Kitabı oxu: «Gavin's Erlšsung»
Gavin's Erlösung
Gavin's Erlösung
Copyright © 2020 von Kayla Gabriel
Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen Mitteln ohne ausdrückliche, schriftliche Erlaubnis der Autorin elektronisch, digital oder analog reproduziert oder übertragen werden, einschließlich, aber nicht beschränkt auf, Fotokopieren, Aufzeichnen, Scannen oder Verwendung diverser Datenspeicher- und Abrufsysteme.
Veröffentlicht von Kayla Gabriel als KSA Publishing Consultants, Inc.
Gabriel, Kayla
Coverdesign: Kayla Gabriel
Foto/Bildnachweis: Deposit Photos: svetas; cookelma; dashek
Anmerkung des Verlegers: Dieses Buch ist ausschließlich für erwachsene Leser bestimmt. Sexuelle Aktivitäten, wie das Hintern versohlen, die in diesem Buch vorkommen, sind reine Fantasien, die für Erwachsene gedacht sind und die weder von der Autorin noch vom Herausgeber befürwortet oder ermutigt werden.
Inhalt
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Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
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Über den Autor
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kostenloseparanormaleromantik.com
1
Gavin Beran wandte sich auf seinem Platz und sah stirnrunzelnd auf den vollgepackten Picknicktisch aus Hartholz, wo der Krall Clan den dritten Tag ihrer einwöchigen Reihe von sozialen Aktivitäten verbrachte. Alle zielten darauf ab, Single Berserker zusammenzusammeln, um potenzielle Partner zu finden. Es war wie eine Kreuzfahrt für Singles, abgesehen von Dutzenden von neugierigen Werbär Eltern, die ihren Kindern die ganze Zeit über die Schultern schauten. Also anstatt von Sonne und Meer und Spaß, war es St. Louis und eine gezwungene Versammlung von vielen aufdringlichen Frauen, die entschlossen waren, den stärksten Alpha als ihren Partner zu finden.
Also … praktisch war es die Hölle. Gavins Eltern, das Alpha Paar des Beran Clans hatte es nur geschafft, ihre Söhne zu der Veranstaltung zu schleppen, indem sie ihnen versprochen hatten, sie die nächsten drei Monate in Ruhe zu lassen. Natürlich fehlte die Hälfte der Männer der Familie. Luke war verschwunden, um irgendeine lang verlorene Berserker Frau zu suchen und Noah und Finn waren in der ersten Nacht der St. Louis Festlichkeiten mit zwei Frauen verschwunden. So waren nur noch Gavin, Cam und Wyatt im Haifischbecken übrig, sie saßen ihre Zeit ab, während stolze Mütter ihre zur Verfügung stehenden Töchter zur Schau stellten wie preisgekrönte Vollblüter.
Gavin schaute zu Cameron und Wyatt hinüber, beide um zwei und vier Jahre älter als er. Cameron war makelos gekleidet, genauso wie der typische Stadtmensch in seinen teuren dunklen Jeans, dem dunkelblauen karierten Hemd mit Knöpfen und seinem dunkelgrauen Pullover mit hochgekrempelten Ärmeln, um die Tattoos zu zeigen. Wyatt trug seine normalen Jeans, ein bequemes T-Shirt, Lederstiefel und eine schwarze Lederjacke. Gavin sah an seinem weißen Marvel Comics T-Shirt herunter, an der grünen Weste, seiner Jeans und fühlte sich ein wenig underdressed neben seinen Brüdern. Dennoch mit ihren dunklen Haaren, den stechenden türkisfarbenden Augen und dem großen, muskulösen Körper fehlte es keinem der Beran Männern an weiblicher Aufmerksamkeit, Gavin auch nicht.
Die heutige Veranstaltung war ein großes Tagespicknick, mit einem regelrechten Festmahl aus frittiertem Fisch und Barbecue und Spielen mit Hufeisen. Sie hatten die ersten drei Stunden mit merkwürdigen Vorstellungsrunden irgendwie überstanden und seine Eltern hatten die Beran Brüder sich an ihren eigenen Tisch zurückziehen lassen und ihnen ein wenig Abstand von der Menge verschafft. Jetzt tranken Gavin, Wyatt und Cam einfach Bier, redeten Unsinn und vermieden jegliche potenzielle liebeswütige Damen. An diesem Ort schien groß und gut aussehend tatsächlich eine Qual zu sein. Zumindest für Gavin, seine Brüder schienen ihre eigene Ablenkung gefunden zu haben.
„Welche ist Theresa?”, fragte Cameron und griff nach einem Blatt Papier aus der Auswahl die Wyatt auf den Tisch gelegt hatte.
„Sie ist die große Brünette, die immer über Pinterest spricht“, sagte Wyatt, mit einem Grinsen im Gesicht. Sein üblicher Ausdruck heutzutage.
Cam grunzte und schüttelte kurz den Kopf. Er legte das Blatt Papier wieder weg und nahm ein weiteres und presste die Lippen aufeinander.
„Wenn Stephanie die Rothaarige aus Atlanta ist, dann kannst du sie nicht mitzählen. Ich habe sie in der ersten Nacht in der Garderobe geküsst“, erklärte Cam.
Wyatts Augen funkelten und ein Grinsen wich über sein Gesicht.
„Ich habe mehr gemacht, als sie nur geküsst“, sagte Wyatt. „Viel mehr.“
„Aber ich hatte sie zuerst“, stritt Cam.
„Ich glaube, das Aktivitätsniveau überwiegt den Zeitstempel. Und es gab viel Aktivität, wenn du weißt, was ich meine“, sagte Wyatt. Er stützte sich auf seinen Ellbogen und zog eine Augenbraue hoch, während er von seinem Bier trank.
„Ihr seid beide hoffnungslos“, meldete sich Gavin zu Wort. „Im Ernst, das ist deprimierend und widerlich, alles gleichzeitig.“
„Du bist nur wütend, weil du noch gar keine Chance bekommen hast“, beschuldigte ihn Cam.
„Ich habe mit eurer idiotischen Wette nichts zu tun“, keifte Gavin.
