Kitabı oxu: «Religion und Kosmos»

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Johannes Schlaf

Religion und Kosmos


Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2020

goodpress@okpublishing.info

EAN 4064066111427

Inhaltsverzeichnis

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Vorwort

Inhaltsverzeichnis

Dies Buch handelt von der so brennenden Krise, in der heute Religion und Wissenschaft stehen. Eine Krise, die unter Umständen zu einer ungeheueren Gefahr für die europaeische Sozietät werden kann. Angesichts dieser Gefahr aber kommt alles auf den glücklichen und endgültigen Austrag des heute so bedenklich in der Schwebe hängenden Problems der exakten Naturwissenschaft an. Das aber will besagen: darauf, daß die völlige Brüchigkeit und Unmöglichkeit der gegenwärtigen mechanistischen Wissenschaft und ihrer Prinzipien ausgesprochen wird. Im besonderen aber kommt alles darauf an, daß man endlich die höchst positive, sichere und im erkenntnistheoretischen, was schließlich bedeutet: religiösen Betracht durchaus ausschlaggebende Bedeutung zweier glorreicher Errungenschaften der bisherigen exakten Naturwissenschaft, an denen diese neuerdings aber höchst bedenklicher und gefährlicher Weise wieder irre geworden ist, daß man die ausschlaggebende, religiöse Bedeutung der Entwicklungstatsache und der Tatsache der Erhaltung einheitlicher Kraft – ich sage besser und exakter: Polarität! endlich mit vollstem Bewußtsein ihrer unausweichlichen Notwendigkeit, ja ihrem hypothesenfreien Charakter nach erfaßt! Denn in Wahrheit beruhen diese beiden so überaus wichtigen wissenschaftlichen Ausmachungen auf Grundlagen, denen unausweichlich axiomatischer Charakter eignet, so daß es durchaus nicht mehr angeht, sie als bloße Hypothesen zu behandeln! –

Soviel über den wesentlichsten Inhalt des vorliegenden Buches.

Aus mehr als einem Grunde mag es sich aber lohnen, daß ich auch noch ein Wort über meinen astronomischen Standpunkt verliere, der im Zusammenhange dieser Arbeit und der Erörterungen über die wissenschaftliche Krise, die sie bietet, wenn auch nur ganz kurz angedeutet, von sicherlich nichts weniger als nebensächlicher Bedeutung ist.

Die Öffentlichkeit weiß von meiner astronomischen Angelegenheit und der von mir ausgesprochenen Unhaltbarkeit der kopernikanischen, heliozentrischen Anschauung. Diese Angelegenheit ist nun neuerdings insofern in ein neues Stadium eingetreten, als meine geozentrische Feststellung inzwischen von zwei Seiten her eine fachmännische Zustimmung erfahren hat.

Ich stand seit Spätsommer vorigen Jahres, anläßlich meiner damaligen Veröffentlichungen in »Nord und Süd«, in einem sehr regen und ausführlichen Briefwechsel mit Ph. Fauth, dem bekannten Mond- und Planetenforscher und Besitzer des Planetographischen Observatoriums zu Landstuhl i. d. Pfalz. Dieser Briefwechsel hat inzwischen aber insofern zu einem nicht unwichtigen Ergebnis geführt, als Herr Fauth mir in einem Brief vom 31. März d. J. ausdrücklich zugestand, daß die Logik meiner geozentrischen Feststellung, die ich ihm, was ich öffentlich bisher noch nicht getan, ihrem Zusammenhange nach mitgeteilt hatte, eine »unantastbare« sei.

Neuerdings kam ich dann noch, anläßlich eines ausführlichen Aufsatzes, den er mir hatte zugehen lassen, in einen nicht minder regen und eingehenden Briefaustausch mit Herrn W. Becker, einem Astronomen der Berliner »Urania«. Der Aufsatz war eine umfangreiche Polemik gegen meine vorjährigen Veröffentlichungen über die Rückläufigkeit Jupiters und der Planeten vom kopernikanischen Standpunkte aus.

