Kitabı oxu: «Lexikon der Frauenkräuter»

Şrift:


»I found him beneath a tree.« (»Ich fand ihn unter einem Baum«, W. Blake, 1793)

Margret Madejsky

LEXIKON DER

FRAUENKRÄUTER

Inhaltsstoffe, Wirkungen, Signaturen und Anwendungen

Mit über 180 Heilkräuterrezepten

AT Verlag

Zur Beachtung!

Die in diesem Buch aufgeführten Rezepte und Behandlungshinweise verstehen sich ausschließlich als Lehrbeispiele und können daher auch weder den Arztbesuch noch eine individuelle Beratung durch eine Hebamme oder einen Heilpraktiker bzw. eine Heilpraktikerin ersetzen. Die Einnahme der genannten Heilmittel wie auch die Anwendung der Rezepturen oder das Befolgen der Therapieempfehlungen geschieht stets auf eigene Verantwortung und ist individuell unbedingt sorgfältig abzuwägen. Denn Heilkräuter wirken nicht bei jedem Menschen gleich – was Ihnen hilft, muss anderen nicht zwangsläufig auch helfen und umgekehrt. Daher ist es empfehlenswert, im Zweifelsfall kompetenten Rat bei einem Arzt oder einer Ärztin, einer Hebamme, einem Heilpraktiker oder einer Heilpraktikerin einzuholen. Die ab gedruckten Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt, dennoch übernehmen weder die Autorin noch der Verlag die Haftung für Schäden, welcher Art auch immer, die sich direkt oder indirekt aus dem Gebrauch der hier vorgestellten Heilkräuteranwendungen ergeben könnten. Daher ist es in jedem Fall ratsam, sich vor der Einnahme oder vor der Anwendung eines Heilmittels über mögliche Gegenanzeigen oder Nebenwirkungen zu informieren. Auch sollte die angegebene Dosierung überprüft und nötigenfalls individuell angepasst werden. Bitte beachten Sie ebenso alle Warnhinweise und Anwendungsbeschränkungen sowie den Abschnitt »Möglichkeiten und Grenzen der Selbstbehandlung« im Anhang.

3. Auflage, 2010

© 2008

AT Verlag, Baden und München

Lektorat: Ralf Lay, Mönchengladbach

Umschlagfotos: Margret Madejsky

Lithos: Vogt-Schild Druck, Derendingen

ISBN(epub) 978-3-03800-638-1

www.at-verlag.ch

eBook-Herstellung und Auslieferung:

