Kitabı oxu: «Zaubermaus»

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Zaubermaus
Ein Katzenengel zurück auf Erden
Band 3
Ingo Schorler

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Impressum:
Personen und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.
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© 2021 – Papierfresserchens MTM-Verlag GbR
Mühlstr. 10, 88085 Langenargen
Alle Rechte vorbehalten. Taschenbuchauflage erschienen 2021.
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.
Cover gestaltet mit Bildern von
© DanIce (Katze) und © kopecky76 (Flügel) – Adobe Stock lizensiert
Bearbeitung: Marie Meier
Lektorat: CAT creativ – cat-creativ.at
ISBN: 978-3-86196-983-9 - Taschenbuch
ISBN: 978-3-96074-381-1 - E-Book
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Inhalt
Impressum
Prolog
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Der Autor
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Prolog
Nachdem Zaubermaus im hellen Lichtschein verschwunden war, stand ihr Freund Paul nun ganz alleine da. Er wusste, dass er dieses Mal richtig großen Mist gebaut hatte, denn er hätte Drago natürlich nicht einfach so umbringen dürfen. Aber irgendwie hatte er sich nicht unter Kontrolle gehabt und irgendwie war dies ja auch der einzige Weg gewesen, Zaubermaus das Leben zu retten. Allerdings hatte er nicht damit gerechnet, dass Zaubermaus nun für seine Taten geradestehen musste. Paul war sehr betrübt und es gelang ihm in den folgenden Wochen und Monaten kein einziges Mal, in irgendeiner Form Kontakt zu Zaubermaus aufzunehmen.
Paul wurde zusehends trauriger, er begann zu trinken, weil ihm der Alkohol Trost spendete, ließ er sich gehen. Zum Schlafen verkrümelte sich Paul jede Nacht unter eine Brücke, wo er Gleichgesinnte traf, die ein ebenso hoffnungsloses Leben führte wie er. Denn tatsächlich wusste Paul ohne Zaubermaus auf der Erde nicht anzufangen. Der Katzengott nahm keinen Kontakt zu ihm auf und auch neue Aufträge wurden ihm nicht zuteil. Paul verfiel immer mehr in Selbstmitleid. Bald schon war er nur noch ein Schein seiner selbst – verwahrlost und struppig, er mochte sich selbst kaum mehr.
Und immer wieder stellte er sich stets die eine Frage: Würde er Zaubermaus jemals wiedersehen?
*
1
Doch eines Tages hatte Paul es satt, sich so gehen zu lassen. Er wusch sich ordentlich, rasierte seinen langen grauen schmutzigen Bart ab, man erkannte ihn anschließend kaum wieder. Auch neuen Sachen zum Anziehen besorgte er sich, schließlich passten die abgewetzten Klamotten, die er in den zurückliegenden Wochen getragen hatte, nicht mehr zu seinem nun sauberen Erscheinungsbild.
Gerade als er dabei war, die alten Fetzen in einer Tonne zu verbrennen, hielt eine schwarze Limousine direkt neben ihm. Das Fenster wurde heruntergekurbelt und eine dunkle Stimme fragte: „Bist du Paul?“
Als Paul nickte, dann öffnete sich die Tür und die Stimmer forderte Paul zum Einsteigen auf, was er auch tat. Zunächst wunderte es sich, warum diese Person seinen Namen kannten und woher sie gewusst hatte, wo er war? War das hier vielleicht eine Falle oder sollte er nun zur Rechenschaft gezogen werden für das, was er getan hatte? Paul wurde ganz unwohl.
Nach gut einer Stunde Fahrt hielt die Limousine vor einem riesigen Hochhaus an. Die Stimme befahl Paul, auszusteigen und in das Hochhaus zu gehen. Paul überlegte nicht lange und tat, wie ihm gesagt worden war. Immer wieder aber dachte er auch an Zaubermaus. Und hätte Zaubermaus nur an seiner Stelle getan? Vorsichtig setzte Paul einen Schritt vor den nächsten, ging einen langen Gang entlang und stand plötzlich vor einer riesig großen Tür, die sich automatisch öffnete.
Paul trat ein und eine strenge Stimme ertönte. „Bist du Paul?“, wurde er wieder gefragt. Doch dann fuhr die Stimme fort, noch ehe er hatte antworten können: „Der mit Zaubermaus auf der Erde so vielen Menschen geholfen hat? Und ab und zu mal aus der Reihe getanzt ist? Und Zaubermaus ab und zu mal in Schwierigkeiten gebracht hat? Und für einen ziemlich unrühmlichen Abgang von ihr hier auf Erden gesorgt hat?“
Paul wusste gar nicht so recht, was er antworten sollte, rang sich dann aber dazu durch, alles zuzugeben. „Ja“, erwiderte er, „das hab ich alles getan. Aber nur, weil es sein musste. Und: Ich würde es immer wieder tun. Ich würde sogar mein Leben opfern für Zaubermaus! Auch wenn ich der Sohn des Teufels bin, ich bin hier auf Erden, um Menschen zu helfen! Doch wer seid ihr eigentlich? “
Die Stimme lachte. „Paul, du weißt schon, wer ich bin.“ Dann erschien ein riesengroßer Löwe, vollkommen aus Gold mit riesigen Engelsflügeln und einem riesigen Heiligenschein. Es war der Katzengott persönlich, der nun vor Paul stand. „Du weißt sicherlich, dass Zaubermaus sich für dich geopfert hat?“
Paul sagte: „Ja, das weiß ich. Wenn du einen bestrafen willst, dann bestrafe mich und nicht Zaubermaus.“
Doch offensichtlich gefiel dem Katzengott Pauls Ton nicht, denn er brüllte sehr laut: „Was fällt dir ein, so mit mir zu reden? Du weißt wohl nicht, mit wem du gerade redetest?“
Um ein wenig den Zorn des Katzengottes zu zähmen, antwortete Paul: „Kein Tier hat so viel Respekt vor dir wie ich, der Sohn des obersten Teufels. Und nur du weißt ganz genau, wie wir deinen Katzenhimmel einst gerettet haben – oder hast du das schon vergessen?“
Das wurde der Katzengott still und nachdenklich und schwieg eine ganze Weile. Doch dann sah er Paul offen an und übergab ihm eine kleine Kiste mit den Worten: „Öffne sie erst, wenn du dieses Haus verlassen hast. Bedenke ab jetzt immer, dass dies das letzte Mal war, dass ich dir geholfen habe.“ Dann war der Katzengott plötzlich verschwunden und Paul alleine. Der nahm die Kiste, verließ das Hochhaus auf dem gleichen Weg, auf dem er es betreten hatte, und öffnete die kleine Kiste, kaum dass er wieder auf der Straße stand.
