Kitabı oxu: «Pflegehilfe und Pflegeassistenz»

Şrift:


Der Autor

Kay Peter Röpke ist Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin, ehemaliger Ausbilder für Pflegehilfe und für Erste Hilfe sowie Dozent für Pflegethemen im Krankenhaus und in der Hauspflege.

Kay Peter Röpke

Mein besonderer Dank gilt Frau Claudia Flöer.

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2., erweiterte und aktualisierte Auflage 2022

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-041548-5

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-041549-2

epub: ISBN 978-3-17-041550-8

Vorwort

Hallo liebe Leser,

mehrere Jahre habe ich Krankenpflegehilfe unterrichtet, Prüfungen vorbereitet, abgenommen und Fortbildungen in diesem und berufsverwandten Bereichen gegeben. Nach meiner Zeit als Krankenpflegehilfeausbilder habe ich zwei Jahre lang Erste Hilfe unterrichtet und weiterhin Fortbildungen in der Hauspflege gehalten.

Bei der Krankenpflegehilfeausbildung fiel mir auf, dass es nur wenig Literatur gab, die den Anforderungen dieser Ausbildung entsprach. Ich begann deshalb, den vermittelten Unterrichtsstoff für Pflegehelfer und Pflegeassistenten in der Ausbildung in schriftlicher Form festzuhalten.

Das Buch ist in zwei Teile untergliedert, ein allgemeiner Teil und ein zweiter mit Anatomie, Physiologie, Erkrankungen und Maßnahmen.

Der erste Teil beginnt mit der Patientenaufnahme. Nach der offiziellen Aufnahme ist eine gründliche Krankenbeobachtung wichtig, um Defizite und Ressourcen eines Pflegeempfängers festzustellen. Die dabei entstehende Kommunikation mit Pflegeempfängern, Kollegen und Angehörigen ist von Anfang an ein wichtiger Faktor in unserer Arbeit. Über Gefühle bei der Arbeit (dazu gehört auch das Sterben und der Tod) wird häufig zu wenig geredet, das ist aber doch für uns selbst und die Kollegen so wichtig.

Auch die rechtliche Seite des Berufes bedarf unserer Aufmerksamkeit, um nicht aus Unwissenheit mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.

Beim täglichen Umgang mit Pflegeempfängern spielt die Hygiene eine ganz große Rolle, daher widme ich ihr auch ein eigenes Kapitel.

Im zweiten Teil werden die Anatomie und die Physiologie unseres Körpers, deren mögliche Erkrankungen und entsprechende Maßnahmen zu deren Verbesserung beschrieben. Dieser Teil ist so geschrieben, dass er auch jederzeit als Nachschlagewerk genutzt werden kann.

Für Anregungen, Verbesserungen oder Ähnliches können Sie mir gerne eine Nachricht senden: pflegefragen-aktuell@web.de

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit habe ich im Text die rein männliche Form benutzt.

Viel Erfolg!

Kay Peter Röpke

Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin

Inhalt

1  Vorwort

2  Teil A: Der Pflegeempfänger

3  1 Patientenaufnahme

4  1.1 Pflegeanamnese

5  1.2 Biografiearbeit

6  1.3 Pflegeprozess

7  1.4 Pflegeplanung

8  1.5 Pflegedokumentation

9  2 Krankenbeobachtung

10  2.1 Informationsaufnahme über unsere Sinne

11  2.2 Informationsaufnahme über Hilfsmittel

12  2.3 Grundsätze der Krankenbeobachtung

13  2.3.1 Beobachtung der Vitalfunktionen

14  2.3.2 Allgemeinzustand

15  2.3.3 Ernährungszustand

16  2.3.4 Veränderungen im Gesicht

17  2.3.5 Psychische Verfassung

18  2.3.6 Bewusstseinslage

19  2.3.7 Schlaf

20  2.3.8 Körpertemperatur

21  2.3.9 Schmerz

22  2.3.10 Gerüche und ihre mögliche Bedeutung

23  3 Kommunikation

24  3.1 Erster Eindruck

25  3.2 Vorurteile

26  3.3 Rituale

27  3.4 Nonverbale Kommunikation

28  3.5 Verbale Kommunikation

29  3.6 Allgemeine Verhaltensweisen

30  3.7 Validation/Demenz

31  3.8 Mitteilen von schlechten Nachrichten

32  4 Störungen der Kommunikation

33  4.1 Sprechvorgang

34  4.2 Hören

35  4.3 Hörgeräte

36  4.4 Sehbehinderung

37  4.5 Umgang mit verwirrten Menschen

38  5 Gefühle und Emotionen im Pflegealltag

39  5.1 Ekel

40  5.2 Ängste

41  5.3 Gewalt, Aggressionen

42  6 Sterben und Tod

43  6.1 Sterbephasen nach Kübler-Ross

44  6.2 Patientenverfügung/Patientenvollmacht (Vorsorgevollmacht)

45  7 Recht

46  7.1 Schweigepflicht

47  7.2 Delegation

48  7.3 Fixierung

49  8 Hygiene

50  8.1 Mikroorganismen als Krankheitserreger

51  8.2 Hygiene, Asepsis etc.

52  8.3 Infektion, Infektionswege und -prophylaxe

53  8.4 Antibiotika, -resistenz, Impfung

54  8.5 Hygiene in der Krankenpflege

55  9 Grundpflege

56  9.1 Betten und Lagerung eines Pflegeempfängers

57  9.1.1 Ziele der Lagerungen

58  9.1.2 Grundsätze der Lagerung

59  9.1.3 Richtlinien zum Lagern

60  9.1.4 Verschiedene Formen der Lagerung

61  9.2 Körperpflege

62  9.2.1 Augenpflege

63  9.2.2 Mundpflege

64  9.2.3 Nasenpflege

65  9.2.4 Zahnpflege

66  9.2.5 Ohrenpflege

67  9.2.6 Ganzwaschung

68  9.2.7 Baden

69  9.2.8 Duschen

70  9.2.9 Haarpflege

71  9.2.10 Umgang mit Stuhl

72  9.2.11 Basale Stimulation beim Waschen

73  10 Pflegebehandlungen zur Förderung des Wohlbefindens

74  10.1 AEDLs

75  10.2 Wickel

76  10.3 Ätherische Öle

77  11 Informationen über den Pflegealltag

78  11.1 Häusliche Pflege

79  11.2 Ambulante, teilstationäre und stationäre Pflege

80  11.3 Pflegeversicherung

81  11.4 Hilfsmittel

82  Teil B: Grundlagen der Anatomie, Physiologie des Körpers, Erkrankungen, Maßnahmen

83  1 Die Haut

84  1.1 Anatomie und Physiologie der Haut

85  1.2 Beobachtung der Haut

86  1.3 Hautanhangsgebilde

87  1.4 Schleimhäute

88  1.5 Schweiß, Körpergerüche

89  2 Die Atmungsorgane

90  2.1 Anatomie/Physiologie der Atmung

91  2.2 Beobachtung der Atmung

92  2.2.1 Atemfrequenz

93  2.2.2 Dyspnoe

94  2.2.3 Atemgeräusche

95  2.2.4 Atemrhythmus

96  2.3 Aspiration

97  2.4 Asthma bronchiale

98  2.5 Grippe

99  2.6 Lungenembolie (Lungeninfarkt)

100  2.7 Lungenödem

101  2.8 Lungenentzündung (Pneumonie)

102  2.9 Pneumonieprophylaxen

103  2.10 Schluckauf (Singultus)

104  2.11 Anwendung von Dosieraerosolen, Pulverinhalatoren, Inhalationssystemen

105  3 Der Bewegungsapparat

106  3.1 Anatomie/Physiologie

107  3.2 Lähmungen

108  3.3 Kontrakturen/-prophylaxen

109  3.4 Sturzprophylaxen

110  4 Das Herz-Kreislauf-System

111  4.1 Anatomie/Physiologie des Herzens

112  4.2 Blutkreislauf

113  4.3 Blutdruck und Puls

114  4.4 Erkrankungen durch Veränderung der Blutgefäße

115  4.4.1 Bluthochdruck (Hypertonie)

116  4.4.2 Arteriosklerose

117  4.4.3 Koronare Herzerkrankung

118  4.4.4 Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)

119  4.4.5 Thrombose

120  4.4.6 Thromboseprophylaxe

121  4.4.7 Embolie

122  4.4.8 Transitorisch Ischämische Attacke (TIA)

123  4.4.9 Apoplex oder Schlaganfall

124  5 Ernährungslehre

125  5.1 Ernährungslehre

126  5.2 Gewicht und Größe

127  6 Anatomie und Physiologie des Verdauungssystems

128  6.1 Mund

129  6.2 Speiseröhre

130  6.3 Magen

131  6.4 Zwölffingerdarm, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse

132  6.5 Leber

133  6.6 Dünndarm

134  6.7 Milz

135  6.8 Dickdarm und Enddarm

136  6.9 Lymphsystem

137  6.10 Pfortader

138  7 Erkrankungen der Verdauungsorgane

139  7.1 Speiseröhre

140  7.2 Magen

141  7.3 Gallenblase

142  7.4 Bauchspeicheldrüse (Pankreas)

143  7.5 Leber

144  7.6 Niere

145  7.7 Darm

146  8 Probleme bei der Nahrungsaufnahme

147  8.1 Nahrungsverweigerung

148  8.2 Hilfestellung bei der Nahrungsaufnahme

149  8.3 Schluckstörungen, Aspiration, Aspirationsprophylaxe

150  8.4 Erbrechen

151  9 Ernährungssonden

152  9.1 Indikationen

153  9.2 Lage

154  9.3 Materialien von Ernährungssonden

155  9.4 PEG

156  9.5 Umgang mit Ernährungssonden

157  10 Gabe von Medikamenten

158  10.1 Lagerung der Arzneimittel

159  10.2 Verabreichungsformen

160  10.3 Besonderheiten beim alten Menschen

161  10.4 Arzneimittelallergie

162  11 Das Urogenitalsystem und die Geschlechtsorgane

163  11.1 Anatomie und Physiologie des Urogenitalsystems

164  11.2 Urin und Urinausscheidung

165  11.3 Harnsystem im Alter

166  11.4 Erkrankungen der Nieren und Harnwege

167  11.5 Anatomie und Physiologie der Geschlechtsorgane

168  11.6 Inkontinenz

169  11.6.1 Harninkontinenz, Kontinenztraining

170  11.6.2 Hilfsmittel

171  11.6.3 Katheterpflege

172  12 Das Nervensystem

173  12.1 Anatomie/Physiologie des Nervensystems

174  12.2 Sinnesorgane/-Wahrnehmungen

175  12.3 Demenzielle Erkrankungen

176  12.3.1 Risikofaktoren

177  12.3.2 Alzheimer

178  12.3.3 Vaskuläre Demenz, Multiinfarktdemenz

179  12.4 Depression

180  12.5 Morbus Parkinson

181  12.6 Multiple Sklerose

182  13 Veränderungen im Alter

183  13.1 Hormone

184  13.2 Organe

185  13.3 Regression

186  Literatur

187  Stichwortverzeichnis


Teil A: Der Pflegeempfänger

1 Patientenaufnahme
1.1 Pflegeanamnese

In der Medizin ist Anamnese das In-Erfahrung-bringen der medizinischen Vorgeschichte und aktuellen Befindlichkeit eines Pflegeempfängers als wichtige Voraussetzung für das Erstellen eines individuellen und situationsgerechten Pflegeplans (s. u.). Hierzu gibt es viele verschiedene Arten von Aufnahmebögen, die laufend verbessert werden.

Mögliche Daten eines Stammblattes:

• Name, Adresse, Aufnahmedatum/-zeit/-grund, einweisender Arzt, Krankenkasse

• Wohnort, Angehörige, Telefonnummer von Angehörigen, Geburtstag, Beruf, Religion

• Vorerkrankungen, Arztbriefe/-Unterlagen, vorherige Krankenhausaufenthalte

• AEDLs (Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens) frei nach Monika Krohwinkel (vgl. Krohwinkel 2007, Kap. 10 Pflegebehandlungen zur Förderung des Wohlbefindens)

1.2 Biografiearbeit

Wie wurde der Pflegeempfänger zu demjenigen, der er ist? Um dies herauszufinden, müssen möglichst viele Informationen aus dem bisherigen Leben eines Menschen gesammelt werden. Ereignisse, Erfahrungen, Begegnungen, Erfolge, Misserfolge, Trennungen und Krankheiten des Pflegeempfängers helfen uns, ihn und seine Situation besser zu verstehen und unsere Pflege darauf einzustellen.

1.3 Pflegeprozess

Als Pflegeprozess bezeichnet man eine systematische, an den Bedürfnissen des Pflegeempfängers orientierte und laufend angepasste Pflege. Ziel ist es, die individuelle Situation des Pflegeempfängers mit seinen Problemen und Ressourcen (Möglichkeiten) zu erkennen, Maßnahmen zu ergreifen um eventuelle Probleme zu lösen, Ressourcen zu erhalten bzw. zu fördern und das Ergebnis immer wieder zu überprüfen. Der Pflegeprozess ermöglicht so eine organisierte und ganzheitlich orientierte, individuelle Pflege.

1.4 Pflegeplanung

Unter Pflegeplanung wird die systematische und zielgerichtete Planung, Durchführung und Bewertung von Pflege bezeichnet. Sie dient außerdem der Qualitätssicherung in der Pflege. Ein wesentliches Merkmal der Pflegeplanung ist der Pflegeprozess.