Brockhaus Commission, Kornwestheim

www.brocom.de

Inhalt

Vorwort

Einführung

Die Pflanzen der Göttin

Rot wie das Menstrualblut

Pflanzenhormone und hormonartig wirkende Heilpflanzen

Einmaleins der Pflanzeninhaltsstoffe

Was Schwangere meiden sollten

Frauenkräuterporträts von A bis Z

Alant – Sonnenkraft für die Wechseljahre

Aloe – Balsam für die Scheidenhaut

Angelika – Die Lichtbringerin für Bauch und Seele

Arnika – Erste Hilfe bei Geburtsblutungen

Bärentraube – Ein pflanzliches Antibiotikum bei Zystitis

Bärwurz – Die Kraftwurzel für die Gebärmutter

Basilikum – Fördert Hingabe und Empfängnisfähigkeit

Baumwolle – Mutterkornersatz bei Wehenschwäche

Beifuß – Universalmedizin für Geburt und Mondblutung

Beinwell – Knochenheil und Osteoporoseprophylaxe

Benediktenkraut – Krebsdistel und Wundarznei

Berberitze – Naturmedizin bei Myomen

Bertram – Ein Liebesmittel mit Tradition

Besenginster – Gleicht Herzrhythmus und Hormone aus

Betonie – Spendet Seelenkraft und Nervenstärke

Bilsenkraut – Bierwürze und krampflösendes Hexenkraut

Bingelkraut – Das Wundkraut des Heilgottes Merkur

Blasentang – Jodlieferant und Fatburner-Alge

Blutwurz – Die Blutstillerin des Paracelsus

Blutwurz, Kanadische – Das Polypenmittel der Indianer

Brennnessel – Die Eisenpflanze weckt die Amazone in der Frau

Damiana – Aphrodisiakum und Fruchtbarkeitspflanze der Maya

Eberraute – Reinigt die Gebärmutter

Efeu – Reduziert Schwangerschaftsstreifen

Eiche – Die Kraftspenderin bewahrt vor Fruchtwasserverlust

Einhornwurzel – Das Gebärmuttertonikum der Indianerfrauen

Eisenkraut – Das Geburtskraut der Mondgöttin Isis

Erdrauch – Aktiviert den Hautstoffwechsel bei Kraurose

Färberginster – Bietet Schutz vor Osteoporose

Fenchel – Regt die Milchbildung an

Frauenhaarfarn – Venuskraft für die Nieren

Frauenmantel – Die Allesheilerin unter den Frauenkräutern

Frauenwurzel – Wurzelkraft für eine sanfte Geburt

Gänseblümchen – Die »Arnika der Gebärmutter«

Gänsefingerkraut – Das Krampfkraut der Volksmedizin

Geißraute – Kraftfutter für die Milchbildung

Gelbwurz, Kanadische – Heilt Muttermundentzündungen

Ginseng – Ein Tonikum für weise Frauen

Goldrute – Pflanzengold für Haut und Nieren

Granatapfel – Pflanzenhormone für die ewige Jugend

Greiskraut – Kräftigt den Beckenboden

Gundelrebe – Reinigt Blut und Gebärmutter

Himbeere – Die bewährte Dammschnittprophylaxe

Hirtentäschelkraut – Die Blutstillerin der Volksmedizin

Holunder – Spendet Fruchtbarkeit und entgiftet die Seele

Hopfen – Pflanzenhormone für die Wechseljahre

Ingwer – Schenkt Lebenswärme und Sexualkraft

Johanniskraut – Spendet Seelenbalsam und pflegt Narben

Kaffee – Verhütet Dammschnitte

Kamille – Venuskraft für die Gebärmutter

Kapuzinerkresse – Das Breitbandantibiotikum aus dem Pflanzenreich

Keimzumpe – Wehenhemmerin verhütet Fehlgeburten

Kermesbeere – Die Helferpflanze für Brust und Stillzeit

Knoblauch – Schutz vor V(amp)iren und Bakterien

Koloquinte – Das Zystenmittel der Homöopathie

Küchenschelle – Reguliert die Gelbkörperhormone

Kümmel – Der Milchbildner der Volksmedizin

Lavendel – Die Pflanze der Abgrenzung und Reinheit

Lebensbaum – Bekämpft Feigwarzen und stärkt die Abwehrkräfte

Liebstöckel – Maggikraut löst die »Verhocktheit« der Frauen

Löwenzahn – Der grüne Helfer bei Mastopathie

Madonnenlilie – Regeneration für rissige Scheidenhaut

Majoran – Wärmende Gewürzpflanze vertreibt Pilze

Mariendistel – Schutz für Leber, Brust und Psyche

Melisse – Grünkraft kontra Viren

Mistel – Die Fruchtbarkeitspflanze der Volksmedizin

Mönchspfeffer – Macht keusch wie ein Lamm

Muskatellersalbei – Weckt die sinnliche Seite der Frau

Mutterkraut – Das pflanzliche Aspirin des 19. Jahrhunderts

