Kitabı oxu: «Taste Of Sin - Gefährlich Geküsst (Sammelband mit Gefährlicher Rausch und Gefährliche Liebe)»

Şrift:

Lina Roberts

Taste Of Sin - Gefährlich Geküsst (Sammelband mit Gefährlicher Rausch und Gefährliche Liebe)

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Impressum:

Über die Autorin

Über das Buch Gefährlicher Rausch

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6.Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

Über das Buch Gefährliche Liebe

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

Impressum neobooks

Impressum:

Taste Of Sin – Gefährlich Geküsst

Sammelband

Alle Rechte vorbehalten, © Lina Roberts, 2018

Lektorat/Korrektorat: My Digital Garden Verlag

Covergestaltung: Bookcover4u

Astrid Freese

Berliner Str. 14

06917 Jessen

AstridFreese@web.de

Über die Autorin

Lina Roberts ist ein Winterkind des Jahres 1969. Dennoch liebt sie den Frühling, sonnige Tage am Meer und die quirligen Metropolen Berlin, Kairo und Bangkok. Wenn sie nicht gerade schreibt, liest sie gern oder hängt träumend ihren Fantasien nach. Unter anderem Namen hat sie bereits mehrere Romane und einige Kurzgeschichten veröffentlicht. Als Lina Roberts schreibt sie romantische Liebesromane mit prickelnder Erotik.

Taste O f Sin – Gefährlicher Rausch

Über das Buch Gefährlicher Rausch

Haily Golden ist bereit alles zu tun, um Juniorpartnerin einer renommierten Anwaltskanzlei in Miami zu werden. Denn mit diesem Gehalt kann sie ihre kranken Eltern unterstützen, die auf ihre Hilfe angewiesen sind. Haily muss nur ihren berühmten, aber schuldigen neuen Mandanten vor dem Gefängnis bewahren. Ein Fall, den sie gewinnen könnte, wäre da nicht der Cop Dean Lastrelle. Ein Mann mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, der ihren Klienten unbedingt hinter Schloss und Riegel bringen will. Dumm nur, dass Dean eine bisher unbekannte sinnliche Leidenschaft in Haily weckt. Wohl wissend, dass sie auf verschiedenen Seiten stehen, stürzt sie sich Kopfüber mit ihm in eine heiße Affäre. Und schlittert damit ins Chaos …

1. Kapitel

Obwohl Haily viel zu früh für den Termin mit ihrem Mandanten war, beschleunigte sie in der Lobby des Büroturms ihre Schritte. Sie wollte dieses Treffen so schnell wie möglich hinter sich bringen, ahnte jedoch, dass sie vor dem Mittag Mr. Greens Büro nicht wieder verlassen würde. Ein kalter Schauder rann ihr den Rücken hinab, während sie zum Fahrstuhl eilte. Ihr Mandant besaß diesen merkwürdigen stechenden Blick, der jede Frau dazu veranlasste, die Straßenseite zu wechseln. Seit sie gestern mit ihm das erste Mal gesprochen hatte, hoffte sie, dass er Zeuge des Mordfalls blieb und sich nicht als Tatverdächtiger herausstellte. So prestigeträchtig für sie die Verteidigung des besten Freundes des Bürgermeisters auch sein könnte, ihr verursachte dieser Fall unablässig Kopfschmerzen. Vielleicht lag das an ihrem unbestimmten Gefühl, dass Green mehr mit der Ermordung der Studentin zu tun hatte, als er beteuerte. Ob er eine Mitschuld trug oder nicht, sollte für sie keine Rolle spielen. Denn falls es drauf ankam und sie ihn erfolgreich verteidigte, half ihr der Sieg mit Sicherheit einige Stufen der Karriereleiter hinauf. Und dann könnte bald "Juniorpartner" an der Tür ihres Büros stehen.

Sie seufzte, als sie die Fahrstühle hinter dem Empfangstresen erreichte. Was über oder unter ihrem Namen auf dem Schild stand, war ihr im Grunde egal, nur der Verdienst nicht. Sie wusste nicht, was ein Juniorpartner von Smith & Willbanks genau verdiente, aber wenn sie dem Gemunkel Glauben schenken sollte, dann würde sie mit einem Monatsgehalt die kaputte Erntemaschine ihres Dads ersetzen können. Seit sie vor knapp zwei Jahren in der Kanzlei zu arbeiten begann, war das Haus, in dem sie aufgewachsen war, nicht wieder zu erkennen. Es besaß nun dichte Fenster, zum Dach regnete es nicht mehr herein und ihre Eltern hatten ein Bett zum Schlafen. Doch all das Geld, welches sie Mom und Dad schickte, konnte nichts mehr daran ändern, dass sie beide einen kaputten Rücken hatten.

Haily betrat einen leeren Fahrstuhl, drückte die Taste für die zwölfte Etage und biss sich in die Zunge. Ob ihr Green unheimlich war oder nicht, diesen Fall musste sie durchstehen, sofern er denn einer werden würde. Ihr Dad benötigte dringend diese Erntemaschine und sie hatte ihrer Mom versprochen, dass sie bald fließend Wasser und einen Geschirrspüler in der Küche haben würde.

Die Kabinentüren glitten zu, bis in dem schmaler werdenden Spalt eine große starke Hand auftauchte. Haily trat zurück, als sich die Türen öffneten, und blieb vor der hinteren Wand stehen.

Als ihr Blick den Mann erfasste, der mit einem sanften Lächeln die Kabine betrat, blieb ihr die Luft weg. Sein rabenschwarzes Haar glänzte im Licht und wirkte auf eine Weise zerwühlt, als hätte sich gerade in höchster Ekstase eine Frau darin festgehalten. Seine Augen, die sie musternd betrachteten, schienen aus Fragmenten des Himmels zu bestehen. Ein solches Blau hatte sie nie zuvor gesehen.

„Hi“, sagte er schlicht und blieb einen Schritt vor ihr stehen. Er wandte sich nicht um, wie es jeder andere getan hätte, was sie kurzfristig bedauerte. Sein Hintern sah bestimmt knackig in dieser ausgewaschenen hellen Jeans aus.

„Hi“, brachte sie hinaus, als sich die Lifttüren schlossen, und begann nervös an dem Riemchen ihrer Handtasche zu nesteln. Noch nie zuvor war sie sich geballter männlicher Stärke bewusster gewesen, wie in dem Moment, als der Lift nach oben fuhr. Der Fremde stand einfach vor ihr, lächelte auf eine Weise, die ihr kribbelnd unter die Haut ging, und betrachtete sie mit diesen unglaublichen Augen, als hätte er etwas gefunden, was ihn völlig faszinierte.

„Ich kenne ein tolles Café am South Beach“, sagte er und lenkte damit Hailys Blick auf seine Lippen. Sie sahen verführerisch anschmiegsam aus und hinterließen in ihr eine Ahnung, wie sie sich auf ihrer Haut anfühlen würden, während er sich an der Innenseite ihrer Oberschenkel höher küsste. Sie blinzelte und atmete beinahe zischend aus. Sie sollte sich gedanklich auf Green vorbereiten, stattdessen stand sie mit weichen Knien vor diesem Fremden, dessen forsche Art etwas in ihrem Magen flattern ließ. Etwas, das sie dort schon lange nicht mehr gespürt hatte. „Die Besitzerin hütet ihr Geheimrezept für ihren Latte macchiato wie einen Augapfel.“

„Dazu gehört nur Milch und Espresso“, entgegnete Haily und betrachtete seine breiten Schultern, die in einer rauchgrauen Anzugjacke steckten. Die Jacke verheimlichte nicht ein bisschen, dass Mr. Unbekannt einen Body besaß, der es locker auf Titelseiten schaffen würde.

„Oh nein, so leicht ist das für Lizzy nicht“, erwiderte er und schob sich ein Stück näher. „Ihr Latte macchiato ist einzigartig.“

„Wirklich?“, murmelte Haily und keuchte leise, als sie ihre Gedanken schweifen ließ: An der Fahrstuhlwand lehnend, umschlossen dabei ihre nackten Schenkel seine Hüften, während seine starken Finger langsam von ihrem Hintern zu ihrer intimen Mitte glitten.

Das Klingeln des Fahrstuhls riss sie aus ihren sinnlichen Gedanken. Sie blinzelte und bemerkte seinen Blick, der auf atemlose Weise wissend auf ihr ruhte. Augenblicklich hatte sie das Gefühl, am ganzen Körper zu erröten, nicht nur im Gesicht. Hatte er in diesen wenigen Sekunden ähnliche Bilder im Kopf wie sie gehabt, oder konnte er in ihrer Mimik wie in einem Buch lesen? Haily errötete noch heftiger. Die Befürchtung, für ihn durchschaubar wie Glas zu sein, entsetzte sie. Niemand konnte normalerweise unter ihre Fassade sehen. Weshalb er?

Die Fahrstuhltüren glitten auf. Mr. Perfekt fuhr sich durch die nachtschwarzen Haare, was wirkte, als würde er um seine Fassung ringen, und trat zur Seite, um ihr den Vortritt zu lassen. Sein Duft streifte ihre Nase, als sie in den Flur ging. Männlich markant, vermischt mit einem Hauch würziger Lust.

„In ganz Miami bekommt man nirgendwo einen besseren Latte macchiato als bei Lizzy“, sagte er und folgte ihr den Gang entlang. „Aber Vorsicht: es besteht Suchtgefahr.“

Sprach er wirklich noch von aufgeschäumter Milch mit Espresso? Und klang seine Stimme nicht rauer als zuvor und irgendwie seltsam brüchig? Haily verscheuchte den Gedanken aus dem Kopf. Sie war wegen Green nervös, das war alles. Den Rest bildete sie sich ein. So ein Adonis wie Mr. Unbekannt lud sie nicht vom Fleck weg zu einem Kaffee ein. Nicht einmal dann, wenn sich ihr blondes Haar um die Schultern locken und sie statt des eleganten dunklen Kostüms ein schwarzes Kurzes tragen würde.

Tief durchatmend lief sie an Bürotüren, Angestellten, Grünpflanzen und Aktencontainern vorbei. Sie nahm kaum etwas von ihrer Umgebung wahr und war froh, gestern bereits ihren Mandanten in seiner Firma aufgesucht zu haben. Denn zu deutlich war sie sich der Nähe von Mr. Unbekannt bewusst, der einen halben Meter neben ihr herging. Ein warmer Schauder rann ihren Rücken hinab. Mit ihm würde ihr sonst fast faltenfreies Laken am nächsten Morgen garantiert auf dem Boden liegen. Gott, sein Anblick hatte ausgereicht, um ihr Satinhöschen feucht werden zu lassen. Was würde passieren, wenn sie nackt unter ihm lag?

