Kitabı oxu: «Der Islam»

Şrift:


Eine Arbeitsgemeinschaft der Verlage

Böhlau Verlag · Wien · Köln · Weimar

Verlag Barbara Budrich · Opladen · Toronto

facultas.wuv · Wien

Wilhelm Fink · München

A. Francke Verlag · Tübingen und Basel

Haupt Verlag · Bern · Stuttgart · Wien

Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung · Bad Heilbrunn

Mohr Siebeck · Tübingen

Nomos Verlagsgesellschaft · Baden-Baden

Ernst Reinhardt Verlag · München · Basel

Ferdinand Schöningh · Paderborn · München · Wien · Zürich

Eugen Ulmer Verlag · Stuttgart

UVK Verlagsgesellschaft · Konstanz, mit UVK/Lucius · München

Vandenhoeck & Ruprecht · Göttingen · Oakville

vdf Hochschulverlag AG an der ETH · Zürich

Karl Jaroš

Der Islam

Eine Einführung

BÖHLAU VERLAG WIEN KÖLN WEIMAR · 2012

Karl Jaroš ist Alttestamentler und Professor am Institut für Orientalistik der Universität Wien.

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Online-Angebote oder elektronische Ausgaben sind erhältlich unter www.utb-shop.de.

© 2012 by Böhlau Verlag GmbH & Cie, Wien Köln Weimar Ursulaplatz 1, D-50668 Köln, www.boehlau-verlag.com Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt.Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist unzulässig.

Einbandgestaltung: Atelier Reichert, Stuttgart

Satz: synpannier. Gestaltung & Wissenschaftskommunikation, Bielefeld

Druck und Bindung: AALEXX Buchproduktion GmbH, Großburgwedel

Gedruckt auf chlor- und säurefreiem Papier

Printed in Germany

UTB-Band-Nr. 3728 | ISBN 978-3-8252-3728-8

Inhaltsverzeichnis

Cover

Impressum

Vorwort

I. Die historischen Grundlagen

1 Die Heimat des Islam

1.1 Vorislamische Kulturen

1.2 Vorislamische Religionen

2 Quellen zu ­Mohammeds Leben

3 Das Leben des Propheten

4 Die Frühzeit des Islam

5 Der Koran

5.1 Die ältesten inschriftlichen Zeugnisse des Koran

5.2 Einige Beispiele früher Handschriften

5.3 Zur Textgeschichte des Koran

5.4 Eine „neue“ Hypothese zur Entstehung des Koran?

II. Die Fundamente des Glaubens

1 Die legitime Pluralität der Religionen

2 Jüdischer, christlicher und muslimischer Monotheismus

3 Der Muslim vor Gott und vor der Gemeinde

3.1 Das Bekenntnis zu dem Einen Gott

3.2 Der betende Muslim vor Gott

3.3 Die Solidarität mit Armen und Bedürftigen

3.4 Das Fasten als Hingabe an Gott

3.5 Die Wallfahrt nach Mekka

III. Die entfaltete Glaubenslehre

1 Die spekulative Dogmatik

1.1 Gott und die Welt

1.2 Freiheit oder Vorherbestimmung?

1.3 Die Lehre von Gut und Böse

2 Die geoffenbarte Wahrheit

2.1 Die Propheten

2.2 Glaube und Unglaube

2.3 Die Sünde

2.4 Die menschliche Geistseele

2.5 Die Heiligen

2.6 Die Engel

2.7 Die Letzten Dinge

Anhang

Allgemeine Abkürzungen

Bibliographie

Abbildungsnachweis

Umschrift arabischer Buchstaben

Zeittafel

Glossar

Register

Suren

Bibelstellen

Personen-, Orts- und Sachregister

Rückumschlag

Vorwort

Vor einem Jahr ersuchte mich die Generalsekretärin der Katholischen Akademie der Erzdiözese Wien Frau Dr. Elisabeth Meier um ein Islam­seminar für das Sommersemester 2011, da bei verschiedenen Veranstal­tungen der Akademie Teilnehmer des Öfteren auf den Propheten ­­Mohammed wie auf den Islam zu sprechen kamen, wobei so manche Frage sehr kontrovers diskutiert wurde.

Da bei meiner bibelwissenschaftlichen Ausbildung an der Universität Fribourg das vor- und frühislamische Arabien ein wesentlicher Bestandteil war – wofür ich meinem damaligen Lehrer, dem Theologen, Arabisten und Ethnologen Prof. Dr. Joseph Henninger bis heute sehr dankbar bin–, und ich in den Neunzigerjahren einige Taschenbücher zu Glaubenslehren des Islam publiziert habe, die teils auch in dieses Buch eingeflossen sind, habe ich schließlich diese Einladung angenommen.

Gerade für mich als Theologen und Alttestamentler ist eine solche Thematik eine durchaus willkommene Herausforderung, versteht doch der Islam die Heiligen Schriften von Juden und Christen als göttlich geoffenbart, auch wenn der Vorwurf der Fälschung dieser Schriften bis heute aufrechterhalten wird. Ist ein solcher Vorwurf aber wirklich berechtigt? Bietet nicht der Koran auch eine völlig andere Sicht, der nachzugehen für die muslimische Theologie und Exegese eine ebensolche Herausforderung wäre?

Abgesehen von doch sehr problematischen Vorstellungen einiger Teilnehmer über den Islam, kamen auch Themen zur Sprache, die in einigen Büchern des deutschen Sprachraums in letzter Zeit vertreten wurden: Der Koran sei nicht arabischer Herkunft, ­Mohammed sei nicht als historische Gestalt zu verstehen und der frühe Islam sei nichts anderes als die authentische, arabische Form des Christentums. Jesus, den erst die griechischen Theologen der frühen Kirche zu Gott gemacht hätten, sei

[<<7] Seitenzahl der gedruckten Ausgabe

eben von den Arabern als rein menschlicher Prophet verehrt worden, was der historischen Sachlage entspräche.

Jeder, der das Neue Testament unvoreingenommen liest, kann über solch abstruse und letztlich gar nicht so neue Thesen nur den Kopf schütteln.

So war es mir Anliegen, einerseits irrigen und abstrusen Meinungen, die in manchen Köpfen herumgeistern, entschieden entgegenzutreten und andererseits zu versuchen, den frühen Islam und seine wesentlichen Glaubenslehren so objektiv wie möglich darzustellen und bei dem einen oder anderen Punkt auf Gemeinsamkeiten und fundamentale Unterschiede zum Christentum hinzuweisen.

Schließlich wurde von den Seminarteilnehmern, unter ihnen auch Muslime, wiederholt der Wunsch geäußert, die Vorträge in Buchform herauszubringen.

Ein solcher Wunsch ist zwar rasch ausgesprochen, ihn zu realisieren weit schwieriger. Ich wollte nicht einfach die Vorträge publizieren, sondern ein Buch vorlegen, das vor allem grundsätzliche Informationen für Studierende der Theologie, der vergleichenden Religionswissenschaft, der Islamwissenschaft, der Arabistik und der alten Geschichte bietet. Der Leser mag beurteilen, wie weit das gelungen ist.

Für die Aufnahme des Buches in das Programm des Böhlau Verlages als UTB Taschenbuch sei dem Verleger, Herrn Dr. Peter Rauch, sowie dem Programmleiter, Herrn Johannes von Ooyen und seinen Mitarbeitern, herzlichst gedankt.

Dank gilt ferner meiner Frau für das Lesen der Korrekturen.

Pasching, im August 2012 Karl Jaroš

[<<8]

I. Die historischen Grundlagen

Ein Buch, das grundsätzlich über die Glaubensvorstellungen einer Weltreligion wie den Islam informieren möchte, kann sich nicht ausschließlich auf diese beziehen, sondern muss die historischen Wurzeln berücksichtigen, aus denen sie gewachsen sind. So ist es unumgänglich, eine kurze Darstellung der Gestalt des Propheten ­Mohammed und des Werdens des Heiligen Buches, dem Koran, jeweils in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext zu geben, sowie die Anfänge der Ausbreitung des Islam zu erwähnen.

1 Die Heimat des Islam

Die Arabische Halbinsel, ca. 3,7 Millionen km2 groß, grenzt im Norden an das palästinische Ostjordanland und Mesopotamien. Im Osten findet sich der Persische Golf und der Golf von Oman, im Süden das Arabische Meer und der Golf von Aden und im Westen das Rote Meer (Abb. 1).

Für das Altertum ist es nicht möglich, eine seriöse Angabe der Einwohnerzahl der Halbinsel zu geben.

Das Wort „Arabien“ bezeichnet ursprünglich nur die nördlichen Wüstengebiete, wurde jedoch später auf die gesamte Halbinsel bezogen. So dehnt z. B. Herodot (Historien III 107) den Begriff auf die südlichen Königreiche der Halbinsel aus, und die Septuaginta, die älteste griechische Übersetzung der Hebräischen Bibel aus dem 3./2. Jh. v. Chr. nennt in Ps 72,10.15 die Einwohner des Königreiches von Saba „Araber“. In römischer Zeit unterschied man die Arabia Deserta bzw. Arabia Petraea von der Arabia Felix.

„Arabien“ kommt vom semitischen Nomen „araba“ und bedeutet „Wüste, Steppe“, deren Einwohner „arabi“ d. h. Wüstenbewohner, Nomaden und Halbnomaden bezeichnet wurden.

[<<9]


Abb. 1 Die Arabische Halbinsel. (Quelle)

[<<10]

1.1 Vorislamische Kulturen

Die Arabische Halbinsel wurde seit der Altsteinzeit besiedelt. Ab dem 3. Jh. v. Chr., möglicherweise schon früher, war die Bevölkerung offensichtlich semitisch. Nomadische Stämme sind im Laufe von Jahrtausenden nach Mesopotamien, Kanaan und Ägypten eingedrungen und wurden zum Teil auch reichsgründend. An der Küste des Persischen Golfes und auf der Insel Bahrain konnten uralte Hochkulturen nachgewiesen werden wie die Kulturen von Dilmun, von deren Existenz man nur durch Keilschrifttexte wusste.

Die Inschrift des Ur-nansche von Lagasch (ca. 2520 v. Chr.) berichtet, dass Schiffe von Dilmun Holz bringen. Sumerische Texte bezeichnen Dilmun als ein heiliges Land, das man sich als Paradies vorstellte, in dem es keine Jagd, keine Krankheit und kein Alter gäbe.

Auch der sumerische Sintflutheld Ziusudra darf in Dilmun, „wo die Sonne aufgeht“, auf Geheiß der Götter leben und so an ihrer Unsterblichkeit teilhaben.

In Südarabien entstanden gegen Ende des 2. Jhs. v. Chr. neue Kulturen, die im Laufe des 1. Jahrhunderts als Reiche von Saba, Main, Qataban, Hadramaut, Ausan und Himjar in die Geschichte eingegangen sind (Abb. 2). Das historische Wissen um die Sabäer beginnt mit drei Nachrichten aus den assyrischen Königsinschriften. Der Herrscher von Saba Jitamer (um 720 v. Chr.) schickte Geschenke an König Sargon II., ebenso der Sabäer Karibil Watar I. (um 695 v. Chr.) an König Sanherib. Im wechselvollen Gang der Geschichte sind alle Reiche Südarabiens in Saba aufgegangen.

[<<11]


Abb. 2 Die altsüdarabischen Reiche. (Quelle)

Um 360 n. Chr. hat das Reich von Saba den christlichen Glauben angenommen, wechselte jedoch um 400 n. Chr. zum Judentum. Ab 525 n. Chr. ist Saba kein selbstständiges Königreich mehr. Das christliche Äthiopien besiegte Saba und ließ es fortan von aksumitischen Vizekönigen regieren. Doch 597/98 n. Chr. wird ganz Südarabien persisch-sassanidische Satrapie.

Im Nordwesten der arabischen Halbinsel wurde im Laufe des 4. Jhs. v. Chr. ein nomadisches Volk reichsgründend, das unter dem Namen „Nabatäer“ in die Geschichte eingegangen ist (Abb. 3). Die Sprache dieses Volkes zeigt sich als ein arabisch-aramäischer Dialekt. Die nabatäische Schrift ist die Vorläuferin der arabischen. Den wirtschaftlichen Höhepunkt erlebte das Nabatäerreich unter König Obodas II. (62–47 v. Chr.) bedingt durch den blühenden Gewürzhandel mit Indien und Südarabien. Die Güter kamen per Schiff nach Leuke Kome (Abb. 3), ein Hafen an der Ostküste des Roten Meeres, wurden mit Karawanen nach Petra und von dort weiter an die Mittelmeerküste transportiert. Erst als sich die Seeroute änderte und die Güter auf dem Nil bis Alexandria verschifft wurden, begann der stetige Verfall des Nabatäerreiches.

[<<12]

Im Jahre 106 n. Chr. wurde es als „Provincia Arabia“ dem Römischen Imperium einverleibt. Petra wurde zuerst Provinzhauptstadt, später das günstiger gelegene Bosra. Kontakte mit dem Christentum hat es sehr früh gegeben. Nach Gal 1,17 ging der Apostel Paulus nach seiner Bekehrung nach Arabien, d. h. in das Nabatäerreich. Die eigentliche Christianisierung setzt jedoch erst in byzantinischer Zeit ein. Nach dem Konzil von Nikaia (325 n. Chr.) scheinen auf den Konzilien und Synoden auch die Bischöfe von Petra auf.

Neben diesen Hochkulturen blieb das Nomadentum durch die Jahrtausende hinein bis in die heutige Zeit das charakteristische Element. Die unendlichen Wüsten waren für die sesshaften arabischen Kulturen immer das große Hindernis, mit der übrigen damaligen Welt in einen stetigen und regen Austausch zu treten. Selbst die Domestizierung des ­Dromedars im Laufe der Späten Bronzezeit (ca. 1550–1200 v. Chr.) änderte diese Situation nicht grundlegend. Noch in byzantinischer Zeit war die Kommunikation zwischen Arabien und der übrigen Welt sehr bescheiden. Die nomadischen Völker der Halbinsel mit ihrem Karawanenhandel waren letztlich diejenigen, die den spärlichen Kontakt aufrecht erhalten haben. Als die eigentlichen Herren der Wüste, kenntnisreich um Brunnen und Zisternen entlang der Karawanenwege, konnten sie von keiner Großmacht unterjocht werden.

[<<13]


Abb. 3 Das Reich der Nabatäer. (Quelle)

[<<14]

Mit ihrem bis heute nachweisbaren Bündnissystem, in dem sich mächtige Stämme wie Brüder zusammenschließen konnten, aber auch schwächere Stämme den Vorteil einer solchen Konföderation genossen, prägten sie das soziale Verhalten im Sinne einer umfassenden Gemeinschaft, die weit über ein Staatsbewusstsein in herkömmlichem Sinn hinausgeht.

Bevorzugte Plätze für den Abschluss solcher Bündnisse waren Heiligtümer wie z. B. die Kaaba von Mekka. Der Ritus konnte sehr einfach, aber auch überaus feierlich sein. Er reichte vom Handschlag über einen Bruderkuss, Kleidertausch zum Zeichen der gegenseitigen Identifizierung bis zum feierlichen Mahl und anderen Riten. Entscheidend war aber immer, dass die Gottheit Zeuge eines solchen Bündnisses ist und über seine Einhaltung wacht.

In all dem liegt bis heute eine Wurzel des „dar al-Islam“, des Hauses für alle islamischen Völker, wenngleich die Geschichte zeigen wird, dass die Idee dieses gemeinsamen Hauses auf Grund der zahlreichen nichtnomadischen Völker, die den Islam angenommen haben, Utopie bleiben wird.

1.2 Vorislamische Religionen

Was die vorislamischen Religionen Arabiens anlangt, so lassen sich etwas vereinfacht gesprochen zwei große Bereiche unterscheiden: die Religionen der südarabischen Kulturen, die primär durch Inschriften erschlossen sind, und die Religionen Zentral- und Nordarabiens. Zentralarabien hat noch intensiv nomadischen und seminomadischen Charakter, Nord­arabien ist in den dörflich-urbanen Oasen, vor allem in den Grenzregionen zu Palästina und Mesopotamien durch die Einflüsse dieser Kulturen mitgeprägt.

