin war so beleibt, dass eine Rundung in sein Pult gesägt werden musste, damit er arbeiten konnte. Und im Kloster Sankt Gallen tranken Mönche im Mittelalter nachweislich täglich fünf Maß Bier.197

Die Verführungen des Alkohols und des fetten Essens sind auch heute nicht zu unterschätzen. Deshalb sage ich: „Wenn du lebst im Überfluss, kommt sehr bald ein kalter Guss.“* Denn die Gesundheit spielt irgendwann nicht mehr mit: „Übermäßiges Essen und Trinken tötet mehr Menschen als das Schwert“ (Sir W. Osler). Deshalb ist zu raten: „Wenn das Essen am besten schmeckt, soll man aufhören“ (Sprichwort). Vor allem für manche Jugendliche gilt: „Komasaufen kann keiner brauchen!“* Und auch: „Gelegentliches Fasten ist die beste Heilnahrung“ (E. Rau). Zum Schluss: „Saufen, Fressen und dergleichen, von welchem ich euch habe zuvor gesagt und sage noch zuvor, dass, die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben.“ (Galater 5,21).

2.6 Antriebe des Menschen

Antriebe sind in der Psychologie Impulse, die zielgerichtetes Handeln des Menschen auslösen, z. B. Bedürfnisse, Motive, Begehren, Egoismus, Ehrgeiz, Leidenschaft, Strebungen und Wollen. Sie bilden die wichtigste Grundlage des Verhaltens des Menschen. Häufig treten sie zusammen mit Emotionen auf, z. B. mit Affekten, Gefühlen und Stimmungen. Alle hier angesprochenen Antriebe sollen in dialektischer Sicht beurteilt werden.

2.6.1 Bedürfnis

Ein Bedürfnis ist das Empfinden eines Mangels, verbunden mit dem Wunsch, ihn zu beheben.198 Es stellt einen Beweggrund für menschliches Handeln dar: „Der Mensch braucht Wünsche“ (C.A. Helvetius). Die Bedürfnisse der Menschen sind praktisch unbegrenzt, die Mittel zu ihrer Befriedigung aber knapp. Die Bedürfnisse können vielfältiger Art199 sein, z. B. primäre Bedürfnisse (z. B. Hunger, Durst) und sekundäre Bedürfnisse, z. B. geistig-kulturelle Bedürfnisse. Es gibt soziale Bedürfnisse (z. B. Kontakt-, Geltungsbedürfnisse) und ökonomische Bedürfnisse, z. B. Kaufbedürfnisse. Es können auch individuelle und kollektive Bedürfnisse (z. B. Wunsch nach Verkehrssicherheit) unterschieden werden. Die Bedürfnispyramide von A. Maslow zeigt die hierarchische Ordnung der Bedürfnisse.200 Die Bedürfnisse sind Motive, die uns Menschen antreiben. Dabei gilt: „Die Evolution des Triebes ist das legitime Bedürfnis“ (F.P. Rinnhofer). Motive können im geisteswissenschaftlichen Universum positive und negative Wirkungen auslösen.

► Wir Menschen möchten glücklich leben: „Der Mensch hat ein gebieterisches und unaufhörliches Bedürfnis nach Glück“ (Sprichwort). Dabei haben Körper und Geist nicht die gleichen Motive: „Des Leibes Bedürfnis heißt nehmen, des Geistes Bedürfnis geben“ (A. Essigmann). Der Geist sucht eher den Genuss: „Essen ist ein Bedürfnis, genießen ist eine Kunst“ (La Rochefoucauld). Jeder Mensch genießt aber anders: „Jedem das Seine“ (M.P. Cato). Mancher liest dem Partner die Wünsche vom Mund ab: „Dein Wunsch ist mir Befehl“ (Vergil). Und: „Wir sollten nicht vergessen, dass sich jeder Mensch nach Liebe sehnt.“* „Der Mensch ist wohl mit einem Bedürfnis nach Liebe geboren, dem er nie entwächst“ (Sprichwort). Zum Schluss eine Weisheit: „Wer sich vom Feuer der Liebe verzehren lässt, hat kein Bedürfnis, das Feuer des Hasses zu schüren“ (K. Haberstich).

► Bedürfnisse können aber auch negative Wirkungen haben: „Jede Begierde ist ein Bedürfnis, das sich als Schmerz bemerkbar macht“ (Voltaire). Ein ähnliches Argument liefert A. Einstein: „Ein Leben, das vor allem auf die Erfüllung persönlicher Bedürfnisse ausgerichtet ist, führt früher oder später zur bitteren Enttäuschung.“ Und: „Je größer die Bedürfnisse, desto höher die Wahrscheinlichkeit von Unzufriedenheit.“ Es gibt im Leben nicht nur große sondern auch kleine Geister: „Kleingeister verspüren ein großes Bedürfnis, sich anderen überlegen zu fühlen“ (E. Ferstl). Wie entsteht unser Wille? „Alles Wollen entspringt aus Bedürfnis, also aus Mangel, also des Leides“ (A. Schopenhauer). Welche Folgen sind mit Machtbedürfnissen verbunden? „Das Bedürfnis des Machtgefühls treibt die große Politik vorwärts“ (F.W. Nietzsche). Und zum Schluss typisch: „Es gehört zum deutschen Bedürfnis, beim Biere von der Regierung schlecht zu reden“ (O. von Bismarck).

► Fazit: Wir Menschen haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse, die beispielsweise durch die Tradition, den Instinkt, die Bildung, die Gesellschaft bzw. die soziale Stellung geprägt sein können. Und es gilt auch: „Hinter jedem irritiertem Bedürfnis steckt ein gesunder, unerfüllter Wunsch“ (A. Selacher). Stärker ausgedrückt: „Was die Triebe dir diktieren, kann der Kopf nicht korrigieren“ (E. Koch). In den Wirtschaftswissenschaften rücken diejenigen Bedürfnisse in den Vordergrund, die am Markt als effektive Nachfrage wirksam werden. An der Spitze der individuellen Bedürfnisse des Menschen steht das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, welches für eine Person die erstrebte Entfaltung und Ausschöpfung ihrer Möglichkeiten mit sich bringt. Selbstverwirklichung stößt aber immer wieder dann an Grenzen, wenn sie in die Gefahr gerät, dass sie ausufert. Dazu ein weiser Spruch:

„Statt zu klagen, dass wir nicht alles haben, was wir wollen, sollten wir lieber dankbar sein, dass wir nicht alles bekommen, was wir verdienen“

(Dieter Hildebrandt)

Und es gilt auch: „Je mehr wir brauchen, desto ärmer werden wir“ (M. Richter). Deshalb mein Rat: „Mit der Befriedigung unserer Bedürfnisse sollten wir es nicht übertreiben. Ein gewisses Maß an Bescheidenheit scheint gerade für unser heutiges Leben notwendig.“*

2.6.2 Begehren

Das Begehren kennzeichnet den gezielten Antrieb des Menschen zur Behebung eines Mangels mit einem damit verbundenen Bedürfnis, den Mangel zu beseitigen. Es wird auch als Begierde bezeichnet, wobei hier mehr körperliche Aspekte in den Vordergrund treten, z. B. Trieb, Lust, Wolllust. So wie es H.C. Neuert hinsichtlich der Begierde sehr treffend ausgedrückt hat: „Ich sehne mich nach deinen Küssen, begehre dich fast bis zum Schmerz, verzehre mich vor Lust und Verlangen, fiebere nach dir, mein Herz.“ Auf das Begehren gibt es noch eine andere kluge Antwort: „Der großen Liebe des Herzens ist das Begehren nicht mehr das wichtigste“ (M. Borée). Das Begehren kann sich nicht nur auf körperliche, sondern auch auf geldliche Aspekte richten.

► Wenn wir etwas begehren, dann ist das ganz normal: „Begierde ist des Menschen Wesen selbst“ (B. de Spinoza). Und anders gesagt: „Ein gewisses Maß an Begehren gibt dem Leben erst seinen Schwung“ (S. Johnson). Allerdings wissen wir auch: „Wir kennen uns bei weitem nicht in allen unsern Wünschen aus“ (La Rochefoucauld). Begehren ist mit einer gewissen Hoffnung verbunden: „Das Begehren, verbunden mit der Erwartung, das Gewünschte zu erlangen, nennt man Hoffnung“ (T. Hobbes). Die einen hoffen darauf, endlich den heiß begehrten Partner heiraten zu können und andere geben sich der Hoffnung hin, endlich reich zu werden. Dabei ist vor allem hinsichtlich des Reichtums zu beachten: „Die Begierde ist nach der Erfüllung der Wünsche ebenso ungestillt, wie sie es vorher war“ (M. Luther).

► Das Begehren der Menschen kann aber sehr schnell ausufern: „Die Sucht nach mehr richtet die Menschen zugrunde“ (Mohammed). „Je mehr die Menschen haben, desto mehr begehren sie“ (Justinus). Anders gesagt: „Der Menschen Wille ist ihr Himmelreich und wird oft ihre Hölle“ (aus Island). Mitunter ist der Wunsch das Begehren nicht Wert: „Man bedarf oft das Unnötigste am meisten“ (B. Auerbach). Hinsichtlich des Begehrens gilt:

▪ „Die Begehrlichkeit kennt keine Schranken, nur Steigerung“ (Seneca).

▪ „Begehren kennt keine Ruhe (aus England).

▪ „Das Laster lebt und wächst unter der Decke“ (Vergil).

▪ „Zuviel auf einmal wollen, das ist vom Bösen“ (Gotthelf).

▪ „Wer in einem silbernen Bett schläft, hat goldene Träume“ (aus Livland).

▪ „Je mehr er hat, je mehr er will. Nie schweigen seine Klagen still“ (J.M. Miller).

Körperliches Begehren reicht für das Gelingen einer guten Partnerschaft nicht aus. Vergessen wir nicht, dass in Deutschland etwa ein Drittel aller Ehen geschieden werden. In den Großstädten soll es schon mehr als die Hälfte sein. Hier kann durchaus von einer Krise des Begehrens201 gesprochen werden.

► Zusammenfassung: Das zehne Gebot in der Bibel lautet: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weibes und Besitzes“ (2. Mose 20,17). Aber menschlich ist: „Zu dem Verbotenen neigen wir stets und begehren Versagtes“ (Ovid). Dabei sollten wir andere Menschen aber nicht unglücklich machen: „Ehe man etwas begehrt, soll man das Glück dessen prüfen, der es besitzt“ (La Rochefoucauld). Eine wichtige Erkenntnis ist: „Des Glückes größter Feind ist die Begierde“ (E. Gött). Und: „Sündigen heißt, sich dem Leben hingeben“ (B. Steiner). Dieses Bestreben ist wohl unendlich: „Die Natur des Menschen ist so wesentlich auf das Bedürfen und Wünschen angelegt, dass jedes befriedigte wirtschaftliche Bedürfnis in unendlicher Folge neue weckt“ (H. von Treitschke). Und man ist nicht immer sich selbst gegenüber ehrlich: „Manch einer, der vor der Versuchung flieht, hofft doch heimlich, dass sie ihn einholt“ (G. Guareschi). Dazu Franz Grillparzer: „Ei, wer den Kelch der Weltlust nie versucht. Der weist vielleicht ihn von den trocknen Lippen. Doch wem’s einmal gelang daran zu nippen. Der ist zu ew’gem Trinken auch verflucht.“ Das Begehren wird dann immer stärker: „Wie wertvoll ein Ding ist, hängt davon ab, wie sehr wir es begehren“ (A. Maggauer-Kirsche). Ein Menschenkenner hat sich hinsichtlich des Reichtums so ausgedrückt:

„Der Reichtum gleicht dem Seewasser: Je mehr man davon trinkt, desto durstiger wird man“

(A. Schopenhauer)

„Wer alles begehrt wird unzufrieden.“* Plutarch sagt zu diesem Thema: „Wer wenig bedarf, der kommt nicht in die Lage, auf vieles verzichten zu müssen.“ Auf der anderen Seite: „Wer keine Wünsche mehr hat, der ist ein armer Kerl.“* Aus Frankreich stammt: „Wünschend bereichert sich keiner.“ Zum Schluss: „Um glücklich zu sein, ist es nicht nötig, mehr zu besitzen, sondern weniger zu begehren“ (P. Bosmans).

2.6.3 Egoismus

Der Egoismus ist eine Handlungsweise des Menschen, bei der die Verfolgung eigener Zwecke vor anderen Zwecken als das zentrale Motiv gesehen wird.202 Es geht hier um Antriebe und selbstsüchtige Strebungen: „Ein Egoist ist ein unfeiner Mensch, der für sich mehr Interesse hat als für mich“ (A. Bierce). Dabei sind Hartnäckigkeit, Zielstrebigkeit und Unermüdlichkeit nicht mit dem Egoismus identisch: „Beharrlichkeit wird zuweilen mit Eigensinn verwechselt“ (A. von Kotzebue). „Das Gegenteil vom kranken Altruismus ist und bleibt: „gesunder“ Egoismus“ (A. Selacher). Biologisch gesehen beruht der Egoismus auf dem Selbsterhaltungstrieb. Verwerflich wird er, wenn er sich im Geltungs- und Machtstreben zur Selbstsucht und Rücksichtslosigkeit steigert. Überzogener Egoismus ist auch ein Problem der Interessengruppen in unserer Gesellschaft.203 Das Gegenteil vom Egoismus ist der Altruismus (Selbstlosigkeit).

► Pro: In unserer heutigen Leistungsgesellschaft ist ein „gesunder“ Egoismus zum Überleben notwendig: „Auf ein Ziel gerichtet, ist er ein weiser Egoismus“ (P. Mulford). In diesem Sinne gilt: „Egoismus ist Drang zum Dasein und Wohlsein“ (A. Schopenhauer). Der bekannte Künstler S. Dali ergänzt: „Wer heute Karriere macht, muss schon ein wenig Menschenfresser sein.“ Auch Sport lebt der Egoismus: „Die Meisterschaft gilt oft für Egoismus“ (J.W. von Goethe). Man kann auch Bezug zum Theater nehmen: „Auf der Bühne des Lebens heißt der Souffleur meistens Egoismus“ (unbekannt). Auch in der Kindererziehung spielt er eine Rolle: „Egoismus der Eltern artikuliert sich gern in rücksichtsloser Förderung der eigenen Kinder.“ Dann verwundert folgendes nicht: „Kindergesichter zeigen schnell den Egoismus, den sie von ihren Eltern geerbt haben“ (M.M.Jung). Und zum Nachdenken: „Satire ist eine Art von Spiegel, in dem der Betrachter fast jedermanns Gesicht erkennen kann, außer dem eigenen“ (J. Swift).

