Kitabı oxu: «glauben.einfach.»

Şrift:

Matthias Müller • Klaus Popa


glauben

einfach

MENSCHEN.

GESCHICHTEN.

GEDANKEN.


Das Buch zur TV-Serie

ADVENT-VERLAG


Dieses E-Book darf ausschließlich von dem Kunden verwendet werden, der es selbst gekauft hat. Jede Weitergabe an andere Personen entspricht nicht der zulässigen Nutzung, ist strafbar und schadet dem Autor/​Herausgeber und dem Verlag.

ISBN EPUB: 978 - 3-8150 - 2616-8 (1. Auflage 2014)

ISBN PRINT: 978 - 3-8150 - 1926-9 (1. Auflage 2011)

© der E-Book-Ausgabe:

STIMME DER HOFFNUNG e. V.,

Sandwiesenstraße 35, 64665 Alsbach-Hähnlein

www.stimme-der-hoffnung.de

© der Print-Ausgabe:

Saatkorn-Verlag GmbH, Abt. Advent-Verlag,

Pulverweg 6, 21337 Lüneburg

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Datenkonvertierung E-Book: Zeilenwert, Rudolstadt

Lektorat: Werner E. Lange

Korrektorat: Ellen Koschizke, Sonja Lobitz, Hans-Joachim Krause

Satz und Einbandgestaltung: Sarah Kostmann,

STIMME DER HOFFNUNG, Alsbach-Hähnlein

Titelfotos: Tobias Klepp, Klaus Popa, Matthias Müller

Fotos im Innenteil: Wolfgang Schick

Gesamtherstellung: Thiele & Schwarz GmbH, Kassel

Die Bibelzitate sind – falls nichts anderes vermerkt ist – der Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers (revidierter Text 1984), durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart, entnommen. Ansonsten bedeuten:

EB = Revidierte Elberfelder Bibel, © 1985, 1991, 2006 SMC R. Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten (vorige Ausgabe);

GNB = Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart; hrsg. zusammen mit dem Kath. Bibelwerk, Stuttgart;

Hfa = Hoffnung für alle – Die Bibel (revidierte Fassung), © 1983, 1996, 2002 International Bible Society, Brunnen-Verlag, Basel und Gießen.

© 2011 Saatkorn-Verlag GmbH, Abt. Advent-Verlag Pulverweg 6, 21337 Lüneburg

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Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 978 - 3-8150 - 1926-9

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Vorwort

01 Leben in der Krise

Rettungsschirme, Krisenstab – und wer hilft mir?

02 Selbstständig – unabhängig – frei

Was ist mit Schicksal, Führung oder Bestimmung?

03 Wird schon! Oder?

Über die Hoffnung, dass wir die Kurve kriegen

04 Wenn es wehtut

Trost im Leid

05 Vielleicht? Vielleicht! Vielleicht.

Von der Beliebigkeit der Freiheit

06 Beten – Bestellung an das Universum?

Vertrauen, ohne zu sehen

07 Heilige Zeit

Warum wir Schmetterlinge lieben

08 Der Anfang

Schöne alte Welt – Traum von morgen?

09 Liebe, Sex und Sehnsucht

Liebe, die hält. Würde, die jedem zusteht.

10 Wenn mein Ende kommt

Eigentlich will ich leben

11 Leben in zwei Welten

Was ist wahr? Wem kann ich vertrauen?

12 Das glaube ich

Gott ist da. Wo Zweifel helfen

13 Die letzte Freiheit

Alles unter Kontrolle. Die Welt am Ende

14 Barmherzigkeit für alle

Allein vor Gott. Kann ich bestehen?

15 Das hat keiner verdient

Erlösung, wie sie im Buche steht

16 Goldene Momente

Eine Entscheidung verändert das Leben

17 Vom Ankommen

Heimat ist, wo die Sehnsucht wohnt.

Die TV-Serie glauben.einfach.

Verpasst? Kein Problem!

Verweise

VORWORT

Wir trafen uns auf dem Flur des Medienzentrums. „Hast du Lust, an einem größeren Projekt mitzuarbeiten? Etwas ganz Neuem, Innovativem?“ Kein langes Zögern; die Neugier war geweckt. So begann unsere gemeinsame Reise.

Wir haben beraten, gebetet, Literatur durchforstet, versucht, uns erneut ein Bild von den Sehnsüchten und Sorgen der Menschen zu machen, die um uns herum leben. Und ein Bild von uns selbst. Wie denken und fühlen wir? Was hat sich in den letzten Jahren verändert? Wo stehen wir heute?

Wir haben uns mit Freunden in Deutschland und Amerika beraten, Freude und Enttäuschungen gemeinsam durchlebt. Am vorläufigen Ende der Reise standen ein Kinofilm, eine TV-Serie, drei Glaubenskurse, eine umfangreiche, interaktive Internetplattform – und dieses Buch.

Auf den folgenden Seiten haben wir unsere Erfahrungen, Beobachtungen und Gedanken niedergelegt, und zwar auf sehr persönliche Weise. Wir wollten nicht Lehrsätze präsentieren, sondern einfach und lebensnah von unseren Überzeugungen, unserem Glauben und unserer Sehnsucht sprechen. Auch von unseren Fragen und unserem Suchen.

Fragen und suchen Sie auch? Dann können wir uns treffen, wenn Sie weiterlesen. Wir hoffen, dass wir Ihnen weiterhelfen, indem wir formulieren, was Sie selbst schon lange im Sinn haben; indem wir Gefühle benennen, die Sie vielleicht schon lange bewegen, und Sehnsüchte berühren, die Sie schon fast vergessen hatten. Willkommen!

Matthias Müller und Klaus Popa


Die Sprecher und Moderatoren von glauben.einfach. Matthias Müller (links) und Klaus Popa


01 LEBEN IN DER KRISE

Rettungsschirme, Krisenstab – und wer hilft mir?

MATTHIAS MÜLLER

Manchmal ist das Maß eben voll, dann reicht’s. Dann läuft uns die Galle über und Andere bekommen es zu spüren. Irgendwann fällt der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Oft lassen wir uns ja gar nicht anmerken, wie voll das Fass bereits ist. Die kleinen und großen Verletzungen, die Sticheleien, Missachtungen, Geringschätzungen, das Sich-ausgenutzt-Fühlen – lange haben wir geschwiegen und alles heruntergeschluckt. Bis es dann nicht mehr ging.

Krisen – kennen Sie das überhaupt? Vielleicht schwimmen Sie gerade ganz oben. Alles bestens? Genießen Sie es!

Andy Andrews lässt in seinem Buch Die Begegnung die Zentralfigur des Romans sagen: „Wissen Sie, jeder von uns steckt entweder in einer Krise, kommt aus einer Krise oder steuert geradewegs darauf zu.“1 Hat er Recht? Wo sind Sie im Moment? Mittendrin, davor oder danach?

Anlass für eine Krise?

Es kann alle erwischen. Aldi-Mitbegründer Theo Albrecht (er verstarb Ende Juli 2010) war Zeitungsberichten zufolge als 88-Jähriger von Platz zwei der reichsten Deutschen auf Platz drei abgerutscht. Nur noch 16,7 Mrd. Dollar Vermögen, während sein zwei Jahre älterer Bruder Karl weiterhin die deutsche Nr. 1 mit 23,5 Mrd. Dollar ist (laut Forbes-Liste 2010).2 Das wäre doch fast Stoff für eine Familienkrise gewesen, oder?

