Kitabı oxu: «Was sagen Sie, wenn ...? (E-Book)»

Şrift:


Irène Wüest

Was sagen Sie, wenn …?

So gelingen schwierige Gespräche

ISBN Print: 978-3-0355-1962-4

ISBN E-Book: 978-3-0355-1963-1

Einige der Beiträge in diesem Buch wurden in gekürzter Fassung zwischen 2011 und 2021 in der «Luzerner Zeitung» und weiteren Titeln von CH Media veröffentlicht.

1. Auflage 2021

Alle Rechte vorbehalten

© 2021 hep Verlag AG, Bern

hep-verlag.com

INHALTSVERZEICHNIS

VORWORT

DANK

EINLEITUNG

1. KRITIK ÄUSSERN — LEICHT GEMACHT

1.1 Vorgesetzte kritisieren

1.2 Mehr Wertschätzung verlangen

1.3 Arbeitskolleginnen und -kollegen kritisieren

1.4 Ungepflegtes Erscheinen ansprechen

1.5 Schweißgeruch thematisieren

1.6 Redeschwall stoppen

1.7 Besserwissern kontern

1.8 Die alte Leier ausbremsen

1.9 Für sich selbst sprechen

1.10 Dauerndes Zuspätkommen ansprechen

1.11 Höflich «Nein» sagen

1.12 Lästermaul bremsen

1.13 Ratschläge erteilen

1.14 Unordnung thematisieren

1.15 Fishing for compliments

1.16 Schmollende Arbeitskollegin besänftigen

1.17 Kritisieren, ohne zu verletzen

1.18 Ständige Ausreden ansprechen

1.19 Vorgesetzte loben

2. KRITIK ANNEHMEN — GEKONNT

2.1 Kritikfähigkeit stärken

2.2 Schutzmantel anziehen

2.3 Komplimente annehmen

2.4 Sich selbstbewusst fühlen

2.5 «Arsch-Engel» akzeptieren

2.6 Auf Verbalattacken gekonnt reagieren

2.7 Schreienden Chef stoppen

2.8 Kundin beschwichtigen

3. AUFTRETEN — MIT EINDRUCK

3.1 Beim ersten Eindruck punkten

3.2 Leicht und locker smalltalken

3.3 Beim Small Talk ein- und aussteigen

3.4 Sich selbst überzeugend vorstellen

3.5 Mit schüchternen Menschen Kontakt knüpfen

3.6 Fettnäpfchen bei Betriebsfeiern vermeiden

3.7 Distanzzone einfordern

3.8 Eindringlich abwehren

3.9 Lampenfieber unter Kontrolle bringen

3.10 Sich klar und verständlich ausdrücken

3.11 Muss-Sätze umformulieren

3.12 Der Stimme eine tiefere Tonlage verleihen

3.13 Beim Vorstellungsgespräch sympathisch wirken

3.14 Im Bewerbungsverfahren sich selbst vermarkten

3.15 Missverständnissen vorbeugen

4. NICE TO KNOW

4.1 Arbeitsklima verbessern

4.2 Arbeitssituation wirksam verändern

4.3 Arbeitszufriedenheit entfalten und erhalten

4.4 Aus der Negativspirale bewusst aussteigen

4.5 Als Vorgesetzte die Perspektive wechseln

4.6 Mitarbeitende anleiten und Aufgaben delegieren

4.7 Lohnerhöhung zur Sprache bringen

4.8 Gerücht entkräftigen

4.9 Auf elektronischem Weg kondolieren

4.10 Sexuelle Belästigung erkennen

4.11 Weihnachtsfeier stilvoll absagen

4.12 Nettigkeiten im Mailverkehr einsetzen

4.13 Danke sagen

4.14 Das Handy smart nutzen

GLOSSAR

LITERATURVERZEICHNIS

VORWORT

Vor gut zehn Jahren habe ich von CH Media die Anfrage bekommen, ob ich ratsuchenden Leserinnen und Lesern Antwort auf ihre Fragen geben möchte. Mein spontaner Impuls: Klar mache ich das.

Seither stehe ich mindestens einmal monatlich zu diversen Fragestellungen rund um den Themenbereich «Lebensstil – Kommunikation – Verhalten» Rede und Antwort. Jedes Problem ist eine Welt für sich und stammt aus der Praxis.

Der Ansporn für dieses Buch liegt im Anraten und Bitten von Freundinnen und Freunden, Coachees sowie Leserinnen und Lesern. Sie haben mich ermutigt, eine Auswahl aus meinen Artikeln in Buchform zu veröffentlichen. Meine Wahl ist auf den Themenkreis «Schwierige Gespräche führen» gefallen. Ob nun die Inhalte oder die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner schwierig sind – unangenehme Konversationen zu führen, ist für viele Menschen herausfordernd. Hier möchte ich einen Beitrag leisten.

Ich gebe Ihnen mit diesem Buch (m)einen Schatz in die Hand, den ich in den letzten Jahren und Jahrzehnten erarbeitet habe. Es enthält fundierte Modelle und wertvolle Hinweise, die den Praxistest in meinen Coachings und Seminaren erfolgreich bestanden haben. Lassen Sie sich von den 56 Fallbeispielen mit den passenden Lösungsstrategien und weiterführenden Informationen inspirieren und zum Handeln motivieren. Ich freue mich, wenn Ihnen die Beiträge wertvolle Erkenntnisse liefern und Ihnen sowohl als Grundlage als auch Nachschlagewerk für Ihre persönliche Weiterentwicklung dienen.

Ich wünsche Ihnen viel Leselust, neue Entdeckungen und eine gute Orientierung für Ihre herausfordernden Gespräche in Beruf und Alltag. Mögen Sie künftig gelingen und Ihre persönliche Handlungskompetenz stärken.

Haben Sie eine Anregung zum Buch, eine eigene Fragestellung, auf die Sie gerne eine Antwort hätten, oder möchten Sie mir von Ihren Gesprächserfolgen erzählen? Dann freue ich mich über Ihre Nachricht. Sie finden meine Kontaktangaben auf www.irenewuest.ch.

HERZLICHST,

IRÈNE WÜEST

SOMMER 2021

DANK

Was wäre eine Buchidee ohne Unterstützung?

Dieses Werk ist dank Teamarbeit entstanden. Ich danke herzlich …

— den vielen Zeitungsleserinnen und -lesern, die mir ihre Fragestellungen anvertraut haben,

— den CH Media und dem hep Verlag für ihr Vertrauen,

— meinen Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern, die mich vieles über Kommunikation gelehrt haben,

— Kari Blöchliger, meinem geduldigen Coach, Berater und tiefgründigen Wissensvermittler,

— meinen wundervollen Helferinnen in Büro und Haushalt; Astrid Stauber und Marianne Arnold haben mir tatkräftig unter die Arme gegriffen und mich entlastet,

— meinen Freundinnen Martina Baumann, Brigitte Bernhard, Margot Bürcher, Gesa Gaiser, Simone Joos, Claudia Kettenmann, Esther Konzett, Muriel Scheidegger und Eva Schmid für ihre Gesprächsbereitschaft, den inspirierenden Austausch und ihre liebevollen Anstupse, mich ans Werk zu machen,

— Beat Gurzeler für seine konkreten und wertvollen Ideen und Hinweise, damit das Buch überhaupt auf den Weg kam,

— Renate Salzmann von Salzmann Gertsch für das passende und ansprechende Layout,

— Larissa Baumann und Anna-Daria Kräuchi vom hep Verlag, die mit ihrem großartigen Lektorat dem Buch den letzten Schliff gegeben haben.

Mein besonderer Dank gilt – lastly but most importantly – meinem Mann Bruno und unseren Töchtern Leandra und Jara Amanda. Ohne ihre Liebe, ihren Zuspruch und ihr «Für-mich-da-Sein» hätte ich nie die Zeit und die Kraft gefunden, dieses Buch zu schreiben.

Auch all jenen, die ich nicht namentlich erwähnt habe, die mich dennoch auf meinem Lebensweg und auf dem Weg zur Veröffentlichung dieses Buches begleitet haben, gebührt an dieser Stelle ein großes Dankeschön.

Ich wäre nicht der Mensch, der ich heute bin, ohne euer Zutun.

HERZLICHEN DANK.

EINLEITUNG

Bestimmt sind wir uns einig: Wenn wir uns gut fühlen, uns unserer Sache sicher sind und eine positive Nachricht zu verkünden haben, dann ist es einfach, gelingende Gespräche zu führen.

Dann begegnen wir unseren Gesprächspartnerinnen und -partnern freundschaftlich, wertschätzend und ohne Misstrauen oder Feindseligkeit. Wir sind entspannt und fühlen uns von den Menschen in unserem Umfeld getragen und angenommen. Alles ist im Lot.

Es kann aber auch anders sein. Was sagen Sie, wenn …

— eine Arbeitskollegin oder ein Arbeitskollege ungepflegt im Büro erscheint oder Mundgeruch hat, und Sie das stört?

