Kitabı oxu: «...denn ihrer ist das Himmelreich»

Şrift:

Jost Müller-Bohn

… denn ihrer ist das Himmelreich

Januar-März

Jost Müller-Bohn

Die Bibelworte sind, wenn sie ohne besonderen Vermerk erscheinen, aus der Lutherübersetzung zitiert. Dem Brunnen Verlag, Gießen, danken wir für die freundlich gewährte Abdruckgenehmigung der Bibelworte, die bei der Bibelstellenangabe den Vermerk „Bruns“ haben. Diese Bibelworte wurden aus der Übersetzung der Bibel von Hans Bruns entnommen.

Alle Bibelworte, die bei der Bibelstellenangabe den Vermerk „GN“ haben, wurden aus „Die Gute Nachricht, Die Bibel in heutigem Deutsch“, zitiert. Wenn die Bibelstellenangaben mit der Bezeichnung „Menge“ versehen sind, wurden die Bibelworte aus der Bibel nach der Übersetzung von Dr. Hermann Menge entnommen. Der Deutschen Bibelgesellschaft, Stuttgart, danken wir für die freundlich erteilte Abdruckgenehmigung. Dem Oncken Verlag, Wuppertal und Kassel, danken wir für die Abdruckgenehmigung etlicher Liedtexte aus „Neues Singvögelein“.

Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Jost Müller-Bohn

… denn ihrer ist das Himmelreich Andachten für Kinder zu Holzschnitten von Ludwig Richter 1. Vierteljahr

© Lichtzeichen Verlag, Lage

E-Book Erstellung:

LICHTZEICHEN Medien - www.lichtzeichen-medien.com

ISBN: 9783869548739

Bestell-Nr.: 548873


Adrian Ludwig Richter 28.09.1803 - 19.06.1884

Groß denken, im Herzen rein,

halte dich gering und klein,

freue dich in Gott allein!

Wenn wir diese Bilderbücher betrachten, dann müssen wir uns zum Anschauen viel, viel Zeit nehmen, denn auf diesen Bilderseiten sind so viele schöne Sachen zu sehen.

Diese wundervollen Bilder, die wir in diesen Büchern finden, sind von einem Mann gezeichnet, der den Heiland und Herrn Jesus Christus, aber auch die fröhlichen Menschen sehr lieb hatte. Ganz besonders freute er sich über die kleinen Kinder und deren lustige Spielkameraden, die Hunde, Katzen und anderen Tiere. Dieser Kunstmaler hieß:

ADRIAN LUDWIG RICHTER

Wollen wir heute Bilder haben, so nehmen wir einfach einen Fotoapparat und blitzen. Später können wir dann das, was wir fotografiert haben, als schöne Farbbilder sehen: die Geburtstagsfeier, den ersten Schultag, die schönen Ferienerlebnisse, eine Hochzeit, eine Schlittenfahrt, den selbst gebauten Schneemann und natürlich auch das Weihnachtsfest.

Früher aber gab es noch keine Fotoapparate, deshalb haben viele Zeichner und Maler fleißig gearbeitet, um solche hübschen Bilder herzustellen.

Man nennt diese Bilder, die wir hier in diesen Büchern finden, Holzschnitte. Warum wohl? Ich will es euch erklären. Wenn ein Kunstmaler ein Bild gezeichnet hatte, nahm er eine Holzplatte. Mit einem scharfen Messer schnitt er seine Zeichnung noch einmal ins Holz, deshalb nennt man es Holzschnitt. Danach konnten die Buchdrucker solche Bilder in tausende Bücher hineindrucken. Versuch doch einmal, solch ein Bild nachzuzeichnen, dann wirst du merken, wie viel Mühe und Arbeit in diesen Holzschnitten steckt, wie viel Striche und Strichlein dazu gehören, bis ein ganzes Bild fertig ist.

Habt ihr es schon einmal versucht, solch ein Holzschnittbild nachzuzeichnen?

Nun denkt einmal, der Maler muss sich zunächst das Bild, das er zeichnen möchte, in seinem Kopf ausdenken. Zuerst macht er eine Probezeichnung. Wenn es ihm dann nicht recht gefällt, macht er eine weitere Zeichnung und vielleicht noch eine. Manchmal kommt es vor, dass er zehnmal dasselbe zeichnet, ehe es ihm richtig gefällt und er sagen kann: „So, jetzt ist es gut, nun wird es den Kindern und auch den Erwachsenen gefallen, wenn sie es betrachten.“

Um solche schönen Bilder zeichnen zu können, muss man lange, lange üben. Dieser Maler Ludwig Richter hat über 3000 Holzschnitte hergestellt. Das muss ein fleißiger Mann gewesen sein, meint ihr nicht auch? Wenn er für jedes seiner Bilder nur zwei Entwürfe angefertigt hätte, dann wären es schon 6000 Zeichnungen gewesen, aber es waren mit Sicherheit viel mehr.

Er hat auch große Bilder mit Ölfarbe gemalt, die nennt man „Ölgemälde“. Lasst euch mal von euren Eltern welche zeigen. Gewiss hängen in euren Wohnungen auch Ölgemälde an den Wänden als besonderer Schmuck. Am liebsten hat Ludwig Richter aber Bilder für Bücher gezeichnet, und am allerliebsten welche für die Kinder, ist das nicht schön? Für viele Märchenbücher hat er Holzschnitte gemacht und auch für das Buch „Robinson Crusoe“. Das muss ein ganz lieber Mann gewesen sein.

Dieser Maler glaubte an den Herrn Jesus Christus und betete zu ihm. Darum machen uns seine Bilder noch heute so viel Freude. Zu seinen Lebzeiten gab es noch keine Autos, keine Flugzeuge, keine Straßenbahnen und keine Telefone, keine Radios und keine Fernsehapparate. In seiner Zeit war es auf Erden noch viel, viel ruhiger. Die Menschen hatten Zeit, ihren Kindern schöne Geschichten zu erzählen, mit ihnen zu singen und zu spielen. Schallplatten und Kassettenrekorder gab es auch noch nicht, also spielten der Vater oder die Mutter ein Instrument, Flöte, Gitarre oder auch Klavier. Abends saßen die Menschen in der Sommerszeit vor ihren Häusern und beobachteten die Vögel und den Sonnenuntergang. Deshalb finden wir auf den Bildern auch keine Tankstellen oder Polizeiautos, sondern allerlei Tiere. Vor hundert Jahren ging es eben noch sehr ruhig und gelassen im Leben der Menschen zu. Man fuhr mit Postkutschen über Land oder ritt zu Pferde und man wanderte viel.

Weil Ludwig Richter über 3000 Bilder gemacht hat, habe ich für euch, liebe Mädchen und Jungen, 365 Bilder ausgesucht und in diesen Büchern zusammengestellt.

Was meint ihr, warum ich gerade 365 Bilder gewählt habe? Nun, weil ein Jahr 365 Tage hat und ihr jeden Tag Freude an einer solchen Zeichnung haben sollt.

Vielleicht versteht ihr gar nicht, was da alles gezeichnet ist oder ihr überseht viele Kleinigkeiten, die der Maler so liebevoll festgehalten hat. Darum habe ich für jeden Tag eine kleine Geschichte dazu geschrieben, die ihr euch von der Mutti, dem Vati oder den Großeltern vorlesen lassen könnt. Natürlich sollen wir jeden Tag auch einen Vers aus der Bibel hören und zu unserem lieben Heiland beten oder ein schönes Lied singen. Auch daran habe ich gedacht und wünsche euch viel Freude an diesen Bilderbüchern.

1.
Januar

„Die Augen Gottes schauen ständig auf uns herab vom Anfang des Jahres bis zum Ende.“

5. Mose 11,12

Heute ist der erste Tag in diesem neuen Jahr. Wie alt warst du im vergangenen Jahr? - Nun, in diesem neuen Jahr wirst du ein Jahr älter. Vielleicht kommst du dann in die Schule oder, wenn du schon größer bist, wirst du in eine höhere Klasse versetzt.

Es könnte ja auch sein, dass du gerade heute Geburtstag hast, dann wünsche ich dir Gottes reichsten Segen für das kommende Lebensjahr. In diesem neuen Jahr wollen wir lernen, den Heiland recht lieb zu gewinnen, denn an seinem Segen ist alles gelegen: Er vergibt uns alle Sünden, alle Lügen und bösen Worte, alle schlechten Gedanken und frechen Antworten, wenn wir ihn darum bitten. In diesem neuen Jahr will der Herr Jesus uns behüten und beschützen, wenn wir auf der Straße spielen oder auf dem Weg zum Kindergarten sind, einfach überall, wo es gefährlich ist.

Unser Bibelwort lautet: „Die Augen Gottes schauen auf uns herab…“ Von wo blickt der Herr Jesus wohl auf uns herab?

Natürlich vom Himmel! Er sieht, was wir tun, ob wir lieb zu unseren Eltern sind und ihnen gehorchen, ob wir zum Gottesdienst gehen oder nur zu Hause Dummheiten machen.

Alles sieht und weiß Gott vom Anfang des Jahres bis zum Ende. Deshalb wollen wir lieber etwas Gutes tun und ihn bitten, dass er uns dabei hilft.

Was sehen wir auf unserem Bild?

Oben auf dem Dach sind die Engel, die unser Haus behüten und die alle beschützen wollen, die in der Stube sind: die Mutter mit dem kleinen Baby auf dem Arm, den Vater im Lehnstuhl, die Oma, die gerade den Milchtopf und die Kaffeekanne auf den Tisch stellen will, die Kinder und die Tiere. Was machen denn die beiden Kinder mit dem Papierbogen in der Hand? Sie sagen ein Gedicht auf.

Willkommen, liebes, junges Jahr,

mit deinen Wünschen, frisch und klar,

mit deinem raschen, frohen Schritt!

Sag an, was bringst du Gutes mit?

Vom Himmel her, da kommt dein Gang,

drum ist mir auch vor dir nicht bang;

du bist vom lieben Gott bestellt

und bringest frohen Gruß der Welt.

Kennt ihr auch einen Vers zum Neujahrsmorgen?

Der Briefträger bringt einen Brief. Was steht denn in diesem Brief?

„Herzlichen Glückwunsch zum neuen Jahr und Gottes Segen auf allen Wegen.“

Der kleine Mops will auch gratulieren und das Kätzchen schleckt die gute Milch. Im Zimmer ist es schön warm, aber draußen schneit es. Die Vögel sitzen stumm auf den Zweigen des Baumes, für sie ist jetzt das Futter knapp, aber der liebe Gott ernährt sie doch. Die Glocken läuten zum ersten Gottesdienst in diesem Jahr.

Auch wir wollen unser erstes Gebet sprechen: Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm! Behüte mich auch dieses Jahr vom ersten Tag und immerdar. Amen.


2.
Januar

„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.

“ Offenbarung 21,4

Verschneit liegt rings die ganze Welt,

ich hab nichts, was mich freuet,

verlassen steht ein Baum im Feld,

hat längst sein Laub verstreuet.

Er träumt von künft‘ger Frühlingszeit,

von Grün und Quellenrauschen,

wo er im neuen Blütenkleid

zu Gottes Lob wird rauschen.

Das ist ein kalter Winter. Der Ostwind bläst dem kleinen Helmchen so scharf ins Gesicht, dass es richtig weh tut. Darum weint es auch. Die größere Schwester trocknet die Tränen ab und tröstet das kleine Kind: „Weine nicht, Helmchen, bald sind wir daheim! Dann machen wir im Ofen ein Feuer an und werden ganz schnell wieder warm.“

Die Kinder haben Holz gesammelt, weil es damals noch keine Zentralheizung gab und auch keine elektrischen Heizöfen. Ja, wir können Gott danken, wenn wir eine warme Stube haben und nicht frieren müssen. Als ich ein kleiner Junge war, konnten wir tagelang nicht heizen, weil es keine Kohlen und kein Holz gab. Da haben wir den ganzen Tag im Bett gelegen, damit wir nicht erfroren sind. In der ganzen Wohnung war es so kalt, dass alle Wasserleitungen zugefroren waren. Zu essen hatten wir sehr wenig und an manchen Tagen überhaupt nichts. An einem solchen Tag betete meine Mutti unter Tränen zum Heiland, weil sie ihre Kinder nicht hungern sehen konnte. Noch am selben Tag brachte uns ein ganz fremder Mann Kartoffeln.

Es klopfte plötzlich an die Tür. Da stand der Fremde und fragte: „Haben Sie Hunger? Mein kleiner Handwagen ist mir vor Ihrer Tür zusammengebrochen. Wollen Sie diese Kartoffeln haben, sonst erfrieren sie, bis ich Hilfe geholt habe.“

Wisst ihr, liebe Kinder, wie viel Geld damals in der Notzeit ein Zentner Kartoffeln kostete? 500 bis 600 Mark! Dass wir die Kartoffeln bekamen, war ein Wunder Gottes und Holz hatten wir dann an dem Abend auch noch bekommen. Später habe ich gebetet: „Lieber Heiland, ich will dir immer danken, wenn ich nur Kartoffeln und Salz habe und ein warmes Zimmer!“ Das kleine Helmchen ist wieder gut nach Hause gekommen und hat schnell seinen Kummer vergessen.

Wenn wir einst im Himmel sein werden, müssen wir nicht mehr hungern und frieren und werden auch niemals mehr weinen.

Helmchen hatte die Hände in einen kleinen Beutel gesteckt. Was ist denn das? Das nannte man Muff. In ihm bekamen die Menschen schnell warme Hände. Siehst du, wie der kleine Hund so traurig zu Helmchen hinaufschaut? Er hat wohl Mitleid mit dem Kind. Hast du auch Mitleid mit anderen Kindern, wenn sie weinen? Wenn es anderen schlecht geht, sollen wir Mitleid haben und zu helfen versuchen, hat uns der Heiland gesagt.

Nun wollen wir beten: Lieber Herr Jesus, wir danken dir, dass du so viel Mitleid mit allen Menschen hast. Wir wollen anderen Menschen helfen und sie trösten, wenn sie weinen. Im Himmel wirst du alle Tränen abwischen und wir dürfen uns nur noch freuen. Amen.


3.
Januar

„Wohlzutun und mitzuteilen vergesset nicht.“

Hebräer 13,16

Im Winter kann man sehr schnell krank werden. Wenn wir frieren, ist es möglich, dass wir bald eine Erkältung mit Husten und Schnupfen bekommen. Ganz schlimm ist es, wenn die Mutti krank wird, wenn sie im Bett bleiben muss und kein Mittagessen kochen kann. Alle Arbeit bleibt dann liegen, keiner heizt den Ofen, keiner putzt die Stube. Selbst das kleine Kätzchen bekommt keine Milch.

Nun hat die Frau von nebenan gehört, dass die Frau Müller krank ist und der kleine Klaus im kalten Zimmer vor Hunger weint.

„Da müssen wir aber gleich etwas tun“, sagt Frau Krause, die Nachbarin. „Komm, Inge, wir packen den Korb mit Brot, Käse, Butter, Eiern und Kuchen voll. Das bringen wir der Frau Müller.“ „Aber was trinken denn Frau Müller und der Klaus?“ fragt Inge.

„Gut, dass du daran gedacht hast, ich werde ihnen eine Flasche Obstsaft mitnehmen. Jetzt wollen wir uns sofort anziehen und die kranke Frau besuchen.“

Schnell gehen die beiden durch den Garten und klopfen bei Frau Müller an die Tür.

„Wer ist da?“ ruft die kranke Frau.

„Ich bin es, Frau Krause! Können wir hereinkommen?“ Jetzt hört man, wie Frau Müller zum Klaus sagt: „Mach schnell die Tür auf, Frau Krause und die Inge sind da.“

„Ach, Klaus, wie siehst du denn aus?“ sagt Frau Krause, als sie den kleinen Jungen sieht, „du bist ja gar nicht richtig angezogen. Komm, Inge, hilf doch, den kleinen Jungen anzuziehen.“ Dann gehen sie in das Zimmer, wo Frau Müller in ihrem Bett liegt. Sie hat ein großes Kopftuch umgebunden, weil sie solche schlimmen Kopfschmerzen hat.

„Ach, Frau Müller, ich habe Ihnen einen schönen Kuchen und eine Flasche Obstsaft mitgebracht.“ „Schönen Dank, Frau Krause, das ist sehr lieb von Ihnen, aber mir schmeckt der beste Kuchen nicht, ich fühle mich so furchtbar elend.“

„Etwas essen müssen Sie schon, Frau Müller, sonst werden Sie doch so schwach.“

Inge zieht dem Klaus die Kleider an, er guckt der Inge dabei ganz lieb ins Gesicht. - Seht ihr das? „Wissen Sie, Frau Müller, wenn Sie so krank sind, dann sollten wir immer zu Gott beten, denn er kann Sie wieder gesundmachen“, sagt Frau Krause.

Dann beten sie: „Lieber Gott im Himmel, du bist unser Helfer und Arzt, mach doch bitte Frau Müller bald wieder gesund!“

Und was denkt ihr - ein paar Tage später war Frau Müller wieder richtig gesund.

Betet ihr auch, wenn ihr krank seid? - Der Heiland freut sich, wenn wir die Kranken besuchen und ihnen helfen. Wir können ja morgen auch schon krank sein und dann freuen wir uns, wenn einer kommt und mit uns betet und uns hilft.

Wir wollen jetzt auch beten: Lieber Heiland, mache alle kranken Menschen gesund und zeige uns, wem wir helfen können. Amen.


4.
Januar

„Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?“

Matthäus 6,26

Was sehen wir denn heute auf unserem Bild? Die Mutti weint, weil ihr kleines Baby keine Milch trinken will. Wahrscheinlich ist es krank. Jetzt ist die Mutti ganz, ganz traurig. Sie hat nämlich Angst, dass das kleine Baby ins Krankenhaus muss und vielleicht gar nicht mehr gesund wird.

Aber da sitzt ja auch der Vati mit einem Buch in der Hand. Habt ihr schon gesehen, der Vati und die Mutti haben sich ganz warm angezogen. Der Vati hat eine Pelzmütze auf und einen dicken Mantel an. Die Mutti hat ein großes Kopftuch und ein Halstuch umgebunden. Vielleicht ist der Ofen kalt oder sie wollen gleich zum Doktor gehen.

Was hält denn der Vati für ein Buch in der Hand? Na, wer weiß das von euch? - Natürlich, die Bibel. Er liest das Wort Gottes: „Warum macht ihr euch so viele Sorgen, der Vater im Himmel sorgt für die großen und kleinen Vögel, für die Rehe und die anderen Tiere im Sommer und im Winter.“ Seht ihr den Engel, wie er die Tiere füttert?

Der Herr Jesus hat einmal zu den Menschen gesagt: „Habt doch keine Angst, dass ihr verhungert, wenn der liebe Gott die Vögel füttern lässt, dann wird er auch euch helfen.“ Ihr seid doch viel mehr wert als die Krähen und der kleine Spatz, der von dem kleinen Mädchen mit einem Löffel gefüttert wird. Der Spatz hat einen kleinen Rucksack auf dem Rücken. Wahrscheinlich sucht er gerade eine neue Wohnung. Das Mädchen hält einen Topf in der Hand und gibt dem Vögelchen Körner.

„In meinem Stübchen ist‘s bequem, ist‘s herrlich, hübsch und angenehm, doch manche Mutter, Gott erbarm! nimmt‘s Kindlein nackend auf den Arm. Sie hat kein Hemd, hört‘s kläglich schrei‘n und wickelt‘s in die Schürze ein. Sie hat kein Holz, sie hat kein Brot und klagt dem lieben Gott die Not. Geh hin und bring der armen Seel‘ ein weißes Hemd, ein Säcklein Mehl, ein Bündel Holz und sag ihr dann, dass sie zu uns auch kommen kann, ein Brot zu holen, immer frisch, und dann deck auch für uns den Tisch.“

Wenn wir im Winter die Tiere füttern, dann machen wir es wie der Engel, wir helfen den Tieren in der Notzeit. Die Tiere sind auch von Gott geschaffen und deshalb sollen wir sie lieb haben. Wir helfen Gott, die kleinen Vögel zu erhalten. Wenn es wieder Sommer wird, singen sie uns dafür sehr schöne Lieder. Sie singen den ganzen Tag - die Drosseln, die Meisen und der Kuckuck. Manche Kinder haben ja auch einen Vogel im Vogelkäfig in ihrem Zimmer stehen. Der singt doch auch so schön. Denkt einmal, das alles hat Gott für uns gemacht. Wie traurig wäre es, wenn keine Vögel mehr singen würden. Dann hörten wir nur noch die Autos rattern und die Bremsen quietschen. Darum wollen wir nicht vergessen, Gott für all das Schöne zu danken.

Nun wollen wir beten: Lieber Heiland, wir danken dir, dass du die Mutti tröstest, die so weint. Du machst auch das kleine Baby wieder gesund. Wenn du an die vielen, vielen Vögel denkst, vergisst du uns auch nicht. Wir danken dir für das Bibelwort und wollen es gleich noch einmal lesen, damit wir es nicht vergessen. Amen.


5.
Januar

„Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubet nur, dass ihr‘s empfangt, so wird‘s euch werden.“

Markus 11,24

„Solang mein Jesus lebt und seine Kraft mich hebt, muss Furcht und Sorge von mir fliehn, mein Herz in Lieb erglühn.

Drum blick ich nur auf ihn, o seliger Gewinn!

Mein Jesus liebt mich ganz gewiss, das ist mein Paradies!“ Gestern weinte die Mutti noch so bitterlich, weil das Baby keine Milch getrunken hat. Aber der Vati las in der Bibel, dass sie sich keine Sorgen machen sollen. Gott denkt ja auch an die vielen, vielen Vögel und anderen Tiere, die draußen im Wald wohnen, wo es so schrecklich kalt ist, und weil so viel Schnee liegt, finden sie auch kein Futter. Wir haben gestern alle zum Heiland gebetet, dass er das Baby wieder gesund machen soll. Nun seht doch, wie der Herr Jesus Christus unser Gebet erhört hat. Das Baby hat schon Milch getrunken und ist ganz frisch und munter. Eben wurde es gebadet. Ist das nicht schön?

Manchmal hört Jesus ganz schnell auf unser Gebet und wir werden gleich gesund, aber manchmal müssen wir auch länger beten - zwei Tage oder drei oder vielleicht mehrere Tage. Wenn wir beten, sollen wir auch richtig beten und ganz, ganz fest glauben, dass der Herr im Himmel unser Gebet hört. Wenn wir glaubensvoll beten, kann er alles wieder gutmachen. Vielleicht ist heute dein Schwesterlein oder dein großer Bruder krank. Bete doch auch zum Heiland, damit er ihnen hilft. Seht, Kinder, im Zimmer ist es nicht mehr kalt. Wie können wir das wissen? - Na? Das kleine Schwesterlein, das gestern so lieb den Vogel gefüttert hat, steht ganz nackend an der Waschwanne. Damals hatte man noch nicht solche schönen Badewannen wie heute. Die Menschen haben in einer Holzwanne gebadet, wie wir sie auf dem Bild sehen.

Badest du auch gern? Ja, sauber müssen wir sein, sonst werden wir krank. Ach, wie schön, wenn alle gesund sind, die Mutti, die große Schwester, die heute eher aus der Schule gekommen ist und das weiche Badetuch aufhält, damit das kleine Kind von der Tür her keinen Zug bekommt. Das Baby und das kleine Mädchen freuen sich sehr. Selbst der Hund ist fröhlich darüber, er ist ja der kleine Spielkamerad der Kinder.

Wenn wir nun gesund geworden sind, dann wollen wir nicht vergessen, dem lieben Gott dafür zu danken. Manchmal vergessen die Menschen, für all das Gute zu danken, und dann ist Gott sehr traurig.

Wir wollen beten: Lieber Vater im Himmel!

Wir danken dir, dass du das Baby wieder gesund gemacht hast.

Wir danken dir, dass die Mutti sich wieder freut.

Wir danken dir, dass es im Zimmer wieder warm ist.

Wir danken dir, dass alle gesund sind, auch der Vati.

Wir danken dir, dass in der Ofenröhre schon warmes Essen steht.

Wir danken dir, Herr Jesus, dass du uns heute beschützt. Amen.


6.
Januar

„Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.“

Matthäus 2, 10.11

(Lies bitte die ganze Geschichte)

Nun ist das schöne Weihnachtsfest schon lange vorbei. Denkst du immer noch an diese schöne Zeit? Spielst du auch noch mit den neuen Spielsachen oder sind sie schon kaputt? Für viele Menschen ist der 6. Januar ein Feiertag. Sie gedenken der Weisen aus dem Morgenland, die ganz, ganz weit aus ihrer Heimat nach Bethlehem kamen, um das kleine Jesuskind anbeten zu können. Viele Tage und Wochen sind sie gereist. Sie wurden glücklich darüber, dass Gott den Herrn Jesus zu uns gesandt hat, damit wir wieder fröhlich werden. Darum hat der Maler Ludwig Richter auch ein so schönes Bild gezeichnet.

Maria, die Mutter des Herrn Jesus, hält das kleine Baby auf dem Schoß. Ist das nicht herzig anzuschauen? Da freut ihr euch sicher auch über solch ein liebes Kindlein. Joseph, der Mann von Maria, steht im Hauseingang und betet: „Lieber Gott, hab Dank, dass du uns ein so liebes Kind geschenkt hast, das später allen Menschen helfen will, damit sie alle in den Himmel kommen.“ Aber es kommen nur die in den Himmel, die den Herrn Jesus anbeten und auch das befolgen, was er uns gesagt hat. Wir sollen Gott lieben von ganzem Herzen und unsere Mitmenschen wie uns selbst. Wenn wir etwas Böses getan haben, dann sollen wir es dem Heiland gleich sagen, denn er macht alles wieder gut. Habt ihr das heute schon getan?

Schaut mal, was die Weisen für Kleider anhaben. Ja, damals hatten die Männer noch keine langen Hosen, sondern trugen ein langes Gewand, wie der Herr Jesus später auch. Seht ihr die Geschenke, die die Weisen mitgebracht haben? Solch große Freude hatten sie, als sie den Stern sahen und nach Bethlehem zogen. Wir sollen ja auch anderen Menschen Freude machen und ihnen etwas schenken, wenn sie Geburtstag haben oder wenn wir einen Besuch machen. Dann ist es am besten, wenn wir selber etwas basteln oder malen. Darüber freuen sich Vati und Mutti sehr. Malt ihnen doch heute ein schönes Bild. Wenn wir unser Bild betrachten, sehen wir im Hintergrund ein Kamel. Habt ihr schon einmal ein richtiges Kamel gesehen? Darauf kann man weite Strecken reiten. Die Weisen hatten ja noch keine Eisenbahn und kein Auto, deshalb sind sie den weiten Weg durch die Wüste geritten.

Nun wollen wir wie die Weisen auch zum Herrn Jesus beten: Lieber Herr Jesus, du bist ja jetzt kein Baby mehr, du bist bei deinem Vater im Himmelreich. Deshalb beten wir dich an. Du sitzt auf einem goldenen Thron und betest für uns, damit wir auch in den Himmel kommen. Dann wollen wir dort mit großer Freude von deiner Liebe singen. Amen.


7.
Januar

„Füge nichts zu seinen Worten hinzu, damit er dich nicht zur Rechenschaft zieht und du als Lügner dastehst!“

Sprüche 30,6; Menge

Hier sehen wir wieder ein schönes Bild. So sah es vor hundert Jahren in einer Stadt aus. Es gab sehr enge Gassen, die Straßen waren ziemlich dunkel und vor allem fuhren keine Autos und keine Straßenbahnen. Die Menschen konnten noch gemächlich auf der Straße stehen und dort sogar Lieder singen. Die Luft war sehr gut und sauber, es gab noch keinen Benzingestank. Was sehen wir denn auf dem Bild? Die Leute haben einen Stern an einem Stab und auf dem Kopf tragen sie eine Krone aus Pappe. Sie spielen die drei Könige aus dem Morgenland. Welche Könige denn? Gestern haben wir in der Bibel von den Weisen gelesen. Wer die ganze Geschichte gelesen hat, der weiß, dass die Menschen, die aus dem Morgenland kamen, Sterndeuter gewesen sind. Also steht in der Bibel nichts von Königen geschrieben, sondern von Weisen. Wie viele es gewesen sind, können wir auch nicht aus der Geschichte entnehmen. Seht, so muss man aufpassen! Das übrige haben die Menschen erfunden. Ob das Gott wohl gefällt? Dürfen wir denn einfach sein Wort umwandeln? Wir sollen immer in der Bibel forschen, was Gott uns durch seine Propheten mitteilen ließ.

Diese drei Buben mit ihren Kronen gehen nun von Haus zu Haus, um etwas zu erbetteln. Meistens bekommen sie Naschereien oder andere Gaben. Darum hat der König mit der Pappkrone auch einen Korb auf dem Rücken. Da hinein werfen die Leute dann die Süßigkeiten. Ist das nicht komisch? Hat man denn schon einen König gesehen, der mit einem Korb betteln gehen muss? Wenn wir etwas falsch berichten, so lügen wir. Deshalb will ich euch die Geschichte von der Lügenbrücke erzählen: „Ein dummer Bauernjunge, der einst eine große Reise unternommen hatte, erzählte dem Vater eine seltsame Geschichte: „Vater, ich habe einen Hund gesehen, der größer war als Euer größtes Pferd.“ Der Vater merkte die Lüge und sagte, dass sie jetzt über eine Brücke gehen müssten, dort würde sich jeder das Bein brechen, der gerade gelogen habe. Natürlich bekam der Junge große Angst, er wollte sich doch kein Bein brechen.

„Ach“, sagte er zum Vater, „lauf doch nicht so schnell, wie groß war der Hund, von dem ich sprach? Sagte ich wie Euer größtes Pferd? Ich glaube, er war nur so groß wie ein Ochse.“ Nun gingen sie weiter, die beiden konnten die Brücke schon sehen. Der Junge schlich immer langsamer: „Vater, hört doch einmal zu, ich glaube, der Hund, von dem ich sprach, war nur so groß wie ein Kalb, ich habe doch etwas übertrieben.“

Jetzt waren sie kurz vor der Brücke, der Vater hatte schon ein Bein auf die Brücke gesetzt, da hielt ihn sein Sohn zurück: „Vater, ich will Euch schnell noch etwas sagen, ehe wir hinübergehen. Der Hund, von dem ich vorhin sprach, war nur so groß wie alle Hunde sind.“

Ja, Kinder, so kann es gehen, wenn man eine Geschichte falsch erzählt. In der Bibel steht geschrieben: Alle Menschen sind Lügner und haben die Lüge sehr gern. Nur Gott, unser Vater, und der Herr Jesus Christus haben immer die Wahrheit gesagt und nie gelogen.

Deshalb wollen wir auch zu ihnen beten: Du großer Gott, wir wollen dein Wort nicht falsch weitersagen, damit wir nicht lügen. Wenn wir etwas Falsches gesagt haben, dann vergib uns die Lüge und wasche unser Herz wieder rein. Amen.


8.
Januar

„Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein.“

Lukas 14,16

Der Herr Jesus erzählte seinen Jüngern eine schöne Geschichte, nämlich von einem Mann, der zu einem Abendmahl eingeladen hatte. Als nun das Mahl bereitet war, schickte er seine Boten aus, um die Gäste zu holen. Aber die Leute wollten gar nicht kommen und jeder hatte eine Entschuldigung. Der Erste sagte: „Ich habe einen Acker gekauft und muss sehen, ob der Boden gut ist.“ Der Zweite sagte: „Ich habe mir Ochsen gekauft, die muss ich mir ansehen, ob es gute Tiere sind.“ Ein Dritter sagte: „Ich habe gerade geheiratet und nun muss ich bei meiner Frau bleiben, ich kann sie doch nicht allein lassen. Bitte entschuldige mich.“

Da war der Mann, der das schöne Essen gekocht hatte, sehr ärgerlich. Darum sagte er zu seinen Boten: „Dann geht schnell auf die Straße und sucht die armen Menschen, die Kranken, die vielleicht blind sind oder nur ein Bein haben, ladet sie zu unserem Gastmahl ein.“ Was geschah nun? Jetzt kamen viele, viele Menschen von der Straße. Die Leute kannten den Mann gar nicht. Er aber kannte diese Menschen von der Straße. Er kennt nämlich alle Menschen. Am Tisch waren immer noch Plätze frei, deshalb sagte der Hausherr: „Dann holt auch noch von den anderen Straßen die Menschen zu unserem Fest, damit wir fröhlich essen und trinken können.“

Wer kann denn dieser Mann gewesen sein, liebe Kinder? - Ja, es war der Herr Jesus Christus. Er freut sich, wenn wir seiner Einladung folgen. Er möchte uns immer ganz nahe bei sich haben. Deshalb sollen wir auch gern Gäste zu uns in unsere Wohnung einladen und mit ihnen fröhlich essen und trinken, so wie wir es auf unserem Bild sehen.

Wenn der Schornstein raucht, weil es auf der Straße sehr kalt ist, dann sitzt man gern am Ofen wie der Großvater. Sein großes Enkelkind gibt ihm ein Küsschen und der kleine Spitz will ihn auch lieb haben. Die Mutti bringt gerade einen heißen Punsch in die Wohnstube. Die Gäste haben aber schon ein Glas in der Hand und freuen sich über diese schöne Feier. In der Küche steht die Oma und backt noch einen leckeren Pfannkuchen und die kleine Inge bringt gerade eine Schüssel mit frischen Pfannkuchen herein.

Wenn wir am Tag schwer gearbeitet haben, wie der Mann mit dem Federkiel, und die Mutti, die näht, und die Inge, die fleißig strickt, dann sollen wir uns am Abend gut ausruhen und freuen. Wichtig ist es aber auch, dem Herrn Jesus Christus für alles zu danken und immer wieder in der Bibel zu lesen. Denn alles, was wir haben, verdanken wir dem Vater im Himmel.

Nun wollen wir beten: Lieber Herr Jesus, wir danken dir, dass du uns alle zu dir eingeladen hast, damit wir beim Abendessen recht fröhlich sind. Wir wollen gern andere Menschen zu uns einladen und bei dieser Gelegenheit viel von dir erzählen, wie gut du zu uns bist und wie du uns immer wieder hilfst. Amen.


9.
Januar

„Sommer und Winter machst du.“

Psalm 74,17

Wer macht denn nun den Sommer und den Winter? Kann das auch ein Mensch machen? Nein! Wer kann denn den Sommer und den Winter machen? Natürlich unser himmlischer Vater. Gott hat ja alles geschaffen, also auch den Sommer und den Winter.

Da freuen sich aber die Kinder, wenn alle Straßen, Felder und Wiesen voll Schnee liegen. Hey - da darf man mit dem Schlitten fahren! Als ich noch zur Schule ging, lasen wir ein Gedicht, das fing so an:

„Einen Schlitten muss der Junge haben,

im Sommer kann er barfuß traben;

doch schneit‘s im Winter hoch den Schnee,

dann geht‘s mit juchhe‘ hinunter die Höh.

Einen Schlitten muss der Junge haben.“

Habt ihr auch einen Schlitten? Na, euer Schlitten sieht aber ganz anders aus als der Schlitten, worauf das kleine Mädchen sitzt. Früher haben sich die Menschen vieles selber gebastelt - auch einen Schlitten.

Diese drei Kinder wollten nicht in der Stube bleiben. Sie haben der Mutti gar nicht gesagt, dass sie fortgehen wollten.

„Da, über das weite Feld, bis in den Wald wollen wir mit dem Schlitten fahren“, sagte der Jochen. So sind sie losgezogen, der Jochen, der vorne am Seil zieht, die Carla, die in eine dicke Decke gewickelt auf dem Schlitten sitzt, und der Dieter, der hinten schiebt. Die großen Vögel im Hintergrund nennt man Krähen, die schrien immer: „Kräh - Kräh - Kräh! Wer heimlich fortgeht, bleibt stecken im Schnee, Schnee, Schnee!“

Bald kamen aber dicke Wolken am Himmel auf. Seht ihr sie? Es wurde ganz dunkel. Die Kinder waren sehr weit von zu Hause fortgegangen. Sie konnten die Häuser vom Dorf gar nicht mehr sehen.

„Hui - Hui…“ pfiff der Wind und wehte ganz schnell die Fußspuren und die Schlittenspur zu. Da fanden die drei kleinen Kinder nicht mehr den Weg zurück. Die kleine Carla fing an zu weinen, ihr Gesicht war schon ganz blaugefroren. Auch der Dieter fing an zu weinen. Was sollten sie nur machen? Sie hatten sich verirrt. Aber der Jochen war immer in die Sonntagsschule gegangen und wusste: Wenn man in eine Not geraten ist, dann soll man zum Heiland beten. Darum betete er: „Herr Jesus, hilf uns bitte jetzt! Bitte, bitte, lieber Heiland, hilf!“

Zum Glück war auch der kleine Hund mitgekommen und der rannte nach Hause und bellte vor der Haustür so lange, bis die Eltern merkten, was passiert war. Er hat dann die Eltern dort hingeführt, wohin die Kinder sich verlaufen hatten, nämlich in den Wald. Wie waren die Eltern froh, als sie ihre Lieben wiederfanden. Darum sollen Kinder nie fortgehen, ohne den Eltern zu sagen, wohin sie gehen. Sagt ihr euren Eltern immer, wohin ihr geht?

Wir wollen beten: Lieber Herr Jesus, wir danken dir, dass wir immer, wenn wir in Not sind, zu dir beten können. Du hast schon oft kleine Kinder gerettet, die sich verirrt hatten. Amen.


10.
Januar

„Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

Matthäus 11,28

Was war das gestern für ein großer Schock, als sich die Kinder im Wald verlaufen hatten. Die kleine Carla hat sich dabei erkältet und weint bitterlich. Sie hat nämlich starke Ohrenschmerzen bekommen. Das tut sehr weh - der ganze Kopf hat Schmerzen, deshalb weint das kleine Mädchen. Dann ist auch noch die Puppe entzweigegangen - seht ihr sie dort vorne auf dem Boden liegen? Jetzt hat das Carlachen so viel Not und darum muss sie immer wieder von neuem weinen. Der große Hund denkt: Warum weint denn Carla so sehr? Gestern hat doch der liebe Herr Jesus allen geholfen. Die Kinder hat er aus dem Wald herausgeführt und ihre Eltern haben sich so gefreut, als die verlorengegangenen Kinder - der Jochen, der Dieter und die Carla - wieder glücklich zu Hause waren. Aber daran denkt das kleine Mädchen gar nicht mehr. Jetzt leidet es an Ohrenschmerzen und die Puppe ist auch kaputtgegangen. Das ist alles so sehr traurig. Als ich ein kleiner Junge war, da taten mir auch oft die Ohren weh und dann habe ich sehr, sehr geweint. Aber die Mutti kam und sie hat mit mir gebetet und gesagt: „Der liebe Heiland ist der beste Arzt. Er kann dich schnell wieder gesundmachen. Er hat alle kranken Menschen geheilt, die Blinden, die Lahmen und alle anderen. Das war in der Zeit, als er vor vielen hundert Jahren noch auf der Erde lebte. Da hat er auch gesagt: ,Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.‘“

Wie können wir denn zu dem Herrn Jesus kommen, wenn er doch im Himmel bei seinem Vater ist? - Nun, wenn wir beten, dann hört der Herr Jesus uns und dann weiß er auch, was uns fehlt. Wenn wir mal traurig sind und einen Kummer haben, dann will uns Jesus helfen. Warum spielt denn die kleine Carla nicht mit der Kasperpuppe, die neben ihr liegt, oder mit der kleinen Ziege oder mit dem Milchtopf oder dem Haus? denkt der Hund.

