Kitabı oxu: «Kanarische Pflanzenwelt»

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Hinweise auf Anwendungen der Pflanzen (oft in der Volksmedizin) stellen keine Empfehlungen für den Leser dar und können den Arzt nicht ersetzen. Autoren und Verlag müssen daher von vornherein alle Schadensersatzansprüche ablehnen. Aus der Tatsache, dass einige Arten als Giftpflanzen bezeichnet werden, kann nicht geschlossen werden, dass alle anderen ungiftig sind.
Bibliografische Information: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet abrufbar über http://dnb.dnb.de.
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© 2018 Verlag Verena Zech, Santa Úrsula (Teneriffa)
www.zech-verlag.com
Text: Peter und Ingrid Schönfelder
Fotos: Peter Schönfelder außer S. 17 u. li.: Félix Manuel Medina, S. 45 u. li.: Walter Welß, S. 89 o. re.: Krzysztof Ziarnek/WikiCommons, Umschlagklappe hinten: Wolfgang Zielonkowski
Cover- und Buchlayout: Karin Tauer
Illustrationen: Julia Jankowsky
Satz: Verena Zech
ISBN: 978-84-942578-3-4
eISBN: 978-84-948381-0-1
Schönfelder
Kanarische Pflanzenwelt
Die heimische Flora


Inhalt
Vorwort
Lage und Entstehung
Die Flora der Kanaren
Vegetationsstufen und Klima
Naturschutz
Sieben Inseln
Zum Gebrauch dieses Buches
Ausgewählte Arten:
Sandküsten, Dünen
Felsküsten
Sukkulentenbusch
Wegränder, Brachland
Wärmeliebende Buschwälder
Felsen, Barrancos
Lorbeerwälder, Baumheide-Buschwälder
Kanarenkiefernwälder
Subalpine Gebüsche
Ausgewählte Literatur
Register der Arten
Vorwort
Die Kanarischen Inseln werden zu Recht auch die „Inseln des ewigen Frühlings“ genannt. Sinken doch die Höchsttemperaturen im Januar kaum unter 20 °C, und auch im August steigen sie selten über 30 °C. Auch die Wassertemperaturen, im Durchschnitt von 18 °C (Februar bis April) bis 23 °C ansteigend (September, Oktober), erfreuen den Besucher. So ist es leicht verständlich, dass die Inseln als Urlaubsziel beliebt sind. Auch wenn nach wie vor viele Touristen ihre Zeit zwischen Hotel und Strand verbringen, so steigt auch die Zahl derer an, die auf teilweise gut markierten Wegen die verschiedenen Höhenstufen erkunden möchten und dabei immer wieder auf unbekannte Pflanzen stoßen werden.
An diese Wanderer wendet sich der vorliegende kleine Pflanzenführer vor allem: Er will die auffälligsten Pflanzen zeigen, ihre Bedeutung erläutern und einige wichtige Merkmale benennen. Den Botaniker begeistert die Vielfalt der Pflanzenwelt zumindest seit dem kurzen Aufenthalt Alexander von Humboldts auf seiner Südamerikareise 1799. Wäre Darwin nicht der Landgang auf Teneriffa wegen einer Cholera-Quarantäne verwehrt worden, so hätte er vielleicht seine Evolutionstheorie nicht auf den Galapagos, sondern auf den Kanaren entwickelt. Die rund 2100 Arten, von denen etwa ein Viertel Endemiten sind, interessieren heute die Botaniker aus aller Welt und führen dazu, dass in Fachzeitschriften noch immer weltweit neue Arten der Kanaren beschrieben und ihre Verwandtschaftsverhältnisse jetzt mit molekulargenetischen Methoden erforscht werden.
Dieser Führer kann nur eine Auswahl zeigen, für den spezieller Interessierten existieren heute ein Reihe rucksacktauglicher und umfangreicherer, auch großformatiger Führer in deutscher wie in englischer und spanischer Sprache. Uns erfreut die Flora der Kanarischen Inseln schon lange, seit einer ersten Teneriffa-Exkursion 1966, und das hat seinen Niederschlag in einigen Veröffentlichungen gefunden. So haben wir dieses Buch gerne geschrieben, auch wenn uns die Auswahl der dominierenden und interessantesten Arten manchmal nicht leicht gefallen ist.
Peter und Ingrid Schönfelder
Lage, Entstehung und Besiedlung
Die Kanarischen Inseln liegen zwar vor der Küste Afrikas und gehören geografisch dazu, politisch aber zu Spanien und damit zur Europäischen Union. Biogeografisch fasst man sie mit Madeira, den Selvagens Inseln, den Azoren und den Kapverdischen Inseln als „Makaronesien“ zusammen, auch wenn dieser Begriff immer wieder kontrovers diskutiert wird. Gemeinsam ist diesen Inselgruppen, dass sie vulkanischen Ursprungs sind.
Die Kanaren entstanden vor einigen Millionen Jahren als Vulkane am Rand der Afrikanischen Platte. Durch vulkanische Ereignisse, Erosion und Meeresspiegelschwankungen hat sich ihre Form immer wieder geändert. Reste von Vulkanismus gibt es bis heute. Das letzte vulkanische Ereignis war 2011 ein unterseeischer Vulkanausbruch vor der Südküste von El Hierro. Die östlichsten Inseln sind die ältesten, mit 22 bzw. 15 Mio. Jahren (Fuerteventura und Lanzarote), La Palma und El Hierro sind mit 2 bzw. 1,2 Mio. Jahren die jüngsten. La Gomera und die höchste und ökologisch vielfältigste Insel Teneriffa sind etwa 12 Mio. Jahre alt, Gran Canaria etwa 14 Mio. Mit 3718 m ist der Pico del Teide ihr höchster Berg und gleichzeitig der höchste Spaniens. Mit seiner Entstehung beschäftigen sich die Geologen intensiv und es gibt mehrere Theorien.
Die pflanzliche Besiedlung geschah zunächst durch Arten mit leichten, durch den Wind verbreiteten Samen und Früchten, dann aber auch mit Verbreitungseinheiten, die durch Tiere transportiert wurden. Im Tertiär breiteten sich die Lorbeerwälder von Europa bis zu den Kanaren aus, wo sie sich bis heute erhalten haben.
Die menschliche Besiedlung erfolgte spät, nach derzeitigem Kenntnisstand erst vor 2000 bis 2100 Jahren, nach vorherrschender Meinung durch nordafrikanische Berberstämme. Die Ureinwohner (allgemein Guanchen genannt, im engeren Sinne nur die von Teneriffa) lebten in steinzeitlichen Verhältnissen ohne Anwendung von Metallen und ohne schriftliche Überlieferung der Sprache. Auf allen Inseln haben sie zahlreiche Spuren hinterlassen, insbesondere sind es Felsritzungen, die es lohnt zu besuchen.
Nach ersten Kontakten durch die Phönizier in der Antike und dann vor allem zu Beginn des 14. Jahrhunderts eroberten erst im 15. Jahrhundert die Spanier die Inseln und nahmen sie in Besitz. In dieser Zeit begannen die Ortsgründungen und die intensivere spanische Besiedlung, gleichzeitig auch die Einschleppung von Pflanzen aus aller Welt. Die Erforschung der Flora hatte ihren Ausgangspunkt in dem Besuch Alexander von Humboldts (1799), intensiver erst seit dem 19. Jahrhundert.