— Sie einen Besserwisser oder eine Vielsprecherin stoppen möchten, ohne zu verletzen?

— Ihre Chefin oder Ihr Chef Sie im Stress anschreit?

— Sie bei einem Firmenanlass leicht und locker smalltalken möchten?

— das Arbeitsklima in Ihrem Betrieb schlecht ist und Sie sich zunehmend unwohl fühlen?

— Sie beim Jahresgespräch eine Lohnerhöhung zur Sprache bringen möchten?

Für viele Menschen sind Gesprächssituationen wie diese herausfordernd, anstrengend und häufig auch gefürchtet. Entweder sind es die Situationen, die unangenehm sind, oder das Gegenüber, das sich unangemessen verhält. Konversationen zu vermeiden, ihnen auszuweichen oder möglichst schnell hinter sich zu bringen, kann böse Folgen haben: Geplante Ergebnisse werden nicht erreicht, Beziehungen oft nachhaltig gestört.

Fakt ist: Unangenehme Gesprächssituationen gehören zum Leben, ob wir das wollen oder nicht. Und nur wenn wir uns den Herausforderungen des Lebens stellen, können wir wachsen und uns weiterentwickeln.

Die 56 Fallbeispiele in diesem Buch wollen einen nachvollziehbaren Weg aufzeigen, wie die gefürchteten Konversationen so geführt werden können, dass die gewünschten Ergebnisse erzielt werden und gleichzeitig die Beziehung zur Gesprächspartnerin oder zum Gesprächspartner gestärkt wird.

DIE VIER THEMENKREISE DES BUCHES IM ÜBERBLICK

1. Kritik äußern – leicht gemacht

In diesem Themenkreis geht es darum, ein problematisches Verhalten zu thematisieren und mit der Adressatin oder dem Adressaten gemeinsam Lösungen für eine Verhaltensänderung zu suchen. Oft ist bei der Kritikäußerung eine Selbstklärung der Schlüssel zum Erfolg. Erst, wenn wir uns selbst im Klaren sind, was wir über die Situation denken, welche Gefühle und Reaktionen sie bei uns auslöst, ist der Boden für das Adressieren der Botschaft ohne Vorwurf und Schuldzuweisung gelegt. Erst mit der inneren Klarheit lässt sich ein adäquates Verhalten an den Tag legen, das zum Gelingen des Gespräches beiträgt. Insbesondere das 4-B-Modell – ein Kommunikationsprozess in 4 Schritten –, auf das in mehreren Beiträgen eingegangen wird, leistet hierzu einen wichtigen Dienst.

2. Kritik annehmen – gekonnt

Kritikfähigkeit bedeutet, ein negatives Feedback anzunehmen, das sachlich formuliert und gerechtfertigt ist. Ist dies nicht der Fall, reagieren wir zurückhaltend, aggressiv oder rechtfertigen und verteidigen uns. Auf Fehler hingewiesen zu werden, ist nicht einfach, aber notwendig, um zu lernen und uns weiterzuentwickeln. Wie uns dies gelingt, zeigen die Fallbeispiele in diesem Kapitel.

3. Auftreten – mit Eindruck

In diesem Kapitel werden Ihnen erfolgserprobte Wege aufgezeigt, wie Sie sich im beruflichen Leben besser darstellen, sich in schwierigen und nicht alltäglichen Situationen behaupten können und Gespräche erfolgreich zum Ziel führen.

4. Nice to know

Im letzten Themenkreis dieses Buches geht es um ein Potpourri von Situationen, in denen wir oft nicht wissen, was wir sagen oder wie wir uns verhalten sollen. Es ist unser Denken, bewusst oder unbewusst, das unser Fühlen und Handeln bestimmt. Wer bereit ist, das eigene Denken zu hinterfragen, in der Gewissheit, dass alles ganz anders sein kann, der ändert auch seine emotionalen Reaktionen und Entscheidungen. Fallbeispiele wie Unzufriedenheit mit der Arbeitssituation oder dem aktuellen Gehalt bis hin zu der Erteilung von klaren Arbeitsanweisungen und dem Entkräften von Gerüchten bieten Ihnen eine Grundlage für Ihre persönliche Weiterentwicklung.

Ein Glossar mit kurzen Erklärungen sowie ein Literatur- und Onlineverzeichnis runden das Buch ab und machen es komplett.

Da es nahezu unmöglich ist, alle Anregungen sofort in die Tat umzusetzen, bietet es sich an, sich den Situationen Schritt für Schritt anzunähern und die Lösungsstrategien auszuprobieren. Dann haben Sie binnen weniger Monate nicht nur viele Tipps kennengelernt, sondern diese auch mühelos in Ihren Alltag integriert.

Viel Freude und gutes Gelingen.

1
KRITIK ÄUSSERN
— LEICHT GEMACHT
1.1 VORGESETZTE KRITISIEREN


Ich weiß nie so recht, wie ich mich meinem Chef gegenüber verhalten soll. Soll ich zum Beispiel Kritik an seinen Entscheidungen äußern? Und falls ja, wie?

Ein heikles Thema. Auch wenn Feedbackkultur in vielen Unternehmen großgeschrieben wird, finden Feedback und Kritik in der Regel nur in eine Richtung statt – von oben nach unten. So mangelt es vielen Mitarbeitenden an Erfahrung, wenn es um konstruktive Kritik an Vorgesetzten geht. Einer Kollegin oder einem Kollegen seinen Unmut mitzuteilen, verlangt schon von vielen Überwindung, aber bei der Chefin oder dem Chef ist die Hürde für eine freie Meinungsäußerung noch viel höher. Es steht einiges auf dem Spiel.

Umfragen zeigen, dass viele Arbeitnehmende ihre Vorgesetzten für nicht ausreichend kritikfähig halten. Machen Sie daher am besten gleich die Probe aufs Exempel und finden Sie heraus, ob Ihr Chef tatsächlich allergisch auf Kritik reagiert oder ob Sie mit dieser Einschätzung falsch liegen. Vielleicht ist er ja aufgeschlossen und es lässt sich gut mit ihm über neue Ideen und Verbesserungsvorschläge reden. Fragen Sie nach einem Termin und führen Sie das Gespräch am besten unter vier Augen. Das richtige Vorgehen ist dabei entscheidend.


KURZ UND KNAPP

— Feedback geben ist anspruchsvoll.

— Finden Sie in einem Gespräch heraus, ob Ihr Chef fundierte Kritik entgegennehmen kann.


BUCHTIPP

— Goleman, Daniel / Boyatzis, Richard / McKee, Annie (2003):

— Emotionale Führung. Ullstein, Berlin.


LÖSUNGSSTRATEGIEN

Perspektivenwechsel

Wechseln Sie die Perspektive. Versetzen Sie sich in die Lage des Chefs, das erhellt wahrscheinlich Ihre Sichtweise und lässt Sie nachsichtig stimmen.

Fragen Sie auch Ihre Kolleginnen und Kollegen, wie Sie die Situation beurteilen. Vielleicht erhalten Sie eine neue Perspektive, die Ihre Argumentation erweitert.

Gesprächseinstieg

Der Gesprächseinstieg ist entscheidend. Mit Vorwürfen wie «Warum haben Sie nicht …» oder «Sie haben beim Projekt falsch entschieden …» würden Sie bestimmt auf Zurückweisung stoßen. Eine sachorientierte, konstruktive Vorgehensweise bringt Sie bestimmt weiter. So zum Beispiel: «Wie Sie bei diesem Projekt entschieden haben, belastet mich sehr. Ich habe dazu eine andere Meinung und möchte Sie Ihnen kurz erläutern.»

Konkret sein

Vorgesetzte lieben keine Probleme, sondern Lösungen! Benennen Sie genau, wo Sie eine mögliche Verbesserung oder Alternative sehen, wie zum Beispiel: «Was halten Sie stattdessen von …» oder «Eine andere Möglichkeit wäre auch …». Dies vermittelt Souveränität und zeigt Ihr Qualitätsstreben zum Wohle des Unternehmens.

Ruhe bewahren

Falls Ihr Chef nicht so reagiert, wie Sie sich das gewünscht hätten, bewahren Sie Ruhe und bleiben Sie sachlich. Fragen Sie stattdessen lieber nochmals nach den Hintergründen und Argumenten für die getroffene Entscheidung. Bekräftigen Sie dabei, dass es Ihnen am Herzen liegt, die Beweggründe zu verstehen, und mit dem Nachfragen kein Verhör beabsichtigen.

Respekt zeigen

Signalisieren Sie, dass Sie seine Autorität nicht anzweifeln und ihn als Chef akzeptieren. Vergreifen Sie sich nicht im Ton. Denn bekanntlich macht der Ton nicht nur die Musik, sondern der falsche könnte Sie auch den Job kosten.

Zu guter Letzt: Eine Garantie dafür, dass die/der Vorgesetzte die Kritik – auch wenn sie berechtigt und konstruktiv ist – annimmt, gibt es nicht.