► Contra: Demgegenüber ist kranker Egoismus verwerflich: „Der Egoismus ist des Menschen größter Fluch“ (W.E. Gladstone). Oder anders gesagt: „Egoismus: Ein kleiner Größenwahn“ (W. Mocker). Egoisten kennen nur sich und ihre eigenen Interessen: „Der Egoismus besteht darin, sein Glück auf Kosten anderer zu machen“ (J. Baptiste H. Lacordaire). Die Folgen des kranken Egoismus sind offenbar:

▪ „Egoismus ist Einsamkeit“ (F. von Schiller).

▪ „Egoismus: Die Leere vom Du“ (H.J. Quadbeck-Seeger).

▪ „Wer sich selbst zu wichtig nimmt, menschlich immer tiefer sinkt.“*

▪ „Niemand applaudiert dem, der etwas für sich tut“ (E. Pannek).

▪ „Der Egoismus kann viel in der Welt erreichen, nur nicht einen guten Leumund“ (E.J. Jonas).

▪ „Das Geld zieht nur den Eigennutz an und verführt stets unwiderstehlich zum Missbrauch“ (Einstein).

▪ „Nur wer an sich denkt, geht an sich kaputt“ (B. Steiner).

▪ „Mangelhafte Gesundheit und Einsamkeit sind der Preis für grenzenlosen Egoismus.“*

▪ „Egoismus ist die Klippe, an der jede Freundschaft zerschellt“ (L. Tieck).

Der englische Dichter S.T. Coleridge drückt es n.m. A. zu milde aus: „Egoismus ist die Zärtlichkeit der Ellenbogen.“ Ich möchte es gern härter sagen: „Kranker Egoismus favorisiert die Rücksichtslosigkeit des Ellenbogens.“* Typisch für den Egoisten ist: „Der Mensch kennt ein Hauptwort nur, und das heißt ich“ (J.N. Nestroy). Der große deutsche Dichter T. Fontane sagt es pfiffig: „Manche Hähne glauben, dass die Sonne ihretwegen aufgeht.“

► Conclusio: Die Bewertung des Egoismus ist gar nicht so einfach: „Alle denken nur an sich – nur ich denk an mich“ (C.M. Schulz). Der deutsche Jurist R. von Ihering bringt es auf den Punkt: „Nicht der Egoismus als solcher ist unsittlich, sondern das Übermaß desselben.“ Die Literatur reicht von für mich nicht hilfreichen Versuchen seiner Befürwortung204 bis hin zur Ablehnung.205 „Mit der Verherrlichung des Egoismus und der Ignoranz seiner potentiellen Nachteile helfen wir unserer Gesellschaft in keiner Weise.“* „Ein „gesunder“ Egoismus ist heute zweifellos für das Überleben in unserer Gesellschaft notwendig, aber kranker Egoismus ist verabscheuenswert.“* Aber auch die totale Selbstlosigkeit ist nicht die Lösung. Deshalb gilt grundsätzlich:

„Wer den Altruismus übertreibt, wird ebenso untergehen,

wie derjenige, welcher der Ichsucht verfällt“

(Horst-Joachim Rahn)

„Der Egoismus ist oft das Gitter, das uns den Weg zum Du verschließt“ (A. Rademacher). Darüber hinaus sind große Gesellschaftssysteme in die Betrachtung einbeziehbar: „Weder Kapitalismus noch Sozialismus sind das wichtigste „ismus“-Problem: es ist der Egoismus“ (W.J. Reus). Typisch: „Man kann nicht allen helfen, sagte der Engherzige und hilft keinem.“ Und wieder zum Nachdenken: „Der Umgang mit einem Egoisten ist darum so verderblich, weil die Notwehr uns allmählich zwingt, in seinen Fehler zu verfallen“ (M. von Ebner-Eschenbach). „Deshalb ist Egoismus sehr ansteckend.“* Zum Schluss die weisen Worte von Martin Luther King: „Jeder muss entscheiden, ob er im Licht der Nächstenliebe oder im Dunkel der Eigensucht leben will.“

2.6.4 Leidenschaft

Die Leidenschaft ist ein starker Antrieb, der als übermäßiges Begehren das Fühlen und Handeln eines Menschen unabhängig von seiner Vernunft bestimmt. Sie umfasst beispielsweise Formen der Liebe – wie z. B. sexuelle Leidenschaft206 – und des Hasses. „Hass ist der Bumerang unter den Gefühlen“ (L. Peppel). In der Antike war die Beherrschung der Leidenschaft ein ganz besonderes Lebensziel. „Leidenschaften finden sich z. B. bei Liebenden, Musikern (R. Wagner: „Die Musik ist die Sprache der Leidenschaft“), Sammlern, Kunstliebhabern, Fußballfans und bei Tierfreunden: „Motivation ist der Zündschlüssel zum Erfolg. Leidenschaft ist der beste Treibstoff“ (K. Karius). Einstein sieht die Leidenschaft bescheiden im Sinne der wissenschaftlichen Neugier: „Ich habe keine besondere Begabung, sondern ich bin nur leidenschaftlich neugierig.“ Deshalb: „Den Leidenschaften verdanken die Wissenschaften und Künste ihre Entdeckungen“ (C.A. Helvetius). Auch Leidenschaften sind dialektisch betrachtbar: „Leidenschaften sind Fahrstühle zwischen Himmel und Hölle“ (A. Tenzer). Das bedeutet: Leidenschaften können zum Glück führen, aber auch sehr leidvoll sein: *207

► Leidenschaften können einen Menschen glücklich machen: „Ohne Leidenschaft gibt es keine Genialität“ (T. Mommsen). Oder anders ausgedrückt: „Was man aber gern macht, macht man gut“ (P. Mulfort). N. Chamfort bezieht die Vernunft mit ein: „Durch die Leidenschaften lebt der Mensch; durch die Vernunft existiert er bloß.“ Folgender Vergleich mit der Tierwelt ist möglich: „Wenn alte Gäule in Gang kommen, sind sie nicht mehr zu halten“ (Ch. Lehmann). Ähnlich dynamisch argumentiert L. Hirn: „Es gibt keinen Gipfel, den die Leidenschaft nicht erstürmen kann.“ Unterschiedliche Menschentypen interpretieren den Sinn der Leidenschaft abweichend: „König ist nur, wer seine eigenen Leidenschaften beherrscht“ (Sokrates). Andererseits: „Die einzige Möglichkeit, eine Versuchung zu überwinden ist, sich ihr hinzugeben“ (O. Wilde). Begründung: „Die Natur ist stärker als die Vorsätze“ (Th. Fontane). In eine ähnliche Richtung geht La Rochefoucauld: „Unter allen Leidenschaften steht den Frauen die Liebe noch am besten.“ Allerdings: „Es sind nicht die schönsten Frauen, die die großen Leidenschaften erregen“ (aus Frankreich). Zum Schluss der wahre Satz: „Packe die Menschen bei ihren Leidenschaften und dazu kann’st sie nehmen, wohin du willst“ (aus Frankreich).

► „Die Leidenschaft hat aber auch eine negative Seite, je nachdem wie sich ein Mensch verhält bzw. welche Erfahrungen er mit ihr macht.“* Die Folgen können ganz unterschiedlich sein, wie kluge Köpfe wissen:

▪ „Alle Leidenschaft führt zu Fehltritten“ (H. de Balzac).

▪ „Es reißt einen jeden seine Leidenschaft hin“ (Vergil).

▪ „Vernunft kennt Gnade, Leidenschaft nicht“ (St. Radulian).

▪ „Leidenschaft verleidet dazu, im Kreis zu denken“ (O. Wilde).

▪ „Die Anwendungen der Leidenschaft sind das Glatteis der Klugheit“ (W. Busch).

▪ „Leidenschaften misshandeln die Lebenskraft“ (F. von Schiller).

▪ „Ein aus Leidenschaft Verlorener ist blinder als ein Bildgeborener“ (J. Jacoby).

▪ „Nichts verdunkelt unsere Erkenntnis mehr als Leidenschaften“ (G.E. Lessing).

▪ „Die gefährlichsten Taschendiebe sind unsere Liebhabereien“ (P. Sirius).

► Wir lernen daraus: „Die Fähigkeit zur Leidenschaft ist sowohl grausam als auch göttlich“ (G. Sand). Hinzu kommt: „Einerseits sind Menschen ohne Leidenschaft langweilig und öde. Andererseits können überzogene Leidenschaften zur Hölle werden.“* „Leidenschaft macht häufig einen fähigen Mann zum Dummkopf, aber auch die Dümmsten fähig“ (La Rochefoucauld). Hölderlin sieht das ganz anders: „Es ist nichts so klein und wenig, woran man sich nicht begeistern könnte.“ Der preußische General von Scharnhorst betont den militärischen Aspekt: „Die Gewalt von Leidenschaften lässt sich ohne Hilfe der Gesetze nicht beschränken.“ Dazu der Rat: „Züchtige deine Leidenschaften, damit du nicht von ihnen gezüchtigt wirst“ (Epiktet). Wie lassen sich überzogene Leidenschaften bekämpfen? „Man heilt die Leidenschaften nicht durch den Verstand, sondern durch andere Leidenschaften“ (C.L. Börne). J.W. von Goethe rät: „Fang heute an, kühn zu handeln! Im Moment, wo du dich einer Sache wirklich verschreibst, rückt der Himmel in deine Reichweite.“ „Hinsichtlich des Ergebnisses kommt es immer darauf an, in welcher Art und Weise die Leidenschaft gelebt wird.“*

2.6.5 Ehrgeiz

Ehrgeiz ist das Streben des Menschen, andere an Geltung, Ehre oder Macht zu übertreffen. Ein normaler Ehrgeiz ist meistens mit einem Bedürfnis nach Anerkennung verbunden und wird als Antrieb in pädagogischer Sicht überwiegend positiv beurteilt. Es gibt aber auch den krankhaften Ehrgeiz: „In gruppenpsychologischer Sicht sind Ehrgeizlinge Streber, die mit ihrem extremen Ehrgeiz der Gruppe schaden können.“* „Das große Wunschpotenzial des Ehrgeizlings ist seine Karriere.“* Dazu passt die Feststellung: „Karriere: Der Ehrgeiz auf der Leiter“ (M. Hinrich). Oder anders gesehen: „Ehrgeiz ist die Unbescheidenheit des Geistes“ (W. Davenant). Wenn die Hierarchie neue Möglichkeiten des Aufstiegs eröffnet, dann strebt er sein Weiterkommen mit oft nicht mehr vertretbaren Mitteln an. Er neigt auch zum Perfektionismus. Der Ehrgeizling merkt mitunter nicht mehr, dass sein Verhalten im Team als abstoßend empfunden wird.208 Auch Ehrgeiz hat zwei Seiten.

► Ein normaler Ehrgeiz gehört als Triebkraft209 zum Leben: „Wer aufhört, besser werden zu wollen, hört auf, gut zu sein“ (M. von Ebner-Eschenbach). Aber Achtung: „Nur Ehrgeiz, durch den keine Eitelkeit schimmert, hat Zukunft“ (S. Prudhomme). Wir wissen: „Ehrgeiz kann man nicht trainieren“ (E. Zabel). Er muss dem Menschen gegeben sein. Und zum Nachdenken: „Chancen kennen keine Regeln“ (C.K. Rath). Den ehrgeizigen Menschen erkennt man relativ schnell: „Ehrgeiz kann sich nicht verbergen“ (Deutsches Sprichwort). Es gibt nach W. Shakespeare auch einen Bezug des Ehrgeizes zum Stolz: „Stolz ging voraus, der Ehrgeiz folgt ihm nach.“ Auch mit Sieg und Niederlage wird der Ehrgeiz konfrontiert: „Eine Niederlage, die deinen Ehrgeiz weckt, nutzt dir mehr als ein Sieg, der dich überheblich macht“ (K.H. Karius).

► Demgegenüber ist krankhafter Ehrgeiz dem Menschen abträglich: „Eifersucht, Wollust und Ehrgeiz richten den Menschen zugrunde“ (Talmud). Und: „Das schändlichste Laster ist der Ehrgeiz“ (M. Luther). Der Ehrgeizling geht voran und versucht mitunter, mit Ellenbogen sein Ziel zu erreichen: „Ehrgeiz schaut nicht zurück“ (B. Jonson). Das Geltungsbedürfnis des Ehrgeizlings beflügelt ihn: „Geltungssucht treibt den Ehrgeiz auf den höchsten Gipfel (M.M. Jung). Ähnlich sieht es B. de Spinoza: „Ehrgeiz ist unmäßige Begierde nach Ehre.“ Mitunter entsteht er auch durch Niederlagen: „Ehrgeiz ist die letzte Zuflucht des Misserfolgs“ (O. Wilde). Er hat auch etwas mit Misstrauen bzw. mit Neid zu tun: „Die Ehrgeizigen haben mehr Neigung zum Neid, als die, welche vom Ehrgeiz frei sind“ (Aristoteles). Und: „Heftigen Ehrgeiz und Misstrauen habe ich noch allemal beisammen gesehen“ (G.C. Lichtenberg). Die Folgen des Ehrgeizes sind offensichtlich: „Ach, du unseliger Ehrgeiz, er ist ein Gift für alle Freuden“ (H. von Kleist). Krankhafter Ehrgeiz kann sogar zu Burnout-Falle werden: Mit einem Selbsterforschungsfragebogen lässt sich die Ausprägung des persönliche Ehrgeizes ermitteln.210 Manche Menschen haben zu wenig Ehrgeiz, trauen sich zu wenig zu und scheitern im Leben. Sie sollten beachten: „Wenn du meinst zu klein zu sein, um etwas zu bewegen, dann hattest du noch nie eine Mücke im Bett“ (aus Indien).

► Wie bewerten wir den Ehrgeiz? „Wer alle seine Ziele erreicht hat, hat sie sich als zu niedrig ausgewählt“ (H. von Karajan). „Ganz ohne Ehrgeiz schaffen wir das Leben nicht.“* Welcher Mensch ist eher anfällig für den Ehrgeiz? „Der Ehrgeiz befällt kleine Seelen leichter als große, wie Strohhütten leichter Feuer fangen als Paläste“ (N. Chamfort). Auch gilt: „Wer Großes versucht, ist bewundernswert, auch wenn er fällt“ (Seneca). Und: Ehrgeiz ja, aber nicht um jeden Preis: „Profilneurose kann eine schlimme Krankheit sein“ (H. Lahm).

„Mit falschem Ehrgeiz lässt sich das Schicksal auf die Dauer nicht befriedigen“

(W. Vogel)

Krankhafter Ehrgeiz ist vor allem für Kleingeister schädlich: „Das schlimmste Übel ist, wenn das Schicksal einem mit geringem Talent und großem Ehrgeiz ausstattet“ (L. de Vauvenargues). „Man sollte Ehrgeiz besitzen, ohne von ihm besessen zu sein“ (J. Huston). „Es scheint, dass der Ehrgeiz immer erst dort beginnt, wo er enden wollte“ (E. Wertheimer). „Die Freude beginnt dort, wo der Ehrgeiz endet“ (aus England). Vor allem gilt: „Wenn man glücklich ist, soll man nicht noch glücklicher sein wollen“ (Th. Fontane). Und zum Schluss: „Wer sich selbst erhöht, wird von Gott erniedrigt werden, wer sich gering achtet, wird erhöht werden“ (Bibel: Matthäus 23,12).

