Kitabı oxu: «Ludwig van Beethoven: Ich lebe nur in meinen Noten»

Şrift:

Ludwig van Beethoven

Ich lebe nur in meinen Noten

Lebenslaute Briefe

Herausgegeben von Andreas Udo Schmidt


INHALT

VORWORT

DIE FRÜHEN JAHRE

»Das Glück ist kugelrund und fällt daher natürlich nicht immer auf das Edelste, das Beste.«

Von Bonn nach Wien – ab 1787

DIE ÄRA DER FREUND- UND LIEBSCHAFTEN

»… schreiben Sie mir, was es geben soll mit mir, seit mein Herz solch ein Rebeller geworden ist.«

Wien, ab 1810

BEETHOVENS VORMUNDSCHAFT ÜBER SEINEN NEFFEN CARL VAN BEETHOVEN

»… meine Erwartungen von diesem talentvollen Knaben sollen in Erfüllung gehen, und er zum tauglichen Mann und Staatsbürger werden.«

Wien, ab 1815

ZUNEIGUNGEN UND ZERWÜRFNISSE

»Apollo und die Musen werden mich noch nicht dem Knochenmann überliefern laßen, denn noch so Vieles bin ich ihnen schuldig und muß ich vor meinem Abgang in die Elesäischen Felder hinterlaßen, was mir der Geist eingiebt und heißt vollenden.«

Baden, ab 1823

LUDWIG VAN BEETHOVENS LEBENSENDE

»Ich gedulde mich und denke: alles Üble führt manchmal etwas Gutes herbei«

Wien, ab 1826

VORWORT

Ludwig van Beethoven erfreut mit seiner Musik, seit man zum ersten Mal eine seiner Kompositionen hörte. Vor 200 Jahren wurde er in Bonn geboren (getauft am 17. Dezember 1770) und den meisten sind die folgenden Dinge über ihn bekannt: Beethoven wurde taub, er wirkte von Wien aus, und sobald man von klassischer Musik spricht, kommt vielen der Beginn seiner fünften Sinfonie in den Sinn. Darüber hinaus ist kaum etwas über das Wesen Beethovens im Allgemeinwissen verankert. Von den berühmtesten deutschsprachigen Komponisten war Mozart ein Rockstar, Bach ein Genie, Liszt charismatisch, Wagner ein Antisemit, aber wie war Beethoven als Person? Lassen wir den Mann selbst schreiben!

Beethoven pflegte zeitlebens intensive Briefkorrespondenzen. Darin erleben wir seine Gefühle, Gedanken, Gebrechen und können sein erwachsenes Leben aus seiner eigenen Sicht nachvollziehen. Die Auswahl seiner Briefe beginnt nach dem Tode seiner Mutter, im Jahr 1787. Ebenso einschneidend für sein Leben sind besonders sein frühes Testament 1802 in welchem er erstmals seine Suizidsehnsüchte niederschreibt, sein Brief an die unbekannte »Unsterbliche Geliebte« 1812, die Beziehung zu seinem Neffen Karl, dessen Selbstmordversuch im Jahr 1826 einen spürbaren Eindruck in den Briefen hinterlässt, sowie Beethovens ständige Bemühungen um Gesundheit und finanzielle Absicherung.

Dies sind die bedrückenderen Seiten seines Lebens, und die berühmtesten. Doch Beethoven spaßt auch, er scherzt, er wird sogar zotig!

In diesem Band werden seine Briefe unkommentiert kontextchronologisch präsentiert, ausgewählt, um Beethoven menschlicher in der Allgemeinheit zu verankern. Besonders gern hat er sich um seine Schüler Carl Czerny, Ferdinand Ries und Rudolf von Österreich-Toskana gekümmert, Späße getrieben mit seinen Freunden Nikolaus Zmeskall und Franz Gerhard Wegeler sowie seine Mäzene Lobkowitz, Kinsky und Lichnowsky geehrt. Gegen Lebensende musste er sich mehr und mehr auf Andere verlassen, u. a. auf seine Sekretäre Anton Schindler und Karl Holz.

Ich wünsche Ihnen viel Freude mit dieser leichten Lektüre,

Andreas Udo Schmidt

DIE FRÜHEN JAHRE
»DAS GLÜCK IST KUGELRUND UND FÄLLT DAHER NATÜRLICH NICHT IMMER AUF DAS EDELSTE, DAS BESTE.«

Von Bonn nach Wien – ab 1787

An Dr. Schade in Augsburg.

Den 15ten Herbstmonat, Bonn 1787.

Hochedelgeborner

insonders werther Freund!

Was Sie von mir denken, kann ich leicht schließen; daß Sie gegründete Ursachen haben nicht vortheilhaft von mir zu denken, kann ich Ihnen nicht widersprechen; doch will ich mich nicht eher entschuldigen, bis ich die Ursachen angezeigt habe, wodurch ich hoffen darf, daß meine Entschuldigungen angenommen werden. Ich muß Ihnen bekennen: daß, seitdem ich von Augsburg hin weg bin, meine Freude, und mit ihr meine Gesundheit begann aufzuhören; je näher ich meiner Vaterstadt kam, je mehr Briefe erhielt ich von meinem Vater geschwinder zu reisen als gewöhnlich, da meine Mutter nicht in günstigen Gesundheitsumständen wäre; ich eilte also so sehr ich vermochte, da ich doch selbst unpäßlich wurde: das Verlangen, meine kranke Mutter noch einmal sehen zu können, setzte alle Hindernisse bei mir hinweg und half mir die größten Beschwernisse überwinden. Ich traf meine Mutter noch an, aber in den elendesten Gesundheitsumständen; sie hatte die Schwindsucht, und starb endlich, ungefähr vor sieben Wochen, nach vielen überstandenen Schmerzen und Leiden. Sie war mir eine so gute, liebenswürdige Mutter, meine beste Freundin; o! wer war glücklicher als ich, da ich noch den süßen Namen Mutter aussprechen konnte, und er wurde gehört, und wem kann ich ihn jetzt sagen? Den stummen ihr ähnlichen Bildern, die mir meine Einbildungskraft zusammensetzt? So lange ich hier bin, habe ich noch wenige vergnügte Stunden genossen; die ganze Zeit hindurch bin ich mit der Engbrüstigkeit behaftet gewesen, und ich muß fürchten, daß gar eine Schwindsucht daraus entstehet; dazu kommt noch Melancholie, welche für mich ein fast ebenso großes Übel als meine Krankheit selbst ist. – Denken Sie sich jetzt in meine Lage, und ich hoffe Vergebung für mein langes Stillschweigen von Ihnen zu erhalten. Die außerordentliche Güte und Freundschaft, die Sie hatten, mir in Augsburg drei Carolin zu leihen, muß ich Sie bitten, noch einige Zeit Nachsicht mit mir zu haben; meine Reise hat mich viel gekostet, und ich habe hier keinen Ersatz, auch den geringsten zu hoffen; das Schicksal hier in Bonn ist mir nicht günstig. Sie werden verzeihen, daß ich Sie so lange mit meinem Geplauder aufgehalten; alles war nöthig zu meiner Entschuldigung.

Ich bitte Sie, mir Ihre verehrungswürdige Freundschaft weiter nicht zu versagen, da ich nichts so sehr wünsche, als mich Ihrer Freundschaft nur in etwas würdig zu machen.

Ich bin mit aller Hochachtung

Ihr gehorsamster Diener und Freund

L. v. Beethoven, kurf kölnischer Hoforganist.

An Eleonore von Breuning in Bonn.

Wien, den 2. November 1793.

Verehrungswürdige Eleonore!

Meine theuerste Freundinn!

Erst nachdem ich nun hier in der Hauptstadt bald ein ganzes Jahr verlebt habe, erhalten Sie von mir einen Brief, und doch waren Sie gewiß in einem immerwährendem lebhaften Andenken bei mir. Schon oft unterhielt ich mich mit Ihnen und Ihrer lieben Familie, nur öfters nicht mit der Ruhe, die ich dabei gewünscht hätte. Da war’s, wo mir der fatale Zwist noch vor schwebte, wobei mir mein damaliges Betragen so verabscheuungswerth vorkam. Aber es war geschehen, und wieviel gäbe ich dafür, wäre ich im Stande, meine damalige, mich so sehr entehrende, sonst meinem Charakter zuwiderlaufende Art zu handeln ganz aus meinem Leben tilgen zu können. Freilich waren mancherlei Umstände, die uns immer von einander entfernten, und wie ich vermuthe, war das Zuflüstern von den wechselweise gegen einander gehaltenen Reden hauptsächlich dasjenige, was alle Übereinstimmung verhinderte. Jeder von uns glaubte hier, er spreche mit wahrer Überzeugung, und doch war es nur angefachter Zorn, und wir waren beide getäuscht. Ihr guter und edler Charakter, meine liebe Freundinn, bürgt mir zwar dafür, daß Sie mir längst vergeben haben. Aber man sagt, die aufrichtigste Reue sei diese, wo man sein Vergehen selbst gesteht; dieses habe ich gewollt. – Und lassen Sie uns nun den Vorhang vor diese ganze Geschichte ziehen und nur noch die Lehre draus nehmen, daß, wenn Freunde in Streit gerathen, es immer besser sei, keinen Vermittler dazu zu brauchen, sondern daß der Freund sich an den Freund unmittelbar wende.

Sie erhalten hier eine Dedication von mir an Sie wobei ich nur wünschte, das Werk wäre größer und Ihrer würdiger. Man plagte mich hier um die Herausgabe dieses Werkchens, und ich benutzte diese Gelegenheit, um Ihnen, meine verehrungswürdige Eleonore, einen Beweis meiner Hochachtung und Freundschaft gegen Sie und eines immerwährenden Andenkens an Ihr Haus zu geben. Nehmen Sie diese Kleinigkeit hin, und denken Sie dabei, sie kömmt von einem Sie sehr verehrenden Freunde. O, wenn Sie Ihnen nur Vergnügen macht, so sind meine Wünsche ganz befriedigt. Es sei eine kleine Wieder Erweckung jener Zeit, wo ich so viele und so selige Stunden in Ihrem Hause zubrachte; vielleicht erhält es mich im Andenken bei Ihnen, bis ich einst wiederkomme, was nun freilich sobald nicht sein wird. O wie wollen wir uns dann, meine liebe Freundinn, freuen; Sie werden dann einen fröhlichern Menschen an Ihrem Freunde finden, dem die Zeit und sein besseres Schicksal die Furchen seines vorhergegangenen, widerwärtigen ausgeglichen hat.

Sollten Sie die B. Koch sehen, so bitte ich Sie, ihr zu sagen, daß es nicht schön sei von ihr, mir gar nicht einmal zu schreiben. Ich habe doch zwei Mal geschrieben; an Malchus schrieb ich drei Mal und – keine Antwort. Sagen Sie ihr, daß wenn sie nicht schreiben wollte, sie wenigstens Malchus dazu an treiben sollte. Zum Schlusse meines Briefes wage ich noch eine Bitte; sie ist, daß ich wieder gerne so glücklich sein mögte, eine von Hasen-Haaren gestrickte Weste von Ihrer Hand, meine liebe Freundinn, zu besitzen. Verzeihen Sie die unbescheidene Bitte Ihrem Freunde. Sie entsteht aus großer Vorliebe für Alles, was von Ihren Händen ist, und heimlich kann ich Ihnen wohl sagen, eine kleine Eitelkeit liegt dabei mit zum Grunde, nämlich: um sagen zu können, daß ich etwas von einem der besten, verehrungswürdigsten Mädchen in Bonn besitze. Ich habe zwar noch die erste, womit Sie so gütig waren, mich in Bonn zu beschenken, aber sie ist durch die Mode so unmodisch geworden, daß ich sie nur als etwas von Ihnen mir sehr Theures im Kleiderschrank aufbewahren kann. Vieles Vergnügen würden Sie mir machen, wenn Sie mich bald mit einem lieben Briefe erfreuten. Sollten Ihnen meine Briefe Vergnügen verursachen, so verspreche ich Ihnen gewiß, so viel mir möglich ist, hierin willig zu sein, so wie mir Alles willkommen ist, wobei ich Ihnen zeigen kann, wie sehr ich bin

Ihr Sie verehrender

wahrer Freund

L. v. Beethoven.

P. S. Die Variationen werden etwas schwer zum Spielen sein, besonders die Triller im Coda. Das darf Sie aber nicht abschrecken. Es ist so veranstaltet, daß Sie nichts als den Triller zu machen brauchen, die übrigen Noten lassen Sie aus, weil sie in der Violinstimme auch vorkommen. Nie würde ich so etwas gesetzt haben; aber ich hatte schon öfter bemerkt, daß hier und da einer in Wien war, welcher meistens, wenn ich des Abends fantasirt hatte, des andern Tages viele von meinen Eigenheiten aufschrieb, und sich damit brüstete. Weil ich nun voraus sah, daß bald solche Sachen erscheinen würden, so nahm ich mir vor, ihnen zuvorzukommen. Eine andere Ursache war auch dabei, die hiesigen Klaviermeister in Verlegenheit zu setzen, nämlich: Manche davon sind meine Todfeinde, und so wollte ich mich auf diese Art an ihnen rächen, weil ich voraus wußte, daß man ihnen die Variationen hier und da vorlegen würde, wo die Herren sich dann übel dabei produciren würden.