Sicher ist nur: Wenn Sie nichts sagen, dann wird nichts passieren. Wenn Sie etwas sagen und dies mit dem richtigen Vorgehen, haben Sie zumindest die Chance, dass sich etwas ändert.



ERKENNTNISSE FÜR MICH

1.2 MEHR WERTSCHÄTZUNG VERLANGEN


Beim Jahresgespräch schenkt mir meine Vorgesetzte eine Stunde Zeit. Dies ist die einzige Wertschätzung, die ich von ihr erfahre. Ich merke zunehmend, dass mir dies nicht reicht. Ich weiß oft nicht, wo ich stehe. Was kann ich tun, damit ich mehr Wertschätzung kriege? Und wann ist eine Wertschätzung gehaltvoll, sodass ich damit wirklich etwas anfangen kann?

Leider denken nach wie vor viele Führungskräfte, dass die Abwesenheit von Kritik Anerkennung genug ist. Doch stillschweigende Wertschätzung gibt es nicht. Wer hart arbeitet, braucht Anerkennung für sich und seine Leistung. Wir wollen mit dem, was wir leisten, gesehen und anerkannt werden. Wer dies nur einmal im Jahr erfährt, verkümmert, verliert die Motivation und wird vielleicht sogar krank.

Lassen Sie es nicht so weit kommen! Werden Sie aktiv, wenn die ersehnte Wertschätzung ausbleibt. Holen Sie sich Feedback und erfüllen Sie sich so Ihr Bedürfnis.


KURZ UND KNAPP

— Anerkennung ist ein Grundbedürfnis jedes Menschen.

— Holen Sie sich aktiv Feedback ein.


WEB

— Fischer, Martin (o. J.): Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern.

— Mai, Jochen (2021). Wertschätzung: Mehr als Belohnung und Lob.


Martin Fischer www.perso-net.de/rkw/Wertsch%C3%A4tzung_gegen%C3%BCber_Mitarbeitern/ Jochen Mai https://karrierebibel.de/wertschaetzung/


LÖSUNGSSTRATEGIEN

Um Rückmeldung bitten

Bitten Sie Ihre Vorgesetzte darum, Ihnen eine Rückmeldung für Ihre Arbeit zu geben. Zum Beispiel nach einer Präsentation: «Ich brauche Feedback. Bitte sagen Sie mir, was Ihnen an meinem Auftritt gut und was weniger gut gefallen hat.»

Zugegeben, das mag am Anfang etwas Mut kosten, weil Sie sich mit solchen Fragen verletzlich zeigen. Zudem kann der Eindruck entstehen, dass Sie nach Komplimenten fischen, insbesondere wenn in Ihrer Bitte die Absicht, eine positive Rückmeldung zu erhalten, deutlich erkennbar ist. Keine Angst, wenn Sie ehrlich für Ihr Bedürfnis nach Wertschätzung einstehen, werden sich diese Befürchtungen nicht bestätigen.

Konkret, gehaltvoll

Achten Sie bei der ausgesprochenen Anerkennung darauf, dass sie gehaltvoll ist und Sie etwas damit anfangen können. Ein «Es geht so» oder «Es könnte besser sein» oder «Das war super» oder ein schlichtes Schulterklopfen ist noch keine Wertschätzung. Obwohl insbesondere die beiden letztgenannten Feedbacks ein positives Gefühl vermitteln und sie vielleicht schmeicheln, fehlt ein konkreter Inhalt beziehungsweise Gehalt.

Konkret wird es erst, wenn Sie wissen, was der Auslöser für das «Es geht so», «Es könnte besser sein», «Das war super» oder das Schulterklopfen ist.

Nachvollziehbar

Lassen Sie die Chefin begründen, warum sie zufrieden beziehungsweise unzufrieden mit Ihrer erbrachten Leistung war. Erst durch Fakten und den Bezug zu einer konkreten Situation werden die anerkennenden Worte nachvollziehbar. Zum Beispiel: «Ihre Präsentation war beeindruckend. Insbesondere hat mir Ihre Souveränität gefallen, mit der Sie die Zuhörenden gewonnen haben. Auch dass Sie sich genau an die Zeitvorgaben gehalten haben, finde ich super. Woran ich noch arbeiten würde, ist das Sprechtempo. Bitte in Zukunft langsamer sprechen.»

Zu guter Letzt: Mit diesen Worten hat die Rückmeldung definitiv mehr Gehalt. Ist zudem eine echte Begeisterung der sprechenden Person spürbar, erhöht dies die Kraft der Wertschätzung.


ERKENNTNISSE FÜR MICH

1.3 ARBEITSKOLLEGINNEN UND -KOLLEGEN KRITISIEREN


Seit Kurzem habe ich einen neuen Arbeitskollegen. Nun fällt mir einiges an seinem Verhalten auf, das für mich nicht stimmt. Ich habe aber Mühe damit, Kritik zu äußern. Wie soll ich ihm sagen, dass er mir nicht ins Wort fallen soll oder sein Geschirr abräumen soll? Ich habe einmal gehört, dass es stilvoll sei, Kritik mit einer Ich-Botschaft zu formulieren. Wie mache ich das?

Kritisieren ist keine leichte Aufgabe: Einerseits möchten wir, dass sich etwas zum Positiven verändert, andererseits sehen wir die Gefahr, dass unser Gegenüber verletzt oder beleidigt reagiert und die Situation sich verschlimmert.

Fest steht: Niemand wird gerne kritisiert. Je nachdem wie Kritik geäußert wird und wie stark und gefestigt die Persönlichkeit der oder des Kritisierten ist, kann die Kritik angenommen werden. Es kann aber auch sein, dass sie als lästig, feindselig oder verletzend erlebt wird.

Die Frage ist also: Wie gelingt es mir, dass die andere Person mich versteht, ohne dass sie sich dabei angegriffen fühlt oder dass ich sie dabei verärgere?

Hier kommt die Ich-Formulierung ins Spiel. Eine Ich-Botschaft beinhaltet grundsätzlich keinen Angriff, sondern schafft Transparenz. Sie geht weit über eine sachliche Mitteilung hinaus. Sie ist eine ehrliche und offene emotionale Äußerung, die die eigene Meinung und die dabei empfundenen Gefühle mitteilt.

Ziel ist es, der Gesprächspartnerin oder dem Gesprächspartner eine klare Beschreibung einer Situation oder eines Verhaltens zu geben und die damit verbundenen eigenen Gefühle, Bedürfnisse, Interessen und Wünsche zu vermitteln. Eine Ich-Botschaft wird am besten in einem Kommunikationsprozess formuliert, der vier Schritte vorsieht. Ich nenne es das 4-B-Modell.


KURZ UND KNAPP

— Kritisieren ist keine leichte Aufgabe.

— Eine Ich-Botschaft wird am besten in vier Schritten formuliert, zum Beispiel mit dem 4-B-Modell.


BUCHTIPPS

— Rosenberg, Marshall B. (2013): Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens. Junfermann, Paderborn.

— Miller, Reinhold (2013): «Halt’s Maul, du dumme Sau!». Schritte zum fairen Gespräch. Schulwerkstatt-Verlag, Karlsruhe.

WEB

— Impact Institut (2021): Gewaltfreie Kommunikation.

— The Coaching Company: Ausbildungen zu gewaltfreier Kommunikation


Impact Institut https://impactinstitut.com/2021/02/18/vier-schritt-gfk-blog-gewaltfreiekommunikation/ The Coaching Company www.tcco.ch


LÖSUNGSSTRATEGIEN

So formulieren Sie eine Ich-Botschaft mit dem 4-B-Modell

1. «B» für Beobachtung bzw. Wahrnehmung:

Beschreiben Sie das Verhalten, die Situation oder das Geschehen, das Sie stört, konkret und nachvollziehbar. Vermeiden Sie dabei Verallgemeinerungen und Bewertungen. «Heute Morgen, in der Besprechung mit Frau Muster, bist du mir zweimal ins Wort gefallen.»

2. «B» für Befinden bzw. Gefühle:

Teilen Sie Ihrer Gesprächspartnerin, Ihrem Gesprächspartner mit, wie das Wahrgenommene auf Sie wirkt und welche Gefühle dadurch bei Ihnen ausgelöst werden. «Das gefällt mir nicht», «Das verletzt mich» oder «Das stört mich».

3. «B» für Bedürfnis bzw. Wert

Bedürfnisse sind Ausdruck dessen, was uns wichtig ist, und entsprechen unserem persönlichen Wertesystem. Werden Bedürfnisse nicht erfüllt, löst dies bei uns unangenehme Gefühle aus. Das Wörtchen «weil» leitet wunderbar eine Begründung ein, warum bei uns dieses oder jenes Gefühl auftaucht. «Dieses Verhalten ist schwierig für mich, weil ich mir dann dumm vorkomme und das Gefühl habe, nicht respektiert zu werden.»

