Kitabı oxu: «100 Traumhäuser»

Şrift:

100
TRAUMHÄUSER

Die schönsten Einfamilienhäuser für jedes Budget und jedes Grundstück

Wolfgang Bachmann Katharina Matzig


Inhalt

Vorwort

Maßgeschneidert wohnen, leben und wohlfühlen

Haus mit Seele

Baumeister DI Jürgen Haller

Haus mit Haltung

BUB architekten

Das Haus als Therapie

Steimle Architekten

Seewarte

Dietrich | Untertrifaller Architekten

Feste Burg

savioz fabrizzi architectes

Ein klassisches Steinhaus

Petra und Paul Kahlfeldt Architekten

Haus 11 x 11

Titus Bernhard Architekten

Umbau eines Stalls zum Wohnhaus

Ruinelli Associati Architetti

Das Jahreszeitenhaus

Jurek Brüggen Arch BSc ETH + KOSA Kopp Sailer Architekten

Haus mit Seeblick

studioRAUCH

Kunst im Bau

fabi architekten

Diskreter Rückzug

NIEBERG ARCHITECT atelieraxelnieberg

Wohnen, wo andere Urlaub machen

bergmeisterwolf architekten

Weiterbauen im Weiler

pedevilla architects

Haus am Hang

Jürgen Mayer H.

Erweiterung eines Wohnhauses

denzer & poensgen

Nachhaltiges Holzhaus

Marion Wicher Architektur

Den See im Blick

Daluz Gonzalez Architekten

Kraftort

Innauer Matt Architekten

Expressiv aus Tradition

coido architects (coido GmbH)

Zwei, drei, eins

Pavol Mikolajcak Architects

Kleine Welle

werk A architektur

Einzelstück

pedevilla architects

Luxus der Lage

Michele Arnaboldi Architetti

Dorfschönheit

bernardo bader architekten

Ein Haus für Mensch und Moos

Architekt Andreas Gruber

Längsgestreift

EBERLE ARCHITEKTEN

Brandzeichen

Backraum Architektur

Verwandlungskunst

Davide Macullo Architects

Phasenverschiebung

Architekten Luger & Maul ZT GmbH

Auf sechs Pfeilern

Bearth & Deplazes Architekten

Neues Bauen in der Altstadt

hehnpohl architektur

Quadratisch, praktisch, sehr gut

Cukrowicz Nachbaur Architekten ZT GmbH

Landhaus

Modersohn & Freiesleben Architekten Partnerschaft mbB

Betonfindling

Steimle Architekten

Spitzenarchitektur

Falke Architekten

Ein Treppenhaus

LP architektur ZT GmbH

Fundstück

RAINER ROTH ARCHITEKT

Haus über dem See

Wespi de Meuron Romeo Architekten

Das Glashaus

Liebel/Architekten

Fernost im Osten

Thomas Kröger Architekten

Umbauen und bleiben

Jochen Specht

Mehrgenerationenhaus

Christine Remensperger

Fels in der Brandung

koeberl doeringer architekten

Haus mit Garten, mitten in Berlin

asdfg Architekten, Loeper Schmitz Grenz PartGmbB

Effizienter Dreiklang

GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH

Berg- und Talhaus

atelier AMC sa

Behauste Scheune

bernardo bader architekten

Wohnhaus mit Pferdestallungen

Schneider & Schneider Architekten

Bauhaus, Baujahr 2018

Kupferschmidt Architekten GmbH

Kulturbau

Titus Bernhard Architekten

Gartenhaus

bfs d flachsbarth schultz, Stefan Flachsbarth, Michael Schultz

Wohnscheune in den Bergen

architektur.terminal hackl und klammer

Wohne lieber ungewöhnlich

Katrin Hootz Architektengesellschaft mbH

Unentdeckte Moderne

Büro 4 Wagner + Partner

Ein Haus fürs Bad

Corneille Uedingslohmann Architekten

Naturschauspiel

Falkenberg

Freundlicher Fremdkörper

BIEHLER WEITH building design projects

Das Dorfhaus

Davide Macullo Architects

Burg aus Beton

Davide Macullo Architects

Ornament und Konstruktion

AFF architekten und stephan hahn architekt & zimmerer

Im schwarzen Bereich

SoHo Architektur

Aquarius

lynx architecture

Faltung

bergmeisterwolf architekten

Klassische Moderne

Axel Steudel Architekten

High Performance, Low Tech

Bearth & Deplazes Architekten

Haus mit Hof

denzer & poensgen

Bergbau

savioz fabrizzi architectes

Das Pentagon

MoDus Architects

Über den Wiesen

Markus Schietsch Architekten

Wie ein Felsen im Berg

bottega + ehrhardt architekten

Wohnhaus in Traumlage

Baumeister DI Jürgen Haller und Peter Plattner

Drei Einfamilienhäuser

Marques Architekten AG

Das Rundherumhaus

mia2/ARCHITEKTUR

Länge läuft

Beer Bembé Dellinger Architekten

Fenster zum See

studioRAUCH

Nachhaltig eingenistet

Georg Bechter Architektur+Design

Ein Sonnenhaus

Manfred Lux Architekt

Wohnen und werken

Thomas Kröger Architekten

Haus auf einer Jura-Wiese

Pascal Flammer

Reduce, reuse, recycle

André Rösch Architekt

Weinstock-Bau

L3P Architekten

Organische Architektur

Finsterwalderarchitekten

Schutzhütte im Laternsertal

Marte.Marte Architekten ZT GmbH

Archetypus

bernardo bader architekten

Feinheiten

Innauer Matt Architekten

Urhütte und Villa

CLAVIEN ASSOCIÉS

Haus über der Landschaft

HHF architekten GmbH

Das Reihenhofhaus

habermann.decker.architekten PartGmbB

Nah am Wasser gebaut

VOITH Architektur + Stadtplanung

Dorferneuerung

Architekt Daniel Ellecosta

Living in a box

Berschneider + Berschneider Architekten

Haus, Halle und Hof

Baumeister DI Jürgen Haller

Landluft

Thomas Kröger Architekten

Regional, rural, phänomenal

Cukrowicz Nachbaur Architekten ZT GmbH

Sanierung eines Bauernhauses

Katrin und Otto Brugger

Panoramastube

Dietrich | Untertrifaller Architekten

Aus einem Guss

Fischer Schmieder Architekten

Ein Heustadel bleibt

Architekten Luger & Maul ZT GmbH

Das Korkenzieherhaus

rundzwei Architekten

Adressverzeichnis

Impressum


Vorwort

Maßgeschneidert wohnen, leben und wohlfühlen

„Wohnst du noch oder lebst du schon?“ Seit 2002 wirbt ein schwedisches Möbelhaus mit dieser Frage. Der Slogan ist nicht nur äußerst einprägsam und erfolgreich, er ist zudem staunenswert klug: Beschreibt er doch, dass Wohnen und Leben nicht a priori dasselbe bezeichnen. Wer sein Zuhause von einer schlichten Behausung in einen Ort des Wohlfühlens verwandeln will, in einen Ort, der der Geselligkeit ebenso Raum gibt wie dem Rückzug und der Platz bietet zum Spielen, Arbeiten, Erholen – zum Leben eben –, muss ihn gestalten und dazu machen.

Die Sehnsucht danach liegt uns Menschen im Blut, unser Streben nach einem Wohnwert, der zugleich lebens- und liebenswert ist, geht viel weiter zurück als ins Jahr 2002. Auch wenn paläoanthropologische Erkenntnisse meinen, dass der Traum des Steinzeitmenschen nicht die Höhle, sondern die Laubhütte, ein Baum oder das lederne Zelt gewesen sein könnten, bemüht sich der Mensch von Beginn an um eine Stätte des Schutzes und des Wohlbefindens. Über Höhle, Nest oder Zelt sind wir längst hinaus: Zeitgemäße Traumhäuser ermöglichen auf vielfältige Weise ein traumhaftes Leben. Sie können kostengünstig und bescheiden sein, repräsentativ und luxuriös. Sie sind aus Holz konstruiert oder aus Beton, Stahl oder Mauerwerk, mit Glas, Aluminium, Stoff oder Kork umhüllt, stehen auf dem Land, im Dorf oder der Stadt, am Hang oder am Wasser. Sie sind klein oder groß, im Grundriss und in der Form kompakt oder raumgreifend. Das Traumhaus kann ein Altbau sein, der energetisch und räumlich zukunftsfähig saniert, umgebaut oder erweitert wurde. Oder ein Neubau, der bereits bei der Planung die sich wandelnden Bedürfnisse seiner Bewohner berücksichtigt. Nur in einem Punkt sind die in diesem Buch vorgestellten Häuser der letzten zehn Jahre vergleichbar: Alle erfüllen allerhöchste Ansprüche an die Qualität, das heißt: an die angemessene Einbettung in den Kontext, die zeitgemäße und zukunftsweisende Nachhaltigkeit und Energieeffizienz sowie die herausragende Gestaltung der Innen- ebenso wie der Außenräume.

Seit 2011 suchen das Deutsche Architekturmuseum und der Callwey Verlag beim Wettbewerb „Häuser des Jahres“ jedes Jahr aufs Neue die 50 besten neu erbauten Einfamilienhäuser im deutschsprachigen Raum, in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Südtirol. Dafür sichten, diskutieren und werten die renommierten Jurys jedes Jahr an die 200 Einreichungen, um die architektonisch überzeugendsten, lebenswertesten Wohnträume zu finden. Versammelt werden sie, Jahr für Jahr, in dem Buch „Häuser des Jahres“. Bis 2016 erschien es unter der Redaktion von Dr. Wolfgang Bachmann, seit 2017 zeichne ich als Autorin verantwortlich. Die hier zusammengestellten 100 Traumhäuser wurden also zweimal ausgezeichnet, um eine baulich manifestierte Antwort zu geben auf die eingangs gestellte Frage. Sie werden ausführlich in den von Wolfgang Bachmann und mir verfassten Texten beschrieben und mit professionellen Fotos bebildert. Pläne – in der Regel im Maßstab 1:400 und Lagepläne im Maßstab 1:2000 – wurden von den Architekten ebenso zur Verfügung gestellt wie Angaben zu Wohn- und Nutzfläche, Grundstücksgröße, dem Jahr der Fertigstellung, Anzahl der Nutzer, der Bauweise, zum Teil auch von Baukosten und Energiekennwerten. Von der Stange kaufen, wie bei IKEA, lassen sie sich nämlich nicht: „Die Planung eines Einfamilienhauses ist wie das Anfertigen eines Maßanzugs: exaktes Maßnehmen, besprechen, abwägen, ausprobieren, ändern. Und wieder von vorne. Am Ende soll es perfekt passen“, so beschreibt die Wiener Architektin Johanna Schuberth vom Büro Schuberth und Schuberth Architektur und Innenarchitektur, deren Haus als eines der „Häuser des Jahres 2020“ ausgewählt wurde, die Zusammenarbeit zwischen Architekt und Bauherr.

Wohnst du noch oder lebst du schon? Wir sind sicher: Die Bewohner der 100 Traumhäuser kennen die Antwort. Sie lautet: Wir leben, indem wir maßgeschneidert wohnen.