Eine leise Stimme ertönte aus der Kiste, als er den Deckel hob, und wieder kam die Frage: „Paul, bist du das?“
Der Angesprochene sah in die Kiste ... und erblickte eine mittelgroße Katze mit Heiligenschein und Engelsflügel! Er konnte sein Glück gar nicht fassen, denn ja, ich war es, seine Zaubermaus, die ihn ansah. Sofort hob er mich heraus und ich stand in voller Größe vor ihm. Und auch, wenn sich mein Äußeres wieder einmal stark verändert hatte, er wusste sofort, dass das hier seine Zaubermaus war. Er knuddelte mich so doll, dass ich schon bald schrie: „Paul, mir bleibt die Luft weg ...“
„Hups“, entschuldigte er sich bei mir. „Das wollte ich nicht, aber ich freue mich so, dass du zurück auf Erden bist.“ Und dann erzählte er mir alles, was seit meinem Weggang so alles passiert war, und vergaß auch nicht, zu berichten, wie er sich hatte gehen lassen. Natürlich schimpfte ich mit Paul, aber auch ich war zufrieden, dass wir nun wieder vereint waren. Jetzt würde es sicherlich auch nicht mehr lange bis zum nächsten Auftrag dauern.
*
2
Paul war megaglücklich darüber, dass ich wieder bei ihm war, er war sogar so glücklich, dass er gleich ein schönes altes Auto kaufte. Nun ja, als ich das Auto sah, sagte ich nur: „Oh mein Gott!“ Aber immerhin fuhr es ... und das war wichtig, denn unser erster neuer Auftrag führte uns direkt in ein Krankenhaus.
Paul hatte hier das Amt eines Seelsorgers inne, denn bei unseren Aufträgen auf Erden konnten wir ja schließlich nur in Menschen- und nicht in Tiergestalt auftreten. Ich, Zaubermaus, war dieses Mal als Ärztin unterwegs. Bei meiner ersten Visite im Krankenhaus kam ich auf die Station, auf der Leute lagen, die auf ein neues Herz oder andere Organe warteten.
Ein Mensch fiel mir dort gleich ganz besonders auf, es war ein junger Mann, der seit Monaten an einer Maschine hing – seinem künstlichen Herzen. An seinem Bett saß eine junge Frau und hielt die Hand des Mannes ganz fest. Sie weinte, ihre Augen waren schon ganz rot vom vielen Weinen. Als die Frau mich sah, fragte sie sogleich, ob denn das Spenderherz schon eingetroffen wäre. „Es sollte heute per Flugzeug hergebracht werden“, fügte sie nach einem Moment des Schweigens hinzu.
Ich nickte ihr freundlich zu. „Ich kümmere mich sofort darum.“ Dann bat ich Paul, bei dem jungen Paar zu bleiben.
Plötzlich piepste mein Notruffunker an meiner Brusttasche. Ich blickte Paul an, verließ den Raum und kam wenig später mit einer sehr unerfreulichen Nachricht zurück.
„Man berichtete mir gerade, dass das Flugzeug, welches das neue Herz für Ihren Mann bringen sollte, vom Radar verschwunden ist. Keiner weiß, wo es abgeblieben ist. Laut Wetterbericht soll es ein starkes Unwetter gegeben haben. Man vermutet, dass das Flugzeug abgestürzt ist. Aber noch hat der beauftragte Rettungsdienst keine Gewissheit.“
Die junge Frau brach in Tränen aus. Dieses Herz war die letzte Chance für ihren Mann, zu überleben.
Ich wusste sofort, dass ich etwas unternehmen musste und beruhigte die junge Frau: „Noch haben wir Hoffnung, dass alles gut wird.“ Und an Paul gewandt sagte ich: „Paul, gib mir mal die Wagenschlüssel.“
Paul fragte sogleich: „Soll ich mitkommen?“
Doch ich schüttelte den Kopf: „Nein, Paul, du wirst hier gebraucht. Ich muss unbedingt herausfinden, was mit dem Flugzeug passiert ist. Selbst wenn es abgestürzt ist, haben wir noch acht Stunden Zeit, die Box, in der das Herz transportiert wird, zu bergen. Ist es unbeschädigt, können wir trotzdem transplantieren.“
Gerade als ich das Krankenhaus verlassen wollte, piepte mein Funk erneut und ich erhielt die Nachricht, dass das Flugzeug tatsächlich abgestürzt war, es keine Überlebenden gegeben hatte und das Flugzeug vollkommen zerstört war. Ich war verzweifelt und fragte gleich noch einmal nach, doch mein Gesprächspartner bestätigte – aus dem Flugzeuge könne man nichts und niemanden mehr bergen.
Für einen Moment musste ich mich setzen. Wie sollte ich das dem jungen Paar, das doch noch sein ganzes Leben vor sich hatte, beibringen? Ich überlegt, dann fasste ich einen Entschluss. Ich telefonierte sämtliche Krankenhäuser und Organspendeorganisationen ab, die mir in den Sinn kamen. Doch niemand konnte mir helfen. Ich wollte schon aufgeben, da kam erneut eine Nachricht per Pieper. Ich wurde dringend in die Notaufnahme gebeten, da es einen schweren Motorradunfall gegeben hatte und alle nur erdenklichen Kräfte nun gebraucht wurden.
Ich beeilte mich, jetzt ging es um Leben und Tod. Doch als ich den Schwerverletzten auf dem OP-Tisch sah, hatte ich wenig Hoffnung auf sein Überleben. Der Mann war frontal mit einem Lkw kollidiert, der ihm die Vorfahrt genommen und ihn dann noch viele Meter mitgeschliffen hatte. Schon bald mussten wir Ärzte den Hirntod des Mannes feststellen, jede Hilfe war hier zu spät gekommen. Gerade als wir die Maschinen abstellen wollten, an die der Verletzte angeschlossen worden war, rief eine Schwester: „Der junge Mann hat ein Organspendeausweis!“
In der Zwischenzeit war auch die Familie des Mannes eingetroffen. Seine Eltern und seine Frau bestätigten mir und meinen Kollegen, dass es der Wunsch des Mannes gewesen sein, sollte er einmal plötzlich sterben, seine Organe an andere schwer kranke Menschen weiterzugeben. Die Mutter des Mannes, eine Frau um die 70, lächelte bei den Worten: „Nun kann mein Olaf doch noch ein wenig weiterleben.“ Bei diesen Worten hatte sie Tränen in den Augen.