Mutterkümmel – Beruhigt die Magensäfte

Myrrhe – Bekämpft Pilze und heilt Muttermundgeschwüre

Nachtkerze – Liefert hautregenerierende Omega-Fettsäuren

Odermennig – Der heimische Grüntee-Ersatz

Orthosiphon – Nierenstärkung für Feinsinnige

Petersilie – Fördert die Mondblutung und die Geburt

Pfingstrose – Heilt Hämorrhoiden und Analfissuren

Poleiminze – Die Uterusreinigerin unter den Frauenkräutern

Preiselbeere – Beugt bakteriellen Blasenentzündungen vor

Rainfarn – Gürtelkraut erleichtert die Geburt

Raute – Hormondoping bei frühzeitigem Wechsel

Rhapontikrhabarber – Reguliert Wechseljahrsbeschwerden

Ringelblume – Die sonnenhafte Wundheilerin

Rose – Venusblume für die Vagina

Rosmarin – Pflanzenfeuer für die Liebeskraft

Rotklee – Der heimische Sojaersatz

Salbei – Ein Volksmittel zum Abstillen und Schweißhemmen

Sanddorn – Vitamindoping fürs Immunsystem

Sanikel – Das Knochenheilmittel des Paracelsus

Schafgarbe – Bodenheilerin und Wundkraut des Achill

Schierling – Bringt Brustknoten zum Einschmelzen

Schneeball – Lindert Endometriosebeschwerden

Schöllkraut – Die Goldwurz der Alchimisten

Shatavari – Die ayurvedische Liebespflanze für die Frau

Silberkerze – Gleicht auf sanfte Weise Östrogenmangel aus

Silbermantel – Die Blutstillerin der Volksmedizin

Soja – Liefert Phytoöstrogene für den Wechsel

Steinklee – Wiesenduft und Venendoping

Steinsame – Das Verhütungsmittel der Indianerfrauen

Stiefmütterchen – Regenerationskraft für die Scheidenhaut

Storchschnabel – Der Kindsmacher der Volksmedizin

Taigawurzel – Die Kraftpflanze fürs Immunsystem

Taubnessel – Balsam für die Scheidenhaut

Teebaum – Ein antimikrobielles Multitalent

Tigerlilie – Der asiatische Keuschlammersatz

Veilchen – Die Narbenheilpflanze der Hildegard von Bingen

Walnuss – Erleichtert die Häutung der Seele

Weidenröschen – Die Helferpflanze bei Reizblase

Wermut – Bringt Galle und Blutung ins Fließen

Wiesenknopf – Die Blutstillerin der Volksmedizin

Wolfstrapp – Sanftes Regulans bei Schilddrüsenleiden

Yamswurzel – Lieferant für natürliches Progesteron

Zinnkraut – Strukturkraft für Knochen und Immunsystem

Anhang

Möglichkeiten und Grenzen der Selbstbehandlung

Medizinisches Glossar mit Therapiehinweisen

Zum Umgang mit den Rezepten

Dank

Quellen- und Literaturverzeichnis

Adressen und Bezugsquellen

Stichwortverzeichnis

Der Artemis

Königin, höre mich an,

Vielgerufene Tochter des Zeus,

Donnernde, hochgelobte Titanin,

Erhabene Bogenschützin!

Allerleuchtende, Fackelträgerin,

Göttin Diktynna, dem Kindbett hold;

Helferin in den Wehen,

Selbst aber dem Kindbett fremd.

Gürtellöserin, Freundin des Wahnsinns,

Sorgelösende, Jagende,

Rennerin, schleudernd die Pfeile,

Freundin der Jagd, die die Nacht durchstürmt;

Rufende, freundlich den Bitten,

Erlösende, männlich Gestaltete,

Orthia, Helferin bei der Geburt,

Der Menschen männernährende Gottheit;

Ambrosische, Göttin der Erde,

Tiertötende, gnädig Fügende;

Du besitzest als Eigen

Die Eichwälder der Berge,

Hirschjägerin, Heilige, Hehre,

Allkönigin, herrliches Reis,

Prangend in ewiger Schönheit!

Eichwaldgöttin, umbellt von den Hunden,

Kydonias, schimmernd Gestaltete:

Komm, helfende, freundliche Göttin,

Dem Flehn der Geweihten geneigt;

Herrliche Früchte entsende der Erde,

Frieden und lieblich gelockte Gesundheit;

Krankheit und Leiden lass fahren dahin

Auf die Gipfel der Berge!

Orphischer Hymnos an die Mondgöttin Artemis

Vorwort

Es ist nun bald ein Vierteljahrhundert her, dass mir einmal ein Freund in einem Gespräch gesagt hat: »Wenn du wirklich ein Buch schreiben willst, dann musst du ein Feuer in dir fühlen, das dich nachts aus dem Bett treibt, um zu schreiben; ein Feuer, das dir keine Ruhe mehr lässt …«