„Was glaubt ihr macht ihr da?“, erklang plötzlich eine dröhnende Stimme hinter Gavin.
Gavin wurde nervös, wissend, dass sein arroganter Alpha Vater direkt hinter ihm stand, zweifellos schaute er auf den Tisch, wo Wyatt und Cameron mehrere Blätter mit Namen und Strichlisten ausgebreitet hatten, ein dummer andauernder Wettbewerb, den sie vor über einem Monat gestartet hatten. Gavin schaute sich um und beobachtete die Reaktion seiner Brüder auf die Frage seines Vaters. Camerons Gesicht war völlig weiß geworden, während Wyatts Blick an gelangweilter Frechheit grenzte. Gavin drehte sich ein wenig auf seinem Platz, sodass er seinen Vater sehen konnte; er hatte eigentlich nichts zu sagen, aber er hatte seiner Mutter versprochen, dass er versuchen würde zwischen Wyatt, Cam und ihrem Vater für die Dauer ihrer Missouri-Reise den Frieden beizubehalten.
„Wir versuchen nur, die Dinge im Auge zu behalten”, sagte Wyatt zu Josiah, seine Eckzähne blitzten, als er ein gefährliches Lächeln zeigte. Wyatts große Hand legte sich auf den Tisch und sammelte die Blätter ein, stapelte sie und drehte sie mit Leichtigkeit um.
„Ihr drei sollt Partner finden und nicht trinken und nach Rockzipfeln schauen. Und erst recht nicht spielen“, murrte Josiah und ließ seinen anschuldigen Blick zwischen Cam und Wyatt hin und her schweifen, ehe er auf Gavin landete. „Und du … du sollst auf sie aufpassen, und sie nicht noch ermutigen.“
„Wir sind keine Kinder mehr“, unterbrach Cameron. Er war völlig ruhig und gefasst, aber Gavin wusste, dass Wut unter der Oberfläche brodelte, die bei der kleinsten Provokation bereit war hochzukommen. Es war schon immer so mit Cameron gewesen, schnell aufbrausend und schwer zu beruhigen.
„Wir sind sowieso älter als er“, sagte Wyatt mit einem berechnenden Blick auf seinem Gesicht.
„Das ist mir egal. Gavin ist der Einzige von euch dreien der ein wenig Verstand hat”, erklärte ihr Vater.“ Wenn einer von euch etwas tut, um die anderen Alphas zu beleidigen oder ihre Töchter, dann wird es eine Abrechnung geben. Blamiert nicht den Clan.“
Mit dieser Warnung und einem finsteren Blick, drehte er sich um und ging wieder zur Party zurück. Es gab einen langen Moment der Stille, die sich unangenehm zwischen Gavin, Wyatt und Cam zu strecken schien. Als Wyatt die Papiere mit einem Grinsen wieder umdrehte, rollte Gavin mit den Augen.“
„Was ist mit Annabeth?”, fragte Wyatt Cameron. „Klein, blond, riesige Titten …“
Gavin wartete nicht auf Cams Antwort, sondern stand mit tiefem Seufzen auf. Seine Brüder hatten wirklich schlechte Manieren und waren unkontrollierbar. Gavin würde nicht dabeistehen und ihrem frauenfeindlichen Müll für eine weitere Sekunde zuhören, besonders nicht nach der unverhüllten Drohung ihres Vaters. Auf keinen Fall würde Gavin dieses Mal den Schiedsrichter zwischen seinen Brüdern und seinem Vater spielen.
„Hol uns Bier, ja?“, rief Cam als Gavin davon ging. Gavin zeigte ihnen einen Vogel und erntete missbilligende Blicke von ein paar älteren Damen, als er davonging.
Gavin überschaute die Gegend und hatte das meiste der Menge abgesucht, als er endlich eine ruhige Stelle fand. Er hatte gerade damit begonnen, einen wirklich guten Krimi auf seiner E-Reader App auf seinem Handy zu lesen und er rief nach ihm. Er musste einfach nur für ein paar Stunden irgendwo alleine sein. Er hatte eine Ansammlung von Bäumen in der Nähe des Kiesparkplatzes entdeckt. Ein wenig Schatten und Privatsphäre war genau das, was er brauchte.
Als er nur noch zwanzig Schritte entfernt war, wurde er langsamer. Er hörte eine Frau sprechen, ihr Ton war hell und lebendig.
„Und das Pony schaute auf den Haufen Äpfel, der sich bis in den Himmel wandte …” Die Frau hielt inne, ihre Worte verschwanden in dem kindischen Gelächter. „Und dann aß das Pony einen Apfel und noch einen Apfel und einen weiteren … bis es so voll war, dass es dachte, es würde PLATZEN!“
Das Gelächter verdoppelte sich und Gavin stellte sich vor, dass die Frau etwas Dummes vormachen musste. Er bewegte sich näher und kam gerade noch rechtzeitig, um die Frau von hinten zu sehen. Sie saß auf einer karierten Decke und ein Dutzend Kinder saßen um sie herum. Aus seinem Blickwinkel konnte Gavin ihr Gesicht nicht sehen, nur dass sie angenehm kurvig war, mit dickem, glattem, cremig blondem Haar, das ihr auf ihre Schulter fiel. Sie trug ein sehr konservatives blassrosa Kleid, mit langen Ärmeln. Sie saß im Schneidersitz, sodass nur die weißen Lederspitzen ihrer Schuhe unter dem Saum ihres Kleides hervorstanden.
„Und was glaubt ihr, hat das Pony dann gemacht?“, fragte sie die Kinder und neigte ihren Kopf.
„Es hat gespuckt!“, rief ein kleiner Junge aufgeregt. Die Frau lachte und schüttelte ihren Kopf.
„Nein. Es hat einen Mittagsschlaf gemacht!“, erklärte sie. „Was glaubt ihr, wie es sich angehört hat, als es geschlafen hat? Hat es geschnarcht?“
Die Kinder brachen in schallendes Gelächter aus und machten laute Schnarchgeräusche.
