Kitabı oxu: «Psoas-Training»

Şrift:

Jo Ann Staugaard-Jones

Psoas-Training

Der große Lendenmuskel als Schlüssel zu körperlichem, seelischem und emotionalem Wohlbefinden


Vollständige eBook-Ausgabe der im Copress Verlag erschienenen Printausgabe (ISBN 978-3-7679-1180-2)

Die englischsprachige Ausgabe dieses Buches erschien 2012 unter dem Titel „The Vital Psoas Muscle“ bei Lotus Publishing, Nutbourne/Chichester, und bei North Atlantic Books, Berkely/ Kalifornien.

Copyright © 2012 by Jo Ann Staugaard-Jones.

Aus dem Amerikanischen von der MCS Schabert GmbH, München, (www.mcs-schabert.de) unter Mitarbeit von Monika Judä (Übersetzung) und Dr. med. Eberhard J. Wormer (Fachberatung).

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der deutschen Ausgabe

© 2014 Stiebner Verlag GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Wiedergabe, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages.

www.copress.de

ISBN-13: 978-3-7679-2017-0

Inhalt

Vorwort

Einleitung

Teil 1: Anatomische Grundlagen

Kapitel 1: Anatomie und Biomechanik des Lendenmuskelbereichs

Kapitel 2: Den Lendenmuskel gesund erhalten

Kapitel 3: Beeinträchtigung durch Kreuzschmerzen

Kapitel 4: Der Lendenmuskel und Pilates

Teil 2: Der Lendenmuskel und Emotionen

Kapitel 5: Verbindungen – Somatisches Gedächtnis: Darm und Gehirn

Kapitel 6: Wenn sich der Lendenmuskel bemerkbar macht

Teil 3: Der Lendenmuskel und Spiritualität – „Energetische“ Anatomie

Kapitel 7: Was wissen wir überhaupt?

Kapitel 8: Der Lendenmuskel und erstes Chakra: „Kinästhetische Balance“

Kapitel 9: Der Lendenmuskel und zweites Chakra: „Fließen wie Wasser“

Kapitel 10: Der Lendenmuskel und drittes Chakra: „Funktion und Atmung“

Anhang: Die Gesellschaft der Hüftbeuger

Literatur

Vorwort

Ich habe das Vergnügen, Jo Ann zu kennen und sogar etwa zehn Jahre mit ihr zusammengearbeitet zu haben. Vor jemandem, der Gesundheit und Fitness in Gedanken, Worten und Taten darstellt, habe ich den allergrößten Respekt. Als Lehrerin und Professorin hat Jo Ann schon viele Menschen erreicht, nun gelingt ihr das auch als Autorin ihres zweiten Buches. Als sie mich bat, etwas zu diesem Buch beizutragen, kam ich mir klein vor, fühlte mich aber zugleich geehrt, und als sie mir das Thema des Buches nannte, war ich überrascht. Nach über 24 Jahren klinischer Praxis kenne ich eine Menge eigener Geschichten zum Lendenmuskel. Die Bedeutung dieses oft wenig beachteten Muskels kenne ich nur zu gut. Nachdem ich das Buch jedoch gelesen hatte, kam ich mir erneut klein vor wegen meines geringen Wissens darüber, wie umfassend die Bedeutung dieses Muskels ist. Ich praktiziere immer noch und ich liebe Kurse und Bücher, die einen tiefen Eindruck in meiner Denkweise hinterlassen und die Einfluss darauf haben, wie ich meine Patienten am Montagmorgen behandle – Psoas-Training zählt definitiv zu diesen Büchern.