Ja, wenn man immer nur an das Traurige denkt, dann sieht man gar nicht mehr das Schöne. Darum wollen wir Gott danken für all das Schöne, das wir haben. Wofür können wir heute danken?

„Dankt dem Herrn mit frohem Mut, er ist freundlich, er ist gut!

Seine Güt ermüdet nie, ewig, ewig währet sie!

Dankt dem Herrn, gebt ihm die Ehr, er ist aller Herren Herr!

Seine Güt ermüdet nie, ewig, ewig währet sie!

Der, sein Heil uns zu verleihn, große Wunder tat allein.

Seine Güt ermüdet nie, ewig, ewig währet sie!

Bringt dem Gott des Himmels Dank, schweige nie, mein Lobgesang.

Seine Güt ermüdet nie, ewig, ewig währet sie.“

Nun wollen wir beten: Gnädiger Gott, hab herzlichen Dank, dass wir genug zu essen haben und auch zu trinken, hab Dank, dass unser Zimmer schön warm ist und wir in der Nacht ein so schönes Bettchen hatten. Gib allen Kindern heute Trost, die unter Schmerzen leiden oder nichts zu essen haben. Amen.


11.
Januar

„Denn wer nur ein Hörer des Wortes ist, aber kein Täter, der gleicht einem Menschen, der sein leibliches Gesicht im Spiegel beschaut; denn nachdem er sich beschaut hat und weggegangen ist, vergisst er alsbald, wie er ausgesehen hat.“

Jakobus 1, 22.23; Menge

Die kleine Carla will gar nicht mehr aufhören zu weinen. Da hat sie die Mama einfach auf den Arm genommen und ist mit ihr zu einem Spiegel gegangen. Hui - wie traurig sieht ihr Gesicht da aus. Jetzt will Carla am liebsten ihre kleinen Händchen vor das Gesicht halten. Warum weint sie denn bloß immer noch? Vielleicht hat das kleine Mädchen noch Ohrenschmerzen. Nun, wir haben ja gestern gebetet, dass die Schmerzen verschwinden mögen. Ja, das ist so, manchmal müssen wir noch etwas warten, bis der Heiland alles wieder gutmacht. Wenn wir in den Spiegel blicken, dann sehen wir, ob wir ein freudiges oder ein trauriges Gesicht haben, ob wir gesund oder ob wir krank aussehen, ob wir ganz liebe Augen haben oder ob wir böse Augen machen.

Da möchte ich euch eine interessante Geschichte von meinem Bruder erzählen: Er hat nämlich beobachtet, wie sich unsere Mutti immer mit guter Gesichtscreme das Gesicht gecremt hat und deshalb immer sehr schön aussah. Nun wollte mein Brüderchen natürlich auch schön aussehen wie die Mutti. Als sie einmal fortging, nahm er eine Büchse und rieb sich die Creme ins Gesicht, aber nicht nur so wenig, wie die Mutti es immer tat, sondern er nahm recht viel, um besonders schön auszusehen. Leider schaute er nicht in den Spiegel und merkte gar nicht, was er da machte. Als die Mutti nun wieder nach Hause kam und die Tür öffnete, bekam sie einen großen Schreck. Da sah sie die Bescherung - das Brüderchen hatte sich fast die ganze Creme aus der Dose ins Gesicht geschmiert.

„Aber Junge, wie siehst du denn bloß aus, das ist ja schrecklich!“

„Nein, nicht schrecklich“, sagte der kleine Mann, „jetzt sehe ich genauso schön aus wie du.“ Die Mutti nahm meinen kleinen Bruder an die Hand und ging mit ihm einfach zum Spiegel und zeigte ihm dort, wie er aussah. Ach, was meint ihr wohl, was der kleine Junge jetzt tat? Der fing ganz schrecklich an zu schreien, denn er hatte nicht die Gesichtscreme genommen, sondern schwarze Schuhcreme, ganz, ganz schwarze Schuhcreme. Denkt euch nur, wie der aussah, man hätte meinen können, er wäre ein Afrikanerkind. Ganz rabenschwarz sah er aus, nur die Augen waren noch weiß. Er brüllte wie am Spieß, er hatte dabei einen solchen Schreck bekommen, dass er später nie wieder eine Dose mit Creme nahm.

Ja, wenn wir in einen Spiegel schauen, dann können wir manchmal große Überraschungen erleben. Das Wort Gottes ist auch wie ein Spiegel, es ist ein ganz besonderer Spiegel. In diesem Spiegel können wir nämlich sehen, ob unser Herz schneeweiß ist oder ganz schwarz. Wenn unser Herz etwas schmutzig geworden ist, dann will es der Herr Jesus wieder ganz reinwaschen.

Deshalb wollen wir beten: Herr Jesus, wir danken dir für dein heiliges Wort, weil wir dadurch wissen, ob unser Herz rein ist oder ob du es wieder reinigen musst. Darum lesen wir fleißig in diesem Wort und wollen es nicht vergessen. Amen.


12.
Januar

Bittet, so wird euch gegeben.“

Matthäus 7,7

„Hunger haben wir, großen, großen Hunger!“ schreien die Kinder durcheinander, „wir wollen auch einen Apfel haben!“ rufen sie ganz laut.

„Wer am lautesten schreien kann, der bekommt den Apfel“, habe ich einmal gesagt und alle schrien aus Leibeskräften. „Ihr seid wohl nicht ganz normal“, entgegnete die Mutti, „solch einen Lärm zu machen. Wie sagt man denn, wenn man etwas bekommen will - na?“

Wisst ihr es, liebe Kinder? - Natürlich, man sagt: „Bitte, Mutti, wir möchten einen Apfel haben!“ Wenn wir etwas haben wollen, sollen wir immer „bitte“ sagen. Auch der Herr Jesus hat gesagt: „Bittet, so wird euch gegeben.“ Die Mutti freut sich, wenn sie ihren Kindern etwas zu essen geben kann, aber sie freut sich noch mehr, wenn die Kinder zuerst „bitte“ sagen. Nun, wenn sich die Mutti schon so sehr darüber freut, wie viel mehr unser Vater in dem Himmel. Früher sagten die Menschen, wenn sie am Mittagstisch saßen: „Gott segne dir die Mahlzeit.“ Das war ein frommer Wunsch. Aber bald hatten die Menschen ausreichend zu essen und sagten nur noch:

„Gesegnete Mahlzeit.“ Sie ließen den Namen Gottes einfach weg. Als die Menschen dann im Überfluss zu essen und zu trinken hatten, sagten sie nur noch: „Mahlzeit“. Das ging eine Zeitlang gut, aber dann kam ein fürchterlicher Krieg und danach bekamen die Menschen ganz wenig zu essen. Da tat ihnen oft der Bauch vor Hunger weh. - Ja, und dann fingen viele wieder an zu beten. Auf unserem Bild nebenan steht geschrieben: „Trink und iss - Gott nicht vergiss.“

Zu einem Bauern kam einmal ein ganz vornehmer Mann. Der hatte einen sehr schönen Anzug an und war sehr stolz darauf. Der Bauer, seine Frau und seine Kinder trugen nicht solche vornehmen Kleider, aber sie waren gutherzig und baten den reichen Mann, doch zum Mittagessen zu bleiben. Als sich alle an den Tisch gesetzt hatten, faltete der Bauer seine Hände und betete: „Du treuer Gott, wir danken dir von ganzem Herzen für das gute Essen und bitten dich, segne uns diese Speisen jetzt.“

Die ganze Familie sagte laut: „Amen“.

Der vornehme Mann rümpfte seine Nase und meinte ganz hochmütig: „Na sowas, das scheint mir aber sehr altmodisch, wenn man heute noch betet. Wer macht das schon?“

Der Bauer antwortete bescheiden: „Gnädiger Herr, die Schweine und die Kühe und alle anderen Tiere im Stall beten bei uns nicht. Ansonsten betet jeder, der sich bei uns an den Mittagstisch setzt.“

Da hat sich der feine Mann aber geschämt.

Ihr betet doch auch, wenn ihr am Tisch sitzt und die köstlichen Speisen vor euch stehen? Wenn das nicht der Fall ist, dann habt einfach den Mut zu sagen: „Darf ich heute einmal beten?“

Nun wollen wir beten: Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. Amen.


13.
Januar

„Der Herr wird ihn bewahren und beim Leben lassen … du hilfst ihm von aller Krankheit.“

Psalm 41,3.4

Mein kleiner Bruder, der Peter, war sehr krank, er hatte Scharlach und dazu noch eine gefährliche Herzschwäche bekommen. Deshalb musste er ins Krankenhaus gebracht werden. Die Krankheit wurde immer schlimmer, aber die Mutti betete zu Gott, dem himmlischen Helfer und Arzt. Täglich fuhr sie ins Krankenhaus, um mein Brüderchen zu besuchen. Sein Zustand verschlechterte sich zusehends. Als die Mutti wieder einmal ins Krankenhaus kam, lag der Peter schon wie auf einem Sterbelager. Seine Haut war ganz welk, er hatte hohes Fieber, er schrie laut im Fiebertraum. Die Mutti fragte den Arzt, wie es denn mit dem Peter nun weitergehen würde. „Ja“, sagte der Arzt, „wenn Gott nicht hilft, dann muss er sterben. Er ist bereits so schwach, dass er kaum noch die Medizin zu sich nimmt.“ Da weinte die Mutti sehr und war Tag und Nacht ganz traurig. Täglich ging sie ins Krankenhaus, aber es wurde nicht besser mit Peter. Wieder las sie in ihrer Bibel: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.“

„Lieber Gott, was dort in der Bibel steht, ist dein Versprechen, und was du versprochen hast, das willst du auch halten. Darum will ich dich ganz innig bitten, mache doch meinen kleinen Peter wieder gesund, und dann will ich auch mein Versprechen halten und dich mein Leben lang preisen“, so betete die Mutti und weinte dabei ganz bitterlich. Als sie nun am anderen Tag ins Krankenhaus kam, sagte die Krankenschwester zu ihr: „Gestern dachten wir schon, er würde sterben, aber plötzlich wurde es etwas besser mit ihm.“

Da fragte die Mutti: „Um welche Uhrzeit war denn das?“ Die Schwester dachte etwas nach und dann sagte sie die Uhrzeit. Nun merkte die Mutti, es war die Zeit, als sie zu Gott gerufen hatte. Gott hatte ihr Gebet erhört. Am anderen Tag fragte die Mutti wieder: „Wie geht es denn dem Peter? - „Ja“, sagte die Krankenschwester, „er ist noch furchtbar schwach, aber wenn man sich über sein Bettchen beugt, dann lacht der kleine Kerl immer.“ Die Mutti lächelte: „Wissen Sie, das kommt daher, weil mein ältester Sohn Kinder sehr lieb hat und er mit ihm immer viel gelacht hat. Deshalb fängt er immer an zu lachen, wenn sich jemand über sein Bettchen beugt.“

Wisst ihr, liebe Kinder, wer der große Bruder war? Ja, das war ich selber. Man sagt: Was ich nicht habe, das kann ich auch nicht geben. Wenn ich in meinem Herzen keine Freude habe, kann ich auch keine Freude weiterverbreiten.

Wenn wir zu anderen Menschen freundlich sind, dann können die Leute auch zu uns freundlich sein. Schaut einmal auf unser Bild. Nun ist der Peter schon aus dem Krankenhaus gekommen und die Mutti liegt ganz erschöpft da, weil sie wochenlang kaum geschlafen hat. Abends hatte sie noch in der Bibel gelesen: „… so sollst du mich preisen.“ Das hat sie auch getan und ist dabei mit gefalteten Händen eingeschlafen. Aber Peter wurde schon, bevor es hell wurde, wach.

„Mutti, Mutti!“ ruft er, „warum schläfst du denn so lange? Ich bin schon wach und will dir erzählen, was ich geträumt habe!“

Habt ihr heute Nacht auch etwas geträumt? Erzählt es mal der Mutti, aber weckt die Mutti nicht auf, wenn sie noch so erschöpft ist und schläft.

Wir wollen jetzt beten: Lieber Vater im Himmel, wir danken dir für unsere liebe Mutti, die immer für uns betet und sorgt. Gib ihr heute wieder neue Freude und Kraft. Amen.


14.
Januar

„Simson aber sprach zu ihnen: Ich will euch ein Rätsel aufgeben. Wenn ihr mir das erratet und trefft in diesen sieben Tagen der Hochzeit, so will ich euch dreißig Hemden geben und dreißig Feierkleider.“

Richter 14,12

Die Mutter liest den Kindern aus der Bibel etwas vor. Wie gesund sie wieder ist. Die Geschichte handelt von Simson, der solche Kraft hatte, dass er mit der Hand einen Löwen fangen konnte und ihn zerriss wie ein kleines Ziegenböcklein. Dann ließ er den toten Löwen einfach liegen. Als er ein paar Tage später wieder zu dem Löwen kam, da war ein Schwarm Bienen in dem Leib des Löwen, die darin ihren Honig herstellten. Er nahm von dem Honig und brachte ihn zu dem Vater und der Mutter. Da aßen sie von dem süßen Honig. Er sagte ihnen aber nicht, dass der Honig aus dem Bauch des Löwen kam.

Nun stellte er seinen Freunden ein Rätsel. „Was ist das?“ fragte er sie, „Speise ging aus vom Fresser und Süßigkeit vom Starken.“ In sieben Tagen sollten die Freunde das Rätsel geraten haben. Aber sie wussten keine Antwort darauf. Da überredeten die Männer Simsons Frau, sie sollte ihn ausfragen, was das für ein Rätsel sei. Sie fragte nun ihren Mann und weinte sieben Tage lang, bis er ihr das Rätsel verraten hatte. Nun hatten seine Feinde des Rätsels Lösung und er musste ihnen die dreißig Hemden und dreißig Feierkleider geben. So geht es einem, der nicht schweigen kann und alles ausplaudert. Wenn uns jemand etwas anvertraut, sollen wir auch schweigen, aber von der Liebe Gottes dürfen wir zu allen Menschen reden.

Jetzt sollt ihr auch ein Rätsel lösen: „Wer hat die schönsten Herden?“ - Nun ratet einmal, ihr lieben Kinder, wer hat denn die schönsten Herden? Wisst ihr es? Nein? - Dann wollen wir ein Liedchen lernen.

Wer hat die schönsten Herden? Die hat Herr Jesus Christ;

vieltausend hier auf Erden, vieltausend wo er ist.

O du freundlicher Hirt! O du freundlicher Hirt,

sei mir gnädig, sei mir gnädig, o du freundlicher Hirt!

Willst du die Herden sehen, die Lämmer zart und fromm?

Lass Welt und Sorgen stehen, zur Sonntagsschule komm!

Auf Gottes Aue weiden die Kleinen hier mit Lust;

der Hirte trägt mit Freuden das Schwache an der Brust.

Die Kinder singen, spielen, der Hirt ist ihre Freud;

und manches Herz muss fühlen: der Tag des Herrn ist heut.

O singt: Die schönsten Herden, die hat Herr Jesus Christ;

vieltausend hier auf Erden, vieltausend wo er ist.

Dieses Lied war eben ein Rätsel. Aber es wurde auch gleich die Auflösung gegeben. Wenn ihr auch ein Rätsel kennt, dann fragt doch die Mutti, ob sie es raten kann. Das macht viel Spaß, wenn es die anderen nicht gleich raten können. Au ja!

Nun wollen wir beten: Lieber Heiland, wir danken dir, dass wir so fröhlich singen und auch so lustig raten können. Wir wollen dir danken für deine Gnade jeden Tag. Amen.


15.
Januar

„Gott tut große Dinge, die wir nicht begreifen. Er spricht zum Schnee: ,Falle zur Erde!‘, so ist der da.“

Hiob 37,5.6

Das ist aber ein schönes Winterbild, da können wir sehr viel sehen. Im Hauseingang steht eine alte Frau, die ordentlich friert. Die Krähen picken auf der Erde die letzten Brotkrümel auf. Vorne ziehen die Kinder einen Schlitten und der Hund bellt laut. „Ich will auch mitfahren“, meint er. An der Hauswand steht ein Schneemann, die Kinder haben Schneebälle gemacht und werfen sie gegen den eisigen Mann. Obwohl er einen großen Besen hat, kann er sich gar nicht wehren, er ist ganz steif gefroren.

Ja, Gott hat auch den Schnee gemacht, deshalb rufen die Kinder:

„Ei, du liebe, liebe Zeit, ei, wie hat‘s geschneit!

Rings herum, wie ich mich dreh; nichts als Schnee und lauter Schnee.

Wald und Wiesen, Hof und Hecken, alles steckt in weißen Decken!

Und im Garten jeder Baum, jedes Bäumchen voller Flaum!

Auf dem Sims, dem Blumenbrett liegt er wie ein Federbett!

Auf den Dächern um und um, nichts als Baumwoll‘ ringsherum!

Und der Schlot vom Nachbarhaus, wie possierlich sieht er aus:

Hat ein weißes Müllerkäppchen, hat ein weißes Bäckerjäckchen!

Meint man nicht, wenn er so raucht, dass er jetzt sein Pfeifliein schmaucht?

Und im Hof der Pumpenstock hat gar einen Zottelrock

und die pudrige Perücke und den Haarzopf im Genicke

und die ellenlange Nase geht schier vor bis an die Straße!

Und gar draußen vor dem Haus! War nur erst die Schule aus!

Aber dann, wenn‘s noch so stürmt, wird ein Schneemann aufgetürmt.

Dick und rund und rund und dick, steht er da im Augenblick.

Auf dem Kopf als Hut ,nen Tiegel und im Arm den langen Prügel

und die Füße tief im Schnee: Und wir rings herum, juchhe!

Ei, ihr lieben, lieben Leut‘! Was ist heut das eine Freud!“ (F. Güll)

Die Kinder freuen sich im Winter. Die älteren Leute sagen oft „Das ist ein schlechtes Wetter“, weil sie so frieren. Aber Gott im Himmel hat alles richtig gemacht - auch den Winter.

„Sing Gottes Lob im Winter auch, er ist so treu und gut;

er nimmt vor Frost und Sturmeshauch die Saat in seine Hut.

Er deckt sie mit dem Schnee so dicht, so weich und sicher zu;

sie merkt den harten Winter nicht und schläft in stiller Ruh!

Singt Gottes Lob zur Winterzeit, er ist so treu und gut;

er schenkt dem Sperling warmes Kleid und warmes, rasches Blut.


Er zeiget ihm sein Futter an, ein Körnlein hie und da

und führt ihn, da er‘s finden kann, auf Wegen fern und nah.

O, lobet Gott den Winter lang, er ist so treu und gut

und führt auch euer Füße Gang und gibt euch frohen Mut.

Und schenkt euch gute Gaben viel für euren Leib und Geist,

schenkt Kraft zum Fleiß und Lust zum Spiel und Glauben allermeist.“

Wir wollen beten: Wir danken dir, großer Gott, auch für den Winter und für deine Hilfe bei allen Menschen und Tieren. Gib uns bitte Gelegenheit, dass wir darauf achten, dass keiner hungert und friert. Amen.

16.
Januar

„Übe dich selbst aber in der Gottesfurcht.“

1. Timotheus 4,7

Alle kleinen Kinder malen sehr, sehr gern. Manchmal malen sie aber auch an die Wände, auf das Tischtuch oder an die Tür. Dann sagen die älteren Menschen: „Narrenhände beschmieren Tisch und Wände.“ Aber es sind ja gar keine Narrenhände, die Kinder wissen bloß noch nicht, wie teuer eine Tapete oder ein Tischtuch ist, wenn man alles neu kaufen muss. Deshalb müssen die Eltern es ihnen erklären und den Kindern dann ein schönes Blatt Papier zum Zeichnen geben.

Malst du auch so gern? - Was malst du denn am liebsten? - Zähl einmal alles auf! Ja, die kleinen Kinder zeichnen oft so gern. Wenn sie aber dann größer werden, wollen sie es nicht mehr tun oder sie denken, sie könnten gar nicht richtig malen. So habe ich auch gedacht, deshalb malte ich in der Schule zuerst nicht so gern. Ich dachte immer, das sieht alles so schlecht und schief aus. Ich schämte mich zu malen. Einmal hatten wir eine Hausaufgabe auf, wir sollten ein Bild zeichnen. Da ich meinte, ich könnte nicht zeichnen, habe ich es erst gar nicht getan. Ich dachte, vielleicht fragt der Lehrer nicht danach. Aber gerade, wenn man so denkt, wird man doch gefragt. „Wo hast du deine Zeichnung, Jost?“, wollte der Lehrer wissen, „hast du überhaupt gezeichnet?“ „Ja“, sagte ich, „die Zeichnung liegt zu Hause auf dem Küchentisch!“ Das war natürlich eine Lüge und ich bekam einen richtigen Herzstich. „Auf dem Küchentisch?“ lachte der Lehrer, „na da liegt sie ja gut. Also, dann lauf schnell nach Hause und hole sofort die Zeichnung.“ O Schreck, jetzt bekam ich große Angst. Was sollte ich tun? Wenn ich nach Hause laufen würde, dann hätte ich keine Zeit mehr, noch schnell etwas zu zeichnen. Also ging ich auf den Schulhof und nahm mir das Fahrrad eines Schulkameraden. Das war auch nicht richtig. Dann fuhr ich ganz schnell nach Hause. „Mutti, Mutti!“ schrie ich erregt, „komm schnell und male mir ein Bild! Einen Bahnhof, eine Eisenbahn und Menschen sollen darauf sein.“ „Aber Junge“, sagte die Mutti, „ich kann doch gar nicht zeichnen.“ „Du musst, du musst!“ rief ich, „sonst bekomme ich Schläge in der Schule. Ich habe gesagt, dass die Zeichnung zu Hause auf dem Küchentisch liegt.“ Da weinte die Mutti, denn sie wusste, dass Gott gesagt hatte: „Du sollst nicht lügen.“ Die Lügen sind die schlimmsten Sünden, dadurch entfernen wir uns immer weiter von unserem Schöpfer. Später, als ich größer war, wurde ich der beste Zeichner in der Klasse und dann ging ich sogar in eine große Zeichenschule und übte immer fleißig. Ludwig Richter, der Maler, der all diese schönen Bilder gezeichnet hat, schaute als Kind zu, wie sein Vater auch so schöne Bilder malte. Dann fing er später an, fleißig zu üben und immer wieder zu üben.

„Übung macht den Meister!“ Deshalb konnte er auch solche schönen Bilder für uns zeichnen. Wir sollen uns üben in der Gottesfurcht, das heißt, in allem, was Gott erfreut, sollen wir uns fleißig üben: im Beten und Arbeiten, im Singen und Lesen und auch im Zeichnen.

Wir wollen nun beten: Lieber Gott, wir wollen immer das Gute zu tun üben, so wie es dein Sohn Jesus Christus getan hat. Darum haben ihn ja auch alle Menschen „guter Meister“ genannt. Amen.


17.
Januar

„Ich habe euch immer gezeigt, dass man arbeiten muss, um den Armen helfen zu können. Denkt an die Worte des Herrn Jesus. Er hat selbst gesagt: ,Geben macht mehr Freude als nehmen.‘“

Apostelgeschichte 20,35; GN

Wenn wir etwas geschenkt bekommen, dann freuen wir uns sehr. Je mehr sie bekommen, desto mehr freuen sich die Kinder und auch die Erwachsenen. Aber der Herr Jesus hat nun zu den Menschen gesagt: „Geben ist freudevoller als nehmen.“ Was meint ihr denn nun? - Wenn ich meine liebe Puppe oder mein schönes Auto einem anderen Kind schenken soll, dann habe ich mehr Freude daran, sagt der Herr Jesus. Stimmt das? Ich hatte einen guten Freund, der freute sich immer. Sein Gesicht war ganz fröhlich: „Ach, ich freue mich immer, wenn ich dir etwas schenken kann“, sagte er überglücklich. Mal schenkte er mir ein Buch oder eine Tafel Schokolade oder eine Blume. Immer hatte er etwas bei sich, um es weiter zu verschenken. Deshalb bekam er auch so ein freudiges Gesicht und er lachte sehr oft. Wer nur immer etwas haben will, der wird bald sehr undankbar. Er wird immer gieriger und kann sich gar nicht mehr freuen. Als kleiner Junge habe ich gelernt: „Je mehr er hat, je mehr er will, nie schweigen seine Klagen still.“ - So ist das auch.

Es wurde schon dunkel, der Mond leuchtete am Himmel und die Großmutter konnte nicht mehr mit der Spindel arbeiten. Wisst ihr, was man früher mit der Spindel machte? Ja, die Frauen stellten Wolle her und später den Stoff, um Kleider zu nähen. „Großmutter, erzähl uns doch bitte eine Geschichte!“ sagte der Kleine. Er hörte so gern zu, wenn die Großmutter erzählte. „Dann will ich euch die Geschichte von dem Dichter Johann Peter Hebel erzählen:

„Ein Fürst traf auf einem Spazierritt einen fleißigen und frohen Landmann, der fröhliche Lieder beim Pflügen sang. Der Fürst fragte ihn, ob er so fröhlich sei, weil er ein so gutes Ackerland habe. „Nein“, sagte der Landwirt, „ich bin ein Arbeiter und bekomme täglich 15 Kreuzer Lohn.“ (1 Kreuzer = 4 Pfennige)

„Das ist nicht viel, Landmann“, sagte der Fürst, „damit kann man doch nicht auskommen.“

„Ach, Herr“, sagte der einfache Arbeiter, „wenn ich alles für mich brauchen würde, wäre ich meines Lebens nicht froh. Fünf Kreuzer genügen mir, mit fünf Kreuzern zahle ich meine Schulden ab und fünf Kreuzer spare ich noch.“

Da staunte der Fürst: „Und dabei singst du auch noch: Lass die Herzen immer fröhlich und mit Dank erfüllet sein, denn der Vater in dem Himmel nennt uns seine Kinderlein?“

„Ja, Herr, meine fünf Kreuzer teile ich noch mit meinen Eltern, die nicht mehr arbeiten können, und für die Kinder, die noch in der Schule etwas lernen müssen, sorge ich auch davon. Die Eltern haben alles mit mir geteilt und ich glaube, meine Kinder werden später auch ihren Verdienst mit mir teilen. So haben wir immer etwas, um Gott zu danken und den anderen Menschen zu geben.“ Als der Fürst das hörte, schenkte er dem Landmann noch eine stattliche Summe Geld. Er lernte jetzt das Wort Jesu verstehen: Geben ist seliger als nehmen.“

Ob wir das auch einmal ausprobieren? Was willst du denn heute dem Vati, der Mutti, den Geschwistern oder Freunden schenken? Na, überleg mal.

Wir wollen beten: Herr Jesus, du hast den Menschen immer etwas gegeben und warst immer fröhlich. Du hattest keine Wohnung, kein Bett und kein Geld. Lass uns auch so fröhlich sein wie du es warst. Amen.


18.
Januar

„Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der Herr.“

3. Mose 19,32

Wenn man früher in der Straßenbahn war und ein älterer Mensch kam in das Abteil, dann standen die Kinder auf, damit die älteren Leute sitzen konnten. Das freut die alten Menschen und sie freuen sich auch, wenn ihre Kinder oder Enkelkinder fröhlich zu ihnen kommen.

Der Großvater hat heute Geburtstag und die drei Enkelkinder sind zu Besuch gekommen. Sie tragen alle einen kleinen Blumenstrauß in der Hand. Die Großmutter ist aufgestanden und freut sich: „Das ist aber schön, dass ihr dem Großvater gratulieren wollt.“ Der Jochen sagt dann: „Lieber Großvater, ich gratuliere dir… dich… zu deinem Geburtstag.“ Vor Schreck wusste er nicht: heißt es nun dir oder dich. Wisst ihr es, liebe Kinder? Dann singen sie alle ein schönes Lied. Was für ein Lied singen sie wohl? Sie singen ein Danklied für Gott, denn Gott hat ja den Opa behütet und gesund erhalten. Wollt ihr mitsingen? „Danket dem Herrn! Wir danken dem Herrn; denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich, sie währet ewiglich.“

Dann singt der Jochen ganz allein: „Lobet den Herren! Ja, lobe den Herrn auch meine Seele; vergiss es nie, was er dir Gut‘s getan, was er dir Gut‘s getan.“

Jetzt beugt sich die Großmutter über den Tisch und sagt: „Na, meine kleine Carla, du kannst doch auch so schön singen, deine große Schwester hilft dir dabei. Da freut sich der Opa sehr, du hast ihn doch auch ganz lieb, nun guck ihn auch einmal richtig an!“ Dann singen die beiden Mädchen: „Groß ist der Herr! Ja, groß ist der Herr; sein Nam‘ ist heilig und alle Welt ist seiner Ehre voll, ist seiner Ehre voll.“

„Fein, das war sehr schön“, sagt der Opa und steht langsam mit seinem Krückstock auf. Dann hebt er seine Hände und segnet die Kinder: „Herr, unser Vater im Himmel, segne diese Kinder und lass sie allezeit in deiner Obhut sein. Behüte sie durch deine heiligen Engelscharen, wie du mich auch behütet hast in den vergangenen achtzig Jahren.“ Wie alt ist der Opa? - Achtzig Jahre!

Dann erzählte die Großmutter noch eine Geschichte:

„Es war einmal ein steinalter Mann, dem waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub und die Knie zitterten ihm. Wenn er bei Tisch saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er oft Suppe auf das Tischtuch und manchmal fiel ihm auch wieder etwas aus dem Mund. Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor, deswegen musste sich der alte Großvater eines Tages hinter den Ofen in die Ecke setzen und sie gaben ihm sein Essen in ein altes Schüsselchen. Da sah er betrübt nach dem Tisch und seine Augen wurden ihm nass. Einmal konnten seine zittrigen Hände das Schüsselchen nicht festhalten; es fiel zur Erde und zerbrach. Die junge Frau schimpfte, er aber sagte nichts und seufzte nur. Da kauften sie ihm ein hölzernes Schüsselchen für ein paar Heller, daraus musste er nun essen. Als die Eltern wieder einmal am Tisch saßen, trug der Enkel von vier Jahren einen Holzklotz vorbei. „Was machst du da?“ fragt der Vater. „Ich mache einen Holztrog“, antwortete das Kind, „daraus sollen Vati und Mutti essen, wenn ich groß bin.“ Da sahen sich die Eltern eine Weile an, fingen endlich an zu weinen, holten sofort den alten Großvater wieder an den Tisch und ließen ihn von nun an immer mitessen, sagten auch nichts, wenn er ein wenig verschüttete.“


Jetzt wollen wir beten: Großer Gott, wir wollen uns freuen, wenn wir noch einen so lieben Opa haben und wir wollen ihn recht lieb haben und daran denken, dass wir ja auch einmal alt werden können. Segne die Großeltern! Amen.

19.
Januar

„Gastfrei zu sein, vergesset nicht; denn dadurch haben etliche ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“

Hebräer 13,2

„Ein froher Gast ist niemand zur Last“, sagen die Leute. Leider nehmen die meisten Menschen keine Gäste mehr auf. Sie schicken die Freunde in ein Hotel oder in ein Gasthaus. Hört nun die Geschichte von dem „Fremden Kind“. „In einem Häuschen am Eingang des Waldes lebte ein armer Tagelöhner, der sich mit Holzhauen mühsam sein Brot verdiente. Er hatte eine Frau und zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen. Die waren gehorsam und lieb zu den Eltern und halfen ihnen fleißig bei der Arbeit. Als die guten Leute nun eines Winterabends, da es draußen schneite und wehte, zusammensaßen und ein Stücklein Brot verzehrten, dafür Gott von ganzem Herzen dankten und der Vater noch aus den biblischen Geschichten vorlas, da pochte es leise ans Fenster und ein feines Stimmchen rief draußen: „O, lasst mich in eurer Haus. Ich bin ein armes Kind und habe nichts zu essen und kein Obdach und meine, vor Hunger und Frost umzukommen. O, lasst mich ein!“ Da sprangen die Kinder vom Tisch auf, öffneten die Tür und sagten: „Komm herein, armes Kind! Wir haben selber nicht viel, aber immer noch mehr als du und was wir haben, das wollen wir mit dir teilen. „ Das fremde Kind trat ein und wärmte sich die erstarrten Glieder am Ofen und die Kinder gaben ihm zu essen, was sie hatten, und sagten: „Du wirst müde sein. Komm, leg dich in unser Bettchen! Wir können auf der Bank schlafen.“ Da sagte das fremde Kind: „Dank es euch mein Vater im Himmel!“

Sie führten den kleinen Gast in ihr Kämmerlein, legten ihn zu Bett, deckten ihn zu und dachten: O, wie gut haben wir es doch! Wir haben unsere warme Stube und unser Bettchen, das arme Kindchen aber gar nichts als den Himmel zum Dach und die Erde zum Lager. Als die Eltern nun zur Ruhe gingen, legten sich die Kinder auf die Bank beim Ofen und sagten zueinander: „Das fremde Kind wird sich freuen, dass es warm liegt. Gute Nacht.“ Die guten Kinder schliefen glücklich bis zur Morgendämmerung. Da erwachte die kleine Marie und weckte leise ihren Bruder, indem sie sprach: „Valentin, wach auf, wach auf! Höre doch die schöne Musik!“ Da rieb sich Valentin die Augen und lauschte. Es war ein wunderbares Klingen und Singen, das sich vor dem Haus vernehmen ließ, und wie mit Harfen begleitet, hallte es: „Wir grüßen dich mit Harfenschlag, o heilges Kind und Lobgesang. Du liegst in Ruh in dunkler Nacht; wir halten treu bei dir die Wacht. Wer dich aufnimmt, wird hoch entzückt; o, Heil dem Haus, das du beglückt!“ Das hörten die Kinder und es befiel sie eine freudige Angst; sie traten ans Fenster, um zu schauen, was draußen geschah. Im Osten sahen sie das Morgenrot glühen und vor dem Haus viele Engel stehen, die goldene Harfen in den Händen hatten und mit silbernen Kleidern angetan waren.“

Liebe Kinder, das ist zwar nur eine Geschichte, aber wir wollen immer daran denken, dass wir Menschen gerne beherbergen; denn der Segen Gottes ruht auf allen Menschen, die anderen helfen und sie in ihr Haus aufnehmen.

Jetzt wollen wir beten: Lieber Heiland, du hast viele tausend Engel auf diese Erde gesandt, damit sie uns immer begleiten und führen. „Komm, Herr Jesus, sei du unser Gast.“ Amen.


20.
Januar

„Du hast die Durstigen nicht getränkt mit Wasser und hast dem Hungrigen dein Brot versagt.“

Hiob 22,7

Hunger tut weh, sehr weh! Als ich ein kleiner Junge war, las die Mutti mir etwas aus einem Buch vor. Dieses Buch hieß: „Peter geht auf Hamsterfahrt.“ „Was ist denn eine Hamsterfahrt?“ fragte ich. „Ja“, sagte die Mutti, „Hamsterfahrten gab es nach dem ersten großen Weltkrieg. Die Menschen in der Stadt hatten nichts zu essen, darum fuhren sie in die Dörfer zu den Bauern und tauschten allerlei Sachen gegen Lebensmittel ein. Die Menschen hatten wohl Geld, konnten sich aber dafür in den Geschäften nichts kaufen.“

Könnt ihr das verstehen? - Nein? Ich habe es auch nicht verstanden, darum fragte ich: „Warum konnten die Menschen nichts kaufen? Wir bekommen doch alles für unser Geld.“ „Es gibt Zeiten“, antwortete die Mutter, „da haben die Geschäfte nichts zu verkaufen da. Wenn man dann nicht vor Hunger sterben will, muss man Hamstern fahren, das heißt betteln gehen, von Tür zu Tür und die Bauern fragen: „Haben Sie vielleicht etwas Brot, Fleisch, Käse oder Kartoffeln?“ „Das verstehe ich nicht“, habe ich gesagt. Meine Mutter erwiderte: „Als ich so klein war wie du jetzt, habe ich es auch nicht begreifen können, was Hunger leiden heißt. Erst als ich es dann nach dem Krieg selbst miterlebte, begriff ich es. Hoffentlich lernst du es nie kennen.“ Dann kam ein zweiter, großer Weltkrieg und danach gab es noch weniger zu essen. Die Menschen haben Kartoffelschalen gekocht und gegessen. Sie waren froh, irgendetwas zu bekommen, um ihren Magen zu füllen. So bin ich dann auch im strengen Winter, als es sehr, sehr kalt war, mit der Eisenbahn weit fort gefahren, um bei den Bauern Kartoffeln oder Korn zu erbetteln. Einmal wankte ich durch den scharfen Ostwind in ein Bauerngehöft. Der große Kettenhund bellte ganz grässlich und ich hatte große Angst, aber der Hunger war stärker. Zitternd kam ich in den Hausflur. Als ich endlich in die Küche hineingelassen wurde, war mir schon ganz schwindlig vor Hunger. Der Bauer kam und brachte den Hund mit. Der legte sich unter den Tisch. Jetzt holte der Bauer ein großes, frisches Brot, hm…, wie das duftete. Das Wasser lief mir im Mund zusammen. Dann schnitt der Bauer eine Scheibe Brot ab und bestrich sie mit Schmalz. Ich freute mich schon, endlich, endlich etwas zu essen zu bekommen. Dann schnitt der Bauer das Brot in kleine Stücke. Ich dachte: „Das braucht er doch gar nicht zu tun, ich habe ja noch gute Zähne, um zu kauen.“ Und dann passierte etwas Furchtbares. Der Bauer nahm das Brot und warf ein Brotstückchen nach dem anderen zu dem Hund hinunter unter den Tisch und sagte ganz höhnisch zu mir: „Komisch, der Hund frisst kein trockenes Brot, nur wenn Schmalz darauf gestrichen ist.“ Ich fing beinahe an zu weinen, denn der Bauer gab mir nicht ein Stückchen Brot, er schmiss alles dem Hund zu. „Ach“, dachte ich, „könntest du doch nur ein Hund sein und unter dem Tisch liegen und das schöne, schöne Brot essen.“ Ja, so kann es gehen. Gott wird diesen Bauer einst im Himmel fragen: „Warum hast du dem Jungen, der solch einen mächtigen Hunger hatte, nicht ein Stückchen Brot gegeben, du hartherziger Mann?“ Hoffentlich hat der Bauer noch über seine Sünde Buße getan und Vergebung bekommen.

Nun wollen wir beten: Lieber Gott, wir wollen durch deine Gnade ein barmherziges Herz haben und allen Menschen, die irgendwo Hunger haben, etwas zu essen geben. Hilf du uns dabei. Amen.


