Kitabı oxu: «360 Grad - Salma, ich und Black Sugar King Cane»
Karen Fastrup
360 Grad
Salma, ich und
Black Sugar King Cane
SAGA
Kolofon
360 Grad - Salma, ich und Black Sugar King Cane
Aus dem Dänischen von Julia Pfeiffer
Originaltitel: 360 Grader - Salma, jeg og Black Sugar King Cane
© 2013 Karen Fastrup
Alle Rechte der Ebookausgabe: © SAGA Egmont, an imprint of Lindhardt og Ringhof A/S Copenhagen
All rights reserved
ISBN: 9788711497838
1. Ebook-Auflage, 2017
Format: Epub 3.0
SAGA Egmont www.saga-books.com
- a part of Egmont, www.egmont.com
Salma, ich und
Black Sugar King Cane
von Karen Fastrup
Salma saß auf meiner Veranda und sah zu mir hinüber. Schwer und ruhig, wie immer. Ihr Duft haftete an meinen Fingern und ihr Geschmack lag auf meiner Zunge. Der Anblick ihres ausgestreckten, verführerischen Körpers, ihrer Sehnen unter der glänzenden Haut ihrer Oberschenkel war fest in meinem Gedächtnis verankert. Ihre Haut hatte dieselbe Farbe wie die Verschmelzung von Nescafé und Milch, die ich jeden Morgen zusammenrührte. Vor ihren Füßen saß Samuel mit seinem exotischen Gesicht: eine außergewöhnliche Mischung aus Afrikanischem und Indianischem. Er saß, noch geduldig, mit seinem Dhau-Schiffchen da und versuchte das Segel aufzurollen und zu hissen. Salma hatte das eine Bein hochgezogen und ließ ihre Ferse auf der Stuhlkante ruhen. Ihre Gliedmaßen waren lang und schmal. An diesem Tag hatte sie ein rotes Tuch um ihr Haar und eine genauso rote Kanga um ihren prallen, schwangeren Bauch gewickelt. Ich konnte Schweißperlen sehen, die ihren Hals entlang rollten und zwischen ihren Brüsten verschwanden. Die Hitze lag drückend über uns. Die Gezeiten hatten das Wasser an die andere Seite des Riffs gezogen und vor dem Haus erstreckte sich die Meereslandschaft erfüllt von Frauen, die in roten und orangen Kleidern umherspazierten, mit schief daliegenden Holzbooten, die an schlaffen Seilen hängend mit unbedeckten Ankern auf dem Meeresboden standen, und mit Kindern, die in den brennend heißen Pfützen plantschten – dem Einzigen, was das Meer zurückgelassen hatte.
Ich wohnte in einem einfach gemauerten Haus mit traditionell gedecktem Dach aus um Stäbe gewickelten Palmenblättern. Mitten im Haus gab es einen großen Raum, der als Wohnzimmer, Schlafzimmer und Arbeitszimmer diente. In der Ecke stand ein hohes, breites Bett, das ich aus Sansibar nach Hause gebracht hatte, in der Mitte ein großer Esstisch. Eine Wand war in Bücherregale gehüllt und draußen auf der Veranda standen mein Schreibtisch und ein Stuhl. An der Decke surrte ein Ventilator. Wenn er sich schnell drehte, machte er bei jeder zweiten Umdrehung ein Klickgeräusch und an warmen Tagen sagte ich stets zu mir selbst, dass ich mich daran denken müsse, ihn abzumontieren und zu reparieren, aber den Gedanken daran, in der drückenden Hitze auf ihn verzichten zu müssen, empfand ich als noch unerträglicher, als das irritierende Geräusch. Und während der kalten Zeit vergaß ich es schlichtweg. Vor den Fenstern waren keine Scheiben, nur Netze, und an der gesamten Außenfront gab es eine Veranda mit einer Treppe, die zum Strand führte. Dort draußen hatte ich ein paar alte, geflochtene Lehnstühle und eine Steinbank. Auf dieser saß Salma.