Nachdem die nötigen Untersuchungen gemacht und die notwendigen Formulare ausgefüllt waren, machten sich wir Ärzte uns an die Arbeit, denn nun galt es, das Leben anderer Männer und Frauen zu retten.
Die ersten Untersuchungen bestätigten schließlich meine große Hoffnung, dass sein Herz das richtige für meinen Patienten nur wenige Stationen weiter war. Sogleich überbrachte ich der jungen Frau des herzkranken Mannes die gute Nachricht, die es kaum fassen konnte, dass ihr Mann gleich zweimal das Glück gehabt hatte, ein passendes Spenderherz zu finden.
Und obwohl es eigentlich nicht gewünscht war, bedankte sie sich bald bei der Familie des Verstorbenen und sprach den Angehörigen ihr Beileid aus. Dabei sagte sie: „Sie haben nicht nur mir und meinem Mann geholfen, sondern auch unserem ungeborenen Kind, das sonst sicherlich nie seinen Vater kennengelernt hätte.“
Die Eltern des toten Motorradfahrers und seine Frau drückten die Schwangere und waren nun noch sicherer, mit der Organspende das Richtige getan zu haben.
Nun musste alles ganz schnell gehen. Die folgenden Operationen dauerten Stunden, jeder Handgriff musste sitzen, niemand durfte sich einen Fehler erlauben. Doch die OP verlief gut.
Die junge Frau saß in den folgenden Wochen fast Tag und Nacht am Bett ihres Mannes. Sie konnte es immer noch nicht glauben, dass alles glattgegangen war, sie bedanke sich bei allen, die für die Genesung ihres Mannes gesorgt hatten, herzlich. Ganz besonders auch bei Paul, der ihr in den schwersten Stunden eine wahre Stütze als Seelsorger gewesen war.
Schließlich wurden die Familie des Verstorbenen und die junge Familie, denn inzwischen war das Baby zur Welt gekommen, gute Freunde. Der kleine Junge erhielt den Vornamen Peter-Paul, denn Peter war der Name des Motorradfahrers gewesen. Und Paul? Na, das kann sich sicherlich jeder denken. Jedes Jahr feierten sie den zweiten Geburtstag ihres Mannes und gedachten natürlich auch dem Spender, der auf so tragische Weise sein Leben verloren hatte.
Für Paul und mich aber hieß es: „Auf Wiedersehen“, zu sagen, denn es wartete schon ein neuer Auftrag auf uns.
*
3
Endlich waren wir zwei wieder unterwegs, im Autoradio spielten sie ein uraltes Lied, was Paul richtig gut fand. Dass er jedes Mal mitsingen musste, störte mich allerdings schon, denn ihr könnt euch sicher vorstellen, dass sein tierisches Gekrächze nicht gerade schön war. Endlich kamen wir an unserem Ziel an. Wir standen vor einem großen grauen Haus, das nicht gerade einladend aussah. Wir stiegen aus und klingelten an der Tür.
Die Tür ging auf und vor uns stand eine vollkommen verwirrte und durch den Wind geratene Frau. Sie trug ein Namensschild an der Brust, auf dem Maria stand. Sie bat uns ins Haus, fügte aber gleich hinzu: „Wenn ihr das Haus betretet, müsst ihr euch in acht nehmen.“ Sie hatte es kaum ausgesprochen, da wurden wir schon mit Wasserbomben und Tomaten beschmissen. Paul und ich konnten der Attacke gerade noch so entkommen.
Wir fragten: „Maria, was war das denn?“
Sie antwortete: „Das geht nun schon seit sechs Wochen so, dass die Alten hier verrückt spielen. Dabei werden sie alle gleich behandelt.“
Plötzlich rief einer der Senioren von oben: „Wenn ihr hier nicht gleich wieder verschwindet, werdet ihr es noch bereuen!“
Paul schaute mich fragend an, doch auch ich konnte nur mit den Schultern zucken. Wieder flogen Wasserbomben und Tomaten auf uns.
Ich schaute zu Maria und fragte sie, was denn passiert sei, dass die Alten so ausgeflippt seien? Doch Maria konnte meine Frage nicht beantworten. Das war alles schon merkwürdig.“Gibt es hier denn nur dich und die älteren Herrschaften?“, fragte ich sie.
„Nein, nein ich bin hier nicht alleine, das würde ich auch gar nicht schaffen“, bemühte sich Maria, schnell zu sagen. „Da ist noch Otto, der ist zuständig für die Ordnung und zum Aufpassen. Und Jupp, das ist der Aufseher. Und dann wäre da noch Schwester Inge. Und jetzt noch ihr zwei! Euch schickt sicher der Himmel!“
So ganz unrecht hatte Maria ja nicht. Irgendwie schickte uns ja tatsächlich der Himmel, wenn es auch nur der Katzenhimmel war. Bald erfuhren wir, dass es unsere Aufgabe war, als Altenpfleger die Bewohner dieses Hauses wieder zur Ruhe zu bringen. Doch wir befanden und in keinem normalen Seniorenheim, sondern in einer ganz besonderen Haftanstalt für Leute, die schon weit über 70 Jahre alt waren, ihre Haftstrafe aber noch nicht ganz verbüßt hatten. Man wollte ihnen hier im Haus einige Dinger leichter machen als in jedem anderen Knast, in dem doch überwiegend jüngere Männer und Frauen saßen. Zuerst war auch alles gut gegangen, doch aus irgendeinem unerklärlichen Grund waren die Alten plötzlich ausgerastet und ließen nun niemanden mehr in ihre Nähe kommen. So hatte das Gericht nun angeordnet, dass sie in zwei Tagen wieder in ihre alten, ganz normalen Haftanstalten zurückkehren sollten, weil sie die Anforderungen für diese Sonderbehandlung hier im Haus nicht mehr erfüllten.