Fußförmige Felsritzungen auf der Montaña de Tindaya (Fuerteventura)
Die Flora der Kanaren
Die Flora der Gefäßpflanzen der Kanarischen Inseln umfasst nach derzeitigem Stand etwa 2100 Arten, wobei die Fortschritte der Forschung diese Zahl noch jedes Jahr steigen lassen. Die niedrigen Inseln Fuerteventura und Lanzarote sowie die kleinste Insel El Hierro haben etwa 700 Arten, die übrigen kleinen Inseln La Palma und La Gomera etwa 900, nur die beiden größten und höchsten Inseln Teneriffa und Gran Canaria weisen mit etwa 1450 bzw. 1300 eine deutlich höhere Artenzahl auf. Insgesamt ist etwa ein Viertel endemisch, d. h. in seinem Vorkommen auf eine oder mehrere Kanareninseln beschränkt. Die übrigen Arten sind weiter verbreitet, manche reichen bis auf die anderen Inselgruppen Makaronesiens, die Kapverden, Madeira und Azoren, auch bis Nordafrika und in den Mittelmeerraum. Außerdem sind inzwischen manche Pflanzen aus verschiedenen Kontinenten heimisch geworden, aber nur wenige konnten in die naturnahe Vegetation eindringen. Die Entstehungsgeschichte der Kanarenflora, die Entwicklung, Aufspaltung und Abstammung vieler Insel-Endemiten kann man heute mit molekularbiologischen Methoden genauer erforschen. Der Ursprung zahlreicher Arten liegt im Mittelmeergebiet und in Westafrika, auch das Alter der Abspaltungen lässt sich heute bestimmen.
Wenn man, wie für dieses Buch, die auffälligsten und häufigsten Arten aussucht, so sind dies vor allem bestandsbildende Endemiten, aber auch einige bis ins Mittelmeergebiet verbreitete und eingeschleppte Arten, die sich wie heimische Pflanzen verhalten. Wo genügend Wasser zur Verfügung steht, faszinieren den Besucher in den Orten auch die oft großblütigen Zierpflanzen aus allen Erdteilen, die allerdings in dieses Buch nicht aufgenommen werden konnten und für den Botaniker nicht zur Flora gehören.

Vegetationsstufen und Klima

Vegetationsstufen der Kanaren. Die Farben entsprechen denen der obigen Karte (nach Schönfelder 2018 a)
Die grundsätzliche Stufung der Vegetation der Kanaren ist durch das Klima bedingt: Die klassische Gliederung unterscheidet die Stufe unter den Wolken, die Stufe der Wolken und die Stufe über den Wolken. In Meeresnähe ist ein ± schmaler Streifen durch salziges Spritzwasser beeinflusst: Die Küstenvegetation trägt eine sehr unterschiedliche Flora, je nachdem, ob es sich um die von Touristen bevorzugten Sandstrände oder um Felsküsten handelt. Weitläufige Sandstrände existieren besonders auf Lanzarote, Fuerteventura und Gran Canaria, Felsküsten dagegen auf allen Inseln.
Die darüberliegende Vegetationsstufe des Sukkulentenbusches (auch infrakanarische Stufe genannt) ist auf der Südseite der Inseln viel breiter und kann bis auf 800 m ansteigen. Die Niederschläge sind hier sehr gering und betragen maximal 200 mm jährlich. Neben einigen stammsukkulenten Pflanzen gedeihen hier eine Reihe von strauchigen, aber mit einem Stamm aus dem Boden kommende Arten, die in der Trockenzeit ihre Blätter abwerfen. Während der Sukkulentenbusch auf den zentralen und westlichen Inseln noch großflächig verbreitet ist, hat die intensive Beweidung auf den östlichen Inseln weitgehend zu einem Ersatz durch grasreiche, im Sommer sehr trockene Flächen geführt.
Oberhalb des Sukkulentenbusches findet sich die Mehrzahl von Siedlungen der heimischen Bevölkerung, sodass von dem hier von Natur aus vorhandenen Gürtel der Wärmeliebenden Buschwälder („Bosques termófilos“) nur noch kleine Reste vorhanden sind. Klimatisch bildet diese Stufe einen Übergang von der trocken-warmen unteren Stufe zu den Waldstufen. Charakteristisch sind hier Gehölzbestände bestimmter Baum- und Straucharten.
Die Nord- und Nordostseiten der zentralen und westlichen Inseln beherbergen darüber bereits Lorbeerwälder („Monteverde“, thermokanarische Stufe), die ihre Existenz dem frostfreien, ganzjährig feuchten Klima dieser Stufe verdanken. Im Winter bleiben hier die Wolken der Tiefdruckgebiete hängen, während im Sommer der Nordostpassat für genügend Feuchtigkeit sorgt. Man rechnet mit Niederschlagssummen von 700 bis 1000 mm pro Jahr, bei ganzjährig höheren Temperaturen. Zusätzliche Feuchtigkeit bringt der Nebel.
In den trockensten Bereichen der Lorbeerwälder, an ihrem Unter- und Oberrand, aber auch als Regenerationsstadium nach ihrer Abholzung, wachsen bis 10 m (maximal 20 m) hohe Baumheide-Buschwälder („Fayal-brezal“), in denen neben der Baumheide gebietsweise der Makaronesische Gagelbaum dominiert.
Auf den höheren Inseln (Gran Canaria, Teneriffa und La Palma) finden sich oberhalb des Monteverde großflächig Kanarenkiefernwälder (mesokanarische Stufe), kleinere Bestände auch auf La Gomera und El Hierro. Auch diese Stufe bekommt noch einige Niederschläge aus den im Sommer höher steigenden Passatwolken und vor allem im Winter von den Tiefdruckgebieten. Am Rande der Cañadas erreichen die Kiefernwälder auf Teneriffa eine Obergrenze bei etwa 2000 m, die letzten Bäume wachsen bis etwa 2300 m.
Die subalpine Stufe (suprakanarische Stufe) ist nur auf Teneriffa und La Palma deutlich ausgebildet. Sie liegt die meiste Zeit über den Wolken und ist durch eine Anzahl von Sträuchern gekennzeichnet, von denen der weiß blühende Teideginster am auffälligsten ist. Allgemein bekannt ist der rot blühende, übermannshohe Wildpret-Natternkopf, der inzwischen auch in tieferen Lagen als Zierpflanze gedeiht.
Die oberste, gehölzfreie alpine Stufe (orokanarische Stufe) kommt nur am Pico del Teide auf Teneriffa vor und ist durch wenige endemische, krautige Arten gekennzeichnet. Dazu gehört das Teide-Veilchen, das man mit einiger Anstrengung am natürlichen Standort sehen kann.
Sonderstandorte bilden Wegränder, Brachland, Barrancos und Felsen. Wegränder und Brachland haben hauptsächlich in der Stufe des Sukkulentenbusches ihre eigene, vorwiegend aus eingeschleppten Arten bestehende Vegetation. Barrancos und Felsen reichen oft durch mehrere Vegetationsstufen hinauf bis in die Kiefernwälder und tragen vor allem an Felsen spezielle, an diesen Standort angepasste Pflanzen, wie besonders eine Reihe von Aeonium-Arten.

Passatwolke östlich von El Pilar (La Palma)

Schutzgebiete der Kanaren (nach „Ley de Espacios Naturales de Canarias" 1995, verändert, aus Schönfelder 2018 a)
Naturschutz
Erfreulicherweise spielt die Natur auf allen Kanareninseln noch immer eine große Rolle. Zwar haben Siedlungstätigkeit einschließlich Tourismus, Verkehr und Landwirtschaft einen erheblichen Flächenbedarf, daneben aber finden sich große, wenig genutzte Gebiete, die weitgehend der Natur überlassen bleiben und wo die vielen Tier- und Pflanzenarten immer noch überleben können. Die wachsende Zahl der Naturfreunde aus allen Ländern findet hier nicht nur Erholung, sondern hat auch die Möglichkeit, die Einzigartigkeit der kanarischen Natur kennenzulernen.
Dies haben die Verwaltungen der Inseln schon länger erkannt und haben einerseits größere Gebiete in verschiedenen Kategorien unter Schutz gestellt. Teilweise werden manche Arten auch schon lange (seit 1973) in internationalen Listen wie dem Washingtoner Artenschutzabkommen aufgeführt und sind damit vor dem Handel geschützt. In der nebenstehenden Karte werden die wichtigsten Gebiete aufgezeigt. Am bedeutendsten sind die vier Nationalparks: Der Garajonay auf La Gomera gilt dem Schutz der Lorbeerwälder, die Caldera de Taburiente auf La Palma ausgedehnten Kanarenkiefernwäldern, der Teide-Nationalpark auf Teneriffa betrifft die oberen Stufen mit den Teideginster-Gebüschen und Teide-Veilchenfluren, und der Timanfaya-Nationalpark auf Lanzarote den jungvulkanischen Erscheinungen. Hier sind jeweils Einschränkungen für die Besucher zu beachten.
Außerdem werden in Spanien folgende Naturschutzkategorien unterschieden:
· Reserva Natural Integral und Especial
· Parque Natural
· Parque Rural
· Monumento Natural
· Paisaje Protegido
· Sitio de Interés Científico
Rund 40% der Fläche der Kanarischen Inseln fällt in eine dieser Kategorien. Außerdem sind heute weite Gebiete von der UNESCO als Biosphärenreservate ausgewiesen.
Alle geschützten Arten (Liste Spaniens) und die in den vier Roten Listen in verschiedenen Kategorien aufgeführten Arten, nämlich des IUCN (der Naturschutzorganisation der UN), Spaniens und den zwei der Kanaren, sind in der Kopfzeile mit dem Naturschutzsymbol
bzw. bei der „Weiteren Art“ in der Klammer am Schluss gekennzeichnet. Falls nur einzelne Unterarten in Roten Listen aufgeführt sind, so wird das Symbol in Klammern (
) verwendet.