Oder nehmen wir Victoria Beckham, ehemaliges Model und Pop-Sängerin, Frau des bekannten englischen Fußballstars David Beckham, einem der bestaussehenden Männer der Welt. Sie ist mehrfache Mutter und nicht immer glücklich über Fotos von sich. Sie sagte einmal: „Ich sehe mein unglückliches Gesicht und denke mir: Warum lächelst du bloß nicht? Naja, wenigstens sieht die Tasche super aus.“3

Solche Krisen hätte ich gerne, wird sicher mancher denken. Worunter leiden Sie zurzeit? Würden Sie es wagen, darüber zu sprechen? Geht der Aufschwung an Ihnen vorüber? Die Politiker reden von neuen Arbeitsplätzen – aber für Sie findet sich keiner? Eine Arbeitsvermittlerin erklärte, dass 80 Prozent ihrer Tätigkeit eigentlich in Sozialarbeit besteht und nur 20 Prozent in Arbeitsvermittlung. Viele haben sich selbst aufgegeben und verhalten sich völlig passiv. Sie nehmen einfach hin, was man ihnen vorgibt. „Mal sehen, wie lange ich hartze …“ Ist das vielleicht auch Ihr Leben? Sie kämpfen sich durch und haben den Eindruck, aus dem Strudel der Krise nicht mehr herauszukommen?

Ich bin nicht mehr der Jüngste. Also ließ ich die üblichen Vorsorgeuntersuchungen machen und erlebte mich, wie ich dasaß und mit gemischten Gefühlen versuchte, im Gesicht des Arztes zu lesen. Was würde er mir sagen?

Nun, ich konnte diesmal erleichtert nach Hause gehen. Leider kann ich das nicht von allen Personen in meiner erweiterten Familie sagen. Ich leide mit.

Wenn wir unser Leben mit olympischen Wettläufen vergleichen, dann sind manche Lebenskrisen wie Kurzstreckenläufe – Sprints. Sie erfordern für kurze Zeit ein Maximum an emotionaler Konzentration; dann sind sie vorbei und das Leben schwingt in die Normalität zurück. Aber andere Krisen sind wie Langstreckenläufe; sie erfordern lange unsere Kraft und Aufmerksamkeit. Das kann sehr viel schwerer sein. Ich bewundere manche Leute, die ich kenne, wie sie mit den enormen Belastungen zurechtkommen.

Kennen Sie das geflügelte Wort: „Ich krieg‘ die Krise“? Nun – unsere Welt hat sie schon. Und zwar immer wieder und in immer kürzeren Abständen. Oder täusche ich mich da, weil ich älter werde und mir die Abläufe schneller vorkommen? Was sagt Ihnen Ihr Gefühl?

Große Krisen?

Ölkrise, Golfkrise, Ozonkrise, Klimakrise, Terrorkrise, Immobilienkrise, Weltwirtschaftskrise, Finanzkrise, Eurokrise. Man kann es doch schon gar nicht mehr hören – oder? Da wird einem schwindelig und vor allem haben viele Menschen das Gefühl, dass sie diese Welt immer weniger verstehen. Auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin antwortete einer der Reiseveranstalter auf die Frage nach der Geschäftslage: „Irgendwo auf der Welt ist immer Krise.“ Stimmt. Aber manchmal können uns die Krisen der Welt völlig egal sein, weil unsere persönlichen Krisen sich wie Berge vor uns aufbauen, hinter denen sich die Sorgen der Welt wie kleine Schatten zusammenkauern.

„Ob sich die durchschnittliche Jahrestemperatur um ein halbes Grad erhöht – juckt mich das, wenn mein Freund sich von mir trennen will?“, sagt die junge Frau. „Ich habe alles getan, um ihn zu halten. Vielleicht mehr, als gut war. Aber dass er mich jetzt fallenlassen will, diese Kränkung sitzt einfach zu tief.“

Da kann auch ein gesetzter Mann die Haltung verlieren, weil er die Zukunft seiner Familie bedroht sieht. Da kann eine junge Frau ihre Zweifel und Anklagen an Gott herausschreien, weil schon wieder ein Traum platzt, kaum dass ihr Lebensschiff etwas Fahrt aufgenommen hat. „Gott, wo bist du? Ich dachte, du bist da und hilfst mir!“

Was ist mit unserer Gesellschaft los?

Haben Sie schon fassungslos vor dem Fernseher gesessen beim Betrachten der Gewalttaten von Kindern und Jugendlichen? Natürlich haben wir Erklärungen. Die brauchen wir auch. Ein Heranwachsender aus einer Problemfamilie sagt sich: Wenn mich schon keiner liebt, dann will ich wenigstens gehasst werden. Andere mögen denken: Wenn ich schon nichts habe, wofür ich kämpfen kann, dann suche ich eben jemanden, gegen den ich kämpfe.

Inzwischen hört man ja auch von Rentnern, die außer sich geraten und Gerechtigkeit nach ihrer Fasson schaffen wollen – Menschen, die in ihrer Not zu untauglichen Mitteln greifen. Oft bricht sich die Gewalt als letztes Mittel Bahn. Bei manchen Nachrichten stockt einem der Atem und man fragt sich: Was ist denn nur los mit unserer Gesellschaft?

Alleingelassen?

Ich bin dankbar für jeden netten jungen Menschen, den ich treffe. Ich freue mich über die Hoffnung in ihren Augen, über den Lebensdrang der Heranwachsenden. Aber es gibt auch das Gegenteil: Da sehe ich eine junge Frau mit ihrem Hund allein auf einer Bank sitzen, die Augen gerötet. Wie groß ist die Tragödie, vor der sie flieht?

Wenn ich jetzt neben Ihnen sitzen würde, würde ich Sie gern fragen: Durch welche Krisen sind Sie schon gegangen? Hatten Sie jemanden, der bei Ihnen war? Haben Sie sich alleingelassen gefühlt? Und wie sind Sie aus der Krise hervorgegangen? Gebrochen, enttäuscht, verzweifelt? Oder reifer, gestärkt, erfahrener? Weiser, getröstet, im Frieden?

Am Ertrinken

Am Battery Park im Süden Manhattans – dort, wo die Schiffe anlegen, die die Touristen zur Freiheitsstatue und nach Ellis Island bringen – gibt es eine Skulptur, die mich beeindruckt hat. Sie heißt „American Merchant Mariners‘ Memorial“ und wurde von der New Yorker Künstlerin Marisol Escobar geschaffen. Sie wurde 1930 in Paris geboren; ihre Eltern stammten aus Venezuela. Sie verlor ihre Mutter schon mit elf Jahren. Ihr Vater führte mit ihr und ihrem Bruder während des Zweiten Weltkriegs ein Nomadendasein. Sie verbrachte einige Jahre ihres Lebens in Europa, bis sie nach New York zog. Dort schuf sie dieses Denkmal mit den vier Männern, das am 8. Oktober 1991 eingeweiht wurde.

Das Kunstwerk steht auf einem steinernen Wellenbrecher im Hafen und zeigt den schräg aus dem Wasser ragenden Bug eines sinkenden Schiffes. Drei Männer sind auf dem Bug. Einer von ihnen liegt am Rand und streckt seine Hand nach unten einem weiteren Schiffbrüchigen entgegen, der sich noch im Wasser befindet. Die Hand des Retters berührt fast die Hand des Ertrinkenden. Der Kopf des Mannes im Wasser ist so platziert, dass er immer wieder von den Wellen überspült wird. Eine beeindruckende Szene, die mich nicht loslässt.

Wenn Sie sich gedanklich in diese Szene hineinversetzen – an wessen Stelle würden Sie sich sehen? Wären Sie der Mensch im Wasser, der immer wieder von den Wellen überspült wird? Oder stehen Sie gerade Anderen im Kampf ums Überleben bei? Oder haben Sie es selbst gerade so aufs Trockene geschafft?

Die richtige Entscheidung treffen

Nicht alle Krisen kündigen sich so an, dass man sich in Ruhe darauf vorbereiten könnte. Plötzlich steht man vor schweren Problemen und weiß nicht vor und nicht zurück. Wie entscheidet man richtig? Wer hilft mir? Der leichte Ausweg ist nicht immer der beste.