1.5 Pflegedokumentation

• Geplante Pflegemaßnahmen werden vom gesamten Pflegepersonal kontinuierlich durchgeführt und deren Erfolge oder Misserfolge dokumentiert.

• Die Dokumentation sollte möglichst wenig aufwendig und in einer standardisierten Form erfolgen. Je weniger Aufwand nötig ist, desto eher wird sie sorgfältig geführt.

• Anhand solch einer Dokumentation ist es auch für »neues« Pflegepersonal (Urlaub, Krankheit etc.) oder andere Pflegeeinrichtungen sehr schnell möglich, sich einen aktuellen Überblick über die Situation des Pflegeempfängers zu verschaffen.

• Rechtliche Absicherung: Bei eventuellen Klagen wegen unterlassener Pflegemaßnahmen gilt: Nur dokumentierte Pflege gilt als geleistet!

Schlanke Pflegedokumentation

• Keine Dokumentationen der Routine- und Grundpflegetätigkeiten

• Dokumentation in der Grundpflege: Von der Pflegeplanung abweichende Ereignisse und Leistungen

2 Krankenbeobachtung
Einführung

Für eine gute Pflege ist ein genaues Beobachten des Pflegeempfängers sehr wichtig.

Der Pflegeempfänger sollte möglichst offen und vorurteilsfrei gesehen werden.

Interesse, Aufmerksamkeit, Erfahrungen (bereits gemachte und die Bereitschaft neue zu gewinnen), Einfühlungsvermögen, genügend Zeit und Vorwissen erleichtern die Arbeit.

Wichtiges ist von Unwichtigem zu trennen und unsere Beobachtungen sind exakt zu dokumentieren. Für diese Aufgabe stehen uns unsere Augen, unsere Ohren, unsere Nase, unsere Hände und Hilfsmittel wie Waage, Messband, Thermometer und Blutdruckmessgerät etc. zur Verfügung.

Sie alle dienen zur Erfassung von Informationen über den Pflegeempfänger und helfen uns, so gut wie möglich auf dessen Bedürfnisse zu reagieren. Je mehr Informationen wir haben, desto eher ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Pflegeempfänger und Pflegenden möglich.

Es kann bei jedem Zusammensein mit dem Pflegeempfänger beobachtet werden. Das Wohlbefinden des Pflegeempfängers, ein frühzeitiges Erkennen von Problemen und Ressourcen und eventuelle Pflegeziele können so viel eher erreicht werden.

Stress, Übermüdung, Ekel oder Antipathie (Widerwillen/Abneigung gegen Menschen oder Dinge) verhindern eine gute Krankenbeobachtung.

2.1 Informationsaufnahme über unsere Sinne
Augen

• Farbveränderungen

• Hautveränderungen

• Formveränderungen

Hände

• Temperatur

• Hautveränderungen

• Puls

Ohren

• Atemgeräusche

• Schmerzäußerungen

• Stimmveränderungen

• Darmgeräusche

• Geräusche von Maschinen

Nase

• Gerüche von Ausscheidungen

• Atemgerüche

• Gerüche von Ausdünstungen

Viele Ursachen, z. B. Angst oder Schmerz, haben oft Auswirkungen auf die Veränderung von mehreren Merkmalen.

2.2 Informationsaufnahme über Hilfsmittel

Hierzu dienen u. a. Thermometer, Waage, Messband, Blutdruckmessgerät/Stethoskop und Blutzuckermessgerät.

2.3 Grundsätze der Krankenbeobachtung

Alle wichtigen Beobachtungen müssen für Nachfragen mit dem Namen der Pflegekraft dokumentiert werden, um sie auch anderen Pflegekräften oder Ärzten zugänglich zu machen, Veränderungen zu erkennen und eventuell Maßnahmen ergreifen zu können.

2.3.1 Beobachtung der Vitalfunktionen

• Temperatur

• Bewusstsein ( Kap. 2.3.6 Bewusstseinslage)

• Atmung ( Kap. 2 Die Atmungsorgane)

• Puls/Blutdruck( Kap. 4 Das Herz-Kreislauf-System)

2.3.2 Allgemeinzustand
Konstitution

• Normal

• Muskulös

• Kachektisch (krankhaft stark abgemagert)

• Adipös (fettleibig)

Körpergröße

Pflegeempfänger werden immer barfuß, in aufrechter Position und etwa zur gleichen Tageszeit an einer Wand oder einer Schiene gemessen.

Körperhygiene

• Gerüche:

− Die Wahrnehmung von Gerüchen ist sehr unterschiedlich. Körpergeruch entsteht nicht durch frischen Schweiß, sondern erst durch dessen Zersetzung.

• Haare

• Fingernägel

• Zähne

• Haut

Mobilität

Die Körperhaltung und die Muskelspannung sind bei gesunden Menschen willentlich beeinflussbar bzw. der Situation angepasst.

• Passive Lage im Bett: Erschöpfung, schlechter Allgemeinzustand (AZ), Schlaganfall, Schock, Ohnmacht

• Seitliche Lage oder Rückenlage mit hoch angezogenen Beinen: Magen- und Darmschmerzen, Entzündung des Bauchfells, Angst

• Rechte Seitenlage mit angezogenem rechten Oberschenkel: Eventuell Blinddarmentzündung

• Aufrechtes Sitzen mit nach vorn abgestützten Armen: Atemnot, Asthma

• Gebeugtes Sitzen: Depressive Verstimmung, Müdigkeit/Erschöpfung, eine Muskelerkrankung, Schmerzen u. a.

• Schonhaltung zur Vermeidung bestimmter Bewegungen: Schmerzen führen zu einer Einschränkung der Beweglichkeit des betroffenen Körperteils.

Beweglichkeit

Die Bewegungen eines gesunden Menschen sind nicht eingeschränkt und nicht unwillkürlich (außer Reflexe).

• Tremor (rasch aufeinanderfolgende rhythmische Zuckungen): u. a. bei Morbus Parkinson

• Zittern: z. B. bei Alkoholikern, Ermüdung, Angst, Kältegefühl, Morbus Parkinson

• Kurz andauernde Muskelkrämpfe oder Schüttelbewegungen: Hirnerkrankungen, Parkinson, Verletzungen, Epilepsie, Vergiftungen

• Gezielte Bewegungen sind nicht oder nur schlecht möglich: Schlaganfall, Morbus Parkinson, Drogen, Medikamente

• Bewegungen werden über längere Zeit pausenlos wiederholt: Erkrankungen des Nervensystems, Demenz

• Plötzliche unkontrollierte Bewegungen: Entstehung eines Krampfes, Schlaganfall

• Eingeschränkte oder nicht mögliche Bewegungen (Lähmungen): Verschleiß, verschiedene Erkrankungen von Gelenken und Wirbelsäule, eingeschränkte Beweglichkeit durch eine unnormale Gelenkstellung aufgrund einer längeren Ruhigstellung des Gelenkes

Aktivität

Gestik: Bewegung von Armen und Händen.

Sie erfolgt oft unwillkürlich, manchmal als unbewusste Abwehrreaktion, die nicht persönlich gemeint sein muss. Bei einer Einschränkung des Hörvermögens oder Gehörlosigkeit ist Gestik eine wichtige Möglichkeit der Kommunikation.

Steife, ungelenke Gestik: Folge von Schmerzen bei Bewegungen, Morbus Parkinson und ängstlicher Zurückhaltung.

Fähigkeit zur Selbstversorgung

• Alleinversorger

• Teilweise fremdversorgt

• Komplett fremdversorgt

Stimme und Sprache

Oft gibt uns die Stimme schon viele Informationen über den Zustand des Pflegeempfängers.

• Schwache und flüsternde Stimme: mögliches Anzeichen für Angst, Schmerzen, Müdigkeit/Erschöpfung, Unsicherheit oder eine Erkrankung im Rachenbereich

• Heisere, belegte Stimme: Entzündung oder Reizung (z. B. durch Qualm)

• Undeutliche Sprache: Zahn- oder Kieferveränderungen, Lähmungen im Gesichtsbereich, eine schlecht sitzende Zahnprothese

• Lallt der Pflegeempfänger, ist oft Alkohol, eine Erkrankung (z. B. Schlaganfall) oder ein Medikament die Ursache.

2.3.3 Ernährungszustand

• Gewicht

• Normaler Ernährungszustand

• Kachexie: Fehlen der normalen Fettpolster, stark reduzierte Hautspannung, Auszehrung und Kräfteverfall

• Adipositas: Übergewicht

• Appetit: Wird alles gegessen, kleine oder große Portionen, oft oder selten, Vorlieben oder Abneigungen

• Nur geeichte Waagen verwenden, die waagerecht an immer der gleichen Stelle stehen

• Der Pflegeempfänger ist immer zur gleichen Tageszeit, am besten morgens und in ungefähr der gleichen Bekleidung zu wiegen.

• Gewogen wird bei der Aufnahme, bei Essstörungen oder starken Ödemen (Wassereinlagerungen) und nach der hausüblichen Routine.

• Veränderungen an Haut und Schleimhaut

2.3.4 Veränderungen im Gesicht

Alter, Krankheiten und die Erfahrungen, die jemand gemacht hat, prägen auch dessen Gesicht.

• Gerötet: Scham, Fieber, Anstrengung, hoher Blutdruck

• Blass: Schock, Unterkühlung, Blutarmut

• Gelb: Lebererkrankung

• Spitze Nase, tief liegende Augen mit dunklen Rändern und eingefallene, blasse Wangen: Schwere Erkrankung mit Fieber, Schock, naher Tod

• Schlaffe Gesichtshälfte und/oder eine hängende Lippe auf einer Gesichtshälfte: Schlaganfall mit einer Halbseitenlähmung

• Starrer Gesichtsausdruck mit fehlender oder stark eingeschränkter Mimik: evtl. Morbus Parkinson, »In-sich-Zurückgezogensein«

Augen

Beim gesunden, wachen Menschen sind beide Augen gleich weit geöffnet, der Augapfel ist prall gefüllt und glänzt feucht. Die Pupillen bewegen sich gleichzeitig, sind gleich groß und reagieren auf Licht.

• Gerötet: Weinen, Entzündung

• Gelb: Lebererkrankung

• Auge tritt zum Teil aus der Augenhöhle: Entzündungen, Morbus Basedow

Mimik/Bewegung der Gesichtsmuskulatur

Normalerweise passt der Mensch seine Mimik (s. u.) der jeweiligen Situation an.

Schmerzen, Unruhe, Trauer, Ängste, Teilnahmslosigkeit, aber auch Freude oder rege Teilnahme zeigen sich oft im Gesicht.

Krankheiten, die eine komplette oder teilweise Lähmung der Gesichtsmuskulatur hervorrufen, verhindern ein solches Mimikspiel. Das Gesicht des Pflegeempfängers wirkt dann oft fälschlicherweise hart oder unbewegt. Hier ist besonders große Aufmerksamkeit gefordert, da der Gesichtsausdruck oft das Erste ist, was wir von einem Menschen wahrnehmen und das uns einen ersten Eindruck vermittelt.

2.3.5 Psychische Verfassung

• Verhalten

− Gefühle wie Ängste, Gelassenheit, Kooperation, Ruhe/Unruhe

− Das Verhalten eines Pflegeempfängers hängt von seinen Stimmungen, seiner Vergangenheit, äußeren Faktoren wie der direkten Umgebung, der Stimmung der Pflegekraft, der sozialen Situation und vielem mehr ab.

• Bewusstseinslage

• Mimik (sichtbare Bewegungen der Gesichtsoberfläche)

• Gestik (Bewegungen insbesondere der Arme und Hände)

• Gang und Haltung

• Beweglichkeit

• Stimme, Sprache

2.3.6 Bewusstseinslage

Benommenheit:: Zeitweilige geistige Abwesenheit.

Ursachen: Übermüdung, Stress, Schwäche, Medikamente, Alkohol/Drogen.

Somnolenz: Schläfrige Teilnahmslosigkeit, die durch Reize nur kurz unterbrochen werden kann, geringe Merkfähigkeit, verlangsamtes Reaktions- und Erinnerungsvermögen.

Ursachen: starkes Schlafdefizit, Medikamente, Tumore, Unterkühlung, Drogen.

Sopor: Nur mit starken Reizen erweckbar; Öffnen der Augen, keine Antwort auf Fragen. Reflexe sind noch vorhanden.

Ursachen: Vergiftungen, Medikamente, Tumore, Drogen.

Koma:Bewusstlosigkeit, keinerlei Reflexe oder Schmerzreaktionen, unwillkürlicher Stuhl- und Wasserabgang.

Ursachen: mangelnde Hirndurchblutung, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Erkrankungen der Atmungsorgane (eventuell Aspiration: Verlegung der Luftwege durch einen Fremdkörper), Stoffwechselstörungen, Tumore, Drogen.

2.3.7 Schlaf

Rund ein Drittel unseres Daseins verbringen wir im Schlaf. Das Schlafbedürfnis eines Erwachsenen liegt etwa zwischen sechs und zehn Stunden. Die »optimale« tägliche Schlafdauer für den erwachsenen Menschen sowie deren Verteilung über den Tag ist wissenschaftlich umstritten.

Es gibt grundsätzlich zwei Schlaftypen:

• Den Früh-ins-Bett-Geher-und-Früh-Aufsteher

• Den Spät-ins-Bett-Geher-und-Spät-Aufsteher

Im Schlaf wechseln sich REM- und NREM-Phasen ab.