Seit sie ein Mädchen von 13 Jahren gewesen war, hatte sie jeden Morgen dort gesessen. Meistens ganz still, während sie mich beim Arbeiten betrachtete; manchmal sah es aus, als würde sie schlafen. Manchmal konnte ich es nicht erkennen.
„I want to marry you, Mister“, sagte sie an diesem Tag vor sechs Jahren, als sie sich zum ersten Mal dorthin setzte. Seitdem hatten wir Kiswahili miteinander gesprochen.
Ich war in Afrika gestrandet, an der Küste Tansanias, auf der anderen Seite des Flusses Pangani, ein gutes Stück südlich von Tanga. Esther kam zwei Mal die Woche, wusch die Wäsche und machte sauber, Winston hingegen kam jeden Tag. Er ging für mich zum dörflichen Markt, kochte, trottete zu den Fischern hinunter, wenn sie mit ihren Booten zurückkamen und kaufte ihnen Fische ab. Hin und wieder trank er Konyagi mit mir und hin und wieder versuchte er Salma dazu zu bekommen, nach Hause zu gehen.
Aber ich bat ihn, dies sein zu lassen.
„Lass sie doch sitzen, Winston“, sagte ich.
Zu Beginn hatte mich ihr Warten unruhig und rastlos gemacht, doch nach und nach gewöhnte ich mich daran: Meine Jahre in Afrika lehrten mich, dass die Afrikaner die Zeit zum Stehen bringen können. Während die Europäer sie als eine absolute Größe betrachten, die, unabhängig von ihnen selbst, verstreicht, sehen die Afrikaner die Zeit als eine viel ungebundenere, subjektive Kategorie an, die der Mensch für eine kurze Dauer stillstehen lassen kann. Die Zeit schwindet nicht von sich selbst aus, sie existiert nur in der Kraft von Ereignissen und wenn nichts passiert, dann bleibt die Zeit eben stehen. Nur die Europäer können daher ihre „Zeit vergeuden“ oder etwas verpassen, das sich über einen Zeitraum erstreckt. Die Afrikaner hingegen können mit Gelassenheit warten. Wenn Salma wartet, wird die Zeit genauso ineffektiv wie sie selbst. Sowohl die Zeit als auch die Frau fallen in eine Art Nicht-Dasein, in einen Winterschlaf. Sie setzt sich unter eine Brücke oder in den Schatten einer Kokospalme und wartet mit imponierender Geduld, bis sich das Wasser zurückzieht, sodass sie hinauswandern und Tintenfische fangen oder nach den Algen sehen kann, die sie auf ihrem kleinen Stück Meeresboden gepflanzt hat. Oder bis die Touristen eintrudeln und sie ihre farbenfrohen Kangas ausrollen und sie dann wie Drachen im Wind flattern lassen kann, in der Hoffnung, sie zu verkaufen. Während sich der Mann unter ein Vordach oder in den Schatten eines blauen Isuzu-Lastwagens stellt. Seine Augen sind geöffnet und es ist unklar, ob er schläft oder wach ist. So wartet er, bis der Bus voll genug ist, um loszufahren, oder die Gezeiten günstig stehen, sodass er zum Fischen hinaussegeln kann.
Salma saß also auf meiner Veranda und wartete.
„Ich warte auf mein Schicksal“, sagte sie geradeheraus, wenn ich ihr manchmal die rhetorische Frage stellte, auf was sie eigentlich warte.
Doch erst als Black Sugar King Cane kam, begann ich mein Augenmerk auf Salma zu richten. Sie hatte ja schon dort gesessen, seit sie ein großes, langbeiniges Kind gewesen war und ich hatte mich in solch einem Grad an ihre Anwesenheit gewöhnt, dass ich sie kaum noch wahrnahm. Und dann war er gerade dabei gewesen, sie mir vor meinen Augen wegzuschnappen.
Pulsuz fraqment bitdi.