Kitabı oxu: «Der Prophet»
Table of Contents
Title Page
Stimmen zum Buch
Widmung
Danksagungen
Einführung: Für die vielen, nicht für die wenigen
TEIL 1: PROPHETISCHE ANFÄNGE
Kapitel 1: Wo Adler zu fliegen wagen
Kapitel 2: Die Geschichte des prophetischen Dienstes
Kapitel 3: Vier Ebenen des prophetischen Dienstes
TEIL 2: PROPHETISCHE ENTWICKLUNG
Kapitel 4: Die Gabe der Prophetie empfangen und freisetzen
Kapitel 5: Bausteine: Die Anatomie eines prophetischen Wortes
Kapitel 6: Der Prophet und das Ablehnungssyndrom
TEIL 3: PROPHETISCHE VIELFALT
Kapitel 7: Sieben Arten der prophetischen Kommunikation
Kapitel 8: Prophetische Frauen
Kapitel 9: Einflussnahme auf die sieben Bereiche der Gesellschaft
TEIL 4: PROPHETISCHE BEAUFTRAGUNG
Kapitel 10: Von der Hingabe zum Gesandt-Sein
Kapitel 11: Wege der Weisheit lernen
Kapitel 12: Ein Blick in die Zukunft: Eine Vision der Braut Christi
Anhang 1: Bibelstellen über Prophetie
Anhang 2: Möchtest du versuchen zu prophezeien?
Anhang 3: Praktische Vorschläge zum Umgang mit Prophetie in Versammlungen
Anhang 4: Empfohlene Literatur
Über den Autor
Werbungsseiten Goll - Der Prophet fuer epub
James Goll
Der Prophet
Eine gesunde prophetische Kultur
fördern und bewahren
GloryWorld-Medien
1. Auflage 2020
© Copyright 2019 by James W. Goll. Originally published in English under the title „The Prophet – Creating and Sustaining a Life-Giving Prophetic Culture“ by Destiny Image Publishers, Inc. All rights reserved.
© der deutschen Ausgabe 2020 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany, www.gloryworld.de
Alle Rechte vorbehalten
Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, der Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung von 208 entnommen. Weitere Bibelübersetzungen:
LUT: Lutherbibel, Revidierte Fassung von 2017
NeÜ: Neue evangelistische Übersetzung © 2013 Karl-Heinz Vanheiden
NGÜ: Neue Genfer Übersetzung, 2009
SLT: Schlachter 2000
Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst.
Übersetzung/Satz: Manfred Mayer
Lektorat: Klaudia Wagner
Umschlaggestaltung: Jens Neuhaus, www.7dinge.de
Umschlagmotiv: pixabay
ISBN (epub): 978-3-95578-482-9
ISBN (Druck): 978-3-95578-382-2
Stimmen zum Buch
Mein geschätzter Freund James Goll wirkt jetzt schon seit Jahrzehnten als gewichtige prophetische Stimme im Leib Christi. Er hat sich als ein einzigartiges Geschenk für die Gemeinde und für mich persönlich erwiesen, weil er sich in seinen von Gott bestimmten Rollen als erfahrener Prophet, Lehrer und Autor ausgezeichnet hat. Sein Dienst gibt auch weiterhin den Weckruf des Heiligen Geistes weiter, das rechte Wort aus dem Herzen des Vaters.
In der Reihe seiner großen Sammlung von Schriften ist Der Prophet eine Ergänzung zu dem Buch Geistlich wahrnehmen und unterscheiden und ein weiterer augenöffnender Einblick in das prophetische Leben. Es ist eine mutige Einladung an die kommende Generation von Christusnachfolgern, unerschrocken in die prophetische Bewegung einzutauchen, die Gott überall auf der Welt freisetzt. Er zeigt einen soliden biblischen Rahmen für den prophetischen Dienst auf und beleuchtet die Rolle der Propheten mit seiner in vielen Jahren erworbenen Weisheit und Erkenntnis. James ist ehrlich und realistisch in seiner Bewertung der geistlichen Dynamik, die im Leben eines Propheten wirkt. Sein maßgebendes Buch erläutert alles, was Gott mit den prophetischen Gaben, die er seinen Kindern gegeben hat, beabsichtigt. Der Prophet gibt dir eine Vorlage an die Hand, wie du deine prophetische Bestimmung noch besser ausleben kannst, und James Goll vermittelt diese dringend benötigte Botschaft mit der Gnade und Kraft eines echten Propheten.
Dr. Ché Ahn
Präsident von Harvest International Ministry Hauptpastor der HROCK Church, Pasadena, CA
Wenn der Herr spricht, wird die Wirklichkeit neu definiert. Was einst unmöglich war, wird durch sein Wort möglich. Als der Kanal der Gegenwart Gottes hat die Gemeinde die Autorität und Verantwortung, mit seinem Reden gut umzugehen. James Goll legt dies in seinem neuen Buch Der Prophet eindrucksvoll dar. Dabei gefiel mir mit am besten, dass er betont, dass jeder Gläubige das Prophetische wertschätzen und verantwortlich damit umgehen sollte. James Goll stellt praktische Strategien und Methoden vor, um die prophetische Gabe sowohl persönlich zu entwickeln als auch im Leib Christi voranzubringen. Als Gläubige sind wir dazu berufen, Gott einer Welt vor Augen zu führen, die nach ihm schreit, da er die Sehnsucht der Völker ist. Fasse Mut, erwarte mehr und bitte um Weisheit, damit die ganze Welt die Güte Gottes erkennt.
Bill Johnson
Bethel Church, Redding, CA
Ich habe viele Bücher über „den Propheten“ gelesen. Ich habe sogar selbst ein Buch über Propheten, Prophetie und prophetische Offenbarung geschrieben. Ich habe jedoch kein Buch gelesen, das „den Propheten“ besser erklärt als Der Prophet von James Goll. James erläutert die Bausteine der Anatomie eines prophetischen Wortes und erklärt dann, wie ein solches Wort weitergegeben werden sollte. Dabei bezieht er sowohl Herz als auch Verstand mit ein. Ein Prophet spricht nicht einfach nur die Wahrheit, sondern bringt bei der Weitergabe des Wortes auch das Herz Gottes zum Ausdruck. Wir alle prophezeien, aber einige sind Propheten. Für beide ist dieses Buch ein Muss.
In den letzten vier Jahrzehnten haben wir die Wiederherstellung des Propheten erlebt. Gott sei Dank haben wir jetzt dieses Buch, das die ganze Fülle dessen darstellt, was diese Gabe zum Ausdruck bringen soll. Wir stehen an der Schwelle einer neuen Bewegung des Heiligen Geistes. Der Schlüssel zur Prophetie ist der Heilige Geist, und der moderne Prophet muss mit dem Geist erfüllt sein. Dieses Buch enthüllt die Identität, in der wir zukünftig wandeln sollen.
Dr. Chuck D. Pierce
Präsident von Glory of Zion Intl.
Ich danke Dr. James Goll dafür, dass er mit Der Prophet ein außergewöhnliches Buch geschrieben hat, das praktisch, inspirierend und vor allem biblisch ist. Es ist insofern auch apologetisch, als es die Position derjenigen widerlegt, welche den Fortbestand der Gabe der Prophetie und des Prophetenamtes ablehnen. Ich fand das Buch eine willkommene Ergänzung zu anderen Büchern über Prophetie, aber es ist mehr – es ist ein Lehrbuch für jeden, der im 21. Jahrhundert etwas über Prophetie, Propheten, den prophetischen Dienst und ihren Bezug zur Gemeinde lernen möchte. Das Kapitel über Frauen und Prophetie mit seiner hohen Wertschätzung für Frauen ist sehr aktuell. Auch das Kapitel „Von der Hingabe zum Gesandt-Sein“ mit seiner Betonung darauf, zuerst Diener(innen) und dann dienende Leiter(innen) zu sein. Ich glaube, dass jeder, der wachsen und etwas über den prophetischen Dienst lernen möchte, dieses Buch lesen sollte.
Randy Clark, D. Min.
Leiter des Apostolischen Netzwerks von Global Awakening
James Goll ist ein Freund und ein angesehener Vater in der prophetischen Bewegung. Die Botschaft in Der Prophet ist eine der besten, die ich bisher gelesen habe. Es ist voller Weisheit, Salbung und Gegenwart des Heiligen Geistes. Als ich anfing, es zu lesen, konnte ich es nicht mehr weglegen. Auf diesen Seiten wirst du einem starken Verlangen begegnen, die Stimme des Herrn zu kennen und zu hören. Gleichzeitig wirst du durch die Weisheit und die Lehre, wie man prophezeit, aktiviert. „Aber ich wünsche mir noch mehr, dass ihr anderen prophetische Offenbarung vermittelt. Größerer Nutzen kommt durch den, der prophetisch weissagt“ (1 Kor 14,5 – The Passion Translation). Ich bin davon überzeugt, dass alle, die dieses Buch lesen, mehr Klarheit und eine größere Salbung empfangen werden, um das prophetische Wort des Herrn zu hören und freizusetzen, und dass Der Prophet für die kommenden Jahre zu einer klassischen Botschaft werden wird. Danke, James, für dieses Wort zur rechten Zeit.
Rebecca Greenwood
Präsidentin von Christian Harvest International
Mein Freund James Goll hört nie auf, mich mit seiner Kompetenz und Erkenntnis zu verblüffen. Das hat mit seiner Lebenserfahrung sowie mit seiner Leidenschaft zu tun, mit Jesus als seinem Freund zu wandeln. Der „Wohlgeruch“ seines Erlösers, der auf ihm liegt, geht auf einen über, wenn man mit ihm zusammen ist. Das gilt auch für sein Buch Der Prophet, das sozusagen eine Erweiterung seiner Person ist. Ich ermutige dich, dieses Buch nicht nur zur Information zu lesen, sondern dich vom Duft des prophetischen Öls durchdringen zu lassen. Lass dich von dieser prophetischen Essenz überfluten, damit ihr alle nacheinander prophezeien könnt (vgl. 1 Kor 14,31).
Robert Henderson
Bestsellerautor der Reihe The Courts of Heaven
Der Prophet von Dr. James Goll ist ein aktueller und wertvoller Beitrag für die Gemeinde unserer Generation. Wir leben in einer Zeit, in der Gott wirklich eine große Schar seiner Propheten heranzieht, um die Welt mit einer mächtigen Infusion und Invasion seines Reiches und seiner Gerechtigkeit zu beeinflussen. Viele werden Fragen stellen, wie z. B.: Was ist der Unterschied zwischen prophetisch sein und Prophet sein? Kann jeder Gläubige ein Prophet sein? Was macht einen Propheten aus? Wer sind die Propheten? Kann ich als Prophet dienen? Dieses Buch wird diese Fragen und mehr beantworten und Hunger in dir wecken, dich auf das Herz und den Willen Gottes für diese Stunde einzulassen.
Dr. Patricia King
Autorin und Gründerin von Patricia King Ministries
James Goll legt uns ein Buch vor, das viele Fragen beantwortet, die Menschen häufig über das Prophetische stellen. Dieses Buch wird dazu beitragen, die gesamte prophetische Bewegung auf eine neue Ebene zu heben.
Dr. Cindy Jacobs
Generals International
INHALT
Vorwort von Shawn Bolz
Vorwort von Bill Hamon
Einführung: Für die vielen, nicht für die wenigen
Teil 1: Prophetische Anfänge
1 Wo Adler zu fliegen wagen
2 Die Geschichte des prophetischen Dienstes
3 Vier Ebenen des prophetischen Dienstes
Teil 2: Prophetische Entwicklung
4 Die Gabe der Prophetie empfangen und freisetzen
5 Bausteine: Die Anatomie eines prophetischen Wortes
6 Der Prophet und das Ablehnungssyndrom
Teil 3: Prophetische Vielfalt
7 Sieben Arten der prophetischen Kommunikation
8 Prophetische Frauen123
9 Einflussnahme auf die sieben Bereiche der Gesellschaft
Teil 4: Prophetische Beauftragung153
10 Von der Hingabe zum Gesandt-Sein
11 Wege der Weisheit lernen
12 Ein Blick in die Zukunft: Eine Vision der Braut Christi
Anhang 1: Bibelstellen über Prophetie
Anhang 2: Möchtest du versuchen zu prophezeien?
Anhang 3: Vorschläge zum Umgang mit Prophetie in Versammlungen
Über den Autor
Widmung
Seit Jahren lege ich großen Wert darauf, junge Leiter in den weltweiten Gebets- und Prophetiebewegungen zu schulen und zu ermutigen. Ich erlebe jetzt, wofür ich jahrelang gebetet habe: die Vereinigung der Generationen. Es ist eine solche Freude zu sehen, wie diese jungen Adler hervorkommen, welche die sieben Geister Gottes in die sieben Kulturkreise der Gesellschaft tragen.
In diesem Sinne möchte ich dieses Buch, Der Prophet, den jungen prophetischen Stimmen widmen, die auf der ganzen Welt für eine solche Zeit wie diese hervorkommen. Möge meine „Decke“ wirklich euer „Boden“ sein!