• NREM-Schlaf: Puls, Atemfrequenz, Blutdruck und Gehirnaktivität sinken ab

• REM-Schlaf: erhöhte Gehirnaktivität (an Träume aus dieser Phase erinnert man sich am häufigsten), Anstieg der Herz- und Atemfrequenz und des Blutdrucks. Die Muskulatur ist im REM-Schlaf blockiert.

Schlaf-wach-Rhythmus:

• Jeder Mensch hat eine »Innere Uhr«, nach der er wach ist und schläft.

Schlafmangel:

• Verlangsamt die Wundheilung

• Schädigt das Immunsystem

• Erhöht das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Diabetes

Einschlafstörungen
Symptome

Längere Phasen der ungewollten Wachheit in der Einschlafphase.

Ursachen

• Koffein später als am Nachmittag

• Sport oder Arbeit am späteren Abend

• Melatoninmangel

Maßnahmen

• Die beste Einschlaf-Zeit: bei beginnender Müdigkeit

• Die beste Schlafzimmertemperatur: zwischen 16 und 19 °C

• Dunkelheit erleichtert häufig das Einschlafen.

• Einschlafrituale können das Einschlafen fördern.

• Positive Gedanken erleichtern das Einschlafen.

• Kein Mittagsschlaf

Durchschlafstörungen
Symptome

• Frühzeitiges erstmaliges Erwachen

• Häufiges Kurzerwachen

• Längeres Wachliegen

• Unruhiger und oberflächlicher Schlaf

• U. U. vermehrtes Schwitzen, beschleunigter Puls

Ursachen

• Herzinsuffizienz mit Ödembildung: Die nächtliche flache Lage erleichtert den Rückstrom der Ödeme und die Ausscheidung über die Niere (wiederholter Toilettengang).

• Alkohol vor dem Schlafengehen führt zum Aufwachen in der Nacht und erschwertem Wiedereinschlafen.

• Einnahme schwerer Mahlzeiten am Abend

• Depressive Erkrankungen

• Medikamente

• Problemgrübeln

• Bewegungsunruhe, meist im Bereich der Beine (Restless-leg-Syndrom)

Maßnahmen

• Kein Alkohol vor dem Schlafengehen

• Keine schweren Mahlzeiten vor dem Schlafengehen

• Medikamentöse Behandlung der Herzinsuffizienz

• Vermeidung der längerfristigen Einnahme von Schlaftabletten

2.3.8 Körpertemperatur

Beim gesunden Menschen liegt die normale Körperkerntemperatur (Temperatur der lebenswichtigen inneren Organe) zwischen 36°C und 37°C. Dieser Temperaturbereich ermöglicht einen geregelten Stoffwechsel. Die Körpertemperatur des Menschen schwankt tageszeitabhängig; morgens um 6.00 Uhr ist sie am tiefsten, abends um 18.00 Uhr am höchsten.

• Ältere Menschen haben oft einen eingeschränkten Stoffwechsel, sie frieren deshalb schon früher als jüngere Menschen.

• Bei Hitze gilt es, ältere Pflegeempfänger vor Überhitzung zu schützen, da bei ihnen oft das Durstgefühl eingeschränkt ist (kein Schwitzen als Temperaturausgleich möglich).

Kerntemperatur

Die Kerntemperatur sollte möglichst immer gleich bleiben, ein zu hoher Anstieg (> 42oC) oder ein zu starker Abfall (< 27oC) kann zu bleibenden Schäden am Gewebe bis zum Tod führen.

Körperschalentemperatur

Mit der Körperschalentemperatur bezeichnet man die Temperatur an Haut und Gliedmaßen; sie passt sich den äußeren Bedingungen an. Bezeichnung der einzelnen Temperaturbereiche:


• ab 33°C Unterkühlung
• 35°C Untertemperatur
• 36–37°C Normaltemperatur
• 37–38°C erhöhte Temperatur
• 38–39°C leichtes Fieber
• 39–40,5°C hohes Fieber
• 41°C sehr hohes Fieber
• 42°C Kreislaufversagen

Temperaturmessung
Messpunkte

• Achselhöhle (axillar)

• Mundhöhle (sub-lingual)

• Enddarm (rektal)

• Ohr (tympanal)

Achselhöhle (axillar)

• Die Achseln müssen bei der Messung trocken sein.

• Das Thermometer sollte mit dem Arm in der Achsel festgeklemmt werden.

Zeit: etwa 8–10 min, mit einem Digitalthermometer nur 1 min.

Mundhöhle (sub-lingual: sub = unter, lingual = Zunge)

• Bei unruhigen Pflegeempfängern nicht geeignet

• Der Pflegeempfänger sollte 10 min vor der Messung nichts Kaltes oder Heißes gegessen oder getrunken haben.

• Die Spitze des Thermometers ist unter die Zunge neben das Zungenbändchen zu legen.

Zeit: etwa 5 min, das Ergebnis ist etwa 0,3°C höher als bei der Messung unter der Achselhöhle.

Enddarm (rektal: Rektum = Enddarm)

• Eine der genauesten Messmethoden

• Bei unruhigen Pflegeempfängern nicht anzuwenden

• Eine Hülle als Schutz verwenden und mit warmem Wasser anfeuchten, um eine bessere Gleitfähigkeit zu ermöglichen. Vaseline oder andere Cremes können das Messergebnis verfälschen.

• Der Pflegeempfänger sollte auf dem Bauch oder mit angezogenen Beinen auf der Seite liegen.

• Bei Hämorrhoiden oder nach Darmoperationen sollte diese Methode nicht angewendet werden.

• Unbedingt auf das Schamgefühl des Pflegeempfängers achten: Er sollte allein oder zumindest sichtgeschützt im Bett liegen und nur soweit wie nötig abgedeckt sein.

Zeit: etwa 2–3 min, das Ergebnis ist ca. 0,5°C höher als bei der axillaren Messung.

Ohr (Tympanal Trommelfell (Membrana tympani))

• Ebenso genau wie die rektale Messung

• Schutzhülle für das Thermometer verwenden

Zeit: nur 3 sec.

Alle Temperaturen sind zu notieren, zu hohe oder zu tiefe Temperaturen sind der Leitung zu melden.

• Thermometer sind nach dem Gebrauch zu desinfizieren bzw. der Schutz ist zu entfernen.

• Für digitale Thermometer muss eine Bedienungsanleitung auf der Station vorhanden sein, in welcher der Gebrauch des jeweiligen Gerätes beschrieben wird.

• Quecksilber von zerbrochenen Thermometern muss sofort aufgefegt und in einem luftdichten Behälter der Apotheke übergeben werden. Quecksilber ist hochgiftig.

• Der Inhalt von Glasthermometern muss nach der Messung wieder heruntergeschlagen werden. Sie sind sehr bruchempfindlich.

Fieber

Bei einer Körpertemperatur von über 38°C (in der Achsel) sprechen wir von Fieber. Fieber ist eine natürliche Abwehrreaktion des Körpers und muss nicht in jedem Fall bekämpft werden.

Symptome

• Kopf- und Muskelschmerzen

• Müdigkeit

• Frösteln bis zum Schüttelfrost

• Schweißausbrüche

• Rotes Gesicht mit glänzenden Augen

• Erhöhter Puls

• Beschleunigte Atmung

• Durst und eine belegte Zunge

Es müssen nicht alle Symptome zur gleichen Zeit auftreten und sie können auch verschieden stark ausgeprägt sein.

Ursachen

• Starke Infektion durch Bakterien

• Starke Infektion durch Viren

• Vergiftungen (z. B. durch Pilze)

• Zentrales Fieber (durch das Gehirn ausgelöst)

Physiologie

Bestimmte Hirnareale lösen den Befehl aus, die Körpertemperatur zu steigern.

• Die Skelettmuskulatur beginnt zu zittern; dieses Zittern kann nicht willentlich beeinflusst werden und dient der Temperaturerhöhung, da bei Betätigung der Muskeln Wärme erzeugt wird (Schüttelfrost s. u.).

• Die Blutgefäße verengen sich (geringere Wärmeabgabe).

• Der Körper wird so lange aufgeheizt, bis die geforderte Temperatur erreicht ist.

Fieberverlauf
Temperaturanstieg

Ein langsamer Temperaturanstieg wird oft zunächst gar nicht als solcher bemerkt und ist für den Körper besser verträglich als ein plötzlicher Schüttelfrost (s. u.). Ist die vorgegebene Temperatur erreicht, die sogenannte Fieberspitze, kommt es zu einem Temperaturabfall. Hier fällt das Fieber in der Regel langsam wieder auf die normale Körpertemperatur.

Temperaturabfall

Ein plötzlicher Temperaturabfall innerhalb von 24 Stunden kann den Körper stark belasten und lebensgefährdend sein. Durch die plötzliche Weitstellung der Blutgefäße kann es zu Zeichen eines Kreislaufversagens kommen:

• Blutdruckabfall

• Schneller Puls

• Blässe bzw. Blaufärbung


Es ist sofort ein Arzt oder eine verantwortliche Kraft zu informieren.

In der Zeit des Temperaturabfalls ist der Pflegeempfänger deshalb besonders engmaschig zu überwachen (Puls, Blutdruck, Atmung).

Maßnahmen

Eine Fiebersenkung ist nötig, wenn

• Ein Fieber länger als 1–2 Tage anhält.

• Die Temperatur über 39°C steigt.

• Der Kreislauf zu sehr belastet wird.

In diesen Fällen kann versucht werden, die Temperatur mit fiebersenkenden Tees (Lindenblüte, Stechpalme), kühlen Waschungen oder lauwarmen Wadenwickeln zu senken. Im Zweifelsfall immer einen Arzt informieren!


Da durch das Schwitzen viel Flüssigkeit verloren geht, sollte pro Tag für jedes Grad Celsius über 37°C zusätzlich 0,5–1 l Flüssigkeit getrunken werden. Eine Brühe oder isotonische Getränke liefern dem Körper zusätzliche Mineralstoffe (Natrium, Magnesium), die er jetzt dringend benötigt.

Zusätzliche Pflegemaßnahmen

Pflegeempfänger mit Fieber fühlen sich sehr krank und bedürfen einer erhöhten Zuwendung, Pflege und Überwachung.

• Zimmer immer gut lüften

• Raumtemperatur nach Wunsch des Pflegeempfängers einstellen

• Auf Wunsch das Zimmer oder Bett abdunkeln/abschirmen

• Durch die Immobilität und das starke Schwitzen ist auf eine gute Grundpflege und die Einhaltung der Prophylaxen zu achten.

• Wäschewechsel bei Bedarf

• Vorsichtige Mobilisation erst nach einer abgesunkenen Temperatur; der Kreislauf ist stark geschwächt

• Kostaufbau mit leichter Kost und kleinen Portionen beginnen

• Überwachung der Trinkmenge und der Ausscheidungen

• Überwachung von Puls und Blutdruck

• Überwachung der Temperatur

Durch den hohen Flüssigkeitsverlust und die Bettlägerigkeit kann es auch leicht zu einer Verstopfung kommen, hausinterne Maßnahmen sind gegebenenfalls zu ergreifen.

Schüttelfrost

Ein sehr schnelles Muskelzittern wird als Schüttelfrost bezeichnet. Es dient der schnelleren Erwärmung des Körpers, normales Muskelzittern und eine Engstellung der Blutgefäße reichen dann nicht mehr aus. Schüttelfrost tritt in der Regel in Schüben von einigen Minuten Dauer auf und geht schließlich in einen Zustand entspannter Wärme, häufig direkt in den Schlaf über. Beim Schüttelfrost muss immer eine vorgesetzte Pflegekraft informiert werden.

Tab. A.2.1: Schüttelfrost wird in vier Phasen unterteilt.


Hitzschlag
Ursache

Der Körper ist über einen zu langen Zeitraum hohen Temperaturen ausgesetzt gewesen. In seltenen Fällen kann ein Hitzschlag auch zum Tod führen.

Symptome

• Die Körpertemperatur steigt an

• Schwindel

• Übelkeit

• Bewusstlosigkeit

Maßnahmen

• Betroffene Personen ins Kühle oder in den Schatten bringen

• Feuchte, mit Wasser getränkte Umschläge


• Bei Bewusstlosigkeit Schocklage durchführen (Oberkörper flach auf den Boden legen, Beine auf einen Stuhl oder ähnliches legen, aber niemals höher) und den Notarzt rufen

• Nicht Bewusstlosen lauwarme Getränke reichen

Sonnenstich
Ursache

Durch Sonneneinstrahlung kommt es zu einer Irritation des Gehirns und der Hirnhaut.

Symptome

• Roter Kopf

• Unruhe

• Kopfschmerzen

• Übelkeit

• Bewusstseinsstörungen

• Nackenschmerzen bis hin zu einer Nackensteifigkeit

• Die Körpertemperatur ist nicht erhöht

Maßnahmen

• Betroffene Personen ins Kühle oder in den Schatten bringen

• Notarzt rufen


• Oberkörper hoch lagern

• Kopf, Hals und Nacken kühlen

Hypothermie

Als Hypothermie bezeichnet man den Zustand der Unterkühlung des Körpers bzw. eines Gewebes.

Erfrierung: Örtlich begrenzte Hypothermie (z. B. Hände, Füße, Ohren, Nase).

