Kitabı oxu: «Das Lexikon der alten Gemüsesorten»
Das Lexikon der alten Gemüsesorten

Marianna Serena, Michael Suanjak (Texte)
Franca Pedrazzetti, Beat Brechbühl (Fotografie)
Unter Mitarbeit von
Nicole Egloff, Iris Förster, Philipp Holzherr,
Deborah von Arx, Susi Wyden
DAS LEXIKON DER ALTEN
GEMÜSESORTEN
800 Sorten – Geschichte,
Merkmale, Anbau
und Verwendung in der Küche

Bei den Gemüsesorten verwendete Symbole:
Aussaat im Haus
Aussaat unter Glas
Aussaat im Freiland
Vorkeimen im Haus
Pflanzung
Ernte
Dieses Buch wurde ermöglicht dank der
Unterstützung der Hauser-Stiftung Weggis und der Stiftung zur Förderung der Pflanzenkenntnis.
© 2014
AT Verlag, Aarau und München
Lektorat: Petra Holzmann, München
Gestaltung und Satz: AT Verlag
Bildaufbereitung: Vogt-Schild Druck, Derendingen
ISBN 978-3-03800-120-1
www.at-verlag.ch
eBook-Herstellung und Auslieferung:
Brockhaus Commission, Kornwestheim
www.brocom.de
Inhalt
Vorwort von Arche Noah
Vorwort von ProSpecieRara
Kulturpflanzen – Entwicklung und Erhaltung
Einleitung
Die Erhaltung von Kulturpflanzen
Die Entwicklung der Kulturpflanzen – ein historischer Überblick
Gärten der Vielfalt
Nutz- und Lustgarten Schloss Wildegg
Arche Noah Schaugarten in Schiltern
Merian Gärten in Basel – Hauptsitz ProSpecieRara
Samengarten in Eichstetten am Kaiserstuhl
Schaugarten Landwirtschaftliches Zentrum Rheinhof in Salez
Gemüsesorten
Artischocke
Aubergine
Barbarakraut
Blumenkohl und Brokkoli
Bohne
Endivie
Erbse und Kefe
Erdbeerspinat
Etagenzwiebel
Fenchel
Feuerbohne
Flaschenkürbis
Gartenmelde
Gartensauerampfer
Grünkohl, Braunkohl und Palmkohl
Gurke
Guter Heinrich
Haferwurzel
Hirschhornwegerich
Kardy
Karotte
Kartoffel
Kerbelrübe
Kichererbse
Knoblauch
Knollenziest
Kohl, Kopfkohl
Kohlrabi
Kohlrübe
Kürbis
Lauch
Linse
Mangold
Meerkohl
Neuseeländerspinat
Nüsslisalat
Paprika
Pastinake
Portulak
Puffbohne
Radieschen und Rettich
Rande
Rattenschwanzrettich
Rhabarber
Rosenkohl
Salat
Schalotte
Schlafmohn
Schwarzwurzel
Sellerie
Sojabohne
Spargel
Spargelbohne
Spargelerbse
Speiserübe
Spinat
Tomate
Topinambur
Winterheckenzwiebel
Wurzelpetersilie
Zichoriensalat
Zucchetti
Zuckermais
Zuckermelone
Zuckerwurzel
Zwiebel
Sortenempfehlungen
Sortenempfehlungen für Feinschmecker
Sortenempfehlungen für die Gartenpraxis
Gemüsesorten bestimmter Regionen und Länder
Anhang
Herausgeber und Erhalterorganisationen
Adressen
Autoren
Dank
Quellen und Literatur
Bildnachweis
Index

Vorwort von Arche Noah
Liebe Freundin, lieber Freund der Vielfalt
In den umfassenden Sammlungen von Arche Noah und Pro SpecieRara werden Tausende selten gewordene Nutzpflanzen erhalten. All diese Gemüsesorten waren über längere Zeiträume in mitteleuropäischen Regionen beheimatet, wo sie kultiviert, gegessen und erhalten wurden, wo sie beliebt waren, nützlich und bewährt. Mit der Industrialisierung unseres gesamten Ernährungssystems wurden viele lokale Nutzpflanzen jedoch aus Gärten, Küchen und der Landwirtschaft verdrängt, und das in einem erschreckenden Ausmass.
Doch heute erkennen zum Glück mehr und mehr Menschen, dass die gefährdete Vielfalt uns braucht – und uns im Gegenzug mit wunderbaren Gaben beschenkt. Wer einmal mit allen Sinnen durch einen Vielfaltsgarten spazieren konnte oder gar selbst einen bestellt, der bekommt in der Fülle an Schönheit, Geschmackseindrücken und Gerüchen einen Eindruck vom Paradies. All diese Pflanzen tragen darüber hinaus mit ihren unterschiedlichen Eignungen und Eigenschaften einen Schatz in sich, der für die Zukunft unserer Ernährung gar nicht überschätzt werden kann.
All jenen Menschen, die alten Gemüsesorten wieder einen Platz in ihrem Leben geben wollen, ist dieses Buch als Nachschlagewerk, Informationsquelle und Inspiration gewidmet. Es bietet einen grossen, wenn auch bei Weitem nicht vollständigen Einblick in die Welt der alten mitteleuropäischen Gemüsesorten. Diese zeichnen sich meist durch Robustheit aus, wenn sie am richtigen Standort kultiviert werden, durch typischen Geschmack und vor allem durch fruchtbares, frei vermehrbares Saatgut, das die Grundlage jeder zukünftigen Vielfalt ist.
Wenn das Buch dazu beiträgt, dass viele Menschen in ihren Gärten und auf ihren Äckern die Vielfalt unserer Pflanzen kultivieren und erhalten und daraus Nutzen und Genuss hervorgehen, dann ist unser Ziel erreicht.
Ich wünsche Ihnen viel Freude mit diesem Buch!
Unseren Kolleginnen und Kollegen von ProSpecieRara danke ich sehr herzlich für viele Jahre des fruchtbaren Austausches und der freundschaftlichen Zusammenarbeit, dem Autorinnen- und Autorenteam für die hervorragende Arbeit an diesem Buch und den im Buch porträtierten Gärtnern und Gärtnerinnen für ihren Einsatz, ihr Vorbild und die Bereitschaft, ihre Erfahrungen freigiebig mit anderen zu teilen.
