Kitabı oxu: «Die Klassenfeier»
Lise Gast
Die Klassenfeier
Saga
Die Klassenfeier
© 1977 Lise Gast
Alle Rechte der Ebookausgabe: © 2016 SAGA Egmont, an imprint of Lindhardt og Ringhof A/S Copenhagen
All rights reserved
ISBN: 9788711509050
1. Ebook-Auflage, 2016
Format: EPUB 3.0
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„Weihnachtsfeier? Ohne mich. Ich finde, dafür sind wir allmählich zu groß“, sagte Rudolf und setzte sich. Er war wirklich sehr groß für seine vierzehn, nein, fünfzehn Jahre, groß, breit und ein wenig zu dick. Daß er mit Nachnamen Heberle hieß, hatte ihm den Spitznamen „Gewichtheberle“ eingetragen. Er hörte es nicht gern. Auch nicht, als jetzt der Spatz, der kleinste und dünnste der Klasse, krähte:
„Du vielleicht! Wir nicht. Wir machen ja auch nicht alle Klassen zweimal!“
„Alle Klassen zweimal?“ Das Gewichtheberle erhob sich wieder, ging drohend auf den Spatz los. „Ein einziges Mal war ich anhänglich, hab eine Ehrenrunde gedreht, warte nur, wie oft dir das noch passiert!“
„Jetzt wird nicht geprügelt!“ Hans Heimann, der Klassensprecher, der vorhin das zweifelhafte Wort ‚Weihnachtsfeier‘ als erster ausgesprochen hatte, stellte sich dem Gewichtheberle in den Weg. „Laß den Spatz in Ruhe. Und du, Spatz, halt den Schnabel. Wir wollen beraten und uns nicht kloppen.“
„Jawohl“, sekundierte Erika, „mit Gewalt wird keine Meinung durchgesetzt. Weihnachtsfeier, warum nicht? Das war doch immer sehr hübsch.“
Die Klasse bestand fast genau zur Hälfte aus Jungen und Mädchen. So hatte man das Amt des Klassensprechers auch geteilt, Hans Heimann und Erika Schwarz trugen gemeinsam die Last und Lust dieser Aufgabe.
„Hauptsächlich Last“, seufzte Hans, so oft es jemand hören wollte. Er war im Grunde aber ganz zufrieden, daß man ihn zum dritten Mal gewählt hatte. Erika war das erstemal an der Spitze, ‚an der Spritze‘, wie sie sagte. Einer ihrer großen Brüder war Hauptmann bei der freiwilligen Feuerwehr, und da spielte die Spritze natürlich eine große Rolle. Außerdem hatte sie ein unbändiges Temperament, sie sprühte förmlich von Einfällen und Vorschlägen, und so eignete sie sich neben dem bedächtigeren Hans Heimann gut für dieses Ehrenamt.
„Wir stimmen ab. Wir müssen abstimmen“, sagte Hans jetzt, „wir brauchen die absolute Mehrheit. Wenn die absolute Mehrheit also gegen die Weihnachtsfeier stimmt ...“
Erika fiel ihm ins Wort.
„Halt den Mund. Das wissen wir. Natürlich wird abgestimmt. Aber nicht heute. Heute wird nur beschlossen, wann abgestimmt wird. Da kann sich dann jeder zu Hause überlegen, ob er ja oder nein sagt. Schluß der Debatte, Dorian kommt.“
Dorian war der Lateinlehrer, den niemand so recht leiden konnte. Er war oft schlechter Laune oder doch bedrückt, und das gab seinem Unterricht keine fröhliche Note. Vor allem ärgerte er sich immer wieder darüber, daß die heutige Jugend, wie er behauptete, so anspruchsvoll und verwöhnt war.