Als meine Mutter sich als junges, unverheiratetes Mädchen plötzlich schwanger fand, gab es auch Ratgeber, die sagten: „Lass das Kind wegmachen, du in deiner Lage. Ich kenne da jemanden …“ Sie hat sich – nicht zuletzt aufgrund ihres Glaubens – anders entschieden, und ich bin ihr bis heute dankbar dafür – auch wenn der Weg, den wir gewissermaßen als Familienfragment zu gehen hatten, nicht immer leicht war.

Eine höhere Dimension von Hilfe

Das eben erwähnte Denkmal ist ein Symbol für die dunklen Seiten unserer Zeit, die schweren, die krisenhaften – aber auch für Hoffnung und Rettung. In manchen Krisen ist zuerst die Solidarität gefragt. Bei anderen Krisen braucht es eine höhere Dimension von Hilfe.

Johannes Freiherr Heereman, Präsident des Internationalen Malteser Hilfsdienstes, sagte einmal: „Nähe und Zuwendung sind häufig die Hilfe, die am dringendsten benötigt wird. Die größte Not unserer Gesellschaft ist die geistliche Not – das gilt nicht nur für Alte und Kranke … Viele Mitarbeiter, egal ob Ehrenamtliche oder Hauptberufler, sagen, dass es für sie keine befriedigendere Erfahrung gibt, als anderen Menschen etwas Gutes tun zu können. Wir kommen Gott nie so nahe wie in Momenten der Not. Mein großes Glück war es, das früh erlebt zu haben.“4

Hat er Recht? Sehen Sie das auch so? Läuft es auf das alte Sprichwort hinaus: „Not lehrt Beten“? Oder macht man es sich damit zu einfach?

Jesus sagte: „In der Welt habt ihr Angst, aber lasst euch nicht entmutigen: Ich habe die Welt besiegt.“ (Johannesevangelium 16,33 Hfa)

Einige Jahrhunderte zuvor hatte Gott durch einen seiner Propheten verkünden lassen: „Kann eine Mutter ihren Säugling vergessen? Bringt sie es übers Herz, das Neugeborene seinem Schicksal zu überlassen? Und selbst wenn sie es vergessen würde – ich vergesse dich niemals! Unauslöschlich habe ich deinen Namen auf meine Handflächen geschrieben …“ (Jesaja 49,15.16 Hfa)

Glauben Sie das? Fänden Sie es wohltuend, wenn jemand Ihnen so viel Bedeutung und Beachtung schenken würde?

Worauf Sie sich verlassen können, ist, dass Gott auch für Sie da ist. Nicht ein einziges Menschenschicksal geht unbemerkt an ihm vorüber.

Manchmal sagen Leute: „Ich wünschte, ich hätte auch diesen Halt im Glauben.“ Dieser Halt ist für jeden Menschen da. Selbst dann, wenn Sie noch nie etwas mit Gott zu tun gehabt haben sollten. Er möchte gern etwas mit Ihnen zu tun haben.

Wie sieht es von Ihrer Seite aus? Interessiert? Einige sagen: „Ich kann das einfach nicht glauben. Das ist mir zu fremd.“ Ich würde sagen: Probieren geht über Studieren. Versuchen Sie es! Gott ist näher, als Sie vielleicht denken.

Fragen zum Nachdenken

1. Warum machen mich manche Krisen fassungslos, während andere mich unberührt lassen?

2. Wonach habe ich mich am meisten gesehnt, als ich in einer Krise steckte?

3. Welche Rolle hat der Glaube an Gott in meinen Krisen gespielt?

Zur Vertiefung

Gerhard Padderatz: Allmächtig? Ohnmächtig? Gerecht? Ein Dialog über Gott und sein Handeln, Advent-Verlag, Lüneburg, 8. Auflage 2011, 168 Seiten, Best.-Nr. 1885

James Gilley: Der Herr kämpft für uns. Geistliche Strategien für alltägliche Probleme, Advent-Verlag,Lüneburg 2007, 140 Seiten, Best.-Nr. 1821

Diese und alle anderen empfohlenen Bücher und Medien zur Vertiefung finden Sie im Internet unter www.adventist-media.de oder können sie bei den auf Seite 168 genannten Bezugsquellen telefonisch oder per Fax bestellen.


02 SELBSTSTÄNDIG – UNABHÄNGIG – FREI

Was ist mit Schicksal, Führung oder Bestimmung?

KLAUS POPA

Ein neugeborenes Baby lebt in ständiger Abhängigkeit. Es ist darauf angewiesen, dass seine Eltern sich darum kümmern.

Als kleines Kind konnte ich meine Bedürfnisse und Wünsche kaum selbst erfüllen. Was habe ich dann gemacht? Ich weinte und schrie, wartete und hoffte, dass meine Eltern mir das gaben, was ich brauchte oder wollte.

Wenn man sich als Kind etwas wünscht, z. B. ein Fahrrad, bekommt man es entweder zum Geburtstag, zu Weihnachten, ein Jahr später oder gar nicht. Ab einem bestimmten Alter kann man sich den Wunsch nach einem Fahrrad vielleicht auch selbst erfüllen. Man gibt nicht mehr das gesamte Taschengeld aus, trägt Zeitungen aus oder wäscht Autos von Verwandten und Nachbarn. Irgendwann hat man das Geld zusammen, geht in ein Geschäft und kauft sich das Fahrrad – und später als Jugendlicher den Laptop oder das iPhone. Man ist nicht mehr auf Andere angewiesen; man muss nicht warten, sondern kann selbst handeln. Das sind erhabene Augenblicke.

Zutiefst befreiend …

Das Leben selbst in die Hand zu nehmen ist befreiend. Was war das für ein Gefühl der Unabhängigkeit, nachdem ich mein Studium beendet hatte und in meine erste Wohnung eingezogen war, abends in das eigene Auto einzusteigen, von der Arbeit nach Hause zu kommen und die Tür zur eigenen Wohnung aufzuschließen, oder am Monatsende das Gehalt auf mein Konto überwiesen zu bekommen.

Es ist in der Tat zutiefst befreiend, selbstständig zu sein. Man kann entscheiden, selbst bestimmen oder beeinflussen und gesteckte Ziele erreichen. Sein Leben auf die Reihe zu bekommen, heißt die Erfahrung zu machen: Hey, ich kann es schaffen. Ich kann mich auf mich selbst verlassen. Ein Bewusstsein des eigenen Selbst entsteht – man wird selbst-bewusst. Man entdeckt auch, wer man ist und was man kann. Man merkt, dass man durchaus die Fähigkeit und die Macht hat, Dinge im Leben zu bewältigen und sie gegebenenfalls zu verändern. Wenn man will, dass etwas geschieht, dann kann man es machen.

Solche Erfahrungen verleihen uns Stabilität und Stärke. Sie geben Menschen auch ein Gefühl von Freiheit, Sicherheit und Kontrolle. Es ist gut, selbst Verantwortung im Leben zu übernehmen und das Gelingen des eigenen Lebens nicht dem Zufall oder Anderen zu überlassen. Es ist gut, das Geld für das Fahrrad selbst zu erarbeiten. Das nennt man wohl erwachsen werden.

… aber auch erschreckend

Es ist aber auch erschreckend, wenn das eigene Leben nur von einem selbst abhängt. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass man allein nicht immer alles schaffen kann. Jeder, der schon einmal umgezogen ist, weiß, dass ein Kühlschrank oder eine Waschmaschine sich schwer allein aus dem vierten Stock heruntertragen lässt. Um etwas Größeres zu bewältigen, braucht man andere Menschen. Ist man allein, bleibt das, was man nicht erledigen kann, einfach liegen. Was man selbst nicht hinbekommt, wird eben nicht getan.