Katharina Matzig

100
TRAUMHÄUSER


Haus mit Seele

Markant und bescheiden, elegant und wohnlich.

Lustenau liegt im Westen des Bundeslandes Vorarlberg, die Gemeinde grenzt an die Schweiz. Am Ortsrand hatte die Bauherrin ein Grundstück geerbt, nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt, direkt am Rheindamm. Von der Homepage und aus Publikationen kannte die junge Familie Projekte von dem Mellauer Büro von Jürgen Haller. „Häuser mit Seele“, wie sie der Architekt selbst beschreibt. So eines wünschte sie sich auch. Dass die Ansprüche an Qualität und Ästhetik hoch, das Budget allerdings eher niedrig war, stellte zwar eine besondere Herausforderung an Jürgen Haller dar – doch er traute sich zu, den garantierten Kostenrahmen auch einzuhalten, und behielt recht.

Das zweigeschossige Gebäude in Holzriegelbauweise ist in die Aulandschaft eingebettet, sein kompaktes Volumen trotzt den umliegenden Wohnbauten. Eine Weißtannenfassade aus vertikalen Latten in verschiedenen Breiten, unterschiedlich dicht aneinandergefügt, umhüllt das Wohnhaus. Wo nötig, sorgt die geschlossene Fassade für Privatheit, wo gewünscht, wird das Licht gefiltert: Der Grad der Öffnung reagiert auf die Bewegungsabläufe der Familie, auf Raumsequenzen und Blickbezüge in die umgebende Natur.

Das Gebäude wird über die nordseitige Zufahrt erschlossen, Garage und Abstellraum sind in das Volumen des Baukörpers integriert. Der Eingangsbereich ist eingeschnitten und kann auf ein Vordach verzichten, er führt zur Garderobe, zum Koch- und Essbereich sowie dem Bad. Der Wohnraum ist abgetrennt. Im Obergeschoss wurden die Schlafräume mit Bädern sowie ein Büro und ein Allzweckraum mit Technikbereich untergebracht.

Diese Ebene wurde relativ einfach und günstig materialisiert, Weißtannentäfer sorgt für Wärme und Geborgenheit. Im Erdgeschoss sind die Innenwände und Möbel in Massivholz ausgeführt, der dunkelgraue, geschliffene Zementestrich sowie das graue Küchen- und das Kaminsitzmöbel setzen sich elegant davon ab. Die Ausschnitte für Terrassen und Loggien wurden tief und geräumig ausgeführt, sie bilden attraktive Räume zwischen innen und außen, öffentlich und privat.


Oben: Das Wechselspiel von offenen und geschlossenen Fassadenflächen bestimmt das Aussehen des Hauses. Die Nachbarn waren froh, dass das relativ große Grundstück mit einem bescheidenen Einfamilienhaus bebaut wurde.

Unten: Sämtliche Baumaterialien wurden unbehandelt eingebaut. Ihre sinnliche Qualität entspricht messbaren Kriterien: Die Raumluft ist schadstofffrei, die Ökobilanz ausgezeichnet.

LAGEPLAN


OBERGESCHOSS


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1EINGANG

2LAGER

3KOCHEN/ESSEN

4WOHNEN

5TERRASSE

6WC

7GARAGE

8HAUSWIRTSCHAFT

9TECHNIK

10ARBEITEN

11SCHLAFEN

12BAD

QUERSCHNITT


LÄNGSSCHNITT


Standort: Lustenau (A)

Planungsbüro: Baumeister DI Jürgen Haller

Anzahl der Bewohner:

2

Wohnfläche (m2):

203

Grundstücksgröße (m2):

1.069

Bauweise: Holzbauweise

Energiestandard: Passivhaus

Baukosten: 375.000 Euro

Fertigstellung: 2018

Haus mit Haltung

Eine Villa in der Stadt: flexibel und funktional, wertig und wohnlich.

Mit seinen Villen und hübschen Klinkerhäusern inmitten englischer Gärten vermittelt Groß Flottbek, das seinen Namen der Flottbek verdankt, die früher als Bach in Richtung Elbe floss und heute unterirdisch verläuft, im Westen Hamburgs den Eindruck eines großzügigen Landschaftsparks. Die elegant-minimalistische Villa der Hamburger Architektin Alexandra Bub passt somit bestens an diesen Ort. Die Zusammenarbeit mit zwei Architekturbüros vorher war bereits gescheitert. Das im Sommer 2017 fertiggestellte Haus, in dessen Entwurfsprozess die Bauherren von der Architektin intensiv einbezogen wurden, stellt nun alle zufrieden und entspricht zudem der Groß Flottbeker Tradition. Zurückhaltend und doch selbstbewusst reiht sich das Haus ein in die lose Folge freistehender Einfamilienhäuser. Zwei im rechten Winkel aneinanderstoßende Kuben bestimmen die kantige, eindeutig heutige Gestalt: die vorspringende Garage sowie das annähernd quadratische, zweigeschossige Wohngebäude. Zur Straße geben sich die Fassaden geschlossen. Ein warmtoniger, wassergestrichener Klinker verblendet die Außenwände, der Fugenmörtel wurde auf die hellen Steine abgestimmt und flächig aufgebracht, zusammen mit dem hellen Eichenholz der Fenster und Türen vermittelt sich eine einladende Atmosphäre. Innen öffnet sich ein Raumkontinuum: Über das Entree gelangt man in den nach Süden raumhoch verglasten Wohnbereich, an den sich im Westen Essplatz und Küche sowie im Osten Musikzimmer und Büro anschließen. In der Mitte bleibt Platz für eine zweiläufige Treppe sowie Garderobe und Bad. Das Obergeschoss springt auf ganzer Breite auf der Gartenseite zurück und macht Platz für eine großzügige Dachterrasse. Im Westen wurden zwei Kinderzimmer, im Osten der Elterntrakt angeordnet. Ein Lichthof belichtet den Gäste- und Wellnessbereich im Untergeschoss. Ebenso komfortabel wie funktional und schön lässt sich hier leben. Und das auf lange Sicht: Bereits vorgedacht ist eine mögliche Teilung in drei Einheiten, sodass sich das Gebäude an die sich ändernden Bedürfnisse der Familie anpasst.

Oben: Die Gartenfassade springt zurück und macht einem geschützten Außenraum Platz.

Unten: Die Einbaumöbel aus Eichenholz wurden von der Architektin entworfen. Sie entsprechen dem eleganten Erscheinungsbild des reduzierten Hauses.

LAGEPLAN


OBERGESCHOSS


KELLERGESCHOSS


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1EINGANG

2GARDEROBE

3HAUSWIRTSCHAFT

4KOCHEN/ESSEN

5WOHNEN

6ARBEITEN

7WC

8KINDER

9GALERIE

10ELTERN

11ANKLEIDE

12BAD

13TECHNIK

14SAUNA

15GÄSTE

16ABSTELL

17WASCHKÜCHE

18WEIN

QUERSCHNITT


Standort: Hamburg

Planungsbüro: BUB architekten

Anzahl der Bewohner:

5

Wohnfläche (m2):

335

Grundstücksgröße (m2):

1.238

Zusätzliche Nutzfläche (m2): 44

Bauweise: Massivbauweise mit Verblendfassade

Energiestandard: KfW 70

Fertigstellung: 2017

Das Haus als Therapie

Offene Mitte: Familienleben im und um das Außenzimmer herum.

Gegensätze ziehen sich an. Zumindest für das Ehepaar, das sich hoch über Tübingen ein Haus für sich, drei Kinder, Hund und Katze bauen lassen wollte, scheint dieser Spruch zu stimmen: Die Bauherrin nämlich wünschte sich einen transparenten, kommunikativen Wohnraum, während der Bauherr einen uneinsehbaren Ort der Ruhe suchte. Empfohlen für die Lösung dieses scheinbar unlösbaren Problems wurden den beiden Christine und Thomas Steimle, die ein Büro in Stuttgart führen.

Der Spagat aus einladend und abgeschottet, ruhig und kommunikativ, leicht und massiv ist offenbar geglückt. Selbstbewusst schließt der skulpturale Baustein eine Lücke in der bestehenden Hangbebauung. In Form eines polygonalen C legt er sich an und in die Topografie. Präzise Einschnitte für Türen und Fenster wurden dem kantigen Betonbau zugefügt, sie sind mit eloxierten Aluminiumtafeln ausgekleidet und sorgen mit ihrer horizontalen Anordnung für Ruhe.

Das Raumprogramm verteilt sich sinnfällig über drei Etagen, die über eine einläufige Holztreppe im mittigen Bauteil miteinander verbunden sind. Der Wohnbereich mit Bibliothek befindet sich auf der Gartenebene, etwas erhöht öffnen sich Kochen und Essen bis ins Obergeschoss. Dort liegen Schlafzimmer und zwei Bäder. Die Garage, Nebenräume sowie ein Studio wurden in den Hang gebaut.

Ein kleiner Hof am Ende des kürzeren Gebäudeschenkels sorgt für Luft und Licht. Optischer und kommunikativer Mittelpunkt des Hauses ist das offene Atrium auf Gartenniveau, es kann von allen Seiten betreten werden. Die großflächigen Sky Frames ermöglichen zudem Blicke quer durch das Erdgeschoss. Das helle Parkett auf dem Boden läuft durch, das Wohnzimmer wird zu Terrasse und Pooldeck.

In den lichten Innenräumen wurden die erforderlichen Stauräume als Einbaumöbel platzsparend in die Wandflächen integriert. Die Glasfassade auf der Südseite ermöglicht passive Solargewinne in den kalten Jahreszeiten, gegen Überhitzung im Sommer schützt außenliegender textiler Sonnenschutz. Die weitgehend fensterlose Nordfassade ist hoch wärmegedämmt.


Oben links: Außenzimmer – der Grundriss umschließt auf drei Seiten die intime Terrasse. Das helle Parkett verbindet drinnen mit draußen.

Oben rechts: Horizontale Aluminiumstreifen gliedern den geschliffenen Betonbau.

Unten: Tiefe, Höhe, Licht und Luft bestimmen die Innenräume. Die Architekten planten die Innenräume mit. Einbaumöbel schaffen Stauraum.

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe und ein natürliches Lüftungskonzept gewährleisten im Winter Wärme ohne herkömmliche Heizung und im Sommer Kühle ohne Klimaanlage. Der Tiefhof temperiert die Luft.

LAGEPLAN


OBERGESCHOSS


UNTERGESCHOSS


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1EINGANG

2BIBLIOTHEK

3WOHNEN

4KOCHEN/ESSEN

5ATRIUM

6BAD

7SCHLAFEN

8LAGER

9TECHNIK

10HAUSWIRTSCHAFT

11ZIMMER

12LICHTHOF

Standort: Tübingen

Planungsbüro: Steimle Architekten

Anzahl der Bewohner:

5

Wohnfläche (m2):

365

Grundstücksgröße (m2):

1.102

Zusätzliche Nutzfläche (m2): 169

Bauweise: Beton, massiv

Fertigstellung: 2014

Seewarte

Das Ufergrundstück am Tegernsee wird regelmäßig überflutet. Deshalb wurde das Wohnhaus als Pfahlbau errichtet und stellt sich damit in die Tradition der Bauten am Wasser.