Beethoven.

An dieselbe.

Äußerst überraschend war mir die schöne Halsbinde von Ihrer Hand gearbeitet. Sie erweckte in mir Gefühle der Wehmuth, so angenehm mir auch die Sache selbst war. Erinnerung an vorige Zeiten war ihre Wirkung, auch Beschämung auf meiner Seite durch Ihr großmüthiges Betragen gegen mich. Wahrlich ich dachte nicht, daß Sie mich noch Ihres Andenkens würdig hielten. O hätten Sie Zeuge meiner gestrigen Empfindungen bei diesem Vorfall sein können, so würden Sie es gewiß nicht übertrieben finden, was ich Ihnen vielleicht hier sage, daß mich Ihr Andenken weinend und sehr traurig machte. Ich bitte Sie, so wenig ich auch in Ihren Augen Glauben verdienen mag, glauben Sie mir, meine Freundinn (lassen Sie mich Sie noch immer so nennen), daß ich sehr gelitten habe und noch leide durch den Verlust Ihrer Freundschaft. Sie und Ihre theure Mutter werde ich nie vergessen. Sie waren so gütig gegen mich, daß mir Ihr Verlust nicht sobald ersetzt werden kann und wird, ich weiß, was ich verlor, und was Sie mir waren, aber – ich müßte in Scenen zurückkehren, sollte ich diese Lücke ausfüllen, die Ihnen unangenehm zu hören und mir, sie darzustellen sind.

Zu einer kleinen Wiedervergeltung für Ihr gütiges Andenken an mich, bin ich so frei, Ihnen hier diese Variationen und das Rondo mit einer Violin zu schicken. Ich habe sehr viel zu thun, sonst würde ich Ihnen die schon längst versprochene Sonate abgeschrieben haben. In meinem Manuskript ist sie fast nur Skizze, und es würde dem sonst so geschickten Paraquin selbst schwer geworden sein, sie abzuschreiben. Sie können das Rondo abschreiben lassen und mir dann die Partitur zurückschicken. Es ist das Einzige, das ich Ihnen hier schicke, was von meinen Sachen ohngefähr für Sie brauchbar war, und da Sie jetzt ohnedies nach Kerpen reisen, dachte ich, es könnten diese Kleinigkeiten Ihnen vielleicht einiges Vergnügen machen.

Leben Sie wohl meine Freundinn. Es ist mir unmöglich, Sie anders zu nennen, so gleichgültig ich Ihnen auch sein mag, so glauben Sie doch, daß ich Sie und Ihre Mutter noch ebenso verehre, wie sonst. Bin ich im Stande, sonst etwas zu Ihrem Vergnügen beizutragen, so bitte ich Sie mich doch nicht vorbeizugehen; es ist noch das einzig übrigbleibende Mittel, Ihnen meine Dankbarkeit für die genossene Freundschaft zu bezeigen. Reisen Sie glücklich und bringen Sie Ihre theure Mutter wieder völlig gesund zurück. Denken Sie zuweilen

an Ihren

Sie noch immer verehrenden Freund

Beethoven.

An Nikolaus Zmeskall von Domanovecz.


Mein wohlfeilster Baron! sagen Sie, daß der Guitarist noch heute zu mir komme, der Amenda soll statt einer Amende, der er zuweilen für sein schlechtes Pausiren verdient, mir diesen wohlberittenen Guittarist besorgen; wenns seyn kann, so soll der sogenannte heute Abend um 5 Uhr zu mir kommen, wo nicht, morgen früh 5 oder 6 Uhr, doch darf er mich nicht wecken, falls ich noch schlafen – sollte. – adieu mon ami à bon marché, vielleicht sehen wir uns im Schwanen. ––

An denselben.

Der Musikgraf ist seit heute infam kassirt. Der erste Geiger wird ins Elend nach Siberien transportirt. Der Baron hat einen ganzen Monath das Verboth nicht mehr zu fragen, nicht mehr voreilig zu seyn, sich mit nichts als mit seinem ipse miserum sich abzugeben. B.

An den Pfarrer Amenda in Curland.

Wie kann Amenda zweifeln, daß ich seiner je vergessen könnte – weil ich ihm nicht schreibe oder geschrieben, – als wenn das Andenken der Menschen sich nur so gegen einander erhalten könnte!

Tausendmal kommt mir der beste der Menschen, den ich kennen lernte, im Sinn; ja gewiß unter den zwei Menschen, die meine ganze Liebe besaßen und wovon der eine noch lebt, bist Du der Dritte – nie kann das Andenken an Dich erlöschen – nächstens erhältst Du einen langen Brief über meine jetzigen Verhältnisse und Alles was Dich interessiren kann.

Leb wohl lieber guter edler Freund, erhalte mir immer Deine Liebe, Deine Freundschaft, so wie ich ewig bleibe

Dein treuer Beethoven.

An denselben.

Mein lieber, mein guter Amenda, mein herzlicher Freund, mit inniger Rührung, mit gemischtem Schmerz und Vergnügen habe ich Deinen letzten Brief erhalten und gelesen. Womit soll ich Deine Treue, Deine Anhänglichkeit an mich vergleichen! O das ist recht schön, daß Du mir immer so gut geblieben, ja ich weiß Dich auch mir von Allen bewährt und herauszuheben, Du bist kein Wiener Freund, nein Du bist einer von denen, wie sie mein vaterländischer Boden hervorzubringen pflegt; wie oft wünsche ich Dich bei mir, denn Dein Beethoven lebt sehr unglücklich; wisse, daß mir der edelste Theil, mein Gehör sehr abgenommen hat, schon damals als Du noch bei mir warst, fühlte ich davon Spuren, und ich verschwieg’s, nun ist es immer ärger geworden; ob es wird wieder können geheilt werden, das steht noch zu erwarten, es soll von den Umständen meines Unterleibs herrühren; was nun den betrifft, so bin ich fast ganz hergestellt, ob nun auch das Gehör besser werden wird, das hoffe ich zwar, aber schwerlich, solche Krankheiten sind die unheilbarsten. Wie traurig ich nun leben muß, alles, was mir lieb und theuer ist, meiden, und dann unter so elenden, egoistischen Menschen wie … etc. – Ich kann sagen unter allen ist mir Lichnowsky der erprobteste; er hat mir seit vorigem Jahr 600 fl. ausgeworfen: das und der gute Abgang meiner Werke setzt mich in den Stand ohne Nahrungssorgen zu leben; alles was ich jetzt schreibe, kann ich gleich fünf mal verkaufen und auch gut bezahlt haben. – Ich habe ziemlich viel die Zeit geschrieben; da ich höre daß Du bei … Klaviere bestellt hast, so will ich Dir manches schicken in dem Verschlag so eines Instruments, wo es Dich nicht so viel kostet.

Jetzt ist zu meinem Trost wieder ein Mensch hergekommen, mit dem ich das Vergnügen des Umgangs und der uneigennützigen Freundschaft theilen kann, er ist einer meiner Jugendfreunde. Ich habe ihm schon oft von Dir gesprochen und ihm gesagt, daß, seit ich mein Vaterland verlassen, Du einer Derjenigen bist, die mein Herz ausgewählt hat; – auch ihm kann der … nicht gefallen, er ist und bleibt zu schwach zur Freundschaft, und ich betrachte ihn und … als bloße Instrumente, worauf ich, wenn’s mir gefällt, spiele: aber nie können sie edle Zeugen meiner innern und äußern Thätigkeit, eben so wenig als wahre Theilnehmer von mir werden; ich taxire sie nur nach dem, was sie mir leisten. O wie glücklich wäre ich jetzt, wenn ich mein vollkommenes Gehör hätte, dann eilte ich zu Dir, aber so von allem muß ich zurückbleiben, meine schönsten Jahre werden dahinfliegen, ohne alles das zu wirken, was mich mein Talent und meine Kraft geheißen hätten. Traurige Resignation, zu der ich meine Zuflucht nehmen muß; ich habe mir freilich vorgenommen, mich über alles das hinauszusetzen; aber wie wird es möglich sein? Ja Amenda, wenn nach einem halben Jahre mein Übel unheilbar wird, dann mache ich Anspruch auf Dich, dann mußt Du alles verlassen und zu mir kommen; ich reise dann (bei meinem Spiel und Composition macht mir mein Übel noch am wenigsten, nur am meisten im Umgang) und Du mußt mein Begleiter sein, ich bin überzeugt mein Glück wird nicht fehlen; womit könnte ich mich jetzt nicht messen! Ich habe seit der Zeit Du fort bist, alles geschrieben bis auf Opern und Kirchensachen. Ja Du schlägst mir’s nicht ab, Du hilfst Deinem Freund seine Sorgen, sein Übel tragen. Auch mein Klavierspielen habe ich sehr vervollkommnet, und ich hoffe diese Reise soll auch Dein Glück vielleicht noch machen, Du bleibst hernach ewig bei mir. – Ich habe alle Deine Briefe richtig erhalten; so wenig ich Dir auch antwortete, so warst Du doch immer mir gegenwärtig und mein Herz schlägt so zärtlich wie immer für Dich. – Die Sache meines Gehörs bitte ich Dich als ein großes Geheimniß aufzubewahren und Niemand, wer es auch sei, anzuvertrauen. – Schreibe mir recht oft, Deine Briefe, wenn sie auch noch so kurz sind, trösten mich, thun mir wohl und ich erwarte bald wieder von Dir, mein Lieber, einen Brief. – Dein Quartett gieb ja nicht weiter, weil ich es sehr umgeändert habe, indem ich erst jetzt recht Quartetten zu schreiben weiß, was Du schon sehen wirst, wenn Du sie erhalten wirst. – Jetzt leb wohl! lieber Guter; glaubst Du vielleicht, daß ich Dir hier etwas Angenehmes erzeigen kann, so versteht sich’s von selbst, daß Du zuerst Nachricht davon giebst Deinem treuen Dich wahrhaft liebenden

L. v. Beethoven.

An Wegeler.

Wien den 29. Juni 1800.

Mein guter, lieber Wegeler!

Wie sehr danke ich Dir für Dein Andenken an mich; ich habe es so wenig verdient und um Dich zu verdienen gesucht, und doch bist Du so sehr gut, und läßt Dich durch nichts, selbst durch meine unverzeihliche Nachlässigkeit nicht abhalten, bleibst immer der treue gute biedere Freund. – Daß ich Dich und überhaupt euch, die ihr mir einst alle so lieb und theuer waret, vergessen könnte, nein das glaubt nicht; es giebt Augenblicke, wo ich mich selbst nach euch sehne, ja bei euch einige Zeit zu verweilen wünsche. – Mein Vaterland, die schöne Gegend, in der ich das Licht der Welt erblickte, ist mir noch immer so schön und deutlich vor Augen, als da ich euch verließ; kurz ich werde diese Zeit als eine der glücklichsten Begebenheiten meines Lebens betrachten, wo ich euch wiedersehen und unsern Vater Rhein begrüßen kann. Wann dies sein wird, kann ich Dir noch nicht bestimmen. – So viel will ich euch sagen, daß ihr mich nur recht groß wiedersehen werdet; nicht als Künstler sollt ihr mich größer, sondern auch als Mensch sollt ihr mich besser, vollkommener finden, und ist dann der Wohlstand etwas besser in unserem Vaterlande, dann soll meine Kunst sich nur zum Besten der Armen zeigen. O glückseliger Augenblick, wie glücklich halte ich mich, daß ich dich herbeischaffen, dich selbst schaffen kann!