„Faith, Faith! Was passiert mit dem Pony nach dem Schlafen?“, fragte ein kleines Mädchen und zog an dem Ärmel der Frau.
„Naja, Marissa, ich kann dir auf jeden Fall sagen, dass das Pony für immer auf seiner Insel gelebt hat. Der Stapel der Äpfel wuchs und wuchs, sodass es immer Äpfel da hatte, und es hat jeden Tag damit verbrachte am Strand zu spielen, Äpfel zu essen und in der Sonne zu schlafen“, vertraute die Frau den Kindern an.
Das kleine Mädchen quietschte vor Freude und warf sich auf die Frau und erhielt ein Kichern und eine Umarmung für ihre Bemühungen.
„Faith! Können wir Mama alles über das Pony erzählen, das all die Äpfel gegessen hat?“, fragte ein kleiner Junge und stand auf.
„Natürlich Adam. Ich glaube, ich könnte eine kleine Pause gebrauchen, um mir noch mehr Geschichten auszudenken. Warum holt ihr euch nicht alle etwas zu trinken?“, fragte sie. Die Kinder liefen jubelnd davon, um ihre Eltern zu finden. Die Frau drehte sich um, um ihnen beim davon laufen zuzusehen, ihr Blick war belustigt und voller Zuneigung.
Als Gavin sie ansah, stieß er Luft aus. Sie war absolut atemberaubend. Ihr Gesicht war eine süße Herzform, mit einer spitzen Nase und vollen rosa Lippen. Sie trug kein Make-up, aber ihre fein gebogenen dunklen Augenbrauen und die blitzenden haselnussbraunen Augen brauchten keine Betonung. Ein Hauch zarter Sommersprossen bedeckte den Nasenrücken und ihre Wangen und gaben ihr ein unschuldiges, jugendliches Aussehen, obwohl sie wahrscheinlich schon Mitte zwanzig war.
Als sie Gavin endlich bemerkte, drehte sie sich mit einem hellen Lächeln zu ihm um, bei dem Gavin sich fühlte, als wenn ihn jemanden in den Magen geboxt hätte. Ihr Lächeln verschwand nach einem Moment und ihre Verwirrung übernahm.
„Oh … Hallo“, sagte sie und ihre Augenbrauen hoben sich. Das war alles, was Gavin tun konnte, um seine Zunge zu entwirren, um mit ihr zu sprechen.
„Hi. Schöne Geschichte”, sagte er und riss sich zusammen und ging auf sie zu. Sie lachte, eine betörende Rosaröte breitete sich dabei auf ihren Wangen aus.
„Danke“, sagte sie mit einem unauffälligen Achselzucken.
„Macht es dir was aus, wenn ich mich zu dir setze?“, fragte Gavin.
„Oh …“. Sie hielt inne und ihr Blick wanderte zur Menge und suchte jemanden. „Ich denke nicht.“
„Hast du einen eifersüchtigen Partner oder so? Ich will keinen Ärger“, sagte Gavin, und drehte sich um, um in die Menge zu sehen und erwartete halb einen riesigen Alpha, der sich aus der Menge erhob, bereit, um Gavin in Stücke zu reißen.
„Nein! Nein“, erwiderte sie und schüttelte ihren Kopf. „Tut mir leid. Setz dich doch.”
Er setzte sich und gab ihr viel Raum. Er streckte seine Hand aus und bot ihr einen Handschlag, überrascht, als sie zögerte und sich umsah, ehe sie seine Hand akzeptierte. Ihre Hand war klein und weich in seiner, und weckte die Aufmerksamkeit des Bären in ihm.
„Ich bin Gavin“, sagte er und gab ihr, so hoffte er, sein bezauberndstes Lächeln.
„Nett dich kennenzulernen“, sagte sie und ihr Ton war höflich, aber neugierig. „Ich bin Faith.“
Sie schien nicht in der Lage zu sein, Augenkontakt mit ihm zu halten und schaute auf ihren Schoss und glättete ihr Kleid über ihren Beinen.
„Also …“, sagte er und versuchte ein geeignetes Thema zu finden. „Ich glaube, wenn du nicht verpartnert bist, dann sind das wahrscheinlich nicht deine Kinder?“
Faith ließ ein schüchternes Lächeln blitzen und schüttelte ihren Kopf.
„Einige von ihnen sind meine Brüder und Schwester, einige von ihnen sind Cousins“, sagte sie.
„Brüder und Schwester?”, fragte Gavin und runzelte die Stirn.
„Mein Vater hat wieder geheiratet“, sagte sie und zeigte auf eine kleine Gruppe von Berserkern, die sich um die Picknicktische versammelt hatten. „Die Rothaarige da, das ist Sheila.“
Die Gruppe bestand vielleicht aus zehn Männern und fünf Frauen, die meisten in ihren Zwanzigern und späten Teenager Jahren. Ein silberhaariger Mann stand ein wenig abseits, mit gerunzelter Stirn. Gavin nahm an, er war der Alpha, Faiths Vater. Gavin beobachtete die Gruppe, seine Neugier wuchs, als er sah, dass die Frauen alle langärmelige Kleidung trugen, lange Kleider, so wie Faith eins trug. Die Männer waren in dunklen Hosen und zugeknöpften Shirts gekleidet, konservativ genug, um irgendwie unmodern zu wirken.
„Wie viele Brüder und Schwestern hast du?”, fragte er und hielt seinen Ton lässig.
„Vierzehn“, sagte Faith achselzuckend.
„Ach du meine Güte“, sagte Gavin mit aufgerissenen Augen. „Ich habe fünf Brüder und die Menschen sind immer überrascht davon. Du musst einige interessante Kommentare bekommen.“
Faith gab ihm ein weiteres verführerisches Lächeln.
„Ja”, gab sie zu. „Es ist manchmal ein wenig peinlich, um ehrlich zu sein.”
„Es geht mich ja auch nichts an. Ich bin einfach neugierig, das liegt in meiner Familie“, witzelte Gavin.