Paul, der die ganze Zeit über geschwiegen hatte, flüsterte mir zu: „Hier stimmt irgendwas nicht?“
Ja, das hatte ich auch schon bemerkt und nickte ihm zu. Als ich mich umsah, erblickte ich verschiedene Türen, die mit großen Schlössern verhangen waren. Zutritt verboten!, prangerte in großen roten Buchstaben auf Schildern neben der Tür. Als dann noch mir nichts, dir nichts Maria plötzlich verschwunden war, wurde Paul und mir mulmig.
Doch dann rief einer der Senioren, die uns mit Wasserbomben attackiert hatte: „He, ihr zwei Schwachköpfe, was wollt ihr hier?“
Das war für Paul mal wieder zu viel des Guten, er rief zurück: „He, du alter Grufti, so redet man nicht mit uns, und schon gar nicht mit Zaubermaus. Damit das mal klar ist!“
Ein gemeines Lachen war zu hören, dann wieder der Alte: „Kommt rauf, ihr zwei, wir werden euch nichts tun.“
Wir gingen also zu ihm hoch und er bat uns in ein Zimmer. Wir folgten ihm, doch als Paul und ich den Raum betraten, blieb und der Atem stehen und uns traten Tränen in die Augen: Wie konnte man mit älteren Menschen nur so umgehen!
Es stank in diesem Zimmer bestialisch und die alten Leute, rund zwölf an der Zahl, sahen verwahrlost und verlottert aus. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass sie sich seit Wochen nicht mehr hatten waschen können.
Aber das war noch nicht alles. Der alte Mann, der uns nach oben gerufen hatte, öffnet für uns eine der verbotenen Türen. Und dann sahen wir es – das Haus, in dem die älteren Menschen hier wohnten, schien ein riesiges Versuchslabor zu sein. Nun wurde uns einiges klar. Man benutzte die alten Strafgefangenen, um Medikamente zu testen.
„Als wir das herausbekamen, haben wir uns hier oben verbarrikadiert“, erzählte uns der alte Mann, den nun sichtlich bewegt war. „Einige von uns leiden an Alzheimer und Demenz, da haben sie sicherlich gedacht, mit uns könnten sie es machen. Aber ganz so tüdelig sind wir dann doch noch nicht.“
Ich konnte nur mit dem Kopf schütteln, konnte es kaum fassen. Auch Paul sah sehr bewegt aus.
Dann fuhr der Alte fort: „Ja, und dann hörten, dass sie irgendwelche Leute herholen wollten, die uns zur Vernunft bringen sollten. Wir nehmen mal an, dass ihr das seid.“ Er nickte Paul und mir zu.
Plötzlich stand Maria vor uns, sie war wie aus dem Nichts erschienen, doch sie sah anders aus als zuvor. Ihre Augen waren feuerrot. Sie schrie: „Ich werde es euch zeigen!“
Doch der alte Mann rief: „Das ist nicht unsere Maria, aber wir vermuten, dass auch sie Opfer der Versuche geworden ist.“
Und dann erfuhren Paul und ich, dass Maria immer versucht hatte, den Senioren zu helfen. Sie hatte sie mit Essen versorgt und sich, so gut es ging, um sie gekümmert.
„Erst seit heute ist so anders“, sagte der Alte und fügte hinzu: „Aber nun seid ihr hier. Und wir hoffen, dass ihr auf der guten Seite steht!“
Paul und ich, Zaubermaus, mussten tatsächlich etwas tun, denn dass wir auf der guten Seite standen, war natürlich klar. Wir nahmen Marie, rüttelten und schüttelten sie und sie kam langsam wieder zu klarem Verstand.
Als sie nach einiger Zeit wieder halbwegs klar denken konnte, sagte sie: „Wir müssen die anderen aufhalten. Sie sind heute nicht im Haus, deshalb haben sie mich auch unter Drogen gesetzt, damit ich hier nichts anrichten kann.“ Sie einte. „Die alten Leutchen tun mir so leid. Und ich bin so froh, dass ihr gekommen seid. Ich habe in den letzten Wochen so sehr um Hilfe gebetet.“
Ja, jetzt waren Paul und ich hier und wir würden dem ganzen Treiben nun ein Ende setzen. Wir verständigten die Polizei und als die anderen Pflegekräfte wieder das Haus betraten, sie hatten neue Versuchsmedikamente für die alten Leute besorgt, da erwartete sie eine böse Überraschung, denn die Beamten nahmen die Herrschaften sogleich fest. Zuerst wollten sie auch Maria mitnehmen, doch als die Bewohner des Hauses den Beamten versicherten, dass Maria sich immer gut um sie gekümmert habe, ließen sie davon ab.
Eigentlich wäre nun unser Auftrag hier beendet gewesen, doch Paul und ich konnten unmöglich Maria und die Alten in diesem Chaos alleine lassen. Also packten wir alle kräftig an und schon nach drei Tagen harter Arbeit sah das Seniorenheim nach einem gut geführten Haus aus. Alle hier lebenden Männer und Frauen hatten nun ein eigenes kleines Zimmer mit Bad und eine gute Betreuung, denn Maria hatte ein paar Frauen auftreiben können, die sich gern in den Dienst der guten Sache stellen wollten. Sie alle wollten nun gemeinsam dafür sorge, dass es den alten Strafgefangenen nach dieser schrecklichen Zeit wieder gut ging.
Ach ja, das will ich nicht vergessen, zu erzählen – auch der Gefängnisdirektor wurde übrigens verhaftet. Denn er war der Kopf hinter dieser ganzen Angelegenheit gewesen. Er hatte von der Pharmaindustrie viel Geld für diese über Monate währenden Experimente an den alten Leuten erhalten.
Als Paul und ich schließlich das Haus verließen, wusste, wir, dass in diesem Seniorenheim nun das Glück eingezogen war. Und wir, Paul und ich, Zaubermaus, konnten uns gleich in den nächsten Auftrag stürzen.
*
4
Dieses Mal verschlug es uns in eine Kleinstadt, in der so ziemlich jeder jeden kannte. Paul war unruhig, das bemerkte ich sofort, und verabschiedete sich schon bald von mir mit den Worten: „Ich habe noch was zu erledigen.“ Dann war er weg.