Von meiner Lage willst Du was wissen; nun, sie wäre eben so schlecht nicht. Seit vorigem Jahr hat mir Lichnowsky, der, so unglaublich es Dir auch ist, wenn ich Dir es sage, immer mein wärmster Freund war und geblieben ist, (kleine Mißhelligkeiten gab es ja auch unter uns, und haben eben diese unsere Freundschaft nicht befestigt?) eine sichere Summe von 600 Gulden ausgeworfen, die ich, so lange ich keine für mich passende Anstellung finde, ziehen kann; meine Compositionen tragen mir viel ein, und ich kann sagen, daß ich mehr Bestellungen habe, als fast möglich ist, daß ich befriedigen kann. Auch habe ich auf jede Sache 6, 7 Verleger und noch mehr, wenn ich mir’s angelegen sein lassen will: man accordirt nicht mehr mit mir, ich fordere und man zahlt. Du siehst, daß es eine hübsche Sache ist, z. B. ich sehe einen Freund in Noth, und mein Beutel erlaubet eben nicht ihm gleich zu helfen, so darf ich mich nur hinsetzen und in kurzer Zeit ist ihm geholfen. Auch bin ich ökonomischer, als sonst; sollte ich immer hier bleiben, so bringe ich’s auch sicher dahin, daß ich jährlich immer einen Tag zur Akademie erhalte, deren ich einige gegeben. Nur hat der neidische Dämon, meine schlimme Gesundheit, mir einen Stein ins Brett geworfen, nämlich mein Gehör ist seit drei Jahren immer schwächer geworden und zu diesem Gebrechen soll mein Unterleib, der schon damals, wie Du weißt, elend war, hier aber sich verschlimmert hat, indem ich beständig mit einem Durchfall behaftet war und mit einer dadurch außer ordentlichen Schwäche, die erste Veranlassung gegeben haben. Frank wollte meinem Leibe den Ton wieder geben durch stärkende Medizinen, und meinem Gehör durch Mandelöl, aber prosit! daraus ward nichts, mein Gehör ward immer schlechter und mein Unterleib blieb immer in seiner vorigen Verfassung; das dauerte bis voriges Jahr im Herbst, wo ich manchmal in Verzweiflung war. Da rieth mir ein medizinischer Asinus das kalte Bad für meinen Zustand, ein Gescheidterer das gewöhnliche lauwarme Donaubad; das that Wunder; mein Bauch ward besser, mein Gehör blieb oder ward noch schlechter. Diesen Winter ging’s mir wirklich elend; da hatte ich wirklich schreckliche Koliken und ich sank wieder ganz in meinen vorigen Zustand zurück, und so blieb’s bis vor ungefähr vier Wochen, wo ich zu Vering ging, indem ich dachte, daß dieser Zustand zugleich auch einen Wundarzt erfordere, und ohnedem hatte ich immer Vertrauen zu ihm. Ihm gelang es nun fast gänzlich diesen heftigen Durchfall zu hemmen; er verordnete mir das laue Donaubad, wo ich jedes Mal noch ein Fläschchen stärkender Sachen hineingießen mußte, gab mir gar keine Medizin, bis vor ungefähr vier Tagen Pillen für den Magen und einen Thee fürs Ohr, und darauf kann ich sagen befinde ich mich stärker und besser; nur meine Ohren die sausen und brausen Tag und Nacht fort. Ich kann sagen ich bringe mein Leben elend zu; seit zwei Jahren fast meide ich alle Gesellschaften, weil’s mir nicht möglich ist den Leuten zu sagen: ich bin taub. Hätte ich irgend ein anderes Fach, so ging’s noch eher, aber in meinem Fache ist das ein schrecklicher Zustand; dabei meine Feinde, deren Zahl nicht geringe ist, was würden diese hiezu sagen!

Um Dir einen Begriff von dieser wunderbaren Taubheit zu geben, so sage ich Dir, daß ich mich im Theater ganz dicht am Orchester anlehnen muß, um den Schauspieler zu verstehen. Die hohen Töne von Instrumenten, Singstimmen, wenn ich etwas weit weg bin, höre ich nicht; im Sprechen ist es zu verwundern, daß es Leute giebt, die es niemals merkten; da ich meistens Zerstreuungen hatte, so hält man es dafür. Manchmal auch hör ich den Redenden, der leise spricht, kaum, ja die Töne wohl, aber die Worte nicht; und doch sobald Jemand schreit ist es mir unausstehlich. Was es nun werden wird, das weiß der liebe Himmel. Vering sagt, daß es gewiß besser werden wird, wenn auch nicht ganz. Ich habe schon oft – mein Dasein verflucht; Plutarch hat mich zu der Resignation geführt. Ich will, wenn’s anders möglich ist, meinem Schicksale trotzen, obschon es Augenblicke meines Lebens geben wird, wo ich das unglücklichste Geschöpf Gottes sein werde. Ich bitte Dich, von diesem meinem Zustande niemanden, auch nicht einmal der Lorchen etwas zu sagen, nur als Geheimniß vertrau ich Dir’s an; lieb wäre mir’s, wenn Du einmal mit Vering darüber briefwechseltest. Sollte mein Zustand fortdauern, so komme ich künftiges Frühjahr zu Dir; Du miethest mir irgend in einer schönen Gegend ein Haus auf dem Lande, und dann will ich ein halbes Jahr ein Bauer werden. Vielleicht wird’s dadurch geändert. Resignation! welches elende Zufluchtsmittel, und mir bleibt es doch das einzig übrige! Du verzeihst mir doch, daß ich Dir in Deiner ohnedies trüben Lage noch auch diese freundschaftliche Sorge aufbinde. Steffen Breuning ist nun hier und wir sind fast täglich zusammen; es thut mir so wohl die alten Gefühle wieder hervorzurufen. Er ist wirklich ein guter herrlicher Junge geworden, der was weiß, und das Herz, wie wir alle mehr oder weniger auf dem rechten Fleck hat.

Ich habe eine sehr schöne Wohnung jetzt, welche auf die Bastey geht und für meine Gesundheit einen doppelten Werth hat. Ich glaube wohl, daß ich es werde möglich machen können, daß Breuning zu mir komme. Deinen Antiochum sollst Du haben, und auch noch recht viele Musikalien von mir, wenn Du anders nicht glaubst, daß es Dich zu viel kostet. Aufrichtig, deine Kunstliebe freut mich doch noch sehr. Schreibe mir nur, wie es zu machen ist, so will ich Dir alle meine Werke schicken, das nun freilich eine hübsche Zahl ist, und die sich täglich vermehrt. – Statt des Portraits meines Großvaters, welches ich Dich bitte, mir sobald als möglich mit dem Postwagen zu schicken, schicke ich Dir das seines Enkels, Deines Dir immer guten und herzlichen Beethoven, welches hier bei Artaria, die mich darum oft ersuchten, so wie viele andere, auch Kunsthandlungen, herauskommt. Stoffeln will ich nächstens schreiben und ihm ein wenig den Text lesen über seine störrige Laune. – Ich will ihm die alte Freundschaft recht ins Ohr schreien, er soll mir heilig versprechen, euch in euren ohnedies trüben Umständen nicht noch mehr zu kränken. Auch der guten Lorchen will ich schreiben. Nie habe ich einen unter euch lieben Guten vergessen, wenn ich auch gar nichts von mir hören ließ: aber Schreiben, das weißt Du, war nie meine Sache; auch die besten Freunde haben jahrelang keine Briefe von mir erhalten. Ich lebe nur in meinen Noten, und ist das eine kaum da, so ist das andere schon angefangen. So wie ich jetzt schreibe, mache ich oft drei, vier Sachen zugleich. – Schreibe mir jetzt öfter; ich will schon Sorge tragen, daß ich Zeit finde, Dir zuweilen zu schreiben. Grüße mir alle, auch die gute Frau Hofräthin und sag ihr, daß ich noch zuweilen einen »raptus han.« – Was K. angeht, so wundere ich mich gar nicht über deren Veränderung. Das Glück ist kugelrund und fällt daher natürlich nicht immer auf das Edelste, das Beste. – Wegen Ries, den mir herzlich grüße, ein Wort; was seinen Sohn anbelangt, will ich Dir näher schreiben, obschon ich glaube, daß, um sein Glück zu machen, Paris besser als Wien sei; Wien ist überschüttet mit Leuten, und selbst dem besten Verdienst fällt es dadurch hart, sich zu halten. Bis den Herbst oder bis zum Winter werde ich sehen, was ich für ihn thun kann, weil dann alles wieder in die Stadt eilt. – Leb wohl guter, treuer Wegeler! Sei versichert von der Liebe und Freundschaft

Deines

Beethoven.

An Matthison.

Verehrungswürdigster!

Sie erhalten hier eine Composition von mir, welche bereits schon einige Jahre im Stich heraus ist und von welcher Sie viel leicht zu meiner Schande noch gar nichts wissen. Mich entschuldigen und sagen, warum ich Ihnen etwas widmete, was so warm von meinem Herzen kam und Ihnen gar nichts davon bekannt machte, das kann ich nicht, vielleicht dadurch, daß ich anfänglich Ihren Aufenthalt nicht wußte, zum Theil auch wieder meine Schüchternheit, daß ich glaubte, mich übereilt zu haben, Ihnen etwas gewidmet zu haben, wovon ich nicht wußte ob es Ihren Beifall hätte. Zwar auch jetzt schicke ich Ihnen die Adelaide mit Ängstlichkeit. Sie wissen selbst, was einige Jahre bei einem Künstler, der immer weiter geht, für eine Veränderung hervorbringen; je größere Fortschritte in der Kunst man macht, desto weniger befriedigen einen seine ältern Werke. Mein heißester Wunsch ist befriedigt, wenn Ihnen die musikalische Composition Ihrer himmlischen Adelaide nicht ganz mißfällt und wenn Sie dadurch bewogen werden, bald wieder ein ähnliches Gedicht zu schaffen, und fänden Sie meine Bitte nicht unbescheiden, es mir sogleich zu schicken, und ich will dann alle meine Kräfte aufbieten, Ihrer schönen Poesie nahe zu kommen. – Die Dedication betrachten Sie theils als ein Zeichen des Vergnügens, welches mir die Composition Ihrer A. gewährte, theils als ein Zeichen meiner Dankbarkeit und Hochachtung für das selige Vergnügen was mir Ihre Poesie überhaupt immer machte und noch machen wird.

Wien 1800 am 4ten August.

Erinnern Sie sich bei Durchspielung der A. zuweilen

Ihres Sie wahrhaft verehrenden

Beethoven.

An Frau Frank in Wien.

Ich glaube Sie meine Beste erinnern zu müßen, daß bei der zweiten Ankündigung unserer Akademie Sie wieder nicht Ihren Mann vergeßen lassen sollen, daß diejenigen, die diese A. durch ihre Talente unterstützen, dem Publiko ebenfalls bekannt gemacht werden – so ist es Sitte, ich sehe auch nicht ein, wenn dieses nicht geschieht, was denn das Auditorium zahlreicher machen soll, welches doch der Hauptzweck dieser A. sein soll; – Punto ist nicht wenig aufgebracht darüber, und er hat auch Recht, und es war mein Vorsatz, noch ehe ich ihn gesehen, Sie daran zu erinnern, indem ich mir es nicht anders als durch eine große Eile oder große Vergeßlichkeit erklären kann, daß es nicht geschehen ist. Sorgen Sie also jetzt meine Beste dafür, indem wenn es nicht geschehen wird, Sie sich sichern Verdrießlichkeiten aussetzen werden. – Nachdem ich mich einmal durch andere und durch mich bestimmt überzeugt habe, daß ich in dieser A. nicht unnütz bin, so weiß ich, daß nicht sowohl ich, als auch Punto, Simoni, Galvani eben das nemliche fordern werden, daß das Publikum auch mit unserm Eifer für das wohlthätige Gute dieser A. bekannt gemacht werde, sonst müssen wir alle schließen, daß wir unnütz sind

ganz Ihr

L. v. Beethoven.

An Wegeler.

