Kitabı oxu: «Es war, als hätt' der Himmel die Erde still geküsst»
JOSEPH VON EICHENDORFF (1788–1857) zählt zu den bedeutendsten Dichtern der deutschen Romantik, und seine Gedichte gehören ebenso wie seine Novellen (Aus dem Leben eines Taugenichts) zum unverlierbaren Bestand deutscher Literatur. Er studierte Rechtswissenschaft und Philosophie in Halle, Heidelberg und Berlin, lernte Achim von Arnim, Clemens Brentano und Friedrich Schlegel kennen, hörte Vorlesungen bei Schleiermacher und Fichte. Von 1813 bis 1815 nahm er an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil. Danach trat er in den Staatsdienst ein, aus dem er 1844 entlassen wurde. Nach Aufenthalten in Danzig, Wien, Berlin und Dresden zog er sich 1855 in das schlesische Neiße zurück.
HERAUSGEBER Hans-Joachim Simm, Dr. phil., geboren 1946, lebt als freier Publizist bei Frankfurt am Main. Er war bis 2009 Leiter des Insel Verlags, des Verlags der Weltreligionen und der Buchreihe »edition unseld«. Er gab zahlreiche Werkausgaben deutscher Dichter und Schriftsteller und diverse Anthologien heraus.
Zum Buch
Eichendorffs Gedichte gehören zu den bekanntesten Werken der deutschen Romantik, und seine in volkstümlichem Ton verfaßten Lieder sind bis heute einem breiten Publikum vertraut. Eichendorff wußte um die Vergänglichkeit, um die Unwiederbringlichkeit von Kindheit und Jugend, um den Verlust seines Paradieses. Er wußte, dass seine romantische Welt bedroht war von einem dunklen Untergrund, dass die Welt des schönen Scheins zerfiel. Gerade deswegen beschwor er sie immer wieder.
Eichendorffs Lieder wurden häufig als Wanderburschenlieder, als reine Natur- und Stimmungsbilder missverstanden. Doch den Bildern von Wald und Heimat, Dämmerung und Nacht, Gärten und Bäumen, rauschenden Wassern und Quellen kommt eine tiefere Bedeutung zu; hinter den formelhaften Wendungen dieser Lyrik verbirgt sich eine komplexe Symbolik. Eichendorff hat die verwir- rende Welt des Traums und der Realität, einer oft als chaotisch empfundenen Wirklichkeit, nicht nur evoziert, er hat sie auch zu bannen versucht, hat sie mit den Mitteln der poetischen Sprache einer göttlichen Macht unterstellt, der seine Dichtung Ausdruck verleihen soll. Dieses Anerkennen einer höheren Ordnung führt zu einer heiteren, versöhnlichen Lebenszugewandtheit, die alle Melancholie und Trauer letztlich überwindet.
Joseph von Eichendorff
Es war, als hätt’ der Himmel
die Erde still geküsst
Joseph von Eichendorff
Es war, als hätt’ der Himmel
die Erde still geküsst
Gedichte
Herausgegeben von Hans-Joachim Simm

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Der Text basiert auf der Ausgabe marixverlag, Wiesbaden 2014
Covergestaltung: Groothuis. Gesellschaft der Ideen und Passionen mbH
Hamburg Berlin
Bildnachweis: „Lake on sunset“, Boyan Dimitrov, fotolia
eBook-Bearbeitung: Bookwire GmbH, Frankfurt am Main
ISBN: 978-3-8438-0463-9
www.verlagshaus-roemerweg.de/Marix/
INHALT
ES GEHT WOHL ANDERS, ALS DU MEINST Gedankensplitter
EWIG’S TRÄUMEN VON DEN FERNEN Gedichte 1807–1810
HÜTE DICH, BLEIB’ WACH UND MUNTER Gedichte 1811–1815
WOHIN ICH GEH’ UND SCHAUE Gedichte 1816–1830
KOMM’ TROST DER WELT, DU STILLE NACHT Gedichte 1831–1836
GENUG GEMEISTERT NUN DIE WELTGESCHICHTE Gedichte 1837–1843
WO WERD’ ICH SEIN IM KÜNFT’GEN LENZE? Gedichte 1844–1857
Zu dieser Ausgabe
Alphabetisches Verzeichnis der Gedichtüberschriften und -anfänge
In wildem Wechsel treibt das flüchtge Leben.
Bang schwebt der Schiffer auf den fliehenden Wogen,
Vorüber Land und Menschen fortgezogen,
Es muß wohin die vollen Segel streben.
In Dämmrung sieht er noch die Heimat ragen,
Cypressen aus vergeßnen Blumenwogen;
Herüber schimmert’s hold wie Regenbogen,
Er steht allein – und kann nur sehnend klagen;
Nichts weilt, doch aus der Erinnrung süßen Schmerzen,
Da blühen wieder die verklungnen Zeiten;
Ob auch die lieben Stunden längst vergangen,
Ruht doch ihr stilles Bild in träum’nden Herzen
Frühlingen gleich von Zauberschein umfangen,
Freundlich durchs ganze Leben zu geleiten.
ES GEHT WOHL ANDERS,
ALS DU MEINST
Gedankensplitter
WÜNSCHELRUTE
Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.
Der Liebende steht träge auf
Der Liebende steht träge auf,
Zieht ein Herrjemine-Gesicht
Und wünscht, er wäre tot.
Der Morgen tut sich prächtig auf,
So silbern geht der Ströme Lauf,
Die Vöglein schwingen hell sich auf:
„Bad, Menschlein, dich im Morgenrot,
Dein Sorgen ist ein Wicht!“
AN …
Wie nach festen Felsenwänden
Muß ich in der Einsamkeit
Stets auf dich die Blicke wenden.
Alle, die in guter Zeit
Bei mir waren, sah ich scheiden
Mit des falschen Glückes Schaum,
Du bliebst schweigend mir im Leiden,
Wie ein treuer Tannenbaum,
Ob die Felder lustig blüh’n,
Ob der Winter zieht heran,
Immer finster, immer grün –
Reich’ die Hand mir, wackrer Mann.
SYMMETRIE
1810
O Gegenwart, wie bist du schnelle,
Zukunft, wie bist du morgenhelle,
Vergangenheit so abendrot!
Das Abendrot soll ewig stehen,
Die Morgenhelle frisch drein wehen,
So ist die Gegenwart nicht tot.
Der Tor
Der Tor, der lahmt auf einem Bein,
Das ist gar nicht zu leiden,
Schlagt ihm das andre Bein entzwei,
So hinkt er doch auf beiden!
LEBEN UND SINGEN
Wohl vor lauter Sinnen, Singen
Kommen wir nicht recht zum Leben;
Wieder ohne rechtes Leben
Muß zu Ende geh’n das Singen;
Ging zu Ende dann das Singen:
Mögen wir auch nicht länger leben.
INTERMEZZO
Wie so leichte läßt sich’s leben!
Blond und rot und etwas feist,
Tue wie die andern eben,
Daß Dich jeder Bruder heißt,
Speise, was die Zeiten geben,
Bis die Zeit auch Dich verspeist!
Im beschränkten Kreis
Im beschränkten Kreis der Hügel,
Auf des stillen Weihers Spiegel
Scheue, fromme Silberschwäne –
Fassend in des Rosses Mähne
Mit dem Liebsten kühn im Bügel –
Blöde Bande – mut’ge Flügel
Sind getrennter Lieb’ Gedanken!
Hinaus, o Mensch
„Hinaus, o Mensch, weit in die Welt,
Bangt dir das Herz in krankem Mut!
Nichts ist so trüb in Nacht gestellt,
Der Morgen leicht macht’s wieder gut.“
DIE SCHÄRPE
Mein Schatz, das ist ein kluges Kind,
Die spricht: „Willst du nicht fechten:
Wir zwei geschiedne Leute sind;
Erschlagen dich die Schlechten,
Auch keins von beiden dran gewinnt.“
Mein Schatz, das ist ein kluges Kind,
Für die will ich leben und fechten!
ZEICHEN
So Wunderbares hat sich zugetragen:
Was aus uralten Sagen
Mit tief verworrener Gewalt oft sang
Von Liebe, Freiheit, was das Herz erlabe,
Mit heller Waffen Klang
Es richtet sich geharnischt auf vom Grabe,
Und an den alten Heerschild hat’s geschlagen,
Daß Schauer jede Brust durchdrang.
Jeder nennet froh
Jeder nennet froh die Seine,
Ich nur stehe hier alleine,
Denn was früge wohl die Eine:
Wen der Fremdling eben meine?
Und so muß ich, wie im Strome dort die Welle,
Ungehört verrauschen an des Frühlings Schwelle.