Naturschutzschild am Malpaís de Güímar (Teneriffa)
Sieben Inseln
Oft wird man gefragt, welche die schönste, die liebste oder die interessanteste der sieben Kanareninseln sei. Die Antwort ist einfach: Jede dieser Inseln hat ihren eigenen Charakter und Eigenschaften, die einen Besuch lohnen.
El Hierro ist die kleinste und westlichste Insel. Gleichzeitig ist sie touristisch am wenigsten erschlossen und am dünnsten besiedelt. Für den botanisch interessierten Wanderer ist sie einen Aufenthalt wert, zeigt sie doch vom Sukkulentenbusch in Küstennähe bis in die Kanarenkiefernwälder in 1500 m Höhe auf kleiner Fläche alle Vegetationsstufen. Im Westen und Süden findet man großflächig junge Lava mit verschiedenen Ausbildungen des Sukkulentenbusches. Der Wärmeliebende Buschwald ist oberhalb als „Sabinar“ (Kanaren-Wacholder) in einem schönen, vom Passatwind geformten Bestand zu finden, von dem ein Baum sogar als Charakterpflanze der Insel dient. Lorbeerwälder sind an den Nordhängen oberhalb von La Frontera nur in kleinen Resten vorhanden, weiter verbreitet dagegen sind Baumheide-Buschwälder mit kräftigen Stämmen der Baumheide und des Makaronesischen Gagelbaumes auf der Hochfläche. An den südlichen Hängen trifft man dann große Kanarenkiefernwälder.
Eine der jüngeren Inseln des Archipels ist La Palma und hat mit dem Teneguía einen erst 1971 entstandenen Vulkan. Hier, im Süden der Insel, kann man schön die Wiederbesiedlung junger vulkanischer Böden beobachten. Bekannt sind aber auch die Lorbeerwälder im Nordosten bei Los Tilos und am Cubo de la Galga. Mit dem höchsten Berg, dem Roque de los Muchachos (2426 m) erreicht La Palma die subalpine Stufe mit ihrer typischen Strauchvegetation. Der angrenzende Nationalpark Caldera de Taburiente erstreckt sich mit ausgedehnten Kanarenkiefernwäldern fast bis zum Meer. Auch die nach Süden führende Cumbre Vieja trägt eindrucksvolle Kiefernwälder mit schönen Wanderwegen.
La Gomera ist nach El Hierro die zweitkleinste Insel und hat eine fast runde Gestalt. Der Garajonay im Zentrum ist mit 1417 m ihre höchste Spitze, die nach allen Seiten mit mehreren Tälern abfällt. Bei Touristen besonders geschätzt ist das Valle Gran Rey im Südwesten, das schon in den 70er Jahren als Hippiekolonie bekannt wurde. Auch das nach Norden gerichtete Tal von Hermigua hat eine abwechslungsreiche Vegetation. Berühmt ist der Nationalpark Garajonay, der die größten zusammenhängenden Lorbeerwälder umfasst.
Die größte, höchste und bevölkerungsreichste Kanareninsel ist Teneriffa. Botanisch ist sie auch die vielfältigste, da sich hier alle Vegetationsstufen von den Fels- und Sandküsten bis in die Gipfelregion des Teides finden und mehr oder weniger gut ausgebildet sind. Nur größere Dünenlandschaften, wie auf den drei östlichen Inseln, wird man hier vermissen. Vom Sukkulentenbusch gibt es größere Reste sowohl an der Südseite als auch, in einem schmaleren Streifen, an der Nordküste. Von den Wärmeliebenden Buschwäldern findet man verschiedene interessante Ausbildungen, so vom Kanaren-Palmenwald zum Beispiel im Barranco de San Andrés, von der Atlantischen Pistazie oberhalb von Garachico oder vom Kanaren-Wacholder, z. B. oberhalb von Afur. Lorbeerwälder und Baumheide-Buschwälder existieren in einiger Ausdehnung sowohl im Teno- als auch im Anagagebiet mit Wanderwegen, die es ermöglichen, die vielen interessanten Arten kennenzulernen. Kiefernwälder in allen Altersstufen begleiten den Hauptkamm („Cumbre“) zwischen La Laguna und dem Teide-Nationalpark. Da Forstwirtschaft derzeit nur in geringem Umfang betrieben wird, sind alle Wälder in den letzten Jahrzehnten erfreulich gewachsen. Auch von der Südseite aus, zum Beispiel oberhalb von Vilaflor oder der Nordseite oberhalb von Aguamansa trifft man auf weite Bestände der Kanarenkiefer. Schließlich begegnet man im Teide-Nationalpark mehreren Gesellschaften der subalpinen Gebüsche, und auch hier gibt es schöne Wege, die das Gebiet erschließen.
Gran Canaria ist nach Teneriffa und Fuerteventura die drittgrößte Kanareninsel. Bei Touristen bekannt ist sie vor allem wegen der weiten Dünenlandschaft im Süden bei Maspalomas. Andererseits fehlen ihr die großen Lorbeerwälder, die man nur noch in kleinen Resten im Tal von Moya antrifft, um deren Rekonstruktion man aber bemüht ist. Eindrucksvoll sind die Kanarenkiefernwälder im Zentrum. Eine Reihe von botanischen Besonderheiten birgt der Pinar de Tamadaba, der einen ausführlichen Besuch lohnt. Auch wenn Gran Canaria einige herausragende Gipfel aufweist, fehlen der Insel die subalpine und alpine Stufe Teneriffas. Mit der hohen Steilküste Andén Verde im Westen weist Gran Canaria eine Besonderheit auf.