Wien am 16. November 1800.

Mein guter Wegeler! ich danke Dir für den neuen Beweis Deiner Sorgfalt um mich, umso mehr, da ich es so wenig um Dich verdiene. – Du willst wissen, wie es mir geht, was ich brauche; so ungern ich mich von dem Gegenstand überhaupt unterhalte, so thue ich es doch noch am liebsten mit Dir.

Vering läßt mich nun schon seit einigen Monaten immer Vesicatorien auf beide Arme legen, welche aus einer gewissen Rinde, wie Du wissen wirst, bestehen. – Das ist nun eine höchst unangenehme Cur, indem ich immer ein Paar Tage des freien Gebrauchs (ehe die Rinde genug gezogen hat,) meiner Arme beraubt bin, ohne der Schmerzen zu gedenken; es ist nun wahr, ich kann es nicht leugnen, das Sausen und Brausen ist etwas schwächer, als sonst, besonders am linken Ohre, mit welchem eigentlich meine Gehörkrankheit angefangen hat, aber mein Gehör ist gewiß um nichts noch gebessert; ich wage es nicht zu bestimmen, ob es nicht eher schlechter geworden. – Mit meinem Unterleibe geht’s besser; besonders wenn ich einige Tage das lauwarme Bad gebrauche, befinde ich mich 8 auch 10 Tage ziemlich wohl; sehr selten einmal etwas Stärkendes für den Magen; mit den Kräutern auf den Bauch fange ich jetzt auch nach Deinem Rathe an. – Von Sturzbädern will Vering nichts wissen; überhaupt aber bin ich mit ihm sehr unzufrieden; er hat gar zu wenig Sorge und Nachsicht für so eine Krankheit; käme ich nicht einmal zu ihm, und das geschieht auch mit viel Mühe, so würde ich ihn nie sehen. – Was hältst Du von Schmidt? Ich wechsele zwar nicht gern, doch scheint mir, Vering ist zu sehr Praktiker, als daß er sich viel neue Ideen durchs Lesen verschaffte. – Schmidt scheint mir hierin ein ganz anderer Mensch zu sein und würde vielleicht auch nicht gar so nachlässig sein. – Man spricht Wunder vom Galvanism; was sagst Du dazu? Ein Mediziner sagte mir, er habe ein taubstummes Kind sehen sein Gehör wieder erlangen (in Berlin) und einen Mann, der ebenfalls sieben Jahre taub gewesen und sein Gehör wieder erlangt habe. – Ich höre eben, Dein Schmidt macht hierin Versuche.

Etwas angenehmer lebe ich jetzt wieder, indem ich mich mehr unter Menschen gemacht. Du kannst es kaum glauben, wie öde, wie traurig ich mein Leben seit 2 Jahren zugebracht; wie ein Gespenst ist mir mein schwaches Gehör überall erschienen, und ich floh die Menschen, mußte Misanthrop scheinen und bin’s doch so wenig. – Diese Veränderung hat ein liebes, zauberisches Mädchen hervorgebracht, das mich liebt und das ich liebe; es sind seit 2 Jahren wieder einige selige Augenblicke, und es ist das erste Mal, daß ich fühle, daß Heirathen glücklich machen könnte; leider ist sie nicht von meinem Stande, – und jetzt – könnte ich nun freilich nicht heirathen: ich muß mich nur noch wacker herumtummeln. Wäre mein Gehör nicht, ich wäre nun schon längst die halbe Welt durchgereiset und das muß ich. – Für mich giebt es kein größeres Vergnügen, als meine Kunst zu treiben und zu zeigen. – Glaub nicht, daß ich bei euch glücklich sein würde. Was sollte mich auch glücklicher machen? Selbst eure Sorgfalt würde mir wehe thun, ich würde jeden Augenblick das Mitleiden auf euren Gesichtern lesen und würde mich nur noch unglücklicher finden. – Jene schönen vaterländischen Gegenden, was war mir in ihnen beschieden? Nichts als die Hoffnung auf einen bessern Zustand; er wäre mir nun geworden – ohne dieses . Übel! O die Welt wollte ich umspannen von diesem frei! Meine Jugend, ja ich fühle es, sie fängt erst jetzt an; war ich nicht immer ein siecher Mensch? Meine körperliche Kraft nimmt seit einiger Zeit mehr als jemals zu und so meine Geisteskräfte. Jeden Tag gelange ich mehr zu dem Ziel, was ich fühle, aber nicht beschreiben kann. Nur hierin kann Dein Beethoven leben. Nichts von Ruhe! – ich weiß von keiner andern als dem Schlaf, und wehe genug thut mir’s, daß ich ihm jetzt mehr schenken muß, als sonst. Nur halbe Befreiung von meinem Übel, und dann – als vollendeter, reifer Mann, komme ich zu euch, erneuere die alten Freundschaftsgefühle.

So glücklich als es mir hienieden beschieden ist, sollt ihr mich sehen, nicht unglücklich. – Nein, das könnte ich nicht ertragen, ich will dem Schicksal in den Rachen greifen; ganz niederbeugen soll es mich gewiß nicht. – O es ist so schön, das Leben tausendmal leben! – Für ein stilles Leben, nein, ich fühl’s, ich bin nicht mehr dafür gemacht.

Du schreibst mir doch so bald, als möglich. – Sorget daß der Steffen sich bestimmt sich irgendwo im deutschen Orden anstellen zu lassen. Das Leben hier ist für seine Gesundheit mit zu viel Strapazen verbunden. Noch obendrein führt er ein so isolirtes Leben, daß ich gar nicht sehe wie er so weiter kommen will. Du weißt wie das hier ist; ich will nicht einmal sagen, daß Gesellschaft seine Abspannung vermindern würde; man kann ihn auch nirgends hinzugehen überreden. – Ich habe einmal bei mir vor einiger Zeit Musik gehabt; unser Freund Steffen blieb doch aus. – Empfehle ihm doch mehr Ruhe und Gelassenheit, ich habe schon auch Alles angewendet; ohne diese kann er nie weder glücklich noch gesund sein. – Schreib mir nun im nächsten Briefe ob’s nichts macht, wenn’s recht viel ist, was ich Dir von meiner Musik schicke; Du kannst zwar das, was Du nicht brauchst, verkaufen, und so hast Du Dein Postgeld – mein Portrait auch. Alles Schöne und Verbindliche an die Lorchen – auch die Mama – auch Christoph. – Du liebst mich doch ein wenig? sei sowohl von dieser (meiner Liebe), als auch von der Freundschaft überzeugt Deines Beethoven.

An den Kapellmeister Hofmeister in Leipzig.

Wien am 15. December 1800.

Geliebtester Hr. Bruder!

Ich habe dero Anfragen schon mehrmalen beantworten wollen, bin aber in der Briefstellerei erschrecklich faul, und da steht’s lange an bis ich einmal statt Noten trockene Buchstaben schreibe, nun habe ich mich endlich einmal bezwungen, dero Begehren Genüge zu leisten. – Pro primo ist zu wissen, daß es mir sehr leid ist, daß Sie mein geliebter Hr. Bruder in der Tonkunst mir nicht eher etwas zu wissen gemacht haben, damit ich Ihnen meine Quartetten hätte zu Markt bringen können, so wie auch viele andere Sachen, die ich nun schon verhandelt. Doch wenn der Hr. Bruder eben so gewissenhaft sind als manche andre ehrliche Stecher, die uns arme Komponisten zu Tod stechen, so werden Sie schon auch wissen, wenn sie herauskommen, Nutzen davon zu ziehen. – Ich will in der Kürze also hersetzen, was der Hr. Bruder von mir haben können: 1. ein Septett per il violino, viola, violon cello, Contra-Bass, clarinett, corno, fagotto; – tutti obligati (ich kann gar nichts unobligates schreiben, weil ich schon mit einem obligaten Accompagnement auf die Welt gekommen bin). Dieses Septett hat sehr gefallen. Zum häufigern Gebrauch könnte man die drei Blasinstrumente nemlich: Fagotto, clarinetto und corno, in noch eine Violine, noch eine Viola und noch ein Violoncello übersetzen – 2. eine große Symphonie mit vollständigem Orchester. – 3. ein Konzert für’s Clavier, welches ich zwar für keins von meinen besten ausgebe, so wie ein anderes, was bei Mollo hier herauskommen wird, (zur Nachricht an die Leipziger Rezensenten), weil ich die bessern noch für mich behalte, bis ich selbst eine Reise mache, doch dürfte es Ihnen keine Schande machen es zu stechen. – 4. eine große Solo Sonate. – Das ist alles was ich in diesem Augenblicke hergeben kann, ein wenig später können Sie ein Quintett für Geigeninstrumente haben, wie auch vielleicht Quartetten, und auch andere Sachen, die ich jetzt nicht bei mir habe. – Bei Ihrer Antwort können Sie mir selbst auch Preise festsetzen und da Sie weder Jud noch Italiener, und ich auch keins von beiden bin, so werden wir schon zusammenkommen. – Geliebtester Hr. Bruder gehaben Sie sich wohl und seyn Sie versichert von der Achtung

Ihres Bruders

L. v. Beethoven.

An denselben.

Wien am 15. (oder so was dergleichen) Jenner 1801.

Mit vielem Vergnügen mein geliebtester Herr Bruder und Freund habe ich Ihren Brief gelesen. Ich danke Ihnen recht herzlich für die gute Meinung die Sie für mich und meine Werke gefaßt haben und wünsche es mir oft verdienen zu können; auch dem Herrn K. bitte ich meinen pflichtschuldigen Dank für seine gegen mich geäußerte Höflichkeit und Freundschaft abzustatten. – Ihre Unternehmungen freuen mich ebenfalls und ich wünsche daß wenn die Werke der Kunst Gewinn schaffen können, dieser doch viel lieber echten wahren Künstlern als bloßen Krämern zu Theil werde.

Daß Sie Sebastian Bachs Werke herausgeben wollen ist etwas was meinem Herzen, das ganz für die hohe große Kunst dieses Urvaters der Harmonie schlägt, recht wohl thut und ich bald in vollem Laufe zu sehen wünsche; ich hoffe von hier aus, sobald wir den goldenen Frieden verkündigt werden hören, selbst manches dazu beizutragen sobald Sie darauf Pränumeration nehmen.

Was nun unsere eigentlichen Geschäfte anbelangt, weil Sie es nun so wollen, so sei Ihnen hiemit gedient. Für jetzt trage ich Ihnen folgende Sachen an: Septett (wovon ich Ihnen schon geschrieben) 20 Duc., Symphonie 20 Duc., Concert 10 Duc., große Solosonate Allegro, Adagio, Minuetto, Rondo 20 Duc. Diese Sonate hat sich gewaschen geliebtester Herr Bruder!

Nun zur Erläuterung: Sie werden sich vielleicht wundern daß ich hier keinen Unterschied zwischen Sonate, Septett, Symphonie mache, weil ich finde daß ein Septett oder Symphonie nicht so viel Abgang findet als eine Sonate, deswegen thue ich das obwohl eine Symphonie unstreitig mehr gelten soll. (NB. das Septett besteht aus einem kurzen Eingangsadagio, dann Allegro, Adagio, Minuetto, Andante mit Variationen, Minuetto, wieder kurzes Eingangsadagio und dann Presto). – Das Concert schlage nur zu 10 Duc. an, weil wie schon geschrieben ichs nicht für eins von meinen besten ausgebe. Ich glaube nicht daß Ihnen dieses übertrieben scheint Alles zusammengenommen, wenigstens habe ich mich bemüht Ihnen so mäßig als möglich die Preise zu machen. – Was die Anweisung betrifft so können, da Sie mir es frei stellen, Sie selbe an Geimüller oder Schüller ergehen lassen. Die ganze Summe wäre also 70 Ducaten für alle 4 Werke, ich verstehe mich auf kein anderes Geld als Wiener Ducaten, wie viel das bei Ihnen Thaler in Golde macht, das geht mich alles nichts an weil ich wirklich ein schlechter Negociant und Rechner bin. Nun wäre das saure Geschäft vollendet, ich nenne das so weil ich wünschte daß es anders in der Welt sein könnte. Es sollte nur ein Magazin der Kunst in der Welt sein wo der Künstler seine Kunstwerke nur hinzugeben hätte um zu nehmen was er brauchte; so muß man noch ein halber Handelsmann dabei sein und wie findet man sich darein – du lieber Gott – das nenne ich noch einmal sauer. – Was die Leipziger Ochsen betrifft so lasse man sie doch nur reden, sie werden gewiß niemand durch ihr Geschwätz unsterblich machen, so wie sie auch niemand die Unsterblichkeit nehmen werden dem sie vom Apoll bestimmt ist.

