Kitabı oxu: «Der Reiniger: Teil 5 - Du bist der Nächste»
Inger Gammelgaard Madsen
Der Reiniger
Du bist der Nächste - Teil 5
SAGA Egmont
Der Reiniger: Du bist der Nächste - Teil 5
übersetzt aus dem Dänischem von Kirsten Vesper nach
Sanitøren
Copyright © 2017, 2018 Inger Gammelgaard Madsen und Lindhardt og Ringhof Forlag A/S
All rights reserved
ISBN: 9788711970577
1. Ebook-Auflage, 2018
Format: EPUB 2.0
Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach
Absprache mit Lindhardt og Ringhof gestattet.
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5: Du bist der Nächste
Es war nicht das erste Mal, dass Anne Larsen zu ihm nach Hause nach Højbjerg kam. Meistens war sie nicht eingeladen gewesen, daher war ihr Besuch in diesem Punkt dieses Mal anders. Roland hatte ihr erlaubt zu kommen, obwohl es spät war. Jetzt, da er eingewilligt hatte, bereute er es. Es hatte bloß etwas in ihrer Stimme gelegen, das, wie er sich erinnerte, ein Zeichen dafür war, dass sie irgendetwas wusste. Etwas Wichtiges. Vielleicht war es nur eine clevere Art, die Polizeibehörde zu sprechen zu bekommen, aber falls sich das als ihr Motiv herausstellen sollte, würde er sie einfach wieder rausschmeißen. Das war auch schon vorgekommen. Nun, da er auf sie wartete, wurde ihm klar, wie sehr er die alten Tage im Polizeipräsidium vermisste. Die Presse natürlich nicht, aber Anne war eine Nummer für sich. Sie war eine kompetente Journalistin, hätte aber auch eine kompetente Ermittlerin abgegeben. Sie hatte die Nase bei allem weit vorn. In dem Beitrag hatte sie den Drogentodesfall im Gefängnis erwähnt und den Selbstmord des Gefängniswärters. Konnte sie etwas wissen, das für den DUP nützlich wäre?
Irene hatte beschlossen, sie allein zu lassen, und war ins Bett gegangen, als Anne klingelte.
Angolo begrüßte den Gast eifrig an der Tür und sie tätschelte dem großen Schäferhund ein bisschen linkisch den Kopf. Man sah deutlich, wenn Menschen nicht an Tiere gewöhnt waren. Roland brachte den Hund dazu, sich in sein Körbchen in der Küche zu legen, indem er nur darauf deutete.
„Wohlerzogen“, kommentierte Anne mit einem leichten Lächeln, während sie die Jacke auszog.
„Polizeihund“, antwortete Roland. „Möchtest du was trinken? Ich bin gerade an dem letzten Rest einer Flasche Barolo.“
„Kein Problem, ich bin mit dem Auto da, deshalb … Wo ist Irene?“
„Sie ist ins Bett gegangen, es ist ja schon spät, daher …“
„Ja, und nochmal Entschuldigung, dass ich mich aufdränge, aber es gibt etwas, von dem ich hören will, ob du mir dabei helfen möchtest.“
Roland fühlte sich ein bisschen beunruhigt, holte aber ein sauberes Glas aus dem Schrank und schenkte ihr ein. Er selbst hatte noch ein halbes Glas. Normalerweise saßen er und Irene an einem ganz gewöhnlichen Werktag nicht da und becherten guten Rotwein, aber es hatte plötzlich etwas zu feiern gegeben, als der S.S.C. Napoli, sein Lieblingsfußballverein aus seiner Geburtsstadt, so hoch gesiegt hatte.
„Wobei soll ich dir denn helfen, Anne?“, fragte er und setzte sich wieder. „Du weißt, dass ich mich nicht zu den Fällen äußern darf, an denen die Polizeibehörde arbeitet, wenn du für TV2 Ostjütland gekommen bist.“ Er hatte das Gefühl, das gerade nochmal betonen zu müssen.