Beate Koller
Arche Noah Geschäftsführerin
Vorwort von ProSpecieRara
Liebe Leserin, lieber Leser
Wenn sich zwei Menschen begegnen, die sich nicht kennen, dann werden sie sich gegenseitig sehr schnell folgende Fragen stellen: «Wie ist Ihr Name und woher kommen Sie?» Dies sind die grundlegenden Fragen nach der eigenen Identität. Bei den Nahrungspflanzen wird diese Identität weitgehend über den Sortennamen definiert. Hinter dem Sortennamen kann entweder ein Ort stehen oder ein Züchter, der seiner neuen Kreation einen Namen gegeben hat. Mit der Sorte sind bestimmte Eigenschaften verknüpft, die diese Sorte von einer anderen unterscheiden. Zu dieser Form der Identifizierung gehört auch, dass Geschichten entstehen, die von Generation zu Generation weitererzählt werden. Sortennamen sind damit auch häufig Ausdruck von inniger Verbundenheit zwischen Mensch und Nahrungspflanze. Denn je mehr Namen ein und derselben Sorte gegeben wurden, desto höher war die Wertschätzung, die man dieser entgegenbrachte.
Wenn wir unseren Einkaufswagen durch einen der Supermärkte schieben, dann werden wir erschlagen von der Vielfalt des Angebots. Auf den Gemüseregalen liegen Tomaten, Zucchini, Auberginen und Paprika schön drapiert in Reih und Glied. Wer sich nun auf die Suche macht und Genaueres über deren Identität im oben erwähnten Sinn erfahren möchte, der prallt auf eine Mauer des Schweigens. Eine gesichts- und charakterlose Einheitlichkeit starrt einem aus den Regalen entgegen. Ein Zeichen, das beispielsweise auf die wirkliche Identität der entsprechenden Tomatensorten hinweisen würde, sucht man meist vergeblich. Sollte doch einmal eine Namensbezeichnung auf der Packung stehen, so ist wiederum Vorsicht geboten, beschreibt diese doch häufig nicht die Sorte selbst, sondern eine beliebige Marke, die im Besitz eines Agrarkonzerns ist und keine bestimmte Tomatensorte benennt. Kurz: Es wird von der Nahrungsindustrie so einiges dafür getan, dass die Identität unserer Nahrungspflanzen für uns Kunden schwer zu ermitteln ist und das Angebot immer gesichtsloser und damit austauschbarer wird.
Das Verschwindenlassen der Identität hat System und führt schliesslich zur Entmündigung des Kunden. Denn diesem wird die Möglichkeit genommen, sich allzu sehr mit einer bestimmten Sorte zu verbinden, immer wieder nach dieser Sorte im Angebot zu suchen und nach ihr zu verlangen. Eine solche «Sortentreue» stünde im Gegensatz zum Zeitgeist und zum Diktat des Marktes, der immer Neues produzieren will und muss, da Patente und Sortenschutz bei den angebotenen Nahrungspflanzen nach rund fünfundzwanzig Jahren auslaufen und es dann für die Industrie an der nun ungeschützten Sorte nichts mehr zu verdienen gibt. Also muss eine neue, wiederum geschützte Sorte her, und der Kunde soll nun diese kaufen – müssen. Um die Einführung neuer Sorten zu erleichtern, liess man nach und nach die Sortennamen aus den Regalen verschwinden und stahl den Sorten so ihre Identität und dem Kunden damit die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, welche Sorte er gerne auf seinem Teller haben möchte.
Genau hier setzt die Arbeit von ProSpecieRara und Arche Noah sowie weiterer Erhalterorganisationen an. Mit der Publikation dieses Gemüselexikons sollen die vielen traditionellen und alten Sorten ihre Identität wieder zurückerlangen. Hier werden sie mit ihren Namen, mit ihren spezifischen Eigen schaften und mit einem typischen Sortenbild festgehalten. Zusätzlich handelt es sich jeweils um Sorten, die mithilfe von Sortendatenbanken aufspürbar und damit heute noch erhältlich sind. Sie sind samenfest und damit für jeden, der etwas von der Samenvermehrung versteht, reproduzierbar. Durch den Einsatz von vielen professionellen und privaten Saatgutproduzenten wird die Geschichte dieser Vielfalt weitergeschrieben. Damit nehmen die Verbraucher ihr Selbstbestimmungsrecht in Anspruch und stellen wieder eine direkte Beziehung zu ihren Nahrungspflanzen her. Das vorliegende Gemüselexikon ist somit ein Meilenstein gegen das Vergessen und dokumentiert eine aktuelle Momentaufnahme der Evolutionsgeschichte der Gemüsevielfalt, die noch lange nicht zu Ende geschrieben ist und an der sich möglichst viele Menschen beteiligen sollten. Dafür werden sich ProSpecieRara und Arche Noah auch in Zukunft einsetzen.
Béla Bartha
Geschäftsführer ProSpecieRara

Kulturpflanzen – Entwicklung und Erhaltung
Einleitung
Gemüsepflanzen sind Kulturpflanzen. Im Gegensatz zu Wildpflanzen, die sich vom Menschen unabhängig, meistens sogar am besten möglichst fern von ihm entwickeln, sind Kulturpflanzen auf den Menschen angewiesen. Der Name Kulturpflanze besagt, dass es sich dabei um Wildpflanzen handelt, die vom Menschen in Kultur genommen wurden. Da dies Jahrhunderte und Jahrtausende zurückliegt, leben diese Pflanzen heute so stark in Symbiose mit dem Menschen, dass sie nicht mehr selbstständig überleben können. Wenn Kulturpflanzen frei abblühen, ihre Samen also auf den Boden fallen und im Folgejahr wieder keimen, endet das in der Regel (aber nicht immer) in einer Degeneration; das bedeutet, sie nähern sich ihrer Wildform wieder an, was zwar für die Pflanze eine Stärkung bedeuten kann, aber immer einhergeht mit Einbussen in Bezug auf ihre Nahrungsqualitäten.