Jetzt behüte Sie und Ihren Mitverbundenen der Himmel, ich bin schon einige Zeit nicht wohl und da wird es mir jetzt so gar ein wenig schwer Noten zu schreiben, viel weniger Buchstaben. Ich hoffe daß wir oft Gelegenheit haben werden uns zuzusichern wie sehr Sie meine Freunde und wie sehr ich bin –

Ihr Bruder und Freund

L. v. Beethoven.

Auf eine baldige Antwort – Adieu.

An denselben.

Wien am 22. April 1801.

Sie haben Ursache über mich zu klagen und das nicht wenig. Meine Entschuldigung besteht darin daß ich krank war und dabei noch obendrein sehr viel zu thun hatte, so daß es mir kaum möglich war auch nur darauf zu denken was ich Ihnen zu schicken hatte, dabei ist es vielleicht das einzige Geniemäßige was an mir ist, daß meine Sachen sich nicht immer in der besten Ordnung befinden und doch niemand im Stande ist als ich selbst da zu helfen. So z. B. war zu dem Concerte in der Partitur die Clavierstimme meiner Gewohnheit nach nicht geschrieben und ich schrieb sie erst jetzt, daher Sie dieselbe wegen Beschleunigung von meiner eigenen nicht gar zu lesbaren Handschrift erhalten.

Um so viel als möglich die Werke in der gehörigen Ordnung folgen zu lassen merke ich Ihnen an daß Sie


auf die Solosonate Op. 22
auf die Symphonie Op. 21
auf das Septett Op. 20
auf das Concert Op. 19

setzen mögen lassen. Die Titeln werde ich Ihnen nächstens nach schicken.

Auf die Johann Sebastian Bach’schen Werke setzen Sie mich als Pränumerant an sowie auch den Fürsten Lichnowsky. Die Übersetzung der Mozartischen Sonaten in Quartetten wird Ihnen Ehre machen und auch gewiß einträglich sein; ich wünschte selbst hier bei solchen Gelegenheiten mehr beitragen zu können, aber ich bin ein unordentlicher Mensch und vergesse bei meinem besten Willen auch Alles, doch habe ich schon hier und da davon gesprochen und finde überall die beste Neigung dazu. Es wäre recht hübsch wenn der Herr Bruder auch nebst dem daß Sie das Septett so herausgeben, dasselbe auch für Flöte z. B. als Quintett arrangirten, dadurch würde den Flötenliebhabern die mich schon darum angegangen, geholfen und sie würden darin wie die Insecten herumschwärmen und davon speisen. – Von mir noch etwas zu sagen so habe ich ein Ballet gemacht wobei aber der Balletmeister seine Sache nicht ganz zum Besten gemacht. – Der F … von L. hat uns auch mit einem Producte beschenkt das den Ideen die uns die Zeitungen von seinem Genie gaben, nicht entspricht; wieder ein neuer Beweis für die Zeitungen. Der F … scheint sich Herrn M … beim Kasperle zum Ideale gemacht zu haben, doch – ohne sogar ihn – zu erreichen. – Das sind die schönen Aussichten unter denen wir arme Hiesigen gleich empor keimen sollen.

Mein lieber Bruder eilen Sie nun recht die Werke zum Angesicht der Welt zu bringen und schreiben Sie mir bald etwas damit ich wisse ob ich durch meine Versäumniß nicht Ihr ferneres Zutrauen verloren habe.

Ihrem Associe Kühnel alles Schöne und Gute. In Zukunft soll alles prompt und fertig gleich folgen. Und hiermit gehaben Sie sich wohl und behalten Sie lieb

Ihren Freund und Bruder

Beethoven.

An denselben.

Wien Juni 1801.

Ein wenig verwundert bin ich wirklich über das was Sie mir durch den hiesigen Besorger Ihrer Geschäfte haben sagen lassen; fast möchte es mich verdrießen daß Sie mich eines so schlechten Streichs fähig halten. Ein anderes wäre es ich hätte meine Sache nur gewinnsüchtigen Krämern verhandelt und machte dann noch versteckter Weise eine andere gute Speculation, aber Künstler gegen Künstler das ist etwas stark mir so etwas zuzumuthen. Mir scheint das Ganze entweder völlig ausgedacht um mich zu prüfen oder bloß Vermuthung zu sein. Auf jeden Fall diene Ihnen hiermit daß ich ehe Sie das Septett von mir erhielten, ich es dem Herrn Salomon (um es in seinem Concert aufzuführen, dieses geschah blos aus Freundschaft) nach London schickte, aber mit dem Beisatze ja zu sorgen, daß es nicht in fremde Hände komme, weil ich gesonnen sei es in Deutschland stechen zu lassen, worüber wenn Sie es nöthig finden Sie sich selbst bei ihm erkundigen können.

Um Ihnen aber noch einen Beweis von meiner Rechtschaffenheit zu geben, gebe ich Ihnen hiermit meine Versicherung daß ich das Septett das Concert die Symphonie und die Sonate Niemand in der Welt verkauft habe als Ihnen Herr Hofmeister und Kühnel und daß Sie es förmlich als Ihr ausschließliches Eigenthum ansehen können wofür ich mit meiner Ehre hafte. Sie können diese Versicherung auf jeden Fall brauchen wie Sie wollen.

Übrigens glaube ich ebensowenig daß Salomon eines so schlechten Streichs das Septett stechen zu lassen fähig ist als ich es ihm verkauft zu haben. Ich bin so gewissenhaft daß ich verschiedenen Verlegern den Clavierauszug vom Septett um den sie mich angesucht haben abgeschlagen und doch weiß ich nicht einmal ob Sie auf diese Art davon Gebrauch machen werden.

Hier folgen die längst versprochenen Titel von meinen Werken […]

An den Titeln wird noch manches zu ändern oder zu verbessern sein, das überlasse ich Ihnen. Nächstens erwarte ich von Ihnen ein Schreiben und auch bald nun die Werke welche ich wünsche gestochen zu sehen, indem andre schon herausgekommen und kommen welche sich auf diese Nummern beziehen. An Salomon habe ich schon geschrieben, da ich aber Ihre Aussagen bloß für Gerücht halte das Sie ein wenig zu leichtgläubig aufnahmen oder gar für Vermuthung, die sich Ihnen vielleicht da Sie von ungefähr davon gehört haben daß ich es Salomon geschickt, aufgedrungen hat, so kann ich nicht anders als mit einiger Kälte so leichtgläubigen Freunden mich nennen

Ihren Freund

L. v. Beethoven.

An seinen Schüler Ferdinand Ries.

Hier, lieber Ries! nehmen Sie gleich die vier von mir corrigirten Stimmen und sehen Sie die anderen abgeschriebenen darnach durch. […] Hier der Brief an Gr. Browne; es steht darin, daß er Ihnen 50 Ducaten voraus geben muß, weil Sie sich equipiren müssen. Das ist eine Nothwendigkeit, die ihn nicht beleidigen kann; denn, nachdem das geschehen, sollen Sie künftige Woche schon am Montag mit ihm nach Baden gehen. Vorwürfe muß ich Ihnen denn doch machen, daß Sie sich nicht schon lange an mich gewendet; bin ich nicht Ihr wahrer Freund? Warum verbergen Sie mir Ihre Noth? Keiner meiner Freunde darf darben, so lange ich etwas hab; ich hätte Ihnen schon eine kleine Summe geschickt, wenn ich nicht auf Browne hoffte; geschieht das nicht, so wenden Sie sich gleich an Ihren Freund Beethoven.

An den Musikalienhändler Hofmeister in Leipzig.

Wien am 8. April 1802.

Reit euch denn der Teufel insgesammt meine Herren – mir vorzuschlagen eine solche Sonate zu machen? – Zur Zeit des Revolutionsfiebers – nun da wäre das so etwas gewesen, aber jetzt da sich alles wieder ins alte Geleis zu schieben sucht, Buonaparte mit dem Pabste das Concordat geschlossen – so eine Sonate? – Wärs noch eine Missa pro sancta Maria à tre voci oder eine Vesper etc. – nun da wollt ich gleich den Pinsel in die Hand nehmen und mit großen Pfundnoten ein Credo in unum hinschreiben, – aber du lieber Gott eine solche Sonate zu diesen neu angehenden christlichen Zeiten – hoho! – das laßt mich aus, da wird nichts daraus.

Nun im geschwindesten Tempo meine Antwort. Die Dame kann eine Sonate von mir haben, auch will ich in ästhetischer Tonarten zu befolgen – den Preis um 5 Duc. – dafür kann sie dieselbe ein Jahr für sich zu ihrem Genuß behalten, ohne daß weder ich noch sie dieselbe herausgeben darf. Nach dem Verlauf dieses Jahres ist die Sonate nur mein zu – d. h. ich kann und werde sie herausgeben und sie kann sich allenfalls, wenn sie glaubt darin eine Ehre zu finden, sich ausbitten daß ich ihr dieselbe widme.

Jetzt behüt euch Gott ihr Herren.

Meine Sonate ist schön gestochen, doch hat’s hübsch lange gedauert. Mein Septett schickt ein wenig geschwinder in die Welt weil der P … darauf harrt – und ihr wißts die Kaiserin hats und … gibts in der K. Stadt wie … ich stehe euch darin für nichts gut, – darum sputet euch. Herr … hat wieder neuerdings meine Quartettensage voller Fehler und Errata in großer und kleiner Manier herausgegeben, sie wimmeln darin wie die Fische im Wasser d. h. ins Unendliche. – Questo è un piacere per un autore – das heiß ich stechen, in Wahrheit meine Haut ist ganz voller Stiche und Risse über diese schönen Auflagen meiner Quartetten.

Jetzt lebt wohl und gedenkt meiner wie ich Eurer. Bis in den Tod Euer treuer

– L. v. Beethoven.

Testament.

Für meine Brüder Carl und Johann Beethoven.