21.
Januar

„Und er kehrte zurück zu dem Mann Gottes mit allen seinen Leuten. Und als er hinkam, trat er vor ihn und sprach: Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen, außer in Israel.“

2. Könige 5,15

Die Oma mit der kleinen Brille hat ein großes Buch auf dem Schoß: die Bibel. Da liest sie die Geschichte von dem Feldhauptmann Naeman, wie er so krank war. Naeman war ein Ausländer, ein Syrer. Er hatte eine schwere Krankheit, nämlich Aussatz. Diese Krankheit war sehr ansteckend. Wenn er anderen Menschen nur die Hand gab, dann wurden sie auch sehr krank und mussten schließlich sterben. Deshalb durften die Aussätzigen nicht mehr in der Familie wohnen, sondern irgendwo in einer Höhle draußen vor der Stadt oder vor dem Dorf. Wenn jemand in ihre Nähe kam, schrien sie: „Aussätzig! Aussätzig!“

Vielleicht war der Aussatz bei Naeman zuerst an einer ganz, ganz kleinen Stelle auf der Brust zu sehen. Aber sie wurde immer größer und der Aussatz verbreitete sich schon auf dem Bauch, an den Beinen, auf der Schulter und an den Armen. Noch wurde der Aussatz von der Uniform verdeckt, und man konnte ihn nicht sehen. Naeman wusste aber, bald würde er auch im Gesicht und an den Händen sein und dann würden es alle Leute sehen. Deshalb ging der Feldhauptmann zu seinem König und sagte ihm alles. Er erzählte ihm auch von seiner Dienstmagd, die aus Israel war. Sie habe ihm verraten, dass in Israel Propheten seien, die zu Gott beten, und er würde jede Krankheit heilen. Da schickte der König von Syrien seinen Feldhauptmann Naeman zu dem König von Israel. Er gab ihm auch viele Geschenke mit. Stellt euch vor, zehn Zentner Silber, 6000 Goldgulden und zehn Feierkleider. Aber der König von Israel konnte dem Feldhauptmann nicht helfen. Nun, die Magd hatte ja auch gesagt, er soll zu den Propheten gehen. Da fuhr Naeman nach Samaria zu dem Propheten. Aber der Prophet kam gar nicht aus seinem Hause heraus, sondern schickte seinen Diener. Der sagte zu Naeman: „Fahre ein Stück weiter, da ist ein Fluss, der Jordan, dort gehe ins Wasser und tauche dich siebenmal unter.“ Da wurde Naeman sehr böse, denn er hatte gehofft, der Prophet würde mit ihm beten.

„Warum soll ich denn solche komischen Sachen machen?! Ins Wasser steigen und mich siebenmal untertauchen?“ Ganz wütend ist der Feldhauptmann weggefahren. Aber sein Diener sagte zu ihm: „Versuch es doch einmal, vielleicht hat der Prophet recht!“

Da stieg der Feldhauptmann ins Wasser und tauchte sich einmal unter, zum zweiten Mal, zum dritten Mal, zum vierten Mal und dann zum fünften Mal und auch zum sechsten Mal. Die anderen Freunde, die aus Syrien mitgekommen waren, schauten ganz gespannt auf ihren Feldhauptmann. Noch einmal musste er sich untertauchen - und dann? Naeman dachte: Wenn es nun nicht klappt, dann lachen sie alle über mich. Aber er tauchte sich noch einmal unter und da war er plötzlich ganz gesund. Die Haut war so schön wie eure Haut, liebe Kinder.

Deshalb sollen wir auch immer gleich zum Heiland kommen und zu ihm beten. Nicht erst zu einem anderen Menschen gehen, sondern gleich zu Jesus. Wenn wir viel in der Bibel lesen, dann wissen wir auch, was wir tun sollen; denn dort steht geschrieben, was Jesus gesagt hat. Heute gibt es diese furchtbare Krankheit, den Aussatz, bei uns nicht mehr.

Noch schlimmer als dieser Aussatz sind aber unsere Sünden. Sie machen unsere Seele krank und vergiften unser Blut. Deshalb liest die Oma auch in der Bibel, wie Jesus die Aussätzigen heilte.


Er sagte zu ihnen: „Sei rein!“, dann waren sie rein. So will es Jesus auch mit unseren Sünden tun, wenn wir sie ihm bringen und ihm sagen, was wir Böses getan haben. Dann sagt er: „Sei rein!“ und unsere Sünden sind fort.

Nun wollen wir beten: Lieber Herr Jesus, wir sind auch durch unsere Sünden unrein geworden, bitte, mach du uns wieder rein von aller Sünde. Amen.

22.
Januar

„Da fragte ihn Elisa: ,Wo kommst du her, Gehasi?‘ Er antwortete: ,Ich bin überhaupt nicht weggewesen.‘,,

2. Könige 5,25; Bruns

Am Abend sitzt die Familie am Kamin. Kennt ihr auch einen Kamin? Am offenen Feuer knistert und knastert es geheimnisvoll. Der Wind pfeift durch den Schornstein, es ist ganz gemütlich warm.

„Wie ging denn die Geschichte von Naeman weiter?“ fragt der Dieter. Die Großmutter erzählt nun die Geschichte zu Ende, denn sie hatte sie gestern noch in der Bibel weitergelesen, als die Kinder schon in ihrem Bett lagen.

„Der Feldhauptmann Naeman kam noch einmal zu dem Propheten Elisa und hat sich für die Hilfe und Heilung bedankt. Er wollte ihm viel Geld dafür geben, aber Elisa sagte: „Danke nur Gott, denn er allein kann heilen. Ich bin nur Gottes Diener und für das, was Gott an dir getan hat, nehme ich kein Geld.“ Der Herr Jesus hat auch niemals Geld genommen, wenn er die Menschen gesund machte, und seine Jünger auch nicht. Elisa hatte aber einen Diener, der hieß Gehasi. Der dachte: Mein Herr, der Elisa ist aber doch sehr dumm. Wenn der Feldhauptmann ihm schon so viel Geld geben wollte, warum nimmt er es denn nicht?

Als nun der Feldhauptmann mit seinen vielen Wagen wieder losfuhr, rannte Gehasi ihm nach und schrie: „Halt! Halt! Herr Feldhauptmann, ich möchte noch etwas sagen!“ Da ließ der Feldhauptmann den Diener Gehasi in seinen Wagen kommen und fragte ihn, was er denn wolle. „Ja, mein Herr, der Elisa hat es sich doch anders überlegt, vielleicht könnt ihr für die armen Diener der Prophetenschule etwas Geld geben, nur einen Zentner Silber und zwei Feierkleider.“ Das war ja eine Lüge, aber Naeman gab dem Diener noch mehr als er wollte, denn er war sehr glücklich, weil er wieder gesund war. Da kam Gehasi mit dem Silber und den Feierkleidern in die Prophetenschule und versteckte alles, damit es Elisa, sein Herr, nicht sah. Aber Gott sieht alle Dinge und durch Gottes Geist wusste es auch Elisa.

Er fragte Gehasi: „Na, wo warst du eben?“ „Ich - ich - ich war im Hause hier. Ich bin nicht weggegangen“, sagte Gehasi und hatte schon wieder gelogen. „Hör mal, Gehasi“, sagte Elisa, „Gott hört und sieht alles. Sein Geist hat mir gesagt, wie du bei Naeman gelogen und wohin du das Silber und die Feierkleider versteckt hast.“ Da war Gehasi sehr erschrocken. Elisa sagte zu Gehasi: „Weil du solche Lügen ausgesprochen und heimlich Geschenke versteckt hast, wirst du von Gott bestraft werden. Du bekommst die gleiche Krankheit, die der Feldhauptmann hatte.“ Da wurde Gehasi aussätzig.“

Wenn wir etwas Böses getan haben, sollen wir immer gleich Gott um Vergebung bitten und zu ihm beten, damit er uns nicht bestraft. - „Seht ihr das Feuer dort im Kamin?“ „Ja“, sagen die Kinder. „So wie das Feuer im Kamin das Holz verbrennt, so wird auch Gott unsere Sünden verbrennen und uns von dem Sündenaussatz reinmachen, wenn wir um Vergebung bitten. Wir sollen also nicht lügen und auch nicht betteln“, ermahnte die Großmutter. „Faltet jetzt eure Hände“, sagte dann der Vater.

Nun beten sie alle: „Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.“


23.
Januar

„Wenn der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.“

Psalm 127,1

Als das Feuer gestern im Kamin niedergebrannt war, gingen die Kinder schnell ins Bett. Es war schon sehr spät. Sie dachten noch an den Diener Gehasi, der so schwer von Gott bestraft wurde, weil er gelogen hatte. Der Dieter dachte daran, wie ihn die Mutti gefragt hatte: „Hast du nicht von der Schokolade genascht?“ - Er hatte gelogen und gesagt:

„Nein, ich habe kein Stück von der Schokolade genommen, vielleicht war es die Carla.“ Da hat die Mutti geweint, denn sie sah auf dem Hemd von Dieter einen Schokoladenfleck und wusste genau, der Dieter hat jetzt gelogen und dabei noch die kleine Carla beschuldigt. So ist es: Die Lüge ist wie ein Schneeball, je länger man ihn wälzt, desto größer wird er. Bald kann man einen ganzen Lügenschneemann bauen, so viele Lügen kommen zusammen.

Aber der Dieter hat es der Mutti noch schnell beim Schlafengehen gesagt. Und dann haben beide gebetet. Der Heiland hat das Gebet von Dieter erhört und ihm auch gleich die Sünde vergeben. Jetzt schlief er schnell ein.

Nun steht der Nachtwächter mit seinem großen Feuerhorn auf der Straße. Es ist sehr kalt, er hat eine dicke Pelzmütze auf dem Kopf. Zu jeder Stunde, wenn die Kirchturmuhr schlägt, ruft er: „Hört, ihr Herren, und lasst euch sagen, unsere Glock‘ hat zehn geschlagen. Zehn Gebote setzt Gott ein. Gib, dass wir gehorsam sein. Menschenwachen kann nichts nützen; Gott muss wachen, Gott muss schützen. Herr, durch deine weise Macht gib uns eine gute Nacht.“ - Könnt ihr das mitsingen? Dann singt es einmal mit der Mutti und den anderen.

In unseren Städten kennt man keinen Nachtwächter mehr. Heute fahren Polizeiwagen durch die Stadt und passen auf, dass kein Feuer ausbricht und dass niemand einbricht. Als ich ein kleiner Junge war, gab es noch einen Nachtwächter. Der hatte so große Stiefel an wie der Mann auf dem Bild.

Unser Bibelwort lautete: „Wenn der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.“ Es war in Hamburg, in der großen Hafenstadt im Norden von Deutschland. Die Menschen schliefen schon in ihren Betten. Keiner merkte, wie in einem Haus das Feuer im Kamin nicht ganz ausgelöscht war. Ein brennendes Holzstückchen sprang aus dem Kamin und fiel auf den Teppich. Bald brannte die ganze Wohnung und bald brannte das ganze Haus. Dann sprang das Feuer schnell auf viele, viele Häuser über.

Ein Vati und eine Mutti lagen auch mit ihren Kindern im Bett und schliefen. Draußen bellte ganz jämmerlich ein kleiner Wachhund, der mit einer Kette an einer Hundehütte angebunden war.

Endlich hörte der Mann das Bellen des Hundes: „Feuer! Feuer!“ schrie er, als er sah, wie die vielen Häuser brannten. Schnell sprangen alle aus den Betten und rannten von einer Straße zur anderen, bis sie in Sicherheit waren. Da fiel ihnen ein, sie hatten ja vergessen, den kleinen Hund mitzunehmen, der so treu gewacht und sie durch sein Bellen geweckt hatte.

Als sie am Morgen zu dem verbrannten Haus und der Hundehütte kamen, lag da nur noch ein kleines Aschehäufchen. Der Hund war verbrannt, nur noch die Kette lag neben der Asche. - Diese Kette war schuld an seinem Tod.

Ja, die Sünde ist auch so eine unsichtbare Kette, die uns an das Verderben kettet.


Darum wollen wir beten: Lieber Herr Jesus, bewahre uns in dieser Nacht vor Feuer und Gefahr. Befreie uns aber auch von der Kette der Sünde. Amen.

24.
Januar

„… ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.“

2. Petrus l,19

Wenn die Finsternis verschwindet und es langsam hell wird, dann scheint oft noch ein heller Stern am Himmel: der Morgenstern. Das junge Mädchen hat lange gelesen, auch die Geschichte vom Morgenstern.

Es war ein Organist, das ist der Mann, der in der Kirche immer die Orgel spielt, der hatte in der Nacht große Angst. Es war Krieg und draußen schossen immerzu die feindlichen Soldaten. Deshalb gingen die Leute vor Angst gar nicht ins Bett, denn wenn durch das Schießen plötzlich das Hausdach anfing zu brennen, wären sie alle verloren gewesen. So hat der Orgelspieler voller Angst die ganze Nacht nicht geschlafen. Am Morgen faltete er die Hände, betete zu Gott und dankte dem Vater im Himmel, dass in dieser Nacht nichts passiert war. Plötzlich kam ein feindlicher Reiter und klopfte ganz laut an die Tür. Er hatte sein braunes Pferd an den Fensterladen gebunden.

Der Organist wollte gerade „Guten Morgen“ sagen, als der Reiter rief: „Gebt mir sofort den Schlüssel für die Kirche.“ Der Organist erschrak sehr! Er dachte: Dieser böse Mann will vielleicht etwas aus der Kirche stehlen. Er wollte ihn nicht in die Kirche lassen, aber der Reiter sagte ganz ungeduldig: „Mach sofort die Kirchentür auf und komm mit mir ins Gotteshaus!“ - Was sollte der Mann tun? Er musste gehorchen.

Zitternd ging der Organist voran und der Reiter mit seinen schweren Stiefeln hinterher: „Klirr, klirr“, klapperte der Säbel. Dann sagte der Reiter: „Mach die Orgel auf und gib mir ein Gesangbuch!“ Der Organist gab ihm ein Gesangbuch. Der Reiter blätterte darin und sagte: „Spiel mir jetzt dieses Lied hier!“ Der Organist setzte sich an die Orgel und spielte das Lied. Der Soldat sang mit tiefer Stimme:

„Wie schön leuchtet der Morgenstern, voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn, aus Juda aufgegangen!

Du Davids Sohn aus Jakobs Stamm, mein König und mein Bräutigam, du hast mein Herz umfangen.“

Der Reiter sang immer weiter und der Organist spielte jetzt voller Freude, denn er merkte, dass der Soldat nichts Böses wollte. Später fragte der Organist den Soldaten, warum er sich gerade dieses Lied gewünscht habe. Da erklärte es ihm der Reiter:

„In der Nacht musste ich an einem sehr gefährlichen Ort Wache halten. Die feindlichen Soldaten schossen sehr stark und sie ritten und schlichen immer an mir vorbei. Da fing ich an zu beten: „Herr, erhalte und behüte uns!“ Kaum hatte ich zu Ende gebetet, da sah ich den Morgenstern funkeln. In der Bibel steht, Jesus ist der helle Morgenstern, und weil er mich bewahrt hat, wollte ich ihm meine Sünden bekennen und in der Kirche dieses Lied singen. Jetzt können Sie sich denken, wie mein Herz voll Dankbarkeit war, als ich singen konnte: „Du hast der Feinde Macht gewehrt und meine Bitt‘ um Schutz erhört!“ Dann reichte der Soldat dem Organisten die Hand, gab ihm noch etwas Geld und ritt davon.


Als das Mädchen, das wir auf unserem Bild hier sehen, diese Geschichte gelesen hatte, betete sie: „Herr Jesus Christ, ich danke dir, dass jetzt bei uns kein Krieg ist. Bitte bewahre mich auch weiterhin. Amen.“

25.
Januar

„Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.“

Psalm 34,8

Wie schön ist es doch, dass Gott die Engel geschaffen hat. Sie sollen uns behüten und bewahren. Seht ihr den großen Engel über den Dächern der dunklen Stadt? Er hat zwei große Flügel und einen Friedenszweig in der Hand. Der Mond ist auch schon aufgegangen und blinzelt hinter den Wolken hervor. Unten in dem Haus kann man in zwei Zimmer hineinblicken: in die Wohnstube und in das Schlafzimmer. In der Wohnstube sitzen noch der Vati und die Mutti. Der Vati liest eine Geschichte vom Heiland vor und die Mutti stickt ein schönes Muster in die große Tischdecke. Die Oma hat das kleine Baby ins Bett gebracht, und der Opa hört die Geschichte aus der Bibel. Die große Tochter kniet am Tisch und spricht ein Abendgebet. Dieses Abendgebet kann man auch singen:

„Abends will ich schlafen gehn, vierzehn Engel um mich stehn:

zwei zu meinem Haupte, zwei zu meinen Füßen,

zwei zu meiner Rechten, zwei zu meiner Linken,

zweie, die mich decken, zweie, die mich wecken,

zweie, die mich weisen ins himmlisch‘ Paradies!“

Als ich noch ein ganz kleiner Junge war und gerade erst laufen gelernt hatte, ging die Mutti einmal einkaufen. Sie ließ mich in der Wohnung zurück und sagte: „Jost, ich gehe nur ganz schnell zum Kaufmann, um etwas einzukaufen. Sei recht lieb und mach keine Dummheiten! Ich bringe dir auch etwas Schönes mit, vielleicht eine Banane oder eine Apfelsine.“ Natürlich habe ich mich darauf sehr gefreut und wollte auch ganz artig sein. Als nun die Mutti etwas länger fortblieb, hörte ich im Hof die Kinder spielen und lärmen. In der großen Stadt Berlin gibt es sehr viele hohe Häuser - nein, keine Hochhäuser, wie wir sie heute kennen, aber Häuser, die vier bis fünf Stockwerke hatten. Das waren damals die größten Wohnhäuser.

Da ich immer alle Kinder sehr liebte und selbst noch keine Geschwister hatte, nahm ich mir einen Stuhl und schob ihn an das Fenster. Vorher schloss ich noch die Wohnungstür zu. Dann kletterte ich auf ein sehr schmales Fensterbrett und schaute hinunter in den Hof. Ich musste ganz tief hinunterblicken, denn wir wohnten im fünften Stock. Deshalb drückte ich meine Nase ganz platt, um die spielenden Kinder sehen zu können. Nun ist ja eine Fensterscheibe sehr dünn, aber die Fensterscheibe zerbrach nicht. Wisst ihr warum? - Weil Gott einen Engel gesandt hatte und dieser von der anderen Seite die Scheibe festhielt, sonst wäre ich durch die Scheibe gebrochen und in den Hof hinuntergefallen. Dann wäre ich gewiss gleich tot gewesen. Als die Mutti nun zurückkam, war die Tür verschlossen. „Mach doch bitte die Tür auf“, rief die Mutti. „Ich kann nicht!“ rief ich ganz ängstlich. „Wo bist du denn?“ fragte die Mutti.

„Auf dem Fensterbrett, ich kann nicht mehr zurück und hinunter.“ „Dann bleibe bitte ganz, ganz ruhig stehen, ich komme gleich wieder zurück“, sagte die Mutti. Sie holte den Hausmeister und der öffnete dann die Tür. Ach, wie hat die Mutti da vor Freude geweint, als sie ihren Jungen wieder gesund in die Arme schließen konnte.


Nun wollen wir beten: Vater im Himmel, wir danken dir von ganzem Herzen, dass du deine lieben Engel gesandt hast, damit sie uns behüten und bewahren. Wir danken dir, dass du damals auch den kleinen Jost behütet hast. Amen.

26.
Januar

„Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr.“

Sprüche 6,6

Das Hänschen wollte nicht lernen, es war ein fauler Junge. Ach, dachte er, in die Schule gehen, heißt immer nur, den Kopf anstrengen. Die Rechenaufgaben lösen oder Schreiben und Lesen lernen, ist doch eine langweilige Sache. Auf dem Bild sehen wir, wie die kleinen Kinder durch den Schnee zur Schule gehen. - „Komm mit uns in die Schule, Hans“, sagt der kleine Junge und der große meint noch: „Wenn du gut lernst, kannst du später viel Geld verdienen.“ - „Ach“, sagt Hans, „ich komme auch ohne Lernen weiter“ und geht an der Schule vorbei. Wie es dem Hänschen ergangen ist, wollen wir jetzt hören.

Die traurige Geschichte vom dummen Hänschen

Hänschen will ein Tischler werden, ist zu schwer der Hobel,

Schornsteinfeger will er werden, doch das ist nicht nobel,

Hänschen will ein Bergmann werden, mag sich doch nicht bücken,

Hänschen will ein Müller werden, doch die Säcke drücken,

Hänschen will ein Weber werden, doch das Garn zerreißt er.

Immer, wenn er kaum begonnen, jagt ihn fort der Meister.

Hänschen, Hänschen, denke dran,

was aus dir noch werden kann!

Hänschen will ein Schlosser werden, sind zu heiß die Kohlen,

Hänschen will ein Schuster werden, sind zu hart die Sohlen,

Hänschen will ein Schneider werden, doch die Nadeln stechen,

Hänschen will ein Glaser werden, doch die Scheiben brechen,

Hänschen will Buchbinder werden, riecht zu sehr der Kleister.

Immer, wenn er kaum begonnen, jagt ihn fort der Meister.

Hänschen, Hänschen, denke dran,

was aus dir noch werden kann!

Hänschen hat noch viel begonnen, brachte nichts zu Ende,

drüber ist die Zeit verronnen, schwach sind seine Hände.

Hänschen ist nun Hans geworden und er sitzt voll Sorgen.

Hungert, bettelt, weint und klagt abends und am Morgen:

„Ach, warum nicht war ich, Dummer, in der Jugend fleißig?

Was ich immer auch beginne, dummer Hans nun heiß ich.

Ach, nun glaub‘ ich selbst daran, dass aus mir nichts werden kann.“

(Rudolf Löwenstein)


Unser Bibelwort heißt: „Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr.“ Habt ihr schon im Wald einen großen Ameisenhaufen beobachtet? Wie da alles wimmelt und krabbelt! Hunderte von Ameisen rennen hin und her, schleppen kleine Nadeln und Ästchen in den großen Berg, den sie selbst gebaut haben. Alles ist in Bewegung, keine Sekunde bleibt eine Ameise still sitzen. Die kleinen Ameisen tragen manchmal eine Last, die dreimal so schwer ist, wie sie selber wiegen. Wenn sie eine große Heuschrecke oder einen Käfer gefangen haben, dann helfen manchmal zwanzig oder dreißig Ameisen, das schwere Tier in den Berg zu schleppen, damit alle etwas zu essen haben.

Gott will, dass wir alle von den Ameisen lernen und nicht so faul herumlungern. Wir sollen vor allem schnell und gut unsere Hausaufgaben machen und fleißig lernen. Dem Faulen hilft Gott auch nicht, darum ist es gut, wenn wir so fleißig wie die Ameisen arbeiten, und wenn wir dann müde sind, können wir auch gut schlafen.

Nun wollen wir beten: Großer Gott, wie warst du so fleißig und hast die ganze Welt mit den vielen Tieren und Menschen, mit den Bergen und Tälern, den Blumen und Büschen geschaffen. Du hast die Sonne und den Mond und alle Sterne gemacht. Wir wollen auch recht fleißig sein. Gib uns dazu bitte auch die Kraft. Amen.

27.
Januar

„Der Name des Herrn ist eine feste Burg; der Gerechte läuft dorthin und wird beschirmt.“

Sprüche 18,10

Unter dem Nussknacker dort am Fenster liest der Junge in einem Buch. Vielleicht liest er gerade die Geschichte, die wir gestern gehört haben. Wisst ihr noch, welche Geschichte das war? - Richtig! Die traurige Geschichte vom dummen Hänschen.

Was der alles werden wollte: ein Tischler, ein Schornsteinfeger, ein Bergmann, ein Müller, ein Schlosser, ein Schuster, ein Schneider, ein Glaser, ein Buchbinder und noch anderes mehr. Aber weil er so faul war, wurde er gar nichts.

Was willst du denn einmal werden? Weißt du das schon? - Nun gibt es ja Menschen, die heißen Bergmann und sind noch nie in einem Bergwerk gewesen, andere heißen Weber und haben noch kein Leinentuch gewebt oder jemand heißt Schuster und kann gar keine Schuhe reparieren. Der nächste heißt Schneider und weiß nicht, wie man ein Kleid näht. Ich heiße Müller, aber ich habe niemals in einer Mühle gearbeitet, davon verstehe ich überhaupt nichts. Wie heißt denn du? - Hast du auch einen Namen, der einen Beruf darstellt? - Wie ist eigentlich dein Name entstanden?

Viele Menschen sagen: „Ich bin ein Christ“, aber sie beten nie zum Herrn Jesus Christus. Sie lieben den Vater im Himmel nicht und wollen doch einen frommen Namen haben, das ist eine schlechte Sache. Es gibt Leute, die heißen Heiland und sind gar nicht der Heiland, denn es gibt ja nur einen Heiland, nämlich den Herrn Jesus Christus. Wenn wir uns Christen nennen, dann sollen wir auch an den Herrn Jesus Christus glauben, sein Wort lesen und zu ihm beten.

Nun heißt unser Bibelwort: „Der Name des Herrn ist eine feste Burg.“ Habt ihr schon eine Burg gesehen? Die lag sicher auf einem Berg und hatte feste Mauern und oft gab es um die Burg herum noch einen Wassergraben. Dazu gehörte eine Zugbrücke, die man, falls Feinde kamen, einfach hochzog. Wenn Krieg war, flüchteten sich die Menschen in die Burg, denn dort waren sie sicher. Da kamen die Feinde nicht hinein.

Einmal wurde eine Burg von den Schweden belagert, aber die Burg lag auf einem steilen Berg und hatte große, dicke Mauern. In der Burg waren viele Lager mit Lebensmittel und auch ein Brunnen mit gutem Wasser. Also konnten die Feinde diese Burg nicht erobern, weil die Menschen ausreichend zu essen und zu trinken hatten. Nach langer Zeit kam ein verkleideter schwedischer Soldat an das Burgtor. Er sagte, er sei Deutscher und wolle mit den Schweden nichts zu tun haben, weil er die Menschen in der Burg mehr liebe. Also ließ man den Soldaten hineinkommen. Da er ja keine Waffen hatte, kein Schwert und keinen Spieß, konnte nicht viel passieren. Doch in den nächsten Tagen wurden alle Menschen in der Burg sehr krank. Sie waren ganz matt und viele mussten sterben. Was war geschehen?

Der feindliche Soldat hatte in seiner Tasche ein kleines Päckchen mit Gift, das hatte er in den Brunnen geworfen und damit das ganze Wasser vergiftet. Nun konnte keiner mehr davon trinken. Also mussten sie das Burgtor öffnen und die Feinde hineinlassen. Dieser Soldat nannte sich nur Deutscher, aber er war keiner. Sagt aber jemand er sei ein Christ und glaubt nicht an den Herrn Jesus Christus, so ist er ein Betrüger.

Wer aber zu Jesus kommt, der ist in einer sicheren Burg, denn den Herrn Jesus kann kein Mensch täuschen. Er kann ja in unser Herz schauen und außerdem passen auch die vielen, vielen Engel auf.


Nun wollen wir beten: Lieber Herr Jesus, wir danken dir, dass dein Name eine feste Burg ist und wir bei dir ganz geborgen sind. Amen.

28.
Januar

„Ein Wort, geredet zu rechter Zeit, ist wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen.“

Sprüche 25,11

Das kleine Hannchen ist am Morgen erwacht. „Hast du denn gut geschlafen?“ fragt die Mutter. „Ja, ganz gut!“ antwortet das Hannchen. „Hast du auch etwas geträumt?“ fragt die Mutti. „Ja, von einem schönen, goldenen Apfel habe ich geträumt.“

„Na, dann will ich dich schnell anziehen und dann beten wir und lesen aus dem Kinderandachtsbuch noch eine Geschichte“, sagt die Mutti. Nun beten sie:

„Wie fröhlich bin ich aufgewacht,

wie hab ich geschlafen so sanft die Nacht.

Hab Dank, du Vater im Himmel mein,

dass du hast wollen bei mir sein.

Behüte mich auch diesen Tag,

dass mir kein Leid geschehen mag.“

„Weil du von einem goldenen Apfel geträumt hast, will ich dir die Geschichte von diesem Apfel erzählen:

Es war ein reicher Mann an dem Hofe des Königs Herodes, der war sein Oberkämmerer und kleidete sich in Purpur und köstliche Leinwand und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Da kam zu ihm aus fernem Land ein Freund seiner Jugend, den er seit vielen Jahren nicht gesehen hatte. Ihm zu Ehren bereitete der Kämmerer ein großes Gastmahl und lud dazu all seine Freunde ein. Auf den Tischen standen viele herrliche Speisen in Gold und Silberschalen und viele Gefäße mit köstlichen Früchten von allerlei Art. Der reiche Mann saß oben am Tisch und war guter Dinge; zu seiner Rechten saß sein Freund, der aus dem fernen Lande gekommen war. Und sie aßen und tranken und wurden satt. Da sprach der Freund zu dem Kämmerer des Königs Herodes: „Solch eine Herrlichkeit und Pracht wie in deinem Hause erscheint mir nicht in meinem Lande weit und breit!“ Und er rühmte alle Pracht und pries ihn glücklich vor allen Menschen auf Erden.

Aber der reiche Mann, der Kämmerer des Königs, nahm einen Apfel von einem goldenen Gefäß. Der Apfel war groß und schön und von außen rötlich wie Purpur. Und er nahm den Apfel und sprach: „Sieh, dieser Apfel ruhte auf Gold und seine Gestalt ist sehr schön!“ Er reichte ihn dem Fremdling und Freund seiner Jugend. Der Freund aber durchschnitt den Apfel und siehe, in seiner Mitte war - ein Wurm.

„Hie - pfui!“ rief das Hannchen, „böser Wurm!“

„Ja, mein Kind, so sieht manchmal ein Apfel nach außen sehr schön aus und innen ist er ganz schlecht. Manche Menschen kleiden sich auch sehr schön und sehen sehr vornehm aus, aber ihre Herzen sind ganz böse, weil darin der Wurm der Sünde ist.“

„Wer macht denn den bösen Wurm kaputt?“ will Hannchen wissen. „Das hat der Herr Jesus getan, als er für unsere Sünden am Kreuz auf Golgatha starb. Da sind die bösen Würmer der Sünde alle vernichtet worden.


„Dann esse ich lieber den braunen, schrumpfigen Bratapfel aus der Ofenröhre“, sagt das Hannchen, denn es duftete schon im ganzen Haus nach den süßen Bratäpfeln. Esst ihr diese Bratäpfel im Winter auch so gern oder kennt ihr gar keine?

Wir wollen jetzt beten: Lieber Heiland, habe herzlichen Dank, dass du die bösen Würmer der Sünde kaputt gemacht hast. Schenke uns allen ein reines Herz. Amen.

29.
Januar

„Darum gab ich euch Milch, keine feste Nahrung, die ihr ja doch nicht vertragen konntet. Auch jetzt könnt ihr das noch nicht.“

l. Korinther 3,2; GN

Nun hat die Mutti das kleine Hannchen fertig angezogen. In der Küche sitzt die Großmutter am Tisch. Sie hat das kleine Mädchen auf den Schoß genommen. Aus dem Milchtopf goss sie der Kleinen eine Schale voll Milch. Hm! Die schmeckt dem Hannchen aber gut. Das Kätzchen, dort unter dem Tisch, möchte auch von der guten Milch trinken. Da kommt der Stefan herein. „Nanu“, sagt er erstaunt, „das Hannchen trinkt ja schon wieder Milch, warum isst sie denn noch kein richtiges Mittagessen?“

„Weil eben die kleinen Kinder noch kein Mittagessen vertragen, erst trinken sie Milch an der Brust der Mutti und dann aus dem Fläschchen und später dann schon aus der Schale, wie du siehst. So war es bei dir auch, mein Kleiner!“

„Ich bin doch nicht mehr klein, du sagst doch immer: ,Mein großer Sohn.‘“ „Ja, ja, du bist der größte von meinen Kindern.“

Jetzt denkt Stefan scharf nach: „Sag mal, Mama, hat das Christkind auch bei Maria an der Brust Milch getrunken?“

„Natürlich, mein kleiner Herzensschatz, alle kleinen Babys trinken bei der Mutti Milch.“ „Erzähl mir doch noch etwas von Maria und Joseph. Von der Zeit, als der Herr Jesus geboren wurde, du weißt doch die ganze Geschichte“, bittet Stefan.

„Ja“, beginnt die Mutter, „es waren anstrengende Tage für Maria und Joseph. Der lange Weg von Nazareth bis Bethlehem ging bergauf und bergab. Sieben Tage mussten die beiden zu Fuß gehen, bis sie in Bethlehem waren.

Aber in Bethlehem fanden sie kein Zimmer mehr, und Maria bekam schon große Schmerzen. Sie merkte, dass sie das Baby nun bald bekommen würde. Der Engel hatte ihr vorher gesagt, sie sollte ihm den Namen Jesus geben.

Sonst weiß ja die Mutti nie vorher, ob das Kind ein Junge oder ein Mädchen wird. Aber der Engel Gabriel hatte es ihr vorher verraten, denn er wusste es von Gott, dem Herrn. In einem Stall fanden sie Platz. Wenn Joseph vielleicht ein reicher Mann gewesen wäre, hätten sie noch ein anderes Quartier bekommen, denn für Geld kann man sehr viel bekommen. Als nun der kleine Jesus geboren war, kamen viele Hirten und später die Sterndeuter aus dem Morgenland. Immer wieder kamen Besucher - es hatte sich herumgesprochen von dem Wunder, den Engeln und dem Stern am Himmel. Das Baby fand gar keine Ruhe, wenn es gerade eingeschlafen war, musste es Maria wieder wecken und ihm Milch geben. Endlich konnte Maria Ruhe finden und schlief ganz erschöpft ein.

Plötzlich, mitten in der Nacht, weckte der Joseph die Maria und sagte: „Maria, eben hat ein Engel mit mir geredet, wir sollen ganz schnell aufstehen und nach Ägypten fliehen, der König Herodes will unser Jesuskind töten lassen.“

„Ach“, weinte Maria, sie war noch so erschöpft. „Was sollten sie auf der langen Wanderung nach Ägypten denn essen und trinken?“ Denn bis dorthin waren sie sicher sieben Tage unterwegs. Aber für einen war gesorgt.“

„Für das Christkind“, ruft Stefan, „der konnte ja bei der Maria an der Brust trinken.“


„Richtig“, sagte die Mutti, „darum wollen wir jetzt beten und danken, dass Gott die Milch im Leib der Mutter für die kleinen Babys geschaffen hat, damit sie nicht verhungern.“ „Gnädiger Gott, wir danken dir, dass du für die kleinen Babys so wunderbar gesorgt hast und sie bei der Mutter die Milch trinken können.“ Amen.

30.
Januar

„Reizet eure Kinder nicht zum Zorn.“

Epheser 6,4

In der Bibel steht geschrieben: „Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern.“ So will es Gott. „Du sollst Vater und Mutter ehren“ ist das erste Gebot, dem ein Versprechen hinzugefügt ist: „dann wird es dir gut gehen und du wirst lange leben auf dieser Erde.“ Ihr Eltern, behandelt eure Kinder nicht so, dass sie widerspenstig werden! Vielmehr sollt ihr sie in christlicher Ordnung erziehen und zum Guten anhalten“. Wenn wir unseren Eltern gehorsam sind, das heißt, wenn wir alles befolgen, was sie sagen, dann hat der liebe Gott große Freude an uns. Gott will unser Leben dann segnen und wir sollen es gut haben.

Aber die Eltern sollen ihre Kinder auch recht lieb haben und nicht böse herumschreien oder sogar zornig werden. Dann müssen sie auch zum Heiland beten, damit er sie verändert und sie lieb werden und Geduld bekommen.

Hier ist die Mutti über den kleinen Jürgen ganz zornig geworden. Das ist nicht schön und kann für den kleinen Jungen böse Folgen haben. Später, wenn er groß ist, kann er auch ein ganz zorniger Mann werden. Wenn wir ein Samenkorn in die Erde stecken, dann wächst daraus eine Pflanze. Haben wir ein Samenkorn von der Rose, dann kommt später, wenn die Sonne darauf scheint und wir es immer begießen, eine wunderschöne Rose hervor. Haben wir aber eine Brennnessel gesät, dann wächst später eine Brennnessel, die furchtbar sticht und brennt. Wer zornig ist, der sät auch einen Samen: nämlich den Zorn. Der Ungerechte sät Ungerechtigkeit. Ein Kind solcher Eltern kann später auch recht zornig und ungerecht werden. Diese Mutter ist sehr zornig und böse - sie schreit und brüllt: „Ich schlage den Jungen grün und blau!“ „O nein, Frau!“ ruft der Vater, „der Jürgen wollte dir doch helfen, er wollte doch nur etwas Gutes tun. Dass die Schüssel umgefallen ist und das Gemüse und die Tauben herausgefallen sind, ist doch nicht seine Schuld. Er hat eben noch so schwache Arme, deshalb ist ihm die Schüssel abgerutscht. Sei doch nicht so zornig, sonst wird der Junge später auch ein ganz zorniger Mann. Der Herr Jesus hat doch gesagt: ,Lasset die Kindlein zu mir kommen‘, und er hat sie geküsst und gesegnet. Wir wollen doch vom Herrn Jesus lernen, liebe Frau. Er ist mit den Kindern so sanftmütig und gut umgegangen, und wie bist du zu ihnen?“ „Ach, was schert mich der Herr Jesus“, brüllt die böse Frau und wollte mit dem Löffel schlagen. Aber der Vater hat den Buben beschützt. Ja, so sind oft die Menschen, die den Herrn Jesus nicht lieb haben und nicht von seiner Liebe lernen wollen. Jesus hat gesagt: „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, lernet von mir.“ Eigentlich könnten sich diese Eltern doch recht lieb haben. Seht ihr, über dem Rauchfang hängen große Schinken und in der Pfanne brät auch ein gutes Essen. Wenn die Frau noch weiter so schimpft, dann verbrennt das ganze Essen und man kann es nicht mehr genießen.

Wir wollen beten: Lieber Herr Jesus, bitte hilf den armen Kindern, die vielleicht auch eine böse Mutter oder einen bösen Vater haben. Wir danken dir für unsere lieben Eltern. Wir wollen auch nicht zornig sein. Lieber Heiland, gib uns ein ganz liebes und reines Herz, so wie deines ist. Amen.


31.
Januar

„Sie liegen in der Nacht nackt ohne Gewand und haben keine Decke im Frost.“

Hiob 24,7

Seht ihr auf dem Bild die kleine Hütte? Bei dieser Kälte hocken die Mutti und ihre beiden Kinder dicht beieinander, damit sie nicht erfrieren. In dem kleinen Raum gibt es nicht einmal einen Ofen. Das kleine Baby im Arm der Mutti weint: Es hält seine Händchen an das Gesicht der Mutti, weil die Wangen noch etwas warm sind. Der kleine Junge hat großen Hunger und friert auch. Aber der Teller, der auf der Erde steht, ist ganz leer. Selbst das winzige Mäuschen, das neben dem Teller sitzt, muss jetzt Hunger leiden. Oben am Dach hat ein Vogel sein Nest gebaut, der hat es wenigstens warm. Die Eiszapfen hängen an dem Balken und der Schnee liegt dick auf dem Dach.

In der großen Notzeit nach dem zweiten Weltkrieg hatten wir zwar eine Wohnung mit einem alten Kachelofen, der sonst sehr schön warm werden konnte, wenn man Holz und Kohlen darin verbrannte. Aber es gab kein Holz und auch keine Kohlen mehr zu kaufen. So lagen wir den ganzen Tag mit dicken Mänteln im Bett, jeden Tag von früh bis spät, damit wir nicht erfroren. Es war eine furchtbare Kälte und wir hatten dazu noch großen Hunger, weil es auch nichts zu essen gab. Eines Tages bekamen wir eine Postkarte, wir sollten nach Berlin, in die Hauptstadt, kommen. Aus Schweden, einem Land im fernen Norden, war für uns ein Paket angekommen und das sollten wir bei der Post abholen. Das Paket hatte uns eine liebe Frau geschickt.