Der Roque Nublo (Gran Canaria)
Fuerteventura liegt mit etwa 120 km am nächsten zum afrikanischen Festland und ist wie Lanzarote in weiten Bereichen halbwüstenartig. Sie ist die älteste Kanareninsel und hat stark von der Abtragung geprägte, ruhige Landschaftsformen. Durch lange und intensive Beweidung sind weite Teile stark degradiert. Großflächige Dünenlandschaften mit ihrer charakteristischen Flora finden sich im Norden südlich von Corralejo und im Süden bei La Pared. Die Halbinsel Jandía birgt einige interessante Endemiten und in der nicht leicht zugänglichen Gipfelregion auch einzelne Lorbeerwaldarten. Grün und blütenreich wird die ganze Insel einige Wochen nach den gelegentlichen Regenfällen im Winterhalbjahr. Im Nordosten ist die kleine Insel Lobos vorgelagert, zu der sich ein Tagesausflug lohnt.
Auch die nordöstlichste Insel Lanzarote ist durch ihre weiten Sandstrände und das niederschlagsarme Wetter beliebt, da der Passat über sie hinwegweht. Botanisch interessant sind vor allem die höheren Teile im Norden der Insel. Der Weg durch die Steilhänge der Riscos de Famara ist heute unterbrochen, zeigt aber immer noch viele interessante Arten und Ausblicke. Auch die im Norden vorgelagerte Insel La Graciosa ist leicht zu erreichen, während die unbewohnten, kleineren nördlichen Inseln schwierig zugänglich sind. Der Nationalpark Timanfaya zeigt die Vielfalt jungvulkanischer Erscheinungen, die auf umfangreichen Ausbrüchen seit 1730 beruhen.
Zum Gebrauch dieses Buches
Das Buch ist vor allem nach den Vegetationsstufen, von den Küsten bis zu den höchsten Gipfeln gegliedert. Wenn man nach einer bestimmten Pflanze sucht, beginnt man in der betreffenden Stufe, in der man die Pflanze beobachtet hat. Jeder Stufe ist eine kurze allgemeine Beschreibung vorangestellt, dann folgen die auffälligsten Arten in systematischer Reihenfolge (nach APG IV, 2016, dem neuesten System der Blütenpflanzen, das heute auch in Floren verwendet wird), sodass man verwandte Arten benachbart findet. Nun haben alle Pflanzen eine gewisse ökologische Breite, und deshalb kann man sie eventuell in einer anschließenden Stufe antreffen. Für seltenere Arten wird man auf ein umfangreicheres Buch zurückgreifen müssen.
Bei jeder Art findet sich oben das Naturschutzsymbol (s. Seite 12) und die Angabe, auf welcher der sieben Inseln die Art wächst. Es folgt ein deutscher und ein kanarischer Name, danach die als gültig angesehene wissenschaftliche Bezeichnung. Die einheimischen Namen richten sich weitgehend nach Machado (2005), auf einzelnen Inseln gibt es daneben oft weitere gebräuchliche. Schließlich folgen deutscher und wissenschaftlicher Name der Pflanzenfamilie, Wuchshöhe und Hauptblütezeit (in römischen Ziffern I–XII). Neben der Überschrift ist ein charakteristisches Detail (meist der Blüte) von der Hauptart zu sehen.
Fett gedruckt ist ein Abschnitt mit allgemeinen Informationen zur Art, gelegentlich auch zur (früheren) Anwendung in der Volksheilkunde auf den Kanaren, ohne dass damit eine Empfehlung verbunden wäre. Die Beschreibung beginnt mit der Lebensform und nennt die zur Bestimmung wichtigsten Merkmale. In Klammern wird dann angegeben, wenn die Art nur auf den Kanaren wächst (Endemit) oder weiter verbreitet ist. Oft wird eine zweite, verwandte oder ähnliche Art („Weitere Art“) kurz beschrieben und in einem schmaleren Foto abgebildet. Unterschiede der Größe und Blütezeit werden nur erwähnt, wenn sie wesentlich abweichen. Gelegentlich gehört diese Art zu einer anderen Vegetationsstufe, bei denen der subalpinen Gebüsche sogar öfter.
Sandküsten, Dünen
Auf den Kanarischen Inseln sind Sandstrände vor allem auf den drei großen östlichen Inseln zu finden. Hier kann sich der Urlauber an hellen Sandstränden und dahinter oft weitläufigen Dünenlandschaften erfreuen. Während diese auf Lanzarote eher kleinräumig sind, so zum Beispiel an den Papagayo-Stränden oder auf der Insel Lobos, bilden sie auf Fuerteventura und Gran Canaria ausgedehnte Flächen. Am bekanntesten sind die Dünen von Maspalomas auf Gran Canaria. Auf diesen Inseln bestehen sie nicht aus Saharasand, sondern aus vom Meer zermahlenem Korallen-, Schnecken- und Muschelkalk. Auf Teneriffa finden sich Dünen nur kleinflächig zum Beispiel bei El Médano. Der künstlich angelegte Badestrand Playa de las Teresitas nordöstlich von Santa Cruz de Tenerife besteht dagegen aus hellgelbem Saharasand, der mit Schiffen von der afrikanischen Küste herübergebracht wurde. Hier findet man vor allem Zierpflanzen. Die Sandstrände der westlichen Inseln sind kleiner und bestehen meist aus dunkleren Sanden vulkanischer Gesteine, die keine Dünen bilden.
Die Sandstrände und Dünen der Ostinseln sind pflanzenarm. Charakteristisch sind die Sträucher des Moquin-Traganum, der die Gipfel vieler Dünen stabilisiert, andere Arten sind seltener. Teilweise sind sie auch mediterraner Herkunft, wie der Strand-Knöterich (Polygonum maritimum), die Strand-Wolfsmilch (Euphorbia paralias) oder der Europäische Meersenf (Cakile maritima). Das im Mittelmeergebiet weit verbreitete Dünen-Zypergras (Cyperus capitatus) ist regelmäßig auf gefestigten Dünen anzutreffen.

Dünen bei Maspalomas, Gran Canaria
Sandküsten, Dünen

Sandliebendes Androcymbium 
Cebollín estrellado de jable
Androcymbium psammophilum
Herbstzeitlosengewächse Colchicaceae 0,02–0,08 m XI–III

Die auffällig schönen Pflanzen erfreuen durch ihre nur wenig aus dem Sand herausragenden, 2,5 bis 3 cm breiten, weißen Blüten und die sie umgebenden, ausgebreitet liegenden, lang zugespitzten Blätter. Androcymbium-Arten enthalten giftige Alkaloide.
Beschreibung Zwiebelpflanze mit unterirdischem Stängel und 3–6(–7) dicht gedrängt stehenden, kurz gestielten Blüten. Ihre weißen, lang genagelten Hüllblätter frei, bisweilen mit purpurnen Nerven, am Ende spatelig, kaum bespitzt, Staubfäden grünlich. Die grünen oder graugrünen, gekielten Blätter rosettig unter den Blüten angeordnet, mit 0,5–4 cm sehr unterschiedlich breit. Wie auch die folgende Art seltener Kanaren-Endemit.

Weitere Art Das ähnliche El Hierro-Androcymbium (in 2 Unterarten) hat am Grund dunkelpurpurne oder purpurn gestreifte, am Ende deutlich zugespitzte Blütenhüllblätter, Staubfäden ebenfalls dunkelpurpurn (
offene Flächen im Sukkulentenbusch, nur auf H, P, G).
El Hierro-Androcymbium Androcymbium hierrense
Sandküsten, Dünen

Desfontaines-Jochblatt
Uva de mar común
Tetraena fontanesii (Zygophyllum fontanesii)
Jochblattgewächse Zygophyllaceae 0,1–0,6 m I–VI

Eigenartiger, reich verzweigter, kleiner Strauch: Alle jüngeren Teile sind fleischig, sodass man erst bei genauer Betrachtung Stängel, Blätter und die ähnlich geformten und gefärbten Früchte unterscheiden kann. Überliefert ist, dass die Art von den Ureinwohnern gegessen wurde.
Beschreibung Blätter eiförmig-zylindrisch, gegenständig, fein kurz behaart, anfangs grün bis graugrün, danach zunehmend gelblich bis orange, einfach oder mit 2 Blättchen. Blüten wenig auffällig, mit 5 weißen oder rosa, 4 mm langen Kronblättern und filzig behaarten, häufig purpurn überlaufenen Kelchblättern. Die 5–7 mm großen, fleischigen, kugeligen Kapseln öffnen sich mit 5 Klappen (auch felsige Standorte, Kanaren, Kapverden, NW-Afrika).

Weitere Art Seltener ist das Afrikanische Jochblatt (mit 2 Unterarten). Es unterscheidet sich vor allem durch die rosa-purpurne oder graugrüne Färbung und die länglichen, am Ende glockenförmig verdickten, gerippten Früchte (
auch auf Fels, T, C, F, Kapverden, N-Afrika).
Afrikanisches Jochblatt Tetraena gaetula (Zygophyllum gaetulum)

Sandküsten, Dünen

Sitzendblättriger Hornklee
Corazoncillo canario
Lotus sessilifolius
Schmetterlingsblütler Fabaceae 0,1–0,3 m XII–IV

Gelbblütige Hornklee-Arten kommen auf den Kanaren in allen Stufen vor, viele nur auf einer Insel und auch dort ausschließlich in einem kleinen Teilgebiet. Die meisten sind endemisch, manche gefährdet. Ohne Standortsangabe sind sie nicht immer leicht zu unterscheiden.
Beschreibung Niederliegende bis aufsteigende, am Grund etwas verholzte, spärlich bis dicht behaarte Pflanze mit schmalen linealen, bis 1 cm langen Blättchen. Die hier ± fehlende Blattspindel täuscht 5-zählig gefingerte Blätter vor. Blüten zu 1–6(–8) auf langem Stiel. Auf El Hierro kommt die Art in einer dicht behaarten Unterart mit kürzeren Blättchen und weniger Blüten im Blütenstand vor (Sand- und Felsküsten, Kanaren-Endemit).