Einteilung

1. Grad: milde Hypothermie, 35–32°C Körperkerntemperatur

• Unruhe

• Muskelzittern, nur der Körperkern wird durchblutet

• Hyperventilation (übermäßige Atmung bei Angst, Panik oder in Stresssituationen)

• Hypertonie (Bluthochdruck)

• Tachykardie (schneller Puls)

2. Grad: mittelgradige Hypothermie, 32–30°C Körperkerntemperatur

• Teilnahmslosigkeit

• Verwirrtheit (Kälteidiotie: Kurz vor dem Tod weiten sich die peripheren Gefäße wieder, das warme Blut schießt zurück in die unterkühlten Extremitäten. Der betroffenen Person wird warm, sie beginnt zu schwitzen. Die Person beginnt sich auszuziehen.)

• Flache, unregelmäßige Atmung

• Hypotonie

• Bradykardie (langsamer Puls)

• Muskeln und Gelenke erstarren zunehmend.

3. Grad: schwere Hypothermie, 30–27°C Körperkerntemperatur

• Bewusstlosigkeit

• Weite Pupillen

• Atemstillstand

• Kammerflimmern

2.3.9 Schmerz
Ursachen

Krankheit, Verletzungen (körperlich und seelisch).

Schmerz wird von verschiedenen Menschen und in verschiedenen Situationen ganz unterschiedlich wahrgenommen (Kinder beim Spielen oder Menschen unter Schock verspüren oft zunächst keinen Schmerz).

Symptome

Schreien/Stöhnen/Weinen, Unruhe, Gereiztheit, Verkrampfungen im Gesicht, Tränen, zusammengebissene Zähne, Zwangs-/Schonhaltung

Akuter Schmerz

• Wichtiges Warnsignal des Körpers

Chronischer Schmerz

• Schmerzen, die länger als sechs Monate anhalten

• Immer wiederkehrende Schmerzen (z. B. Migräne), wenn sie an mehr als 15 Tagen im Monat auftreten

Schmerzgedächtnis

• Durch eine andauernde Reizung kann es zu ständigen Schmerzsignalen an das Rückenmark kommen.

• Die Schmerzsignale werden nicht mehr »gebremst« und ungedämpft an das Gehirn weitergeleitet.

• Bestimmte Nervenzellen im Rückenmark werden überempfindlich: Selbst schwächste Reize werden als Schmerzsignale weitergeleitet.

Wo, wann und wie tritt der Schmerz auf? Wie wird er empfunden?


• Plötzlich auftretender Schmerz in der Brust mit Luftnot : Verdacht auf Lungenembolie, sofort einen Arzt verständigen

• Vernichtungsschmerz (plötzlich auftretender, stärkster Schmerz, der ein Gefühl der Hilflosigkeit auslöst und zu massiver Todesangst führen kann): Verdacht auf Herzinfarkt oder Lungenembolie, sofort einen Arzt benachrichtigen


• Schmerzen hinter dem Brustbein, z. B in Arm ausstrahlend: Verdacht auf Herzinfarkt, sofort einen Arzt benachrichtigen

• Anhaltender Schmerz (seit mindestens drei bis sechs Monaten fast immer vorhanden oder häufig wiederkehrend)

• Pochender Schmerz (erhöhter/veränderter Blutfluss in der betroffenen Region)

• Wiederkehrender Schmerz (Migräneanfälle, Spannungskopfschmerzen, Rückenschmerzen)

• Schmerz in den Fußsohlen oder in der Wade: Verdacht auf Thrombose, einen Arzt benachrichtigen

• Chronischer Schmerz (s. anhaltender Schmerz)


Abb. 2.1: Schmerzskala

Maßnahmen

• Schmerzlindernde Lagerungen

• Medikamentengabe

• Wärme (Muskelverspannungen, Bauch-/Unterleibsschmerzen)

• Kälte (akute Verletzungen, Blutergüsse, Operationswunden, Muskelverletzungen, Brustentzündungen)

2.3.10 Gerüche und ihre mögliche Bedeutung
Sauer

• Erbrochenes (Magensäure)

Nagellackentferner (Aceton)


• Diabetisches Koma, sofort Arzt benachrichtigen

Saure Äpfel

• Eventuell eine Unterzuckerung, auch hier ist immer ein Blutzuckertest1 zu machen.

Harngeruch

• Hinweis auf konzentrierten Urin oder auch Inkontinenz. Normaler Urin riecht erst nach dem Zerfall einiger Eiweiße.

Rohe Leber, frische Erde

• Lebererkrankung oder Zerfall der Leber stehen bevor.

Fäulnis

• Absterbendes, sich zersetzendes Gewebe (Eiter, Abszess)

Mandelgeruch

• Blausäurevergiftung

Gerüche können auch durch Nahrung oder Gifte entstehen.

Der Geruch von Stuhl oder Blähungen wird in der Regel nur von anderen Menschen als unangenehm empfunden.

1 Bei stark abweichenden Werten eine verantwortliche Kraft informieren.

3 Kommunikation
Definition


Wechselseitiger Austausch von Gedanken und Gefühlen mithilfe von Sprache, nonverbalen Zeichen (Gestik, Mimik), Bildern oder Schrift. Kommunikation ist die Voraussetzung für unser Zusammenleben, sie ermöglicht es, einander zu verstehen und sich mitzuteilen.

3.1 Erster Eindruck

Unser erster Eindruck eines Menschen setzt sich zusammen aus

• dem Aussehen,

• seiner Art zu reden,

• seiner Art sich zu bewegen,

• seinem Geruch,

• seinem Umfeld und

• unserer Verfassung.

Der erste Eindruck ist oft die Grundlage für die Art der folgenden Kommunikation. Ob uns jemand sympathisch ist oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab. Nicht alle sind uns immer bewusst.

Personen, die sich selbst vertrauen, strahlen Selbstsicherheit aus. Daran möchten andere Menschen gerne teilhaben und suchen deshalb die Nähe solcher Menschen.

In der Regel bauen wir nur zu jenen Menschen Vertrauen auf, von denen wir glauben, dass sie uns mögen!

3.2 Vorurteile

Wie wir andere Menschen wahrnehmen und beurteilen, hängt davon ab, was wir bereits wissen und was wir über diese Menschen zu wissen glauben.

Menschen konstruieren sich ihre Wirklichkeit ständig selbst! Um die eigenen Ansichten und Meinungen zu stützen, suchen sie gleichgesinnte Menschen, die ihre Ansichten bestätigen.

Menschen haben vorgefertigte Urteile, also Vor-Urteile! Vorurteile begründen sich auf Verallgemeinerungen in der Wahrnehmung. Diese Verallgemeinerungen begegnen uns ständig und werden nur selten überdacht: »Blonde sind dumm, Arbeitslose faul, Dicke essen zu viel.« Beobachten Sie sich einmal selbst, wie schnell Sie über einen anderen Menschen urteilen, noch ehe Sie ihn richtig kennengelernt haben!

Oftmals müssen wir mit Personen, die wir nicht mögen, viel Zeit verbringen, Räumlichkeiten und gemeinsame Interessen teilen. Im Kindergarten und in der Schule erleben viele zum ersten Mal, dass sie gezwungen werden, sich in eine Gruppe einzuordnen. Hier haben Vorurteile einen riesigen Nachteil, weil sie das Zusammenarbeiten oder Zusammenleben mit Menschen, die anders sind, oft erschweren.

Andererseits bieten Vorurteile Gruppen die Möglichkeit, sich von anderen abzugrenzen sowie eine Gemeinsamkeit und ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu finden, deshalb werden wir immer wieder Vorurteilen begegnen.

Das Nicht-Sehen einer individuellen Persönlichkeit, sondern nur deren jeweilige vermeintliche Gruppenzugehörigkeit, nimmt nicht nur die Individualität eines jeden, sondern erschwert die Zusammenarbeit verschiedener Gruppen.

3.3 Rituale

Feste, strukturierte, sich wiederholende Tätigkeiten verschaffen einem Pflegeempfänger Sicherheit. Oft sind Rituale auch so gestaltet, dass ein möglichst geringer Energieaufwand benötigt wird. Sie sollten wenn möglich ausgelebt werden können.

3.4 Nonverbale Kommunikation

Nonverbale Kommunikation benutzt nicht-sprachliche Zeichen, die zur Kommunikation beitragen.

Nach Meinung des Wissenschaftlers Paul Watzlawick kann man nicht nicht kommunizieren, das heißt, wir senden auch ungewollt immer Informationen aus, neben der Mimik und der Gestik auch über die Körperhaltung.

Deshalb ist es auch viel einfacher, am Telefon zu lügen, als dem Gesprächspartner dabei in die Augen sehen zu müssen.

Das Wichtigste ist jedoch die innere Haltung (Einstellung) zum Gegenüber, die Art, wie wir dem Anderen zuhören und dabei möglichst dessen persönliche Gefühlssituation mit einbeziehen.

Bei einem Gespräch sollten wir uns dem Gesprächspartner zuwenden, ihn ansehen und keine Abwehrhaltung einnehmen.

Man braucht 17 Muskeln, um zu lächeln, und 43, um finster zu blicken.

3.5 Verbale Kommunikation

Verbale Kommunikation findet immer zwischen zwei Personen oder Personengruppen statt. Eine Modellvorstellung von dieser Interaktion ist das Nachrichtenquadrat oder Vier-Ohrenmodell von Friedemann Schultz von Thun.

Nachrichtenquadrat und Vier-Ohrenmodell von Friedemann Schultz von Thun in Anlehnung an Watzlawick (Oelke 2011, S. 325).


Abb. 3.1: Das Nachrichtenquadrat


Abb. 3.2: Das Vier-Ohrenmodell

Der Sachinhalt, über den ich informiere

Es geht um die Sache an sich, eine Sachinformation wird ausgetauscht.

Die Selbstoffenbarung oder was ich von mir selbst kundgebe

Die Selbstoffenbarung in der Nachricht ist vielen Menschen gar nicht bewusst oder geläufig.

Der Appellaspekt oder wozu ich dich veranlassen möchte

Wir wollen etwas mit unserer Kommunikation erreichen, in der Regel soll jemand etwas tun. Der Appellaspekt ist uns meist bewusst.

Der Beziehungsaspekt oder was ich von dir halte und wie wir zueinander stehen

Vieles sagen wir, weil uns etwas an dem anderen Menschen liegt und nicht, weil es vernünftig wäre.

Vieles sagen wir nicht, weil uns an dem Gegenüber so gar nichts liegt oder wir diesen Menschen gar nicht (mehr) mögen; auch wenn es vernünftiger wäre, es zu sagen.

Gespräche laufen auf verschiedenen Ebenen (Wellenlängen) ab.

Beispiel

Ein Mann kommt am Abend nach Hause und seine Frau begrüßt ihn: »Hallo Schatz! Ich war heute beim Frisör, aber der hat mich total verschnitten!« Der Mann antwortet scheinbar verständnisvoll:

»Dann gehst du halt morgen einfach zu einem anderen.« Das ist jedoch nicht das, was die Frau hören wollte – sie wird sauer.

Der Mann als Empfänger hat die rein sachliche Ebene wahrgenommen, eben nur das Problem der verschnittenen Haare gesehen und auch dementsprechend geantwortet.

Die Frau als Sender sprach jedoch auf einer Beziehungsebene (mit der Erwartung, dass ihr Ehemann etwas Aufbauendes antworten würde wie: »Ich liebe dich doch auch mit einer verschnittenen Frisur«).

Es gibt auch die Ebene der Selbstoffenbarung, die Frau hat etwas von sich preisgeben: »Ich bin unglücklich über meine neue Frisur.« Der Ehemann hätte ihre Aussage auch so »empfangen« können.

Ihre Aussage beinhaltete auch einen Appell (Aufruf, Bitte): »Tröste mich.« Die beiden letzten Möglichkeiten führen am wenigsten zu Missverständnissen, der Empfänger der Nachricht kann am ehesten auf den Wunsch des Senders eingehen.

Kleine Hilfen bei Störungen der verbalen Kommunikation:

• Wiederholen des Gesagten mit eigenen Worten bei Unklarheiten oder um das Gegenüber zu unterstützen (nicht übertreiben!).

• Gesprächspausen, von Minuten bis zum Überschlafen

• Vertagung des Themas auf einen klar vereinbarten Zeitpunkt

• Nach den Emotionen fragen

• Gespräche mit Dritten – die aber nicht »Schiedsrichter« spielen sollten

3.6 Allgemeine Verhaltensweisen

Jeder Pflegeempfänger möchte mit dem, was er erzählt, ernst genommen werden.

Erfahrungen, von denen berichtet wird, werden schnell mit den eigenen Erfahrungen verglichen. Erfahrungen sind aber etwas ganz Persönliches und werden nie auf die gleiche Weise gemacht. Ein Vergleich kann dazu führen, dass man dem Pflegeempfänger nicht mehr so genau zuhört, weil man das Gesagte ja bereits zu kennen glaubt.


Sätze wie »Das wird schon wieder«, »Alles wird gut«, »Alles ist in Ordnung« sollten wir vermeiden.

• Aktives und aufmerksames Zuhören ist oft wichtiger als das eigene Reden. Kurze Antworten wie: »Ja, verstehe ich«, »Kann ich nachvollziehen«, »Sprich weiter« oder zustimmendes Nicken vermitteln dabei Verständnis und Interesse.

• Sich in die Situation des Pflegeempfängers hineinzuversetzen ist ebenso wichtig wie die nötige Distanz, um nicht in Mitleid zu zerfließen. Hier das Mittelmaß zu finden ist sicher nicht immer einfach und wird auch nicht jedem immer gelingen.