2.7 Verhalten des Menschen

Das Verhalten ist die äußerlich beobachtbare und entsprechend beschreibbare Aktivität des Menschen211 und steht im Gegensatz zu dessen innerer Haltung, zu dessen innerem Antrieb oder zu dessen Gesinnung. Es ist außer dem Erleben ein Betrachtungsgegenstand der Verhaltensforschung bzw. der Psychologie. Nach Kurt Lewin ist das Verhalten eine Funktion von Anlage und Umwelt des Menschen.212 Es zeigt sich z. B. im Lachen, Weinen, Rennen, Schlagen, Sprechen, Bewegen und Berühren. Übrigens: „Wenn zwei das Gleiche tun, so ist das nicht dasselbe“ (Terenz). Und für die Menschenführung gilt: „Das beobachtbare Verhalten einer Führungskraft äußert sich in ihrem Führungs- bzw. Erziehungsstil.“*213 Das Verhalten ist auch durch Introspektion feststellbar (In-sich-selbst-Hineinsehen), das sich aus Neugier, Angst und Begierden ergibt und zu bestimmten Reaktionen führt, z. B. zu gestörtem, auffälligen Verhalten. Wir können in dialektischer Sicht positives und negatives Verhalten unterscheiden.

► Thesen: Als Grundsatz positiven Handelns kann man – ähnlich wie es der kategorische Imperativ von E. Kant aufzeigt – folgendes Anliegen sehen: „Man muss den Nächsten so behandeln, wie man von ihm behandelt sein will“ (A. Nobel). Oder frech gesagt: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg doch einfach andern zu“ (Graffito). Auch gilt: „Das menschlichste Verhalten ist immer noch, Mensch für einen anderen Menschen zu sein“ (G. Kropp).

Von Christen wird ein besonders positives Verhalten erwartet: „Die wahre Religiosität zeigt sich im gesamten Verhalten des Menschen“ (Kaiser Wilhelm I.). Vor allem für den Christen ist jeder Mensch zu respektieren. Aber: „Der Glaube allein ist kein Garant für heilsames Verhalten“ (Dalai Lama). Vor allem ist das keine Frage der Bildung: „Die Bildung eines Menschen zeigt sich am deutlichsten in seinem Verhalten gegenüber Ungebildeten“ (P. Sirius). Und: „Wenn du ein großer Mensch werden willst, verhalte dich wie einer“ (Sprichwort). Was zeigt am besten den Charakter eines Mannes? „Nichts zeigt besser den Charakter eines Mannes als die Art und Weise, wie er sich den Frauen gegenüber verhält“ (Voltaire). Auch: „Wer das Verhalten eines Menschen einschätzen möchte, sollte sein Auftreten gegenüber Kindern prüfen: „Es gibt kaum ein besseres Erkennungszeichen für Menschen, als ihr Verhalten zu Kindern“ (H. Lhotzky). Vor allen für Kinder gilt: „Nichts fällt so sehr auf, wie das, was man verbergen will“ (A. Jarosch). Wie wird man erwachsen? „Erwachsen wird man nicht dadurch, dass man wie ein Erwachsener aussieht, sondern dadurch, dass man sich wie einer verhält (J. Seifert). Und: „Erwachsen wird man, wenn man damit aufhört, sich für den Nabel der Welt zu halten (A. Rahn).“

► Antithesen: Bei dem Streben nach positivem Verhalten sollten wir aber nicht vergessen: „Gute Absichten entschuldigen nicht böses Verhalten“ (Sprichwort). „Leider gibt es in unserer Welt viel zu viel Böses.“* Das gilt nicht nur für den Morast in unserer Gesellschaft ganz unten: „In je höhere Kreise man kommt, umso affiger verhalten sich die Leute“ (S. Latzel). Dazu passt: „Ihre Einbildung beeinflusst das Verhalten viel stärker als ihre Ausbildung (Querulix). Und zum Schluss: „Die Argumente, mit denen wir unser Verhalten rechtfertigen, sind normalerweise dümmer als unser Verhalten selbst (N.G. Davila).

► Synthese: „Jeder hat seine Gründe für sein Verhalten“ (Voltaire). Auch gilt: „Unsere Aufgabe in dieser Welt ist es nicht, alle Dinge zu wissen, wohl aber diejenigen, die unser Verhalten betreffen“ (J. Locke). Und G. Uhlenbruck ergänzt: „Nicht jeder, der tut, was er kann, kann, was er tut.“ „Das Verhalten eines Menschen ist auch von seiner Bildung abhängig. Menschen, welche primär durch die Naturwissenschaften geprägt sind, verhalten sich anders als solche, die eine geisteswissenschaftliche Basis haben.“* „Nicht wenige Naturwissenschaftler haben Probleme mit der Menschenführung; viele primär geisteswissenschaftlich geprägte Menschen haben zu wenig Ahnung von Physik und Chemie.“* Aber: „Das Verhalten wird nicht von Bedingungen diktiert, die der Mensch antrifft, sondern von Entscheidungen, die er selber trifft“ (V.E. Frankl).

Manchmal müssen wir unser Verhalten ändern: „Es ist äußere Wachsamkeit und Aufmerksamkeit, die es uns ermöglicht, unser Verhalten zu ändern“ (K. Rinpoche). Und: „Menschliches Verhalten ist in der Regel ein gutes Erkennungszeichen.“* Aber: „Man kann es nicht allen Leuten recht machen“ (J. de la Fontaine). Wer beispielsweise mit seinem Finger argwöhnisch auf einen anderen Menschen zeigt, sollte er folgendes nicht ignorieren: „Der Fingerzeig ist eine Stichwaffe“ (A.M. Meneghin). Auch: „Wer mit dem Zeigefinger auf andere Leute zeigt, der zeigt mit drei Fingern auf sich selbst“ (G. Heinemann). Abschließend: „Mit voreiligen Beschuldigungen sollten wir sowieso vorsichtig sein.“* „Achtsam müssen wird dann sein, wenn man uns hereinlegen will. Unser Verhalten sollte nicht aus dem Misstrauen heraus erfolgen, aber auch nicht aus Blauäugigkeit.“*

„Gegen Schurken ist Schurkerei keine unbrauchbare Waffe“

(Epicharmos)

„Jedes Verhalten wird allein durch die Absicht gut oder böse“ (G. Beck). Und wir sollten niemals vergessen: „Alles, was wir tun, hat eine Folge“ (J.P. Eckermann): „Das Böse bringt negatives Verhalten und das Gute positives Verhalten mit sich. Anstrebenswert ist, dass man nach dem Guten bzw. nach Zufriedenheit strebt, geradlinig handelt und auch im Erfolg immer auf dem Boden bleibt.“*

2.7.1 Aggression

Eine Aggression ist ein affektbedingtes Angriffsverhalten des Menschen gegen Mitmenschen, Tiere, Organismen oder Gegenstände. Sie geschieht in vielen Fällen in der Absicht, anderen Menschen zu schaden, z. B. als verbale Diffamierung, Ausgrenzung oder als tätlicher Angriff, z. B. in Form von Gewalt. Sie dient der Durchsetzung eigener Interessen, z. B. im Alltag, aber auch sehr häufig im Sport. Beispielsweise im heutigen Spitzenfußball werden Aggressionen zum Teil in nicht mehr vertretbarer Weise ausgelebt, wie die langen Verletztenlisten belegen. Dagegen tut aber niemand etwas, vor allem nicht die Schiedsrichter. Hauptmotivation für die Aggressionen manchen Spieler ist wohl das viele Geld, das im Spitzenfußball verdient wird.

Aggression hat viele Ursachen. Sie kann auch eine Reaktion auf die Bedrohung der eigenen Machtsphäre sein. Zum Teil ist sie auf Frustrationen oder auch auf milieubedingte Verhaltensprägungen zurückzuführen, z. B. auch auf Alkoholeinfluss. Bei Tieren ist die Angriffsbereitschaft gegen Rivalen weit verbreitet, z. B. im direkten Wettbewerb um Ressourcen, um Nahrungsaufnahme oder wenn es um die Fortpflanzung geht. Aggressionen können auch mit Angriffshandlungen eines Staates gegen einen andern Staat verbunden sein. Die Bewertung von Aggression ist heute sehr unterschiedlich, zum Teil sogar ärgerlich.

► Nach Meinung des dänischen Therapeuten Juul kann Aggression nach durchaus konstruktiv sein:214Aggressionen bei Kindern sind normal. Seine Meinung: „Kinder sind, Opfer’! Eltern als, Rabauken’!“ Die Wut des Kindes ist zu respektieren. Aggressionen bei Kindern dürfen nicht unterdrückt werden! Unterdrückte Wut macht krank!“ Und er geht noch weiter: „Die Gewalt der Freundlichkeit kann mehr Schaden anrichten als ein Wutausbruch“ (J. Juul).

Der deutsche Aphoristiker P. Rudi sagt es vorsichtiger: „Leidenschaft ist der besser Teil der Aggression und mitunter ihre „bessere Hälfte.“ Wir müssen uns manchmal nicht wundern: „Wo keine Gerechtigkeit herrscht, da entsteht mit der Zeit Aggression“ (O. Demir). Denn: „Wenn wir Angst haben, werden wir gewalttätig“ (J. Krishnamurti).

► Mit der obigen Argumentation von Juul bin ich zum großen Teil nicht einverstanden. Eltern als Rabauken zu bezeichnen ist eine Unverschämtheit. Viele Kinder werden aber falsch erzogen, weil die Eltern zu viel durchgehen lassen und in ihrer Erziehung nicht konsequent sind. Ich fordere seit Jahren, dass wir für eine bessere und konsequentere Erziehung kämpfen müssen.215 Denn viele Eltern wissen nicht mehr, was es heißt, Eltern zu sein.216 Nicht die totale Selbstverwirklichung und das Ausleben der Kinder kann das Ziel sein, sondern konsequente Erziehung zu Nächstenliebe, Fleiß und Disziplin. Konservative Werte werden heute zum Teil mit Füßen getreten. Statt Pflichterfüllung werden nur die Rechte wahrgenommen. Wir müssen uns also nicht wundern, wenn sich aus unseren Kindern zum Teil kleine Tyrannen herausbilden.217

Auch für Erwachsene gilt: „Aggressives Verhalten macht Menschen krank und ist nicht zu tolerieren, sondern zu bekämpfen!“* Frechheiten, Rotznasigkeiten und Respektlosigkeiten müssen nicht sein: „Respektlosigkeit ist der erste Schritt in Richtung Revolte“ (F.F. Kovacs). Und: „Aggressive Worte tun anderen Menschen weh und verletzten sie“ (K. Rinpoche). „Aggressive Menschen befinden sich vor allem im Krieg mit sich selbst“ (R. Schützbach). Deshalb brauchen sie gute psychologische Betreuung. Überraschend ist die Spannbreite der Aggression bei P. Rudi: „Aggression ist eine beunruhigende Dimension, die vom skrupellosen Massenmord bis zuweilen gutem Sex reicht.“ Zum Schluss: „Jede Aggression sucht sich zu rechtfertigen. Angefangen hat doch immer der andere“ (F. Hacker).

► Was lernen wir daraus? Bevor wir über Menschen negativ urteilen, sollten wir immer prüfen, warum jemand aggressiv ist. So sieht es auch Autor Juul. Außerdem sollten wir genauer zwischen Aggressionen bei Kindern bzw. Pubertierenden und bei Erwachsenen unterscheiden. Aggressionen sind bei Kindern nicht zu verhindern, z. B. toben, spucken, kratzen, beißen und schlagen. „Wer Kindern aber locker zugesteht, ihre Wut massiv an Anderen auszulassen, lässt den Ungehorsam galoppieren.“* Hier muss gegengesteuert werden: Zuerst sollte man das Kind beruhigen und dem Kind pädagogisch verdeutlichen, dass klare Grenzen zu beachten sind. „Wer sich als Kind voll ausleben kann und die Beherrschung nicht rechtzeitig lernt, wird später bei der Eingliederung in die Erwachsenenwelt und den Arbeitsprozess große Probleme bekommen.“* „Die Erziehungskatastrophe trifft dann aber keinen der Erzieher, sondern die ehemaligen Kinder.“*

Weil es im Spitzenfußball zu viele Fouls gibt, sagte der geachtete Weltmeister Paul Breitner218: „Ich behaupte, wir müssen den Jugendlichen lehren, foul zu spielen.“ Das unterstütze ich überhaupt nicht. „Gute Erziehung ist wichtiger als ein Fußballspiel zu gewinnen.“* Hier beziehe ich mich gern auf das Vorbild M. Ghandi, der sagte: „Ich glaube an die Gewaltlosigkeit als einziges Heilmittel.“ Es gibt nämlich keine „sinnvolle“ Aggression. Auch dem Ausleben von Aggressionen bei Erwachsenen sollte man entgegentreten. „Wer Aggression toleriert oder gar sät, wird weitere Aggression ernten.“* Im Umgang mit aggressiven Menschen heißt es Ruhe bewahren und sich nicht provozieren lassen. Dabei Aggressivität nicht ignorieren, sondern die weiteren Folgen dieses Verhaltens aufzeigen. Die Erklärung für Aggressionen liegt in den Wurzeln: „Es ist ein Unterschied, ob man von Kindheit an lernt, die Hände zu falten oder sie zur Faust zu ballen“ (H. Walters). Der griechische Philosoph Platon sagte treffend: „Wenn die Guten nicht kämpfen, werden die Schlechten siegen.“ Also kämpfen wir weiter für das Gute.

2.7.2 Vorsicht

Vorsichtiges Verhalten basiert auf der menschlichen Fähigkeit, die Folgen seiner Aktion oder seiner Aussage zu bedenken, z. B. bei Geldgeschäften, im Straßenverkehr, an einer Bahnsteigkante, an einem Abgrund, beim Umgang mit Glas oder bei frisch gestrichenen Gegenständen. Vorsichtiges Verhalten ist mit Besonnenheit und Behutsamkeit verbunden. Mangelnde Vorsicht kann zu Leichtsinn werden. Das ist dann gegeben, wenn sich Menschen unvorsichtig verhalten. Übertriebene Vorsicht kann zu Ängstlichkeit, Unentschlossenheit und zu Wankelmut führen. Aber: „Die Gefahr lässt sich nicht auslernen“ (J.W. von Goethe). Auch die Vorsicht hat zwei ganz verschiedene Seiten.