Ich lief nun wieder einmal alleine durch eine kleine, dunkle Gasse und musste meine Katzenaugen schon sehr weit öffnen, um alles gut sehen zu können. Erschrocken sah ich plötzlich, wie ein Mann eine wunderschöne Frau würgen wollte. Da ich mir das nicht mit ansehen wollte, sprang ich dem Typen ins Genick, sodass er die Frau loslassen musste. Er flüchtete. Nun saß ich neben der wunderschönen Frau und schaute sie mit meinen Katzenaugen an.
„Oh, du süße Katze, weißt du, dass du mir gerade das Leben gerettet hast?“, fragte sie voller Freunde und streichelte mich zärtlich. Sie nahm mich mit zu ihr nach Hause.
Dort angekommen, flüsterte sie mir zu, dass sie seit einiger Zeit das Gefühl habe, sie würde beobachtet. Sie war schon bei der Polizei, doch ohne Beweise konnten die nichts machen. Ich war glücklich, dass ich meine Gestalt als Katze bei diesem Auftrag behalten durfte. Jetzt wusste ich auch, warum Paul nicht bei mir war – eine Maus hätte die Frau sicherlich nicht in ihrer Wohnung geduldet. Doch ich war mir sicher, dass mein Freund hier irgendwo in meiner Nähe weilte. Für den Fall der Fälle ...
Ich blieb also bei der Frau, die mir zu fressen gab. Anschließend durfte ich mich zu ihr ins Bett legen. Doch irgendwann mitten in der Nacht hörten meine Katzenohren ein Geräusch. Ich hüpfte aus dem Bett und lief die Treppen runter. Ich sah, wie ein Fremder ihre Wäsche im Bad durchwühlte und an ihr roch. Was für ein Perverser war das denn?
Ich ging also in den Angriffsmodus, sprang den Eindringling an und verpasste ihm eins mit meiner Kralle. Der Spanner ergriff die Flucht. Aber wer war dieser Typ? Ich beschloss, die Nacht wach zu bleiben. Bis zum Morgen blieb es ruhig, aber mein Katzengefühl sagte mir, dass die junge Frau immer noch in Gefahr war und ich sie nicht aus den Augen lassen durfte.
Dann sah ich auf dem Tisch ein Foto, auf dem die junge Frau mit einem Mann zu sehen war. Vielleicht derselbe Mann, der der Frau nachstellt und ihr Angst machte? Aber wie sollte ich ihn zur Strecke bringen? Ich musste mir was einfallen lassen.
Mittlerweile war auch die Frau aus dem Schlaf erwacht. Ich fragte mich, wie sie wohl hieß, also sah ich in ihren Ausweis nach, der auf dem Tisch lag. Lisa stand dort. Ich hüpfte auf ihren Schoß, als sie sich eine Tasse Kaffee eingegossen hatte, und schnurrte vor mich hin. Ich spürte, dass Lisa Angst hatte. Vielleicht konnte mein Schnurren sie ja wenigstens ein bisschen beruhigen. Dann unterhielt sie sich wieder mit mir und erzählte, dass es wahrscheinlich ihr Ex sei, der ihr seit Wochen nachstellte. Er habe es bis heute nicht verkraftet, dass sie Schluss gemacht hatte. Ich spürte, wie Lisa noch stärker zitterte, und anfing, zu weinen. Sie hatte große Angst, dass er ihr was Schlimmes antun würde.
Ich musste also versuchen, ihr zu helfen. Ich begleitete Lisa zur Arbeit. Plötzlich raste ein Auto mit hoher Geschwindigkeit auf uns zu. Ich musste handeln und bündelte meine ganze Energie. Plötzlich erhob sich vor ihr eine durchsichtige Mauer, gebildet aus meinen Kräften. Lisa blieb starr auf der Straße stehen und schloss nur die Augen. Das Auto prallte gegen die durchsichtige Wand, Lisa schrie kurz auf, doch zum Glück passierte ihr nichts. Die Wagentür ging auf und tatsächlich – es war der Ex-Freund von Lisa, der vor uns stand. Er konnte und wollte es wirklich nicht wahrhaben, dass sie ihn verlassen hatte. Dass er den Aufprall gut überstanden hatte, grenzte allerdings an ein Wunder.
Plötzlich zog er eine Waffe und richtete sie auf Lisa. Ein Schuss fiel. Zum Glück verfehlte die Kugel Lisa. Das war zu viel, ich musste noch Schlimmeres verhindern! Ich rannte mit hoher Geschwindigkeit auf ihren Ex zu und sprang ihn an. Meine Krallen trafen ihn hart im Gesicht und mit meinen spitzen Katzenzähnen verbiss ich mich in seinem Hals. Das alles war wohl dann doch zu viel für diesen blöden Kerl. Er brach zusammen und blieb regungslos am Boden liegen.
Auf einmal hörte ich Polizeisirenen. Ich rannte schnell zu Lisa und hüpfte auf ihren Arm. Ich schaute in ihre wunderschönen blauen Augen und wusste, dass sie jetzt glücklich war. Endlich war alles vorbei und sie konnte wieder ein sorgloses Leben führen.
Für die Polizei war es klar – Lars, ihr Ex, hatte sich strafbar gemacht und ganz offensichtlich auch das Auto als Waffe benutzen wollen, um sie zu töten. Lisa machte ihre erste Aussage und durfte dann nach Hause gehen, musste sich aber für weitere Fragen zur Verfügung halten.
Als wir in ihrer Wohnung angekommen waren, flüsterte sie mir ins Ohr: „Danke für alles. Ich spüre, dass du eine wundervolle und einzigartige Katze bist. Danke für alles!“ Mit diesen Worten öffnete sie die Tür, streichelte mir noch einmal über den Kopf und entließ mich auf die Straße.
Und ich? Ich machte mich auf den Weg zu einem neuen Auftrag. Allein, denn noch immer war Paul nicht aufgetaucht.
*
5
Heute verschlug es mich in ein riesiges Zirkuszelt. Doch leider sah ich dieses Mal nicht gerade hübsch aus, irgendwie war ich vollkommen bunt. Ich schaute in einen Spiegel und dachte mir: „Na toll, ich als Clown!“ Was das schon wieder sollte.