Diese Frau liebte den Herrn Jesus und hatte zum Heiland gebetet: „Herr Jesus, zeige mir Menschen in Deutschland, die großen Hunger haben.“

Ach, was war das für eine Freude, als wir die schönen Sachen auspackten: Butter, Mehl, Zucker, Dosenmilch, Kakao und andere schöne Lebensmittel. Es war schon wunderschön anzusehen. Jetzt wollten wir endlich mal wieder ein richtiges Mittagessen kochen. Aber wie konnten wir kochen ohne Holz und Kohlen?

„Ach“, sagte die Mutti, „was nützt uns der schöne Kleiderschrank, wenn wir verhungern.“ Da haben wir den schönen Kleiderschrank einfach zerhackt und zu Brennholz gemacht, damit wir den Ofen heizen konnten.

Aber für den Küchenherd brauchten wir ja auch Feuer, um die Eierkuchen backen zu können. Wenn man Feuer machen will, braucht man entweder Papier oder dünnes Holz oder etwas schnell Brennbares. Meine Schwester hatte einen kleinen Zottelbär und eine Puppe. Die haben wir heimlich zum Anzünden des Feuers verwendet. Später hat das Schwesterchen ganz bitterlich geweint, als sie es entdeckte. Aber was sollten wir tun, sonst wären wir an Hunger gestorben. Seht ihr auf dem Bild, wie die Mutti zum Heiland betet: „Herr Jesus, du wirst meine Kinder nicht verhungern lassen und wir werden auch nicht erfrieren.“ So hatte es damals unsere Mutti auch getan und wie wunderbar hat der Herr Jesus Christus uns geholfen. Ja, mit seiner Hilfe können wir allezeit rechnen!

Wir wollen jetzt beten: Lieber Herr Jesus, zeige uns Menschen in anderen Ländern, die Hunger haben und frieren, damit wir ihnen auch ein Paket schicken können und ihnen dadurch helfen. Amen.


1.
Februar

„Mein Kind, wenn dich die bösen Buben locken, so folge nicht.“

Sprüche l,10

In einer Stadt lebten einmal ein Vater und eine Mutter, denen hatte Gott mehrere Kinder geschenkt. Nun denkt euch, gerade im kalten Winter, als die Eisblumen an den Fenstern glitzerten und es draußen viel Schnee und Eis gab, wurde der Vater krank. Er wurde so sehr krank, dass der Arzt geholt werden musste. Der Arzt verschrieb eine Medizin und empfahl, dem Vater frische Eier zu geben. Die Mutter schickte ihre älteste Tochter in die Stadt: „Geh in die Apotheke und hole die Arznei für den Vater und dann gehst du noch gleich in die Kirchstraße zu Frau Müller und bringst dreißig frische Eier mit. Beeil dich aber und halte dich nirgends auf.“

Christine nahm einen Korb samt dem Rezept und eilte zur Apotheke. Dann lief sie schnell zu Frau Müller und kaufte dort die Eier. Auf dem Rückweg traf sie eine größere Kinderschar, die auf dem zugefrorenen Fluss mit ihren Schlitten fuhren. Sie waren alle sehr fröhlich, bauten Schneemänner und warfen mit Schneebällen.

„Christine, Christine“, rief einer der Jungen, den sie von der Schule her kannte. Christine aber tat so, als würde sie nichts hören und ging weiter. Aber der Junge ließ nicht nach und schrie: „Christine, warte einmal!“

„Nein, ich habe keine Zeit“, rief sie zurück, „mein Vater ist krank und ich muss ihm die Medizin bringen.“

„Aber ein wenig kannst du doch warten“, sagte der Junge, der sie eingeholt hatte. „Komm doch ein bisschen mit uns auf das Eis, da ist es lustig und schön. Nur zehn Minuten -solange hast du bestimmt Zeit.“

Christine ließ sich überreden: „Aber nur einen Augenblick!“ sagte sie. Auf dem Eis ging es lustig zu, bei allem Vergnügen vergaß sie ganz den kranken Vater. Nach einer Stunde fiel es ihr brennend ein, dass sie ja so schnell wie möglich nach Hause kommen sollte. Sie nahm ihren Korb und lief eilig über das Eis. Plötzlich stieß sie mit dem Fuß an einen Eisklumpen und fiel hin. Alle Eier gingen dabei entzwei. Traurig schlich Christine nach Hause. Sie musste noch eine gute Wegstrecke laufen. Die Mutter stand schon am Fenster und hob drohend den Finger in die Höhe: „Christine, Christine, wo bleibst du so lange?“

Christine weinte bitterlich: „Mutter, bitte sei nicht böse, ich war ungehorsam. Ich bin auf das Eis gegangen und ausgerutscht. Dabei sind alle Eier zerbrochen.“ „Das ist ja eine schöne Bescherung“, rief die Mutter, „hast du nicht daran gedacht, dass der Vati schwerkrank im Bett liegt? Zur Strafe darfst du zwei Wochen nicht aus dem Haus gehen.“ Die Mutter schickte schnell jemand anderes fort, um frische Eier zu holen. Christine aber musste immer wieder an das Wort in der Bibel denken: „Wenn dich die bösen Buben locken, so folge ihnen nicht.“ In diesen zwei Wochen half sie fleißig der Mutter beim Geschirrspülen und Abtrocknen. Aber auf die Straße durfte sie nicht gehen.

Nun wollen wir beten: Herr Jesus, gib uns immer ein gehorsames Herz. Erinnere uns daran, dass auch du deinem Vater im Himmel allezeit gehorsam warst. Amen.


2.
Februar

„Der junge Samuel aber nahm immer mehr zu an Alter und Gunst bei Gott und den Menschen.“

l. Samuel 2,26; Bruns

Der Pfarrer liest gerade die Geschichte von dem kleinen Samuel und dem Hohepriester Eli. Kennt ihr diese Geschichte? Wenn nicht, dann will ich sie euch erzählen. Der Hohepriester Eli war der höchste Kirchenleiter in Israel. Er war aber schon alt und seine Augen begannen schwach zu werden, er war fast blind. Einst schlief Eli in seinem Bett, Samuel aber schlief im Tempel neben dem Altar, wo eine Lampe brannte. Da rief Gott der Herr den Samuel. Er antwortete: „Hier bin ich!“ Nun lief Samuel zu Eli und sagte: „Hier bin ich, weshalb hast du mich gerufen?“ Der Hohepriester antwortete: „Ich habe dich nicht gerufen. Vielleicht hast du geträumt! Leg dich nur wieder schlafen.“ Samuel legte sich wieder schlafen. Da rief Gott der Herr noch einmal: „Samuel!“ Der Junge stand wieder auf und ging zu Eli und sprach: „Hier bin ich! Du hast mich gerufen.“ Eli war erstaunt und sagte zu Samuel: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn, gehe wieder und lege dich schlafen.“ Samuel wusste noch nicht, dass Gott auch ganz deutlich mit den Menschen reden konnte. Da rief Gott den Samuel zum dritten Mal. Wieder stand Samuel auf und ging zu Eli und sprach: „Hier bin ich! Du hast mich wieder gerufen.“ Jetzt merkte der Hohepriester, dass Gott den Jungen rief, darum sagte er zu ihm: „Gehe wieder zum Altar und wenn dich Gott noch einmal ruft, dann antworte: „Rede, Herr, dein Knecht hört.“

So ging Samuel wieder hin und legte sich schlafen. Da kam der Herr und rief wie vorher: „Samuel! Samuel!“ Samuel sagte laut: „Rede, Herr, dein Knecht hört dir zu.“ Nun sagte Gott dem Samuel, dass er Eli und seine beiden Söhne hart bestrafen werde, denn die Söhne Elis waren sehr böse. Diese Söhne waren schon groß und selber als Priester im Tempel beschäftigt. Aber sie machten, was sie wollten, und achteten nicht auf die Gebote Gottes. Wenn Eli sie ermahnte, lachten sie ihn aus. Damit verachteten sie auch das sechste Gebot. -

Wie heißt denn das sechste Gebot? Kennt ihr es schon? Es lautet: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!“ Gott sagte also dem Samuel, dass er auf die Söhne Elis böse sei, weil sie nicht gehorchten und dass er auch auf Eli böse sei, weil er seine Söhne nicht erziehen konnte. Samuel schlief danach wieder ein. Am Morgen fragte ihn Eli, was Gott denn zu ihm geredet habe. Erst wollte Samuel gar nicht antworten. Aber Eli bat ihn, alles zu sagen. Samuel erzählte alles, was Gott der Herr zu ihm geredet hatte. Das war gar nicht so einfach für den kleinen Samuel. Vielleicht fragt ihr jetzt: „Ja, kann denn Gott auch heute noch zu den Menschen reden?“ - O ja, wie er zu den Menschen reden kann, will ich euch dann morgen erzählen.

Nun wollen wir beten: Lieber Gott, wenn du mit uns reden willst, dann hilf uns, dass wir es gut verstehen können, was du sagen willst. Wir danken dir, dass wir deinen Willen schon in der Bibel erkennen können. Wenn da aber mit uns reden willst, dann wollen wir ganz still sein, damit wir deine Stimme gut vernehmen. Amen.


3.
Februar

„Ach, dass ich hören sollte, was Gott der Herr redet.“

Psalm 85,9

Gestern las der Pfarrer die Geschichte vom kleinen Samuel, wie Gott ihn mitten in der Nacht rief und ihm deutlich sagte, er würde über Eli, den Hohepriester, und seine Söhne ein großes Unglück kommen lassen. Nun hat der Pfarrer seinem kleinen Sohn Karl die Geschichte erzählt. „Vati“, sagte der Junge, „ich möchte auch einmal die Stimme Gottes hören. Wie hört man denn, wenn Gott redet?“ „Mein liebes Kind“, erwiderte der Pfarrer, „immer, wenn du etwas Böses tun willst, wirst du hören, dass eine leise Stimme in deinem Herzen dich bei deinem Namen ruft. Das ist die Stimme Gottes, die dich warnt.“ „Kann ich denn die Stimme nicht mit meinen Ohren hören?“ fragt Karl. „Nein, mein Kleiner, nur in deinem Herzen, hier innen in deiner Brust, ist dir dann so, als würde jemand sagen: „Tue es nicht!“ Aber du musst ganz still sein, um diese Stimme in deinem Herzen zu verstehen.“

„Ja, das will ich auch“, versicherte Karl.

Einige Tage nach diesem Gespräch war die Mutter fortgegangen und Karl mit dem Kindermädchen allein daheim geblieben.

„Ich habe großen Hunger“, klagte Karl, „kann ich nicht etwas zu essen haben?“ Ja“, sagte das Kindermädchen, „in der Speisekammer im Schrank liegt ein schöner Apfel, den kannst du essen.“ Karl ging in die Speisekammer und öffnete den Schrank. Er suchte sich den schönsten von den roten Äpfeln aus. Gerade, als er den Schrank wieder schließen wollte, sah er einen Teller mit feinem Kuchen dort stehen. Er langte schon nach einem Stück und dachte bei sich: „Die Mutter wird es nicht erfahren, wenn ich mir ein Stückchen nehme, es sieht ja auch niemand.“ Da hörte er eine leise Stimme in seinem Herzen rufen: „Karl, tue es nicht!“ Schnell schloss er den Schrank zu und entfernte sich so rasch er nur konnte aus der Speisekammer, indem er zu sich selber sagte: „Ich darf diesen Kuchen doch nicht ohne Erlaubnis essen.“ Die Mutti hatte zu ihm immer gesagt, wenn er etwas vom Kuchen essen wolle, dann sollte er sie fragen. Schnell sprang er in den Garten und spielte fröhlich mit seinen Kameraden. Er war so froh, der warnenden Stimme in seinem Herzen gehorcht zu haben. Als der Vater ihm am Abend einen Gute-Nacht-Kuss geben wollte, flüsterte er ihm ins Ohr: „Vati, ich glaube, der liebe Gott hat heute zu mir wie zu dem kleinen Samuel gesprochen. Ich habe auf sein Wort gehört und bin gehorsam gewesen.“ Der Vater gab ihm einen ganz lieben Kuss und sagte noch:

„Wenn du aber einmal die Stimme Gottes gehört und anders gehandelt hast, dann sagst du es dem lieben Gott und uns, dann beten wir, denn Gott vergibt uns alle Schuld.“ An diesem Abend schlief der kleine Karl ganz glücklich ein.

Nun wollen wir beten: Wir danken dir, lieber Gott, dass du immer noch zu den Menschen redest, damit sie deinen Willen verstehen und tun können. Wir wollen auch beim Beten eine Zeitlang still lauschen, um dich gut hören zu können. Amen.


4.
Februar

„Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem Herrn; und der wird ihm vergelten, was er Gutes getan hat.“

Sprüche 19,17

Kriege hat es schon immer gegeben. Seit Kain seinen Bruder Abel erschlagen hatte, sind viele, viele Menschen in den Krieg geschickt worden. Der Maler Ludwig Richter, der ja alle diese Holzschnitte gemalt hat, sah als kleiner Knabe auch einen furchtbaren Krieg. Die große Armee des Kaisers Napoleon war in Russland geschlagen worden und nun kamen Tag und Nacht ganz zerlumpte Flüchtlinge durch die Straßen. Ludwig Richter schreibt darüber: „Im Anfang des Jahres 1813 sah ich eines Tages bei wildem Schneegestöber über die Elbbrücke einen Zug wankender Gestalten kommen. Die armen, sonderbar vermummten Menschen waren Franzosen, die aus Russland zurückkehrten. Reiter, aber zu Fuß, in Pferdedecken gehüllt, auf Stöcke sich stützend, schlichen gebückt und matt daher. Andere hatten Weibermützen auf dem Kopf. Über die Uniform gezogene Bauernkittel sollten sie vor der schneidenden Kälte schützen.“

Ein anderer Mann berichtete von einigen Soldaten, die in ein Dorf kamen, um dort etwas Essen zu erbetteln. Ein ganz armer Soldat bat einen Bauern um einen alten Mantel, aber niemand gab ihm etwas anzuziehen. Der arme Soldat klopfte an eine andere Tür. Dort wohnte ein alter Herr, der vor dem Krieg geflohen war und nun hier eine Wohnung gefunden hatte. Er hatte selbst nichts mehr als nur die Kleider, die er am Leib trug, aber er gab dem Soldaten seinen Mantel. Die Soldaten zogen weiter, während es unaufhörlich schneite.

Der alte Mann hatte nun sein Letztes gegeben, aber er dankte Gott, weil er bei diesem Wetter doch ein warmes Zimmer hatte und einem fremden Menschen helfen konnte. Durch diesen Krieg hatte er seine ganze Familie verloren. Er wusste nichts von seinem Sohn, der von den Franzosen als Soldat mit in den Krieg genommen worden war. Plötzlich klopfte es mitten in der Nacht heftig an seine Tür. Ein Offizier mit einer vornehmen Uniform stand im Dunkeln vor ihm. Der alte Mann hielt seine Stalllaterne hoch und erkannte mit großer Freude seinen Sohn. „Rudolf, mein Sohn, mein Junge, wie hast du mich gefunden? Ich habe Gott immer darum gebeten, er möge dich zu mir führen. Wie bist du in dieses verlassene Dorf gekommen?“ „Ich habe einen Soldaten gesehen, Vater, der trug deinen Mantel, den gleichen, den du damals in unserer Heimat vom Schneider anfertigen ließest. Der hat mir den Weg zu dir beschrieben.“ Der Vater fiel seinem Sohn um den Hals. Beide weinten vor lauter Freude und dankten Gott für seine Gnade, Treue und Güte.

Ja, „wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem Herrn; und der wird ihm vergelten, was er Gutes getan hat.“

Weil der arme Flüchtling seinen letzten Mantel hergegeben hatte, konnte ihn sein Sohn wiederfinden.

Nun wollen wir beten: Herr, wir danken dir, dass du immer Gutes für uns tun willst. Schenke uns täglich Freude daran, anderen Menschen Gutes zu tun. Amen.


5.
Februar

„Denn der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest.“

Psalm 84,4

Wenn wir in diesen Tagen am Morgen erwachen, dann hören wir vielleicht, wie die Leute noch auf dem verschneiten Weg laufen oder mit ihren Schneeschiebern den Fußweg freischaufeln. Wir vermissen immer noch den fröhlichen Gesang der Vögel.

Hans und Christa saßen eines Tages im kalten Winter mit ihren Eltern am Tisch. Draußen lag überall hoher Schnee, leise pfiff der Wind, die Wetterfahne quietschte hin und wieder. Auf einmal pickte es am Fenster. Christa stand leise von ihrem Platz auf und beobachtete hinter der Gardine zwei Vögel. Ganz vorsichtig zog sie die Gardine zur Seite und öffnete das Fenster ganz sacht. Die Vögel waren durch den anhaltenden Frost sehr geschwächt - sie flogen nicht fort, sondern kamen in die warme Stube und setzten sich gleich auf das Ofengitter. Die Kinder richteten ihnen eine Futterstelle und ein Nestlein ein.

So blieben die Vögel in der warmen Behausung der Menschen. Am Mittag, wenn die Kinder aus der Schule kamen, sangen sie ihnen ein Lied vor. Die Vögel wurden durch den Gesang ermuntert und zwitscherten ihre Melodien mit. Oft sagte die Mutter dann: „Nun seid doch endlich still, ihr kleinen Schreier, dieses Gepfeife macht mich ganz nervös.“ Aber die Vögel gaben keine Ruhe und die Kinder hatten ihre helle Freude an ihnen. Morgens, wenn sie erwachten, saßen die Vögel schon an ihrem Bett, so zutraulich waren sie geworden. Oft pfiff Hans die Melodie: „Gott ist die Liebe, lässt mich erlösen, Gott ist die Liebe, er liebt auch dich.“ Einer der Vögel versuchte schon einige Tage dieses Lied nachzuahmen. Hans und Christa freuten sich sehr über ihre gelehrigen Schüler und riefen auch die Nachbarskinder. Dann sangen sie alle zusammen: „Drum sag ich‘s noch einmal, Gott ist die Liebe, Gott ist die Liebe, er liebt auch dich.“

Als aber der Frühling kam, pickten die Vögel wieder an die Fensterscheibe, jetzt von der Innenseite. Sie wollten nun wieder hinaus in den Wald fliegen. Doch die Kinder mochten ihre lieben Freunde gar nicht fortlassen. Da sagte der Vater zu ihnen: „Seid ihr denn bei schönem Sonnenschein auch so gern im Zimmer eingesperrt?“

„Nein“, antworteten die Kinder, „wir wollen sie fortfliegen lassen. Aber sie müssen bald wiederkommen.“

Dann öffneten sie das Fenster und husch - waren die Vögel in die freie Natur geflogen. Die Kinder legten nun Moos und Wolle auf das Fensterbrett. Damit bauten die Vögel ein richtiges Nest im Garten. Bald legten sie acht Eier ins Nest.

Als Hans und Christa wieder einmal im Garten saßen, sahen sie, wie sechs kleine Vögel ihre Schnäbelchen aufsperrten und von den Vogeleltern gefüttert wurden. Seht ihr die sechs fröhlichen Jungvögel im Fliederbusch pfeifen und singen? Die Kinder legten im nächsten Winter wieder Futter aufs Fensterbrett. Ob die Vögel aber wieder ins Zimmer gekommen sind, weiß ich nicht. Wenn ich Hans und Christa wieder einmal treffe, dann will ich sie fragen.

Nun wollen wir beten: Jedes Tierlein hat sein Essen,

jedes Blümlein trinkt von dir,

hast auch meiner nicht vergessen,

lieber Gott, ich danke dir. Amen


6.
Februar

„Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen.“

Josua 24,15

Am Tisch sitzt der Vater und hat seine Hände über der geöffneten Bibel gefaltet. Die Mutti und die Kinder beten auch. Es ist immer gut, wenn wir am Abend noch beten, denn wir wissen nicht, was in einer Nacht alles passieren kann. Da habe ich eine Geschichte gelesen, die sich im vorigen Jahrhundert zugetragen hat.

In einem großen Haus wohnte eine Familie mit zwei Söhnen. Der ältere hieß Frank, der jüngere Wilhelm. Eines Abends brachte die Mutter ihren Kleinen ins Bett.

„Wir haben noch nicht gebetet, Mutter“, sagte der kleine Wilhelm.

„Wir werden morgen beten“, antwortete die Mutter.

Wilhelm flehte: „Mutti, lass uns doch jetzt beten.“

Die Mutter strich dem Kleinen über das Köpfchen: „Im Sprechzimmer wartet noch Besuch auf mich, jetzt habe ich keine Zeit, aber morgen können wir beten“, dabei stellte die Mutter das Licht auf den Tisch und ließ die Tür halb geöffnet, damit sie hörte, wenn jemand rief. Doch der Wind blies durch die Tür und löschte das Licht aus.

„Komm, wir wollen noch aufstehen und beten“, flüsterte Wilhelm.

„Es ist doch so kalt und finster“, meinte Frank. „Das macht nichts, Gott sieht uns auch im Finstern.“

„Die Mutter hat ja gesagt: ,Wir wollen morgen beten‘“, antwortete Frank.

„Und wenn der liebe Gott nicht warten will bis morgen? Komm Frank, ich bete mit dir.“

Eine Zeitlang war es ganz still im Raum, Frank hörte ein leises Geräusch.

„Was machst du?“ fragte er. „Ich knie am Bett und bete auch für dich, Frank.“

Als Wilhelm wieder ins Bett kam, sagte Frank: „Hui, wie bist du kalt, Wilhelm.“

Wilhelm zitterte: „Das macht nichts, ich freue mich darüber, noch einmal zu dem lieben Heiland gebetet zu haben. Wenn ich in dieser Nacht sterbe, dann werde ich im Paradies sein.“

„Ich will aber lieber bei Vati und Mutti und meinen Spielsachen bleiben“, flüsterte Frank.

„Wenn wir aber im Himmel sind, dann hören wir die Engel Gottes singen und mit ihnen können wir auch spielen“, meinte Wilhelm. So ging das Gespräch noch eine ganze Zeit hin und her.

Morgens stand Frank allein auf. Die Mutter fragte ihn: „Wo ist denn Wilhelm?“ „Er schläft noch!“

„Nun, dann halten wir ihm das Frühstück warm und lassen ihn schlafen, solange er will.“

Am Tisch sagte die Mutter zum Vater: „Ich glaube, Wilhelm scheint krank zu sein, er hat gestern so rot ausgesehen. Als ich ihn fragte, ob ihm etwas fehle, sagte er: ,Ich habe nur ein wenig Kopfweh, es wird bald wieder gut sein.‘“

Nun mischte sich Frank in das Gespräch ein: „Ich hatte heute Nacht einen sonderbaren Traum von Wilhelm.“

„Was hast du denn geträumt?“ wollte der Vater wissen.

Nun erzählte Frank, wie Wilhelm am Abend gebetet und so viel vom Himmel und vom Paradies gesprochen habe. „Als er ins Bett kam, war er ganz schrecklich kalt. Als ich eingeschlafen war, sah ich im Traum, wie er noch immer betete und ich nicht. Der Mond schien ganz hell, als plötzlich zwei Engel vor unserem Fenster erschienen. Sie zeigten auf Wilhelm und der eine sagte zum anderen: ,Diesen sollen wir ins Himmelreich führen, der andere muss noch lernen zu beten.‘ Dann wurde es ganz hell im Zimmer. Wilhelm streckte seine beiden Hände einem Engel entgegen, der hat ihn auf seinen Arm genommen und Wilhelm schlang seine Arme um den Hals des Engels. Dann schwebten die Engel mit Wilhelm durch die Luft, bis ich ihn nicht mehr sah. Als ich heute früh aufwachte, war ich sehr froh, dass Wilhelm noch im Bett lag. Aber er schlief ganz fest und war genauso kalt wie gestern Abend, als er ins Bett kam. Ich rief leise: , Wilhelm, Wilhelm!‘, aber er wachte nicht auf.“


Den Eltern wurde ganz sonderbar zumute, sie ließen den Kaffee stehen und eilten schnell ins Kinderzimmer. Da lag Wilhelm mit geschlossenen Augen und lächelte wunderschön. Als sie ihn aber anrührten, war er ganz kalt. Im Bett lag nur noch sein Körper, der Geist und seine Seele waren schon im Paradies bei Gott. Da weinte die Mutti bitterlich, weil sie am Abend nicht noch einmal mit ihrem kleinen Sohn gebetet hatte.

Nun wollen wir miteinander beten:

„Und die Kindlein, und die Kindlein zieht er an die Brust,

die ihm kindlich ihre Herzen hier schenkten voll Lust.

O dann werden sie glänzen wie die Sterne so rein,

in des Heilandes Krone als Edelgestein.“ Amen.

7.
Februar

„Ein gütiges Auge wird gesegnet; denn er gibt von seinem Brot den Armen.“

Sprüche 22,9

Der Herr Jesus hat seinen Jüngern gesagt, dass wir zu Gott beten sollen: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Es ist nicht selbstverständlich, dass wir immer satt zu essen haben. Auf unserem Bild nebenan sehen wir, wie sich die Kinder freuen, als ein Mann zwei große Brote ins Haus bringt. Nur Brote? - Keine Schokolade oder Kuchen, keine Bonbons oder sonst etwas zum Naschen? Hört die Geschichte, wie wunderbar Gott Hilfe schickt.

Eine arme Witwe, die fünf Kinder zu ernähren hatte, wusste eines Tages nicht mehr, was sie ihren Kindern zu essen geben sollte, die Speisekammer war nämlich gänzlich leer. Aber sie vertraute Gott und dachte: „Was unser Gott erschaffen hat, das wird er auch erhalten; darüber wird er früh und spät mit seiner Gnade walten.“

Sie betete zu Gott und dankte ihm für die Hilfe, die sie immer wieder erhalten hatte. Sie war ja eine fleißige Frau und ihre Kinder hatten auch den Heiland sehr lieb, waren gehorsam und halfen der Mutti. Eines Morgens sagte die Mutter: „Kinder, an diesem Morgen kann ich euch nichts zu essen geben, ich habe kein Brot, kein Mehl und nicht einmal ein Ei; aber betet jetzt nur fleißig, der liebe Gott ist reich und mächtig. Er hat gesagt: ,Rufe mich an in der Not, so will ich euch erhören.‘“ Der kleine Christian ging ganz betrübt ohne ein Stückchen Brot zur Schule. Als er auf dem Weg war, kam er an einer offenen Kirchentür vorbei. Er ging ins Gotteshaus hinein und, da er niemand erblickte, betete er laut: „Lieber Heiland, gib uns doch etwas zu essen, unsere Mutter hat kein Brot, kein Mehl und nicht einmal ein Ei. Hilf du uns doch, du kannst doch alles verwandeln, du hast es in deinem Wort versprochen, so halte nun dein Wort.“ Dann stand er auf und ging mit leerem Magen in die Schule.

Während der Pause, als die Kinder auf dem Schulhof spielten, dachte er immer: „Ob der Heiland nun mein Gebet erhört hat?“

Als er nach Hause kam, sah er zwei große Brote, eine Schüssel voll Mehl und einen Korb mit Eiern auf dem Tisch stehen.

„Gott sei Dank!“ rief das Kind, „er hat mein Gebet erhört, Mutter. Hat ein Engel Gottes das alles hierher gebracht?“

„Nein“, sagte die Mutter, „aber Gott hat trotzdem dein Gebet erhört. Während du in der Kirche gebetet hast, saß die Frau des Bürgermeisters neben dem Altar, wo du sie nicht sehen konntest. Sie hat gehört, was du gebetet hast. Nun hat sie uns all die schönen Sachen schicken lassen. Sie ist der Engel gewesen, den Gott gesandt hat, wir wollen Gott danken, denn er hat es so geführt, dass gerade die Frau des Bürgermeisters in der Kirche sitzen musste, als du dort gebetet hast. So macht es Gott oft.“

Dann sangen sie alle miteinander: „Danket dem Herrn! Wir danken dem Herrn; denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.“

Nun wollen wir beten: Du großer Gott im Himmel, wir danken dir, dass du alle Gebete in der weiten Welt erhörst und auch dieser armen Familie geholfen hast. Darum wollen wir dir alle Ehre geben. Amen.


8.
Februar

„Vom Odem Gottes kommt Eis und die weiten Wasser liegen erstarrt.“

Hiob 37,10

Wie kahl die Landschaft aussieht, alles scheint erstorben. Kalt und tot wie ein Friedhof liegt die Welt erstarrt. Auf den kahlen Ästen hocken die schwarzen Raben und schreien ihr krächzendes Winterlied über den verschneiten Friedhof. Dunkle Wolken haben den Himmel verdeckt, raue Winde ziehen von Norden und die Sonne scheint nicht mehr. Graf Franz von Pocci schrieb darüber eine Geschichte:

„Ich mag den Winter nicht leiden. Ach, wär‘s doch wieder grün draußen!“

„Ei, du magst den Winter nicht? Sage nur warum?“

„Guck ich zum Fenster hinaus, ist alles tot und öde. Kein Blättlein am Baum, kein Blümlein im Garten, kein Vogel singt!“

„Alles hat seine Zeit. Sag mir, magst du auch die Nacht nicht leiden?“

„Die Nacht? Ei, warum nicht? Die hab ich sehr lieb, denn da lieg ich im Bett und schlafe wie eine Ratte.“

„Besonders, wenn du müde bist von der Tagesarbeit und vom Laufen und Springen.“

„Nun, sollt ich nicht? Ich muss doch ausruhen und dazu muss ich schlafen!“

„So musst du dir auch den Winter gefallen lassen! Sieh! Wenn im Frühling alles keimt und hervorsprießt, wenn im Sommer alles wächst und reift, damit wir im Herbst von Feld und Garten Früchte jeder Art zu unserer Nahrung einsammeln können, so bedarf doch wohl auch die ganze Natur, die so vieles hervorbringt, der Ruhe, damit sie ihre Kräfte allmählich sammeln könne, um fürs nächste Jahr wieder zu sorgen. So ist denn der Winter Schlafenszeit für Garten, Feld und Wald. Das alles hat Gott wohlweislich geregelt und angeordnet und darum lässt er auch dich ruhen und schlafen in der stillen Nacht, damit du frühmorgens wieder erwachen mögest zu frischem Leben. Was sagst du nun zum Winter?“

„Ich muss ihn mir schon gefallen lassen und will ihm auch gleich entgegenlaufen, wenn er einzieht mit Schnee und Eis, weil auch er nicht umsonst da ist.“

„Und wenn du nun in der warmen Stube sitzt, so bedenke wohl, wie viele Menschen frieren müssen, weil sie kein Holz haben! Und wenn du, in ein warmes Jäckchen gekleidet, hinausgehst, so bedenke wohl, wie viele Menschen frieren müssen, weil sie keine Winterkleider haben! Und wenn du ein warmes Süpplein isst und noch etwas dazu, so bedenke wohl, wie viele, viele Menschen hungern, weil sie nichts zu essen haben! Und wenn du dich in dein warmes Bettlein kauerst, so bedenke wohl, wie viele, viele Menschen auf dem blanken Stroh liegen müssen, weil sie nichts anderes haben, und ich könnte dir noch viel dergleichen vorhalten, was du dir im Winter denken magst, nein, ich will dir nur noch eines sagen: Danke Gott, dass du nicht frierst und nicht hungerst und hilf den Armen, so gut du es vermagst.“

Ach ja, Kinder, wir können Gott immerzu danken und daran denken, wem wir vielleicht ein schönes Paket schicken können, für die, die arm und hungrig sind, die jetzt frieren und krank sind.

Wir wollen beten: Lieber Gott, vergib uns, wenn wir so herummeckern und murren. Wir haben vieles und danken dir so wenig dafür. Wir wollen dir danken und dich preisen. Amen.


9.
Februar

„Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich und seine Wahrheit verkündigen mit meinem Munde für und für.“

Psalm 89,2

Wenn‘s draußen stürmt und schneit, wenn der Regen an die Scheiben prasselt, dann freut man sich über ein gemütliches, warmes Zimmer.

Oft aber sagen die Kinder: „Es ist so furchtbar langweilig jetzt.“ Sie haben viele Spielsachen, aber sie verstehen nicht, die Langeweile aus ihren Herzen zu vertreiben.

Wie schön ist es dann, wenn man ein Lied singt und der Vati oder die Mutti dazu auf dem Klavier spielt. Aber leider hört man heute sehr wenig Hausmusik, weil Schallplatten, Kassettenrekorder oder der Fernseher immerzu laufen. Da die Leute nicht mehr selber singen und musizieren, gibt es auch so viele traurige Menschen. Wer ein Lied Gottes singt, wird dabei fröhlich, weil Gottes guter Geist die Menschen dabei erfüllt. Wo dieser Gottesgeist nicht vorhanden ist, da breiten sich bald traurige und böse Geister aus. Dann hat man zu nichts mehr Lust.

So war es auch bei dem König Saul. Er hatte einst viel Freude, denn er liebte Gott und Gott liebte ihn. Er arbeitete für Gott und war ein hübscher, großer Mann voller Lebensfreude. Weil er aber den guten Geist Gottes betrübt hatte, wurde er selber sehr traurig. Immer wieder musste er denken: „Gott liebt mich nicht mehr! Bald werde ich wohl als König abgesetzt werden und dann wird sich Gott einen neuen König erwählen.“

Die Diener des Königs litten auch unter den bösen Launen ihres Herrn. Plötzlich sagte einer der Diener: „Es gibt nur ein Mittel, den König in bessere Stimmung zu bringen, nämlich die Musik. Die Musik wird die zornigen Wutanfälle des Königs lindern und sein Gemüt besänftigen.“

Ein Diener erklärte dann: „Ich kenne einen jungen Hirten, der kann wunderbar auf der Harfe spielen. Er hat eine gute Stimme und singt immer wieder neue Lieder, die er selbst dichtet. Es ist David, der in Bethlehem wohnt.“

Nun, Kinder, wer wurde denn später in Bethlehem geboren? Wisst ihr es noch? Natürlich, der Herr Jesus!

David kam nun zu König Saul und immer, wenn David spielte und sang, wurde es besser mit Saul. Aber weil Saul nicht selber mitsang, wurde er nie wieder richtig fröhlich. So ist es, selber singen ist die beste Medizin für eine traurige Seele. Seht einmal, wie sie auf unserem Bild alle fröhlich mitsingen. Die beiden Kinder, die vor dem Ofen stehen, die Mutti und die älteste Tochter neben dem Vater. Selbst das Baby auf dem Arm der Mutter quietscht vergnügt mit heller Stimme. Unter dem Klavier sitzt einer, der nicht mitsingt, aber er spielt schon Geige. Wollt ihr in der Kirche oder in der Sonntagsschule mitspielen und Menschen erfreuen? Jetzt wollen wir alle miteinander singen:

„Kommt, stimmet alle jubelnd ein: Gott hat uns lieb!

Freut euch in seinem Gnadenschein: Gott hat uns lieb!

Die ihr in Sünden schlaft, erwacht!

Suchet, was euch nun selig macht!

Hin ist die bange Todesnacht! Gott hat uns lieb!“


Die Oma, die schon etwas kränklich ist, singt nicht mehr mit, aber sie freut sich an dem jubelnden Gesang der Familie und denkt an ihre Jugendzeit.

Nun wollen wir beten: Großer Gott, wir wollen dir immer wieder Lob- und Dankeslieder singen. Du hast uns eine schöne Stimme dazu gegeben. Wir danken dir, dass wir dich auch im Gesang anbeten dürfen. Amen.

10.
Februar

„Du siehst es doch, denn du schaust das Elend und den Jammer; es steht in deinen Händen. Du bist der Waisen Helfer.“

Psalm 10,14

Es war ein fürchterlicher, kalter Winter. Man konnte in den Ofen so viel Holz hineinwerfen, bis die Ofentür glühend war, trotzdem fror in der Stube das Wasser im Eimer zu Eis. Die Vögel, die sonst im Winter bei uns bleiben, die Sperlinge, die Krähen und Raben, fielen erfroren aus der Luft herunter. Die Fische in den Flüssen und Teichen fanden im Eis ihren Tod und die Hasen, die Rehe, ja sogar die großen Hirsche lagen tot unter eisiger Schneekruste. Bei dieser eisigen Kälte zersprangen sogar große Bäume mit furchtbarem Krachen.

Aber wie ging es den Menschen, liebe Kinder? Die Geschichte von dem armen Waisenkind Valentin will ich euch erzählen.

Valentin hatte keine Eltern mehr und andere Verwandte kannte er nicht. Er war ein fleißiger Junge, der den Leuten viele Botengänge abnahm und ihnen oftmals auch die Stiefel putzte. So verdiente sich Valentin sein tägliches Brot. Bekam er ein Stück Brot, so dankte er Gott für jeden Bissen. Nur nachts war es für den Kleinen schlecht. Er schlief in Pferdeställen oder in Scheunen, manchmal legte er sich sogar in eine leer stehende Hundehütte. Einmal kroch er unter die Hobelspäne in der Werkstatt eines Zimmermanns. Dort fand er noch einen alten Fußteppich, mit dem er sich zudecken konnte. - Nun kam aber dieser schreckliche Winter, in dem selbst die Tiere in den Ställen jämmerlich erfroren. Da fand er in einem Rittergut einen kleinen Schafstall, der etwas abseits vom Herrenhaus lag. Vor dem Stall war ein großes Schild angebracht: „Vorsicht! Sehr bissiger Hund!“ Es war schon dunkel, als Valentin an das Tor des Stalles kam. Lesen konnte der arme Junge sowieso nicht.

„Lieber Gott im Himmel“, betete er, „beschütze mich auch in dieser Nacht. Lass deinen Schutzengel bei mir sein.“ Dann legte er sich bei den Schafen in einen Heuhaufen in die Ecke. Mit ein paar Säcken deckte er sich zu und schlief todmüde ein. Mitten in der Nacht schlich sich der bissige Schäferhund in den Stall. Diesen Hund hatten viele Kinder geärgert, darum biss er immer, wenn Kinder in seine Nähe kamen. Ja, Tiere erinnern sich oft, wenn sie misshandelt worden sind. Jetzt geschah ein Wunder. Als der grimmige Schäferhund den Valentin so friedlich schlafen sah, legte er sich über ihn, ja er schmiegte sich ganz fest an den Knaben, so dass dieser meinte, einen dicken Pelz anzuhaben. Es wurde ihm so warm, als hätte er eine große Wärmflasche über sich. Am Morgen erwachte Valentin neu gestärkt wie an einem warmen Ofen. Der Hund beschnupperte ihn und verschwand schnell.

Am Tage bettelte Valentin an den Haustüren und brachte seinem Schlafkameraden einen schönen Knochen mit, worüber sich der Hund natürlich mächtig freute. Eine ganze Woche verging, Abend für Abend schliefen die beiden wie Geschwister dicht beieinander. Als eines Morgens der Rittergutsbesitzer in den Stall kam und den Knaben neben dem Hund fand, war er sehr erschrocken. Er meinte, der Hund habe den Jungen totgebissen. Aber da schlug Valentin seine Augen auf und lächelte dem Mann ins Gesicht „Großer Gott!“ rief der Herr, „die Engel Gottes haben diese kleine Menschenseele behütet. Das ist ein Wunder Gottes!“ Von jener Stunde an wurde Valentin der zweite Hirte über die Tiere des Gutsherren. Mit seinem Beschützer, dem großen Schäferhund, verband ihn immer eine innige Freundschaft. Ja, Gott kann auch die Tiere lenken und leiten, dass sie Freunde der Menschen werden.