Ich konnte Herrn Becker indessen auf einen inzwischen von mir in der »Nationalzeitung« veröffentlichten Aufsatz »Kosmische Rotation« hinweisen, in dem ich meine vorjährige Jupiterfeststellung öffentlich berichtigt hatte. Zugleich übermittelte ich Herrn Becker einen ausführlicheren Aufsatz, in dem ich auch ihm meine geozentrische Feststellung ihrem ganzen Umfange nach vortrug. Bald darauf erhielt ich von Herrn Becker eine Zustimmung, die noch ungleich entschiedener war, als die Einräumung, die mir vorher bereits Herr Fauth gemacht hatte.

Herr Becker schrieb mir in einem Brief vom 3. Juni d. J.:

»Ihre Kosmoslehre hat eine so innere Wahrscheinlichkeit, ja, ich halte dieselbe mit zu den durchdachtesten und verständlichsten Kosmosanschauungen. Die Beweise, die Sie für die einheitliche Geschlossenheit des Systems« (des allgemeinen, absoluten, kosmischen Systems) »mit einem Zentralkörper anführen, sind großartig detailliert.« – Ferner über die Beweise, die ich in meinen Briefen dafür aufgestellt hatte, daß außer der Erde kein Himmelskörper Achsenrotation hat:

»Da nun die Erde rotiert und die Bewegungen der Körper nur Ausweitungen der Rotation« (der Erde) »sein können, so muß dann selbstverständlich die Erde der Zentralkörper sein« … »Die Beweise für die Nichtrotation der kosmischen Körper sind überlegt durchgeführt« … »Der ständige Rhythmus von Repulsion und Kontraktion« (den ich als die wesentlichste Bewegung des kosmischen Systems und der Untersysteme nachgewiesen hatte) »läßt … keine Rotation« (der Himmelskörper) »zu«. – »Was ich in meinem großen Aufsatz« (dem oben erwähnten) »über die Rotation der Körper sagte, deren Beweise, abgeplattete Gestalt, Störungen bei den Bewegungen der Trabanten usw. fallen …, gebe ich offen zu, vollständig weg.«

In einem Brief vom 12. Juni aber machte Herr Becker mir dann sogar noch weiter gehende und höchst wichtige Zugeständnisse, indem er vor allem die Prämisse meiner geozentrischen Feststellung, die sich ausdrücklich als eine hypothesenfreie, auf axiomatischer Grundlage beruhende darbietet, voll und ganz anerkannte! – Und etwas später teilte er mir mit, daß es mir vollstens gelungen sei, die Kopernikanische Anschauung zu entkräften; und er schloß ab mit der Erklärung: »Die kopernikanische Theorie ist also für uns erledigt«.

Einerseits das Zugeständnis, von anerkannter fachmännischer Seite, daß die Logik meiner geozentrischen Feststellung »unantastbar« sei – man hat der Logik der kopernikanischen Prämisse bekanntlich noch niemals Unantastbarkeit nachsagen können! –, andrerseits dann sogar die unbedingte Zustimmung, daß meine Prämisse selbst wirklich hypothesenfrei sei: das bedeutet sicherlich einen hochwichtigen Schritt, den die geozentrische Weltanschauung vorwärts getan hat! – Denn hat man den hypothesenfreien, auf axiomatischer Grundlage beruhenden Charakter meiner Prämisse erst einmal zugestehen müssen, so ist damit ein anderes ausgeschlossen, als daß die geozentrische Tatsache als endgültige und absolut exakte Anschauung in Kraft tritt! – Von welcher Tragweite das aber für den endgültigen Ausbau der Wissenschaft, ja für unsere ganze Kultur ist, das will diese vorliegende Arbeit, wenn auch vorerst nur in knappen Umrissen, aussprechen.

Weimar, Juni 1911.

Johannes Schlaf

Man erklärt die Religion heute für eine Privatangelegenheit jedes Einzelnen, will sie in das »persönliche Belieben« stellen; man ist bestrebt, den konfessionellen Religionsunterricht aus der Schule zu entfernen, ja sogar der Austritt aus der Landeskirche spielt nach wie vor seine Rolle.

