Kitabı oxu: «360 Grad - Schnee (Erotische Geschichten, Band 2)»
Kristiane Hauer
360 Grad
Schnee
SAGA
Kolofon
360 Grad - Schnee
Aus dem Dänischen von Julia Pfeiffer
Originaltitel: 360 Grader - Sne
© 2013 Kristiane Hauer
Alle Rechte der Ebookausgabe: © SAGA Egmont, an imprint of Lindhardt og Ringhof A/S Copenhagen
All rights reserved
ISBN: 9788711493045
1. Ebook-Auflage, 2017
Format: Epub 3.0
SAGA Egmont www.saga-books.com
- a part of Egmont, www.egmont.com
Schnee
von Kristiane Hauer
Irgendetwas ist anders. Wie gewöhnlich wird sie von seinem Schnarchen wach. Dieses rasselnde Geräusch aus dem weichen Gaumen, das gegen den Rachen hämmert. Wie gewöhnlich hat er die Decke im Laufe der Nacht von sich gestoßen und liegt nun in T-Shirt und Unterhose da, der kalten Wand zugedreht. Sie liegt unter ihrer Doppeldecke, die sich in großen Falten um sie schoppt. Sie schiebt diese zur Seite und schwingt die Beine über die Bettkante. Die Zehen ziehen sich über dem kalten Boden zusammen. Jetzt kann sie genauso gut schon aufstehen, der Wecker läutet ohnehin in fünf Minuten. Ratternd saugt er die Luft ein. Und dann kann sie es hören, gleich hinter ihr, eine seltsam, ungewohnte Stille.
Er möchte nicht aufwachen. Er ist in dem Ausmaß bei Bewusstsein, als dass er gerade diesen Gedanken denken kann – oder besser – ihn fühlen kann, wie eine durchdringende Trägheit. Er will nicht aufwachen. Er möchte in diesem Schlaf bleiben, drinnen, in dieser Wärme, dieser Dunkelheit. Er will hier bleiben, hier, wo nichts und niemand ist, der etwas von ihm verlangt. Wo niemand ist, der mit ihm spricht. Keine Handlungen, keine Worte. Nur ein vollkommen leichter Körper, der schwebt, ohne eine feste Form zu haben. So fühlt es sich immer an, kurz bevor er aufwacht.
Irgendetwas stimmt auch mit dem Licht nicht. Ihr Gesicht im Spiegel. Die Zahnbürste, die zwischen den spröden Lippen hervorlugt, die Wangen grau und noch immer angeschwollen vom Schlaf. Ein anderes Morgenlicht als sonst – aber es ist ja auch schon wieder Februar. Sie zieht sich das Pyjama-Oberteil über den Kopf, das Wollunterhemd darunter. Beugt sich vor und schiebt die Gardine ein wenig zur Seite. Weiße Schneeflocken auf der Wiese, wirbelnde Flocken in der Luft. Schneemassen, die sich ihren Weg nach unten in den Garten bahnen und eine Stille mit sich bringen, die sich wie der Negativ-Abzug eines Geräusches anhören. Das war es dann wohl. In dem Moment durchdringt eiskalte Zugluft die Scheibe. Schnell lässt sie die Gardine wieder zufallen, stellt sich unter die Dusche und dreht das heiße Wasser ganz auf.
Er will nicht, aber er muss. Der hysterische Alarm des Weckers schlägt nun gegen das müde Trommelfell, eindringlich, befehlshaberisch. Zieht ihn auf. Dagegen ankämpfen nützt nichts, mögen die Lendenwirbel noch so ächzen, als er sich umdreht. Die übliche Steife, die seinen Rücken im Laufe der Nacht von Fleisch zu Holz verwandelt hat. Er beugt sich vor und schlägt mit der Handfläche auf den Alarmknopf. Stille, ungewohnte Stille. Kein Verkehr auf der Straße. Keine alltäglichen Hintergrundgeräusche von den Strommasten oder der Klimaanlage der Nachbarn. Und sie? Der leere Platz im Bett, die Matratze, die ein wenig eingesunken ist. Ist sie schon unterwegs?
Die Kälte lässt sie nicht so einfach los. Ihre Füße sind Eisklumpen, die von brühend heißem Wasser übergossen werden. Erst nach ein paar Minuten breitet sich die Wärme in ihr aus, während das Wasser über Gesicht, Schultern und Hals strömt. Über die Rundungen der Brüste läuft und in die Hautfalten des Bauches kriecht. Langsam, langsam, als wäre sie verreist gewesen, findet ihr Körper wieder zu sich selbst, erstreckt sich warm und weich unter dem Brausen des Wasserstrahls. Sie nimmt den Seifenspender aus dem Duschkorb. Drückt den Duschschwamm zusammen, sodass die Seife aufschäumt. Lässt ihn über den Bauch gleiten, zwischen die Schenkel. Weißer Schaum läuft ihre Beine hinab. Ein träges, diffuses Verlangen steigt in ihr hoch – einfach hier stehen bleiben.
Nein, jetzt kann er sie hören, oder zumindest kann er etwas hören. Das wohlbekannte Geräusch des Wassers, das im Badezimmer aus dem breiten Duschkopf strömt. Wasser, das wie ein kräftiger, tropischer Regenschauer fällt. Wie damals, als sie zusammen in Indonesien herumreisten: Das immer wieder überraschende Rauschen der Wassermassen, die plötzlich aus dem Himmel gegossen kamen, um dann, genauso abrupt, wieder aufzuhören. Er öffnet die Tür, die sich unter einem Knarren zur Seite schieben lässt, tritt ein, am Duschvorhang vorbei und steuert die WC-Schüssel an. Oberschenkel auf dem kalten Toilettensitz und der beißende Geruch von Morgenurin. Er kann ihren Körper wie einen unförmigen Schatten hinter dem Vorhang erkennen. Ihr nackter Körper, auf den es anderswo nahezu unmöglich ist, einen Blick zu erhaschen, nun im Winter, wenn sie ihn Schicht für Schicht in Lagen einpackt. So, dass er letztendlich völlig unsicher ist, wie er aussieht. Oder wie er sich anfühlt. Es ist ja auch schon ein Weilchen her. Er zieht sich das T-Shirt über den Kopf und wirft die Unterhose ab.
Er hätte zumindest „Guten Morgen“ oder „Hallo“, sagen können. Wo sie doch offensichtlich neben ihm im selben Raum, im selben Badezimmer steht. Wo sie doch zufällig zusammenwohnen und das schon seit 15 Jahren. Sie beugt sich vornüber, hebt das eine Bein und presst den Schwamm an die harte Ferse. Aber es ist immer das Gleiche. Er sagt nie etwas, es sei denn, man zwingt ihn dazu. Jetzt hat sie sich gerade so wohlgefühlt, so warm und alleine. Mit ihm neben ihr ist es nicht mehr dasselbe. Ihr Körper fühlt sich plötzlich groß und schwer an – und dann noch all der Schnee da draußen. Das muss schon seit Stunden so gehen. Wird er überhaupt rausfahren können?
Pulsuz fraqment bitdi.