Der Lendenmuskel kann als der Traum eines Immobilienmaklers betrachtet werden, es geht nur um Lage, Lage, Lage! Durch seine Position nimmt der Lendenmuskel eine einzigartige Stellung ein, denn er verbindet als einziger Muskel den Ober- und Unterkörper. Dadurch sind die funktionalen Auswirkungen enorm, denn der Muskel funktioniert entweder als Träger einer Bewegung oder gemeinsam mit anderen wichtigen Mobilisatoren als Stabilisator. Ob die Bewegung wie beim Gehen nun im unteren Viertel stattfindet oder mehr im oberen Viertel, etwa wenn man einen Ball wirft oder in ein Regal über Kopfhöhe greift – immer arbeitet der Lendenmuskel! Viele Ärzte respektieren die Fähigkeit des Lendenmuskels als wesentlichen Mobilisator der Hüftbeugung; obwohl man seine enge Bindung an die vordere Lendenwirbelsäule und zahlreiche fasziale Anbindungen kennt, übersieht man doch gerne seine Funktion als Stabilisator und seine Bedeutung für die Körperhaltung.

Seine Lage verleiht dem Lendenmuskel auch Einfluss auf den Kreislauf, etwa wegen seiner anatomischen Nähe zu vaskulären Strukturen, insbesondere der Aorta und der äußeren Hüftarterie, sowie der Fortführung in die Oberschenkelarterie durch den komplexen Ilioinguinalbereich. Der Lendenmuskel besitzt wichtige fasziale Verbindungen zur Unterstützung viszeraler Strukturen und Organe. Diese werden durch die Kontraktion des Lendenmuskels stimuliert und „massiert“ und nehmen dadurch auch Einfluss auf Verdauung, Ausscheidung, Entgiftung und sogar auf Fortpflanzungsprozesse im Körper. Der Lendenmuskel beeinflusst aufgrund seiner anatomischen Beziehung zum Zwerchfell am Solarplexus auch die Respiration, was wiederum den Energiefluss im Körper wegen der Nähe zu den drei unteren Chakras aus dem Yoga beeinflusst. Jo Ann leistet hervorragende Arbeit, indem sie den Einfluss des Lendenmuskels auf Gebieten wie der „viszeralen Botschaft“ und dem „somatischen Gedächtnis“ sowie die emotionale Komponente anspricht, die mit dem Bauchgefühl im Zusammenhang steht.

Jo Ann thematisiert die Bedeutung der Übersetzung „Rad“ für „Chakra“. Es wäre nicht völlig abwegig, den Lendenmuskel ins Zentrum dieses „Rades“ zu stellen; dabei können einige der vielen Speichen, die von diesem Zentrum bewegt und beeinflusst werden, der Oberkörper, der Unterkörper, die Körpermitte, physiologische und metabolische Funktionen, Emotionen, Geist und Energie sein, um nur einige zu nennen. Jo Ann hat uns auch gelehrt, dass die historische Bedeutung von „Chakra“ gleichzusetzen ist mit „in ein neues Zeitalter eintreten“. Sie liefert eine Fülle sachlicher Informationen sowie eine Demonstration korrektiver Übungen, die die Balance wiederherstellen. Damit gibt sie uns einen wertvollen Fahrplan an die Hand, um die Harmonie zwischen Geist, Körper und Seele durch diesen tief im Inneren versteckten Schatz, den Lendenmuskel, wiederherzustellen. Ich glaube, dass Ärzte, Anatomen, Biomechaniker, Sporttherapeuten, Masseure und andere ganz gewiss in ein „neues Zeitalter“ der Wahrnehmung, der Erkenntnis, der Akzeptanz und des Respekts geführt werden, basierend auf der Fähigkeit dieses Muskels tief in der Körpermitte, Geist, Körper und Seele zu beeinflussen. Die Überzeugung, dass nur durch die Balance dieser drei Elemente optimale Gesundheit erreicht werden kann, ist weit verbreitet.