Nun wollen wir beten: Wir danken dir, Vater, dass du uns in allen Lebenslagen hilfst und dass du ganz besonders ein Gott der Waisen und Witwen bist, dass du auch diese Kinder, die keine Eltern haben, behütest und beschützest. Amen.

11.
Februar

„Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

l. Mose 8,22

Ludwig Richter, der Maler all der schönen Bilder, die in diesem Buch abgebildet sind, las gern die Geschichten von Matthias Claudius. Er hat ihn nie gesehen und doch liebte er diesen Dichter, weil ihm seine Geschichten, die vom Heiland und von der Bibel handelten, so sehr gefielen. Wir haben den Herrn Jesus auch noch nicht gesehen, aber wir kennen ihn so gut durch die Bibel und deshalb lieben wir ihn auch. Matthias Claudius hat eine Geschichte über die Winterszeit geschrieben:

„Was doch für eine Menge Schnee in der Welt ist. Hier so viel Schnee! und in Russland! und in Amerika! und auf unseren Bergen! Und dabei müssen die armen Leute Holz holen gehen, den Tag über in Frost und Schnee herumlaufen, nach wenigen dürren Ästen suchen, nur damit sie sich und ihren Kindern die Stube wärmen und die Kartoffeln kochen können.

Am Nordpol, hinter Petersburg, da liegt sogar im Sommer und im Winter hoher Schnee und in den Sommertagen treiben da in der See Eisschollen herum, die so groß sind wie der größte Bauernhof. Und doch hat der liebe Gott auch dorthin allerlei Tiere gesetzt, weiße Bären, die auf den Eisschollen herumgehen und guter Dinge sind, und große Walfische, die im Wasser fröhlich spielen und scherzen. Auf der anderen Seite der Erde, über Italien hinaus, in Afrika, brennt die Sonne das ganze Jahr hindurch, dass man sich die Fußsohlen verbrennt, und dort ist niemals Winter. Und hier bei uns ist es bald Sommer und bald Winter. Nicht wahr, Kinder, das ist doch recht wunderbar! Der Mensch muss es sich heiß und kalt um die Ohren wehen lassen und kann nichts davon oder dazu tun, er sei Fürst oder Knecht, Edelmann oder Bauer. Wenn du aber einmal groß bist und ein Stück Holz übrig hast im Winter, so gib es hin und denke, dass die armen Leute keine weißen Bären noch Walfische sind.“

Die weißen Bären und Walfische frieren nämlich nicht. Hast du schon einmal einen weißen Bären im Zoologischen Garten gesehen? Die gehen bei größter Kälte ins eiskalte Wasser und freuen sich. Hat Gott nicht alles wunderbar geschaffen? Der Mann auf dem Bild muss durch den hohen Schnee gehen. Der Wind ist kalt und weht ihm ins Gesicht. Auf dem Rücken trägt er einen Sack. Ob er wohl etwas zum Essen für die Kinder mitgebracht hat? Vielleicht hat er aber nur etwas Brennholz für den Ofen. Da haben wir es doch besser mit der Zentralheizung oder dem Gasofen. Dafür wollen wir immer recht dankbar sein und Gott loben. Die Dorfstraße hat der Wind hoch mit Schnee zugeweht. Damals gab es noch keine Räumfahrzeuge, nur Schneepflüge, die von Pferden gezogen wurden. Vor allem hatten die Menschen noch kein Streusalz, das der Natur so viel Schaden zufügt. Man blieb eben mehr in den Wohnungen.


Nun wollen wir beten: Lieber Gott, wir danken dir, dass, solange die Erde steht, Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht nicht aufhören und du uns nie vergisst. Hilf uns immer, ob wir schwitzen oder frieren, ob wir hungern oder satt sind. Amen.

12.
Februar

„Behüte mich wie einen Augapfel im Auge, beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel.“

Psalm 17,8

Es war in der Zeit eines großen Krieges. Böse Menschen mit Gewehren kamen in ein kleines Dörfchen. Sie zündeten die Häuser an, sie raubten und plünderten, wo sie nur konnten. Draußen vor dem Dörfchen stand abseits ein Häuschen. Die meisten Einwohner des Ortes waren in den Wald geflohen. Eine Mutter aber blieb in dem einsamen Gehöft zurück. Sie kniete neben der Wiege ihres Kindes nieder und betete: „Lieber Gott, du kannst uns überall beschützen und beschirmen, auch wenn die Feinde kommen und uns bedrohen, du großer allmächtiger Gott wirst uns auch hier behüten.“ Vom Dorf her hörte man ein schreckliches Geschrei. Viele Häuser brannten lichterloh, die Tiere brüllten und die Glocken läuteten Sturm. Es war ein ungeheurer Lärm, der immer näherkam. Die Mutter hatte die Haustür gut verriegelt, aber als die feindlichen Soldaten mit ihren Gewehrkolben kräftig gegen das alte, morsche Holz stießen, sprang die Tür schnell auf.

Die Mutter des kleinen Babys war ganz erschrocken und bleich, als sie die bösen Menschen sah, die vor der Tür standen. Schnell lief sie zu der Wiege, legte ihre Hände über das Kind und begann mit lauter Stimme zu singen:

„Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude,

und nimm dein Kücklein ein!

Will Satan mich verschlingen, so lass die Engel singen:

dies Kind soll unverletzet sein.“

Die wilden Soldaten standen wie erstarrt da. Einer dieser rauen Gesellen kam zur Wiege und legte seine große Hand auf das Köpfchen des Babys. Seine Lippen bewegten sich wie zum Gebet und dicke Tränen rannen ihm über die Wangen. Still reichte er der Mutter die Hand. Alle Soldaten gingen wie auf Befehl schweigend aus dem Haus. Die Mutter betete noch lange an der Wiege des Kindes und dankte Gott für seine Hilfe: „Vater, ich danke dir, dass du gerade eben deinen Schutzengel uns zur Seite gestellt und uns bewahrt hast.“

Als sie nach einiger Zeit vom Gebet aufstand und zum Fenster ging, sah sie den Soldaten unter einem Birnbaum stehen. Er hatte sein Gewehr im Arm und passte nun auf, dass kein anderer Soldat mehr kam, um vielleicht das Haus anzustecken.

Erst als es Nacht geworden war und die Feinde abrückten, verließ der Soldat seinen Posten. So wurde diese Frau durch die Gnade Gottes wunderbar behütet.

Als ich ein kleiner Junge war, habe ich es auch erlebt, wie wunderbar Gott Menschen behüten und beschützen kann. Meine Mutti hat in diesen schlimmen Tagen auch sehr viel für uns Kinder gebetet. In allen Gefahren ist uns niemals etwas passiert.

Nun wollen wir auch beten: Lieber Gott, wir danken dir, dass du uns unter dem Schatten deiner Flügel behütest und beschirmst, wir danken dir auch dafür, dass du alle Tage bei uns bleibst bis an der Welt Ende. Amen.


13.
Februar

„Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin gekommen zu rufen die Sünder zur Buße, und nicht die Gerechten.“

Lukas 5,31

Gewiss ward ihr schon einmal beim Arzt. Wenn wir krank sind und irgendwo Schmerzen haben, dann gehen wir zum Arzt und lassen uns untersuchen. Der Arzt kennt dann eine Medizin, die er uns verschreibt. Danach geht die Mutti in die Apotheke und holt die Medizin, die wir dann daheim einnehmen müssen.

Ach, manche Kinder wollen die Medizin nicht nehmen, weil sie vielleicht nicht so gut wie Schokolade schmeckt. Aber das ist sehr dumm von ihnen, denn die Arznei soll uns ja gesund machen. Es kann aber auch sein, dass der Arzt etwas anderes sagt, was wir tun sollen, damit wir gesund werden. Er kann uns zum Beispiel bitten, nicht so viel Schokolade und Bonbons zu naschen oder früher ins Bett zu gehen oder mehr Sport zu treiben oder mehr an die frische Luft zu gehen.

Hier steht Ulrich beim Arzt. Er hat in seinen Armen und Beinen starke Schmerzen.

„Das ist bestimmt Rheuma, da sind die Nerven entzündet. Ich schicke dich zu einem Masseur“, sagt der Arzt, „der wird dich dann massieren und dabei wird es besser.“

Nun geht der Ulrich zum Masseur. Wisst ihr, was dieser Masseur macht? Er reibt die kranken Glieder ganz leicht und dann immer stärker, damit alles gut durchblutet wird. Manchmal drückt er ganz bestimmte Gelenke auch kräftiger oder er massiert an der Wirbelsäule. Wo ist denn eure Wirbelsäule? - Nun, fragt einmal die Mutti.

Ja, in einem Massageinstitut trifft der Ulrich seinen Freund Dieter.

„Wie kommst denn du hierher, Dieter, hast du auch Rheuma?“ will Ulrich wissen.

„Ja, in meinem linken Fuß und im Rücken tut es furchtbar weh“, antwortet der Dieter. Der Ulrich zeigt seinen rechten Fuß und sagt: „Bei mir ist es der rechte Fuß.“

Nun kommen sie beide in die Massagekabinen und jeder muss sich auf eine Massagebank legen. Diese Massagekabinen sind nur durch Vorhänge getrennt, man hört alles durch den ganzen Raum. Beide werden zur gleichen Zeit von zwei verschiedenen Masseuren behandelt.

Plötzlich fängt der Ulrich an zu schreien: „Au, au, das tut ja furchtbar weh! Au, au!“

Der Dieter jedoch bleibt während der ganzen Zeit still und ruhig. Hinter seinem Vorhang hört man keinen Laut.

Als die beiden sich wieder im Vorraum treffen, fragt der Ulrich: „Sag mal, wie hast du das bloß ausgehalten? Bei mir hat es am Anfang sehr weh getan, wenn der Masseur die kranke Stelle berührte. Danach wurde es aber besser. Hast du denn gar keine Schmerzen am Anfang gehabt?“ „Nein“, sagt der Dieter, „ich habe dem Masseur einfach den gesunden Fuß hingehalten und da hat es eben nicht weh getan.“

Ach ja, so ist es oft bei den Menschen, wenn sie zum Herrn Jesus, dem großen himmlischen Arzt kommen. Viele sagen dann, wie gut sie sind und wie brav sie immer leben. Von ihren Sünden erzählen sie gar nichts. Wie der Dieter halten sie dann immer ihre gesunden Seiten hin und nicht die kranken. Wenn wir aber dem Herrn Jesus nichts sagen, ihm nicht bekennen, dass unser Herz voller Sünde ist, dann kann er uns ja nicht richtig behandeln. Natürlich weiß der Heiland, dass unser Herz krank ist, aber er will, dass wir ihm alles nennen, so sieht er, dass wir uns gern von ihm behandeln lassen wollen. Dann kann er unser krankes Herz und unsere kranke Seele auch gesundmachen.


Nun wollen wir beten: Herr Jesus, unser Herz ist von Sünden oft krank. Bitte reinige uns durch dein heiliges Blut und gib uns die rechte Himmelsmedizin, nämlich dein Wort. Amen.

14.
Februar

„Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“

Lukas 19,10

Der Hans sitzt am Sonntag bei der Mutter. Die Sonne scheint durch das kleine Fenster auf die schönen Blumen. Die Mutter hat ihr Sonntagskleid angezogen und die blütenweiße Spitzenhaube aufgesetzt.

„Hans, lies mir doch bitte etwas aus der Bibel vor“, sagt die Mutter. Hans kann noch nicht so schnell lesen, aber er übt immer fleißig. Weil er auch laut liest, geht es immer besser. Heute liest er die Geschichte von Jesus und Zachäus.

„Jesus kam nach Jericho und zog durch die Stadt.“ Schon hört Hans auf zu lesen und blickt die Mutter an: „Wo liegt eigentlich Jericho?“

„Jericho liegt in Israel, es war damals eine Grenzstadt mit einer großen Zollstation. Die Römer hatten das Land erobert und Zachäus war ein hoher Beamter der Römer. Nun lies mal weiter, Hans.“

„Dort lebte ein Mann namens Zachäus. Er war der oberste Zolleinnehmer und war sehr reich. Er wollte unbedingt sehen, wer dieser Jesus sei. Aber er war klein und die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht. So lief er voraus und kletterte auf einen Maulbeerbaum, um Jesus sehen zu können, wenn er vorbeizog. Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und redete ihn an: „Zachäus, steig schnell herunter, ich muss heute dein Gast sein!“

Zachäus stieg sofort vom Baum und nahm Jesus mit großer Freude bei sich auf.“

Hans blickt der Mutter wieder ins Gesicht: „Sag, Mutter, woher wusste denn der Herr Jesus, dass dieser Mann, der dort oben im Maulbeerbaum saß, Zachäus hieß?“

„Das erzähl ich dir später, mein Junge, nun lies erst einmal die Geschichte zu Ende!“ Der Hans hat seinen Finger noch an der Stelle liegen, an der er eben die Geschichte unterbrach. Nun liest er weiter:

„Alle waren entrüstet, weil Jesus bei einem so schlechten Menschen einkehren wollte. Aber Zachäus wandte sich an den Herrn und sagte zu ihm: „Herr, ich verspreche dir, ich werde die Hälfte meines Besitzes den Armen geben. Und wenn ich jemand betrogen habe, so will ich ihm das Vierfache zurückgeben.“ Da sagte Jesus zu ihm: „Heute hat Gott dich mit deiner ganzen Familie angenommen. Auch du bist ein Nachkomme Abrahams. Des Menschen Sohn ist gekommen, um die Verlorenen zu suchen und zu retten.“

Jetzt ist Hans froh, dass er die Geschichte so schnell und fehlerfrei gelesen hat. Die Mutti freut sich über ihren Jungen. „Ja“, sagt sie, „du wolltest vorhin wissen, woher der Herr Jesus den Namen von Zachäus wusste. Weißt du, Hans, der Sohn Gottes kennt alle Menschen bei Namen - er ist allmächtig und allwissend.“

„Ja, kennt er denn die Menschen in Afrika auch?“ „Ja, mein Junge, er kennt alle Menschen, in Amerika, in Russland, in Australien und auch dich. Aber er kennt nicht nur die Namen, sondern er weiß auch, was du denkst und alles, was du schon getan hast. Er weiß, ob wir Gutes oder Böses tun. Deshalb sollen wir immer daran denken, dass Jesus alles sieht und hört.“

„Aber was ist denn eine Zollstation, Mutter?“ will der Hans noch wissen.

„Was eine Zollstation ist, erzähle ich dir morgen.


Nun wollen wir beide beten: Lieber Gott, wir danken dir, dass du alles von uns weißt. Du hast auch dem Zachäus alle Sünden vergeben und hast dadurch große Freude in sein Herz gebracht. Du willst auch unser Herz heute fröhlich machen. Amen.“

15.
Februar

„Aber Zachäus wandte sich an den Herrn und sagte zu ihm: ,Herr, ich verspreche dir, ich werde die Hälfte meines Besitzes den Armen geben. Und wenn ich jemand betrogen habe, so will ich ihm das Vierfache zurückgeben.‘“

Lukas 19,8

Die Mutter wollte dem Hans heute erklären, was eine Zollstation sei. Nun hat sie das Bilderbuch von Ludwig Richter vorgeholt und diese Geschichte aufgeschlagen:

„Siehst du, Hans, so sieht eine Zollstation aus. Vor fast zweitausend Jahren, als Jesus bei uns auf Erden lebte, sah natürlich eine Zollstation noch anders aus. Die Menschen trugen damals auch andere Kleider. Vorn, mit dem großen Hut auf dem Kopf, den Stock in der Hand und dem Säbel am Mantel, steht der Zollinspektor. Solch ein Mann war Zachäus. Wenn Kisten mit Waren aus Syrien nach Israel über die Grenze kamen, wurden die Reisenden aufgefordert, die Kisten zu öffnen. Siehst du auf dem Bild dort hinten die geöffnete Kiste?

Heute sagen die Zöllner an der Grenze: „Würden Sie bitte mal Ihren Kofferraum öffnen!“ Dann untersuchen die Zollbeamten, ob man Alkohol, Tabak, Gold oder andere Handelsware mitbringt. Jeder darf nur eine bestimmte Menge der einzelnen Waren über die Grenze bringen, das übrige muss verzollt werden.

Zur Zeit Jesu war es auch so, dass man für bestimmte Waren eine gewisse Zollgebühr bezahlen musste. Es gab dafür eine Liste, worauf genau die Summe geschrieben stand, die man für eine bestimmte Sache zu bezahlen hatte. Wenn nun ein schöner Teppich aus Persien zum Beispiel fünfzig Mark Zollgebühr kostete, dann nahm Zachäus einfach zwanzig Mark mehr, also siebzig Mark. Die übrigen zwanzig Mark steckte er in seine eigene Tasche und die fünfzig Mark lieferte er bei den Römern ab. Wenn ich nun so etwas tue, dann betrüge ich die Menschen. Zachäus bekam ja für seine Arbeit als Oberzöllner schon von den Römern einen sehr guten Lohn. Aber er wollte eben schnell reich werden und sich vielleicht ein schönes Haus bauen. Gott sagt dazu in seinem Wort: „Wer sein Haus durch Betrug bauen will, der ist ein böser Mensch.“

Zachäus hatte schon sehr viel Geld, aber er wollte immer mehr haben, weil er meinte, Geld mache glücklich. Als er von Jesus hörte, merkte er, dass es ein größeres Glück gibt, nämlich den Frieden mit Gott, ein ruhiges Gewissen und ein zufriedenes Herz. Deshalb wollte er unbedingt Jesus näher kennenlernen. Wir müssen alle Jesus näher kennenlernen. Wie können wir das wohl?

Richtig: wenn wir sein Wort lesen - wenn wir zu ihm beten und unseren Willen, vielleicht auch unser Trotzköpfchen einmal aufgeben. Wenn wir nun etwas Unrechtes getan haben, sollten wir auch bereit sein, es gutzumachen. Zachäus muss ein reicher Mann gewesen sein. Hätte er nur hundert Mark in seiner Geldschatulle gehabt, dann müsste er fünfzig Mark den Armen geben und mit den restlichen fünfzig Mark seine Schummelgelder zurückzahlen und noch etwas übrig behalten, um davon leben zu können. Hätte er aber insgesamt hunderttausend Mark gehabt, wie viel wäre ihm dann für die Rückzahlung seiner Schummelgelder und für den Lebensunterhalt geblieben? fragt die Mutter den Hans.

Jetzt seid auch ihr, liebe Kinder, eingeladen, fleißig mitzurechnen, aber nur die etwas größeren Schulkinder.


Nun wollen wir beten: Lieber Vater in dem Himmel, lehre uns dein Wort und gib uns Kraft, dass wir nicht auch solche Schummelgeschäfte machen wie der Zachäus, dass wir nicht einem Freund für ein Spielzeugauto mehr Geld abnehmen, als es im Geschäft gekostet hat. Vergib uns jeden Betrug und wir wollen versuchen, alles wieder gutzumachen, wo wir unehrlich waren. Amen.

16.
Februar

„Du brauchst dich nicht zu ängstigen vor den Schrecken der Nacht.“

Psalm 91,5; Bruns

Seht ihr den kleinen Jungen mit der großen Zipfelmütze in seinem großen Bett? Obwohl die Öllampe in der Nische brennt, hat er mächtige Angst. Durch das Fenster schaut ein Käuzchen mit großen Augen herein. Manche Menschen haben Angst, wenn nachts ein Käuzchen oder Uhu schreit. Wisst ihr, warum sich diese Menschen vor einer Eule fürchten? Weil sie keinen Frieden mit Gott haben und ihre Herzen voller Sünde sind. Die Eulen sind sehr nützliche Tiere, sie jagen nämlich Ratten und Mäuse. Die Mäuse würden uns sonst auf dem Tisch herumspringen, wenn nicht Vögel und Katzen die Mäuse jagen würden. Besonders in Europa, wo die Menschen doch so viel lernen und sich so gescheit vorkommen, haben die gottlosen Leute vor kleinen Eulen Furcht. In Israel zum Beispiel lieben die Menschen die Käuzchen, dort sind sie Lieblingstiere von Jung und Alt. Dieser liebe Vogel, der nie einem Menschen etwas tut, kam an das Fenster des Jungen, weil er das Licht in der Nacht sah. Der Junge dort in seinem Bett ist wahrscheinlich krank, darum hat er eine Schlafmütze aufgesetzt. In früheren Zeiten hatten die Schlafzimmer keine Heizung, deshalb zog man sich nachts eine Zipfelmütze über den Kopf. Auf dem Fensterbrett stehen eine Flasche mit Medizin und ein Glas mit Wasser. Vielleicht hat der Junge auch Fieber und dann schlägt das Herz sehr schnell und man ist sehr aufgeregt.

Als mein kleiner Bruder Peter so krank war und die Mutti jeden Tag ins Krankenhaus fuhr, blieben wir allein im Bett liegen: der Uli, die Thea und ich. Da flog auf einmal eine Motte im Zimmer herum.

Die Lampe brannte schon. Wenn eine Motte Licht sieht, dann fliegt sie mitten in den hellen Schein des Lichtes hinein. Zuerst kam uns das lustig vor. Dann nahm einer ein Tuch und schlug nach der Motte. Jetzt begann die Motte blitzschnell hin und her zu fliegen. Wir hatten alle Fieber und waren deshalb am Abend sehr aufgeregt. Plötzlich schrie jemand: „Das ist ja ein böses Tier, es greift uns an!“

Dann schrien wir alle: „Ja, das ist ein böses Tier, es will uns stechen oder auffressen.“ Wir schlugen wie wild mit den Tüchern nach der Motte, die natürlich immer wilder hin und her flog. Jetzt brüllte ich: „Los, wir fliehen aus dem Schlafzimmer und rennen ins Wohnzimmer!“ Das taten wir dann auch. „Macht doch die Tür zu!“ rief ich, „sonst kommt das böse Tier uns nach!“

So sprangen wir mit lautem Geschrei im Nachthemd auf den Wohnzimmertisch. Da kam gerade unsere Mutti vom Krankenhaus zurück.

„Was ist denn hier los? Seid ihr denn ganz und gar verrückt geworden?“ fragte sie.

„Mutti, da im Schlafzimmer ist ein böses Tier“, heulten wir alle drei los.

„Aber Kinder“, sagte die Mutti, „das ist doch nur eine Motte, die tut niemand etwas. Gott ist doch allezeit bei euch und seine Engel auch, wisst ihr denn das nicht? Außerdem kann euch doch eine kleine Motte gar nichts tun.“

Auch ein Käuzchen tut uns nichts, es ist ein ganz lieber, drolliger Vogel. Wenn es nachts ruft, dann klingt es wunderschön, so richtig melodisch für die Nacht geschaffen. Wenn ich ein Käuzchen rufen höre, dann lobe ich Gott und bete mit großer Freude: „Ach Herr, der du Himmel und Erde gemacht hast, du hast auch dieses Käuzchen geschaffen. Sein wehmütiger Ruf in der Nacht ist auch ein Lobpreis zu deiner Ehre. Ich danke dir, dass ich mich nachts nicht zu fürchten brauche, denn du bist bei mir und deine heiligen Engelscharen umgeben mich allezeit. Amen.“


17.
Februar

„Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!“

Psalm 121,7.8

Wie schnell kann man doch heute von einem Ort zum anderen kommen! Wenn es Winter wird und der Schnee fällt, dann packen die Leute in Norddeutschland ihre Skier und Rodelschlitten auf den Gepäckständer des Autos und fahren in die Berge, um sich dort beim Wintersport zu erholen.

Im Sommer, wenn die Sonne heiß auf die Erde brennt, nehmen die Leute aus Süddeutschland ihre Badesachen und fahren an die Nord- oder Ostsee, um sich beim Wassersport zu erholen. In wenigen Stunden kann man vom Meeresstrand bis zu den Alpen fahren oder auch umgekehrt. Mit dem Flugzeug können etwa vierhundert Menschen den großen Ozean in sieben Stunden überqueren und in Amerika landen. - Ist das nicht fabelhaft?

Als Ludwig Richter geboren wurde, gab es noch keine Eisenbahn, keine Autos und auch keine Flugzeuge. Die Kinder, die am Meer geboren wurden, sahen während ihres ganzen Lebens nie die hohen Berge der Alpen und die Schweizer Mädchen und Jungen konnten sich das Meer nur in Bilderbüchern ansehen. Nur ganz reiche Leute fuhren manchmal mit der Postkutsche wochenlang durch das Land, um einmal das Meer oder die Berge zu sehen.

In einem Fischerdorf an der Nordseeküste lebte der kleine Hans Hansen. Sein Vater war Seemann und kam nur zweimal im Jahr nach Hause. Hans sah täglich das weite, rauschende Meer. Wenn dann die Möwen kreischend über die hohen Wellen segelten, wurde er auch von tiefer Sehnsucht gepackt, einmal als Seemann mit einem Schiff über die großen Meere zu segeln.

Als Hans sechs Jahre alt war, sah er den Vater zum letzten Mal. Das Schiff ging bei einem großen Wirbelsturm unter und nur der Steuermann wurde gerettet. Seine Mutter war nun ganz allein mit Hans. Sie lasen aber täglich in der Bibel und beteten zu Gott. Hans lernte im Religionsunterricht viele Bibelverse und Lieder vom Heiland auswendig. Als er vierundzwanzig Jahre alt war, zog er hinaus in die weite Welt, natürlich als Matrose auf einem Segelschiff, wie sein Vater vorher. Die Mutter weinte sehr, als er vor ihr niederkniete, um von der Mutter zum letzten Mal den Segen Gottes zu erhalten: „Der Herr behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.“ Die Mutter gab dem Jungen noch eine Bibel mit und bat ihn, immer darin zu lesen und treu zu Gott zu beten.

So fuhr Hans auf einem großen Handelsschiff über das weite, weite Meer - wochenlang, monatelang. Die Mutter bekam aus Kapstadt einen fröhlichen Brief, aus Indien und auch aus Australien. Dann kam lange Zeit keine Nachricht mehr. - Das Schiff war in einen grauenhaften Wirbelsturm geraten, die Segel zerrissen, das Steuer zerbrochen, der Rumpf auseinander gerissen. Die Wellen spülten Hans über Bord, er schwamm aus Leibeskräften Stunde um Stunde im großen Meer. In großer Angst schrie er zu Gott: „Herr, hilf mir und rette mich! Denke an den Segen meiner Mutter, den sie über mir erbeten hat.“ Dann wurde er ohnmächtig. Die Wellen spülten ihn ans Land. Dort blieb er bewusstlos liegen.

Seht ihr ihn dort auf einer Klippe? Wie es ihm dann weiter ergangen ist, wollen wir morgen hören. Ob ihr bis dahin Geduld habt zu erfahren, wie es dem Hans weiter erging? Wenn nicht, müsst ihr die Geschichte für morgen eben zweimal lesen.

Nun wollen wir beten: Herrlicher Gott, heute wollen wir an alle Menschen denken, die vielleicht in großer Gefahr sind, auf dem Schiff, im Flugzeug, in der Eisenbahn oder im Auto, im Gebirge bei den Schneelawinen, in Überschwemmungen oder in anderen Gefahren. Hilf du ihnen und rette sie. Amen.


18.
Februar

„Die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut, und sollen Dank opfern und seine Werke erzählen mit Freuden.

Die mit Schiffen auf dem Meer fuhren und trieben ihren Handel auf großen Wassern, die des Herrn Werke erfahren haben und seine Wunder auf dem Meer, wenn er sprach und einen Sturmwind erregte, der die Wellen erhob - und sie froh wurden, dass es still geworden war und er sie zum erwünschten Lande brachte: die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an Menschenkindern tut.“

Psalm 107,21-25.30-31

Dieses Gotteswort las einst der Pfarrer im Religionsunterricht in der Schule, als Hans noch ein Kind war und in seiner Heimat lebte. Durch ein großes Wunder hatte Gott den Hans als einzigen Mann des Schiffes vom Tode errettet. Der mächtige Sturm ließ nach und die hohen Wellen verkrochen sich in das tiefe Meer. Als Hans erwachte, hörte er nur das wilde Rauschen des Meeres und das Schreien der Möwen. Im ersten Augenblick dachte der junge Mann, er würde wie früher als Knabe am Strand der Nordsee in der Heimat sein. Doch langsam kam sein Bewusstsein wieder und er musste feststellen, dass er auf einer einsamen Insel mutterseelenallein war. Trotzdem erhob er seine Hände und dankte Gott, dass er ihn aus den großen Fluten des Meeres errettet und glücklich ans Land getragen hatte. Aber er war ja völlig durchnässt und konnte seine Kleider nicht wechseln. Außerdem besaß Hans nichts zu essen oder zu trinken. Es gab auch keine Möglichkeit etwas zu bekommen, denn die Insel war unbewohnt. So dachte er nun, an grausamem Hunger sterben zu müssen oder von wilden Tieren gefressen zu werden. Er besaß auch keine Waffe, um vielleicht ein Reh oder einen Hasen schießen zu können. Zum großen Glück gab es auf dieser Insel keinen Winter. Am Tage strahlte die Sonne glühend heiß auf die Erde und nachts wurde es empfindlich kühl am Boden. Deshalb wollte sich Hans auf einem Baum ein Nest bauen, um dort etwas geschützt vor Schlangen oder anderen bösen Tieren schlafen zu können.

Als er nun mit großer Anstrengung an einem Baumstamm emporkroch, bemerkte er, dass der Baum seltsame Früchte trug, es war eine Kokospalme. Mit einem Stein schlug er eine Kokosnuss auf, trank daraus die Milch und aß die Kokosfrucht. So hatte er zunächst seinen Hunger und Durst gestillt. Es wurde ihm aber klar, dass er auf der schaukelnden hohen Palme nicht schlafen konnte. Deshalb stieg er auf einen anderen buschigen Baum, der in seiner Nähe stand. Er zwängte sich zwischen die knorrigen Äste, dort, wo sie am dichtesten aneinanderwuchsen und schlief bald ein. Als die Sonne untergegangen war und der Mond schon mild leuchtete, träumte er wie Jakob von einer Leiter, die auf der Erde stand und mit der Spitze den Himmel berührte. Nur sah er im Traum keine Engel, sondern den Herrn Jesus Christus selber herabsteigen, der zu ihm sagte: „Sei ganz getrost, Hans, ich will dich behüten vor allem Übel und dich auch sicher wieder zu deiner Mutter in die Heimat bringen, denn ihr Gebet soll dir zum Segen sein. Ich habe meinen Engeln befohlen, dass sie dich vor allen Gefahren bewahren.“

Dann verschwand der Traum, aber Hans wusste von jener Nacht an, dass der Sohn Gottes ihn selber behüten würde.

Weißt du auch, dass dich der Heiland behüten will? Morgen erfahren wir dann mehr darüber, wie es dem Hans noch ergangen ist.

Jetzt wollen wir aber beten: Herr, du allmächtiger Gott, wir danken dir, dass du durch den Herrn Jesus unsere Rettung für alle Ewigkeit festgelegt hast. Wir wollen deinem Wort immer vertrauen und dir glauben. Amen.


19.
Februar

„Als nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: ,Fürwahr, der Herr ist an dieser Stätte und ich wusste es nicht.‘“

l. Mose 28,16

Als Hans erwachte, leuchtete die Sonne schon am wolkenlosen Himmel. Das Wetter hatte sich aufgeklärt, die See ging ruhig. Nur ein leichter, trockener Wind wehte über die Insel. Hans hörte viele Vogelstimmen, die er noch nicht kannte. Die Papageien schrien und andere Vögel gaben ganz seltsame Laute von sich. Hans beobachtete, wie die Vögel ihre Nahrung suchten, nur er hatte noch nichts zum Frühstück. Wie sollte sein Leben überhaupt weitergehen? Von Kokosnüssen und anderen Früchten, wie Bananen und Waldbeeren, konnte er auf die Dauer nicht leben.

Da fiel ihm sein Traum ein und er hörte die Stimme des Herrn Jesu Christi ganz deutlich: „Sei ganz getrost, Hans, ich will dich behüten vor allem Übel und dich auch wieder sicher zu deiner Mutter in die Heimat bringen.“ An diese Worte konnte er sich noch gut erinnern. Es vergingen einige Tage, an denen er sich sehr notdürftig mit den Früchten der Bäume und den Beeren von wilden Sträuchern ernährte. Eines Morgens wanderte er wieder über die Insel, da fand er in einem Felsen eine Höhle. Als er in diese Höhle hineinkam, war es sehr dunkel, denn draußen glänzte die Sonne mit aller Kraft und der gelbe Sand blendete seine Augen.

Hans tastete sich wie blind durch die langgestreckte Felsennische und stieß plötzlich an eine Kiste. Es musste also schon vor ihm einmal ein Mensch oder mehrere auf dieser Insel gewohnt haben. Die Kiste war ganz verrostet, sie konnte nur unter großer Anstrengung geöffnet werden. In dieser geheimnisvollen Kiste fand Hans die wichtigsten Werkzeuge, die er zum Überleben brauchte. Was meint ihr wohl, liebe Kinder, was zum Weiterleben für Hans sehr wichtig war? - Na, zählt erst einmal alles auf, was ihr meint, das alles nötig ist, um auf einer einsamen Insel weiterleben zu können.

Nun will ich euch erzählen, was in der Kiste unter anderem zu finden war. Hans fand dort ein Beil und eine Axt, einige Messer, Schraubenzieher und Schleifsteine. Eine Schaufel, einen Hammer, eine Zange, Nägel, Schrauben und eine Zimmermannssäge. Diese Werkzeuge sind auf solch einer Insel wichtiger als Gold und Silber. Warum wohl? Nun, weil man sich mit Gold und Silber dort nichts kaufen kann.

Aber es fehlte ihm noch etwas sehr Wichtiges, das Allerwichtigste zum praktischen Leben. Wisst ihr, was fehlte? Er hatte kein Streichholz, um sich Feuer anzuzünden. So konnte er sich auch nichts zu Essen kochen und nicht einmal einen Kräutertee zubereiten. Streichhölzer wären in der Kiste gewiss feucht und unbrauchbar geworden. Ein Feuerzeug gab es damals noch nicht. Womit kann man denn noch Feuer anzünden? - Hans fand ein Brennglas, es wird auch Vergrößerungsglas genannt. Dann sammelte er trockenes Gras und zündete sich mit dem Brennglas das erste Feuer an. Er stellte Wildfallen und fing sich Tiere, die er dann schlachtete, um sich daraus einen feinen Braten zuzubereiten.

Später baute er sich eine Hütte, säte aus wildem Getreidesamen ein Feld mit Weizen an und hatte bald alles zum Leben. Aber innerlich wurde er sehr, sehr krank, denn er konnte mit keinem Menschen reden. Er war ganz einsam und allein auf dieser Insel. Ein Mensch braucht die anderen Menschen, um sich mit ihnen zu unterhalten. Mit einem unterhielt sich Hans jeden Tag. Mit wem wohl, Kinder? Ja, mit Gott dem Herrn, mit unserem Heiland. Er freute sich, dass er so viele Bibelverse auswendig gelernt hatte und auch manche Lieder singen konnte.


Einen Vers sang er immer wieder: „Harre, meine Seele, harre, des Herrn; alles ihm befehle, hilft er doch so gern! Wenn alles bricht, Gott verlässt uns nicht. Größer als der Helfer ist die Not ja nicht. Ewige Treue, Retter in Not, rett‘ auch meine Seele, du treuer Gott!“

Das soll heute auch unser Gebet sein. Wir können ein Gebet sprechen, aber es auch singen. Es kommt immer darauf an, dass wir es von ganzem Herzen tun.

20.
Februar

„Sollte aber Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er‘s bei ihnen lange hinziehen? Ich sage euch: Er wird ihnen ihr Recht schaffen in Kürze.“

Lukas 18,7.8

Woche um Woche, ja Monat um Monat vergingen. Hans lebte einsam auf der Insel, umgeben von wunderschönen Blumen und Tieren. Seit er die Zimmermannskiste gefunden hatte, konnte er sich Nahrung, primitive Möbel und auch Holz zum Kochen verschaffen. Aber die bedrückende Einsamkeit machte sein Herz sehr krank. Täglich betete er zu Gott. Er dankte dem Heiland für alle Bewahrung und Hilfe. Er bat aber dringend um Rettung: „Du großer, allmächtiger Gott, dir ist alles möglich, du kannst doch durch deinen herrlichen Gottesgeist den Kapitän eines Schiffes so lenken und leiten, dass mich seine Schiffsbesatzung hier auf dieser Insel findet.“

Deshalb zimmerte er einen Signalpfahl und stellte ihn auf einen guten Aussichtspunkt an der Küste auf. Ein paar weiße Tücher, die er auch in der Kiste gefunden hatte, band er an den oberen Teil des Baumstammes fest, in der Hoffnung, irgendwann einmal könnte ein Schiff vorüberziehen und diese Signalfahne erkennen.

Um einen Überblick über die Zeit zu bekommen, sammelte er am Meeresstrand Muscheln und legte sie an einem geschützten Ort in der Höhle nebeneinander. Wenn er dreißig Muscheln beieinander hatte, scharrte er sie zu einem Haufen und wusste: Jetzt ist wieder ein Monat vergangen. Am siebenten Tag ruhte er immer und feierte diesen Tag als Sonntag. Natürlich wusste er nicht, ob es in der Welt auch gerade Sonntag war, aber Gott ruhte auch am siebenten Tag und so richtete sich Hans eben seinen eigenen Sonntag auf der einsamen Insel ein.

Auf seinem Hügel hatte er stets neben dem Signalpfahl einen Holzstapel mit dürren Ästen aufgestapelt, um eventuell Schiffen ein Leucht- oder Rauchsignal geben zu können.

Sechsmal zündete er beim Nahen eines Schiffes den Holzstoß an und winkte mit seiner selbst angefertigten Fahne. Aber jedes Mal verschwanden die Schiffe am fernen Horizont.

Doch betete er weiter zu Gott. Die Zeit verging, bis er endlich ganz in der Ferne wieder ein Schiff sah. Ganz erregt zündete er wieder sein Feuer an und schwenkte wie wild mit der Fahne. Das Schiff kam immer näher. Dann sah er, wie der Anker niedergelassen wurde und ein Ruderboot mit einem Offizier und mehreren Matrosen sich dem Strand näherten. Hans sank auf die Knie und betete: „Allmächtiger Gott, du hast mein Gebet erhört, du machst alles fein zu deiner Zeit.“

Der Offizier und die Matrosen kamen aus England. So nahmen sie den verwilderten und bärtigen Unbekannten an Bord und er segelte mit ihnen nach England. Dort fand Hans ein Schiff, das ihn in die Heimat brachte.

Ein lautes „Halleluja“ rief seine Mutter, als sie ihren schon tot geglaubten Sohn wieder in ihre Arme schließen konnte. Hans erzählte der überglücklichen Mutter von allen Gefahren, aber auch von den Bewahrungen durch Gottes Güte. „Ohne die Hilfe Gottes hätte ich dich wohl niemals auf Erden wiedergesehen“, sagte Hans, als es schon sehr spät geworden war und das Meer immer noch wie in alten Zeiten rauschte.

Nun wollen wir beten: Die zum Herrn schrien in ihrer Not und er führte sie aus ihren Ängsten, die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut. Amen.