In Südarabien waren vor allem Göttertriaden, Mond-, Stern-, Sonnengott, typisch, wobei in Saba zu beobachten ist, dass seit dem beginnenden 4. Jh. n. Chr. monolatrisch-monotheistische Tendenzen feststellbar sind. Der Gott Il, der ursprüngliche Hauptgott der semitischen Völker überhaupt, ist jedoch sehr selten belegt. Il bedeutet „Gott“, ist aber schon wie „Allah“ als Eigenname der Gottheit anzusehen und nicht mehr eine allgemeine Bezeichnung für „Gott“. Obwohl Il inschriftlich so selten

[<<15]

bezeugt ist, treten mit dem theophoren Element „Il“ gebildete Personen­namen relativ häufig auf.

Durch ihre Tendenz zum Monotheismus haben die südarabischen Religionen einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Islam ausgeübt. Der Einfluss der vorislamischen Religionen des Nordens auf den Islam ist dagegen, wenn überhaupt, marginal. Als Eigenname Gottes begegnet in den Inschriften des Nordens Il bzw. Ilah, womit ein und derselbe Gott bezeichnet wird. Dem Ilah zur Seite steht Ilat als göttliche Partnerin. In den safaitischen Inschriften ist Ilat dominierend und spielt auch in der privaten Frömmigkeit eine bedeutende Rolle.

Für das zentralarabische Gebiet gibt es kaum Primärquellen. Sekundärquellen sind die vorislamischen Dichter, der Koran und das Götzenbuch (R. Klinke-Rosenberger 1941). Daraus lässt sich etwa Folgendes gewinnen: Das höchste göttliche Wesen ist Allah, der Himmelsherr, der Schöpfer der Welt, der Spender des Regens. Neben dieser Hochgottheit wurde eine Vielzahl von Göttern verehrt, die meist bestimmten Stämmen zugeordnet waren. Die bedeutendsten Gottheiten neben Allah sind seine drei Töchter: Manat, Allat und al-Uzza. Die Göttin Manat (Schicksal) wurde in ganz Arabien verehrt. Ihr Heiligtum war ein großer Stein zwischen Mekka und Medina in Qudaid. Das besondere Heiligtum der Allat war ein weißer Granitblock, „ihr Haus“ in Taif, östlich von Mekka. Allat ist die weibliche Form des Gottesnamens Allah. Auch wenn sie als Tochter des Hauptgottes Allah gilt, so dürfte sie in einer früheren ­Periode als Partnerin Allahs verehrt worden sein, wie z. B. in Nordarabien die Ilat die Gemahlin des Ilah war oder in den kanaanäischen Religionen Aschirat die göttliche Gemahlin des Gottes El. Auch der hoheitliche Titel der Allat „Mutter der Götter“ deutet in diese Richtung. Großer Verehrung erfreute sich auch al-Uzza (die Mächtigste), als deren Sitz die drei Sumurabäume galten. Ihr Heiligtum lag in der Nähe von Mekka.

Das einzige vorislamische Heiligtum, das mit seinem Umfeld in den Islam integriert wurde, ist die schon jeher überregional bedeutende Kaaba in Mekka. Die Integration wurde deshalb möglich, weil die Kaaba bereits in vorislamischer Zeit als eine Gründung Abrahams und ­Ismaels angesehen wurde und beide Gestalten im Islam eine überragende Bedeutung erhalten haben. Die Kaaba ist, wie schon ihr Name sagt, von

[<<16]

würfelförmiger Gestalt, die im Laufe der Zeit viele Umbauten erfahren hatte. Zur Zeit ­Mohammeds wurde ein Flachdach, das sechs Balken trugen, darüber gebaut. Das ganze Gebäude wurde seit jeher bekleidet. In der Ostecke der Kaaba ist der berühmte schwarze Stein eingelassen. Durch ihn wird das Gebäude gleichsam zum Heiligtum. Im Inneren der Kaaba befand sich ein trockener Brunnen für Weihgeschenke und eine Taube aus Aloeholz. Über dem Brunnen stand das menschengestaltige Bildnis des Gottes Hubal. Hubal, der sonst kaum verehrt worden ist, war der Gott der Kaaba. Die Taube weist auf die große semitische Göttin hin. Die Schutzherren dieses Heiligtums waren die Quraischiten als der mächtigste Stamm von Mekka. Sie verehrten die Göttinnen Allat und al-Uzza besonders. Es lässt sich daher denken, dass die Taube die realsymbolische Darstellung einer dieser Göttinnen oder beider war; denn sie wurden z. B. im Schwur gemeinsam angerufen und ihre astrale Prägung (al-Uzza = Venus, Morgenstern und Allat = Venus, Abendstern) lässt an eine weibliche Gottheit in zwei Erscheinungsformen denken. Hubal galt als Orakelgott, vor dessen Bildnis die sieben Lospfeile geworfen wurden. Eine Überlieferung berichtet, dass das Standbild des Gottes Hubal aus dem ostjordanischen Moab stammen soll. Auffallend ist, dass gegen den Gott Hubal im Koran nie polemisiert wird. Die bereits im vorigen Jahrhundert von J. Wellhausen (1887, 31961: 75 f.) geäußerte Meinung, dass Allah in Mekka Hubal genannt wurde, hat viel für sich. Es wäre sonst unwahrscheinlich, dass ­Mohammeds mekkanische Gegner ihm zugestanden hätten, Allah als den Herrn der Kaaba zu bezeichnen. Nach islamischer Vorstellung ist dann Hubal nur mehr die Bezeichnung für das menschengestaltige Götzenbild.

Im vorislamischen Arabien ist daher in der Kaaba am ehesten das Götterpaar: Allah / Hubal – Allat/al-Uzza verehrt worden. Die Reinigung der Kaaba von den Götzen durch ­Mohammed wird sich daher auf Allat /al-Uzza bezogen haben. Zuvor haben nach ­Mohammeds Vorstellung die Kaaba bereits Abraham und sein Sohn Ismael gereinigt.

Die Juden Arabiens sahen zwar in der Kaaba auch ein Heiligtum, lehnten aber die Gottesverehrung wegen der Götzenbilder ab. Christen dagegen haben die Kaaba als Heiligtum verwendet. Als die Kaaba in der Jugendzeit ­Mohammeds renoviert wurde, fand man auch eine christliche

[<<17]

Inschrift in syrischer Sprache. Ferner wird berichtet, dass an den Pfeilern der Kaaba Bilder der Propheten und an der mittleren Säule auch Bilder von Jesus und Maria zu sehen waren. Viel später ließ ­Mohammed diese Bilder entfernen, die Bilder von Jesus und Maria nur abwaschen.

Dass ein solch paganes Christentum mit dem rechten Glauben des Christentums nur wenig zu tun hatte, liegt auf der Hand. Die Abbildung Jesu und Marias in einem solch heidnischen Kontext war doch problematisch, da sie an das hier verehrte Götterpaar Allah– Allat/al-Uzza erinnerte. Wie noch zu zeigen sein wird, hat ­Mohammed gerade diese häretische Form des Christentums, die die Trinität in Vater, Jesus und Maria gesehen hat, scharf abgelehnt.

Juden waren auf der Halbinsel auf vielerlei Weise präsent. Die wichtigsten Gemeinden waren in Taima, Chaibar und Jathrib / Medina. Ähnlich wie die Araber haben sie sich in Stämme gegliedert. Die Banu Qainuqa, Banu Nadir und Banu Quraiza von Jathrib / Medina spielten im Leben ­Mohammeds eine wichtige Rolle. Auf den Inseln des Roten Meeres hat es ab dem 5./6. Jh. n. Chr. auch samaritanische Gemeinden gegeben. Jüdische Kaufleute durchzogen mit ihren Karawanen die Halbinsel und nahmen an den Markttagen in den Oasen teil. Auf das südarabische Königreich von Saba wurde der jüdische Einfluss so groß, dass es um 400 n. Chr. sogar den jüdischen Glauben annahm. Um 525 n. Chr. löste König Jusuf Asar von Saba in der Stadt Nedschran sogar eine Christenverfolgung aus. Obgleich das Judentum keine Missionierung betrieb, war das Wirken, Arbeiten und Leben der Juden doch eine wichtige Ausstrahlung. Wenn auch wenig Konkretes über die jüdischen Gemeinden bekannt ist und kaum sicher ist, wieweit sie bereits die talmudische Tradition kannten und lebten, so lässt sich aber dennoch sagen, dass der absolute Monotheismus im Zentrum ihres Lebens stand. Eine jüdische Inschrift, um 400 n. Chr., aus Saba beginnt mit den Worten: „Gesegnet und gelobt sei der Name des Barmherzigen, der im Himmel ist, und Israels und ihres Gottes, des Herrn von Juda.“ (M. Höfner 1970: 280)

Ferner ist klar, dass sie die Hebräische Bibel im vollen Umfang kannten und sicherlich auch die Mischna als das Erbe der Väter betrachteten. Aus der islamischen Überlieferung wird ferner ersichtlich, dass die Gemeinden von Rabbinen geleitet wurden.

[<<18]

Die führende geistige Macht in Ägypten und Vorderasien war im 5. und 6. Jh. n. Chr. das Christentum geworden; aber es war kein einheit­liches Christentum. Ägypten und das von ihm missionierte Äthiopien waren nach dem Konzil von Chalzedon (451 n. Chr.) monophysitisch geworden, z. T. durchsetzt von gnostischen Ideen und Lehren. Schon Anfang des 4. Jhs. n. Chr. griff das äthiopische Christentum auf den Süden Arabiens über. Um 360 n. Chr. wurde Saba sogar für kurze Zeit ein christliches Königreich. In Nedschran entstand eine blühende christliche Gemeinde, die hauptsächlich aus Griechen, Syrern und Äthiopiern bestand. Im 5. Jh. n. Chr. ging die monophysitisch-nestorianische Separation mitten durch diese Gemeinde. Die Stadt Sanaa wurde Sitz eines Bischofs. Die Kathedrale dieser Stadt wurde erst Ende des 8. Jhs. geschleift. Vom Norden und Osten her drangen monophysitische und nestorianische Einflüsse in die Arabische Halbinsel vor. Die ostjordanisch-arabischen Stämme, die im Sold von Byzanz standen und die Grenze des Byzantinischen Reiches kontrollierten, waren durchweg monophysitische Christen. Vom süd­lichen mesopotamischen Raum her gingen starke nestorianische Impulse aus. Trotz aller Separation der Christen Arabiens muss aber festgehalten werden, dass die orthodoxe Lehre ebenso präsent war, wie die monotheistisch-trinitarische Inschrift des aksumitischen Vizekönigs Ella Abreha aus dem Jahre 543 zeigt: „Durch die Kraft und die Hilfe und die Barmherzigkeit des Erbarmers und seines Messias und des Heiligen Geistes.“ (M. Höfner 1970: 280). Christliche Kaufleute, Wanderprediger und Mönche, die aus je unterschiedlicher Motivation die Einsamkeit der Wüste suchten, drangen bis Zentralarabien vor; christliche Sklaven sind z. B. auch für Mekka selber bezeugt.

Als Südarabien im Jahre 597/98 n. Chr. persisch-sassanidische Provinz wurde, hatte dies zur Folge, dass auch zoroastrische Einflüsse bemerkbar wurden. Der Prophet Zarathustra ist um 630 v. Chr. in Baktrien (Afghanistan) geboren. Von ihm stammen die Gathas, Dichtungen, die im ersten Abschnitt der Awesta „Yasna“ erhalten sind und Ahura Mazda, den allweisen Herrn, als einzigen und alleinigen Gott verkünden. Unter den persischen Großkönigen Kyros II. (559–529 v. Chr.), Kambyses II. (528–522 v. Chr.) und Dareios I. (521–486 v. Chr.) wurde die Lehre ­Zarathustras Staatsreligion des persischen Großreiches. Seit der Regierungszeit des Xerxes (486–465 v. Chr.) begann aber bereits die Zersetzung

[<<19]

der rein monotheistischen Gottesvorstellung durch die Magier, die Angehörigen des persischen Priesterstammes, in eine dualistische Lehre. In dieser bereits veränderten und entstellten Form ist Zarathustras Lehre (deswegen zoroastrische Lehre genannt) nach Südarabien gekommen.

So war die Arabische Halbinsel von monotheistischen Vorstellungen der Juden und Christen verschiedener Schattierungen, in gewisser Weise auch von Zarathustras Lehre umklammert; aber die monotheistische Idee blühte auch aus der Mitte Arabiens selber, wenngleich der jüdische und der christliche Einfluss nicht zu unterschätzen sein wird.

Es ist ein heutiges Vorurteil zu meinen, dass die vorislamischen, nomadischen Araber in einer pandämonischen Welt gelebt hätten. In nomadischen Lebensformen ist der Glaube an einen Hochgott immer präsent. Für Zentralarabien heißt er Allah. Er ist für die Nomaden die hintergründige, transzendente Welt. Als Gottheit, die sich um die unmittelbaren Bedürfnisse der Menschen kümmert, verehren Nomaden einen bestimmten Stammesgott, der bisweilen mit dem Hochgott identisch sein kann. Der Geister- und Dämonenglaube ist ausgebildet. Geister und Dämonen der Wüste gehören aber wie die Menschen insofern zur göttlichen Sphäre, als sie Untertanen der Gottheit sind. Der Hochgott hat letztlich die Souveränität über andere Gottheiten, Geister, Dämonen und Menschen. Darin ist bereits ein relativer Monotheismus zu erkennen.

Im Grunde ist die Religion der Patriarchen der Bibel davon nicht unähnlich. Die Bibel weiß auch selber darum, dass die Väter fremde Götter verehrt haben (Jos 24,2).

Im 8. Jh. v. Chr. ist der Elohistischen Theologie ein unerhörter Brücken­schlag gelungen, wenn es Ex 3,6 heißt: „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.“

Die Gottheiten, die Abraham, Isaak und Jakob verehrt haben, sind letztlich nicht verschiedene Gottheiten, sondern nur Ausdruck dessen, dass der Gott, der die Menschen seit jeher begleitet hat, der Einzige und Wahre Gott ist. Abraham steht gleichsam stellvertretend für eine Epoche der Menschheitsgeschichte, der nomadischen Kulturen. Und diese Wegstrecke menschlicher Geschichte ist nicht grundsätzlich von Sünde, von der Verweigerung des Vertrauens gekennzeichnet, sondern vom Urvertrauen des Menschen zu seinem Gott.

[<<20]

Für ­Mohammed ist Abraham ein Hanif, d. h. einer, der den Einen und Wahren Gott verehrt und glaubt. Der arabische Prophet hat hier zwar nicht auf die historische Situation zurückgreifen können, aber letztlich daran festgehalten, was auch Ex 3,6 ausdrückt.

Die eigentlich arabische Wurzel des Islam und seiner Gottesvorstellung ist das altarabische Hanifentum.

Es gab auch viele Menschen vor ­Mohammed, die wahre Monotheisten waren. Sie kannten die jüdische und die christliche Tradition ebenso wie das altarabische Heidentum; aber es war ihnen noch nicht eindeutig klar, wie sie sich dem Willen Gottes ergeben sollten, also Muslime – arabisch gesprochen – werden sollten.

Die Biographie des Propheten nennt exemplarisch einige Hanifen; der Prominenteste von ihnen war Waraqa ben Naufal, ein Vetter von ­Mohammeds Frau Chadidscha. Er hatte die Schriften der Christen studiert und er starb auch als Christ. Ein anderer berühmter Hanif war der Dichter Abu Qais aus Medina, der gleich christlichen Mönchen ein frommes, asketisches Leben führte. Er wurde nach der ­Hidschra Muslim.

Eine besondere Gestalt ist der vorislamische Mystiker Uwais al-Qarani. Er kannte ­Mohammed nicht persönlich. Dennoch bestand zwischen beiden eine tiefe Beziehung. Al-Qarani, der formell kein Muslim war, wurde sogar zum Prototyp des Gottsuchers und Mystikers im Islam. Er lehrte, dass die Verbindung zu Gott, die mystische Vereinigung, ohne irgendwelche technische Hilfsmittel zu erreichen ist. Es ist allein der „Hauch des Erbarmers“ der die „geschlossene Knospe des menschlichen Herzens“ zu öffnen imstande ist. ­Mohammed wird auch der Satz zugeschrieben: „Der Hauch des Erbarmers kommt aus dem Jemen zu mir.“ ­Mohammed wollte damit sagen, dass Gott, der das Herz dieses Mystikers gerührt und geöffnet hatte, ebenso an ihm selber handelt.

Alle diese Urheiligen Arabiens kennzeichnet eine dreifache Haltung: die vollkommene Hingabe an Gottes Willen, das Urvertrauen zu Gott und die Anbetung und Verherrlichung Gottes.