Zu gleicher Zeit macht sich nun aber in immer größerem Umfang eine Neigung zur Bildung sogenannter monistischer Religionsgemeinschaften geltend; ja man hat sogar allen Ernstes schon den Begriff einer »monistischen Kirche« aufgestellt; und ferner ist man drauf und dran, in den Schulen dem Unterricht in den exakten Naturwissenschaften einen immer größeren Spielraum zu erobern; gewiß nicht ohne die offene oder stillschweigende Erwartung, daß er gerade auch auf die religiöse Erziehung der Jugend einen ganz besonderen und sogar einen besseren Einfluß zu üben geeignet sei, als der konfessionelle Religionsunterricht.

Tritt in alledem nun aber nicht ein ganz entschiedener Widerspruch zu Tage?

Man macht einerseits die Religion zu einer Privatangelegenheit jedes Einzelnen, zugleich aber bildet man monistische Gemeinden oder ist gar auf eine »monistische Kirche« hinaus! Man will den konfessionellen Religionsunterricht ausschalten, ihn zugleich aber durch den naturwissenschaftlichen ersetzen, von dem man sich eine neue und bessere religiöse Ausbildung der Jugend verspricht. Man will also auf der einen Seite die Religion in das persönliche Belieben stellen, zugleich aber macht man sie trotzdem wieder zu einer ebenso gemeinsamen und öffentlichen Angelegenheit, wie das bisherige Religionsbekenntnis eine ist!

Man sollte also doch lieber offen eingestehen, daß man tatsächlich lediglich ein öffentliches und allgemeines Religionsbekenntnis durch ein anderes ersetzen will. Das entspräche alsdann dem wirklichen Tatsachenbestand. Vor allem aber bedeutet es zugleich die einzig denkbare Möglichkeit!

Denn es ist einfach nicht möglich, widerstrebt allem Gesetz und aller Natur von Sozietät, Religion und religiöses Bekenntnis lediglich zur Privatangelegenheit des Einzelnen zu machen und sie so ganz in dessen persönliches Belieben zu stellen. Es kann sich höchstens um gegenseitige Duldung zwischen verschiedenen religiösen Bekenntnissen handeln, die sich noch niemals in aller Welt vermeiden ließen.

Soweit man also bei dieser recht unklaren »Privatangelegenheit des Einzelnen« eine solche Duldung, ein solch möglichst friedliches Gleichgewicht verschiedener religiöser Bekenntnisse im Sinn hat, hat man Recht und befindet sich auf dem rechten Wege. Alles übrige aber bedeutet eine höchst bedenkliche Unklarheit in einem wesentlichsten Punkte. – Nämlich darin, daß nach wie vor ein paar größere religiöse Bekenntnisse vorhanden sind und sein werden und neben ihnen eine Anzahl von mehr oder weniger freien Sekten und Bekenntnissen, denen aber nur eine Minderzahl von Staatsgenossen angehört. Da nun aber ausnahmslos alle diese Bekenner Angehörige eines Staates und durch ganz besondere organische, politische und sonstige völkisch sozietäre Interessen miteinander verbunden sind, Interessen, die in staatlichen Gesetzen, Satzungen und Einrichtungen formuliert sind, und da unweigerlich je und je alle diese staatlichen Interessengruppen in gegenseitiger organischer Abstufung standen und stets in ihr stehen werden, so ist ein anderes undenkbar, als daß sich das mit dem religiösen Bekenntnis all dieser Staatsgenossen genau so verhält! Auch das wird nach wie vor seine Formulierung und öffentliche Regelung erfahren müssen. (Nichts anderes kann ja auch der Sinn und Verstand sein, der diesen neuen monistischen Gemeinden, oder gar einer neuen »monistischen Kirche« eignet!)

Es ist bei alldem nun aber durchaus unvermeidlich, daß jene Bekenntnisse, auf welche sich die Mehrzahl der Staats- und Volksgenossen einigt – sie werden zugleich die religiös wichtigsten und stärksten sein – das in einem ganz besonderen Grade sind, was im übrigen auch alle Nebenbekenntnisse sind: nämlich Staatsreligion oder Religion von Staatsbürgern! – Nur daß die Nebenbekenntnisse den anderen gegenüber untergeordneter Natur sind. Das ist eine ganz natürliche und aus allem Wesen von Sozietät heraus sich ergebende Tatsache und Ordnung! An der nach wie vor in allem wesentlichen nichts zu ändern sein wird. Das schließt dann aber weiter sofort ein, daß ein allgemeiner Religionsunterricht des Bekenntnisses, auf das sich die Mehrzahl der Staatsbürger einigt, auch in den Schulen statthat, und aus dem Unterrichtsplan der Schulen nicht ausgeschaltet werden kann. Daß sich hierbei nach wie vor Schwierigkeiten ergeben werden, da wo entweder eine katholische oder eine protestantische oder sonst eine religiöse Enklave besteht, ist wohl wahr, aber niemals zu vermeiden. Es kann einzig darauf ankommen, ein möglichst tolerantes Gleichgewicht der hier einschlägigen Interessen zu erreichen und aufrecht zu erhalten.