„Das ist es nicht. Jedenfalls nicht direkt. Es ist eigentlich eher … privat.“ Sie setzte sich auf den Stuhl ihm gegenüber, holte ihr iPhone heraus und drehte den Bildschirm zu ihm.
„Kennst du den?“, fragte sie.
Roland schaute lange auf das Bild eines hageren, hohlwangigen Mannes mit einer Zigarette zwischen den schmalen Lippen. Er war anscheinend im Begriff, in ein Auto zu steigen. Eine silberfarbene Corvette.
„Nicht direkt. Wer ist das?“
„Er nennt sich Uwe Finch, benimmt sich aber wie jemand, der seine Identität verbergen will.“
Anne erzählte, dass sie den Mann beschattet hatte. Er war in die Bodega am Fluss gegangen, hatte ein Fassbier getrunken und mit einem Taschentuch sorgfältig das Glas abgewischt, bevor er den Ort verließ.
„Wieso in aller Welt hast du ihn beschattet?“
„Weil … das ist eine längere Geschichte, ich komm’ noch darauf zurück.“
Sie vergrößerte das Gesicht, indem sie es mit Daumen und Zeigefinger auf dem Bildschirm größer zog.
„Du bist dir sicher, dass du ihn nicht kennst? Aus deiner Zeit bei der Polizei, meine ich.“
Roland nahm ihr das Smartphone aus der Hand und sah sich das Foto genauer an. Es war deutlich genug, da er von der Abendsonne erhellt wurde. Etwas an seinen Augen kam Roland plötzlich bekannt vor. Sie standen ungewöhnlich dicht beieinander und hatten einen bösen, stechenden Blick. Ein Blick, den er nie vergessen würde, aber das konnte er nicht sein.
„Leider nein, Anne. Was interessiert dich an dem Mann?“ Er gab ihr das Handy zurück.
„Das ist der Freund von Eva Maja Karlsen. Patrick Asps Frau. Du weißt, wer Asp ist, oder?“
„Ja, natürlich. Das war der, der seine zwei Monate alte Tochter erstickt hat. Ein sehr schlimmer Fall. Aber das ist lange her.“
„Ja, zehn Jahre. Und wer hat ihn verurteilt?“
Roland dachte nach und schüttelte den Kopf. Das war damals keiner seiner Fälle gewesen, also wie sollte er sich daran erinnern können?
„Karl Dallerup, der Richter am Obersten Gerichtshof, der nun von dem Parkplatz des Mollerup Golf Clubs verschwunden ist. Aber an seine Verteidigerin erinnerst du dich sicher?“
„War das zufällig seine Tochter, Vivian Elsted?“ Roland riet nur, denn ehrlich gesagt erinnerte er sich nicht daran.
„Ganz genau. Ist das nicht ein merkwürdiger Zufall?“
Roland zuckte die Schultern.
„Karl Dallerup ist ein kompetenter Richter und seine Tochter war eine sehr gefragte Strafverteidigerin, daher ist das wohl nicht so bemerkenswert.“
„Finde ich schon, weil Vivian Elsted jetzt tot und ihr Vater verschwunden ist.“
„Dass Vivian Elsted starb, war ein unverschuldeter Verkehrsunfall. So weit ich weiß, war sie Alkoholikerin, also vielleicht ist sie betrunken gefahren.“
„Nach dem, was ihre Mutter sagt, hat sie mit dem Trinken aufgehört. Ging zu AA-Treffen und war gerade auf dem Weg zu ihren Eltern, um mit ihnen über Drohungen zu sprechen, die sie erhalten hatte, als das Unglück passierte. Karl Dallerup hat ebenfalls Morddrohungen erhalten, und wieso ist er verschwunden?“
„Anwälte und Richter kriegen ständig Drohungen, Anne. Das mit Karl Dallerup ist natürlich mysteriös, aber ich kannte ihn mal privat. Er geht gerne mit seinen Freunden trinken und es ist wohl nicht das erste Mal, dass er nachts nicht heimgekommen ist.“
„Also, das kauf’ ich dir nicht ab, Roland. Und ehe all das hier passiert, hat der Gefängniswärter Julius Habekost Selbstmord begangen, kurz bevor seine Tochter bei ihm einziehen sollte. Weißt du, wer ihn im Gefängnis in der Tasche hatte?“, setzte Anne ihr Fragequiz fort.