J. Wellhausen (1887, 31961: 234) hat schon im 19. Jahrhundert zu Recht geschrieben: „Die muslimische Tradition über die Vorgeschichte des Islam nennt eine kleine Anzahl von Suchern in Mekka und Taif, welche vom Heidentum unbefriedigt, auf der Suche nach einer neuen Religion waren,

[<<21]

das Gesetz und das Evangelium studierten, indessen sich weder dem Judentum noch dem Christentum völlig ergaben, wenngleich sie für das letztere größere Sympathien hatten. Diese Sucher sind keine vereinzelte, auf Mekka und Taif oder Medina beschränkte Erscheinung, sondern das Symptom einer Stimmung, die in der Zeit vor ­­Mohammed über ganz Arabien verbreitet war und manche der edelsten Geister beherrschte. Der Boden war bereit für den Islam.“

2 Quellen zu ­Mohammeds Leben

Die islamischen Quellen, die für ­Mohammed zur Verfügung stehen, sind zahlreich. Die wichtigsten seien genannt: der Koran, die Lebensbeschreibung des Propheten und die Sunna (Gewohnheit [des Propheten]), aus der die Hadithe entstanden.

Der Koran weiß über das Leben ­Mohammeds kaum etwas zu berichten. Er ist im Unterschied zu den Evangelien, die als „Erinnerungen der Apostel“ (Justin der Märtyrer, um 150 n. Chr.) an Jesus von Nazareth gelten, keine wie auch immer geartete Lebensbeschreibung des Propheten. Wenige Male wird aber der Prophet im Koran genannt: Sure 47 trägt die Überschrift „­Mohammed“ und in V 2 heißt es: „Denen aber, die glauben und tun, was recht ist, und die an das glauben, was auf ­Mohammed (als Offenbarung) herabgesandt worden ist – es ist (ja) die Wahrheit (und kommt) von ihrem Herrn–, denen tilgt er die schlechten Taten und bringt alles für sie in Ordnung.“ Der Vers hält nur fest, dass ­­Mohammed der Empfänger der göttlichen Offenbarung ist, die für diejenigen, die daran glauben, die Vergebung der Sünden bringt und ein Leben in Harmonie mit der göttlichen Ordnung.

Wie geht man nun vor, wenn der Name ­Mohammed hier unpassend erscheint und man ihn eliminieren möchte? Man sagt z. B., dass der Eigenname „­Mohammed“ gar nicht existierte, sondern „der Gepriesene“ zu lesen und damit Jesus gemeint sei.

Auf gleiche Weise wird mit Sure 3,144 [med]: „Und ­Mohammed ist nur ein Gesandter. Vor ihm hat es schon (verschiedene andere) Gesandte gegeben. …“ verfahren (K. H. Ohlig 2007: 257 ff.).

[<<22]

Grundsätzlich ist dazu zu sagen: „Nun lernt man im arabischen Elementarunterricht spätestens in der zweiten Woche, daß muḥammad in dieser syntaktischen Position kein – indeterminiertes – Prädikatsnomen, sondern nur ein dem Sinn nach determiniertes Subjekt sein kann; lediglich in der Funktion eines Eigennamens kann ein der grammatischen Form nach indeterminiertes Nomen dem Sinn nach determiniert sein.“ (T. Nagel 2008a: 839) Die Grammatik ist also eindeutig genug, um die Eliminierung des Personennamens „­Mohammed“ als Schimäre zu erweisen.

Der Name geht auf die semitische Wurzel „ḥmd“ (verlangen, loben, preisen) zurück, die in vielen semitischen Sprachen belegt ist (L. Köhler/ W. Baumgartner 1958: 308; W. Baumgartner/B. Hartmann/E. Y. Kutscher 1967: 312 f.; G. Wallis ThWAT II 1020–1032; J. Levy II 1963: 70). Schon im Alten Testament (Gen 36,26; 1 Chr 1,41) ist der Personenname „­Hemdan“ bzw. „Hamdan“, der von dieser Wurzel gebildet ist, bekannt und im Altsüdarabischen der Name ­Mohammed. Die verschiedenen Namensformen sind daher längst vor dem arabischen Propheten ­Mohammed vorhanden gewesen (vgl. die Belege bei T. Nagel 2008: 100).

Für Sure 33,40 [med]: „­Mohammed ist nicht der Vater von (irgend)einem eurer Männer (auch wenn dieser sein Nennsohn ist). Er ist vielmehr der Gesandte Gottes und das Siegel der Propheten (d. h. der Beglaubiger der früheren Propheten, oder der letzte der Propheten). Gott weiß über alles Bescheid.“ wird nicht bestritten, dass hier der arabische Prophet gemeint ist, allerdings behauptet, ohne einen schlüssigen Beweis vorzulegen, dass ein Großteil dieser Sure erst vom Ende des 8./Anfang des 9. Jhs. n. Chr. stamme, als die Vita des Propheten ohne einen historischen Hintergrund entstanden sei (B. Köster 2010: 138 f.). Sure 33,50 gestattet dem Propheten auch die Heirat mit mehr Frauen als sonst dem Muslim. Von diesem Kontext her ist es klar, dass niemals Jesus als „der Gepriesene“ gemeint sein kann. Man ist also gezwungen, eine viel spätere Entstehung dieser Verse anzunehmen, um die eigenen Schlussfolgerungen zu retten. Wie im Kapitel über den Koran noch zu zeigen sein wird, entbehrt die Annahme der viel späteren Entstehung des Heiligen Buches jeglicher wissenschaftlicher Grundlage.

Es ist nicht viel, was der Koran direkt über ­Mohammed aussagt, aber doch Entscheidendes und Grundsätzliches. Er ist der Empfänger der

[<<23]

Offenbarung, der endgültige Gesandte und Prophet Gottes. Ihm wird auch von Gott gestattet, mehr Frauen zu ehelichen als anderen Gläubigen, denen nur vier Ehefrauen erlaubt sind.

Sure 33,56: „Gott und seine Engel sprechen den Segen (hier übersetzt R. Paret und übersetzen praktisch alle anderen völlig abgeschwächt; es heißt wörtlich: „vollziehen gegen den Propheten gewendet das rituelle Gebet“) über den Propheten. Ihr Gläubigen! Sprecht (auch ihr) den Segen (wörtlich: vollzieht das rituelle Gebet gegen ihn gewendet) über ihn und grüßt (ihn), wie es sich gehört!“ Der Vers könnte so verstanden werden, dass Gott und seine Engel ­Mohammed göttliche Verehrung zubilligen und die Gläubigen diesem Beispiel folgen sollen. Der Vers ist nach dem siegreichen Grabenkrieg (ca. 626/27 n. Chr.) ­Mohammeds entstanden (T. Nagel 2008a: 723).

Da ein solches Verständnis jedoch der Verkündigung ­Mohammeds, Gott keinen anderen als göttlichen Partner beizugesellen, diametral widerspricht und den absoluten Monotheismus des Islam ad absurdum führen würde, kann der Vers nicht so verstanden worden sein. Er spricht aber dennoch von einer unglaublichen, wenn auch nicht gött­lichen Erhöhung des Menschen ­Mohammed, der in manchen Richtungen des Islam fast zu einer Apotheose des Propheten geführt hat (T. Nagel 2008b). Wollte man den Schlussfolgerungen von K. H. Ohlig u. a. folgen, dass in der Frühzeit des Islam unter „­Mohammed“ Jesus, „der Hochgelobte, der Gepriesene“ verstanden worden sei, so würde das deren Argumentation völlig kippen, Jesus sei im Gegensatz zur orthodoxen Lehre der Großkirche, die Jesus vergöttlicht hätte, als rein menschlicher Prophet von den Arabern verstanden worden. Man müsste von einem christ­lichen Kontext dieses Verses her annehmen, dass gerade die „christlichen“ Muslime Jesus göttlich verehrt hätten, was natürlich ein Widersinn in sich ist; denn die Geschichte zeigt ja mit aller Deutlichkeit, dass es nie christliche Muslime gegeben hat.

Wie ist nun die älteste und bekannteste Lebensbeschreibung des Propheten von Ibn Ishaq (Ed. Rotter 42008) zu werten?

Ibn Ishaq (704–767/68) kann nicht einfach als Autor dieses Werkes angesprochen werden. Er sammelte und verarbeitete alle Überlieferungen, die ihm über ­Mohammeds Leben zur Verfügung standen und schuf

[<<24]

rund 120 Jahre nach dem Tod ­Mohammeds eine Art Idealbiographie des Propheten, beginnend mit dem Stammbaum und endend mit dem Begräbnis. Das Werk hat zweifellos einen hohen historischen Stellenwert, will jedoch nicht nur die historische Gestalt des Propheten dem Leser aufzeigen, sondern seine heilsgeschichtliche Bedeutung, wie sie sich im Laufe von über 100 Jahren nach seinem Tod entwickelt hat. Geschichte, Theologie und Legende sind daher ineinander und miteinander verquickt, so dass es nicht einfach ist, das eine vom anderen zu unterscheiden. Eine rein rationale Betrachtung der Vita würde ihr jedoch nicht gerecht, da sich in der Legende häufig auch eine wichtige historische wie theologische Wahrheit darstellen kann. Auch wenn Wunderberichte etc. variantenreich überliefert sind, müssen sie nicht als ahistorisch abgetan werden. Der Welt, in der ­Mohammed und auch Ibn Isaq lebten, war der Glaube an wunderbare Zeichen und Ereignisse, die über die alltäglichen Erfahrungen hinausgingen, eine Selbstverständlichkeit und Realität. Das sollten wir Heutigen bedenken, wenn wir uns dieser alten Welt nähern.

Man kann sich die Vita des Propheten in einem Vergleich etwa so vorstellen, als ob die vier kanonischen Evangelien zu einer Evangelienharmonie gestaltet wären und mit weiteren Materialien aus den apokryphen Evangelien ergänzt würden.

Bevor nun versucht wird, das Leben des Propheten historisch kurz zu umreißen, muss noch ein Wort zur „Gewohnheit“ ­Mohammeds, wie sie in den Hadithsammlungen zum Ausdruck kommt, und zu außerislamischen Quellen über ­Mohammed gesagt werden. Ein Hadith (Neuigkeit, Erzählung) weist eine strenge formale Gliederung auf: Er bringt zuerst die Augen- und Ohrenzeugen, die die Echtheit stützen und dann den Bericht (leicht zugängliche Hadithsammlungen auf Deutsch sind z. B. Ed. D. Ferchl 2010 und Ed. M. Schöller 2007). Islamische Gelehrte der Frühzeit haben die Hadithe gesammelt, verschriftet und verschiedene Abstufungen bezüglich ihrer Authentizität festgelegt. Ein Hadith ist „gesund“ (sahih), wenn die Zeugen ohne Unterbrechung bis auf ­Mohammed zurückreichen, ihre Wahrheitsliebe bezeugt ist, und der Bericht selber der übrigen Tradition nicht widerspricht. „Schön“ („hasan“) wird ein Hadith genannt, wenn er zwar nicht alle vorher genannten Kriterien erfüllt, dennoch aber auf anerkannte Gewährsleute des Propheten zurückgeht.

[<<25]

„Schwach“ („daif“) ist ein Hadith dann, wenn ihm alle Merkmale fehlen. Völlig wertlos ist ein gefälschter Hadith.

Schon Kalif Omar II. (717–720 n. Chr.) traf die Verfügung für eine schriftliche Aufzeichnung der Hadithe, aber erst im 9. Jh. n. Chr. entstanden die großen Ausgaben, als deren vorzüglichste bis heute die des al-Buchari (810–870 n. Chr.) gilt. In einem vierbändigen Werk „al-dschami as-sahih“ (Die authentische Sammlung) hat al-Buchari die Erzählungen mit großer Sorgfalt in chronologischer Reihenfolge zusammengestellt. Nicht minder wichtig ist die Hadithsammlung von Muslim (817–875 n. Chr.). Beide Werke gelten im Islam als kanonisch, für alle verbindlich. Großes Ansehen haben in der islamischen Welt ferner die Hadithsammlungen von as-Sidschistani (gest. 888 n. Chr.), von at-Tirmidhi (gest. 883 n. Chr.), ar-Rahman an-Nasai (gest. um 900 n. Chr.) und von Abu abd Allah Muhammad b. Maga (gest. 886 n. Chr.).

Als Beispiel sei ein Hadith aus der Sammlung des al-Buchari 2,7 angeführt. Der Sammler hat diesem Hadith folgende Überschrift gegeben. „Von der Pflicht des Muslim, seinem Bruder das zu wünschen, was er sich selber wünscht.“ Der überlieferte Text lautet folgendermaßen: „­Musaddad erzählte uns, er sagt: Yahya erzählte uns nach der Aussage des Shuba, nach der Aussage des Qatada, nach der Aussage des Anas vom Propheten, Gottes Segen und Gruß sei über ihm, und nach der Aussage des Husain al-Muallim, welcher sagte: Qatada erzählte uns nach Aussage des Anas vom Propheten Gottes, Gottes Segen und Gruß sei über ihm, welcher sagte: Keiner von euch ist ein Gläubiger, solange er nicht seinem Bruder das wünscht, was er sich selber wünscht.“ (zitiert nach H. Stieglecker 1962: 597; vgl. Matth 7,12)

Die Hadithliteratur wurde von westlichen Wissenschaftlern sehr kritisch gesehen. Einer der ersten war I. Goldziher (II 1890), dem bis heute einige gefolgt sind (vgl. den Überblick bei B. Köster 2010: 41–50); doch die große Mehrheit der Arabisten und Islamwissenschaftler sehen im Hadith eine wertvolle Quelle, die freilich immer auch kritisch zu prüfen ist, wieweit sie die Situation zur Zeit des Propheten tatsächlich wiederzugeben vermag oder ob sie eine spätere religiöse Praxis bezeugt, die durch die Autorität des Propheten gestützt werden will. Wer könnte aber z. B. die Authentizität des vorher zitierten Hadith verneinen? Abgesehen von der

[<<26]

lückenlosen Traditionskette entspricht die Aussage völlig dem ethischen Verständnis des Propheten. Unter „Bruder“ versteht ­Mohammed hier vermutlich nur den Glaubensbruder und nicht allgemein den Mitmenschen.

Ähnlich wie die Vita des Propheten sind auch die Hadithsammlungen zu verstehen als ein Ineinander von Geschichte und der Glaubens- und Lebenspraxis der Frühzeit. Ich möchte wieder einen Vergleich bemühen. In den Sammlungen der „Legenden und Laude“ (Ed. O. Karrer 1945) des hl. Franz von Assisi ist mehr und weit Tieferes über die Spiritualität, die Lebenspraxis dieses Heiligen und über die frühe franziska­nische Bewegung zu erfahren als in einer exakten Biographie des Heiligen. Ähnlich verhält es sich mit den Hadithen. Es wäre eine Missachtung von Quellen, diese nicht für das Leben des Propheten kritisch auszuwerten, wobei „kritisch“ hier nicht so verstanden werden darf, zuerst die Aussage der Quelle zu leugnen und dann die eigene Phantasie am Schreibtisch ins Kraut schießen zu lassen. Eine solche Anwendung der historisch-kritischen Methode, die manche fordern, führt zu keinem wissenschaftlichen Ergebnis, sondern nur zu unbewiesenen und unbeweisbaren Hypothesen, wie sie große Teile der Bibelwissenschaft des 19. und des 20. Jahrhunderts geprägt haben.

K.-H. Ohlig (2007: 223–325) hat zuletzt in einer ausführlichen Untersuchung die christlichen Quellen über ­Mohammed und den frühen Islam untersucht. Auf den ersten Blick gewinnt man den Eindruck, es handelt sich um eine seriöse Studie zu diesem Thema. Bei genauerem Hinsehen fällt es jedoch auf, dass versucht wird, ideologisch bedingte Vorurteile – ­Mohammed sei keine historische Person und der frühe Islam sei nichts anderes als die arabische Form des Christentums, die in Jesus nur einen Propheten gesehen habe – „wissenschaftlich“ nachzuweisen. Die Vorgehensweise ist praktisch immer die gleiche: Wo die Quellen zu Ungunsten dieser fragwürdigen Behauptung sprechen, wird gesagt, dass es sich um spätere Hinzufügungen handle (z. B. K.-H. Ohlig 2007: 239.265.267). Dabei bemüht K.-H. Ohlig (2007: 224) auch das Beispiel des „Testimonium Flavianum“ (JosAnt XVIII 63–64), das eine christliche Einfügung in den Text des Josephus sei; nur wer keine Ahnung von Textkritik und Textgeschichte hat, kann noch im 21. Jahrhundert einen solchen Unsinn vertreten. Die Authentizität des Testimoniums steht spätestens seit der

[<<27]

Studie von S. Pines (1971; vgl. die neueren Studien von U. Victor 2010; K. Jaroš 2011: 84–86) fest.