Hier bin ich, Herr!
Hier bin ich, Herr! Gegrüßt das Licht,
Das durch die stille Schwüle
Der müden Brust gewaltig bricht,
Mit seiner strengen Kühle.
Nun bin ich frei! ich taum’le noch
Und kann mich noch nicht fassen –
O Vater, du erkennst mich doch,
Und wirst nicht von mir lassen!
AN –
Eitelkeiten in dem sünd’gen Busen,
Nahest du der heil’gen Kunst,
Und geschminket betteln deine Musen
Um des Erdengeistes Gunst.
Falsche Metze und kein Mann!
Spitz’ und kitzle nur den Witz,
Aus dem Himmel fällt der Blitz,
Der zerschmettern dich und zünden kann!
ANDEUTUNGEN
(Ahnung und Gegenwart)
1. Freiheit
Frei, ihr Kanaillen, sag’ ich, sollt ihr sein,
Doch nicht, wie ihr es wollt, ihr Dumme, Blinde,
Versunken in des Aberglaubens Schein,
Nein, so wie ich’s heut’ eben dienlich finde.
2. Gleichheit
Wie? Niedrig wir, ihr hoch; wir arm, ihr reich?
Planierend schwirrt die Schere dieser Zeit;
Seid niedrig, arm, wie wir, so sind wir gleich
Und die Misere wird doch etwas breit.
3. Weltgeschichte
Inmitten steht die Sonn’ und wandelt nicht,
Ringsum sehnsüchtig kreisen die Planeten,
Die deckt heut Nacht, die will der Morgen röten,
Doch ewig heiter strahlt das ew’ge Licht.
4. Tagesgeschichte
Es rast der Sturm in der Historie Blättern,
Und jeder schnappt sich schnell draus sein Fragment.
Doch deutle nur! Der Herr in Zorneswettern
Geht über dich hinweg und führt’s zu End.
5. Wunder über Wunder
Du wunderst wunderlich dich über Wunder,
Verschwendest Witzespfeile, blank geschliffen.
Was du begreifst, mein Freund, ist doch nur Plunder,
Und in Begriffen nicht mit einbegriffen
Ist noch ein unermeßliches Revier,
Du selber drin das größte Wundertier.
SÄNGERGLÜCK
Herbstlich alle Fluren rings verwildern,
Und unkenntlich wird die Welt.
Dieses Scheidens Schmerzen sich zu mildern,
Wenn die Zauberei zerfällt,
Sinnt der Dichter, treulich abzuschildern
Den versunknen Glanz der Welt.
Selig Herze, das in kühnen Bildern
Ewig sich die Schönheit hält!
Dein Wille, Herr
Dein Wille, Herr, geschehe!
Verdunkelt schweigt das Land,
Im Zug der Wetter sehe
Ich schauernd Deine Hand.
O mit uns Sündern gehe
Erbarmend in’s Gericht!
Ich beug’ im tiefsten Wehe
Zum Staub mein Angesicht,
Dein Wille, Herr, geschehe!
ABEND
Schweigt der Menschen laute Lust:
Rauscht die Erde wie in Träumen
Wunderbar mit allen Bäumen,
Was dem Herzen kaum bewußt,
Alte Zeiten, linde Trauer,
Und es schweifen leise Schauer
Wetterleuchtend durch die Brust.
Es schauert der Wald vor Lust
Es schauert der Wald vor Lust,
Die Sterne nun versanken,
Und wandeln durch die Brust
Als himmlische Gedanken.
Gewalt’ges Morgenrot
Gewalt’ges Morgenrot,
Weit, unermeßlich – du verzehrst die Erde!
Und in dem Schweigen nur der Flug der Seelen,
Die säuselnd heimzieh’n durch die stille Luft. –
TOAST
Auf das Wohlsein der Poeten,
Die nicht schillern und nicht goethen,
Durch die Welt in Lust und Nöten
Segelnd frisch auf eig’nen Böten.
Es geht wohl anders
Es geht wohl anders, als du meinst,
Derweil du rot und fröhlich scheinst
Ist Lenz und Sonnenschein verflogen,
Die liebe Gegend schwarz umzogen;
Und kaum hast du dich ausgeweint,
Lacht Alles wieder, die Sonne scheint –
Es geht wohl anders als man meint.
AM ABEND
Was ist mir denn so wehe?
Es liegt ja wie im Traum
Der Grund schon wo ich stehe,
Die Wälder säuseln kaum
Noch von der dunklen Höhe.
Es komme wie es will,
Was ist mir denn so wehe –
Wie bald wird alles still.
Die fernen Heimathöhen
Die fernen Heimathöhen,
Das stille hohe Haus,
Der Berg, von dem ich gesehen
Jeden Frühling in’s Land hinaus,
Mutter, Freunde und Brüder,
An die ich so oft gedacht,
Es grüßt mich alles wieder,
In stiller Mondesnacht.
Waldeinsamkeit
Waldeinsamkeit!
Du grünes Revier,
Wie liegt so weit
Die Welt von hier!
Schlaf’ nur, wie bald
Kommt der Abend schön,
Durch den stillen Wald
Die Quellen gehn,
Die Mutter Gottes wacht,
Mit ihrem Sternen-Kleid
Bedeckt sie Dich sacht
In der Waldeinsamkeit,
Gute Nacht, gute Nacht! –
SPRUCH
Drüben von dem sel’gen Lande
Kommt ein seltsam Grüßen her,
Warum zagst du noch am Strande?
Graut dir, weil im falschen Meer
Draußen auf verlornem Schiffe
Mancher frische Segler sinkt?
Und von halbversunknem Riffe
Meerfei nachts verwirrend singt?
Wagst du’s nicht draufhin zu stranden,
Wirst du nimmer drüben landen!
Hast du doch Flügel
Hast du doch Flügel eben
Und das gewalt’ge Wort;
Halt’ hoch dich über dem Leben,
Sonst geht’s über dich fort.
Gleichwie auf dunklem Grunde
Gleichwie auf dunklem Grunde
Der Friedensbogen blüht,
So durch die böse Stunde
Versöhnend geht das Lied.
Laß nur die Wetter
Laß nur die Wetter wogen!
Wohl übers dunkle Land
Zieht einen Regenbogen
Barmherzig Gottes Hand.
Auf dieser schönen Brücke,
Wenn alles wüst und bleich,
Gehn über Not und Glücke
Wir in das Himmelreich.
Trennung ist wohl Tod
Trennung ist wohl Tod zu nennen,
Denn wer weiß, wohin wir gehn,
Tod ist nur ein kurzes Trennen
Auf ein baldig Wiedersehn.
Von allen guten Schwingen
Von allen guten Schwingen
Zu brechen durch die Zeit,
Die mächtigste im Ringen,
Das ist ein rechtes Leid.
ÜBERMUT
Ein’ Gems auf dem Stein,
Ein Vogel im Flug,
Ein Mädel, das klug,
Kein Bursch holt die ein.
Viele Boten geh’n
Viele Boten geh’n und gingen
Zwischen Erd’ und Himmelslust,
Solchen Gruß kann keiner bringen,
Als ein Lied aus frischer Brust.
DICHTERLOS
Für Alle muß vor Freuden
Mein treues Herze glüh’n,
Für Alle muß ich leiden,
Für Alle muß ich blüh’n,
Und wenn die Blüten Früchte haben,
Da haben sie mich längst begraben.
SPRUCH
Bau nur auf Weltgunst recht
Und paß’ auf jeden Wink und Gruß,
Wirst dabei nimmer fröhlich werden!
Es hat’s kein Hund so schlecht,
Der hinter seinem Herren muß,
Nicht frei spazieren kann auf Erden.
Wo ruhig sich
Wo ruhig sich und wilder
Unstete Wellen teilen,
Des Lebens schöne Bilder
Und Kläng’ verworren eilen,
Wo ist der sichre Halt? –
So ferne, was wir sollen,
So dunkel, was wir wollen,
Faßt alle die Gewalt.
TUSCH
Fängt die Sonne an zu stechen,
Tapfer schießen Gras und Kräuter
Und die Bäume schlagen aus:
Muß des Feinds Gewalt zerbrechen,
Nimmt der Winter schnell Reißaus,
Erd’ und Himmel glänzen heiter;
Und wir Musikanten fahren,
Lustig auf dem Fluß hinunter,
Trommeln, pfeifen, blasen, geigen
Und die Hörner klingen munter.
AUSSICHT
Komm zum Garten denn, Du Holde!
In den warmen, schönen Tagen
Sollst Du Blumenkränze tragen,
Und vom kühl krystall’nen Golde
Mit den frischen, roten Lippen,
Eh’ ich trinke, lächelnd nippen.