Plötzlich hörte ich eine strenge Stimme rufen: „Koko, los raus! Unterhalte das Publikum und nimm bitte Mango mit, bringt endlich das Publikum zum Lachen!“
Nun ja, was blieb mir schon großartig übrig, als in die Manege zu gehen. Nur Mango hatte anscheinend keine Lust, mitzukommen, also schubste ich ihn einfach und gab ihm dabei einen kräftigen Tritt in seinen Allerwertesten! Oh, oh, das war wohl keine gute Idee. Er kam wutentbrannt auf mich zu, packte mich und warf mich im hohen Bogen ins Publikum. Das Publikum kreischte vor Freude. Nur Mango konnte darüber nicht lachen, ich schaute in seine Augen. Sie waren kalt und voller Hass. Warum war Mango nur so? Ich musste sein Vertrauen gewinnen, um herauszufinden, warum er so war.
Eines Abends ging ich noch eine Runde spazieren. Ich bemerkte einen riesigen großen Käfig, der mit einer Plane verhüllt war. Da ich von Haus aus neugierig war, schaute ich kurzerhand darunter. Doch was ich sah, war nicht das, was ich sehen wollte: Im Käfig saß ... Mango! Was sollte das? Warum musste er dort drin sein? Er war doch ... na ja ... ein Mensch wie ich. Leise flüsterte ich: „Mango, ich bin es, Koko.“
Mango sah mich und sagte: „Verschwinde, ich will dir nicht wehtun müssen. Bitte geh!“ Ich verstand das zwar nicht, aber ging weg!
Am nächsten Morgen fand auch schon die nächste Vorstellung mit uns statt, nur Mango hatte mal wieder keine Lust. Ich versuchte alles, doch das ließ ihn kalt. Auch unser Zirkusdirektor fand sein Verhalten nicht gerade toll. Nur wusste er sicherlich genau, warum Mango so war, denn er sperrte ihn schließlich immer bei Nacht ein. Mangos Unmut, in die Manege zu treten, änderte sich auch in den nächsten Tagen nicht. Paul hätte mir sicherlich gut helfen können, Mango zu motivieren, aber der blöde Kerl war ja noch immer wie vom Erdboden verschluckt.
Eines Nachts hatten wir Vollmond. Der Himmel war so hell, dass man keine Lampe brauchte, um seinen Weg zu finden. Ich ging wieder einmal zu Mango und wollte mit ihm reden. Nur dieses Mal hörte ich schon von Weitem Geräusche und ein lautes Stöhnen. Ich hob das Tuch an, das seinen Käfig bedeckte, und was ich sah, schockierte mich zutiefst: Aus dem mürrischen Mango war ein bösartiges Tier geworden. Eine Mischung aus Tier und Mensch. Seine Augen waren voller Hass und Kälte. Nun wusste ich endlich, was los war. Ich, Zaubermaus, war wohl nicht das einzige Wesen auf Erden, dass sich verwandeln konnte. Unbemerkt war der Zirkusdirektor hinter mich getreten, ich hatte ihn trotz meines sensiblen Katzengehörs, über das ich auch in menschlicher Gestalt verfügte, nicht kommen hören. Das wunderte mich sehr. Nun sah der Herr Direktor mich an und sagte: „Geh weg und lass uns in Ruhe. Bitte, geh, ich will nicht, dass dir etwas passiert, Zaubermaus.“
„Ich gehe erst, wenn du mir erzähltest, was passiert ist!“, antwortete ich frech. Ich wollte die Wahrheit wissen, Angst hatte ich keine.
„Mango, mein lieber lieber Mango, mein Sohn, hat sich als Versuchsobjekt zur Verfügung gestellt, um den Profit für unseren Zirkus zu erhöhen, doch leider gab es Komplikationen und das ist aus ihm geworden.“ Der Direktor zeigte auf das unmenschliche Wesen im Käfig. „In Vollmondnächten ist er halb Mensch, halb Tier. Und wir haben Angst, dass er sich auch zu anderen Zeiten verwandeln könnte. Deshalb lebt er hier in diesem Käfig. Eingesperrt wie ein Tier.“
Der Zirkusdirektor sah mich verzweifelt an. „Bitte erlöse ihn und bringe ihn um, bevor er noch irgendwen verletzt. Bitte, bitte, erlöse ihn! Ich kann es nicht, denn er ist ja mein Sohn, ich liebe ihn.“ Die pure Verzweiflung sprach aus seinen Worten.
„Nein, ich werde Mango nicht töten, auf keinen Fall!“
Mango schaute mich nur an und sagte: „Dann kann ich für nichts garantieren!“
Und dann tat der Zirkusdirektor etwas, mit dem ich nie und nimmer gerechnet hätte. Er ging auf Mangos Käfig zu und öffnete die verriegelte Tür.
„Sie können ihn nicht freilassen, das geht nicht gut. Bitte lassen Sie Mango drin!“, rief ich entsetzt. Doch eh ich mich versah, war es passiert. Mango war frei! Als ich ihn nun in voller Größe sah, und er war deutlich größer als sonst, ja, da wurde selbst mir, Zaubermaus, Angst und Bange. All mein Bitten war umsonst gewesen.
Doch der Direktor war komischerweise anscheinend glücklich, da er Mango ihm wohl eine Idee gekommen war. Er lachte – und es hörte sich an, als sein er plötzlich von Sinnen. „Endlich weiß ich, wie du wirklich aussieht. Da hat sich all die Mühe gelohnt, dich zu jagen und zu fangen!“
Ich war entsetzt. War er doch nicht der liebende Vater, den er mir vorgespielt hatte. Wenn jetzt nur Paul an meiner Seite wäre ... Was wurde hier gespielt. Was sollte das Ganze? Was treib der Direktor für ein böses Spiel?
Der Direktor sah mich höhnisch an und sagte: „Du hast doch wohl nicht wirklich geglaubt, dass Mango mein Sohn ist. Hahaha. Theater. Nur Theater.“ Er lachte grausam. „Mango ist meine Kreatur, mein bestes Stück! Ich habe ihn erschaffen. Ich ganz alleine. Hundini, der beste Magier aller Zeiten. Hier und jenseits eures kleinen Verstandes. Hundini, der große Hundini.“
Wahnsinn blitzte in seinen Augen auf. Oh Gott, auf welche Mission war ich hier geschickt worden?
Doch als der Zirkusdirektor Mango zu sich rufen wollte, bäumte der sich auf und ließ all seine Wut raus. Er verpasste dem Direktor eine, sodass der bis zum Zirkuszelt flog. Dort blieb er leblos liegen.