Ein Haus, das an die Typologie der Boots- und Fischerhauser anschließt, wie ein Blick in den Innenraum zeigt, aber in seiner Ausformung durch seine Großzügigkeit Lichtjahre vom traditionellen Hüttenwesen entfernt bleibt. Die Wohnfläche von knapp 300 Quadratmetern ist auf einer Ebene angelegt. Alles scheint das Lagernde, Horizontale unter dem weiten, auskragenden Kupferdach zu betonen. Ein umlaufender Steg, der sich seewärts zur Terrasse verbreitert, lässt nicht im Ungewissen: Man befindet sich in einer zauberhaften Landschaft, nur wenige Schritte und man ist am Tegernsee. Ein paar schlanke Stahlstützen behindern nicht den Ausblick, sie könnten schon zu den Masten der voraus ankernden Jachten gehören.

Das Bauwerk ist als Holzkonstruktion ausgeführt, überwiegend wurde heimische Weißtanne verwendet. Die Außenverkleidung ist mit waagrechten Rhombusleisten ausgeführt. Die Aufständerung auf Stahlstützen über dem leicht geneigten Ufergrundstück dient als Schutz vor dem Hochwasser. Lediglich ein unterirdischer Technikraum, den man über einen Abgang neben der Garage erreicht, verlangte einen marginalen Eingriff in den Baugrund. Sonst blieb der natürliche Geländeverlauf erhalten, ein Wiesenpassepartout säumt das Gebäude. Nach außen an dem umlaufenden Steg zeichnet sich die innere Organisation ab: Es gibt fünf Raumgruppen, die an den 3 Meter breiten, bis unter den Dachfirst reichenden Mittelflur anschließen. Er ist allseitig mit Holz ausgeschlagen.

Licht kommt zusätzlich über punktuelle Dachflächenverglasungen, die helle Felder auf die Vertäfelung zeichnen. Zur Stirnseite und zwischen den Kompartimenten gibt es jeweils eine Querverbindung zu dem Steg ins Freie. Vor dem zum See orientierten, über die gesamte Hausbreite reichenden Wohn- und Esszimmer weitet sich der Flur zu einer Kücheninsel. Hinter den bündig in die Holzwände eingesetzten Türen verbergen sich drei Kinderzimmer, der Elternbereich, zwei weitere Nassräume, schließlich ein Büro und der Block mit Garage, Waschküche und Gästezimmer.

Oben links: Der umlaufende Steg verbreitert sich vor den Austritten zu windgeschützten Nischen.

Oben rechts: Selbst in Querrichtung beeindruckt das Haus mit seiner verschwenderischen Fläche.

Unten: Der weite Dachüberstand beschattet die „Wohnplattform“.

Der Grundriss ist funktional in Nutzungsgruppen gegliedert. Licht kommt über Dachluken in den Flur, sie werfen changierende Flecken auf die Wände.

LAGEPLAN


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1EINGANG

2KOCHEN

3ESSEN/WOHNEN

4ELTERN

5BAD

6KIND

7ARBEITEN

8WASCHEN

9GAST

10GARAGE

QUERSCHNITT


Standort: Bad Wiessee

Planungsbüro: Dietrich l Untertrifaller Architekten

Anzahl der Bewohner:

5

Wohnfläche (m2):

293

Grundstücksgröße (m2):

3.435

Bauweise: Holzbauweise

Heizwärmebedarf: 4 4,6 kWh/m2a

Fertigstellung: 2013

Feste Burg

Mit diesem Projekt kehren die Architekten zu den Grundlagen zurück: Räume und ihre Beziehung zueinander werden verstärkt durch den rauen und schlichten Charakter des Materials.

Das Haus steht in einer dicht und heterogen bebauten Gegend mit lauter unterschiedlichen Einfamilienhäusern. Ausgangspunkt für den Entwurf war die Idee, das gesamte Grundstück, auch die Außenräume, mit einer Bebauung zu definieren, die gesamte Parzelle also in das Architekturkonzept einzubeziehen.

Das ganz an die Nordkante gerückte Haus reicht dadurch scheinbar ringsum bis an die Grundstücksgrenzen. Dies wurde erreicht mit unterschiedlich hohen Gartenmauern, die die vom Rasterformat der Schaltafeln gezeichneten Betonfassaden als Polygon fortsetzen. Von außen sieht es aus, als faltete sich diese labyrinthisch geknickte Einfriedung schließlich zu einem kompakten schiefwinkligen Baukörper. Er verformt sich gemäß den gewünschten Bezügen zur Landschaft. Die innen von breiten Fensterzargen gerahmten „Durchbrüche“ in den zweischaligen, kerngedämmten Betonwänden orientieren sich zu den Alpengipfeln.

Besucher betreten das Haus über einen kurzen Wohnweg in einer Nische an der Nordseite, die Familie über den Eingang beim Carport. Hinter der Diele empfangen auf gleichem Niveau die Küche und der Essplatz mit einer langen Bank, deren Rückenlehne ist die betonierte Podestkante des höher gelegenen Wohnraums.

In Gegenrichtung erschließen einige Stufen eine Arbeitsbühne, die vom Elternzimmer mit eigenem Bad flankiert wird. Dieses Zwischengeschoss reicht bereits bis unter das Dach, von hier bieten sich „Sichtkorridore“ durch das Haus. Der weitere Treppenlauf endet auf einer Spielfläche vor den beiden Kinderzimmern, die sich ein zweites Bad teilen.

Innen und außen zeigt sich der Sichtbeton unverputzt. Seine plastischen Eigenschaften ermöglichten die Ausführung der vielfältigen dreidimensionalen Details. Der Beton inspirierte die Architekten zu Form und Maßstab des Gebäudes. Die Inneneinrichtung wurde in Eichenholz ausgeführt, um eine wohnlich-häusliche Dimension zu erreichen.

Zur Wärmeerzeugung für Heizung und Warmwasser reichen ein Pelletofen und einige Quadratmeter Sonnenkollektoren. Hinzu kommt eine mechanische Lüftung.


Oben links: Die Fensterzargen sind innen mit einem Stufenfalz angeschlagen, das verhindert Wärmebrücken und lässt das Haus von außen massiv und monolithisch erscheinen.

Oben rechts: Die Split-Level-Bauweise spart Verkehrsfläche. Der plastisch zu modellierende Beton inspirierte zu der „Wohnhöhle“ mit ihren vielfältigen Raumbeziehungen.

Unten links: Abweisend und bergend: Die Mauer sorgt für Geborgenheit im Hof. Die Fassade ist von den Schaltafeln wie mit Paketschnüren gezeichnet.

Unten rechts: Küche und Essplatz liegen auf einem Niveau, die Rückenlehne der Sitzbank stößt an die Kante des höher gelegenen Wohnraums.

LAGEPLAN


OBERGESCHOSS


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1ZUGANG

2BAD/WC

3KOCHEN/ESSEN

4WOHNEN

5ARBEITEN

6ELTERN

7KIND

8SPIELEN

9CARPORT

10SITZPLATZ

SCHNITT


Standort: Conthey (CH)

Planungsbüro: savioz fabrizzi architectes

Anzahl der Bewohner:

4

Wohnfläche (m2):

210

Grundstücksgröße (m2):

759

Zusätzliche Nutzfläche (m2): 400

Heizwärmebedarf: 47, 8 kWh/m2a

Energiestandard: SIA 380/1 2009

Fertigstellung: 2014

Ein klassisches Steinhaus

„Gute Architektur macht viel Arbeit“, resümieren Petra und Paul Kahlfeldt ihre in Proportion und Erscheinungsbild stets klassischen Bauten.

Ein Haus, dessen Grundrisse sich wie ein Ornament einprägen. Und als Bekenntnis gelten, dass es in der Baukunst keinen Fortschritt geben kann, sondern nur eine Entwicklung unseres Denkens. So steht dieses Anwesen als Manifest gegen die zufällige Pluralität der Gegenwartsarchitektur, die von immer neuen Theorien gestützt wird und durch das Talent der Ingenieure Halt findet.

Dieses Haus wurde mit einer zweischaligen Fassade gebaut. Die äußere Hülle ist aus 14 Zentimeter dicken Crailsheimer Muschelkalk-Steinen geschichtet. Sie ist selbsttragend, lagert auf einem eigenen Fundament und wird nur am Dachrand gesichert. Nach einer dünnen Luftschicht folgt eine Foamglas-Dämmung, das tragende Mauerwerk ist aus Kalksandsteinen errichtet. In die Öffnungen sind Eichenholzfenster oder -türen eingesetzt, oder sie sind als blinde Vertiefungen verschlossen und rhythmisieren die Fassade. Alle gliedernden Profile und Gesimse sind aus dem Block gearbeitet und bilden so ein homogenes Materialgefüge. Die ruhige Textur des Muschelkalks verbindet die Teile zu einem Ganzen von strenger, herber Einfachheit.

Zum Garten löst sich das Volumen in Stützen und Balken auf; sie bilden Loggien, Terrassen, Balkone oder umschreiben großzügig verglaste Räume. Jedes Material übernimmt die Funktion, die es leisten kann. Das geneigte Dach aus Eifel-Schiefer endet an den seitlichen Terrassen, hier setzt sich die Schräge als senkrechte Außenwand fort, sodass die Gartenfront dreigeschossig erscheint. Auf dem Flachdach liegen Solarkollektoren, außerdem ist zeitgenössische Energiespartechnik installiert, die Fußbodenheizung und Kühldecken versorgt.

Den Haupteingang markiert ein Portal mit kantigen Pfeilern und schwerem Architrav. Außerdem gibt es an den Schmalseiten jeweils einen Zugang für die Anlieferung und zum Garten. Gleichartige Räume, die sich emblematisch um eine zentrale Halle ordnen, stehen als Salons für das gesellschaftliche Leben zur Verfügung. Im Obergeschoss liegen Schlafräume mit Ankleiden und Bädern.

Oben: In der Gartenansicht löst sich das schatullenartige Gebäude in offene Strukturen auf. Balkone, Terrassen und Loggien nähern sich dem von großen Bäumen gesäumten Garten.

Unten links: Die Eingangsseite wirkt hermetisch. Die Öffnungen lassen ihre Bedeutung deutlich erkennen.

Unten rechts: Wohnhalle mit Sitzgruppe zum Garten: Das Erdgeschoss verfügt über Aufenthaltsräume, für die das altmodische Wort „Salon“ wieder angebracht ist.

LAGEPLAN


OBERGESCHOSS


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

SCHNITT OHNE MASSSTAB


Standort: München-Bogenhausen

Planungsbüro: Petra und Paul Kahlfeldt Architekten

Anzahl der Bewohner:

3

Wohnfläche (m2):

707

Grundstücksgröße (m2):

1.519

Zusätzliche Nutzfläche (m2): 100

Bauweise: massiv

Fertigstellung: 2012

Haus 11 x 11

Dem Entwurf liegt die Idee zugrunde, ein in seiner äußeren Erscheinung kompaktes, in der Materialanmutung homogenes Haus mit sparsamer Hüllfläche, aber größtmöglicher Nutzfläche zu schaffen.