► Thesen: Wer Menschen sollten uns im Leben grundsätzlich besonnen verhalten, denn: „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“ (Sprichwort). Wenn schwierige Situationen zu bewältigen sind, dann gilt: „Schwierigkeiten heilt man nicht mit Gewalt und Kalamitäten, nicht mit Beschlüssen, sondern mit Klugheit und Vorsicht (C. Spitteler). Und: „Gut ist Bedachtsamkeit und weise die Vorsicht (Krösus). „Wer eine Sache mit Abstand betrachtet, kommt ihr häufig näher“ (H. Fleitmann). Dazu passt folgender Reim: „Stets äußert sich der Weise leise, vorsichtig und bedingungsweise“ (W. Busch). Auch im Krieg wird die Tapferkeit nicht immer belohnt: „Der bessere Teil der Tapferkeit ist Vorsicht“ (W. Shakespeare). Weitere Stellungnahmen zum Thema Vorsicht:

▪ „Tanze nicht, wenn du einen Korb mit Eiern trägst“ (Sprichwort).

▪ „Wenn der Affe zuschaut, pflanze ich keine Erdnüsse“ (aus Afrika).

▪ „Rede nicht in den Wind, wenn du dessen Richtung nicht kennst“ (W. Brudzinsky).

▪ „Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen“ (Sprichwort).

▪ „Wenn alles still ist, geschieht am meisten“ (S. Kierkegaard).

▪ „Vorsicht ist die preiswerteste Lebensversicherung“ (E.H. Bellermann).

▪ „Alte Fische schnuppern mehr als einmal am Haken, bevor sie ihn schlucken“ (aus Schweden).

▪ „Scherben soll man noch am Abend wegräumen, damit man sich am Morgen nicht mehr daran schneiden kann“ (unbekannt).

▪ „Die Vorsicht stellt der List sich klug entgegen“ (J.W. von Goethe).

▪ „Vorsicht ist eine Bürgermeistertugend“ (unbekannt).

▪ „Schweigen ist der beste Ausweg für den, der seiner Sache nicht sicher ist“ (F. de La Rochefoucauld).

► Antithesen: Allzu große Vorsicht kann im Leben falsch sein: „Wenn Gefahr im Verzug ist, dann muss schnell gehandelt werden“ (Praxisweisheit). Beispielsweise dann, wenn es heftig zu brennen beginnt oder wenn große Bäume morsch sind und umzufallen drohen. Der englische Sprachforscher S. Johnson meint darüber hinaus: „Vorsicht ist die Einstellung, die das Leben sicherer macht, aber selten glücklich.“ Manchmal muss man eben etwas riskieren, wenn man etwas erreichen möchte. Zum Nachdenken: „Vorsicht und Misstrauen sind gute Dinge, nur sind auch ihnen gegenüber Vorsicht und Misstrauen nötig“ (Ch. Morgenstern). Oscar Wilde ist kein Freund allzu großer Vorsicht: „Vorsicht ist das, was man bei anderen Feigheit nennt.“ Zum Schluss zum Nachdenken: „Die Wesensart des Menschen beeinflusst die Beurteilung eines Phänomens beträchtlich.“*

► Synthese: „Im Urteilen bzw. Verhalten und auch sonst im Leben ist immer wieder eine gewisse Vorsicht angebracht.“* Denn: „Selbst Blindgänger können einschlagen wie eine Bombe“ (W. Mocker). „Aber wir sollten es mit der Vorsicht auch nicht übertreiben, denn Ängstlichkeit und Unentschlossenheit können ein schlechter Ratgeber sein, z. B. wenn Gefahr im Verzuge besteht.“* Andererseits soll man sich nicht unnötig in Gefahr begeben: „Wo du keinen Grund erkennst, sollst du nicht durch Wasser laufen wollen“ (aus Russland). Und es gilt: „Irrtümer müssen nicht automatisch zu Katastrophen werden, man muss sie nur rechtzeitig erkennen“ (unbekannt). Dennoch ist man nie vor Überraschungen sicher:

„Glaube dich nicht allzu gut gebettet; ein gewarnter Mann ist halb gerettet“

(Johann Wolfgang von Goethe)

Zum Thema Vorsicht gibt es weitere interessante Stellungnahmen: „Wer zu kurz kommt, ist vermutlich zu weit gegangen“ (W. Mocker). Hier stellt sich die Frage: „Wenn wir immer nur vorsichtig sind, sind wir dann noch Menschen?“ (A. Solchenizyn). Dazu der Rat: „Urteile von einem Menschen lieber von seinem Handeln, als nach seinen Worten, denn viele handeln schlecht und sprechen vortrefflich“ (M. Claudius). Aber: „Vorsicht mit Rücksicht auf Leute, die keine Nachsicht mit einem haben“ (G. Uhlenbruck). Und: „Solange du lebst, hüte dich davor, einen Menschen nach seinem Aussehen zu beurteilen“ (J. de la Fontaine). Also sollten wir immer auf der Hut sein: „Weil das Los des Menschen niemals sicher, lasst uns bedacht sein auf den schlimmsten Fall“ (W. Shakespeare).

2.7.3 Anstand

Anstand ist das durch Konvention geregelte Verhalten eines Menschen, das sich z. B. im guten Benehmen in der Gesellschaft zeigt. Der Zweck dieser Konvention besteht darin, den richtigen Umgang miteinander durch Zügelung der individuellen Willkür und durch grundlegende Wertvorstellungen zu vermitteln. Der anständige Mensch respektiert die Persönlichkeit des Anderen und achtet darauf, dass dieser nicht bloßgestellt, gedemütigt oder benachteiligt wird. Die Basis des Anstands bildet nach A. von Knigge die Einhaltung gewisser Regeln. Gute Umgangsformen sollten vor allem durch das Elternhaus verbreitet werden.219 Manche Menschen nehmen diese Regeln allerdings überhaupt nicht ernst. „Im Extrem sind die einen hemdsärmelig frech und die anderen neigen zur Vornehmheit.“* „Vornehmheit und Herzensgüte sind nicht alles, aber sie sind sehr viel“ (T. Fontane). Auch der Anstand wird sehr unterschiedlich beurteilt.

► Pro: Der französische Philosoph Honoré de Balzac hat es klug ausgedrückt: „Feinster Anstand und wahrhaft gute Manieren kommen von Herzen und von einem ausgeprägten Gefühl persönlichen Wertes.“ Ähnlich sagt es P. Schibler: „Anstand ist Respekt vor der Würde des anderen.“ Auch der Umgang mit Unterstellten zeigt uns: „Je vornehmer einer ist, desto höflicher behandelt er den Niedrigen“ (L. Börne). Weitere Aussagen zum Anstand sind:

▪ „Was das Gesetz nicht verbietet, verbietet der Anstand“ (Seneca).

▪ „Der Anständige vereinigt das sittlich Schöne mit dem Sittlichen“ (C. Garve).

▪ „Je mehr ein Mensch sich schämt, desto anständiger ist er“ (B. Shaw).

▪ „Echter Anstand mündet in Vertrauen.“*

▪ „Anstand kokettiert zuweilen mit Abstand.“*

▪ „Das Betragen ist ein Spiegel, in dem jeder sein Bild zeigt“ (J.W. von Goethe).

▪ „Gute Manieren bestehen aus lauter kleinen Opfern“ (R.W. Emerson).

„Die Pflege des Anstands ist für jede gute Gesellschaft unentbehrlich. Anstand vereinfacht das Zusammenleben der Menschen.“* Die Regeln des Anstands kann jeder lernen, z. B. Höflichkeit, gutes Benehmen, sich entschuldigen und Grüßen auf der Straße. Der anständige Mensch war der Idealfall des Weltbilds der Aufklärung. Der Anstand ist auch ein zentrales Anliegen der Moraltheologie und der Moralphilosophie.

► Contra: Leider hat der Anstand heute keinen so hohen Stellenwert, wie es früher war: „Heute muss man annehmen, dass Menschen den Anstand für etwas halten, bei dem es nicht auf das Benehmen ankommt, sondern auf den Ansitz des Jägers beim Schießen.“* Schlechte Manieren sind sehr weit verbreitet: „Umgangsformen sind Formen, die zunehmend umgangen werden“ (O. Hassenkamp). Leider gilt heute: „Auch Anstand kann man verlernen.“ (Sprichwort). Peter Ustinov argumentiert in eine andere Richtung: „Liebe ist keine Entschuldigung für schlechte Manieren.“ „Wer anständig ist, drängt sich nicht vor und handelt sich dadurch mitunter Nachteile ein.“* Und: „Anstand stellt sich hinten an und kriegt nichts ab“ (M. Hinrich). Außerdem:

▪ „Wer an Wissen zunimmt, und an Anstand abnimmt, nimmt mehr ab als zu“ (Sprichwort).

▪ „Wer nur aus Berechnung anständig ist, der ist ein Tor!“*

▪ „Nicht jeder Vorstand hat Anstand“ (unbekannt).

▪ „Manche verstehen unter Verschwiegenheit, dass sie die ihnen anvertrauten Geheimnisse nur hinter vorgehaltener Hand weitererzählen“ (M. Aurel).

Hat man Menschenmassen im Blickfeld, dann hat sich oft bewahrheitet: „Menschen in Massen verlieren ihren Sinn für Anstand“ (J. Galsworthy). Mitunter wird der Anstand in totalitären Staaten (z. B. Kommunismus, Faschismus, Nationalsozialismus) als nicht so bedeutend bewertet und leider als „großtuerisch“ abgewertet. Im Rahmen der Russischen Revolution in 1917 wurde die Etikette als überholt angesehen, äußerliches Gepflegtsein galt als übertrieben und peinliche Hemdsärmlichkeit machte sich breit. „Politische Verlogenheit, Fremdenhass und mangelnde Barmherzigkeit sind mit Anstand nicht vereinbar.“*

► Conclusio: „Wesentliche Merkmale des Anstands sind gutes Betragen, Respekt, Höflichkeit, Takt, Umgangsformen, gute Manieren und Achtsamkeit gegenüber anderen. Hochmut, Selbstüberschätzung, Frechheiten bzw. Egozentrismus haben hier keinen Platz.“* Aber man stellt auch fest: „Natürliche Dinge sind nicht unanständig“ (Vergil). „Anständigen im wahren Sinne begegnet man nur unter Menschen, die feste Überzeugungen haben“ (A. Tschechow). Die eindeutige Beurteilung des Anstands ist nicht einfach:

„Es ist schwierig zu beurteilen, ob ein aufrichtiges und ehrliches Benehmen das Ergebnis der Anständigkeit oder der Berechnung ist“

(Francois de la Rochefoucauld)

Unter Anstandsliteratur werden Werke bezeichnet, die sich mit den gesellschaftlichen Umgangsformen beschäftigen, z. B. das heute noch verfügbare Buch von Freiherr A. von Knigge mit dem Titel „Über den Umgang mit Menschen“.220 „Der Lebenskampf gibt der hohen Schule des Anstands seine Bewährungschance“ (H. Arndt). Dabei ist Missbrauch nicht ausgeschlossen: „Ein schlechter Mensch ist nicht immer an seinen Sitten zu erkennen“ (aus China). Das respektvolle Miteinander der Menschen zeigt sich in folgender „goldener Regel“: „Rechte und Freiheiten eines jeden Menschen finden ihre Grenze in den Rechten und Freiheiten des anderen.“221 Zum Schluss ein klares Plädoyer für den Anstand: „Takt und Benehmen sind auch in unserer heutigen Gesellschaft unverzichtbar.“222

2.7.4 Entschuldigung

Die Entschuldigung ist eine Bitte um Verzeihung, z. B. nach einer nicht beabsichtigten, beleidigenden Äußerung. Mit ihr zeigt ein Mensch ein Verhalten, dass eine bestimmte Tat bedauert, die seinerseits eine moralische Verfehlung war. Der Betroffene kann die Entschuldigung annehmen oder ablehnen. Bei einer Annahme der Entschuldigung ist es üblich, diese durch Worte oder Gesten dem Gegenüber mitzuteilen, z. B. durch einen Händedruck. Damit sollte die Angelegenheit als erledigt betrachtet werden. Allerdings wissen wir: „Abbitte leisten ist ein Kraftakt, den nicht jeder schafft“ (M. Hinrich).

Folgendes Beispiel einer Entschuldigung ist nicht ganz ernst zu nehmen. In Grünstadt/​Pfalz ist eine Maus in ein großes Weinfass voller Rotwein gefallen. Sie ruft voller Angst: „Holt mich raus! Holt mich raus!“ Eine Katze kommt neugierig gelaufen, freut sich schon über den Leckerbissen und sagt: „Ich hole dich raus, aber nur unter der Bedingung, dass ich dich dann auch fressen darf!“ Maus: „Ja! Ja! hol mich raus, ich ertrinke …!“ Die Katze greift mit ihrer Pfote nach der Maus – und weil diese schlüpfrig war – sprang sie hinweg, war in ihrem Mauseloch verschwunden und schaute dort keck heraus. Die Katze schreit: „Komm sofort heraus, du hast gesagt, ich darf dich fressen!“ Maus: „… Tschuldigung! Im Suff verspricht man viel!“

Aber nun wieder zur Realität: Im täglichen Leben gilt es als Zeichen der Höflichkeit und als Anstand, auch dann um Entschuldigung zu bitten, wenn kein eigenes Verschulden vorliegt, z. B. bei einer witterungsbedingten Verspätung. In anderem Sinne gibt es die Entschuldigung beispielsweise als schriftliche oder mündliche Mitteilung über das Fehlen in der Schule. Was spricht für und was gegen die Entschuldigung?

► Wer eine moralische Verfehlung begangen hat, die er so nicht wollte, muss sich dafür entschuldigen. Das erfordert der Anstand. Es gibt viele gute Gründe, sich zu entschuldigen.223 Die Entschuldigung sollte möglichst bald nach dem Vorgang geschehen: „Entschuldigung duldet keinen Aufschub, sonst wird – schneller als uns lieb ist – unlösbare Endschuld daraus“ (Ch. Matthes). Also sind Fehler zu korrigieren: „Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten“ (Konfuzius). Mit konsequentem Handeln nehmen wir Belastungen von uns: „Wer sich für einen schlimmen Fehler persönlich entschuldigt, entlastet seine Seele.“* Die Gründe für Entschuldigungen können vielfach sein: „Wer die Menschen kennen lernen will, der studiere ihre Entschuldigungsgründe“ (C.F. Hebbel).