Es war schon immer ein Anliegen des Menschen, Nahrung zu produzieren, und deshalb kümmerte er sich auch um Pflanzen. Mehr Ertrag, möglichst gute Essqualitäten, wie zarte Knollen oder bitterfreie Blätter, und eine gute Lagerfähigkeit sind uralte Ziele bei der Arbeit mit den Kulturpflanzen. Das menschliche Leben hängt von Pflanzen ab. Am deutlichsten wird das bewusst, wenn wir Gemüse, Kartoffeln oder Salat essen. Wenn wir Brot zu uns nehmen, hat ein Müller und ein Bäcker das Getreide verarbeitet. Wenn wir Milchprodukte, Eier und Fleisch zu uns nehmen, sind das pflanzliche Nährstoffe, die ein Nutztier, eine Kuh, ein Huhn oder ein Schaf, als Futtermittel zu sich genommen hat. Wenn wir Kleider einkaufen, musste irgendjemand dafür Baumwollsträucher pflanzen und sie sorgsam wachsen lassen. Und selbst wenn wir funktionale Sportbekleidung tragen, hergestellt aus Erdöl und seinen Derivaten, sind die Grundlagen Pflanzen, deren organische Stoffe über Jahrtausende in Erdöl umgewandelt wurden. Auch wenn es uns manchmal in dem der Natur entfremdeten Alltag nicht mehr bewusst ist: Unser Überleben hängt von den (Kultur-)Pflanzen ab.
Gemüsepflanzen sind Nahrungspflanzen. Es gibt eine unendliche Vielfalt an Gemüse – dieses Buch soll dazu anregen, sie zu entdecken. Am grössten war die Gemüsevielfalt in Mitteleuro-pa im 19. Jahrhundert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann man aus verschiedenen Gründen das Sortiment zu straffen (siehe «Die Entwicklung der Kulturpflanzen», Seite 18). Dies hatte zur Folge, dass viele Gemüsevarietäten und spezielle Formen in Vergessenheit gerieten. Heute ist das Gemüseangebot im Grosshandel eintönig und langweilig: Immer die gleich aussehenden Paprika, stets die gleichen runden roten, oft geschmacklosen Tomaten. Wer das satthat, braucht einen Garten, um die Raritäten selbst anzubauen, oder hat vielleicht das Glück, einen ökologisch produzierenden Gemüsegärtner in der Nähe zu haben, der seine Spezialitäten regional vermarktet. Damit die alten Gemüsesorten erhalten werden können, brauchen sie Menschen, die sich um sie kümmern. Kulturpflanzen sind ein Erbe der Menschheit, sind Geschenke, die seit Jahrtausenden von unseren Vorfahren an uns weitergegeben wurden. Wir tragen die Verantwortung, diese an die kommenden Generationen weiterzureichen, damit auch sie sich ihre Ernährungsgrundlage sichern können. Wo Kulturpflanzen plötzlich Eigentum einer Firma werden, wo Sorten produziert werden, die keine fertilen Nachkommen mehr produzieren, verkaufen wir unser Erbe «für ein Linsengericht».
Die in diesem Buch porträtierten Menschen setzen sich alle auf verschiedene Art für die Erhaltung alter Kulturpflanzensorten ein. Erhaltung kann bedeuten, selbst Pflanzen anzubauen und Saatgut zu ernten, es kann aber auch heissen, das Wissen über diese Sorten wieder unter die Leute zu bringen oder sie die vergessenen Geschmacksnoten kosten zu lassen. Und Erhaltung kann ebenfalls heissen, wochenlang Texte in den Computer zu tippen, damit am Schluss dieses «Lexikon der alten Gemüsesorten» Augen öffnen und von der Schönheit und Vielfalt unseres Gemüse-Erbes erzählen kann – immer verbunden mit der Hoffnung, mehr Menschen für die Erhaltung der alten Gemüsesorten zu gewinnen.
Die Arten- und Sortenbeschreibungen in diesem Buch handeln immer auch von Herkunftsgeschichten, von Züchtern und von bestimmten Orten. Hinter jeder Sorte steht mindestens ein Mensch, ein Züchter oder Gärtner, der über Jahre hinweg Pflanzen ausgelesen hat, bis eine Anzahl Pflanzen in ihren Eigenschaften einheitlich und stabil war, um überhaupt als Sorte wahrgenommen zu werden.
Eine Gemüsesorte, die vor hundert Jahren auf den Markt kam, sieht heute nicht mehr so aus wie damals. Sie wurde in der Zwischenzeit einige Male vermehrt. Bei jedem Vermehrungsschritt geschehen Veränderungen, dem Züchter bewusste und auch unbewusste. Pflanzen sind sich verändernde Lebewesen. Bei der Beschreibung der Gemüsesorten in diesem Buch handelt es sich in diesem Sinne also um eine Momentaufnahme. Die Beschreibungen der Merkmale einer Sorte basieren auf Beobachtungen von Erhalterinnen und Erhaltern von ProSpecieRara und Arche Noah, die in den letzten rund fünfzehn Jahren und mit den zur Verfügung stehenden Pflanzenindividuen gemacht wurden. Es sei hier explizit festgehalten: Dies sind keine verbindlichen Beschreibungen von Merkmalen. Einschränkungen für den Anbau und die Vermarktung dürfen nicht aufgrund dieser Beschreibungen getätigt werden. Dies sind frei verfügbare Sorten, die sich auch in Zukunft frei weiterentwickeln und verändern dürfen und sollen.
Es freut alle an diesem Buch Beteiligten, wenn Sie als Leserin oder Leser sich von dieser Vielfalt begeistern lassen, vielleicht zu einer Samentüte greifen und diese selber anbauen oder anderweitig in Kontakt mit ihr kommen. Viel Freude!
Die Erhaltung von Kulturpflanzen
Warum müssen Kulturpflanzen heute erhalten werden? Das nachfolgende Kapitel zur Entwicklung der Kulturpflanzen mit einem historischen Rückblick nennt einige Gründe, weshalb viele alte Sorten heute vor dem Verschwinden bewahrt werden müssen. Ebenso wurden in den vorangehenden Texten einige grundsätzliche Gedanken dazu erläutert.