O ihr Menschen, die ihr mich für feindselig, störrisch oder misanthropisch haltet oder erkläret, wie unrecht thut ihr mir, ihr wißt nicht die geheime Ursache von dem, was euch so scheinet! Mein Herz und mein Sinn waren von Kindheit an für das zarte Gefühl des Wohlwollens. Selbst große Handlungen zu verrichten, dazu war ich immer aufgelegt. Aber bedenket nur, daß seit sechs Jahren ein heilloser Zustand mich befallen, durch unvernünftige Ärzte verschlimmert, von Jahr zu Jahr in der Hoffnung gebessert zu werden betrogen, endlich zu dem Überblick eines dauernden Übels (dessen Heilung vielleicht Jahre dauern oder gar unmöglich ist) gezwungen. Mit einem feurigen lebhaften Temperamente geboren, selbst empfänglich für die Zerstreuungen der Gesellschaft, mußte ich früh mich absondern, einsam mein Leben zubringen; wollte ich auch zuweilen mich einmal über alles das hinaussetzen, o wie hart wurde ich durch die verdoppelte traurige Erfahrung meines schlechten Gehörs dann zurückgestoßen, und doch war’s mir noch nicht möglich, den Menschen zu sagen: sprecht lauter, schreit, denn ich bin taub! Ach wie wäre es möglich, daß ich die Schwäche eines Sinnes angeben sollte, der bei mir in einem vollkommenern Grade als bei Andern sein sollte, einen Sinn, den ich einst in der größten Vollkommenheit besaß, in einer Vollkommenheit, wie ihn wenige von meinem Fache gewiß haben noch gehabt haben! – O ich kann es nicht! – Drum verzeiht, wenn ihr mich da zurückweichen sehen werdet, wo ich mich gern unter euch mischte. Doppelt wehe thut mir mein Unglück, indem ich dabei verkannt werden muß. Für mich darf Erholung in menschlicher Gesellschaft, feineren Unterredungen, wechselseitigen Ergießungen nicht Statt haben. Ganz allein fast und so viel als es die höchste Nothwendigkeit fordert, darf ich mich in Gesellschaft einlassen. Wie ein Verbannter muß ich leben. Nahe ich mich einer Gesellschaft, so überfällt mich eine heiße Ängstlichkeit, indem ich befürchte, in Gefahr gesetzt zu werden meinen Zustand merken zu lassen. – So war es denn auch dieses halbe Jahr, was ich auf dem Lande zubrachte. Von meinem vernünftigen Arzte aufgefordert, so viel als möglich mein Gehör zu schonen, kam er fast meiner jetzigen Disposition entgegen, obschon, vom Triebe zur Gesellschaft manchmal hingerissen, ich mich dazu verleiten ließ. Aber welche Demüthigung, wenn Jemand neben mir stand, und von weitem eine Flöte hörte und ich nichts hörte, oder Jemand den Hirten singen hörte, und ich auch nichts hörte! Solche Ereignisse brachten mich nahe an Verzweiflung, und es fehlte wenig, und ich endigte selbst mein Leben. Nur sie, die Kunst, sie hielt mich zurück! Ach es dünkte mir unmöglich, die Welt eher zu verlassen, bis ich das alles hervorgebracht, wozu ich mich aufgelegt fühlte. Und so fristete ich dieses elende Leben, so wahrhaft elend, daß mich eine etwas schnelle Veränderung aus dem besten Zustand in den schlechtesten versetzen kann. Geduld – so heißt es, sie muß ich nun zur Führerin wählen! Ich habe es. – Dauernd, hoffe ich, soll mein Entschluß sein, auszuharren, bis es den unerbittlichen Parzen gefällt, den Faden zu brechen. Vielleicht geht es besser, vielleicht nicht. Ich bin gefaßt. – Schon in meinem 28. Jahre gezwungen Philosoph zu werden. Es ist nicht leicht, für den Künstler schwerer als für irgend Jemand. – Gottheit du siehst herab auf mein Inneres, du kennst es, du weißt, daß Menschen liebe und Neigung zum Wohlthun darin hausen! O Menschen, wenn ihr einst dieses leset, so denkt, daß ihr mir unrecht gethan, und der Unglückliche, er tröste sich einen seines Gleichen zu finden, der trotz allen Hindernissen der Natur doch noch Alles gethan, was in seinem Vermögen stand, um in die Reihe würdiger Künstler und Menschen aufgenommen zu werden. – Ihr meine Brüder Carl und Johann – sobald ich todt bin und Professor Schmidt lebt noch, so bittet ihn in meinem Namen, daß er meine Krankheit beschreibe, und dieses hier geschriebene Blatt füget ihr dieser meiner Krankengeschichte bei, damit wenigstens so viel als möglich die Welt nach meinem Tode mit mir versöhnt werde. Zugleich erkläre ich euch Beide hier für die Erben des kleinen Vermögens (wenn man es so nennen kann) von mir. Theilet es redlich und vertragt und helft euch einander. Was ihr mir zuwider gethan, das wißt ihr, war euch schon längst verziehen. Dir Bruder Carl danke ich noch insbesondere für deine in dieser letztern Zeit mir bewiesene Anhänglichkeit. Mein Wunsch ist, daß euch ein besseres, sorgenloseres Leben als mir werde. Empfehlt euren Kindern Tugend; sie nur allein kann glücklich machen, nicht Geld. Ich spreche aus Erfahrung. Sie war es, die mich selbst im Elende gehoben; ihr danke ich nebst meiner Kunst, daß ich durch keinen Selbstmord mein Leben endigte. – Lebt wohl und liebet euch! – Allen Freunden danke ich, besonders Fürst Lichnowsky und Professor Schmidt. – Die Instrumente von Fürst L. wünsche ich, daß sie doch mögen aufbewahrt werden bei einem von euch; doch entstehe deswegen kein Streit unter euch. Sobald sie euch aber zu etwas Nützlicherem dienen können, so verkauft sie nur. Wie froh bin ich, wenn ich auch noch im Grabe euch nützen kann.

So war’s geschehen: – Mit Freuden eile ich dem Tode entgegen. Kommt er früher, als ich Gelegenheit gehabt habe, noch alle meine Kunstfähigkeiten zu entfalten, so wird er mir, trotz meinem harten Schicksale doch noch zu früh kommen, und ich würde ihn wohl später wünschen; doch auch dann bin ich zufrieden, befreit er mich nicht von einem endlosen leidenden Zustande. – Komm wann du willst, ich gehe dir muthig entgegen. Lebt wohl und vergeßt mich nicht ganz im Tode, ich habe es um euch verdient, indem ich in meinem Leben oft an euch gedacht, euch glücklich zu machen; seid es!

Heiligenstadt am 6. October 1802.

Ludwig van Beethoven.

[Außen.] – Heiligenstadt am 10. October 1802.

So nehme ich denn Abschied von Dir – und zwar traurig. – Ja die geliebte Hoffnung, die ich mit hieher nahm, wenigstens bis zu einem gewissen Punkte geheilet zu seyn, sie muß mich nun gänzlich verlassen. Wie die Blätter des Herbstes herabfallen, gewelkt sind, so ist auch sie für mich dürre geworden. Fast wie ich hierher kam, gehe ich fort; selbst der hohe Muth, der mich oft in den schönen Sommertagen beseelte, er ist verschwunden. O Vorsehung, laß einmal einen reinen Tag der Freude mir erscheinen! So lange schon ist der wahren Freude inniger Wiederhall mir fremd. Wann, o wann, o Gottheit! kann ich im Tempel der Natur und der Menschen ihn wieder fühlen? – Nie? – nein es wäre zu hart!

[Außen:] Für meine Brüder Carl und Johann nach meinem Tode zu lesen und zu vollziehen.

Anzeige.

Ich glaube es dem Publikum und mir selber schuldig zu sein öffentlich anzuzeigen, daß die beiden Quintetten aus C und Es-dur, wovon das eine (ausgezogen aus einer Sinfonie von mir) bei Herrn Mollo in Wien, das andere (ausgezogen aus dem Septett von mir Op. 20) bei Herrn Hofmeister in Leipzig erschienen ist, nicht Original-Quintetten sondern nur Übersetzungen sind, welche die Herren Verleger veranstaltet haben. – Das Übersetzen überhaupt ist eine Sache, wogegen sich heut zu Tage (in unserm fruchtbaren Zeitalter – der Übersetzungen) ein Autor nur umsonst sträuben würde; aber man kann wenigstens mit Recht verlangen, daß die Verleger es auf dem Titelblatte anzeigen, damit die Ehre des Autors nicht geschmälert und das Publikum nicht hintergangen werde. – Dies um dergleichen Fällen in der Zukunft vorzubeugen. – Ich mache zugleich bekannt, daß ehestens ein neues Original Quintett von meiner Composition aus Cdur Op. 29 bei Breitkopf und Härtel in Leipzig erscheinen wird.

Ludwig van Beethoven.

An Ferdinand Ries.

Daß ich da bin, werden Sie wohl wissen. Gehen Sie zu Stein und hören Sie, ob er mir nicht ein Instrument hierher geben kann – für Geld. Ich fürchte meines hierher tragen zu lassen. Kommen Sie diesen Abend gegen 7 Uhr heraus. Meine Wohnung ist in Oberdöbling Nr. 4 die Straße links, wo man den Berg hinunter nach Heiligenstadt geht.

An Hofmeister in Leipzig.

Wien am 22. September 1803.

Hiermit erkläre ich also alle Werke um die Sie geschrieben als Ihr Eigenthum, das Verzeichniß davon wird Ihnen noch einmal abgeschrieben und mit meiner Unterschrift als Ihr erklärtes Eigenthum geschickt werden. Auch den Preis von 50 Duc. gehe ich ein. Sind Sie damit zufrieden? –

Vielleicht kann ich Ihnen statt der Variationen mit Violoncell und Violin vierhändige Variationen über ein Lied von mir, – wo die Poesie von Göthe wird ebenfalls dabei müssen gestochen werden, da ich diese Variationen in ein Stammbuch geschrieben und sie für besser wie die andern halte. Sind Sie zufrieden? – – Die Übersetzungen sind nicht von mir, doch sind sie von mir durchgesehen und stellenweise ganz verbessert worden, also kommt mir ja nicht daß Ihr da schreibt daß ichs übersetzt habe, weil Ihr sonst lügt und ich auch gar nicht die Zeit und Geduld dazu zu finden wüßte. – Seid Ihr zufrieden?

Jetzt lebt wohl, ich kann euch nichts anders wünschen als daß es euch herzlich wohl gehe und ich wollte euch Alles schenken, wenn ich damit durch die Welt kommen könnte, aber – bedenkt nur Alles um mich her ist angestellt und weiß sicher wovon es lebt, aber du lieber Gott wo stellt man so ein parvum talentum com ego an den Kaiserlichen Hof?

– Euer Freund

L. v. Beethoven.

Warnung.

Herr Carl Zulehner, ein Nachstecher in Maynz, hat eine Ausgabe meiner sämmtlichen Werke für Pianoforte und Geiginstrumente angekündigt. Ich halte es für meine Pflicht, allen Musikfreunden hiermit öffentlich bekannt zu machen, daß ich an dieser Ausgabe nicht den geringsten Antheil habe. Ich hätte nie zu einer Sammlung meiner Werke, welche Unternehmung ich schon an sich voreilig finde, die Hand gebothen, ohne zuvor mit den Verlegern der einzelnen Werke Rücksprache genommen und für die Correctheit, welche den Ausgaben verschiedener einzelner Werke mangelt, gesorgt zu haben. Überdies muß ich bemerken, daß jene widerrechtlich unternommene Ausgabe meiner Werke nie vollständig werden kann, da in kurzem verschiedene neue Werke in Paris erscheinen werden, welche Herr Zulehner, als französischer Unterthan, nicht nachstechen darf. Über eine unter meiner eigenen Aufsicht und nach vorhergegangener strenger Revision meiner Werke zu Unternehmende Sammlung derselben werde ich mich bei einer andern Gelegenheit umständlich erklären.

Ludwig van Beethoven.

An Ferdinand Ries.

Lieber Ries.

Ich bitte Sie, erzeigen Sie mir die Gefälligkeit, dieses Andante wenn auch nur schlecht, abzuschreiben. Ich muß es morgen fortschicken und – da der Himmel weiß, was allenfalls damit vorgehen kann, so wünschte ich’s abgeschrieben. Doch muß ich’s morgen gegen 1 Uhr zurück haben. Die Ursache, warum ich Sie damit beschwere, ist weil ein Copist schon mit andern wichtigen Sachen beschäftiget und der andere krank ist.

An den Componisten Leidesdorf in Wien.

Dorf des Leides!

Gebt dem Überbringer dieses Hrn. Ries einiges leichtes Vierhändiges oder noch besser umsonst. – Betragt euch nach der gereinigten Lehre. – Lebt wohl.

Beethoven

minimus.

An Ferdinand Ries.

Baaden am 14ten Juli 1804.

Wenn Sie lieber Rieß ein besseres Quartier zu finden wissen, so ist es mir sehr lieb. Meinen Brüdern müssen Sie also sagen, daß Sie dieses nicht gleich miethen; – ich wünschte sehr eins auf einem großen stillen Platz oder auf der Bastey zu haben. – Daß mein Hr. Bruder nicht eher den Wein besorgt, ist unverzeihlich, da er mir so nöthig und zuträglich ist; ich werde Sorge tragen bis Mittwoche bey der Probe zu seyn. Daß Sie bey Schuppanzigh ist, ist mir nicht recht. Er könnte mir Dank wissen, wenn ihn meine Kränkungen mägerer machten. – Leben Sie wohl, lieber Rieß; wir haben schlechtes Wetter hier, und ich bin vor den Menschen hier nicht sicher, ich muß mich flüchten, um einsam seyn zu können. Ihr wahrer Freund

L. v. Bthvn.

An denselben.

Lieber Ries!