Eine andere Sache ist nun allerdings die, daß die hauptsächlichsten christlichen Konfessionen heute wieder mal in einer Krise stehen, die sogar eine recht brennende ist! –

Man sollte indessen in den Mitteln, sie ihrer Lösung entgegenzuführen, beileibe nicht unvorsichtig vorgehen! Ein höchst bedenkliches Mittel aber würde es bedeuten, den konfessionellen Religionsunterricht prinzipiell und als solchen auszuschließen! Da es sich, wie wir schon sahen, ja doch überhaupt um nichts anderes handeln kann als um die Ersetzung des einen konfessionellen Religionsunterrichts durch einen anderen, neukonfessionellen, so sollte man jenen nur mit der größten Vorsicht ausschalten; wenn das übrigens wirklich in einem so radikal antichristlich-antikirchlichen Sinne vonnöten sein sollte, wie man gegenwärtig meint!

Vor allem nun aber hüte man sich darauf auszugehen, den Religionsunterricht in den Schulen durch den exaktnaturwissenschaftlichen zu ersetzen! Und zwar deshalb, weil die exakten Naturwissenschaften grade in ihrer gegenwärtigen Verfassung nichts weniger als zu einem solchen Ersatz geeignet sind! Denn die exakten Naturwissenschaften stehen selbst in einer nur zu brennenden Krisis! – Was aber die monistische Religionsbewegung anbetrifft, die neuerdings eine so bedeutende Ausbreitung gewonnen hat, so ist sie zwar sicher eine sozietäre Erscheinung von großer Wichtigkeit, andererseits darf man sich aber nicht verhehlen, daß sie in ihren tragenden Prinzipien vorderhand noch sehr schwankt. Und zwar aus keinem anderen Grunde, als weil sie allzu einseitigen Anschluß an die exakte Naturwissenschaft nimmt und diese noch lange nicht in der Lage ist wahr zu machen, was sie verspricht: nämlich die Heilsüberzeugungen des religiösen Glaubens durch endgültig ausgemachte wirkliche Tatsächlichkeiten zu ersetzen.

Das beruht aber, wie ich schon bei anderer Gelegenheit (in meinem erkenntnistheoretischen Buch »Das absolute Individuum und die Vollendung der Religion«, Oesterheld & Co., Berlin W.) nachgewiesen habe, auf einer unvermeidlich zwiespältigen Eigenschaft der exakten Wissenschaften!

Einerseits nämlich ist die exakte Wissenschaft, wie früher die Theologie und Philosophie, eine religiöse und erkenntnistheoretische Funktion; ist sie doch ihrem Ursprung nach nichts anderes als eine Abzweigung und besondere Ausgestaltung vorzeitlich religiösen, priesterlichen Nachdenkens über die göttlichen Dinge. Noch eigentlicher ist die exakte Wissenschaft indessen in Anbetracht ihrer analytisch-experimentativen Methode und außerdem ihres engen Zusammenhanges mit aller praktischen Technik eine technisch praktische Funktion. Nicht umsonst hat die exakte Wissenschaft heute gerade als solche so unerhörte, ihre größten, verdientesten, bewunderungswürdigsten Triumphe errungen!

Es kann nun aber schlechterdings nicht anders sein, als daß dieser vorwiegend analytische und praktisch technische Charakter der exakten Wissenschaft ihre erkenntnistheoretische Eigenschaft und die Werte und Wertungen, die sie nach dieser Richtung errungen hat, beständig beeinträchtigt. Denn er hinderte die exakte Wissenschaft ein für allemal, eine so vollkommen synthetische Funktion zu sein, wie das hier gänzlich unerläßlich ist!