„Das ist kein Problem“, sagte Faith und ihr Kopf senkte sich ein wenig. Sie fummelte mit roten Wangen an einem losen Faden an einer Decke. Gavin war überrascht, dass dieselbe Frau, die noch vor ein paar Minuten so animiert war, jetzt so unglaublich schüchtern sein konnte.
„Also … warum hast du dich nicht unter die anderen Berserker gemischt?“, fragte Gavin.
Faith schaute ihn an, ihre haselnussbraunen Augen blitzten vor Gefühlen, die Gavin nicht recht einordnen konnte.
„Mein Clan ist hier, um Partner für meine Brüder zu finden”, sagte sie und ihre Worte waren wohlüberlegt.
„Das hört sich ein wenig merkwürdig an. Nichts für ungut“, sagte Gavin.
Faith zuckte mit einer Schulter, ihr Blick ging wieder auf ihren Schoss.
„Ich habe nicht viel in dieser Angelegenheit zu sagen“, war ihre einzige Antwort.
Gavin fragte sich, wie er darauf antworten sollte, aber er sparte sich den Ärger. Ein großer blonder Berserker Mann kam mit langen Schritten über das Gras, ein mürrischer Blick lag auf seinem Gesicht.
„Oh, oh“, flüsterte Faith leise.
„Ist das einer deiner Brüder“, fragte Gavin.
„Ja. Jared ist ein wenig … streng.“
Gavin warf Faith einen Blick zu und wunderte sich bei ihren Worten. Sie war eine erwachsene Frau und der Mann war ihr Bruder, nicht ihr Vater … Gavin schüttelte seinen Kopf, er konnte das noch nicht ganz zusammenfassen.
Faiths Bruder erreichte sie in der Sekunde und ging direkt auf die Decke zu. Der blonde Mann blockierte seine Schwester vor Gavins Blick, er hörte nicht auf, bis er Gavin praktisch berührte.
Gavin lehnte sich zurück und warf dem Mann einen skeptischen Blick zu.
„Kann ich dir helfen?“, fragte Gavin.
„Ja, kannst du“, antwortete Jared mit dickem Akzent. „Du kannst dich zuerst einmal von meiner Schwester fernhalten.“
Gavin holte Luft und unterdrückte seinen sofortigen Impuls aufzustehen und den Mann auf den Boden zu werfen. Niemand sprach so mit einem Beran Mann. Außerdem hatte er überhaupt nichts falsch gemacht.
„Ich hatte den Eindruck, dass dies eine gesellschaftliche Veranstaltung ist“, sagte Gavin und hielt seinen Ton flach und sein Gesicht ausdruckslos.
„Nicht für sie, das ist es nicht. Wir sind nur hier, um Frauen für die freien Männer zu finden, nicht um Ärger für die Frauen zu finden, den wir bereits hatten“, antwortete Faiths Bruder und verschränkte seine Arme und lehnte sich noch ein wenig weiter zu Gavin herüber.
„Das hört sich ein wenig sexistisch an oder etwa nicht?“, fragte Gavin.
„Wie sich das anhört, ist nicht deine verdammte Angelegenheit. Ich habe dich einmal darum gebeten und jetzt sage ich es dir noch einmal. Geh und lass meine Schwester in Ruhe. Ich will es nicht noch einmal sagen“, sagte Jared und erhob seine Stimme.
Gavin hielt seine Hand hoch und war nicht gewillt wegen eines einfachen Gesprächs einen Streit anzufangen.
„Okay, okay“, sagte Gavin. „Kannst du vielleicht ein wenig runterkommen?“
Der andere Mann warf ihm einen bösen Blick zu, der sagte, dass er das tatsächlich nicht konnte, aber er machte einen Schritt zurück. Gavin stand auf und bürstete sich ab.
„Faith … Es war nett, dich kennenzulernen”, sagte Gavin achselzuckend. „Genieß das Picknick.”
Gavin drehte sich um und ging wieder zur Party. Als er den Picknicktisch erreichte, wo Cam und Wyatt immer noch saßen und lästerten, sah Gavin erneut zur Decke herüber.
Jared lehnte sich zu Faith, sein Blick war so dunkel wie eine Donnerwolke. Jared hob einen Finger in Faiths Gesicht und sie zuckte zusammen.
„Was ist hier los?“, fragte Cam und sein Blick verengte sich.
„Ich bin mir nicht sicher, ich werde es auf jeden Fall herausfinden“, sagte Gavin.
„Sieh mal einer an, wir sind seit siebenundzwanzig Stunden hier und Gav hat bereits eine Jungfrau in Nöten gefunden“, krächzte Wyatt.
„Halt‘s Maul”, keifte Gavin und störte sich nicht, Wyatt dabei anzuschauen.
„Er hat recht. Das ist doch dein Ding“, sagte Cam.
Gavin drehte sich um und starrte beide an.
„Ich werde wahrscheinlich wieder mit diesem Arschloch zusammenstoßen“, sagte Gavin und zeigte mit seinem Daumen auf Jared. „Gebt ihr mir Rückendeckung oder was?“
„Ein guter Kampf? Zur Hölle, ja“, Wyatt.
„Ich mag auch Jungfrauen in Nöten“, fügte Cam hinzu und warf Faith einen langen Blick zu.
„Ihr zwei seid miserabel. Wie kommt es, dass ich nie mit Luke oder Finn irgendwo feststecke?“, seufzte Gavin.
Kichernd gingen Cam und Wyatt wieder zurück zu ihrer Frauendiskussion und die Dummheit des ganzen Partnerrituals. Gavin hörte nur halb zu, seine Augen wanderten immer wieder zu Faith. Wenn Faiths Bruder gedacht hatte, er hätte Gavins Interesse abgewehrt, dann lag er auf jeden Fall falsch. Gavin seufzte wissend, dass dabei nichts Gutes herauskommen würde.
2
„Ich kann nicht glauben, dass wir campen. Ich hätte mit Finn und Noah mitgehen sollen“, meckerte Cameron und zog seinen Koffer und einen Schlafsack aus Wyatts Mietwagen.