► Wenn wir uns entschuldigen, dann sollten wir dabei bedenken: „Wer sich entschuldigt, klagt sich an“ (Hieronymus). Deshalb: „Wer sich entschuldigt, klagt sich an, dachte er sich entschuldigend“ (E. Baschnonga). Und: „Jede Rechtfertigung ist ein Indiz für Schuld und Schwäche“ (P. Rudi). Wir müssen u. U. damit rechnen, dass uns auf dieser Basis jemand niedermachen kann: „Jede Rechtfertigung gibt anderen das Recht, einen fertig zu machen“ (E. Lauscher). Auch: „Man fällt nicht über seine Fehler. Man fällt immer über seine Feinde, die diese Fehler ausnutzen“ (K. Tucholsky). Außerdem kommen wir damit nie rechtzeitig: „Eine Entschuldigung ist eine Höflichkeit, die immer zu spät kommt“ (unbekannt). Weitere Aussagen kommen hinzu, denn Entschuldigungen haben viele Seiten:

▪ „Sich zu entschuldigen ist die beste Grundlage für die nächste Beleidigung“ (A.G. Bierce).

▪ „Manchmal ist eine Entschuldigung noch eine größere Ungezogenheit“ (S. Johnson).

▪ „Wer eine Entschuldigung verlangt, hat eine neue Beleidigung verdient“ (E. Blanck).

Allerdings: „Manche nehmen unsere Entschuldigung nicht an und dann sieht man erst recht alt aus!“* Ist es dann grundsätzlich besser, sich gar nicht zu entschuldigen?

► Welches Verhalten ist richtig? Wenn ein Mensch eine Entschuldigung nicht annimmt, dann ist das niederträchtig: „Der gemeinste Mensch ist, wer keine Entschuldigung annimmt, keine Sünde deckt und keinen Fehler vergibt“ (aus Arabien). Fehler sind menschlich: „Jeder von uns macht Fehler.“* Dann sollte man zu seiner Schuld stehen und der Partner sollte uns vergeben.224 Manchmal fällt eine Entschuldigung schwer, wenn diese vom Partner als Zeichen von Schwäche empfunden wird.

„Zuweilen ist die persönliche Entschuldigung schlimmer als die Schuld selbst“

(Horst-Joachim Rahn)

In jedem Falle zeugt die Entschuldigung eines Menschen von dessen charakterlicher Stärke. Es ist besser, das Geschehene hinter sich zu bringen, als es weiterhin belastend mit sich zu tragen. Hat man einen Fehler begangen, sollte man umgehend auf die betroffene Person zugehen und sich dafür in einem persönlichen Gespräch entschuldigen. Dabei soll man aber den begangenen Fehler nicht herunter spielen, denn dann kann man den anderen erst recht verletzen. Das gilt es zu vermeiden, indem man bei seinem Verhalten die Erfolgsfaktoren für eine richtige Entschuldigung berücksichtigt.225

Auch in der hohen Politik werden Fehler gemacht. Wenn eine verbündete Nation eine andere gnadenlos ausspäht, dann sind die Folgen für alle Betroffenen fatal. Der amerikanische Präsident B. Obama sagte, als er um eine Entschuldigung für das Ausspähen anderer Staaten gebeten wurde: „Wir werden uns nicht entschuldigen, wenn wir erfolgreich abhören.“ Das ist falsch. „Am besten ist es immer, wenn man sich so verhält, dass man sich später nicht entschuldigen muss.“*

2.7.5 Freundlichkeit

Freundlichkeit ist das liebenswürdige und entgegenkommende Verhalten eines Menschen, das mit einer wohlwollenden Geneigtheit gegenüber seinem sozialen Umfeld zugunsten eines kooperativen Miteinanders und mit sozialer Kompetenz verbunden ist. „Meine Philosophie ist Freundlichkeit“ sagt der Dalai Lama. Dafür ist er auch bekannt. „Der freundliche Mensch bringt seinem Gegenüber Interesse bzw. Sympathie entgegen, nimmt Rücksicht auf andere und versucht sich so zu benehmen, dass niemand Anstoß an ihm nimmt“ (Aristoteles). Auch die christliche Theologie geht von einem freundlichen Umgang miteinander aus (Kolosser 3, 12). Es gibt eine echte, leider aber auch die falsche Freundlichkeit. „Eine Steigerung der echten Freundlichkeit besteht in der Herzlichkeit.“* Das Gegenteil von Freundlichkeit ist die Unfreundlichkeit.

► Analysieren wir zunächst die echte Freundlichkeit: „Freundlichen Menschen schenkt Gott schon bei der Geburt den Schlüssel zu anderen Herzen“ (E. Young). Was ist daraus zu folgern? „Freundlichkeit in Worten schafft Vertrauen, Freundlichkeit im Denken schafft Tiefe, Freundlichkeit im Geben schafft Liebe“ (Laotse). Das hat viel mit echten Gefühlen zu tun: „Freundlichkeit erobert Herzen“ (Sprichwort). Dadurch kann der ganze Tag gerettet sein: „Freundlichkeit verschönt den Tag“ (E. Pannek). Sie hat weitere Folgen: „Mit Freundlichkeit kann man Türen öffnen“ (F. Schmidberger). „Ein Mensch von sanftem Charakter macht sich selbst und andere glücklich“ (aus Arabien). „Freundlichkeit ist eine Sprache, die Taube hören und Blinde lesen können“ (M. Twain). Freundliches Verhalten kann uns die Sorgen nehmen: „Die Freundlichkeit ist die erste Lebensregel, die uns manchen Kummer ersparen kann“ (H. Graf von Moltke). Und es gilt grundsätzlich: „Ein freundliches Wort findet immer guten Boden“ (J. Gotthelf). Wer etwas vom Anderen zu erwarten hat oder sich von ihm etwas wünscht, wird sich entsprechend positiv verhalten. O. Wilde hat hier wieder eine etwas andere Sicht: „Man kann immer nett gegen die sein, die einem nichts angehen.“

► Demgegenüber ist falsche Freundlichkeit negativ zu beurteilen. Man sollte sich immer darüber klaren sein: „Freundlichkeit kann man kaufen“ (M. von Ebner-Eschenbach). „Die meisten Menschen sind nur aus Schwäche oder aus Berechnung sanft. Und nur zu leicht schlägt ihre scheinbare Güte in Bösartigkeit um“ (La Rochefoucauld). Die Realität zeigt uns: „Wer zu freundlich ist, der hat betrogen oder will betrügen“ (Sprichwort). Die Lebenspraxis hat uns leider auch vor Augen geführt: „Die verbindlichen Leute sind in der Regel die kältesten und rücksichtslosesten“ (Graff). Auch folgende Feststellung stimmt: „Niemand ist härter als die Sanftmütigen aus Berechnung“ (Vauvenargues). Auf jeden Fall steht fest: „Falsche Freundlichkeit ist wie trügerisches Eis“ (A. Maggauer-Kirsche). Auch W. Shakespeare sagt: „Ich mag nicht Freundlichkeit bei tückischem Gemüte.“ Zum Schluss wieder etwas zum Nachdenken: „In der Leutseligkeit ist nichts von Menschenhass, aber eben darum allzu viel von Menschenverachtung“ (F.W. Nietzsche). Ist ein Mensch über längere Zeit hinweg unfreundlich, dann wird dieses Verhalten Gründe haben. Treten negative Folgen ein: „Lange Unfreundlichkeit hat Abstumpfung zur Folge“ (J.F. Herbart).

► Was lernen wir? Echte Freundlichkeit schafft vertrauen und öffnet Herzen. Das Verhalten hängt auch davon, ab, wie sich das Umfeld des Betroffenen verhält: Gegenüber einem aggressiven Menschen ist Selbstbeherrschung notwendig. Unfreundliche Menschen produzieren vielfach Abneigung und sind in der Gruppe nicht gern gesehen. In jeder Gemeinschaft sollten alle Mitglieder sich darum bemühen, echte Freundlichkeit zu zeigen und Falschheit zu lassen. „Wer echte Freundlichkeit sät, wird Beliebtheit ernten.“* Grundsätzlich gilt „Freundlichkeit ist eine Kraft und keine Maske“ (E. Klepgen). „Manche Menschen glauben, dass Freundlichkeit ein Zeichen von Schwäche sei, wenn es in Wirklichkeit ein Zeichen von Stärke ist“ (W. Singer). In bestimmten Berufsfeldern zählt die Freundlichkeit zu den zentralen Anforderungen, z. B. im Dienstleistungs- bzw. Verkaufsbereich. Ein zustimmendes Lächeln hat schon manchen Vertrag besiegelt. Auch im Mahnwesen ist die Freundlichkeit der anmahnenden Person angebracht. Wir sollten dem Leben überhaupt positiv gegenüberstehen:

„Ein freundliches Wort kostet nichts und dennoch ist es das schönste aller Geschenke“

(Daphne du Maurier)

Nur starke Naturen können im echten Sinne liebreich sein. Wir sollten lernen, mit dem Herzen zu denken: Wärme, Nächstenliebe und Verzeihen sind die eigentlichen Überlebenskräfte des Menschen.226 Auch Offenheit sollte hinzukommen: „Mit dem Hut in der Hand kommt man durch das ganze Land“ (Sprichwort). Positive Verhaltensweisen eines freundlichen Menschen werden durch Lob und Zuwendung verstärkt. „Freundliches Sichverstehen führt zu Sympathie, und Sympathie führt zu Liebe“ (A. de Musset). Wir sollten uns vor allem von falscher Freundlichkeit nicht beeindrucken lassen, sondern immer geradlinig bleiben, denn es geht um die ehrliche Zuwendung zu anderen Menschen.227

2.7.6 Anpassungsfähigkeit

Die Anpassungsfähigkeit ist das Verhalten des Menschen, sich auf geänderte Anforderungen und Gegebenheiten einer Umwelt einzustellen. Sie ist mit Flexibilität verbunden und hat sowohl im Privatbereich als auch im Berufsleben hohe Bedeutung. Im Schulalter wird von den Eltern hinsichtlich der Kinder Gehorsam eingefordert. Dieser darf aber nicht zum Ja-Sagertum bzw. in Knechtschaft ausarten.228 „Wer Kindern zu viele Freiheiten gestattet, der riskiert, dass sie sich nicht anpassen lernen, sondern zum totalen Widerstand neigen!“* Anpassungsstörungen können sich in Partner- und Familienproblemen, Lebensenttäuschungen, Schwierigkeiten im Beruf, finanziellen Einbußen und Gesundheitsproblemen äußern. Demgegenüber kann totale Anpassung in Unterwürfigkeit enden. Etwas deftig ausgedrückt heißt das: „Der Devote trägt den Hintern höher als den Kopf“ (E. Klepgen). Der Begriff Anpassung ist eng mit dem Lernen verwandt. Bei einfachen Verhaltensverstärkungen wird von Sensitivierung gesprochen und das Gegenteil ist die Gewöhnung. Die sensible Anpassung ist im Leben notwendig, ist andererseits aber als Totalanpassung gefährlich, wie es uns auch unsere deutsche Geschichte leider gezeigt hat: „Wer mit dem Strom schwimmt, schwimmt bergab“ (unbekannt).

► Thesen: „Jedermann hat sich zu bemühen, sich den Menschen anzupassen“ (Th. Hobbes). Warum? „Sensible Anpassung an die Mitmenschen macht uns Menschen das Leben leichter.“* Wir alle suchen Geborgenheit: „In der Umgebung von Menschen, die uns akzeptieren, fühlen wir uns sicher und geborgen. * Dabei gilt: „Anpassungsfähigkeit und Disziplin wachsen auf einem Holz“ (unbekannt). Das gilt sowohl für ältere als auch für jüngere Menschen. „Manche Schüler haben Probleme in der Schule, deren Folgen sich später im Beruf als sehr hinderlich erweisen. Deshalb ist es für junge Menschen wichtig, dass sie lernen, sich dem Druck der Schule bzw. der Ausbildung anzupassen.“* Das ist viel leichter gesagt als getan. Für das Agieren in einer Gruppe gilt: „Wer nicht bereit ist, sich anzupassen, kann schnell zum Außenseiter werden.“* „Wer es gelernt hat, nicht anzuecken, hat größere Entwicklungschancen als ein Quertreiber!“* Zum Schluss: „Die Fähigkeit der sensiblen Anpassung hat nichts mit Speichellecken zu tun!“*

► Dem stehen folgende Antithesen gegenüber: Totalanpassung ist falsch, denn vor allem, wenn es in der Gesellschaft ungerecht zugeht, sollten wir uns wehren: „Manche Gegebenheiten dürfen wir nicht einfach hinnehmen, sondern müssen uns entrüsten.“229 „Wer Widerstand zeigt, dient eher dem Fortschritt. Mitläufer sein ist einfach, begründet dagegen zu sein, ist schwieriger.“* Es darf auf jeden Fall nicht so weit kommen, dass man sich selbst aufgibt: „Reine Anpassung kann zur Selbstaufgabe der eigenen Persönlichkeit führen“ (Praxisweisheit). Wer persönliche Wünsche und die eigene Meinung ständig unterdrückt, kann krank werden. Mitunter ist mancher in seinem Widerstand anmaßend: „Angemaßte Größe ist oft die Ursache von Unzufriedenheit“ (U. Löchner). Auch gilt: „Nur Lebendiges schwimmt gegen den Strom“ (K.H. Deschner).

► Synthese: Die Forderung nach Anpassung oder Sozialisation beginnt bereits beim Kleinkind in der Familie, setzt sich beim Jugendlichen und später im Privat- und Berufsleben fort. E. Ferstl stellt fest: „Anpassung fördert allerdings den Drang, zu verdrängen.“ „Wer überhaupt nicht anpassungsbereit ist, wird im Regelfall scheitern.“* Und es gilt: „Wer nicht mit den Wölfen heulen will, muss mit den Krokodilen weinen“ (U. Erckenbrecht). Zum Nachdenken: „Die Anpassung ist die kleinste Form der Lüge“ (F.P. Rinnhofer).

Anpassungsfähigkeit braucht man auch im Ausland: „Wenn du in der Fremde bist, singe nicht allein, sondern im Chor“ (aus Afrika). Jeder sollte sich mit diesem Thema und mit den Regeln der jeweiligen Gesellschaft auseinandersetzen und kritisch abwägen, wann es nötig ist, sich anzupassen und wann Widerstand angebracht ist. Die Frage nach Anpassung und Widerstand stellt sich vor allem in der Politik.230 Man kann es auch nicht allen recht machen wollen:

„Wer es allen anderen recht machen will, kommt nicht weiter. Er dreht sich im Kreis“

(E. Ferstl)

Es liegt wohl in unseren Genen verankert, ob wir eher angepasst sind oder zu Widerstand neigen. Auch die Erziehung spielt dabei eine große Rolle. Die Gesellschaft benötigt schon immer Menschen, die sich nicht einfach in die Norm einfügen und sich mit einem Durchschnittsverhalten begnügen. Aber: „Widerstand hat grundsätzlich gewaltfrei zu erfolgen.“*

Der Mensch darf nicht immer den Weg des geringsten Widerstands gehen und darf sich nicht zum reinen „Ja-Sager“ ohne eigene Meinung entwickeln, nach dem Motto: „Hat der Herr den Schnupfen, so niesen die Knechte“ (Deutsches Sprichwort). Wir Menschen müssen uns vor allem zu den bewährten Prinzipien bekennen, auch wenn das anderen Menschen nicht passt. „Jeder Mensch muss für sich selbst einen angemessenen Weg zwischen der Anpassungsfähigkeit und dem Widerstand finden.“* „Nur wer seine eigenen Kräfte richtig einschätzt, wird Veränderungen bewirken können.“* Und zum Schluss zum Nachdenken: „Wer sich nicht anpassen will, muss die Welt verändern. Wer die Welt verändern will, muss sich anpassen“ (W. Mocker).