Außerdem aber hat sich die exakte Wissenschaft, insoweit sie erkenntnistheoretische Funktion ist oder erkenntnistheoretische und religiöse Folgerungen ziehen will, einen recht bedenklichen und verhängnisvollen Fehler zu schulden kommen lassen! Sie hat nämlich gemeint, daß der religiösen Konfession überhaupt erst eine empirisch sichere Prämisse gewonnen werden müsse und daß der bisherigen religiösen Prämisse – will sagen: der Prämisse aller Religionen und der Religion – eine solche Sicherheit nicht eigne.

Indessen es ist nun unschwer einzusehen, daß der bisherigen religiösen Prämisse sogar die denkbar sicherste, nämlich eine geradezu axiomatische, identische Sicherheit, also geradezu die größte Selbstverständlichkeit eignet! –

Ich sprach eben von einer Prämisse, die allen Religionen und also der Religion als solcher eigne; mit anderen Worten: daß alle Religionen auf einer und derselben Prämisse und Grundtatsache sich aufbauen. Das scheint eine Behauptung, die sicherlich dem entschiedensten Widerspruch der heutigen monistischen Gemeinschaften begegnen wird; vertreten diese doch den Standpunkt, daß die Religionen von ihrem ersten Anfang an bis heute sehr verschiedenartig, wenn nicht gar die eine der anderen völlig entgegengesetzt seien.

Doch kann man sich leicht überzeugen, daß diese Annahme, obgleich sie behauptet, sich auf exaktwissenschaftliche Ausmachungen zu stützen, eine irrtümliche ist und höchstens in dem Sinne zutrifft, daß die einzelnen religiösen Bekenntnisse ihrer formalen Ausgestaltung nach sich voneinander unterscheiden, und durch sonstige Modifikationen, die mit der Rasseeigenschaft und den Lebensbedingungen der einzelnen Völker in Zusammenhang stehen. In Wahrheit aber können wir gar wohl einen ganz bestimmten und unveräußerlichen Grundinhalt und eine solche Prämisse aller Religionen und also der Religion feststellen, in dem, in der sich die urvorzeitliche Religion des Urmenschen durchaus mit der vorgeschrittensten aller Religionsformen, der christlichen, wurzeleins, ja geradzu identisch erweist!

Die Religion des Urmenschen war ein Toten- und Ahnenkult. Er bewahrte, verehrte, beschwor noch lediglich das Gedächtnis eines Urpaares und seiner Familie und Sippe, an welchen Kult sich alsdann der Kult aller anderen Toten angliedern mochte. Der Mensch, will sagen: ein bestimmtes menschliches Paar und eine sich ihm angliedernde Elite waren noch rein als solche Gegenstand eines primitivsten religiösen Kultes. Noch verehrte man keine Personifikationen der Naturmächte und Götter.

Doch mußte sich dieser letztere, vorgerücktere Kult bald mit Notwendigkeit aus dem Ahnen- und Totenkult ergeben. Je mehr nämlich die Bewußtheitlichkeit des Urmenschen zu einer eigentlicheren Intellektualität erwachte, um so mehr gewahrte der Urmensch den innigsten Zusammenhang, in dem er mit aller ihm umgebenden Natur stand; und zugleich gewahrte er den innigsten Zusammenhang jenes ersten Ahnenpaares und seiner Elite, deren Gedächtnis und Kult von der Tradition ein für allemal bewahrt und weitergetragen wurde, mit den Mächten und Elementen der Natur, aus denen sie bei Lebzeiten bestanden hatten und in die sie im Tode übergegangen waren.

Diese Wahrnehmung nun aber erst einmal gewonnen, mußte sich mit jeder Notwendigkeit die weitere Ausgestaltung des Toten- und Ahnenkultes des Urpaares und seiner Elite zu einem Kult von Himmelsgöttern vollziehen!