• Achtung! Beim Ansprechen von eigenen wunden Punkten gilt: Vorsicht! Bei solchen Gesprächen kann es schnell zu unkontrollierten Gefühlsausbrüchen kommen. In solchen Gesprächen sollten wir frühzeitig das Thema wechseln oder das Gespräch abbrechen.

• Zuweisung von Schuld (»Nie bist du für mich da!«): Distanzieren und das Problem nicht als persönlichen Angriff, sondern als ein zu lösendes Problem ansehen. Bei Gesprächen, bei denen unsere Fähigkeit, Hilfe und Unterstützung zu geben, nicht ausreicht, sollte man dies dem Pflegeempfänger mitteilen und auf geschulte Personen (Pastor, Psychologe) verweisen.

• Mimik, Gestik und Körperhaltung sagen oft mehr als Worte.

3.7 Validation/Demenz

Der Begriff Validation bedeutet übersetzt »Wertschätzung«. Validation ist eine Methode, um mit dementen Menschen zu kommunizieren.

Der Umgang mit geistig verwirrten oder dementen Menschen gehört sicherlich zu den schwierigsten Arbeiten in der Kranken- und Altenpflege. Geistig verwirrte Menschen leben in ihrer eigenen, von der tatsächlichen Umgebung unabhängigen Welt, mit ihren ganz eigenen Vorstellungen und Wünschen.

Demente Pflegeempfänger haben ebenso wie andere das Bedürfnis nach Nähe und Intimität und möchten wie andere Menschen auch so akzeptiert werden, wie sie sind. Begegnen wir ihnen unter diesen Voraussetzungen, können wir ihnen sehr nahekommen. Durch den Wunsch, sie zu verändern, sie ihrer Umgebung anzupassen oder sie in die (unsere) Wirklichkeit zurückzuholen, verliert man schnell den Kontakt. Sie werden ärgerlich, fühlen sich unverstanden und entwürdigt.

Validation basiert auf einem empathischen Ansatz (Fähigkeit eines Menschen, einen anderen Menschen von außen und ohne persönliche Grenzen zu überschreiten möglichst ganzheitlich zu erfassen, dessen Gefühle zu verstehen, sie nicht jedoch auch notwendigerweise zu teilen, und sich damit über dessen Verstehen und Handeln klar zu werden). Sie hilft dabei, Stress abzubauen und ermöglicht es, dementen Menschen ihre Würde und Anerkennung wiederzugeben.

Anstatt den verwirrten Menschen immer zu korrigieren, wenn er Personen verwechselt oder Gegenstände »falsch« benennt, respektiert man seine aktuelle Gefühlslage mit Ärger, Zorn, Ängsten oder Trauer, auch wenn sie für den Außenstehenden nicht nachvollziehbar ist. »Ich will nach Hause zu meiner Mutter«, kann z. B. eine Aussage eines Pflegeempfängers sein, wobei die Mutter schon lange verstorben ist. Das Gefühl der damaligen Geborgenheit ist aber immer noch da; die wirkliche Realität wird ausgeblendet.

Indem man »in die Schuhe« eines anderen Menschen schlüpft und »mit seinen Augen sieht«, kann man in die Welt der dementen Menschen vordringen und ihnen so das Gefühl von Verständnis und Angenommensein vermitteln. Im Zentrum dieser Methode steht das Bemühen, den Kranken in seinen Äußerungen, Gefühlen und Handlungen ernst zu nehmen. Im obigen Fall bedeutet dies, in der Aussage den Wunsch nach Geborgenheit zu erkennen.

Voraussetzungen für eine gute Validation

• Gute Kenntnis der Biografie des Pflegeempfängers

• Empathie

• Möglichst frei von Vorurteilen sein

• Mit eigenen Gefühlen sowie mit denen anderer Menschen umgehen können

• Mit Worten, Gesten, Blickkontakt und Berührungen kommunizieren können

• Sich ganz auf die andere Welt des Demenz-Kranken einlassen

• Fragen an den Pflegeempfänger einfach formulieren, Gesagtes u. U. wiederholen

Wenn die Krankheit weiter fortgeschritten ist, stehen dem Dementen keine Worte mehr zur Verfügung. Er braucht andere Menschen, die seine Worte für ihn aussprechen. Aber nicht nur durch Worte können wir unsere Wertschätzung äußern, sondern auch durch Berührungen, Streicheln oder ein Mitgehen in den Bewegungen des Kranken. Es ist also die Aufgabe von Familienangehörigen, Versorgenden und Betreuern, den Dementen zu verstehen und zu respektieren.

Auf Flohmärkten haben die Mitarbeiter des Altenheims der Arbeiterwohlfahrt in Trier Utensilien aus der Wirtschaftswunderzeit gesammelt – aus der Zeit also, an die sich die Demenzkranken heute gut und gern erinnern. Und das macht sie glücklich.

3.8 Mitteilen von schlechten Nachrichten

Die Wahrheit zu verschweigen bedeutet nicht, dem Pflegeempfänger etwas Gutes zu tun: Die Furcht vor dem Unbekannten kann sehr viel mehr Unruhe hervorrufen als die Not, mit einer bekannten, obgleich schmerzhaften Wahrheit umzugehen. Der Pflegeempfänger kann sich anpassen oder entsprechend planen, aber wenn er nicht weiß, wie er angemessen reagieren soll, kann er nichts tun und bleibt hilflos.

Eine Studie ergab, dass etwa 85 % der Befragten so viele Informationen wie möglich, egal ob gute und schlechte, über ihre Erkrankung wissen möchten.

Akzeptieren Sie die Tatsache, dass, wie auch immer eine schlechte Nachricht überbracht wird, sie immer eine schlechte Nachricht bleibt!

Die Wahrheit wird am Ende befreien, aber zuerst wird sich der Pflegeempfänger miserabel fühlen.

Zitat eines Patienten:

»Die Hoffnung stirbt nicht. Für uns Betroffene wandelt sie sich nur ein wenig von Zeit zu Zeit. Im Anfangsstadium der Krankheit hoffte ich, dass sie sich nicht ausbreiten würde, aber sie hat sich ausgebreitet. Inzwischen ist die Hoffnung eine andere. Ich möchte das nächste Frühjahr erleben und in meinem Garten die Blumen blühen sehen.« (Aulbert 2001, S. 7)

Barrieren, die Wahrheit mitzuteilen

• Angst davor, dem Pflegeempfänger eine schlechte Nachricht zu übermitteln

• Zeitmangel

• Probleme beim Umgang mit Gefühlen

• Eigene Hilflosigkeit, nichts »anbieten« zu können

Barrieren, die Wahrheit erfahren zu wollen

• Das Gefühl, die Ärzte/Pflegenden sind zu beschäftigt

• Der Glaube, Ärzte/Pflegende wären in erster Linie für physische Beschwerden zuständig

• Niemanden belasten wollen

• Angst, die Eigenkontrolle zu verlieren oder nicht mit der Situation zurechtzukommen

• Angst, schlimme Befürchtungen bestätigt zu bekommen

• Nicht in der Lage sein, die Fachsprache der Mediziner zu verstehen

Einige Grundregeln zur Überbringung von schlechten Nachrichten

• Seien Sie vorbereitet und bei der Sache.

• Zum Reden und Hören einen Platz suchen, wo Sie ungestört sitzen können und halten Sie Augenkontakt, wenn möglich auf derselben Augenhöhe

• Erfragen Sie, was der Pflegeempfänger bisher von seiner Krankheit verstanden hat

• Hören Sie aufmerksam zu

• Schlechte Nachricht nicht zu plötzlich vermitteln, immer vorher warnen

• Schlechte Nachrichten klar, verständlich und ohne medizinische Fachwörter ausdrücken. Immer wieder nachfragen, ob alles verstanden wurde

• Pausen einlegen, Stille zulassen können

• Reaktionen/Gefühle zulassen

• Eventuell Berührung zulassen/zukommen lassen! Die Haut als größtes Sinnesorgan bedarf einer großen Beachtung, eine Berührung der Haut bedeutet gleichzeitig das Berühren des Inneren.

• Keine Beschönigungen bei schlechten Nachrichten

• Nachfragen, wie der Pflegeempfänger mit der Nachricht klarkommt

• Nach einer schlechten Nachricht kann oft das Folgende gar nicht aufgenommen werden.

• Zeigen Sie Mitgefühl, das ist etwas, was Sie tun können.

• Bei einer Überforderung des Pflegeempfängers anbieten, das Gespräch ein anderes Mal zu führen

4 Störungen der Kommunikation
Einführung

Teile unseres Gehirns sind für die Wahrnehmung, das Sprachverständnis, die Wort- und Sprachbildung, das Denken in Wörtern und Sätzen und die Verwendung von Sprache beim Lesen und Schreiben zuständig.

Bei Verletzungen oder krankhaften Veränderungen dieser Bereiche kommt es zu Einschränkungen des Sprachvermögens. Erkrankungen der Sprachorgane beeinflussen ebenfalls unser Sprachvermögen. Auch eine schlecht sitzende Prothese schränkt das Sprachvermögen ein.

4.1 Sprechvorgang

Organe des Sprechvorgangs:

• Lunge

• Stimmbänder

• Der gesamte Mund-, Nasen- und Rachenraum mit Zunge, Gaumen, Gaumensegel

• Lippen

• Zähne

• Unterkiefer

• Ohren

• Gehirn

Aphasie

Erworbene Störung der Sprache.

Dysphasie

Unfähigkeit, Sprachlaute korrekt und fließend zu artikulieren.

Stummheit

Das Unvermögen zu sprechen ist ein entweder körperlich oder geistig bedingter Zustand, in dem sich ein Mensch nicht mit Worten artikulieren kann.

Stummheit kann in mehrere Arten untergliedert werden:

• Angeborene Stummheit

• Erworbene Stummheit

Stummen Menschen steht ein großer Teil unserer Ausdrucksmöglichkeiten, die Sprache, nicht zur Verfügung. Sie müssen sich durch nonverbale Kommunikation (Mimik, Gestik, Zeichensprache) und eventuell mit elektrischen Hilfsmitteln wie Texteingabegeräten verständlich machen. Die Vielfalt einer verbalen Ausdrucksweise fehlt ihnen oder ist nur sehr zeitaufwendig über Hilfsgeräte möglich.

4.2 Hören
Schwerhörigkeit

Schwerhörigkeit wird oft aus Scham verleugnet. Der Pflegeempfänger täuscht vor, alles zu verstehen, was die Kommunikation mitunter sehr erschwert. Ab dem 55. Lebensjahr verschlechtert sich das Hörvermögen bei vielen Menschen durch den normalen Altersabbau. Bei einer Einschränkung des Hörvermögens ist es wichtig, langsam und mit deutlichen Lippenbewegungen zu sprechen.

Umgang mit Schwerhörigen

• Sichtkontakt halten, damit von den Lippen abgelesen werden kann (im Dunkeln für ausreichende Beleuchtung des Gesichtes sorgen) und nonverbale Kommunikation nutzen!

• Deutlich, etwas langsamer als gewöhnlich und nicht zu laut sprechen

• Alle Vorgänge und Maßnahmen erklären und sich durch Rückfragen des Verstehens versichern, wichtige Mitteilungen bei Bedarf schriftlich geben

• Pflegeempfänger in alle sie betreffenden Gespräche miteinbeziehen, alle Mitbetroffenen über die Schwerhörigkeit/Taubheit informieren

• Beim Kontakt mit Wasser, Röntgen- oder Strahlentherapie ist ein Hörgerät vorher herauszunehmen, alternative Verständigungsmöglichkeiten sind vorher zu vereinbaren.

• Harte Geräusche (durch metallene Gegenstände) vermeiden, sie werden von Hörgeräteträgern als besonders schmerzhaft und laut empfunden

• Für ein Telefon mit Verstärker sorgen

• Bei Verständnisschwierigkeiten die Einstellung des Hörgerätes überprüfen

Hilfsmittel

Das einfachste Hilfsmittel ist eine DIN A4 große Tafel mit großen Buchstaben, Symbolen oder Begriffen von den wichtigsten Bedürfnissen: Schmerz, Hunger, Durst, Toilette, usw. Durch das Zeigen auf bestimmte Begriffe oder Symbole ist es sprachbehinderten Pflegeempfängern oft möglich, einen Teil ihrer Wünsche mitzuteilen. Ansonsten gibt es eine Menge an elektronischen Hilfsmitteln (z. B. Geräte mit Sprachausgabe durch Drücken auf Symboltafeln).


Das Unvermögen, sich nicht deutlich über die Sprache mitteilen zu können, bedeutet eine schwere Einschränkung der Lebensqualität und fordert von Pflegeempfängern und Pflegenden viel Geduld und Einfühlungsvermögen.

4.3 Hörgeräte

Hörgeräte verstärken alle Schallwellen, so dass die Betroffenen wieder besser hören können. Verschiedene Hörgeräte machen dies unterschiedlich gut. Wichtig ist eine gute Beratung durch einen Akustiker.

Ein- und Ausschalten: + oder 0. Bei Nichtgebrauch sollte man das Hörgerät ausschalten, um Strom zu sparen. Es gibt auch aufladbare Akkus.

Lautstärke regulieren: Kleines Rad mit Zahlen

Tonübertragung: M = Mikrofon ist eingeschaltet, normales Hören; T = Position für das Telefonieren und Höranlagen; MT = Beide Möglichkeiten.

Störungen bei Hörgeräten

Keine oder schlechte Tonübertragung:

• Der Schalter steht auf 0 oder T statt auf M.