Viele Kulturpflanzen sind bereits verloren
Man geht davon aus, dass in den letzten gut hundert Jahren mehr als achtzig Prozent der einstigen Kulturpflanzenvielfalt unwiderruflich verloren gegangen ist. Die hier vorgestellten Gemüsesorten zählen zu den zwanzig Prozent der Überlebenden, stellen aber selbst nur einen Bruchteil davon dar.
Alte Sorten sind samenfest und frei verfügbar
Die genannten alten Gemüsesorten sind alle noch samenfest, wie dies alle Sorten vor dem 20. Jahrhundert waren. Das heisst, sie sind nachbaufähig und produzieren Samen, die wieder ausgesät identische Pflanzen bilden. Diese Eigenschaft garantiert allen Anbauern, dass sie selbst Saatgut dieser Sorten ernten und diese Sorten weiterentwickeln können. (Bei Hybridsorten, sogenannten F1-Sorten, ist dies nicht mehr der Fall.) Diese Eigenschaft macht es auch möglich, dass Organisationen diese samenfesten Gemüsesorten überhaupt erhalten können.
Die Erhalterorganisationen setzen sich zudem dafür ein, dass Saatgut von Gemüsesorten allen Menschen frei zugänglich bleibt. Diese Freiheit wird heute immer stärker eingeschränkt.
Erhalterorganisationen
Vereine und Stiftungen, NGOs (Nichtregierungsorganisationen) und NPOs (nicht profitorientierte Organisationen) sind heute als Erhalterorganisationen in vielen Ländern tätig. Sie wurden allesamt 1980 oder später gegründet, als der Verlust der Agro-Biodiversität ins Bewusstsein drang. ProSpecieRara in der Schweiz, Arche Noah in Österreich, Hortus in Liechtenstein und verschiedene Organisationen in Deutschland setzen sich heute für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt ein.
Erhaltung von Gemüse bedeutet Samenbau
Alle diese Organisationen haben in ihrer Gründerzeit als Erstes Saatgut alter Sorten gesammelt und das Gemüse dann angebaut; für das Überleben der Sorten mussten sie zuerst lernen, wie man Samen erntet. Denn wenn einmal von einer Sorte nur noch nicht keimfähiges Saatgut vorhanden ist, weil dieses bereits zu lange lagerte, dann ist die Sorte ausgestorben. Folglich muss von jeder Sorte in regelmässigem Abstand frisches Saatgut geerntet werden, um ihr Überleben wieder für einige Jahre zu sichern.
Das Wissen über Samenbau ist bei Hausgärtnern wie auch bei professionellen Gärtnern verloren gegangen. Ein Teil der Erhaltungsarbeit ist deshalb immer die Schulung im Samenbau. Sowohl Arche Noah als auch ProSpecieRara Schweiz und Deutschland bieten Samenbaukurse für interessierte Hausgärtner und -gärtnerinnen und Profis an. Will man eine Sorte über Generationen vermehren und ihre guten Eigenschaften behalten, braucht es einiges an Wissen und auch an Engagement. Arche Noah und ProSpecieRara sind keine Gärtnereien, die diese Sorten selbst vermehren. Sie sind vielmehr Netzwerke von vielen Hundert Sortenerhalterinnen und Sortenerhaltern. Jede und jeder Einzelne kümmert sich dabei um die Erhaltung einer oder einiger weniger Sorten, alle zusammen sichern Hunderten von Sorten das Überleben. Die Aufgabe der Erhalterorganisationen ist es, das Netzwerk zu koordinieren, Wissen über die Kulturpflanzen zu sammeln und zu dokumentieren, die Verfügbarkeit von Saat- und Pflanzgut zu gewähren und Öffentlichkeits- und Bewusstseinsarbeit zu leisten.
Samenbibliothek und Sortenarchiv
Bei ProSpecieRara nennt man die Sammlung aller Samen der alten Gemüsesorten «Samenbibliothek», bei Arche Noah «Sortenarchiv». Gemeinsam ist ihnen, dass es sich dabei um einen Raum handelt, in dem Saatgut von in Erhaltung stehenden Sorten gelagert wird. Es handelt sich dabei um VermehrungsSaatgut, das ausschliesslich der weiteren Absicherung der Sorten dient. Das heisst, Saatgut aus der «Samenbibliothek» und aus dem «Sortenarchiv» steht ausschliesslich Erhaltern zur Verfügung.
Zugang zu Saat- und Pflanzgut und zu Produkten
Wer Saatgut beziehen will, um einfach einmal einen Salat anzubauen, ihn zu ernten und zu geniessen, der findet bei ProSpecieRara im «Sortenfinder, dem Saat- und Pflanzgutkatalog für Gönner/innen und Aktive» und im «Sorten-Handbuch» der Arche Noah Bezugsquellen für Saatgut dieser Raritäten. Immer im Frühjahr finden zahlreiche Setzlings- und Jungpflanzenmärkte statt, und im Herbst gibt es Erntetage und Produktemärkte.
Weitere Informationen zu den Organisationen sowie Kontaktadressen siehe im Anhang.

Unsere Kulturpflanzen entstanden durch die Arbeit von Generationen von Menschen. Diese Pflanzen müssen weiterhin gepflegt werden, ansonsten verlieren wir unser wertvolles Kulturerbe.

Die Entwicklung der Kulturpflanzen – ein historischer Überblick
Vom Jäger und Sammler zum Anbauer der ersten Kulturpflanzen
In den älteren Kulturepochen, der Mittel- und Altsteinzeit, lebte der Mensch als Jäger und Sammler. Er ernährte sich von dem, was ihm die Natur an Wildpflanzen und Tieren bot. In der Jungsteinzeit begannen die Menschen, Pflanzen und Tiere zu domestizieren und wurden als Folge davon sesshaft. Diese Änderung der Lebensgewohnheiten vollzog sich weltweit zu unterschiedlichen Zeiten. Erstmals geschah dies im 10. bis 7. Jahrtausend v. Chr. im Gebiet des fruchtbaren Halbmondes, in der heutigen Türkei und im Iran, wo viele Wildgetreidearten beheimatet sind. Die ersten Kulturpflanzen waren Erbsen, Linsen, Gersten und Weizen. In Mitteleuropa fand das Leben noch jahrtausendelang in den Wäldern statt, sesshaft wurden die Menschen hier erst zwischen 5500 bis 2200 v. Chr. Noch vor den Mitteleuropäern begannen die Indianer in Südamerika mit der Kultivierung von Pflanzen: Im Hochland von Peru entwickelten sie im 3. Jahrtausend v. Chr. die ersten essbaren Kartoffeln.