2.7.7 Kritik

Kritik ist die Beurteilung einer Person, Sache bzw. eines Systems. Der Begriff der Kritik hat eine lange Geschichte, u. a. gibt es interessante Beiträge von Kant, Fichte, Hegel und Marx.231 „Kritisches Verhalten ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens.“* Als Führungsinstrument ist Kritik als Lob oder als Tadel einsetzbar.232 Sie ist eine Grundform der Vernunft bzw. ein Wesensmerkmal der Urteilsbildung und auch eine Auseinandersetzung mit Handlungen, Handlungsnormen und -zielen, z. B. als Literatur-, Theater-, Spiele-, Musik- und Filmkritik. Es gibt außerdem Selbstkritik und Fremdkritik. Auch Karikaturen können Ausdruck von Kritik sein: „Kritische Karikaturen zeigen den politischen Pulsschlag der Zeitgeschichte“ (A. Dunker). Für kritische Karikaturen gilt: „Auch kein Karikaturist darf die Regeln des Anstands oder tiefreligiöse Empfindungen verletzen.“* Auf den ersten Blick ist die Meinung von H. Körber verblüffend: „Die spitzesten Lanzen werden von den Dünnhäutigen geschleudert.“ Interessant hinsichtlich der Kritik ist auch folgende Auffassung: „Die Zuneigung bestimmt den Blickwinkel“ (L. Peppel). Zur Kritik gibt es Feststellungen, positive Anmerkungen, aber auch negative Aussagen.

► Pro: Kritik kann als wesentliches Lebenselement hilfreich sein: „Kritik ist dort angebracht, wo sie hilft“ (V. Frank). Konstruktive Kritik ist allerdings nicht einfach: „Kritik will geübt sein“ (M. Hinrich). Auch die Qualität der Kritik spielt eine Rolle: „In dem Maße wie Wille und Fähigkeit zur Selbstkritik steigen, hebt sich auch das Niveau der Kritik an anderen“ (Ch. Morgenstern). Manche Menschen sind übertrieben kritisch: „Kritik ist lebenswichtig. Für Kritiker“ (E. Blanck). Die Praxis zeigt: „Kritische Menschen teilen gern aus, vertragen selbst aber überhaupt keine Kritik.“* Deshalb gilt schon immer: „Wer stechen will, muss selber stichfest sein“ (A. Grün). Wenn man im Stossfeuer der Kritik steht, dann ist Geduld nötig: „Manchmal muss man Kritik geduldig ertragen.“* Als Reaktion auf Kritik hat Neid überhaupt keinen Platz. Mark Twain mag Kritik nur unter einer Voraussetzung: „Ich liebe Kritik, aber ich muss damit einverstanden sein.“ Otto von Bismarck sagt zu Recht: „Ich bin dankbar für schärfste Kritik, wenn sie nur sachlich bleibt.“ Wirksame Kritik hat ihre positiven Folgen: „Was dich mitnimmt, bringt dich weiter“ (H. Sabo). Zum Schluss: „Konstruktive Kritik sollte uns nicht egal sein, sondern wir sollten uns mit ihr auseinandersetzen.“*

► Contra: „Kritik wirkt negativ, vor allem wenn sie unsachlich, destruktiv oder unverschämt ist.“* „Manche Sätze geben ihr Gift erst nach Jahren her“ (E. Canetti). Auch Diffamierungen sind unehrenhaft. „Kritik ist oft nichts anderes als Neid über den Erfolg des anderen“ (M. Mächler). Wir sollten uns darüber klar sein, das Kritik zu weiterer Kritik führt: „Kritik schlägt immer zurück“ (A. Maggauer-Kirsche). Vor allem sehr kritische Menschen sind anfällig für Kritik: „Niemand verträgt weniger Kritik als der Kritiker“ (P. Rosegger). Sie wollen das aber nicht wahrhaben: „Wer keine Kritik verträgt, hört nicht gern, dass er keine Kritik verträgt“ (M. Richter). Auch zur Reaktion auf Kritik gibt es interessante Meinungen:

▪ „Wer sich über Kritik ärgert, gibt zu, dass sie verdient war“ (Tacitus).

▪ „Wer Kritik übel nimmt, hat etwas zu verbergen“ (H. Schmidt).

Vor allem gibt es viele Weltverbesserer: „Der Jammer bei den Weltverbesserern ist, dass sie nicht bei sich selbst anfangen“ (M. Twain). „Keiner von uns kann die Welt retten.“* Angemessene Kritik ist auch Kopfsache: „Mittelmäßige Geister verurteilen gewöhnlich alles, was über ihren Horizont geht“ (La Rochefoucauld). Aus der Lebenspraxis gibt es Vergleichsbeispiele: „Die Kritik gleicht einer Bürste. Bei allzu leichten Stoffen darf man sie nicht verwenden, denn sonst bliebe nichts mehr übrig“ (H. de Balzac). Ein treffender Vergleich mit einem Chor: „Am Lautesten singen immer die, die falsch singen“ (F. Grillparzer). Das ist bemerkenswert!

► Conclusio: „Ein vornehmer Mensch tadelt sich selbst, ein gewöhnlicher die anderen“ (Konfuzius). Vor allem sollten wir zuerst vor der eigene Tür kehren: „Die Kritik an anderen hat noch keinem die eigene Leistung erspart“ (N. Coward). Auch folgende Feststellung passt hier: „Man wird nicht dadurch besser, indem man andere schlecht macht“ (H. Nordhoff). „Es ist gar viel leichter, ein Ding zu tadeln, als es selbst zu erfinden“ (A. Dürer). Mitunter wird schnell kritisiert, aber weniger schnell eingesteckt: „Kritik kommt geschmeidig über die Lippen, aber geschluckt wird sie nicht gern“ (T. Zölffel). Außerdem gilt: „Wer austeilt, muss auch einstecken können“ (O. Stock). Wir sollten angemessene Kritik akzeptieren, aber gegen unangemessene Kritik sollten wir uns wehren. Aber: „Gegen Kritik kann man sich weder wehren noch schützen“ (J.W. von Goethe). „Man soll gegenüber Kritik nicht zu empfindlich sein, man soll aber auch nicht unmäßig austeilen.“* Nicht wenige von uns jammern, obwohl es nicht angebracht ist: „Wir haben uns daran gewöhnt, auf hohem Niveau zu jammern“ (H. Kohl). Andere sind zu empfindlich: „Es gibt Menschen, die sich immer angegriffen wähnen, wenn jemand eine Meinung ausspricht“ (G.C. Lichtenberg). Und der österreichische Tiefenpsychologe A. Adler stellte etwas Bemerkenswertes fest: „Überempfindlichkeit ist Ausdruck eines Minderwertigkeitsgefühls.“

Demgegenüber gilt: „Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den andern, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt“ (Ch. Morgenstern). „Auch negative Kritik muss immer sachlich sein und darf niemals vor der Gruppe geschehen.“* Interessant ist die Feststellung von Walter Jens: „Die entscheidenden Veränderer der Welt sind immer gegen den Strom geschwommen.“ Und es gibt dazu Wünsche: „Etwas wünscht ich zu sehn, ich wünschte einmal von den Freunden, die das Schwache so schnell finden, das Gute zu sehn!“ (J.W. von Goethe und F. von Schiller). Und etwas rustikal: „Nur ein Schwein macht ein Schwein zur Sau“ (U. Erckenbrecht). Einige Anmerkungen zur Menschenführung:233 Kritik hat unter vier Augen aufbauend und nicht unter Versageraspekten zu erfolgen. Kleine Fehler dürfen nicht hart kritisiert werden: „Fremde Fehler beurteilen wir als Staatsanwalt, die eigenen als Verteidiger“ (aus Brasilien). Tadel an den Leistungen einzelner darf nicht auf alle übertragen werden. Negative Kritik kann auch in Frageform gekleidet werden, um die Schärfe zu nehmen. Die Kritik soll zu neuer Leistung anspornen und darf keinesfalls verletzend erfolgen. „Bei persönlicher Kritik sollte immer das Gute vor dem Schlechten genannt werden.“* „Der Weg zur Vollkommenheit und zu jedem Fortschritt ist fortwährende Selbstkritik“ (K. Schwitters). Und zum Schluss: „Willst du andere belehren, musst du vor deiner Tür erst kehren“ (unbekannt).

2.8 Gegebenheiten des Menschen

Über die Entwicklung des Menschen, den menschlichen Geist, das Gute, das Böse und das Schöne, die Tugenden, die Untugenden, die Antriebe und das Verhalten des Menschen hinaus gibt es weitere Gegebenheiten, die hier einer dialektischen Betrachtung unterzogen werden.

2.8.1 Ich

Das „Ich“ ist der Inbegriff des bewussten menschlichen Individuums234, mit seinem Denken, Wahrnehmen, Fühlen und Handeln. Diese Gegebenheit steht im Gegensatz zu seinem unbewussten Teil. Fichte sieht im „Ich“ die schöpferische Einheit, auf die bezogen alle Wirklichkeit erst Sinn erhält. Im Rahmen der Psychoanalyse von Sigmund Freud ist das „Ich“ die Kontrollinstanz, die sich zwischen den Wünschen und Bedürfnissen des „Es“ und den Normen des „Über-Ichs“ entscheiden muss. S. Freud stammt aus ärmlichen Verhältnissen, war aber ein hervorragender Schüler. Er bestand das Abitur mit Auszeichnung und promovierte später zum Doktor der Medizin. Mit seinen Veröffentlichungen hatte er aber zunächst wenig Erfolg. Er schätzte seine fünf Schwestern. Als Mensch und Vater war er keineswegs liebevoll, sondern gegenüber seinen Kindern eher unnahbar.235 Die Begriffe des „Ich, Es und Über-Ich“ verwandte vor ihm übrigens bereits Nietzsche. Das Ich tritt auch bei R. Descartes besonders hervor, denn er prägte den bekannten Satz: „Ich denke, also bin ich.“ Ähnlich S. Weil: „Ich kann, also bin ich.“ Im Alltag stellt mancher Mensch sein Ich zu sehr in den Vordergrund. Andere Menschen sind zu bescheiden. Was spricht für die Verwendung des Wortes „Ich“ und was spricht dagegen?

► Contra: Im Hinblick auf die Verwendung des Wortes „Ich“ in Texten können wir das Ich in seiner reinen Form feststellen: „Der Esel nennt sich selbst zuerst.“ Das „Ich“ des Schreibers interessiert den Leser im Regelfall erst in zweiter Linie. Wer in seinen Abhandlungen ständig „Ich“ schreibt, nimmt sich wohl meistens zu wichtig. Dabei wissen wir, dass gesellschaftliche Vorgänge nicht personalisiert werden sollten. Die Personalisierung beginnt beim „Ich“. „Das Ich täuscht in Sätzen oft etwas vor und wirkt sich selbst erhebend: „Ich erfahre aus informierten Kreisen …“236 Dabei ist von größter Bedeutung: „Die Inhalte einer Sache sind meistens entscheidend“ (Sprichwort). Darüber hinaus stellt sich die interessante Frage, wie der Mensch in seinem Leben mit seinem eigenen „Ich“ umgehen soll. Vor allem sollte der Mensch nach Selbsterkenntnis streben.237

► Pro: Wer „Ich“ meint, soll auch ich sagen; möglichst mit einem kleinen „i“. In Biographien beispielsweise geht es gar nicht ohne das „Ich“. Ein bisschen „Exhibitionismus“ und Eitelkeit ist unweigerlich mit dem Anspruch verbunden, etwas zu schreiben, was veröffentlichungswert ist. Wer „Ich“ schreibt, übernimmt – manchmal vielleicht nicht ganz bewusst – die alleinige Verantwortung für seine Aussagen. Im Gegensatz zum „Wir“. Wenn ein Ego Sätze mit „Ich“ schreibt, dann stimmt doch wenigstens der Blickwinkel des Egos. Solange der Weltgeist nicht zum Schreiben gebracht werden kann, ist jede Darstellung persönlich, auch wenn mindestens zwei Personen dabei mitwirken.238

► Conclusio: „Finde den Ursprung des „Ichs“, dann werden alle Schwierigkeiten verschwinden und das reine Selbst alleine wird bleiben“ (R. Maharshi). Mit der Sprache kann der Mensch beinahe alles machen – solange er nur weiß, was er macht (R.W. Leonhardt). Wodurch wird denn der wahre Wert es Menschen bestimmt?

„Der wahre Wert eines Menschen ist in erster Linie dadurch bestimmt, in welchem Grad und in welchem Sinn er zur Befreiung vom „Ich“ gelangt ist“

(Albert Einstein)

Sokrates sagte bescheiden: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Nach R.W. Leonhardt sollte jeder, der schreibt, seine ehrenwerte Scheu, das Personalpronomen der ersten Person Singularis zu verwenden, mit jedem Satz neu überprüfen. Das „Ich“ ist allemal besser und klarer als das andere gegen ihren Willen einbeziehende „Wir“. „Das unzulässig verallgemeinende „man“ ist vor allem in der Wissenschaft verpönt.“* Der Psychologe Peter Lauster kommt hinsichtlich des Umgangs mit dem eigenen „Ich“ zu dem Ergebnis, dass der Mensch sich selbst und seine Mitmenschen als Ganzes erfassen sollte. Außerdem soll er sich dem eigenen „Ich“ stellen, um ein selbstbestimmtes, freies und harmonisches Leben erreichen zu können.239 Allerdings gilt: „Wir sehen uns selbst nicht so, wie uns die anderen sehen.“* Zum Schluss in eigener Sache: „Wir Menschen müssen in unserem Leben viele Rollen spielen: Ich war in meinem Leben u. a. Gymnasiast, Student, Ehemann, Doktorand, Ausbildungsleiter, Lehrer, Dozent und Schriftsteller.“* Mein „Ich“ erlebte dabei – wie im Leben vieler anderer Menschen – ein ständiges und nicht einfaches Auf und Ab.240

2.8.2 Du

Als „Du“ wird in der Sozialphilosophie ein anderes Subjekt oder ein Dialog-Partner bezeichnet, das mit dem „Ich“ nicht identisch ist, das aber auch kein Fremder ist. In der praktischen Anwendung wird vom Dutzen gesprochen. Gandhi sagte zu dieser Gegebenheit: „Du und ich. Wir sind eins. Ich kann dir nicht wehtun, ohne mich zu verletzen.“ Der Religionsphilosoph Martin Buber bezeichnet das menschliche Gegenüber als „Du“ und die dingliche Welt als „Es“.241 Im praktischen Leben werden Minderjährige bzw. Familienangehörige und Freunde mit „Du“ angesprochen. Der Übergang von „Sie“ zum „Du“ setzt unter Erwachsenen meistens eine Vereinbarung voraus. Der Rückgang vom „Du“ zum „Sie“ ist meist durch eine Verschlechterung der Beziehungen verbunden. Während die Japaner etwa 23 verschiedene Anreden kennen, haben die Italiener drei, Engländer und Amerikaner aber nur eine Anrede („you“). Manche Kreise in Deutschland möchten das „Sie“ ganz abschaffen. Die Ansichten darüber sind aber verschieden. Was spricht für und was gegen das „Du“?