Das Haus ist als bewohnbare Skulptur für eine Familie mit zwei Kindern gedacht, sein Äußeres bildet die innere Organisation ab. Die Auftraggeber arbeiten in der Kommunikationsbranche, sie verstehen ihr Haus als Icon, als zeichenhaftes Manifest für etwas Neues.

Auf die Außenwände, eine Konstruktion aus Stahlbeton und Holz sowie ein vorfabriziertes Dach aus OSB-Holzplatten, das auf den Gratbalken aufliegt, wird eine mehrschichtige schwarze Flüssigabdichtung aufgebracht. Als sichtbarer Abschluss des Baukörpers folgt eine hochkant stehende 4-x-8-Zentimeter-Lattung aus farbig lasierter Douglasie im Abstand von 4 Zentimetern oder dreimal 4 Zentimetern, wobei jedes zweite Holz ausgespart wird. Die Leisten sind ohne Konterlattung auf 3500 sondergefertigte Alublöcke geschraubt. Der Vorteil dieser Ausführung ist, dass in den senkrecht zu Dachgefälle und Wänden ausgerichteten Lamellen weder Laub noch Schmutz haften bleiben, die Entwässerung bei Regen und Schnee funktioniert so simpel wie bei einem Schirm. Durch die Schraffur entsteht ein ausgeprägt grafischer Charakter, den die unterschiedlich dichten, sehr präzisen Abstände der Lamellen noch betonen. Die Holzfenster sind exakt in diese Geometrie eingebunden, sie überspielen die Haus- und Dachkanten, was den Baukörper größer wirken lässt und innenräumlich für attraktive Ausblicke und guten Lichteinfall sorgt.


Oben: Ein Haus, das mit der Typologie des klassischen Einfamilienhauses kokettiert und dessen Dimensionen frei interpretiert. Die unterschiedlichen Lamellenabstände ergeben zusammen mit der leichten Hangneigung eine irritierende Perspektive. Ihre Grafik verändert scheinbar die Dimensionen.

Unten links: Präzise Schreinerarbeit schraffiert Dachflächen und Außenwände. Auch die Fenster fügen sich in die Ordnung der senkrechten Lamellen. Die Fenster spielen mit den Kanten der Kubatur. Es gibt sprossenlose Festverglasungen und Öffnungsflügel.

Unten rechts: Übereck verglast und deshalb besonders hell präsentiert sich das Wohnzimmer.

LAGEPLAN


OBERGESCHOSS


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1ZUGANG

2KOCHEN

3ESSEN

4WOHNEN

5KIND

6ELTERN

7BAD

8ANKLEIDE

SCHNITT


Standort: Wörthsee

Planungsbüro: Titus Bernhard Architekten

Anzahl der Bewohner:

4

Wohnfläche (m2):

182

Grundstücksgröße (m2):

1.300

Zusätzliche Nutzfläche (m2): 99

Bauweise: massiv, Stahlbeton

Heizwärmebedarf: 29,7 3 kWh/m2a

Primärenergiebedarf: 54 kWh/m2a

Fertigstellung: 2011

Umbau eines Stalls zum Wohnhaus

Vielleicht ist das typisch für die Schweiz: Was man historisch vorfindet, das will man erhalten. Was man selbst dazu beiträgt, gerade wenn es vom Durchschnittlichen abweicht, das muss man nicht nach außen zeigen.

Ein Stall am Dorfrand von Soglio, der noch bis in die späten Siebzigerjahre landwirtschaftlichen Zwecken diente, wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Obwohl das Gebäude schon einige Zeit leer stand, befand sich die Bausubstanz, Steinplattendach, Mauern und tragende Holzteile, noch in einem guten Zustand. Der rote Faden des Entwurfs bestand darin, die alte Scheune bestehen zu lassen und sich beim Ausbau an ihrer radikalen Materialreduktion zu orientieren. Zum einen waren äußere Einschränkungen maßgebend, weil man keinen Kran stellen konnte, zum anderen ging es darum, die alte Hülle mit den neuen Anforderungen zusammenwachsen zu lassen.

Für die Planer galt es, die Architektur auszubalancieren zwischen zeitgenössischen funktionalen Details, solidem Material und der verträglichen Annäherung an den erhaltenen alten Scheunenumriss. Der fehlende Kran und die groben Steinmauern führten zur Entscheidung, die Wände aus Stampfbeton und die Decken in Holz auszuführen. Damit ließ sich gleichzeitig die Anzahl der Materialien reduzieren. Nun stehen die Wände, gedämmt mit Schaumglas zwischen Beton und Stein, schwer und rau, ebenso massiv wirken die Ablageflächen. Im Eingangsbereich spürt man die Kieselsteine im Beton des Bodens, der sich mit Dielen aus rohem, unbehandeltem Eichenholz fortsetzt. Die Stahlfenster sind geschweißt. Die Außenmauern wurden restauriert, zu erneuernde Bretter wurden vor den Fenstern durch verstellbare Lamellen aus Eiche ersetzt. Auch für den kleinen Garten mit den beiden Innenhöfen wurden Stampfbeton für die Mauern und unbehauene Steine aus der Umgebung für eine einfache Pflasterung der Wege verwendet. Die rurale Bauweise mit ihren behäbigen Bossen und kunstlos gefügten Rundstämmen neben der scharfkantigen, jedoch ebenfalls fest und lagernd wirkenden modernen Fortsetzung ergab eine spannende Symbiose aus Alt und Neu. In einem offenen, zusätzlichen Wohnraum unterm Dach lässt sie sich hautnah erleben.

Oben: Wenn man nicht genau hinschaut, wird man die gediegene Wohnnutzung hinter den groben Stallwänden nicht entdecken. Nur die sauber betonierte Gartenmauer könnte ein Hinweis darauf sein, dass sich hier mehr als landwirtschaftliche Lagerfläche verbirgt.

Stampfbeton, geschweißte Stahlfenster und unbehandelte Eichendielen setzen die rohe Anmutung der ehemaligen Scheune fort. Material, Abmessungen, Körnung und Farbe entsprechen dem vorgefundenen Gebäude.

Der Eingriff orientiert sich nicht an folkloristischer Gemütlichkeit, um noch mehr traditionellen „Stallgeruch“ zu erzeugen, sondern zeigt durch scharfkantige, glatte Oberflächen, dass in der Gegenwart weitergebaut wurde.

LAGEPLAN


1. OBERGESCHOSS


2. OBERGESCHOSS


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1EINGANG

2SCHLAFEN

3WASCHKÜCHE

4WC/DUSCHE

5ABSTELLRAUM

6TECHNIK

7WOHNEN

8ESSEN

9KOCHEN

10BALKON/OFFENE TERRASSE

Standort: Soglio (CH)

Planungsbüro: Ruinelli Associati Architetti

Anzahl der Bewohner:

4–6

Wohnfläche (m2):

135

Grundstücksgröße (m2):

195

Zusätzliche Nutzfläche (m2): 30

Bauweise: massiv

Primärenergiebedarf: 11 kWh/m2a

Fertigstellung: 2009

Das Jahreszeitenhaus

Jahrtausendealt, modern interpretiert: Wohnen in Abhängigkeit von den Jahreszeiten.

Ein Haus ist ein Haus ist ein Haus. Das trifft in der Regel auf eine Immobilie zu. Wie der Name schon sagt: Sie steht unverrückbar an einem Ort und verfügt über eine feste Zahl an Quadratmetern. Beim Haus am See ist das jedoch anders: Es bietet im Sommer 170 Quadratmeter, im Winter schrumpft es auf 85, im Herbst und Frühling können 105 Quadratmeter bewohnt werden. Jahreszeitenkonzept nennt das Architekt Jurek Brüggen.

Das neue Haus platzierte der Architekt im Hang, inmitten der Bestandsgebäude auf der Insel. Um dem historisch gewachsenen Ensemble zu begegnen, wählte er das Bild eines vorgefundenen, schon immer da gewesenen Steins, der zu einem Haus ausgebaut wird. Gefertigt wurde dieser Stein aus massivem Beton, der Ausbau erfolgte in Holz. Alle Konstruktionsmaterialien bleiben sichtbar; freistehende, hölzerne Trennwände unterteilen den Innenraum des Betonhohlkörpers. Innenliegende Holzfenster schützen vor der Witterung. Ein leichter, kleiner Holzpavillon sitzt auf dem betonierten Sockel auf, von der umlaufenden Terrasse blickt man auf die vorbeifließende Havel. Eine Holztreppe, die gleichzeitig als Bücherregal dient, verbindet beide Geschosse.

Das Haus wird je nach Jahreszeit unterschiedlich genutzt: Im Winter ziehen sich die Bewohner in das Gartengeschoss zurück, im Sommer kommen Pavillon und Terrasse hinzu und verdoppeln die Wohnfläche. Durch Falttüren wird der Pavillon im Sommer geöffnet und in den Übergangsjahreszeiten geschlossen, ein horizontales Schiebefenster trennt ihn im Winter vom Gartengeschoss. Die mobile Küche wandert mit den Bewohnern. Die sich verkleinernde Wohnfläche spart im Winter Ressourcen, Bau- und Heizkosten. Die Dämmung ist auf das Gartengeschoss reduziert, Nord-, Ost- und Westseite sind in den Hang eingegraben, durch die Erdschicht wird das Haus zusätzlich isoliert. Die Abwärme des beheizten Erdgeschosses ermöglicht es zudem, den Pavillon in kalten Jahreszeiten als Wintergarten für die Pflanzen zu nutzen. Der nicht beheizte Raum wird im Winter zur weiteren Isolationsschicht für das Gartengeschoss.


Oben: Das Haus am See ist inmitten von vier bereits bestehenden Gebäuden entstanden, zwei sind denkmalgeschützt. Die Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde war intensiv und ausgesprochen konstruktiv. Ausblick und Zugang der bestehenden Gebäude sollten zudem nicht beeinträchtigt werden.

Unten links: Im Winter ziehen sich die Bewohner in das Gartengeschoss zurück, rund um das Treppen-Lese-Regal. Im Sommer verbindet das horizontale Schiebefenster mit dem Pavillon.

Unten rechts: Durch die großen Schiebefenster betritt man den zum Fluss abfallenden Garten mit dem steinernen Außenbecken.

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OBERGESCHOSS


SOMMER


WINTER

ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1EINGANG

2KOCHEN/ESSEN/WOHNEN

3SCHLAFEN

4BAD

5WC

QUERSCHNITT


LÄNGSSCHNITT


Standort: Auf der Insel Werder

Planungsbüro: Jurek Brüggen Arch BSc ETH + KOSA Kopp Sailer Architekten

Anzahl der Bewohner:

2

Wohnfläche (m2):

85–170

Grundstücksgröße (m2):

5.000

Bauweise: Massivbauweise, Beton, Holzbauweise

Fertigstellung: 2017

Haus mit Seeblick

Form follows function und feiert den Ausblick.