Besonders in Süddeutschland wurde Dinkel von der Bronzezeit (1800 bis 800 v. Chr.) bis ins Mittelalter hinein reichlich angebaut, vor allem auch in klimatisch ungünstigen Gebieten, die sich für Weizenanbau nicht eignen. Zu der schon in der Jungsteinzeit angebauten Rispenhirse trat auch die Kolbenhirse hinzu. Hafer, Emmer und Roggen traten erstmals auf – zuerst wohl nur als Unkraut in den Feldern. Die Puffbohne fand den Weg von Südeuropa über die Alpen nach Norden.
Die Römer brachten die erste Vielfalt
Sehr vielfältig war bei den Römern der Bestand an Gewürz-, Gemüse- und Salatpflanzen, von denen etliche als «romanischer Import» in unsere Heimat eingeführt wurden. Zu diesen gehören beispielsweise Dill und Koriander. Auch die Gemüsearten Gartenmelde und Schildampfer wurden erst von den Römern in grösserem Stil kultiviert. Man nimmt an, dass der rheinische Gemüsebau auf die Einführung durch die Römer zurückgeht.
Das Mittelalter: Gemüseanbau in Klöstern und Königshäusern
Zu Beginn des Mittelalters wurden die Klöster zu Kernzellen für die Entwicklung von Gemüse und Kräutern – sowohl, was die Produktion von Nahrungsmitteln, die Beschreibung der Pflanzen als auch deren Verwendung als Heil- und Medizinpflanzen angeht. Vermutlich fanden damals in den Klöstern erste Züchtungsversuche mit Individualauslese und Nachbau statt. Auch die Könige und Kaiser förderten den Gemüsebau. Eine der ältesten schriftlichen Nachweise von einst bedeutenden Nahrungspflanzen in Mitteleuropa kann dem «Capitulare de villis», der Landgüterverordnung von Karl dem Grossen, entnommen werden. Sie wurde wahrscheinlich im Jahr 812 n. Chr. in Aachen verfasst. Darin erliess der König Vorschriften, welche Nahrungspflanzen in seinen von Mittelitalien bis an die Ostsee und von den Pyrenäen bis nach Böhmen reichenden Krongütern angebaut werden sollten. Neben vielen Kräutern werden darin auch folgende Gemüsesorten erwähnt: Gurke, Zuckermelone, Flaschenkürbis, Kuhbohne, Kichererbse, Lattich, Sellerie, Fenchel, Schlafmohn, Mangold, Pastinake, Karotte, Gartenmelde, Kohlrabi, Kohl, Speiserübe, Winterheckenzwiebel, Rettich, Schalotte, Küchenzwiebel, Knoblauch, Puffbohne und Erbse. So vielfältig dies auf den ersten Blick erscheinen mag, so trügerisch ist diese Liste in Hinblick auf die Ernährung der untersten Bevölkerungsschichten, der Bauern und Leibeigenen, die sich hauptsächlich von Getreidegrütze, Kohl und einigem Wurzelgemüse ernährten. Die grosse Gemüsevielfalt blieb den Wohlhabenden vorbehalten, vielleicht das ein oder andere Gemüse noch den Städtern. Ebenfalls aus dieser Zeit ist der Klosterplan von St. Gallen überliefert. Er entstand vermutlich zwischen 819 und 826 n. Chr. im Kloster Reichenau am Bodensee.
Steigende Temperaturen im Mittelalter
Um 1080 bis 1380 n. Chr. vollzog sich in Europa und über dem Nordatlantik eine beachtliche Erwärmung zumindest der Sommer. Diese Periode wird als Mittelalterliches Klimaoptimum bezeichnet. Im August war es etwa 2 bis 2,5 Grad wärmer als in der Zeitphase davor und etwa 1,5 Grad wärmer als heute. Diese Temperaturen erlaubten damals sogar Weinanbau in Südengland. In der sogenannten Kleinen Eiszeit, von etwa 1550 bis 1850 n. Chr., gingen dann die Temperaturen wieder zurück. Welche Auswirkungen diese Erwärmung auf den Anbau von Gemüse hatte, ist nicht im Detail bekannt. Möglich, dass dadurch aber in dieser Zeit die eine oder andere Gemüseart aus dem Mittelmeerraum in Mitteleuropa Fuss fasste.
Die Entdeckung von Amerika – unbekannte Kulturpflanzen kommen nach Europa
1492 landete Christoph Kolumbus in Amerika. Er brachte Zuckerrohr und Zitrusfrüchte nach Amerika und nahm auf seiner Rückreise den Mais mit nach Europa. In den folgenden Jahrzehnten fanden verschiedenste neue Kulturpflanzen den Weg in die Alte Welt: Von 1508 stammt die erste Abbildung eines Kürbisses aus Frankreich, 1516 eine von Tomaten. 1543 beschreibt Leonhart Fuchs in Deutschland die ersten Bohnen und die ersten Paprika. 1570 wurde die Kartoffel nach Spanien eingeführt, zwanzig Jahre später erreichte sie England. Und im Übergang vom 16. zum 17. Jahrhundert folgten die Feuerbohnen.
Innerhalb von hundert Jahren hatte man plötzlich eine Fülle an neuen Kulturpflanzen zur Verfügung. Diese kamen nicht etwa als Wildpflanzen, die noch entwickelt werden mussten, nach Europa, sondern waren in Amerika bereits seit mehr oder weniger langer Zeit kultiviert worden und kamen in vielfältigen Formen und Varianten zu uns, grossfrüchtig und ertragreich. Die eine oder andere Pflanze brauchte noch Zeit, bis sie sich an das hiesige Klima angepasst hatte, andere wiederum kamen aus ähnlichen Breitengraden und etablierten sich schneller. Zusätzlich brauchte es Zeit, bis sich die Ernährungsgewohnheiten der hiesigen Bevölkerung änderten. «Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.» Diese Hürde musste manches Gemüse zuerst noch nehmen.