Außerdem sieht und versteht der Einzelne längst nicht alles. Vieles, was mich betrifft, kann ich z. B. selbst nicht wahrnehmen; Möglichkeiten, Chancen und Grenzen der eigenen Entwicklung sind einem oftmals verborgen. Man braucht den Blick der Anderen. Wir brauchen andere Menschen und Andere brauchen uns – wir brauchen einander. Also doch nicht ganz unabhängig?

Einzelkämpfer

Vor nicht allzu langer Zeit bin ich innerhalb von drei Jahren viermal umgezogen, drei der Umzüge jeweils in ein anderes Land. Das häufige Wechseln von Wohnort und Umgebung ist heute etwas Normales. Für viele bedeutet es ein weiteres Praktikum in einer neuen Firma, das nächste Volontariat an einem anderen Ort, ein Auslandssemester, ein neuer Job, eine neue Stadt oder gar ein anderes Land.

Beim vierten Umzug war meine Euphorie über die Eigenständigkeit, Unabhängigkeit und die vielen Möglichkeiten ziemlich verflogen. Ich merkte, dass es mich ermüdet hätte, ständig auf mich selbst gestellt zu sein. In der Fremde und an einem neuen Ort kann man sich oft nur auf sich selbst verlassen. Man kämpft immerzu allein und muss zwischen vielen Möglichkeiten wählen. Das erschöpft und lähmt – und manchmal überfordert es einen auch. Am meisten Kraft und Anstrengung hat mich aber gekostet, dass ich mich ständig neu zeigen bzw. verständlich machen musste. Ich musste deutlich machen, wer ich bin und was ich kann – nicht nur den Anderen, sondern auch mir selbst.

Fragen über Fragen

Wir leben in einer immer einmal wiederkehrenden Selbstbefragung: Wer bin ich? Was kann ich? Habe ich überhaupt etwas zu geben? Und ist man endlich an einem Ort oder in einer neuen Lebenssituation angekommen, lassen weitere Fragen nicht lange auf sich warten. Wie Meereswellen Sand abtragen, so erschüttern Fragen das Fundament unserer Entscheidungen. Bin ich überhaupt am richtigen Ort? Habe ich mich richtig entschieden? Hätte ich das Praktikum in der anderen Firma machen sollen? Wären meine Chancen im Berufsleben besser, wenn ich einen anderen Schwerpunkt im Studium gelegt hätte? Wenn ich jetzt diesen Job annehme, sitze ich hier dann nicht für die nächsten Jahre fest? Will ich denn das überhaupt? Solche Fragen verunsichern fundamental und rauben Kraft, Motivation und Freude.

Zutiefst einsam

Ausgelöst durch solche Fragen überkam mich an einem Abend in meinem Studentenzimmer in Amsterdam eine tiefe Einsamkeit. Die durch die Fragen heraufbeschworene Unsicherheit über meine Entscheidungen wurde durch das Alleinsein zusätzlich verstärkt. Damals verstand ich, dass ich als Mensch in meinen Entscheidungen und der Gestaltung meines Lebens einsam bin, zutiefst einsam. Letztendlich steht jeder Mensch wie auch ich mit seinen Entscheidungen allein da. Mir wurde – wie ich in einem Buch las – klar: „Menschlich gesehen liegt das Leben vor uns wie ein unbekannter Pfad. Es ist ein Weg, den jeder, soweit es um die letzten, tiefen Erfahrungen geht, für sich allein gehen muss. Unser innerstes Leben kann kein Anderer völlig mit uns teilen.“1

An dem Abend wurde ich mir meiner Sehnsucht nach einer Sicherheit bewusst, die nicht in mir, in meinen Entscheidungen und meinen Fähigkeiten ihren letzten Grund hat. Ich wünschte mir Gewissheit. Aber der Mensch kann sich eine letzte Sicherheit nicht selbst zusprechen. Sie muss von außen kommen. Außerdem sehnte ich mich nach Führung in meinen Entscheidungen. Mir wurde klar, dass völlige Unabhängigkeit scheinbar doch nicht in die Freiheit, sondern in die Unsicherheit führt.

Sicherheit in den letzten Dingen

Manche deuten diese Sehnsucht als Flucht vor der letzten Verantwortung oder als Unfähigkeit, die Unsicherheit und Einsamkeit des menschlichen Daseins zu ertragen. Meiner Erfahrung nach geht es nicht um eine fehlende Bereitschaft, der Wirklichkeit ins Auge zu schauen. An jenem Abend begriff ich aber, dass mein Herz immer unruhig bleiben wird – es sei denn, dass es in jemandem Ruhe findet, der uns Sicherheit gibt und uns führt.

Jemand, der für uns da ist

Wir sehnen uns nach jemandem, der in den Stunden der Einsamkeit und Unsicherheit für uns da ist. Unsere Schutzbedürftigkeit und die tiefe, existenzielle Einsamkeit können nicht von Menschen gestillt werden, auch wenn das heute in Filmen, Büchern und Zeitschriften immer wieder behauptet wird. Dies voneinander zu erwarten heißt, uns zu überfordern. Die Freundin oder der Freund, die Ehefrau oder der Ehemann, die Mutter oder der Vater, Freunde oder Arbeitskollegen, der Psychologe oder die Therapeutin können uns helfen, uns trösten, uns aufbauen und anderes mehr. Aber Sicherheit in den letzten Dingen – innere und endgültige Sicherheit – können Menschen uns nicht geben. Früher oder später müssen wir unseren eigenen Weg wählen, der über unser Geschick entscheidet – auch über unser ewiges. Spätestens dann sind wir auf uns selbst gestellt.

Der einzige Baumeister meines Lebens?

Spät in der Nacht ging ich in die Küche und machte mir einen Tee. Durch das Küchenfenster betrachtete ich den Nachthimmel. Mir wurde klar, dass es mir um mehr als um Sicherheit und Führung von außen ging. Letztendlich sehnte ich mich nach einem Leben, das mehr ist als das Ergebnis meiner eigenen Überlegungen, Anstrengungen und Handlungen. Ich sehnte mich nach dem, was das Leben mir schenkt, ohne dass ich es beeinflusst hätte, nach dem, was ich nicht selbst kreiert und erschaffen hatte. Ich wollte nicht der einzige Baumeister meines Lebens sein. Ich merkte: Nicht das, was ich mir selbst erarbeitet hatte, erfüllte mich mit der tiefsten Freude, sondern die Dinge und Begegnungen, die mir das Leben ohne mein Zutun geschenkt hatte.

Ich glaube, dass wir uns alle nach Begegnungen sehnen, die wir nicht geplant und kalkuliert haben, sondern uns einfach passieren. Wir sehnen uns auch nach Chancen und Möglichkeiten, die wir uns nicht erarbeitet haben, sondern uns geschenkt werden. Wir sehnen uns nach einer Bedeutung, die nicht wir selbst uns gegeben haben, sondern uns von außen zugesprochen wird.

Wir wollen entdeckt werden

Der moderne Mensch sehnt sich nach Schicksal. Wir leben in einer von der Wissenschaft entzauberten Welt. Unser Leben scheint immer mehr lediglich das Resultat von berechenbaren kausalen Zusammenhängen in einem entseelten Zeit-Raum-Gefüge zu sein. Schicksal, Abenteuer und Bedeutung gibt es scheinbar nur noch im Kino, in Computerspielen oder in Freizeitparks, aber nicht mehr im realen Leben. Wir sehnen uns danach, entdeckt zu werden. Die unzähligen Castingshows im Fernsehen sind ein Beispiel für den Wunsch Tausender, jemand Besonderes zu sein. Sie alle wollen ihre Chance auf Ruhm, Ehre und Einzigartigkeit bekommen.