„Sie macht Drogen in den Kaffee?“, fragte Haily verwirrt. Hatte sie irgendwo den Faden des Gespräches verloren, oder stimmte ihre Vermutung, dass er längst nicht mehr von einem Latte macchiato sprach?

„Süße, süchtigkeitsmachende Drogen“, erwiderte er kaum hörbar.

Haily wäre fast über ihre Füße gestolpert, als sie begriff, dass er tatsächlich mit ihr flirtete. Sie sah an sich hinab. Die Knöpfe ihrer Bluse waren alle geschlossen. Wegen Greens stechenden Blick hatte sie am Morgen auch den letzten Knopf in die vorgesehene Öffnung geschoben. Und ihr dunkelgrauer Rock war sogar noch eine Handbreite länger als üblich. Im Hinblick auf ihren Termin hatte sie peinlich genau darauf geachtet, dass ihre Kleidung ausschließlich elegant aber auf keinen Fall sexy aussah. Doch Mr. Unbekannt kam ihr nicht vor, als wäre er blind. Warum flirtete er mit ihr? War es seine Art oder vertrieb er sich ein bisschen die Zeit?

Wahrscheinlich Letzteres. Denn so etwas war ihr einfach noch nie passiert. Ihre Jugendliebe hatte sie auf der Junior High School und Kevin im Hörsaal kennen gelernt. Eine Bar hatte sie allein noch nie betreten, der Gedanke war ihr noch nicht einmal gekommen. Ihre Mom meinte immer, weil sie eben grundsolide wäre und ein Ziel vor Augen hätte, für das sie arbeitete. Doch Haily kannte dafür ein anderes Wort: kleinbürgerlich. Sie war auf einem Hof aufgewachsen, der von nichts außer Apfelbäumen umringt wurde. Außerhalb der Kleinstadt Farmington, in der es mehr Kirchen als Einkaufscenter gab. Bis zum nächsten Nachbarn hatte Haily eine halbe Stunden laufen müssen. Vorbei an einer kargen felsigen Landschaft, in der es nur Steine und verdorrtes Gras zu sehen gab. Einen Fernseher hatten ihre Eltern nie besessen und bis auf Romeo und Julia stand nur noch das Telefonbuch von New Mexico auf dem kleinen Regal im Wohnzimmer. Als ihre kranke Schwester noch klein war, hatte sich Haily Geschichten ausgedacht und Alice erzählt, wenn sie diese ins Bett brachte.

„Welchen Kaffee bevorzugen Sie?“, fragte Haily, weil sich das Schweigen in die Länge zu ziehen begann. Wartete er wirklich auf ihre Antwort? Die Vorstellung, mit ihm einen Kaffee trinken zu gehen, entlockte ihr beinahe ein sehnsuchtsvolles Seufzen. Zu lange schon spürte sie nachts nur ihr Seidenlaken auf der Haut.

„Heißen“, erwiderte er und führte seinen Blick über ihren Körper spazieren. Liebkosend, bewundernd und irgendwie lasziv sündig. Er wollte sie und machte daraus keinen Hehl. Nicht einmal hier, in diesem zwölfstöckigen Bürogebäude, das Mr. Green gehörte.

Haily lief fast in eine Kokospalme hinein. Gott! Wusste dieser Kerl eigentlich, was er für ein Chaos in ihrem Inneren anrichtete? Oh ja, er wusste es und es gefiel ihm. Sie atmete tief durch und war versucht, in der Damentoilette zu verschwinden, an der sie eben vorbei gingen. Sie schob den Gedanken aus dem Kopf. Noch ein paar Schritte und sie war am Ziel.

Sie drückte ihren Rücken durch und lief weiter. „Ich dachte eher, dass Sie eine eisgekühlte Coke vorziehen.“ Ihr Atem stockte. Sie sollte besser nicht versuchen, zu flirten. Bei so was war sie einfach zu unsicher. Eigentlich. Und eigentlich sollte sie ihm sagen, dass sie seine Einladung nicht annehmen konnte. Und warum tat sie es nicht?

Er lachte leise und in ihrem Magen begannen Schmetterlinge auf und ab zu fliegen. „Stimmt“, murmelte er und kam noch ein Stück näher. Jedes Luftmolekül zwischen ihnen schien durch seine magnetische Anziehungskraft zu knistern. Als ob die Moleküle einzeln aufgeladen worden wären. Mit süßer dunkler Leidenschaft und pulsierender Lust. Angst vermischt mit einem erregenden Kribbeln durchlief ihre Brüste. Dieser Mann war gefährlicher als jeder vor ihm. Denn er würde sie vergessen lassen. Nicht nur ihren Namen.

„Stimmt?“, fragte sie mit heiserer Stimme.

Er nickte mit einem Hauch Ernst in den Augen. „In manchen Situationen bevorzuge ich Eiswürfel.“

Völlig unvorbereitet traf sie das Bild von ihm, wie er mit einem Eiswürfel ihre Brust umrundete und ihren harten Nippel in seinen warmen feuchten Mund saugte.

„Oh mein Gott.“ Sie schwankte und musste kurzfristig mit ihrem Gleichgewicht kämpfen. Stumm schickte sie ein Stoßgebet in den Himmel, dass ihre Balanceprobleme von ihm unbemerkt geblieben waren. Doch wer sollte sie schon erhören? Sein aufmerksamer Blick ruhte auf ihr. Viel zu heiß und viel zu ehrlich. Es war, als würde er mit Worten sagen, dass er jetzt mit ihr in ein leeres Büro gehen wollte, um sie dort auf einen Schreibtisch zu legen. Um mit ihr danach den Kaffee zu trinken. Die Reihenfolge sollte sie ängstigen und tat es irgendwie auch. Anderseits hinterließ diese für sie schon beinahe verboten sündige Abfolge ein Pulsieren zwischen ihren Beinen.

Mehrere Schweißtropfen rannen über ihren Rücken. Zum Teufel, warum funktionierte die Klimaanlage nicht?

„Alles okay?“, fragte er und trat näher.

„Mir geht es prima“, zwang sie sich zu sagen und fixierte den Gang an, wo Greens Büro lag. Noch fünf Schritte, die schaffte sie im Handumdrehen. „Und Ihnen?“ Klasse! Konnte sie nicht den Mund halten?

„Mir ging es nie besser“, antwortete er und neigte den Kopf ein Stück zur Seite, als würde er nachdenken. Und raubte ihr erneut den Atem. Egal was er tat, er sah einfach zu gut aus. Verdammt gut und verdammt heiß. Mist!

Sie versuchte sein Alter zu schätzen, doch mehr, um sich abzulenken und endlich die fünf Schritte gehen zu können, die sie aus seiner Gefahrenzone brachten. Er war ein paar Jahre älter als sie, aber maximal dreißig. Und er gehörte nicht zu den üblichen Anzugträgern, die durch die Innenstadt von Miami liefen. Er war weder Jurist, arbeitete auch nicht in einer Bank oder an der Börse noch gehörte er zur High Society. Wohin jedoch, konnte sie nicht bestimmen.

„Es war nett, Sie kennen gelernt zu haben“, sagte Haily und lief los. Richtig kennen gelernt hatte sie ihn nicht, sie kannte nicht einmal seinen Namen. Doch irgendwie wollte sie ihm hintenherum sagen, dass sie kein Interesse an dem Date hatte. Direkt konnte sie das nicht, denn das wäre eine Lüge. Sie wollte mit ihm Kaffee trinken gehen … und eine Coke, auf der Eiswürfel schwammen.

„Fand ich auch“, erwiderte er, ohne dass seine Stimme den Klang verloren hätte, der an lustdurchtränkte Nächte erinnerte.

„Haben Sie noch einen schönen Tag“, sagte Haily und bog um die Ecke. Doch bevor sie erleichtert aufatmen konnte, wurde ihr bewusst, dass ihr der Unbekannte gefolgt war. Wie angewurzelt blieb sie stehen. Vor ihr befand sich der Vorraum von Mr. Green. Außer wuchtige Sessel für wartende Kunden, üppige Grünpflanzen, eine voll ausgestattete Bar und einen Schreibtisch, hinter dem normalerweise Greens Sekretärin saß, gab es hier nichts. Haily war zu früh für ihren Termin mit ihrem Mandanten und dem leitenden Ermittler im Fall Anderson. Fünfzehn Minuten, um genau zu sein. Dennoch war sie gestern dabei gewesen, als Green seiner Sekretärin auftrug, alle anderen Termine für heute zu verschieben.

Ihr Hals trocknete aus. Shit! Sie hatte gerade heiße Blicke mit dem leitenden Ermittler im Fall Anderson getauscht. Sie, die Anwältin eines Zeugen in einem Mordfall.

„Mr. Lastrelle“, sagte Haily und reichte ihm die Hand. Eigentlich war es angebracht, mehr zu sagen, doch sie konnte nicht. Ihr Hals war wie zugeschnürt. Warum hatte sie nicht erkannt, dass er ein Cop war? Er war doch nicht der erste Polizist, mit dem sie es zu tun hatte. Aber keiner vor ihm hatte sie je so verwirrt und erregt.

Er neigte den Kopf, als wollte er sich vor ihr verbeugen und ergriff ihre Finger. Die sinnliche Hitze seiner Haut glitt wie Stromschläge ihren Arm hinauf. „Ms. Golden. Ich bin erfreut, Sie endlich einmal kennen zu lernen.“

Haily zwang sich, sich nicht in die Unterlippe zu beißen. Seine Worte klangen ehrlich. Da war kein aufgesetztes Lächeln in seinen Mundwinkeln und in seinen Augen lag noch immer diese flackernde Lust, die er nicht zu verbergen suchte. Und das, obwohl sie auf entgegengesetzten Seiten standen. Noch nie zuvor hatte ihr die Seite, auf der sie sich befand, Gewissensbisse beschert. Denn jetzt war der Kühlschrank ihrer Eltern immer gefüllt und ihre Schwester bekam die Medizin, die sie wegen ihres schweren Asthmas brauchte. Doch nun wünschte sie für einen Moment, sich für seine Seite entschieden zu haben.

„Ich freue mich auch“, erwiderte sie und ließ seine Hand los. Sie würde sich freuen, wenn ihr Kennenlernen nicht hier stattgefunden hätte. Und vor allen Dingen nicht unter diesen Umständen. Wie ein Stich durchfuhr sie Bedauern. Sollte Green von einem Zeugen zu einem Tatverdächtigen werden, war es ihre Pflicht als seine Anwältin, ihn vor einer Gefängnisstrafe zu bewahren. Aber wenn Mr. Lastrelle auch nur ansatzweise der Cop war, wie sie gehört hatte, würde er alles dafür tun, einen Mörder hinter Gittern zu bringen.