Ohne Maß dann, ohne Richter,
Küssend, trinkend singt der Dichter
Lieder, die von selbst entschweben:
Wunderschön ist doch das Leben!
Brech der lustige Sonnenschein
Brech der lustige Sonnenschein
Mit der Tür Euch in’s Haus hinein,
Daß alle Stuben so frühlingshelle!
Ein Engel auf des Hauses Schwelle
Mit seinem Glanze säume
Hof, Garten, Feld und Bäume,
Und geht die Sonne Abends aus,
Führ’ er die Müden mild nach Haus.
Andre haben andre Schwingen
Andre haben andre Schwingen,
Aber wir, mein fröhlich Herz,
Wollen grad’ hinauf uns singen,
Aus dem Frühling himmelwärts!
WERKTAG
Wir wandern nun schon viel hundert Jahr,
Und kommen doch nicht zur Stelle –
Der Strom wohl rauscht an die tausend gar,
Und kommt doch nicht zur Quelle.
SONNTAG
Weit in das Land die Ström’ ihr Silber führen,
Fern blau Gebirge duftig hingezogen,
Die Sonne scheint, die Bäume sanft sich rühren,
Und Glockenklang kommt auf den linden Wogen:
Hoch in den Lüften Lerchen jubilieren,
Und, so weit klar sich wölbt des Himmels Bogen,
Von Arbeit ruht der Mensch rings in die Runde,
Atmet zum Herren auf aus Herzensgrunde.
Was ich wollte
Was ich wollte, liegt zerschlagen,
Herr, ich lasse ja das Klagen,
Und das Herz ist still.
Nun aber gib auch Kraft, zu tragen,
Was ich nicht will!
DURCH!
Ein Adler saß am Felsenbogen,
Den lockt’ der Sturm weit über’s Meer,
Da hatt’ er droben sich verflogen,
Er fand sein Felsennest nicht mehr,
Tief unten sah er kaum noch liegen
Verdämmernd Wald und Land und Meer,
Mußt’ höher, immer höher fliegen,
Ob nicht der Himmel offen wär’.
WANN DER HAHN KRÄHT
Wann der Hahn kräht auf dem Dache,
Putzt der Mond die Lampe aus,
Und die Stern’ ziehn von der Wache,
Gott behüte Land und Haus!
VORWÄRTS!
Wie der Strom sich schwingt
Aus den Wolken, die ihn tränken,
Alle Bäche verschlingt,
Sie in’s Meer zu lenken –
Drein möcht’ ich versenken
Was in mir ringt!
Tritt nur mit in mein Schiff!
Wo wir landen oder stranden,
Erklinget das Riff,
Bricht der Lenz aus dem Sande,
Hinter uns dann in’s Branden
Versenk’ ich das Schiff!
GLEICHHEIT
Es ist kein Blümlein nicht so klein,
Die Sonne wird’s erwärmen,
Scheint in das Fenster mild herein,
Dem König wie dem Armen,
Hüllt Alles ein in Sonnenschein
Mit göttlichem Erbarmen.
DANK
Mein Gott, dir sag’ ich Dank,
Daß du die Jugend mir bis über alle Wipfel
In Morgenrot getaucht und Klang,
Und auf des Lebens Gipfel,
Bevor der Tag geendet,
Vom Herzen unbewacht
Den falschen Glanz gewendet,
Daß ich nicht taumle ruhmgeblendet,
Da nun herein die Nacht
Dunkelt in ernster Pracht.
TROST
Der jagt dahin, daß die Rosse schnaufen,
Der muß im Staub daneben laufen;
Aber die Nacht holt beide ein,
Setzt Jenen im Traume neben die Rosse
Und den Andern in seine Karosse –
Wer fährt nun fröhlicher? der da wacht,
Oder der blinde Passagier bei Nacht?
SCHIFFERSPRUCH
Wenn die Wogen unten toben,
Menschenwitz zu Schanden wird,
Weist mit feur’gen Zügen droben
Heimwärts dich der Wogen Hirt.
Sollst nach keinem Andern fragen,
Nicht zurückschaun nach dem Land,
Faß das Steuer, laß das Zagen!
Aufgerollt hat Gottes Hand
Diese Wogen zum Befahren
Und die Sterne, dich zu wahren.
SO ODER SO
Die handeln und die dichten,
Das ist der Lebenslauf,
Der Eine macht Geschichten,
Der Andre schreibt sie auf,
Und der will beide richten;
So schreibt und treibt sich’s fort,
Der Herr wird Alles schlichten,
Verloren ist kein Wort.
Wie wird nun Alles
Wie wird nun Alles so stille wieder!
So war mir’s oft in der Kinderzeit,
Die Bäche gehen rauschend nieder
Durch die dämmernde Einsamkeit,
Kaum noch hört man einen Hirten singen,
Aus allen Dörfern, Schluchten, weit
Die Abendglocken herüberklingen,
Versunken nun mit Lust und Leid
Die Täler, die noch einmal blitzen,
Nur hinter dem stillen Walde weit
Noch Abendröte an den Bergesspitzen,
Wie Morgenrot der Ewigkeit.
MEMENTO MORI
Schnapp’ Austern, Dukaten,
Mußt dennoch sterben!
Dann tafeln die Maden
Und lachen die Erben.
SINNGEDICHTE
Wie schön und wunderbar,
Da kaum noch der Tag brach an!
Seit nun alles so nüchtern und klar,
Hab ich keine Freude mehr dran.
DIE SPERLINGE
Altes Haus mit deinen Löchern,
Geiz’ger Bauer, nun Ade!
Sonne scheint, von allen Dächern
Tröpfelt lustig schon der Schnee,
Draußen auf dem Zaune munter
Wetzen unsre Schnäbel wir,
Durch die Hecken ’rauf und ’runter,
In dem Baume vor der Tür
Tummeln wir in hellen Haufen
Uns mit großem Kriegsgeschrei,
Um die Liebste uns zu raufen,
Denn der Winter ist vorbei!
Es träumt ein jedes Herz
Es träumt ein jedes Herz
Vom fernen Land des Schönen.
Dorthin durch Lust und Schmerz
Schwingt wunderbar aus Tönen
Manch’ Brücke eine Fei, –
O! holde Zauberei!
Scherz im Ernst
Scherz im Ernst und Ernst im Scherz,
Also hält’st du’s mit den Dingen,
Daß des Lebens Kampf und Schmerz
Selber heiter muß erklingen.
Alter Dichter, junges Herz,
Sollst noch lang auf Erden singen
Und dereinst dich himmelwärts
Jubelnd, wie die Lerche, schwingen.
DER WELSCHE HAHN
Es rief der welsche Hahn
Und schlug mit seinen Flügeln,
Da hebt’s zu krähen an
Auf allen deutschen Hügeln.
Den neuen Tag bricht an
Der Herr auf allen Höhen;
Da will der Hahn sich blähen
Und meint, er hätt’s getan
Mit seinem heisern Krähen.
SPRUCH
Magst du zu dem Alten halten
Oder Altes neu gestalten,
Mein’s nur treu und laß Gott walten!
MEMENTO
So lange Recht regiert und schöne Sitte,
Du schlicht und gläubig gehst in sich’rer Mitte,
Da trittst du siegreich zwischen Molch und Drachen,
Und wo du ruhst, da wird ein Engel wachen.
Doch wenn die Kräft’, die wir „Uns selber“ nennen,
Die wir mit Schaudern raten und nicht kennen,
Gebundne Bestien, wie geklemmt in Mauern,
Die nach der alten Freiheit dunkel lauern –
Wenn die rebellisch sich von dir lossagen,
Gewohnheit, Glauben, Sitt’ und Recht zerschlagen,
Und stürmend sich zum Elemente wenden:
Mußt Gott du werden oder teuflisch enden.
DER ERLÖSER
Wie Du auch die Kraft magst wenden;
Was die tiefste Seele will,
Niemals wirst Du’s hier vollenden
Und die Sehnsucht wird nicht still.
EWIG’S TRÄUMEN VON DEN FERNEN
Gedichte 1807–1810
VARIAZION
Ewig’s Träumen von den Fernen!
Endlich ist das Herz erwacht
Unter Blumen, Klang und Sternen
In der dunkelgrünen Nacht.
Schlummernd unter blauen Wellen
Ruht der Knabe unbewußt,
Engel ziehen durch die Brust,
Oben hört er in den Wellen
Ein unendlich Wort zerrinnen,
Und das Herze weint und lacht,
Doch er kann sich nicht besinnen
In der dunkelgrünen Nacht.