Weitere Art Der dicht behaarte Lanzarote-Hornklee bildet oft große Polster. Blättchen nur kurz gestielt, spitz eiförmig oder rundlich, das untere Paar kleiner, etwa so lang wie die Blattspindel. Blüten zu 1–5, Fahne mit roten Nerven, bisweilen die ganze Blüte gelborange (F, L, Madeira, endemisch).
Lanzarote-Hornklee Lotus lancerottensis

Sandküsten, Dünen

Kameltritt
Patacamello
Neurada procumbens
Kameltrittgewächse Neuradaceae 0,05–0,15 m II–VI

Die Früchte des Kameltritts kamen mit den zu Arbeitszwecken in der Landwirtschaft vor etwa 600 Jahren eingeführten Dromedaren aus Marokko nach Gran Canaria und fanden dort in den Dünentälern von Maspalomas (auf den Kanaren nur dort) ideale Lebensbedingungen. Die Pflanze ist oft von Sand überweht und nicht immer sichtbar, sodass die scheibenförmigen, oberseits dornigen Früchte sich außer in Dromedarfüße auch unerwartet schmerzhaft in Touristenfüße bohren können.
Beschreibung Einjährige, ausgebreitet niederliegende, filzig behaarte Pflanze. Blätter graugrün, gestielt, eiförmig-länglich, ± tief buchtig gelappt. Kleine Blüten mit 5-blättriger, weißer, genervter, etwa 2 mm langer Krone und fein bedornten Kelchblättern einzeln in den Blattachseln sitzend. Früchte nur mit 1 Samen, verholzend und lange ausdauernd, etwa 2 cm breit, in der Mitte mit vergrößerten, verhärteten Griffeln, unterseits glatt (ursprünglich N-Afrika bis Afghanistan).

Frucht von Neurada procumbens

Sandküsten, Dünen

Kopfige Frankenie
Tomillo marino pardo
Frankenia capitata
Frankeniengewächse Frankeniaceae 0,1–0,3 m (I–)III–XI

Frankenia ist die einzige Gattung der Frankeniengewächse, Frankeniaceae, eine für den Mitteleuropäer unbekannte Pflanzenfamilie. Auch wenn sie in allen Erdteilen vorkommt, so ist sie doch auf die mäßig warmen Gebiete beschränkt. Alle Arten sind salzertragend.
Beschreibung Zwergstrauch mit dunkel rotbraunen, behaarten Ästen. Blätter quirlartig angeordnet, durch stark umgerollte Blattränder scheinbar lineal, oft weiß verkrustet, am Grund gewimpert. Blüten an den Zweigenden kopfig genähert, mit 5 verschmälerten, 4–6 mm langen, rosa Kronblättern und abstehend behaartem Kelch (Kanaren-Endemit).

Weitere Art Die Erikablättrige Frankenie hat kahle, lineale, selten auch breitere, kaum umgerollte, gestielte, am Grund nicht gewimperte Blätter. Blüten mit kahlen Kelchen und rosa oder weißen Kronblättern, zerstreut im oberen Teil der Stängel (sandige oder felsige Standorte in Meeresnähe, Kanaren, alle Inseln, Kapverden, Mauretanien).
Erikablättrige Frankenie Frankenia ericifolia

Sandküsten, Dünen

Kanarische Tamariske 
Tarajal canario
Tamarix canariensis
Tamariskengewächse Tamaricaceae 2–6 m IV–VIII

Tamarisken sind beliebte Zierpflanzen und in Europa, Nordafrika und Asien mit vielen Arten verbreitet. Die Kanarische Tamariske wurde zwar „canariensis“ genannt, kommt aber auch im westlichen Mittelmeergebiet vor. Sie wurde u. a. als Schwarz-Färbemittel verwendet.
Beschreibung Strauch oder Baumstrauch. Junge Zweige rötlich braun, fein warzig, mit schuppenförmig anliegenden, etwa 2 mm langen, graugrünen, mit Salzdrüsen besetzten Blättern. Blütenstände kätzchenartig an diesjährigen Trieben, 1,5–5 cm lang und 3–5 mm dick. Die 5 rosaweißen Kronblätter 1,5 mm. Samen mit Haarschopf. Sandige Fluss- und Barrancomündungen (Kanaren, Kapverden, westl. Mittelmeergebiet).

Weitere Art Die Afrikanische Tamariske hat durchscheinend berandete, grüne Schuppenblätter, die Blütenstände, an vorjährigen Trieben, sind 3–7 cm lang und 5–8 mm dick. Kronblätter weiß, 2–3 mm (T, C, F, L, als Zierbaum gepflanzt, Azoren, westl. und zentrales Mittelmeergebiet).
Afrikanische Tamariske Tamarix africana

Sandküsten, Dünen

Schneeweiße Vielfrucht
Saladillo blanco común
Polycarpaea nivea
Nelkengewächse Caryophyllaceae 0,05–0,3 m XII–V

Insgesamt 9 Vielfrucht-Arten, darunter 7 Endemiten, sind auf den Kanaren heimisch. Bezeichnend für sie ist, dass man sich auch zur Blütezeit nach den wenigen kleinen, gleichzeitig offenen Blüten zwischen zahlreichen geschlossenen Knospen bücken muss.
Beschreibung Am Grund verholzte, niedrige, variable Pflanze mit lanzettlichen bis ovalen, fleischigen, ± silbrig weißen, bis 1 cm langen Blättern. Sehr kleine 5-zählige Blüten in dichten knäueligen Blütenständen. Kronblätter schmal, weißlich durchscheinend, so lang wie die Kelchblätter, diese außen oft rötlich überlaufen, breit weiß hautrandig, innen meist grün (Kanaren, Kapverden, NW-Afrika).

Weitere Art Die Fleischige Vielfrucht ist an ihren kahlen, oft blaugrün bereiften, etwas fleischigen, eiförmig-spateligen bis fast rundlichen Blättern gut kenntlich. Blütenstände dicht, fast kugelig, die Blütenkronen unscheinbar, gelblich grün (Felsstandorte, G, T, C, Kanaren-Endemit).
Fleischige Vielfrucht Polycarpaea carnosa

Sandküsten, Dünen

Moquin-Traganum 
Balancón
Traganum moquinii
Fuchsschwanzgewächse Amaranthaceae (Chenopodiaceae) 0,5–2 m III–IV

Der bizarre Strauch mit seinen waagerechten bis aufsteigenden weißlichen, dicht beblätterten Ästen ist schon von Weitem zu erkennen. Oft sitzt er dekorativ auf den Dünenkämmen, bildet aber auch Bestände. Da die Art gerne als Schattenspender dient, stellt der zunehmende Tourismus eine gewisse Gefährdung für sie dar.
Beschreibung Blätter fleischig, graugrün und sitzend, oval bis länglich, oberseits flach, im Querschnitt halbkreisförmig, stumpf mit winziger Spitze und einem Haarbüschel am Grund. Dicht behaarte, winzige, 5-zählige, gelbe Blüten einzeln in den Blattachseln mit je 2 blattähnlichen Tragblättern. An den Früchtchen 2 hornartige Fortsätze (Kanaren, Kapverden, Marokko).

Weitere Art Das Sperrige Salzkraut ist am besten zur Fruchtzeit (VIII–IV) zu erkennen, wenn sich die Anhängsel der 5 winzigen Blütenhüllblätter zu häutigen, gelblichen oder rot überlaufenen, ansehnlichen abstehenden Flügeln entwickelt haben (alle Inseln, außer H, Kanaren-Endemit).
Sperriges Salzkraut Salsola divaricata

Sandküsten, Dünen

Filzige Steppenmelde
Algahuera
Bassia tomentosa
Fuchsschwanzgewächse Amaranthaceae (Chenopodiaceae) 0,1–0,5 m XI–IV

In der Küstenvegetation kennzeichnend sind vor allem Pflanzen mit dickfleischigen Blätter und oft unscheinbaren Blüten, wie sie unter den Gänsefußgewächsen (Chenopodiaceae) verbreitet sind. Diese Familie wird heute den Fuchsschwanzgewächsen zugeordnet.
Beschreibung Kleiner, stark verzweigter, graugrün behaarter Halbstrauch. Blätter fleischig und halbstielrund, bis 1 cm lang, obere oval bis rundlich und sich nahezu überlappend. Blüten winzig, gelblich, zu 1(–3) in den oberen Blattachseln, ihre kleine, häutige Hülle 2,5 mm, zur Fruchtzeit nicht vergrößert. Staubblätter zuletzt weit herausragend (Kanaren, Madeira, NW-Afrika).