Haily ballte die Hände zu Fäusten. Die Enttäuschung, die ihren Körper durchlief, fühlte sich seltsam kalt an. Sie wollte diesen Mann wie noch keinen anderen zuvor. Nur konnte sie hier nicht weitergehen. Sie würde nicht mehr objektiv bleiben können und er vielleicht auch nicht.

Ein bitterer Geschmack umschloss ihre Zunge. Brüsker als sie wollte, wandte sie sich ab und ging auf die dunkle doppelflügelige Tür neben dem Schreibtisch zu. „Haben Sie die Tatortfotos mit, um die ich gebeten hatte?“

„Natürlich“, antwortete Mr. Lastrelle und folge ihr.

„Danke.“ Haily hörte selbst, wie kühl das Wort klang. Da schwang Ernüchterung mit. Er wollte sie näher kennen lernen, doch das wäre so, als würde Feuer auf Wasser treffen. Ein Cop und eine Anwältin, die auf der falschen Seite stand. Das konnte nicht gut gehen.

Sie blieb vor der Tür stehen und klopfte. Merkwürdige Laute drangen durch das Holz, die sie als ja identifizierte. Mr. Lastrelle scheinbar ebenfalls, denn er drückte die Klinke hinab und schob die Tür auf.

Und Haily fielen vor Entsetzen fast die Augen aus dem Kopf. Green presste seinen nackten Hintern auf die polierte Platte seines wuchtigen Schreibtischs. Sein Hemd hing ihm von den Armen, seine Hose lag auf dem Fußboden. Neben ihm kniete seine Sekretärin. Sie hielt sein erigiertes Glied in den Händen und leckte mit genüsslich geschlossenen Lidern über die Spitze. Vor und zurück. Immer wieder, während ihre rot lackierten Finger bis zum Schaft glitten und sich rhythmisch um diesen schlossen.

Haily stolperte rückwärts. Mr. Lastrelle fing sie auf, bevor sie über ihre Füße fiel, und ergriff ihren Oberarm.

„Bitte, lassen Sie sich von uns bloß nicht stören“, sagte er mit kalt klingender Stimme in Richtung Green. In den Augen des Cops blitzte etwas auf, was Haily nicht genau bestimmen konnte, als er sie zu einem Sessel schob und auf das weiche Leder hinabdrückte. Da war Wut, aber auch noch etwas anderes. Etwas, das mit ihr zu tun hatte.

Haily verstand seinen Groll. Bislang hatte Green nur seine Freundschaft zum Bürgermeister davor bewahrt, in Untersuchungshaft zu landen. Denn neben der toten Studentin war ein Fläschchen mit Insulin gefunden worden und fast jeder in Miami wusste, dass Green Diabetiker war.

Mr. Lastrelle legte einen Finger unter ihr Kinn und hob ihren Kopf an. „Möchten Sie einen Whisky, ein Glas Wein oder einen Brandy?“ Seine Stimme klang immer noch kälter, als in den vergangenen Minuten und verursachte ihr eine Gänsehaut auf dem Rücken. Er würde keine Polizeimarke tragen, wenn er Green zu dem jetzigen Zeitpunkt der Ermittlungen als Tatverdächtigen ausschloss. Die Umstände allerdings erschwerten ihm seine Untersuchungen. Er musste Green mit Samthandschuhen anfassen, bis es eindeutige Beweise gab.

Trotz alledem sah sie dieses lodernde Feuer in seinen Augen, das aus Wut und Lust bestand. Er wollte sie noch immer an eine Wand pressen und ihr Höschen mit den Zähnen von den Hüften streifen.

„Nein, nichts“, erwiderte sie und schluckte einen Kloß hinunter, der sich in ihrer Kehle zu formen begann. Sie wollte ihn ebenfalls. Und doch ahnte sie, dass jene Sehnsucht stets eine Mischung aus Wut und Lust sein würde. Bei ihm und bei ihr. Sie standen auf zu unterschiedlichen Seiten. „Danke. Mir geht es gut.“

Wie schnell man zum Lügner wurde, wenn Gefühle verrückt spielten. Wenn sich Wut, mit Abscheu und Erregung mischten. Es hatte sie angewidert, Green mit heruntergelassener Hose zu sehen. Für einen Moment. Dann verschwand sein Anblick aus ihrem Kopf und wurde von Mr. Lastrelle ersetzt.

Haily wischte sich über die Stirn, wo sich ein Schweißtropfen gesammelt hatte. Ihre Fantasie hatte für den Bruchteil einer Sekunde real gewirkt. So real, dass sie noch immer die Ahnung seines Aromas auf ihrer Zunge schmeckte.

2. Kapitel

Ein Ruckeln und das Knistern des Lautsprechers rissen Haily aus ihrem Traum. Verwirrt blinzelte sie und sah hinaus auf die Landebahn des Flughafens San José. Sie war in Costa Rica! Ihr Herz machte einen Satz. Zum ersten Mal überhaupt hatte sie Urlaub. Nur eine Woche, aber das spielte keine Rolle. Die paar Tage hatten ihr schreckliche Gewissensbisse beschert, denn damit hätte sie ihrer Mom den Geschirrspüler und eine neue Waschmaschine kaufen können. Doch ihre Eltern hatten darauf bestanden, dass sie einmal abschaltete.

Urlaub! Das Wort blieb wie der Geschmack von süßer Schokolade auf ihrer Zunge haften. Weißer Sand, Palmen und knappe Badehosen. Sie seufzte. Als wenn diese irgendetwas an ihrer Sehnsucht ändern würden. Zwei Monate war es her, dass sie Mr. Lastrelle im Fahrstuhl getroffen hatte. Und immer dann, wenn sie an jene Begegnung zurückdachte, blieb in ihr der unwiderstehliche Drang zurück, ihn endlich anzurufen. Noch heute lag das Kärtchen mit seiner Telefonnummer auf ihrem Nachtschrank. So nah bei ihr, dass sie an jedem Morgen in den vergangenen Monaten eine kalte Dusche brauchte, sobald sie aus ihren Träumen von ihm erwachte.

„Es tut mir schrecklich leid, Ms. Golden“, sagte Monice und blieb gleich hinter der Eingangstür stehen.

„Mmh?“, murmelte Haily, stellte ihren Trolley ab und bekam den Mund nicht mehr zu. „Wow.“ In der Beschreibung hatte gestanden, Luxury in Paradise und ja, die Villa war ein Traum. In dem hellen Wohnzimmer zogen die beiden sofaähnlichen Sitzmöbel aus dunklem Holz sofort jeden Blick auf sich. Weiche Kissen und Decken lagen auf der polierten Oberfläche. Flamingoblumensträuße, die verteilt auf dem Boden und dem Couchtisch standen, unterstrichen die Eleganz der Möbel.

„Das ist noch nie vorgekommen“, sagte Monice und zog damit kurzfristig Hailys Blick auf sich. Warum rang die kleine Frau die Hände und sah verzweifelt aus? Das Haus war eine Wucht. Selbst die offene Küche hatte vom Geschirrspüler über Kaffeemaschine und Toaster alles zu bieten.

„Ms. Golden, es tut mir wirklich aufrichtig leid“, wiederholte Monice und holte tief Luft. „Für die Umstände bieten wir Ihnen selbstverständlich eine Mietpreisverringerung an.“

„Umstände?“ Haily zog verwirrt die Augenbrauen zusammen. Von was zum Teufel sprach die Frau?

„Es hat eine Doppelbuchung gegeben“, sagte Monice mit einem entschuldigenden Blick. „Das ist noch nie vorgekommen und wir wissen auch nicht, wie das passiert ist.“

„Was für eine Doppelbuchung?“ Das klang nicht gut. Überhaupt nicht. „Was bedeutet das?“ Musste sie sich das Haus mit einem verliebten jungen Pärchen teilen, das zum ersten Mal zusammen in den Urlaub geflogen war? Oder mit einem älteren Ehepaar, das am Abend Tschaikowsky hörte und dazu trockenen Rotwein trank?

„Das andere Schlafzimmer wird ebenfalls belegt sein“, sagte sie und sah Haily auf herzerweichende Weise an. „Selbstverständlich werden wir alles dafür tun, dass Sie sich dennoch bei uns wohlfühlen, Ms. Golden“, versprach sie und rang erneut die Hände. „Die Schlafzimmer liegen weit auseinander und jedes besitzt ein eigenes Bad. Sie werden sich bestimmt mit ihm arrangieren. Dean ist ein zuvorkommender Mann. Aber falls irgendetwas sein sollte, können Sie uns bedenkenlos Tag und Nacht anrufen.“

„Natürlich“, murmelte Haily und ging zum Esstisch, der das Wohnzimmer von der Küche trennte. Sie stellte ihre Handtasche darauf und sah durch die Terrassentüren hinaus. Die goldenen Strahlen der Sonne strichen über dunkle Gartenmöbel, exotische Pflanzen und dem klaren Wasser des Pools. Doch die Idylle, die der Dschungel und die Villa ausstrahlten, bekam plötzlich einen gewaltigen Knicks. Sie hatte kein Problem damit, in einem Hotel Urlaub zu machen. Nur hatte sie sich darauf eingerichtet, hier allein zu sein und die Tage zu genießen. Mit einen Buch, einem Glas Rotwein und Sonnencreme auf der Haut. Nun würde sie Haus, Terrasse und Pool mit einem Fremden teilen müssen. Auf eine Weise, die nicht mit einem Hotel vergleichbar war, denn sie waren allein.

Schritte erklangen, dann legte Monice ihre zarte Hand auf Hailys Unterarm. „Die ganze Angelegenheit tut uns schrecklich leid, Ms. Golden. Wir werden alles tun, damit Sie Ihren Aufenthalt trotzdem genießen können. Wissen Sie, ich glaube an das Schicksal. Irgendwie hat dieses dafür gesorgt, dass ein Cop in Ihrer Nähe sein wird. Eine Frau ganz allein in dieser Villa hat uns schon ein wenig Sorgen gemacht. Doch Dean wird auf Sie aufpassen, das verspreche ich Ihnen.“

Möglich. Aber was, wenn sich die kleine Frau irrte? Was, wenn dieser geheimnisvolle Dean alles andere als ein sauberer Cop war?