Danksagungen
Mit tiefer Dankbarkeit und Wertschätzung möchte ich Larry Sparks von Destiny Image dafür danken, dass er mir die Gelegenheit bot, Der Prophet zu veröffentlichen, in der Hoffnung, dass er zu einem modernen Klassiker werden könnte. Als er die Idee zum ersten Mal vorschlug, betete ich kurz und reagierte positiv mit: „Auf jeden Fall! Ja! Welch eine Ehre!“
Alles, was ich tue, ist immer eine Teamleistung. Vielleicht bin ich der Teamleiter, aber dicht hinter mir steht die unverwüstliche Kathy Deering. Diese hingebungsvolle Frau Gottes hat mir beim Schreiben von mehr Büchern geholfen, als ich mich erinnern kann. Ihre Treue und ihr Fleiß beim Recherchieren und Neuarrangieren meiner Inhalte, um einen besseren Textfluss zu erreichen, ist ein Geschenk an mich und damit an den Leib Christi insgesamt.
Ich bin auch jenen Vätern im Prophetischen zutiefst dankbar, die mein Leben so viele Jahre lang geprägt haben. Dazu gehören John Sandford, Bob Jones und Paul Cain, die bereits verstorben sind. Besonders möchte ich die Weisheit, Beständigkeit und den Charakter von Bischof Bill Hamon, dem Gründer von Christian International, würdigen. Ich danke dem Herrn, dass ich im Schatten dieser lieben Männer Gottes wandeln durfte.
Mögen doch alle im Volk des HERRN Propheten sein, dass der HERR seinen Geist auf sie lege!
4. Mose 11,29
VORWORT VON SHAWN BOLZ
Ich saß in einem Flugzeug und erhielt etwa zwanzig Textnachrichten, von denen jede ein noch wichtigeres Zeugnis oder Erlebnis enthielt als die letzte und in denen es darum ging, wie verschiedene Freunde in unseren Tagen echten Propheten begegnet waren, die ihnen prophetische Worte gegeben hatten. Diese Worte waren alle mit Geschichten verknüpft. Jeder Prophet hatte verschiedenen Leuten in deren gesellschaftlichem Umfeld zu großer Autorität und wichtigen Beziehungen verholfen. Jedes war ein Zeugnis dafür, wie der Prophet ihr Leben beeinflusst und wie das Wort, das sie empfangen hatten, alles verändert hatte. Ich war so begeistert, weil es nicht nur eine geistliche Ermutigung war. Sie sprachen über verschiedene Männer und Frauen, die Gott zu Propheten berufen hat, und dass Propheten in unserer Zeit durchaus wirksam sind. Dann vernahm ich in meinem Geist deutlich, dass Gott die Würde der Propheten in unserer Zeit wiederherstellt.
Die Propheten im Alten Testament waren die begehrtesten Menschen, wenn jemand sich in einer Übergangsphase oder einer Krise befand oder wenn es um nationale Ziele in Israel und darüber hinaus ging. Die Propheten waren die Empfänger von Gottes Gedanken, und wenn Menschen sie trafen, trat dieser allgegenwärtige Gott durch sie in Erscheinung – in einer Weise, die bewies, dass er sich sehr um diejenigen kümmerte, die nach ihm suchten.
Im Neuen Testament sehen wir, dass Propheten noch eine weitere, ebenso wichtige Rolle spielen, nämlich dabei mitzuwirken, dass sich das Reiches Gottes auf der ganzen Welt ausbreitet. Sie waren es, die den anderen Christen geholfen haben, mit Offenbarungen und Prophetien gut umzugehen. Die Welt sehnt sich so sehr nach dem göttlichen Rat des Heiligen Geistes, durch den das, was normalerweise ein Jahr Beratung, einen teuren Business-Coach, einen Life Coach oder einen Bildungsprozess erfordert, in einem Augenblick geschehen kann, wenn man ihm begegnet.
Denke nur an die Multimilliarden-Dollar-Industrie der Hellseher, Esoteriker, Medien und des Okkulten. Warum sind sie in der Gesellschaft so präsent? Weil die Menschen auf der Suche nach geistlicher Wegweisung sind. Die Menschen sind hungrig nach geistlicher Wahrheit, die sie in ihrem Schmerz, ihrer Karriere und für ihre Identität anwenden können. Es ist eine große Fälschung des Dienstes der Propheten, die uns durch den Geist Gottes in Echtzeit mit Gottes ursprünglichen Plänen und Zielen in Verbindung bringen. Und er tut es durch seine Propheten kostenlos!
James Goll ist wie eine Meisterenzyklopädie des Prophetischen in unserer Generation, und nun hat er dieses Buch veröffentlicht, das dazu beiträgt, das Prophetische für unsere Zeit neu theologisch zu begründen. Sein durchdachter Lehransatz zu einem sehr kontroversen Thema ist eine Basis für alle, die Propheten und ihre Rolle für die Gemeinde heute besser verstehen wollen. Seine Lehrmaterialien geben Rat und rüsten aus und vermitteln sowohl eine großartige Vision als auch tiefe Kenntnisse. Dieses Buch bringt dich im Prophetischen voran, was die Welt gerade jetzt braucht. Es unterstützt dich darin und gibt dir Wegweisung, wie du das Prophetische in deinen Einflussbereich hineinbringen kannst, und macht dir auf biblischer Grundlage Mut, deiner Berufung nachzugehen. Es hilft dir auch, einige der Probleme zu verstehen, mit denen Propheten konfrontiert sind, und es gibt dir Einblicke in die verschiedenen Wege, auf denen wir Offenbarung bekommen können.
James hat eine unbeschreibliche Fülle an Erfahrung als Prophet, was sehr selten ist und dieses Buch so anders macht. Er nimmt sich die Zeit, die Rolle biblisch zu begründen, aber er nutzt seine Erfahrung auch, um den Weg nach vorne zu weisen. Letztlich wollen wir erleben, dass das Prophetische seinen rechtmäßigen Platz in der Gemeinde hat, weil es so agiert, als hätten wir ein volles Bankkonto – es ist eine Ressource, ohne die wir nicht leben können, wenn wir sie einmal erlebt haben. Wenn wir von Gott geleitet Propheten in ihre Autorität und in ein Beziehungsumfeld einsetzen können, bringt das Gnade in Situationen hinein und beschleunigt alles, was wir tun.
Lies dieses Buch und lass es deine Theologie und dein Herz in Bezug auf das Prophetische prägen. Dann weißt du, wie du es gesund ausüben kannst, und wir können das Amt des Propheten wiederherstellen.
Shawn Bolz
Bestsellerautor von „Translating God“ und „God Secrets“
www.bolzministries.com
VORWORT VON BILL HAMON
Dieses Buch von James Goll erklärt sehr gut das Leben und den Dienst des Propheten. Ich freue mich immer über solche Bücher. Ich selbst wirke seit 1953 als Prophet. Allerdings habe ich mich anfangs nach den damaligen Vorstellungen des Leibes Christi gerichtet, was ein Prophet tun kann. 1973 hatte ich eine Begegnung mit Gott, in der er mir offenbarte, wie der Dienst eines Propheten im zwanzigsten Jahrhunderts aussieht. Er gab mir eine Salbung, durch die ich an einem Abend zahlreichen Menschen prophetisch dienen konnte. Dann prophezeite mir 1984 ein älterer Prophet, Gott werde mir eine Salbung geben, durch die ich ein Multiplikator von Multiplikatoren sein würde, die selbst wieder prophetische Dienste ins Leben rufen würden. Ich schrieb das Handbuch für den Dienst mit geistlichen Gaben, mit dem wir in den letzten 30 Jahren fast eine halbe Million Heilige auf allen Kontinenten ausgebildet haben. Nachdem 1988 die prophetische Bewegung entstanden war, schrieb ich weitere drei Bücher, um aufzuzeigen, dass das Prophetische im zwanzigsten Jahrhundert immer noch seine Berechtigung hat. Diese drei Bücher erklären die prophetische Bewegung und die Fallen, die es zu vermeiden gilt, sowie die Prinzipien, die man beachten sollte.
James Goll leistete Pionierarbeit für das, was er die „Seherpropheten“ nannte, und hat auch das Wirken der Seherpropheten demonstriert. Wie die meisten wahren Propheten hat er viele Prüfungen durchlaufen, dazu das Leid durch den Tod seiner Frau und den Kampf gegen den Krebs in seinem eigenen Körper. Er hat sich als echter Krieger, Überwinder und treuer Diener des Herrn erwiesen. Ich kenne James seit etlichen Jahren und bin mit ihm befreundet. Er ist ein wahrer Mann Gottes und ein wahrer Freund.
Möge dieses Buch vielen helfen, die Berufung und den Dienst der Propheten Gottes im 21. Jahrhundert zu ergreifen und zu verstehen.
Bill Hamon
Bischof des Christian International Apostolic-Global Network
Einführung: Für die vielen, nicht für die wenigen
Ich bin fest davon überzeugt, dass die gegenwärtige prophetische Bevollmächtigung für die vielen, für die „gewöhnlichen“ Glieder der Basis des Leibes Christi gedacht ist, nicht nur für die wenigen, die prophetischen „Superstars“. Aufeinanderfolgende Wellen des Geistes Gottes werden sich weiter entfalten, bis die Gemeinde Jesu Christi vom Geist der Weisheit und der Offenbarung in der Erkenntnis Jesu Christi durchdrungen ist (vgl. Eph 1,17). Gott, unser Vater, wird nicht nachlassen, bis sein Volk von der Offenbarung der Schönheit seines Sohnes erfüllt ist. Wenn das einladend klingt, wirst du wissen, dass es auch dir gilt!
Mose kam seinerzeit zu dieser Auffassung. Als er versuchte, sein jammerndes Volk in das Gelobte Land zu führen, lastete ein gewaltiger Druck auf diesem gesalbten Mann. Sein Klageschrei zum Herrn findet sich in 4. Mose 11,14: „Ich allein kann dieses ganze Volk nicht tragen, denn es ist mir zu schwer.“ Aber Gott hatte eine Lösung für Moses Dilemma:
Und der HERR sprach zu Mose: Versammle mir siebzig Männer aus den Ältesten Israels, von denen du erkannt hast, dass sie Älteste des Volkes und seine Aufseher sind, und führe sie zu dem Zelt der Begegnung, dass sie sich dort mit dir zusammen aufstellen! Und ich werde herabkommen und dort mit dir reden, und ich werde von dem Geist nehmen, der auf dir ist, und auf sie legen, damit sie mit dir an der Last des Volkes tragen und du sie nicht mehr allein tragen musst (4 Mose 11,16-17).
Mose ging also hinaus und sagte dem Volk die Worte des Herrn. Er versammelte die siebzig Ältesten und platzierte sie um das Zelt herum. Dann kam der Herr in der Wolke herab und nahm von dem Geist, der auf Mose ruhte, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. In Vers 25 heißt es: „Und es geschah, sobald der Geist auf sie kam, weissagten sie; später aber nicht mehr.“
Was für ein schönes Bild, aber was für ein unbefriedigendes Ergebnis! Mit einer Handbewegung des Meisters wurde die prophetische Gegenwart, die auf Mose ruhte, unter den siebzig verteilt, und sie prophezeiten, aber danach taten sie es nicht mehr. Gott sei Dank war dies nicht das letzte Wort in dieser Sache.
Zwei Männer, Medad und Eldad, waren im Lager geblieben. Sie waren nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort aufgetaucht. Trotzdem kam der Geist genauso auf sie wie auf die Ältesten, und sie ließen den Geist im Lager wirken. Wenn ich mir diese Szene vorstelle, sehe ich zwei Krieger, die so hungrig nach der Salbung des Herrn waren, dass ihr Herz zu einem mitfühlenden Gott schrie: „Gib mir alles, was du hast! Mehr, Herr!“ Gott antwortete auf ihr Flehen. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Medad und Eldad jemals aufgehört haben zu prophezeien. Möglicherweise gingen sie wie wild durchs Lager, legten Menschen die Hände auf und verkündeten Gottes mächtiges Wort.
Vielleicht sah es ein wenig ungewöhnlich und unzulässig aus, da es einen jungen Mann gab, der loslief und Mose berichtete: „Eldad und Medad weissagen im Lager!“ (V. 27). Auch Josua schloss sich dem an und fügte hinzu: „Mein Herr, Mose, halte sie zurück!“ (V. 28). Ähnelt diese Reaktion nicht jenen, die durch die Jahrhunderte hindurch das Wirken des Geistes kontrollieren wollten?
Aber Mose sagte zu ihm: „Eiferst du für mich? Mögen doch alle im Volk des HERRN Propheten sein, dass der HERR seinen Geist auf sie lege!“ (4 Mose 11,29).
Durch Moses Antwort wird Gottes Herz offenbart: Der prophetische Geist ist für die vielen, nicht für die wenigen. Die siebzig Ältesten um das Zelt herum prophezeiten nur einmal. Gott sehnt sich nach einer Generation unscheinbarer Menschen, die fortwährend in seiner prophetischen Gegenwart lebt.