Weitere Art Die kahle, zunächst graugrüne, später rötliche Weiche Sode hat kurz gestielte, etwa 5 mm große, fleischige, tropfenförmige Blätter, die oberseits oft etwas eingedellt aussehen. Winzige achselständige Blüten mit auffälligen gelben Staubbeuteln. Früchte ohne häutige Flügel (T, C, F, L, südl. Mittelmeergebiet).
Weiche Sode Suaeda vermiculata

Sandküsten, Dünen

Ästige Sonnenwende
Camellera
Heliotropium erosum
Raublattgewächse Boraginaceae 0,2–0,4 m II–VIII

Zu den Raublattgewächsen gehörende Pflanze, die ihren wissenschaftlichen Namen mehrfach gewechselt hat. Da für viele Sonnenwenden Giftstoffe (Alkaloide) nachgewiesen wurden, sollte man von arzneilicher Anwendung, wie sie häufig für die Volksheilkunde angegeben wird, Abstand nehmen, bis die Arten näher untersucht worden sind.
Beschreibung Am Grund verholzte, niederliegende bis aufsteigende, graugrüne Pflanze, fein behaart und mit weißen Borstenhaaren. Blätter fast sitzend, eiförmig-rhombisch, am Rand gewellt-gekerbt und umgebogen. Blüten duftend, im Schlund gelb, der weiße 5-lappige Blütensaum 3–4 mm breit (auch Madeira, Kapverden, Afrika).

Weitere Art Die Europäische Sonnenwende ist 1-jährig und unterscheidet sich durch gestielte, flache und ganzrandige, weich behaarte Blätter. Blüten geruchlos (Brachland, Wegränder, P, T, C, F, L, Madeira, Azoren, Mittelmeergebiet bis Mitteleuropa).
Europäische Sonnenwende Heliotropium europaeum

Sandküsten, Dünen

Strauch-Dornlattich
Aulaga
Launaea arborescens
Korbblütler Asteraceae 0,3–1,5 m XII–VI

Abgestorbene verhärtete Ästchen des Kugelbusches wirken wie Dornen und können schmerzhafte Verletzungen hervorrufen. Die Pflanze verströmt über ihren Milchsaft einen unangenehmen Geruch, von Ziegen gefressen wird der Geschmack ihrer Milch, von Käse und Fleisch beeinträchtigt. Die Blüten nutzte man aufgrund ihres Gehaltes an Bitterstoffen zur Anregung der Leber- und Gallenfunktion sowie als Abführmittel.
Beschreibung Kahler, graugrüner Kugelbusch mit zickzackförmig verzweigten Ästen. Nur junge Pflanzen und ältere im Winter mit hinfälligen fleischigen Blättern. Blütenköpfchen mit gelben Zungenblüten und breit hautrandigen Hüllblättern. Meist sandige Flächen, auch höher im Sukkulentenbusch (Kanaren, Madeira, Kapverden, NW-Afrika, SO-Spanien).

Weitere Art Der Nacktstängelige Dornlattich ist krautig, der Blütenstand nur bis 0,4 m hoch. Die Rosette aus löwenzahnartigen Blättern liegt dem Boden an (alle Kanareninseln, südl. Mittelmeergebiet bis Afghanistan).
Nacktstängeliger Dornlattich Launaea nudicaulis

Felsküsten
Felsküsten sind weit verbreitet. Teilweise fallen sie mehr als hundert Meter fast senkrecht ins Meer, wie die bekannte Felsküste von Los Gigantes auf Teneriffa oder die von Basaltsäulen gebildeten Steilwände von Los Organos auf La Gomera, und sind dann weitgehend pflanzenfrei. Oft gibt es auch stufige Abschnitte, wie an der Westküste von Gran Canaria „Anden Verde“, die dann einige Arten beherbergen. Häufig sind noch Geröllstreifen vorgelagert. Der Pflanzenwuchs verdankt seine Existenz der Anpassung an die Toleranz gegenüber salzhaltigem Spritzwasser, das besonders bei Stürmen bis über 100 m hinauf die Felsen erreichen kann. Manche Pflanzen bewerkstelligen dies durch Stammsukkulenz wie der Warzige Strandflieder oder die Blattlose Wolfsmilch, andere auch durch Blattsukkulenz wie die Nymphendolde oder der im ganzen Mittelmeergebiet verbreitete Meerfenchel. Schließlich können einzelne, wie zum Beispiel der Kammförmige Strandflieder, auch aktiv Salz durch Drüsen ausscheiden. So ist die Arten- und Individuenzahl an den Felsküsten nicht sehr hoch, aber einige interessante Endemiten haben sich doch an diesen extremen Standorten entwickeln können. Einige sind allerdings recht selten, wie die beiden Spindelkraut- und die Flohkraut-Arten. Aber auch oberhalb des Spritzwasserbereiches können die Felsküsten botanisch interessant sein und einzelne Endemiten tragen, wie die Famara-Reichardie (Reichardia famarae) oder den Dicklichen Bartpippau (Tolpis crassiuscula). Manche Pflanzen kommen sowohl an Sandstränden als auch an Felsküsten vor, wie zum Beispiel das Desfontaines-Jochblatt.

Felsküste Anden Verde, Gran Canaria
Felsküsten

Blattlose Wolfsmilch
Tolda
Euphorbia aphylla
Wolfsmilchgewächse Euphorbiaceae 0,4–0,8 m III–VII

Wolfsmilch-Arten haben sehr unterschiedliche Wuchsformen, gemeinsam ist ihnen aber eine besondere Form des unscheinbaren Blütenstandes: Das auch als Scheinblüte bezeichnete Cyathium besteht aus 4 (5) Nektardrüsen und nur 1 zentralen weiblichen Blüte, die von männlichen Blüten, jeweils auf 1 Staubblatt reduziert, umgeben ist.
Beschreibung Dichter kahler Strauch mit grünen oder graugrünen, ± aufrechten, fleischigen, zylindrischen, bis 7 mm dicken und gegliederten Ästen. Sie führen einen giftigen, weißen Milchsaft. Die Pflanze ist völlig blattlos, einer Tatsache, der sie auch ihren Namen verdankt. Die grünlich gelben winzigen Scheinblüten sitzen an den Astenden und bilden zur Fruchtzeit schwach 3-geteilte, rötlich braune Kapseln (Vorkommen an windexponierten Felshängen noch im Einflussbereich des Meeres, überwiegend an den Nordküsten der Inseln, Kanaren-Endemit). Selten kommen Hybriden mit Euphorbia lamarckii oder E. atropurpurea fo. lutea vor.

Blattlose Wolfsmilch Euphorbia aphylla

Felsküsten

Kammförmiger Strandflieder
Siempreviva de mar
Limonium pectinatum
Bleiwurzgewächse Plumbaginaceae 0,05–0,3 m I–VI

Die Gattung Strandflieder ist auf den Kanaren mit 18 endemischen Arten vertreten, von denen die meisten nur auf ein oder zwei Inseln vorkommen. Viele sind nur in kleinen, manchmal unzugänglichen Gebieten anzutreffen. Der Kammförmige Strandflieder ist am häufigsten und am weitesten verbreitet.
Beschreibung Die am Grund verholzte, kleine aufrechte oder auch niederliegende Art mit zahlreichen Blattrosetten ist sehr formenreich. Blätter grün oder graugrün, ± breit spatelig, nur bis 5 cm lang, Stängel kaum geflügelt. Blüten unscheinbar, hellviolett bis weiß, Kelch innen weißlich, am Grund rötlich (Fels- und Sandküsten, Kanaren-Endemit).

Weitere Art Beim Warzigen Strandflieder sind die Blätter zur Blütezeit oft schon vertrocknet. Die zickzackförmigen, ungeflügelten Stängel tragen zahlreiche nicht blühende Ästchen, die mit papillösen weißen Drüsen bedeckt sind. Blüten blassviolett mit weißlichen Kelchen (
F, L, Kanaren-Endemit).
Warziger Strandflieder Limonium papillatum

Felsküsten

Strauchiger Strandflieder 
Siempreviva de El Fraile
Limonium frutescens
Bleiwurzgewächse Plumbaginaceae 0,2–0,5 m II–IV

Die hier vorgestellten Endemiten sind Arten der Felsküsten, weitere wachsen durchaus in höheren Stufen. Fast alle sind selten und vor allem durch Vernichtung ihrer Standorte gefährdet. Zahlreiche Hybriden sind heute beliebte Zierpflanzen und werden erfolgreich kultiviert.
Beschreibung Beispiel eines kleinen, am Grund verholzten Strandflieders mit kahlen, kurz gestielten, breit eiförmigen, am Rand schwach gewellten Blättern. Stängel des Haupttriebes nur sehr schmal geflügelt, die Blütenstiele mit stumpfen Anhängseln. Weiße Kronen in blauen, gekerbten Kelchen (Teneriffa-Endemit, im Norden).