Ich rief Mango zu: „Bitte, tu jetzt nichts, was du später bereuen könntest!“
Doch Mango hörte mich nicht mehr, denn er rannte bereits in Richtung Stadt. Wenn er dort ein Blutbad anrichten würde, dann wär es das Ende für ihn. Er war kein Monster, das spürte ich, er wollte doch nur in Frieden leben. So wie jeder von uns. Ich folgte Mango, um ihn davon abzuhalten, etwas Böses zu tun. Ich musste es versuchen, noch vor Sonnenaufgang musste es mir gelingen, ihn einzuholen. Ich rannte ihm nach, was gar nicht so einfach war, aber ich konnte Mango nicht als Mensch entgegentreten. Das wusste ich. Ich spürte, wie sich mein Körper veränderte. Ich schnitt ihm den Weg ab, sodass ich Mango noch vor der Stadt abfangen konnte, und stellte mich ihm entgegen. Als er mich sah, stand er direkt vor seinem eigenen Spiegelbild. Oje, was hatte mein Herr da oben sich nur dabei gedacht?
Mango rannte auf mich zu. Er fletschte seine riesigen Zähne und wollte mich angreifen, doch er rechnete nicht mit meiner Gegenwehr. Immer wenn er auf mich zukam, verschwand ich und erschien woanders. Ich rief: „Mango, hast du Angst vor mir? Huhu, hier bin ich!“ Doch dadurch wurde er nur noch böser. Langsam merkte ich, dass Mango müder und müder wurde. Ich rief: „Mango, hör jetzt endlich auf, mich zu jagen, du wirst mich nicht bekommen, ich bin es, Koko!“
Plötzlich blieb er stehen.
„Bitte vertrau mir und schau jetzt genau hin, ich verwandle mich zurück in einen Menschen“, beruhigte ich ihn weiter, auch auf die Gefahr hin, dass er mich jetzt angreifen würde. Doch was dann passiert, überraschte selbst mich. Mango verwandelte sich, obwohl der Vollmond noch da war. Ich spürte, dass er in Wirklichkeit kein böses Wesen war. Ich versuchte nun, das Vertrauen von Mango neu zu gewinnen, und erzählte ihm von mir. Natürlich nicht alles, das hätte ja den Rahmen gesprengt.
Daraufhin erzählte auch er mir seine traurige Geschichte. Er hatte sich zum Zirkus begeben, weil er Geld brauchte. „Die ersten Jahre war alles auch ganz normal und gut hier“, berichtete Mango nun sichtlich berührt. „Doch dann starb der alte Direktor und an seine Stelle trat sein Sohn. Sein bitterböser Sohn Fred, der sich von diesem Tag an Hundini nannte. Bald schon hatte der Zirkus kein Geld mehr, weil er alles versoffen und verspielt hatte. Er bat mich um Hilfe.“ Mango schluckte. „Und ich willigte ein, als er sagte, er würde mit mir ein kleines Experiment wagen, damit wieder mehr Leute in den Zirkus kommen würden. Er spritzte mir irgendetwas ... und von diesem Tag an ging es mir schlecht. Irgendetwas war wohl schiefgegangen. Aber was es genau war, konnte ich nicht rausfinden.“ Mango sah mich verzweifelt an. „Bitte glaub mir, ich wollte nur in Frieden leben und keinem Menschen wehtun. Der alte Direktor hat mich auch nicht immer gut behandelt, doch als Clown auftreten wollte ich auch da schon nicht, das ist nichts für mich. Ich mag es nicht, wenn die Leute über mich lachen. Tja, und nun kann ich mich verwandeln, wenn Vollmond ist, das hat Hundini immer ausgenutzt.“
Irgendwie tat Mango mir sehr leid, aber was sollte ich jetzt tun? Ihn zurückschicken zu dem verrückten Direktor? Das ging nicht. Ich beschloss, dass Mango gehen konnte und selber entscheiden sollte, wohin. Allerdings nahm ich ihm ein Versprechen ab. In Vollmondnächten müsste er sich stets versteckt halten und sich niemals andern Menschen nähern. Mango versprach es und zog seiner Wege, denn inzwischen war es Morgen geworden und der Vollmond verschwunden.
Ich hingegen ging zurück zum Zirkus, um zu sehen, ob der große Hundini überhaupt noch lebte. Zu meinem Glück lebte er wirklich noch. Und wie er lebte – er scheuchte seine Leute wie gewohnt herum. Nur ein blaues Auge zeugte von der nächtlichen Auseinandersetzung mit Mango. Dann sah er mich. „He, Koko, zieh dich um und unterhalte das Publikum! Aber zack zack!“
Ich ging zu ihm hin und sagte, er könne mich mal. Ich hoffte nur, dass nie wieder auch nur einer seine Zirkusvorstellungen besuchen würde. Und als ob mich mein alter Herr dort oben im Katzenhimmel erhört hätte, ging der Zirkus tatsächlich wenige Wochen später pleite. Der Direktor musste aufgeben und irgendwo als Tellerwäscher anfangen. Jetzt war es aus mit dem großen Hundini und ich freute mich sichtlich darüber. Ihr könnt euch vorstellen, dass er nun spürte, was es hießt, rumgeschubst zu werden. Auch dafür hatte mein Boss gesorgt. Doch meine Gedanken waren bei Mango. Ich hoffte nur, dass er sein Versprechen auch halten würde. Und auf mich wartet allerdings schon wieder ein neuer Auftrag!
*
6
Schon am nächsten Tag bekam ich einen außergewöhnlichen Auftrag, der wieder nicht ganz einfach werden sollte. Ich saß ganz einsam an einen Schreibtisch, auf dem ein Schild stand: Pfeife des Tages. Na toll, das fing ja gut an. Ich schaute in einen kleinen Spiegel und sah mich in einer Polizeiuniform. Ich öffnete meine Bürotür und was ich sah, war gar nicht lustig. Ich sah Polizisten, die allesamt auf Tischen tanzten, laut grölten, Bier und Schnaps tranken und einen Witz nach dem anderen rissen.
Bis einer rief: „Schaut mal, da steht unser sogenannter neuer Polizeichef! Hahaha! Der will uns Manieren beibringen. Diese Witzfigur!“
Oh man, wo hatte mich mein Boss nur heute wieder hingeschickt. Doch es half alles nichts. Ich brüllte, so laut ich konnte: „Jetzt ist es aber gut! Das geht so nicht!“
„Wie niedlich. Der kann ja sogar brüllen. Oh, oh, uns zittern schon die Knie“, tönte mir entgegen.