„Wir wußten, was ein trockenes Stück Brot bedeutete, so hungrig waren wir“, sagte er oft – öfter, als die Klasse es hören wollte, – „aber ihr habt noch nie etwas entbehrt. Ihr wißt nicht, wie gut ihr es habt. Ihr seid undankbar.“
Einmal, als er wieder so etwas sagte, meldete sich der Spatz. Er hatte so eine Art Narrenfreiheit in der Klasse, weil er so klein und spillerig war und auch ein wenig hinkte, Andenken an eine Baumkletterei, die ihm nicht bekommen war. Er war damals aus etwa sechs Meter Höhe gestürzt und hatte dabei alles gebrochen, was ein Mensch brechen kann, ohne auf der Stelle tot zu sein. Trotz seines langen Krankenhausaufenthaltes hatte er den Anschluß an die Klasse nicht verloren, ein Zeichen dafür, daß er gar nicht so dumm war, wie er sich oft stellte. Die Klasse empfing ihn damals mit viel Hallo. Seitdem galt er als eine Art Klassennarr, der sich manches erlauben konnte.
Jetzt also meldete er sich, und als Dorian fragte, was er wollte, sagte er mit der Miene eines Biedermannes:
„Ich könnte zum Beispiel Latein gut entbehren.“
Die Klasse brüllte. Dorian war wütend, er sah aus, als wollte er dem Spatz am liebsten das Klassenbuch an den Kopf werfen, dann aber stand er mit einem plötzlichen Entschluß auf und verließ das Klassenzimmer, er kam auch an diesem Vormittag nicht wieder.
„Das habt ihr mir zu verdanken!“ brüstete sich der Spatz und tat sich dicke. Von da an hatte sich das Verhältnis der Klasse zu Dorian nie wieder richtig eingerenkt. Leider war er der Klassenlehrer.
Er kam also jetzt, und die Stunde begann. Erika war nicht bei der Sache.
„Warum willst du denn erst morgen abstimmen lassen?“ schrieb Marianne, ihre Banknachbarin, auf einen Zettel und schob ihn Erika hin. Die las die Frage, lachte in sich hinein und schrieb darunter: „Darum!“ Marianne schnitt ihr eine Fratze.
Auch später, in der großen Pause, rückte Erika nicht mit dem Grund heraus. Sie hatte ihren Plan, und den verriet sie nicht.
Es regnete, und die Schüler brauchten nicht in den Hof hinunter zu gehen. Das Gymnasium lag an der Stadtmauer, es war ein altes Klostergebäude, das nur innen bei den Klassenräumen ein wenig verändert war. Es hatte Fachwerk und wunderschöne Fenster, die zum Teil so dicht nebeneinander lagen, daß man keine Mauer dazwischen sah, zwei Klosterhöfe, in denen die Schüler ihre Pausen verbringen konnten. In den kleineren durfte nur die Unter- und Oberprima. Der Hof wurde an zwei Seiten von der Innenecke des Gebäudes eingefriedet und an den beiden anderen von einer halbhohen Mauer, er besaß einen sehr hübsch gefaßten Brunnen, Sträucher, eine Schwarzkiefer, kurzum, er war reizend, und man konnte sich unter den herumspazierenden Primanern gut junge Mönche vorstellen. Überhaupt war das Ganze so schön und so gut in den Maßen und so anheimelnd, daß eigentlich jeder Schüler seine Schule liebte, auch wenn er es wütend bestritt. Schöne Gebäude wirken auch auf junge Menschen, sie strahlen Harmonie, Geborgenheit und Frieden aus. Erika, deren Vater Kunsterzieher war, wußte das besser als ihre Mitschüler. Deshalb hatte sie die Abstimmung für morgen angestrebt. Sie hörte früh, ehe sie in die Schule ging, immer die Nachrichten, da kam auch die Wettervorhersage, und die hatte heute morgen, Erika hatte es mit Entzücken registriert, für die nächsten Tage Schnee angesagt. Schnee, und das im Städtchen, das in der alten Klosterschule! Jahrelang hatte es vor Weihnachten keinen richtigen Schnee gegeben. Erika erinnerte sich aber an das Jahr, in dem sie hier angefangen hatte, da war zum ersten Advent Schnee gefallen. Und wenn das alte Gebäude an sich schon schön war, im Schnee sah es einfach entzückend aus. Darauf baute sie ihren Plan.
Pulsuz fraqment bitdi.