Zwar habe ich schon mit Leidenschaft Bücher geschrieben, aber ein solches Feuer, wie ich es dieses Mal fühlte, kannte ich bislang noch nicht. Genau genommen spüre ich dieses Seelenfeuer, das mich zahllose Stunden an den Schreibtisch gebannt hat, seit der Geburt unseres Sohnes im Mai 2006. Denn dank meiner rund zwanzigjährigen Erfahrung im Umgang mit Heilpflanzen und Naturarzneien für Frauen konnte ich eine unbelastete Schwangerschaft und Hausgeburt erleben. Dank der Erfahrungen mit Frauenkräutern konnte ich mich während der Schwangerschaft selbst behandeln, die Geburt optimal vorbereiten und den Geburtsablauf günstig beeinflussen. Ohne Heilpflanzen hätte ich während der Schwangerschaft Medikamente nehmen müssen, die dem kindlichen Organismus geschadet hätten. Auch hätten wir die Hausgeburt wegen Wehenschwäche abbrechen müssen, und sicher wäre ein Dammschnitt oder ein Kaiserschnitt nötig geworden. Doch so wurde diese Geburt für mich eine Einweihung in das weibliche Urmysterium des Lebenschenkens.

Aus der unendlichen Dankbarkeit, die mich über dieses wichtigste Ereignis in meinem Frauenleben erfüllt, entflammte ebenjenes Seelenfeuer, das mich in den letzten Monaten angetrieben hat, alles, was ich über Frauenkräuter weiß, nochmals zu sichten, zu sortieren, erneut nachzuschlagen, schließlich alles niederzuschreiben und immer wieder zu überarbeiten. Es fühlte sich wie ein höherer Auftrag an, der keinen Aufschub duldete.

Mit dem »Lexikon der Frauenkräuter« möchte ich meine Erfahrungen nun allen zur Verfügung stellen, die an Frauengesundheit interessiert sind. Durch die Verbreitung von fundiertem Pflanzenwissen soll die Frauenheilkunde und Geburtshilfe neue Impulse bekommen. Sowohl Therapeutinnen als auch betroffene Frauen sollen in diesem Nachschlagewerk Antworten auf ihre Gesundheitsfragen erhalten.

Wenn ich heute all meine Erfahrungen in einem Satz zusammenfassen müsste, dann könnte ich nur sagen: Grün ist die Hoffnung. Denn mit Heilpflanzen lässt sich scheinbar Unglaubliches bewegen. Insbesondere in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe kann die Phytotherapie zahlreiche Lücken schließen. Die meist seit Jahrhunderten erprobten Frauenkräuter bergen geradezu ungeahnte Kräfte in sich. Mit ihnen lassen sich Blutungen anregen oder stillen, Entzündungen und Schmerzen lindern, Zyklusstörungen und hormonelle Schwankungen regulieren, Wehen hemmen oder anregen … Die meisten Antibiotikagaben lassen sich durch Heilpflanzen ersetzen, ebenso kann man in vielen Fällen Hormonpräparate sowie Schmerzmittel umgehen, sofern man die Pflanzenkräfte richtig einsetzt. Nicht zuletzt wird bei sachkundiger Anwendung von Frauenkräutern sogar so manche Operation unnötig, insbesondere bei »schlechtem« Pap-Test, bei Myomen oder Zysten; und auch Kaiserschnitten kann man vorbeugen.

Obwohl die Pflanzenforschung heute recht weit vorgedrungen ist und oftmals die empirisch gewonnenen Erkenntnisse der Hebammen und Kräuterweiber des Mittelalters bestätigen konnte, haben es bislang nur eine Handvoll Arzneipflanzen in die Frauenarzt- und Hebammenpraxen geschafft. Dabei stammen die stärksten Medikamente der Schulmedizin ursprünglich aus dem Pflanzenreich, zum Beispiel enthält die Silberweidenrinde Salicin, eine Vorstufe von Aspirin, die schmerzstillenden Opiate der Krebstherapie leiten sich vom Schlafmohn ab, und die ersten Hormonpräparate wurden einst aus der Yamswurzel synthetisiert – um nur einige Beispiele zu nennen. Die Macht der Pflanzen ist groß, und die Möglichkeiten, die sich durch die Naturheilkunde eröffnen, sind noch lange nicht ausgeschöpft. Auch verlangen immer mehr Frauen nach sanften Alternativen aus der Natur.