Meine abschließende Betrachtung gilt Jo Anns Hinweis: „So wie alles im Universum in Wechselbeziehung steht, so ist es auch mit unserem Körper; wir sind Lebensformen, die sich ständig entwickeln.“ Dieses Buch hat mich aufgerüttelt und mich in meinem persönlichen und beruflichen Entwicklungsprozess gefördert; überdies glaube ich, dass jeder Leser nach einer Reise zusammen mit der Autorin imstande ist, ein wenig mehr Wissen und Erkenntnis auf den eigenen Weg zu einem besseren Verständnis von Gesundheit und Funktionieren mitzunehmen.

In Gesundheit

Dr. Gary Mascilak, D.C., P.T., C.S.C.S

Einleitung

Psoas-Training habe ich geschrieben, um den einzigen Muskel im menschlichen Organismus vorzustellen, der Ober- und Unterkörper miteinander verbindet. Die meisten Menschen sind sich dessen nicht wirklich bewusst, wie wichtig das ist.

Mit dem Lehren über und dem Erforschen des Lendenmuskels als starke Kraft im Körper begann ich eine Reise von einem kinesiologischen Standpunkt aus ins Reich des beweglichen Körpers bis hin zu Energien und Tiefenwahrnehmung. Diese Erfahrung hat mich demütig gemacht.

Körperlich: Als Bewegungsspezialistin fand ich erst vor einem Jahr die Bewegungslehre im Wandel, was Aktionen und Aufgaben des Lendenmuskels angeht. Renommierte Lendenmuskel-Experten bringen die Informationen ständig auf den neuesten Stand. Die einfachste Aussage ist diese: Der Lendenmuskel ist kompliziert. Ich werde den Lendenmuskel nicht länger als starken Mobilisator bei der Hüftbeugung bezeichnen außer als Bestandteil des Lenden-Darmbein-Muskels, wo der M. iliacus in den meisten Fällen der stärkere Beuger ist. An der Lendenwirbelsäule gibt es stärkere Beuger, vor allem den geraden Bauchmuskel. Die Aufgaben des großen Lendenmuskels als Stabilisator der Lendenwirbelsäule und der Hüfte sowie als Verbindungsglied zu den unteren Extremitäten erscheinen in mechanischer Hinsicht wichtiger und rechtfertigen seine Bedeutung, wenngleich seine stabilisierenden Funktionen in Abhängigkeit von der Bewegung noch diskutiert werden.

Emotional: Auf dem Gebiet der psychoemotionalen Verbindung gibt es unglaubliche, doch sehr wahre Informationen über den Zusammenhang zwischen Lendenmuskel und Nervensystem. Ich habe versucht, dieses Thema für ein breiteres Publikum möglichst verständlich darzustellen.

Spirituell: Die Kenntnis der spirituellen Energien ist vor allem alten schriftlichen Überlieferungen und der Wissenschaft von Kundalini-Yoga und Meditation zu verdanken, die auch heute vollständig und relevant erscheinen. Der Lendenmuskel bleibt wegen seiner tiefen, zentralen Lage und seiner Beziehung zu anderen Strukturen ein wichtiges Element in diesem Bereich. Obwohl der feinstoffliche Körper als von der anatomischen Struktur getrennt gilt, sind beide doch miteinander verbunden, denn wie sonst könnte Energie ohne die Unterstützung der Atmung und der Muskelarbeit fließen? Es ist eine Kunst, das wahrzunehmen. So wie alles im Universum in Wechselbeziehung zueinander steht, so verhält es sich auch in unserem Körper; wir sind Lebensformen, die sich ständig entwickeln.

Es ist entscheidend, wie wir den Lendenmuskel einsetzen und wie wir auf ihn achten. Zwar ist jeder Mensch etwas anders, doch der unsachgemäße Gebrauch dieses Muskels ist bei vielen offensichtlich. Der Lendenmuskel wurde immer wieder fälschlich als Ursache für bestimmte Beschwerden genannt, einige davon werden in diesem Buch erläutert. Es ist schwierig, einen Spezialisten zu finden, der Probleme mit dem Lendenmuskel erkennen und damit umgehen kann. Die Behandlung und das Engagement für die Heilung können frustrierend und effektiv zugleich sein, bis der Lendenmuskel voll und ganz wiederhergestellt ist.