► Ein gewichtiges Argument spricht für das „Du“: „Die deutsche Sprache würde leichter – auch für Ausländer.“242 Die Art und Intimität der Beziehung wäre nicht gleich in der Anrede ablesbar. Manchen Klassengegensätzen und Vorgesetztenverhältnissen würde die Spitze genommen. Die Peinlichkeit verschwände, wenn man zu fremden Menschen plötzlich „Du“ sagen soll, nur weil sie ein Mitglied der Familie geheiratet haben. Gruppen können sich nicht mehr so leicht gegenüber anderen Gruppen abkapseln. Die im „Du“ sich ausdrückende Herablassung gegenüber Kindern würde aufhören. Die Vertraulichkeit des „Du“ würde den Umgang mit anderen Menschen vertrauter machen.

► Dagegen spricht, dass es auch in Frankreich das „vous“ und das „tu“ gibt. Im Englischen gibt es zwar nur eine Anrede („you“), aber es gibt Abstufungen, nämlich wenn die gleiche Person mit „John“, „Mr. Miller“ oder mit „Sir“ angesprochen wird. Durch das „Sie“ und „Du“ besteht weiterhin die Möglichkeit, Privates vom Geschäftlichen zu trennen. Das sprachliche Differenzierungsvermögen (als Teil der Intelligenz) nimmt ab, wo immer einer Sprache Ausdrucksnuancen genommen werden. „Du Blödmann“ kommt schneller über die Lippen als „Sie Blödmann.“ Wenn das „Du“ beschlossen ist, gibt es kein zurück zum „Sie“ mehr; deshalb erschient Vorsicht mit einem zu schnellen „Du“ angebracht. Kostbare Augenblicke gäbe es im privaten Verhältnis zweier Menschen zueinander nicht mehr, die durch den Übergang vom „Sie“ zum „Du“ markiert werden.243 Wer anderen das „Du“ anbietet muss mit allem rechnen: „Wenn man einem Menschen das Du anbietet und dieser lehnt das aber ab, dann ist das eine Beleidigung mit Folgen.“*

► Conclusio: Sind die pro-Argumente so gravierend, dass wir das „Sie“ abschaffen sollten? Nein: auch in Frankreich käme niemand auf die Idee, die bestehenden Gegebenheiten zu ändern. Im Geschäftsleben ist das „Sie“ am weitesten verbreitet und im privaten Bereich gibt es beides. Und es gilt: „Du bleibst doch immer, was du bist“ (J.W. von Goethe). Oder auch: „Werde, was du bist“ (F. W. von Schelling). Wie gehen wir mir dem „Du“ um? In manchen Organisationen (z. B. in der Computerbranche) ist das „Du“ vom ersten Tag an üblich und wird von Anfang an vorausgesetzt. In konservativen Unternehmen (z. B. Banken) ist so etwas auch heute noch nicht denkbar. Es ist herrschende Meinung, dass der Ranghöhere dem Rangniedrigeren, der Ältere dem Jüngeren und die Frau dem Mann das „Du“ zuerst anbietet. Bei jungen Menschen sollte man im Allgemeinen ab 16 Jahren nicht mehr „Du“ sagen. Anfänger und unsichere Menschen können sich viel Ärger ersparen, wenn sie mit Vorsicht an das „Du“ herangehen. Und zum Nachdenken:

„Das 'Du' hat gar nichts Vertrautes mehr,

wenn jeder jeden „du“ nennt“

(Rudolf Walter Leonhardt)

Wenn wir einen Menschen gar nicht kennen, dann sprechen wir ihn mit „Sie“ an, gute Freunde und Bekannte werden mit dem „Du“ begrüßt. Das Vertraute und Persönliche hebt sich dabei vom Fremden und Unpersönlichen ab und eine gewisse Distanz empfinde ich dabei als ganz gut so! Allerdings sollte man es mit der Distanz auch nicht übertreiben.

2.8.3 Freundschaft

Die Freundschaft ist im engeren Sinne eine positive soziale Beziehung zwischen Menschen, deren Gegebenheit auf Wertschätzung, Zuneigung und Vertrauen basiert. Auch die Freundschaft hat historische Bedeutung244 und nährt sich von einem vertrauten Umgang.245 Es wird dann von Freundinnen oder Freunden gesprochen: Freundschaft basiert auf gegenseitiger Wertschätzung und Anziehung. Gerade heute, wo Partner bzw. Jobs häufig wechseln, eine eigene Familie nicht mehr selbstverständlich ist, werden Freundschaften immer wichtiger. Sie sind nicht nur die Gefährten unserer Jugendzeit, sondern zunehmend auch als Erwachsene die Stützen unseres Lebens: „Freunde machen stark“ (E. Pannek). Bestätigend ist die folgende Feststellung: „Freundschaft ist eine Seele in zwei Körpern“ (Aristoteles). Es ist auch Gefühl dabei: „Freundschaft ist das edelste Gefühl, dessen ein Menschenherz fähig ist“ (C. Hilty). Die Freundschaft ist hochwertig, wenn sie uns ein Leben lang begleitet. Im weiteren Sinne kann sie auch auf Nationen bezogen sein. Wie ist die Freundschaft zu beurteilen?

► Freundschaft zu halten, ist gar nicht so schwer: „Der beste Weg einen Freund zu haben, ist der, selbst einer zu sein“ (R.W. Emerson). Manche Freundschaften halten langfristig: „Es gibt Begegnungen, die halten ein Leben lang“ (A. Rademacher). Gute Freundschaft zahlt sich aus: „Die Freundschaft ist ein Kapital, dessen Zinsen niemals verloren gehen“ (J.G. Hamann). Dabei bleibt zu beachten, dass wir gegenüber Freunden nicht zu kritisch sind: „Wer einen Freund sucht ohne Fehler, bleibt ohne Freund“ (aus der Türkei). Vor allem müssen Freundschaften gepflegt werden: „Wer die Freundschaft aus dem Leben streicht, nimmt die Sonne aus der Welt“ (M.T. Cicero). Der Physiker und Philosoph Stefan Klein kommt zum Ergebnis, dass jener Mensch länger lebt, der Freunde hat.246 Deshalb: „Freundschaftliche Bindungen sind unverzichtbar und steigern unsere Lebenszufriedenheit.“247 Dazu folgende Weisheiten von klugen Köpfen:

▪ „Wer Freunde will, der besänftige sein Blut“ (J.W. von Goethe).

▪ „Reich sind die, die wahre Freunde haben“ (T. Fuller).

▪ „Keine Straße ist lang mit einem Freund an der Seite“ (R.M. Rilke).

▪ „Die gute Freundschaft entsteht, wenn man den anderen sehr achtet, und zwar mehr als sich Selbst“ (F.W. Nietzsche).

▪ „Freundschaft ist sicherlich der beste Balsam für die Wunden einer enttäuschten Liebe“ (J. Austen)

▪ „Der ist mein Freund, der auch hinter meinem Rücken Gutes über mich sagt“ (T. Fuller).

▪ „Freundschaft ist nicht nur das, was man sucht, sondern auch das, was man geben soll“ (F. Beutelrock).

▪ „Freundschaft fließt aus vielen Quellen, am reinsten aber aus dem Respekt“ (D. Defoe).

Aus diesen Einsichten schließen wir: „Nimm dir Zeit für deine Freunde, sonst nimmt die Zeit dir deine Freunde“ (A. Brie). Wir beenden diesen Abschnitt mit einem Ausspruch von Marie von Ebner-Eschenbach: „Wirkliche Freunde sind Menschen, die uns genau kennen und trotzdem zu uns halten.“

► Wir wissen, dass Freundschaften nicht immer unproblematisch sind: „Wer ausschließlich Freunde mit vielen Fehlern hat, ist dann auch allein.“* Mancher muss einiges ertragen: „Wer sich viel bieten lässt, bekommt viel geboten!“ (Sprichwort). Zum Nachdenken: „Hohe Intelligenz muss Freundschaften nicht immer dienlich sein.“* Denn: „Wer allzu klug ist, findet keine Freunde“ (aus Japan). Manchmal gibt es mit Freunden Enttäuschungen: „Wer aufhört ein Freund zu sein, war nie ein guter Freund“ (H.G. Bohn). Wie wahr: „Auch Freunde dürfen sich nicht alles erlauben“ (Querulix). Und: „Die meisten Freundschaften zerbrechen nicht, sondern verwelken“ (E. Zacharias). Manchmal entstehen Freundschaften aus einer Laune heraus: „Die Freundschaft, die der Wein gemacht, wirkt wie der Wein nur eine Nacht“ (F.v. Logau). Zum Schluss zum Überlegen: „Wenn man jemand alles verziehen hat, ist man mit ihm fertig“ (S. Freud).

► Was ist für uns hinsichtlich der Freundschaften bedeutsam? „Ich habe begriffen, dass es reicht, wenn man mit den Menschen zusammen ist, die man mag“ (W. Whitman). Und es gilt: „Freundschaft und Liebe werden an den Enttäuschungen gemessen, die sie zu ertragen vermögen“ (Ch. Tschopp). Man kommt in der Freundschaft nicht weit, wenn man nicht bereit ist, kleine Fehler zu verzeihen (J. de la Bruyère). Ähnlich: „Wer mit den Menschen auskommen will, darf nicht zu genau hinsehen“ (O. Flake).

Nachhaltige Freundschaften müssen gepflegt werden: „Sie sind nicht nur ein köstliches Geschenk, sondern eine dauerhafte Aufgabe“ (E. Zacharias). „Wahre Freunde sind die Gehhilfen in schweren Zeiten“ (F. Schmidberger). „Echte Freunde brauchen einander.“* Vor allem gilt schon immer: „In einer guten Männerfreundschaft sind Entschuldigungen überflüssig“ (M. Knecht). Freundschaftliche Gesten sind für ein erfülltes Leben eines jeden Menschen unverzichtbar und steigern unsere Lebenszufriedenheit: „… Freundschaften haben den bedeutenden Vorteil, dass ihnen Irrungen und Missverständnisse, von welcher Art sie auch seien, niemals von Grund aus schaden und die alten Verhältnisse sich nach einiger Zeit wieder herstellen“ (J.W. von Goethe). „Trotz allem bleibt der Kreis wahrer Freunde begrenzt.“* Das zeigt sich vor allem, wenn man selbst in Not kommt: „Den wahren Freund erkennt man in der Not“ (M.T. Cicero). Das heißt in kompakter Form: „Wer viele gute Freunde hat, ist reich, wer gar keine Freunde hat, ist ein armer Hund.“* Und zum Schluss ein sehr guter Verhaltensgrundsatz: „Lasse nie zu, dass du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glücklicher ist“ (Mutter Theresa).

2.8.4 Ziel

Ein Ziel ist eine bestimmte, künftig zu erreichende Gegebenheit, die von einem Menschen für sich oder für eine Organisation248 definiert wird. Merkmale eines Ziels sind Inhalt, Ausmaß und Zeitbezug. In der Psychologie gibt es persönliche Ziele, die dem Menschen zur Orientierung dienen und ihm zeigen, wohin der Weg gehen soll. Nach dem Konzept der persönlichen Ziele249 reagieren Menschen nicht auf äußere Anreize, sondern handeln vor allem, um eigene, selbst gesetzte Ziele zu erreichen. In der Betriebswirtschaftslehre wird zwischen Unternehmenszielen unterschieden, z. B. ökonomische, soziale und ökologische Ziele.250 E. Heinen251 unterschiedet zwischen komplementären (z. B. die Erreichung eines Zieles fördert die Erreichung eines anderen Zieles), konkurrierenden und indifferenten Zielen, bei denen die Erreichung eines Zieles keinen Einfluss auf die Erreichung eines anderen Zieles hat. Die einzelnen Ziele können zueinander in harmonischer, neutraler oder antinomischer Beziehung stehen.252 Auch sind verschiedene Zielränge zu unterscheiden.253 Auch die Ziele werden unterschiedlich gesehen.

► Grundsätzlich gilt für uns Menschen: „Man muss eine Aufgabe vor sich sehen und nicht ein geruhsames Leben“ (L.N. Tolstoi). Wir brauchen Ziele: „Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg“ (Laotse). Konfuzius stellte bekanntlich fest: „Der Weg ist das Ziel.“ Und: „Wohin du auch gehst, geh’ mit deinem ganzen Herzen“ (Konfuzius). Vor allem sollten wir bei der Zielverfolgung mutig und strebsam sein, denn: „Zuversicht lässt Flügel wachsen“ (E. Pannek). Auch: „Beharrlichkeit in der Verfolgung von Zielen ist die Grundlage des Erfolges“ (E. Rutemöller). Auf ein ganzes Leben bezogen verändern sich die Ziele des Menschen: „Die persönlichen Ziele sind im gesamten Leben in jeder Lebensphase unterschiedlich.“* Aber: „Sobald ein Geist auf ein Ziel gerichtet ist, kommt ihm vieles entgegen“ (J.W. von Goethe).

► Wer meint ohne Ziele gehe es auch, der irrt sich: „Wer im Leben kein Ziel hat, verläuft sich“ (A. Lincoln). „Ohne Ziel führen alle Wege ins Unbekannte“ (A. Saheb). Schon bei der Zielsetzung sollte man achtgeben: „Zu hoch gesetzte Ziele sind unerreichbar und daher nutzlos (K. Haberstock). „Was uns oft im Weg steht, sind die Ziele anderer“ (E. Ferstl). Zu beachten ist auch: „Heftiges Streben nach einem Ziel macht die Seele für anderes blind“ (Demokrit). Beim Verfolgen von Zielen können Probleme und Widerstände auftreten. Treffend: „Wenn man einen falschen Weg einschlägt, verirrt man sich umso mehr, je schneller man geht“ (D. Diderot). Und es gilt: „Wer das Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben“ (Ch. Morgenstern). Mancher hatte bei der Zielerreichung gute Helfer: „Wer ans Ziel getragen wurde, darf nicht glauben, es erreicht zu haben“ (M. von Ebner Eschenbach). Am Ende gibt es Wertungen: „Über das Ziel hinausschießen ist ebenso schlimm, wie nicht ans Ziel kommen“ (Konfuzius). Zum Schluss: „Wer alle seine Ziele erreicht hat, hat sie als zu niedrig ausgewählt“ (H. von Karajan).

