Kitabı oxu: «Tinder-Taxi: Erika Lust-Erotik»
Lea Lind
Tinder-Taxi: Erika Lust-Erotik
Lust
Tinder-Taxi: Erika Lust-Erotik ÜbersetzungKirsten Evers Original Tinder-taxaCopyright © 2018, 2019 Lea Lind und LUST All rights reserved ISBN: 9788726112917
1. Ebook-Auflage, 2019
Format: EPUB 2.0
Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach
Absprache mit LUST gestattet.
Es ist der Tag nach dem Tag darauf und es ist spät, aber ich bin immer noch nicht wieder auf dem Damm. Mein Körper ist schlapp und mein Kater ebbt nicht ab. Ich schleppe mich zum Spülbecken. Lasse das Wasser laufen, bis es kalt ist und kippe zwei große Gläser hinunter. Die Flüssigkeit drängt sich so schnell in meine Speiseröhre, dass ich das Gefühl habe zu ersticken. Ich japse nach Luft. Spüre, wie sich das Wasser in all meinen Zellen verteilt. Ich puste eine Locke aus der Stirn. Fühle mich etwas erfrischt. Aber immer noch nicht ganz normal.
Ich geleite meinen Körper zurück zum Sofa und lasse mich hineinplumpsen. Mein Blick landet auf den Partyresten auf dem Esstisch, auf den halbleeren Sektgläsern. Ich versuche mein Gehirn davon zu überzeugen, dass wir endlich aufräumen sollten. Mein dreißigster Geburtstag war trotz allem nicht gestern, sondern vorgestern! Aber mein Hirn ist immer noch im Siesta-Modus. Und selbst in den wenigen Augenblicken, in denen es ihm gelingt, den Hauch eines Nervenimpulses in mein biologisches System zu entsenden, streiken die Muskeln. Nicht ein einziger Muskel ist gewillt sich anzuspannen, um meinen müden Leib zum Aufräumen zu befähigen.
Mein Fokus ändert sich. Von den Sektgläsern zu einer völlig absurd lauten Fliege an der Wand. Aber das ist alles. Ich versuche nicht mal mich selbst zu bemitleiden. Habe keine Lust - wie so oft zuvor - in Gedanken zu versinken, die mich daran erinnern, dass es in eben diesen Momenten des Stillstands - Vakuumkammern des Nichts - zum Himmel schreit, dass ich niemanden habe, keinen Freund, an den ich mich jetzt kuscheln könnte.
Ich räuspere mich. Befeuchte die Lippen. Und atme tief ein.
„Ach, komm schon, Suse", höre ich in Erinnerung Mias nuschelnde Stimme durch den Sektnebel, als ich mich über mein katastrophales Liebesleben beschwerte.
„Du hast doch voll Glück. Du kannst ganz genau das machen, was du willst. Nicht wie wir, an Händen und Füßen Gefesselten", sagte sie.
„Gefesselt!", kicherte Ida und ließ die Augenbrauen hüpfen.
Mia ignorierte den tantigen Dominahumor unserer Freundin und starrte mich mit feuchtfröhlichem, aber ernstem Blick an.
„Jedenfalls... Du bist viel zu heiß, um lange alleine zu bleiben, also...", sagte sie.
„Ich bin 30!", warf ich ein. „Verdammt, DREI-ßIG!"
„Ja, ja. Und die 40'er sind die neuen 30'er, also bist du im Prinzip gerade erst 20 geworden und wer will sich schon so früh festlegen", setzte Mia fort und schielte auf ihren Ehering.
Ida leerte eine weitere Flasche, spitzte die Lippen und pfiff die Titelmelodie von Batman.
„Mia hat recht", sagte sie. „Nutz deine Zeit! Geh auf Dates! Vögle! Liebe! In welcher Reihenfolge auch immer. Aber hör auf, dich wie eine angeschossene blinde Kuh zu benehmen. Wenn du schon die Augen verbunden hast, dann sollte es zumindest unter etwas angenehmeren Umständen passieren!"
Mia verdrehte die Augen, aber schien der gleichen Meinung zu sein:
„Ja, genau das meine ich! Also beziehungsweise, du musst dich ja nicht unbedingt in irgendeinem creepy SM-Keller von der Decke hängen lassen, aber die Welt steht dir offen! Mach das, was dir Spaß macht. Die Liebe kommt eh erst dann, wenn sie selbst will... und bis dahin kannst du genauso gut noch etwas Party machen, das hat noch nie jemand bereut."
Ich hob mein Glas und legte den Kopf schief. Schnalzte mit der Zunge, hatte aber keine Lust zu widersprechen. Meist wohl, weil ich eigentlich wusste, dass sie recht hatten. Dass es blödsinnig war, auf etwas zu warten, von dem ich ja gar nicht wusste, ob oder wann es kommen würde, und das auch davon nicht besser oder schlechter wurde, dass ich vorher noch etwas Spaß hatte. Das war ja eigentlich auch der Grund dafür gewesen, dass ich damals Tinder installiert hatte. Allerdings fehlten mir noch reelle Erfolgserlebnisse mit der App. Nicht, weil nix passiert war. Ganz bestimmt nicht deshalb. Aber... Ich bin es einfach leid, mir immer wieder Hoffnungen zu machen, nur um dann immer wieder enttäuscht zu werden.
Die Fliege summt noch immer wie besessen. Ich versuche mein Bestes, sie zu Tode zu starren. Aber ohne Erfolg. Stattdessen nimmt sie Kurs auf die Stuckrosette. Wie ein siegreicher Boxer, der zielgerichtet in die Mitte des Rings tritt, um sich ehren zu lassen. Ich verweigere dem Insekt jegliche weitere Aufmerksamkeit und schließe meine müden Augen.
Ich nehme geistig Anlauf, seufze tief und logge mich bei Tinder ein. Aber der Typ mit dem schiefen Lächeln, mit dem ich seit Wochen versuche, ein Treffen zu Stande zu bringen, hat immer noch nicht geschrieben. Einige Andere haben mich angeschrieben, aber jetzt wollte ich ja ihn und das ist in Wirklichkeit das Problem an der Sache: dass es unter hundert Fröschen nur den einen Prinzen gibt.
Ich tippe genervt auf dem Schirm herum. Rechne aus, dass es jetzt genau 78 Stunden und 24 Minuten her ist, seit er mir zuletzt geschrieben hat. Und das, obwohl er in den ersten paar Nachrichten so viel Energie darauf verschwendet hatte, über frühere Tinder-Dates herzuziehen, die seiner Meinung nach total unseriös seien und nie zurückschreiben würden, nicht mal mit einer höflichen Absage.
Pulsuz fraqment bitdi.