Wenn man heute aber diesem Götterkult der Vorzeit gegenüber von einem allzu naiven, der »Wirklichkeit« gar nicht entsprechenden Anthropomorphismus spricht, so ist das eigentlich nichts weniger als recht aufmerksam und wissenschaftlich! Denn da der Mensch, wie ja gerade die exakte Wissenschaft selbst ermittelt hat, die höchste Stufe der organischen Entwicklung bedeutet, und er andererseits nicht nur aus den anorganischen Elementen – und doch sicherlich schließlich aus schlechterdings allem Umfang derselben hervor geworden ist, sondern diese auch in seiner Physis einbeschließt und zur Aufrechterhaltung seiner Lebensfunktion ihrer als Nahrung und Erneuerung von außen her beständig bedarf, so ist ja doch nichts notwendiger, wahrer, exakter, ja selbstverständlicher als die Auffassung der Urmenschen, die die Umwandlung des Ahnen- und Totenkultes in den Kult der Naturmächte und Himmelsgötter vollzog, und ihr »Anthropomorphismus«! –

Die Naturmächte und Elemente sind tatsächlich menschlich und Mensch, sind das Individuum Mensch; und ihre chemische Zweipolarität stimmt diesem ihrem Charakter nach vollständig mit der organischen Zweiseitigkeit des Individuum Mensch (Mann und Weib) überein! Daß der Urmensch nun aber in gewissen grundtypischen Eigenschaften der elementaren Erscheinungen und Kräfte entsprechende Eigenschaften und Temperamente der menschlichen Seele wiederfand und wiedererkannte, ist sicherlich nicht weniger exakt! Denn kalt und heiß, hart, weich, sauer, süß, bitter, scharf, stumpf, heftig, sanft u. s. f. sind die Elemente durchaus in Übereinstimmung mit der Eigenschaftlichkeit menschlichen, bewußtheitlich lebendigen Temperamentes.

Wenn also Urpaar und seine Elite nach ihrem Abscheiden als persönliche und unterschiedliche Götter und Naturmächte weiterbestanden und in allen Umfang menschlicher Sozietät hineinwirkten, über dem Menschen »walteten«, andrerseits aber von ihm bestimmt wurden, so entspricht das vollständig dem empirisch exakt ausmachbaren wirklichen Tatsachenbestand und kann von der exakten Wissenschaft nicht aufgehoben, sondern lediglich bestätigt werden!

Wie also kann man anders als in eigentlich recht unaufmerksamer Weise den Anthropomorphismus des Urmenschen und des Menschen der historischen Antike als einen allzu naiven und exaktem »Wirklichkeitsbefund« widersprechenden bezeichnen?

Ja, der Urmensch, bezw. der Mensch der historischen Antike hatte sogar auch mit seinem Tierkult recht! Denn die Götter, das Ahnenpaar und seine Elite, waren ja, bevor sie Menschen wurden, Tiere gewesen. Wahrlich, tiefwundersam muß uns nicht nur die von allem Uranfang an festgehaltene und bis auf den heutigen Tag weitergeführte Tradition eines menschlichen Ahnenpaares und seiner Elite und eines obersten Götterpaares und seiner Elite, seinen Untergöttern, erscheinen, sondern auch die festgehaltene und so sorgfältig durchgeführte Erinnerung an die tierische Abkunft des Menschen, wie sie sich in dem Tierkult bekundet!

Mochte diese Prämisse und Grundtatsache der Religion mit der weiteren organischen und bewußtheitlich-kulturellen Entwicklung wie auch immer sich weiter ausdifferenzieren, so wurde sie selbst doch nicht einen Augenblick aufgegeben und konnte auch gar nicht aufgegeben werden! – Mochten die Götter später mit hundert und tausend Köpfen, Armen und Beinen vorgestellt werden, mochten zu den Hauptgöttern noch ganze Scharen von Nebengöttern in Himmel-, Ober- und Unterwelt hinzukommen, so waren doch alle solche Attribute oder waren diese Scharen von Nebengöttern dennoch nicht einen Augenblick im Widerspruch mit der religiösen Prämisse und Grundtatsache. Die hundert, tausend oder mehr Köpfe und Glieder stimmten nicht nur für die betreffende Gottheit, die man mit ihnen ausstattete, sondern auch für das persönlich menschliche Urahnenpaar. Denn sie besagten ebenso wie die Scharen der Nebengötter, nichts als den Machtbereich und die gewaltige Vielseitigkeit seiner Eigenschaftlichkeit; ja sie besagten sogar allen sozietären Umfang des Urpaares, der ja tatsächlich nichts anderes war und nichts anderes ist als seine direkte organische gattliche Ausgliederung und ihr Umfang. Auch hier sind die vorzeitlichen Vorstellungen also keineswegs blos so »naiv« und wirklichem Tatsachenbestand widersprechend, sondern vielmehr durchaus mit ihm in Einklang und sogar erstaunlich exakt tief, identisch erfaßt!