Und der Frühling will sich bläuen,
Aus der Grüne, aus dem Schein
Ruft es lockend: Ewig Dein! –
Aus der Minne Zaubereien
Muß er sehnen sich nach Fernen,
Denkend der alten Wunderpracht
Unter Blumen, Klang und Sternen
In der dunkelgrünen Nacht.
Heil’ger Kampf nach langem Säumen,
Wenn süßschaudernd an das Licht,
Lieb’ in dunkle Klagen bricht!
Aus der Schmerzen Sturz und Schäumen
Steigt Geliebte, Himmel, Fernen,
Endlich ist das Herz erwacht
Unter Blumen, Klang und Sternen
In der dunkelgrünen Nacht.
Und der Streit muß sich versöhnen,
Und die Wonne und den Schmerz
Muß er ewig himmelwärts
Schlagen nun in vollen Tönen:
Ewig’s Träumen von den Fernen!
Endlich ist das Herz erwacht
Unter Blumen, Klang und Sternen
In der dunkelgrünen Nacht.
DER FROMME
Es saß ein Kind gebunden und gefangen,
Wo vor der Menschen eitlem Tun und Schallen
Der Vorzeit Wunderlaute trüb verhallen;
Der alten Heimat dacht’ es voll Verlangen.
Da sieht sie draußen Ströme, hell ergangen,
Durch zaub’risch Land viel Pilger, Sänger wallen,
Kühl rauscht der Wald, die lust’gen Hörner schallen,
Aurora scheint, so weit die Blicke langen. –
O laß die Sehnsucht ganz Dein Herz durchdringen!
So legt sich blühend um die Welt Dein Trauern
Und himmlisch wird Dein Schmerz und Deine Sorgen.
Ein frisch Gemüt mag wohl die Welt bezwingen,
Ein recht Gebet bricht Banden bald und Mauern:
Und frei springst du hinunter in den Morgen.
GEBET
Wie in einer Blume himmelblauen
Grund, wo schlummernd träumen stille Regenbogen,
Ist mein Leben ein unendlich Schauen,
Klar durch’s ganze Herz ein süßes Bild gezogen.
Stille saß ich, sah die Jahre fliegen,
Bin im Innersten dein treues Kind geblieben;
Aus dem duft’gen Kelche aufgestiegen
Ach! wenn lohnst Du endlich auch mein treues Lieben?
Morgenrot im Herzen aufgegangen
In den Morgen goldner Quellen strahlend Springen,
Zwischendrein das alte Zagen, Bangen –
O! so löse löse doch die Schwingen! –
FRÜHLING
Über blaue Berge fröhlich
Kam der bunte Schein geflossen,
In den Schimmer rief ich selig:
„Freu dich nur, jetzt wirds vollendet!“
Doch der Frühling ist vergangen,
Was ich innigst hofft’ und strebte
Blieb ein unbestimmt Verlangen.
Und nach langem trüben Schweigen
Kamen goldne Tage wieder.
Blaue Berge, alte Zeiten,
Blumen, Sterne, Ström’ und Lieder
Woben wunderbar ein Netze,
Und das schlang sich um die Glieder,
Zog so innig fest und fester
Mich ans Herz der Erde nieder,
Und so schlummert’ ich und träumte
Von der allerschönsten Braut. –
DIE LIEDER
So viele Quellen von den Bergen rauschen,
Die brechen zornig aus der Felsenhalle,
Die andern plaudern in melod’schem Falle
Mit Nymphen, die im Grün vertraulich lauschen.
Doch wie sie irrend auch die Bahn vertauschen,
Sie treffen endlich doch zusammen alle,
Ein Strom, mit brüderlicher Wogen Schwalle
Erfrischend durch das schöne Land zu rauschen.
An Burgen, die vom Felsen einsam grollen,
Aus Waldesdunkel zwischen Rebenhügeln
Vorübergleitend in die duft’ge Ferne,
Entwandelt er zum Meer, dem wundervollen,
Wo träumend sich die sel’gen Inseln spiegeln
Und auf den Fluten ruhn die ew’gen Sterne.
Nicht Träume sind’s
Nicht Träume sind’s und leere Wahn-Gesichte,
Was von dem Volk’ den Dichter unterscheidet.
Was er inbrünstig bildet, liebt und leidet,
Es ist des Lebens wahrhafte Geschichte.
Er fragt nicht viel, wie ihn die Menge richte,
Der eignen Ehr’ nur in der Brust vereidet;
Denn wo begeistert er die Blicke weidet,
Grüßt ihn der Weltkreis mit verwandtem Lichte.
Die schöne Mutter, die ihn hat geboren,
Den Himmel liebt er, der ihn auserkoren,
Läßt beide Haupt und Brust sich heiter schmücken.
Die Menge selbst, die herbraust, ihn zu fragen
Nach seinem Recht, muß den Beglückten tragen,
Als Element ihm bietend ihren Rücken.
WALDLUST
Ach! wie ist es doch gekommen,
Daß die grüne Waldespracht
So mein ganzes Herz genommen,
Mich um alle Ruh’ gebracht!
Wenn von drüben Lieder wehen,
Waldhorn gar nicht enden will,
Weiß ich nicht, wie mir geschehen,
Und im Herzen bet’ ich still.
Könnt’ ich zu den Wäldern flüchten,
Mit dem Grün in frischer Lust
Mich zum Himmelsglanz aufrichten –
Stark und frei wär’ da die Brust!
Hörnerklang und Lieder kämen
Nicht so schmerzlich an mein Herz,
Fröhlich wollt’ ich Abschied nehmen,
Zög’ auf ewig wälderwärts.
Waldhornklänge, funkelnd Bläue
Alte Wunder, schaurig Grün!
Breitet um mein Leben treue
Ewig euer Baldachin!
KLAGE
Blaue Augen, blaue Augen!
Ach, wie gebt ihr süße Peine!
Aus dem schönen Wald unzählig
Stimmen zielen, grüne Scheine,
Und ich lass’ mich gern verführen,
Locken Schmerzen so von weiten.
Draußen auf der Waldeswiese
Lass’ ich wohl mein Rößlein weiden,
Sinnend steh’ ich lang’ daneben,
Grüßt mich wie aus fremden Zeiten
Waldesrauschen, Lied der Bronnen,
Ewigblühend grünes Schweigen,
Aus der tiefsten Brust Erinnern
Lang vergeßner goldner Träume –
Und ich muß dann fragen immer,
Ewig fragen: wo Sie weile?
Und das Waldhorn will mir’s sagen,
Und das Herz will ewig weinen:
Süße Peine, blaue Augen!
Ewig stehst du in der Weite,
Blühend in den blauen Tagen.
Wolken durch den Himmel eilen,
Liebesblick kommt oft geschossen,
Und es glänzen Feld und Haine,
Und die Klarheit schließt sich wieder,
Und ich stehe so alleine;
Und ich kann mich gar nicht retten
Von den Freuden, von den Leiden,
Und ich kniee und ich bete:
Schöne Fraue, liebe, reine!
Blaue Augen, blaue Augen,
Ach! wie gebt ihr süße Peine!
AUSSICHTEN
Es will der Morgen sich von weitem zeigen,
Das dunkle Meer im Innern still erglühen,
Erwartungsvoll die reinen Segel blühen,
Doch deckt noch all’ geheimnisvolles Schweigen.
Wird erst die Sonne auf die Berge steigen,
Gewaltig Licht in alle Lande blühen,
Sieht man ein frei Geschlecht nach Angst und Mühen
In stolzer Demut fromm die Kniee beugen
Unendlich’ Wunderfernen sind gelichtet,
Unzählig Lieder himmelwärts auflangen,
Daß treue Liebe Gegenlieb’ erreiche. –
Wer frei geboren, ist schon längst geflüchtet,
Die andern faßt ein unaussprechlich’ Bangen,
Der Sänger zieht zum alten ew’gen Reiche.
Es wächst und strömt
Es wächst und strömt in ewigen Gedichten
Jauchzend im Innersten das freie Leben;
Des Tempels strahl’nde Säulen klingend beben,
Unübersehbar will sich’s himmlisch lichten.
Den heil’gen Kampf sie irdisch möchten schlichten,
Er spült sonst mit sich fort ihr schwankes Leben;
Die Arme wollen sie nicht gläubig heben,
Zur Nacht kein Herz, nicht Lieb sich aufzurichten.
Es bäumt das Roß in zorn’gem Mut sich raffend,
Durch eure Netze funkeln Schwert und Lanze,
Bricht Liebesblick aus tiefer, ew’ger Bläue.