Bereits um 640 n. Chr. spricht ein christlicher Text aus Nordafrika, die „Doctrina Jacobi“, von einem „neuen Propheten“, der unter den Arabern aufgetreten ist. Es ist eindeutig, dass hier nur ­Mohammed gemeint sein kann (G. Dragon 1994: 80). Eine Reihe weiterer christlicher Texte aus etwa derselben Zeit nennt auch den Namen des Propheten ­Mohammed.

Viel wichtiger als diese einfachen Nennungen sind jedoch die Zeugnisse zweier Personen, die den Islam bereits durch die Erfahrung von drei bzw. sechs Generationen genau kannten.

Johannes von Damaskus (um 675–ca. 754 n. Chr.) wurde vom Kalifen Abd al-Malik (685–705 n. Chr.) als Sekretär in die Finanzverwaltung aufgenommen. Als unter dem Kalifen Omar II. (717–720 n. Chr.) der Druck auf hohe christliche Beamte im Kalifat immer intensiver wurde, zog sich Johannes in das Mar Saba Kloster der judäischen Wüste zurück. Seine Vorfahren standen bereits im Dienst des Kalifats. Sein Großvater wurde nach der muslimischen Eroberung von Damaskus im Jahre 735 n. Chr. als byzantinischer Beamter in der Leitung des Finanzwesens von den neuen Herren übernommen und auch sein Vater war in der Finanzverwaltung des Kalifats tätig. Darin zeigt sich auch die seit Jahrtausenden im Orient geübte Praxis, dass neue Eroberer die bestehenden Infrastrukturen für Jahrzehnte übernehmen, bis ein eigener Beamtenapparat geschaffen werden konnte. Wer könnte daher heute behaupten, Johannes von Damaskus habe den Islam nicht genau gekannt? In seinem Hauptwerk, „Quelle der Erkenntnis“, Kapitel 100, das er in Mar Saba gegen Ende seines Lebens schrieb, setzt sich Johannes Damascenus mit dem Islam auseinander (A.-Th. Khoury 1969: 12–15). U. a. heißt es: „Und obwohl er (= ­Mohammed) in dieser Schrift (= Koran) noch von vielen anderen lächerlichen Dingen phantasiert, behauptet er hartnäckig, daß sie von Gott auf ihn herabgekommen sei. […] doch wir stellen die Frage, wie die Schrift von oben auf ihn herabkam, als er schlief. […] Wenn wir wiederum fragen: Da er euch in eurer Schrift befohlen hat, nichts ohne Zeugen zu tun oder anzunehmen, wieso habt ihr ihm dann nicht gesagt: ‚Beweise erst einmal selbst durch Zeugen, daß du ein Prophet bist, daß du von Gott kommst, und welche Schrift Zeugnis über

[<<28]

dich ablegt!‘?– dann schweigen sie vor Scham.“ (zitiert nach A. Lexutt/ D. Metz 2009: 18 f.)

Als ein ebenso guter Kenner des Islam erweist sich Theodor Abu Kurru (750–820/25 n. Chr.; A.-Th. Khoury 1969: 15–20), Bischof des nord­syrischen Harran. Aus Opusculum 19 sei hier nur der Anfang zitiert: „Bei den heuchlerischen Sarazenen herrscht die Gewohnheit, wenn sie einen Christen treffen, nicht zu grüßen, sondern gleich zu sagen: ‚Christ, lege Zeugnis ab, dass der eine und unaussprechliche Gott Muhammad zu seinem Diener und Gesandten bestellt hat!‘“ (zitiert nach A. Lexutt/ D. Metz 2009: 25), um zu zeigen, wie klar und einwandfrei ein christlicher Bischof des 8. Jahrhunderts um den arabischen Propheten und seine Sendung Bescheid wusste.

Anderes ist auch nicht zu erwarten; denn es ist wohl eine der übelsten Geschichtsfälschungen der letzten Jahre zu behaupten, die Gestalt ­Mohammeds sei nur eine literarische Fiktion des 9. Jhs. n. Chr. Um diese Behauptung endgültig in das Reich der Fabel zu verweisen, sei auf zwei Inschriften des Felsendomes von Jerusalem hingewiesen. Der Felsendom wurde vom Kalifen Abd al-Malik (685–705 n. Chr.) erbaut und die arabischen Inschriften stammen aus dem Jahr 692 n. Chr.

Der Felsendom ist ein schönes Beispiel, das zeigt, wie sehr die arabischen Eroberer in den ersten Jahrzehnten nicht nur auf den byzantinischen Beamtenapparat, sondern auch auf Architekten und Künstler angewiesen waren. Der byzantinische Oktogonalbau, der aus der Badehausarchitektur kommt, ist seit der ersten Hälfte des 4. Jhs. n. Chr. im Osten heimisch geworden. Der Jerusalem am nächsten liegende Oktogonalbau größeren Ausmaßes war die Theotokos Kirche am Berg Garizim mit einer Länge von 37 m und einer Breite von 30 m (Abb. 4).

[<<29]


Abb. 4 Rekonstruktion der oktogonalen Garizimkirche. (Quelle)

Dieser prachtvolle Bau wurde unter Kaiser Justinian (527–565 n. Chr.) errichtet und unter Kalif al-Mansur (754–755 n. Chr.) zerstört. Die Anlage weist mit dem Felsendom solche Ähnlichkeit auf, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass sie byzantinische Architekten im Auftrag des Kalifen Abd al-Malik als Vorbild für den Felsendom verwendeten (A. M. Schneider 1946–51: 211–234; K. Jaroš/B. Deckert 1977: 49 f.).

In diesem Kontext muss auch die Frage gestellt werden, worin sich muslimische von christlichen Sakralbauten unterscheiden, wenn die Muslime der ersten beiden Jahrhunderte ihrer Zeitrechnung eigentlich „Christen“ gewesen sein sollen? Wenn sie solche gewesen wären, hätten sie die christlichen Sakralbauten eins zu eins übernehmen können?

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass sich die Architektur eines muslimischen Sakralbaues (Moschee) von einer christlichen Kirche nicht unterscheiden muss, sehr wohl jedoch in der Einrichtung. Für eine Moschee unabdingbar sind die Gebetsnische („Mihrab“), die die Richtung nach Mekka anzeigt und rechts davon die Kanzel („Minbar“). Eine der ältesten Moscheen ist die al-Aqsa auf dem Jerusalemer Tempelberg in der Nähe des Felsendomes, der eigentlich keine Moschee, sondern

[<<30]

eine Memoria ist. Die al-Aqsa Moschee wurde noch unter Kalif Abd al-Malik gegen Ende des 7. Jhs. n. Chr. begonnen und von seinem Sohn Kalif al-Walid I. um 705 vollendet. Dieser Bau ersetzte einen früheren, der nur aus Holz war. Diesen Vorgängerbau der al-Aqsa bezeugen die Pilger Bischof Arkulf und der Abt Adomnanus (um 680 n. Chr.) in den Berichten über ihre Pilgerreise I 14: „Übrigens haben an dem berühmten Ort, wo vorzeiten der Tempel prächtig errichtet war, in der Nähe der östlichen Mauer gelegen, die Sarazenen jetzt ein viereckiges Bethaus gebaut, das sie mit aufrecht stehenden Brettern und großen Balken über einigen Trümmerresten aufgeführt haben; sie besuchen es fleißig, und das Haus kann – wie berichtet wird – etwa 3000 Menschen fassen.“ (zitiert nach H. Donner 1979: 337). Es dürfte deutlich sein, dass der Vorgängerbau und die ihm folgende Moschee keine Sakralbauten einer christlichen Gruppe, sondern Sakralbauten einer anderen Religion waren. Dies zeigt sich auch an der Omajjadenmoschee von Damaskus, die ursprünglich eine Johannes dem Täufer geweihte Basilika war und 705 n. Chr. vom Kalifen al-Walid in eine Moschee umgebaut wurde. Der Schrein und die Verehrung Johannes des Täufers wurden beibehalten, da Johannes von den Muslimen als Prophet verehrt wird.

Von großem Interesse sind auch die 1973 in Ramla (Israel) entdeckten Mosaiken eines privaten arabischen Komplexes aus dem 8. Jh. n. Chr. Auf einem oben beschädigten Mosaikfußboden, ca. 1,15 m mal 0,90 m, ist eine Gebetsnische, die nach Mekka orientiert ist, mit einer dreizeiligen arabischen Inschrift zu sehen (Abb. 5). Die Inschrift lautet:

1. Mache dich [an dein Gebet!].

2. Und nicht sei einer von den Unacht-.

3. -samen!

(M. Rosen-Ayalon 1976: 104–119; Pls. 23–25; K. Jaroš 2001: Nr. 275).

Nach der Aufforderung zum Gebet erfolgt in den Zeilen zwei und drei Sure 7,205, um die Gläubigen vor der Verrichtung des Gebetes daran zu erinnern, die Formulierung der guten Absicht („nija“) nicht zu vergessen. Dieses Mosaik ist das bisher früheste bekannte Zeugnis einer privaten, nach Mekka orientierten Gebetsnische, also außerhalb einer Moschee oder einer Privatmoschee; bisher auch das einzige Zeugnis einer

[<<31]

arabisch-koranischen Schrift auf einem Mosaikfußboden. Es ist evident, dass dieser Fund aus dem 8. Jh. n. Chr. nicht von christlichen Arabern, sondern von arabischen Muslimen stammt.


Abb. 5 Gebetsnische. (Quelle)

[<<32]

Nun zu den beiden Inschriften im äußeren und inneren Oktogon des Jerusalemer Felsendomes.

Das äußere Schriftband lautet: „Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Es gibt keinen Gott außer Allah, er hat keinen Gefährten. Sprich: Er ist Allah, ein einziger; er ist Allah ganz und gar; er hat nicht gezeugt und wurde nicht gezeugt, und niemand ist ihm ebenbürtig (Sure 112). ­Mohammed ist der Gesandte Allahs. Der Segen Gottes sei auf ihm. Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Es gibt keinen Gott außer Allah allein, er hat keinen Gefährten. ­Mohammed ist der Gesandte Allahs. Allah und seine Engel vollziehen gegen ihn gewendet das rituelle Gebet. Ihr aber, die ihr glaubt! Vollzieht auch ihr gegen ihn gewendet das rituelle Gebet und grüßt ihn mit dem Friedensgruß (Sure 33,56)! Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Es gibt keinen Gott außer Allah allein. Preis sei Allah, der sich kein Kind nahm, keinen Gefährten in der Herrschaft hat und keinen Schutzpatron gegen die Erniedrigung (braucht); und preise ihn aufs höchste (Sure 17,111)! ­Mohammed ist der Gesandte Allahs. Allah vollziehe gegen ihn gewendet das rituelle Gebet, desgleichen seine Engel und seine Gesandten! Der Friedensgruß werde ihm entboten, die Barmherzigkeit Allahs (werde ihm zuteil)! Es gibt keinen Gott außer Allah allein, er hat keinen Gefährten. Er hat die Herrschaft inne, ihm gebührt das Lob. Er gibt das Leben und den Tod. Er ist zu allem mächtig (Sure 57,2). ­Mohammed ist der Gesandte Allahs. Allah vollziehe gegen ihn gewendet das rituelle Gebet und nehme am Tag der Auferstehung seine Fürsprache für die Gemeinde an! Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Es gibt keinen Gott außer Allah allein. Er hat keinen Gefährten. ­Mohammed ist der Gesandte Allahs. Allah vollziehe gegen ihn gewendet das rituelle Gebet!“ (zitiert nach T. Nagel 2008: 722; ­Basmala und Eulogie jeweils ergänzt). Die Inschrift endet mit der Auskunft, dass Kalif al-Mamun den Felsendom im Jahre 72 (nach der Hidschra), also im Jahre 694 n. Chr. errichtet hat. In Wirklichkeit war der Erbauer Kalif Abd al-Malik. Sein Name wurde von al-Mamun überschrieben.

Das innere Schriftband lautet: „Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Es gibt keinen Gott außer Allah allein, er hat keinen Gefährten. Er hat die Herrschaft über Himmel und Erde. Er macht lebendig und läßt sterben und hat zu allem die Macht (Sure 57,2). ­Mohammed ist

[<<33]

der Knecht Gottes und sein Gesandter. Allah und seine Engel vollziehen gegen ihn gewendet das rituelle Gebet. Ihr aber, die ihr glaubt! Vollzieht auch ihr gegen ihn gewendet das rituelle Gebet und grüßt ihn mit dem Friedensgruß (Sure 33,56)! Der Segen und der Friede Gottes sei auf ihm und möge Gott ihm gnädig sein. Ihr Leute der Schrift! Treibt es in eurer Religion nicht zu weit und sagt gegen Gott nichts aus, als die Wahrheit! Christus Jesus, der Sohn der Maria, ist nur ein Gesandter Gottes und sein Wort, das er der Maria entboten hat, und Geist von ihm. Darum glaubt an Gott und seine Gesandten und sagt nicht (von Gott, daß er in einem) drei (sei)! Hört auf (so etwas zu sagen)! Das ist besser für euch. Gott ist nur ein einziger Gott. Gepriesen sei er! (Er ist darüber erhaben) ein Kind zu haben. Ihm gehört (vielmehr alles), was im Himmel und auf der Erde ist. Und Gott genügt als Sachwalter. Christus wird es nicht verschmähen, ein (bloßer) Diener Gottes zu sein, auch nicht die (Gott) nahestehenden Engel. Und wenn einer es verschmäht, Gott (w. ihm) zu dienen, und (zu) hochmütig (dazu) ist (hat das nichts zu bedeuten). Er wird sie (d. h. die Menschen) (dereinst) alle zu sich versammeln (Sure 4,71 f.). Gott, vollziehe gegen deinen Gesandten und deinen Diener Jesus, den Sohn der Maria, gewendet das rituelle Gebet. Heil sei über ihm am Tag, da er geboren wurde, am Tag, da er stirbt, und am Tag, da er (wieder) zum Leben auferweckt wird (Sure 19,15)! Das ist Jesus, der Sohn der Maria, gemäß dem Wort der Wahrheit, über die sie im Zweifel sind. Es ziemt sich für Allah nicht, daß er sich irgendein Kind genommen hätte. Wenn er eine Sache entscheidet, dann sagt er zu ihr nur: ‚Sei!‘ und sie ist. Allah ist mein Herr und euer Herr. Ihn verehrt! Das ist eine gerade Straße (Sure 19,34–36)! Allah bezeugt, daß es keinen Gott außer ihm gibt, desgleichen (bezeugen es) die Engel und die Wissenden. Er setzt die Gerechtigkeit durch. Es gibt keinen Gott außer ihm, dem Mächtigen, dem Weisen. Die (wahre) Glaubenspraxis ist bei Allah der Islam. Diejenigen, die das Buch erhalten hatten, wichen (vom Islam) erst ab, als das Wissen zu ihnen gelangt war. Wer nicht an die Wunderzeichen Allahs glaubt, nun, Allah rechnet schnell ab“ (Sure 3,18 f.; zum Teil nach T. Nagel 2008: 722 f. zitiert).

Die beiden Monumentalinschriften des Kalifen, reichlich durchsetzt mit Texten aus dem Koran, bezeugen zuvorderst den absoluten Monotheismus des Islam.

[<<34]

An die Christen ergeht die Warnung, Gottes Einheit nicht in einen Tritheismus – nach islamischer Auffassung – aufzuspalten und Jesus als Gesandten Gottes zu glauben, nicht als göttlichen Sohn Gottes. Es ist deutlich, dass diese Aussagen unter der ständigen Betonung des strengen Monotheismus sich vom christlichen trinitarischen Monotheismus absetzen wollen.

Im äußeren Schriftband erscheint fünfmal der Satz: „­Mohammed ist der Gesandte Gottes“ und im inneren Schriftband einmal: „­Mohammed ist der Knecht Gottes und sein Gesandter.“

Wiederum ist zu fragen, was zu tun sei, falls man den Namen „­­Mohammed“ aus dieser Inschrift eliminieren möchte? Da es sich diesmal um eine singuläre Inschrift handelt, versagt das „Argument“, der Name sei erst nachträglich eingefügt worden, zumal der epigraphische Befund auch zeigt, dass im Bereich des Namens keine Änderungen etc. feststellbar sind (z. U. des Namens Abd al-Malik, der mit al-Mamun überschrieben wurde). Folglich bemüht man eine andere „Methode“ um sich des Namens zu entledigen. Man behauptet, dass hier nicht der Name „­Mohammed“ steht, sondern dass „Gepriesen sei der Knecht Gottes …“ zu übersetzen sei und sich dieser Satz auf Jesus beziehe (C. ­Luxenberg 2005: 126 ff.; B. Köster 2010: 122 ff.). Man hat dabei allerdings, wie schon zuvor erwähnt, die Grammatik der arabischen Sprache außer Kraft gesetzt, nach der nur der Eigenname, also „­Mohammed“ gelesen werden kann. Das Argument der Grammatik schließt daher die Auffassung aus, dass „gepriesen“ gelesen werden kann.