4. «B» für Bitte bzw. Wunsch:

Vollständig wird eine Ich-Botschaft erst, wenn Sie Ihrer Gesprächspartnerin, Ihrem Gesprächspartner in einer Bitte zum Ausdruck bringen, was für ein Verhalten Sie sich stattdessen wünschen würden. Die Bitte stellt die «Brücke» dar, mit der die Kommunikation mit der Empfängerin / dem Empfänger wieder in Gang gebracht wird. «Ich bitte dich, mich das nächste Mal ausreden zu lassen.»

Wichtig: Eine Bitte ist keine Forderung! Wünsche können wir frei formulieren, ohne unser Gegenüber unter Druck zu setzen.

Durch die Berücksichtigung dieser vier Schritte treten wir unseren Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern wertschätzend gegenüber und vermeiden so unnötige Vorwürfe, Verletzungen oder Abwertungen.

Ich-Formulierungen sind kein Zaubermittel, aber ein guter Weg, um auf verfahrene Situationen adäquat zu reagieren. Sie erlauben Ihrem Gegenüber einen Blick in Ihr Innenleben und eröffnen damit die Chance auf einen konstruktiven Austausch und eine Veränderung zum Besseren.



ERKENNTNISSE FÜR MICH

1.4 UNGEPFLEGTES ERSCHEINEN ANSPRECHEN


Mein Arbeitskollege legt keinen großen Wert auf sein Äußeres. Er kommt bisweilen etwas ungepflegt daher. Das stört mich zunehmend. Was kann ich tun?

Wenn eine Arbeitskollegin oder ein Arbeitskollege ungepflegt ins Büro kommt, kann das die Arbeitsbeziehungen belasten. Aus Scham oder Angst zu schweigen, ist selten eine gute Lösung.

Es gibt gute Gründe, das Thema offen und ehrlich anzusprechen:

— Machen Sie sich ruhig einmal bewusst, was es für Sie bedeutet, die Situation auf Dauer hinzunehmen. Wollen Sie sich weiterhin ärgern? Durch Ihr Schweigen ignorieren Sie Ihr Wohlbefinden und Ihre Zufriedenheit.

— Dass Sie ein Problem mit seinem Äußeren haben, ist Ihrem Arbeitskollegen wahrscheinlich gar nicht bewusst. Deshalb wird er unaufgefordert auch nichts an seinem Verhalten ändern. Warum sollte er auch, wenn aus seiner Sicht alles bestens ist? Bringen Sie also das Thema zur Sprache. Bestimmt will er Sie mit seinem Äußeren nicht ärgern, sondern ist sich gar nicht bewusst, dass Sie oder andere sich daran stören.

— Ungepflegtheit ist manchmal ein Ausdruck von Unzufriedenheit mit den eigenen Lebensumständen. Was genau der Grund für sein Verhalten ist, erhellt sich erst, wenn Sie darüber sprechen.

— Letztlich tun Sie mit Ihrer Offenheit auch Ihrem Arbeitskollegen einen Gefallen. Es könnte nämlich sein, dass Sie nicht die einzige Person sind, der seine Ungepflegtheit unangenehm aufgefallen ist. Andere merken das auch. Das schadet dem Image des Betroffenen. Ihre Offenheit erspart ihm weitere Peinlichkeiten und schützt ihn unter Umständen vor ernsteren Konsequenzen, zum Beispiel gemieden zu werden.


KURZ UND KNAPP

— Das Thema offen und fair ansprechen.

— Ihrem Arbeitskollegen ist sein Erscheinungsbild womöglich gar nicht bewusst und er ist dankbar für Ihre Rückmeldung.


BUCHTIPP

— Cerwinka, Gabriele / Schranz, Gabriele Schranz (2015): Bürobibel. Auftritt, Organisation, Kommunikation. Linde Verlag, Wien.



LÖSUNGSSTRATEGIEN

Überwinden Sie Ihre Hemmungen

Übertreten Sie Ihre innere Hemmschwelle und sprechen Sie das Thema offen an.

Reden Sie in entspannter Atmosphäre

Warten Sie eine günstige Gelegenheit ab, in der Sie beide nicht unter Druck stehen und die Grundstimmung zwischen Ihnen gut ist. Denn wenn zu dem schwierigen Thema auch noch schlechte Rahmenbedingungen dazukommen, ist ein Konflikt vorprogrammiert.

Seien Sie ehrlich

Bekennen Sie sich gleich offen zu Ihren unguten Gefühlen, etwa mit «Es fällt mir nicht leicht, das anzusprechen …» oder «Es ist mir peinlich …».

Reden Sie Klartext

Sagen Sie klar und deutlich, was Sie stört, warum es Sie stört, welche Lösung Sie sich erhoffen und warum auch Ihr Arbeitskollege Vorteile davon hat, wenn er Ihren Hinweis annimmt.

Bleiben Sie fair

Trennen Sie deutlich zwischen der Person und dem konkreten Verhalten, das Ihren Unmut hervorgerufen hat. Verurteilen Sie Ihren Arbeitskollegen nicht pauschal, denn damit verletzen Sie ihn unweigerlich und provozieren seinen Widerstand. Streichen Sie folglich negative Aussagen, die mit «Du bist …» beginnen, konsequent aus Ihrem Sprachrepertoire. Stellen Sie stattdessen Ihre persönlichen Bedürfnisse in den Vordergrund. Zum Beispiel: «Mir ist es unangenehm, wenn wir ungepflegt gekleidet sind und unsere Professionalität nicht mit Sauberkeit und einem rundum gepflegten Erscheinen würdigen».



ERKENNTNISSE FÜR MICH

1.5 SCHWEISSGERUCH THEMATISIEREN


Ich arbeite als Leiterin in einem kleinen Büro mit vier Leuten. Nun habe ich ein Problem: Eine Arbeitskollegin hat manchmal sehr unangenehmen Schweiß- und Mundgeruch. Darf ich sie darauf aufmerksam machen? Wie gehe ich am besten vor? Ich möchte ihr helfen, sie aber nicht kränken oder bloßstellen.

Probleme lassen sich am besten lösen, indem Sie darüber sprechen. Zugegeben, schambesetzte Themen rund um Körper und Hygiene sind peinlich und es fällt uns schwer, darüber zu sprechen.

Doch aus Scham oder Angst vor Konflikten zu schweigen, ist selten eine gute Lösung.

Dass Sie und andere ein Problem mit dem Schweißgeruch haben, ist Ihrer Kollegin wahrscheinlich gar nicht bewusst. Häufig nehmen Menschen ihren Eigengeruch selbst nicht wahr. Was Ihnen unangenehm in die Nase steigt, fällt dem Verursacher beziehungsweise Ihrer Kollegin gar nicht auf.

Deshalb wird sie von selbst und unaufgefordert auch nichts an ihrem Verhalten oder Auftreten ändern. Warum sollte sie auch, wenn aus ihrer Sicht alles bestens ist? Das Problembewusstsein müssen zuerst Sie schaffen, indem Sie das Thema zur Sprache bringen. Ihre Offenheit hilft ihr, mehr auf geeignete Kleidung, regelmäßige Körperhygiene und ein gutes Deo zu achten und erspart ihr weitere Peinlichkeiten. Sie wird es Ihnen danken!

Doch wie sprechen Sie das Thema am besten an? Der schlecht riechenden Kollegin einfach zum Geburtstag eine Pflegeserie mit Duschbad und Deo zu schenken wäre unpassend. Ebenfalls ungeeignet ist es, Witzchen zu reißen und die Kollegin mit flapsigen Bemerkungen auf ihren Körpergeruch hinzuweisen. Dieses Vorgehen könnte zudem das Arbeitsklima in Gefahr bringen. Denn ist die betroffene Person erst einmal gekränkt und verletzt, ist auch die Stimmung verdorben und ein friedliches Zusammenarbeiten wird schwierig.


KURZ UND KNAPP

— Sprechen Sie das Thema kurz und klar an und treten Sie es nicht unnötig breit. Das macht es nur komplizierter.

— Zeigen Sie Betroffenheit und Gefühle. Sagen Sie, was Sie sich für eine Veränderung wünschen.


LÖSUNGSSTRATEGIEN

Diplomatisch vorgehen

Setzen Sie auf Diplomatie und gehen Sie die Sache vorsichtig an. Nehmen Sie die Kollegin beiseite und leiten Sie ein Vier-Augen-Gespräch ein. Das gibt ihr die Möglichkeit, ihr Gesicht zu wahren. Seien Sie sich bewusst, dass die erste Reaktion sehr abwehrend sein kann. Lassen Sie sich davon nicht beirren und bleiben Sie ruhig und bestimmt.