Weitere Art Der Dachige Strandflieder ist an seiner Rosette aus weich behaarten Blättern mit größerem Endlappen und Abschnitten, die zum Teil dachziegelig übereinandergreifen, leicht kenntlich. Stängel im Blütenstand breit wellig geflügelt. Kronen weiß, in weiten, violetten Kelchen (
P, T, im Norden der Inseln, Kanaren-Endemit, 0,1–0,3 m, II–VI).
Dachiger Strandflieder Limonium imbricatum

Felsküsten

Despréaux-Spindelkraut 
Piñamar
Atractylis preauxiana
Korbblütler Asteraceae 0,1–0,3 m III–V

Die beiden bemerkenswerten Spindelkraut-Arten sind seltene Kanaren-Endemiten und mit ihren nur kleinen Vorkommen an Felsküsten, seltener auch auf sandigem Untergrund, durch zunehmende Bebauung und Erweiterung des Wegenetzes vom Aussterben bedroht.
Beschreibung Silbergrauer, fein oder dicht filzig behaarter, polsterartig wachsender Zwergstrauch, die linealen bis verkehrtlanzettlichen Blätter mit kleiner aufgesetzter Spitze. Etwa 15 mm breite Blütenköpfchen einzeln an den Zweigenden mit wenigen weißen oder rosafarbenen, 5-zähnigen Zungenblüten, einigen Röhrenblüten und dachziegelartig angeordneten, filzigen Hüllblättern mit rötlich braunem Rand und feinem, dunklem Dorn.

Weitere Art Das Bäumchen-Spindelkraut bildet etwas höhere Kugelbüsche (0,2–0,5 m). Blätter schmal, lineal bis sichelförmig, silbrig behaart und dornig bespitzt. Hüllblätter dunkelbraun berandet, an der Spitze ebenfalls mit ± langem, dunklem Dorn (
C, L, in 2 Unterarten).
Bäumchen-Spindelkraut Atractylis arbuscula

Felsküsten

Burchard-Strauchflockenblume 
Cabezón de Teno
Cheirolophus burchardii
Korbblütler Asteraceae 0,3–1,5 m IV–VII

Strauchflockenblumen erinnern in ihren Blütenköpfen zunächst an die auch in Mitteleuropa heimischen Arten der Gattung Centaurea. Allerdings sind sie alle strauchartig und kommen in kleinen Gebieten jeweils nur einer Insel vor, allein die Teide-Strauchflockenblume (s. Seite 168) bildet eine Ausnahme. Die Hüllblätter liefern wichtige Bestimmungsmerkmale.
Beschreibung Kleiner, fein behaarter Felsenstrauch. Blätter meist alle ungeteilt, am Rand schwach unregelmäßig gesägt-gezähnt. Blüten purpurrot mit auffälliger Hülle, deren Blätter mit halbmondförmigen, regelmäßig kammartig zerteilten und an den Rändern breit herablaufenden Anhängseln (Teneriffa-Endemit, nur im NW der Insel).

Weitere Art Die bis 3 m hohe Erdbeerbaumblättrige Strauchflockenblume hat kahle Äste. Blätter drüsig-klebrig, glänzend, lanzettlich und fein gesägt. Hüllblätter der rotblütigen Köpfchen mit kleinen, kaum zerschlitzten Anhängseln (
Felsen, 400–800 m, C, endemisch).
Erdbeerbaumblättrige Strauchflockenblume Cheirolophus arbutifolius

Felsküsten

Strauchige Kanarenmargerite 
Magarza común
Argyranthemum frutescens
Korbblütler Asteraceae 0,2–0,8 m I–XII

Die 19 endemischen Argyranthemum-Arten der Inseln sind an unterschiedliche Klimabereiche angepasst. Diese Küstenart ist eine von vielen der auch als Zierpflanzen beliebten „Strauchmargeriten“. In der Volksheilkunde galt der bittere Tee aus den blühenden Triebspitzen als hilfreich bei Magenbeschwerden, inzwischen kennt man aber auch die Hautallergien auslösende Potenz der Pflanze bei Berührung.
Beschreibung Sehr variable Art mit ± fleischigen, grünen oder blaugrünen, kahlen oder unterseits rau behaarten, 1–2(–3)fach fiederschnittigen Blättern. Blütenköpfchen auf langen, kahlen Stielen, ihre Hülle 6–22 mm breit, die Zungenblüten 4–15 mm lang (Küsten, bis in den Sukkulentenbusch).

Weitere Art Pfriemliche, überwiegend nur 3-fiedrige, grüne, kahle Blätter hat die Zierliche Kanarenmargerite. Hülle 6–12 mm breit, Zungenblüten 10–14 mm lang (Sukkulentenbusch, bis in die Kiefernwälder aufsteigend, Teneriffa-Endemit, häufig im SW, II–X).
Zierliche Kanarenmargerite Argyranthemum gracile

Felsküsten

Kanaren-Flohkraut 
Pulicaria purpurarea
Pulicaria canariensis
Korbblütler Asteraceae 0,1–0,2 m (XII–)II–IV

Der kanarische Name der Art beruht auf der alten Bezeichnung Purpurarien für Lanzarote und Fuerteventura. Dort wurde der Purpurfarbstoff (Orseille) aus der Orchilla-Flechte (Roccella tinctoria) gewonnen, der schon bei den Phöniziern ein begehrtes Handelsobjekt war.
Beschreibung Niedrige Pflanze mit dicker verholzter Hauptwurzel und einer Rosette aus breit spatelförmigen, ganzrandigen oder entfernt geschweift-gezähnten, ± dicht wollig behaarten Blättern. Blütenköpfe 3,5–4,5 cm breit, einzeln auf blattlosem Stiel. Ihre mehrreihige, halbkugelige Hülle behaart und mit Drüsen besetzt, die Zungen- und Röhrenblüten leuchtend gelb (Kiesstrände, Felsen am Meer, endemisch auf F und L).

Weitere Art Das kurz silberweiß behaarte Burchard-Flohkraut hat schmale, stumpfliche, ganzrandige Blätter und nur 15–17 mm breite Köpfchen, die einzeln an der Spitze beblätterter Triebe stehen. Zungenblüten hellgelb, Röhrenblüten dunkler (
Sandküsten auf F, Kapverden, SW-Marokko).
Burchard-Flohkraut Pulicaria burchardii

Felsküsten

Seidenhaarige Schizogyne
Salado blanco
Schizogyne sericea
Korbblütler Asteraceae 0,3–1 m II–VI

Deutsche Namen gibt es für viele Kanaren-Endemiten nicht, sodass man oft auf den lateinischen Namen zurückgreift. Schizogyne bezieht sich auf die tief gespaltene Narbe der kleinen Blüten. Schon lange traditionell äußerlich gegen Schmerzen und Entzündungen genutzt, wurde kürzlich das ätherische Öl näher untersucht. Einige Bestandteile könnten in Zukunft eine breite medizinische Anwendung begründen.
Beschreibung Fein silberweiß behaarter Strauch mit 3–5 cm langen, linealen, etwas fleischigen Blättern. Doldenartig angeordnete, 5–6 mm breite Blütenköpfchen ohne Zungenblüten, die gelben Röhrenblüten kaum länger als die mehrreihigen, häutigen Hüllblätter. Die Früchtchen mit Schuppen und einer Reihe rauer Borsten (von der Küste bis in den unteren Sukkulentenbusch, endemisch auf den Kanaren).

Weitere Art Nur auf Gran Canaria kommt die Kahle Schizogyne vor allem im Süden vor. Die Blätter sind fleischig, kahl und grün (
C-Endemit).
Kahle Schizogyne Schizogyne glaberrima

Felsküsten

Nymphendolde
Lechuga de mar, servilleta
Astydamia latifolia
Doldenblütler Apiaceae 0,1–0,4 m XII–IV

Im Spritzwasserbereich der Felsküsten findet man verbreitet die frischgrüne Nymphendolde, allerdings vertrocknet sie schon zeitig im Sommer. Blättern und jungen Trieben spricht man eine verdauungsfördernde und harntreibende Wirkung zu. Sie werden (mit leichtem Selleriegeschmack) noch gelegentlich in kleinerer Menge als Beigabe zu Salaten gegessen.
Beschreibung Kräftige ausdauernde Pflanze mit fleischigen, unregelmäßig gefiederten Blättern, ihre Abschnitte breit und entfernt gezähnt. Dolden mit zahlreichen Hüll- und Hüllchenblättern und gelben Blüten. Reife Früchte braun, seitlich verbreitert, jeweils mit 3 Rippen (auch auf Madeira, Marokko).