► Zusammenfassung: Der Zielbildungsprozess zeigt den Weg von der Zielsuche bis zur Zielkontrolle. „Wer im Leben Erfolg haben möchte, wird sich anspruchsvolle persönliche Ziele setzen.“* Dabei gilt manchmal: „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen“ (H. Hesse). „Wer ziellos agiert, wird untergehen.“* „Der Ziellose erleidet sein Schicksal, der Zielbewusste gestaltet es“ (I. Kant). „Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus dem Auge verliert, geht noch immer geschwinder, als jener, der ohne Ziel umherirrt“ (G.E. Lessing). Manche kennen den Weg, kommen aber nicht ans Ziel: „Es reicht nicht aus, den richtigen Weg erkannt zu haben, man muss ihn auch gehen“ (S. Gönül). Manchmal gilt. „Der Zweck heiligt die Mittel“ (N. Machiavelli). „Am Ziel deiner Wünsche angekommen, wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel“ (M. von Ebner-Eschenbach).

Trotzdem erreicht der Mensch in der Regel nicht alle Ziele: „Wir Menschen machen Fehler und manchmal übernehmen wir uns auch.“* „Die meisten Misserfolge kommen kurz vor dem Ziel“ (T.A. Edison). Mitunter müssen wir auch etwas riskieren: „Geht nicht immer auf dem vorgezeichneten Weg, der nur dahin führt, wo andere bereits gegangen sind“ (A.G. Bell). Entscheidend ist: „Der Preis des Erfolgs ist Hingabe, harte Arbeit und unablässiger Einsatz für das, was man erreichen will“ (F.L. Wrigt). Dennoch: „Aller Eifer, etwas zu erreichen, nutzt freilich gar nichts, wenn du das Mittel nichts kennst, das dich zum erstrebten Ziel trägt und leitet“ (M.T. Cicero). Und zum Schluss das positive Fazit: „Was lange währt, wird endlich gut“ (Ovid).

2.8.5 Charakter

Der Charakter (griech.: Prägung) ist die typische Eigenart einer Person, Sache oder Gesamterscheinung, z. B. einer Landschaft. „Charakter ist innere Festigkeit“, sagt der Pädagoge J.F. Herbart. Hippokrates unterscheidet im Hinblick auf die Menschentypen zwischen melancholischen (Schwermut), sanguinischen (Heiterkeit), cholerischen (Reizbarkeit) und phlegmatischen (Ruhe) Charaktertypen. Aristoteles spricht von Verstandestugenden, die durch Belehrung erworben wurden, und von gegebenen Charaktertugenden, z. B. Tapferkeit, Besonnenheit und Gerechtigkeit. Auch Toleranz ist ein Charaktermerkmal: „Toleranz kennt keine Grenzen“ (A. Marti). Es wird versucht, den Charakter des Menschen über die Sternbilder zu ergründen.254 In der Lebenspraxis unterscheiden wir zwischen gut- bzw. bösartigen Charaktertypen.

► Was sagen kluge Köpfe über den Charakter eines Menschen? Arthur Schopenhauer behauptet: „Der Charakter eines Menschen ist angeboren und unveränderlich.“ Das hat für uns Menschen Auswirkungen: „Der Charakter des Menschen ist sein Schicksal“ (B. Brecht). Ist der Charakter mehr mit dem Denken oder mehr mit Gefühlen verbunden? „Der Charakter eines Menschen sitzt nicht im Verstand, sondern im Herzen“ (F.H. Jacobi). Setzt der edle Charakter Talente voraus? „Der Charakter beruht auf der Persönlichkeit nicht auf den Talenten“ (J.W. von Goethe). Unser Charakter zeigt sich vor allem im Verhalten: „Unser Charakter ergibt sich aus unserem Benehmen“ erkannte schon Aristoteles. „Ein gutartiger Charaktertyp ist u. a. gefühlvoll, dankbar, tapfer, besonnen, gerecht, ehrlich, hilfsbereit, barmherzig, geduldig, bescheiden, zurückhaltend, höflich und glaubwürdig.“* „Die Glaubwürdigkeit ist die schönste Visitenkarte eines Menschen“ (H. Joost). Bedenke dabei, dass ein guter Mensch nicht ständig jammert: „Ein edler Charakter wird nicht leicht über sein eigenes Schicksal klagen“ (A. Schopenhauer). Außerdem gilt: „An einem edlen Pferd schätzt man nicht seine Kraft, sondern seinen Charakter“ (Konfuzius). Und zum Schluss: Der Charakter hat Bedeutung für das Gelingen eines ganzen Lebens.255

► „Ein bösartiger Charakter lügt häufig und ist z. B. aggressiv, sehr egoistisch, häufig zornig, sehr neidisch und unzuverlässig.“* „So hat ein Wendehals zwar einen Hals, aber keinen Charakter“ (unbekannt). Der polnische Aphoristiker S.C. Lec meint pfiffig: „Wenn keine Winde wehen, hat sogar der Wetterhahn auf dem Turm Charakter.“ Der französische Dramatiker Nicolas Chamfort kommt demgegenüber zu folgendem Ergebnis: „Wer keinen Charakter hat, ist kein Mensch, sondern eine Sache.“ Oft wird behauptet, dass Geld den Charakter verderbe: „Vielleicht verdirbt Geld tatsächlich den Charakter, auf keinen Fall macht Mangel an Geld ihn besser“ (J. Steinbeck). Ändert der Mensch über das Leben hinweg seinen Charakter? „Der Mensch ändert seinen Charakter nicht. Er lernt nur, seine dunklen Seiten besser zu verbergen“ (N. Pomes). Zum Schluss zum Nachdenken: „Idealismus bringt keine Rendite“ (St. Radulian).

► Fazit: Wir sollten in unserem Urteil nicht zu streng sein: „Es ist kein Mensch ohne ein Aber“ (Sprichwort). Oder anders gesagt: „Wo viel Licht, ist starker Schatten“ (J.W. von Goethe). Und vor allem gilt: „Von nichts kommt nichts.“ (unbekannt). „Ohne Leiden bildet sich kein Charakter, ohne Vergnügen kein Geist. Der Mensch soll also wohl an beiden reifen“ (E. Freiherr von Feuchtersleben). Es gibt außerdem Verbindungen zwischen Charakter und Kraft: „Wenn unser Charakter ausgebildet ist, fängt leider unsere Kraft an, zusehends abzunehmen“ (J.G. Seume). Mit der Selbsterkenntnis ist es nicht so einfach: „Ein Mensch muss Charakter haben, um sein wahres Ich zu erkennen.“* Interessant ist auch die Erkenntnis, dass es Zusammenhänge zwischen der Art des Lachens und dem Charakter gibt: „Man erkennt den Charakter eines Menschen an den Späßen, über die er lacht.“ (A.M. Biolek). Oder noch klarer: „Das Lachen verrät den Charakter“ (Molière). Manchmal reicht schon ganz wenig: „Den Charakter kann man auch aus den kleinsten Handlungen erkennen“ (L.A. Seneca). „Manchmal müssen wir auch nachgiebig sein und manches ganz einfach vergessen können:“*

„On peut mesurer la souplesse d’une personne á son art d’oubliez“

(S. Kierkegaard)

Außerdem: „Wer nicht vergessen kann, aus dem wird nichts Gescheites“ (Kierkegaard). Franz von Sales hat es einmal so gesagt: „Mit Adleraugen sehen wir die Fehler der anderer, mit Maulwurfaugen unsere eigenen.“ Ein weiterer Aspekt ist hinsichtlich eines bestimmten Irrtums zu beachten: „Manche verwechseln Unbelehrbarkeit mit Charakterstärke“ (unbekannt). Es gibt auch den Bezug zur großen Politik: „Politik verdirbt den Charakter“ (B. Brigl). Hinzu kommt: Regieren ist keine Sache für Leute von Charakter und Erziehung! Hinsichtlich der schlimmen Finanzkrise, wo sicherlich auch dunkle Charaktere mitgewirkt haben, gilt: „Nicht nur Geld verdirbt den Charakter, mancher Charakter verdirbt auch das Geld“ (M.G. Reisenberg). Auch trotz guter Menschenkenntnis ist man nie vor Überraschungen sicher: „So manchen dunklen Charakter erkennt man nicht einmal im hellsten Licht“ (E. Blanck). Zum Schluss die weise Erkenntnis: „Am besten erkennt man den Charakter eines Menschen in Geldangelegenheiten, beim Trinken und im Zorn“ (Talmud).

2.8.6 Vorbild

Das Vorbild ist das an bestimmte Personen gebundene Leitbild eines Menschen. Es kann beispielsweise einem heranwachsenden Individuum256 aber auch einem Erwachsenen bei der Verhaltensorientierung dienen. Der Mensch identifiziert sich mit seinem Vorbild und zeigt ihm damit seine Wertschätzung. In der Soziologie und Psychologie beschäftigt man sich mit besonderen Rollenmodellen. So sah Siegmund Freud die Identifizierung mit einem Vorbild als einen psychodynamischen Prozess. Das Lernen am Vorbild spielt auch in der Lerntheorie eine Rolle. „Vorbild ist besser als Vorschrift“ (H.J. Quadbeck-Seeger). Als Vorbilder von Jugendlichen gelten Sportler, Sänger, Schauspieler oder Politiker. Für viele Menschen ist der liberale Politiker H.D. Genscher ein echtes Vorbild. Er schrieb einmal den bemerkenswerten Satz: „Man muss vor sich selbst bestehen können.“257 In jungen Jahren stehen die Eltern als Vorbilder ganz vorn. Und als Vorbild der Kleinen gilt: „Kinder würden Kasper wählen“ (P. Hohl). Ein Leitbild lässt sich ganz unterschiedlich betrachten und beschreiben.

► Thesen: Leitbilder kommen einem Ideal nahe: „Ideale sind wie Sterne, man kann sie nicht erreichen, aber man kann sich an ihnen orientieren“ (C. Schurz). Und: „Die wertvollsten Bilder sind die Vorbilder“ (F. Ammon). Man bringt ihnen Liebe entgegen: „Vorbilder werden geachtet, aber manchmal auch geliebt“ (J.J. Flanagan). Das gilt auch für Eltern: „Die Taten der Väter sind den Söhnen ein Wegweiser“ (Talmud). Karl Valentin stellt fest: „Wir brauchen Kinder nicht erziehen, sie machen uns sowieso alles nach.“ Leitbilder möchten etwas auslösen: „Ein großes Muster weckt Nacheiferung und gibt dem Urteil höhere Gesetze“ (F. von Schiller). Aber es ist dabei zu beachten: „Nichts ist schrecklicher, als ein Vorbild einzuholen“ (T. Lenk). Kluge Köpfe geben dazu folgende Ratschläge:

▪ „Man soll zu erreichen suchen, die Gedanken der Besten nachzudenken und den Besten gleich zu empfinden“ (J.W. von Goethe).

▪ „Wer Gutes tun will, der sei erst gut“ (J.W. von Goethe).

▪ „Kannst du kein Stern am Himmel sein, so sei eine Leuchte im Haus“ (aus Arabien).

Vorbilder weisen mitunter den Weg: „Gute Menschen sind wie Navigationshilfen in unserer Gesellschaft“ (F. Schmidberger). Auch Schiedsrichter258 und Trainer sollten Vorbilder sein: „Für mich spielen Werte eine große Rolle. Sie sind die Basis für Schiedsrichter“ (M. Merk). Ähnlich sieht das O. Hitzfeld: „Ich finde, der Trainer muss Vorbild sein.“ Vielsagend: „Rüpel sind als Trainer keine Vorbilder.“* Edle Menschen sind Vorbilder, was sich auch im Umgang mit den Mitmenschen zeigt: „Je vollkommener jemand ist, desto milder und nachsichtiger geht er mit dem anderen um“ (Th. Morus). Auf den Nenner gebracht heißt das: „Vorbilder fallen aus dem Rahmen“ (E.H. Bellermann).

► Antithesen: „Auch Vorbilder soll man nicht überschätzen.“* „Leitbilder sind wie Kochbücher: „Beide beschreiben Idealzustände, die selten so gelingen“ (H. Lahm). E. von Feuchtersleben meint dazu: „Vorbilder werden geachtet, aber nicht geliebt.“ Vorbilder haben es mitunter zu Hause nicht so leicht: „Oft werden Vorbilder intern anders gesehen als von außen.“* Vorbilder lassen sich nicht so einfach für persönliche Zwecke missbrauchen: „Der Edelgesinnte ist kein Werkzeug für die Zwecke anderer“ (aus China). Vorbild zu sein ist nicht immer einfach: „Wer immer Zugpferd ist, wird am Ende zum Esel“ (aus Andalusien). Leitbilder möchten mit ihrem Tun etwas bewirken, was nicht immer eintritt: „Die Leute zu kränken ist leicht, sie zu bessern ist schwer, wo nicht unmöglich“ (A. Schopenhauer). Denn das Leben ist voller Überraschungen: „Wer etwas bewirken will, muss mit allem rechnen, besonders mit Nebenwirkungen“ (E. Ferstl). Zum Schluss zum Nachdenken: „So wertlos ist keiner, dass er nicht wenigstens als schlechtestes Beispiel herhalten könnte“ (M.M. Ronner).

► Synthese: Gute Vorbilder braucht jeder junge Mensch zu seiner Orientierung.259 Deshalb der Rat von W. von Humboldt: „Wirke auf andere durch das, was du bist.“ Man soll also auch selbst ein Vorbild sein, sagt mein Lieblingsphilosoph Konfuzius: „Der wahrhaft Edle predigt nicht, was er tut, bevor er nicht getan hat, was er predigt.“ Th. von Megara schließt sich an: „Nur von den Besten erlernst du das Beste.“ Gibt es denn ein wirkungsvolles Konzept gegen das Böse?

„Das wirkungsvollste Konzept gegen das Böse in unserer Welt ist die Hinwendung zum Guten“

(E. Ferstl)

Eines meiner Vorbilder ist Prof. Dr. Ekkehard Crisand (Hochschule Ludwigshafen), weil er sehr feinfühlig, freundlich und zuvorkommend war, wie man es in dieser Welt nur selten findet. In wissenschaftlicher Hinsicht haben mich auch die Persönlichkeit und das Werk von Prof. Dr. August Marx (Uni Mannheim) sehr beeindruckt. Beide haben in mir frühzeitig und sehr intensiv das Interesse an dem betrieblichen Personalwesen geweckt. Dafür bin ich beiden sehr dankbar.

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22 dekabr 2023
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