Unsere Sehnsucht geht aber über ein unpersönliches Schicksal hinaus. Wir wollen gesehen werden. Der Schlüsselsatz im Film „Avatar“ lautet: „Ich sehe dich“. Wir sehnen uns danach, gesehen zu werden, das heißt angenommen und geliebt zu werden – so wie wir sind. Und wir sehnen uns nach einem guten Vater, der uns in der Unsicherheit und Einsamkeit unserer Entscheidungen zur Seite steht. Verantwortung übernehmen, unabhängig sein, Selbstbewusstsein aufbauen, Sicherheit spüren – das ist eben doch nicht alles. Sich sein Fahrrad selbst zu erarbeiten macht einsam. Wir spüren diese Einsamkeit und sie macht uns traurig und unglücklich.

Ruhe finden in Gott

An jenem Abend las ich in der Bibel die Schöpfungsgeschichte. Eine Passage sprach mich besonders an: „Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich! … Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild, nach dem Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. Und Gott segnete sie …“ (1. Buch Mose 1,26 – 28 EB) Diese Geschichte öffnete mir eine Tür zu einer Welt, in der Sicherheit, Führung, Hilfe, Bedeutung, Chancen und Möglichkeiten letztendlich nicht aus dem Menschen kommen oder vom Zufall herrühren, sondern von einem liebenden Gott. Diese Zeilen trafen direkt meine Sehnsucht.

Kürzlich sprach ich mit einem Freund, der nicht an Gott glaubt, über diese Gedanken. Er machte eine lange Pause, dachte nach und sagte schließlich: „Weißt du, die wichtigste Frage an das Christentum wäre wohl: Hält es das, was es verspricht? Ist da wirklich ein Gott, der sich sorgt und sich kümmert, der führt und hilft, der beschützt und liebt?“ Ich habe innegehalten und nichts gesagt. Später dachte ich mir: Beweisen zu wollen, dass Gott da ist, wäre menschliche Anmaßung. Ihn zu erleben und zu erfahren, ist dem Menschen möglich. Es ist ein Vorrecht.

Wagen Sie es. Fragen Sie nach Gott. Suchen Sie ihn. Sie werden erleben, dass auch Ihr Herz in Gott Ruhe findet.

Fragen zum Nachdenken

1. „Das Leben selbst in die Hand zu nehmen ist befreiend.“ Woran liegt es, wenn ich das nicht oder nicht immer so empfinde?

2. Was hindert mich daran, Kontakt mit diesem Gott aufzunehmen, „der sich sorgt und sich kümmert, der führt und hilft, der beschützt und liebt“?

Zur Vertiefung

Steve Wohlberg: Von Hollywood zum Himmel. Wie Gott mich aus meiner Verlorenheit herausholte, Advent-Verlag, Lüneburg 2007, 168 Seiten, Best.-Nr. 1816

Elí Diez-Prida: Leben 2.0 – Neu starten, befreit leben, sicher ankommen, Advent-Verlag, Lüneburg 2010, 144 Seiten, Best.-Nr. 7715

Bezugsquellen siehe S. 168 oder www.adventist-media.de


03 WIRD SCHON! ODER?

Über die Hoffnung, dass wir die Kurve kriegen

MATTHIAS MÜLLER

Wir Menschen werden es doch irgendwie hinkriegen, dass diese Welt ein bewohnbarer Ort bleibt, dass unsere Kinder und Enkel eine Chance auf diesem Planeten haben und nicht alles im Chaos versinkt – oder? Wir haben eingesehen, dass wir auf dieser Erde alle zusammengehören und es uns wirklich etwas angeht, wenn im Regenwald Bäume gefällt werden oder den Eisbären das Eis unter ihren Tatzen wegschmilzt.

Pessimist, Realist oder Optimist?

Wie schätzen Sie sich ein? Sind Sie eher ein Pessimist, ein Realist oder ein Optimist? Die Forschung bestätigt, dass wir in der Mehrzahl Optimisten sind – zumindest was unsere Rolle im Leben angeht. Man hat z. B. Ehepaare befragt, wie hoch jeder Partner seinen Anteil an der Hausarbeit einschätzt. Interessanterweise wurde deutlich, dass zusammengefasst viel mehr als 100 Prozent herauskamen, d. h. jeder schätzt seinen Anteil höher ein, als er in Wirklichkeit ist. Ja, ich weiß: Bei Ihnen ist das anders …

Wie gut fahren Sie Auto? Laut Umfragen schätzen sich die meisten als bessere Fahrer ein als die meisten anderen.1 Nun kann es aber logischerweise nicht sein, dass die meisten besser als die meisten sind. Warum denken wir so? Übrigens meinten selbst die, die schuldhaft einen Unfall herbeigeführt hatten, dass sie besser fahren als die meisten anderen.

Wir Menschen haben eine geschickte Art, die Dinge in der Regel positiver einzuschätzen als sie sind – uns eingeschlossen. Bei Erfolgen werten wir unseren Anteil gerne hoch, bei Misserfolgen waren eher die Umstände schuld.

Wir hoffen auf das Gute

Wir merken uns von der Vergangenheit ja auch meist das Gute. Darum war früher auch alles besser. Es hat sich übrigens gezeigt, dass die sogenannten Realisten – also die, die in ihren Einschätzungen dichter an der Realität sind – eher mit psychischen Problemen zu kämpfen haben als die Optimisten.

Wir hoffen auf das Gute – manchmal wider besseres Wissen. Da melden sich bei einer bekannten deutschen Castingshow mehr als 30.000 jugendliche Bewerber. Sie alle hoffen darauf, reich und berühmt, verehrt und geliebt zu werden. Nun, die Wirklichkeit kennen Sie. Selbst für die Gewinner dieser Castings ist die erhoffte Karriere häufig nach ein paar Fernsehauftritten und einem Hit zu Ende.

Und das Internet suggeriert eine wunderbare Welt, an der wir endlos kostenlos teilnehmen können. „Ich bin User, also bin ich.“ „Ich kann mitschreiben am Buch der Welt …“2 Es schafft fast so etwas wie einen Urkommunismus – wir alle gemeinsam bewirken etwas Gutes. Kostenlos und für jeden zu haben. Und wir wissen in unserem Innern, dass das in Wirklichkeit nicht dauerhaft geht.

Die Welt wird doch immer besser – oder?

Wir haben Hoffnung; wir wollen das Gute. Auch die Regierungen. Klar, wir haben immer wieder einmal mit pestizidbelastetem Salat oder dioxinverseuchten Eiern zu kämpfen, können zeitweise keine Sprossen mehr essen und die Krankenversicherung kostet acht Euro mehr im Monat. Dennoch: Die Welt wird doch immer besser – oder? Zumindest im technischen und medizinischen Bereich haben wir enorme Fortschritte gemacht. Beim Thema Ethik und Moral sieht das leider nicht so gut aus.

Die Weltgemeinschaft der Völker (UNO) versucht seit Jahren, den Hunger auf der Welt zu halbieren. Bis 2015 wollte man das geschafft haben. Leider sind wir in all den Jahren nicht weitergekommen. Noch immer herrscht in rund 30 Ländern der Erde großer Nahrungsmangel. Über 2 Millionen Kinder sterben jährlich daran, das sind mehr als 6000 jeden Tag.

Wir als Bundesrepublik wollten unsere Hilfsmittel für die armen Länder bis 2015 auf 0,7 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts steigern. Wir haben es bislang kaum auf die Hälfte gebracht.

Die weltweiten Ausgaben für das Militär betragen mehr als das Zehnfache der Ausgaben für Entwicklungshilfe. Mit zig-Milliarden retten wir Banken (und damit auch unsere Privatkonten), aber wir kürzen bei den Hungernden. Ja, wenn es eine einfache Lösung gäbe: Jeder spendet pro Monat zehn Euro und der Hunger der Welt ist besiegt; aber leider sind die Probleme zu komplex. Und es ist eben nicht nur das Geld, das in die falschen Kanäle gerät. Wir treten bestenfalls auf der Stelle. Die Optimisten von heute sind die Zyniker von morgen.