∞

Haily öffnete die Augen und blickte verwirrt auf die weißen durchsichtigen Stoffe, die das Bett umrahmten. Der Geruch von feuchter Erde, unzähligen Blumen und Grünpflanzen schwängerte die Luft. Zahlreiche Vögel und Affen veranstalteten um sie herum eine Musik, die ein exotisches Feeling besaß.

Costa Rica! Haily fuhr hoch. Ihr Blick auf die Uhr bestätigte, dass es bereits Nachmittag war. „Oh Mist!“ Sie musste fast drei Stunden tief und fest geschlafen haben. Dabei hatte sie doch den Pool testen und die Einsamkeit genießen wollen, bevor Mister Unbekannt hier eintraf.

Sie legte den Kopf schräg und lauschte. Bis auf die Tiere, die im Dschungel um sie herum um Futter oder Nistplätze stritten, schien im Haus alles ruhig zu sein. Haily sprang aus dem Bett, ging zu den Terrassentüren und blickte zum Pool. Er sah unberührt aus. Wenn nicht jetzt, wann dann? Sie schlüpfte in ihren Bikini und lief ins Wohnzimmer, das ebenso unbewohnt wie bei ihrer Ankunft aussah. Erleichtert ging sie weiter und erreichte gerade die Terrasse, als ein Plätschern ihren Blick zum Pool lenkte. Schwarze feuchte Haare tauchten über dem Beckenrand auf. „Heilige …“ Weiter kam sie nicht, denn dieser Adonis schob mit gesenktem Kopf seinen nackten Oberkörper aus dem Wasser. Grund Gütiger! Glitzernde Tropfen perlten über seine sonnenverwöhnte Haut. Tribal Tattoos umschlossen seinen festen Bizeps und schlängelten sich über seine Brust bis hinab zu seinem perfekten Waschbrettbauch, der in jedem Frauenmagazin mit einem Preis gekürt werden würde. Die schwarzen Linien des Tattoos umrahmten seinen Bauchnabel und folgten dann geradewegs dem schmalen Band aus nachtschwarzem Haar bis …

„Oh mein Gott“, entfuhr ihr. Mister Adonis trug nicht einen Fetzen Stoff am Körper. Seine stolze Männlichkeit bescherte ihr schweißnasse Hände und ließ ihr Herz augenblicklich in der Kehle klopfen. Er sah atemberaubend aus. Nach Sex jenseits von Gut und Böse. Haily schnappte nach Luft und wirbelte herum. „Sorry!“

Sie stöhnte. Warum entschuldigte sie sich? Monica hatte ihm bestimmt gesagt, dass er das Haus nicht für sich allein haben würde. Entweder hatte er trotz Hailys Mietwagen vor der Villa geglaubt, sie wäre nicht da, oder es störte ihn nicht, nackt gesehen zu werden. Sein Anblick war fantastisch, ohne Zweifel. Nur hinterließ seine männliche Arroganz ein aufregendes Kribbeln zwischen ihren Beinen und die Frage in ihrem Kopf, wie sie die kommenden Tage überstehen sollte. Bei diesem Adonis würde sie ständig eine kalte Dusche benötigen.

„Können Sie sich nicht etwas anziehen?“, fragte sie spitzer als beabsichtigt. Oh na klasse! Jetzt hörte sie sich wie eine alte Jungfer an.

Schritte erklangen hinter ihr. „Genügt ein Handtuch?“

Für einen Augenblick erstarrte alles in ihr. Diesen knieerweichenden Bass würde sie überall wiedererkennen. Selbst in einem ausgebuchten Fußballstadion. Aber was machte er hier? Sie schluckte schwer. Das spielte überhaupt keine Rolle. Mr. Lastrelle stand hinter ihr, war ihr so nah, wie seit zwei Monaten nicht mehr. Und sie müsste schon taub sein, um den vibrierenden Hunger in seiner Stimme zu überhören. Monica hatte sich geirrt. Mr. Lastrelle würde alles andere tun, nur nicht auf sie aufpassen. Er hatte völlig andere Dinge im Kopf.

„Kommt auf die Größe an“, erwiderte Haily. Sie ballte die Hände zu Fäusten, wappnete sich für den kommenden Anblick und wandte sich um. Augenblicklich unterdrückte sie ein Stöhnen. Irgendwie war es logisch, dass er sich die etwas größere Version eines Waschlappens um die schmalen Hüften geschlungen hatte. „Wow, das ist ja fast ein Bettlaken.“

Das Grinsen, das seine sinnlichen Lippen umspielte, richtete in ihrem Bauch ein heilloses Durcheinander an. Gott, wenn sie nicht gleich im Haus verschwand, war sie erledigt. Dann würde sie k.o. vor einem Cop gehen, der mit jeder Faser seines muskulösen Körpers verführte. Heilige Scheiße, sie wollte nicht dabei sein, wenn er es wirklich darauf anlegte, eine Frau in sein Bett zu bekommen.

„Nicht wahr?“ Er strahlte und Haily bekam den Wunsch nach einer Sitzgelegenheit nicht aus dem Kopf. Ihre Beine fühlten sich so schwach an, dass sie es unmöglich bis zu dem zwei Meter entfernten Esstisch schaffte. „Es ist schön, dich wiederzusehen“, sagte er und trat näher. In seinen Worten schwang jedoch die versteckte Frage mit, warum sie nicht angerufen hatte. Sie hatte unzählige Ausreden dafür gesucht, doch es gab nur eine Antwort. Sie wollte ihn. Wollte ihn so sehr, dass der Gedanke an seine Hände auf ihre Nippel aufrichtete. Allerdings standen sie noch immer auf verschiedenen Seiten.

Der Blick aus Augen, die Fragmente des Himmels über ihnen sein mussten, glitt über ihr Gesicht und verfing sich an ihren Lippen. „Deine Lippen sind noch genauso verführerisch, wie ich sie in Erinnerung habe“, murmelte er und trat vor sie. „Ich habe gehofft, dass du anrufen würdest.“

„Warum?“, fragte sie und sah einem Wassertropfen dabei zu, wie er über seine seidig zart aussehende Haut hinabglitt. Seine Muskeln wirkten wie gezeichnet. Als wäre er eine lebendig gewordene Statue eines antiken griechischen Künstlers. Nur mühsam gelang es Haily dem Drang zu wiederstehen, dem Tropfen auf seinen Weg hinab mit der Zunge zu folgen. Sie wollte Dean berühren und seinen Körper erkunden. So sehr, dass ihre Hände verlangend zu kribbeln begannen.

Er legte einen Zeigefinger unter ihr Kinn und hob ihren Kopf an, bis sie ihm in die schmerzhaft schönen Augen sah. Er ließ ihren Blick nicht los, während er mit einer zärtlichen, beinahe intimen Geste eine Strähne aus ihrer Stirn strich und die Finger in ihr Haar schob. „Weil ich dich will. Seit zwei Monaten. Seit du vor mir im Fahrstuhl gestanden und an das Gleiche wie ich gedacht hast.“

Ihre Knie verloren eindeutig an Festigkeit. „Hab ich nicht.“ Sie stöhnte. Gott, sie war eine Anwältin und hatte gerade ein perfektes Schuldgeständnis abgeliefert. Denn eigentlich hätte sie fragen müssen, was er gedacht hatte. So wie er sie ansah, war jedoch offensichtlich, dass seine Gedanken nicht weit von traumhaftem Fahrstuhlsex entfernt gewesen waren. „Ich habe mich auf meinen Mandanten vorbereitet.“

Dean griff nach ihr und zog sie an sich. Und sie ließ es geschehen. Es war unmöglich für sie, sich abzuwenden und ins Haus zu gehen. Sie konnte ja nicht einmal mehr atmen.

Seine Lippen senkten sich auf ihre. Fast. Drei verfluchte Millimeter fehlten und ihr blieb das Herz beinahe stehen. Sie ertrank in ihrem Durst nach seinem Kuss. Ertrank in der Sehnsucht danach, sich in sein Zungenspiel fallen zu lassen.

„Haily“, murmelte er und sie erschauerte. Ihr Name klang aus seinem Mund wie eine Liebkosung ihrer verborgenen Weiblichkeit. Mit starken warmen Fingern, die sündig verdorbene Spiele kannten. „Ich bin vielleicht vieles nicht, was ich sein sollte. Aber ich bin ein verdammt guter Ermittler. Ich sehe es, wenn mich jemand anlügt.“

Soviel dazu, dass er sie mit einer Ausrede davonkommen lassen würde. Eine seltsame Gefühlsmischung, die aus Wut, Scham und Verlangen bestand, begann durch ihre Adern zu kriechen. Sie fühlte sich ertappt und das war überhaupt nicht angenehm. „Du solltest dir einen Blindenhund zulegen“, sagte sie und löste sich von ihm. Mit drei Schritten hatte sie die Terrassentür erreicht und fand sich einen Atemzug später an der zweiten Tür wieder. Mit Deans heißem Körper vor ihr und dem kühlen Glas auf ihrem Rücken. Schauder rasten über ihre Haut, als sie die Mischung aus Lust und Verärgerung in seinen Augen aufblitzen sah. Wie ein Inferno in der Nacht. Gewaltig, zerstörend und brennend heiß.

Seine Lippen trafen ihre. Fordernd glitt seine Zunge in ihren Mund und sie war verloren. Hatte sie je eine Chance auf Sieg gehabt? Nicht bei diesem Mann. Nicht bei seinem wilden Verlangen, dass sie hart an ihrem Unterleib spürte.

Halt suchend klammerte sie sich an seinen muskulösen Oberarmen fest. Sein Becken drückte sie an das Glas, während seine Zunge mit ihrer spielte. Beinahe brutal und doch zärtlich. Zielgerichtet und trotzdem sanft. Als wenn seine Träume den Drang in ihm zurückgelassen hatten, ihren Mund in Besitz nehmen zu müssen.

Gott, sie wollte, dass es so war. Dass er verhungerte, wenn er nicht von ihr kosten konnte. Verrückt! Irrsinnig! Und dennoch so surreal sündig, dass sie sich nicht dagegen wehrte. Dies war nicht ihr Leben. Dies war ein Traum. Einer für ein paar Tage. Die sie einmal - weit entfernt von ihrem stickigen Büro - genießen wollte.

Sie stöhnte und presste sich fester an ihn, doch es war nicht genug. Sie wollte ihn auf jedem Zentimeter ihres Körpers spüren. Ihre Brüste waren heiß und ein süßes Ziehen wanderte von ihnen in ihren Schoß, als sie durch den Stoff des Oberteils seine Haut fühlte.