Jahrhunderte später wurde der Prophet Joel zur Posaune Gottes und erklärte, Gott werde in den letzten Tagen seinen Geist über alles Fleisch ausgießen (vgl. Joel 2,28). Am Pfingsttag nahm Petrus den Stab Joels auf und verkündete: „Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, dass ich von meinem Geist ausgießen werde auf alles Fleisch, und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure jungen Männer werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden in Träumen Visionen haben“ (Apg 2,17).
Ist dir das klar? Der prophetische Geist ist für die vielen, nicht für die wenigen! Strecke dich nach ihm aus und erhebe deinen eigenen Schrei zu ihm: „Vater, gieße deinen Geist so stark über den Leib deines Sohnes aus, dass er uns aus dem Zelt der Begegnung hinaus in die Welt sendet. Setze die Fülle des Geistes der Weisheit und der Offenbarung frei, wie du es mit Medad und Eldad getan hast, und befähige dein großes Volk, durch den Geist der Prophetie Jesus zu bezeugen.“
Letzten Endes geht es in Der Prophet darum, das Herz Jesu zu bekommen und seine Gedanken auszusprechen, während du dich immer mehr auf ein festes biblisches Fundament stützt und gründest.
Um dir die Orientierung zu erleichtern, ist dieses Buch in vier Abschnitte gegliedert: Prophetische Anfänge, Prophetische Entwicklung, Prophetische Vielfalt und Prophetische Beauftragung. Jedes der zwölf Kapitel baut auf dem jeweils vorhergehenden auf.
Möge der Segen des Herrn mit dir sein! Möge er ein festes Fundament für das Zeugnis Jesu in deinem Leben legen!
TEIL 1: PROPHETISCHE ANFÄNGE
Kapitel 1: Wo Adler zu fliegen wagen
Aber die auf den HERRN hoffen, gewinnen neue Kraft; sie heben die Schwingen empor wie die Adler, sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht.
Jesaja 40,31
Wie es bei Johannes, dem Geliebten, auf der Insel Patmos war, höre ich die Stimme des Geistes sagen: „Komm hier herauf!“ (Offb 4,1). Ja, erhebe dich wie ein Adler über die Mächte der Finsternis und die Fürstentümer des Bösen. Erhebe dich in eine Atmosphäre, die frei von geistlicher Kriegsführung, Streit und Sorge ist. Nutze den Wind und lass dich höher tragen – dahin, wo die Strömung frei fließt und selbst eine winzige Brise bewirkt, dass du an Höhe gewinnst. Wie wunderbar ist es doch, dass der mächtige Adler es wagt, dorthin zu fliegen, wo noch nie zuvor ein zweiflügeliges Wesen geflogen ist.
Wie der Adler fliegt der Prophet höher und sieht weiter als alle anderen von Gott Begabten. Der Prophet schwebt durch die geöffnete Tür und erhebt sich an den Ort, wo der Himmel blau, die Vision klar und du alles aus der Perspektive des dritten Himmels siehst. Wenn Propheten, prophetisch begabte Menschen und die lang erwartete prophetische Generation mutiger Gläubiger hervortreten, weißt du, dass die herrlichen Pläne und Ziele des Vaters sich für eine Zeit wie diese immer schneller erfüllen.
Eine Vielfalt von Adlern
Weltweit gibt es mehr als sechzig Arten majestätischer Adler – in Eurasien, Afrika, Mittel- und Südamerika, Australien, Kanada und den Vereinigten Staaten, wo 1782 der Weißkopfseeadler als nationaler Wappenvogel eingeführt wurde. Die Flügelspannweite eines Adlers kann bis zu 2,50 m erreichen, und ihre Nester können bis zu 450 kg wiegen. Obwohl sie Einzelgänger sind, bleiben sie ein Leben lang ein Paar. Adler sind seit Langem ein Symbol für Größe und Kraft und tauchen von der Antike bis heute auf Währungen, Siegeln, militärischen Insignien und Flaggen auf.
Adler waren nicht nur Gegenstand ägyptischer, römischer und indianischer Folklore, sondern finden sich auch im gesamten Alten Testament und in der Offenbarung. Ist dir das aufgefallen? Gott benutzt Beispiele von Adlern, um uns viele Dinge zu lehren. Er vergleicht uns und diesen erstaunlichen Vogel – wenn wir uns nur dafür entscheiden, uns in allem auf seine Kraft zu verlassen.
Dem obigen Abschnitt aus Jesaja gehen diese Verse voraus:
Hast du es nicht erkannt, oder hast du es nicht gehört? Ein ewiger Gott ist der HERR, der Schöpfer der Enden der Erde. Er ermüdet nicht und ermattet nicht, unergründlich ist seine Einsicht. Er gibt dem Müden Kraft und dem Ohnmächtigen mehrt er die Stärke. Jünglinge ermüden und ermatten, und junge Männer straucheln und stürzen. Aber die auf den HERRN hoffen, gewinnen neue Kraft; sie heben die Schwingen empor wie die Adler, sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht … (Jes 40,28-31).
Unser allmächtiger Schöpfer lässt uns ebenso wenig allein, wie eine Adlermutter ihre Küken alleinlässt. Und er kümmert sich um uns in jeder Hinsicht, sieht unsere Schwächen voraus und gibt uns Tag für Tag und Jahr für Jahr frischen Wind unter die Flügel.
In diesem Buch möchte ich mit dir eine Untersuchung darüber anstellen, wie Gott seine eigenen Söhne und Töchter dafür ausrüstet, den ganzen Weg zum Sohn hinaufzusteigen, indem sie unermüdlich und auf vielfältige Weise seine Herrlichkeit prophezeien. Er ist derjenige, „… der mit Gutem sättigt dein Leben. Deine Jugend erneuert sich wie bei einem Adler“ (Ps 103,5).
Wenn wir dem Herrn und seinem Ruf folgen, können wir sicherlich müde werden. Er möchte uns zeigen, wie wir unsere beiden Flügel bereit haben können – das Wort Gottes und das anbetende Gebet –, sodass wir, wenn der Wind des Geistes mächtig weht, aufsteigen und schöne Kreise ziehen können, während wir uns am Himmel drehen.
Überall in der Heiligen Schrift stehen Adler für Schnelligkeit und Kraft – und für die Herrlichkeit Gottes. Ich denke dabei an die Adler sowohl bei der himmlischen Vision Hesekiels als auch Jahrhunderte später in der Offenbarung des Johannes:
Und das war die Gestalt ihrer Gesichter: Das Gesicht eines Menschen und das Gesicht eines Löwen hatten die vier rechts, und das Gesicht eines Stieres hatten die vier links, und das Gesicht eines Adlers hatten die vier (Hes 1,10).
Und das erste lebendige Wesen war gleich einem Löwen und das zweite lebendige Wesen gleich einem jungen Stier, und das dritte lebendige Wesen hatte das Angesicht wie das eines Menschen, und das vierte lebendige Wesen war gleich einem fliegenden Adler. Und die vier lebendigen Wesen hatten, eines wie das andere, je sechs Flügel und sind ringsum und inwendig voller Augen, und sie hören Tag und Nacht nicht auf zu sagen: Heilig, heilig, heilig, Herr, Gott, Allmächtiger, der war und der ist und der kommt! Und wenn die lebendigen Wesen Herrlichkeit und Ehre und Danksagung geben werden dem, der auf dem Thron sitzt, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit … (Offb 4,7-9).
Einige Bibelausleger sagen, dass sich diese vier Gesichter oder vier Lebewesen auf die vier Evangelien beziehen, von denen jedes einen anderen Aspekt der Natur Gottes darstellt. Was tun diese Geschöpfe im Himmel einstimmig? Sie verkünden: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der allmächtige Gott.“ Sie können einfach nicht aufhören, von seiner Herrlichkeit zu erzählen. Und wenn wir selbst auf Adlerflügeln aufsteigen und vom Wind seines Geistes immer höher getragen werden, können wir es auch nicht.
Der Adler als prophetisches Symbol
Der Adler ist einer der größten und sicherlich der majestätischste aller lebenden Vögel. Aus diesem Grund stellen so viele Länder, nicht weniger als fünfundzwanzig, Adler in ihrem Wappen dar. Die nordamerikanischen Eingeborenenstämme verwenden Adlerfedern in ihren religiösen Traditionen. Hier in Nordamerika sind der Steinadler und der Weißkopfseeadler am bekanntesten. Die Verfasser der Heiligen Schrift haben wohl Steinadler gesehen, zusammen mit drei anderen Adlerarten, und noch weiteren, die Zugvögel sind auf ihrem Zug. Ausgewachsene Adler werden heute auf der ganzen Welt als lebendige Symbole der Freiheit, Kraft und Erhabenheit bewundert.
Adler werden oft auch als besonders repräsentativ für die prophetische Salbung angesehen. Menschen, die sich mit biblischer Symbolik beschäftigen, interpretieren Adler immer auf diese Weise – denke nur an die sprichwörtliche Scharfsichtigkeit von Adlern, ganz zu schweigen von ihrer Fähigkeit, „höher hinaufzukommen“.
Adler haben für mich noch mehr Bedeutung. Jahrelang dienten die kombinierten Dienste von Encounters Network und Compassion Acts der Nation der Cherokee-Indianer mit ihrem Sitz in Tahlequah in Oklahoma durch gute Taten, humanitäre Hilfe und Gebet. Aufgrund dieser Verbindung wurde ich vom Stamm der Cherokee adoptiert und erhielt während eines besonderen Gebetstages den Namen „Weißer Adler“. Ich wurde in einer Zeremonie geehrt, mit einer langen weißen Adlerfeder beschenkt und beauftragt, in Gebet und Prophetie „in den Himmel zu steigen“.
Den verstorbenen Bob Jones, einen meiner prophetischen Mentoren, nenne ich meinen „prophetischen Papa“. Er war als Seher bekannt und hatte die ganze Zeit immer dieses eine Sweatshirt an. Vielleicht hatte er ja zehn davon; ich bin mir da nicht sicher. Jedenfalls war auf seinem blauen Sweatshirt das Bild eines Adlers abgebildet. Nichts hätte passender sein können. Bob war als ein Adler beauftragt worden, andere Adler herbeizurufen und auszurüsten, die ihrerseits weitere Adler für die nächsten zwei oder drei Generationen ausrüsten würden.
Als prophetische Leute müssen wir „höher hinaufsteigen“ und die Dinge aus einer himmlischen Perspektive sehen. Der Apostel Johannes erklärte prophetisch:
Nach diesem sah ich: Und siehe, eine Tür, geöffnet im Himmel, und die erste Stimme, die ich gehört hatte wie die einer Posaune, die mit mir redete, sprach: Komm hier herauf! Und ich werde dir zeigen, was nach diesem geschehen muss. Sogleich war ich im Geist: Und siehe, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Thron saß einer. Und der da saß, war von Ansehen gleich einem Jaspisstein und einem Sarder, und ein Regenbogen war rings um den Thron, von Ansehen gleich einem Smaragd (Offb 4,1-3).
Jeder von uns muss die Vision ergreifen, die Gott sendet, denn obwohl nicht alle von uns für einen öffentlichen prophetischen Dienst bestimmt sind, kann jeder von uns auf bestimmte Weise prophezeien. Gemeinsam sind wir berufen, der prophetische Leib Christi zu sein. Unser Gott lädt uns ein, zu ihm kommen und die Welt und sein Reich aus einer höheren, himmlischen Perspektive zu sehen.
Es geht nicht nur um die nächste große Erfahrung. Es geht darum, weiter Ausschau zu halten, wie Johannes der Geliebte es tat. Er schaute weiter, bis er den thronenden Herrn Jesus sah.
Adler und wir
Wenn man sich die Fakten über Adler ansieht, kann man alle möglichen Parallelen zu prophetischen Äußerungen erkennen. Wir wollen einige davon betrachten, wobei wir uns die Weisheit des Paulus vor Augen halten: „Aber das Geistliche ist nicht zuerst, sondern das Natürliche, danach das Geistliche“ (1 Kor 15,46). Merke: zuerst das Natürliche, dann das Geistliche. Das Geistliche kommt nicht zuerst.
Es gibt über sechzig Adlerarten auf der Welt. Zweifellos gibt es auch über sechzig „Arten“ von Propheten und prophetischen Äußerungen in der Welt. Propheten gibt es in allen Formen und Größen, und wie du im Verlauf dieses Buches sehen wirst, drücken sie Gottes Herz und Verstand auf verschiedenste Weise aus.