Wie lange wird das noch hingenommen?

Wie lange werden die Menschen auf der Welt das noch hinnehmen? Denken Sie nur an die überraschenden Aufstände im Nahen Osten, die Unruhen überall. Wird die Welt morgen noch so sein, wie wir sie kennen?

Wir müssen uns fragen: Was machen wir aus unserer Zeit, aus unserem Zeitalter? Müssen wir eines Tages im Rückblick eingestehen, dass wir versagt haben? Marianne Faithful, eine langjährige Freundin Mick Jaggers von den Rolling Stones, wandte sich gegen eine Verklärung der 60er-Jahre: „In den Sixties verschwendeten wir unsere Energie darauf, lange Haare zu haben und Drogen zu nehmen.“ Sie sei sich „sicher, dass wir es damals übel versaut haben. Wir hätten gute, wichtige Dinge erreichen können. Haben wir aber nicht.“3 Dieser Satz ging mir nach. Was werden wir einmal über unsere Zeit sagen und über das, was wir hätten erreichen können?

Unser Fundament hat Risse bekommen

Der ehemalige deutsche Finanzminister Peer Steinbrück sagte: „Wir sind nicht ausreichend auf die Zukunft vorbereitet. Unser Fundament hat Risse. Die schlechteren Tage der letzten Jahre könnten auf lange Sicht die besseren gewesen sein.“4 Das klingt beunruhigend. Ist er Realist?

Wissenschaftler forschen daran, wie es gelingen könnte, die Erdbevölkerung auf den Mars umzusiedeln, falls die Erde eines Tages unbewohnbar geworden sein sollte. In meinen Augen eine gruselige Vorstellung: die Erde soweit abgewirtschaftet, dass sie unbewohnbar geworden ist? Obwohl – vorausgesagt ist das schon lange. In der Bibel bereits vor über 2500 Jahren. So heißt es schon auf ihren ersten Seiten, dass wir für die Schöpfung Verantwortung tragen. Ver-antwortung bedeutet, dass wir jemandem Antwort geben müssen bezüglich dessen, was wir getan haben. Wem? Irgendwie ahnen es doch viele, dass wir in diesem Weltall nicht allein sind.

Pfefferminztee reicht nicht

Als Jesus vor rund 2000 Jahren predigte, benutzte er viele Vergleiche, um klarzumachen, was er meinte, manchmal auch sehr drastische. Da erzählte er zum Beispiel von einem Weinstock – im Bild ist er das selbst – und von Reben; das sind wir. Er lädt uns ein, dass wir uns an ihn halten und Frucht bringen, also ein wertvolles Leben führen, das Gott ehrt. Und dann sagte er, dass die Reben, die keine Frucht bringen, weggeworfen und verbrannt werden (siehe Johannesevangelium 15,1 – 8).

Klaus Berger, Professor für Neues Testament, hat einen Bestseller mit dem Titel Jesus verfasst. Darin schreibt er zu diesem Gleichnis: „Jeder Gärtner und Winzer weiß es: Bei Pflanzen geht es immer um Leben und Tod. Was keinen Lebenssaft mehr enthält, ist schnell totes, schädliches Gehölz. Jesus meint sein Angebot ernst, und der Zustand der Welt ist genau danach … Denn aus der Sicht der Bibel ist unsere Welt eine Notfallstation, in der es nur um eines geht, um Leben oder Tod … Jesus ist Arzt in einer solchen Station, und er kämpft rund um die Uhr um unser Überleben … In einer Notfallstation ist eben nichts egal. Und die Krankheit zum Tode kann ich nicht mit Pfefferminztee behandeln.“5

Teilen Sie seine Ansicht, dass unsere Welt eine Art Notfallstation ist, wo Pfefferminztee nicht mehr hilft? Glauben Sie, dass die Politiker uns tatsächlich die Wahrheit sagen? Meinen Sie, dass wir gut auf die Zukunft vorbereitet sind?

Dabei denke ich nicht nur an die Plastiktüten, die die Mägen von Delfinen verstopfen, oder an die Spätfolgen der Weichmacher in Plastikfolien, mit denen wir unsere Lebensmittel einpacken, oder die vielen Atomkraftwerke weltweit, die an erdbebenträchtigen Orten stehen, sondern auch an die Spannungen zwischen diversen Bevölkerungsgruppen in vielen Ländern, weil Menschen nicht länger bereit sind, große soziale Ungerechtigkeiten hinzunehmen.

Die Rechnung wird noch präsentiert

Nun gibt es Leute, die warten auf die überraschende Lösung. Bislang ist es doch immer wieder weitergegangen, irgendwie. Stimmt. Die Vernunft wird doch über die Gier siegen, oder? Glauben Sie? Wegen eines seltenen Materials, das für unsere Handys gebraucht wird, sind die Gorillas gefährdet. Wenn der Goldpreis steigt, werden in Peru noch mehr Quadratkilometer Regenwald gefällt, um an das gelbe Metall zu gelangen. Dann waschen die vielen Goldgräber das edle Metall mit Hilfe von Quecksilber aus dem Gestein. Ersteres schädigt das Weltklima, letzteres macht die Goldwäscher krank. Vielleicht müssen wir nicht einmal bis zur Enkelgeneration warten, bis wir die Rechnung für all das präsentiert bekommen.

Als Gott den Menschen im Paradies nach dem „Sündenfall“ fragte: „Adam [auf Deutsch: Mensch], wo bist du?“ (1. Buch Mose 3,9), hatte das auch den Unterton von: „Mensch, wo bist du nur hingeraten? Was hast du mit der Freiheit angestellt, die ich dir geschenkt hatte?“ Dann machte er dem Menschen die Folgen seines Handelns klar, zeigte aber auch eine Lösung. Gott würde sich in seiner Allmacht noch mehr selbst beschränken.

Der ohnmächtige Gott

Die Zeitung DIE WELT schrieb an einem Ostersamstag: „Am Kreuz hatte sich der Allmächtige ohnmächtig gemacht. Er schlug nicht zurück, als die Menschen seinen Sohn schlugen. Gott schlägt nicht zurück. Er schlägt sich nur auf die Seite der Opfer und rettet sie vor dem ewigen Tod.“1 Gott kündigte bereits im Paradies an, dass er sich selbst aufopfern würde, um diese Welt wieder zurechtzubringen (siehe 1. Buch Mose 3,15).

Und am Schluss der Bibel sagt Gott: „Ich mache alles neu“. Denn es kommt ein wichtiges Ereignis, dem diese Welt entgegengeht. Der Tag wird kommen, an dem es tatsächlich Gerechtigkeit für alle Menschen gibt (siehe 2. Petrusbrief 3,12), der Tag, an dem die Umwelt gesund sein wird und der Mensch glücklich – eine von Gott geschaffene neue, vollkommene Welt ohne Leid, Krankheit und Tod (Offenbarung 21,1 – 5). Dazu waren die Kreuzigung und die Auferstehung des Sohnes Gottes entscheidende Voraussetzung.

Das ist der Optimismus, den die Bibel vermittelt – jedoch nicht als Folge einer Castingshow oder als nebulöse Hoffnung auf „das Gute“, sondern als Folge des Wirkens Gottes.

Die ordnende Hand des Schöpfers

Unsere Welt ist angeschlagen, und wir tragen dafür die Verantwortung. Da braucht es mehr als ein paar Mausklicks, um das wieder in Ordnung zu bringen. Da braucht es die ordnende Hand eines Schöpfers.