Und wie ihr stehet, euch verwundernd, gaffend,
Glüht ferne Helm und Speer im Morgenglanze,
Und über die Berge sprenget froh der Freie.
HERBSTLIEDCHEN
Flog Waldvögelein über den See,
Lieb’ grüne Zeit, lieb’ grüne Zeit; –
Es zogen die Wolken: Ade, Ade!
Wir fliegen mitsammen gar weit, gar weit!
Es schaut Feinsliebchen vom hohen Saal,
Fern ziehn die Ritter im grünen Tal;
Waldvöglein sang immerfort: Ade!
Das tat Feinsliebchen im Herzen so weh.
AN DIE VORÜBERSCHIFFENDE
Frisch eilt der helle Strom hinunter,
Drauf ziehn viel’ bunte Schifflein munter,
Und Strom und Schiff und bunte Scheine,
Sie fragen alle, was ich weine? –
Mir ist so wohl, mir ist so weh,
Wie ich den Frühling fahren seh’!
Viel Lenze sitz’ ich schon da oben,
Ein Regenbogen steht im Land erhoben
Und durch die Täler, Wiesen, Wogen,
Still, wie ein fernes Lied, gezogen,
Schifft’ immerfort dein himmlisch Bild –
Doch Strom und Schiff nie stille hielt.
MORGENLIED
Sei stark, getreues Herze!
Laß’ ab von Angst und Schmerze!
Steh auf und geh mit mir,
Viel Freude zeig’ ich dir.
Die Lerchen jubilieren
Und fröhlich’ Musizieren
Aus grünem frischem Wald
Von Stimmlein mannigfalt.
Wie geschmückt von Edelsteinen,
Die Erd’ in bunten Scheinen
Als junge fromme Braut
Dir froh ins Herze schaut.
Im Garten zu spazieren,
Die Blumen mich verführen,
Schön’ Augen aus dem Grün –
Viel heitrer Minnesinn!
Maria, schöne Rose!
Wie stünd’ ich freudenlose,
Hätt’ ich nicht Dich ersehn,
Vor allen Blumen schön.
Nun laß den Sommer gehen,
Die Blume, die bleibt stehen
Mit ew’gem Morgenschein –
Wer wollt’ noch traurig sein!
LIED
Hat nun Lenz die silb’rnen Bronnen
Losgebunden,
Knie’ ich nieder süßbeklommen
In die Wunder.
Himmelreich! so kommt geschwommen
Auf die Wunden!
Hast du einzig mich erkoren
Zu den Wundern?
In die Ferne süß verloren,
Lieder fluten,
Daß sie, rückwärts sanft erschollen,
Bringen Kunde.
Was die andern sorgen, wollen,
Ist mir dunkel,
Mir will ew’ger Durst nur frommen
Nach dem Durste.
Was ich liebe und vernommen,
Was geklungen,
Ist den eignen, tiefen Wonnen
Selig Wunder.
FRÜHLINGSLIED
Grün war die Weide,
Der Himmel blau,
Wir schwuren beide
Ewige Treu’.
Lenz ist’s wohl wieder,
Ferne ich bin,
Liebt fern noch lieber
Der treue Sinn.
Verweinten Blicken
Grünet die Au,
Goldene Brücken
Schlägt er durch’s Blau.
Frauen und Reiter
Ziehen in’s Grün,
Wohin so eilst Du,
Fluß, blauer Fluß!
Soll ich nun beten?
Singen im Schein
Von Lust und Scherzen
Und großem Leid?
Blau ist der Himmel,
Blau ist die Treu’,
Schlägt um den Frühling
Die Zauberei.
MINNELIED
Denk’ ich Dein, muß bald verwehen
Alle Trübnis weit und breit,
Und die frischen Blicke gehen
Wie in einen Garten weit.
Wunderbare Vögel wieder
Singen dort von grüner Au,
Einsam’ Engel in die Lieder
Ziehen durch den Himmel blau.
Wolken, Ströme, Schiffe alle
Segeln in die Pracht hinein,
Keines kehrt zurück von allen
Und ich stehe so allein.
Doch der Garten wird zur Rose,
„Ich, die Liebste, bei dir bin!“
Singt nun aus der Blume Schoße
Ewig mir die Zauberin.
Könnt’ verblühen diese Rose,
Wär’ der Lenz auch nicht mehr schön,
Müßt’ ich einsam, freudenlose
Mit der Laute irrend gehn!
LIED
Vöglein in den sonn’gen Tagen!
Augen blau’, die mich verführen!
Könnt’ ich bunte Flügel rühren,
Über Berg und Tal zu tragen!
Ach! es spricht der Frühling schöne
Und die Vögel alle singen:
Sind die Farben denn nicht Töne,
Und die Töne blaue Schwingen?
Vöglein! ja ich lass’ das Zagen!
Winde blau die Segel rühren,
Und ich lass’ mich gern entführen,
Ach, wohin? mag ich nicht fragen.
DAS GEBET
Wen hat nicht einmal Angst befallen,
Wann Trübnis ihn gefangen hält,
Als mußt’ er ewig rastlos wallen
Nach einer wunderbaren Welt?
All’ Freunde sind lang fortgezogen,
Der Frühling weint in einem fort,
Eine Brücke ist der Regenbogen
Zum friedlich sichern Heimats-Port.
Hinauszuschlagen in die Töne,
Lockt dich Natur mit wilder Lust,
Zieht Minne holde, Frauenschöne
Zum Abgrund süß die sel’ge Brust –
Den Tod siehst du verhüllet gehen
Durch Lieb’ und Leben himmelwärts,
Ein einzig Wunder nur bleibt stehen
Einsam über dem öden Schmerz.
Du seltner Pilger, laß dich warnen!
Aus ird’scher Lust und Zauberei,
Die Freud- und Leidvoll dich umgarnen,
Strecke zu Gott die Arme frei!
Nichts mehr mußt du hienieden haben,
Himmlischbetrübt, verlassen, arm,
Ein treues Kind, dem Vater klagen
Die ird’sche Lust, den ird’schen Harm.
Es breitet diese einz’ge Stunde
Sich über’s ganze Leben still,
Legt blühend sich um deine Wunde,
Die niemals wieder heilen will.
Treu bleibt der Himmel stets den Treuen,
Zur Erd’ das Ird’sche niedergeht,
Zum Himmel über die Wüsteneien
Geht ewig siegreich das Gebet.
DIE HOCHZEITSNACHT
Nachts durch die stille Runde
Rauschte des Rheines Lauf,
Ein Schifflein zog im Grunde,
Ein Ritter stand darauf.
Die Blicke irrend schweifen
Von seines Schiffes Rand.
Ein blutigroter Streifen
Sich um das Haupt ihm wand.
Der sprach: „Da oben stehet
Ein Schlößlein überm Rhein,
Die an dem Fenster stehet:
Das war die Liebste mein.
Sie hat mir Treu versprochen,
Bis ich gekommen sei,
Sie hat die Treu gebrochen
Und alles ist vorbei.“
Viel’ Hochzeitleute drehen
Da oben laut und bunt,
Sie bleibet einsam stehen
Und schauet in den Grund.
Und wie sie tanzten munter,
Und Schiff und Schiffer schwand,
Stieg sie vom Schloß hinunter,
Bis sie im Garten stand.
Die Spielleut’ musizierten,
Sie sann gar mancherlei,
Die Töne sie so rührten,
Als müßt’ das Herz entzwei.
Da trat ihr Bräut’gam süße
Zu ihr aus stiller Nacht,
So freundlich er sie grüßte,
Daß ihr das Herze lacht.
Er sprach: „Was willst du weinen,
Weil alle fröhlich sein!
Die Sterne schöne scheinen,
So lustig geht der Rhein.
Das Kränzlein in den Haaren
Steht dir so wunderfein,
Wir wollen etwas fahren
Hinunter auf dem Rhein.“
Zum Kahn folgt sie behende,
Setzt sich ganz vorne hin,
Er setzt’ sich an das Ende
Und ließ das Schifflein ziehn.
Sie sprach: „Die Töne kommen
Verworren durch den Wind,
Die Fenster sind verglommen,
Wir fahren so geschwind.
Was sind das für so lange
Gebirge weit und breit?
Mir wird auf einmal bange
In dieser Einsamkeit.
Und fremde Leute stehen
Auf mancher Felsenwand,
Und stehen still und sehen
So steinern über’n Rand.“
Der Bräut’gam schien so traurig
Und sprach kein einzig Wort,
Schaut’ in die Wellen schaurig
Und rudert’ immerfort.
Sie sprach: „Schon seh ich Streifen
So rot im Morgen stehn,
Und Stimmen hör’ ich schweifen,
Vom Ufer Hähne krähn.