Die Gelehrten des 16. und 17. Jahrhunderts
Gleichzeitig mit der Einführung amerikanischer Kulturpflanzen begannen im 16. Jahrhundert Gelehrte, meist Ärzte, Predi ger und Botaniker, Kräuterbücher zu schreiben. Diese «Väter der Pflanzenkunde» gaben in ihren Werken umfassende Pflanzenbeschreibungen wieder, oft auch ergänzt durch detailgetreue Zeichnungen, aufgrund derer man sie mit den heute bekannten Gemüsearten vergleichen kann. Sie begründeten die botanische Nomenklatur und teilten die Pflanzen nach systematischen Verwandtschaften ein. Die Werke von Otto Brunfels (1488–1534), Hieronymus Bock (1498–1554), Leonhart Fuchs (1501–1566), Pietro Andrea Mattioli (1501–1577), Tabernaemontanus (1522–1590) und Caspar Bauhin (1560–1624) gehören zu den bis heute bedeutenden Kräuterbüchern.
Erste Kreuzungen zur Verbesserung der Kulturpflanzen
Über all die vergangenen Jahrhunderte und Jahrtausende lag die Entwicklung der Kulturpflanzen in den Händen der Bauern. Jeder bebaute seine Felder, erntete für die Ernährung der eigenen Familie und betrieb in dem Masse Samenbau, dass eigenes Saatgut für das kommende Jahr zur Verfügung stand. Doch aus den Beobachtungen der Gelehrten, kombiniert mit eigenen Erfahrungen, begannen findige Geister im 18. Jahrhundert mit den ersten Kreuzungen zur Verbesserung der Kulturpflanzen: Um 1780 begann man, Landsorten von Kartoffeln gezielt zu kreuzen. 1786 selektierte F. C. Achard die ersten zuckerreichen Rüben und züchtete schliesslich die ‘Weisse Schlesische Zuckerrübe‘. Innerhalb von hundert Jahren wurde so der Zuckergehalt der Rübe von zwei auf fünfzehn Prozent gesteigert. In England wurden 1790 kontrollierte Züchtungen von Mark- und Palerbsen durchgeführt.
Das 19. Jahrhundert – der grosse Umbruch: die Intensivierung der Kulturpflanzen-Züchtung
Im 19. Jahrhundert begann sich die Lebensweise der Menschen in Europa grundsätzlich zu verändern. Das industrielle Zeitalter begann. 1710 waren mehr als zwei Drittel der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, 175 Jahre später nur noch wenige Prozente. Hauptsächlich in diesem Jahrhundert begannen sich erste professionelle Züchter zu etablieren. Es entstanden in Mitteleuropa einige renommierte Züchterhäuser und Samenhändler. Vor allem Frankreich und Deutschland wurden zu Zentren der Gemüsezüchtung. Die dort entwickelten Sorten wurden in ganz Europa und auch in den USA gehandelt.
Züchterfirmen und Forschungsanstalten
Eines der grossen Züchterhäuser in Europa ist Vilmorin aus Paris. Die Firma Vilmorin wurde 1742 als Pflanzen- und Saatgutgeschäft von der Saatgutexpertin Claude Geoffroy und ihrem Ehemann Pierre Andrieux gegründet. Dieser war oberster Gärtner des Königs Ludwig XV. Das Geschäft befand sich in Paris. Ihre Tochter heiratete Philippe-Victoire Levêque de Vilmorin (1746–1804). Von da an führte die Familie über einige Generationen und rund 150 Jahre lang das Geschäft. Heute gehört Vilmorin Clause & Cie. zur Limagrain-Gruppe und ist viertgrösster Saatgutproduzent der Welt. Vilmorin brachte im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts einige sehr umfangreiche Werke mit dem Titel «Les Plantes Potagères» (dt. Die Gartenpflanzen) heraus, die interessante Einblicke in damals gehandelte Gemüsesorten geben.
Im deutschen Erfurt gründete 1843 Ernst Benary eine Kunst- und Handelsgärtnerei, die sich nach und nach zu einer Züchterfirma weiterentwickelte. 1893 arbeiteten etwa hundert Züchter in allen Erdteilen mit der Firma Benary zusammen. Der Zweite Weltkrieg und die Besetzung von Erfurt durch die Rote Armee führte zur Auflösung des dortigen Firmenstandorts. 1946 verliess Ernst Benarys Urenkel Erfurt und baute die Firma in Westdeutschland (ehemalige BRD) neu auf. Dabei spezialisierte er sich auf Zierpflanzen.
Lange Zeit, eigentlich bis zur grossen Privatisierungswelle in den 1990er-Jahren, war auch der Staat intensiv in die Züchtung von Gemüse involviert. Da die Forschung über Zuchtmethoden eng mit den Universitäten verbunden ist, war dies nur naheliegend. In Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelten die Forschungsanstalten eine grosse Anzahl neuer Gemüsesorten.
Die Arbeit von Züchter und Anbauer war im 19. Jahrhundert und bis etwa 1960 nicht immer und überall streng getrennt. Ein Bild davon kann man sich über die gut dokumentierte Genfer Gartenbaugesellschaft machen. Hier gab es einige sogenannte «maraîchères et grainiers» (dt. Marktgärtner und Saatgutzüchter), die einerseits Gemüse produzierten und dieses auf dem Markt verkauften, andererseits betrieben sie auch Samenbau und selektierten ihre eigenen Linien aus bestehenden Sorten. Manchmal entstanden daraus mit der Zeit eigenständige Lokalsorten, die sich deutlich von der ursprünglichen Sorte unterschieden.
Ab den 1880er-Jahren wurden überall regionale oder landesweite Gesellschaften gegründet, die mehrjährige Feldversuche durchführten und sich mit der Sortenwahl beschäftigten. In Deutschland betrieb dies beispielsweise die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft, in Genf die Societé d’horticulture de Genève (dt. Genfer Gartenbaugesellschaft).