Vor fünfzig Jahren standen Weißkopfseeadler in Nordamerika noch auf der Liste der gefährdeten Arten, da man davon ausging, dass nur etwa fünfhundert Brutpaare existieren. Vor etwa zehn Jahren wurden sie von der Liste gestrichen und genießen nun einen „geschützten“ Status. Ich sehe einige Ähnlichkeiten mit dem, was mit den prophetischen Stimmen in der Gemeinde geschehen ist. Einst vom Aussterben bedroht, ist die Bedeutung der prophetischen Stimmen nun wiederhergestellt und zumindest vielerorts in einen höheren Status erhoben worden. Tatsächlich geschah dies im Laufe desselben Zeitraums von fünfzig Jahren, in beiden Fällen ab 1967.
Als ich anfing, im Leib Christi zu dienen, war Prophetie etwas Ungewöhnliches. Es war eine große Sache, und viele Christen fanden, es habe keine Berechtigung. Inzwischen haben viele Menschen, die früher versuchten, alles zu vermeiden, was als „prophetisch“ bezeichnet wurde – zusammen mit der breiten Palette von akzeptablen Anbetungsstilen – eine positive Einstellung dazu. Im Jahr 1967 – demselben Jahr, in dem der Weißkopfseeadler auf die Liste der gefährdeten Arten gesetzt wurde – entstanden auch drei wichtige Bewegungen in der Kirche: die charismatische Bewegung, die Jesus-People-Bewegung und die messianische Bewegung. Damals gab es nicht sehr viele „Adler“, die in der Kirche flogen, und mein Wunsch war und ist, dass sich die Adler in der Gemeinde vermehren würden und man sie nicht mehr länger gefährden, sondern schützen würde!
Es ist eine natürliche Tatsache: Adler können schneller als viele andere Arten fliegen und jagen, und sie nutzen die Nahrungsquellen, die ihnen zur Verfügung stehen. Sie haben manchmal ein großes Gebiet, das sie abdecken und in dem sie bleiben, sobald sie erwachsen sind. Sie fliegen so hoch am Himmel, dass sie aus einem himmlischen Reich zu kommen scheinen, wenn sie sich auf der zielstrebigen Jagd nach ihrer Beute auf die Erde stürzen. Ich denke, du kannst die Analogien zu den Propheten sehen!
Die meisten Adler bleiben ein Leben lang ein Paar, und die Männchen und Weibchen sehen einander recht ähnlich. Nachdem sie sorgfältig große Nester gebaut haben, halten sie diese für ihre zwei oder drei Küken pro Brutzeit instand (sie füttern die Küken abwechselnd und geben das, was sie wissen müssen, an die nächste Generation weiter). Einige Adler bauen ihre Nester in hohen Bäumen. Andere, wie der Steinadler in Israel, bauen auf unzugänglichen Klippen:
Fliegt der Adler auf deinen Befehl so hoch und baut sein Nest in der Höhe? Auf Felsen wohnt er und nächtigt auf Zacken der Felsen und steilen Klippen. Von dort schaut er aus nach Beute, und seine Augen sehen sie von ferne (Hiob 39,27-29 LUT).
Aus solchen Höhen können sie die Windströmungen auffangen und noch höher aufsteigen – oder mit fantastischer Geschwindigkeit zur Erde stürzen, um die Beute zu fangen, die ihre „Adleraugen“ entdeckt haben. Als prophetische Menschen hoffen auch wir, dass wir, nachdem wir uns eingenistet und ausgeruht haben, von dieser Höhe aus hochstarten können, um die Windströmungen des Heiligen Geistes zu nutzen. Aus einer solch hohen Perspektive kann unsere von Gott gegebene geistliche Sicht ein Ziel erkennen, das andere Augen verfehlen würden. Wir können den Feind sehen, und wir können die Versorgung sehen.
Wusstest du, dass Adler mehr Farben sehen können als Menschen? Wir können die drei Grundfarben Rot, Blau und Gelb und ihre Abstufungen sehen. Aber Adler können mehr Farben unterscheiden, auch im UV-Bereich, was ihnen hilft, den für Menschen unsichtbaren Urinspuren von Kleintieren zu folgen.
Noch mehr über die Sehkraft der Adler: Die Augen von großen Adlern sind etwa so groß wie menschliche Augen, aber sie sehen bis zu viermal schärfer als ein Mensch mit voller Sehkraft. Das bedeutet, dass ein Adler aus einer Flughöhe von 300 Metern seine Beute über mehrere Meilen erspähen kann. Können Propheten auch besonders scharf sehen? Ich glaube schon.
Im Laufe der Jahre haben viele Prediger erklärt (basierend auf den folgenden Bibelversen), eine Adlermutter würde ihr Junges aus dem Nest schieben, bevor es fliegen kann, und es dann im Sturzflug auffangen, um es auf eine hohe und feste Warte zu bringen.
Wie der Adler sein Nest aufscheucht, wie er über seinen Jungen schwebt, seine Flügel unter sie breitet, sie aufnimmt und sie auf den Schwingen trägt (5 Mose 32,11 NeÜ).
Dies ist poetische Sprache, ein wunderschönes Bild der Art und Weise, wie Gott uns lehrt, im Geist zu „fliegen“, und es stimmt mit dem Rest unserer prophetischen Analogie überein. Naturforscher wissen aber, dass es nicht so ist, obwohl die Adlereltern ihre Jungen mit ihren starken Flügeln schützen, wie der Vers davor zeigt:
Er fand ihn in der Steppe, in der Wüste, im Geheul der Wildnis. Er umfing ihn und hatte acht auf ihn. Er behütete ihn wie seinen Augapfel (5 Mose 32,10).
Adler schauen nie über ihre Schultern zurück und machen sich keine Sorgen um Konkurrenten. Sie sind wunderbar selbstbewusst und hochkonzentriert. Weißt du noch, was Jesus darüber sagte, dass man die Hand an den Pflug legen und nicht zurückschauen soll (vgl. Lk 9,61-621)?
Geburtsrecht
Andrew Murray, ein produktiver südafrikanischer Autor und Pastor des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, verfasste einst ein Buch mit dem Titel With Wings as Eagles („Mit Flügeln wie Adler“). Darin erklärte er:
Wie hat der Adler seine Flügel bekommen? Durch seine Geburt. Er wurde als Königsadler geboren. Er ist königlicher Abstammung … Wir alle werden mit Adlerflügeln geboren; wir haben eine göttliche Natur in uns; wir haben den Geist Jesu Christi in uns, der uns in den Himmel zieht.2
Unabhängig davon, ob du dich für einen Propheten hältst oder nicht, das ist es, was du bist. Du hast eine Verbindung um Himmel, die du täglich erneuern kannst. Du kannst den Himmel durch deine Worte und Taten auf die Erde bringen. Du bist berufen, höherzufliegen. Als ein ewiges Wesen bist du dazu berufen, im Himmel zu wohnen. Du – ja, du! – bist berufen worden, mit Adlerflügeln aufzusteigen, damit du den Himmel zu deinem kleinen Fleckchen Erde bringen kannst.
Der Prophet Jeremia erwähnte „Wenn du dein Nest hoch baust wie der Adler …“ (Jer 49,16). Obadja schrieb: „Wenn du dein Nest auch hoch bautest wie der Adler …“ (Obd 4). Es ist dein Geburtsrecht, auf den Höhen bei Gott zu wohnen. Deine Stellung ist bei ihm, also entscheide dich, sie zu besetzen! Er erhebt dich in die höchsten Höhen, also sei nicht töricht oder nachlässig oder rebellisch und verliere deine herrliche Stellung bei ihm.
„Seid still und erkennt, dass ich Gott bin!“, sagte der Psalmist (Ps 46,11 SLT). Man muss nicht angespannt sein, um Prophet zu sein. Du kannst dich auf wirklich natürliche Weise vom Natürlichen zum Geistlichen bewegen. Ein Adler wartet auf den perfekten Zeitpunkt, um in die Luftströmungen zu starten, damit er aufsteigen kann, ohne unnötig mit den Flügeln zu schlagen. Sei still und warte einfach auf diesen perfekten Moment, der zu seiner Zeit kommen wird. Adler fliegen nicht die ganze Zeit weit oben, und das solltest du auch nicht.
Die mächtigsten prophetischen Worte sind personenbezogen, nicht professionell. Jemandem auf freundliche und gütige Weise zu dienen, ist vielleicht der beste prophetische Dienst von allen, und du musst sicherlich nicht jedes Wort mit „So spricht der Herr“ unterstreichen. Fühle dich frei, deine Sprache zu ändern und sie weniger religiös und mehr normal, zugänglich zu halten. Dazu werde ich in den folgenden Kapiteln noch viel mehr zu sagen haben.
Lasst die Liebe euer Ziel sein (vgl. 1 Kor 14,1). Die Liebe ist der Kanal, der den Glauben transportiert. Du brauchst kein Besserwisser zu sein. Sei einfach ein aufrichtiger Mensch, der sich um die Menschen kümmert. Stelle Fragen und lerne die Menschen kennen. Lerne, in den Gaben des Geistes zu wirken, während du in der Frucht des Geistes wächst (Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung – vgl. Gal 5,22-23).
Es ist ein Prozess. Wie ein Adler wusstest du bei deiner Geburt noch nicht, wie man aufsteigt oder jagt. Selbst wenn du eine gewisse Reife erlangt hast, wirst du immer noch neue Dinge lernen müssen. Vergiss nicht, dass du den besten Lehrer hast, den du haben kannst, und dass er versprochen hat, das Werk zu vollenden, das er in dir begonnen hat (vgl. Phil 1,6). Er wird dich auf dem ganzen Weg erneuern, ähnlich wie er die Federn eines sich mausernden Adlers erneuert.
Vergiss niemals dein Ziel – das Ziel eines jeden, der bei seinem Namen gerufen wird: Jesus zu verherrlichen. Nachdem Johannes in den himmlischen Thronsaal eingeladen wurde, schrieb er diese Worte auf: „… das Zeugnis Jesu ist der Geist der Weissagung“ (Offb 19,10). Nicht deine Flügelspannweite oder die Genauigkeit deines Auges ist das, was zählt, sondern dass du deine Adleraugen trainierst, dich auf Jesus selbst zu konzentrieren. Gibst du als ein Adler Gottes sein Zeugnis weiter?
Gebet
Vater, in Jesu großem Namen wollen wir eine prophetische Gemeinschaft aufstehen sehen, deren Herzen auf dich gerichtet sind. Hilf uns, nach der Liebe zu streben und dennoch ernsthaft die Gabe der Prophetie zu begehren. Schenke uns prophetische Herzen, damit wir das Zeugnis Jesu für alle, mit denen wir in Kontakt kommen, freisetzen können. Mögen wir die Augen von Adlern haben, um unsere Beute zu erkennen und zu lernen, für den Fang herabzustoßen. Vergrößere unsere Flügelspannweite, damit wir zu neuen Höhen aufsteigen können. Wir erklären, dass wir keine gefährdete Art mehr sind und dass wir nicht in Angst leben müssen. Ja, wie die Adler wagen wir es jetzt, höher zu fliegen als je zuvor! Amen.
1 „Es sprach aber auch ein anderer: Ich will dir nachfolgen, Herr; vorher aber erlaube mir, Abschied zu nehmen von denen, die in meinem Hause sind. Jesus aber sprach zu ihm: Niemand, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist tauglich für das Reich Gottes“ (Lk 9,61-62).
2 Andrew Murray, With Wings as Eagles (New Kensington, Penn.: Whitaker House, 1993), 63-64.
Kapitel 2: Die Geschichte des prophetischen Dienstes
… von denen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat.
Apostelgeschichte 3,21
Gott hat durch seine prophetische Stimme seit der Zeit der Schöpfung gesprochen. Gott spricht auch heute noch. Es liegt in seiner Natur, mit seinem Volk zu kommunizieren. Die Verfasser der Evangelien und der Briefe des Neuen Testaments verwiesen mehrfach auf die „alten Propheten“ und bauten auf dem Fundament auf, das noch jahrhundertelang gelegt wurde:
Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren (Mt 5,12).
[Ihr] sagt: Wären wir in den Tagen unserer Väter gewesen, so würden wir uns nicht an dem Blut der Propheten schuldig gemacht haben. Deswegen siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; einige von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und einige von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geißeln und werdet sie verfolgen von Stadt zu Stadt, damit über euch komme alles gerechte Blut, das auf der Erde vergossen wurde, von dem Blut Abels, des Gerechten, bis zu dem Blut Secharjas, des Sohnes Berechjas, den ihr zwischen dem Tempel und dem Altar ermordet habt (Mt 23,30; 34-35).
… wie er geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Ewigkeit her (Lk 1,70).
Freut euch an jenem Tag und hüpft! Denn siehe, euer Lohn ist groß in dem Himmel; denn ebenso taten ihre Väter den Propheten (Lk 6,23).
… das er durch seine Propheten in heiligen Schriften vorher verheißen hat (Röm 1,2).