Weitere Art Der an entsprechenden Felsküsten auf Kalk im Mittelmeergebiet häufige Meerfenchel (perejil de mar) hat fleischige, blaugrüne, 1–2fach gefiederte Blätter mit linealen Abschnitten. Auf den Kanaren ist er seltener, auf Lanzarote fehlt er ganz (I–XII).
Meerfenchel Crithmum maritimum

Sukkulentenbusch
Der Sukkulentenbusch stellt einen Gürtel oberhalb der Sand- und Felsküsten dar und verdankt seinen Namen stammsukkulenten Arten wie der Kanaren-Wolfsmilch, der Kleinie oder den Leuchterblumen. Dominierend sind aber einige kleinbaumförmige, strauchgroße Wolfsmilch-Arten, die sich in der Höhe über dem Meeresspiegel und auf den einzelnen Inseln ersetzen. In der Trockenzeit, bei ausbleibendem Regen auch gelegentlich ganzjährig, bilden sie eindrucksvolle, blattlose Bestände, nach Niederschlägen zeigen sich an den Zweigenden charakteristische Blattbüschel und Blütenstände. Die Arten werden deshalb auch als Federbüsche bezeichnet.
Oberhalb der Küstenvegetation findet sich auf allen Inseln die Balsam-Wolfsmilch in großen Beständen, darüber auf den Westinseln vor allem die Lamarck-Wolfsmilch (im Süden bis 800 m ansteigend), auf den Ostinseln die König-Juba-Wolfsmilch. Die oberste Stufe des Sukkulentenbusches (bis 1200 m) bildet im Westen Teneriffas die Dunkelpurpurrote Wolfsmilch. Zwischen ihnen finden sich zahlreiche ausdauernde, oft verholzte Endemiten, nach Niederschlägen auch viele einjährige, meist mediterrane Pflanzen. Während der Sukkulentenbusch im Süden der Inseln teils bis zu den Kiefernwäldern ansteigt, bildet er auf den Nordseiten manchmal nur schmale Streifen. Allerdings wird diese Zone heute durch Siedlungen und durch großflächige Kulturen, besonders von Bananen, und vor allem auf den Ostinseln durch ausgedehntes Weideland unterbrochen. In aufgelassenem Kulturland dominiert auf den Westinseln bald wieder neu die Lamarck-Wolfsmilch.

Sukkulentenbusch im Malpaís de Güímar, Teneriffa
Sukkulentenbusch

Breitblättriger Blaustern
Cebolla almorrana mayor
Scilla latifolia
Spargelgewächse Asparagaceae Bis 0,5 m XII–I

Auch die Blaustern-Arten der Kanaren sind stark giftig und ihre Zwiebeln in keinster Weise zum Verzehr geeignet. Sie enthalten herzwirksame Steroidglykoside (Bufadienolide), die man nur nach ärztlicher Verordnung u. a. bei Herzschwäche einsetzt.
Beschreibung Winterblüher mit großer Zwiebel und 3–6 grundständigen, 4–5 cm breiten, lanzettlichen, zur Blütezeit häufig violett überlaufenen Blättern. Blüten blau, mit 6-zähliger, 4–6 mm langer, sternförmig ausgebreiteter Hülle in langen, dichten, manchmal verzweigten Trauben. Grünschwarze, zuletzt orange fleischige Kapseln (im oberen Sukkulentenbusch, auch Marokko).

Weitere Art Der Rotschäftige Blaustern ist dagegen schmächtig, die Zwiebel bis 1 cm groß. Oft nur 2–3 grundständige, bis 1,5 cm breite, lanzettliche Blätter. Blütenschaft häufig rot überlaufen, die 6-zähligen blauvioletten Blüten 3 mm lang, in lockerer, einfacher Traube (oft in Küstennähe, alle Kanareninseln, endemisch, bis 0,2 m, I–IV).
Rotschäftiger Blaustern Scilla haemorrhoidalis

Sukkulentenbusch

Pastor-Spargel 
Esparraguera espinablanca
Asparagus pastorianus
Spargelgewächse Asparagaceae 0,5–1 m VII–X

Bei Spargel denkt man zunächst an die wohlschmeckenden jungen Sprosse, die man gerne als Gemüse isst. Es gibt mehrere endemische strauchige Arten, die von den Einheimischen ebenfalls gesammelt und genutzt werden. Auch die harntreibende Wirkung der Wurzelstöcke und Zweige ist in der Volksheilkunde bekannt. Dieser Spargel wurde nach L. Pastor, einem Freund der Beschreiber der Art, benannt.
Beschreibung Stark verzweigter Strauch mit kräftigen Dornen. Phyllokladien (blattartige, der Photosynthese dienende Kurztriebe) in Büscheln zu 8–30, nicht stechend, 12–40(–70) mm lang. Blüten doldenartig zu 6–20, Hüllblätter etwa 3 mm lang, weiß. Beeren rot (Kanaren, Marokko).

Weitere Art Zweige des Dolden-Spargels kletternd, mit papillösen Längsleisten und steifen, rinnigen, rauen, 6–20 mm langen Phyllokladien. Blüten zu 4–15, glockig, 5–7 mm lang, gelblich weiß. Beeren gelblich bis orange (
H, P, G, T, C, F, Madeira, bis 5 m hoch, III–V).
Dolden-Spargel Asparagus umbellatus

Sukkulentenbusch

Baum-Spargel 
Esparragón
Asparagus arborescens
Spargelgewächse Asparagaceae 2–3 m IX–I

Der Baum-Spargel trägt seinen Namen zur Recht, überragt er doch mit seinen kräftigen Stängeln und wenigen, glatten, sparrigen Ästen oft die Sträucher im Sukkulentenbusch und ist daher schon von weitem zu erkennen. Die Beeren von Spargel-Arten sind nicht essbar!
Beschreibung An den Astenden 4–12 cm lange, mit 0,6–1,2 mm breite, relativ kräftige, einzelne oder zu 2–4(–8) aufrechte bis abstehende Phyllokladien. Blüten weißlich, zu 1–4(–8), ihre Hüllblätter glockig, später ausgebreitet, etwa 4 mm lang, Beeren orange (Kanaren-Endemit).

Weitere Art Der Plocamaähnliche Spargel (siehe Plocama S. 51) kann ebenfalls so hoch werden, die Äste sind aber biegsam und am Ende überhängend. Phyllokladien 20–35 mm lang, wenig abstehend und nur zu 1–3(–6). Blüten oft einzeln, mit weißlicher 3–4 mm langer Hülle, Beeren rötlich (
bis in die Kiefernwälder und den Baumheide-Buschwald aufsteigend, P, G, T, C, Kanaren-Endemit).
Plocamaähnlicher Spargel Asparagus plocamoides

Sukkulentenbusch

Balsam-Wolfsmilch
Tabaiba dulce
Euphorbia balsamifera
Wolfsmilchgewächse Euphorbiaceae 0,2–2(–3) m XII–VII

Die Bestände der Balsam-Wolfsmilch werden auf den Kanaren als „Tabaibales dulces“ bezeichnet. Der Milchsaft dieser Art gilt im Gegensatz zu dem aller anderen kanarischen Wolfsmilch-Arten als ungiftig. Man nutzte ihn u. a. getrocknet als Kaugummi zur Stärkung des Zahnfleisches, was heute aber nicht mehr empfohlen werden kann.
Beschreibung Niedrige Kugelbüsche, oft flächendeckend meeresnah im untersten Bereich des Sukkulentenbusches, ältere Exemplare auch mit Stamm und kräftigem, grauem Astwerk, das in windexponierten Lagen dem Boden anliegt. Blätter bis 3,5 cm lang, verkehrt eilanzettlich, schopfig an den Zweigenden sitzend, etwas fleischig, hell- bis graugrün, nach einer Trockenperiode vergilbend und abfallend. „Scheinblüten“ (s. S. 43-45) einzeln endständig, mit grünlich gelben, breit ovalen Nektardrüsen, männliche und weibliche meist auf getrennten Pflanzen. Die etwa 1 cm großen, fast kugeligen Früchte rötlich, fein behaart (Kanaren, N-Afrika).

Balsam-Wolfsmilch mit Früchten

Sukkulentenbusch

Pulsuz fraqment bitdi.