Kitabı oxu: «Die Tugend auf der Schaubühne»

Şrift:

Justus Möser

Die Tugend auf der Schaubühne

Harlekins Heirath - Ein Nachspiel in einem Aufzuge


Veröffentlicht im Good Press Verlag, 2020

goodpress@okpublishing.info

EAN 4064066118808

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titelblatt

Text

Personen des Nachspiels 1. Auftritt. Herr Barthold, Harlekin 2. Auftritt. Die Vorigen, und Kolombine 3. Auftritt. Harlekin und Kolombine 4. Auftritt. Die Vorigen, und Barthold 5. Auftritt. Harlekin. Scapin und Peter 6. Auftritt. Harlekin und Peter 7. Auftritt. Scapin mit einem Kleide unterm Arme, und die Vorigen 8. Auftritt. Isabelle und Valer 9. Auftritt. Die Vorigen. Harlekin und Peter 10. Auftritt. Harlekin und Peter 11. Auftritt. Die Vorigen und Scapin 12. Auftritt. Harlekin und Peter 13. Auftritt. Die Vorigen und Scapin 14. Auftritt. Harlekin. Kolombine 15. Auftritt. Die Vorigen, Barthold, Scapin und Peter 16. Auftritt. Barthold und Kolombine 17. Auftritt. Die Vorigen und Harlekin


Personen des Nachspiels:

Herr Barthold, Principal der Bühne.

Kolombine, seine Tochter.

Harlekin, Schauspieler.

Scapin, Schauspieler.

Isabelle, Schauspielerin.

Valer, Schauspieler.

Peter, Lichtputzer.



Der Schauplatz ist auf dem Schauplatze.



Die Tugend auf der Schaubühne;


oder:


Harlekin's Heirath.


Ein Nachspiel in einem Aufzuge*).

Erster Auftritt.

Herr Barthold, Harlekin.

Harlekin (macht drey tiefe Verbeugungen).

Barthold. Was will Er, mein guter Freund?

Harl. (Macht wieder einige Verbeugungen).

Barth. Bücke Er sich so lange bis Er müde wird, und dann kann Er mir sagen was Er zu sagen hat. Die jungen Leute gewöhnen sich das itzt so an, daß sie einem die Zeit mit tausend Komplimenten verderben. Wenn man in meiner Iugend zu einem Mann im Amte ging: so machte man ihm einen einzigen Bückling, und kam dann zur Sache. Das war eine gute Mode; dabey sollte man es lassen.

Harl. (in fremdem Ton) Hochedelgeborner und Gestrenger--

Barth. Damit geht schon wieder eine Minute hin.

Harl. Sie erlauben großgünstig--

Barth. Wieder eine Minute.

Harl. Daß ich mir die Freyheit nehme--

Barth. Noch ein Wort von solchem Schlage, und ich prügle Dich zum Dinge hinaus.

Harl. (im gewöhnlichen Ton) Ich komme, Herr Barthold, wegen Ihrer jüngsten Tochter Kolombine; sie gefällt mir--

Barth. Gehorsamster Diener, gehorsamster Diener, mein werthester Herr Harlekin! Verzeihen Sie, daß ich Sie sogleich nicht gekannt habe. Meine Augen vergehen mir allmählich, und Sie redeten mir in einem solchen Candidatenstil, den ich an Ihnen nicht gewohnt bin.

Harl. Ich kann heirathen, ich muß heirathen, und ich will heirathen.

Barth. Nun, das ist kurz. Das sind drey Hauptursachen, die nicht von allen Leuten so recht verstanden und empfunden werden. Was gedenken Sie denn aber Ihrer künftigen Witwe zum Leibgedinge auszusetzen?

Harl. Erstlich, gedenke ich nicht vor ihr zu sterben.

Barth. Das ist freilich ein guter Vorsatz; allein Ausführung kommt bisweilen gar sehr auf die Frau an: diese hat vielerley Mittel, einen ehrlichen Mann in die Grube zu bringen, ohne Gift und Messer. Der meinigen habe ich es, Gott sey Dank, abgesessen. Es war ein heller Gast; aber sie wurde so eingetrieben, daß sie sich aus dem sieben und zwanzigsten Kindbette nie wieder erholen konnte. Sie sehen, ich habe mich wohl gehalten.

Harl. Das merke ich. Zweytens, hat sie, so lange ich lebe, ein reichliches Auskommen. Meine Kunst als Harlekin hat einen goldenen Boden, und Kolombinchen hat gewiß auch eine Kunst worauf sie sich verlassen kann.

Barth. Ach, die Künste verlassen einen mit der Zeit, und wenn man alt wird, so ist nichts bequemers als von seinen Renten zu leben. Da ist ein Haufen Mühe und Sorge erspart.

Harl. Freylich, und ich denke eben deswegen ein Capital zurück zu legen, wovon zweytausend Thaler auf den Witwenstuhl kommen sollen, Nota Bene: wenn er keinen Haarbreit verrückt wird.