Ich musste wohl etwas deutlicher werden, ich brüllte nun noch lauter und energischer. Endlich hatte ich die Aufmerksamkeit der Polizisten. Ich rief: „Ab heute ist hier Schluss mit dem Gammeln!“ Doch wieder fingen die anderen Polizisten an, mich auszulachen. Ich musste hier etwas härter werden. Es wurde nun sehr dunkel im Raum und ein eisigkalter Wind zog durch das ganze Polizeigebäude.
„Habt ihr das gesehen?“, rief einer erschrocken.
„Nein, was denn?“, erwiderte ein anderer Polizeibeamter, der sichtlich angetrunken war.
„Da war ein riesiges Wesen mit funkelnden Augen!“, antwortete der erste.
„Ja, schon klar“, kam sofort spöttisch zurück, „was für Drogen hast du denn heute so genommen?“
Dann meldete ich mich wieder zu Wort: „Hab ich jetzt eure Aufmerksamkeit?“
„Aber, Chef, haben Sie das gerade nicht gesehen?“
„Was soll ich gesehen haben? Ich sehe hier nur Polizisten, die einen Witz nach dem anderen reißen und sich die Kante geben! Und da draußen tobt seit Monaten ein Krieg der Unterwelt. Doch jetzt weht hier ein anderer Wind! Sollte ich noch einen sehen, der hier Witze reißt oder Drogen nimmt, der bekommt es mit mir zu tun! Dass das klar ist! Also, wir sehen uns morgen um 6:00 Uhr wieder, und zwar nüchtern und in Dienstkleidung, verstanden?!“
Alle schauten mich mit riesigen Augen an und nickten nur. Nun dachte ich eigentlich, dass es alle begriffen hätten. Doch wie üblich war wieder einer dabei, der es nicht begriffen hatte. Es war der jüngste Beamte meines Reviers, der sich doch tatsächlich an nächsten Tag in einer der Ausnüchterungszellen mit einer Frau vergnügte. Das konnte ja wohl nicht wahr sein!
Strafe musste sein, das war klar, also versuchte ich, ihn zu erschrecken. Es klappte auch und er rannte, so schnell er konnte, raus aus der Zelle. Denn aus der süßen, jungen Frau, die ihn gerade beglückt hatte, war wie von Zauberhand eine alte 90-Jährige ohne Zähne geworden. Wer würde da nicht wegrennen. Ich musste innerlich lachen. Manchmal war es ja doch gut, wenn man über magische Kräfte verfügte!
Am nächsten Morgen traten alle pünktlich zum Dienst an, sauber und vor allen Dingen nüchtern. Doch so richtig konnte ich nicht glauben, dass sich alles so plötzlich verändert hatte. Außerdem konnte ich ihre Gedanken hören, eine Gabe, die ich nicht immer hatte, denn sonst wäre mir sicherlich schon so manches Unglück nicht widerfahren. Nun hörte ich aber Sätze wie: „Der bleibt eh nicht lang hier.“ Oder: „Wir machen so oder so das, was wir wollen! Der kann uns mal.“
Tja, zum Glück wussten sie ja nicht, dass ich das alles mitgehört hatte. Was für ein Pech aber auch. Aber wie hatte es hier überhaupt so weit kommen können? Hatten diese Polizisten denn noch nie Anstand und Sitte besessen? Ich suchte nach der Ursache des ganzen Übels und fand bald heraus, dass es hier vor Jahren schon mal so abgegangen war. Weiter fand ich heraus, dass der erste Polizeichef hier in diesem Gebäude erschossen worden war, seine Leiche aber nie aufgefunden worden war. Sie war seit Jahren spurlos verschwunden. Seitdem ging das Gerücht um, sein Geist würde hier herumspuken. Immer drei Tage am Stück, dann wäre er wieder für eine Zeit verschwunden. Ich musste mir etwas einfallen lassen und den Geist irgendwie vertreiben.
Bis zum Abend gab es an diesem Tag jedoch keine neuen Vorkommnisse mehr und meine Untergebenen verhielten sich sehr entspannt. Bis auf einmal einer der Polizisten anfing, zu tanzen und Lieder zu singen. Seine Augen leuchten grün. Ich befahl den anderen, stillzubleiben und nichts zu machen. Nun zog sich der Polizist auch noch nackt aus! Seine Kollegen lachten und klatschten. „Zugabe, Zugabe!“, riefen sie nun lauthals.
Doch mir war nicht zum Lachen, ich musste den Sauhaufen wieder zur Raison bringen. Außerdem musste ich mit ansehen, wie der Geist immer in einen anderen Körper hüpfte und laut dabei lachte. Und dann versuchte dieser Geist doch tatsächlich, auch in meinen Körper zu gelangen. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass ihm das nicht gerade gut bekam.
Er schrie: „Hilfe, Hilfe!“ Das Gruselige dabei war, dass man eine Stimme hört, aber eben niemanden sehen konnte. Das war bei Geistern eben so. Die Polizisten waren geschockt, als sie sahen, was vor sich ging. Natürlich wusste jeder von ihnen um den toten Polizeichef und seine Spukattacken.
Da hatte ich eine Idee, dem Ganzen hier für immer ein Ende zu setzen. Ich ließ das Gesicht des toten Polizeichefs hell aufleuchten. Genau in dem Moment, in dem das passierte, rief der Geist: „Ich vergebe euch!“ Dann verschwand er.
Langsam wurde mir klar, dass die eigenen Kollegen ihn auf dem Gewissen hatten, doch leider konnte man es ihnen nie beweisen, auch ich nicht. Das Einzige, was gut war: Der Tote hatte allen verziehen und konnte nun endlich seine Ruhe finden.
Nach kurzer Zeit wurde ich durch einen andern Polizeichef abgelöst. Ich war glücklich, dass ich endlich hier rauskam. Ich machte mich also wieder auf, eine neue Aufgabe zu lösen. Als ich endlich vor der Polizeiwache stand, spürte ich wieder einmal, dass mich irgendeiner verfolgt. Doch sehen konnte ich niemanden ...
Pulsuz fraqment bitdi.