Aber auch ein Satz des äußeren Inschriftenbandes: „­Mohammed ist der Gesandte Gottes … und (Gott) nehme am Tag der Auferstehung seine Fürsprache für die Gemeinde an!“ verbietet diese Deutung. Am Tag des Gerichts und der Auferstehung ist Jesus nach islamischer Auffassung Zeuge des Gerichts, wenn die Christen zum Gericht erscheinen, und nicht Fürsprecher für die Gläubigen des Islam.

Die beiden Inschriften und die prächtige Architektur des Felsendomes zeigen noch etwas anderes: Kalif Abd al-Malik war sich durchaus bewusst, dass er mit diesem Memorialbau der Himmelfahrt des Propheten über dem Heiligen Felsen, an dem einst der Salomonische und Herodia­nische Tempel standen, demonstrierte, dass das Judentum

[<<35]

durch den Islam abgelöst ist; ebenso das Christentum (Inschriften), dessen Manifestation der Kalif in der konstantinischen Anastasis mit ihrer Kuppel wahrgenommen hat und durch die viel größere und prächtigere Kuppel des Felsendomes architektonisch überbietet (vgl. dazu auch H. Busse 1981: 169 f.).

Das bisher Gesagte sei folgendermaßen zusammengefasst: Bereits der Koran bezeugt die Existenz des Propheten und Gesandten ­Gottes ­­Mohammed, die Vita des Propheten von Ibn Ishaq und zahlreiche ­Hadithe liefern genug Material – auch wenn diese Literatur von zahlreichen Legenden durchsetzt ist–, um das Leben des Propheten verlässlich darzustellen. Die nach Mekka orientierten Gebetsnischen in Moscheen und in einem Privathaus aus der Frühzeit des Islam erweisen diese Bauten als solche einer anderen Religion als der christlichen. In den beiden Inschriftenbändern des Felsendomes wird der Gesandte Gottes ­­Mohammed bezeugt; „muhammad“ ist als Personenname des arabischen Propheten zu verstehen.

Christliche literarische Quellen kennen den arabischen Propheten bereits ab 640 n. Chr., wobei Johannes Damascenus und Theodor Abu Kurru die wichtigsten Zeugen sind, die nicht nur um den Propheten ­Mohammed, sondern ausführlich über die neue Religion des Islam Bescheid wissen. Besonders Johannes von Damaskus, sein Großvater und sein Vater, sind ein Beispiel, wie sehr die neuen Herren jahrzehntelang auf den byzantinischen Beamtenapparat angewiesen waren. Der Felsendom ist wiederum ein Zeichen, wie die byzantinische Architektur von den Eroberern übernommen und weitergeführt wurde.

Dies zeigt sich auch an zwei weiteren Beispielen, die ich abschließend anführen möchte.

Das Kreuz als das christliche Symbol war Muslimen seit jeher suspekt. Sie haben es aber im 1. Jahrhundert ihrer Herrschaft toleriert, weil es eben kein ausschließlich christliches Symbol ist, sondern seit Jahrtausenden in den verschiedenen Kulturen die Verbindung vom Himmel (vertikale Linie) und Erde (horizontale Linie) kennzeichnet.

[<<36]


Abb. 6 Vorderseite einer Münze Herodes des Großen: ­ΒΑΣΙΛΕΩΣ ΗΡΩΔΟΥ LΓ, (des) Königs Herodes 3. Jahr = 37 v. Chr. (Quelle)

Wie die muslimischen Araber die byzantinische Administration und Architektur übernahmen, so auch die Münzprägung. Im Laufe der Sechzigerjahre des 7. Jahrhunderts wurden Münzen erst mit arabischer Schrift versehen, christliche Symbole wie z. B. Kreuze etc. oft noch belassen. Zu meinen, die Münzen beweisen, dass die arabischen Eroberer deswegen Christen gewesen seien (V. Popp 2005: 16–123), ist eine Missinterpretation, auch wenn sie noch so gelehrt vorgetragen wird. Man müsste z. B. Herodes dem Großen (40–4 v. Chr.) unterstellen, dass er noch vor der Geburt Jesu ein Christ gewesen sei. Auf einer Anzahl seiner Münzprägungen (A. Kindler 1974: 29 f. Nr. 25–28) ist nämlich das „Christus­monogramm“ vorhanden (Abb. 6). Hier handelt es sich natürlich um eine Ligatur für das griechische Wort ΧΡΙΣΤΟΣ (Messias, der Gesalbte) als der sich Herodes der Große verstanden hatte.

Genau so abwegig wie das Schließen von frühislamischen Münzen, die noch immer christliche Symbole etc. zeigen, auf christliche ara­bische Eroberer, ist es, byzantinische Inschriften der arabischen Ära anzuführen, die mit einem Kreuz beginnen, wie z. B. die Inschrift Nr. 3 von ­Hammat Gader (Abb. 7).

[<<37]


Abb. 7 Griechische Inschrift von Hammat. (Quelle)

Die neunzeilige griechische Inschrift lautet in Übersetzung:

„+ Zur Zeit des Abdallah Muawija, Fürst

der Gläubigen, wurde bewahrt und er-

neuert die Badeanlage der [Bewohner] hi-

er durch Abdallah, Sohn des Hašim,

des Gouverneurs, im Monat Dezember,

dem Fünften, am zweiten Tag, [der] sechsten Ind[iktion],

im Jahre der Kolonie 726, nach den Arabern

das 42. Jahr, zur Heilung der Kran-

ken, unter dem Eifer des Johannes, (des) M[etropoliten] von Gadara.“

(K. Jaroš 2001: Nr. 299; vgl. J. Green/Y. Tzafrir 1982: 94–96; I. Hasson 1982: 97–101; J. Blau 1982: 102)

[<<38]

Die Renovierung der Badeanlage bzw. deren Vollendung ist dreifach datiert, was der Zeit von 662–664 n. Chr. entspricht. Die Inschrift nennt den regierenden Kalifen Muawija (661–680 n. Chr.), den zuständigen arabischen Gouverneur Abdallah und den Metropoliten, der offensichtlich aus Gadara stammte (Sitz des Metropoliten war Skythopolis). Die Abkürzung „M“ deutet eher auf den Metropoliten (Erzbischof) mit Namen Johannes als auf einen Beamten (griechisch: Μ[αγιστριανοῦ]); denn die byzantinisch-kirchliche Struktur hat sich unter der muslimischen Herrschaft am zähesten gehalten. Obwohl unter der Herrschaft der Muslimen, zeigt der Beginn der Inschrift das Kreuz. Der griechische Diphthong ου ist mit dem Schlingenzeichen geschrieben, wie es bei kaiser­lichen Inschriften seit Jahrhunderten üblich war. Der Steinmetz, der diese Inschrift geschaffen hatte, musste daher ein Christ der byzantinischen Tradition gewesen sein, der problemlos christliche Zeichen (Kreuz und Schlingenzeichen) verwenden konnte.

3 Das Leben des Propheten

Als das historisch wahrscheinlichste Datum der Geburt des Propheten kann der März 569 n. Chr. gelten (T. Nagel 2008: 99). Ibn Ishaq 5 (Ed. G. Rotter 42008: 30) schreibt: „Der Prophet wurde am Montag, dem 17. des Monats Rabīʿ I. im Jahr des Elefanten geboren.“ Das entspricht dem 20. April des Jahres 570 n. Chr. Diese kleine Diskrepanz zwischen beiden Daten ist dadurch zu erklären, dass die islamische Überlieferung die Geburt des Propheten in dieses bedeutsame Jahr 570 n. Chr. verlegte, in dem die äthiopische christliche Invasion vor Mekka scheiterte. Der Legende nach soll der Elefant des Kommandanten vor der Grenze Mekkas niedergekniet sein. Zudem soll eine Seuche im christlichen Heer ausgebrochen sein, so dass der Feldzug abgebrochen werden musste. Aus der Rückschau auf das Jahr 570 ergab sich, dass durch das äthiopische Scheitern der Weg des Islam für Arabien gesichert war. Es war daher naheliegend, die Geburt des Propheten mit diesem Ereignis zu verknüpfen.

Der Geburtsort war wahrscheinlich nicht Mekka, sondern am ehesten Usfan, ca. zwei Tagreisen nordwestlich von Mekka (T. Nagel 2008: 99).

[<<39]

Der Stammbaum ­Mohammeds wird über seinen Vater Abdallah bis Adam, den ersten Menschen, zurückgeführt, 49 Geschlechter (Ibn Ishaq I; Ed. G. Rotter 42008: 25). Von Abraham bis Adam sind die Namen aus den Genealogien Gen 5; Gen 11,10–26; Gen 25,13; 1 Chr 1 übernommen. Ähnlich wie der Stammbaum Jesu nach Luk 3,23–38 über Joseph bis Adam reicht und schon nach zwei, drei Generationen ein theologisches Konstrukt ist: Wie Adam direkt von Gott kommt, so auch Jesus, ist ein solches ebenso die Genealogie ­Mohammeds, jedoch mit einer anderen theologischen Zielsetzung: ­Mohammed steht mit Abraham und seinem Sohn Ismael in der Reihe der Propheten und Gesandten Gottes, die mit Adam beginnt und mit ihm als dem Siegel der Propheten endet. Auch hier will nach den ersten beiden Generationen nicht Historie erzählt werden, sondern Heilsgeschichte.

Die Jugendzeit ­Mohammeds war nicht einfach. Sein Vater Abdallah aus der Sippe Haschim, die zum mächtigen Stamm der Quraisch von Mekka gehörte, starb noch vor seiner Geburt. Seine beiden ersten Lebensjahre verbrachte das Kind bei seiner Amme Halima. Als es sechs Jahre alt war, verstarb schon seine Mutter Amina. Sein Großvater Abd al-Muttalib nahm sich hierauf seiner an. Als dieser nach zwei Jahren verstarb, kam ­Mohammed zu seinem Onkel Abu Talib, der sich sein ganzes Leben liebevoll um ihn kümmerte. Abu Talib organisierte Karawanen nach Palästina und Syrien, an denen auch der heranwachsende ­Mohammed teilnehmen durfte und so gleichsam seinen Brotberuf erlernen konnte.

Schließlich ließ die vermutlich schon zweimal verwitwete, überaus begüterte Chadidscha um die Hand ­Mohammeds anhalten und heiratete ihn im Jahre 595 n. Chr. Trotz des erheblichen Altersunterschiedes von wohl über 10 Jahren wurde es eine überaus glückliche Ehe. Sie gebar ­Mohammed sechs Kinder: zwei Buben, die früh starben, und vier Mädchen, darunter Fatima, die Ehefrau seines Vetters Ali (eines Sohnes seines Onkels Abu Talib), des vierten Kalifen, wurde. Chadidscha war bis zu ihrem Tod im Jahre 619 n. Chr. die einzige Frau ­Mohammeds. Sie war die erste, die an seine prophetische Berufung und Sendung glaubte und gilt daher für die Muslime als die erste Gläubige.

In diesem ersten Lebensabschnitt bis zum Jahre 610 n. Chr. war ­Mohammed besonders ein Suchender und um die Wahrheit Ringender,

[<<40]

der sich mit der herkömmlichen polytheistischen Religion nicht zufrieden gab. Das Christentum, wie er es auf seinen Karawanenzügen nach Palästina und Syrien kennenlernte, scheint ihn in dieser frühen Phase besonders angesprochen zu haben. Aber auch mit dem in Mekka weilenden christlichen Sklaven Dschabr stand ­Mohammed in engem Gedankenaustausch. Ebenso verhält es sich mit einem aus Ninive stammenden christlichen Sklaven namens Addad und einem äthiopischen christlichen Sklaven namens Bilal, der später einer seiner engsten Gefährten wurde.

Mit Juden scheint ­Mohammed vor der Hidschra 622 n. Chr. keinen solch intensiven Gedankenaustausch wie mit Christen gehabt zu haben. Sie treten erst später in Medina ins Blickfeld des Propheten.

Es ist zu fragen, ob ­Mohammed biblische Schriften, apokryphe und pseudepigraphische Literatur jüdischer wie christlicher ­Provenienz gekannt hatte. Außer seiner arabischen Muttersprache scheint er keine andere Sprache fließend beherrscht zu haben. Gesamtarabische Übersetzungen der Bibel und anderer christlicher wie jüdischer Literatur hat es zu dieser frühen Zeit noch nicht gegeben, wohl aber syrische, koptische und äthiopische. Nicht unwahrscheinlich ist aber, dass für die Liturgie arabische Teilübersetzungen der Bibel bereits vorhanden waren. ­Mohammed selber war wohl des Lesens und Schreibens kundig, auch wenn dies die islamische Tradition unter Berufung auf Sure 29,48 [3mkk] verneint: „Und du hast vordem (d. h. ehe dir der Koran eingegeben wurde) noch keine Schrift gelesen (oder: verlesen?) und auch keine (w. und sie auch nicht) mit deiner Rechten abgeschrieben. Sonst würden diejenigen, die (deine Verkündigung) für nichtig erklären, (über die Wahrhaftigkeit deiner Aussage erst recht) im Zweifel sein.“ Dieser Vers sagt jedoch nur, dass die Quelle ­Mohammeds nicht Bücher waren, sondern direkt Gott. Die Folgerung, dass er nicht lesen und schreiben konnte, scheint daher unbegründet zu sein. Die primäre Kenntnis der Bibel und der apokryphen wie pseudepigraphischen Literatur dürfte aber ­Mohammed über den Weg der mündlichen Überlieferung erhalten haben. Völlig auszuschließen sind jedoch Bücher nicht; denn selbst nach islamischer Tradition hat Waraqa b. Naufal, ein Vetter seiner Frau Chadidscha, Schriften der Christen nicht nur studiert, sondern auch ins Arabische übersetzt.

[<<41]

An den Parakletstellen des Johannesevangeliums (Joh 14,16.26; Joh 15,26; Joh 16,7–15) lässt sich gut zeigen, dass ­Mohammed der griechische Text im Wortlaut bekannt gewesen sein wird; denn er bezieht diese Stellen, in denen Jesus den Parakleten verheißt, in einem Wortspiel auf sich. Wenn man das griechische Wort „Paraklet“ als „Periklytos“ liest, dann entspricht dies dem arabischen Namen „Ahmed“ (eine Form des Namens „­Mohammed“), zu Deutsch: Der „Hochverehrte, Hochgelobte“. Sure 61,6 [med] heißt es denn: „Und (damals) als Jesus, der Sohn der Maria, sagte: Ihr Kinder Israels! Ich bin von Gott zu euch gesandt, um zu bestätigen, was von der Thora vor mir da war (oder: was vor mir da war, nämlich die Thora), und einen Gesandten mit einem hochlöblichen Namen zu verkünden, der nach mir kommen wird.“ (vgl. den Kommentar von R. Paret 1993: 476). Wie der christliche Sektengründer Mani (216–274 n. Chr.) bezieht also auch ­Mohammed Jahrhunderte später diese Verheißung auf sich. Doch dies war erst in der medinensischen Zeit geschehen. Bis zum Jahre 610 n. Chr. hatte ­Mohammed keine Gewissheit über seine religiöse Sendung. Zögernd berichtete er ab diesem Zeitpunkt im engsten Familienkreis von seiner Berufung und den Offenbarungen (Sure 96 [1mkk] und 74 [1mkk]). Über die Tatsache, dass ab 610 n. Chr. die Offenbarungen in einer Art Traumvisionen in einer Höhle am Berg Hira, also in der Einsamkeit der Wüste, an ihn ergingen, ist kaum zu zweifeln. Ferner ist auch nicht daran zu zweifeln, dass er sich zuerst gegen seine Berufung wehrte – wie alle Propheten auch vor ihm–, dass er zuerst nur im engsten Familienkreis darüber sprach und erst dann in der Öffentlichkeit Mekkas, wobei er in Mekka auf totale Ablehnung stieß. In seinen ersten Verkündigungen geht es um das Gericht Gottes (Sure 96,8 [1mkk]; 74,8–10 [1mkk]; 84,1–12 [1mkk]). Der Einfluss der jüdisch-christlichen Tradition ist hier greifbar.