Betroffenheit und Gefühle zeigen

Mit einem Satz wie zum Beispiel «Ich möchte mit dir über etwas sprechen, das mir selbst sehr unangenehm ist» oder «Ich bin unsicher, wie ich beginnen soll, weil ich dich nicht verletzten will» leiten Sie das Gespräch am besten ein. So sprechen Sie Ihre Betroffenheit an und zeigen Ihre Gefühle, ohne Ihr Gegenüber dafür verantwortlich zu machen. Im zweiten Schritt sprechen Sie das Verhalten an, das Ihnen missfällt. Wählen Sie dafür eine aktuelle Situation, die Sie beschreiben, nicht bewerten. Schildern Sie Ihre Wahrnehmung möglichst sachlich und sagen Sie, warum Sie hier Kritik üben, wie zum Beispiel: «Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit intensiv nach Schweiß riechst, so auch gestern. Mir ist es sehr unangenehm und ich fürchte, dass unsere Kundschaft und die anderen Mitarbeitenden sich dadurch gestört fühlen könnten.»

Konsequenzen besprechen

Als Drittes geht es um Konsequenzen. Teilen Sie mit, was Sie sich wünschen und wie Sie sich weiter verhalten werden. «Ist dir diese Wirkung bewusst? Was können wir vereinbaren, damit wir uns darüber nicht wieder zu unterhalten brauchen?»

Unangenehme Themen kurz und klar anzusprechen bewährt sich. Eine Sache unnötig breitzutreten, macht es nur komplizierter, aber nicht besser.



ERKENNTNISSE FÜR MICH

1.6 REDESCHWALL STOPPEN


Ich arbeite im Büro möglichst konzentriert und speditiv, damit ich die Arbeitszeit nutzen und zeitig Arbeitsschluss machen kann. Trifft jedoch mein Kollege ein, geht das Gequassel los! Ich muss mir die Berichterstattung über sein ganzes Wochenende anhören, und auch tagsüber weiß er ständig etwas zu erzählen. Wie stelle ich das elegant ab oder vermittle, dass ich erst in der Pause verfügbar bin?

Am Arbeitsplatz trifft man unterschiedliche Typen von Menschen an, so zum Beispiel Menschen, die bei jeder Gelegenheit Gesellschaft suchen, äußerst gesprächig sind und überall für Ablenkung sorgen. Sich dann noch auf die Arbeit zu konzentrieren, wird schwierig. Es darf nicht passieren, dass Ihre Arbeitsleistung unter dem Verhalten Ihres Kollegen leidet. Holen Sie sich deshalb wieder die Kontrolle über Ihre Produktivität zurück, bevor Ihr Feierabend in die Ferne rückt.


KURZ UND KNAPP

— Holen Sie sich möglichst schnell die Hoheit über Ihre Arbeit zurück, bevor Ihre Produktivität leidet.

— Signalisieren Sie mit weichen, subtilen Maßnahmen, dass das Gerede stört.



LÖSUNGSSTRATEGIEN

Körpersignale senden

Senden Sie konsequent (körpersprachliche) Signale, dass Sie nicht gestört werden wollen. Schließen Sie beispielsweise Ihre Bürotür, setzen Sie Kopfhörer auf oder greifen Sie zum Telefon, sobald der Kollege auf Sie zugeht. Dies kann ihn davon abhalten, mit Ihnen in Kontakt zu treten.

Augenkontakt vermeiden

Falls der Kollege dennoch das Wort ergreift, stellen Sie keinen Augenkontakt her, sondern arbeiten Sie ruhig weiter und zeigen Sie kein Interesse an dem, was er sagt.

Keine Fragen stellen

Fragen fördern das Gespräch. Handelt es sich um eine arbeitsbezogene Frage, müssen Sie kurz darauf eingehen. Bleiben Sie aber beim Thema. Lassen Sie sich nicht in ein Gespräch über Gott und die Welt verwickeln. Sagen Sie dann lieber: «Sorry, ich habe jetzt keine Zeit. Ich stehe unter Termindruck.» Oder: «Über Themen wie meine Beziehung spreche ich nie am Arbeitsplatz.» So könnte es Ihnen gelingen, den Kollegen auf die Schnelle abzuwimmeln.

Klartext sprechen

Sprechen Sie Ihren Unmut klar und deutlich aus: «Stopp. Ich habe jetzt keine Zeit, dir zuzuhören, da ich meine Arbeitszeit produktiv nutzen möchte. Und ehrlich gesagt überfordern mich deine privaten Sorgen. Vielleicht ist es besser, wenn du dir einen professionellen Coach suchst und mit ihm das Thema konkret angehst. Aber bitte belaste mich in Zukunft nicht mehr damit. Danke.» Auch wenn es vielleicht beim Kollegen nicht gut ankommt, scheuen Sie sich nicht, die Sache auf den Punkt zu bringen. Nur so haben Sie beide die Chance, dass sich etwas verändert und Ruhe einkehrt.

Vorgesetzte einbeziehen

Will es der Kollege dennoch nicht verstehen, bietet sich in letzter Instanz der Gang zu der/dem Vorgesetzten an. Diese/r muss dann das Problem mit der betroffenen Person klären. Hier bedarf es einer klaren Stellungnahme der Führungskraft, in der sie das gewünschte Verhalten am Arbeitsplatz deutlich macht.


ERKENNTNISSE FÜR MICH

1.7 BESSERWISSERN KONTERN


Es gibt Menschen, die meinen, jeder noch so kleine Beitrag in einer Gesprächsrunde müsse von ihnen kommentiert werden. Warum denken einige Menschen, ihre Ansichten, Sprüche, Kommentare seien derart wichtig, dass es ohne diese einfach nicht geht? Wie bringt man sie auf konfliktfreie Weise zum Schweigen beziehungsweise Zuhören?

Wir kennen sie alle: Menschen, die immer recht und das letzte Wort haben wollen, die keinen Vorschlag annehmen können, die alles kommentieren und korrigieren müssen. Grundsätzlich ist es positiv, jemandem etwas zu erklären und sein Wissen preiszugeben, insbesondere wenn in einem spezifischen Gebiet großes Wissen vorliegt. In dem Moment, in dem dieser Wissensvorsprung zu häufig und vor allem falsch eingesetzt wird, beginnt jedoch die Besserwisserei. Dann stellt sich eine Person über die anderen und setzt deren Wissen herab. Ein solches Verhalten ist also keine gute Ausgangslage für ein zielführendes Gespräch. Es nervt und ist anstrengend.

Wie kommt es, dass Menschen sich derart wichtig nehmen? Die wahrscheinlich häufigste Ursache für Besserwisserei ist ein geringes Selbstwertgefühl. Das Gefühl, andere verbessern zu können, gibt der Person ein besseres Bild von sich selbst. Die eigene Unsicherheit wird dadurch überspielt, dass andere herabgesetzt werden.

Ein anderer Grund könnte die Suche nach Anerkennung sein. Wahrscheinlich hat die Person die Erfahrung gemacht, dass sie für ihr zur Schau gestelltes Wissen Anerkennung erhält. Diese positive Rückmeldung versucht sie nun so oft wie möglich zu erzielen.


KURZ UND KNAPP

— Menschen, die alles kommentieren und glauben, stets das letzte Wort haben zu müssen, leiden oft an einem geringen Selbstwertgefühl oder der Sucht nach Anerkennung.

— Ignorieren Sie die Kommentare, dann geht der Ansporn für die Besserwisserei schnell verloren.


LÖSUNGSSTRATEGIEN

Kontern

Wenn Sie der Person rhetorisch gewachsen sind, können Sie ihr Fakten, gute Argumente und Fragen entgegenhalten. Bleiben Sie dabei sachlich und ruhig.

Direkt ansprechen

Besserwisserinnen und Besserwisser sind sehr auf die eigene Person bezogen. Suchen Sie das persönliche Gespräch. Machen Sie der Person deutlich, wie Sie sich dabei fühlen, wenn jeder Satz kritisiert wird. Lassen Sie sie wissen, dass Sie ihre Ratschläge und Kommentare nicht benötigen. Machen Sie ihr verständlich, dass Sie explizit um ihren Rat bitten, wenn Sie ihre Expertise möchten.

Ignorieren

Ignorieren Sie die Kommentare. Besserwisserisches Verhalten kann nur nerven, wenn Sie sich etwas daraus machen. Also üben Sie sich in Gelassenheit. Lächeln Sie in sich hinein und atmen Sie tief durch. Gelingt es der Person nicht, sich durch ihre besserwisserische Art aufzuspielen, verliert sie den Ansporn.



ERKENNTNISSE FÜR MICH

1.8 DIE ALTE LEIER AUSBREMSEN


In der Pause erzählt mir mein etwas älterer Arbeitskollege immer wieder alte Geschichten, die ich nur zu gut kenne und nicht mehr hören kann. Mein Arbeitskollege ist ein herzensguter Mensch. Dennoch ärgert mich sein Verhalten zunehmend. Wie gehe ich mit meinem Ärger um? Und wie kann ich es ihm sagen, ohne ihn bloßzustellen?