Seine Hände landeten auf ihren Hüften, folgten den Rundungen und fanden die Schleifen ihres Bikinihöschens. Dean zupfte an ihnen, beinahe spielerisch, indes wusste sie, dass nichts was er tat, ein Spiel war.

Oh bitte öffne sie! Wie ein Echo hallte ihr stummer Ruf durch ihr Inneres. Sie wollte ihr Becken kreisen, ihn zwischen ihren Körpern reiben und doch verschwand ihr Anflug von Ruchlosigkeit, bevor sie den Wunsch in die Tat umsetzen konnte. Sie war eher die solide. Die Frau für eine Beziehung und keine für einen One-Night-Stand. Und wieso konnte sie dann nicht gehen? Weshalb konnte sie ihn nicht von sich stoßen?

„Sag mir, warum du Green als Mandanten abgegeben hast.“ Seine Lippen schwebten über ihren. So verführerisch weich. So verführerisch feucht von dem feurigen Kuss. „Hat er gestanden und du konntest es nicht mit deinem Gewissen vereinbaren, ihn weiter zu vertreten?“

Seine Worte rissen sie wie eine kalte Dusche aus ihrer sinnlichen Lust. Von Kopf bis Fuß zitternd legte sie die Hände auf seine Brust und drückte ihn von sich. „Verdammt, Dean, Anwaltsgespräche sind vertraulich. Das solltest du wissen.“ Ein Beben durchlief sie, denn sie begriff, dass es ihr schwerfallen würde, ihm gegenüber zu schweigen. Green hatte während ihrer Gespräche kein Geständnis abgelegt, aber die Erleichterung, die sie deshalb verspürte, besaß einen ekligen Beigeschmack. Denn selbst wenn er es getan hätte, hätte sie Dean nichts sagen dürfen. Das wusste er und das wusste sie. Dennoch stellte er eine Versuchung dar, es trotzdem zu tun.

Er fuhr sich durch das Haar. Wieder und noch einmal, als wollte er sich beruhigen. Doch sie bemerkte, wie rasend schnell der Puls in seinen Schläfen pochte. „Green ist freigesprochen worden.“ Messerscharf wie eine Anklage schwebten seine Worte zwischen ihnen.

„Ich habe ihn nicht freigesprochen.“ Zum Teufel, wenn es nach ihr gegangen wäre, würde dieses Schwein bis an sein Lebensende kein Tageslicht mehr sehen. Die Beweise ließen keine Bedenken zu, dass er der Täter war und doch war er wegen der zweifelhaften Aussage seiner psychisch kranken Frau freigesprochen worden.

„Die Geschworenen haben das Urteil gefällt“, fügte Haily an.

Deans Augen wurden schmal und plötzlich fröstelte es sie. Die Luft um sie herum schien durch seine Wut abzukühlen und das in Rekordgeschwindigkeit. „Ist es so einfach für dich? Die Geschworenen haben ihn freigesprochen und fertig?“

Alles in ihr erstarrte. „Du kennst mich nicht“, brachte sie hinaus und schluckte ihre Tränen hinunter. Seine Anklage schmerzte sie. Tief, richtig tief. Als hätte er ihr ein Messer ins Herz gestoßen. „Kein bisschen.“

Sie fuhr herum und rannte ins Haus. Sie wollte nicht, dass er sah, wie verletzt sie war. Dass er sah, wie sehr sie sich nach seinem Vertrauen sehnte und danach, sich an ihn anlehnen zu können. Weil sie in manchen Momenten schwach war. Er könnte ihr Halt geben, denn seine Stärke reichte für sie beide. Die Frage war nur, ob er das mit seinem Gewissen vereinbaren konnte. Dean war ein Cop. Durch und durch - und sie liebte ihren Job.

3. Kapitel

Dunkelheit umhüllte die Villa, als Haily ihr Handy in der Handtasche verpackte, das Minikleid glatt strich und die Tür ihres Schlafzimmers öffnete. In der Nähe gab es ein paar Restaurants, die sie mit ihrem Mietwagen schnell erreichen konnte. Und falls sie da keinen Platz mehr bekam, war sie in fünfzehn Minuten in Puntarenas.

„Hi.“

Nach dem Streit mit Dean hatte sie geglaubt, weniger empfänglich für den vibrierenden Bass in seiner Stimme zu sein, doch sie irrte. Gewaltig. Selbst diese kurze Tonfolge streichelte sie und hinterließ einen aufsteigenden Schwarm Schmetterlinge in ihrem Bauch.

Er lehnte an der Terrassentür und sah mit seinem aufgeknöpften königsblauen Hemd und der Stoffhose mit den cremefarbenen Ziernähten so verführerisch heiß aus, dass sie ihn augenblicklich auf das kühle Laken ihres Betts drücken wollte.

„Hi.“

Sein Blick suchte ihren und hielt ihn fest, als wollte er ihn nie wieder loslassen. „Wollen wir noch einmal von vorn anfangen?“

Ihre Augenbrauen rutschten nach oben. Sie hatte mit vielem gerechnet, aber nicht mit diesem Friedensangebot. „Im Fahrstuhl?“

Ihre Worte entlockten ihm ein leises Lachen. „Bei unseren Gedanken?“

Haily ging zum Esstisch und stellte ihre Handtasche darauf. „Erst du.“ Schließlich war ein Friedensangebot noch lange keine Entschuldigung.

„Nach dem Essen“, murmelte er, kam zu ihr und hielt ihr den Arm hin. Die Frage, wohin er sie zum Dinner ausführen wollte, erübrigte sich, als ihr Blick auf die Terrasse fiel. Kerzen beleuchteten den Tisch, auf dem glänzende Rotweingläser, lupenreines Geschirr und eine Vase mit exotischen Blumen stand. „Wow.“ Hatte er das für sie vorbereitet? Verblüfft erstarrte sie. Dieser Mann machte es ihr gerade schwer, auch nur ansatzweise auf ihn böse zu sein.

„Es gibt Tunfischsteak auf einem Reisbett und dazu eine Auswahl an Gemüse.“

„Verwöhnst du alle Frauen, die du in deinem Bett haben willst, so?“, fragte Haily und biss sich in die Unterlippe. Die Vergangenheit zählte nicht, denn das war ein Traum. Das durfte sie nicht einen Moment vergessen.

Er zog sie an sich und sie ertrank in dem unglaublichen Blau seiner Augen. „Nur die, die ich so sehr will, dass es schmerzt.“

„Schmerzt?“, echote sie, ergriff seinen Arm und folgte ihm auf die Terrasse. Sein Duft umschmeichelte ihre Nase. Starke Männlichkeit gepaart mit verspielt sündiger Lust. „Warum hast du mich nicht angerufen?“ Er wusste, wo sie arbeitete, es wäre ein Leichtes für ihn gewesen, ihre Telefonnummer herauszubekommen.

Dean zog sich zurück, um ihr einen Stuhl zurechtzurücken. Er goss Rotwein ein, setzte sich an die rechte Seite des Tisches und reichte ihr ein Glas. „Weil ich das Gefühl hatte, dich mit einem Anruf in die Ecke zu drängen.“

Er stieß mit ihr an und Haily trank ein paar tiefe Schlucke von dem vorzüglich süßen Wein. „Und jetzt hast du das Gefühl nicht mehr?“

Er stöhnte. „Wenn ich an dich denke, ist nichts mehr logisch“, sagte er und stand auf. Er verschwand in der Küche und Haily bekam den Gedanken nicht aus dem Kopf, dass er wesentlich mehr hatte sagen wollen, jedoch die Worte hinunterschluckte. Dieses Essen sollte eine Entschuldigung und eine Verführung sein. Er wollte Sex und sie, wenn sie ehrlich war, auch. Worte verloren da an Bedeutung. Aber was, wenn er ihr das geben konnte, wozu kein Mann zuvor in der Lage gewesen war? Einen Orgasmus, der ihr den Kopf wegblies. Der ihren Verstand verscheuchte, bis sie nur noch ihn spürte.

Der Moment, als Dean aus dem Pool geklettert war, tauchte in ihren Erinnerungen auf und zwischen ihren Beinen begann es verheißungsvoll zu pochen. Wenn er mit dieser stolzen Männlichkeit in sie eintauchte, würde sie vermutlich mit einem Stöhnen auf den Lippen die Nägel ins Laken krallen. Haily presste die Schenkel zusammen. Ihn zu fühlen, würde ein Erlebnis sein, dass sie nie wieder vergaß.

Dean kam mit den Tunfischsteaks zurück. Obwohl sie glaubte, dass das süße Pochen in ihrem Unterleib ihre Sinne für alles andere blockieren würde, verursachte ihr jeder Bissen ein köstliches Geschmackserlebnis. Es war, als verstärkte der Fisch die Lust, die ihren Körper in Wellen durchlief. Genießerisch leckte sie sich über die Lippen.

Mit einem seltsamen Lächeln auf den Mundwinkeln umfasste Dean ihr Gesicht. „Du siehst aus, als würdest du gleich einen Orgasmus bekommen.“

Derart ertappt stieg ihr Hitze in die Wangen. Dean sah allerdings nicht aus, als würde ihn der Gedanke entsetzen, eher, als würde er ihn erregen. Haily senkte die Wimpern ein Stück und sah ihn mit leicht geneigtem Kopf und einem hoffentlich verruchten Blick an. „Und du würdest ihn genießen?“

Er musterte sie mit Augen, in denen sich das Kerzenlicht flackernd spiegelte. „Mit jeder Faser meines Körpers.“

„Hast du deshalb das Essen zubereitet?“

Er nahm ihr das Besteck aus den Fingern, legte es auf ihren leeren Teller und zog sie seitlich auf seinen Schoß. „Auch. Und wegen ein paar anderer Dinge.“

„Wegen süßem Rotwein?“, fragte sie neckend und strich mit den Fingerspitzen über die nackte Haut, die sein offenes Hemd preisgab. Ihr Puls klopfte in ihren Schläfen, als sie ihm das Seidenhemd von den Armen streifte. Nicht schnell, wie sie es vorgehabt hatte, sondern Zentimeter für Zentimeter. Seinen Körper zu betrachten war ein Genuss, der jede verstreichende Sekunde wert war.

Als sie das Hemd fallen ließ, glitten seine Hände in ihren Nacken und er zog sie näher. „Rotwein, den ich von deinen Lippen lecken will.“ Spielerisch begann er Küsse auf ihre Mundwinkel zu hauchen, bevor er fast behutsam ihre Lippen öffnete und mit seiner Zunge über ihre strich.

„Verführerisch süß“, murmelte er, während seine Hand über ihren Arm nach unten sank und auf ihrem Knie liegen blieb. Haily erschauerte.