• Die Batterie ist verbraucht.

• Das Ohrstück ist verstopft: Das Ohrstück abnehmen und in Seifenwasser oder Zahnprothesenreiniger einlegen, spülen und sehr gut trocknen, da es sonst zu einem Pfeifen kommen kann.

• Das Kabel ist defekt.

• Der Verbindungsschlauch zum Ohrteil ist defekt.

Gerät pfeift:

• Schlechter Sitz

• Der Pflegeempfänger liegt auf dem Hörgerät.

• Ohrenschmalzpfropf im Gehörgang: Von Fachkraft entfernen lassen

• Gehörgang hat sich ausgeweitet: Ein neues Ohrstück ist nötig.

Andere Störungen:

• Das Mikrofon beim Taschengerät hat nicht genügend Abstand zum Lautsprecher.

4.4 Sehbehinderung

Einem Sehbehinderten fehlen zum vollständigen Verstehen die Mimik und Gestik des Gesprächspartners. Eine besonders deutliche Aussprache ist daher sehr wichtig.

Sehbehinderte haben nur eingeschränkte Möglichkeiten, sich über Neuigkeiten zu informieren; sie können z. B. ihre Post nicht mehr lesen.

Stark Sehbehinderte können nicht mehr Auto oder Fahrrad fahren und sind dadurch weniger mobil. Sie können oft nicht mehr allein einkaufen, zur Bank, ins Kino, zum Essen oder ins Theater gehen. Ihnen fehlt die Möglichkeit, sich farblich passend anzuziehen und Bekannte und Freunde auf der Straße zu erkennen. So geraten sie schnell ungewollt ins soziale Abseits.

Umgang mit sehbehinderten oder blinden Menschen:

• Das Betreten oder Verlassen eines Zimmers immer ankündigen

• Den Pflegeempfänger immer mit seinem Namen anreden und sich selbst vorstellen

• Wege zu unbekannten Orten immer genau beschreiben und Hilfe anbieten, aber nicht aufdrängen

• Im Zimmer eines sehbehinderten Pflegeempfängers nichts umstellen, ohne den Pflegeempfänger vorher darüber zu informieren

• Nichts auf dem Boden stehen oder liegen lassen (Stolperfallen)

• Türen nach Absprache immer oder zu festen Zeiten offen oder geschlossen lassen

• Alle neuen Tätigkeiten und Vorgänge erklären

• Ortsbeschreibungen und auch die Anordnung der Speisen auf einem Teller nach dem Uhrzeigerprinzip erklären: »Das Fleisch liegt auf 12 Uhr, die Kartoffeln auf 3 Uhr.«

• Berührungen ankündigen, um ein Erschrecken zu vermeiden

• Bei der Bitte um Führung den eigenen Arm anbieten, etwas vorausgehen und Hindernisse ankündigen

4.5 Umgang mit verwirrten Menschen

In erster Linie ist darauf zu achten, dass die Verwirrtheit nicht gefördert oder verstärkt wird. Bringen sie auch für Verwirrte Respekt und Achtung auf.

Verwirrte sind keine Kinder und möchten auch nicht so behandelt werden. Man sollte möglichst in einfachen Worten und kurzen Sätzen mit ihnen kommunizieren.

5 Gefühle und Emotionen im Pflegealltag
5.1 Ekel

In der Pflege begegnen wir immer wieder Dingen oder Situationen, die Ekel hervorrufen. Ekel ist individuell und nicht diskutierbar.

• Der Umgang mit ekeligen Situationen kann manchmal durch Schutzkleidung (Mundschutz/Handschuhe) vereinfacht werden.

• Der Austausch mit Kollegen oder »Galgenhumor« können ebenfalls helfen, diese Situationen zu meistern.

• Eine anschließende kurze Pause hilft, wieder Abstand zu gewinnen.

5.2 Ängste
Pflegende

Ängste vor Ansteckung, vor dem Sterben, davor, seinem Job nicht gerecht zu werden etc. gehören gerade zu Beginn zum Alltag. Sie dürfen nicht geleugnet werden, sondern müssen ernst genommen werden.

Ängste sollten mit Kollegen des Vertrauens besprochen werden, um einen Weg zu finden, mit ihnen umzugehen. Häufig zeigt sich, dass andere ähnliche Ängste hatten oder haben, ein Austausch kann den Umgang häufig erleichtern.

Pflegeempfänger

Ängste vor dem weiteren Verlauf einer Krankheit, Sorge um die Zukunft von Angehörigen, die Angst, Dinge nicht mehr erleben zu können – es gibt viele Ängste, die Pflegeempfänger haben können.

Ängste sind immer ernst zu nehmen und nicht etwa abzuschwächen. Es sollte immer ehrlich über die Erkrankung gesprochen werden und keine falschen Hoffnungen geweckt werden.

5.3 Gewalt, Aggressionen

§Die Würde des Menschen ist unantastbar.

(Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 1 und 3)


Gewalt ist all das, was den Menschen in seiner Individualität einschränkt und was ihn zwingt/zwingen soll, etwas gegen seinen Willen zu tun oder gegen seinen Willen zu unterlassen.

Gewalt und Aggressionen entstehen oft aufgrund von Überforderung, Verunsicherung, mangelnder Anerkennung und dem Gefühl, allein gelassen zu werden.

Gewalt kann sowohl durch Pflegekräfte als auch durch Angehörige oder Pflegeempfänger ausgeübt werden.

Aggressionen werden nicht zwangsläufig aktiv ausgeübt, auch das Nichtbeachten oder offensichtliches Desinteresse sind eine Form der Gewalt.

Gewalt und Aggression durch Pflegekräfte werden häufig aus falsch verstandener Kollegialität oder aus anderen Gründen totgeschwiegen. Beim Beobachten von Aggression oder Gewalt gegenüber Pflegeempfängern sollte nicht weggesehen werden, sondern das Thema direkt oder in einer Supervision angesprochen werden.

Gewalt und Aggression haben immer Gründe, über die zunächst jeder für sich selbst nachdenken sollte, um sich zu fragen: »Was kann ich dagegen tun?«

Niemand möchte, dass so etwas einem selbst oder nahestehenden Personen widerfährt.

Aggressionen von Pflegeempfängern sind selten persönlich gemeint und sollten auch nicht so aufgefasst werden (Überforderung, Verunsicherung, mangelnde Anerkennung).

Macht

Macht: etwas durchsetzen können

Ohnmacht: Unfähigkeit zu handeln

Empathie: Bereitschaft und Fähigkeit, die Gedanken, Gefühle, Motive und Persönlichkeit einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen

Beispiel zu Macht und Empathie

Herr Müller soll aus dem Bett aufstehen, er möchte aber liegen bleiben. Mit Macht: »Herr Müller, sie müssen aber jetzt aufstehen!« Mit Empathie: »Geht es Ihnen heute Morgen nicht so gut?«

Um Herrn Müller doch zum Aufstehen zu bewegen, könnten wir versuchen,

• Ihn zu überzeugen (leckeres Frühstück etc.)

• Ihn zu überreden (»Tun Sie es für mich«)

• Ihn zu manipulieren (»Sie sind doch ein Frühaufsteher«)

Formen von Gewalt gegen pflegebedürftige Menschen
Respektloses Verhalten

• ohne Anzuklopfen ein Zimmer betreten

• Vermeiden von Blickkontakten

• Pflegeempfänger wie ein Kind ansprechen oder behandeln

• Pflegeempfänger beleidigen, bloßstellen oder abfällige Bemerkungen machen

• Ansprache ohne Blickkontakt

Schmerzen zufügen

• Schläge, kneifen, an den Haaren ziehen

• Nicht angepasste Unterstützung, zu schnell oder zu grob

• Unbequemes Hinsetzen/-legen

• Wäsche mit zu heißem oder kaltem Wasser

• nicht einfühlsamer Verbandswechsel

Hilfe vorenthalten

• Ignorieren von Bedürfnissen, Gefühlen oder Schmerzen

• Unnötig lange auf Hilfe warten lassen

• Unzureichende Unterstützung/Verweigerung, etwa beim Aufstehen, Gehen, Körperpflege

• Ignorierung/Verweigerung von Wechsel schmutziger Kleidung

Freiheit einschränken

• Einschließen in Räumen

• Fixierung

• Bettgitter oder ähnliche Aufsteheinschränkungen

• Gabe von medizinisch nicht notwendigen/verordneten Medikamenten zur Ruhigstellung

• Vorenthalten von Hilfsmitteln wie Klingel, Brille, Prothese, Gehstock

Bevormunden

• Vorenthalten von Informationen (wichtige Neuigkeiten, Post)

• Tagesablauf, Beschäftigung, Kontakte, Ausgaben ohne Grund bestimmen/einschränken

• »Füttern«, damit es schneller geht

• Ungefragtes Lesen/Öffnen von Briefen

• Pflegemaßnahmen gegen den Willen durchführen, z. B. Verwendung von Inkontinenzmitteln, um Toilettengang zu vermeiden

6 Sterben und Tod
Einführung

Das Sterben und der Tod sind Themen, die jeden betreffen, über die sich aber nur wenige Gedanken machen. Erkrankungen oder Unfälle mit Todesfolge können jeden Menschen in jedem Alter treffen. Jede Sterbesituation und der Umgang damit ist auch bei vielen Ähnlichkeiten immer individuell. Häufig herrscht große Unsicherheit, wie mit dem Sterben umgegangen werden soll.

Sterbebegleitung

Sterben ist ein Prozess, der sich oft über Tage, manchmal Wochen oder länger hinzieht.

Lachen und Scherzen mit Schwerkranken, Sterbenden? Ja! Humor bringt Freude, Leichtigkeit und Lebendigkeit, die jeder braucht, wie krank auch immer er ist.

Die meisten Sterbenden haben Ängste: vor Schmerzen, vor der Ungewissheit, vor dem Alleinsein. Letzteres ist ein Punkt, in dem die Pflege neben den Angehörigen eine wichtige Rolle übernehmen kann.

Als Pflegekraft können wir Nähe vermitteln und versuchen, die Bedürfnisse und Wünsche des Sterbenden zu erkennen und zu erfüllen.

Zur Selbstpflege ist es oft angebracht, sich im Team, privat oder mit professioneller Hilfe Unterstützung bei diesem schweren Thema zu holen.

6.1 Sterbephasen nach Kübler-Ross
1. Phase: Nicht-wahrhaben-wollen und Isolierung

Der Pflegeempfänger ist von seiner Diagnose geschockt und glaubt an Verwechslungen und Irrtümer. Dies kann in einen Zustand der Starre und Handlungsunfähigkeit führen.

Angehörige, Pflegende und Ärzte haben oft Schwierigkeiten mit der Situation. Um den Pflegeempfänger zu »schonen«, aber auch um der eigenen Betroffenheit zu entgehen, versuchen Angehörige und Pflegende oft, die Todesnähe zu verbergen.

2. Phase: Zorn und Ärger

»Warum denn gerade ich?« Da der Pflegeempfänger den Tod nicht direkt angreifen kann, richtet sich sein Zorn gegen diejenigen, die damit zu tun haben. Nichts kann recht gemacht werden. Die »Angegriffenen« sollten sich von Anschuldigungen und Beschimpfungen nicht persönlich angesprochen fühlen. Professionelle Unterstützung, z. B. durch Psychologen oder Seelsorger, kann dabei nötig werden.

3. Phase: Verhandeln

Oft werden weitere Ärzte befragt, in der Hoffnung, dass ihm diese eine »bessere« Diagnose liefern können. Der Sterbende »verhandelt« mit den Ärzten, dem Pflegepersonal, dem Schicksal und mit Gott um eine Lebensverlängerung. Er kann plötzlich die Kirche besuchen, Gelübde ablegen und Versprechen geben. Er nimmt regelmäßig an den Therapien teil und stimmt neuen Therapien zu. Es sollte versucht werden, die Hoffnungen auf einen realistischen Hintergrund zurückzuführen und keine falschen Hoffnungen zu wecken. Als Wünsche dürfen aber auch unrealistische Äußerungen stehen bleiben.

4. Phase: Depressive Phase

In dieser Phase durchlebt der Pflegeempfänger eine hoffnungslose innere Leere sowie Gefühle der Sinnlosigkeit und des Lebensüberdrusses. Er trauert um das, was er mit seinem Tod verlieren wird. Vielleicht erinnert er sich an frühere Ereignisse und Probleme, die er jetzt nicht mehr lösen kann.

Sein Umfeld muss jetzt Trauer und Traurigkeit zulassen und aushalten können. Wegen der stetigen Belastung ist es für alle Beteiligten wichtig, sich selbst nicht zu vergessen. Unterstützung durch Gespräche mit verständnisvollen Kollegen und Freunden oder auch durch beruflich mit dem Thema befasste Berater sind oft eine große Hilfe.

5. Phase: Zustimmung

Der Pflegeempfänger nimmt sein Schicksal an. Er ist körperlich und geistig erschöpft, schläft viel und möchte häufig nicht gestört werden. Er nimmt seine Umgebung wahr, auch wenn er abwesend erscheint.

Körperkontakt, wie z. B. in den Arm nehmen, das Berühren von »öffentlichen Zonen« wie Schulter oder Hand oder auch eine sanfte Fußmassage, wird oft als angenehm empfunden und ermöglicht es, auch ohne Worte in Kontakt zu bleiben. Das Streicheln über Kopf oder Wange kann aber als zu distanzlos erscheinen und sollte nur wirklich Nahestehenden erlaubt sein, die sicher wissen, dass dies vom Sterbenden nicht als unangenehm wahrgenommen wird.