Du siehst so still und wilde,
So bleich wird dein Gesicht,
Mir graut vor deinem Bilde –
Du bist mein Bräut’gam nicht.“
Da stund er auf – das Sausen
Hielt still in Flut und Wald,
Es rührt mit Lust und Grausen
Das Herz ihr die Gestalt.
Und wie mit steinern’n Armen
Hob er sie auf voll Lust,
Drückt ihren schönen, warmen
Leib an die eis’ge Brust. –
Licht wurden Wald und Höhen,
Der Morgen schien blutrot,
Das Schifflein sah man gehen,
Die schöne Braut drin tot.
DER ARMEN SCHÖNHEIT LEBENSLAUF
Die arme Schönheit irrt auf Erden,
So lieblich Wetter draußen ist,
Möcht’ gern recht viel gesehen werden,
Weil jeder sie so freundlich grüßt.
Und wer die arme Schönheit schauet,
Sich wie auf großes Glück besinnt,
Die Seele fühlt sich recht erbauet,
Wie wenn der Frühling neu beginnt.
Da sieht sie viele schöne Knaben,
Die reiten unten durch den Wind,
Möcht’ manchen gern am Arme haben,
Ach, hüte dich, du armes Kind!
Da ziehn viel redliche Gesellen,
Die sagen: Hast nicht Geld, noch Haus,
Wir fürchten deine Augen helle,
Wir haben nichts zum Hochzeitsschmaus.
Von andern tut sie sich wegdrehen,
Weil keiner ihr so wohlgefällt,
Die müssen traurig weiter gehen,
Und zögen gern ans End’ der Welt.
Da sagt sie: Was hilft mir mein Sehen,
Ich wünscht’, ich wäre lieber blind,
Da alle furchtsam von mir gehen,
Weil so gar schön mein’ Augen sind. –
Nun sitzt sie hoch auf schlichtem Schlosse,
In schöne Kleider putzt sie sich,
Die Fenster glühn, sie winkt vom Schlosse,
Die Sonne blinkt, das blendet dich.
Die Augen, die so furchtsam waren,
Die haben jetzt so freien Lauf,
Das Kränzlein ist fort aus den Haaren,
Und hohe Federn stehn darauf.
Das Kränzlein ist herausgerissen,
So ohne Scheu sie dich anlacht,
Sie wird dich süß und heimlich grüßen,
Lockt dich zu einer schönen Nacht.
Da sieht sie die Gesellen wieder,
Die fahren unten auf dem Fluß,
Es singen laut die lustgen Brüder,
So furchtbar schallt des Einen Gruß:
„Was bist du für ’ne schöne Leiche!
So wüste wird mir meine Brust.
Wie bist du nun so arm, du Reiche,
Ich hab’ an dir nicht weiter Lust!“
Der Wilde hat ihr so gefallen,
Laut schrie sie auf bei seinem Gruß,
Vom Schloß möcht’ sie hinunterfallen,
Und unten ruhn im kühlen Fluß.
Sie blieb nicht länger mehr da oben,
Weil alles anders worden war,
Das Herz ist ihr so hoch erhoben,
Da wars so kalt und doch so klar.
Kein Stern wollt’ nicht die Nacht erhellen,
Da mußte die Verliebte gehn,
Es rauscht’ der Fluß, fern Hunde bellen,
Die Fenster still erleuchtet stehn.
Da legt sie ab die goldnen Spangen,
Den falschen Putz und Ziererei,
Aus dem verstockten Herzen drangen
Die alten Tränen wieder frei.
„Zu lieben und geliebt zu werden,
Ging ich bei schönem Wetter aus,
Jetzt liebt mich Keiner mehr auf Erden,
Jetzt ists so still, wär’ ich zu Haus!“
Nun bist du frei von allen Sünden,
Die Lieb’ zog triumphierend ein,
Du wirst noch hohe Gnade finden,
Die Seele geht im Hafen ein. –
Der Liebste war ein Jäger worden,
Der Morgen schien so rosenrot,
Da blies er lustig auf dem Horne,
Blies immerfort in seiner Not.
KLAGE
Ich hab manch Lied geschrieben,
Die Seele war voll Lust,
Von rechtem Tun und Lieben,
Das Beste, was ich wußt’.
Was mir das Herz bewogen,
Das sagte treu mein Mund,
Und das ist nicht erlogen
Was kommt aus Herzensgrund.
Liebchen wußt’s nicht zu deuten
Und lacht mir ins Gesicht,
Dreht’ sich zu andern Leuten
Und achtet’s weiter nicht.
Und spielt mit manchem Tropfe,
Weil ich so tief betrübt,
Mir ist so dumm im Kopfe,
Als wär’ ich nicht verliebt.
Ach Gott, wem soll ich trauen,
Will sie mich nicht verstehn,
Tun all’ so fremde schauen,
Und alles muß vergehn.
Und alles irrt zerstreuet,
Sie ist so schön und rot,
Ich hab’ nichts, was mich freuet,
Ach wär’ ich lieber tot!
LIED
In einem kühlen Grunde,
Da geht ein Mühlenrad,
Mein’ Liebste ist verschwunden,
Die dort gewohnet hat.
Sie hat mir Treu versprochen,
Gab mir ein’n Ring dabei,
Sie hat die Treu gebrochen,
Mein Ringlein sprang entzwei.
Ich möcht’ als Spielmann reisen
Weit in die Welt hinaus,
Und singen meine Weisen
Und gehn von Haus zu Haus.
Ich möcht’ als Reiter fliegen
Wohl in die blut’ge Schlacht,
Um stille Feuer liegen
Im Feld bei dunkler Nacht.
Hör’ ich das Mühlrad gehen,
Ich weiß nicht, was ich will,
Ich möcht’ am liebsten sterben,
Da wär’s auf einmal still.
HEIMKEHR
Sinds die Häuser, sinds die Gassen?
Ach, ich weiß nicht, wo ich bin,
Hab’ ein Liebchen hier gelassen,
Und manch Jahr ging seitdem hin.
Aus den Fenstern schöne Frauen
Sehn mir freundlich ins Gesicht,
Keine kann so frischlich schauen,
Als mein liebes Liebchen sicht.
An dem Hause pocht’ ich bange –
Doch die Fenster stehen leer,
Ausgezogen ist sie lange
Und es kennt mich Keiner mehr.
Und ringsum ein Rufen, Handeln,
Musikanten fiedeln drein,
Herrn und Damen gehn und wandeln
Zwischendurch in bunten Reihn.
Zierlich bücken, freundlich blicken,
Manches flücht’ge Liebeswort,
Händedrücken, heimlich Nicken –
Nimmt sie all der Strom mit fort.
Und mein Liebchen sah ich eben,
Traurig in dem lust’gen Schwarm,
Und ein schöner Herr daneben
Führt sie stolz und ernst am Arm.
Doch verblaßt war Mund und Wange,
Und gebrochen war ihr Blick,
Seltsam schaut’ sie, stumm und lange,
Lange noch auf mich zurück.
Und es endet Tag und Scherzen,
Durch die Gassen pfeift der Wind,
Keiner weiß, wie unsre Herzen
Wild von Schmerz zerrissen sind.
WALDESGESPRÄCH
Es ist schon spät, es ist schon kalt,
Was reit’st du einsam durch den Wald?
Der Wald ist groß, du bist allein,
Du schöne Braut, ich führ’ dich heim!
„Groß ist der Männer Trug und List,
Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist,
Wohl irrt das Waldhorn her und hin,
O flieh, Du weißt nicht wer ich bin!“
So reich geschmückt ist Roß und Weib,
So wunderschön der junge Leib,
Jetzt kenn’ ich dich – Gott steh mir bei!
Du bist die Hexe Lorelay.
„Du kennst mich wohl – vom hohen Stein
Schaut still mein Schloß in tiefen Rhein;
Es ist schon spät, es wird schon kalt,
Kommst nimmermehr aus diesem Wald!“
AN DIE DICHTER
Wo treues Wollen, redlich Streben
Und rechten Sinn der Rechte spürt,
Das muß die Seele ihm erheben,
Das hat mich jedesmal gerührt.
Das Reich des Glaubens ist geendet,
Zerstört die alte Herrlichkeit,
Die Schönheit weinend abgewendet,
So Götterlos ist unsre Zeit.
O Einfalt gut in frommen Herzen,
Du züchtge, schöne Gottesbraut!
Dich schlugen sie mit frechen Scherzen,
Weil Dir vor ihrer Klugheit graut.
Wo findst Du nun ein Haus, vertrieben,
Wo man Dir Deine Wunder läßt,
Das treue Tun, das schöne Lieben,
Des Lebens still unschuldig Fest?