„An was hast du im Fahrstuhl gedacht?“, fragte sie und erbebte, als sein heißer Blick über ihr Gesicht glitt und sich auf ihren Lippen verfing. War es das gedämpfte Kerzenlicht, oder wurden seine Augen tatsächlich dunkler?

Mit zwei Fingern strich er ihr eine Haarsträhne über die Schulter und betrachtete die Haut, die er entblößt hatte. „Wie heftig dein Puls unter meinen Lippen hämmern würde, wenn ich mich von deiner Halsbeuge an zu deinem Ohr küsse“, sagte er leise und beugte den Kopf zu ihr. Seufzend neigte sie ihren zur Seite und Dean belohnte sie dafür mit heißen Küssen auf ihrem Hals, bis er ihr Ohrläppchen erreichte und es in seinen warmen Mund saugte. Haily entfuhr ein Stöhnen. „Und wie sich deine Beine anfühlen, wenn du sie mit über den Hüften geschobenen Rock um mich schlingst.“

Er atmete tief ein und führte seine Finger Schlängellinien malend zur Innenseite ihres Oberschenkels. Ihr Mund trocknete aus. „Sag mir, wenn ich aufhören soll. Ich kann es sonst nicht.“

Seine Worte schickten Hitze und ein sündiges Pulsieren zwischen ihre Schenkel. Ich kann es sonst nicht! Welche Frau schmolz bei solchen Worten von einem solchen Adonis nicht dahin? Hailys Kopf sank in den Nacken, als sich seine Finger höher tasteten. Ihr Atem wurde schwer und sie musste sich an seinem Oberarm festklammern.

„Soll ich aufhören?“ Seine Stimme war ein raues Flüstern. Eins, von dem sie oft in der Dunkelheit der Nacht geträumt hatte.

„Nein. Nicht aufhören. Bitte!“ Sie öffnete die Beine für ihn. Jeder Zentimeter kam ihr wie ein beinahe dekadenter Moment vor. Ein Traum, völlig abseits ihres normalen Lebens. Und doch wollte sie, dass er sie berührte. Dass seine Finger den Punkt fanden, der feucht und heiß auf ihn wartete. Bereit für seine Erkundungen, deren Vorahnungen Haily seufzend die Lider schließen ließ.

„Ich könnte dir ewig zuhören, wenn du nicht aufhören sagst“, flüsterte er an ihrem Ohr, als er mit dem Mittelfinger über die Naht ihres Spitzentangas strich. Und hielt den Atem an. „Gott, Haily. Du machst mich wahnsinnig, weißt du das?“, stöhnte er an ihrem Hals und glitt mit den Zähnen über ihre Haut.

Sein Eingeständnis klang danach, als wäre das nie zuvor geschehen. Als wäre sie die einzige Frau, die in der Lage war, seinen Verstand zu verscheuchen.

Haily drängte sich seiner Hand entgegen und sein Mittelfinger begann, kleine Kreise um ihre angeschwollene Klitoris zu malen. Wieder und noch einmal, bevor sein Finger unter die Spitze tauchte und ihre feuchten Lippen teilte, die ihren intimsten Punkt verbargen.

Ihr Mund fand seinen, während er sie liebkoste. Vor und zurückglitt. Neckend, zärtlich, verspielt. Keuchend löste sie sich aus dem Kuss. Immer wieder glitt sein Finger genüsslich durch ihre Nässe. Als würde dieser Moment alles sein, was Dean je gewollt hatte.

Und Haily begriff, dass sie vollständig verloren war. Diese Lust, die er ihr schenkte, übertraf alles zuvor. Übertraf jede vorangegangene Nacht, jeden Augenblick der Ekstase. Kein anderer war wie er. Keiner hatte je auch nur geahnt, was sie wollte und brauchte. Ein Wimmern flüchtete über ihre Lippen, als sie ihm ihr Becken entgegenschob. Mehr, oh bitte.

Sie blieb stumm und doch erhöhte er ihren lautlosen Ruf. Ein Fingerpaar stieß in sie, sein Daumen liebkoste kreisend ihre Klitoris. Sein Rhythmus war vollkommen dekadent und raubte ihr den Atem. Immer wieder brachte er sie bis kurz vor den Höhepunkt, um sich dann zurückzuziehen. Wieder und wieder schenkte er ihr einen Trip, der aus Adrenalin und überwältigender Lust bestand, um sie dann kurzfristig mit sanften Küssen zu beruhigen.

„Dean!“ Sie schmolz dahin und war nur noch Wachs in seinen Fingern. Er verführte sie und nahm sie in Besitz, als ob er alles von ihr haben wollte. Ihren Körper und ihre Seele und sie war nicht in der Lage, ihm beides zu verwehren.

„Sieh mich an“, bat er mit rauer Stimme und schlang den freien Arm um ihren Rücken. Sie wollte nach seinem Gürtel greifen, doch er schüttelte zu ihrer Verwunderung den Kopf. „Schenk mir diesen Moment.“

Haily versuchte, die Bedeutung seiner Worte zu erfassen, aber da war nur undurchsichtiger Nebel in ihrem Kopf. „Warum?“

„Weil ich dich will“, erwiderte er und küsste sich zu ihrer Brust hinab. Durch den Stoff ihres Kleides saugte er ihren harten Nippel in den Mund und stieß im gleichen Moment ein Fingerpaar in sie. Ein Lustpfeil raste durch ihren Körper und schien sich in glänzenden Lichterfunken zu entladen. Haily kam derart heftig, dass sie nichts mehr wahrnahm. Nur die Wellen, die berauschend ihr Inneres durchtanzten, als würden sie nie enden wollen.

Deans Lippen fanden ihre. Sein feuriger Kuss war dennoch so zärtlich, dass sie die Sehnsucht überfiel, hier für immer mit ihm sitzen zu können. In dieser Welt, die ein kurzer Traum war. In der die Luft nach Salzwasser und exotischen Blumen schmeckte. In der Dean süßen Wein von ihren Lippen leckte und sie ansah, als wäre sie die Frau für ihn, mit der er als Einziges den Traum teilen wollte, den er seit Jahren hatte.

Haily zuckte zusammen. Angst durchfuhr sie kalt. Hatte sie sich verliebt? Entsetzen drückte ihr jäh tonnenschwer auf den Brustkorb. Sie hatte. Schon vor Wochen. Schon im Fahrstuhl. War sie verrückt?

„Was hast du?“

Seine leise besorgt klingende Stimme trieb ihr Tränen in die Augen. Wie hatte sie nur vergessen können, dass dies kein Traum, sondern die Realität war? Die Wirklichkeit, in der sie auf verschiedenen Seiten standen. Seiten, die immer für Streit sorgen würden.

Wut auf ihre eigene Schwäche und Dummheit ließ Haily hochfahren. „Es tut mir leid“, brachte sie hinaus. „Ich kann das nicht.“ Sie konnte nicht, doch sie wollte. So verzweifelt, dass ihr Herz beinahe stehen blieb.

Zwei Sekunden vergingen, bevor in Deans Augen eine Mischung aus Verletzlichkeit und Enttäuschung auftauchte. Wie Messer fuhren ihr seine Gefühle durch den Körper. Er fühlte sich ausgenutzt und zurückgewiesen und sie konnte nichts tun, außer ins Haus zu laufen und zu hoffen, dass er ihr irgendwann verzeihen würde.

4. Kapitel

Verzweifelt zog Haily die Decke über den Kopf, um die Morgensonne auszublenden, die Gold glitzernd höher stieg. Das Licht blendete ihre schmerzenden Augen und erinnerte sie daran, dass sie sich nicht bis zu ihrem Rückflug unter der Bettdecke verstecken konnte. Was hatte sie getan? Noch jetzt sah sie die Verletzlichkeit auf Deans Gesicht. Sah den Schmerz über ihre Zurückweisung in dem Blau seiner Augen und in dem harten Zug, der in seinen Mundwinkeln auftauchte. Fünf Minuten, nachdem sie in ihr Zimmer geflüchtet war, fiel die Tür seines Schlafzimmers ins Schloss und Wasserrauschen hallte in der Villa wider.

Haily schob die Decke beiseite, sprang aus dem Bett und schlüpfte in einen Bikini. Die halbe Nacht hatte sie überlegt, ob sie mit ihm reden und die Situation erklären sollte. Nur wie sollte sie das, ohne ihm zu sagen, dass sie sich verliebt hatte? Dass sie auf zwei entgegengesetzten Seiten standen, spielte bei bloßem Sex keine Rolle. Sie sehnte sich jedoch nach mehr, als intime Treffen für ein paar Nächte.

Auf der Innenseite ihrer Wange kauend, ging Haily zur Tür und öffnete diese. Auf keinen Fall würde sie Dean Ausreden vor die Füße werfen. Sie musste so nahe an der Wahrheit bleiben, wie irgend möglich.

Das Wohnzimmer war leer, ebenso wie die Terrasse und der Pool. In der Küche fand sie eine benutzte Tasse in der Spüle und Kaffee in der Thermoskanne. Es war zu viel, um ein Rest zu sein. Hatte Dean für sie mitgekocht? Haily nahm sich eine Tasse, goss den Kaffee ein und ging zu seinem Schlafzimmer. Hinter der Tür schien alles ruhig zu sein, dennoch klopfte sie. Auch nach dem dritten Mal bekam sie keine Antwort, weshalb sie zum Sofa lief und sich darauf setzte. Unter dem Tisch entdeckte sie auf einer Holzplatte zahlreiche Flyer. Eine halbe Stunde blätterte sie sich durch den Stapel und entschied sich dann schweren Herzens für einen Bootsausflug. Sie wollte gern mit Dean reden, um sich zu entschuldigen, auch wenn es für ihr Verhalten keine Entschuldigung gab. Nur war er nicht da und sie ahnte, dass er mit der Absicht, sich abzulenken, das Haus verlassen hatte.

∞

Als die Flussmündung des Tarcoles vor Haily auftauchte, lehnte sie sich fasziniert über die Reling des Bootes. Auf den Ästen oder unter den Wurzeln der Mangrovenbäume entdeckte sie Kolibris, Reiher, Fischadler, Pelikane und Störche. Die Vogelvielfalt ließ sie ihren Kummer für Momente vergessen und zahlreiche Fotos mit ihrem Handy schießen. Auf der Fahrt bis hierher hatte sie ihren spontanen Entschluss bereut, das Haus zu verlassen. Andererseits brachte es auch nichts, den Tag grübelnd am Pool zu verbringen.