Nie zuvor hat sich beispielsweise die natürlichste Sache der Welt, das »Kinderkriegen«, weiter von der Natur entfernt, als es heute der Fall ist. Sofern eine Schwangere bereits Fehlgeburten hatte, wird sie inzwischen routinemäßig mit einem halben Dutzend Arzneien versorgt, darunter Jodid, Folsäure, Magnesium, Gelbkörperhormone, Heparin und ASS. Dabei könnten die vorgenannten Arzneistoffe in vielen Fällen durch Frauenkräuter und Naturheilmittel ersetzt werden. Denn gegen fast jedes Frauenleiden sind Kräuter gewachsen – nur gegen das Schicksal kann und will die Natur nicht ankommen.

Nun wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Vergnügen und hoffe, dass Sie hier zu allen Frauenangelegenheiten fündig werden.

Möge Mutter Natur Ihnen wohlwollend beistehen!

Margret Madejsky,

zur Sommersonnenwende 2008


Aphrodite in der Muschel (O. Redon, 1912)

Einführung
Die Pflanzen der Göttin

Das Pflanzenreich beschenkt den Menschen seit Anbeginn der Zeit mit Nahrung, mit Baumwolle für Kleidung und Tücher, mit Holz für Gebrauchsgegenstände von der Wiege bis zum Sarg und nicht zuletzt mit Heil-, Schmerz- und Genussmitteln. Dabei macht Mutter Natur gewiss keinen Unterschied zwischen Frau oder Mann. Ihre Geschenke, die Heilkräuter, lässt sie seit Urzeiten für alle Geschöpfe gleichermaßen sprießen. Selbst die weniger naturverbundenen Menschen müssen doch zugeben, dass ohne die Gaben der Natur keine menschliche Existenz möglich wäre – wir hätten keinen Sauerstoff zum Atmen, unsere Tiere hätten nichts zu fressen, und unsere Teller wären leer … Spätestens wenn man sich dieser Tatsache bewusst wird, müssen einfach Dankbarkeit und Ehrfurcht aufkeimen.

Ebendiese Dankbarkeit und Ehrfurcht haben wohl unsere frühen Vorfahren empfunden, wenn sie das Wunder der sich ständig selbst gebärenden Natur beobachten konnten, die sich im Lauf der Zeiten unermüdlich erneuert und die als ewige Amme den Menschen wie alle anderen Geschöpfe dieser Erde beherbergt und nährt. Daher verehrten die alten Völker die Natur als Ausdruck göttlichen Wirkens, aber auch als Wohnort der göttlichen Mächte, und erhoben besonders wichtige Pflanzen schließlich zu Attributen ihrer Götter. Man denke dabei nur an die geburtsmächtige Mondgöttin Artemis, der die Artemisiagewächse wie etwa der Beifuß oder der Wermut unterstehen, die seit Urzeiten in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe Verwendung finden. Oder an das Kornmädchen Persephone, deren pflanzliche Attribute, Granatapfel und Mistel, bis heute frauenheilkundlich gebraucht werden. An Frau Holle, der einst als Muttergottheit und Seelengeleiterin Milchopfer dargebracht wurden und deren Name noch im Holunder mitschwingt. Oder man denke an Maria, welche die heidnischen Göttinnen im Zuge der Christianisierung abgelöst und deren Attribute übernommen hat (siehe die Tabelle auf Seite 16).

Zwar waren die alten Völker wie etwa die Griechen, die Römer oder die Kelten und Germanen bereits von Männern dominierte Gesellschaftsformen, doch das weibliche Urmysterium der Fruchtbarkeit und der Geburt hatte seinen Zauber in der Antike wie auch in der frühen Neuzeit noch lange nicht verloren. Vor allem in bäuerlichen Gemeinschaften erkannte man die Analogien zwischen Menschen-, Tier- und Pflanzenreich. Wie die Bäume, Sträucher und Pflanzen in Feld, Wald und auf der Wiese Früchte hervorbringen, so trugen eben Mensch oder Tier Leibesfrüchte aus. Daher brachten die Alten vor allem die fruchttragenden Gewächse wie etwa den Granatapfel, den Holunder, die Mistel oder den Mönchspfeffer mit ihren Fruchtbarkeitsgöttinnen in Verbindung. Die Ehre, einer Göttin unterstellt zu werden, wurde jedoch nur den wirkungsvollsten Pflanzen zuteil, die sich bei Mensch und Tier zuvor schon erprobt hatten.

