Kitabı oxu: «Demokratie und Wahrheit»

Şrift:


Das Wissen dieser Welt aus den Hörsälen der Universitäten.

Fachbereich

POLITISCHE THEORIE / PHILOSOPHIE

Demokratie und Wahrheit

Von Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin

Einführung

Ich möchte in diesem Vortrag der Frage nachgehen, ob die Wahrheit einen Ort hat in der Demokratie. Oder anders formuliert: Ob Wahrheitsansprüche verträglich sind mit der Demokratie. Die meisten sind der Auffassung – nein. Die meisten sind heute und in der Vergangenheit der Auffassung, dass die Demokratie ja gerade darin besteht, dass es lediglich um Interessen geht. Dass wir Interessen vortragen, zum Beispiel teilweise auch organisiert in Interessensverbänden – Gewerkschaften, dem Unternehmerverband usw. – und dass wir einen Modus des friedlichen Austragens dieser Interessen gefunden haben.

Man könnte sagen, Demokratie sei feindselig gegenüber dezidierten, normativen Überzeugungen, gegenüber Auffassungen von richtig und falsch. Dies alles sei gewissermaßen zurückgestellt und durch ein Spiel der Interessen ersetzt. Diese Spiel ist befriedend, es verhindert dass es zum Bürgerkrieg eskaliert, dass Interessenkonflikte am Ende in Mord und Todschlag enden.

Eine Variante dieser Auffassung sagt, die unterschiedlichen kulturellen Prägungen in der multikulturellen Demokratie brauchen einen Modus vivendi, das heißt, wir sollten die eigene und die andere, die fremde Lebensform als gleichrangig betrachten. Wir sollten keine Werturteile über sie fällen. Wir müssen uns im wechselseitigen Respekt begegnen. Und mit all dem bin ich natürlich einverstanden und halte dennoch an der These fest: Die Wahrheit hat einen Ort in der Demokratie. Mehr noch – ich spitze zu: Die Demokratie ist ohne normative Wahrheitsansprüche, allerdings spezifische normative Wahrheitsansprüche, gar nicht lebensfähig.

Um einen Titel indirekt von Karl Popper aufzugreifen – die offene Gesellschaft und ihre Feinde: die Demokratie wird gegenüber ihren Feinden, ihren fundamentalistischen Gegnern kapitulieren, wenn sie nicht deutlich macht, dass es um mehr geht als lediglich um ein Spiel der Interessen.

Ich will das in diesem Vortrag sehr kompakt begründen. In einzelnen Schritten zwischendurch müssen wir uns auch darüber verständigen, was wir eigentlich unter Wahrheit verstehen wollen, das heißt wir brauchen einen philosophischen Exkurs über Wahrheitstheorie. Ich kann das hier nicht so ausführlich machen wie ich es in einem Buch „Demokratie und Wahrheit” gemacht habe, in dem ich die Argumente im einzelnen einschließlich der Problematik der Begründung von Normen, ethischen Werten behandelt habe. Was ich hier vortrage, ersetzt also nicht die Lektüre, aber es soll wenigstens eine Orientierung bieten, damit Sie sich dann in den Details der Argumente nicht verlieren.

Das Höhlengleichnis

Ich hole mal weit aus, aber ganz bewusst. Ich beginne, wie es einer Karikatur des Philosophen entspricht, bei Platon. Platon, der an bestimmten Stellen seines Werkes, nämlich dort wo es besonders komplex und schwierig wurde, zu Metaphern gegriffen hat, der Bildern vorstellt und mit diesen Bildern natürlich viel vermitteln will, aber offenkundig auch solches, das sich nicht so einfach hinschreiben lässt, hat an einer zentralen Stelle der Politeia, des großen politik-philosophischen Werkes, das Bild einer Höhle gezeichnet, das berühmte Höhlengleichnis, wonach wir uns im Alltagsleben in einer Situation befinden wie Menschen, die ihr leben lang in einer dunklen Höhle gefesselt vor der Höhlenwand sitzen und nichts anderes kennen, als die Schattenbilder, die auf der Wand abgebildet werden. Diese Schattenbilder werden durch ein Feuer hervorgerufen, das in der Höhle brennt und das diese Schattenbilder an die Wand wirft.

Die Gegenstände wiederum, die diese Schatten hervorrufen, sind Abbildungen von realen Gegenständen außerhalb der Höhle. Sie werden vor dem Feuer herumgetragen, bilden sich ab und die Höhlenbewohner sind im Laufe der Zeit zu Experten in der Interpretation von Schattenbildern geworden. Sie verstehen es sehr gut, Schattenbilder zu interpretieren, ohne zu wissen, dass es sich lediglich um Schatten handelt.

Und nun kommt jemand, und bindet eine Person los. Jetzt stellt sich gleich die Frage: Wer ist dieser jemand? Das wird nicht weiter ausgeführt. Die Person geht den beschwerlichen, steilen Weg, dreht sich um oder wird herumgeführt und dann den steilen Weg aus der Höhle heraus. Sie kommt vorbei, sieht das Feuer, sieht also die Ursache dieser Schattenbilder, kann also nun verstehen, was es eigentlich mit diesen Schatten auf sich hatte, die sie ja zuvor für das Ganze der Welt hielt, kommt dann am Ende zum Höhleneingang, verlässt die Höhle, ist hochgradig geblendet, kann zunächst nichts sehen, noch am ehesten bei Nacht oder dann bei Tage Spiegelbilder. Am Ende gelingt es ihr, sich immer besser an die neuen Bedingungen anzupassen, sieht auf einmal, dass die Gegenstände, die vor dem Feuer in der Höhle herumgetragen werden, Abbildungen von realen Gegenständen außerhalb der Höhle sind. Die Person erkennt die Zusammenhänge auch insofern, als sie die Sonne und ihre Rolle für Leben und Wahrnehmen erkennt, die Sonne, die diese Doppelfunktion hat, die in einem anderen Gleichnis – dem berühmten Sonnengleichnis – von Platon ausgeführt wird, nämlich auf der einen Seite ist sie Bedingung von Erkennen, von Erfahrung, denn die Sonne beleuchtet und auf der anderen Seite lässt sie erst alles wachsen. Ohne Sonne kein Wachstum, kein Gedeih. Das heißt, diese Sonne hat eine Art Doppelfunktion.

Platon spricht dann an dieser Stelle davon, dass die Person am Ende, nach diesem mühseligen Anpassungsprozess, dem Gang aus der Höhle, der Gewöhnung an das Helle, in der Lage ist, die Sonne zu schauen – nicht „in die Sonne zu schauen”, sondern „die Sonne zu schauen”. Eine Art intuitive Schau, wenn man so will.

Und vor diesem Hintergrund kann sie dann das Gesamte besser erfassen, sie weiß, was welche Rolle spielt im realen Leben, in der realen Welt. Mit diesen Kenntnissen ausgestattet, kehrt die Person in die Höhle zurück. Man kann hier fragen: Warum kehrt sie in die Höhle zurück? An anderer Stelle wird deutlich, sie tut das nicht aus Vergnügen, sondern aus Verantwortungsgefühl. Man könnte auch sagen aus Pflichtgefühl gegenüber denen, die sich nach wie vor in der Höhle befinden.

Pulsuz fraqment bitdi.

11,79 ₼

Janr və etiketlər

Yaş həddi:
0+
Litresdə buraxılış tarixi:
21 oktyabr 2024
Həcm:
23 səh. 2 illustrasiyalar
ISBN:
9783831257034
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
Yükləmə formatı:

Oxşar kitablar