Seufzend verpackte Haily ihr Smartphone in der Tasche und blickte zu zwei Krokodilen, die mit offenem Maul in der Sonne dösten. Irgendwie fühlte sie sich, als wäre sie eins dieser Reptilien. Sie sahen nicht aus, als wären sie gefährlich und doch konnten sie innerhalb von Sekunden einen Menschen schwer verletzen oder gar töten. Sie hatte Dean verletzt. Hatte ihn in seiner Erregung allein gelassen und war selbstsüchtig in ihr Zimmer gelaufen. Stöhnend strich sich Haily einige Strähnen aus dem Gesicht. Dabei hatte er sie fliegen lassen, wie keiner vor ihm. Hatte ihr Augenblicke geschenkt, die sie mit keiner früheren Erinnerung vergleichen konnte. Und als Dank dafür ließ sie ihn angetörnt zurück. Klasse! Was war aus ihr geworden? Hatte sie überhaupt noch ein Herz in der Brust? Sicher fühlte sie es schlagen, nur fragte sie sich, ob es noch zu Verständnis und tieferen Gefühlen fähig war.

Haily senkte den Blick auf ihre Sneakers. Konnte und durfte sie Gewissensbisse zulassen? Wenn sie bei ihren Eltern war und deren Leben mit dem verglich, was diese früher hatten, dann verschwand die Frage schnell aus ihrem Kopf. Ja, Schuldgefühle zu verdrängen, hatte einen Preis. Einen, den sie bereit war zu zahlen. Ihre drei Jahre jüngere Schwester war aufgelebt, seitdem sie die richtigen Asthmamedikamente bekam. Sie hatte jetzt sogar einen Freund und plante mit ihm die Gründung einer Familie. Vor zehn Jahren wollte Alice nicht einmal ans nächste Jahr denken. Weil sie zu viel Angst gehabt hatte, es nicht zu erleben.

Haily war acht gewesen, als sie sich schwor, dass es ihren Eltern eines Tages wieder besser gehen würde. Sie hatten alles verkauft, was sie besaßen, um den Kredit zurückzahlen zu können, mit dem sie Onkel Tobys Schulden beglichen. Spielschulden. Jahrelang verkauften sie jeden Apfel, den sie ernteten und versetzten selbst den uralten Traktor ihres Grandpas. Sie behielten nichts für sich, um die hohen Raten zahlen zu können. Der Bruder ihres Dads hingegen ließ sich nie wieder auf dem Hof ihrer Eltern blicken. Heute war er ein Investmentbanker und fuhr mit einem Mercedes, der Ledersitze und getönte Scheiben besaß, durch Chicago.

Als das Boot an einem Steg anlegte, fröstelte es Haily plötzlich. In all den Jahren hatte sich nichts an ihrem Schwur geändert. Sie würde alles für ihre Eltern und Alice tun. Nur hatte sie den richtigen Weg gewählt? Für ihre Familie sicher, nur was war mit ihr? Hätte sie die Stelle bei Smith & Willbanks angenommen, wenn sie in einem Vorstadthaus mit zwei Millimeter hohem Rasen aufgewachsen wäre?

∞

Zweifelnd warf Haily einen Blick zu dem Korb, der auf ihrem Beifahrersitz stand. Wollte sie das wirklich tun? Sich bei Dean entschuldigen ja, aber mit einem Essen? Dieser Idee haftete der Beigeschmack des vergangenen Abends an und irgendwie hinterließ dieser ein bitteres Aroma auf ihrer Zunge.

Haily parkte ihren Mietwagen vor der Villa, stieg aus und ging ins Haus. Kaum landete die Tür im Schloss, stoppte sie ein weibliches Lachen, dass aus Deans Schlafzimmer kam. Jäh erstarrte sie zu einer Salzsäule. Erneut erklang dieses Lachen, vermischt mit Deans Stimme. Jeder Ton bohrte sich in ihre Haut und schickte Enttäuschung durch ihre Adern. Die ganze Nacht und den ganzen Tag hatte sie sich wegen ihm den Kopf zerbrochen und sich mies gefühlt und er vergnügte sich derweil mit einer anderen?

Ein merkwürdiger Ton schlüpfte über ihre Lippen und irgendetwas brach in ihr. Etwas, dass wie ein Damm lange aufgestaute Gefühle zurückgehalten hatte. Das gesamte Chaos begann ihr Inneres zu überfluten, als wäre es ein überschäumender Fluss. Ernüchterung und Wut vereinten sich mit Eifersucht und der schmerzhaften Erkenntnis, dass sie für Dean nur eine nette Abwechslung gewesen war. Eine, die eben gerade zur Verfügung stand und sie hatte, dumm wie sie war, seine Worte für bare Münze genommen.

Hailys Starre löste sich. Sie eilte zum Kühlschrank, verpackte die Lebensmittel darin und lief geradewegs in ihr Zimmer. Sie wusste, dass sie sich beruhigen musste, weil sie in diesem Zustand einfach nicht klar denken konnte. Doch ihr Hals war wie zugeschnürt und ihr Herz pumpte mit jedem Schlag noch mehr Adrenalin und Wut durch ihren Körper. Sie fühlte sich betrogen, obwohl irgendwo in einer dunklen Ecke ihres Kopfes die Frage auftauchte, wieso. Haily schnaubte. Was sich ziemlich merkwürdig und fremd anhörte, aber unendlich gut tat. Nur hielt das Gefühl nicht lange an. Es tat so weh. Diese Frau in seinem Zimmer tat so verdammt weh.

Tränen glitten über ihre Wangen, als sie fast blindlings durch das Zimmer lief. Sie wollte, dass der Schmerz aufhörte. Er war beißend und …

Haily fuhr herum und kniff die Augen zusammen. Eine verlockend süße Idee formte sich in ihrem Kopf. Ja, wieso nicht? Warum sollte sie ihm nicht zeigen, was er verpasste?

Noch bevor sie richtig nachgedacht hatte, eilte sie in ihr Bad, schlüpfte aus Shorts und Top und cremte sich ein. Danach nahm sie ein Strandtuch und ging nackt zum Pool.

Die Abendsonne verlor sich bereits hinter den Bäumen, eine halbe Stunde blieb ihr jedoch noch zum Sonnenbaden. Auf dem Esstisch entdeckte sie den Wein von gestern Abend. In der nicht zu heißen Sonne liegen und dazu ein Glas Wein genießen, kam ihr gerade erfrischend frivol vor. Sie eilte in die Küche, nahm sich ein bauchiges Weinglas und goss sich auf der Terrasse ein. Dabei war sie sich bewusst, dass Dean sie durchaus durch die bodentiefen Fenster in seinem Zimmer sehen konnte. Das sollte er ja auch, oder nicht?

Ihre Hüften wiegten sich in einem seltsamen Takt, als sie zur Decke zurückging. Sorgfältig drapierte sie ihr Haar wie ein Fächer hinter sich und schloss die Lider.

Kaum war die Welt um sie herum ausgesperrt, schoss ihr vor Scham Hitze in die Wangen. Sie war von einer Feme fatale so weit entfernt, wie die Erde zur Sonne. Zu was zum Teufel hatte sie sich in ihrer Wut verleiten lassen? Haily wurde beinahe schlecht. Sie fuhr hoch und blickte geradewegs in die funkelnden Augen von Dean. Er war wütend und zwar so sehr, dass die Luft um ihn herum zu flimmern schien.

„Ich hatte Besuch“, sagte er und atmete tief durch, während sein Blick über ihren Körper glitt. Langsam, viel zu langsam. Als ob er sich jedes Detail einprägen wollte.

Haily unterdrückte augenblicklich den Drang, sich in die Decke zu wickeln. In manchen Situationen war sie zwar ein Feigling, aber ein Rückzieher kam nun nicht infrage.

„Hatte?“ Erst jetzt begriff sie die Bedeutung des Wortes. War sein Betthäschen verschwunden, noch bevor die Sonne unterging?

„Ja, hatte“, grollte Dean und schlüpfte aus seinen Shorts, unter der er nichts außer Haut trug.

„Was machst du da?“, quiekte sie beinahe. Gott, sein nackter Oberkörper war schon kaum zu ertragen. Der Rest von ihm würde ihr erneut den Verstand rauben.

„Ich hatte vor in den Pool zu springen“, erklärte er und ließ die Hose vor der Decke fallen. „Das macht sich nicht gut mit Sachen.“

„Dafür gibt es Badehosen“, erwiderte sie und lenkte ihren Blick zur Terrasse. Mühsam fixierte sie den Esstisch an und versuchte das süße Pochen in ihrem Unterleib zu ignorieren. Shit. Ihre Idee hatte sie direkt in eine Katastrophe geführt. Noch mehr davon und sie hatte erneut verloren.

„Sicher gibt es die“, entgegnete Dean mit einem Anflug von Heiterkeit in der Stimme, was sich zwischen seiner Wut ziemlich merkwürdig anhörte. „Es ist nur so, dass ich keine eingepackt habe. Weil ich geglaubt habe, sie hier nicht zu brauchen.“

Haily schluckte einen bissigen Kommentar hinunter, der in die Richtung zielte, dass Badehosen Tonnen wogen. Er hatte keine eingepackt, was sein gutes Recht war. Schließlich hatte er glaubt, die Villa für sich allein zu haben.

„Rick konnte übrigens kaum den Blick von dir abwenden.“

Haily erstarrte. „Welcher Rick?“, fragte sie atemlos.

„Mein Freund“, antwortete Dean mit einer Gleichmut in der Stimme, die all ihre Härchen auf dem Körper aufrichtete.

„Er … er war hier?“

„Mit seiner Freundin Carmen. Eine Einheimische, mit der er seit fast fünf Jahren zusammen ist. Ich fliege ein bis zwei Mal im Jahr nach Costa Rica, um die beiden zu besuchen.“

Oh mein Gott! Haily wurde schlecht. Vor Scham begannen ihre Wangen zu glühen. Tränen traten in ihre Augen, als sie aufstand. Wie eine Schlafwandlerin ging sie auf das Haus zu und suchte dabei nach einem Mäuseloch, in das sie kriechen konnte.

„Haily, warte.“ Deans Hand schloss sich um ihre. Stark und warm und brachte das trügerische Versprechen mit, dass sie sich an seiner Schulter anlehnen und ausweinen könnte.

„Bitte, lass mich los“, wisperte sie ohne ihn anzusehen.

„Denkst du wirklich, ich lasse zu, dass dich ein anderer Kerl nackt sieht?“

„Du hast doch gerade gesagt …“

Bevor sie blinzeln konnte, hatte er sie herumgedreht und hob mit einem Finger ihren Kopf an. Haily konnte ihm jedoch nicht in die Augen sehen. Ihre Wut war gänzlich verraucht und sie fühlte sich derart töricht, dass sie vor Scham erneut errötete.