Gott aber hat so erfüllt, was er durch den Mund aller Propheten vorher verkündigt hat, dass sein Christus leiden sollte. So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn und er den euch vorausbestimmten Jesus Christus sende! Den muss freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von denen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat. Mose hat schon gesagt: „Einen Propheten wird euch der Herr, euer Gott, aus euren Brüdern erwecken, gleich mir. Auf ihn sollt ihr hören in allem, was er zu euch reden wird! Es wird aber geschehen: Jede Seele, die auf jenen Propheten nicht hören wird, soll aus dem Volk ausgerottet werden.“ Aber auch alle Propheten, von Samuel an und der Reihe nach, so viele geredet haben, haben auch diese Tage verkündigt. Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott euren Vätern verordnet hat, als er zu Abraham sprach: „Und in deinem Samen werden gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.“ Euch zuerst hat Gott seinen Knecht erweckt und ihn gesandt, euch zu segnen, indem er einen jeden von euch von seinen Bosheiten abwendet (Apg 3,18-26).
Diese alten Propheten waren nicht nur diejenigen, nach denen Bücher in der Bibel benannt sind. Lukas bezieht sich auf Abel als einen Propheten: „… damit das Blut aller Propheten, das von Grundlegung der Welt an vergossen worden ist, von diesem Geschlecht gefordert werde: von dem Blut Abels an bis zu dem Blut des Secharja, der zwischen dem Altar und dem Haus umkam; ja, sage ich euch, es wird von diesem Geschlecht gefordert werden“ (Lk 11,50-51, vgl. auch 1 Mose 4,4.10). Das ist eine der Stellen in der Schrift, die das unvermeidliche Leiden der Propheten erwähnt.
Sogar der Prophet Jeremia, der heute selbst als einer der wichtigsten „Propheten von einst“ gilt, bezog sich auf seine Vorgänger, als er sagte: „Die Propheten, die von alters her vor mir und vor dir gewesen sind, die haben auch über viele Länder und über große Königreiche geweissagt von Krieg, von Unheil und von Pest!“ (Jer 28,8). Dabei ging es ihm nicht nur um seine eigene Generation, sondern er erkannte, dass er zu einer langen Reihe von Propheten gehörte, die in die Weltgeschichte hineingesprochen hatten. Sie beschränkten sich bei Weitem nicht darauf, zu den religiösen Leuten und Institutionen zu sprechen, sondern sprachen auch zu der Kultur um sie herum.
Die ganze Zeit über sucht Gott nach Propheten, deren Perspektive von jenseits ihrer menschlichen Begrenzungen kommt. Er sucht nach „prophetischen Problemlösern“, die Gottes Antwort auf Probleme liefern können, die mit menschlicher Weisheit und Anstrengung allein nicht zu lösen sind.
Die Aufgabe des Prophetischen ist noch nicht abgeschlossen, und sie wird nicht abgeschlossen sein, „bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens“, wie wir hier sehen:
Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Maß der vollen Reife Christi (Eph 4,11-13).
Offensichtlich ist dies noch nicht geschehen. Doch im perfekten Augenblick wird das zweite Kommen des Herrn Jesus Christus eintreten, wenn der Vater „Jesus senden wird“ – um die Worte von oben zu wiederholen – „damit Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn und er den euch vorausbestimmten Jesus Christus sende! Den muss freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von denen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat“ (Apg 3,20-21).
Unabhängig davon, ob du männlich oder weiblich bist, bist du einer der „Söhne der Propheten“ (vgl. Apg 3,25), der dazu berufen ist, bei der Wiederherstellung des Königreichs Gottes auf der Erde mitzuwirken. Es kommt nicht so sehr darauf an, was deine geistlichen Gaben sind, sondern vielmehr darauf, wie du deine Berufung, eine Gabe zu sein, in seinem Namen auslebst. Gleichzeitig ist es von entscheidender Bedeutung zu erkennen, dass keine der fünffachen Dienstgaben – Apostel, Prophet, Evangelist, Hirte und Lehrer – sich im Ruhestand befindet. Viele Christen glauben, dass wir heute nur die Gaben des Hirten (Pastors), Lehrers und Evangelisten in voller Funktion sehen, aber nicht die Gaben des Propheten oder Apostels. Aus dieser Bibelstelle begründe ich, dass alle fünf Gaben des Dienstes bis zum Ende der Geschichte gebraucht werden. Wie sonst sollen wir dort unversehrt ankommen?
Propheten vor Christus
Der beste Weg, um dir die Geschichte der Prophetie auf einen Blick zu vermitteln, ist, die Jahrhunderte in bestimmte Epochen prophetischen Wirkens zu unterteilen und die charakteristischen Propheten aufzulisten, deren Namen dir bekannt sein werden:
Propheten vor den Patriarchen (4000–1450 v. Chr., also vor Mose)
• Abel (vgl. Lk 11,50-51)
• Henoch (vgl. Judas 14-15; in 1. Mose 5,18.21 berichtet)
• Noah: prophezeite über die Sintflut und seine eigenen Nachkommen (vgl. Hebr 11,7; 1 Pt 3,20; 1 Mose 9,25-27)
Patriarchalische Propheten
• Abraham (vgl. 1 Mose 20,7; Ps 105,9-15)
• Joseph: prophezeite den späteren Auszug aus Ägypten (vgl. 1 Mose 50,24-25)
• Andere sind z. B. Isaak und Jakob.
Propheten der mosaischen Zeit (1450–1050 v. Chr.)
• Mose: „Und es stand in Israel kein Prophet mehr auf wie Mose, den der HERR gekannt hätte von Angesicht zu Angesicht“ (5 Mose 34,10).
• Miriam: die erste weibliche Prophetin, die in der Heiligen Schrift erwähnt wird (vgl. 2 Mose 15,20)
• Deborah (vgl. Ri 4,4)
• Andere sind z. B. Aaron und Hanna.
Propheten der frühen Monarchie (1050–931 v. Chr.)
Das prophetische Ersuchen war hauptsächlich national; es ging um Buße und Umkehr.
• Samuel (vgl. 1 Sam 1; Apg 3,24)
• Nathan (vgl. 2 Sam 7,2-17; 1 Kön 1,8-45)
• Gad der Seher (vgl. 1 Sam 22,5; 1 Chr 21,9-19)
• David (vgl. Apg 1,16; 2,29-31; 4,25)
Propheten der geteilten Monarchie (931–845 v. Chr.)
• Ahija: vollzieht eine prophetische Handlung in Bezug auf die Teilung des Königreichs (vgl. 1 Kön 11,29-32)
• Jehu (vgl. 1 Kön 16,1-7)
• Elia (vgl. 1 Kön 17; 2 Kön 1)
• Elisa (vgl. 2 Kön 2–13)
• Andere sind z. B. Schemaja, Iddo, Jahasiël, Hanani, Sacharja und Micha.
Propheten der kanonischen Periode (845–400 v. Chr.)
Die Propheten mahnten zur Buße dafür, dass das Königreich geteilt war. Einige Propheten und ihre Schriften wurden als Teil des Kanons der Heiligen Schrift akzeptiert. Die apokalyptische Stoßrichtung und die Offenbarung der zukünftigen Gemeinde entwickelten sich.
• Vorexilisch: Obadja, Joel, Jona, Amos, Hosea, Micha, Jesaja, Jeremia, Nahum, Zephanja und Habakuk
• Exilisch: Hesekiel und Daniel
• Nachexilisch: Haggai, Sacharja und Maleachi
Propheten der Periode zwischen dem Alten und Neuen Testament und NT (400 v. Chr. – 33 n. Chr.)
• Johannes der Täufer (Lk 1,76)
• Zacharias (Lk 1,67)
• Hanna, eine Prophetin (Lk 2,36)
• Jesus Christus (Joh 6,14; Lk 4,24; vgl. auch Jes 61,1)
Propheten der neutestamentlichen Gemeinde (33–100 n. Chr.)
• Zahlreiche anonyme Propheten (Apg 11,27)
• Agabus (Apg 11,27-28)
• Gewisse Propheten und Lehrer (Apg 13,1; inklusive Barnabas, Simeon [Niger], Luzius von Kyrene und Manaën).
• Judas und Silas (vgl. Apg 15,32); offensichtlich wirkten einige Apostel auch prophetisch, wie z. B. Johannes und Paulus.
Die meisten dieser Leute wurden erst als Propheten bekannt, als andere die Früchte ihres Lebens sehen konnten. Im Lauf der Zeit und auf verschiedene Weise sprachen sie für Gott, und die Menschen wurden aufmerksam. So ist es bei jeder Geistesgabe. Wenn du in den kleinen, verborgenen Aufgaben treu bist, hält es Gott für angebracht, dich zu mehr zu befördern. Treue bringt Zuwachs.
Ich selbst fing schon früh in meinem eigenen Leben an zu prophezeien. Tatsächlich kam die erste Prophetie, die ich je hörte, aus meinem eigenen Mund. Ich prophezeite, bevor ich jemals in der Öffentlichkeit betete oder sprach oder in Zungen betete. Heißt das, dass ich als Prophet beauftragt war? Nein, ich wurde zunächst Pastor. In dieser Rolle wurde ich schließlich Lehrer. Mein Ziel war es, ein guter Lehrer zu werden, was viel Arbeit und Zeit erfordert. Heute bin ich im Wesentlichen ein Pastor für Pastoren und ein Lehrer für Propheten. Ich finde es wunderbar und interessant, wie Gott uns ein Leben lang führt.
Prophetenschulen
Angefangen bei Samuel werden in der Bibel Prophetenschulen beschrieben.
Danach wirst du zu dem Hügel Gottes kommen, wo Wachtposten der Philister sind. Und wenn du dort in die Stadt kommst, wirst du einer Schar von Propheten begegnen, die von der Höhe herabkommen, und vor ihnen her Harfe und Tamburin und Flöte und Zither, und sie werden weissagen. Und der Geist des HERRN wird über dich kommen, und du wirst mit ihnen weissagen und wirst in einen anderen Menschen umgewandelt werden. Und es soll geschehen, wenn bei dir diese Zeichen eintreffen, so tu, was deine Hand finden wird! Denn Gott ist mit dir. Und geh vor mir nach Gilgal hinab! Und siehe, ich werde zu dir hinabkommen, um Brandopfer zu opfern und Heilsopfer zu schlachten. Sieben Tage sollst du warten, bis ich zu dir komme und dir zu erkennen gebe, was du tun sollst. Und es geschah, als er sich umwandte, um von Samuel wegzugehen, da gab ihm Gott ein anderes Herz. Und alle diese Zeichen trafen an demselben Tag ein (1 Sam 10,5-9).
Die Leiter dieser Schulen wurden „Väter“ genannt. Sie waren Mentoren, deren Charakter und Begabung dazu beitrugen, den prophetischen Dienst unter dem Volk Gottes zu vermehren. Andere Leiter von Prophetenschulen waren Elia, gefolgt von seinem Jünger Elisa (vgl. 2 Kön 2; 4,38; 6,1-7; 13,14.) Diese Mentoren waren dazu da, die Propheten unter sich zur Reife zu führen. Sie wussten, dass es Zeit braucht, um den notwendigen Charakter und das nötige Urteilsvermögen zu entwickeln.
Einmal nahm ich an einer Podiumsdiskussion in Sacramento in Kalifornien teil. Die Leute stellten uns Fragen über Prophetie. Eine Person fragte: „Was ist der Unterschied zwischen einem Dienst der Prophetie und dem Amt eines Propheten?“ Meine Antwort war: „Fünfzehn Jahre.“
Man kann schon im Alter von drei Jahren einen Ruf zur Prophetie erhalten, aber es dauert dann noch Jahre, bis man reif wird. Denke nur an Samuel, der als kleiner Junge im Tempel diente, als er berufen wurde. Erst später, als reifer Mann, konnte er die prophetische Handlung vollziehen, Saul zum König zu salben und ihm die Anweisungen Gottes weiterzugeben.
Zwar ist es richtig, dass Saul selbst in einem Augenblick „einer von ihnen“ (der Prophetenschule) wurde, aber seine Charakterlosigkeit führte später zu seinem Untergang. (Du kannst die ganze Geschichte in 1. Samuel 13 und 19,23-24 nachlesen).
Heutige Propheten
Betrachtet man die Geschichte insgesamt, so begann das gegenwärtige Zeitalter der Gemeinde etwa um 33 n. Chr. am Pfingsttag, als der Heilige Geist den Jüngern Jesu gegeben wurde. Dieses Zeitalter wird bis zur Wiederkunft Christi andauern. Auch heute gibt es sehr wohl immer noch Propheten und Prophetien ungeachtet dessen, was viele uns glauben machen wollen.
Zum Beispiel nutzt Justin der Märtyrer (100–165 n. Chr.) in seinem Dialog mit dem Juden Trypho das literarische Mittel eines Gesprächs zwischen einem Christen und einem potenziellen jüdischen Konvertiten. Darin weist er auf die Gabe der Prophetie als Teil seines Beweises hin, dass das Evangeliums wahr ist.