Die Mendelschen Regeln der Vererbung von 1866
Die Vererbungslehre wurde im 19. Jahrhundert intensiv erforscht. Den Grundstein der klassischen Genetik legte der Augustinermönch Gregor Mendel mit seinen Kreuzungsversuchen an Erbsenpflanzen und den aus seinen Beobachtungen formulierten Mendelschen Regeln der Vererbung. Seiner Publikation von 1866 wurde vorerst wenig Beachtung entgegengebracht, bis 1900 die Botaniker Carl Correns, Erich Tschermak, William Batteson und Hugo de Vries unabhängig voneinander diese Regeln wiederentdeckten und verbreiteten.
Die Entwicklung der Hybridzüchtung
1909 schlossen East und Shutt in den USA die ersten Versuche zur Hybridzüchtung von Mais ab. 1937 entdeckten Blakeslee und Avery, dass durch Anwendung von Colchizin, einem Inhaltsstoff der Herbstzeitlosen, die ein Zellgift ist, eine Verdoppelung der Chromosomensätze in den Zellen erreicht werden konnte. Damit wurde dem Menschen die Möglichkeit eröffnet, Mutationen am Erbgut von züchterisch bearbeiteten Kulturpflanzen herbeizuführen. 1940 begann man in den USA mit der Hybridzüchtung an Zuckerrüben.
Erste Hybridsorten auf dem Markt
Ab 1956 waren die ersten Maishybriden im Samenhandel Mitteleuropas zu kaufen. Dies war ein wichtiger Meilenstein in der Saatgut-Züchtung. Alle bis dahin verwendeten Sorten von Kulturpflanzen waren samenfest und offen abblühend, das heisst, jeder Anbauer konnte mit dem entsprechenden Wissen über Samenbau seine Pflanzen zur Blüte bringen und Saatgut ernten. Säte er dieses Saatgut aus, wuchsen wieder sortenechte Pflanzen, die denjenigen der vorhergehenden Generation im Grossen und Ganzen in ihrer Ausprägung und Gestalt sowie in ihren Eigenschaften entsprachen. Mit der Einführung von Hybridsorten (sogenannte F1-Sorten) änderte sich dies schlagartig. Hybridsorten sind nicht sortenecht nachbaufähig. Nimmt man von Hybriden Saatgut und sät dieses wieder aus, resultieren daraus vielgestaltige, nicht mit der Muttergeneration identische Pflanzen. Da dies in der Regel auch deutlich ertragsärmere Pflanzen sind, erntet kein Bauer und Gemüsegärtner Saatgut von Hybriden. Heute dominieren Hybriden das Saatgutangebot beim Gemüse. In gewissen Kulturen wie zum Beispiel beim Zuckermais vollständig, bei anderen Kulturen sind noch wenige samenfeste Sorten im Handel. Die Tendenz geht hin zur vollständigen Marktdominanz von Hybridsorten.
Gesetze und Eigentumsrechte verdrängen alte Gemüsesorten
Nach dem Zweiten Weltkrieg machten Pflanzenzüchterverbände Druck auf die Politik. 1950 wurde in Deutschland das Bundessortenamt gegründet, und drei Jahre später führte Deutschland das erste Saatgutgesetz der Welt ein.
1961 schlossen sich die USA, Japan und die meisten westeuropäischen Länder zur UPOV zusammen (International Union for the Protection of New Varieties and Plants, Verband zum Schutz von neuen Pflanzenzüchtungen). Die UPOV beschliesst gemeinsame Grundregeln für den Sortenschutz, das Eigentumsrecht des Züchters an seiner Sorte. Er gilt 25 Jahre lang. Seit 1972 gibt es einen gemeinsamen Sortenkatalog der EUStaaten. Heute kämpft die ESA, die European Seed Association (dt. Europäischer Saatgutverband) für Patente auf Pflanzen. Die ganze Entwicklung zeigt, wie stark Kulturpflanzen zu Eigentum von Firmen gemacht wurden und werden. Der Zugriff auf Saatgut wird immer mehr monopolisiert. Was einst weltweit allen Menschen als Gemeingut gehörte, wird privatisiert. Gesetzgebungen bedrohen die weitere Erhaltung alter Gemüsesorten, heute noch stärker als dies bereits in den letzten Jahrzehnten geschah.
Grüne Revolution und modernisierte Landwirtschaft
In den 1960er-Jahren begann weltweit der Anbau von Hochertragssorten, kombiniert mit der maschinellen Bearbeitung der Felder und mit Zugabe von synthetischen Düngemitteln und Zusatzstoffen wie Herbiziden und Pestiziden. Dies hatte eine signifikante Ertragssteigerung zur Folge – mit erheblich nachteiligen Wirkungen auf die Gesundheit der Böden und der Umwelt. Die Gemüsezüchtung passte sich den veränderten Anbaubedingungen an. 1954 wurde die erste Buschbohnensorte auf den Markt gebracht, die gleichmässig abreift, das heisst, alle ihre Hülsen sind gleichzeitig erntereif. Sie eignete sich damit hervorragend für die 1951 entwickelte erste mechanische Bohnen-Pflückmaschine.
Gentechnische Züchtung
1960 wurde die Methode der Protoplastenfusion entwickelt. Dabei werden zwei Zellen miteinander verschmolzen, deren Zellwände zuvor durch Enzyme aufgelöst wurden. Die beiden Zellen können von unterschiedlichen Arten stammen, wie zum Beispiel von Tomaten und Kartoffeln. Die Protoplastenfusion steht am Anfang der gentechnischen Methoden in der Pflanzenzüchtung, deren Entwicklung ab den 1970er-Jahren intensiviert wurde. 1972 gilt als die eigentliche Geburtsstunde der Gentechnik: Damals gelang es zum ersten Mal, einen DNA-Strang in einzelne Teile zu zerlegen. Einzelne Gene können nun aus dem Erbgut isoliert und analysiert werden. 1994 kam in den USA die erste gentechnisch veränderte Gemüsesorte auf den Markt: die «Flavr-Savr-Tomate», im Jahr 2000 wurde das erste vollständige Pflanzengenom entschlüsselt, und 2005 wurde in Deutschland die erste gentechnisch veränderte Sorte (Mais) zum Anbau zugelassen. Die gentechnischen Methoden entwickeln sich zurzeit rasant weiter, sodass es Laien, aber auch dem Gesetzgeber, schwerfällt, mit dieser Entwicklung mitzuhalten.