„Wir schlafen in Hütten. Es ist kein echtes Camping“, wies Gavin ihn darauf hin.
„Gott bewahre“, sagte Wyatt und rollte mit seinen Augen. „Ich glaube, du hast einfach nur Angst, dass ich dich morgen bei den Spielen besiege.“
Cameron kicherte und schüttelte seinen Kopf.
„Glaub das nur, Bruder“, erwiderte Cam. „Erstens wird Gavin uns sowieso beide schlagen. Er ist unheimlich schnell und er läuft wirklich regelmäßig. Zweitens warst du noch nie ein guter Wrestler. An Bars rumzuhängen macht keinen Athleten aus dir.“
„Es geht um pure Alphastärke”, informierte Wyatt ihn mit einem Grinsen auf den Lippen. Cam verkrampfte sich, bereit für eine Konfrontation, aber Gavin schnitt ihm das Wort ab.
„Spart euch das für morgen, ihr Idioten“, forderte Gavin. „Wir sind erst seit fünf Minuten hier, also lasst uns ankommen und ein wenig Spaß haben. Ich habe gehört, dass es heute Nachmittag eine große Fahrt geben wird, um Spiele und Fisch zu bringen, und dann braten wir die Fische und machen eine Grillparty.“
Gavin knallte die Autotür zu, nahm seinen Koffer und seinen Schlafsack und ging voran zu den Hütten. Die Berserker hatten für das Wochenende mehrere Quadratkilometer Campingplätze und Wald gemietet; die Vermietung enthielt ein paar Dutzend Ansammlungen von braunen Holzhütten, die sich um überdachte Unterhaltungspavillons gruppierten. Der größte Pavillon war auf der Karte des Campingplatzes eingezeichnet worden und für die Dauer des Aufenthalts als primärer sozialer Bereich und als Bereich für die Zubereitung von Speisen ausgewiesen. „Lass mal sehen …“, murmelte Gavin sich selbst zu und schaute auf das Blatt Papier, das ihre Hüttenzuteilung enthielt. „Drei null fünf …. Drei null sechs … drei null sieben! Das ist unsere.”
Er nahm den beiliegenden Schlüssel, stieß die Tür auf und ging hinein. Ihre Hütte hatte zwei Hauptzimmer, eins mit einer Küchenzeile und ein paar abgetragenen Sesseln und das andere mit vier sehr einfachen Einzelbetten mit Metallrahmen.
Gavin, Cam und Wyatt stöhnten alle gleichzeitig, als sie die Betten sahen.
„Wir werden scheiße schlafen“, fasste Wyatt zusammen.
„Als wenn ich nicht bereits die letzten zwei Wochen damit verbracht habe, mein California King Bett zu Hause zu vermissen“, stimmte Cam ein.
Gavin warf seinen Koffer und seinen Schlafsack auf das Bett, das am weitesten von der Tür entfernt war und streckte sich dann darauf aus.
„Zumindest sind wir nicht mehr im Auto”, sagte er. „Weiß einer von euch, wo Ma und Pa bleiben?“
„Sie sind auf der anderen Seite des Camps. Die meisten Alpha Paare sind an einem einzigen Ort und der Rest ist aufgeteilt nach Clans oder nach dem Teil des Landes, aus dem sie kommen. Keine Frauen und Männer in derselbe Hütte“, sagte Cam.
Wyatt und Gavin schauten ihn beide mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Was? Ma hat mir gestern eine Ansprache gehalten. Sie sagte, sie will, dass wir keine Probleme machen”, sagte Cam.
Wyatt warf seine Sachen auf eines der anderen Betten und schaute sich im Zimmer um, sein Missfallen war offensichtlich.
„Es gibt besser wirklich heiße Frauen auf diesem Ausflug“, seufzte Wyatt.
„Da gibt es nur einen Weg, das rauszufinden, hm?“, schlug Cam vor und nickte in Richtung Tür der Hütte.
„Auf jeden Fall. Ich verhungere. Vielleicht können wir ein nettes fettes Reh fangen und alle Damen mit unseren Jagdfähigkeiten beeindrucken.”
Gavin konnte nur seinen Kopf schütteln und seinen Brüdern folgen, in dem Versuch sie in Zaum zu halten.
3
Mehrere Stunden, mehrere Rehe und zahllose Eiskübel mit Fisch später, waren die Festlichkeiten in vollem Gange. Gavin floh aus der Hütte, er hatte geduscht, nachdem er eine Stunde die Fische zum Grillen ausgenommen hatte. Er dankte seinem Schicksal, dass er in der Red Lodge aufgewachsen, wo sein Vater ihm beigebracht hatte, sich selbst zu ernähren; einige der Männer bei dem Treffen waren geradezu zimperlich, wenn es darum ging, ihre Fänge zu schlachten, und die Beran Männer hatten sich den ganzen Nachmittag vor Lachen kaum halten können.
Als Gavin auf dem Weg zum Hauptpavillon war, sah er Dutzende Berserker, die sich in ihrer Bärenform tummelten oder herumschlenderten und die Trampelpfade des Camps belegten. Der Anblick ließ seine Brust sich vor Freude zusammenziehen, einfach die Menschen in ihrer natürlichen Form zu sehen. Ein seltener Anblick, aber etwas was ihn stolz machte, ein Bärenverwandler zu sein.
Er dachte daran, was passieren würde, wenn Menschen plötzlich hier hereinkommen würden. Wie panisch sie sein würden, so viele Bären in jeglicher Größe und Form zu sehen, die rannten und knurrten und sich gegenseitig auf den Boden warfen. Der Gedanke ließ ihn laut kichern.
Gavin war so in Gedanken versunken, mit seinen Augen auf den Boden blickend, während er ging, dass er Faith nicht bemerkte, bis er in sie stieß, als er auf den Pfad trat. Seine reine Größe ließ sie umfallen und alles, was sie im Korb in der Hand hielt fiel heraus, Obst und Gemüse verbreitete sich überall.
„Oh!“, ärgerte sich Faith mit weit aufgerissenen Augen. Sie trug ein graues Baumwollkleid, das sie von Nacken bis Fuß bedeckte. Ihr schimmerndes blondes Haar war geflochten und hochgesteckt und bot einen eleganten Hauch.