Menschen, die in der Vergangenheit gefangen sind, haben die Tendenz, immer wieder die gleichen Geschichten zu erzählen. Diesen Geschichten als Dauerschleife zuzuhören, kann bedrückend sein. Haben Sie Ihrem Arbeitskollegen schon einmal gesagt, dass Sie ein Problem mit den ewigen Geschichten haben? Falls nicht, ist es ihm wahrscheinlich gar nicht bewusst. Solange Sie nichts sagen, verändert sich nichts. Mehr noch: Die Situation verschlimmert sich, solange Sie Ihre Grenzen nicht aufzeigen.

Es besteht auch die Gefahr, dass Sie für Ihren Ärger ein anderes Ventil suchen und Sie Ihre Laune an jemand anderem auslassen. Oder Sie suchen ein anderes Feld für Vergeltung, indem Sie etwa seine Kompetenz infrage stellen oder seine Geschichten in Anwesenheit von weiteren Arbeitskolleginnen und -kollegen bloßstellen, um Ihre Überlegenheit zu zeigen. Es kommt zu einem Schlagabtausch, mit dem sich die Situation nicht löst, sondern verhärtet.

Sie können auch so tun, als ob nichts wäre. Doch für das Hinunterschlucken und Verdrängen Ihres Ärgers bezahlen Sie einen hohen Preis. Ihre Konzentrationsfähigkeit leidet, weil die Gedanken immer wieder zu den Vorkommnissen in der Vergangenheit wandern. Ihre Leistungsfähigkeit sinkt und Sie können Ihre Selbstachtung verlieren, weil Sie nicht für Ihre Interessen einstehen. Und wenn Sie lange genug warten, führt es zu gesundheitlichen Problemen.

Klären Sie Ihre Gefühlslage und sprechen Sie die Situation an.


KURZ UND KNAPP

— Den Ärger hinunterzuschlucken oder zu verdrängen, löst das Problem nicht.

— Sprechen Sie das, was Ihnen nicht passt, mit dem hilfreichen 4-B-Modell an.


BUCHTIPP

— Rosenberg, Marshall B. (2013): Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens. Junfermann, Paderborn.


LÖSUNGSSTRATEGIEN

Aus Ärger wird Wut

Wenn Sie die Dinge, die Sie stören, nicht rechtzeitig ansprechen, wird aus einem leichten Ärger Wut, die sich früher oder später Gehör verschaffen wird. Dann schreien, jammern oder weinen wir. Ein Zeichen dafür, dass wir zu lange gewartet haben, anzusprechen, was nötig wäre. Lassen Sie es nicht dazu kommen. Nehmen Sie sich jetzt ernst und sprechen Sie an, was Ihnen nicht passt.

Orientieren Sie sich bei der Formulierung am hilfreichen 4-B-Modell

1. Beobachtung: «Du hast heute wieder einmal deine ‹alte› Geschichte ausschweifend erzählt, die ich schon zwanzigmal gehört habe.»

2. Befinden: «Ich bin es leid und es ärgert mich. Immer die gleiche Platte zu hören, nervt mich.»

3. Bedürfnis: «Ich möchte im Pausenraum mehr Ruhe oder zumindest mehr Abwechslung.»

4. Bitte: «Ich bitte dich, das nächste Mal diese alte Geschichte wegzulassen oder eine andere Geschichte zu erzählen.»

Allein das Ansprechen solcher Empfindungen erlaubt uns, die Form unserer Beziehungen zu verändern. Durch gute Kommunikation verbessern wir Beziehungen, durch schlechte oder gar keine Kommunikation verschlechtern wir sie.


ERKENNTNISSE FÜR MICH

1.9 FÜR SICH SELBST SPRECHEN


Es geschieht mir ziemlich oft, dass in einer Gesprächsrunde andere an meiner Stelle antworten, wenn ich etwas gefragt werde. Das nervt mich sehr. Ich fühle mich dann nicht ernst genommen. Ich kann doch für mich selbst antworten. Wie wehre ich mich am besten und setze mich durch?

Manchmal geschieht alles so schnell. In einer Gesprächsrunde wird angeregt diskutiert. Da kann es sein, dass man manchmal ein bisschen mehr Zeit benötigt, um seinen Beitrag spruchreif zu formulieren. Andere hingegen sind Schnelldenkerinnen oder Schnellsprecher und haben die Antworten sofort parat. Dies rechtfertigt es jedoch nicht, Ihnen den Raum zu nehmen, wenn Sie direkt angesprochen und um eine Antwort gebeten werden. Hier heißt es Grenzen zu setzen, «Nein» zu sagen und für sich einzustehen. Wir alle haben unsere Grenzen, unser persönliches Hoheitsgebiet. Innerhalb dieses Hoheitsgebiets bestimmen wir, was erlaubtes oder unerlaubtes Verhalten ist. Sobald jemand unsere Grenze verbal oder körperlich überschreitet, merken und fühlen wir – wenn auch manchmal erst im Nachhinein –, dass wir dann unangenehm berührt sind, uns nicht ernst genommen fühlen, uns nerven oder ärgern.

Grenzen setzen und verteidigen ist wichtig. Nicht nur aus Eigeninteresse, sondern auch, damit die Menschen um uns herum wissen, wen sie vor sich haben. Es ist wichtig, für sich und die eigenen Bedürfnisse und Werte einzustehen.


KURZ UND KNAPP

— Die eigenen Gefühle wahrzunehmen ist wichtig. Negative Gefühle weisen auf ein Bedürfnis hin, das nicht erfüllt ist.

— Haben Sie den Mut, für Ihre nicht erfüllten Bedürfnisse einzustehen und Grenzen zu setzen.


BUCHTIPPS

— Merkle, Rolf (2019): Lass dir nicht alles gefallen. PAL, Mannheim.

— Merkle, Rolf (2019): So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen. PAL, Mannheim.



LÖSUNGSSTRATEGIEN

Nehmen Sie Ihre Grenzen wahr

Vermeiden Sie, dass sich negative Gefühle anstauen oder falsches Verhalten verfestigt wird. Eine Partnerin oder ein Partner, die/der jahrelang unbeanstandet für Sie mitgedacht, geredet und entschieden hat, kann dieses eingeschliffene Verhaltensmuster nur noch schwer ändern. Setzen Sie hingegen von Anfang an klare Grenzen, kann sich eine übertriebene Dominanz gar nicht erst entwickeln. Mit Stillschweigen und Lächeln tun wir uns nichts Gutes, sondern wir senden folgendes Signal aus: «Es ist okay, dass du mir keinen Respekt entgegenbringst». Wenn wir keine Grenzen setzen, erlauben wir anderen, dass sie uns verletzen und zu nahe treten.

Gerade in Gesprächsrunden werden Grenzen oft nicht mit böser Absicht, sondern aufgrund von Unachtsamkeit oder Übereifer überschritten. Wenn wir die Grenzüberschreitung nicht mitteilen, kann die Gesprächspartnerin oder der Gesprächspartner gar nicht wissen, wie es uns geht, und hat dadurch keine Chance, das Verhalten zu ändern. Wir lassen das Gegenüber im Glauben, alles sei in Ordnung und berauben es der wahren Anteilnahme. Haben Sie den Mut, sich selbst beziehungsweise Ihre Gefühle wichtig zu nehmen und für sich einzustehen! Sie sind es wert.

Sprechen Sie das Verhalten mit einer Ich-Botschaft an

Nach der direkten Wortmeldung Ihrer Gesprächspartnerin oder Ihres Gesprächspartners an Ihrer Stelle können Sie zum Beispiel sagen: «Ja, das mag sein. Ich möchte noch richtigstellen, dass …». So gelingt es Ihnen, sich wieder ins Gespräch zu bringen und Ihre persönliche Sichtweise kundzutun.

Sprechen Sie die Person nach der Gesprächsrunde auf ihr Verhalten an. Bleiben Sie dabei bei sich selbst, anstatt sich auf sie zu konzentrieren und sie mit Du-Botschaften anzugreifen. Teilen Sie ihr mit, welche Gefühle das Verhalten bei Ihnen auslöst. Dies ist das Geheimnis von guter Abgrenzung.

Sagen Sie zum Beispiel: «Ich mag nicht, wenn du für mich sprichst, weil ich mir dann klein vorkomme.» Oder: «Es ist nicht in Ordnung für mich, wenn du für mich sprichst, weil ich mich dann übergangen fühle. Ich benötige Zeit, um meine Gedanken zu sortieren und zu formulieren. Bitte lass mir in Zukunft den Raum, damit ich für mich selbst antworten kann.» Nehmen Sie sich vor, das nächste Mal spontan zu reagieren oder den Satz: «Lass mich kurz überlegen …» zu sagen. So gewinnen Sie einen kurzen Moment, um in sich zu gehen und Ihre Antwort vorzubereiten.