„Als du nackt auf der Terrasse aufgetaucht bist, hab ich mich vor Rick gestellt, der kleiner als ich ist. Er hat dich nicht gesehen, nicht mal einen Zentimeter deiner Haut“, sagte er leise und drehte ihren Kopf behutsam, bis sie ihn ansah. „Ich war sauer. Tut mir leid, was ich über Rick gesagt habe. Das war dumm von mir. Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Wenn es um dich geht, bin ich zu keinem logischen Gedanken mehr fähig.“

Sie auch nicht, aber wenn sie das jetzt sagte, waren sie Ruck Zuck beim gestrigen Abend. „Sind die beiden meinetwegen gegangen?“, fragte Haily und biss sich auf die Unterlippe. Warum machte sie vieles im Leben falsch? Ein weibliches Lachen, und sie drehte durch. Wo sollte das noch hinführen?

„Nein, sie wollten eh gehen“, antwortete Dean und schob sich näher zu ihr. „Sie wollten nicht stören.“

Tief atmete Haily ein. „Es tut mir leid, dass ich dich gestern …“ Sie suchte nach Worten, aber wie immer in seiner Nähe war ihr Kopf leer wie ein weißes Blatt Papier. „So angetörnt zurückgelassen habe.“ Sie senkte den Blick auf das Wasser des Pools und wurde sich schlagartig bewusst, dass sowohl Dean als auch sie nackt waren. Sie stöhnte und konnte nichts dagegen unternehmen, dass ihr Körper auf diese Tatsache mit einem Kribbeln reagierte.

„Aber?“, fragte er leise und verflocht die Finger mit ihrem Haar.

Gott! Es war so leicht ihm jetzt zu sagen, dass sie sich verliebt hatte. Und dann? Gefühle machten alles nur noch schlimmer. Denn sie verliehen diesem Traum einen Hauch Ernst. „Du bist ein Cop und ich verteidige die, die du hinter Gitter bringen willst“, brach es über ihre Lippen. „Ich kann nicht noch einmal einen Fall abgeben.“

Er kniff die Augen zusammen. „Du hast es wegen mir getan?“

„Ja.“ Und nein. Wenn sie Green weiter vertreten hätte, wäre sie versucht gewesen, zu verlieren. Einerseits, weil Green weggesperrt gehörte und andererseits, weil …

Heiße weiche Lippen legten sich auf ihre und Hailys Gedanken zerfaserten. Unendlich zärtlich öffnete Dean mit der Zunge ihren Mund und kostete von ihr. Immer und immer wieder. Als hätte er ihren Geschmack in den wenigen Stunden vergessen.

Starke Arme schlossen sich um ihren Rücken und drückten sie an einen muskulösen Körper, der zu viel Sehnsucht und Verlangen in ihr zurückließ. Ihre harten Nippel rieben über seine seidig weiche Haut, die Schauder über ihren Rücken schickte und ein süßes Ziehen in ihrem Bauch hinterließ.

Fordernd begann sich seine Zunge mit ihrer zu duellieren. Seine Hände sanken auf ihren Hintern und umfassten besitzergreifend ihre Pobacken, während er seinen Unterleib an sie drückte. Die harte verführerische Versuchung an ihrem Schoß ließ Haily stöhnen. Sie grub die Finger in Deans Haar und kreiste ihr Becken. Erst langsam und dann immer schneller. Er fühlte sich so gut an, dass sie bei ihren Bewegungen vollkommen die Kontrolle verlor.

Schwer atmend löste er sich von ihren Lippen. „Haily“, raunte er und hob ihr Bein an, um es um seine Hüfte zu legen. „Nicht eine Sekunde habe ich im Fahrstuhl gedacht, es könnte so mit dir sein“, sagte er und ließ die Hand zu ihrem Po zurückgleiten und von dort zu ihrer pulsierenden Mitte. Sein Finger glitt durch ihre Nässe. Rieb vor und zurück. Wieder und noch einmal.

Halt suchend klammerte sie sich an ihm fest. „Wie dann?“ Oh Gott, sie verlor den Boden unter den Füßen. Noch nicht ganz, aber bald. Instinktiv drängte sie ihren Schoß seinem Finger entgegen und schob eine Hand zwischen ihre Körper. Sie wollte ihn fühlen. Seine Lust und seine männliche Stärke. Haily keuchte auf, als sich sein pralles Glied in ihre Hand schmiegte. So unglaublich weich und doch erregend hart. Ihre Finger glitten über seinen Schaft bis fast zur Wurzel und wieder hinauf. Sie spürte den feuchten Tropfen auf seiner Eichel, um die sie die Lippen schließen wollte.

„Weniger atemlos“, stöhnte er und setzte sein verboten sündiges Fingerspiel mit einem Rhythmus fort, der ihr Blut zum Kochen brachte. „Obwohl ich mir da nur etwas vorgemacht habe. Damit es mir leichter fällt, nicht auf deinen Anruf zu warten.“

Verzweifelt versuchte sie die Bedeutung seiner Worte zu erfassen und versagte auf ganzer Linie, als ein Fingerpaar in sie eintauchte. Ihre Knie gaben nach. Dean fing sie auf und trug sie zur Decke. Behutsam legte er sie auf den Wollstoff und schob sich über sie. Haily konnte kaum atmen, als seine Haut über ihre glitt. Dieses Gefühl würde sie nie wieder vergessen. Diesen Kontakt, der sie zum Erbeben brachte und wilde Lust in ihr entfachte.

„Meinen Anruf?“ Was hatte sie gefragt? Egal. Sie verflocht die Finger mit seinem Haar und zog ihn zu sich. Wenn er sie nicht gleich küsste, verdurstete sie.

„Jeden Tag und jede Nacht habe ich gewartet“, sagte er leise und senkte die Lippen auf ihre. Seufzend hieß sie seine Zunge willkommen, doch sie verschwand viel zu schnell und zog eine feuchte Spur bis zu ihrer Brust. Wimmernd drückte sie den Rücken durch, als er ihren harten Nippel in den Mund saugte. Knappernd, leckend und neckend ließ er sie den Verstand verlieren. Sanft knetete er ihre Brüste, die durch seine Zärtlichkeiten schwer und heiß wurden.

„Du kennst meine Telefonnummer“, sagte sie und rutschte tiefer. Woher kam die Erkenntnis? Die Frage verschwand aus ihrem Kopf, als sie ihre Finger auf seinen Oberkörper legte und dem Verlauf seiner Muskeln bis zu seinem Bauchnabel folgte. So straff, so verführerisch seidig. Dieser Verlockung konnte sie einfach nicht wiederstehen. Haily richtete sich ein Stück auf und zog mit der Zunge die Linien seines Tattoos nach. Er schmeckte nach Sonne und warmen Wind. Nach heißen Rhythmen in einer lauen Sommernacht.

„Ja, ich kenne sie. Und ich habe sie mindestens einmal am Tag gewählt, um dann die Verbindung wieder zu trennen.“ Er stöhnte. „Weil ich dich so sehr will, dass es schmerzt.“

Langsam sickerten seine Worte durch den dichten Nebel in ihrem Kopf und ließ etwas in ihr fliegen. Oder schweben? Beides, schätzte sie. „So sehr“, murmelte sie und umfasste seine harte Erregung. Zärtlich ließ sie die Finger am Schaft hinabgleiten und saugte ihn in den Mund. Ein Zittern durchlief ihn, als sie die Lippen auf und ab führte und die Zunge über seine Eichel gleiten ließ. Sanft umrundete sie die Spitze seines Gliedes, küsste sich abwärts und wieder hinauf. Erneut nahm sie ihn in den Mund. Leckte und saugte, bis er scharf einatmete.

„Haily“, raunte er und zog sie hoch. „Ich will das heute Nacht nicht so enden lassen.“

„Wie dann?“, fragte sie und umfasste sein Gesicht.

„Schließ deine Beine um mich“, flüsterte er und senkte den Kopf zu ihr. „Lass mich dich fühlen.“

Was war das in seinen Augen? Was schimmerte dort wie der dunkler werdende Himmel über ihnen? Sie konnte das Gefühl nicht erfassen, nicht jetzt, wo sie vor schierer Lust immer wieder erbebte.

Sie schloss die Beine um seine Hüften und warf den Kopf zurück, als sein Glied zwischen ihre feuchten Lippen tauchte. Sein Schaft glitt über ihre empfindliche Klitoris. Wieder und noch einmal und ließ sie die Nägel in seine Haut versenken. Oh Gott! „Bitte!“ Sie konnte das Wort nicht zurückhalten. Nicht bei ihm. Sie verbrannte in ihrem Begehren, wenn er sie nicht gleich nahm. Wenn er …

Die Spitze seines Gliedes schob sich in sie und gab ihr eine Ahnung davon, wie er sich anfühlte. Stöhnend senkte er den Mund auf ihren, während er aus ihr glitt und erneut mit seiner harten Erregung über ihren empfindsamsten Punkt rieb. Wahnsinn schien nach Haily zu greifen. Wie im Fieber umklammerte sie ihn mit ihren Beinen fester und bewegte ihr Becken in einem Rhythmus, der wie pulsierende Musik durch ihren Körper rauschte.

Deans Zunge stieß in sie, zugleich füllte er sie mit einem einzigen Stoß aus. Seine Lippen verschwanden von ihrem Mund und für atemlose Sekunden sahen sie sich an. Er war perfekt. Spürte er das ebenso wie sie?

„Du bist traumhaft schön“, murmelte er, während die Sterne am Nachthimmel wie goldene Punkte zu leuchten begannen. „Ich möchte dich ewig betrachten.“

Er glitt aus ihr. Langsam, um erneut in sie zu tauchen, ohne den Blick von ihr anzuwenden. Wieder und wieder füllte er ihre Enge aus. Stieß in sie, tief und fest. Für atemlose Augenblicke blieb die Welt um Haily stehen. Sie sah nur noch Dean, fühlte nur noch seine Haut auf ihrer und seinen Penis in ihr, der ihr Träume erfüllte, die sie nie jemanden erzählt hatte.

Mühelos folgte sie seinem Rhythmus, der schneller und härter wurde. Sie wollte noch nicht kommen und sehnte sich doch nach Erfüllung. Es war verdammt schwer, zu warten, weil er sich einfach wundervoll in ihr anfühlte. Und dann war es, als explodierten Lichter in ihr, als der Orgasmus jeden Gedanken aus ihr hinfort spülte.

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