Nicht weniger bedeutsam war wohl die Beobachtung, dass allein solche Bäume Früchte hervorbringen konnten, die zuvor geblüht hatten. Man erkannte sicherlich rasch, dass die Regel »Ohne Blüte keine Frucht« ebenso auf den Menschen zutreffen musste, und nannte die Mondblutung der Frauen daher »Monatsblum«, denn ohne dieses sichtbare Zeichen der Fruchtbarkeit konnte eine Frau keine Leibesfrucht empfangen und austragen. Daher waren alle menstruationsfördernden Kräuter von großer Bedeutung.

Das heilkundliche Interesse unserer Vorfahren drehte sich also hauptsächlich um die Fortpflanzungsfähigkeit sowie um die Geburt und um alles, was damit in Zusammenhang stand. Daher genossen ebenjene Heilkräuter und -wurzeln besonders hohes Ansehen, die über Kräfte verfügten, eine Mondblutung hervorzubringen, die Fruchtbarkeit zu steigern, eine Geburt zu erleichtern, eine Geburtsblutung zu stillen oder das lebensbedrohliche Wochenbettfieber zu verhüten. Alle Pflanzen, die den Frauen in ihren einst ureigenen Angelegenheiten beistanden, wurden früher oder später den zuständigen Göttinnen unterstellt und als Geschenke oder Attribute dieser Göttinnen verehrt, geheiligt oder geweiht und natürlich zu Heilzwecken verwendet. Daher ist auch der Umkehrschluss möglich, dem zufolge jede Pflanze, die einst mit einer Göttin assoziiert wurde, irgendwann einmal in der Frauenheilkunde oder Geburtshilfe eine Rolle gespielt haben muss. Beispielsweise finden alle Marienkräuter bis heute entweder in der Frauen- oder in der Kinderheilkunde Verwendung.

Die Ursprünge des Gebrauchs von Frauenheilpflanzen verlieren sich irgendwo in den Nebeln der Vorzeit. Bis ins Mittelalter hinein wurde das Frauenkräuterwissen üblicherweise innerhalb der Sippen mündlich weitergetragen. Meist war es die Dorfälteste, die während einer Geburt zu Hilfe gerufen wurde oder die man um Rat fragte, wenn zum Beispiel der Kindersegen zu lange ausblieb. Solche erfahrenen Frauen, in den alten Kräuterbüchern »empirische Weiber« genannt (oder geschimpft), kannten mitunter auch Möglichkeiten, dem übermäßigen Kindersegen mit Hilfe bestimmter Kräuter Einhalt zu gebieten, und endeten wegen ihrer Kenntnisse zur Geburtenregelung zu Abertausenden auf den Scheiterhaufen der Inquisition.

Schwertlilien sind Attribute der Götterbotin Iris. (Foto: M. Madejsky)


Blühende Myrte ist als Blume der Liebesgöttin Aphrodite bis heute im Hochzeitsbrauchtum vertreten. (Foto: O. Rippe)


Nach der Legende verfügt die Frühlingsgöttin Ostara über einen Schlüsselbund, mit dem sie die Herzen der Menschen aufschließen kann. Vermutlich dient die Schlüsselblume (Primula veris) der Göttin als Schlosskraut. (Foto: M. Madejsky)

Klostergarten auf der Fraueninsel, Chiemsee (Foto: O. Rippe) Viele Kräuter aus der Klostermedizin werden seit Urzeiten in der Frauenheilkunde verwendet.


Baldrianblüte (Foto: M. Madejsky)

Nach der Legende reitet die Göttin Bertha auf einem hopfengezäumten Hirsch durch den Götterhimmel und hält eine Baldriangerte in der Hand. Beide Gewächse, Baldrian wie auch Hopfen, zügeln im übertragenen Sinn die männliche Sexualkraft, die durch den Hirsch verkörpert wird.


Marienlinde in Linden bei Wessobrunn (Foto: M. Madejsky)

Ab dem 9. Jahrhundert löste Maria die heidnischen Muttergöttinnen ab. Zuvor galt die Linde als Wohnsitz der Ehegöttin Frigga, und der Frauenmantel war ebenfalls eines ihrer Attribute.

Verkündigung mit Madonnenlilie (J. W. Waterhouse, 1914)


Frauen im Hag (Holzschnitt, um 1500)


Die Akelei ist der Liebesgöttin Freya heilig und mit den Elfen im Bunde, daher auch der Name Elfenhandschuh. In der Gotik wurde sie zu einer Symbolpflanze Marias. Foto: O. Rippe.