Stephan Rauch gehört zu den jüngeren Architekten in diesem Buch: Er gewann den BDA-Architekturpreis „max40 Junge Architekten 2016“ und ist momentan nominiert für den DAM Preis 2021. Zwei Häuser des Architekten, der während seiner Studienzeit drei Jahre als Journalist beim Bayerischen Fernsehen – vor allem bei der Serie „Traumhäuser“ – arbeitete, wurden für „100 Traumhäuser“ ausgewählt. Dies hier liegt in Wartaweil, einem der insgesamt sechs Ortsteile von Herrsching, etwa 40 Kilometer südwestlich von München am Ammersee unterhalb des Klosters Andechs. Das schmale, sich Richtung See aufweitende Grundstück liegt am Hang. Schon die Organisation der Baustelle forderte alle am Bau Beteiligten heraus. Das Baufeld war durch den Bebauungsplan vorgegeben und ließ keinen Gestaltungsspielraum. Fest stand zudem, dass die Bauherren – natürlich – den See im Blick behalten wollten. Stephan Rauch entwickelte einen längs geteilten Baukörper mit einer schmalen Nutzspange im Norden und einer Wohnspange im Süden, der sich von Ost nach West zum See streckt. Das Hanggefälle fängt das Gebäude durch drei jeweils einen halben Meter versetzte Bodenstufen auf. Die Dachscheibe verbleibt auf einer Höhe, die Räume staffeln sich daher und erreichen ihren „Höhepunkt“ im großzügig aufgeglasten Wohnzimmer. Doch selbst vom Schlafzimmer aus fällt der Blick auf den See: Es ist durch eine Glaswand, die bei Bedarf durch einen Vorhang geschlossen werden kann, von der in der Mitte des Hauses liegenden Küche getrennt, die offen in den Wohnraum übergeht. Die gesamte Länge des Hauses bleibt dadurch erlebbar. Ein durchgehendes Einbaumöbel teilt in Nord- und Südbereich. Es funktioniert als Schrank, Regal, Wand oder Durchgang und sorgt für ausreichend Stauräume, sodass das schlichte, kompakte Haus nicht nur außen, sondern auch innen schön aufgeräumt wirkt.

Oben: Das in Holzständerbauweise gefertigte Gebäude wurde mit zweifach schwarz lasierter Nut-Federbrettschalung verkleidet.

Unten links: Das hölzerne Einbaumöbel verläuft von Ost nach West und trennt in Nord und Süd. Es ist Wand, Schrank, Regal und Durchgang.

Unten rechts: Selbst vom Bett fällt der Blick auf den See: Die Schlafzimmerwand besteht aus Glas. Bei Bedarf kann sie mit einem Vorhang geschlossen werden.

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ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1EINGANG

2CARPORT

3SCHLAFEN

4KOCHEN/ESSEN

5WOHNEN

6ARBEITEN

7BAD

8WERKEN

9WC

10TECHNIK

LÄNGSSCHNITT


Standort: Herrsching am Ammersee

Planungsbüro: studioRAUCH

Anzahl der Bewohner:

2–3

Wohnfläche (m2):

136

Grundstücksgröße (m2):

2.729

Zusätzliche Nutzfläche (m2): 4

Bauweise: Holzständerbauweise auf massiver Bodenplatte

Energiestandard: EnEV

Fertigstellung: 2016

Kunst im Bau

Einfachheit ist kein konstruierter Minimalismus, der auf komplexen Details beruht, sondern Wertigkeit.

Die Vita des Künstlers Leo Schötz lautet komprimiert: „Geboren 1963 in Bad Kötzting, Studium der Kunstgeschichte an der Universität Regensburg, Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Heinz Butz und Prof. Horst Sauerbruch, 1991 mit Staatsexamen abgeschlossen. 2015/2016 Atelierneubau im Bayerischen Wald.“ Der Bayerische Wald meint hier ein Wiesengrundstück zwischen Pulling und Blaibach. Die Bedingungen für eine gedeihende Baukultur scheinen dort ausgesprochen gut zu sein. Der kleine Ort Blaibach ist durch das von Peter Haimerl gebaute Konzerthaus auch jenseits von Niederbayern ein Begriff. Für den Neubau des Atelier- und Wohngebäudes für Leo Schötz allerdings zeichnen Stephan und Nina Fabi aus Regensburg verantwortlich, zwei frühere Künstlerateliers des Büros waren dem Maler bekannt. Wiese, Wald, der Fluss Regen und eine Straße waren mit ihren linearen geografischen Strukturen formgebend für den schmalen, langgestreckten Baukörper mit 27 Metern Länge und 7,50 Metern Breite. Sein Satteldach verdankt er der Bautradition. Vom hohen architektonischen Anspruch kündet die rostrote Haut aus Cortenstahl, die den Baukörper überzieht, vom Dach bis über die Fassaden. Rau ist auch der Charme, den das Haus im Inneren entwickelt. Eiche wurde mit Rohstahl und Grobspanplatten mit Sichtbetonwänden, -decken und partiell auch Betonböden kombiniert. Vieles davon wurde in Eigenleistung erbracht, denn das Budget war so klein, dass die Architekten anfangs Bedenken hatten, überhaupt ein entsprechendes Haus realisieren zu können. Der Besucher wird über einen Fußweg zum Gebäude geleitet, der zum rückwärtig gelegenen Eingang führt. Von dort erreicht er das Atelier, vorbei an einer eingestellten Funktionsbox, die die Garderobe, das WC, Teeküche und Bilderlager birgt. Auf der Ostseite schließt sich der Wohn- und Gästebereich des Malers an. Der zweigeschossige Hauptraum für Kochen, Essen und Wohnen bildet das Zentrum, dahinter befinden sich Schlafraum und Bad. Die Galerie im Obergeschoss wird zum Brückenschlag zwischen Arbeiten und Wohnen.


Von wegen Provinz: Die Gemeinde Blaibach und das Landratsamt Cham kennen, schätzen und fördern den Wert qualitativ hochwertiger Architektur.

Als Künstler war der Bauherr ein vollwertiges Mitglied des Entwurfsteams. Er brachte sich ein, baute Modelle und arbeitete mit Schülern. Vieles wurde in Eigenleistung gefertigt. Die Details wurden daher auf das handwerkliche Können des Bauherrn und seiner Helfer abgestimmt.

Unten: Eiche, Rohstahl, Sichtbeton und Grobspanplatten in den Innenräumen entsprechen dem authentisch-rauen Charakter der Außenhaut.

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OBERGESCHOSS


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1EINGANG

2ATELIER

3KOCHEN/ESSEN/WOHNEN

4SCHLAFEN

5BAD

6TECHNIK

7GARAGE

8GALERIE

9GAST

10LAGER

QUERSCHNITT


Standort: Blaibach

Planungsbüro: fabi architekten

Anzahl der Bewohner:

2

Wohnfläche (m2):

127

Grundstücksgröße (m2):

5.524

Zusätzliche Nutzfläche (m2): Atelier: 125

Bauweise: massiv

Baukosten: 300.000 Euro (ohne Eigenleistung)

Fertigstellung: 2016

Diskreter Rückzug

Man kann das Haus durchaus als einen Klassiker bezeichnen. Erst der Blick auf bestimmte Details gibt einen Hinweis auf seine Entstehungszeit.

Das baumbestandene Grundstück grenzt im Osten an einen Wald, für seine leichte Hanglage wurde die Topografie nicht neu modelliert.

Die Terrassen zur Südseite bilden einen Sichtbetonsockel, von dem Stufen in den Garten führen. Die Wahl des Fassadenmaterials, ein anthrazitfarbener rauer Ziegel, der mit seinen breiten Mörtelfugen Handwerklichkeit demonstriert, ist eine behutsame Reaktion auf die Lage. Das dunkle Haus wirkt kleiner und konkurriert mit seiner reduzierten Farbigkeit nicht mit der Vielfalt des Laubwalds. Der Baukörper erreicht vor der hohen Baumkulisse zwei Geschosse und lagert wie ein Pavillon in der Landschaft. Im Grundriss ergibt sich ein reliefartiger Umriss, der mit neuen Baumpflanzungen erkennbar an den gewachsenen Bestand anschließt, ein Spiel von Licht und Schatten prägt den Außenbereich.

Man erreicht das Haus über eine 30 Meter lange Auffahrt, der Zugang liegt nicht einsehbar in einem Atrium, das mit einem Ahornbaum und einer Bank kontemplative Ruhe verspricht. Nach diesem introvertierten Auftakt bietet die verglaste Diele mit Aus- und Einblicken in alle Richtungen eine Überraschung. Garderobe, Arbeitszimmer und die Treppe ins Untergeschoss liegen seitlich, geradewegs geht es in den Wohnbereich. Die Küche wird nur von einer brüstungshohen Wand vom Essplatz getrennt, sonst gibt es Bewegungsraum entlang der Glasfront zur Südterrasse, er endet in einem Kaminwinkel mit bequemen Polstern. Die Kinder haben zur anderen Seite ihren eigenen Bereich. Dieser Trakt kann später auch für Gäste separiert werden. Hinter der betonierten Kaminwand führt eine Treppe in die privaten Elternräume. Das Schlafzimmer öffnet sich auf eine breite, sonnengeschützte Loggia Richtung Garten, davor spannt sich zwischen die beiden Flure an den Außenwänden die Ankleide; zur Straßenseite folgt das Bad, aufgewertet von einer Sauna, ergänzt von einem Wäscheraum. Ein großer Teil des Flachdachs über den eingeschossigen Pavillons ist mit Holzbohlen als Dachterrasse angelegt – zur Fortsetzung der Wellness unter freiem Himmel.


Oben: „Durch seine Einfachheit und die Wahl von natürlichen und klassischen Materialien wirkt das Gebäude zeitlos“, so der Architekt.

Unten links: Hinter der mit einer Rauspundschalung betonierten Kaminscheibe verbirgt sich die Treppe zum Elternbereich, dem das komplette Obergeschoss vorbehalten ist.

Unten rechts: Essplatz und Küche als Lebensmittelpunkt, nach beiden Seiten schließen Terrassen an. Auf dem Boden liegen Eichenholzdielen, die Innenwände sind aus Ziegeln gemauert und mit einem Kalkzementputz versehen.

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OBERGESCHOSS


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1EINGANG

2WC

3ABSTELLRAUM

4KOCHEN/ESSEN

5SPEISEKAMMER

6BAD

7KIND

8WOHNEN

9ATRIUM

10ARBEITEN

11GARAGE

12RÄDER

13MÜLL

14GERÄTE

15SCHLAFEN

16ANKLEIDE

17SAUNA

18WÄSCHE

SCHNITT


Standort: Celle

Planungsbüro: NIEBERG ARCHITECT atelieraxelnieberg

Anzahl der Bewohner:

4

Wohnfläche (m2):

397

Grundstücksgröße (m2):

1.998

Zusätzliche Nutzfläche (m2):

148

Bauweise: massiv

Heizwärmebedarf: 59 kWh/m2a

Primärenergiebedarf: 45 kWh/m2a

Energiestandard: KfW 55

Fertigstellung: 2016

Wohnen, wo andere Urlaub machen

Monolith im Park mit Rosen auf dem Dach.