Barth. Das ist etwas hart; eine Witwe ist zu beklagen. Ich fühle, mein lieber Harlekin, wie sauer es mir in meinem sieben und siebenzigsten Iahre wird, mich nicht bisweilen auf einen hübschen weichen Witwenstuhl zu setzen.

Harl. Ich will es aber nun so; und darum gebe ich meiner Witwe einen Stuhl mit vier Beinen, damit er recht feste stehe. Zweytausend Thaler, wenn ich sie habe, sind, zum Henker, Geld. Was Kolombine erspart, soll sie zu ihrem Nadelgelde behalten, und wenn sie vor mir verstirbt, werde ich sie in ihrem besten Hemde begraben lassen.

Barth. Aber Sie vergessen die Morgengabe.

Harl. Das bin ich selbst: Morgen- und Abendgabe. Bringt mir aber Kolombine einen Sohn, wohl zu verstehen, wenn er mir ähnlich sieht; denn das fordere ich ausdrücklich: so soll er auch Barthold Harlekin heißen.

Barth. Ich dachte in der That, Sie wollten ihr sodann ein neues Kleid aufs Kindbette legen. Hören Sie, Herr Harlekin, ich habe der Mädchen viele, und schaffe sie mir gern vom Halse, weil sie auf ihren spitzen Absätzen leicht einmal unvorsichtiger Weise zu Falle kommen können. Ich will also nicht lange handeln. Kolombine ist die Ihrige; und zwar diesen Abend, wenn Sie wollen. Das bitte ich mir aber aus, daß Sie sie nicht heimlich entführen; ich würde sonst auf Ihrer Hochzeit nicht trinken können.

Harl. So weit sind wir noch lange nicht. Ich habe mich nur erst vorläufig erkundigen wollen, ob Sie mir Ihre Tochter wohl geben wollten, wenn ich in forma darum anhielte. Itzt ist noch ein kleiner oder großer Punkt übrig. Sie wissen, mein werthester Herr Barthold, daß man von den Comödiantinnen mancherley sagt. Kolombinchen hat ein Paar so allerliebste Tauben-Aeugelchen, sie hat so etwas, so etwas--ach, Herr Barthold, ich kann es nicht sagen, aber was sie hat, das sagt so viel--so viel--

Barth. Nun, wie viel denn?

Harl. Wenn eine Nuß leicht aus der Hülse fällt, ist sie denn auch wohl schon vom Wurme gestochen?

Barth. Ist das eine Frage für eine klugen Mann? Die Wurmstichigen sitzen allemal fest in der Hülse.

Harl. Ach, Herr Barthold, sollte sie es nicht schon wohl versuchet haben?

Barth. Sie mag versucht haben was sie will, so hat sie allzeit nur ihre Rolle gespielet. Ein Mädchen auf der Bühne muß oft verliebt thun, oft küssen, oft lachen, und was dergleichen mehr ist. Das bringt aber die Comödie so mit sich. Wenn Kolombine die verschmitzte Buhlerinn vorstellt, so würde es sich ja nicht schicken, daß sie die Mine einer Matrone behielte. Wie oft hat sie nicht auch geweint! Meynen Sie aber, daß sie um deswillen, sie zu Hause gekommen, immer betrübt gewesen?

Harl. Ich habe allzeit gehört, die Unschuld soll so etwas Süßes, so etwas Körnichtes, so etwas von der braunen Kruste seyn, daß ich nicht gern eine Frau nehmen mögte, welche diesen Leckerbissen bereits verschenket hätte.

Barth. O mein lieber Harlekin, sind Sie da verbrannt: so rathe ich Ihnen gar keine Frau--anders als meine Kolombine zu nehmen.

Harl. Aber sehen Sie einmal Selbst, Herr Barthold, alle diese schönen Herrn, welche hier vor unsrer Bühne sitzen. Ihre Augen scheinen meinem lieben Kolombinchen das Mark aus den Knochen zu ziehen; und wenn sie tanzt; ach, wenn sie tanzt: so--so--tanzen alle Herzen mit ihr.

Barth. Sollten sie das wohl thun?

Harl. Wenn sie es nicht thäten, so mögte ich Kolombinchen nicht; und nun, da sie es thun, so traue ich Kolombinchen nicht recht. Denen Mädchen, die so hoch springen wenn sie tanzen, kann leicht ein Blümchen entfallen; und wenn das auch nicht wäre: so rühmt sich doch ein jeder, vielleicht selten mit Recht, daß er eines aufgenommen habe. Herr Barthold, Herr Barthold! eine hübsche Comödiantinn ist wohl selten, selten, selten eine Kirsche woran nicht schon ein Vogel gebissen hat.

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Litresdə buraxılış tarixi:
17 yanvar 2025
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28 səh. 1 illustrasiya
ISBN:
4064066118808
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