Ich habe festgestellt, das das Befreien des Lendenmuskels eine unmittelbare Wirkung auf das Ganze des Körpersystems hat. In vielen Fällen stehen Stärkung oder Dehnung erst an zweiter Stelle. Das liegt daran, dass der Lendenmuskel nicht nur falsch eingesetzt wird – er wird regelrecht misshandelt! Sobald er gelockert, eben befreit ist, kann er effektiv seine vielen wichtigen Aufgaben wahrnehmen, die in diesem Buch vorgestellt werden. Ich liebe die Adjektive, die Liz Koch, diese außergewöhnliche Lendenmuskel-Expertin, verwendet: „saftig, empfänglich, geschmeidig“. Folgt man dem Sinn dieser Wörter, führen sie zu einem gesunden Lendenmuskel, der so viele wichtige Körperabläufe beeinflusst.

Jo Ann Staugaard-Jones

movetolive.joannjones@gmail.com

Teil 1:
Anatomische Grundlagen

Dieses Buch will einen wichtigen Muskel entschlüsseln, wobei natürlich kein Muskel allein arbeitet. Die Körpermitte besteht aus einer Muskelgruppe, die die Wirbelsäule umgibt, um sie in Balance zu halten. Der große Lendenmuskel (Musculus psoas major) ist einer davon. Bei der Stabilisierung der unteren Wirbelsäule unterstützen ihn dabei gerade Bauchmuskeln, Schrägmuskeln, quere Bauchmuskeln, breite Rückenmuskeln, Rückenstrecker, viereckiger Lendenmuskel sowie tief hinten liegende Muskeln. Am iliofemoralen Gelenk ist er Teil des Lenden-Darmbein-Muskels (Musculus iliopsoas), einer Muskelgruppe, die mit geradem Oberschenkelmuskel, Schneidermuskel, Kammmuskel und Schenkelbindenspanner für die Beugung der Hüfte sorgt. Dank dem Zusammenspiel dieser Muskeln hat der große Lendenmuskel den Spielraum für eine ausgesprochen wichtige Aufgabe: Er ist Bindeglied.

Bei allem Bemühen um die Fitness der Rumpfmuskulatur muss klar sein, dass alle zentralen Muskeln harmonieren müssen und nicht ein einzelner betont wird. Fitnesstrainer setzen oft auf die Redewendung „Bauchnabel zur Wirbelsäule“, um den tiefen queren Bauchmuskel anzusprechen, doch das dient nur der bildlichen Vorstellung. Man sollte nicht im Übermaß den Bauch einziehen oder den Rücken abflachen. Für Bewegungen ist die neutrale Wirbelsäule das Beste: Die natürlichen Krümmungen balancieren sich gegenseitig aus und die Muskeln arbeiten geschmeidig.

Mit diesen Aspekten im Hinterkopf kann der anatomische Teil dieses Buches beginnen.


Die Lenden-Darmbein-Muskeln: Lage und Bewegung

Tief innerhalb des vorderen Hüftgelenks und der unteren Wirbelsäule liegt der große Lendenmuskel (M. psoas major), manchmal auch „mächtiger Lendenmuskel“ genannt. Er ist der wichtigste Skelettmuskel des Körpers, da er als einziger obere und untere Extremitäten (Wirbelsäule und Beine) verbindet. Damit ist er ein wichtiger Haltungsmuskel sowie Mobilisator und Stabilisator zweier verschiedener Gelenke, dem iliofemoralen Gelenk und der Lendenwirbelsäule. Durch seine Nähe zum Körperschwerpunkt trägt er auch zur Regulierung des Gleichgewichts bei und beeinflusst zudem Nerven- und Energiebahnen.