21.
Februar

„Der Herr wird ihn erquicken auf seinem Lager; du hilfst ihm auf von aller seiner Krankheit.“

Psalm 41,4

Vier Mädchen spielten im Schnee, sie bewarfen sich mit Schneebällen und trieben allerlei Unsinn und Schabernack. Dabei kamen sie auf den Gedanken, einmal bei der alten, wunderlichen Nachbarin ins Fenster hineinzuschauen. Für die Kinder hatte es einen besonderen Reiz, diese Frau zu stören, denn dieses uralte Mütterlein konnte seit Jahr und Tag nicht mehr aus dem Haus gehen. Stundenlang lag sie einsam auf ihrem Bett und konnte sich nur mühsam auf Krücken fortbewegen. Im Sommer setzte sie sich ab und zu noch ans Spinnrad. Aber die Kinder des Dorfes ärgerten diese alte Frau immer wieder, deshalb konnte die Kranke die ungezogenen Kinder nicht mehr leiden.

Als die Mädchen nun an das Fenster kamen, sahen sie die alte Frau mit ihrem faltigen Gesicht am Tisch sitzen und in einem Buch lesen. Aus lauter Übermut klopften alle vier Mädchen gleichzeitig mit großer Wucht an die Fensterscheibe, so dass die Alte einen furchtbaren Schreck bekam. Sie stand auf und drohte den Kindern mit der Faust. Die aber rannten wie der Sturmwind davon. Das älteste der Mädchen, das schon zehn Jahre alt war, wurde daheim sehr unruhig. Sie dachte: ob es wohl recht war, dass wir die alte Frau, die schon so einsam und krank darniederlag, so erschreckten? Sie schämte sich, weil ihr Gewissen sie verklagte.

Im Garten blühten im Schnee die ersten Schneeglöckchen. Schnell pflückte das Mädchen einen kleinen Strauß, den wollte sie der Kranken bringen. Aber sie hatte große Angst, denn da die Frau sie gesehen hatte, hätte sie noch sehr böse sein und sie vielleicht sogar mit der Krücke schlagen können. Deshalb nahm sie ihr kleines Brüderlein, das noch nicht laufen konnte, auf den Arm und ging zum Haus der Nachbarin.

Mit klopfendem Herzen läutete das Mädchen an der Tür der alten Frau. Zornig stand die Alte vor den Kindern. „Ich möchte Ihnen gern eine Freude machen und mich entschuldigen. Deshalb bringe ich Ihnen das Sträußchen hier.“ Dabei streckte sie ihr die Schneeglöckchen entgegen, während sie das Brüderchen fest auf dem Arm hielt. „Du willst mir eine Freude machen, Kind? Das hat schon lange niemand mehr getan! - Na, dann kommt ihr beiden mal zu mir ins Zimmer.“ Die alte Frau war durch ihre Krankheit so schwach, dass sie sich gleich wieder aufs Bett legen musste. Auf dem Tisch sah das Mädchen ein Gesangbuch liegen. „Darf ich Ihnen etwas aus dem Gesangbuch vorlesen?“ fragte es.

„Oh, sehr gern, mein Kind, meine Augen werden immer schwächer, darum bitte ich täglich zu Gott, dass er mir noch so viel Augenlicht erhält, um in der Bibel und im Gesangbuch lesen zu können. Aber das geht nur recht mühsam. Nun schickt dich der Herr und ich freue mich, dass du mir etwas vorlesen möchtest.“

Das Mädchen setzte das kleine Kind zu der alten Frau aufs Bett und begann zu lesen:

„Immer muss ich wieder lesen in dem alten, heilgen Buch,

wie mein Herr so sanft gewesen, ohne List und ohne Trug.

Wie er hieß die Kindlein kommen, wie er hold sie angeblickt

und sie auf den Arm genommen und sie an das Herz gedrückt.

Wie er Hilfe und Erbarmen allen Kranken gern erwies

und die Blöden und die Armen seine lieben Brüder hieß.“


Die alte Frau weinte vor großer Freude. Von jetzt an kam das Mädchen täglich und las der Kranken aus der Bibel und aus dem Gesangbuch etwas vor. Danach kniete es nieder und betete, wie wir es jetzt auch tun wollen:

„Kranken Herzen sende Ruh nasse Augen schließe zu.

Hab auf alles gnädig acht; schenk uns eine gute Nacht!“ Amen.

22.
Februar

„Sei nicht unter den Säufern und Schlemmern: denn die Säufer und Schlemmer verarmen und ein Schläfer muss zerrissene Kleider tragen.“

Sprüche 23,20.21

Ihr habt gewiss schon einmal einen betrunkenen Menschen gesehen, wie er durch die Straßen torkelt und allerlei dummes Zeug redet. Wer Schnaps und viel Wein oder Bier trinkt, der wird betrunken und weiß nicht mehr, was er redet und kann auch nicht mehr gerade laufen. Manche Männer versaufen ihr ganzes Geld. Ihre Kinder haben nichts zum Essen und kaum Kleider zum Anziehen. Es herrscht viel Not und Elend in solchen Familien. Einige Männer schlagen sogar ihre Frauen, wenn sie betrunken sind. Manche werden so zornig, dass sie die ganze Wohnungseinrichtung zerstören. Andere setzen sich im Alkoholrausch ins Auto und wollen in diesem Zustand den Wagen lenken. Viele sind dabei schon tödlich verunglückt oder haben andere Menschen, die nichts getrunken hatten, totgefahren. Darum lesen wir in der Bibel, dass wir keine Säufer sein sollen.

Als kleiner Junge wurde ich von einer Familie zur Konfirmation eingeladen. Diese Familie war sehr arm. Die älteste Tochter hatte Konfirmation. Das ist eine Einsegnung, die Kinder bekommen, wenn sie ungefähr 14 Jahre alt sind. Sie sollen dann in der Kirche versprechen, dass sie Gott gehorsam sein wollen. Zu diesem Fest werden die Bekannten und Verwandten eingeladen. Aber der Vater, die Mutter und die Kinder dieser armen Familie lasen nie in der Bibel und glaubten auch nicht an den Herrn Jesus. Als der Gottesdienst zu Ende war, gingen sie alle nach Hause und begannen nun, auf ihre Weise zu feiern. Sehr viel Schnaps und Wein wurde getrunken. Ich war damals erst sechs Jahre alt und wollte nur Kuchen, Schokolade und Bonbons essen. Da gaben mir die anderen Kinder, die schon etwas älter waren, ein Glas mit Rotwein zu trinken und sagten, es wäre Himbeersaft. Sie hatten in den Wein Zucker geschüttet, damit ich es nicht merken sollte. Dieses rote Getränk schmeckte sehr komisch und kratzte so im Hals.

Als ich später die Treppe hinunterging, um nach Hause zu gehen, wurde mir ganz schwindlig. Dann klingelte ich an unserer Haustür. Die Mutti öffnete, bemerkte aber nichts, sondern ging zu meinem Brüderchen, das noch sehr klein war. Bei mir drehte sich alles im Kopf herum, ich wusste gar nicht mehr, wo ich war.

Ich taumelte zum Küchenschrank und begann, die Töpfe, Backformen und Pfannen auszuräumen. Als meine Mutti kam, wollte ich gerade in den Schrank klettern. „Was machst du denn da, Junge?“ rief die Mutti ganz entsetzt.

„Ich will schlafen gehen, das ist doch mein Bett“, lallte ich. Energisch zog die Mutti mich aus dem Schrank, da bemerkte sie, dass ich betrunken war.

„Pfui! wie stinkst du denn, du bist ja betrunken!“ sagte sie. Mir war damals so elend, ich musste mich übergeben und hatte mächtiges Bauchweh.

Am nächsten Morgen dachte ich: Nein, ich will nie wieder Alkohol trinken, sonst geht es mir wieder sehr schlecht.

Seht ihr den betrunkenen Jungen zwischen den großen Weinfässern liegen? Er sollte für den Wirt Wein holen und hat nun selbst davon zu viel getrunken. Nun geht es ihm genauso übel und schlecht, wie es mir damals ging. Wenn Kinder zu viel Wein trinken, können sie sehr krank werden oder auch sterben. Viele Menschen sterben sehr früh, weil sie viel Alkohol getrunken haben.


Nun wollen wir beten: Lieber Gott, wir wollen keine Säufer werden, denn dann kommen wir in viele Sünden und machen unser ganzes Leben damit kaputt. Bewahre uns und hilf den Kindern, deren Väter Trinker sind, damit sie nicht von ihnen geschlagen werden. Amen.

23.
Februar

„Habe deine Lust am Herrn; der wird dir geben, was dein Herz wünscht.“

Psalm 37,4

Die kleine Carla ist jetzt schon eine richtige Dame geworden. Deshalb lässt sie sich am Morgen von der Mutti immer recht hübsch machen. Doch etwas bedrückt sie sehr, sie hat keinen Vater wie die anderen Mädchen. Der Vater wurde im Krieg von einer feindlichen Kugel getroffen. Nun muss die Mutti arbeiten gehen und die Familie versorgen. Carla spielt am liebsten mit ihrer Puppe, dann ist sie ganz in Gedanken versunken und träumt davon, sich selbst einmal sehr hübsche Kleider zu kaufen. Sie näht für ihre Puppe immer sehr schöne Kleidchen und setzt ihr schöne Hütchen auf. Ja, Carla hat einen feinen Geschmack. Weil es noch Winter ist, hat sie der Puppe eine Kapuze an das Jäckchen gestrickt, damit sie bei diesem Frost nicht friert. Sie hat ihr Puppenkind sehr lieb. „Mutti, ich habe großen Hunger und meine Puppe auch. Gib uns doch bitte ein Stückchen Brot, damit wir satt werden.“ Jetzt merkt Carla, dass die Mutti weint, denn der Speiseschrank ist ganz leer. Es gibt kein Brot, keine Kartoffeln, kein Öl, keinen Käse und keine Milch - alles ist aufgegessen und die Mutti hat kein Geld, um Nahrungsmittel zu kaufen. Carla weiß, die Mutti hat bereits einige Wertsachen verkauft, um etwas Geld zu bekommen, aber jetzt sind keine Wertgegenstände mehr im Hause, für die man Geld bekommen könnte. Mit ihren lieben blauen Augen schaut das Kind die Mutti traurig an, es tut ihr selber im Herzen weh. Ach, sie möchte der Mutti nur zu gern helfen, aber wie?

Plötzlich kommt ihr ein Gedanke: Sie nimmt ihren Mantel, der schon sehr abgetragen ist, und zieht ihn an. Dann wickelt sie ihre Puppe in ein großes Tuch und stapft durch den hohen Schnee zum reichsten Bauern des Dorfes. Der große Kettenhund bellt schrecklich laut. Am liebsten möchte Carla davonlaufen, aber sie geht tapfer an der Hundehütte vorbei. „Was, du willst deine Puppe verkaufen, um etwas Brot zu bekommen?“ fragt der Bauer. „Ja“, sagt Carla, „die Mutti hat nichts mehr zu essen und mir tut auch der Magen vor Hunger so weh.“

„Was soll denn die Puppe kosten?“ fragt der Bauer.

„Fünf Mark“, antwortet die Kleine ganz tapfer.

„Und dafür willst du deine schöne Puppe verkaufen?“

Der Carla wird ganz traurig ums Herz. Sie denkt wie eine Mutter an ihre Puppe, leise streichelt sie mit dem kleinen Händchen über das Puppenköpfchen: „Was sollen wir denn machen, wenn wir nichts zu essen haben? Mein Brüderchen weint auch schon vor Hunger.“

„Nun pass einmal auf“, sagte der Bauer, „du behältst deine Puppe und ich komme gleich mal zu deiner Mutti und bringe euch etwas zu essen.“

Vor Freude weint Carla, denn sie hätte es fast nicht übers Herz gebracht, die Puppe zu verkaufen. Dann springt sie voller Freude und Lust nach Hause.

Kurze Zeit danach kommt der Bauer mit einem großen Korb mit Brot, Butter, Kartoffeln, Gemüse und sogar einem Stück Schinken. Da hat auch die Mutti vor Dankbarkeit geweint. Wie hieß unser Bibelwort? Der Herr hat sein Wort gehalten.

Wir wollen nun beten: Lieber Heiland, wir danken dir, dass wir uns auf dein Wort verlassen können und du auch der kleinen Carla gegeben hast, was ihr Herz wünschte. Du wirst es auch weiterhin tun. Amen.


24.
Februar

„Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

Matthäus 25,40

Noch immer war es Winter. Oft leiden dann Menschen und Tiere große Not. Während einer großen Notzeit kam an einem rauen, kalten Wintertag eine unbekannte Frau in ein Dorf und bat flehentlich um Hilfe. Ihre Kleidung war sauber, aber abgetragen und an vielen Stellen geflickt. Ihren Kopf hatte sie, weil es heftig stürmte, mit einem Tuch dicht umhüllt. In der rechten Hand hielt sie einen langen Stab und auf dem Rücken trug sie einen kleinen Korb. An allen Türen bat sie um etwas zu essen oder um eine kleine Geldgabe. Aber die meisten Menschen waren hartherzig und schenkten der armen Frau nur Abfall oder besseres Viehfutter. Die reichen Leute jagten sie gleich mit ihren großen Hunden von der Tür fort.

Jetzt kam sie an eine alte, kleine Bauernhütte. Vor der Tür standen ein Holzklotz mit einem Beil und ein Schleifstein, womit man früher Messer und Scheren schärfte. Die kleine Bäuerin, die ein Baby auf dem Arm trug, bat die Unbekannte, in die warme Stube hineinzukommen. Da sie gerade vom letzten Mehl ein Brot gebacken hatte, gab sie der armen Frau davon ein schönes, großes Stück. Sie war der einzige Mensch im Dorf, der der Bettlerin richtig geholfen hat.

Am folgenden Tage wurden alle Bewohner des Dorfes ganz unerwartet ins Schloss zu einem Abendessen gebeten. Die Leute verwunderten sich sehr, als sie an der Pforte des Schlosses die unbekannte Bettlerin wiedererkannten. Als sie nun in den Speisesaal traten, standen da viele Tische und ein kleines Tischlein in einer schönen Nische. Auf den großen Tafeln lagen Berge von verschimmeltem Brot, ein paar verfaulte Kartoffeln und eine Handvoll Kleie.

Auf dem kleinen Tischchen aber, unter einem strahlenden Kronleuchter, erblickten die Gäste die besten Speisen. An diesen Platz führte die Schlossherrin die Bäuerin mit deren Kind und Mann. Zu den anderen Gästen sagte die Gastgeberin: „Ich war die verkleidete Bettlerin, die Sie gestern an Ihren Türen gesehen haben. Ich möchte mich bei Ihnen in der Weise bedanken, wie Sie mich gestern empfangen haben!“ Dabei wies sie auf die großen Tische mit den unappetitlichen Gaben hin. Sie aber setzte sich an den kleinen, reich gedeckten Tisch zu dem armen Ehepaar und unterhielt sich mit ihnen vergnügt und herzlich.

Ja, liebe Kinder, so wird es auch einmal allen gehen, die Gutes oder Böses getan haben an ihrem Nächsten. Zu den gastfreundlichen Menschen wird Jesus sagen: „Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und ihr habt mich bei euch aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt für mich gesorgt…“

Die gastfreien Menschen werden erstaunt sein, denn sie haben aus Liebe zu armen Menschen alles gegeben und es für selbstverständlich gehalten. Aber Jesus wird ihnen dann sagen: „Was ihr getan habt einem Geringsten unter diesen, das habt ihr mir getan.“

Darum heißt es: „Wie man die Aussaat hier bestellt, so erntet man in jener Welt.“

Wir wollen beten: Lieber Vater im Himmel, wir kennen viele arme Menschen, es gibt immer Leute, die ärmer sind als wir. Deshalb wollen wir freigebig sein und helfen, wo und wie wir nur können. Hilf uns bitte dabei. Amen.


25.
Februar

„Hütet euch aber, dass eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung.“

Lukas 21,34

Die Tiere fressen und saufen. Wenn Menschen übermäßig leben, dann sagen wir auch von ihnen, sie fressen und saufen. Durch zu viel essen und trinken werden wir krank, wir bekommen einen dicken Bauch, unser Herz, unsere Leber, die Galle, der Darm und andere Organe werden geschädigt. Viele Menschen haben starke Schmerzen in ihren Gliedern und auch Kopfschmerzen, weil sie zu viel essen und trinken. Oft werden Kinder schon zuckerkrank und haben dicke Bäuche, dicke Arme und Beine und einen zu dicken Hals. Ich kannte einen Mann, der aß zum Frühstück dreißig Eier und noch viele Brötchen. Einen Jungen sah ich einmal, der zwei Hühner, eine Schüssel mit Sülze, eine Wurst, einen Berg Kartoffeln und Kuchen allein zum Mittag aufaß. Er wog schon zwei und einen halben Zentner und war noch sehr jung. Ein Arbeitskollege von mir konnte fünf Pfund Fleisch essen, wenn er bei einer Hochzeit eingeladen war und dort in einer Tanzkapelle mitspielte. Lass dir mal beim Metzger fünf Pfund Fleisch zeigen, dann kannst du dir vorstellen, wie viel der Mann essen konnte. Ja, wenn man so gierig „frisst“, dann muss man ja krank werden. Der bekannte Prediger Billy Graham berichtete einmal von einer Frau, die eine große Buttercremetorte allein aufaß. Wenn ich daran denke, ich sollte so viel essen, dann wird mir bei dem Gedanken daran schon schlecht.

Als ich zwölf Jahre alt war, wohnte ich mit ungefähr zehntausend Kindern in einem Lager in Polen, weil wir in Berlin so viele Luftangriffe hatten und die Bomben die Häuser zerstörten. Da haben wir einmal beim Mittagessen eine Wette abgeschlossen - wer die meisten Klöße essen konnte, der sollte am Abend die gesamte Wurst von zehn Kindern bekommen. Die Wette habe ich gewonnen, denn ich aß zwölf Klöße. Aber das war lebensgefährlich. Mein Magen war so übervoll, dass ich sehr große Schmerzen bekam. Ich durfte nicht lachen, sonst wäre mir wohl der Bauch geplatzt - selbst beim Atmen tat mir alles weh. Solche Dummheiten machen Kinder, wenn die Eltern nicht bei ihnen sind.

So geht es den Säufern auch. Eines Abends bemühte sich ein Betrunkener, seinen Weg nach Hause zu finden. Er schwankte immer hin und her. Da er nicht wusste, in welcher Straße er sich befand, fluchte er fürchterlich vor sich hin: „Ich habe mich verlaufen, wohin gehe ich denn?“ grölte er. Ein vorübergehender Christ antwortete ihm: „Wohin Sie gehen? Ins ewige Verderben, in die Hölle.“ Der Betrunkene erwiderte stöhnend: „Ist das wahr? Mich soll der Teufel holen!“ „So etwas dürfen Sie nie sagen“, entgegnete der Christ, „kommen Sie, ich bringe Sie nach Hause.“

Noch in der Nacht, als der Trinker im Bett lag, lallte er: „Ist das wahr? Ich gehe in die Hölle? - Nein!“ schrie er, „ich will nicht!“ Später besuchte dieser Trinker einen Gottesdienst. Dort hat er dann gebetet: „Herr Jesus, erlöse mich von dem Übel und von dem Teufel Alkohol.“ Gott hat sein Gebet erhört, und er wurde ein fröhlicher Christ. Der Mann, der ihn damals nach Hause brachte, wurde sein bester Freund.

Seht ihr auf dem Bild den dicken Schlossergesellen, wie er den Braten und die ganzen Knödel allein aufessen will? Er hat schon richtige Schweinebacken.


Wir wollen nun beten: Lieber himmlischer Vater, wir danken dir für alle guten Gaben zu unserer Ernährung. Wir wollen alles mit Danksagung genießen, aber niemals fressen und saufen. Amen.

26.
Februar

„Darum bete jeder, der von Gott weiß, zur rechten Zeit zu ihm! Kommen dann mächtige Wasserfluten, werden sie ihn nicht erreichen. Du bist ja mein Schutz, du bewahrst mich vor Unheil, du umgibst mich, dass ich nur jubeln kann.“

Psalm 32,6.7; Bruns

Im Winter brausen mächtige Stürme übers Meer. Es können dann so hohe Wellen entstehen, dass die Deiche am Strand zerbrechen. Darum wollen wir heute die Geschichte hören von einer Frau, die rechtzeitig zu Gott betete und deren Kinder von den Engeln Gottes wunderbar bewahrt wurden.

Eine arme Witwe wohnte mit ihren zwei Kindern am Meer. Schon am Morgen um sechs Uhr musste sie von ihnen Abschied nehmen, um in die Stadt zur Arbeit zu gehen, damit sie ihre Kinder ernähren konnte.

„Mutter, gib uns Brot“, riefen die Kleinen, „damit wir etwas zu essen haben, wenn wir Hunger bekommen.“ Die Mutter holte den Rest Brot, der noch im Brotkorb war, und gab es ihnen. Dann sagte sie zu ihnen: „Wenn es dunkel wird, so fürchtet euch nicht, sondern betet zu dem Herrn Jesus, er wird euch bewahren.“ Sie legte den Kindern die Hände auf den Kopf und segnete sie: „Herr, behüte meine Kinder und bewahre sie.“ Dann ging sie aus dem Haus. Während der Arbeit dachte sie oft an die Kinder und betete für sie.

Plötzlich kam ein großer Sturmwind. Die Wellen des Meeres schäumten fürchterlich, die Deiche brachen und die ganze Gegend wurde vom Wasser überschwemmt. Viele Häuser wurden von den Fluten einfach fortgerissen. Die Sturmglocke ertönte und Tausende von Menschen flüchteten auf einen Hügel, um ihr Leben zu retten. Ihre Wohnungen und die armen Tiere mussten sie leider zurücklassen. Das Wasser drang auch in die Wohnung der armen Witwe ein. Als die Mutter in der Stadt den Sturm heulen hörte, betete sie noch mehr zu Gott: „Herr, erhalte mir meine Kinder!“ Am Abend ließ der Sturm nach und die Wellen gingen zurück ins Meer. Nun kamen die Menschen wieder in ihre Wohnungen. Die Witwe eilte auch nach Hause, ihre kleine Hütte stand noch. Schnell öffnete sie die Tür, da sah sie die beiden kleinen Kinder Arm in Arm auf dem Tisch liegen und schlafen. Sie küsste die Kinder und weinte vor Freude. Die Kinder erwachten und blickten die Mutter ganz erstaunt an. - „Wer hat euch denn gerettet?“ fragte die Mutter.

„Der liebe Heiland. Wir haben zu ihm gebetet, wie du es uns immer gesagt hast. Als das Wasser in die Stube kam, da stiegen wir einfach auf den Stuhl und von da kletterten wir auf den Tisch. Wir haben zu Gott gebetet und sind dann eingeschlafen.“

Die Mutter sagte voller Dankbarkeit: „Nun wollen wir aber in allen Lebenslagen, auch wenn keine Gefahr besteht, dem allmächtigen Gott vertrauen, der so herrlich unser Gebet erhört hat und euch aus der größten Not errettet.“

Seht, ihr Kinder, wie die Menschen auf unserem Bild vor Angst zu Gott schreien. Aber nicht nur in der Not, sondern allezeit wollen wir beten.

Jetzt auch - lasst uns beten: Herr, wir danken dir, dass bisher keine Katastrophen gekommen sind, keine Meeresfluten, keine Erdbeben, keine Krankheitsepidemien und keine Hungersnot. Du bist ein starker Retter, wenn Gefahr ist. Dir wollen wir allezeit vertrauen. Amen.


27.
Februar

„Im neununddreißigsten Jahr seiner Regierung wurde Asa krank an den Füßen, und zwar sehr ernst, doch auch in seiner Krankheit suchte er nicht beim Herrn Hilfe, sondern wandte sich an die Ärzte.“

2. Chronik 16,12; Bruns

„Die beste Krankheit taugt nichts“, sagen die Leute. Damit haben sie vollkommen Recht. Niemand will gern krank sein, denn dann schmerzen alle Glieder oder es ist einem ganz übel. Der König Asa wurde sehr krank und ließ schnell die besten Ärzte kommen. Sie konnten ihn aber nicht heilen, sondern er musste sterben. Menschen, die an Gott glauben, sollten aber zuallererst, wenn sie krank geworden sind, zu Gott beten, denn er hat gesagt: „Ich bin der Herr, dein Arzt!“ Wie oft konnte Gott schon Kranke gesundmachen, ehe der Arzt kam. Darum betet immer zuerst zu Gott - er will uns heilen. Wenn wir dann einen Arzt rufen, sollen wir auch seine Ratschläge befolgen, denn er hat viele Jahre an einer Universität studiert, damit er den Menschen helfen kann.

Der kleine Hans war von der Leiter heruntergestürzt und brach sich das Bein. Nun lag er mit großen Schmerzen im Bett. Der Arzt hatte das Bein in Gips gelegt und ihm Medizin verschrieben, damit die Schmerzen nachließen. Die Mutti saß nun am Bett und streichelte ihm seine heiße Hand, denn er bekam Fieber.

„Wie lange muss ich denn hier im Bett liegen?“ fragte er ganz ungeduldig. Die Mutti blickte ihn freundlich an: „Für heute nur einen Tag, mein Kleiner!“

„Nur einen Tag?“ fragte Hans.

„Ja, für heute nur einen Tag!“ sagte die Mutter.

„Und morgen?“ „Für morgen auch wieder nur einen Tag und übermorgen auch. Der Herr Jesus hat gesagt, wir sollen nicht für den nächsten Tag sorgen, sondern uns freuen, dass wir heute Gottes Hilfe haben. Du musst eben jetzt schön geduldig sein und still liegen, damit du bald wieder gesund wirst.“ Ach ja, wir sind oftmals so ungeduldig und dadurch machen wir die Sache noch viel schlimmer. Als kleiner Junge wurde ich mit vielen anderen Kindern in ein fremdes Land verschickt. Dort mussten wir ohne Mutti und Vati wohnen und zur Schule gehen. Einmal wurde ich dort sehr krank. Der Arzt schickte mich ins Krankenzimmer. Da lag ich nun allein und es war soooo langweilig. Nun habe ich überall herumgesucht und alles angeschaut, da fand ich eine Schachtel mit Tabletten. Ich griff hinein und leckte an der ersten. Die schmeckte sehr gut, sie war mit Schokolade überzogen. Ich aß zwei, drei von diesen Tabletten. Bald spürte ich aber einen scheußlichen Schmerz im Bauch und ich musste ganz schnell zur Toilette laufen, ich bekam einen mächtigen Durchfall. Dabei habe ich auf dem Gang beinahe einen Lehrer umgerannt. Es waren Abführtabletten, die ich gegessen hatte.

Als später meine Kameraden zu Besuch kamen, gab ich ihnen auch davon und zwar jedem drei Tabletten, weil ich sie reinlegen wollte. Auch sie bekamen einen mächtigen Durchfall, der eine hat sich sogar in die Hosen gemacht. Als sie merkten, dass ich sie reingelegt hatte, wollten sie mich dafür verhauen. Später haben wir darüber sehr gelacht. Gott sei Dank ging dieser Spaß gut aus; es hätte auch sehr gefährlich werden können, denn in den Tabletten kann Gift sein, das tödlich wirkt. Liebe Kinder, wir dürfen niemals allein Tabletten nehmen, denn sie können sehr giftig sein, auch wenn sie mit Schokolade überzogen sind. Sie können so gefährlich sein, dass wir ganz qualvoll sterben müssen. Deshalb geh nie allein an eine Tablettenschachtel!


Nun wollen wir beten: Lieber Heiland, du bist der beste Arzt. Heile uns und unsere Verwandten und Bekannten, wenn sie krank sind. Hilf uns, dass wir geduldig sein können und keine Dummheiten machen, wenn wir allein im Bett liegen müssen. Amen.

28.
Februar

„Wasche mich, damit ich schneeweiß werde.“

Psalm 51,9

Liebe Kinder, welche Farbe hat eigentlich der Schnee? - Weiß? - Stimmt das? Wenn der Schnee schmilzt, dann fließt das Schneewasser in der Dachrinne herunter und am Straßenrand entlang. Welche Farbe hat dann das Wasser? - Ist das Wasser auch weiß? - Nein! Also, der Schnee scheint nur weiß zu sein, weil die Lichtstrahlen der Sonne auf die vielen Kristallteilchen scheinen.

Jesus ist die Sonne der Gerechtigkeit, er will unsere Herzen schneeweiß waschen, alles Schmutzige in uns will er reinigen. Die Menschen wollen gern ihre Sünden selbst wegwaschen. Sie sagen: „Ich wasche meine Hände in Unschuld.“ Aber dadurch werden ihr Herz und ihre Seele nicht rein. Das Blut Jesu Christi reinigt von aller Sünde, so lesen wir es in der Bibel. Also, durch Schneewasser können wir innerlich nicht rein werden.

Jetzt hat der Winter schon lange genug gedauert. Wie viel Holz, Kohle, Gas oder Öl sind im Winter verbraucht worden! Das ist alles sehr, sehr teuer. Deshalb sind wir alle froh, wenn der Winter bald vorbei ist. Vielleicht blühen auch schon einige Blumen bei euch im Garten. Manchmal gibt es im Winter so warme Temperaturen, dass alles anfängt zu blühen und zu grünen, aber dann kommt der Winter noch einmal zurück und alle Blüten erfrieren. Das bringt dann einen großen Schaden für die Natur. Früher haben wir in der Schule ein Gedicht gelernt:

„Seht den Mann, o große Not!

Wie er mit dem Stocke droht

gestern schon und heute noch!

Aber niemals schlägt er doch.

Schneemann, bist ein armer Wicht,

hast den Stock und wehrst dich nicht.

Freilich ist‘s ein gar armer Mann,

der nicht schlagen noch laufen kann.

Schleierweiß ist sein Gesicht.

Liebe Sonne, schein nur nicht,

sonst wird er gar butterweich

und zerfließt wie Wasser gleich.“ (Wilhelm Hey)

Die Kinder lachen über den grimmigen Schneemann, der langsam zusammenschmilzt. Sein Bauch ist schon so weich, dass das Mädchen ihren Löffel ganz leicht in seinen Leib hineinstoßen kann. Oben am Fenster singt eine Meise ein Frühlingslied.

Wenn nun unsere Sünden so dick und groß wie dieser Schneemann sind, müssen sie unter der Sonne der Gerechtigkeit hinwegschmelzen, durch die große Gnade des Herrn Jesus werden sie ganz und gar hinweggenommen, wenn wir ihn darum bitten. So schmilzt auch das Eis der neidischen Gedanken, der zornigen Worte, das dicke Trotzköpfchen muss versöhnlich werden und unser Mund spricht keine bösen Worte mehr. Alles Böse verschwindet im Feuer Gottes. Der Heilige Geist reinigt uns von allem Schlechten.


Nun lasst uns beten: Lieber Vater im Himmel, wir danken dir, dass unsere Sünde zerschmilzt wie Schnee, wenn wir deinem heiligen Wort glauben und uns durch deinen Heiligen Geist erleuchten lassen. Amen.

29.
Februar

„Hab acht auf dich selbst und auf die Lehre.“

l. Timotheus 4,16

Nun schaut einmal, was wir heute für ein komisches Bild haben. Der Lehrer steht an seinem Pult und reibt sich etwas unter die Nase. Es sieht so aus, als würde ihm etwas aus der Nase tropfen. Als der Maler Ludwig Richter lebte, gebrauchte man sehr viel Schnupftabak. Man nahm eine Prise davon auf den Daumen und zog dieses Pulver dann in die Nase hinauf. Danach konnte derjenige herzhaft niesen.

Wisst ihr, was der Lehrer zu den Kindern dort sagt: „Da seh ich doch schon wieder einige, die nicht da sind.“ Wer nicht da ist, den kann ein Lehrer doch nicht sehen. Solch ein Unsinn! Der Lehrer hätte sagen müssen: „Ich sehe leere Stühle, wer fehlt denn heute schon wieder?“ Natürlich lachen die Schulkinder über diesen Fehler.

Nun will ich euch eine Geschichte erzählen, die ein Mann in seiner Schulzeit erlebt hat:

In meiner Jugend hatten wir einen Lehrer, der seine Schüler auf ganz listige Art und Weise ertappte, wenn sie nicht aufpassten. Eines Tages rief dieser Klassenlehrer: „Ich verlange, dass ihr alle ganz aufmerksam in eure Lesebücher seht. Wenn einer von euch entdeckt, dass ein anderer unaufmerksam ist und umherguckt, der soll es sofort melden, damit ich den Jungen bestrafen kann.“ Ach, dachte ich, da sitzt der Johannes Meier, den ich gar nicht leiden kann; ich werde auf ihn achten und wenn ich sehe, dass er nicht in sein Buch sieht, will ich ihn beim Lehrer anschwärzen. Bald darauf bemerkte ich, dass Johannes nicht in sein Buch sah. Sofort meldete ich es dem Lehrer. „So“, sagte der Lehrer, „der Johannes schaut also nicht in sein Lesebuch, das ist ja unerhört. Sag einmal, woher weißt du denn, dass der Johannes nicht in sein Buch hineinschaut?“

„Ich habe es gesehen!“ rief ich begeistert.

„Wie kannst du denn sehen, was die anderen tun, wenn du selber fleißig in dein Buch hineinschaust?“ wollte der Lehrer wissen. Wie ein Stich ging mir das ins Herz, ich wurde ganz rot, denn der Lehrer hatte mich nun selber ertappt. „Ja, ja“, sagte der Lehrer, „wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“ und dabei lachte er ganz höhnisch.

Unser Tagesspruch lautet: „Habe acht auf dich selbst und auf die Lehre“, das heißt auf die Bibel. Auf die Lehrer sollen wir auch hören und nicht immer auf die Fehler der anderen Kinder achten. Der Herr Jesus erzählte einmal: Zwei Männer gingen in den Tempel, um zu beten, ein Pharisäer und ein Zollbeamter. Der Pharisäer stellte sich ganz vorne hin und betete: „Gott, ich danke dir, dass ich nicht so habgierig, unehrlich und verdorben bin wie die anderen Leute, zum Beispiel, wie dieser Zollbeamte. Ich faste zwei Tage in der Woche und opfere den zehnten Teil von allen meinen Einkünften.“ Der Zollbeamte aber stand ganz hinten und getraute sich nicht einmal aufzublicken. Er schlug sich an die Brust und sagte: „Gott, hab Erbarmen mit mir, ich bin ein sündiger Mensch.“ Wer hat denn nun richtig gebetet, liebe Kinder? Was meint ihr? Wer hat auf sich selber geachtet und auf seine Fehler gesehen und wer hat wieder in erster Linie auf die anderen gesehen? Wir sollen zuerst unsere eigenen Fehler sehen und unsere Sünden bekennen, damit wir von Gott gereinigt werden können.


Nun beten wir zu Gott: Lieber Herr, zeige du uns unsere eigenen Fehler und lass uns nicht immer auf die Fehler der anderen schauen, damit du uns helfen und reinigen kannst. Wir danken dir, dass du uns dazu Gnade gibst. Amen.

1.
März

„Denn wie ein Mann eine Frau liebhat, so werden dich deine Kinder liebhaben; und wie sich ein Bräutigam freut über die Braut, so wird sich dein Gott über dich freuen.“

Jesaja 62,5

Ach, wie freuen sich die Kinder über diese hübsche Braut. Die kleine Christine sagt zum Stefan: „Ich möchte auch einmal solch eine hübsche Braut werden.“ Die Mutter setzt ihrer Tochter die Brautkrone auf, während das Kätzchen die Augen schließt. Unter dem Bild bauen zwei Vögel ein Nestlein für ihre Jungen. Eine weiße Taube blickt zum Fenster herein, um dem Ehepaar viel Glück und Frieden zu wünschen.

Eine Hochzeitsfeier gefällt meistens allen Gästen. Der alte Pfarrer Flattich war auch unter den Hochzeitsgästen. Nachdem nun alle gegessen und getrunken hatten, wurden die Geschenke ausgepackt. Ach, da gab es viele wertvolle Gaben aus Gold und Silber. Da der alte Pfarrer alles sah, ging er zu dem Brautpaar und sagte: „Ich habe fröhlich mitgefeiert, ich habe gegessen und getrunken. Nun müsste ich euch auch ein Hochzeitsgeschenk machen, aber der alte Flattich hat ja kein Geld, weil er alle Gaben den Armen und Kranken weitergibt. Trotzdem will ich euch ein Hochzeitsgeschenk geben. Es wird sehr von Nutzen sein, wenn ihr es beachtet und euch daran haltet. Heute habt ihr euch beide sehr lieb und ward auch recht vergnügt miteinander. Ich möchte euch nun wünschen, dass es immer so bleibt. Aber ihr wisst ja: Jeder Mensch hat seinen guten, aber auch seinen garstigen Tag. Wenn nun einmal solch ein garstiger Tag kommt, dann denkt immer daran: Entweder habe ich oder mein Partner heute einen schlechten Tag. Das ist kein Grund zum Verzweifeln, es wird sicher wieder ein guter Tag kommen.“

Die ganze Hochzeitsgesellschaft lachte, aber auf diesem Hochzeitsgeschenk des alten Mannes ruhte ein besonderer Segen. So oft dem jungen Ehepaar in der Ehe eine verdrießliche Laune kam, fing gewöhnlich einer der beiden an zu sagen: „Entweder habe ich oder hast du heute einen garstigen Tag, lassen wir es gehen, es wird auch wieder ein guter Tag kommen.“ Dann mussten beide lachen und gaben sich freundlich die Hand. Noch lange Jahre, nachdem der alte Flattich schon begraben war und das Haar der Brautleute von damals schon grau wurde, dachten sie immer dankbar an das liebe Hochzeitsgeschenk, das ihre Ehe heiter und glücklich gemacht hatte. Es war das schönste Hochzeitsgeschenk.

Der Herr Jesus will allen Familien seine Liebe und seine Freude als Gottesgeschenk übergeben. Aber viele Menschen vertrauen dem Heiland nicht und darum gibt es dann soviel Zank und Streit. Jesus hat einmal gesagt: „Freuen dürfen sich alle, die Frieden schaffen; denn sie werden Gottes Kinder sein.“ Wie soll eine Braut sein? Arm oder reich? Nein, sie soll voller Liebe zu dem Herrn Jesus sein und ein liebes Herz haben für ihren Bräutigam. Der Herr Jesus ist der Bräutigam seiner Gemeinde. Darum wollen wir ihn von ganzem Herzen lieben.

Nun wollen wir beten: Lieber Vater im Himmel, wir danken dir für Jesus, unseren himmlischen Bräutigam, denn er hat uns Frieden, Freude und großes Glück gebracht. Wir wollen ihn allezeit lieben. Amen.


2.
März

„Ein kluger Sohn ist eine Freude für seinen Vater, ein törichter (Sohn) ein Kummer für seine Mutter. Schätze, die mit Unrecht erworben sind, bringen keinen Segen.“

Sprüche 10,l.2; Bruns

Georg war in einem Pfarrhaus erzogen worden und nun herangewachsen. Er wollte die Heimat verlassen, um in einer großen Stadt eine Kaufmannslehre zu beginnen. Am Tage seiner Abreise sprach der Vater zu ihm: „Georg, ich wünsche, dass du mir zwei Dinge versprichst.“ „Ja, Vater, sag mir, was du von mir wünschest“, dabei blickte er seinen Vater unbekümmert an. „Versprich mir, dass du jeden Tag, wo du dich auch befinden magst und wie viel Arbeit du auch zu verrichten hast, wenigstens einen Vers aus deiner Bibel lesen wirst und zweitens, dass du niemals etwas an dich nimmst, was dir nicht gehört.“

„Das erste wird mir sehr leicht fallen, Vater, denn ich bin es von Hause aus gewohnt, Gottes Wort zu lesen, und das Zweite ist für mich fast eine Beleidigung. Ich bin von dir erzogen, nie ein Dieb zu sein. Du brauchst dir deshalb also keine Sorgen zu machen“, versicherte Georg, indem er seine Bibel an die linke Brustseite hielt.