Wenn wir einmal vom Weltgeschehen absehen – wie steht es bei Ihnen persönlich? Könnten Sie diesen Arzt gebrauchen, der rund um die Uhr für Sie kämpft? Sie sind ihm nicht egal. Im Universum gibt es ein Wesen, das möchte, dass aus unserem Leben etwas wird, und das uns die Gewissheit gibt: Für uns ist ein guter, sinnvoller Platz im großen „Teppich“ der Geschichte vorhanden.

Die gute Nachricht lautet: Wir haben es nicht mit einer unpersönlichen Macht zu tun, sondern mit einem persönlichen Gott, der uns kennt und sich um jeden von uns bemüht. Ein Grund mehr, das Leben mit Glauben und Zuversicht anzugehen!

Darum bleibe ich Optimist. Und Sie?

Fragen zum Nachdenken

1. „Die Forschung bestätigt, dass wir in der Mehrzahl Optimisten sind.“ Trifft das auch auf mich zu? Welche Rolle spielt meine Selbsteinschätzung?

2. „Die Krankheit zum Tode kann ich nicht mit Pfefferminztee behandeln.“ Wo stehe ich in der Gefahr, mich in ernsten Problemen mit oberflächlichen Lösungen zufriedenzugeben?

Zur Vertiefung

Ellen G. White: Die Geschichte, die die Welt verändert(e), Advent-Verlag, Lüneburg 2010, 96 Seiten, Best.-Nr. 7714

Bezugsquellen siehe S. 168 oder www.adventist-media.de


04 WENN ES WEHTUT

Trost im Leid

KLAUS POPA

Wenn man sich als Kind wehgetan hat, ist man schnell in die Arme der Mutter gelaufen. Sie nahm uns auf den Arm und drückte uns fest an sich. Sie legte die Hand auf die Stelle, die wehtat, und sagte: „Schau mal, das ist doch gar nicht so schlimm. Es wird alles wieder gut.“ Sie streichelte uns über das Gesicht, wischte die Tränen ab und der Schmerz war weg.

Leid ist allgegenwärtig

Leid ist in unserer Welt allgegenwärtig. Wir alle kennen die Geschichten, Schlagzeilen und Bilder des Leides und der Trauer. Berichte von Kriegen füllen die Geschichtsbücher in der Schule. Manche haben selbst Krieg erlebt, Andere befinden sich momentan in Kriegsgebieten. Schreckensnachrichten und Katastrophenmeldungen hören und sehen wir täglich im Radio und im Fernsehen. In Werbeschreiben werden Hunger und Elend dargestellt, damit wir mit unseren Spenden die Not auf der Welt lindern. Leid begegnet uns auf den Straßen unserer Städte, es belastet unsere Familien, und nicht zuletzt hat wohl jeder von uns bereits einiges Leid erfahren.

Natürlich hat nicht jeder Schreckliches erlebt oder tiefste Not erfahren. Das ist auch gut so. Vieles kennen wir nur aus den Medien oder von Erzählungen der Großeltern – manchmal sprachen sie darüber, wie es damals im Zweiten Weltkrieg oder zur Zeit des Kommunismus war. Insgesamt gesehen jedoch macht es nicht wirklich einen Unterschied, wer das Leid erlebt hat. Denn das Leid bleibt.

Leiden an Nichtigkeiten

Oftmals leiden wir aber auch an Nichtigkeiten. Was ist schon ein Tsunami in Indonesien im Vergleich zu einem riesigen Pickel auf der Nase! Und als wäre ein großer Pickel nicht schlimm genug: Genau an dem Wochenende ist man zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, zu der alle kommen werden – auch der Junge, den man so süß findet.

Das tägliche Drängen, Schubsen und Schwitzen in öffentlichen Verkehrsmitteln und Zügen, dieses Eingepferchtsein und die verzweifelten Versuche, zur Tür zu kommen, wenn man aussteigen will; die Angst, ob man es schafft, bevor die Türen sich wieder schließen – ist das nicht belastender und beängstigender, als in einem Kohlebergwerk verschüttet zu sein und nicht zu wissen, ob man lebend wieder herauskommen wird? Schließlich machen wir das Tag für Tag durch und nicht nur einmal im Leben.

In der Tat, es sind oft Nichtigkeiten – eigentlich nicht der Rede wert –, aber dennoch leiden wir an ihnen. Und sich der Tatsache bewusst zu werden, dass es Nichtigkeiten sind, macht es nicht leichter, sondern nur noch schlimmer. Es wird uns offenbar, wie belanglos viele unserer Sorgen und Leiden sind, verglichen mit den existenziellen und lebensbedrohlichen Nöten anderer Menschen.

Gleichzeitig wird uns aber auch bewusst, wie zerbrechlich und angreifbar wir sind und wie gering unsere Leidensfähigkeit ist. Es ist doch nicht normal, dass wir uns bereits überfordert fühlen, wenn im Supermarkt unser Lieblingsduschgel gerade ausverkauft ist und wir uns deswegen für eine andere Duftnote entscheiden müssen. Warum sind wir eigentlich so? Und wie sind wir so geworden?, frage ich mich manchmal.

Verwöhnt und verweichlicht

Demaskiert und bloßgestellt leben wir mit einer kontinuierlichen Anklage: Wie kannst du eigentlich angesichts des ganzen echten und wirklichen Leides auf der Welt so empfinden und dich so verhalten? Wie verwöhnt und verweichlicht bist du eigentlich? Dieses unterschwellige Dauer-schlechte-Gewissen unterhöhlt unsere innere Stabilität und erodiert unsere Zufriedenheit.

Zu alledem kommt noch die Unfähigkeit, sich über das, worüber wir uns freuen könnten, auch wirklich zu freuen. Denn wir wissen, dass wir mit unserer Art zu leben, Kakaobauern in Kuba ausbeuten, Kinder in Indien 12 Stunden pro Tag arbeiten lassen, Meere leer fischen und verseuchen, Hühner quälen, Weihnachtsgänse vollstopfen, zu viel Erdöl verbrauchen und so weiter und so fort. Und das Gefühl der Unfähigkeit, etwas ändern zu können, macht es wiederum nicht leichter, sondern noch schlimmer. Wir leiden nicht die Leiden unserer Väter oder Großväter und Großmütter, aber auch wir leiden.

Die Mutter tröstet ihr Kind

Kürzlich habe ich ein Kind dabei beobachtet, wie es das Fahrradfahren erlernte. Nach mehreren Versuchen ließ die Mutter das Fahrrad los und das Kind fuhr zum ersten Mal allein. Nach ein paar Metern drehte es sich aber plötzlich nach der Mutter um, verlor die Kontrolle und fiel hin. Das Kind stand auf, die Hände aufgeschürft und die Hosenbeine voller grün-brauner Flecken. Es schaute sich nach allen Richtungen um und lief dann in die Arme seiner Mutter. Es tat dem Kind sichtlich gut, dass seine Mutter da war. Sie tröstete es, nahm ihm seine Angst und fing es in seiner Verunsicherung auf. Sie linderte seinen Schmerz und half ihm, die Situation durchzustehen. Bald darauf zog der Kleine glücklich und stolz mit dem Fahrrad seine Runden durch den Park.

In wessen Arme laufen wir?

Wenn man sich als Erwachsener wehtut, in wessen Arme läuft man dann? Wenn man den Studienplatz, die Praktikumsstelle oder den Job nicht bekommt, wenn man durch die Zwischenprüfung oder das Examen gefallen ist, wenn eine gute Freundschaft oder langjährige Beziehung zerbricht – in wessen Arme läuft man dann? Wenn man arbeitslos wird und die Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, wenn Angstzustände oder Depressionen einen in dunkle Tiefen ziehen, läuft man als Erwachsener dann in die eigenen Arme?