„Patrick Asp?“ Roland riet wieder und Anne nickte.
„Wusstest du das? Habt ihr das während der Ermittlungen gegen die beiden Beamten herausgefunden?“
„Nein, Anne. Wir haben nur das Verhalten dieser beiden Polizeibeamten untersucht. Das ist jetzt mein Job, weißt du. Ich rate nur.“
„Okay, aber so, wie ich dich kenne, hast du dich auch über diesen Selbstmord gewundert, oder?“
Roland kratzte sich am Nacken. „Wobei könnte ich dir deiner Meinung nach helfen, Anne?“, wiederholte er nun ein wenig ungeduldig.
Sie lehnte sich auf dem Stuhl zurück und sah plötzlich resigniert aus.
„Ich weiß es eigentlich nicht. Das Ganze ist einfach so verwirrend. Ich weiß nur, dass sowohl Vivian als auch Karl Dallerup bedroht wurden und es auffällig ist, dass der Gefängniswärter am Tag nach dem Drogentodesfall im Gefängnis, von dem eine seiner Kolleginnen behauptet, er sei dafür verantwortlich, Selbstmord begeht. Also, dass er die tödliche Droge geliefert habe. Er wurde dazu erpresst – von Patrick Asp.“
„Kursieren Gerüchte darüber?“
„Sicher nicht nur Gerüchte. Der Kollegin zufolge hatte die Leitung ihn auch auf dem Kieker. Vielleicht stand ihm die Entlassung bevor.“
„Was ja durchaus ein Selbstmordgrund sein könnte“, fügte Roland hinzu und trank aus seinem Glas.
„Wusstest du, dass seine Tochter am nächsten Tag bei ihm einziehen sollte? Er war gerade geschieden worden und hatte das alleinige Sorgerecht für sie bekommen. Er hatte sich darauf gefreut, sie in Horsens zu haben, und sprach über nichts anderes, sagten seine Kollegen. Er klingt nicht wie jemand, der plötzlich beschließt, aus einem Fenster im vierten Stock in den Tod zu springen.“
„Ich weiß. Marianna – meine Enkelin – ist mit Tilde, Julius Habekosts Tochter, befreundet. Aber bist du sicher, dass Patrick Asp derjenige war, der ihn im Gefängnis bedroht hat?“
„Das sagte seine Kollegin. Ich habe Patrick Asp auf dem Flur in der Institution Enner Mark getroffen, als wir dort waren, um für unseren Nachrichtenbeitrag mit Julius Habekosts Kollegen zu sprechen. Netter Kerl. Er hat mir hinterhergerufen, es sei Julius Habekosts Schuld, dass Spider, so hieß der verstorbene Gefangene, tot sei. Meinen Informationen zufolge ist Patrick Asp der King in Block D, und hat dafür gesorgt, dass der Gefängniswärter in Ruhe gelassen wurde im Austausch für gewisse Gefälligkeiten wie Drogen und Handys zu ihm und den anderen Gefangenen hineinzuschmuggeln. Vielleicht wurde er deswegen zum König ausgerufen. Kindermörder sind ja sonst bei den anderen Insassen eines Gefängnisses nicht gut angesehen, egal, was die selbst für schreckliche Dinge getan haben. Es gibt da wohl so eine Art Kodex.“
Pulsuz fraqment bitdi.