Wünsche, wie die Erstellung eines Testamentes, Versöhnungen mit Angehörigen und Freunden oder anderes sollten ermöglicht werden. Viele Menschen können nicht sterben, bevor sie noch ein letztes Mal ihre Angehörigen oder Freunde gesehen haben. Allerdings sollte nicht »um jeden Preis« versucht werden, vermeintliche Hindernisse aus dem Weg zu räumen, um ein »ideales« Sterben zu ermöglichen. Es gibt Konflikte, die Außenstehende nicht für den Betroffenen lösen können; auch dies gilt es auszuhalten (vgl. Oelke 2011, S. 355).

6.2 Patientenverfügung/Patientenvollmacht (Vorsorgevollmacht)

Patientenverfügungen, in denen klar definiert ist, was ein Mensch im Fall, dass er sich selbst nicht mehr ausdrücken kann, wünscht oder nicht wünscht, sind eine große Hilfe für alle Beteiligten.

Wichtig ist es, konkrete Angaben zu Behandlungsmaßnahmen zu machen. »Ich möchte keine unnötigen Schmerzen erleiden« ist keine Aussage, die weiterhilft.

• Möchte ich auf jeden Fall, das alle lebensverlängernden Maßnahmen unternommen werden, oder möchte ich gar nicht reanimiert werden?

• Möchte ich künstlich beatmet werden?

• Kommt für mich eine Herzoperation in Frage?

• Möchte ich bei einer unheilbaren Erkrankung weiterhin ernährt werden (auch über Schläuche)?

• Möchte ich nach einem schweren Hirnschaden mit wenig Aussicht auf eine Besserung weiter maximal behandelt werden?

Diese und andere Fragen sollten mit einer Person des Vertrauens oder dem Arzt des Vertrauens besprochen werden.

Wichtig ist es, eine Person zu bestimmen, welche die eigenen Interessen konsequent durchsetzt.

Vorschläge für Patientenverfügungen gibt es viele im Internet. Wichtig ist, dass in den vorgefertigten Formularen möglichst genau die Wünsche und Vorstellungen der betroffenen Person dargestellt werden und die Möglichkeit von eigenen Kommentaren besteht. Eine notarielle Beglaubigung ist NICHT nötig. Das Vorhandensein einer Patientenverfügung oder einer Patientenvollmacht (s. u.) sollte auf einer kleinen Karte im Portemonnaie vermerkt sein. Die Patientenverfügung sollte jedes Jahr neu unterschrieben werden. Änderungen sind durch die betroffene Person jederzeit möglich, auch bei einem plötzlichen Sinneswandel.

Wann ist eine Patientenverfügung wirksam?

• Die Verfügung muss schriftlich und vom Aussteller eigenhändig unterschrieben sein

• Der Verfasser muss volljährig und einwilligungsfähig sein

• Eine Beglaubigung der Unterschrift oder notarielle Beurkundung der Patientenverfügung ist nicht nötig

• Hilfreich ist es, wenn weitere Personen den Willen des Verfassers mit ihrer Unterschrift auf der Verfügung bezeugen.

Vorsorgevollmacht

Mit einer Vorsorgevollmacht legen Sie eine Regelung fest für den Fall, dass Sie beispielsweise durch eine Krankheit oder einen Unfall nicht mehr selbst entscheiden können.

Folgende Vollmachten können an eine oder mehrere Personen abgetreten werden:

• Verwaltung des Vermögens

• Verfügung über Grundbesitz

• Regelung aller Bankgeschäfte

• Vertretung in Renten-, Versorgungs- und Steuerangelegenheiten

• Gesundheitsfragen (z. B. Einwilligung in Operationen, Durchsetzen der Patientenverfügung)

• Entscheidungen über freiheitsentziehende Maßnahmen (z. B. Anbringen von Bettgittern oder Gurten nur mit Zustimmung des Gerichts)

• Bestimmung des Aufenthalts, einschließlich einer Unterbringung im Pflegeheim

• Einsicht in Krankenunterlagen und Kontaktaufnahme zu den behandelnden Ärzten

Die Vollmachten müssen nicht alle einer Person übertragen werden, sie können auch geteilt oder zusammen auf mehrere Personen verteilt werden.

7 Recht
7.1 Schweigepflicht

Bereits der Eid des Hippokrates enthält die Selbstverpflichtung: »Was ich bei der Behandlung sehe oder höre oder auch außerhalb der Behandlung im Leben der Menschen, werde ich, soweit man es nicht ausplaudern darf, verschweigen und solches als ein Geheimnis betrachten.«

Die Schweigepflicht im engeren Sinn dient unmittelbar dem Schutz des persönlichen Lebens- und Geheimnisbereichs (Privatsphäre) einer Person, die sich bestimmten Berufsgruppen oder bestimmten staatlichen oder privaten Institutionen anvertraut oder anvertrauen muss.


Schweigepflichtiger Personenkreis nach § 203 StGB (Auszug)

• Zur Verschwiegenheit verpflichtet sind unter anderem die Angehörigen folgender Berufe: Angehörige heilbehandelnder Berufe, Heilberufe, die eine staatlich geregelte Ausbildung erfordern – z. B. Gesundheits- und Krankenpfleger, Altenpfleger und Mitarbeiter des Rettungsdienstes.

• Schweigepflichtig im Sinne des § 203 StGB ist immer der Geheimnisträger persönlich, nicht etwa die Organisation, in der er arbeitet. Die strafrechtliche Schweigepflicht kann nicht durch Weisung von Vorgesetzten aufgehoben oder abgeschwächt werden.

• Die Schweigepflicht gilt umfassend und gegenüber jedem (auch gegenüber der Polizei); sie betrifft all das, was jemandem u. a. als nichtärztlicher Helfer (auch als Praktikant oder Schüler) aufgrund seiner Stellung und Funktion und des zwischen ihm und dem Pflegeempfänger bestehenden Vertrauensverhältnisses von diesem mitgeteilt wird und auch alles, was er ohne direkte Mitteilung des Pflegeempfängers selbst feststellt oder erfährt.

• Die Schweigepflicht bleibt auch nach dem Tod des Pflegeempfängers bestehen.

• Wer Pflege als Arbeitnehmer ausübt, unterliegt auch aufgrund seines Arbeitsvertrags der Schweigepflicht.

• Weiterhin besteht eine Pflicht zur Verschwiegenheit für Arbeitnehmer als Nebenpflicht aus dem Arbeitsvertrag bezüglich betrieblicher Geheimnisse gemäß § 242 BGB (Treu und Glauben).

Strafmaß

• Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe

• Erhöhung auf bis zu zwei Jahren, wenn der Täter gegen Entgelt oder mit Absicht gehandelt hat

• Das Berufsrecht bestimmter Berufe droht in bestimmten Fällen mit dem Verbot der Berufsausübung.

• Die Verletzung von Vertragspflichten z. B. aus einem Arbeits- oder Dienstverhältnis kann zu arbeitsrechtlichen Sanktionen bis hin zur Kündigung führen.

• Möglicherweise kann der Geschädigte Schadenersatzansprüche geltend machen.

Wann darf oder muss dennoch Auskunft gegeben werden?

• Ausdrückliches Einverständnis des Betroffenen (Behandlungsvertrag, der mit dem Arzt oder dem Krankenhaus abgeschlossen wurde, Patientenvollmacht)

• Stillschweigende oder mutmaßliche Einwilligung (Dienstübergabe im Krankenhaus)

• Gegenüber anderen am Behandlungs- und Betreuungsprozess beteiligten Berufsgruppen, zum Beispiel dem behandelnden Arzt oder einem Sozialleistungsträger. Hier ist in den Grenzen des Notwendigen die Weitergabe von Informationen gerechtfertigt. Die genannten Berufsgruppen unterliegen ebenfalls der Schweigepflicht.

• Gesetzliche Auskunftspflicht (gegenüber den Sozialleistungsträgern, Infektionsschutzgesetz)

• Die Auskunftserteilung an Angehörige und andere Bezugspersonen des Pflegeempfängers setzt das Einverständnis des Pflegeempfängers voraus. Um Rechtssicherheit zu schaffen, sollten Pflegeempfänger die auskunftsberechtigten Personen schon im Heim- oder Pflegevertrag festlegen und eine entsprechende Schweigepflichtsentbindung erstellen. Hilfreich sind Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen.

• Ist das Einholen eines Einverständnisses nicht möglich und sonst nichts Gegenteiliges bekannt, kann in der Regel davon ausgegangen werden, dass der Pflegeempfänger damit einverstanden ist, dass seinen nahen Angehörigen (Ehepartner, Eltern, Kinder) Auskünfte erteilt werden.

• Auskunftserteilung kann auch durch einen Notstand (§ 34 StGB) gerechtfertigt sein, etwa bei einer gegenwärtigen Gefahr für Leib oder Leben des Pflegeempfängers oder anderer Menschen. Es besteht nach § 34 StGB im Allgemeinen keine Offenbarungspflicht, sondern nur eine Offenbarungsbefugnis. Ausnahmsweise kann dennoch eine Offenbarungspflicht bestehen, wenn das Leben oder die Gesundheit eines Menschen akut und unmittelbar gefährdet ist und eine Offenbarung weiteren Schaden verhindern kann.

• Beispiel: Die Bezirkssozialarbeiterin eines Jugendamtes stellt bei einem Hausbesuch eine lebensgefährliche Vernachlässigung eines Kindes fest. Die Eltern des Kindes sind wegen einer akuten Drogenintoxikation nicht in der Lage, sich um das Kind zu kümmern. Der Rettungsdienst und eventuell die Polizei müssen gerufen werden.

• Eine Pflegekraft darf auch privat über ihren Berufsalltag reden. Sie hat aber darauf zu achten, dass sie das Erzählte anonymisiert und es auch nicht möglich ist, dass die Person, über die sie redet, aufgrund der erwähnten Informationen konkretisiert werden kann.

Eine Offenbarung des anvertrauten Geheimnisses ist nur zulässig, wenn eine Güterabwägung ergibt, dass der Bruch des Geheimnisses angemessen und geeignet ist, eine drohende Gefahr abzuwenden und das zu schützende Rechtsgut das beeinträchtigte Rechtsgut (Vertrauensbruch) wesentlich überwiegt. Ein Beispiel: Eine Pflegekraft muss sich in einem Strafverfahren gegen den Verdacht einer fehlerhaften Behandlung wehren und zivilrechtliche Schadensersatzansprüche abwehren dürfen.

7.2 Delegation

Bestimmte ärztliche Tätigkeiten können delegiert werden:

• Gabe von Medikamenten

• Anlegen von Verbänden

Der delegierende Arzt muss sich über die fachliche Kompetenz des Mitarbeiters informieren. Die Aufgabe muss zumutbar sein.

Bei der Delegation der Aufgabe müssen folgende Informationen gegeben werden:

• Für wen ist die Maßnahme?

• Was soll getan werden?

• Wieviel soll von einem Medikament gegeben werden?

• Welche Verabreichungsform ist nötig?

• Wann und wie lange soll die Aufgabe ausgeführt werden?

Übernahme und Ausführungsverantwortung:

• Bin ich fachlich kompetent genug, um die mir übertragene Aufgabe auszuführen?

• Traue ich mir diese Aufgabe zu?

• Ist die Übernahme der Aufgabe rechtens?

• Ist die Aufgabe mit meinem Gewissen vereinbar?

Trifft eine der obigen Bedingungen nicht zu, muss die Aufgabe verweigert werden.

7.3 Fixierung

• Eine Fixierung ist nach § 239 StGB eine Freiheitsberaubung und generell verboten. Sie ist in Pflegeheimen und in der stationären Pflege nur dann zulässig, wenn eine richterliche Genehmigung bei einem Betreuungsgericht eingeholt wurde.

• Nach dem neuesten Urteil des Bundesgerichtshofs muss eine Fixierung auch dann richterlich genehmigt werden, wenn der Patient im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte eine Vorsorgevollmacht über pflegerische Maßnahmen im Bedarfsfall an einen Betreuer abgegeben hat.

• Die Genehmigung wird vom Amtsrichter einem Betreuer oder Bevollmächtigten erteilt, der dann frei über den Einsatz der genehmigten Maßnahme entscheiden kann.

• Eine Fixierung ohne richterliche Genehmigung ist nur zulässig, wenn ein Rechtfertigungsgrund (z. B. eine akute Gesundheitsgefährdung der zu fixierenden Person oder anderer Personen) vorliegt und dieser durch die Fixierung abgewendet werden kann. Eine richterliche Anordnung muss unverzüglich nachträglich beigebracht werden (Unterbringungsverfahren § 1906 Abs. 4 BGB, Psychisch-Kranken-Gesetze der Bundesländer).

• Die Fixierung, deren Begründung und Dauer, im Normalfall auch der mehrmals täglichen Unterbrechungen, muss dokumentiert werden.

• Freiheitsentziehende Maßnahmen durch Angehörige im eigenen Haus bedürfen keiner Genehmigungspflicht durch einen Amtsrichter. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Freiheitsentzug durch freiheitsentziehende Maßnahmen in der eigenen Häuslichkeit immer rechtens ist.

• Wenn ambulante Pflegedienste in die Anwendung freiheitsentziehender Maßnahmen eingebunden sind (z. B. Türe abschließen bei Verlassen der Wohnung), bedarf es nach Ansicht der meisten Amtsrichter einer richterlichen Genehmigung.