„Ah. Tut mir leid, Faith“, sagte Gavin. „Ich habe nicht hingeschaut, wo ich hingehe.“
„K-kein Problem“, antwortete Faith und schaute ihn einen Moment nervös an, ehe sie sich die verstreuten Lebensmittel ansah.
„Hier, lass mich dir helfen.” Gavin wollte ihr aufhelfen und kam nicht umhin zu bemerken, wie sie erblasste, ehe sie ihre Hand in seine gleiten ließ. Er sah, wie sie bei dem Kontakt schauderte und wie sie rot wurde, als wenn sie irgendetwas ganz anderes tun würden.
„Ich … äh … ich hätte auch gucken sollen”, stotterte Faith und riss ihre Hand von ihm los, sobald sie wieder stand. Nach dem sie ihr Kleid abgebürstet hatte, begann sie, die Kartoffeln und das Getreide und die verpackten Erdbeeren und Blaubeeren einzusammeln. Gavin sah, dass sie ihren Körper in einen bestimmten Winkel gebeugt hatte, sie wollte sichergehen, dass sie ihm nicht ihre Rückseite zeigte, während sie die Dinge aufsammelte. Eine merkwürdige zurückhaltende Gewohnheit, um ehrlich zu sein.
„Kein Problem”, sagte er und half ihr die letzten zwei Packungen Obst aufzuheben. Er überreichte sie ihr, während sie alles wieder in den Korb legte und mit einem karierten Tischtuch bedeckte.
Faith schaute zu ihm hoch und biss sich mit den Zähnen auf die Unterlippe. Ihr Blick glitt zum Trampelpfad, von dem sie gekommen war und eine Sorgenfalte bildete sich auf ihrer Stirn.
Gavin runzelte die Stirn, sein Blick ging in die Richtung, in die sie schaute.
„Kommt dein Bruder oder so?“, fragte er.
„Nein. Ähm. Nein“, sagte Faith und wechselte das Thema. „Gehst du zum Grillfest? Ich bringe die Sachen dorthin.”
„Ja. Macht es dir was aus, wenn ich mitkomme? Ich will nicht, dass du Probleme bekommst“, sagte Gavin.
Wut glitzerte kurz in Faiths Augen auf und gab Gavin Hoffnung. Vielleicht war Faith nicht so demütig, wie ihr Bruder es gern hätte. Er konnte sie vielleicht kontrollieren, aber es schien, dass ein kleiner Teil von ihr nicht gezähmt werden wollte.
„Das wäre schön”, sagte sie zu Gavins Überraschung.
„Lass mich den Korb tragen“, bot er an. Sie überreichte ihn ihm mit einem schnellen Lächeln, ihr Kopf neigte sich wieder nach unten, als sie losgingen.
Gavin nutzte den Moment, um die schlanke Linie ihres Nackens zu bewundern, und die feinen Kurven ihres Körpers unter diesem schmucklosen Kleid. Seine Lippen zuckten, als er erkannte, dass, egal wie Faith sich anzog, sie ihre Weiblichkeit nicht verstecken konnte.
Als sie den Hauptbereich erreichten, war das Abendessen im vollen Gang. Es gab Tische mit stapelweise frisch gebratenem Fisch und Wildfleisch, sowie jede vorstellbare Vorspeise und Nachtisch.
„Das sieht wunderbar aus“, sagte Gavin.
„Ja, ich glaube, ich komme ein wenig zu spät mit dem Korb”, sagte Faith, als sie das Fest ansah.
„Ich glaube nicht, dass ihn jemand vermisst“, sagte Gavin mit einem Winken. Faith wurde wieder rot, aber nickte in stiller Zustimmung. „Warum holen wir uns nicht einen Teller und finden einen Tisch für uns beide?“
Faith biss sich wieder auf ihre Lippe und sah zerrissen aus.
„Das würde ich gerne …. Aber ich habe Angst, dass meinen Brüdern das nicht gefällt.“
„Was, wenn wir uns zu meinen Eltern setzen? Sicherlich kann niemand mit solchen Begleitern etwas anfangen“, schlug Gavin vor.
Nach einer langen Stille nickte Faith.
„Das hört sich gut an“, sagte sie.
„Cool. Ich bin auf jeden Fall bereit, ein wenig Wildfleisch zu probieren“, sagte Gavin und führte sie zum Büffet. Er stapelte einen Teller mit Essen voll und freute sich darauf, dass später bei einem langen Lauf im Mondlicht wieder abzutrainieren. Er kam nicht umhin zu bemerken, dass Faith kaum etwas auf ihren Teller gelegt hatte; ein Stück gegrillten Fisch, ein wenig Salat ohne Dressing und ein wenig Obst bildeten ihre ganze Mahlzeit.
„Das ist alles?”, fragte er neugierig. Faith wurde rot, sie wippte auf ihren Füßen hin und her.
„Ich hab nicht so viel Hunger“, sagte sie. Während sie sprach, schaute sie hinter Gavin. Als er sich umdrehte, sah er, wie ihr Bruder sie aufmerksam beobachtete.
„Okay“, sagte er und wollte ihr Unbehagen nicht noch weiter erhöhen. „Hey, da ist meine Mutter. Lass mich dich vorstellen.“
Ohne eine Warnung, griff Gavin Faiths freie Hand und zog sie in Richtung Tisch, wo seine Eltern mit Gavins Tante Lindsay saßen.
„Keine Sorge, sie beißen nicht“, beruhigte Gavin Faith.
Noch ehe sie antworten konnte, waren sie am Tisch. Gavins Familie sah neugierig hoch.
„Leute, das ist Faith. Faith, das ist mein Vater Josiah, meine Mutter Genny und meine Tante Lindsay.“
„Faith, nett dich kennenzulernen!”, antwortete Gavins Mutter sofort. Sie stand auf und streckte ihre Hand aus, die Faith nahm.