„Versprich es mir vor Gott, mein Sohn“, wiederholte der Vater, „und ich will für dich beten, gleich, wie du für dich selbst beten musst, dass Gott dir Stärke gebe, dein Versprechen zu halten. Die Stadt ist voll von Verführung und ich weiß nicht, welche Netze für deine Füße ausgespannt werden, damit du straucheln sollst. Du brauchst jeden Tag neue Gnade vom Herrn, damit du dein Versprechen halten kannst.“

Georg gab dem Vater sein Versprechen und kniete vor ihm nieder. Der Pfarrer legte die Hände auf den Kopf seines Sohnes und sprach: „Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“ Dann küsste der Vater seinen Sohn. Für einige Monate kam Georg seinem Versprechen nach und las täglich in seiner Bibel. Manchmal las er fünf bis zehn Verse und manchmal ein ganzes Kapitel. Nach längerer Zeit wurde er aber sehr nachlässig und verschob die Bibellese bis auf den Abend und dann wieder bis zum nächsten Tag. Vor allem versäumte er zu beten. - Darüber hinaus geriet er in schlechte Gesellschaft, feierte anrüchige Feste mit seinen Freunden und machte beim Wirt bald Schulden.

Eines Tages stand er allein im Zimmer seines Meisters. In einer unverschlossenen Kassette lag eine ansehnliche Summe Silbertaler. Georg, der vor Schulden nicht ein noch aus wusste, dachte: Ich will mir einige Taler nehmen und sie sofort zurückgeben, sobald ich mein Gehalt bekommen habe. Mein Meister ist ja ein großzügiger Mann, er wird es gewiss nicht gleich entdecken. Schnell langte er in den Geldkasten und steckte einige Taler in seine Tasche. Da hörte er tief in seinem Herzen ganz deutlich eine Stimme, die sprach: „Georg, Georg, denke an dein Versprechen!“

Zur gleichen Zeit betete nämlich der Vater für seinen Sohn. Schnell legte er die Taler wieder in die Kassette und schlich hinauf in seine Kammer. Dort weinte er, weil es ihm plötzlich klar wurde, dass die Gnade Gottes ihn bewahrt hatte, fremdes Geld an sich zu nehmen. Er erkannte seine Sünde und die Engel im Himmel freuten sich über den Sünder, der Buße tat. Durch den Glauben an das Wort Gottes bekam er wieder Frieden in sein Herz und konnte sein Versprechen mit Gottes Hilfe weiter einhalten.


Nun wollen wir beten: Du großer Gott, der du uns durch deinen Heiligen Geist das ganze Leben lang begleitest und auf uns herabschaust, wir danken dir für alle Bewahrungen und Hilfen in unserem Leben. Amen.

3.
März

„Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstocket eure Herzen nicht.“

Hebräer 4,7

Seht ihr, Kinder, diesen kranken Mann? Er hat furchtbare Kopfschmerzen und hohes Fieber. Erst kürzlich ist er in seine kleine Wohnung eingezogen und wohnt nun im fünften Stock eines Mietshauses in Berlin. Sein Schulfreund wurde Arzt, der besucht täglich diesen kranken Mann und behandelt ihn auch. Aber die Medizin hilft ihm nicht, das Fieber steigt immer wieder. Er hat eine Krankheit, bei der das grelle Sonnenlicht schädlich für seine Augen ist. Darum hat ihm der Arzt geraten, sein Bett so weit wie möglich vom Fenster entfernt aufzustellen. Nun liegt er in der dunklen Ecke und ist ganz traurig. Das Schlimme an der ganzen Geschichte ist, dass er und sein Freund nicht an Gott glauben und somit auch den Herrn Jesus Christus nicht kennen. Wie der Kranke nun in seinem Dachkämmerlein ganz still im Bett liegt, hört er plötzlich aus dem Nebenzimmer dicht an der Wand eine leise Stimme. Ganz deutlich vernimmt er die Worte: „Heute lebst du, heut‘ bekehr‘ dich, eh‘ es Morgen wird, kann‘s ändern sich.“ Er lauschte ganz aufmerksam. Irgendwelche anderen Worte wurden noch gesprochen, aber dann wiederholte sich der Satz ganz eindringlich: „Heute lebst du, heut‘ bekehr‘ dich, eh‘ es Morgen wird, kann‘s ändern sich.“ Dieser Satz prägte sich in das Herz des Kranken wie ein unauslöschliches Feuer ein.

Am nächsten Morgen kommt sein Freund, der Arzt, wieder. Er ergreift die Hand des Kranken, fühlt seinen Puls und fragt ihn, wie es ihm denn geht.

„Heute lebst du, heut‘ bekehr‘ dich, eh‘ es Morgen wird, kann‘s ändern sich“, antwortet der Kranke.

„Was ist mit dir los?“ fragt der Arzt, „du bist ganz verändert, was soll das bedeuten?“ Er fasst ihn an die Stirn: „Dein Fieber hat nachgelassen, dein Puls geht viel ruhiger, sonst würde ich sagen, du sprichst im Fieberwahn und phantasierst.“ Der Freund schüttelte den Kopf und wiederholt nur: „Heute lebst du, heut‘ bekehr‘ dich…“

Ganz verwirrt verlässt der Arzt seinen Freund und Patienten. Auf dem Heimweg denkt er immer wieder an diesen Satz.

Am nächsten Tag, als er seinen Freund noch einmal besucht, findet er diesen gesund und wie umgewandelt in seinem Zimmer. Er hat seine Bibel in der Hand und liest ihm unser Bibelwort vor: „Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstocket eure Herzen nicht.“

Beide verspüren die Einladung Gottes durch den Heiligen Geist und beten um die Errettung ihrer Seelen.

Sind Gottes Wege nicht wunderbar? Was war geschehen? - Im Nebenzimmer des Kranken saß an jenem Tag der Sohn des Hauswirtes und musste für den Religionsunterricht dieses Lied auswendig lernen. Deshalb wiederholte er immer wieder den Refrain: „Heute lebst du, heut‘ bekehr‘ dich, eh‘ es Morgen wird, kann‘s ändern sich.“

Bekehren heißt: sich zum Heiland hinwenden. Habt ihr euer Herz auch schon dem Heiland übergeben? Er will uns reinigen durch sein heiliges Blut.

Lasst uns nun miteinander singen: „Hab‘ ich Unrecht heut getan, sieh es, lieber Gott, nicht an; deine Gnad‘ und Jesu Blut machen allen Schaden gut!“ Amen.


4.
März

„Da fiel der Knecht nieder und warf sich auf sein Angesicht vor ihm und sprach: Habe Geduld mit mir; ich will dir‘s alles bezahlen. Da jammerte den Herrn des Knechts und er ließ ihn los, und die Schuld erließ er ihm auch.“

Matthäus 18,26.27

Seht ihr den kleinen Hirten beten? Er dankt Gott für seine große Güte und bittet, dass alle Schafe gesund und munter bleiben. Auf der Schwäbischen Alb lebte einmal ein Hirte, der sehr arm war, aber immer auf die Hilfe Gottes vertraute. Er hatte acht Kinder und eine fleißige Frau. An einem hellen Morgen trieb er seine große Schafherde auf das Feld. Alle Sorgen ließ er zu Hause. Es war ein frischer, sonniger Tag, der Gesang der Vögel aus den Büschen stimmte ihn auch zum frohen Singen. Dann zogen aber dunkle Wolken am Himmel auf, in der Ferne donnerte es, bald fielen schwere Tropfen und Hagelkörner vom Himmel. Es war ein sehr schweres Gewitter. Der Hirte trieb seine Schafe schnell in den nahen Wald, um sie unter den schützenden Bäumen vor Unheil zu bewahren.

Das sah der Förster, der ihn von seinem Hause aus beobachtet hatte.

„Du elender Lump“, schrie der Förster später, „wer hat dir erlaubt, deine Herde in den Wald zu treiben? Zur Strafe sollst du mir so viele Gulden zahlen wie du Schafe hast. Wie viele Schafe hast du zu hüten?“

„Guter Mann“, rief der Hirte erschrocken, „wenn ich so viele Gulden zahlen soll wie ich Schafe zu hüten habe, werde ich ein armer Mann, denn es sind sechzig Schafe. Habt doch Erbarmen, ich habe acht Kinder und meine Frau ist schwach und krank. Bitte klagt mich nicht beim Forstamt an!“

„Sechzig Gulden zahlst du!“ erwiderte der Förster, „denn deine Schafe haben im Wald einen beträchtlichen Schaden angerichtet.“ Der Hirte, der am Morgen so fröhlich zur Arbeit gegangen war, kehrte nun ganz traurig am Abend mit seiner Herde zurück ins Dorf.

Kurze Zeit darauf bekam er vom Forstamt die Aufforderung, nach Urach zu kommen.

„Ist es wahr“, fragte ihn streng der Oberförster, „dass du sechzig Schafe in den Wald getrieben hast?“

„Ach Herr, mein ganzer Jahreslohn beträgt nur vierzig Gulden, seid gnädig und verringert meine Strafe!“ - „So zahle vierzig Gulden!“ brummte der Oberförster.

„Ach, denkt doch daran, dass meine Frau krank ist und ich acht Kinder zu ernähren habe“, bat der Hirte, „verringert doch noch einmal meine Strafe!“

„Also, dann zahle zwanzig Gulden - eigentlich sollten es ja sechzig sein.“

„Vielen Dank, Herr Oberförster“, sagte der Hirte mit zitternder Stimme. Doch als er schon die Treppe hinuntergeht, denkt er: Ich wage es noch einmal, denn in meiner Bibel steht, dass Gott dem hilft, der ihn darum bittet. Lieber Gott, lenke doch das Herz des Oberförsters!

Der Hirte kommt wieder ins Amtszimmer: „Guter Herr Oberförster, es ist doch mein halber Jahreslohn - ich bin so arm, erlasst mir doch die Strafe!“ - „Mach, dass du fortkommst!“ brüllt ihn der Oberförster an. Doch der Hirte wiederholt seine Bitte aufs Neue.

„Also gut, dann zahle drei Gulden und geh!“ Freudigen Blickes geht der Hirte und dankt Gott.

Doch als er vor dem Rathaus steht, denkt er, vielleicht schenkt mir der Herr auch noch die drei Gulden. Mit gefalteten Händen kommt er zurück: „Verzeiht, gnädiger Herr, dass ich nochmals komme. Bitte, seid so gut und schenkt mir noch den Rest der Strafe.“ Der Förster war gerührt und überwältigt: „Also in Gottes Namen, geh ohne Strafe davon, denn Jesus hat uns ja allen die Strafe erlassen.“


Könnt ihr euch vorstellen, wie fröhlich der Hirte nach Hause lief? Wir können ja alle heute ganz fröhlich sein und Gott danken, denn er hat uns auch alle, alle Sündenstrafen erlassen. Wir brauchen ihn nur einmal von ganzem Herzen darum zu bitten und er hat uns alles vergeben, so gut haben wir es bei dem Guten Hirten.

Nun wollen wir beten: Lieber Heiland, wir danken dir, dass du uns alle Schuld und Sünde vergeben hast. Wir singen fröhlich: „Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart.“ Amen.

5.
März

„Wasser ergossen sich aus dem Gewölk, die Wolken donnerten und deine Pfeile fuhren einher. Dein Donner rollte, Blitze erhellten den Erdkreis, die Erde erbebte und wankte.“

Psalm 77,18.19

Die Glocken läuteten über Stadt und Land. Sie riefen die Menschen ins Gotteshaus. „Ach, ich fühle mich nicht so wohl“, sagte Carlas Großmutter, „ich kann ja auch daheim mein Vater unser beten.“

„Es ist aber besser, Großmutter, wenn wir in der Kirche das Wort Gottes hören. Man sollte doch, wenn es nur irgendeine Möglichkeit gibt, am Sonntag in die Kirche gehen. Komm, wir fassen dich am Arm.“ So eilte die ganze Familie Fischer zum Gottesdienst, der Vater, die Mutter, ihre drei Kinder und die Großmutter. Während die Menschen in der Kirche saßen, brach ein heftiges Gewitter aus. Es blitzte und donnerte ununterbrochen. Da rief der Prediger von der Kanzel: „Seht, wie der Herr anklopft, wie ernst und freundlich er zu euch redet! Habt ihr euch auch schon von ihm finden lassen? Könnt ihr getrost vor seinen Richterstuhl treten, wenn ihr heute sterben müsstet, wenn jetzt ein Blitz einschlagen würde?“

Plötzlich durchzuckte ein greller Feuerschein die volle Kirche, ein furchtbares Krachen erfolgte, die großen Fensterscheiben klirrten, viele Leute begannen laut vor Angst zu schreien. Da begann der Prediger laut zu singen: „Ach, bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.“

Mit starkem Klang begleitete die Orgel den Gesang der Kirchengemeinde. Als die Besucher der Kirche das Lied zu Ende gesungen hatten, konnte der Prediger weitersprechen: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben.“ - „Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten und hilft ihnen aus.“ Als die Besucher aus der Kirche kamen, sahen sie ringsumher eine große Verwüstung, Bäume waren umgestürzt, Fensterläden lagen auf der Erde und in der Ferne brannte lichterloh ein Haus. Es war das Haus der kleinen Carla und ihrer Familie. Die Feuerwehr versuchte noch etwas zu retten, aber das Haus war ein altes Holzhaus und brannte bis auf die Grundmauern nieder.

Als die Familie zu dem niedergebrannten Haus kam, waren sie sehr erschrocken und traurig, dass sie nun alles verloren hatten, aber sie dankten doch Gott dem Herrn, weil er sie behütet hatte, besonders auch die Großmutter, die ganz erschöpft auf den Steinen sitzt. Die kleine Carla freut sich über ihre Puppe, die sie mit in die Kirche genommen hatte. Auch der Spitz hebt dankbar seine Pfote. Der Vati hat den Dieter auf dem Arm und küsst ihn aus großer Dankbarkeit. Dann beten sie alle: „Ach bleib mit deinem Schütze, bei uns, du starker Held.“

Ja, wir wollen keinen Gottesdienst versäumen, denn Gott behütet die Menschen, die ihn fürchten.

Nun wollen wir beten: Herr, deine Güte und Gnade ist bei uns alle Tage. Du bewahrst die Deinen auch im großen Unwetter. Wir danken dir für all‘ deine Hilfe. Amen.


6.
März

„Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach.“

Psalm 34,15

Nun schaut euch einmal dieses Bild an, wie wild die Jungen mit den Steinen werfen. Sie meinen, große Helden zu sein, wenn sie mit ihren Steinen weit werfen können. Sie denken nicht daran, wie schnell dabei ein Unglück passieren kann. Der eine Junge hat noch nicht einmal seinen Schulranzen nach Hause gebracht. Die kleinen Mädchen schauen ihnen ganz ängstlich zu, aber das macht den Knaben erst recht Mut zu werfen - es ist kein Mut, sondern „Übermut“. Ja, Übermut tut selten gut!

Ein kleines Mädchen ging eines Tages mit einem großen Korb zum Kaufmann. Sie kam an einer Stelle vorüber, wo eine ganze Horde von Jungens damit beschäftigt war, spitze Steine über das Wasser zu werfen. Andere schmissen die Steine aber auch über die Straße. Das Mädchen wollte weitergehen, als sie ganz plötzlich von einem Stein ins Auge getroffen wurde. Der Junge rannte natürlich schnell fort, aber ein anderes Mädchen verständigte den Vater und dieser trug das Kind zu einem Augenarzt. Der Arzt sah sich die gefährliche Wunde an und sagte: „Ja, da können wir nur noch versuchen, durch eine Operation das Auge wieder herzustellen.“ Der Vater begleitete nun sein kleines Töchterchen ins Krankenhaus. Dort schickte man ihn sogleich in den Operationssaal. Der Vater hielt das kleine Mädchen auf seinem Arm. „Bist du bereit, dass der Doktor jetzt dein Auge operieren kann?“ fragte der Vater. „Nein, noch nicht“, flüsterte das Mädchen.

„Aber es tut gar nicht weh“, versicherte der Arzt, der das Gespräch mit angehört hatte. „Deshalb nicht“, sagte das Mädchen, „ich möchte noch schnell zum lieben Heiland beten, damit alles gut geht.“

Erstaunt blickte der Arzt die beiden an. Das Mädchen betete: „Lieber Herr Jesus, du hast den Blinden die Augen heilgemacht. Du kannst auch jetzt dem Arzt helfen, dass mein Auge wieder ganz gesund wird. Vergib dem Jungen, der mir den Stein ins Auge geworfen hat und lass auch ihn dein Kind werden, Amen.“

Der Vater betete auch noch mit seinem Kind und dann bekam es eine Narkose und wurde operiert. Als das Kind in dem schneeweißen Krankenbett erwachte, dankte es Gott, dass es wieder sehen konnte und dass er dem Arzt die Hände bei der Operation geführt hatte. Später sang sie mit der Krankenschwester das schöne Lied:

„Der große Arzt ist jetzt uns nah, der liebe, teure Jesus.

Er ist mit seinem Troste da. Kein Heil ist außer Jesus!

Horch, wie tönt der Engel Sang! O, welch süßer Jubelklang!

Sing, mein Herz, mit freud‘gem Drang: Jesus, Jesus, Jesus!“

Ja, die Engel Gottes hatten wieder einmal etwas Schlimmes verhindert und Gott hört unser Dankgebet.

Der böse Junge entschuldigte sich später bei dem Mädchen und ist von dieser Zeit an fleißig in die Sonntagsschule gegangen.


Nun wollen wir beten: Lieber Herr und Heiland, du bist der größte Arzt. Ohne dich könnten die Ärzte hier auf Erden die Menschen nicht heilen. Darum danken wir dir für alles. Amen.

7.
März

„Ein lebender Hund ist besser als ein toter Löwe.“

Prediger 9,4

Der Peter weint neben seinem Hund. Die Kinder hatten das Tier zu Tode gequält. Peter jammert immer wieder: „Mein lieber Hund, mein lieber Hund, du hast niemand etwas Böses getan! Warum sind die Menschen nur so böse?“

Einige Tage zuvor geschah folgendes: Eine Horde wilder Jungen kam gerade aus der Schule und trieb manchen Unsinn. Sie hatten nichts gelernt, gestern hatten sie mit Steinen geworfen und dabei war dem kleinen Mädchen einer der Steine ins Auge geflogen. Sie warfen wieder mit Steinen, klingelten an den Haustüren und rannten davon. Als sie an einem Bauernhaus vorüberkamen, lag da ein großer Hund. Fritz schrie aus Leibeskräften: „Vorwärts! - Wir wollen den Hund mit Steinen bewerfen!“ „Jaa, prima!“ schrie die wilde Meute. Jeder nahm einen Stein und warf ihn auf das arme Tier. Der Hund jaulte laut auf und sackte dann plötzlich zusammen. Erschrocken rannten die bösen Jungens um die Straßenecke.

„Was habt ihr da eben Schreckliches getan?“ schimpfte eine Frau, die gerade aus dem Haus kam. Die Kinder ließen ihre Köpfe hängen. „Hat euch der Hund etwas getan?“ -“Nein“, antworteten sie kleinlaut.

„Wenn man euch mit Steinen bewerfen würde, was wäre dann? Glaubt ihr, dass Gott im Himmel es gern sieht, wenn man Tiere zu Tode quält?“

„Nein!“ antworteten sie beschämt.

„Warum habt ihr denn so etwas Böses angestellt?“

„Nur zum Spaß“, sagte einer der Jungen.

„Das ist aber ein Teufelsspaß! Jetzt will ich euch einmal eine Geschichte von diesem Hund erzählen. Ich habe einen Sohn, der so alt ist wie ihr. Vor einigen Monaten badete er in einem See. Plötzlich bekam er im Fuß einen Krampf und ging im Wasser unter, nachdem er eine Zeitlang wild um sich geschlagen hatte. Im letzten Augenblick wurde er gerettet, sonst wäre er ertrunken. Wisst ihr, wer meinen Sohn rettete?“ - „Nein“, sagte der Fritz, „wer hat ihn denn gerettet?“

„Nun, eben dieser Hund, den ihr mit Steinen beworfen habt! Er kannte das Kind nicht einmal. Als er aber sah, wie der Junge in Gefahr war, sprang er ins Wasser und zog ihn heraus.“ Die Frau blickte die verdutzten Kinder strafend an: „Hat schon einer von euch ein Kind aus dem Wasser gerettet?“ Sie schüttelten alle mit den Köpfen.

„Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir den Hund bestimmt nicht mit Steinen beworfen“, sagte der Fritz. „Ich auch nicht!“ sagte Andreas. „Ich auch nicht“, wiederholten alle im Chor.

Merkt euch das, man soll nie ein Tier quälen, denn Gott hat alle Kreatur geschaffen und darum sollen wir immer so handeln, wie der Herr Jesus es auch getan hat. Oder meint ihr, der Herr Jesus würde je ein Tier quälen?“ - „Niemals!“ riefen die Kinder alle.

Ja, ein Stein hatte den Hund so unglücklich getroffen, dass er sterben musste. Denke immer daran: „Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz! Aus einem Tierquäler wird oft ein harter, grausamer Mann.“

Es gibt viele treue und nützliche Hunde. Denkt nur an die Blindenhunde, sie führen einen blinden Menschen sicher über die Straße. Wenn uns ein Hund angreift, dann können wir uns ja verteidigen, aber sonst wollen wir keine Tiere quälen.


Nun lasst uns beten: Lieber Vater im Himmel, du Schöpfer aller Tiere, wir danken dir, dass wir Menschen nicht allein auf dieser Erde sind, sondern Millionen andere Geschöpfe haben, an denen wir uns erfreuen können. Vergib uns, wenn wir je ein Tier gequält haben. Amen.

8.
März

„Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“

2. Mose 20,7

Gottes Namen missbrauchen heißt auch: ihn gedankenlos und unwahr auszusprechen. Manche Leute sagen den lieben, langen Tag: „Mein Gott, mein Gott - ich habe die Schlüssel vergessen“, oder „Ach, Herr Je, ach, Herr Je, es regnet schon wieder.“ Sie meinen aber Gott gar nicht und sie rufen den Herrn Jesus nicht an. Der Großvater mit der Zipfelmütze liest den Kindern eine Geschichte vor:

Auf einem großen Bauernhof gab es viele Knechte und Mägde. Die älteste Tochter des Bauern hatte eine üble Angewohnheit, bei jeder Gelegenheit rief sie: „Ach, mein Gott!“ oder „Ach, Herr Je!“ was eigentlich: „Ach, Herr Jesus“ heißt. Dem Vater gefiel das nicht, er hatte seine Tochter schon mehrmals ermahnt, den heiligen Namen Gottes nicht zu missbrauchen.

„Ach, Vater“, war immer ihre Antwort, „ihr nehmt es gar zu genau. Ich denke mir doch dabei nichts, deshalb kann es doch auch keine Sünde sein.“

Eines Morgens rief der reiche Bauer alle seine Knechte und Mägde zusammen und sprach: „Hört einmal, heut sollt ihr mir helfen und etwas Seltsames tun, ich will euch gut belohnen. Morgens früh, wenn ihr eure Suppe esst oder etwas anderes tut, ruft immer laut: „Fräulein Maria! Fräulein Maria!“

So hieß nämlich die Tochter. „Wenn meine Tochter dann fragt, was ihr wollt, so sprecht: „Ach, gar nichts; wir sagen das nur so und denken uns nichts dabei!“

Am Morgen war Maria in der Speisekammer und gab den Mägden die Lebensmittel für das Mittagessen, da tönte es aus der Kammer der Knechte: „Fräulein Maria! Fräulein Maria!“ Schnell sprang sie hinauf und fragte: „Was gibt es? Warum ruft ihr mich?“ - „Oh, nichts, gar nichts! Wir sagen das nur so“, antworteten die Knechte. Schimpfend schlug die Tochter die Tür zu, da ertönte es aus der Küche: „Fräulein Maria! Fräulein Maria!“

In der Küche bekam sie die gleiche Antwort und sie sah, wie die Mägde heimlich lachten. Immer wieder ertönte es, einmal oben, einmal unten: „Fräulein Maria! Fräulein Maria!“

Jetzt stampfte sie vor Wut mit dem Fuß auf und verlangte zu wissen, warum man sie rief. „Wir dachten uns nichts dabei“, sagten die Knechte und Mägde.

Bald war ihre Geduld zu Ende, mit feuerrotem Kopf rannte sie in die Stube des Vaters.

„Was hast du denn, mein Kind?“ fragte der Vater seelenruhig, „du siehst ja ganz zornig aus.“

„Dazu habe ich auch Grund genug!“ schrie sie und erzählte ihm, wie sie von den Knechten und Mägden verhöhnt werde.

„Ach“, sagte der Bauer, „das ist doch nicht böse gemeint; sie denken sich dabei gar nichts.“ Da fing die Tochter an zu weinen und schluchzte. „Verstehst du mich denn nicht, Vater, wie respektlos die Angestellten mit mir umgehen und du freust dich noch darüber.“

„Aber Maria“, fiel ihr der Vater ins Wort, „ich kann dich nicht begreifen. Ich soll die kleinen Leute beschimpfen, wenn sie nur: ,Fräulein Maria!‘ rufen. Und du meinst, der herrliche, mächtige Gott würde es ungestraft lassen, wenn du täglich unzählige Male seinen Namen anrufst, ohne ihn zu meinen?“


Da schlug es bei Maria wie ein Blitz ein, sie weinte sehr und achtete von nun an auf das, was sie sagte.

Manchmal rutschte ihr der Name Gottes noch so gedankenlos heraus. Aber dann bat sie den Herrn um Vergebung. Schließlich sagte sie es nicht mehr.

Seht, liebe Kinder, wir wollen auch darauf achten und den Namen unseres Gottes nicht missbrauchen.

Nun wollen wir beten: Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Amen.

9.
März

„Ein Bauer ging aufs Feld, um zu säen. Als er die Körner ausstreute, fielen einige auf den Weg. Die Vögel kamen und pickten sie auf. Einige fielen auf felsigen Grund, der nur mit einer dünnen Erdschicht bedeckt war. Sie gingen rasch auf; als aber die Sonne kam, vertrockneten die jungen Pflanzen, weil sie nicht genügend Erde hatten. Einige Körner fielen in ein Dorngestrüpp, das bald das Korn überwucherte und erstickte. Doch einige fielen auf guten Boden und brachten Frucht. Manche hatten Ähren mit hundert, andere mit sechzig und wieder andere mit dreißig Körnern. Und Jesus sagte: Wer hören kann, der soll gut zuhören!“

Matthäus 13,3-9; GN

Wie wunderbar der Herr Jesus den Menschen alles erklären konnte. Als ich noch ein kleiner Junge war, sangen wir das Lied:

„Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt:

da setzt er die Felder und Wiesen instand,

er ackert, er egget, er pflüget und sät

und regt seine Hände gar früh und noch spät.“

Ja, wir konnten noch zusehen, wie der Bauer, mit einem großen Tuch voll Körner um den Hals gebunden, über den Acker schritt und den Samen mit der Hand auf das Feld säte, so wie es auf unserem Bild die Kinder, die Mutti und die Großmutter auch tun. Hinter dem Bauern kommen schon die Vögel und holen sich ihren Anteil. Aber Gott, der Herr, gibt seinen Segen vom Himmel herab. Es war ein reicher Bauer, der viele Äcker und auch sehr guten Boden hatte. Er war sehr fleißig, jedoch wuchs das Korn nicht so gut wie auf dem Acker eines armen Landmannes, der nebenan seinen Boden bearbeitete. Der reiche Bauer verwunderte sich sehr darüber und fragte den ärmeren Bauern, wie es käme, dass er auf dem sandigen Boden solch reiche Ernte bekam. Er fragte ihn, ob er vielleicht eine besondere Art habe, den Boden zu behandeln. Der kleine Bauer antwortete: „Mein lieber Nachbar, es fehlt nur daran, dass ihr die Saat nicht so richtig einbettet, wie ich es tue.“

„Wie bettet ihr die Saat denn ein?“ fragte der Reiche.

„In meinem Gebetskämmerlein“, sagte der fromme Bauer, „ich knie in meiner Scheune, in der Kornkammer nieder und bete, dass Gott, der Schöpfer aller Welten, den Samen reich vermehren möchte. Deshalb ist der Gebetsboden der allerbeste Boden.“ Das war ein guter Rat.

Wenn wir einige Monate später, an einem schönen Junitag, durch unsere Fluren gehen, dann können wir sehen, wie Gott seinen Segen über die Felder ausgebreitet hat. Er hat es den Menschen nach der Sintflut zugesagt: dass Saat und Ernte nicht aufhören werden, solange diese Erde besteht. Wie können wir dann von Herzen dankbar sein, wenn die Getreidefelder goldgelb hin- und herwogen. Der Samen, der lange Zeit in der kühlen Erde lag, wurde durch die wärmende Sonne und den fruchtbaren Regen zur grünen, saftigen Pflanze und später zum duftenden, gelben Korn. Deshalb singen wir heute:


„Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land,

doch Wachstum und Gedeihen steht nicht in unsrer Hand;

Gott sendet Tau und Regen und Sonn- und Mondenschein;

er wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein.

Alle gute Gabe kommt oben her von Gott,

drum wollen wir ihn loben und loben immerfort!“

Habt ihr heute schon für das tägliche Brot gedankt?

Jetzt wollen wir beten: Herr Jesus, wir danken dir für das tägliche Brot und für den Segen, den du über die neue Saat ausgebreitet hast. Hilf uns, das Gleichnis recht zu verstehen, und mach auch den Boden unserer Herzen zu einem fruchtbaren Acker, auf dem dein Wort vielfältig aufgeht. Amen.

10.
März

„Keiner kann Gott gefallen, der ihm nicht vertraut. Wer zu Gott kommen will, muss sich darauf verlassen, dass Gott lebt und die belohnt, die ihn suchen.“

Hebräer 11,6; GN

„Komm, Dieter, komm mein Kleiner!“ ruft die Mutti. Die Carla ist nun schon größer, sie hält schützend ihre Arme um den kleinen Dieter. Ja, laufen soll er heute lernen. Was muss ein kleines Kind alles lernen: krabbeln, sitzen, laufen, sprechen und selber essen. Bei den ersten Schritten vertraut der kleine Mann seiner Mutti, dass sie ihn auffängt, falls er das Gleichgewicht verliert. Wie quietscht der Dieter vergnügt, wenn er es wieder geschafft hat und in den Armen der Mutti angelangt ist.

Ein Vater wollte seinen Kindern beibringen, was es heißt, im vollen Vertrauen zu glauben. Er nahm seinen Sohn und stellte ihn auf den Tisch, dann trat er einige Schritte zurück, breitete seine Arme aus und rief: „Spring herunter, spring!“

Aber der Kleine sagte weinerlich: „Ich habe solche Angst.“

„Aber, mein Kind, ich fange dich doch auf, spring in meine Arme!“

Jetzt machte sich der Junge wirklich zum Sprung bereit. Doch dann sah er wieder hinunter zum Fußboden und rief: „Nein, Papa, ich habe solche Angst.“

„Aber, mein Sohn, ich habe dir doch gesagt, ich fange dich ganz bestimmt auf. Meinst du, Papa würde dich fallen lassen? Sieh mir nur fest in die Augen und dann spring!“

Zum dritten Mal machte sich der Kleine zum Springen bereit, aber wieder schaute er zum Fußboden und rief: „Ich habe Angst!“

„Mein Junge, sieh nicht auf den Boden, sondern sieh nur mich an!“ Und dann rief der Vater: „Los, jetzt spring!“

Nun sprang er und in Sekundenschnelle hielt ihn der Vati fest in seinen Armen. Er hatte den ersten Sprung gewagt. Von nun an konnte der Sohn gar nicht genug bekommen, immer wieder kletterte der kleine Mann auf den Tisch und rief: „Papa, ich komme!“ Er vertraute fest seinem Vati. Ja, liebe Kinder, auf unseren Gott dürfen wir vertrauen. Wir sollen nie nach unten auf die Schwierigkeiten sehen, sondern nach oben auf unseren himmlischen Vater. Er hat es uns versprochen, immer zu helfen.

Natürlich können wir nicht ohne den Vati springen, er muss immer dabei sein, sonst gibt es ein Unglück. Als kleiner Junge kletterte ich immer auf das Klavier und von dort auf einen großen Bücherschrank, der sehr hoch war, bis unter die Zimmerdecke. Eines Tages, als die Mutti längere Zeit fort war, überredete ich meine kleinen Geschwister, mit mir auf das Klavier und dann auf den Schrank zu klettern. Mit sehr viel Mühe zog und schob ich alle drei hinauf. Auf den Schrank habe ich sie bekommen, aber hinunter wollten sie nicht mehr, denn sie hatten Angst, ich würde sie fallen lassen. Was sollte ich nur tun? - Ich habe ihnen dann gesagt: „Bleibt ganz ruhig sitzen bis Mutti kommt.“

Als die Mutti nach einer Stunde vom Einkaufen zurückkam, schrie sie ganz entsetzt: „Kinder, was habt ihr bloß wieder angestellt?! Wie seid ihr denn da hinaufgekommen? Jost, lauf mal schnell zum Nachbarn und bitte ihn, die Kinder vom Schrank herunterzuholen!“ Ach, wie habe ich mich damals geschämt, als der Nachbar, der ein starker Mann war, meine Geschwister wie kleine Katzen vom Schrank herunterholen musste. Ja, so kann es gehen, wenn wir zu Hause allein solche Turnübungen machen.


Wir wollen beten: „So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich! Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt; wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.“ Amen.

11.
März

„Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich bekleidet. Ich bin gefangen gewesen und ihr seid zu mir gekommen. … Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

Matthäus 25,36.40

Einst lag in einem alten Dachstübchen, in einem uralten Gässchen von Stuttgart, ein lungenkranker Mann, der schwer unter seiner Krankheit zu leiden hatte. Sein finsteres, kaltes Stübchen war nicht geeignet, dem schwachen Leib Gesundheit zu bringen, denn es konnte weder die Sonne noch frische Luft in diesen dunklen Raum dringen. Als der Winter vorüber war und der Frühling dann mit Sang und Klang und hellem Sonnenschein Einzug hielt, da blickte der Kranke durch die Fenster auf zum sonnigen Himmel; er wollte so gern hinaus in den warmen Sonnenschein, in die erquickende Luft des Frühlings. Mit letzter Kraft taumelte er die Treppen des Wohnhauses hinunter und setzte sich auf eine Bank in der Nähe einer Baustelle. Er sah die mächtigen Balken auf der Erde liegen und weil die Sonne dahin am kräftigsten schien, schleppte er sich dorthin. Er setzte sich auf einen der Balken, so dass er nun ganz erschöpft und müde war.

Ein Maurer hatte ihn beobachtet und ging zu ihm hinüber.

„Grüß Gott, mein Herr“, sagte er zu dem Kranken, „Gottes Sonne heilt alle Schmerzen.“

„O ja, mir tut die frische Luft recht wohl“, sagte der Kranke, „wenn ich mich nur jeden Tag hierhersetzen könnte.“

„Oh“, sagte der Maurer, „wenn es nur darum geht, kann ich helfen. In der Mittagszeit hole ich Sie herunter und trage Sie am Ende meiner Arbeitszeit wieder hinauf!“ Täglich trug nun der Maurer den schwachen Mann auf seinen starken Schultern herab und wieder hinauf.

Eines Tages, als der Maurer in das Zimmer des alten Mannes kam, saß dieser ganz schwach da, sein Enkelkind lag zu seinen Füßen und weinte bitterlich, denn es spürte, dass der Großvater bald ins Himmelreich gehen würde. Gott nahm den Kranken heim zur ewigen Ruhe. Aber der Maurer hatte getan, was er konnte, und Gott sah diese Liebe mit großer Freude.

Wenn wir einem älteren Menschen helfen, für ihn zum Kaufmann gehen oder einen Blinden über die Straße führen oder einer kranken Frau etwas zu essen bringen, sieht Gott es und es ist große Freude im Himmel. Dann singen und spielen die Engel Gott zur Ehre wie auf unserem Bild.

Nun wollen wir beten: Lieber Heiland, du hast den armen, kranken und alten Menschen immer geholfen, so wollen wir es auch tun und von dir lernen, anderen Menschen zum Segen zu sein. Amen.


12.
März

„Weiter sage ich euch: Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, etwas zu erbitten, das soll ihnen von meinem Vater in den Himmeln zuteil werden. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich in ihrer Mitte gegenwärtig.“

Matthäus 18,19.20; Bruns

„Der Michael hat schon wieder gezankt und die Manuela hat mich geschlagen“, erklärt der kleine Peter der Mutti.

„Ja, und was hast du wieder angestellt?“ fragt die Mutti.

„Nichts“, sagt der Peter und schüttelt heftig mit seinem Kopf.

„Ihr dürft euch doch nicht immer zanken. Es gibt in der Welt so viel Zank und Krieg - haltet doch Frieden, dann kann Gott euch segnen und eure Gebete werden erhört. Ich will dir einmal eine Geschichte erzählen, Peter.

Ein Bauer hatte sieben Söhne, die öfter miteinander uneins waren und sehr viel stritten. Über dem Zanken und Streiten versäumten sie die Arbeit. Einige böse Menschen lachten darüber und wollten diese Uneinigkeit benutzen, um die Söhne nach dem Tode des Vaters um ihr Erbteil zu bringen. Eines Tages ließ der Vater alle sieben Söhne zusammenkommen, legte ihnen sieben Stäbe vor, die fest zusammengebunden waren und sagte: „Dem, der dieses Bündel Stäbe zerbricht, zahle ich hundert große Taler in bar.“ Natürlich wollte jeder der sieben Söhne diese hundert Taler haben. Einer nach dem anderen strengte seine Kräfte an und jeder sagte am Ende: „Es ist gar nicht möglich!“

„O doch“, sprach der Vater, „es ist nichts leichter als das!“ Er löste das Bündel auf und zerbrach einen Stab nach dem anderen mit geringer Mühe.

„Ach so“, riefen die Söhne, „so ist es freilich leicht, so könnte es jeder kleine Bub auch tun!“ Der Vater sprach: „Wie es mit diesen Stäben ist, so ist es auch mit euch, meine Söhne! Solange ihr fest zusammenhaltet, werdet ihr bestehen und niemand wird euch überwältigen können. Seid ihr aber uneinig, so wird es euch gehen wie den Stäben, die hier zerbrochen auf dem Boden umherliegen.“ Da verstanden die Söhne, was der Vater ihnen sagen wollte.

„Ja“, sagte die Mutter nun zu Peter, „wenn ihr Frieden haltet und nicht miteinander zankt, dann werdet ihr von Gott alles erhalten, was nötig ist zum Leben hier in dieser Welt und auch in der himmlischen Welt.“

„Warum ist das denn so?“ will Peter wissen.

„Sieh einmal, Vati und Mutti sollen sich doch auch immer liebhaben und Frieden halten, dann kann Gott unsere Gebete erhören. Wenn wir aber Zank und Streit in der Familie haben, kann Gott unsere Gebete nicht erhören. Wir haben gelesen: ,Wenn zwei unter euch eins werden auf Erden, etwas zu erbitten, das soll ihnen von meinem Vater in den Himmeln zuteil werden.‘“

„Und wenn die anderen immer zu zanken anfangen?“ fragt Peter ganz weinerlich.