Er erntet jedoch nur Spott. Sure 69 [1mkk] ist ein Spiegelbild dieser frühen Auseinandersetzung. Der Anfang der Sure beschreibt das Letzte Gericht; darauf folgt die Antwort ­Mohammeds auf den Spott der Mekkaner. Er wirft ihnen vor, den Armen nichts zu essen zu geben (V 34) und nennt sie „Ungläubige“, weil sie ihn einen Dichter und Wahrsager nennen und somit die Offenbarung für Lüge erklären (Vv 41–49). Das spöttische Unverständnis, auf das ­Mohammed stößt, hat auch darin seinen Grund, dass der arabischen Tradition eine Auferstehung der Toten

[<<42]

und ein Letztes Gericht nicht bekannt waren. So sprechen denn auch die Mekkaner in Sure 79,10–12 [1mkk]: „… Sollen wir etwa auf der Stelle(?) (wieder ins Leben) zurückgebracht werden (oder: Sollen wir etwa in den früheren Zustand(?) zurückgebracht werden; oder: Sollen wir, (die wir) in der Erde Schoß (liegen) (?) (wieder ins Leben) zurückgebracht werden (?) (Soll das etwa geschehen) nachdem (w. wenn) wir (zu) morsche(n) Knochen (geworden) sind? Sie sagen: Das wäre eine Umkehr, die (uns nur) Schaden bringen würde.“

Die Gegnerschaft wird laufend schärfer, da sie ­Mohammed „einen Betrüger“ nennen, der „nichts als Schwindel im Sinne hat“ (Sure 25,4 [2mkk]) und einen „Besessenen“ (Sure 15,6 [2mkk]). Die Auseinandersetzung steigert sich ins Bedrohliche: Der mächtige Stamm der ­Quraischiten vereinigt sich zu einem Bündnis gegen ­Mohammed und seine Sippe und gegen jene, die die Offenbarung glauben.

In dieser äußerst gespannten Situation, die nach dem Tod seiner Frau Chadidscha im Jahre 619 n. Chr. noch unerträglicher wurde, erwartet sich ­Mohammed von christlicher Seite Hilfe. Als die persischen Sassaniden im Jahre 614 n. Chr. dem byzantinischen Reich eine empfindliche Niederlage zugefügt haben, galt seine Sympathie voll den Christen: „Die Byzantiner sind besiegt worden im nächstliegenden Gebiet (d. h. in Syrien und Palästina, dem unmittelbar an Arabien angrenzenden Kulturland. Aber sie werden, nachdem sie besiegt worden sind, (ihrerseits) siegen, in etlichen Jahren. Gott steht die Entscheidung zu. (So war es) von jeher und (so wird es auch) künftig (immer sein) (w. vorher und nachher). An jenem Tag (wenn den Byzantinern der Sieg zufällt) werden die Gläubigen sich darüber freuen, daß Gott geholfen hat. Er hilft, wem er will: und er ist der Mächtige und Barmherzige.“ (Sure 30,2–5 [3mkk]) In einem sechs Jahre dauernden Kampf ist es schließlich dem byzantinischen Kaiser Heraklios gelungen, die Sassaniden zum Frieden zu zwingen.

Sehr positiv ist auch in Sure 57,26–27 [med] von den Christen die Rede und Sure 5,82 [med] heißt es: „… und du wirst sicher finden, daß diejenigen, die den Gläubigen (sc. den Muslimen) am nächsten stehen, die sind, welche sagen: Wir sind Nasara (sc. Christen). …“ Beide Suren zeigen, dass ­Mohammed selbst gegen Ende der medinensischen Zeit sein positives Urteil über die Christen nicht revidiert hatte.

[<<43]

Die unerträgliche und lebensbedrohende Lage für ihn und seine Anhänger in Mekka ließen ihn daher seinen Blick auf ein christliches Land richten: auf Äthiopien. Er schickte drei Gesandtschaften nach Äthiopien, um die Übersiedlung seiner Gemeinde vorzubereiten. Es ist plausibel, dass die Mekkaner versuchten, diesen Plan zu vereiteln. Sie schickten eine Gesandtschaft zum Negus, die die Auslieferung der Muslime verlangte. Die Rezitation der Sure 19 [2mkk] „Marjam“, (benannt nach Maria, der Mutter Jesu) die die Geburtsgeschichte Jesu zum Inhalt hat, vor dem Negus durch die Muslime, bewirkte jedoch, dass der Negus die mekkanische Intervention ablehnte und die Muslime unter seinen Schutz stellte. Warum letztlich die vollständige Übersiedlung ­Mohammeds mit seiner Gemeinde nach Äthiopien scheiterte, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Überlieferung spricht nur von einem einzelnen Muslim, der als Christ in Äthiopien geblieben ist.

­Mohammed nahm nun mit der Stadt Taif, südöstlich von Mekka, Verhandlungen wegen einer Übersiedlung auf. Aber auch dieses Unterfangen scheiterte.

Schließlich gelang es, mit der Stadt Jathrib zu einem Ergebnis zu kommen. Wesentlich dafür waren sechs Einwohner von Jathrib, die ­Mohammed in Mekka predigen hörten, Muslime wurden und darauf in ihrer Heimatstadt mit großer Begeisterung von ihrem Glauben sprachen. ­Mohammed konnte daher im Jahre 622 n. Chr. die Übersiedlung seiner Gemeinde und seine eigene nach Jathrib in Angriff nehmen. Es ist das Jahr der Hidschra, ab dem die Muslime in Zukunft ihre Zeit zählen werden. „Hidschra“ heißt mehr als einfach „Flucht“. Der Ausdruck markiert „das Ende der Beziehungen“ (zu Mekka). Der Name Jathrib ist im Laufe der Zeit durch „Medinat an-Nabi“ (die Stadt des Propheten) oder einfach durch „Medina“ ersetzt worden.

Die politische Lage in Jathrib war von der in Mekka grundlegend verschieden. Die arabischen Stämme Aus und Chazradsch waren seit Jahren verfeindet und zogen auch die ansässigen jüdischen Stämme in diese Fehden mit hinein. Die jüdischen Stämme Banu Quraiza und Banu en-Nadir waren Verbündete der Aus, die Banu Qainuqa solche der Chazradsch. Durch die Präsenz dreier jüdischer Stämme ist zu folgern, dass die arabischen Einwohner der Stadt mit der jüdischen Religion,

[<<44]

Sitten und Gebräuchen zumindest global vertraut waren. Vieles, was ­Mohammed lehrte, voran der Monotheismus, nicht nur in seiner alt­arabischen, sondern auch in seiner biblisch-jüdischen Ausprägung, war ihnen daher kaum fremd.

Zermürbt durch die jahrelangen blutigen Fehden sah die Bevölkerung der Stadt in ­Mohammed und seiner Lehre eine Chance für einen Neubeginn.

Obwohl diese Situation und auch die Erwartung an ­Mohammed schwierig und anspruchsvoll waren, war er erfolgreich. Die Araber wurden bis auf eine kleine Schar Zauderer Muslime. Die wohlhabende und einflussreiche jüdische Bevölkerung – man schätzt ihre Zahl auf etwa 10.000 – (J. Bouman 1990: 59) blieb abwartend. Etwa zwei Jahre bemühte sich ­Mohammed, die einflussreichen Juden zu gewinnen; denn er war in dieser Phase seines Lebens der Überzeugung, dass seine Botschaft mit der der Juden wie auch der Christen identisch sei und seine prophetische Sendung darin bestünde, Thora und Evangelium den Arabern zu verkünden. So sagt denn schon Sure 41,13 [3mkk]: „Zu dir wird (von Gott) nichts anderes gesagt, als was zu den Gesandten vor dir gesagt worden ist …“

Die erste Annäherung an die Juden Medinas erfolgte, indem der Prophet jüdische Bräuche für die Muslime vorschrieb wie Morgen-, Mittag- und Abendgebet (Sure 17,78 [2mkk]). Ferner legte er die Gebetsrichtung („qibla“) entsprechend den jüdischen Bräuchen in Richtung Jerusalem (1 Kön 8,44) fest. Diese Verfügung geht bereits auf die Gewohnheit des Propheten in Mekka zurück. Die Heiligung des Sabbat, der am Abend des Freitag beginnt, hat ­Mohammed den Muslimen von Jathrib ebenso schon von Mekka aus empfohlen. In Jathrib bestimmte er dann den Freitag, der für die Juden als Rüsttag, als Vorbereitungstag für den ­Sabbat gilt, als Festtag.

Der höchste jüdische Feiertag ist der Versöhnungstag (Jom Kippur), in dessen Mittelpunkt strenges Fasten und langes Gebet steht. Er wird am 10. Tischri begangen und beschließt die zehntätige Fastenzeit, die mit Neujahr (Rosch ha-Schana) am 1. Tischri beginnt. Die Juden Medinas nannten den Versöhnungstag noch nach Lev 16,29 „den zehnten Tag“ (nach Neujahr). Dieses Fasten übernahm ­Mohammed (Sure 2,183 [med], ohne sich auf den jüdisch-geschichtlichen Hintergrund zurück zu beziehen

[<<45]

(Lev 16,29–31; Lev 23,26–32), aber in einem universal religiösen Sinn, durch Fasten die Vergebung der Sünden, die Demut vor Gott und die Hingabe an Gott zu erlangen.

Durch die freundlichen Gesten ­Mohammeds gegenüber den Juden, manche ihrer religiösen Sitten zu übernehmen, konnten aber die wirklichen Probleme nicht gelöst werden, zumal zu erwarten war, dass die mächtigen Handelsherrn von Mekka kriegerisch gegen Jathrib vorgehen werden – und die Juden von Jathrib waren nicht die Verbündeten des Propheten. In dieser Zwangslage erließ ­Mohammed eine Art Edikt (A. Guillaume 1955: 231 ff.), um den Muslimen die Hilfe von Nichtmuslimen zu sichern: Juden, die den Propheten und seine Anhänger unterstützen, können auf deren Hilfe zählen. Sie tragen wie die Muslime die Kosten des Krieges und sind zur Abgabe der Steuern verpflichtet. Artikel 25 hält ausdrücklich fest, dass die Juden ihre Religion behalten dürfen. Bei Streitereien über die Auslegung des Edikts sind Gott und ­Mohammed die letzten Instanzen.

Im 2. Jahr der Hidschra beschloss ­Mohammed den Überfall einer aus Syrien kommenden Karawane. Der Plan wurde jedoch an Mekka verraten. Die Mekkaner reagierten prompt und schickten eine weit stärkere Truppe als die ­Mohammeds gegen Jathrib. In der Schlacht bei Badr siegte jedoch ­Mohammed. Dieser Sieg war entscheidend, dass ­Mohammed nun den Juden gegenüber eine härtere Gangart einschlug (Sure 3,12–13 [med]), da für ihn die Vermutung nahe lag, dass Juden des Stammes der Banu Qainuqa seinen Plan an Mekka verraten hätten. Er forderte daher diesen Stamm auf, den Islam anzunehmen. Als sie ablehnten, belagerte er ihre Häuser, bis sie sich schließlich nach 14 Tagen ergaben. Die beiden anderen jüdischen Stämme sind den Banu Qainuqa nicht zu Hilfe gekommen. ­Mohammed verbannte den Stamm aus Jathrib und er musste nach Syrien auswandern.

Nach der Schlacht bei Badr nahmen auch beduinische Stämme den Islam an und die Handelsrouten wurden für die mekkanischen Kaufleute immer unsicherer.

Die in Jathrib verbliebenen zwei jüdischen Stämme versuchten, sich neutral zu verhalten, aber sie standen zwischen den Interessen ­Mohammeds und denen Mekkas. ­Mohammed war auf ihren Reichtum angewiesen, „aber sie brauchten den Islam nicht.“ (J. Bouman 1990: 76).

[<<46]

Im 3. Jahr der Hidschra zogen die Mekkaner 3.000 Krieger zusammen, um die Handelsrouten zu sichern und ­Mohammed empfindlich zu treffen. In der Schlacht am Berg Uhud wurden die Getreuen des Propheten schwer bedrängt und mussten eine Niederlage hinnehmen. ­Mohammed selber wurde in dieser Schlacht verletzt. In Sure 3,138–145 [med] wurde diese Niederlage verarbeitet. Das Ansehen des Propheten war schwer angeschlagen und einige Beduinenstämme kündigten ihm das Bündnis.

Jetzt nahm sich ­Mohammed den jüdischen Stamm Banu an-Nadir vor, da er nach wie vor ungeschmälert Handelsbeziehungen mit Mekka aufrecht hielt. Ein möglicher Anschlag auf das Leben des Propheten war dann ausschlaggebend, dass dem Stamm folgendes Ultimatum gestellt wurde: Sie müssen innerhalb von 10 Tagen Jathrib verlassen, bleiben aber Eigentümer ihrer Dattelpalmplantagen, von denen sie einen Teil des Ertrages behalten dürfen. Der Stamm ging auf dieses Ultimatum nicht ein. ­Mohammed ließ daraufhin seine Plantagen roden und belagerte die Angehörigen des Stammes in ihren Häusern. Nachdem sie sich ergeben hatten, wurden ihre restlichen Güter beschlagnahmt und sie aus Jathrib verwiesen. Jeder durfte nur so viel mitnehmen als ein Kamel tragen konnte. Die Banu an-Nadir verließen mit 600 Kamelen Jathrib und siedelten sich teils in der Oase Chaibar und teils in Syrien an. In Sure 59 [med] wird das Geschehen verarbeitet.

Dieser Erfolg über die Banu an-Nadir gab ­Mohammed offenbar wieder sein Selbstvertrauen zurück und er führte weitere Überfälle auf die Karawanen der Quraischiten durch. Im 5. Jahr der Hidschra belagerten daraufhin die Mekkaner Jathrib mit einem Heer von ca. 10.000 Mann. Es gelang ihnen jedoch nicht die Einnahme der Stadt. Sie konnten daher keinen Erfolg verbuchen.

Obwohl der letzte jüdische Stamm Quraiza bei der Belagerung auf Seiten ­Mohammeds gestanden war, erklärte er ihm den Krieg, da er sich betrogen fühlte (Vgl. A. Bouman 1990: 83). Es ist heute angesichts der Quellenlage nicht mehr verifizierbar, ob ­Mohammeds Vermutung zutreffend war. Die Folgen für den letzten jüdischen Stamm von Jathrib waren jedenfalls verheerend. 600–900 Männer wurden enthauptet, Frauen und Kinder als Sklaven verkauft (vgl. dazu Sure 33,25–27 [med]). Es muss jedenfalls angesichts dieses Massakers klar gesagt werden, dass es durch

[<<47]

nichts zu rechtfertigen ist. Man sieht auch, wie schwer sich selbst die islamische Überlieferung damit getan hat (A. Bouman 1990: 83 f.). Das Vorgehen gegen die jüdischen Stämme, vor allem das blutige gegen den Stamm Quraiza ist nur „verstehbar“ im Kontext des altorientalischen und teils auch alttestamentlichen Kriegsrechtes, das die vollständige Liquidierung der Feinde als Ziel vorgesehen hatte. Man findet dieses archaische Verständnis nicht nur in der Frühgeschichte Israels, wie z. B. die Bücher Richter und 1 Samuel oder das brutale Vorgehen des Propheten Elija gegen die Baalspriester (1 Kön 18,20–40) zeigen, sondern auch in der späteren deuteronomistischen Theologie, die die Vernichtung und Ausrottung der fremden Völker propagierte (Dtn 7,2–6.16.24–26; Dtn 12,5). Mit diesem Hinweis soll das Verhalten ­Mohammeds nicht entschuldigt werden, sondern nur gesagt werden, dass er in diesem Punkt völlig in den Kategorien des Alten Orients und des Alten Testaments dachte, also ganz und gar ein Kind seiner Zeit war. Er selbst wird das Vorgehen als Notwehr verstehen.