„Bist du vom Krall Clan?“, fragte Gavins Vater und nahm Faith unter seinen scharfen Blick.
„Nein. Mein Vater ist Aros Messic“, erwiderte Faith.
So wie die Augenbrauen seines Vaters hochschossen, konnte Gavin sehen, dass es noch eine Geschichte dahinter gab, aber er sagte nichts.
„Nett dich kennenzulernen”, sagte Josiah.
„Setz dich, setz dich!“, sagte Tante Lindsay und zeigte auf zwei leere Plätze am Ende eines Picknicktisches.
Gavin setzte sich neben seinen Vater und ließ Faith den Platz gegenüber, neben seiner Mutter.
„Also Faith was machst du?“, fragte Gavins Mutter.
„Ich bin Vorschullehrerin“, sagte Faith und warf Genny ein warmes Lächeln zu.
„Oh, wie nett!“, strahlte Genny und schaute Gavin an. Gavin ließ einen Seufzer los; seine Mutter war die ewige Kupplerin.
„Gavin ist Sozialarbeiter”, sagte Tante Lindsay zu Faith.
Faith warf Gavin einen Blick zu, Interesse lag in ihrem Blick.
„Also hilfst du Menschen als Lebensunterhalt, hm?“, fragte Faith.
„Ich versuche es zumindest“, antwortete er mit einem Schulterzucken.
„Also arbeitet ihr beide mit Kindern“, sagte Genny zufrieden.
Gavin nickte und begann zu essen, probierte den gegrillten Fisch und den Kartoffelsalat.
„Faith ist eine ziemliche Geschichtenerzählerin“, erzählte Gavin seiner Familie. „Ich habe sie gestern getroffen, weil sie eine sehr lustige Geschichte erzählt hat über … was war das noch mal eine Ziege?“
Faith lachte.
„Ein Pony, denke ich”, sagte sie. „Meine Mutter hat mir immer Geschichten über ein Pony erzählt, das alles essen wollte, was es sah, und es scheint immer noch so beliebt wie früher.“
„Wo kommst du her, Faith?“, fragte Genny.
„Centralia, auf der andere Seite des Flusses in Illinois“, antwortete sie. „Weniger als eine Dreiviertelstunde von hier.“
„Hast du eine große Familie?“, fragte Lindsay.
„Leute, lasst sie essen, Gott“, unterbrach Gavin.
„Nein, nein, das ist in Ordnung“, sagte Faith und ihre Augen blitzten. „Ich habe vierzehn Brüder und Schwestern.“
„Guter Gott!“, bellte Josiah. „Da hast du aber ganz schön viel Sippe.“
„Es ist nie einsam”, stimmte Faith zu.
„Hast du schon was von dem Schokoladenkuchen probiert?“, fragte Lindsay und beobachtete das Stück auf ihrem Teller. „Das ist deutsche Schokolade, unglaublich.“
„Äh … hmm, habe ich nicht”, sagte Faith und ihre Augen fielen auf ihren Teller. Sie spielte mit ihrer Gabel, schob ein paar Stücke Obst hin und her, aber aß eigentlich nichts.
„Kein Schokoladenfan?“, fragte Lindsay.
„Wir haben eine strenge Diät in unserer Familie“, erzählte Faith und hob die Schultern. Ihr Blick ging suchend hoch und als Gavin hochsah, sah er Faiths Bruder Jared, der den Tisch wie ein Habicht beobachtete. Er sah sehr unzufrieden aus, trotz der Tatsache, dass Faith kaum weniger gut begleitet sein konnte.
„Naja ich hatte ein wenig gegrillten Fisch, den du hast, und er ist sehr lecker“, sprang Genny ein. „Sehr gut gemacht.“
Faith lächelte, ein einfaches Grübchen blitzte auf ihrer Wange. Sie nahm einen Bissen von dem Fisch und nickte zustimmend.
„Ich bin nur froh, dass ich hier durchgefüttert werde“, sagte Gavin. „Mein Geheimnis ist, dass ich ein guter Koch bin, aber ich bin faul. Ich esse viel öfter auswärts, als ich zugebe.“
„Ich liebe es, zu kochen, besonders zu backen“, sagte Faith. „Ich backe viel Brot. Ich weiß, dass Kohlenhydrate schrecklich sind, aber ich kann nicht anders.“
„Kohlenhydrate sind Schmarrn”, sagte Genny. „Du solltest essen, was dich glücklich macht. Ich vergewissere mich einfach, dass ich jeden Tag einen schönen Spaziergang mache und das hält mich in Kampfform.”
Faith sah nachdenklich aus.
„Ich gehe nicht so oft hinaus, wie ich gerne wollte”, gab sie zu. „Es gibt immer etwas zu tun zu Hause, irgendeinen Streit, den man schlichten muss. Ich bin das älteste Mädchen, ich bin immer gefordert.“
Alle lachten.
„Das kann ich mir vorstellen“, erwiderte Genny.
„Faith schaust du beim Wrestling und beim Rennen morgen zu? Vielleicht kannst du mit uns kommen und zusehen“, schlug Lindsay vor und warf Gavin einen durchtriebenen Blick zu. Es schien, dass seine Tante genau so gerne verkuppelte, wie seine Mutter.
„Das würde ich gerne, aber … ich muss meinen Vater fragen“, sagte Faith und legte ihre Gabel nieder.
Gavin bemerkte den düsteren Blick auf dem Gesicht seines Vaters und machte sich innerlich eine Notiz, ihn später dazu zu befragen.
„Vielleicht kann Vater ihn fragen”, bot Gavin an und nickte in Richtung seines Vaters.
„Nein, ich meine … ich glaube nicht, dass das nötig ist“, sagte Faith und sah ein wenig erschrocken bei dem Gedanken aus. „Ich spreche mit ihm.“
„Das solltest du wirklich. Du kannst zwei von Gavins Brüdern treffen, Cameron und Wyatt. Sie sind wirklich unterhaltsam“, kicherte Tante Lindsay.