Aber wir haben freilich noch einen anderen Umstand in Rücksicht zu ziehen!

Nämlich mit der vorschreitenden geistigen Kultur erfuhr ja Wissen und Anschauung des Menschen von Erde und All eine wesentliche und wichtige Veränderung.

Es verfeinerten sich die Denkmethoden, indem sie ihren anfänglichen symbolistischen und vorwiegend emotional-dichterischen und bildlichen Charakter gegen einen abstrakten logischen vertauschten, der das allzu grobsinnlich drastische Symbol in ein logisches Begriffssymbol verwandelte. Es erwachte das philosophisch-logische Denken.

Es erhoben sich die so rein geistigen Begriffe des Bram, Nirwanas, der von jeder sinnlichen Anschauung losgelöste Unendlichkeitsbegriff. Später mit der griechischen Philosophie, die schon als Vorläufer moderner exakter Wissenschaft anmutende Elementar- und Naturphilosophie, die Begriffe der Kraft und des Atoms, die Ideen Platos, der Begriff des Geistes und der Geistigkeit. Die alten Göttervorstellungen, ihre Olympe und Walhalls, schienen ein für allemal in Wegfall gekommen. Es vollzieht sich die Umwandlung der persönlich anthropomorphistischen antiken Nationalgottheit und der vielen Götter in den geistigen Ein-Gott.

Kurz: die bisherige Prämisse und Grundtatsache der Religion scheint sich durch eine andere ersetzt zu haben.

Aber zugleich nimmt ja auch das Problem des Menschen wieder eine besonders dringliche Gestalt an! Schon die altionische Philosophie bedeutet den Anfang einer solchen höchst eindringlichen Behandlung des Problems Mensch, und von ihr an ist die ganze Entwicklung der griechischen Philosophie bis Socrates und bis zum Christentum hin eigentlich nichts anderes als eine bis dahin unerhörte intensive Erörterung dieses Problems. Der Abschluß dieser Erörterung ist aber der, daß aus dieser wundersamen Vorahnung der höchste vollkommenste, freieste Mensch in Gestalt und Erscheinung tritt und mit dem Christus »ins Fleisch geboren« unter allen Menschen vorhanden ist, um sie aus der Enge ihrer antik nationalen Eingeschränktheit zu höchster Vollkommenheit und – Gotteinheit zu erlösen!

Dieser persönlich leibliche, so durchaus konkrete Inbegriff »Mensch« aber? Ist nichts geringeres als der geistige Ein-Gott selbst als »Sohn« ins »Fleisch geboren« und in die Erscheinung hinein! – Nur daß er dem »alten Menschen,« dem »alten Adam« gegenüber durch eine tiefwundersame innere Wandlung (μετανοια) zu einem neuen Menschen werden soll, durch ihn, der sich den »neuen Adam« nannte oder so genannt wurde. Zu einem neuen Menschen, dem diesmal die Herrschaft über den ganzen Erdball bestimmt war, und der diesmal zum umfassendsten und restlosesten Umfang der Erkenntnis des Menschen von sich selbst gelangen sollte; dem es bestimmt war, dereinst sich als den Inbegriff, die Krone und höchste Stufe aller organischen, ja auch unorganischen Wesenheit und also als den Inbegriff allen Weltwesens und Kosmos zu erkennen! Als den, der stets der gleiche und eine von allem Uranfang der Welt an durch eine heilige Stufenfolge organischer Wandlungen bis hierher gelangt war!

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Janr və etiketlər

Yaş həddi:
18+
Litresdə buraxılış tarixi:
21 yanvar 2025
Həcm:
90 səh. 1 illustrasiya
ISBN:
4064066111427
Naşir:
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
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