ERKENNTNISSE FÜR MICH

1.10 DAUERNDES ZUSPÄTKOMMEN ANSPRECHEN


Es passiert mir immer wieder, dass Arbeitskollegen und -kolleginnen zu spät zu verabredeten Sitzungen kommen oder mich sogar versetzen. Sie spielen es dann stets herunter und entschuldigen sich kaum dafür. Mich aber verletzt dieses Verhalten, ich fühle mich nicht respektiert. Oder bin ich hier zu empfindlich?

Sie haben sich mit einer Person verabredet, und diese lässt Sie lange warten oder erscheint nicht zum vereinbarten Termin. Das irritiert und enttäuscht. Sie haben ein anderes Verhalten von dieser Person erwartet.

Dass Sie sich geringgeschätzt, missverstanden und nicht ernst genommen fühlen, ist ganz normal. Gefühle sind auch nie falsch. Sie weisen uns auf ein Bedürfnis hin, das nicht erfüllt wurde. Bedürfnisse nach Pünktlichkeit, Verbindlichkeit und Wertschätzung entsprechen unseren persönlichen Werten. Um die Balance wiederherzustellen, ist es wichtig, für sich einzustehen und seinen Unmut in einem Gespräch zu klären. Zugegeben, das ist nicht immer leicht.


KURZ UND KNAPP

— Versetzt zu werden tut weh.

— Nutzen Sie das 4-B-Modell zur Selbstklärung und Gesprächsführung.


BUCHTIPP

— Rosenberg, Marshall B.(2013): Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens. Junfermann, Paderborn.


LÖSUNGSSTRATEGIEN

Folgende vier Schritte des 4-B-Modells bieten sich an

1. Beobachtung:

Was haben Sie konkret beobachtet? Etwa: «Wir hatten uns zum Arbeitstreffen verabredet und du bist nicht gekommen.»

2. Befinden:

Fühlen Sie in sich hinein: Wie geht es Ihnen, wenn die Person zu spät kommt oder Sie stehen lässt? Beispielsweise: «Das ärgert mich.»

3. Bedürfnis:

Überlegen Sie: Warum taucht dieses Gefühl auf? Welches Bedürfnis wird nicht erfüllt? Das nach Verbindlichkeit, Pünktlichkeit? Teilen Sie dies Ihrem Gegenüber mit: «Mir ist wichtig, dass Verabredungen eingehalten werden.»

4. Bitte:

Sagen Sie anschließend, welches Verhalten Sie sich stattdessen wünschen: «Ich hätte mir eine Benachrichtigung gewünscht, dass du zu spät kommst oder gar nicht kommen kannst. Wie siehst du das?»

Diese vier Schritte helfen nicht nur zur Selbstklärung, sondern können auch im klärenden Gespräch angewendet werden. Beginnen Sie das Gespräch etwa mit «Lieber Kollege, mich beschäftigt etwas, das ich gerne mit dir besprechen möchte. Es fällt mir nicht leicht, doch ich merke, dass es für mich wichtig wäre, dir das zu sagen. Wärst du bereit, mir zuzuhören?»

Erlauben Sie mir noch ein paar Gedanken:

— Nur wenn wir unsere Gefühle und Bedürfnisse ernst nehmen, können sich unsere unangenehmen Gefühle beruhigen.

— Nur wenn wir der anderen Person mitteilen, was ihr Verhalten in uns auslöst, hat sie die Chance, sich zu erklären oder zu verändern. Tun wir dies nicht, brodelt der Unmut in uns weiter. Wir sprechen plötzlich abwertend über die Person oder begegnen ihr ablehnend.

— Haben Sie den Mut, für sich einzustehen und Ihren Unmut auszusprechen. Das befreit.

— Tun Sie sich etwas Gutes, indem Sie sich wertschätzen. Wenn wir gut auf uns selbst schauen, sind wir gegenüber Geringschätzung besser geschützt.

— Bestimmt meinte es die Person nicht böse. Vielleicht hat sie selbst Sorgen und Nöte, ist mit sich selbst beschäftigt und vergisst dadurch die andern. Doch dies finden wir erst in einem klärenden Gespräch heraus.



ERKENNTNISSE FÜR MICH

1.11 HÖFLICH «NEIN» SAGEN


Meine Arbeitskollegin fährt demnächst in die Ferien. Sie hat mich gebeten, mich während ihrer Abwesenheit um ihre vielen Pflanzen zu kümmern. Ich habe ihr schon häufig diesen Freundschaftsdienst erwiesen. Um das bisher gute Arbeitsverhältnis nicht zu gefährden, habe ich auch diesmal «Ja» gesagt, obwohl ich keine Lust und Zeit habe. Wie gelingt es mir, dass ich in Zukunft nicht immer zu allem vorschnell «Ja» sage?

Sie scheinen erneut in die Falle des «Ja»-Sagens getreten zu sein. Das «Ja» auf die kollegiale Bitte kam Ihnen leichter über die Lippen als ein verbindliches «Nein», obwohl Letzteres Ihnen in Ihrer persönlichen Situation viel angenehmer gewesen wäre. Auch wenn Sie in der Vergangenheit immer mit «Ja» geantwortet haben, brauchen Sie diesem Gewohnheitsrecht nicht weiterhin Gültigkeit zu geben. Wichtiger ist, dass Sie Ihre Bedürfnisse wahrnehmen, respektieren und sich für deren Erfüllung einsetzen.

Ein «Ja» sollte von ganzem Herzen kommen und Sie sollten sich mit dieser Antwort wohlfühlen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Sie sich im Nachhinein über Ihre Entscheidung ärgern, sich belasten, unzufrieden werden und unter Umständen diese Unzufriedenheit auf andere übertragen. Sie leben nicht, sondern lassen ihr Leben von anderen steuern, weil Sie sich stets wieder in Verpflichtungen und Zusagen verstricken.


KURZ UND KNAPP

— Nehmen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse wahr und vertreten Sie diese. Sie können es nicht allen recht machen, nur sich selbst.

— Formulieren Sie Ihre Absage ehrlich, höflich und begründet.


BUCHTIPPS

— Merkle, Rolf (2019): Lass dir nicht alles gefallen. PAL, Mannheim.

— Merkle, Rolf (2019): So gewinnen Sie mehr Selbstvertrauen.

— PAL, Mannheim.

WEB

— Merkle, Rolf (2021): Warum wir uns mit dem Nein sagen schwertun.


Rolf Merkle www.psychotipps.com/selbstsicher-nein-sagen.html


LÖSUNGSSTRATEGIEN

Antworten Sie reflektiert und ruhig

Wird eine Bitte an Sie herangetragen, antworten Sie zukünftig nicht vorschnell und unreflektiert. Verschieben Sie Ihre Antwort lieber auf einen späteren Zeitpunkt und verschaffen Sie sich so Zeit, um darüber nachzudenken, was Sie wirklich wollen und was gut für Sie ist. Wenn Sie Ihr «Ja» bewusst äußern, können Sie die Konsequenzen viel besser abschätzen.

Fürchten Sie sich nicht vor der Reaktion des Gegenübers

Falls Sie sich für ein «Nein» entschieden haben, dürfen Sie sich nicht vor der Reaktion Ihres Gegenübers fürchten. Wenn Sie meinen, dass die Reaktion Ihres Gegenübers das Problem ist, dann legen Sie Ihr Wohlbefinden in die Hände Ihres Gegenübers. Sie können es nicht allen recht machen. Grundsätzlich sollte der Fokus der Bitte auf dem Erhalt einer guten Beziehung und der Befriedigung aller Bedürfnisse liegen. Ein «Nein» ist nicht als ein definitives Nein, sondern als ein «Nein, nicht jetzt» zu verstehen und bezieht sich rein auf das Anliegen, nicht auf die Person.

Achten Sie auf die Formulierung

Ein erfolgreich verbalisiertes «Nein» ist vor allem eine Frage der Verpackung. Formulieren Sie Ihre Absage sozialverträglich, damit sich Ihre Arbeitskollegin nicht im Stich gelassen fühlt. Seien Sie ehrlich, anstatt nach Ausreden oder Notlügen zu suchen. Sprechen Sie freundlich und bestimmt. Begründen Sie, warum Sie den Freundschaftsdienst nicht machen können oder wollen. Ein guter Grund ist wirkungsvoller als 1000 erklärende Worte. Je nachvollziehbarer Ihre Begründung ist, desto leichter wird sich Ihre Arbeitskollegin mit Ihrer Absage abfinden. Und da niemand über eine abgeschlagene Bitte erfreut ist, helfen Sie der Arbeitskollegin, wenn möglich, eine Alternative zu finden.



ERKENNTNISSE FÜR MICH

1.12 LÄSTERMAUL BREMSEN


Mein lieber Arbeitskollege hat die Angewohnheit, ständig über andere Personen zu lästern. Mir ist das sehr unangenehm. Eigentlich will ich das gar nicht hören. Wie mache ich das meinem Arbeitskollegen höflich klar?