Die Trennung vom Judentum, die in diesem Massaker ihren grausamen Höhepunkt erreicht hat, verarbeitet Sure 3,67 [med] „theologisch“ und schließt auch die Christen ein: „Abraham war weder Jude noch Christ, sondern er war ein Muslim und gehörte nicht zu den Götzendienern.“

Von jetzt an konzentriert ­Mohammed sein Interesse wieder völlig auf die Kaaba, als deren Erbauer ja Abraham in seinem Verständnis gilt, als das eigentliche religiöse Zentrum der neuen Religion. Schon im 2. Jahr der Hidschra hatte ­Mohammed offenbar erkannt, dass er die Juden nicht für sich gewinnen konnte und er änderte die Gebetsrichtung von Jerusalem weg hin zur Kaaba. Er teilte zwar den strengen jüdischen Monotheismus, wollte jedoch die Offenbarung der Hebräischen Bibel im koranischen Sinn herstellen; ein für Juden nicht vollziehbarer Gedanke, da die Offenbarung seit Jahrhunderten bereits als abgeschlossen gegolten hat. Die Juden konnten ­Mohammed auch nicht in der Kategorie des Messias sehen, da er Araber und nicht Jude war. Sie konnten daher ­Mohammed von ihren religiösen Voraussetzungen her weder als Propheten im ­biblischen Sinn noch als Messias sehen. Die Enttäuschung über die Juden gipfelt z. B. in Sure 9,30 [med], wo ihnen unterstellt wird, Uzair (Esra) zum „göttlichen Sohn Gottes“ zu machen. Es ist der Vorwurf, dass die Juden Polytheisten

[<<48]

seien, die dem einen Gott einen Sohn beigesellen. Es ist unbekannt, woher ­Mohammed diesen Vorwurf genommen hat. Möglich wäre, dass ihn Rabbinen im Streitgespräch in seiner Kenntnis der Hebräischen Bibel testen wollten und er daraus einen solchen Vorwurf konstruieren konnte.

Im 6. Jahr der Hidschra verhandelte ­Mohammed mit den Mekkanern bezüglich der Pilgerfahrt. Diese lehnten jedoch ab. Enttäuscht über diese Ablehnung, führte ­Mohammed einen weiteren Schlag gegen Juden der Oase Chaibar. Da sie sich ihm ergaben, durften sie die Oase weiter bewirtschaften, mussten jedoch die Hälfte der Erträge abliefern. Kultfreiheit wurde ihnen zugestanden. Ihre Frauen wurden jedoch an die Muslime verteilt. Das Oberhaupt der jüdischen Gemeinde und dessen Bruder ließ ­Mohammed hinrichten.

Im 7. Jahr der Hidschra war es soweit, dass ­Mohammed die Wallfahrt nach Mekka antreten konnte. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war ihm klar geworden, dass der Islam nicht nur den Arabern, sondern allen Menschen verkündet werden müsse. In diesem Sinn schickte er Botschaften an den Kaiser von Byzanz und an den persischen König. Christ­liche Beduinen­stämme, die im Sold von Byzanz standen und die Grenze bewachten, fingen jedoch die Boten ab und ermordeten sie. Auch eine weitere Gesandtschaft wurde bei Muta, östlich des Toten Meeres, abgefangen und ermordet. Im arabischen Raum gewann ­Mohammed aber immer mehr die Oberhand, da laufend Beduinenstämme den Islam annahmen und damit den Propheten auch als politische Autorität akzeptierten.

Im 8. Jahr der Hidschra, also 630 n. Chr., stand ­Mohammed mit einem gewaltigen Heer vor Mekka, was die Quraischiten zur Einsicht brachte, dass eine Verteidigung der Stadt sinnlos sei. Fast ohne Blutvergießen wurde nun ­Mohammed der Herr von Mekka und ließ Milde walten. Er reinigte die Kaaba von allen Götzenbildern und traf die bis heute gültige Verfügung, dass nur Muslime die Wallfahrt machen durften.

Noch im selben Jahr machte sich ­Mohammed mit einem Heer gegen Norden auf, um die Ermordeten Botschafter von Muta zu rächen. In Tebuk musste er jedoch dieses Unternehmen abbrechen, ohne die byzantinische Grenze erreicht zu haben.

Im Jahre 632 n. Chr. unternahm ­Mohammed noch einmal die Wallfahrt nach Mekka. Dabei wurden im Wesentlichen die Riten festgelegt,

[<<49]

die bis heute gültig sind. Wenngleich erst die spätere Tradition das Vermächtnisartige dieser seiner letzten Wallfahrt betonte, so mag er vielleicht auch persönlich zutiefst empfunden haben, dass sich seine Zeit dem Ende zuneigt. Er bereitete von Medina aus nochmals einen Feldzug gegen Norden vor, um die Ermordeten von Muta zu rächen. Aber eine schwere Fieberkrankheit legte sich auf ihn, so dass er schließlich am 8. Juni 632, sein Haupt in den Schoß seiner jungen Frau Aischa gebettet, verstarb.

­Mohammed hinterließ nach seinem Tod neun Frauen als Witwen. Es wurde bereits gesagt, dass ­Mohammed nach der koranischen Offenbarung mehr Frauen als den anderen Muslimen zugestanden wurden. Der europäische Christ, der von diesen vielen Ehefrauen nach Chadidscha hört, ist zumindest überrascht. Es sei deshalb darauf verwiesen, dass die polygame Lebensform im Alten Orient selbstverständlich war und auch für zahlreiche bedeutende Personen der Hebräischen Bibel bezeugt wird. Die klassische islamische Theologie hat die Polygamie immer besser angesehen als die Monogamie, weil dadurch die volle Ausnutzung der Zeugungskraft gewährleistet wird. Die Zeugungskraft gilt als ein Wunder der göttlichen Allmacht. Die Überlieferung weiß sogar übertreibend zu berichten, dass ­Mohammed die vierzigfache Zeugungskraft eines Mannes besaß. Seine Lieblingsfrau Aischa sagte z. B., dass der Prophet drei Dinge besonders liebte: seine Ehefrauen, Speisen und Wohlgerüche.

4 Die Frühzeit des Islam

­Mohammed hatte es verabsäumt, seine Nachfolge zu regeln. Nach seinem plötzlichen Tod war seine Anhängerschaft in Bestürzung und Uneinigkeit.

Verschiedene Gruppen wollten naturgemäß einen der ihren als Nachfolger. Ali, der Cousin des Propheten, der mit Fatima, einer Tochter ­Mohammeds verheiratet war, sah sich als den eigentlichen Erben an. Doch es kam nicht dazu. Hier ist bereits der Grundstein für die Schiat Ali, für die Partei Alis, gelegt, die die junge Religion bald spalten sollte.

Auf Druck von Beduinenstämmen und der Autorität von Omar ibn Chattab fiel die Nachfolge Abu Bakr zu, einem der ersten und treuesten Gefährten des Propheten, dem Vater seiner Lieblingsfrau Aischa, zumal

[<<50]

­Mohammed während seiner todbringenden Fieberkrankheit Abu Bakr persönlich als seine Vertretung beim Gemeinschaftsgebet bestimmt hatte. Abu Bakr verstand sein Amt als „chalifat rasul Allah“ als „Stellvertreter des Gesandten Gottes“. Abu Bakr war bereits hoch betagt und seine Zeit war fast schon abgelaufen. Sein großes Verdienst ist es, die nach dem Tod ­Mohammeds erneut zum Partikularismus neigenden arabischen Beduinenstämme, die die Oberhoheit Medinas skeptisch betrachteten, zu einer nationalen Einheit zu bringen. Er konnte ihnen verständlich machen, dass der Partikularismus das größte Hindernis für die weltweite Ausbreitung des Islam ist. Die beduinischen Aufstände gegen Medina verliefen daher im Sand und dem Kalifen waren die Hände nicht mehr gebunden, seine Feldzüge gegen das persische Sassanidenreich und gegen Byzanz zu starten. 634 n. Chr. zog das arabische Heer in drei Abteilungen gegen Norden. Eine Abteilung unter dem Feldherrn Amr ibn al-As marschierte über Eilat nach Gaza und errang über die Byzantiner den ersten Sieg. Der Statthalter der Provinz Palaestina Prima zog mit seinen Truppen gegen das Wadi araba, stieß dabei auf die zweite Abteilung des arabischen Heeres unter General Jazid ibn Abu Sufjan und wurde ebenfalls geschlagen. Kaiser Heraklios erkannte den Ernst der Lage und sandte eine gewaltige Streitmacht unter Führung seines Bruders ­Theodorus nach Palästina. Der arabische Angriff konnte vorerst gestoppt werden. Die technische Überlegenheit des byzantinischen Berufsheeres war eindeutig. Der Kalif gab nun seinem fähigsten Heerführer Chalid ibn al-Walid den Oberbefehl über die gesamte arabische Streitmacht. Al-Walid hatte das Glück, dass sich Bosra, die wichtigste byzantinische Festung der syrischen Wüste, kampflos ergab. Bei Beit Gubrin kam es zum Kampf zwischen dem arabischen und dem byzantinischen Heer. Die Araber siegten und hatten den Durchbruch errungen. Städte Palästinas wie Tiberias und Skythopolis ergaben sich. Der Kalif erlebte noch die ersten Triumphe seiner Armee, verstarb aber im August 634 n. Chr. Er hatte noch Omar zu seinem Nachfolger bestimmt.

Auch Omar stammte aus den Quraischiten Mekkas. Er fügte dem Kalifentitel dem eines „amir al-muminun“ (Fürst der Gläubigen) hinzu und entwickelte den Staat als arabisch-muslimische Theokratie, die von Medina aus regiert wurde. Omar war ein Herrscher von großer Autorität,

[<<51]

von großem Gerechtigkeitssinn und angemessener Milde. Er nahm entschlossen die Expansionspolitik seines Vorgängers auf. 635 n. Chr. fiel Damaskus. Ein weiteres, von Kaiser Heraklios entsandtes Heer wurde am 20. August 636 n. Chr. am Jarmuk vernichtend geschlagen. Bis auf Cäsarea und Jerusalem ergaben sich alle Städte Palästinas. Cäsarea ergab sich erst nach einer vierjährigen Belagerung. Die Sieger nahmen an den Einwohnern blutige Rache. Die berühmte Bibliothek der Stadt ging in Flammen auf. Unzählige Werke der Antike und des Christentums wurden dadurch vernichtet; als Beispiel sei die Hexapla des Origenes genannt, die aus etwa 50 Bänden bestand, den hebräischen Text der Bibel, den hebräischen Text in griechischer Umschrift und die vier wichtigsten griechischen Übersetzungen des Alten Testaments enthielt. In Jerusalem leitete der Patriarch Sophronius die Verteidigung der Stadt, musste jedoch nach zweijähriger Belagerung erkennen, dass von Byzanz keine Hilfe mehr zu erwarten sei und ergab sich 638 n. Chr. dem Kalifen, wodurch Jerusalem ein solches Schicksal wie Cäsarea erspart blieb.

Der arabische Siegeszug ging weiter. 639 n. Chr. überschritt General Amr ibn al-As die ägyptische Grenze. In der Nähe des heutigen Kairo wurden die Byzantiner 640 n. Chr. geschlagen. Zwei Jahre später gaben sie Alexandria auf. Nach Syrien-Palästina war auch das christliche ­Ägypten für Byzanz verloren.

Dem sassanidischen Persien erging es kaum anders. Nach der Schlacht von Adisijja bei Hira im Jahre 636 n. Chr. fielen den Arabern alle Provinzen der Sassaniden zu und 642 n. Chr. erreichten sie das persische Kernland. Gegenüber seinem Vorgänger konnte Omar das Reich verdoppeln. Administrativ wurde es von Medina aus verwaltet. Doch man ließ den Provinzen große Selbstständigkeit. Wie schon erwähnt, haben die Araber weitgehend den byzantinischen Beamtenapparat übernommen, damit die Verwaltung überhaupt funktionieren konnte. Während in Arabien keine andere Religion als der Islam geduldet war, wurde auf die besiegten Völker kein Zwang ausgeübt, den Islam anzunehmen. Grundlegende Regel war: Hatte sich eine Stadt, ein Gebiet ergeben, dann wurde menschliches Leben geschont und die Einwohner durften ihren Besitz behalten, mussten allerdings Tribut zahlen. Musste jedoch eine Stadt, ein Gebiet mit Waffengewalt erobert werden, dann gehörten

[<<52]

sie und ihr Besitz als Beute den Siegern. Boden und Kapital wurden zu Gunsten des Staates eingezogen. Die früheren Eigentümer durften aber den Boden als Pächter weiter bewirtschaften.

Jede Provinz wurde von einem militärischen Befehlshaber geleitet, der zugleich Vorbeter im Gottesdienst war. Ihm zur Seite stand der muslimische Richter (Qadi) und ein Finanzbeamter. Die eigentliche Arbeit erledigte weiter – und das noch über Jahrzehnte – der übernommene Beamtenapparat.

Im Jahre 644 n. Chr. wurde Omar von einem christlichen Sklaven ermordet, der offenbar persönliche Rache am Kalifen nehmen wollte. Von seinem Sterbebett aus regelte Omar noch seine Nachfolge. Die Wahl fiel auf Othman ibn Affan aus dem mekkanischen Geschlecht der Umajja.

Othman hatte jedoch bei weitem nicht das Format seines Vorgängers, besetzte einflussreiche Stellen mit seinen Verwandten, was ihm den Vorwurf des Nepotismus einbrachte. Sein größtes Verdienst liegt darin, dass er – zurückgreifend auf das Vorhaben Omars – eine Kommission unter der Federführung des Zaid, eines ehemaligen Sekretärs ­Mohammeds, einsetzte, die die Handschriften des Koran sichten und eine autoritative Ausgabe herausgeben sollte, was auch gelungen ist.

Die Unzufriedenheit mit dem Kalifen führte schließlich zu Aufständen, die in Ägypten und Kufa ausbrachen, und gipfelte in dem Vorwurf, dass sich der Staat gegen Gott stelle. Aufständische aus Ägypten besetzten die Hauptstadt und hatten dabei die Sympathie der Bevölkerung Medinas. Noch bevor man die Ägypter die „Arbeit“ erledigen ließ, verließen wichtige Personen, darunter Aischa, die Witwe ­Mohammeds, Medina. Am 17. Juni 656 n. Chr. wurde der dritte Kalif von den Aufständischen ermordet. Am selben Tag ließ sich Ali, der sich von Anfang an als der einzige rechtmäßige Nachfolger des Propheten ansah, in Medina als Kalif huldigen.

Ali hatte sein Ziel erreicht. Doch der Preis war hoch. Das Bild des über den Koran gebeugten ermordeten greisen Kalifen Othman erschütterte Medina. Die revolutionären Ansätze schlugen in Unbehagen um, die die Zeit Alis weiterhin prägen sollten.

In Mekka verbanden sich die zuvor aus Medina abgereisten Talha und Zubair mit der Prophetenwitwe Aischa und verschworen sich gegen

[<<53]

den „Mörder“ Ali. Sie zogen nach Basra, um Truppen für ihr Anliegen zu gewinnen. Ali verließ Medina und residierte von jetzt an in Kufa. In Medina standen ihm kaum Truppen zur Verfügung; diese waren hauptsächlich in den Provinzen. 656 n. Chr. kam es zur sogenannten Kamelschlacht bei Basra, da Aischa von ihrem Kamel aus die Soldaten anspornte. Doch der Sieg kam Ali zu. Talhar und Zubair fielen in dieser Schlacht. Aischa hat sich von diesem Zeitpunkt an aus der Politik zurückgezogen, starb erst im Jahre 678 n. Chr. Sie hatte somit den Propheten um 46 Jahre überlebt.

Ali konnte aber aus diesem Sieg keinen großen Gewinn schlagen. Syrien mit seinem Statthalter Muawija ibn abi Sufjan aus dem mekkanischen Geschlecht der Umajja, ein Vetter des dritten Kalifen Othman, verweigerte Ali den Gehorsam. Es war offenbar zu viel, dass Ali, dem er die moralische Verantwortung für die Ermordung Othmans gab, nun als Kalif herrschte. Muawija war hochbegabt und ein Vertrauter ­Mohammeds gewesen. Bei Siffin am rechten Eufratufer stießen die Heere von ­Muawija und Ali aufeinander. Schon schien es, dass Ali siegte. Da steckten die Truppen Muawijas den Koran auf ihre Lanzen. Daraufhin gaben die Truppen Alis auf und zwangen ihn, sich einem Schiedsgericht zu stellen. Der vierte Kalif stellte sich dem Schiedsgericht bei Dumat al-Dschandal. Es konnte jedoch nicht geklärt werden, ob er der legitime Kalif sei. Seine Position war aber erheblich geschwächt. Zwei Jahre lang war das Reich im Unklaren, ob Ali ein rechtmäßiger Nachfolger des Propheten sei. Ali wurde am 24. Januar 661 n. Chr. ermordet. Sein Sohn al-Hasan (er gilt nach seinem Vater Ali als 2. Imam der Schia), verzichtete gegen einen Kaufpreis zu Gunsten Muawijas auf das Kalifat. Damit hatte der Bürgerkrieg ein Ende gefunden. Muawija war sich allerdings schon vor der Ermordung Alis sicher, dass er der fünfte Kalif sein wird. Er hat sich in Jerusalem bereits als Kalif feiern lassen. Nach Medina und Kufa war nun Damaskus Hauptstadt des Kalifenreiches.