Zwölf Seilbahn-Minuten von Bozen entfernt, auf dem Ritten, liegt das Parkhotel Holzner. Es wurde 1908 im sogenannten Alpinen Jugendstil erbaut, einer weniger ornamentalen Variante des Art nouveau. Seither wurde stets umgebaut, erweitert und renoviert. Die vierte Generation der Familie beauftragte 2013 das Architekturbüro bergmeisterwolf aus Brixen mit dem Bau von Suiten im Dach, einem Aussichtsturm und einem Restaurant. Gäste und Eigentümer waren zufrieden. Es war daher keine Frage, Michaela Wolf und Gerd Bergmeister auch mit dem Entwurf für das Wohnhaus der jungen Hoteliersfamilie mit einem älteren Kind und neugeborenen Drillingen zu beauftragen.

Das ebenfalls der Moderne verpflichtete Wohnhaus setzt nun den Schlusspunkt in dem großen, parkähnlichen Garten des Hotels. Der dreigeschossige Monolith, errichtet in Ziegelbauweise und verkleidet mit erdfarbenem, grob gekörntem und von Hand aufgetragenem Putz, legt sich an und in den Hang. Sein oberirdischer Grundriss ist annähernd quadratisch, er erwächst aus dem in die Topografie geschobenen großen Untergeschoss, das als Sockel ausreichend Platz für untergeordnete Nutzung bietet. Kompakt wurden die Küche und das Wohnzimmer im Erdgeschoss untergebracht, zwei Loggien gestatten den geschützten Aufenthalt im Freien. Grünlicher Terrazzo harmoniert mit dem Mobiliar aus Eiche. Einläufig führt die hölzerne Treppe hinauf ins Obergeschoss, hier wurden Eltern- und Kinderschlafzimmer untergebracht. Eine Loggia wird auch zum erhöhten intimen Rückzugsraum.

Die Dachterrasse feiert den Ausblick und die dem Hotelbetrieb entrückte Privatheit. Rosen versüßen den Aufenthalt. Die robuste, geneigte Pergola wird zum Höhepunkt des kantigen Kubus. Dem massiven und von Einschnitten geprägten Volumen setzt das Spalier an der nordwestlichen Seite ein entsprechend schweres und dabei doch transparentes Dach auf.


Oben: Tiefliegende Fenster und präzise Einschnitte machen die Schwere des Hauses spürbar.

Unten links: Die intime Loggia in der Küche bietet ausreichend Platz für Ausblick und Austritt.

Unten rechts: Die geradlinige, reduzierte Formensprache des Hauses bestimmt auch die Innenräume. Eiche sorgt hier für Wohnlichkeit.

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OBERGESCHOSS


DACHGESCHOSS


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1EINGANG

2KÜCHE/ESSEN

3WOHNEN

4BAD

5ELTERN

6KINDER

7DACHTERRASSE

SCHNITT


Standort: Oberbozen (I)

Planungsbüro: bergmeisterwolf architekten

Anzahl der Bewohner:

6

Wohnfläche (m2):

60

Grundstücksgröße (m2):

14.232

Zusätzliche Nutzfläche (m2):

160

Bauweise: Ziegelbauweise

Fertigstellung: 2014

Weiterbauen im Weiler

So hat man vor einigen Jahrzehnten noch nicht gebaut, hier treffen regionale Kultur und neuzeitliche Bauweisen zusammen und bilden eine kontemplative Einheit.

Die beiden Wohnhäuser nehmen Bezug auf eine typische Siedlungsform des Gadertals, den Weiler, eine gehöftartige Hausgruppe, die das Prinzip der nachbarschaftlichen Gemeinschaft abbildet. Dieser traditionellen Bauform mit ihren zum Tal gerichteten Firsten entsprechen die beiden Gebäude – ein Wohn- und ein Ferienhaus. Aber statt rustikaler Dekoration haben die Architekten alle Erkenntnisse nachhaltigen Bauens beherzigt. Denn umweltbewusste Ökonomie gemäß den regionalen Voraussetzungen entspricht viel eher dem Prinzip der Bergbewohner. Nicht nur bautypologisch harmonieren die Gebäude mit der Region, auch alle Materialien stammen aus der Nachbarschaft. Beide Häuser sind aus Sichtbeton mit Dolomitsteinzuschlag errichtet, und in der richtigen Mondphase geschlagene Lärchenhölzer verkleiden Dach und Fassaden. Die für den Innenausbau verwendeten Zirbenhölzer (eine hochalpine Kiefer) stammen ebenfalls aus dem Gadertal. Die handgehobelten Fensterrahmen sind dreifach verglast, zum Energiekonzept gehören Erdwärme, Fotovoltaik, passive Sonnenenergie und Wohnraumlüftung. Das Trinkwasser kommt aus einer eigenen Quelle, die Häuser sind autark.

Die moderne Technik ist also keine aufgesetzte Wiedergutmachung für ein freistehendes Haus, wie man es in städtischen Siedlungsbeispielen häufig findet. Schon die Konstruktion ist ohne Stützmauern so auf den Berghang ausgerichtet, dass nur ein minimaler, schonender Aushub erforderlich war. Ihre Orientierung und die Position der Fenster erfordern keine Verschattungseinrichtungen. Die Staffelung der Lärchenschalung dient dem Holzschutz. Aber die Architekten haben nicht nur alles „richtig“ gemacht, sie haben auch innenräumlich durch unerwartete Raumzuschnitte und das Nebeneinander von Sichtbeton, unbehandeltem, massivem Zirbenholz und weichen Lodenstoffen eine wohnliche Atmosphäre geschaffen. Im Haupthaus reichen die Wohnräume im Obergeschoss bis unters Dach. Zusammen mit den reduziert abstrakten Ausbauten und den aussichtsreichen großen Öffnungen ergibt sich eine bergende Umgebung.

Oben: Regionale Elemente wie Satteldach, Loggia und Holzfassade werden aufgenommen und eigenständig interpretiert.

Unten links: Die blendend weißen Innenräume sind von massiver, unbehandelter und handgehobelter Zirbe bestimmt.

Unten rechts: Die Baumaterialien wurden auf ein Minimum beschränkt. Hier ist jeder Einrichtungsstil denkbar.

LAGEPLAN


OBERGESCHOSS


DACHGESCHOSS


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1ZUGANG

2BAD/WC

3WOHNEN

4KOCHEN

5LOGGIA

6ESSEN

7ZIMMER

8TECHNIK

9GARAGE

SCHNITT OHNE MASSSTAB


Standort: Pliscia/Enneberg (I)

Planungsbüro: pedevilla architects

Anzahl der Bewohner:

4 + 4

Wohnfläche (m2):

185 + 92

Grundstücksgröße (m2):

609

Zusätzliche Nutzfläche (m2): 78

Bauweise: Massivbauweise

Heizwärmebedarf: Haus 1: 21 kWh/m2a Haus 2: 27,92 kWh/m2a

Primärenergiebedarf : Haus 1: 7,69 kWh/m2a Haus 2: 10,37 kWh/m2a

Energiestandard: Klimahaus A

Baukosten gesamt: 770.000 Euro

Fertigstellung: 2013

Haus am Hang

Das Haus steht auf einem Hanggrundstück mit großartigem Blick ins Tal. Es ersetzt einen Vorgängerbau aus den Siebzigerjahren, dessen äußere Kubatur aufgenommen werden musste.

Die Umgebung entspricht der Wohnbebauung aus dieser Zeit. Die Bauherrschaft wünschte sich einen Neubau, der die aussichtsreiche Lage auch im Innenraum erleben lässt. Sie hat ihren Architekten gezielt angesprochen, wohl wissend, dass sie mit einem extravaganten Entwurf rechnen durfte. Die Konzeption, die Grundrissaufteilung, die Anmutung der Räume wurden zusammen entwickelt.

Im Eingangsgeschoss liegen zwei separate Zimmer, in den dunklen Seiten Kellerräume, der Wellnessbereich in der Tiefe des Bergs wird von einem Lichthof erhellt. Im Hauptgeschoss darüber „fließt“ die Wohnebene, wobei dieser gängige Begriff für offene Raumkompartimente hier wirklich den weichen, organischen Übergang vom Lesezimmer bis zum Hauswirtschaftsraum treffend bezeichnet.

Zur Talseite bietet sich durch die breite Verglasung der freie Blick in die Landschaft. Betont wird diese Funktion durch den gebärdenhaften Einschnitt der Fassade, der sich an den Hausflanken wie ein Etui öffnet und schließlich das ganze Geschoss einnimmt. Den rückwärtigen Garten kann man über eine Terrasse betreten. Das Dachgeschoss teilen sich Eltern- und zwei Kinderzimmer, ergänzt durch großzügige Bäder, Ankleiden und zwei eingeschnittene Terrassen.

Zentrales gestalterisches Element ist eine weiße Treppe, deren Brüstungsgeschlinge sich wie ein domestiziertes Fabelwesen über drei Ebenen nützlich macht. Aber: Es gibt auch einen Aufzug. Weiße Wandschränke reduzieren den Bedarf an herumstehendem Mobiliar, sodass die Treppe konkurrenzlos herrscht. Das Haus ist als Stahlbetonkonstruktion errichtet, die Fassade als Wärmedämmverbundsystem ausgeführt, unterbrochen von Alu-Glas-Elementen mit äußeren Sonnenschutzlamellen und innenliegendem Blendschutz. Alle Innenwände sind in Trockenbauweise hergestellt, ebenso die Treppenbrüstungen, in denen eine tragende Stahlprofilkonstruktion steckt. Die Oberflächen sind mit Wand- bzw. Lackfarbe gestrichen, der Bodenbelag glänzt als fugenlose Estrichbeschichtung. Auf dem Dach mit vorbewittertem Zinkblech befinden sich solare Wärmetauscher.


Oben: Weiche Konturen führen zum Eingang im Sockelgeschoss. Außen und Innen gehören kongenial zusammen. Die Gestaltung kokettiert mit der Nierentischmoderne. Wohin sich der Blick richten soll, zeigt die sich zum Tal aufweitende Fassade im Obergeschoss.

Unten links: Das Blattwerk der Treppenbrüstung wird von Stahlprofilen stabilisiert, die Gipskartonflächen sind ausgespachtelt und lackiert. Bei der Küchenarbeit belohnt ein traumhafter Ausblick.

Unten rechts: Die Wandschränke und wenigen Sitzmöbel konkurrieren nicht mit der Treppenkunst.

LAGEPLAN


DACHGESCHOSS


UNTERGESCHOSS


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1ZUGANG

2GARAGE

3TECHNIK

4RUHEBEREICH

5LICHTHOF

6WELLNESS

7BAD

8SAUNA

9LAGER

10ZIMMER

11LESEN

12WOHNEN

13ESSEN/KOCHEN

14HAUSWIRTSCHAFTSRAUM

15KIND

16ANKLEIDE

17SCHLAFEN

18TERRASSE

SCHNITT


Standort: Winnenden

Planungsbüro: Jürgen Mayer H.