Wo findst Du Deinen alten Garten,
Dein Spielzeug, wunderbares Kind,
Der Sterne heilge Redensarten,
Das Morgenrot, den blauen Wind?
Wie hat die Sonne schön geschienen,
Nun ist so müd’ und alt die Zeit,
Wie stehst so jung Du unter ihnen,
Wie wird mein Herz mir stark und weit!
Der Dichter kann nicht mit verarmen,
Wenn alles um ihn her zerfällt,
Hebt ihn ein göttliches Erbarmen,
Der Dichter ist das Herz der Welt.
Den dunklen Willen aller Wesen,
Im Irdischen die heilge Spur,
Soll er durch Liebeskraft erlösen,
Der schöne Liebling der Natur.
Drum hat ihm Gott das Wort gegeben,
Das schnell das Dunkelste benennt,
Den frommen Ernst im schönen Leben,
Die Freudigkeit, die keiner kennt.
Da soll er singen frei auf Erden,
In Lust und Not auf Gott vertraun,
Daß alle Herzen lustig werden
Und innerlichst sich still erbaun.
Der Ehre sei er recht zum Horte,
Der Sünde leucht’ er ins Gesicht,
Viel Wunderkraft ist in dem Worte,
Das hell aus reinem Herzen bricht.
Vor Eitelkeit soll er vor allen
Streng hüten sein unschuldges Herz,
In eitlem Witz sich nicht gefallen,
Das Höchste duldet keinen Scherz.
O laßt unedle Mühe fahren,
O spielt in Wortgeklinge nicht,
Nicht mit der Gnad’, die ihr erfahren,
Zur Sünde wird sonst das Gedicht.
Den lieben Gott laß in dir walten,
Aus frischer Brust nur treulich sing’,
Was wahr an dir, wird sich gestalten,
Das andre ist erbärmlich Ding. –
Den Morgen seh ich fröhlich scheinen,
Die Oder ziehn im grünen Grund,
Mir ist so wohl – die’s redlich meinen
Die grüß ich all’ aus Herzensgrund!
DIE FREUNDE
I.
Wer auf den Wogen schliefe
Ein sanft gewiegtes Kind,
Kennt nicht des Lebens Tiefe,
Vor süßem Träumen blind.
Doch wen die Stürme fassen
Zu wildem Tanz und Fest,
Hoch auf den dunklen Straßen
Die falsche Welt verläßt:
Der lernt sich wacker rühren,
Durch Nacht und Klippen hin
Lernt der das Steuer führen
Mit sichrem, ernsten Sinn.
Der ist vom echten Kerne,
Erprobt zu Lust und Pein,
Der glaubt an Gott und Sterne,
Der soll mein Schiffmann sein!
II.
An L.
Vor mir liegen Deine Zeilen,
Sind nicht Worte, Schriften nicht,
Pfeile, die verwundend heilen,
Freundes-Augen, treu und schlicht.
Niemals konnte so mich rühren
Noch der Liebsten Angesicht,
Wenn uns Augen süß verführen,
Und die Welt voll Glanz und Licht:
Als in Freundes-Augen lesen
Meiner eignen Seele Wort,
Fester Treue männlich Wesen,
In Betrübnis Trost und Hort.
So verschlingen in Gedanken
Sich zwei Stämme wundertreu,
Andre dran sich mutig ranken
Kron’ an Krone immer neu.
Prächt’ger Wald, wo’s kühl zu wohnen,
Stille wachsend Baum an Baum,
Mit den brüderlichen Kronen
Rauschend in dem Himmelsraum!
Es saß ein Mann
Es saß ein Mann gefangen
Auf einem hohen Turm,
Die Wetterfähnlein klangen
Gar seltsam in den Sturm.
Und draußen hört’ er ringen
Verworr’ner Ströme Gang,
Dazwischen Vöglein singen,
Und heller Waffen Klang.
Ein Liedlein scholl gar lustig:
Heisa, so lang Gott will!
Und wilder Menge Tosen,
Dann wieder totenstill.
So tausend Stimmen irren,
Wie Wind’ im Meere geh’n,
Sich teilen und verwirren,
Er konnte nichts versteh’n.
Doch spürt’ er, wer ihn grüße
Mit Schaudern und mit Lust,
Es rührt ihm wie ein Riese
Das Leben an die Brust.
GEISTESGRUSS
Nächtlich dehnen sich die Stunden,
Unschuld schläft in stiller Bucht,
Fernab ist die Welt verschwunden,
Die das Herz in Träumen sucht.
Und der Geist tritt auf die Zinne,
Und noch stiller wird’s umher,
Schauet mit dem starren Sinne
In das wesenlose Meer.
Wer ihn sah bei Wetterblicken
Steh’n in seiner Rüstung blank:
Den mag nimmermehr erquicken
Reichen Lebens frischer Drang. –
Fröhlich an den öden Mauern
Schweift der Morgensonne Blick,
Da versinkt das Bild mit Schauern
Einsam in sich selbst zurück.
DIE BRAUT
Wann die Bäume blüh’n und sprossen
Und die Lerche kehrt zurück,
Denkt die Seele der Genossen,
Fühlet fern’ und nahes Glück.
Selig Weinen sel’ger Herzen!
Wenn das Herz nichts weiter will,
Nicht weiß, ob es Lust, ob Schmerzen,
Aber fröhlich ist und still.
Frischer sich die Hügel kränzen,
Heitrer lacht das weite Blau,
Alle Blumen schöner glänzen
Durch des Auges süßen Tau.
Und soll denn das Lieben leiden,
Und, wer leidet, krank auch sein,
Ach, so will ich keine Freuden,
Und mag nicht gesund mehr sein!
Ach, von dem weichen Pfühle
Ach, von dem weichen Pfühle
Was treibt dich irr umher?
Bei meinem Saitenspiele
Schlafe, was willst du mehr?
Bei meinem Saitenspiele
Heben dich allzusehr
Die ewigen Gefühle;
Schlafe, was willst du mehr?
Die ewigen Gefühle,
Schnupfen und Husten schwer,
Ziehn durch die nächt’ge Kühle;
Schlafe, was willst du mehr?
Ziehn durch die nächt’ge Kühle
Mir den Verliebten her,
Hoch auf schwindlige Pfühle;
Schlafe, was willst du mehr?
Hoch auf schwindligem Pfühle
Zähle der Sterne Heer;
Und so dir das mißfiele:
Schlafe, was willst du mehr?
Die Welt ruht
Die Welt ruht still im Hafen,
Mein Liebchen, gute Nacht!
Wann Wald und Berge schlafen,
Treu’ Liebe einsam wacht.
Ich bin so wach und lustig,
Die Seele ist so licht,
Und eh’ ich liebt’, da wußt’ ich
Von solcher Freude nicht.
Ich fühl’ mich so befreiet
Von eitlem Trieb und Streit,
Nichts mehr das Herz zerstreuet
In seiner Fröhlichkeit.
Mir ist, als müßt’ ich singen
So recht aus tiefster Lust
Von wunderbaren Dingen,
Was niemand sonst bewußt.
O könnt’ ich alles sagen!
O wär’ ich recht geschickt!
So muß ich still ertragen,
Was mich so hoch beglückt.
DER KRANKE
Soll ich Dich denn nun verlassen,
Erde, heit’res Vaterhaus?
Herzlich Lieben, mutig Hassen,
Ist denn alles, alles aus?
Vor dem Fenster durch die Linden
Spielt es wie ein linder Gruß,
Lüfte, wollt ihr mir verkünden,
Daß ich bald hinunter muß? –
Liebe, ferne, blaue Hügel,
Stiller Fluß im Tales-Grün,
Ach, wie oft wünscht’ ich mir Flügel,
Über euch hinweg zu zieh’n!
Da sich jetzt die Flügel dehnen
Schaur’ ich in mich selbst zurück,
Und ein unbeschreiblich Sehnen
Zieht mich zu der Welt zurück.
GEBET
Gott, inbrünstig möcht’ ich beten,
Doch der Erde Bilder treten
Immer zwischen dich und mich,
Und die Seele muß mit Grauen
Wie in einen Abgrund schauen,
Strenger Gott, ich fürchte dich!
Ach, so brich auch meine Ketten!
Alle Menschen zu erretten,
Gingst du ja in bittern Tod.
Irrend an der Hölle Toren,
Ach, wie bald bin ich verloren,
Hilfst du nicht in meiner Not!
AUF DEM RHEIN
Kühle auf dem schönen Rheine,
Fuhren wir vereinte Brüder,
Tranken von dem goldnen Weine,
Singend gute deutsche Lieder.