Muawija starb 680 n. Chr. Er hatte noch zu Lebzeiten verfügt, dass das Kalifat auf seinen Sohn Jazid übergehen sollte. Dieser Beginn einer wirklichen Dynastie erregte jedoch in Kufa Missbehagen. Einfluss­reiche Persönlichkeiten in Kufa wollten Alis jüngeren Sohn al-Husain als Kalifen sehen. Al-Husain fiel jedoch am 10. Oktober 680 n. Chr.

[<<54]

in der Schlacht bei Kerbela und der kufische Putsch gegen Damaskus brach zusammen.

Der Tod des dritten Imams al-Husain bei Kerbela hatte jedoch für den Islam unerhörte Folgen. Jetzt nahm die Schia ihre eigentlichen Formen an. Die Blutsverwandten des Propheten, die als seine rechtmäßigen Nachfolger angesehen wurden: Ali, al-Hasan und al-Husain wurden gleichsam bis zum 11. Imam al-Hasan al-Askari (gest. 873/74 n. Chr.) als mit göttlicher Macht ausgestattet angesehen. Da der 11. Imam vermutlich kinderlos starb, wurde die Idee des verborgenen Imam entwickelt, der als Mahdi die Welt zu richten kommen wird. Diese Vorstellung fand jedoch nur im Osten, in Persien Anklang. Der überwiegenden Mehrzahl der Muslime kam es nicht auf einen göttlich inspirierten Imam, also auf eine göttliche Lehrautorität nach dem Propheten an.

Konkret bedeutete die Schia für den Kalifen Jazid jedoch keine Gefahr. Massiven Widerstand bekam er jedoch von Mekka und Medina aus zu spüren, wo sich Abdallah, der Sohn des in der Kamelschlacht gefallenen Zubair, mit seiner Anhängerschaft gegen Jazid verschwor. Jazid konnte zwar diesen Widerstand brechen, verstarb aber plötzlich 683 n. Chr. Sein Sohn, Muawija II., der nun in Damaskus zum Kalifen ausgerufen wurde, verstarb bereits 684 n. Chr. Daraufhin akzeptierten die meisten Provinzen Abdallah und das Reich schien für die Omajjaden verloren zu sein. Der aus einer Seitenlinie der Omajjaden stammende Merwan ibn al-Hakim nahm nun die Geschicke der Dynastie in seine Hand und rettete für sie das Reich in der Schlacht von Merdsch Rahit bei Damaskus. Abdallah hatte nach wie vor Mekka in der Hand. Erst Merwans Sohn Abd al-Malik gelang es, Mekka zurückzugewinnen. Abdallah kam dabei 692 n. Chr. ums Leben.

Auf Grund der Tatsache, dass Mekka lange von Abdallah besetzt war, ist es auch zu verstehen, dass die Kalifen Merwan ibn al-Hakim und Abd al-Malik nach einem weiteren religiösen Zentrum Ausschau hielten. Sie fanden es in Jerusalem, das arabisch „al-Quds“ (die Heilige) heißt. Vom heiligen Felsen Jerusalems durfte ja der Prophet nach islamischer Überlieferung die Himmelsreise antreten. Jerusalem wird nach Mekka und Medina die drittheiligste Stadt des Islam. Wie Abd al-Malik dies mit dem Bau des Felsendomes zu erreichen suchte, wurde bereits vorher erörtert.

[<<55]

5 Der Koran

Dem strengen Wortsinn nach heißt Koran „das (als Gottes geoffen­bartes Wort feierlich) zu Rezitierende.“ H. Bobzin (1999: 18–21) hat das Wort näher erläutert. Es bezeichnet: den „Vortrag eines Offenbarungstextes an ­Mohammed selbst“, den „öffentlichen Vortrag dieses Textes durch ­Mohammed“, den „Text selbst, der vorgetragen wird“ und „die Gesamtheit der vorzutragenden Texte, d. h. den Koran als Buch.“ (H. Bobzin 1999: 20)

Der Koran, wie er heute vorliegt, ist in 114 Abschnitte gegliedert, die „Suren“ genannt werden. Nach der ersten siebenversigen Sure, der „Eröffnenden“, sind die weiteren nach dem orientalischen Prinzip der absteigenden Länge geordnet, d. h. Sure 2 ist die längste und Sure 114 die kürzeste. Mit Ausnahme von Sure 9 beginnen alle mit der Segens­formel (Basmala): „Im Namen des Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen.“ Von der koranischen Bedeutung des Wortes „sura“ ist zu schließen, dass es mit Koran praktisch austauschbar ist, d. h. Sure ist quasi ein „Koran im Kleinen“ (H. Bobzin 1999: 22). Arabische Ausleger deuten Sura mit „Erhabenheit, die den Menschen überwältigt“.

Ursprünglich trugen die Suren keine Überschriften. Sie haben sich jedoch schon in früher Zeit eingebürgert. Sie beziehen sich durchwegs auf einen zentralen Begriff der Sure. Die einzelne Sure ist in Verse unterteilt. Es war ebenfalls schon eine frühe Gewohnheit, die Anzahl der Verse einer Sure wie eine Art Überschrift beizufügen und zu nennen, ob sie in Mekka oder Medina geoffenbart wurde. Die Verseinteilung ist jedoch nicht völlig einheitlich. Heute hat sich die kufische Verszählung, wie sie auch die offizielle ägyptische Koranausgabe verwendet, gegenüber der Flügelischen (G. Flügel 1842) durchgesetzt. Viele Suren enthalten vor dem Text des 1. oder 2. Verses arabische Buchstaben, deren Bedeutung nicht völlig geklärt ist. Manche vertreten die Auffassung, dass dies Siegel der Schreiber ­Mohammeds seien.

Im 19. und 20. Jahrhundert ist es bereits gelungen, ausgehend von der koranischen Unterscheidung in mekkanische und medinensische Suren, eine genauere zeitliche Entstehungszeit festzulegen (Th. Nöldecke 1860; F. Schwally 1909 und 1919; F. Schwally/O. Pretzl 1938; vgl. A. Neuwirth I 2011). Dabei muss aber auch immer wieder beachtet werden, dass z. B.

[<<56]

eine Sure der mekkanischen von ­Mohammed selber in der medinen­sischen Zeit ergänzt wurde.

Folgende Aufzählung kann daher unter diesem Vorbehalt die zeitliche Entstehung der Suren darstellen:

• Suren der ersten mekkanischen Phase (ca. 610–615 n. Chr.) = 1mkk: 96, 74, 111, 106, 108, 104, 107, 102, 105, 92, 90, 94, 93, 97, 86, 91, 80, 68, 87, 95, 103, 85, 73, 101, 99, 82, 81, 53, 84, 100, 79, 77, 78, 88, 89, 75, 83, 69, 51, 52, 56, 70, 55, 112, 109, 113, 114, 1.

• Suren der zweiten mekkanischen Phase (ca. 615–616 n. Chr) = 2mkk: 54, 37, 71, 76, 44, 50, 20, 26, 15, 19, 38, 36, 43, 72, 67, 23, 21, 25, 17, 27, 18.

• Suren der dritten mekkanischen Phase (617–622 n. Chr.) = 3mkk: 32, 41, 45, 16, 30 (diese Sure könnte auch zur zweiten Phase gehören), 11, 14, 12, 40, 28, 39, 29, 31, 42, 10, 34, 35, 7, 46, 6, 13.

• Suren der medinensischen Phase (622–632 n. Chr.) = med: 2, 98, 64, 62, 8, 47, 3, 61, 57, 4, 65, 59, 33, 63, 24, 58, 22, 48, 66, 60, 110, 49, 9, 5.

[<<57]

Die Namen der Suren, Versanzahl und Entstehungszeit:

001. Die Eröffnende (al-fatiha), 7 Vv, 1mkk.

002. Die Kuh (al-baqara), 287 Vv, med.

003. Die Sippe Imrans (al-Imran), 201 Vv, med.

004. Die Frauen (an-nisa), 177 Vv, med.

005. Der Tisch (al-maida), 121 Vv, med.

006. Das Vieh (al-anam), 165 Vv, 3mkk.

007. Die Höhen (al-araf), 206 Vv, 3mkk

008. Die Beute (al-anfal), 75 Vv, med.

009. Die Buße (at-tauba), 129 Vv, med.

010. Jona (Junus), 109 Vv, med.

011. Hud, 123 Vv, 3mkk.

012. Joseph (Jusuf), 111 Vv, 3mkk.

013. Der Donner (ar-rad), 43 Vv, 3mkk.

014. Abraham (Ibrahim), 52 Vv, 3mkk.

015. Al-Hidschr, 99 Vv, 2mkk.

016. Die Biene (an-nahl), 128 Vv, 3mkk.

017. Die Nachtreise (al-Isra), 111 Vv, 2mkk.

018. Die Höhle (al-kahf), 110 Vv, 2mkk.

019. Maria (Marjam), 98 Vv, 2mkk.

020. Ta Ha, 135 Vv, 2mkk.

021. Die Propheten (al-anbija), 112 Vv, 2mkk.

022. Die Wallfahrt (al-hadsch), 78 Vv, med.

023. Die Gläubigen (al-muminun), 118 Vv, 2mkk.

024. Das Licht (an-Nur), 64 Vv, med.

025. Die Rettung (al-furqan), 77 Vv, 2mkk.

026. Die Dichter (asch-schuara), 227 Vv, 2mkk.

027. Die Ameisen (an-naml), 93 Vv, 2mkk.

028. Die Geschichte (al-qasas), 88 Vv, 3mkk.

029. Die Spinne (al-ankabut), 69 Vv, 3mkk.

030. Die Byzantiner (ar-Rum), 60 Vv, 3mkk.

031. Luqman, 34 Vv, 3mkk.

032. Die Anbetung (as-sadschda), 30 Vv, 3mkk.

033. Die Verbündeten (al-ahzab), 73 Vv, med.

034. Saba (Saba), 64 Vv, 3mkk.

035. Die Engel (al-malaika)/ der Schöpfer (al-Fatir), 45 Vv, 3mkk.

036. Ja Sin, 83 Vv, 2mkk.

037. Die sich Reihenden (as-saffat), 182 Vv, 2mkk.

038. Sad, 88 Vv, 2mkk.

039. Die Scharen (az-zumar), 75 Vv, 3mkk.

040. Der Vergebende (ghafir), 85 Vv, 3mkk.

041. Erklärt (fussilat), 54 Vv, 3mkk.

042. Die Beratung (asch-schura), 53 Vv, 3mkk.

043. Der goldene Prunk (az-zuchruf), 89 Vv, 2mkk.

044. Der Rauch (ad-duchan), 59 Vv, 2mkk.

045. Das Knien (al-dschathija), 37 Vv, 3mkk.

[<<58]

046. Die Dünen (al-ahqaf), 35 Vv, 3mkk.

047. ­ ­Mohammed (Muhammad), 38 Vv, med.

048. Der Sieg (al-fath), 29 Vv, med.

049. Die Gemächer (al-hudschurat), 18 Vv, med.

050. Qaf, 40 Vv, 2mkk.

051. Die Aufwirbelnden (adh-dharijat), 60 Vv, 1mkk.

052. Der Berg (at-Tur), 49 Vv, 1mkk.

053. Der Stern (an-nadschm), 62 Vv, 1mkk.

054. Der Mond (al-qamar), 55 Vv, 2mkk.

055. Der Barmherzige (ar-Rahman), 78 Vv, 1mkk.

056. Die Katastrophe (al-waqia), 96 Vv, 1mkk.

057. Das Eisen (al-hadid), 29 Vv, med.

058. Der Streit (al-mudschadala), 22 Vv, med.

059. Die Versammlung (al-haschr), 24 Vv, med.

060. Die Prüfung (al-mumtahina), 13 Vv, med.

061. Die Schlachtordnung (as-Saff), 14 Vv, med.

062. Das Versammeln (al-dschumua, 11 Vv, med.

063. Die Heuchler (al-munafiqun), 11 Vv, med.

064. Die Übervorteilung (at-taghabun), 18 Vv, med.

065. Die Scheidung (at-talaq), 12 Vv, med.

066. Das Verbot (at-tahrim), 12 Vv, med.

067. Das Reich (al-mulk), 30 Vv, 2mkk.

068. Das Schreibrohr (al-qalam), 52 Vv, 1mkk.

069. Die Stunde der Wahrheit (al-haqqa), 44 Vv, 1mkk.

070. Die Himmelsleiter (al-maaridsch), 44 Vv, 1mkk.

071. Noah (Nuh), 28 Vv, 2mkk.

072. Die Dschinn (al-dschinn), 28 Vv, 2mkk.

073. Der Verhüllte (al-muzzamil), 20 Vv, 1mkk.

074. Der Bedeckte (al-muddaththir), 56 Vv, 1mkk.

075. Die Auferstehung (al-qijama), 40 Vv, 1mkk.

076. Der Mensch (al-insan), 31 Vv, 2mkk.

077. Die Entsandten (al-mursalat), 50 Vv. 1mkk.

078. Die Kunde (an-naba), 40 Vv, 1mkk.

079. Die Ausziehenden (an-Naziat), 46 Vv, 1mkk.

080. Er runzelt die Stirn (abasa), 42 Vv, 1mkk.

081. Das Einhüllen (at-takwir), 29 Vv, 1mkk.

082. Das Zerspalten (al-infitar), 19 Vv, 1mkk.

083. Die das Maß verkürzen (al-mutaffifin), 36 Vv, 1mkk.

084. Das Zerbrechen (al-inschiqaq), 25 Vv, 1mkk.

085. Die Sternbilder (al-burudsch), 22 Vv, 1mkk.

086. Der Nachtstern (at-tariq), 17 Vv, 1mkk.

087. Der Höchste (al-Ala), 19 Vv, 1mkk.

088. Das überschattende Ereignis (al-Ghadschija), 26 Vv, 1mkk.

[<<59]

089. Die Morgenröte (al-Fadschr), 30 Vv, 1mkk.

090. Die Ortschaft (al-balad), 20 Vv, 1mkk.

091. Die Sonne (asch-Schams), 15 Vv, 1mkk.

092. Die Nacht (al-lail), 21 Vv, 1mkk.

093. Der Morgen (ad-duha), 11 Vv, 1mkk.

094. Das Weiten (asch-scharh), 8 Vv, 1mkk.

095. Die Feige (at-tin), 8 Vv, 1mkk.

096. Das sich Anklammernde (al-alaq), 19 Vv, 1mkk.

097. Die Bestimmung (al-qadr), 5 Vv, 1mkk.

098. Der klare Beweis (al-bajjina), 8 Vv, med.

099. Das Erbeben (az-zalzala), 8 Vv, 1mkk.

100. Die Laufenden (al-adijat), 11 Vv, 1mkk.

101. Das Getöse (al-qaria) 11 Vv, 1mkk.

102. Das Streben nach mehr (at-takathur), 8 Vv, 1mkk.

103. Der Nachmittag (al-asr), 3 Vv, 1mkk.

104. Der Verleumder (al-humaza), 9 Vv, 1 Mkk.

105. Der Elefant (al-fil), 5 Vv, 1mkk.

106. Die Quraisch (Quraisch), 4 Vv, 1mkk.

107. Die Hilfeleistung (al-maun), 7 Vv, 1mkk.

108. Der Überfluss (al-kauthar), 3 Vv, 1mkk.

109. Die Ungläubigen (al-kafirun), 6 Vv, 1mkk.

110. Die Hilfe (an-nasr), 3 Vv, med.

111. Die Palmfasern (al-masad), 5Vv, 1mkk.

112. Das Einheitsbekenntnis (al-ichlas), 4 Vv, 1mkk.

113. Das Morgengrauen (al-falaq), 5 Vv, 1mkk.

114. Die Menschen (an-nas), 6 Vv, 1mkk.

[<<60]

Pulsuz fraqment bitdi.

13,23 ₼

Janr və etiketlər

Yaş həddi:
0+
Həcm:
255 səh. 9 illustrasiyalar
ISBN:
9783846337288
Naşir:
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
Yükləmə formatı:

Oxşar kitablar