Anzahl der Bewohner:

4

Wohnfläche (m2):

393

Grundstücksgröße (m2):

891

Zusätzliche Nutzfläche (m2): 114

Bauweise: Stahlbetonkonstruktion mit Wärmedämmverbundsystem

Primärenergiebedarf: 25 kWh/m2a

Fertigstellung: 2011

Erweiterung eines Wohnhauses

Ein bestehendes Wohnhaus am Ortsrand von Wuppertal-Schöller, erbaut zwischen 1900 und 1910 und zunächst als Jagdhaus genutzt, sollte für eine vierköpfige Familie erweitert werden.

Die Ortschaft wird geprägt vom Baumaterial Kalkstein, der aus dem familieneigenen Steinbruch Oetelshoven kommt. Dadurch ist bis heute ein einheitliches Ortsbild ablesbar.

Das alte Haus hat eine fünfachsige, symmetrische Straßenfassade, die sich im Inneren fortsetzt. Das Satteldach reicht bis zur Decke des Erdgeschosses herunter, was Konsequenzen für den geplanten Anbau bedeutete: Einerseits sollte der Bestand um neuzeitlichen Wohnkomfort erweitert, andererseits eine Balance zwischen dem Vorhandenen und dem Hinzugefügten erreicht werden. Die Architekten entschlossen sich, eingeschossig an das vorhandene Haus anzuschließen und diesen Zwischentrakt zweigeschossig zum Garten fortzusetzen. Dabei wurden die Fluchten des Altbaus respektiert, sodass von der Straße gesehen seine Präsenz und Anmutung nicht beeinträchtigt wird.

Der innere Weg wird ebenfalls aufgenommen und zum Neubau hin verlängert. Er endet im Obergeschoss mit Weitblick zum Tal und im Untergeschoss mit dem Austritt zum Innenhof, der das dort eingebaute Hallenbad belichtet. Der kubische Anbau nimmt das Material des alten Hauses auf, wobei dessen bislang noch weiß geschlämmte Fassaden später einmal gereinigt werden sollen, um den Dialog zwischen Alt und Neu noch harmonischer zu gestalten.

Oben: Ein 100 Jahre altes ehemaliges Jagdhaus wurde zu einem stattlichen Anwesen erweitert: kompromisslos in der Kubatur, unauffällig von der Straße und verbindlich im Material.

Unten links: Attraktion ist das unterirdische Schwimmbad, das über den Tiefhof belichtet wird. Hier setzt sich der Kalkstein der Außenmauern auch innen fort.

Unten rechts: Beim Kamin im Obergeschoss des Neubaus taucht der Stein, hier glatt verfugt, noch einmal auf.

LAGEPLAN


OBERGESCHOSS


UNTERGESCHOSS


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1ZUGANG

2BAD

3KOCHEN/ESSEN

4KAMINZIMMER

5SCHWIMMBAD

6AUSSENHOF

SCHNITT


Standort: Wuppertal

Planungsbüro: denzer & poensgen

Anzahl der Bewohner:

4

Gesamtwohnfläche (m2):

200

Wohnfläche (m2): Bestand: 122 Anbau: 78

Grundstücksgröße (m2):

1.800

Zusätzliche Nutzfläche (m2): Schwimmbad UG: 262

Bauweise: konventionelle, zweischalige Bauweise

Primärenergiebedarf: 66,7 kWh/m2a

Fertigstellung: 2011

Nachhaltiges Holzhaus

Nachhaltigkeit wird bei diesem Haus auf den gesamten Lebenszyklus bezogen.

Nachhaltigkeit wird bei diesem Haus vor allem auf die Herstellung, den Unterhalt und schließlich – in ferner Zukunft – den Abbruch des Gebäudes bezogen. Berücksichtigt wurde also der gesamte Lebenszyklus von der Gewinnung der Baumaterialien bis zu ihrer Entsorgung.

Errichtet wurde das Haus auf einem betonierten Kellergeschoss deshalb in Dickholzbauweise, in anderen Gegenden bezeichnet man das Konstruktionsmaterial auch als Kreuzlagenholz (KLH) oder Cross Laminated Timber (CLT). Durch die (formaldehydfreie) kreuzweise Verleimung der Fichtenholzlamellen wird deren Schwinden und Quellen reduziert und ihre statische Belastbarkeit erhöht. Auf der Innenseite sind die vorgefertigten Elemente mit Lehm verputzt, nach außen folgt eine Hanfdämmung. Die abschließende Fassade besteht aus handgespaltenen Zedernschindeln, die nicht nur der Tradition entsprechen, sondern gleichzeitig einen Insektenschutz bieten.

Die großzügige Wohnfläche führt zu keiner massiven Behauptung in der Landschaft, vielmehr bestimmen Wohn- und Schlafbereiche als schlanke Flügel die Kubatur des Gebäudes, das sich dem Außenbereich mit freien Formen mitteilt. Zwischen den Schenkeln der Hausfigur empfängt einerseits der Eingang, andererseits liegt hier eine geschützte Terrasse.

Innen erlebt man eine funktionale Wohnskulptur. Entsprechend dem Vorsatz der Nachhaltigkeit wurden die Dielen über der Fußbodenheizung aus alten Eichenhölzern hergestellt, aber neben der Idee des Recyclings erhält das Haus dadurch auch eine ungewöhnlich warme Atmosphäre. Die Heizenergie wird mit einer Wärmepumpe aus einer Tiefensonde gewonnen. Im Garten gibt es ein naturnahes „Schwimmbiotop“.

Das Haus – so versichern die Architekten – ist hundertprozentig biologisch abbaubar.


Oben: Eine Villa, die sich mit ihren schlanken Flügeln in die Landschaft fächert. Die Architektur folgt – gerade wegen der verschwenderischen Größe – in jedem Detail den Prinzipien der Ressourceneffizienz.

Unten links: Das Haus lebt vom intensiven Bezug zum Außenraum. Jedes Fenster, jeder Austritt, jede Terrasse teilt sich anders mit. Tages- und Jahreszeiten lassen sich intensiv verfolgen.

Unten rechts: Die Küche erhält das Licht in der Frühe, von Osten. Ein glänzender weißer Tresen gibt Ruhe vor dem lebhaft gemaserten Einbauschrank, hinter dem noch eine Vorratskammer folgt.

LAGEPLAN


OBERGESCHOSS


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1EINGANG

2KOCHEN

3ESSEN

4WOHNEN

5ZIMMER

6ABSTELLRAUM

7BAD

8WIRTSCHAFTSRAUM

9WC

10GARAGE

11TERRASSE

12SCHWIMMBIOTOP

13ANKLEIDE

14SCHLAFEN

15TERRASSE

16BEGRÜNTES DACH

SCHNITT OHNE MASSSTAB


Standort: Frohnleiten (A)

Planungsbüro: Marion Wicher Architektur

Anzahl der Bewohner:

6

Wohnfläche (m2):

303

Grundstücksgröße (m2):

1.600

Zusätzliche Nutzfläche (m2): 67

Bauweise: Holzbau

Primärenergiebedarf: 36 kWh/m2a

Fertigstellung: 2010

Den See im Blick

Architektonische Akkuratesse und Eleganz in bester Lage.

Herrliberg liegt am unteren rechten Zürichseeufer an der sogenannten Goldküste im Bezirk Meilen im Kanton Zürich, eine Lage so prominent wie kostspielig wie begehrt. Der Bauherr tat das einzig Richtige: Er stellte auch an die Architektur höchste Ansprüche, die in großartig unverbaubarer Lage direkt auf einer Krete, also einem Gebirgskamm, mit Blick über den See und Richtung Alpen, neu entstehen sollte, und beauftragte das junge Zürcher Büro von Juan González und Rubén Daluz.

Die beiden in Spanien geborenen Architekten, die seit 2012 zusammenarbeiten, entwickelten zwei gegeneinander verschobene und gleichzeitig organisch miteinander verschmolzene kubische Baukörper, die sich über die stark abfallende Geländekante schieben. Wohn- und Schlafgeschoss sind gen Südwesten orientiert, dem See begegnen sie längs gerichtet mit Panoramafenstern. Zur Quartierstraße hingegen präsentiert das Haus eine geschlossene Front. Lediglich bei Nacht sickert Licht durch die in die helle Betonfassade gestanzten Ornamente.

Innenräumlich ist die Villa über drei Geschosse organisiert, eines davon schiebt sich als Split-Level zwischen Erd- und Obergeschoss. Hier liegt die Küche. Sie bildet nicht nur die räumliche und gesellschaftliche Mitte, sie behält auch alles im Blick: das erdgeschossige Esszimmer und den auf den See ausgerichteten großzügigen Wohnbereich ebenso wie das Entree auf der anderen Seite. Breite Treppen verbinden die offenen Räume miteinander. Schränke und Regale aus edlem Furnier entlang der Wände sorgen für Ordnung. Das Untergeschoss ist aufgrund der Hanglage von der Straße her nicht sichtbar. Es macht Platz für ein Arbeitszimmer, ein Studio sowie zwei weitere Räume samt kleinem Bad. Technik- und Lagerräume sind gegen den Hang hin angeordnet.

Der Garten liegt auf der südöstlichen Seite der Villa. Durch die Verschiebung der beiden Baukörper entsteht ein überdachter Außenraum, ein Sitzplatz wurde in den Boden versenkt. Parallel zur Krete erstreckt sich der 15 Meter lange Pool, er scheint in den Zürichsee überzugehen.


Oben: Fließend gehen die Räume ineinander über. Die Gesamttiefe von 23 m bleibt überall erlebbar.

Unten links: Der Außenpool wirkt durch seine Lage an der Grundstückskante wie eine Erweiterung des Sees. Das 15 m lange Becken ist parallel zur Krete platziert.

Unten rechts: Die Schlafgalerie im Obergeschoss bildet den höchsten Punkt der Villa. Ganzflächig öffnet sich die Fensterfront gen See, geschlossen bleibt das Haus zur Straße.

LAGEPLAN


OBERGESCHOSS


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1EINGANG

2WC

3KOCHEN

4ESSEN

5WOHNEN

6GARAGE

7SCHLAFEN

8BÜRO

9ZIMMER

10BAD

QUERSCHNITT


Standort: Herrliberg (CH)

Planungsbüro: Daluz Gonzalez Architekten

Anzahl der Bewohner:

4

Wohnfläche (m2):

460

Grundstücksgröße (m2):

1.000

Zusätzliche Nutzfläche (m2): 123

Fertigstellung: 2018

Kraftort

Das Beste aus zwei Welten: Zweitwohnsitz auf dem Land, 30 Minuten entfernt von der Stadt.

Auf der Hochebene Tschengla kommen Menschen bereits seit Jahrtausenden zusammen, um oberhalb des landschaftlich reizvollen Brandnertals bei den gewaltigen neolithischen Steinkreisen am Bürserberg Kraft zu sammeln.

Die junge Bauherrenfamilie aus Bludenz war sich der Verantwortung für den Ort bewusst. Sie lobte einen privaten Wettbewerb unter drei Architekturbüros aus. Gewonnen hat ihn das Bezauer Büro von Markus Innauer und Sven Matt. Sie entwarfen ein Haus, dessen Architektur der Landschaft gerecht wird. 30 Autominuten trennen die Stadtwohnung der Bauherren von ihrem Haus auf der Tschengla. Ein klassisches Ferienhaus, das nur ein paar Wochen im Jahr bewohnt wird, sollte der Neubau nicht werden. Der Wechsel zwischen der Dichte und Lebendigkeit der Stadt und der Stille und Weite der Bergwelt findet fast täglich statt.