Abb. 1.1: Großer Lendenmuskel (M. psoas major).

Es gibt den großen und den kleinen Lendenmuskel. Beide setzen oben an der Lendenwirbelsäule an, enden unten aber unterschiedlich: Der große verbindet Wirbelsäule und Oberschenkelknochen (untere und obere Extremität; siehe Abb. 1.1), der kleine dagegen Wirbelsäule und Becken (siehe Abb. 1.3). Den wird die Evolution wohl irgendwann verschwinden lassen, da er nur für den Gang auf allen vieren wichtig ist. Daher ist er auch nur ein schwacher Mobilisator. Tatsächlich gibt es Menschen, die ihn nur auf einer Seite oder überhaupt nicht haben. Mit dem Begriff „Lendenmuskel“ ist hier der große Lendenmuskel gemeint oder die Kombination aus großem und kleinem Lendenmuskel als Muskelgruppe.

Die beiden Lendenmuskeln sind Teil einer größeren Muskelgruppe, des Musculus iliopsoas (Lenden-Darmbein-Muskel), zu dem auch der große Musculus iliacus (Darmbeinmuskel) gehört. Die gesamte Gruppe kontrahiert zeitgleich und beugt die Hüfte, damit wohl der tiefste Hüftbeuger und als Muskelgruppe die stärkste. Der Darmbeinmuskel setzt unten am Oberschenkelknochen an und verläuft zum Darmbein des Beckens, während der große Lendenmuskel distal am Oberschenkelknochen ansetzt sowie proximal (nächst dem Körpermittelpunkt) hinter dem Becken an den Querfortsätzen des ersten bis fünften Lendenwirbels und manchmal des zwölften Brustwirbels. Den meisten Quellen zufolge erlaubt dies zumindest einem Teil des Lendenmuskels, die Lendenwirbelsäule zu beugen, obwohl das noch diskutiert wird. Bei fixiertem Oberschenkelknochen agiert der Darmbeinmuskel am Becken, der Lendenmuskel an der Lendenwirbelsäule, er kann sogar die Wirbelsäule strecken. Dieser Widerspruch wird später noch erklärt.


Abb. 1.2: Darmbeinmuskel (M. iliacus).

Der Darmbeinmuskel lässt zusammen mit anderen Hüftbeugern wie dem geraden Oberschenkelmuskel das Becken nach vorn kippen. Diese Neigung verstärkt die lumbale Lordose (Krümmung der Wirbelsäule nach vorn). Daher muss der Lendenmuskel kräftig und zugleich elastisch genug sein, um diesen Bereich vor einer zu starken Lordose („Hohlkreuz“), einer der häufigsten Folgen von Fehlhaltung, zu schützen. Auch die Bauchmuskulatur kann hier gegenwirken, speziell der gerade Bauchmuskel, ebenso die Wirbelsäulenstrecker. Der Lendenmuskel wirkt bei der Stabilisierung von Beugung wie Streckung der Lendenwirbelsäule.

Das Becken mit anderen Muskeln als dem großen Lendenmuskel zu zentrieren und die neutrale (natürliche) Krümmung der Wirbelsäule beizubehalten ist der Schlüssel dafür, dass der Lendenmuskel seine vielfältigen Aufgaben ohne Erschöpfung erfüllen kann.

Gemäß Untersuchungen tragen die Lendenmuskeln offenbar dazu bei, die untere Wirbelsäule aufzurichten, da sie mit den unteren transversospinalen Muskeln (siehe Abb. 1.5) ein Bündel um die Lendenwirbelsäule bilden; das Beugen übernehmen andere Fasern. Als zentralem Rumpfmuskel kommt dem Lendenmuskel eine Schlüsselrolle für die korrekte Körperhaltung zu, ebenso bei der Verlagerung des Gewichts vom Rumpf auf Beine und Füße, in Bewegung und im Stand, da er hilft, Wirbelsäule, Becken und Oberschenkelknochen richtig zu positionieren.