Göttin Juno (Aquarell von G. Moreau, 1881)

Gewiss wurde ein Großteil des Frauenkräuterwissens zusammen mit den Hexen verbrannt, bei denen es sich nicht selten um kräuterkundige Hebammen handelte. Der Begriff Hexe, hegse oder hagsche leitet sich nämlich ursprünglich vom »Hag« ab, dem Wirkungsort dieser weisen Frauen, der eine Art Kräutergarten bezeichnet. Doch die Hexenpflanzen, Frauenkräuter und Mutterwurzen, welche die hagschen einst gesammelt und angewendet haben, gibt es immer noch, und manche von ihnen werden nun schon seit unzähligen Jahrhunderten in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe genutzt. Auch die Kräuterbücher des 16., 17. und 18. Jahrhunderts sind noch immer Schatztruhen voller Pflanzenwissen. Dort finden sich zahllose Hinweise auf die Kräfte der Frauenkräuter. Ein reichhaltiger Fundus, der neu entdeckt und wieder nutzbar gemacht werden will, denn jedes dieser Bücher beschenkt uns mit Dutzenden von frauenheilkundlich relevanten Stichwörtern – um nur einige zu nennen: »ehlich Werk befürdern« oder »reizet zu ehelichen Werken« (wirkt aphrodisierend), »Empfengnuß fürdern« (Fruchtbarkeit steigern), »stillet die übrige Zeit der Frawen« (wirkt blutflusshemmend), »verstandene Weiberzeit treiben« (regt die Menstruation an), »leget das Grimmen der Beermutter« (wirkt krampflösend), »Brüst so hart sind und Knollen haben von der Milch« (wirksam gegen Milchknoten), »Geburt fürdern und das Bälgle forttreiben« (Geburt und Nachgeburt austreiben), »treibet das Bürtlin« (wirkt geburtserleichternd), »Kindbetterin reinigen« (Wochenfluss anregen), »leget die Geschwulst der heimlichen Oerter« (heilt Wunden und Geschwüre am Genital) …