Irenäus (115–202 n. Chr.), der neben Justin dem Märtyrer und vielen anderen heiliggesprochen wurde, macht die klare Aussage, dass die prophetischen Gaben zu seiner Zeit noch in Kraft waren: „Denn die prophetischen Gaben bleiben bei uns, auch bis in die Gegenwart.“ Er warnt auch vor falschen Propheten und schreibt: „So wie es falsche Propheten zur gleichen Zeit wie [die] heiligen Propheten gab, so gibt es jetzt viele falsche Lehrer unter uns, vor denen unser Herr uns gewarnt hat, uns zu hüten.“1
Von dem spanischen Theologen, Erzbischof und Enzyklopädist St. Isidor von Sevilla (560–636 n. Chr.) wurde berichtet, dass er in der Gabe der Prophetie wirkte.
Nicht alle Propheten waren Männer. Die deutsche Äbtissin, Mystikerin, Komponistin, Schriftstellerin und Visionärin Hildegard von Bingen (1098–1179 n. Chr.) schrieb ihre Visionen schriftlich auf Wachstafeln, und als sie an Statur und Kühnheit gewann, prangerte sie prophetisch die Korruption in der Kirche an.
Antonius von Padua (1195–1231 n. Chr.), ein Zeitgenosse des heiligen Franz von Assisi, der mit dem Propheten Elia verglichen wurde, war bekannt für seine außergewöhnlichen Gaben des Predigens, der Prophetie und der Wunder. Im Jahr 1231 nahmen 30.000 Menschen an einer Reihe von Fastengottesdiensten teil, bei denen seine Worte zu massiver Versöhnung und Wiederherstellung führten, sodass nicht genug Geistliche da waren, um den Menschen in ihren Bedürfnissen zu helfen.
Bezeichnenderweise schrieb Thomas von Aquin, einer der einflussreichsten Theologen des Mittelalters (1225–1274 n. Chr.): „In jeder Epoche hat es immer einige gegeben, die den Geist der Prophetie hatten, nicht um neue Glaubenslehren zu verbreiten, sondern um den menschlichen Aktivitäten eine Richtung zu geben.“2
Später bestätigte Robert Fleming (1630–1694 n. Chr.), ein Pastor und Theologe, dass Gott während der Reformation in Schottland einen prophetischen und apostolischen Geist ausgegossen hatte, der der Ausgießung seines Geistes in neutestamentlicher Zeit ebenbürtig war.3 Er bezog sich dabei auf so einflussreiche Stimmen wie die von George Wishart (1513–1540 n. Chr.), dem schottischen Reformator und Mentor von John Knox (1514–1572 n. Chr.), dem Gründer der Presbyterianischen Kirche von Schottland, und von Alexander Pedan (1626–1686 n. Chr.), der sich zu den schottischen presbyterianischen „Covenantern“ zählte und als Prophet Pedan bekannt war.
So geht es weiter bis in die Gegenwart. Besonders in schwierigen Zeiten sendet Gott prophetische Stimmen, um seine Gläubigen zu leiten. Jetzt, nach zweitausend Jahren, sind die prophetischen Gaben immer noch in der ganzen Gemeinde wirksam – du und ich sind Zeugen dieser Tatsache und Teilhaber am prophetischen Leben der Gemeinde des einundzwanzigsten Jahrhunderts.
Ein wesentlicher Baustein
Wenn es um den Aufbau der Gemeinde geht, ist die Gabe der Prophetie ebenso wichtig wie die Gabe zu evangelisieren, Hirte oder Apostel zu sein oder zu lehren (vgl. Eph 2,19-22). Die vorrangige Tatsache ist, dass Jesus Christus selbst der Eckstein ist, der Fels, dessen Gegenwart das Fundament zusammenhält. Ja, der Stein wurde von den ursprünglichen Aposteln gelegt, aber das reichte nicht aus, um sicherzustellen, dass die Gemeinde ihren Auftrag erfüllen würde. Die Schrift wurde von den frühen Aposteln vollendet, und sie stellten auch die grundlegenden Lehren der Gemeinschaft der Gläubigen zusammen. Aber ohne Generationen von „Gesandten“, also Aposteln, zusammen mit Propheten, Lehrern, Pastoren und anderen Baumeistern, hätte die Arbeit nicht fortgesetzt werden können. Es werden prophetische Stimmen gebraucht, um die Gemeinde zu inspirieren und aufzubauen, brachliegende Böden zu pflügen, Arbeiter für die Ernte auszurüsten, Ortsgemeinden zu gründen und als Boten auf das Missionsfeld hinauszugehen. Der Kanon der Heiligen Schrift ist abgeschlossen. Dennoch sprechen die heutigen Gläubigen mit Offenbarungsgaben weiterhin Gottes Rhema-Wort aus, das sich dem geschriebenen Logos-Wort unterordnet.
Alle Ortsgemeinden, die zusammen die Gesamtgemeinde bilden, haben eine Rolle zu spielen. Einige haben die spezielle Berufung, das Prophetische in besonderer Weise zu betonen, und vielleicht unterhalten sie sogar eine „Prophetenschule“. Andere sind besser bekannt für ihre missionarischen Einsätze, ihre Evangelisationsschulen, ihren Schwerpunkt auf Heilung, ihre pastorale Ausbildung oder ihr Training, wie man Gott im Beruf und der Gesellschaft bekannt macht. Der menschliche Körper ist ein Mikrokosmos des Leibes Christi, der nur mit jedem Finger, jedem inneren Organ und vor allem mit dem Haupt, dem Eckstein, Jesus Christus, vollständig ist (vgl. Ps 118,22; Mt 21,42).
Heute ist jeder von uns zu einem Dienst berufen (vgl. z. B. 1 Pt 4,10-11.) Obwohl es immer besonders begabte Menschen geben wird, besteht ein Teil ihrer Berufung darin, die Heiligen für das Werk des Dienstes auszurüsten. Um gesund zu sein, muss die Gemeinde heute die Fülle dieser Offenbarungsdimensionen des Heiligen Geistes annehmen. „Dimensionen“ ist dabei ein Schlüsselwort. Wie ich bereits sagte, wird keine einzelne Gemeinde in der Lage sein, alles zu tun. Aber indem sie ihre „Spezialgebiete“ zusammenfügen, können die Gemeinden einen ganzen Leib bilden, der vor Gesundheit strotzt.
Wir dürfen eines nicht vergessen: Liebe ist wichtiger als jede Gabe. Unsere Identität besteht nicht darin, ein Prophet, ein Pastor oder ein Lehrer zu sein, sondern ein Kind des lebendigen Gottes. Wenn wir sündigen und unsere Identität auf etwas Falsches gründen, wird Gott sich gegen uns stellen, bis wir uns zu ihm zurückkehren. Auch wenn es den Anschein haben mag, dass wir zu unseren Lebzeiten verschiedene Gaben durchlaufen, viele verschiedene Funktionen ausüben und darauf eingehen, dass er uns zu verschiedenen Dingen beruft oder einfach Dinge verändert, bleibt er unverändert und unveränderlich. Er ist unser unumstößlicher Fels, unser Eckstein, und was wir bauen, wird einstürzen, wenn es nicht in ihm verankert ist.
Mögen wir noch erleben, dass unterschiedlich begabte Einzelpersonen und unterschiedlich begnadete Gemeinden und Dienste gemeinsam daran arbeiten, dem Ruf des Prophetischen wieder Glaubwürdigkeit und Autorität zu verleihen.
Mögen wir wenigstens einen Vorgeschmack auf das Werk der Wiederherstellung genießen können, die sowohl innerhalb der Gemeinde (für die Gemeinde) als auch als Dienst der Gemeinde für die Welt geschehen wird, der sich daraus ergibt, dass wir gesalbte Boten Gottes sind.
Gebet
Vater, wir danken dir für unsere jüdische und christliche Kirchengeschichte, wie sie im Alten und Neuen Testament aufgezeichnet ist. Wir sehen, dass du in vergangenen Zeiten durch die Stimme deiner Propheten beständig gesprochen hast. Wir sind dankbar für alle Fortschritte, die sich aus dem, was sie gesagt und getan haben, ergeben haben. Wir ehren alle, die für uns heute den Weg geebnet haben. Wir wollen im Geist der Weisheit und der Offenbarung in Christus Jesus wachsen und gleichzeitig Fortschritte auf dem Weg zur Wiederherstellung aller Dinge machen, von denen deine heiligen Propheten seit Jahrhunderten gesprochen haben. Wir wollen den prophetischen Staffelstab übernehmen und energisch unseren Lauf antreten, bereit, den Stab an diejenigen weiterzugeben, die nach uns kommen. Um Jesu willen und in seinem Namen beten wir für all dies. Amen.
1 Irenäus, Philip Schaff, Hrsg., „Against Heresies“, The Ante-Nicene Fathers, Band 1, Kap. LXXXII (CreateSpace/Eternal Sun Books), 209.
2 Thomas von Aquin, Summa theologiae II-II, 174, 6 ad 3.
3 Vgl. Thomas M'Crie, Lives of Scottish Reformers (Xenia, Ohio: Board of the Calvinistic Book Concern 1846), 137.
Kapitel 3: Vier Ebenen des prophetischen Dienstes
Wer aber prophetisch redet, der redet zu Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung.
1. Korinther 14,3 (LUT)
Vor Jahren stellte jemand bei einer Podiumsdiskussion die Frage: „Welches ist die beste geistliche Gabe?
Ich antwortete so etwas wie: „Diejenige, die gerade gebraucht wird – das ist die beste geistliche Gabe.“ Es könnte jede der Gaben des Heiligen Geistes sein, wie z. B. Heilungen, Weisheit, Wort der Erkenntnis – oder auch Prophetie. Gleichzeitig müssen wir uns an das erinnern, was Paulus schrieb: „Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber darum, dass ihr prophetisch redet!“ (1 Kor 14,1).
Die Gabe der Prophetie ist oft die auffallendste, weil Gott durch sie direkt in eine Situation hineinsprechen kann. Sie hat eine große Bandbreite von Anwendungen und Ausdrucksformen und man kann, wie wir in diesem Kapitel untersuchen werden, verschiedene „Ebenen“, wie ich es nenne, unterscheiden.
Ich weiß, dass es verschiedene Ansätze zu diesem Thema gibt, je nach dem Hintergrund einer Person. Ich will gleich vorwegsagen, dass ich meine Auffassung aus meiner eigenen prophetischen Reise gewonnen habe. Sie begann in der Jesus-People-Bewegung der 1970er-Jahre, durch die meine evangelikalen Wurzeln in charismatischen Boden gepflanzt wurden. Auf diesem Weg habe ich durch die Wort-des-Glaubens- und die Hirtenschafts-Bewegung gelernt, Gottes Stimme zu hören. Wie viele andere surfte ich auch auf der sogenannten „Dritten Welle“, die in den 1980er-Jahren aufkam, und wirkte 1988 bei der Entstehung der modernen prophetischen Bewegung mit. Im Laufe der Jahre wurde ich Teil von C. Peter Wagners Bestreben um eine weltweite apostolische und prophetische Reformation. Neben Peter gab es zahlreiche Menschen, die mir eine Hilfe waren. Aber ich kann hier nur einige davon nennen, wie z. B. Derek Prince, John Wimber, Bob Jones, Paul Cain, John Paul Jackson, Mahesh und Bonnie Chavda, Cindy Jacobs, Bill Hamon, John Sandford, Elizabeth Alves und andere, die ich im Laufe dieses Buches erwähnen werde.
Erbauung, Ermahnung und Trost
In 1. Korinther 14,3 liefert Paulus drei beschreibende Worte, um zusammenzufassen, was das Ziel jeder Prophetie sein sollte: Erbauung, Ermahnung und Tröstung.
Die Gabe ist dazu da, Menschen aufzubauen, nicht um mit erhobenem Finger jemanden anzuklagen. Erfahrene Propheten, insbesondere solche, die ein anerkanntes Prophetenamt bekleiden, werden jedoch die Fähigkeit und Autorität haben, sowohl andere zuzurüsten als auch Worte der Korrektur und Wegweisung zu sprechen.
In diesem Kapitel möchte ich mir etwas Zeit nehmen, um vier Ebenen der prophetischen Gabe und Autorität zu unterscheiden:
• Ebene 1: gelegentliche inspirierende Prophetie
• Ebene 2: konsistente prophetische Begabung
• Ebene 3: bewährter prophetischer Dienst
• Ebene 4: das Amt eines Propheten.
Hilfreiche Unterscheidungen
Bei jeder Erörterung von Prophetie müssen wir uns daran erinnern, dass Gottes lebendiges Wort höher steht als alles, was wir uns selbst ausdenken können. Auch wenn wir hochgebildet und sehr erfahren sind, werden unser Wissen und unsere Weisheit zu kurz greifen. Selbst wenn wir es mit einer scheinbar einfachen und unkomplizierten Situation zu tun haben, sollten wir unsere eigenen Reaktionen im Zaum halten, bis wir sie mit dem Heiligen Geist überprüfen. Gottes Liebe ist sehr viel größer als unsere. Sein Überblick ist viel umfassender. Warum verlassen wir uns dann so sehr auf uns selbst, wenn er doch so viel besser ist?