Was uns dort erfüllt die Brust,
Sollen wir halten,
Niemals erkalten
Und vollbringen treu mit Lust!
Und so wollen wir uns teilen,
Eines Fels verschiedne Quellen,
Bleiben so auf hundert Meilen
Ewig redliche Gesellen!
Es waren zwei junge Grafen
Es waren zwei junge Grafen
Verliebt bis in den Tod,
Die konnten nicht ruh’n noch schlafen
Bis an den Morgen rot.
O trau’ den zwei Gesellen,
Mein Liebchen, nimmermehr,
Die geh’n wie Wind und Wellen,
Gott weiß: wohin, woher. –
Wir grüßen Land und Sterne
Mit wunderbarem Klang,
Und wer uns spürt von Ferne,
Dem wird so wohl und bang.
Wir haben wohl hienieden
Kein Haus an keinem Ort,
Es reisen die Gedanken
Zur Heimat ewig fort.
Wie eines Stromes Dringen
Geht unser Lebenslauf,
Gesanges Macht und Ringen
Tut helle Augen auf.
Und Ufer, Wolkenflügel,
Die Liebe hoch und mild –
Es wird in diesem Spiegel
Die ganze Welt zum Bild.
Dich rührt die frische Helle,
Das Rauschen heimlich kühl,
Das lockt dich zu der Welle,
Weil’s draußen leer und schwül.
Doch wolle nie dir halten
Der Bilder Wunder fest,
Tot wird ihr freies Walten,
Hältst du es weltlich fest.
Kein Bett darf er hier finden.
Wohl in den Tälern schön
Siehst du sein Gold sich winden,
Dann plötzlich Meerwärts dreh’n.
AN –
Was lebte, rollt’ zum Himmel aus dem Tale,
Des Ritters Mut, Gesanges feur’ge Zungen,
Und aus den Felsen Münster kühn geschwungen,
Das Kreuz erhebend hoch im Morgenstrahle.
Versunken sind die alten Wundermale,
Nur eine Waldkapelle unbezwungen,
Blieb einsam stehen über Niederungen,
Die läutet fort und fort hinab zum Tale.
Was frägt die Menge, ob’s der Wind verwehe, –
Nur Ein’ge trifft der Laut, die stehn erschrocken,
Und mahnend lockt’s wie Heimweh sie zur Höhe.
Ein heit’rer Greis zieht oben still die Glocken,
Reicht fest die Hand und führt aus der Verheerung
Durch’s alte Tor die Treuen zur Verklärung.
ZORN
1810
Seh’ ich im verfall’nen, dunkeln
Haus die alten Waffen hangen,
Zornig aus dem Roste funkeln,
Wenn der Morgen aufgegangen,
Und den letzten Klang verflogen,
Wo im wilden Zug der Wetter,
Auf’s gekreuzte Schwert gebogen,
Einst gehaust des Landes Retter.
Und ein neu Geschlecht von Zwergen
Schwindelnd um die Felsen klettern,
Frech, wenn’s sonnig auf den Bergen,
Feige krümmend sich in Wettern,
Ihres Heilands Blut und Tränen
Spottend noch einmal verkaufen,
Ohne Klage, Wunsch und Sehnen
In der Zeiten Strom ersaufen;
Denk’ ich dann, wie Du gestanden
Treu, da niemand treu geblieben:
Möcht’ ich, über unsre Schande
Tiefentbrannt in zorn’gem Lieben,
Wurzeln in der Felsen Marke,
Und empor zu Himmels Lichten
Stumm anstrebend wie die starke
Riesentanne mich aufrichten.
NACHTFEIER
1810
Decket Schlaf die weite Runde,
Muß ich oft am Fenster lauschen,
Wie die Ströme unten rauschen,
Räder sausen kühl im Grunde,
Und mir ist so wohl zur Stunde;
Denn hinab vom Felsenrande
Spür’ ich Freiheit, uralt Sehnen,
Fromm zerbrechend alle Bande,
Über Wälder, Strom und Lande
Keck die großen Flügel dehnen.
Was je Großes brach die Schranken,
Seh’ ich durch die Stille gehen,
Helden auf den Wolken stehen,
Ernsten Blickes, ohne Wanken,
Und es wollen die Gedanken
Mit den guten Alten hausen,
Sich in ihr Gespräch vermischen,
Das da kommt in Waldes-Brausen.
Manchem füllt’s die Brust mit Grausen,
Mich soll’s laben und erfrischen!
Tag und Regung war entflohen,
Über’n See nur kam Geläute
Durch die monderhellte Weite,
Und rings brannten auf den hohen
Alpen still die bleichen Lohen,
Ew’ge Wächter echter Weihe,
Als, erhoben vom Verderben
Und vom Jammer, da die Dreie
Einsam traten in das Freie,
Frei zu leben und zu sterben.
Und so wachen heute Viele
Einsam über ihrem Kummer;
Unerquickt von falschem Schlummer,
Aus des Wechsels wildem Spiele
Schauend fromm nach Einem Ziele.
Durch die öde, stumme Leere
Fühl’ ich mich Euch still verbündet;
Ob der Tag das Recht verkehre,
Ewig strahlt der Stern der Ehre,
Kühn in heil’ger Nacht entzündet.
HEIMKEHR
1810
Heimwärts kam ich spät gezogen,
Nach dem väterlichen Haus,
Die Gedanken weit geflogen
Über Berg und Tal voraus.
Nur noch hier aus diesem Walde!
Sprach ich, streichelt’ sanft mein Roß,
Gold’nen Haber kriegst du balde,
Ruh’n wir aus auf lichtem Schloß.
Doch warum auf diesen Wegen
Sieht’s so still und einsam aus?
Kommt denn keiner mir entgegen,
Bin ich nicht mehr Sohn vom Haus?
Kein’ Hoboen hör’ ich schallen,
Keine bunte Truppe mehr
Seh’ ich froh den Burgpfad wallen –
Damals ging es lust’ger her.
Über die verguld’ten Zinnen
Trat der Monden eben vor,
Holla ho! ist niemand drinnen?
Fest verriegelt ist das Tor.
Wer will in der Nacht mich weisen,
Von des Vaters Hof und Haus!
Mit dem Schwert hau’ ich die Eisen,
Und das Tor springt rasselnd auf.
Doch was seh’ ich! wüst, verfallen
Zimmer, Hof und Bogen sind,
Einsam meine Tritte hallen,
Durch die Fenster pfeift der Wind.
Alle Ahnenbilder lagen
Glanzlos in den Schutt verwühlt,
Und die Zitter drauf zerschlagen,
Auf der ich als Kind gespielt.
Und ich nahm die alte Zitter,
Trat an’s Fenster voller Gras,
Wo so ofte hinter’m Gitter
Sonst die Mutter bei mir saß:
Gern mit Märlein mich erbaute,
Daß ich still saß, Abendrot,
Strom und Wälder fromm beschaute –
Mutter, bist du auch schon tot?
So war ich in’ Hof gekommen, –
Was ich da auf einmal sah,
Hat den Atem mir benommen,
Bleibt mir bis zum Tode nah:
Aufrecht saßen meine Ahnen,
Und kein Laut im Hofe ging,
Eingehüllt in ihre Fahnen,
Da im ewig stillen Ring.
Und den Vater, unter ihnen
Sah ich sitzen an der Wand,
Streng und steinern seine Mienen,
Doch in tiefster Brust bekannt;
Und in den gefalt’nen Händen
Hielt er ernst ein blankes Schwert,
Tät die Blicke niemals wenden,
Ewig auf den Stahl gekehrt.
Da rief ich aus tiefsten Schmerzen:
Vater, sprich ein einzig Wort,
Wälz’ den Fels von deinem Herzen,
Starre nicht so ewig fort!
Was das Schwert mit seinen Scheinen,
Rede, was dein Schauen will;
Denn mir graust durch Mark und Beine,
Wie du so entsetzlich still. –
Morgenleuchten kam geflogen,
Und der Vater ward so bleich,
Adler hoch darüber zogen
Durch das klare Himmelreich,
Und der Väter stiller Orden
Sank zur Ruh in Ewigkeit,
Steine, wie es lichte worden,
Standen da im Hof’ zerstreut.
Nur der Degen blieb da droben
Einsam liegen über’m Grab;
„Sei denn Hab’ und Gut zerstoben,
Wenn ich dich, du Schwert, nur hab’!“
Und ich faßt’ es. – Leute wühlten
Über’n Berg, hinab, hinauf,
Ob sie für verrückt mich hielten –
Mir ging hell die Sonne auf.
Pulsuz fraqment bitdi.