„Dann gehst du eben fort und faltest deine Hände und betest zum Heiland: Lass mich doch jetzt still sein können und Frieden halten, damit meine Geschwister auch von deinem Frieden erfüllt werden. Zum Zanken gehören immer zwei; wenn einer sich nicht zanken will, dann gibt es auch keinen Streit, hast du das verstanden?“

Peter nickt und gibt der Mutti schnell einen Kuss. Dann läuft er wieder zu seinen Geschwistern und spielt mit ihnen.


Jetzt wollen wir noch miteinander beten: Du lieber Gott im Himmel, du hast den Herrn Jesus zu uns geschickt, damit wir Frieden bekommen. „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“ hat der Engel vom Himmel verkündigt und das wollen wir auch erlangen. Wir danken dir dafür. Amen.

13.
März

„Du erkennst die Not und den Jammer, du nimmst es doch in deine Hand! Der Arme verlässt sich auf dich, du bist doch der Helfer der Waisen.“

Psalm 10,14; Bruns

Die Mutter des kleinen Johannes wurde eines Tages sterbenskrank. Der Vater hatte seinen Sohn überhaupt nicht gesehen, er starb in dem furchtbaren Krieg, als die Franzosen Preußen eroberten. Die arme Witwe musste Tag und Nacht arbeiten, um für Johannes und seinen kleinen Freund Tako, den Hund, zu sorgen. Alle drei wohnten in einer kleinen Wohnung, aber sie waren zufrieden und beteten täglich zu Gott. Als nun die Mutter im Sterben lag, kamen die Nachbarn, die auch sehr arme Leute waren, und weinten um die gute Mutter, die so treu für ihren Johannes und seinen Tako gesorgt hatte. Auch Johannes weinte bitterlich und der kleine Hund fing an zu jaulen.

„Bete noch einmal“, sagte die Mutter mit ganz schwacher Stimme. Dem Jungen fiel es sehr, sehr schwer etwas zu sagen. Seine Stimme versagte ihm fast, weil er so weinte. Aber dann sprach er doch ein Gebet, das er im Kindergottesdienst gelernt hatte:

„Jesu, geh voran auf der Lebensbahn

und wir wollen nicht verweilen,

dir getreulich nachzueilen,

führ uns an der Hand

bis ins Vaterland.“

Die Mutter hob noch einmal ihren Arm, legte ihre Hand auf den Kopf des kleinen Johannes und segnete ihn: „Großer, allmächtiger Gott, lieber Herr und Heiland, segne und behüte meinen kleinen Johannes auf all seinen Wegen. Schenke ihm allezeit deine Gnade und ein reines Herz. Führe ihn durchs Leben, bis ich ihn wiedersehen kann im himmlischen Paradies. Sorge du für ihn wie ein Vater und tröste ihn wie eine Mutter. Ich segne dich, mein kleiner Johannes, im Namen des Herrn Jesu Christi.“

Die Sterbende wurde ganz still, sie faltete ihre Hände und blieb in dieser Lage bis zum letzten Atemzug liegen.

Die Nachbarsfrau drückte der Mutter die Augenlider zu und betete noch den Psalm vom Guten Hirten: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im fmstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ - Dann musste sie wieder weinen. Da der Junge keine Verwandten hatte, nahmen die armen Nachbarsleute den Kleinen und seinen einzigen Freund, seinen Tako, bei sich auf.

Obwohl sie selbst nicht allzu viel hatten, teilten sie ihre Speisen mit den beiden und beteten täglich um die Hilfe des Herrn. Wie es Johannes weiter erging, hören wir dann morgen.


Nun lasst uns beten, liebe Kinder: Ach, lieber Heiland, es gibt in der Welt so viele arme Kinder, die keinen Vater und keine Mutter haben. Für diese Waisenkinder wollen wir heute beten. Behüte du sie und schenke ihnen gute Menschen, die ihnen weiterhelfen. Amen.

14.
März

„Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten. Sie gehen mit Weinen ihren Weg, sie werfen mit Tränen ihren Samen, aber sie kommen, ja sie kommen mit Freuden und bringen ihre Gaben heim.“

Psalm 126,5.6; Bruns

Johannes war ein fleißiger Junge, täglich half er den armen Leuten, wo er nur konnte. Wenn der Mann in den Wald ging, um Kleinholz aufzusammeln, dann trug Johannes es auf einen Haufen und schob den schweren Wagen nach Hause. Im Garten half er der Frau beim Unkraut jäten und harkte die Beete und den kleinen Gartenweg. Jeden Tag suchte er für die Kaninchen allerlei Futter, an den Straßengräben sammelte er Bärenklau und die grünen Blätter vom Löwenzahn. Er fütterte die Hühner und holte aus dem Heustall die frischen Eier, die die Hühner gelegt hatten. Überall begleitete ihn sein Freund Tako. Weil er nun so allein war, sprach er immer mit seinem Hund: „Weißt du, Tako, die Mutti ist jetzt im Paradies, dort scheint immer die Sonne, da gibt es keinen Hunger, keine Armut, keine Krankheit, keine Schmerzen, keinen Tod und deshalb auch keine Trennung mehr.“ Der Hund wedelte dann stets mit dem Schwanz, als würde er alles verstehen, was Johannes ihm da erzählte.

Als die beiden wieder einmal auf der Bank saßen, setzte sich zu ihnen ein Mann. Als er das Gespräch von Johannes mit seinem Hund hörte, lachte er darüber: „Ich glaube nur, was ich sehe und verstehe.“

„Wenn ich Sie richtig verstanden habe, glauben Sie nur, was Sie verstehen“, fragte Johannes. „So ist es.“

„Heute früh habe ich die Gänse beobachtet, wie sie Gras fressen, glauben Sie das?“ „Gewiss“, sagte der Mann. „Dann habe ich die Hühner und die Kaninchen mit Gras gefüttert, glauben Sie das auch?“ „Freilich“, antwortete der Mann. „Und die Schafe und die Kühe fressen doch auch Gras, glauben Sie das auch?“

„Natürlich, mein Junge.“ „Gut“, meinte Johannes, „aber das Gras, welches die Tiere fraßen, wurde bei den Gänsen und Hühnern zu Federn, bei den Schafen zu Wolle und bei den Kühen zu Haaren. Glauben Sie das auch?“ „Gewiss“, erwiderte der Mann.

„Ja, Sie glauben es, aber verstehen können Sie es nicht“, sagte lachend der kleine Johannes.

„Ach, du bist ein nichtsnutziger, dummer Junge“, antwortete der Mann giftig und bösartig, „deine Mutter ist tot, die wirst du nie wiedersehen!“

Dieser Satz ging dem kleinen Johannes wie ein Stich durchs Herz. Er lief schnell zum Friedhof und setzte sich auf das Grab der Mutter und weinte bitterlich. Der Tako sah seinen kleinen Herrn ganz mitleidig an, so als wollte er sagen: „Sei doch nicht traurig!“ Johannes sagte zu ihm: „Ja, du hast ja recht, es war ein böser Mann, der dem Wort Gottes nicht glauben will. Ich werde doch meine Eltern im Himmelreich wiedersehen, denn Jesus hat gesagt: , Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.‘“

Wir wollen nun beten: Wir danken dir, lieber Herr Jesus, dass wir im Paradies alle Menschen wiederfinden werden, die dir hier auf Erden gehorsam waren. Bitte hilf uns, dass wir auch ins Paradies kommen. Amen.


15.
März

„O Herr, zeige mir deine Wege, führe mich nach deinem Willen! Leite mich in deiner Treue, lehre mich recht! Denn du bist ja Gott, der mir hilft und beisteht. Alle Stunden harre ich auf dich.“

Psalm 25,4.5; Bruns

Johannes und sein kleiner Hund Tako blieben die besten Freunde. Sie waren froh, bei den armen Nachbarn eine bescheidene Unterkunft bekommen zu haben. Deshalb half Johannes alle Tage fleißig im Haus, auf dem Hof, im Stall, auf dem Feld und im Wald, kleine Arbeiten zu verrichten. Eines Tages verletzte sich der Mann seinen Fuß beim Fällen der Bäume. Ein schwerer Baumstamm rollte über das Bein. Der Fuß wurde dabei so zertrümmert, dass er vom Arzt abgenommen werden musste. Nun könnt ihr euch denken, liebe Kinder, wie groß die Armut in diesem Haus wurde.

Als Johannes eines Abends schon im Bett lag und Tako neben dem Bett eingeschlafen war, hörte er, wie die beiden armen Leute, die ihn ja so lieb aufgenommen hatten, im Nebenzimmer miteinander sprachen.

„Weißt du, Frau, so gern ich den Johannes und seinen lieben Hund noch bei mir wohnen lassen will, es geht einfach nicht. Seit meinem Unfall haben wir keinen Verdienst und bald können wir sie nicht mehr ernähren. Ich glaube, es ist das Beste, wir bringen den Johannes in ein Waisenhaus.“ „Aber dorthin kann er doch seinen Hund nicht mitnehmen“, sagte die Frau, „wenn er seinen Tako nicht mehr hat, glaube ich, wird er bestimmt vor Kummer sterben.“

„Das glaube ich auch, aber was sollen wir denn nun machen, es bleibt uns keine andere Wahl. Wir wollen zu Gott beten, dass er dem Johannes über diese traurige Nachricht weiterhilft.“ Johannes verstand jedes Wort, er hatte sein Ohr ganz dicht an die Wand neben dem Bett gepresst.

Alles wurde noch trauriger, Johannes weinte unter seiner Bettdecke ganz bitterlich. Er konnte gar nicht einschlafen und dachte darüber nach, was er jetzt tun sollte.

Mitten in der Nacht stand er leise auf, packte ganz still seine wenigen Sachen in ein Säckchen. Dann nahm er Tako und kletterte heimlich aus dem Fenster. Die Nacht war noch sehr kühl und in der Ferne schrie klagend eine Eule. So wanderten die beiden über ein weites Feld. Dann gelangten sie zuletzt in einen großen Wald. Jetzt begann es schon zu dämmern und die Vögel eröffneten ihr wunderschönes Morgenkonzert.

Johannes lief mit Tako über Stock und Stein. An einem Bach ruhten sich die beiden aus. Sie tranken von dem frischen Quellwasser und aßen das letzte Brot, das sich Johannes noch aus der Speisekammer geholt hatte. So liefen sie den ganzen Tag durch den Wald. Am Abend kamen sie an eine große Waldwiese. Dort stand eine kleine Hütte, die nicht einmal ein Fenster hatte. Durch eine kleine Luke krochen die zwei in den duftenden Heuschuppen. Sie legten sich in das weiche Heu und Johannes dankte Gott für die unerwartete Unterkunft.

Nun wollen wir auch beten: Lieber Herr Jesus, hab Dank, dass du uns immer einen Weg zeigen und nach deinem Wort helfend zur Seite stehen willst. Du hilfst auch dem kleinen Johannes und all den anderen Kindern, die keine Eltern haben. Amen.


16.
März

„Ich glaube, auch wenn ich sage: Ich werde sehr geplagt.“

Psalm 116,10

Johannes und Tako hatten sehr gut geschlafen. Die Drosseln sangen schon ihr Morgenlied, als die beiden erwachten. Liebevoll umarmte Johannes seinen treuen Kameraden, als er plötzlich vor der Heuhütte Schritte und das Quietschen eines Rades vernahm.

Schnell faltete Johannes seine Hände und betete: „Lieber Gott, beschütze uns vor Unglück und neuen Gefahren. Hilf uns bitte auch jetzt!“

An der Tür wurde geschlossen, knarrend öffnete sie sich. Ein älterer Mann mit einem alten, schmutzigen Zylinderhut starrte in die Hütte. Er hatte ganz zornige, böse Augen, eine große, lange Nase und einen schiefen Mund, aus dem zwei gelbe Zähne herausragten.

„He, was wollt ihr hier, sauelendes Pack?! He, was fällt euch ein, euch in meinem schönen Heu herumzuwälzen. Ich will euch mit der Peitsche eure Wege lehren!“ brüllte der Alte vor Zorn.

„Ach, guter Mann“, rief Johannes ganz erschrocken, „seid bitte nicht so böse, wir hatten uns in der Nacht verirrt und wussten nicht, wo wir schlafen sollten, weil wir ganz allein auf der Welt leben.“ „Was schert mich euer Leben, arbeite lieber, dann weißt du auch, wo du schlafen kannst. Wer weiß, ob du nicht zu irgendeinem Diebesgesindel gehörst.“ Jetzt wollte der Fremde den Jungen packen.

„Nein, Herr“, rief Johannes ängstlich, „seid barmherzig, ich will Ihnen gerne helfen und bei Ihnen arbeiten.“

„Du und arbeiten, so siehst du gar nicht aus!“ dabei spuckte er verächtlich auf den Boden. Also gut, ich habe heute noch viel zu transportieren, los, heraus mit euch. Wir gehen jetzt ins Dorf, um einzukaufen.“

Der Mann lud auf seine alte Karre zwei Zentner Getreide und einen schweren Schleifstein. Dann spannte er Johannes und Tako vor das schwere Gefährt und zog mit den beiden über die Felder. „Vorwärts, ihr Strauchdiebe, zieht gefälligst besser, damit uns die Polizei nicht erwischt“, brüllte er.

Wenn es ihm nicht schnell genug ging, dann nahm er Steinchen und warf sie nach den beiden. Johannes und Tako zogen an der Karre mit letzter Kraft. „Wenn wir uns nicht bald einmal ausruhen können, breche ich zusammen“, dachte Johannes, der schon heftige Stiche in der Herzgegend verspürte.

„Der Teufel soll mich holen, ihr Höllenbrut, wenn es nicht gleich schneller geht!“ schrie der böse Mann.

Bald hatten sie die Spitze einer Anhöhe erreicht. Plötzlich begann die Karre wie von selbst bergab zu rollen. Johannes und Tako sprangen flink zur Seite. Der Mann, der seine Karre und die wertvolle Ladung retten wollte, zerrte an dem Riemen, aber die Last rollte immer schneller und gefährlicher dem Abgrund zu.

„Hilfe! Hilfe!“ schrie der Bösewicht, dann stürzte er mitsamt seinem Diebesgut in eine Bergschlucht.

„Jetzt hat ihn der Teufel wirklich geholt“, sagte Johannes zu Tako.


Ja, die Menschen fluchen oft und sprechen schlimme Wünsche aus. Gott hatte Johannes und Tako wieder bewahrt. Beide rannten, so schnell sie konnten, davon.

Wir wollen beten: Herr, du bist ein Helfer der Waisen und Witwen, du vergiltst den Bösen und richtest sie schon oft hier auf dieser Erde. Hilf uns, dass wir nie fluchen und schlechte Wege gehen. Amen.

17.
März

„Unser täglich Brot gib uns heute.“

Matthäus 6,11

Johannes und Tako waren nun von dem bösen Mann befreit. Sie wanderten weiter über Berg und Tal. Jetzt hatten sie schon lange nichts mehr gegessen und getrunken. Beide waren so müde, dass sie nicht weitergehen konnten. Sie setzten sich auf einen Baumstamm, um ein wenig auszuruhen. Dann begann der Junge das „Vater unser“ zu beten. Ganz laut sagte er: „Unser täglich Brot gib uns heute!“

Plötzlich kam Johannes der Gedanke: Wenn die Leute zu Gott um Brot bitten, muss es auch jemand geben, der ihnen etwas gibt. Ich muss einfach den „Brotladen des lieben Gottes“ suchen. Er machte sich nun wieder auf und wanderte mit Tako in den nächsten Ort. Während er von einer Straße zur andern ging, dachte er immer: Wo kann wohl Gottes Brotladen sein?

Als er gerade wieder um eine Ecke bog, sah er in einem Bäckerladen ein großes Bild vom Heiland an der Tür hängen. Das muss der Brotladen unseres lieben Heilandes sein! dachte Johannes und ging in den Laden hinein. Tako hatte er draußen an einem Haken festgebunden.

Hm, wie duftete es in dem Bäckerladen, der voller Kuchen, Torten, Brot, Brötchen und Schokolade war. Hinter dem Ladentisch stand eine freundliche Bäckersfrau.

„Ich bin gekommen, um mir das tägliche Brot abzuholen.“

„Ja, mein Kleiner, da bist du gerade richtig hier“, sagte die Frau. „Welches Brot und wie viel möchtest du denn haben?“ Johannes deutete auf zwei kleine Brote: „Diese beiden kleinen Brote möchte ich bitte haben.“

„Gern, mein Junge“, sagte die gutmütige Bäckersfrau. Sie nahm die beiden Brote und wickelte sie in Papier. Johannes nahm die Brote, ging zur Tür und sagte: „Vergelt‘s Gott und schönen Dank fürs tägliche Brot.“

„Aber, mein Junge, du hast ja vergessen zu bezahlen!“ sagte die Frau, „wer hat dich denn geschickt?“

„Mein Vater im Himmel“, sagte der Kleine ganz schüchtern.

„Hast du denn kein Geld?“ fragte die Frau. „Nein, meine Eltern sind tot und da hat mich mein himmlischer Vater zu Ihnen geschickt. Ich habe heute früh zu ihm gebetet und seinem Wort geglaubt.“

„Welchem Wort?“ wollte die erstaunte Frau wissen. „Na, ,unser täglich Brot gib uns heute‘. Weil ich das Bild vom Heiland in Ihrem Laden sah, dachte ich, das muss Gottes Bäckerladen sein.“ Die Frau begann zu weinen: „Gott segne dir das Brot, mein Junge. Wenn du wieder Hunger hast, komm nur wieder, ich will dir schon etwas zu essen geben.“ Johannes sprang freudestrahlend aus dem Laden und rief: „Hier ist des lieben Gottes Bäckerladen!“

Am Abend ging die gute Bäckersfrau noch einmal um ihr Haus herum. Was meint ihr, wen sie da ganz übermüdet, tief im Schlaf fand? - Ja, unseren Johannes mit seinem Tako. Sie besprach die ganze Angelegenheit mit ihrem Mann und so beschlossen sie, den Johannes bei sich zu behalten. Da sie keine Kinder hatten, gehörte dem Johannes später die ganze Bäckerei und er nannte sie „Des lieben Gottes Bäckerladen“.

Sein Geschäft war das beste in der ganzen Stadt und wenn einmal hungernde Kinder kamen, so schenkte ihnen Johannes das „tägliche Brot“.


Nun wollen wir beten: Vater im Himmel, wir danken dir, dass du überall deine Kinder versorgst. Du schickst ihnen immer gutmütige Menschen in den Weg, die ihnen helfen. Wir danken dir, dass du alle Kinder behüten und bewahren willst. Gedenke der Kinder in Indien, in Afrika und in allen anderen Ländern der Erde, die nicht genug zu essen haben. Schenke du uns den Willen, ihnen durch eine Spende zu helfen. Amen.

18.
März

„Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel herunterkommt und nicht dahin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt, dass sie fruchtbar wird und sprosst und dem Sämann Samen und dem Hungrigen Brot gibt, so ist es auch mit meinem Wort, das aus meinem Munde kommt. Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern wirkt, was ich beschlossen, und führt aus, wozu ich es gesandt habe.“

Jesaja 55,10.11; Bruns

Seht ihr den alten Mann mit der Zipfelmütze, dem Schirm und dem langen Bart? Seine Schlittschuhe hängen schon über der Schulter und die Fausthandschuhe hat er auch ausgezogen. Er nimmt Abschied und winkt mit der Hand, ohne sich umzusehen. Die Kinder, die Vögel und der Hund freuen sich sehr, denn nun hat der Winter lange genug gedauert, jetzt soll es Frühling werden. Freilich, oft kommt der Winter noch über Nacht auf leisen Sohlen zurück, aber letzten Endes vertreibt ihn der Frühling dann endgültig. „Des Winters Flucht“ heißt dieses Bild von Ludwig Richter.

Dazu wollen wir ein Gedicht lesen:

„Die Fenster auf, die Herzen auf!

Geschwinde! Geschwinde!

Der alte Winter will heraus,

er trippelt ängstlich durch das Haus,

er windet bang sich in der Brust

und kramt zusammen seinen Wust.

Geschwinde! Geschwinde!

Die Fenster auf, die Herzen auf!

Geschwinde! Geschwinde!

Er spürt den Frühling vor dem Tor,

der will ihn zupfen bei dem Ohr,

ihm zausen an dem weißen Bart

nach solcher wilder Bubenart.

Geschwinde! Geschwinde!

Die Fenster auf, die Herzen auf!

Geschwinde! Geschwinde!

Der Frühling pocht und klopft ja schon. –

Horcht, horcht, es ist ein lieber Ton,

er pocht und klopfet, was er kann,

mit kleinen Blumen, Knospen an.

Geschwinde! Geschwinde!“

Wilhelm Müller

Ja, Kinder, wie der alte, hartherzige Winter aus dem Lande getrieben werden soll, so muss auch die Sünde aus unserem Herz getrieben werden. Deshalb sollen wir geschwind die Herzenstüren und -fenster öffnen und den alten Kram des Zankens, des trotzigen Wesens, der bösen Gedanken und der schmutzigen Worte hinaustreiben. Es klopft und pocht nämlich schon der Herr Jesus an unsere Herzenstür. Mit den farbenprächtigen Blumen seines Friedens, der Freude, der Geduld, der Freundlichkeit, der Gütigkeit und der Sanftmut möchte er unsere Herzen erfüllen. Nun lest noch einmal das Gedicht und denkt daran: So wie der Winter verschwinden soll, so sollen auch unsere bösen Sünden aus uns verschwinden!


Wir wollen beten: Nun hilf uns bitte, lieber Heiland, dass wir ganz reine Herzen bekommen und dein Klopfen an unsere Herzenstür hören. Wir lieben dich von ganzem Herzen. Amen.

19.
März

„Jesus sagte zu allen: Gebt acht! Hütet euch um jeden Preis vor der Habgier. Denn das Leben eines Menschen hängt nicht von seinem Besitz ab, auch wenn dieser noch so groß ist.“

Lukas 12,15; GN

Seht, das kleine Mädchen ist in den Wald gegangen. Im Winter hatte es immer die Vögel gefüttert und nun kannten die Vögel das Mädchen und fürchteten sich nicht vor ihm. Manche Leute haben auch einen Vogel im Vogelkäfig daheim. Es gibt auch Vögel, die sprechen lernen können, wenn man es ihnen immer wieder vorspricht. Oft sind sie sehr schwer zu verstehen, es gibt aber auch solche Vögel, die sehr gut „sprechen“ können. So einen Vogel traf ich einmal im Hause eines Mannes, der sein Geld sehr, sehr liebte. Er hatte eine fromme Frau, die immer in den Gottesdienst ging, aber dieser Mann gab ihr sehr wenig Geld zum Wirtschaften. Sie hätte gern dem Heiland ein gutes Opfer gegeben, damit das Evangelium auch in fernen Ländern verkündigt werden könnte. Wie gesagt, dieser geizige Mann hatte einen Wellensittich, der sehr gut sprechen konnte. Da nun der Mann auch in den Gottesdienst ging, brachte er ihm allerlei fromme Sprüche bei.

Zum Beispiel: „Halleluja! - Preis sei dem Herrn! - Sage allezeit: Lob und Dank!“ konnte der Vogel ausgezeichnet sagen. Einmal fuhren die Eheleute in den Urlaub. Da gaben sie den Wellensittich zu ihrer Tochter, die auch schon verheiratet war, in Pflege. Die Tochter kannte ihren Vater sehr gut, deshalb brachte sie dem Vogel noch einen Satz bei.

Als ich eines Tages wieder in das Haus dieser Leute kam, fragte ich nach dem Vogel. „Ach“, sagte mir die fromme Frau, „hör bloß nicht hin, ich muss mich immer schämen, wenn er spricht und es fremde Leute hören.“

Wisst ihr, was der Vogel jetzt sagte? - „Halleluja - Preis sei dem Herrn - Papa schwimmt im Geld - Sage allezeit Lob und Dank - Papa schwimmt im Geld - Halleluja, Amen.“ So kann es gehen, wenn man zu sehr am Geld hängt, dann muss der Vogel einem die Wahrheit sagen. Ich musste herzlich lachen über diesen Vorfall. Mancher Mensch macht sehr fromme Sprüche, aber im praktischen Leben sieht man nichts davon. Deshalb sagt der Herr Jesus: „Gebt acht! Hütet euch um jeden Preis vor der Habgier. Denn das Leben eines Menschen hängt nicht von seinem Besitz ab, auch wenn dieser noch so groß ist.“

„Der Geiz ist eine Wurzel allen Übels“, steht in der Bibel. Darum wollen wir uns darin üben, freigiebig zu werden, dann kann Gott uns segnen und vor viel Übel bewahren.

Nun wollen wir beten: Herr Jesus, alles, was du hattest, gabst du den Menschen. Du hattest kein Haus, keinen Garten, kein Gold und kein Silber - aber du hast allen armen Menschen geholfen. Du hast die Kranken geheilt und die armen Menschen mit Brot versorgt. Lehre uns, auch Freude daran zu haben, andere Menschen zu beschenken. Amen.


20.
März

„Sieh nur, der Winter ist dahin, die Regenzeit ist vorbei! Die Blumen zeigen sich wieder auf der Flur; die Zeit der Gesänge ist da; die Turteltaube lässt ihr Gurren wieder hören im Land.“

Hohelied 2,11.12; Bruns

Heute steht im Kalender ganz dick gedruckt: Frühlingsanfang. Ja, das ist so eine Sache, denn das Wetter richtet sich nicht immer nach unserem Kalender. Manchmal hat es noch im April geschneit und in anderen Jahren blühten die ersten Blumen schon im Februar. Vielleicht hat es die Sonne in den letzten Tagen gut mit uns gemeint.

„Wenn ihr heute Lust zu einem Spaziergang in den Wald habt, dann könnt ihr der Mutti einen hübschen Strauß Frühlingsblumen mitbringen. Vielleicht blühen schon die Buschwindröschen. Aber zieht euch noch warm an, denn im Wald ist es kühl, weil die Sonne nicht so gut durch die dichten Tannenäste hindurchdringen kann. Wenn ihr Blumen finden wollt, dann müsst ihr an den sonnigen Stellen Umschau halten. Geht aber nicht zu weit vom Wege ab, Kinder, ihr könntet euch verlaufen“, sagte der Vater, der hinter der Mutter steht, die das kleine Baby auf dem Arm hält.

Die Kinder jauchzen hell auf und singen vor lauter Freude: „Tra-ri-ra, der Frühling der ist da! Wir wollen in den Garten und woll‘n des Frühlings warten, ja, ja, ja, der Frühling der ist da!“

Die kleine Liese gibt der Ziege frisch gepflücktes Gras, der kleine Heiner schwenkt vor Freude seine Mütze und singt immer noch: „Der Frühling der ist da, tra-ri-ra!“ während Jochen auf der kleinen Flöte eine Frühlingsmelodie spielt. Die Suse tanzt auf einem Bein. Sie hat ihre Puppe unter dem Arm, an ihrem Kleid hängt ein kleiner Korb, denn sie meint, man könne im Wald schon Erdbeeren pflücken. Aber das dauert noch wochenlang, nein monatelang. Weil die Kinder so fröhlich sind, wollen wir heute auch ein schönes Frühlingslied singen:

„O, wie ist die Welt so schön in dem Frühlingskleide!

In den Tälern, auf den Höhn Leben, Friede, Freude!

Süße Düfte, Vogelsang, stimmet ein mit Harfenklang!

Singt ein heilig Lied dem Herrn, da im Brautgewande

prangen Fluren nah und fern, jauchzt ihm alle Lande!

Wo sein Lebensodem weht, alles neu verjüngt ersteht.

Darum soll auch Preis und Dank meine Seele bringen

und den heil‘gen Lobgesang meinem Schöpfer singen.

Ist die Erde schon so schön, was wird‘s sein in Himmelshöhn!“

Nun wollen wir beten: Vater, wir danken dir, dass du alle Jahreszeiten geschaffen hast, - der Frühling ist so schön. Die erstorbene, tote Welt steht auf, so wie dein Sohn Jesus Christus auch aus dem Grabe in Jerusalem auferstanden ist. Ja, wir feiern Ostern und freuen uns, dass auch wir auferstehen werden. Amen.


21.
März

„Wächter, wie spät ist es in der Nacht?“ Der Wächter antwortet: „Der Morgen kommt, aber es ist noch Nacht.“

Jesaja 21,11.12

In früheren Zeiten gab es im Dorf den Nachtwächter und in einer Stadt auch noch einen Turmwächter, den man auch Hochwächter nannte.

In einem alten Städtchen wohnte dort oben auf dem Kirchturm der Hochwächter mit Namen Sebastian. Er war ein einsamer Mann, denn seine Frau war gestorben und lag auf dem Friedhof begraben. Das hölzerne Kreuz an ihrem Grabhügel ließ der Turmwächter immer blendend weiß anstreichen, damit er es vom Turm aus gleich erkennen konnte. Er war ein frommer Mann, der den Vater im Himmel und seinen Sohn Jesus Christus von ganzem Herzen liebte. Mit großer Gewissenhaftigkeit erfüllte der Wächter seine Pflicht. Er musste die große Turmuhr beaufsichtigen, zu den verschiedenen Zeiten die Glocke läuten und nachts jede Stunde ins Horn blasen, damit jeder wusste: Der Wächter steht auf seinem Posten. Seine liebste Aufgabe aber war, an jedem Morgen um sechs Uhr einen Choral zu blasen, den er sich selbst auswählen durfte.

Nun war es einmal in der Frühlingszeit, dass unser Hochwächter nachts zwischen elf und zwölf Uhr in tiefen Schlaf versank. Allerlei Traumbilder zogen an ihm vorüber. Plötzlich beginnt es mächtig zu schallen, die Turmuhr schlägt Mitternacht. Jäh wurde der alte Sebastian aus dem Schlaf gerissen und deshalb hörte er nur noch die letzten sechs Schläge. „Was? schon sechs Uhr?“ fährt es ihm durch den Kopf - es ist auch schon etwas hell da draußen. Es war der Vollmond, der mit stählender Schönheit auf die Dächer der Stadt schien. „Ich habe meine Pflicht versäumt“, denkt der Turmwächter, „ich habe die ganze Nacht verschlafen!“ Schnell springt er aus dem Bett, um die Morgenwacht zu blasen. Hell und stark tönt es zum Fenster hinaus: „Wohlan im Namen Jesus Christ, der helle Tag erschienen ist.“ - Doch was war das? Unten in der Stadt blieb alles still. Da sieht der Turmwächter auf die Uhr und bemerkt, dass es erst Mitternacht ist. Welch ein Unglück für den alten Mann! Seine Nachlässigkeit kann ihn vielleicht die Stellung kosten.

Mit Zittern und Zagen erwartet er den Morgen. Als er um acht Uhr in die Stadt hinuntersteigt, trifft er einen Mann, der ihm schon von ferne entgegenruft: „Sebastian, Sebastian, ich danke dir herzlich!“ - „Wofür denn?“ - „Du hast heute Nacht meiner Frau und mir das Leben gerettet!“ “Wieso denn?“ „Als du um Mitternacht das Lied geblasen hast, fuhr ich schnell aus dem Bett, meine Frau auch, denn wir meinten, es brenne irgendwo. Als wir gerade im anderen Zimmer angelangt waren, um zum Fenster hinauszusehen, stürzte mit gewaltigem Krach im Schlafzimmer die Decke ein! Wir wären tot, wenn du uns nicht gewarnt hättest.“

Am nächsten Morgen aber blies der Hochwächter mit gewaltiger Kraft vom Turm herab: „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf, lasset den Lobgesang hören!“ Den ganzen Tag über sang Sebastian dann noch: „… der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret?“

Nun wollen wir auch beten: Wir stimmen mit ein in dieses schöne Lied und danken dir, lieber Gott, dass du uns in dieser Nacht wieder von neuem bewahrt hast. Amen.


22.
März

„So wird er als Herr ein Hort für alle Bedrückten, ein Zufluchtsort in Zeiten der Not. Darum vertrauen alle auf dich, die deinen Namen kennen; denn du, Herr, lässt nicht im Stich, die dich suchen.“

Psalm 9,10.11; Bruns

Peter hatte nur noch eine Mutter, sein Vater war gestorben. Die Mutter arbeitete fleißig, um für ihren kleinen Peter und sich das tägliche Brot zu verdienen, denn sie waren arm. Aber Gott half immer in der größten Not. Einmal wurde die Mutter schwer krank und konnte nicht zur Arbeit gehen. „Mutter, was kann ich dir bringen, damit du wieder gesund wirst?“

„Wir haben in der Speisekammer nichts mehr zum Essen.“

Die Mutter strich dem Peter liebevoll über den Kopf. „Der Herr ist meine Stärke. Komm, Peter, wir wollen beten.“ Sie betete: „Lieber Heiland, gib uns doch wieder etwas zu essen und lass uns nicht vor Hunger sterben.“ Als die Mutter zu Ende gebetet hatte, war Peter ganz getrost, er wusste, der Heiland hilft. Er ging in den Garten, da kamen schon die ersten Frühlingsblumen hervor. Schnell pflückte er einige Sträußchen von den Schneeglöckchen und ging auf den Markt, um sie dort zu verkaufen. Er musste durch einen Wald gehen und weil es noch sehr früh war, lauschte er den Vögeln, die ihr Morgenliedchen sangen. Peter dachte: Ach, wie schön es heute im Wald ist, könnte nur meine Mutti auch hier sein, dann würde sie ganz glücklich und froh werden. Er faltete seine Hände und betete: „Lieber Heiland, mach doch meine Mutti wieder ganz gesund und gib uns wieder zu essen.“ Dann ging er fröhlich weiter, kam an einen Bach, setzte sich und gab den Blumen Wasser, damit sie wieder frisch wurden.

Da kam ein Käfer daher gebrummt und setzte sich auf ein kleines Blatt, das auf dem Wasser schwamm. Doch das Blatt war zu schwach, um den Käfer über Wasser zu halten, so dass er verzweifelt auf dem untergehenden Blatt zu zappeln begann. Peter dachte: Nein, du armer Käfer sollst nicht ertrinken. Er nahm ein Stöckchen und hielt es dem Käfer hin, der kroch darauf und flog gleich hinauf in den blauen Himmel. Peter sah ihm nach und dachte: Hab ich, kleiner Junge, doch dem armen Käfer das Leben retten können, wie viel mehr kann Gott im Himmel uns helfen. Plötzlich hörte Peter ein Mädchen weinen. Er ging schnell zu ihr und fragte: „Warum weinst du denn so sehr?“ „Ich möchte nach Hause und finde die Brücke nicht, über die ich zur Stadt komme.“

„Ach, komm“, sagte Peter, „ich trage dich auf dem Rücken durch das Wasser.“ Als er das Mädchen ans andere Ufer gebracht hatte, fragte das Mädchen ihn, warum er so viele Blumen in seinem Korb habe. Da erzählte Peter der kleinen Eva, dass seine Mutter krank sei und er die Blumen verkaufen möchte, damit sie wieder etwas zu essen kaufen können. „Meine Mutter kauft dir bestimmt Blumen ab, komm mit zu uns“, sagte Eva. Peter ging mit dem Mädchen in die Stadt. Sie wohnte in einer großen Villa und ihre Eltern waren sehr reich. Als Evas Mutter die Geschichte gehört hatte, packte sie den Korb voll mit Esswaren und sorgte täglich dafür, dass die beiden immer satt zu essen hatten. Als Peters Mutti wieder gesund war, stellten sie die reichen Leute in der Villa als Haushaltshilfe an. Nun hatten sie keine Not mehr. Peter und Eva blieben für immer gute Freunde.

Nun wollen wir beten: Herr, du hast überall Wege, um uns zu führen und zu leiten. Wir danken dir, dass wir dir voll vertrauen dürfen, denn du hast verheißen, dass du alle Tage bei uns bist bis an der Welt Ende. Amen.


23.
März

„Gott redet auf die eine oder andere Weise, nur die Menschen achten nicht darauf. Er redet im Traum und Nachtgesicht. Wenn der Schlaf die Leute befällt und sie auf ihrem Lager schlummern, dann öffnet er dem Menschen das Ohr.“

Hiob 33,14-16; Bruns

In einem Dorf lebte ein Bauer, der ein frommer Mann war. Er hatte drei Kinder und eine tüchtige Frau, die neben ihrer vielen Arbeit täglich die Bibel las und mit ihren Kindern betete. Gott segnete das Vieh auf dem Hof und die Ernte auf den Feldern dieses Landwirts.

Eines Nachts träumte der Bauer: Er sah den Herrn Jesus in großer Pracht und Herrlichkeit am Himmel erscheinen. Mit ihm kamen unzählige Engel, die einen wunderbaren Choral anstimmten, sie sangen von der Schönheit der himmlischen Welt und der großen Liebe Gottes. Der Bauer wurde im Traum zunächst vergnügt und selig. Solchen Glanz hatte er nie gesehen. Bald aber wurde er sehr traurig, denn er bemerkte, dass der Heiland viele fromme Leute liebevoll anblickte, ihn aber gar nicht wahrnahm. Des Herrn Blick wanderte stets an ihm vorüber. Der Bauer dachte: Woran kann es liegen, dass der Herr von mir nichts wissen will?

Plötzlich schaute der Herr Jesus dem Bauern ganz liebevoll ins Angesicht und fragte ihn: „Möchtest du mir einen Gefallen tun und einen meiner Jünger schnell besuchen?“ „O ja, Herr“, rief der Bauer im Traum, „es soll mir ein Vergnügen sein. Wer ist es, dem ich eine Hilfe erweisen kann?“ Da erwachte der Bauer und der schöne Traum war entschwunden. Als er noch über das Traumgesicht nachdachte, klopfte es an der Tür. Ein Kind stand dort an der Pforte und bat den Bauern, doch schnell den Arzt aus der Stadt zu holen, weil der Vater sterbenskrank sei. Sofort spannte der Bauer ein Pferd an und holte den Arzt aus der Stadt.

Nachdem der Kranke gut versorgt war, spannte der Bauer seine Ochsen vor den Pflug und fuhr auf den Acker des kranken Mannes. Dort pflügte und eggte er den ganzen Tag, denn er wusste, dass dieser Nachbar nicht so bald wieder gesund werden würde und eben auf dem Feld auch nichts tun konnte. Aber das Feld musste ja jetzt im Frühling bearbeitet werden. Als er am Abend sehr müde mit seiner großen Tochter nach Hause kam, lief ihm seine Frau entgegen und brachte dem erschöpften Mann einen Becher mit gutem Traubensaft hinaus: „Das hast du gut getan, denn du hast einem armen Menschen geholfen, und Gott wird dir‘s wohl belohnen.“ Obwohl er den ganzen Tag gearbeitet hatte, sang er am Abend mit seiner Familie das wunderschöne Lied:

„Wenn der Heiland, wenn der Heiland als König erscheint

und die Seinen als Erlöste im Himmel vereint.

O, dann werden sie glänzen wie die Sterne so rein,

in des Heilandes Krone als Edelgestein!“

Nun wollen wir beten und singen:

„Drum, ihr Großen und ihr Kleinen, gebt Jesus das Herz!

Er macht selig, er macht herrlich, er führt himmelwärts!

O, dann werden sie glänzen wie die Sterne so rein,

in des Heilandes Krone als Edelgestein!“ Amen.


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26 may 2021
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9783869548739
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