Dieses Schaubild stellt unsere Erfahrung mit prophetischen Äußerungen dar:
Es geht einher mit den Ebenen des prophetischen Dienstes, die ich oben erwähnt habe:

Diese Diagramme sind nicht dazu gedacht, dass du dich in irgendeiner Weise inkompetent fühlst. Vielmehr sollen sie dich ermutigen, Gottes Gegenwart noch mehr zu suchen, während du in deinem Gebrauch der Gabe der Prophetie wächst und reifer wirst.
Es ist nicht so, dass inspirierende Prophetien oder schwache prophetische Worte, die viel vom menschlichen Herzen ausdrücken, wertlos sind – überhaupt nicht. Aber durchweg sollte es unser Bestreben sein, ein Sprachrohr Gottes zu sein, das so wenig wie möglich durch unsere kläglich unzureichende Auffassungsgabe verdorben ist. Noch einmal, wie Paulus es formuliert hat: „Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber darum, dass ihr prophetisch redet!“ (1 Kor 14,1).
Viele von uns wirken in verschiedenen Gaben und Gnaden, je nachdem, was unsere Umstände zulassen und erfordern. Ich selbst prophezeite schon früh, war aber dann als Pastor voll damit beschäftigt, mich um eine Gemeinde zu kümmern. Ich habe nicht einfach per Unterschrift erklärt: „Ich will ein Prophet sein.“ Gott hat einen Wunsch in mich hineingelegt, und ich glaube, dass er das bei jedem tut, den er beruft. Er wählt aus und wir reagieren darauf. Wichtig ist, dass man dem treu bleibt, wozu man im Moment berufen ist, auch wenn es nicht sehr aufregend ist. Treue bringt Wachstum (vgl. Lk 16,10).
Damit meine ich nicht, dass du dir den Weg in eine neue Gabe oder eine höhere Stufe der Nützlichkeit verdienst. Nein, all das ist allein Gottes Geschenk. Aber du kannst lernen, es in der Kraft seines Geistes und mit seiner Liebe kompetent zu gebrauchen, wenn du ihn jeden Tag aufsuchst. Du kannst aus deinen Fehlern lernen und ebenso aus deinen Siegen. Du kannst lernen, die Stimme Gottes inmitten anderer Stimmen zu erkennen. Indem du all deine Sinne aktivierst, kannst du die verschiedenen Arten, wie er zu dir spricht, herausfinden. Du lernst seinen Weg der Liebe kennen.
Ebene 1: Gelegentliche inspirierende Prophetien
Alle Gläubigen, nicht nur diejenigen, die als „Propheten“ betrachtet werden, können prophezeien. Wusstest du das? Erinnere dich an das, was Petrus am Pfingsttag sagte, als er den Propheten Joel zitierte:
Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott,
dass ich von meinem Geist ausgießen werde auf alles Fleisch,
und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen,
und eure jungen Männer werden Gesichte sehen,
und eure Ältesten werden in Träumen Visionen haben;
und sogar auf meine Knechte und auf meine Mägde
werde ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen,
und sie werden weissagen.
Und ich werde Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf der Erde … (Apg 2,17-19).
Mit anderen Worten: Jeder Gläubige ist in der Lage, etwas auszusprechen, was Gott ihm in den Sinn bringt. Darüber hinaus fordert uns die Heilige Schrift, wie ich oben erwähnt habe, dazu auf, die Gabe der Prophetie zu suchen (vgl. 1 Kor 14,5).
Gelegentliche inspirierende Prophetie kann die Form beiläufiger (aber inspirierter) Worte der Ermutigung annehmen, die anderen Menschen angeboten werden. Sie können wirklich kurz und bündig sein, wie z. B.: „Ja.“ Wenn es das ist, was Gott dir in den Sinn gebracht hat, ist es ein kleines prophetisches Wort. Du hast vielleicht den Eindruck, dass Gott es etwas stärker betont, oder du weißt, dass es etwas ist, an das du normalerweise nicht denken würdest, wenn du es aus dir heraus sagen würdest.
Man „bringt nur den Eindruck zum Ausdruck“, um einen Satz zu entlehnen, den ich gehört habe. Du stellst fest, dass dein Herz im Takt mit Gottes Herz der Liebe und seines ermutigenden Trostes schlägt.
Meistens handelt es sich dabei einfach um Begriffe, Gedanken oder Ideen, die Gott in den Sinn bringt, obwohl Menschen auf dieser Ebene gelegentlich auch Visionen, mentale Bilder oder prophetische Träume erhalten. Es ist zwar das Potenzial vorhanden, tatsächlich Gottes Worte auszusprechen, doch benutzen diese Menschen in erster Linie ihre eigenen Worte, um einen Gedanken auszudrücken, der ihnen in den Sinn gekommen ist.
Solche Worte sollten nicht öffentlich vor großem Publikum verkündet werden, sondern sind eher in Kleingruppen oder im Einzelgespräch angebracht, und alle Beteiligten sollten bereit sein, sie zu prüfen (vgl. 1 Kor 14,29-33).
Ebene 2: Beständige prophetische Gabe
Das Schlüsselwort hier ist „beständig“. Propheten auf dieser Ebene erleben einen beständigen Fluss an Worten, offenen Visionen, Bildern und Träumen, und sie sind oft in der Lage, sie treffend weiterzugeben, zu interpretieren und anzuwenden. Ihr prophetischer Output beschränkt sich immer noch in erster Linie auf aufbauende Worte, aber sie empfangen auch Worte, auf denen eine größere Autorität liegt. Oft interessieren sich Menschen auf dieser Ebene der Begabung stark für das Fürbittegebet und sind treu darin. Das macht Sinn, denn während Propheten die Wünsche Gottes den Menschen bekannt machen, machen Fürbitter die Wünsche der Menschen Gott bekannt, insbesondere wenn sie sich bemühen, nach dem Willen Gottes zu beten.
Nicht jeder empfängt prophetische Worte auf die gleiche Weise. Man kann anfangen zu verstehen, wie jemand Worte empfängt, indem man ihm zuhört. Einige werden mit: „Ich fühle …“ oder „Ich spüre, dass …“ beginnen, während andere berichten: „Ich habe die Stimme des Herrn im Traum gehört“ oder: „Ich bekomme ein Bild von …“ Andere haben vielleicht „offene Visionen“ (eine Theophanie), in denen sie die hörbare Stimme des Herrn hören können. (Eine Theophanie ist manchmal ein Hinweis auf eine Berufung über den prophetischen Dienst hinaus in das Amt des Propheten).
In jeder Gemeinde wird es eine Reihe von Personen geben, die von den Mitbrüdern und Leitern gleichermaßen als prophetisch begabt anerkannt werden. Mit der Zeit könnte jemand mit einer beständigen prophetischen Gabe eingeladen werden, öffentlich in der Gemeinde zu dienen (wiederum in Übereinstimmung mit 1. Korinther 14,29-33). Dies geschieht normalerweise im Zusammenhang mit einer Ortsgemeinde, die unser Ausbildungsort für den Dienst an der Welt insgesamt ist. Diese Menschen sind insofern begabt, als sie ein ungewöhnliches Maß an Offenbarung haben, aber sie müssen nicht nur darin geschult werden, dem Protokoll des Hauses zu folgen, sondern auch darin, wie sie charakterlich reifer werden und in Bezug auf Gottes Absichten für die Gemeinde wachsen können.
Richtungsweisende oder korrigierende Worte sollten nicht öffentlich bzw. „ungefiltert“ ausgesprochen werden. Sie sollten zunächst der Leitung schriftlich vorgelegt werden, damit sie später, wenn es angebracht erscheint, öffentlich weitergegeben werden können.
Prophetische Menschen entdecken, dass das Niveau ihrer Autorität mit ihrer Erfahrung steigt. Darüber musste ich eine Menge lernen. Ich konnte mir anfangs nicht erklären, warum es niemand überhaupt zu hören schien, wenn ich ein Wort vortrug, aber wenn dann jemand anderes ein fast identisches Wort weitergab, wurde es gut aufgenommen. Das liegt daran, dass Offenbarung und Autorität nicht dasselbe sind. Deine Autorität nimmt zu, wenn sie von anderen anerkannt wird, und das geschieht nicht, wenn du dich mit deiner Gabe in den Vordergrund drängst. Es hängt davon ab, wo und wie du dienst und wie viel Vertrauen du im Lauf der Zeit aufgebaut hast.
Ebene 3: Bewährter prophetischer Dienst
Menschen mit einem bewährten prophetischen Dienst haben im Lauf der Zeit bewiesen, dass sie einen reifen Charakter besitzen und die Absichten Gottes für sein Volk verstehen. Zumindest gelegentlich wird ihre prophetische Gabe mit „Zeichen und Wunder“-Gaben wie Heilung, Wunder oder Befreiung einhergehen, und sie werden sich den Respekt und die Autorität erworben haben, um Korrekturen und möglicherweise auch Zurechtweisungen aussprechen zu dürfen. Wie alle von Gott empfangenen Worte müssen auch ihre von Zeugen bestätigt und von anderen Propheten beurteilt werden, aber sie werden außergewöhnlich genau und erbaulich sein.
Gleichzeitig sind sie nicht zu feurigen „So spricht der Herr“-Propheten geworden. Vielmehr können sie eher schwach als stark erscheinen und mit einem zerbrochenen und demütigen Geist sprechen (vgl. 2 Kor 13,7-9). Daher können sie leicht missverstanden werden. Neben bedeutender Stärkung und Ermutigung besteht ihre Funktion darin, einfühlsame Wegweisung und Korrektur zu geben und dabei zu helfen, besondere Wahrheiten oder Lehren zu erhellen und zu artikulieren, die der Herr den Gliedern des Leibes mitteilen möchte.
Propheten der dritten Ebene können von ihrer Ortsgemeinde oder ihrem apostolischen Netzwerk anerkannt und beauftragt werden, nicht nur innerhalb der Ortsversammlung, sondern auch außerhalb zu dienen, so wie Gott führt. Oft sind sie in der Lage, detaillierte Informationen über diejenigen zu erhalten, denen sie dienen, einschließlich Namen, Gesichtern, zukünftigen Ereignissen und Terminen. Diesen Propheten werden offene Visionen nicht fremd sein, und sie können auch Worte überbringen, in denen sie die symbolischen Bedeutungen dessen, was sie sehen, erklären. Sie werden Worte, Träume oder Visionen in einem spontanen, inspirierten Fluss erhalten – wenn nicht täglich, so doch zumindest sehr regelmäßig.
Ebene Vier – Das Amt eines Propheten
Eine Person, die das neutestamentliche Amt eines Propheten innehat, hat dennoch weniger Autorität als diejenigen, die die Schrift geschrieben haben, auch wenn sie Gottes Worte kraftvoll ausspricht (vgl. Eph 4,11-12). Ich fordere Menschen, die das Amt eines Propheten anstreben, mit den Worten heraus: „Wenn du nicht die Fähigkeit hast, zuzurüsten und zu multiplizieren, bist du kein Prophet, der ein Amt hat.“ Diese Ebene der Prophetie geht weit über den Rahmen einer Inspirationsgabe hinaus, und sie wird am häufigsten dazu verwendet, Ermutigung, aber auch Wegweisung und Korrektur, Zurüstung und Beauftragung weiterzugeben.
Dass jemand das Amt eines Propheten hat, kann schon bei der Geburt – z. B. durch eine übernatürliche Geburt oder einen Engelsbesuch – sichtbar werden. Der Prophet wird vielleicht viele Jahre lang nicht erkannt, aber im Nachhinein wäre dies eines der Zeichen. So war es auch beim Propheten Samuel, der von einer unfruchtbaren Mutter namens Hanna geboren wurde, die ihn dem Herrn versprochen hatte (vgl. 1 Sam 1). Meine eigene Mutter, die keine Hanna war, hatte am 3. Juli 1951 eine Fehlgeburt, und sie betete: „Herr, wenn du mir noch einen Sohn schenkst, so will ich ihn dem Dienst Christi weihen.“ Und ich wurde auf den Tag genau ein Jahr später geboren!
Diejenigen, die das Amt eines Propheten innehaben, haben sich in jahrelangem Dienst bewährt, und sie erhalten einen ungewöhnlich fruchtbaren Strom an Offenbarungsinformationen. Manchmal scheinen sie mehr im Himmel als auf Erden zu Hause zu sein, besonders wenn sie von einer offenen Vision berichten, indem sie verkünden: „Ich war dort …“ Zweifellos tragen ihre Worte viel Autorität in sich, da sie mit großer Genauigkeit und Kraft sprechen und häufig auch Zeichen und Wunder wirken. Häufiger als andere Propheten haben sie Ablehnung und Missverständnisse erlebt. Ich sage, dass sie manchmal ein wenig wie Jakob sind, weil sie humpeln.