Da Breuning keinen Anstand genommen hat, Ihnen und dem Hausmeister durch sein Benehmen meinen Charakter vorzustellen, wo ich als ein elender, armseliger, kleinlicher Mensch erscheine, so suche ich Sie dazu aus, erstens meine Antwort Breuning mündlich zu überbringen, nur auf einen und den ersten Punct seines Briefes, welchen ich nur deswegen beantworte, weil dieses meinen Charakter nur bei Ihnen recht fertigen soll. – Sagen Sie ihm also, daß ich gar nicht daran gedacht, ihm Vorwürfe zu machen wegen der Verspätung des Aufsagens, und daß, wenn wirklich Breuning Schuld daran gewesen sei, mir jedes harmonische Verhältniß in der Welt viel zu theuer und lieb sei, als daß um einige Hundert und noch mehr, ich einem meiner Freunde Kränkungen zufügen würde. Sie selbst wissen, daß ich Ihnen ganz scherzhaft vorgeworfen habe, daß Sie Schuld daran wären, daß die Aufsagung durch Sie zu spät gekommen sei. Ich weiß gewiß, daß Sie sich dessen erinnern werden; bei mir war die ganze Sache vergessen. Nun fing mein Bruder bei Tische an und sagte, daß er Breuning Schuld glaube an der Sache; ich verneinte es auf der Stelle und sagte, daß Sie Schuld daran wären. Ich meine, das war doch deutlich genug, daß ich Breuning nicht die Schuld beimesse. Breuning sprang darauf auf, wie ein Wüthender, und sagte, daß er den Hausmeister heraufrufen wollte. Dieses für mich ungewohnte Betragen vor allen Menschen, womit ich nur immer umgehe, brachte mich aus meiner Fassung; ich sprang ebenfalls auf, warf meinen Stuhl nieder, ging fort und kam nicht mehr wieder. Dieses Betragen nun bewog Breuning mich bei Ihnen und dem Hausmeister in ein so schönes Licht zu setzen und mir ebenfalls einen Brief zu schicken, den ich übrigens nur mit Stillschweigen beantwortete. – Breuning habe ich gar nichts mehr zu sagen. Seine Denkungsart und Handlungsart in Rücksicht meiner beweiset, daß zwischen uns nie ein freundschaftliches Verhältniß Statt hätte finden sollen und auch gewiß nicht ferner Statt finden wird. Hiermit habe ich Sie bekannt machen wollen, da Ihr Zeugniß meine ganze Denkungs- und Handlungs-Art erniedrigt hat. Ich weiß, wenn Sie die Sache so gekannt hätten, Sie es gewiß nicht gethan hätten und damit bin ich zufrieden. Jetzt bitte ich Sie, lieber Ries! gleich nach Empfang dieses Briefes zu meinem Bruder, dem Apotheker, zu gehen und ihm zu sagen, daß ich in einigen Tagen schon Baden verlasse, und daß er das Quartier in Döbling, gleich nachdem Sie es ihm angekündigt, miethen soll. Fast wäre ich schon heute gekommen; es ekelt mich hier; ich bin’s müde. Treiben Sie ums Himmelswillen, daß er es gleich miethet, weil ich gleich allda hausen will. Sagen Sie und zeigen Sie von dem auf der anderen Seite geschriebenen Briefe nichts; ich will ihm von jeder Seite zeigen, daß ich nicht so kleinlich denke wie er, und habe ihm erst nach diesem Briefe geschrieben, obschon der Entschluß zur Auflösung unserer Freundschaft fest ist und bleibt.

Ihr Freund Beethoven.

An denselben.

Baden, den 24. Juli 1804.

Mit der Sache von Breuning werden Sie sich wohl gewundert haben; glauben Sie mir, Lieber! daß mein Aufbrausen nur ein Ausbruch von manchen unangenehmen vorher gegangenen Zufällen mit ihm gewesen ist. Ich habe die Gabe, daß ich über eine Menge Sachen meine Empfindlichkeit verbergen und zurückhalten kann; werde ich aber auch einmal gereizt zu einer Zeit, wo ich empfänglicher für den Zorn bin, so platze ich auch stärker aus, als jeder Andere. Breuning hat gewiß vortreffliche Eigenschaften, aber er glaubt sich von allen Fehlern frei, und hat meistens die am stärksten, welche er an andern Menschen zu finden glaubt. Er hat einen Geist der Kleinlichkeit, den ich von Kindheit an verachtet habe. Meine Beurtheilungskraft hat mir fast vorher den Gang mit Breuning prophezeit, indem unsere Denkungs-, Handlungs- und Empfindungs-Weise zu verschieden ist; doch habe ich geglaubt, daß sich auch diese Schwierigkeiten überwinden ließen; – die Erfahrung hat mich widerlegt. Und nun auch keine Freundschaft mehr! Ich habe nur zwei Freunde in der Welt gefunden, mit denen ich auch nie in ein Mißverhältniß gekommen, aber welche Menschen! Der eine ist todt, der andere lebt noch. Obschon wir fast sechs Jahre hindurch keiner von dem andern etwas wissen, so weiß ich doch, daß in seinem Herzen ich die erste Stelle, so wie er in dem meinigen einnimmt. Der Grund der Freundschaft heischt die größte Ähnlichkeit der Seelen und Herzen der Menschen. Ich wünsche nichts, als daß Sie meinen Brief läsen, den ich an Breuning geschrieben habe und den seinigen an mich. Nein, nie mehr wird er in meinem Herzen den Platz behaupten, den er hatte. Wer seinem Freunde eine so niedrige Denkungsart beimessen kann und sich ebenfalls eine so niedrige Handlungsart wider denselben erlauben, der ist nicht werth der Freundschaft von mir. – Vergessen Sie nicht die Angelegenheit meines Quartiers. Leben Sie wohl; schneidern Sie nicht zu viel, empfehlen Sie mich der Schönsten der Schönen; schicken Sie mir ein halbes Dutzend Nähnadeln.–

Ich hätte mein Leben nicht geglaubt, daß ich so faul sein könnte wie ich hier bin. Wenn darauf ein Ausbruch des Fleißes folgt, so kann wirklich was Rechtes zu Stande kommen.

Vale.

– Beethoven.

An die Herrn Artaria und Kompagnie.

P. S. Ich melde Ihnen hiermit, daß die Sache wegen des neuen Quintetts schon zwischen mir und Gr. Frieß ausgemacht ist. Der Hr. Graf hat mir heute die Versicherung gegeben, daß er Ihnen hiermit ein Geschenk machen will; für heute ist es schon zu spät die Sache schriftlich zu machen, doch soll dies in den ersten Tagen der jetzt kommenden Woche geschehen. Für heute sei es Ihnen nur genug mit dieser Nachricht, – ich glaube hierdurch wenigstens Ihren Dank verdient zu haben.

Wien den ersten Juni 1805.

Ihr ergebenster Diener

Ludwig van Beethoven.

An die Prinzessin von Liechtenstein.

Pour Madame la Princesse Liechtenstein etc.

Verzeihen Sie, Durchlauchtigste Fürstin! wenn Sie durch den Überbringer dieses vielleicht in ein unangenehmes Erstaunen gerathen. Der arme Ries, mein Schüler, muß in diesem unglückseligen Kriege die Muskete auf die Schulter nehmen und – muß zugleich schon als Fremder in einigen Tagen von hier fort. – Er hat nichts, gar nichts, muß eine weite Reise machen. Die Gelegenheit zu einer Academie ist ihm unter diesen Umständen gänzlich abgeschnitten. Er muß seine Zuflucht zur Wohlthätigkeit nehmen. Ich empfehle Ihnen denselben. Ich weiß es Sie verzeihen mir diesen Schritt. Nur in der äußersten Noth kann ein edler Mensch zu solchen Mitteln seine Zuflucht nehmen.

In dieser Zuversicht schicke ich Ihnen den Armen, um nur seine Umstände in etwas zu erleichtern; er muß zu Allen, die ihn kennen, seine Zuflucht nehmen. Mit der tiefsten Ehrfurcht

L. van Beethoven.

An Meyer.

Lieber Meyer!

Ich bitte den Hrn. von Seyfried zu ersuchen daß er heute meine Oper dirigirt, ich will sie heute selbst in der Ferne ansehen und anhören, wenigstens wird dadurch meine Geduld nicht so auf die Probe gesetzt, als so nahebei meine Musik verhuntzen zu hören. – Ich kann nicht anders glauben, als daß es mir zu Fleiß geschieht, – von den blasenden Instrumenten will ich nichts sagen aber –. Laß alle pp. cresc., alle decresc. und alle f. ff. aus meiner Oper ausstreichen, sie werden doch alle nicht gemacht. Mir vergeht alle Lust, weiter etwas zu schreiben, wenn ich’s so hören soll. – Morgen oder übermorgen hohle ich Dich ab zum Essen, ich bin heute wieder übel.

Dein Freund Beethoven.

Wenn die Oper übermorgen sollte gemacht werden, so muß Morgen wieder Probe im Zimmer davon seyn, – sonst geht es alle Tage schlechter.

Zeugnis für Carl Czerny.

Wir Endesunterzeichnete können dem Jünglinge Carl Czerny das Zeugniß nicht versagen, daß derselbe auf dem Pianoforte solche sein 14jähriges Alter übersteigende, außerordentliche Fortschritte gemacht habe, daß er sowohl in diesem Anbetrachte, als auch in Rücksicht seines zu bewundernden Gedächtnisses aller möglichen Unterstützung würdig geachtet werde, und zwar um so mehr, als die Eltern auf die Ausbildung dieses ihren hoffnungsvollen Sohnes ihr Vermögen verwendet haben.

Wien den 7. Dezember 1805.

(L. S.) Ludwig van Beethoven.

An Röckel.

Lieber Röckel!

Machen Sie Ihre Sache nur recht gut bei der Milder. Sagen Sie Ihr nur, daß Sie heute sie schon in meinem Namen voraus bitten, damit sie nirgends anders singen möge. Morgen komme ich aber selbst, um den Saum ihres Rockes zu küssen. Vergessen Sie doch auch nicht die Marconi, und werden Sie nicht böse auf mich, daß ich Sie mit so vielem belästige.

Ganz Ihr Beethoven.

An die königlich-kaiserliche Theatral-Direction.

Löbliche k. k. Hof-Theatral-Direction!

Unterzeichneter darf sich zwar schmeicheln, während der Zeit seines bisherigen Aufenthaltes in Wien sich sowohl bei dem hohen Adel als auch bei dem übrigen Publikum einige Gunst und Beifall erworben, wie auch eine ehrenvolle Aufnahme seiner Werke im In und Auslande gefunden zu haben.

Bei all dem hatte er mit Schwierigkeiten aller Art zu kämpfen und war bisher nicht so glücklich, sich hier eine Lage zu begründen, die seinem Wunsche, ganz der Kunst zu leben, seine Talente zu noch höherem Grade der Vollkommenheit, die das Ziel eines jeden wahren Künstlers sein muß, zu entwickeln und die bisher blos zufälligen Vortheile für eine unabhängige Zukunft zu sichern, entsprochen hätte. Da überhaupt dem Unterzeichneten von jeher nicht so sehr Broderwerb, als vielmehr das Interesse der Kunst, die Veredlung des Geschmacks und der Schwung seines Genius nach höheren Idealen und nach Vollendung zum Leitfaden auf seiner Bahn diente, so konnte es nicht fehlen, daß er oft den Gewinn und seine Vortheile der Muse zum Opfer brachte. Nichtsdestoweniger erwarben ihm Werke dieser Art einen Ruf im fernen Auslande, der ihm an mehreren ansehnlichen Orten die günstigste Aufnahme und ein seinen Talenten und Kenntnissen angemessenes Loos verbürgt.

Demungeachtet kann Unterzeichneter nicht verhehlen, daß die vielen hier vollbrachten Jahre, die unter Hohen und Niederen genossene Gunst und Beifall, der Wunsch, jene Erwartungen, die er bisher zu erregen das Glück hatte, ganz in Erfüllung zu bringen, und er darf es sagen, auch der Patriotismus eines Deutschen ihm den hiesigen Ort gegen jeden andern schätzungs- und wünschenswerther machen.