Abb. 1.3: Die Gruppe der Lenden-Darmbein-Muskeln; alle drei Muskeln sind normalerweise auf beiden Seiten des Körpers vorhanden; nur für einen besseren Überblick sind sie hier in der Abbildung jeweils nur einmal zu sehen. Die volle Größe dieser Gruppe erhalten Sie, wenn Sie sich alle Bündel beidseitig vorstellen.

Das Zusammenspiel der drei tief liegenden, kräftigen Lenden-Darmbein-Muskeln mit anderen vorn liegenden Hüftmuskeln erlaubt die Bewegung des Oberschenkels nach vorn (Beugung der Hüfte). Steht das Becken still, lässt sich der große Lendenmuskel isolieren, indem man die Beine – wie sitzend in „V-Haltung“ – vor dem Körper anhebt. Das aktiviert den Lendenmuskel zur Unterstützung der Lendenwirbelsäule gegen die Schwerkraft; auch einige kleinere Muskeln helfen mit.


Abb. 1.4: Die V-Position isoliert den großen Lendenmuskel.

Wie die meisten Wirbelsäulenmuskeln kann auch der Lendenmuskel die seitliche Neigung der unteren Wirbelsäule (der rechte Lendenmuskel kontrahiert, um die Wirbelsäule auf der gleichen Körperseite nach rechts zu neigen) sowie die Drehung zur entgegengesetzten Körperseite (der rechte Lendenmuskel kontrahiert, um eine Drehung auf die linke Seite zu bewirken) unterstützen. Diese Kontraktionen des Lendenmuskels sind jedoch deutlich geringer und schwächer als die bei seinen anderen Aufgaben.

Die unmittelbare Umgebung des Lendenmuskels

Der Lendenmuskel arbeitet für Bewegungen und zur Stabilisierung mit anderen großen Muskeln zusammen; auch diese werden hier im Buch erläutert. Zuerst geht es nun um die unterstützende Gruppe der unteren Wirbelsäulenstrecker.

Die transversospinale Muskelgruppe ist Teil der tieferen, hinten liegenden Muskeln wie Halbdornmuskel, vielgespaltener Rückenmuskel und Drehmuskeln. Die letzten beiden bilden mit dem großen Lendenmuskel ein Bündel um die untere Wirbelsäule und unterstützen ihre Aufrichtung – ein Widerspruch zum Lendenmuskel als Beuger. Hier spielen Praxiswissen und die Arbeit Anatomy Trains von Thomas Myers (2009) eine Rolle. Ihm zufolge unterstützen die oberen vorderen Lendenmuskelfasern die Beugung, die unteren inneren Fasern dagegen die Streckung. Andere Wissenschaftler meinen das Gegenteil. Die Entscheidung, wer recht hat, steht aus. Merken kann man sich, dass der Lendenmuskel bei aufrechter Wirbelsäule eher der Stabilisierung als der Bewegung dient; kräftige Wirbelsäulenstrecker und -beuger übernehmen einen Großteil der Kontraktion.


Abb. 1.5: Die tiefen hinteren Muskeln in Relation zum großen Lendenmuskel.

Zum Palpieren (Ertasten) des Lendenmuskels beginnt man auf dem Bauch, 7–8 cm unterhalb und seitlich des Nabels und wandert an den Bauchmuskeln, einigen Organen und weiteren Muskeln (fast unmöglich!) vorbei. Dort in der tiefen Körpermitte liegt der große Lendenmuskel, einer auf jeder Seite der unteren Wirbelsäule. Er ist wegen seiner Nähe zu Organen, Arterien und Nerven schwer zu erreichen, das ist in der Regel auch nicht ratsam. Der Muskel verläuft vorn auf dem Becken und dem Oberschenkelhals und setzt am Trochanter minor (kleiner Rollhügel) an der Innenseite des Oberschenkelknochens an; weiter geht er hinter die Leistenbänder, die beidseits jeweils vom vorderen oberen Darmbeinstachel des Beckens zum Schambeinhöcker verlaufen, zwei prominente Tastpunkte, die vorn aus dem Becken ragen und leicht zu finden sind. Die Kontraktion der Hüftbeuger spürt man, wenn man auf die untere Außenkante des vorderen oberen Darmbeinstachels drückt, während der Oberschenkel bei der Hüftbeugung nach vorn gehoben wird.