Üble Nachrede ist das Sprechen über die Fehler und Schwächen anderer in deren Abwesenheit mit dem – oft unbewussten – Ziel, sie kleiner zu machen und ihnen etwas von ihrem Glanz zu nehmen. Diese Art, jemanden schlechtzumachen, ist weit verbreitet. Wir Menschen neigen dazu, alles und jeden zu beurteilen, zu bewerten, in Schubladen zu stecken oder andere Menschen teils sogar so darzustellen, als wären sie nicht vertrauenswürdig oder liebenswert.

Üble Nachrede entsteht oft aufgrund von Neid, Verletzungen oder ungerechten Behandlungen, die wir selbst erfahren mussten. Jemand, der lästert, sucht eigentlich Bestätigung für seine Meinung. Leider werden wir hier als Zuhörerin oder Zuhörer oft missbraucht, indem wir ungefragt erfahren, was andere über eine bestimmte Person denken. Wir fühlen uns befangen und begegnen der Person, über die gelästert wurde, etwas anders als bisher.


KURZ UND KNAPP

— Üble Nachrede will die andere Person kleinmachen und ihr den Glanz nehmen.

— Gehen Sie als Vorbild voran. Stellen Sie sich nicht zum Lästern zur Verfügung oder führen Sie bewusst und gekonnt vom Thema weg.


WEB

— Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion (2019): Von Gerüchten bleibt immer etwas im Gedächtnis.


Deutschlandfunk www.deutschlandfunknova.de/beitrag/psychologie-von-geruechten-undungesicherten-infos-bleibt-immer-etwas-im-gedaechtnis


LÖSUNGSSTRATEGIEN

Die folgenden Möglichkeiten bieten sich Ihnen an, um sich übler Nachrede zu entziehen.

Stellen Sie sich nicht zur Verfügung

Stellen Sie sich in Zukunft für diese Art von Gesprächen nicht mehr zur Verfügung und sagen Sie Ihrem Arbeitskollegen offen: «Ich möchte das nicht hören. Mir tut es nicht gut. Es belastet mich.» Oder: «Ich möchte meine eigenen Erfahrungen mit den Menschen machen.» Oder: «Wenn du etwas Gutes zu erzählen hast, dann höre ich dir gerne zu. Ansonsten behalte es lieber für dich, weil es mich sonst belastet.» Wenn Ihr Arbeitskollege wieder damit beginnt, können Sie auch fragen: «Muss ich das wissen?»

Hören Sie den Appell heraus

Versuchen Sie herauszuhören, ob Ihr Arbeitskollege nur über die Schwächen anderer reden will oder ob er bei Ihnen Hilfe sucht, um herauszufinden, was sein Anteil an den Schwierigkeiten mit der anderen Person ist. Bei Letzterem ist es möglich, dass er selbst verstanden hat, dass der Fehler nicht nur bei der/dem anderen liegt, sondern möglicherweise mit seiner eigenen Wahrnehmung zu tun hat. Hier könnte Ihre Unterstützung bereichernd sein.

Führen Sie von übler Nachrede weg

Falls Sie nicht aus einem Gespräch aussteigen können oder wollen, können Sie zumindest versuchen, nicht vorrangig über die Person nachzudenken, über die geredet wird. Konzentrieren Sie sich stattdessen voll und ganz darauf, Ihren Arbeitskollegen zu verstehen, indem Sie versuchen, seine Gefühle wahrzunehmen. Auf diese können Sie dann eingehen und versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden. Auch so können Sie von übler Nachrede wegführen.

Seien Sie ein Vorbild

Und zu guter Letzt: Seien Sie selbst ein Vorbild und stehen Sie für eine positive Lebenshaltung ein, indem Sie selbst es vermeiden, über andere Menschen zu lästern.



ERKENNTNISSE FÜR MICH

1.13 RATSCHLÄGE ERTEILEN


Kürzlich habe ich eine Enttäuschung erlebt, die ich mit meiner Freundin besprechen wollte. Doch es kam nicht wirklich dazu. Relativ schnell erzählte sie mir, wie sie eine schwierige Situation gemeistert hatte, und riet mir, es ähnlich wie sie zu machen. Ich war konsterniert und enttäuscht. Ihre Ratschläge fand ich unangebracht, wollte ich doch bloß gehört werden. Wieso haben mich ihre Ratschläge so irritiert? Sind Ratschläge manchmal wirklich Schläge?

Ratschläge sind auch Schläge – so der Volksmund. Es gibt zwei Formen von Ratschlägen: die erbetenen und die nicht erbetenen. Letztere sind, was sie wörtlich aussagen: Rat-Schläge. Diese werden von oben nach unten erteilt. Das tut dem oder der Ratschlagenden gut, dem oder der «Geschlagenen» aber nicht. Denn ein solch unerbetener Ratschlag wirkt wie eine Bevormundung, und das ist selten das, was man sich im Gespräch mit einer vertrauten Person erhofft. Kein Wunder, dass viele Menschen allergisch auf ungebetenen Rat reagieren. Bei ihnen läuten die Alarmglocken, sobald sie Formulierungen hören wie: «Wenn ich du wäre …», «Ich rate dir …», «An deiner Stelle würde ich …» oder «Du solltest mal …».

Zugegeben, Ihre Freundin meinte es wahrscheinlich gut und wollte nur helfen. Erreicht hat sie aber das Gegenteil. Denn die Botschaft lautet: «Ich weiß genau, was für dich gut ist. Dein Problem ist einfach zu lösen, da muss ich dir gar nicht zuhören.»

Leider ist es Ihrer Freundin nicht gelungen, sich in Ihre Lage zu versetzen, sondern sie hat Ihre Situation mit ihrer eigenen gleichgesetzt. Sie hat offenbar nicht erkannt, was Sie wirklich bedrückt, sondern hat eine Ausgangsbasis geschaffen, die Ihrem Problem nicht gerecht wurde. Fazit: Sie fühlen sich nicht ernst genommen, unverstanden oder ungerecht behandelt. Dabei hätten Sie sich gewünscht, für einen Augenblick im Mittelpunkt zu stehen und die volle Aufmerksamkeit für sich und Ihr Anliegen zu erhalten.


KURZ UND KNAPP

— Nur wer aktiv zuhört, hat die Chance, sein Gegenüber tatsächlich zu verstehen.

— Zeigen Sie Respekt und Wertschätzung für die andere Person und deren Anliegen.


WEB

— Absolventa (2020): Aktives Zuhören: So geht’s.


Absolventa www.absolventa.de/karriereguide/rhetorik/aktives-zuhoeren



LÖSUNGSSTRATEGIEN

Aktiv zuhören

Als bessere Möglichkeit würde sich die Idee des «Aktiven Zuhörens» anbieten. Ihr Gespräch hätte damit eine ganz andere Qualität erreicht. Denn nur wer aktiv zuhört, hat die Chance, das Gegenüber tatsächlich zu verstehen. Zuhören hat etwas mit Aufmerksamkeit zu tun. Das erfordert, dass man sich Zeit für die andere Person nimmt, sich auf sie einlässt, sich selbst zu ihren Gunsten zurückstellt und Anteil nimmt an dem, was sie im Augenblick beschäftigt.

Die Perspektive der/des Betroffenen zählt

Es spielt dabei keine Rolle, ob das Problem aus der Zuhörenden-Perspektive klein oder groß erscheint. Für die Betroffene oder den Betroffenen ist es riesig und nur das zählt. Bleiben Sie als Zuhörerin/Zuhörer beim Thema. Versuchen Sie eine Vorstellung oder ein Bild davon zu bekommen, was Ihnen die andere Person sagen will.

Der betroffenen Person vermitteln, dass Sie sie ernst nehmen

Offene Fragen zu stellen, um Ihr Verständnis zu vertiefen, kann dabei hilfreich sein. Aussagen mit «Das verstehe ich …» quittieren, ebenfalls. Ziel ist es, im Dialog Lösungsmöglichkeiten zu erörtern und/oder der betroffenen Person zu helfen, das Problem selbst zu klären und eine Lösung zu finden. Wenn Sie diese Anregungen annehmen, werden Sie Ihrem Gegenüber den Eindruck vermitteln, dass Sie ihn oder sie ernst nehmen. Das Grundbedürfnis eines jeden Menschen, ernst genommen zu werden, ist dann erfüllt.

Respekt und Wertschätzung zeigen

Die meisten Missverständnisse oder Kommunikationsblockaden entstehen, wenn es der Zuhörerin oder dem Zuhörer nicht gelingt, mit den inneren Erfahrungen des Gegenübers in Kontakt zu treten, oder wenn sie/er die eigenen Gefühle und Erlebnisse in die Botschaft des Gegenübers hineinprojiziert. Bevor Sie also mit Ihrer Klugheit beeindrucken, sollten Sie zuerst den Sachverhalt zu verstehen versuchen, indem Sie Respekt und Wertschätzung für die andere Person und ihr Anliegen zeigen.


ERKENNTNISSE FÜR MICH

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Müəllif hüququ sahibi:
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