Er kann daher nicht umhin, ehe er seinen Entschluß, diesen ihm werthen Aufenthalt zu verlassen, in Erfüllung setzt, dem Winke zu folgen, den ihm Se. Durchlaucht, der regierende Herr Fürst von Lobkowitz, zu geben die Güte hatte, indem er äußerte, Eine löbliche Theatral-Direction wäre nicht abgeneigt, den Unterzeichneten unter angemessenen Bedingungen für den Dienst der ihr unterstehenden Theater zu engagiren und dessen ferneren Aufenthalt mit einer anständigen der Ausübung seiner Talente günstigeren Existenz zu fixiren. Da diese Äußerung mit des Unterzeichneten Wünschen vollkommen übereinstimmt; so nimmt sich derselbe die Freiheit, sowohl seine Bereitwilligkeit zu diesem Engagement, als auch folgende Bedingungen zur beliebigen Annahme der löblichen Direction geziemendst vorzulegen:

1. Macht sich derselbe anheischig und verbindlich jährlich wenigstens eine große Oper, die gemeinschaftlich durch die löbliche Direction und durch den Unterzeichneten gewählt würde, zu komponiren; dagegen verlangt er eine fixe Besoldung von jährlich 2400 fl. nebst der freien Einnahme zu seinem Vortheile bei der dritten Vorstellung jeder solcher Oper.

2. Macht sich derselbe anheischig, jährlich eine kleine Operette oder ein Divertissement, Chöre oder Gelegenheitsstücke nach Verlangen und Bedarf der löblichen Direction unentgeltlich zu liefern; doch hegt er das Zutrauen, daß die löbl. Direction keinen Anstand nehmen werde, ihm für derlei besondere Arbeiten allenfalls einen Tag im Jahre zu einer Benefice Akademie in einem der Theatergebäude zu gewähren.

Wenn man bedenkt, welchen Kraft- und Zeitaufwand die Verfertigung einer Oper fordert, da sie jede andere Geistesanstrengung schlechterdings ausschließt, wenn man ferner bedenkt, wie in andern Orten, wo dem Autor und seiner Familie ein Antheil an der jedesmaligen Einnahme jeder Vorstellung zugestanden wird, ein einziges gelungenes Werk das ganze Glück des Autors auf einmal begründet; wenn man ferner bedenkt, wie wenig Vortheil der nachtheilige Geld-Curs und die hohen Preise aller Bedürfnisse dem hiesigen Künstler, dem übrigens auch das Ausland offen steht, gewähret, so kann man obige Bedingungen gewiß nicht übertrieben oder unmäßig finden.

Für jeden Fall aber, die löbliche Direction mag den gegenwärtigen Antrag bestätigen und annehmen oder nicht: so füget Unterzeichneter noch die Bitte bei, ihm einen Tag zur musikalischen Akademie in einem der Theatergebäude zu gestatten; denn im Falle der Annahme seines Antrages hätte Unterzeichneter seine Zeit und Kräfte sogleich zur Verfertigung der Oper nöthig und könnte also nicht für anderweitigen Gewinn arbeiten. Im Falle der Nichtannahme des gegenwärtigen Antrages aber würde derselbe, da ohnehin die im vorigen Jahre ihm bewilligte Akademie wegen verschiedenen eingetretenen Hindernissen nicht zu Stande kam, die nunmehrige Erfüllung des vorjährigen Versprechens als das letzte Merkmal der bisherigen hohen Gunst ansehen, und bittet im ersten Fall den Tag an Maria Verkündigung, in dem zweiten Falle aber einen Tag in den bevorstehenden Weihnachtsferien dazu zu bestimmen.

Wien 1807.

– Ludwig van Beethoven. m. p.

An den Grafen Franz von Oppersdorf.

Wien den 1ten November 1088. [sic!]

Bester Graf!

Sie werden mich in einem falschen Lichte betrachten, aber Noth zwang mich die Sinfonie, die für Sie geschrieben, und noch eine andere dazu an jemanden andern zu veräußern. Sein Sie aber versichert, daß Sie diejenige, welche für Sie bestimmt ist, bald erhalten werden. Ich hoffe, Sie werden immer wohl gewesen sein, wie auch Ihre Frau Gemahlin, der ich bitte mich bestens zu empfehlen. Ich wohne gerade unter dem Fürsten Lichnowsky, im Falle Sie einmal mir in Wien die Ehre Ihres Besuches, bei der Gräfin Erdödy. Meine Umstände bessern sich – ohne Leute dazu nöthig zu haben, welche ihre Freunde mit Flegeln tractiren wollen. Auch bin ich als Kapellmeister zum König von Westphalen berufen, und es könnte wohl sein, daß ich diesem Rufe folge.

Leben Sie wohl und denken Sie zuweilen an

Ihren ergebensten Freund

Beethoven.

An denselben.

Lieber werther Freund! Alles wäre gut, wäre der Vorhang da, ohne diesen fällt die Arie durch; erst heute Mittag erfahre ich dieses von S. und mich schmerzts; – sey’s nur ein Vorhang, wenn auch ein Bett Vorhang oder nur eine Art von Schirm, den man im Augenblicke wegnimmt, ein Flor etc. Es muß was seyn, die Arie ist ohnedem mehr dramatisch für’s Theater geschrieben, als daß sie im Concert wirken könnte, alle Deutlichkeit geht ohne Vorhang oder etwas Ähnliches verlohren! – verlohren! – verlohren! – zum Teufel alles! Der Hof kommt wahrscheinlich; Baron Schweizer bat mich inständig hinzugehen, Erzherzog Karl ließ mich vor sich und versprach zu kommen. – Die eben nicht zu, aber auch nicht ab. – Vorhang!!!! oder die Arie und ich werden morgen gehangen. Leben Sie wohl beym neuen Jahre drücke ich Sie eben so sehr als beym alten ans Herz. – Mit Vorhang oder ohne Vorhang?

Ihr

Beethoven.

An Ferdinand Ries.

Ihre Freunde, mein Lieber! haben Ihnen auf jeden Fall schlecht gerathen. Ich kenne diese aber schon; – es sind die nämlichen, denen Sie auch die schönen Nachrichten über mich aus Paris geschickt, die nämlichen, die sich um mein Alter erkundigt, wovon Sie so gute Kunde zu geben gewußt, die nämlichen, die Ihnen bei mir schon manchmal, jetzt aber auf immer geschadet haben. –

Leben Sie wohl. Beethoven.

An Zmeskall.

Ich konnte es wohl denken. – Mit den Schlägen, dieses ist nur mit Haaren herbeigezogen; – diese Geschichte ist wenigstens 3 Monathe alt – und ist bey weitem das nicht – was er jetzt daraus macht. – Die ganze elende Geschichte ist von einem Fratschlerweib und ein paar elenden anderen Kerls herbey geführt worden, ich verliehre eben nicht viel, weil er wirklich durch dieses Haus, wo ich bin, verdorben wird.

DIE ÄRA DER FREUND- UND LIEBSCHAFTEN
»… SCHREIBEN SIE MIR, WAS ES GEBEN SOLL MIT MIR, SEIT MEIN HERZ SOLCH EIN REBELLER GEWORDEN IST.«

Wien, ab 1810

An Zmeskall.

Mein lieber Wohlgebohrener Hr. von Zmeskall Hofsekretär noch ledigen – Standes – wenn Sie mich heute bei sich sehen, so schreiben Sie’s nichts Anderm zu, als daß mich Jemand bey Ihnen sprechen will, und ich dieses nicht versagen konnte – uneingeladen lade ich mich – und Sie werden mich hoffentlich nicht losschießen.

Ihr ganz

ganzer

L. v. Beethoven.

An denselben.

Mir däucht, Sie werden mein lieber Z. wohl noch, nach dem Kriege, wenn er wirklich beginnen sollte, zu Friedens-Legazionen sich anschicken – welch glorwürdiges Amt!!! – Ich überlasse Ihnen ganz, die Sache mit meinem Bedienten auszumachen, nur muß die Gräfin Erdödy auch nicht den mindesten Einfluß auf ihn haben; sie hat ihm, wie sie sagt, 25 fl. geschenkt, und monathlich 5 fl. gegeben, bloß damit er bey mir bleiben soll, – diesen Edelmuth muß ich jetzt glauben – will aber weiter auch nicht, daß er sofort ausgeübt werden soll. – Gehaben Sie sich wohl, ich danke Ihnen für Ihre Freundschaft und hoffe Sie bald zu sehen.

Ganz Ihr

Beethoven.

An die Baronin von Droßdick.

Sie erhalten hier, verehrte Therese, das Versprochene, und wären nicht die triftigsten Hindernisse gewesen, so erhielten Sie noch mehr, um Ihnen zu zeigen, daß ich immer mehr meinen Freunden leiste als ich verspreche. Ich hoffe und zweifle nicht daran, daß Sie sich eben so schön beschäftigen als angenehm Unterhalten – letzteres doch nicht zu sehr, damit man auch noch unser gedenke. – Es wäre wohl zuviel gebaut auf Sie oder meinen Werth zu hoch angesetzt, wenn ich Ihnen zuschriebe »die Menschen sind nicht nur zusammen wenn sie beysammen sind, auch der Entfernte, der Abgeschiedene lebt bei uns.« Wer wollte der flüchtigen Alles im Leben leicht behandelnden T. so etwas zuschreiben?

Vergessen Sie doch ja nicht in Ansehung Ihrer Beschäftigung das Klavier oder überhaupt die Musik im Ganzen genommen. Sie haben so schönes Talent dazu, warum es nicht ganz kultiviren? Sie die für Alles Schöne und Gute soviel Gefühl haben, warum wollen Sie dieses nicht anwenden, um in einer so schönen Kunst auch das Vollkommenere zu erkennen, das selbst auf uns immer wieder zurückstrahlt? – Ich lebe sehr einsam und still. Obschon hier und da mich Lichter aufwecken möchten, so ist doch eine unausfüllbare Lücke, seit Sie alle fort von hier sind, in mir entstanden, worüber selbst meine Kunst, die mir sonst so getreu ist, noch keinen Triumph hat erhalten können. – Ihr Clavier ist bestellt und Sie werden es bald haben. – Welchen Unterschied werden Sie gefunden haben in der Behandlung des an jenem Abend erfundenen Themas und so wie ich es Ihnen letztlich niedergeschrieben habe! Erklären Sie sich das selbst, doch nehmen Sie ja den Punsch nicht zu Hülfe. – Wie glücklich sind Sie, daß Sie schon so früh aufs Land konnten! Erst am 8ten kann ich diese Glückseligkeit genießen. Kindlich freue ich mich darauf, wie froh bin ich einmal in Gebüschen, Wäldern, unter Bäumen, Kräutern, Felsen wandeln zu können, kein Mensch kann das Land so lieben wie ich. Geben doch Wälder, Bäume, Felsen den Wiederhall, den der Mensch wünscht!

Bald erhalten Sie einige andere Compositionen von mir, wobei Sie sich nicht zu sehr über Schwierigkeiten klagen sollen. – Haben Sie Göthes Wilhelm Meister gelesen, den von Schlegel übersetzten Shakespeare? Auf dem Lande hat man so viele Muße, es wird Ihnen vielleicht angenehm seyn, wenn ich Ihnen diese Werke schicke. – Der Zufall fügt es daß ich einen Bekannten in Ihrer Gegend habe, vielleicht sehen Sie mich an einem frühen Morgen auf eine halbe Stunde bey Ihnen, und wieder fort. Sie sehen daß ich Ihnen die kürzeste Langeweile bereiten will. Empfehlen Sie mich dem Wohlwollen Ihres Vaters, Ihrer Mutter, obschon ich mit Recht noch keinen Anspruch darauf machen kann, – ebenfalls dem der Base M. Leben Sie nun wohl, verehrte T., ich wünsche Ihnen Alles was im Leben gut und schön ist, erinnern Sie sich meiner und gern – vergessen Sie das Tolle – seyn Sie überzeugt, Niemand kann Ihr Leben froher, glücklicher wissen wollen als ich und selbst dann, wenn Sie gar keinen Antheil nehmen

an Ihrem ergebensten Diener und Freund

Beethoven.

NB. Es wäre wohl sehr hübsch von Ihnen, in einigen Zeilen mir zu sagen, worin ich Ihnen hier dienen kann?

Pulsuz fraqment bitdi.

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