Der Ilioinguinalnerv sorgt für Empfindung in diesem Bereich und muss bei der Behandlung des Muskels beachtet werden, ebenso die Nähe der äußeren Hüftarterie entlang der medialen Muskelgrenze. Die direkte Fortsetzung der äußeren Hüftarterie ist die Femoralarterie, die einen Großteil der unteren Extremität mit Blut versorgt. Der Genitofemoralnerv kann durch die Nähe des Lendenmuskels ebenfalls betroffen sein und sollte bei der Behandlung ins Kalkül gezogen werden.

Wie erwähnt, liegt der Lendenmuskel wegen seiner zentralen Lage nahe bei Organen. Nieren, Harnleiter und Nebennieren sind markant im mittleren Bereich angeordnet; daher ist bei der Behandlung des Lendenmuskels Vorsicht geboten.

Auch den Lendenmuskel umhüllt eine Faszie (Muskelbinde), ein Bindegewebe, das den Muskel umgibt und abgrenzt. Lumbale Faszien (lumbale Aponeurose) gehen in die Faszie des großen Lendenmuskels über – vom ersten Lendenwirbel bis zum Kreuzbein sowie vom Darmbeinkamm zum viereckigen Lendenmuskel und den Darmbeinmuskeln. Die Darmbeinfaszie geht dann in die Sehne des kleinen Lendenmuskels (sofern vorhanden) sowie das Leistenband über. In Richtung Oberschenkel vereinen sich Lendenmuskel- und Darmbeinfaszie zur Darmbein-Schambein-Faszie; sie verläuft hinter den Femoralgefäßen. Das Lendennervengeflecht liegt weiter dahinter; dieser Bereich ist ausgesprochen komplex.

In der Hüftgelenkhöhle befindet sich ein großer Schleimbeutel (mit Flüssigkeit gefüllter Beutel als Polster). Dieser Schleimbeutel trennt in der Regel die Sehne des großen Lendenmuskels von der Gelenkkapsel und dem Schambein.

Die Lage des Lendenmuskels zu Bein, Becken und Rumpf ist wichtig. Er entspricht einer strukturellen Verbindung zur Unterstützung der Wirbelsäule, indem die Muskelfasern nach unten und außen verlaufen. Diese führen dann jedoch zurück zum Oberschenkel und machen so den großen Lendenmuskel zu einem fusiformen Muskel, also einem spindelförmigen, ähnlich dem M. biceps brachii. Er erscheint in lang gestreckter Trapezform, muss aber dreidimensional betrachtet werden, da er sich leicht um die Beckenstruktur windet, die er verstärkt.

Die Ausrichtung des Lendenmuskels vom Rumpf zu den Beinen unterstützt die Bewegungssteuerung der Wirbelsäule sowie die Gewichtsverlagerung vom Rumpf auf die Oberschenkel bei Bewegungen. Für einen ausgeglichenen Gang müssen der linke und der rechte Muskelstrang sich gleich bewegen! Sind beide gesund und bewegen sich ungehindert, sind Bewegung und Energien in unserem Körper in stetigem Fluss.


Abb. 1.6: Der Lendenmuskel in Balance beim Gehen.