Von außen erinnert das klare Volumen mit talwärts gerichtetem Giebel auf massivem Sockel an einfache, landwirtschaftliche Bauten. Die Außenbereiche sind auf das Notwendige reduziert. Nur ein kleiner, in den Hang eingeschnittener Vorplatz erschließt das Haus von der Straße aus. Eine durchgesteckte, das heißt die ganze Breite des Grundrisses einnehmende „Flurküche“, wird zur räumlichen und sozialen Mitte. Sie ist beiläufiger Treffpunkt und Ausgangsort aller Aktivitäten. Nach Westen öffnet sie sich auf einen geschützten, ganzjährig nutzbaren Freisitz. Ein leichter Höhenversatz trennt den Essraum mit der Eckbank ab, die zum Bücherregal wird und bis zum Stückholzofen im Wohnzimmer reicht. Großzügig öffnet der Raum sich hier bis unters Dach. Ein Panoramafenster reicht von Wand zu Wand und gibt den Blick in die imposante Bergwelt frei. Eine kleine Treppe wendelt sich von der Küche zwischen zwei eng stehenden Wandscheiben hindurch ins Obergeschoss. Das weit heruntergezogene Dach birgt zwei Schlafzimmer, ein Badezimmer, eine Diele mit Arbeitsplatz sowie eine kleine Bibliothek. Dicht liegen die horizontalen Fensteröffnungen unter der Traufe und lassen das Tageslicht tief in den Raum.

Oben: Der Sockel wurde mit Kellenwurf verputzt, Erd- und Obergeschoss sind mit Lärche verschalt. Das Dach ist mit Kupfer gedeckt.

Das kleine Haus ist klassisch gebaut, im Erdgeschoss massiv, im Obergeschoss aus Holz.

Unten: Im Inneren wurde naturgrauer Putz verarbeitet, er harmoniert mit den naturbelassenen oder dunkel gebeizten Einbaumöbeln aus Esche. Die Böden sind mit polygonalen Platten aus Tobler Sandstein sowie mit Eschendielen belegt, Holztäfer und Balkendecken sind aus Fichtenholz gefertigt.

LAGEPLAN


DACHGESCHOSS


UNTERGESCHOSS


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1EINGANG

2WC

3GARDEROBE/LAGER

4KOCHEN/ESSEN

5WOHNEN

6FREISITZ

7SCHLAFEN

8ARBEITEN

9BAD

10BIBLIOTHEK

11KELLER/WASCHKÜCHE/TECHNIK

QUERSCHNITT 1


QUERSCHNITT 2


Standort: Bürserberg (A)

Planungsbüro: Innauer Matt Architekten

Anzahl der Bewohner:

2

Wohnfläche (m2):

127

Grundstücksgröße (m2):

1.001

Zusätzliche Nutzfläche (m2): Keller: 56

Bauweise: EG: Massivbau Stahlbeton OG: vorgefertigter Holzelementbau

Fertigstellung: 2016

Expressiv aus Tradition

Präzisionsarbeit für Bauherrenfamilie und Nachbarschaft.

Der im Norden Hamburgs gelegene Stadtteil Ohlsdorf ist berühmt, hier liegt der größte Parkfriedhof der Welt. Das Gelände ist fast 400 Hektar groß. Der von Wilhelm Cordes geplante Friedhof – der Architekt wurde 1898 auch zum Friedhofsdirektor ernannt – bekam 1900 den Grand Prix der Pariser Weltausstellung. Mehr als 1,4 Millionen Menschen fanden auf dem Gelände ihre letzte Ruhe. Doch auch leben lässt es sich in Ohlsdorf gut. Besonders in dem Haus, das Sven Ove Cordsen, Jan Henning Ipach und Henk Döll, deren Architekturbüro in Hamburg unter dem Namen coido architects firmiert, für eine vierköpfige Familie gebaut haben.

Das Eckgrundstück in dem ruhigen, von sogenannten Kaffeemühlenhäusern geprägten Wohngebiet, war den Bauherren bestens bekannt: Sie bewohnten einen Altbau auf dem Grund, der nach der Fertigstellung des neuen Hauses abgerissen wurde. Anders als der Bestand rutscht der Neubau an die Baugrenzen. Er nimmt die Fluchten der Nachbarbebauung auf und korrigiert so den städtebaulichen Fehlstand des Altbaus. Das neue Haus folgt in seiner Kubatur zudem den nicht orthogonalen Straßenfluchten und übersetzt deren Dynamik ins Räumliche: eine Hommage an die expressive Backsteinmoderne des Hamburger Baumeisters Fritz Höger.

Zwei Erwachsene und zwei Kinder bewohnen die kompakte Hausskulptur. Die Funktionen im Haus sind klar verteilt: Während im Osten der Eingang liegt und die Treppen und Nebenräume hinter eher geschlossenen Fassaden Platz finden, öffnen sich die Aufenthaltsräume zum Garten nach Westen. Drei Stufen trennen den großzügigen Koch- und Essbereich vom Wohnraum und sorgen auch innenräumlich für Bewegung.

Ein heller, mit Polyurethan beschichteter Boden durchfließt die gemeinschaftlichen Räume. Im Obergeschoss orientieren sich die Schlafzimmer nach Westen. Ein Patio sorgt im Keller für Licht im Arbeitszimmer, hier wurde auch ein Gästezimmer vorgesehen. Licht und Luft kann man zudem im zweiten Obergeschoss genießen: Das Staffelgeschoss springt zurück, die großzügige Dachterrasse verlagert die Wellness ins Freie.


Oben: Von außen wurde das Haus mit rustikalen Strangpressziegeln in Ringofenoptik verblendet. Innen sorgen heller Boden, weiße Wände und Decken sowie Eichenholzmobiliar für lichte Eleganz.

Unten links: Drei Stufen separieren das Wohnzimmer vom Küchenbereich.

Unten rechts: Eine weiße Treppe verbindet die vier Geschosse des Hauses miteinander.

LAGEPLAN


OBERGESCHOSS


UNTERGESCHOSS


ERDGESCHOSS


STAFFEL


MASSSTAB M 1:400

1EINGANG

2WOHNEN

3KOCHEN/ESSEN

4ELTERN

5BAD

6KIND

7HAUSWIRTSCHAFT

8LOUNGE

9SPA

10TERRASSE

11TECHNIK

12LAGER

13GÄSTE

14ARBEITEN

15PATIO

LÄNGSSCHNITT


Standort: Hamburg

Planungsbüro: coido architects (coido GmbH)

Anzahl der Bewohner:

4

Wohnfläche (m2):

260

Grundstücksgröße (m2):

706

Zusätzliche Nutzfläche (m2): 24

Bauweise: massiv

Energiestandard: KfW 70

Baukosten: 750.000 Euro

Fertigstellung: 2014

Zwei, drei, eins

Der Bestand ist denkmalgeschützt. Der radikal moderne Erweiterungsbau ordnet sich unter.

Die Wohnhauserweiterung der Hofstelle Felder Hof im Südtiroler Ort Villanders ist zweifellos die Bestätigung der These, dass die Partnerschaft zwischen Bauherrschaft und Architekt der einer guten Ehe nicht unähnlich ist. Der Bauherr ist hier aus der Möbelbranche, vertraut mit anspruchsvollen Innenausbauten. Er kaufte das für das Eisacktal typische Ensemble aus zwei Baukörpern, die, dem Geländeverlauf folgend, leicht versetzt in den Hang gebaut sind. Das mit steinbeschwerten Holzschindeln gedeckte Wohnhaus und der Stadel mit steilem Strohdach waren in ursprünglichem Zustand erhalten. Anstatt umzubauen, lebte er sich erst einmal ein und ließ sich Zeit für die Entscheidung, im Stall wieder Tiere zu beherbergen und im Haus für zeitgemäßen Wohnkomfort zu sorgen. Zusammen mit dem Architekten Pavol Mikolajcak aus Bozen machte er sich auf die Suche nach einer baulichen Lösung, die den denkmalgeschützten Bestand nicht durch eine dritte Kubatur stört und trotzdem eine räumlich funktionierende Beziehung mit dem Paar eingeht. Die Topografie des Grundstücks bot an, die neuen Bereiche teilweise unterirdisch anzuordnen. Nach Westen wurde der polygonale Neubau so angelegt, dass er unterhalb des Geländeverlaufs an das Wohngeschoss des Bestands anschließt. Hangseitig verschwinden seine zwei Geschosse fast vollständig in der Berglandschaft, nur zwei bündig in die Wiese eingebettete Oberlichter verweisen auf den ausgebauten Untergrund. Nach Süden hingegen tritt das Gebäude mit einer kräftigen Geste zutage: Eine lange Glasfront, gefasst durch einen umlaufenden Betonrahmen, öffnet sich wie ein Riss im Hang ins Tal, mit spektakulärem Blick auf die Dolomiten. Innen gehen die Räume mit großzügigen Höhen und spannender Raumgeometrie, dank der Oberlichter lichtdurchflutet, über in die niedrige, historische Bausubstanz. Verbunden werden die beiden Gebäude über einen Treppenraum, der Alt- und Neubau sowie Technik- und Garagengeschoss mit der Wohnebene verzahnt und in dem alle Materialien aufeinandertreffen: Naturstein, Sichtbeton, Stahl und Holz.

Oben links: Die Baukommission des Dorfes ist moderner Architektur gegenüber wenig aufgeschlossen. Inzwischen ist jedoch selbst die Nachbarschaft begeistert, auch wenn sie nicht versteht, dass der Bauherr, anstatt ein Haus zu bauen, seines „ausge graben“ hat.

Oben rechts: Die facettierte Fassade gestattet den Blick über das Eisacktal bis zu den Dolomiten. Die Sonne fällt am Nachmittag tief in den Raum.

Unten: Während die geometrische Decke aus Sichtbeton die Kontur des für die Bauarbeiten abgetragenen Hügels nachempfindet, nehmen die umfangreichen Holzmöbel und -oberflächen Bezug auf die klassische Stubenverkleidung.

LAGEPLAN


ERDGESCHOSS


MASSSTAB M 1:400

1STALL

2EINGANG

3GAST

4STUBE

5KOCHEN

6BAD

7TERRASSE

8ANKLEIDE

9LAGER

10SCHLAFEN

11GARAGE

QUERSCHNITT


Standort: Villanders (I)

Planungsbüro: Pavol Mikolajcak Architects

Anzahl der Bewohner:

3

Wohnfläche (m2):

200

Grundstücksgröße (m2):

5.000

Zusätzliche Nutzfläche (m2): 200

Bauweise: Massivbau, Innenausbau Holz

Energiestandard: Klimahaus B

Baukosten: 670.000 Euro

Fertigstellung: 2016

Pulsuz fraqment bitdi.

43,79 ₼

Janr və etiketlər

Yaş həddi:
0+
Həcm:
547 səh. 562 illustrasiyalar
ISBN:
9783766725493
Naşir:
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
Yükləmə formatı:

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