Durch ihre Gaben geben sie Leitern in der Gemeinde und oft auch Führungskräften in der säkularen Welt Worte der Erbauung, Bestätigung, Orientierung und Korrektur weiter. Sie bestimmen, artikulieren und betonen, was der Heilige Geist gerne hervorheben möchte. Darüber hinaus können sie auch zukünftige Ereignisse genau vorhersagen, um dem Leib Christi zu helfen, in seiner Position in der Welt voranzukommen. Wenn sich diese Vorhersagen erfüllen, werden sie dazu benutzt, unbekehrte Menschen in Erstaunen zu versetzen und aufzuwecken, sodass sie selbst Gott begegnen wollen.
Dazu kann auch die Vorhersage „ungeistlicher“ Ereignisse gehören, wie z. B. Wettermuster und Naturerscheinungen (Stürme, Dürren, Erdbeben), internationale politische Veränderungen und so weiter. Ihre Genauigkeit verschafft ihnen Anerkennung auf breiter Ebene, und sie werden verwendet, um einflussreiche Menschen in der säkularen Welt sowie Einzelpersonen, Gemeinden und Strömungen innerhalb des Leibes Christi anzusprechen.
Ich bin schon eingeladen worden, für Milliardäre, den obersten Richter des höchsten Gerichts von Korea, einen NASA-Direktor und andere zu beten und zu prophezeien. Ich verrate nichts über unsere Treffen, da sie privat sind. Darüber hinaus habe ich, da ich in Nashville lebe, für mehr berühmte Musiker gebetet, als ich je erwartet hätte.
Und dann war da noch die Dame, die ich vor nicht allzu langer Zeit im Foyer eines Gebäudes sah. Sie war überhaupt nicht berühmt oder reich, aber was geschah, war ein Wunder. Als ich gerade das Gebäude verlassen wollte, sprach der Heilige Geist zu mir und sagte, ich solle das Geld aus meiner Brieftasche herausnehmen. Normalerweise habe ich kein Bargeld bei mir, aber er sagte: „Du hast einen Hundertdollarschein in deiner Brieftasche. Ich sah nach, und tatsächlich war es so. Dann sagte er: „Wenn du auf dem Weg nach draußen bist, wird eine Dame im Foyer sitzen, und ich möchte, dass du ihr die hundert Dollar gibst.“ In meinem Kopf sah ich das Bild einer halb zahnlosen Frau.
Ich fing an zu gehen, und rate mal, was passierte? Da saß eine alte Dame, die halb zahnlos war. Ich blieb stehen, schaute sie direkt an und ließ sie ihre Hand öffnen. Ich sagte: „Hier, meine Liebe, das ist für Sie. Das ist von Gott.“ Ich küsste ihre Hand.
Sie war fast sprachlos, aber sie sagte: „Sie meinen also, das sei für mich?“
„Ja, es ist für Sie, weil Gott möchte, dass Sie wissen, dass er sich um Sie sorgt. Er liebt Sie mit einer ewigen Liebe. Das tut er wirklich.“ Und ich ging weiter meines Weges.
Ich fand dann heraus, dass sie in ihrem Leben noch nie in einer Kirche gewesen war, nicht ein einziges Mal, aber am nächsten Tag kam sie. Sie erkannte mich und sagte: „Sie sind doch der Mann, der mir die hundert Dollar gegeben hat. Kein Mann hat mich je so angerührt, wie Sie.“ Sie erzählte mir, dass sie gerade aus dem Gefängnis entlassen worden war, wo sie die letzten zwanzig Jahre verbracht hatte, weil sie jemanden ermordet hatte. (Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich wahrscheinlich zur Hintertür hinausgerannt!)
Ich sagte ihr: „Meine Liebe, da ist jemand, der Sie berühren möchte, und sein Name ist Jesus. Er wird Sie in den Tiefen Ihres Herzens berühren, und sie werden es nie vergessen.“ Und sie übergab auf der Stelle ihr Leben Jesus Christus.
Für mich ist das genauso großartig, wie für einen König oder einen Präsidenten zu prophezeien.
Die Gabe der Prophetie und das Amt eines Propheten
Jede der vier Wirkungsebenen kommt vom selben Herrn und Geist und sie überschneiden sich in vielerlei Hinsicht. Das bedeutet aber nicht, dass wir ihre Unterschiede ignorieren könnten. Vielmehr müssen wir die Unterschiede anerkennen, um bei der Ausübung der Gabe nicht anmaßend zu handeln. Dies wird besonders wichtig, wenn wir die höheren Ebenen des Wirkens in Betracht ziehen.
Hier habe ich elf der wichtigsten Unterscheide zwischen der Gabe der Prophetie und dem Amt eines Propheten aufgelistet, damit wir sie vergleichen können:

Das Prophetenamt bringt einen Zuwachs an Offenbarung und Autorität mit sich, der nur durch lange Erfahrung, aufmerksame Schulung und Anerkennung (oder auch Beauftragung) von anderen erreicht werden kann.
Einfach halten
Unser guter Vater lädt jeden von uns ein, von ihm zu lernen und zur nächsten Ebene zu reifen. Alles, was von uns verlangt wird, ist ein williges Herz, das sich nach mehr vom Herrn selbst sehnt. Halte dich klein in deinen eigenen Augen, und Gott wird dir mehr geben, als du erbitten oder erdenken könntest (vgl. Eph 3,20). Halte es einfach und lass immer seine außerordentliche Liebe durch dich strömen. Denke daran, dass der Geist der Prophetie das Zeugnis Jesu ist.
Mögest du die Ausdauer und Geduld haben, in den übernatürlichen Wegen Gottes zu wachsen. Bete jetzt mit mir:
Gebet
Vater, in dem großen Namen Jesu erklären wir, dass wir das wollen, was du willst. Das bedeutet, dass wir unserem Teil des Leibes Christi und allen, die du zu uns führst, Erbauung, Ermahnung und Trost bringen wollen. Wir entscheiden uns dafür, dich zu suchen und uns in deine Liebe zu versenken, damit wir in der Gnade, die du uns so reichlich schenkst, wachsen und reifen können. Gib uns die Weisheit, das gegenwärtige Niveau unserer Gaben richtig zu erkennen und anzuwenden, und lass uns gleichzeitig danach trachten, in deinem Sohn Jesus eine größere Reife zu erlangen. Gewähre uns zunehmende Weisheit, Offenbarung und Autorität bei jedem prophetischen Vorhaben, das wir in den kommenden Jahren unternehmen werden. Vielen Dank dafür! Amen.
TEIL 2: PROPHETISCHE ENTWICKLUNG
Kapitel 4: Die Gabe der Prophetie empfangen und freisetzen
Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber darum, dass ihr prophetisch redet!
1. Korinther 14,1 (LUT)
Während ich dieses Kapitel vorbereitete, kam mir eine Erinnerung an meine Kindheit in den Sinn. Ich sah meine Urgroßmutter Hall, die Mutter der Mutter meines Vaters. Sie saß in ihrem Schaukelstuhl in einem sehr armen Bauernhaus im ländlichen Missouri. Auf dem Boden waren Zeitungen ausgebreitet worden, damit wir Enkel und Urenkel uns daraufsetzen konnten, wenn wir unser Essen bekamen. Ich war auch dabei.
Plötzlich hörte sie auf zu schaukeln, schaute mich direkt an und sagte: „Du wirst ein Prediger sein.“ Damals und dort prophezeite sie. Ich war etwa drei oder vier Jahre alt, als das geschah, und habe viele Jahre lang kaum darüber nachgedacht.
Ähnliches passierte, als ich die achte Klasse in Little Cowgill, Missouri, abschloss. Ich mochte Frau Pickering, meine Lehrerin in der siebten und achten Klasse. Sie war einfach eine dieser Menschen, die einem viel bedeuten. Ich stand kurz davor, in Braymer, der nächsten Stadt, die etwas größer war als Cowgill, die High School zu besuchen.
Frau Pickering sagte zu mir: „Du wirst die Abschiedsrede deiner Klasse halten, wenn du die High School abschließt.“
„Ich werde was tun?“ Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt wusste, was eine Abschiedsrede war.
„Das bedeutet, dass du als Klassenbester abschließen wirst.“ Und dann fügte sie hinzu: „Du wirst entweder Anwalt oder Prediger werden, weil du so stur bist; du kannst mit einem Zaunpfahl argumentieren und gewinnen.“
Ich denke, sie und meine Urgroßmutter hatten beide recht. Sie wussten es damals nicht, aber sie prophezeiten, und ich wurde berufen, ein predigender Prophet zu werden, wenn ich einmal erwachsen sein würde.
Was ist die Gabe der Prophetie?
Prophetie ist keine erlernte Fähigkeit, obwohl man etwas darüber lernen kann. Sie ist eine Gabe Gottes, die es einer Person ermöglicht, der Gemeinde die Botschaft Gottes zum Zweck der Erbauung zu verkünden. Man braucht keine gute Ausbildung, um ein Prophet zu sein. Es ist keine Eignung oder Begabung. Es ist eine Befähigung, eine Gabe, und sie wirkt nur, wenn der Geist etwas zu sagen hat. Ist die Botschaft beendet, hört sie bis zum nächsten Mal auf zu wirken.
Ich würde sagen, dass Prophetie die zum Ausdruck gebrachten Gedanken Gottes sind, und zwar mit Worten, die kein Mensch jemals selber ausdenken könnte. Inhalt und Wesen der Prophetie überschreiten die Grenzen dessen, was der natürliche Verstand sich vorstellen kann. Wir dürfen nie vergessen: „… meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR“ (Jes 55,8).
Die Gabe der Prophetie kommt durch den Mund eines Menschen, aber sie hat ihren Ursprung in den Gedanken Gottes. In Wirklichkeit ist sie ja nicht darauf beschränkt, nur durch den Mund und in Worten zu kommen, nicht wahr? Manchmal hören wir Gottes prophetisches Wort durch Instrumentalmusik, durch Gemälde und andere Arten von Kunstwerken und durch das Schreiben, einschließlich Poesie; denke nur an die Propheten des Alten Testaments wie Jesaja.
In jedem Fall ist Prophetie das Überströmen eines Herzens, das mit dem Wort Gottes erfüllt ist. Wenn der Wind des Geistes über den Logos, das geschriebene Wort, weht, wird es zu einem Rhema, einem unmittelbaren Wort, das in viele Situationen hinein freigesetzt werden kann. Naba ist der hebräische Wortstamm, der gemeinhin mit dem Verb „prophezeien“ übersetzt wird, und suggeriert, dass Wasser wie aus einem Brunnen fließt. Deshalb spreche ich manchmal von „Naba-Worten“, wenn ich von Prophetien rede.
Das griechische Wort propheteia bedeutet, „den Verstand und den Rat Gottes aussprechen“1. Eine Prophetie wird also zu einer unmittelbaren Botschaft Gottes an die Zuhörer, zu einer göttlich gesalbten Äußerung, die denjenigen Leben einhaucht, die Ohren haben, um zu hören. „Prophetie ist die Stimme Christi selbst, die in der Gemeinde spricht“2
Um also Propheten zu definieren, würden man sagen, dass Propheten diejenigen sind, die gelernt haben, eine „übernatürlich verliehene Fähigkeit zu entwickeln, die Stimme des Heiligen Geistes zu hören und Gottes Rat weiterzugeben – nicht nur an eine versammelte Gruppe von Gläubigen, sondern auch an Einzelpersonen“3, alles mit dem Ziel, die Zuhörer aufzubauen. Auf diese Weise hilft uns die Prophetie, wie Derek Prince es ausdrückte, „zwei der größten und am häufigsten verwendeten Waffen Satans gegen Gottes Volk zu bekämpfen … Verdammnis und Entmutigung“.4
Die Gabe der Prophetie hängt, wie jede andere Gabe des Heiligen Geistes, nicht von der Persönlichkeit oder natürlichen Gaben ab. Ja, manchmal scheint es so zu sein, dass Gott jemanden auswählt, der z. B. schwach ist, was verbale Kommunikation oder Kühnheit angeht. Das macht noch deutlicher, dass Prophetie eine reine Gabe ist. Die Hingabe einer Person ist das, was am meisten zählt, nicht ihre persönlichen Fähigkeiten.
Obwohl die Gabe der Prophetie durch einen menschlichen Sprecher zum Ausdruck kommt, entspringt sie Gottes Gedanken. Paulus fasste es so zusammen:
… sondern wie geschrieben steht: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ Uns aber hat Gott es offenbart durch den Geist, denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes. Denn wer von den Menschen weiß, was im Menschen ist, als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? So hat auch niemand erkannt, was in Gott ist, als nur der Geist Gottes. Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir die Dinge kennen, die uns von Gott geschenkt sind. Davon reden wir auch, nicht in Worten, gelehrt durch menschliche Weisheit, sondern in Worten, gelehrt durch den Geist, indem wir Geistliches durch Geistliches deuten. Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird. Der geistliche Mensch dagegen beurteilt zwar alles, er selbst jedoch wird von niemand beurteilt. Denn „wer hat den Sinn des Herrn erkannt, dass er ihn unterweisen könnte?" Wir aber haben Christi Sinn (1 Kor 2,9-16).
Pulsuz fraqment bitdi.