Göttinnen und ihre pflanzlichen Attribute


Aphrodite: griechische Liebesgöttin (römische Venus)Rose (Rosa centifolia u. a.): Gebärmutterarznei und Symbolpflanze der Liebe Madonnenlilie (Lilium candidum): Fruchtbarkeitspflanze Myrte (Myrtus communis): Symbol für Ehe und Kindersegen Rosmarin (Rosmarinus officinalis): Hochzeitspflanze, Aphrodisiakum und Emmenagogum
Artemis: griechische Mond-, Jagd- und Geburtsgöttin (römische Diana)Artemisiagewächse wie Beifuß (Artemisia vulgaris), Eberraute (Artemisia abrotanum) oder Wermut (Artemisia absinthium): Emmenagogum und Geburtsmittel
Bertha: keltische FruchtbarkeitsgöttinHopfen (Humulus lupulus): Fruchtbarkeitspflanze Baldrian (Valeriana officinalis): Beruhigungsmittel
Brigida: keltische MuttergöttinBirke (Betula sp.): Schamanenbaum und Wiegenholz
Demeter: griechische Vegetationsgöttin, KornmutterGetreidearten wie Hafer (Avena sativa) oder Roggen (Secale cereale): Kraftnahrung und Fruchtbarkeitssymbole Mutterkorn (Secale cornutum): Abortivum und Geburtsmittel Mohn (Papaver ssp.): Krampf- und Schmerzmittel
Freya: germanische LiebesgöttinLinde (Tilia): Hochzeitsbaum und Geburtsmittel Akelei (Aquilegia vulgaris): alte Liebespflanze Frauenhaarfarn (Adiantum ssp.): Nierenheilpflanze
Frigga: germanische Göttin für Ehe und KindersegenFrauenmantel (Alchemilla ssp.): Universalheilpflanze für Frauen Erdbeere (Fragaria ssp.): Liebes- und Fruchtbarkeitssymbol Rotklee (Trifolium pratense): Symbolpflanze der dreifaltigen Göttin
Hekate: griechische UnterweltsgöttinAlraune (Mandragora officinarum): Zauberwurzel, Aphrodisiakum, Betäubungsmittel und Abortivum Weide (Salix ssp.): Schmerzmittel
Hera: griechische MuttergöttinMönchspfeffer (Vitex agnus-castus): Symbolpflanze der Keuschheit; Anaphrodisiakum und Fruchtbarkeitspflanze
Holda oder Holle: frühgermanische Muttergöttin und SeelengeleiterinHolunder (Sambucus nigra): Gedeihbaum der Sippe, Fieberheilpflanze und Kindermittel
Iris: griechische Göttin des Regenbogens; geflügelte Götterbotin und TotengeleiterinIris (Iris versicolor): Symbolpflanze für Fruchtbarkeit und Wiedergeburt, Zahnungsmittel und Kosmetikum
Isis: altägyptische Fruchtbarkeits- und MondgöttinEisenkraut (Verbena officinalis): Fruchtbarkeitspflanze und Wehenmittel; Diplomatenkraut der alten Römer
Juno: römische MuttergöttinMadonnenlilie (Lilium candidum), die »Rose der Juno«, entspross aus Junos Muttermilch
Maria: christliche MuttergöttinFrauenmantel (Alchemilla): Symbolpflanze der unbefleckten Empfängnis und »Allerfrauenheil« der Volksmedizin Lavendel (Lavandula angustifolia): Symbolpflanze der Reinheit Mariendistel (Carduus marianus): Leberheilmittel und Milchbildungspflanze Mariengras (Hierochloe odorata): Räucheropferpflanze Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus): Symbolpflanze der Keuschheit
Melitta: babylonische FruchtbarkeitsgöttinMistel (Viscum album): volksmedizinische Fruchtbarkeitspflanze
Ostara: germanische Frühlings- und SonnengöttinGänseblümchen (Bellis perennis): Emmenagogum, Hautheilpflanze und Milzmittel
Persephone: griechische Vegetationsgottheit; Kornmädchen und Tochter der DemeterGranatapfel (Punica granatum): Symbolpflanze der Wiedergeburt und Quelle natürlicher Pflanzenhormone Mistel (Viscum album): Schlüssel zur Unterwelt und volksmedizinische Fruchtbarkeitspflanze Pappel (Populus ssp.): Unterweltsbaum und Wundarznei

Alraune und Zaunrübe, aufgenommen auf der Kykladeninsel Amorgos (Foto: M. Madejsky).


Alraunweiblein (J. W. v. Cube, 1485)

Nach dem Aberglauben wohnt in der anthropomorphen Alraunenwurzel ein Totengeist.


Auch im weißen Bilsenkraut kommen krampflösende Alkaloide vor, mit denen sich Regelbeschwerden »weghexen« lassen. (Foto: M. Madejsky)


Hexe mit Alraunpuppe (J. H. Füssli, 1812)

Weil die Alraune ihrem Besitzer Zauberkräfte verleihen soll, wurde sie im Mittelalter teuer gehandelt und vielfach gefälscht.


Circe (F. v. Stuck, 1913)

Der Trank, mit dem die Erzhexe Circe die Begleiter des Odysseus in Schweine verwandelt haben soll, enthielt möglicherweise die aphrodisierende Alraune.

Einst gebrauchten Hebammen das Mutterkorn zum Stillen von Geburtsblutungen, denn es enthält die Gebärmutter kontrahierende Alkaloide. (Foto: M. Madejsky)


Der griechischen Fruchtbarkeitsgöttin Demeter unterstehen auch Hebammenmittel wie das Mutterkorn. (Foto: O. Rippe)


Die Küchenschelle trägt im Volksmund den Beinamen Bärblume, der auf die einstige Verwendung in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe hindeutet. (Foto: M. Madejsky)


Vor dem Marienmünster in Dießen warten festlich gekleidete Kinder mit prächtigen Kräuterbuschen auf Einlass. Die mitgebrachten Kräuter werden kirchlich geweiht und gelten dann im Volksglauben als besonders heil- und zauberkräftig. Die Weihkräuter zählen allesamt zu den Marienkräutern und wurden bereits in vorchristlicher Zeit frauenheilkundlich genutzt. (Foto: M. Madejsky)


Beifußblüten (Foto: H. Amann)

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Janr və etiketlər

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929 səh. 333 illustrasiyalar
ISBN:
9783038006381
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Bookwire
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