• Angehörige haben kein Recht, über freiheitsentziehende Maßnahmen zu entscheiden, sofern sie nicht Betreuer oder Bevollmächtigter sind und ihnen eine Genehmigung seitens des Amtsrichters ausgesprochen wurde.

• Bei Fragen oder Unsicherheiten wenden Sie sich bitte an Ihr zuständiges Amtsgericht oder vorher an die Pflegestützpunkte.

Eine Immobilisation führt oft nicht zur Beruhigung, sondern zur Steigerung von Erregung, Gegenwehr und Herz-Kreislaufbelastung. Alternativen für den Sturzschutz sind immer vorzuziehen ( Kap. 3.4 Sturzprophylaxen).

Direkte Fixierung

• Anbringen von Bettseitenstützen (»Bettgitter«)

• Anbringen eines Tischbretts vor einem Stuhl, der das Aufstehen verhindert

• Fixiergurte

• Zwangsjacken

Räumliche Fixierung

• Einsperren im Zimmer/auf der Station (durch Verschließen der Türen)

• Benutzung von Trickschlössern

• Wegnehmen von Gehhilfen, Kleidung usw.

• Behinderung des Verlassens der Station durch z. B. Pflegepersonen, Feststellen von Rollstuhlbremsen

Medikamentöse Fixierung

• Gabe sedierender (ruhigstellender) Medikamente

8 Hygiene
8.1 Mikroorganismen als Krankheitserreger

Mikroorganismen sind überall in unserer Umwelt. Sie befinden sich auf allen inneren und äußeren Oberflächen des menschlichen Körpers. Auf der Haut finden sich zahlreiche Staphylokokken und Mikrokokken, im Mund sind u. a. Streptokokken anzutreffen und die bekannten Kolibakterien helfen im Dickdarm bei der Verdauung unserer Nahrung. Krankmachende Mikroorganismen werden von unserem Immunsystem bekämpft.

Bakterien

• Überall in unserem Körper

• Können sich selbst vermehren

• Nützliche Bakterien können zu Krankheitserregern werden, wenn sie sich an einem falschen Ort befinden. Beispielsweise verursachen Darmbakterien in den Harnwegen Blasenentzündungen.

Viren

• Besitzen keinen eigenen Stoffwechsel, können sich selbst nicht vermehren. Dazu benötigen sie die Zelle eines Lebewesens; das Virus hängt sich an eine Zelle an und dringt in sie ein. Es schleust sein Erbgut in das der Wirtszelle, diese produziert neue Viren.

• Die Zellen unserer Schleimhäute, z. B. in den Atemwegen, sind Virusangriffen besonders oft ausgesetzt.

Pilze

• Können sich selbst vermehren

• Befallen als Mykose die Haut

• Vermehren sich vor allem in feuchtwarmer Umgebung

Ursachen eines Pilzbefalls der Scheidenflora

• Hoher Zuckergehalt im Scheidensekret: Diabetiker, zuckerreiche Ernährung, hoher Östrogenspiegel (zwischen Periode und Eisprung, in der Schwangerschaft, bei Einnahme älterer Verhütungspillen mit hohem Östrogengehalt)

• Einnahme von Antibiotika (durch Antibiotika wird die gesunde Bakterienflora der Schleimhaut verringert, Pilze finden eine geschwächte Abwehr vor und können sich vermehren)

• Abwehrschwäche: Schwere Krankheiten oder Stress führen zu einer Schwächung des körpereigenen Abwehrsystems.

• Schleimhautschädigungen

Bei fast allen Frauen mit häufig wiederkehrenden Pilzinfektionen ist der Pilz Candida auch im Stuhl nachweisbar. Die Infektion kann sich also durch ungeschickte Reinigung vom Darm in die Vagina übertragen.

Auch durch Geschlechtsverkehr können Pilze übertragen werden: Männer und Frauen sind oft Träger von Candida, ohne Symptome aufzuweisen.

8.2 Hygiene, Asepsis etc.
Einige Begriffe

Hygiene: Lehre von der Verhütung der Krankheiten und der Erhaltung, Förderung und Festigung der Gesundheit.

Die Hygiene ist Pflicht aufgrund von Rechtsvorschriften und Richtlinien zum Schutz des Personals und des Pflegeempfängers. Die Rechtsprechung macht deutlich, dass jeder Patient einen Rechtsanspruch darauf hat, dass alle Personen, denen er sich zur Behandlung anvertraut, die Standards der Infektionsverhütung nicht nur kennen, sondern auch verantwortungsbewusst praktizieren. Als Infektionsschutz für Personal und Pflegeempfänger im Krankenhaus und Altenheim dienen Antisepsis, Asepsis, Desinfektion und Sterilisation.

Asepsis: Völlige Keimfreiheit von Gegenständen und Händen.

Antisepsis: Herabsetzung der Keimzahl durch Desinfektion von Händen und Flächen.

Desinfektion: Starke Verminderung der Anzahl von Keimen, so dass es zu keiner Infektion kommen kann. Bei der Wischdesinfektion ist es wichtig, dass alle Flächen ausreichend mit dem Desinfektionsmittel befeuchtet werden. Die Händedesinfektion muss genau nach dem Schema erfolgen, wichtig ist auch hier die sorgfältige Benetzung aller Hautflächen.

Sterilisation: Chirurgische Instrumente, Verbandsmaterial und anderes Material werden durch verschiedene Maßnahmen keimfrei gemacht.

8.3 Infektion, Infektionswege und -prophylaxe

Infektion: Übertragen und Eindringen von Keimen in den Körper, deren dortiges Verbleiben, Vermehren und die Produktion von Stoffen, die den Menschen schädigen. Nur wenige Keime sind für den Menschen krankmachend und ein gesunder Mensch kann die meisten Keime abwehren.

Ob ein Mensch erkrankt, hängt ab von

a) seiner Abwehrkraft, seinem Ernährungszustand und seinem Allgemeinzustand

b) von den krankmachenden Eigenschaften des Keims

Die wichtigste Infektionsquelle ist der Mensch selbst, er muss dabei nicht einmal krank sein! Auch gesunde Menschen können Keime übertragen, die ihnen selbst nicht schaden, bei anderen Menschen aber Erkrankungen hervorrufen. Solche Keime sind unter anderem auf der Haut, in den Haaren und im Nasen-Rachenraum zu finden. Andere Quellen sind rohes Fleisch vom Schwein oder Rind (Bandwürmer), Geflügel (Salmonellen), Erde aus Blumentöpfen (Tetanus), Staub und Wasser.

Körpereigene Abwehrmechanismen

• Haut: Säureschutzmantel

• Tränenflüssigkeit: bakterientötende Stoffe

• Speichel: bakterientötende Stoffe

• Magen: Magensäure

• Schleimhäute in Mund, Luftröhre und Bronchien: keimabwehrende Inhaltsstoffe

• Blut: weiße Blutkörperchen

Infektionswege

• Tröpfcheninfektion: Die Erreger werden durch Sprechen, Husten, Niesen oder Spucken über die Luft übertragen (Grippe, Erkältung).

• Orale Infektion: Die Erreger werden mit der Nahrung aufgenommen.

• Parenterale Infektion: Die Erreger werden unter Umgehung des Magen-Darmtraktes z. B. durch Spritzen, Infusionen usw. (Hepatitis, HIV-Infektionen) oder auch durch Insekten wie Zecken und Mücken (Borreliose, Malaria) übertragen.

• Schmierinfektion: Die Erreger werden durch infizierte Hände oder Gegenstände übertragen (Darminfekt).

• Infektionen über die Schleimhaut: Die Erreger werden beim sexuellem Verkehr übertragen (Geschlechtskrankheiten, AIDS).

Nosokominale Infektion (im Krankenhaus erworbene Infektion)

Rund 500.000 Patienten infizieren sich jährlich in einem deutschen Krankenhaus, 30.000 sterben an den Folgen. »Bildlich gesehen sind bundesweit jedes Jahr sechs Krankenhäuser mit je 1000 Betten ausschließlich mit der Behandlung von Patienten mit Krankenhausinfektionen beschäftigt«, sagte Gesundheits-Staatsrat Dr. Hermann Schulte-Sasse am Dienstag, 21. Oktober 2008 vor Journalisten (http://www.klinikum-bremen-mitte.de/internet/presse/de/Oktober_2008/Haendedesinfektion__Von_einer_Millionen_auf_10_Keime.jsp?siteName=kbm, Zugang am 01.12.2008).

Clostridium difficile

Bakterium, einer der häufigsten Erreger von Nosokomialinfektionen

ESBL

Extended-spectrum Beta-Laktamase

Beta-Laktamasen sind von Bakterien produzierte Enzyme, die Beta-Laktam-Antibiotika (verschiedene Antibiotikagruppen) spalten können

3 MRGN, 4 MRGN

Multiresistente gramnegative Bakterien, 3 und 4: Zahl der Antibiotikaguppenresistenz

Resistenzen gegen eine oder zwei Antibiotikagruppen sind sehr häufig, aber unkritisch, diese Bakterien gelten nicht als multiresistent. Alle multiresistenten Bakterienstämme, die sich in der Gram-Färbung (Labortest) negativ darstellen

Noroviren

Viren, einer der häufigsten Erreger von nicht durch Bakterien verursachten Durchfälle

Orsa/MRSA

Oxacillin-resistenter Staphylococcus aureus/Methicilin-resistenter Staphylococcus Aureus

Oxacillin und Methicilin sind Antibiotika der gleichen Antibiotikagruppe.

VRE

Vancomycin-resistente Bakterien

Die besonderen Schutzmaßnahmen (Kittel, Mundschutz, etc.) müssen auf jeder Station einsehbar sein.

Prophylaxe (Vorbeugung)
Allgemeine Prophylaxen

Neben dem Händewaschen nach dem Toilettengang, Vermeiden von verdorbener oder suspekter Nahrung (im Urlaub: peel it, cook it or forget it), gutem Impfschutz und Safer Sex sollten allgemeine Regeln zur Sauberkeit/Hygiene beachtet werden.

Händedesinfektion

Verringerung der Keimzahl auf der Haut der Hände durch Händedesinfektionsmittel.

Ziel

• Eigener Schutz

• Vermeidung der Übertragung von Krankheitserregern auf andere Menschen

Die Übertragung krankmachender Mikroorganismen durch die Hände der Pflegenden und Ärzte bildet die Hauptursache der im Krankenhaus erworbenen Infektionen.

Bei der Händedesinfektion werden ca. 3 ml (zwei bis drei Hübe aus Wandspendern) in die trockene, hohle Hand gegeben und verrieben. Eine Einwirkzeit von mindestens 30 Sekunden ist einzuhalten. Die Verteilung des Händedesinfektionsmittels unterteilt sich in sechs Schritte, die sicherstellen, dass das Mittel die Fingerzwischenräume, die Fingerkuppen und die Nagelfalze benetzt.

1. Handflächen aneinander reiben

2. Reiben der Handfläche an der Handoberseite der jeweils anderen Hand mit gespreizten Fingern

3. Reiben der Handflächen aneinander mit gespreizten Fingern

4. Reiben der Oberfläche der Finger in der Handfläche der jeweils anderen Hand

5. Reiben des jeweils anderen Daumens in der geballten Faust

6. Reiben der Fingerkuppen in der Handfläche der jeweils anderen Hand

Die Händedesinfektion ist der wichtigste Schritt zur Unterbrechung der Verbreitung von Keimen.

Bei bestimmten Erkrankungen sind spezielle Händedesinfektionsmittel oder eine längere Einwirkzeit nötig.


Hände nach dem Waschen nicht desinfizieren!

Die Haut weicht beim Waschen auf und der Alkohol des Desinfektionsmittels reizt die Haut, trocknet sie aus und führt zu Entzündungen. Im Zweifelsfall nur mit Desinfektionsmittel säubern!

Schmuck- und Eheringe, Armbanduhren und Armreife, Nagellack und lange Fingernägel bieten nicht nur Nistplätze für Keime, sondern beeinträchtigen die Wirkung der Händedesinfektion, da die Desinfektionsflüssigkeit die Haut unter dem Schmuck und den künstlichen Fingernägeln nicht erreicht.

8.4 Antibiotika, -resistenz, Impfung
Antibiotika

• Antibiotika sollten nur bei Infektionen durch Bakterien angewandt werden

• Bei einer Virusinfektion helfen sie nicht. Bestes Beispiel ist die Verschreibungspraxis bei Bronchitis: Nur 5 % der Hustenfälle sind auf Bakterien zurückzuführen, 95 % werden durch Viren verursacht.

Antibiotikaresistenz

Krankheitserregern gelingt es, die Wirkung von Antibiotika abzuschwächen oder ganz zu neutralisieren.

Durch unterdosierte oder nicht ausreichend lange eingenommene Antibiotika können Bakterien Resistenzen ausbilden, diese können auch weitergegeben werden.

Auch die Verwendung als Prophylaxe und als Wachstumsförderer in der landwirtschaftlichen Tierzucht fördert Resistenzen. Ist ein Krankheitserreger gegen mehrere Antibiotika resistent, spricht man von einer Multiresistenz (MRSA, ESBL u. a.).

Immer mehr Keime sind gegen mehrere Antibiotika resistent. Ein Keim, der gegen alle Antibiotika resistent ist, kann ungehindert Menschen Schäden bis zum Tod zufügen!

Pulsuz fraqment bitdi.

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19 dekabr 2025
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9783170415508
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