Gavin warf ihr einen schnellen Blick zu. Eine süße, unschuldige Blondine wie Faith wäre viel zu verlockend für seine boshaften Brüder. Sie würde auf keinen Fall Teil ihrer schwachsinnigen Wette werden.
Über die Grünfläche sah Gavin Faiths Bruder, der sie mit einer ungeduldigen Geste rief. Gavin machte ein finsteres Gesicht und versuchte zu verstehen, wie ein Mann so viel Macht über die gesamte Familie haben konnte.
„Ich gehe besser. Wir sehen uns vielleicht morgen?“, fragte Faith Gavin.
„Das ist ein Date“, sagte er. Faith wurde rot und lachte, das Grübchen erschien wieder. Sie verabschiedete sich von seiner Familie und ging dann zu ihrem Bruder und schon bald verschwanden sie aus dem Pavillon.
„Okay. Was ist los?”, fragte Gavin und wandte sich seinem Vater zu.
Josiah wandte sich auf seinem Stuhl, während er Faith und ein paar ihrer Geschwister beobachtete, die den Pavillon verließen. Er sah einen Moment nachdenklich aus, dann schnitt er eine Grimasse.
„Aros Messic ist kein guter Alpha“, seufzte Josiah. „Das wenige, was ich von ihm weiß, kommt hauptsächlich durch die jährlichen Treffen des Alpharats und das war nicht angenehm. Er ist so geradlinig, dass er mich wie einen Liberalen aussehen lässt und er ist fanatisch in seinem Glauben.“
„Ich traue mich fast nicht zu fragen, was für ein Glauben das ist“, seufzte Gavin. „Faith schien ziemliche Angst vor ihm zu haben. Ihr Bruder auch.“
„Einer von Aros Söhnen ist seine rechte Hand. Jamie oder Jim …“, sagte Josiah.
„Jared, glaube ich“, half Gavin.
„Ja, genau. Naja sie halten es lieber mit den alten Manieren. Und mit alt meine ich, dass sie immer noch Odin und Freyr und Thor verehren. Ich kenne nicht alle Einzelheiten, aber ich weiß, dass Aros die Modernität als teuflisch betrachtet und seine Kinder und seinen Clan auch dementsprechend erzieht. Er stimmt dafür, wieder zu den alten Zeiten zurückzukehren, vor der Industrialisierung.“
Gavin zog die Luft ein, seine Stirn runzelte sich.
„Du meinst … Er ist nicht nur anti-Computer, sondern auch total altmodisch?“ fragte Lindsay und gab damit genau Gavins eigene Gedanken wieder.
„Seine ganze Familie lebt ohne Strom. Sie bewirtschaften Land und züchten Vieh und essen nur, was sie selbst herstellen. Ehrlich gesagt bin ich überrascht, dass der Clan hier ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendeine Frau auf dieser Veranstaltung ihr Leben aufgibt, um im ländlichen Illinois zu leben, ohne irgend so etwas wie ein Telefon“, sagte Josiah.
„Warum sollte jemand das tun, das kann ich mir nicht vorstellen“, fügte Genny hinzu. „Und es ist nicht so, als ob Aros viel Erfolg hat, Beweise zu erbringen, dass seine Art zu leben die Beste ist. Der ganze Clan ist ärmer als Dreck. Ich habe Gerüchte gehört, dass seine erste Frau einmal im Feld gebären musste.“
Seine Mutter schüttelte sich.
„Warum laufen sie nicht weg?“, fragte Gavin.
„Es ist wie ein Kult, der sich um das Erbe der Berserker dreht. Aros nutzt unsere Art als Beispiel, er sagt, dass die nordischen Götter genauso echt sind wie du und ich. Er und seine Art haben alle ihre Kinder dazu gebracht, jedes Wort zu glauben, was er sagt und diejenigen, die ihm nicht zustimmen, fliegen aus dem Clan.“
Gavin verstand die Drohung nur all zu gut. Weniger als zwei Monate zuvor, hatte der Alpharat genau diese Bedrohung für jeden Berserker im partnerfähigen Alter angeordnet, dem es nicht gelungen war, innerhalb von zwölf Monaten nach Erlass einen Partner zu finden.
Es hieß, seine Berserker Freunde und Familie zu verlieren, ja. Aber es hieß auch, keinen Zugang mehr zu vielen Wildnisreservaten und Schutzhütten der Berserker zu bekommen, die wenigen Orte, wo es sicher war, frei in Bärenform zu rennen. Berserker ohne Clanschutz mussten bis nach Südamerika oder British Columbia gehen, um genug Land zu finden, wo sie sich in der Natur bewegen konnten.
„Warum hat der Alpharat noch nichts gegen ihn unternommen?“, fragte Gavin perplex.
Joshia zuckte die Schultern und sah ein wenig schuldig aus.
„Er ist ziemlich nervig, aber er hat das Recht dazu, seinen Clan zu regieren, wie er möchte. Wenn wir ihn aus dem Alpharat werfen, würde das nur heißen, dass wir nicht mehr genau wissen, was er da draußen in den Wäldern treibt. So können wir wenigstens ein Auge auf ihn haben.
„Er ist ziemlich viel Arbeit”, warf Gavins Mutter ein. „Ich bin überrascht, dass Faith so einen kühlen Kopf hat, wenn sie aus dem Clan stammt.“
Gavin konnte den neugierigen Blick seiner Mutter spüren, zweifellos versuchte sie Gavin und Faith zusammenzubringen, wie kleine Puzzleteile.
„Tu dir einen Gefallen und halte dich von allen Männern in ihrer Familie fern“, sagte sein Vater. „Jeder einzelne, den ich getroffen habe, hat jeden Kampf vermasselt und sie halten sich nicht zurück. Sie ist ein nettes Mädchen, aber …“
„Toll, okay“, fiel Gavin seinem Vater ins Wort. „Ich glaube, ich werde mal nach Wyatt und Cam sehen.”
Er stand auf und nahm seinen halbleeren Teller mit und ging, um seine Brüder zu suchen. In seinen Gedanken jedoch konnte er nicht aufhören, an Faiths naive Schönheit zu denken.
Pulsuz fraqment bitdi.