Freunde, Familienmitglieder und Lebenspartner helfen und trösten uns. Wie gut, dass Menschen da sind, denen man vertrauen kann und die einen lieben; doch auch sie haben ihre Grenzen. Es gibt Nöte, Ängste, Schmerzen und Einsamkeit, die auch sie nicht auffangen können. Doch wohin sollen wir uns dann wenden? Zu wem gehen wir? Uns selbst Mut und Kraft zusprechen? Sich selbst umarmen?

Wenn wir uns als Menschen oder als Menschheit insgesamt wehtun – wenn politische Unruhen und Umwälzungen uns bedrohen, Kriege uns zerstören, globale Finanzkrisen uns das Vermögen rauben, Rohstoffe knapp werden und die Umweltzerstörung und Umweltkatastrophen zunehmen -, in wessen Arme laufen wir dann? Wer ist für uns da? Wer tröstet uns und nimmt uns unsere Angst oder Unsicherheit? Es ist ratsam und notwendig, dass wir uns als Menschheitsfamilie daran erinnern und darauf besinnen, dass wir zusammenhalten und zusammenarbeiten müssen, um die globalen Probleme und Herausforderungen zu meistern. Das ist gut so, aber reicht das aus? Können wir es mit gemeinsamen, zielgerichteten und aufeinander abgestimmten Anstrengungen schaffen?

Drei magische Worte

Drei einfache, schlichte Worte elektrisierten im Herbst 2008 Menschen in den USA und weltweit. Sowohl in Penthousewohnungen in den Metropolen dieser Welt als auch in den Lehm- und Wellblechhütten der Entwicklungsländer (wie ich es in Afrika selbst erlebte) traf der Satz „Yes, we can!“ die Menschen mitten ins Herz. Wie ein Lebenselixier drangen diese Worte in den Kreislauf des blauen Planeten und schienen die Menschheit nach einem Jahrhundert der Kriege zu neuem Leben zu erwecken. War dies der Beginn einer neuen Ära für die bedrohte Menschheit?

Millionen glaubten, hofften und wünschten sich, dass diese drei Worte Wirklichkeit würden, dass sie mehr wären als nur der geniale Slogan des Präsidentschaftskandidaten Barack Obama, mehr als das Versprechen, dass das neue Persil die Wäsche jetzt noch weißer macht als zuvor. Wir hofften, dass dieses Versprechen nicht am Menschen, ja, am allzu Menschlichen – an uns – scheitern würde. Wir wünschten uns, dass dieser Satz nicht nur ein Versprechen, sondern eine Vorhersage wäre, eine vorweggenommene Erfüllung unserer Sehnsucht, dass die Welt wirklich ein besserer Ort werden könnte und würde. Gibt es vielleicht doch noch Hoffnung? Können wir wieder an uns glauben?, schienen sich viele zu fragen. Werden wir Menschen letztlich doch noch über uns hinauswachsen? Kann sich das Gute doch noch durchsetzen?

Eine vergebliche Hoffnung

Vielleicht hofften wir, dass unsere Generation – du und ich – nicht dazu verdammt ist, die Fehler unserer Vorväter zu wiederholen, sondern dass es den Menschen doch noch gelingt, das Gute zu vollbringen. Vielleicht hofften wir, dass wir doch nicht das sind, was wir insgeheim längst ahnten bzw. wussten – nämlich eine Bedrohung für uns selbst, für andere und für diese Welt.

Haben wir uns in die „Arme“ dieses Satzes fallen lassen? Oder in die Arme eines einzelnen Mannes? Ein postmoderner Messias, auf den wir unsere ganze Hoffnung gesetzt haben?

Nein, so kann man das doch nicht sagen. Weißt du nicht, dass nur Kinder in die Arme ihrer Mutter laufen? Erwachsene machen so etwas nicht. Wir brauchen das nicht. Wir kriegen es selbst hin – ja, wir müssen es selbst hinbekommen. Denn wenn nicht der Mensch, wer soll es sonst machen?

Es ist ja niemand da. Seitdem der moderne Mensch Gott an den Rand des Universums verbannt und sich selbst ins Zentrum gestellt hat, ist außer ihm niemand da. Der Mensch wurde Anfang, Mittelpunkt und Ziel aller Bemühungen und Hoffnungen.

Hat Barack Obama es geschafft? Haben wir es geschafft? Haben sich die Dinge, seitdem das Zeitalter des modernen Menschen angebrochen ist, entscheidend verbessert? Hat der Mensch die Welt zu einem besseren und sicheren Ort gemacht? Es wäre so schön, wenn es uns gelungen wäre; aber ich glaube, dass nach Jahrhunderten die Frage immer noch im Raum steht: Wer hilft uns da hindurch?

Der Mensch kann es nicht

Aus christlicher Perspektive betrachtet, ist der Slogan „Yes, we can!“ nicht nur eine Selbstüberschätzung des modernen Menschen, sondern er erinnert uns auch an eine längst verlorengegangene Würde. Nach seiner Erschaffung vertraute Gott dem Menschen die Verantwortung für die Erde an. Denn ursprünglich wurde der Mensch so geschaffen, dass er es konnte. Er sollte sich „die Erde … untertan“ machen, sie „bebauen“ und „bewahren“ (1. Buch Mose 1,28; 2,15). Die Erde hätte also ein guter Ort bleiben können.

Aufgrund der Trennung von Gott kam jedoch alles ganz anders. Das erste Menschenpaar musste den Garten Eden verlassen (siehe 1. Buch Mose 3; mehr dazu in Kap. 11). Beschämt, bedroht und verängstigt lebte es mit seinen Nachkommen von da an in einer Welt, in der nicht nur das Gute, sondern auch das Böse eine Realität war. Der Mensch hatte sich in eine Lage gebracht, aus der er bis heute nicht mehr allein herauskommt. Menschliche Anstrengungen, Fähigkeiten und unser Wissen haben uns leider kein goldenes Zeitalter des Friedens gebracht und werden uns auch keines bringen. Seit jeher sind menschliche Utopien gescheitert. Der Mensch kann es nicht.

Gott kann es!

Eine Hoffnung hatte Gott den Menschen mit auf ihren Weg gegeben: Eines Tages würde einer ihrer Nachkommen dem Elend ein Ende setzen. Einer würde das Böse und den Tod besiegen. Die Sehnsucht der Zeitalter war seit jeher der Eine, der die Menschheit aus ihrem Dilemma herausholen würde. Der Mensch wird auf der neuen Erde wieder seine ursprüngliche Würde erhalten. Dann wird der Slogan wieder stimmen: „Yes, we can“.

Der moderne Mensch hat Gott aus den Augen verloren. Aber wir sind an einem Punkt der Weltgeschichte angelangt, an dem es höchste Zeit ist, sich wieder an Gott zu wenden.

Die Menschheit braucht tatsächlich einen Messias – den wahrhaftigen Messias, Jesus von Nazareth, der die Menschen einlädt: „Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben.“ (Matthäusevangelium 11,28 Hfa)

Fragen zum Nachdenken

1. „Oftmals leiden wir an Nichtigkeiten.“

Neige ich auch dazu? Was hilft mir, zwischen Nichtigem und Ernstzunehmendem zu unterscheiden?

2. „Der Mensch hat Gott an den Rand des Universums verbannt und sich selbst ins Zentrum gestellt.“ Trifft das auch auf mich zu? In welchen Bereichen?

Zur Vertiefung

Larry Yeagley: Trauer durchschreiten – zum Leben zurückfinden, Deutscher Verein für Gesundheitspflege, Ostfildern 2008, 128 Seiten, Best.-Nr. 6007602

Andreas Müller (Hrsg.): Leben und Sterben mit Gott. Gedanken zu Psalm 23, Deutscher Verein für Gesundheitspflege, Ostfildern 1997, 96 Seiten, Best.-Nr. 6006892

Bezugsquellen siehe S. 168 oder www.adventist-media.de

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