Der Lendenmuskel als ein wesentlicher Mechanismus

Der Lendenmuskel gilt als ein Rumpfmuskel, der die Funktion eines Grundpfeilers hat, zentral und den „Strebepfeilern“ Oberschenkelknochen und -muskeln übergeordnet. Dieses Architekturkonzept offenbart sich auch in der skeletalen Becken-Bein-Beziehung und stützt den menschlichen Körper wie ein Bogen bei einem Gebäude.

Der Lendenmuskel verläuft vertikal von der Wirbelsäule zum Bein und diagonal über das Becken. Als Skelettmuskel, der mehr als ein Gelenk passiert, wird er biartikulär (Muskel, der zwei Gelenke bedient) genannt. Dieses Konzept ist ausgesprochen wichtig. Aber noch eine weitere Aufgabe des Lendenmuskels ist interessant: Zusammen mit Becken und Beckenboden bildet er eine Art Schale zum Schutz der inneren Organe.

So stimuliert und massiert jede Bewegung des Lendenmuskels (Muskelkontraktion) Organe wie Darm, Nieren, Leber, Milz, Bauchspeicheldrüse, Blase und/oder Magen. Sogar die Fortpflanzungsorgane sind betroffen. Einige tiefe, zentrale innere Organe werden als Eingeweide (Viszera) zusammengefasst. Daher kann man die Kommunikation zwischen Organen und Gehirn auch als viszeralen Datentransfer bezeichnen. Wegen der Nähe zu diesen Organen kann der Lendenmuskel auf diese Reize reagieren und somit das „Bauchgefühl“ beeinflussen.


Abb. 1.7: Nerven (Lendennervengeflecht) und Arterien in der Nähe des großen Lendenmuskels.

Er beeinflusst auch die Innervation, insbesondere das lumbale Nervennetz, das ihn durchzieht. Die Aorta (die größte Arterie) verläuft ähnlich wie der Lendenmuskel, sodass auch Körperkreislauf und -rhythmen sowie der Lendenmuskel ineinandergreifen können.

Ferner ist bemerkenswert, dass der Lendenmuskel und das Zwerchfell, ein großer Atemmuskel, an einem Knotenpunkt, dem Solarplexus, zusammentreffen. Dieser Punkt ist kein anatomisches Objekt wie ein Organ, ein Knochen oder ein Muskel, sondern ein Bereich hinter dem Magen, in der Nähe des Nabels und vor Aorta und Zwerchfell, der ein Nervengeflecht beherbergt. Er steht mit dem Chakra-System im Zusammenhang und wird im spirituellen Abschnitt (Teil 3) dieses Buches vertieft.


Abb. 1.8: Der große Lendenmuskel und das Zwerchfell treffen sich an einem Punkt, der als Solarplexus bekannt ist.

Kein Wunder, dass der große Lendenmuskel etwas Besonderes ist. Er hat die unterschiedlichsten Namen, etwa „versteckter Schelm“, „eigensinniger Lendenmuskel“, „Dirigent“ und „Kampf-oder-Flucht-Muskel“. Mein wunderbarer Physiotherapeut, Dr. Gary, nennt ihn den „Vorder-Po“. Welch herrliche Identität!

Was der Lendenmuskel alles kann:

 Die Körpermitte in Balance halten.

 Organe und Nerven stimulieren.

 Kontrahieren, entspannen, stabilisieren, neutralisieren oder verkümmern wie jeder andere Muskel auch.

 Den Oberkörper mit dem Unterkörper verbinden.

 Bewegung und gleichmäßiges Fließen durch den ganzen Körper erzeugen.

Er kann sich auch neuen Situationen anpassen, sofern er entspannt und gesund ist, also nicht „eingefroren“. Die folgenden Kapitel zeigen, wie man den Muskel mit Übungen in Balance hält, und erläutern seine Rolle für das emotionale und spirituelle Befinden.

Der Lendenmuskel beeinflusst den ganzen Menschen.

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171 səh. 86 illustrasiyalar
ISBN:
9783767920170
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Bookwire
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