Konzerne dominieren den Saatgutmarkt und die Züchtung
Seit den 1980er-Jahren kauften sich grosse Chemiefirmen in den Saatgutmarkt ein. Es begann die Entwicklung hin zu Paketen von bestimmten Sorten, die in Kombination mit einem bestimmten Herbizid und Pestizid verkauft wurden. Das heisst, Pharmafirmen taten sich mit den Saatgutfirmen zusammen und verkauften zu den neu entwickelten Sorten gleich die passenden Herbizide und Pestizide, die diese benötigten, um reichen Ertrag zu bringen. Ein wirtschaftlich lukratives Geschäft. Der Saatgutmarkt befindet sich seither in einem zunehmenden Prozess der Konzentration. 2007 verkauften die Top Ten der Saatguterzeuger zwei Drittel des weltweit gehandelten Saatguts. Die hier führenden Unternehmen sind Monsanto mit einem Marktanteil beim Saatgut von 27 Prozent, Du Pont mit 17 Prozent und Syngenta mit 9 Prozent Marktanteil. Mittlerweile haben diese die meisten kleinen Züchtungsunternehmen übernommen oder haben mit ihnen fusioniert. Viele Gemüsesorten, die heute neu auf dem Markt eingeführt werden, stammen von diesen finanzstarken Konzernen.
Die ökologische Züchtung – ein anderer Weg
Schon vor rund vierzig Jahren begannen kluge Züchterinnen und Züchter aus dem ökologischen Landbau, sich für eine andere Pflanzenzüchtung einzusetzen. Ilmar Randuja, der am Ekkarthof in der Schweiz seit den 1970er-Jahren biodynamische Züchtung betrieb, gilt als einer der Pioniere auf diesem Gebiet. Die Zuchtziele der ökologischen Züchtung sind ausgerichtet auf eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen. Auf den technischen Eingriff in das Erbgut der Pflanze wird verzichtet, und es werden nachbaufähige Pflanzen (keine Hybriden) entwickelt, um den Anbauern die Möglichkeit zu lassen, ihr eigenes Saatgut zu produzieren. Die Arbeit dieser ökologischen Züchter steht immer noch am Anfang, wenn man bedenkt, dass die Entwicklung einer Sorte zehn bis fünfundzwanzig Jahre dauern kann. Diese ökologischen Züchter in Mitteleuropa arbeiten in vielen Belangen mit Erhalterorganisationen wie ProSpecieRara und Arche Noah zusammen. In der Schweiz betreibt Sativa Rheinau ökologische Züchtung, in Österreich Reinsaat und in Deutschland Kultursaat e. V. und Bingenheimer Saatgut sowie Dreschflegel e. V. Ihre Anschriften und weitere Informationen finden sich im Anhang.



Gärten der Vielfalt
Um die seltenen und alten Gemüsesorten wieder bekannt zu machen, damit sie von Fachleuten beschrieben und bestimmt werden können und um neues Saatgut zu ernten, werden diese in verschiedenen Vielfaltsgärten angebaut. In diesen Gärten entstanden über einige Jahre hinweg die Fotos für dieses Buch. Die Gärten stehen interessierten Besucherinnen und Besuchern offen und laden dazu ein, die Gemüseraritäten wachsen und gedeihen zu sehen und sicher noch manche andere Pflanze zu entdecken, die in dieses Buch nicht Eingang fand.
Nutz- und Lustgarten Schloss Wildegg
Die grosse Vielfalt alter Gemüse-, Beeren- und Getreidesorten von ProSpecieRara kann im wunderschön gelegenen barocken Nutz- und Lustgarten von Schloss Wildegg erkundet werden. Jedes Jahr wachsen hier über 400 verschiedene Sorten und Arten, unbekannte Landsorten, alte Zuchtsorten und fast vergessene Kulturen wie Erdbeerspinat oder Haferwurzeln.
Eine bewegte Schlossgeschichte
Das Schloss Wildegg im Kanton Aargau ist als Burganlage konzipiert; es thront, seit es im Jahr 1200 von den Habsburgern erbaut wurde, auf einem Felsvorsprung über dem Dorf Wildegg. Zu den besten Zeiten um das Jahr 1770 gehörten 120 Hektar Wiesen, Wälder, Äcker, Reben und mehrere Gewerbebetriebe zum Schloss und erlaubten den Besitzern eine weitgehend autarke Lebensweise. Bis die Patrizierfamilie Effinger es von 1483 bis 1912, elf Generationen lang, ihr Eigen nannte, hatte das Schloss eine bewegte Geschichte mit vielen Besitzerwechseln hinter sich. Das Gut, von heute immer noch beachtlichen 98 Hektar, gehört seit 2011 dem Kanton Aargau.
Ein Garten mit barockem Charakter
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde der Nutz- und Lustgarten als Terrasse mitten im Rebberg angelegt. Er umfasst 3300 Quadratmeter und ist kreuzförmig mit breiten Kieswegen in vier Sektoren aufgeteilt, die ihrerseits wiederum unterteilt sind. Dieses zentrale Wegkreuz hat sich über die Jahrhunderte halten können und wurde mal mit vielen, mal mit wenigen schattenspendenden Bäumen versehen. Derzeit sind es vier grosse Linden in der Mitte des Wegkreuzes, unter denen man gemütlich an einem kleinen Tischchen sitzend den Garten geniessen kann.
Entlang der Mauer werden auch heute noch verschiedenste Spalierobstarten gezogen; hier findet man Mispeln und Weinbergpfirsiche, exotische Kiwis oder sogar Kakis, die dank dem milden Klima bestens gedeihen. Die weitere Ausstattung des Gartens hat sich laufend verändert. So kamen etwa Mitte des 18. Jahrhunderts zwei Eckpavillons hinzu, die mit den Jahren zwar zerfielen, 1926 aber wieder aufgebaut wurden und auch heute noch bestehen. Dafür gibt es die südlich gelegene Formschnitthecke heute nicht mehr, und so kann man den Blick bis hinüber zum Nachbarschloss Lenzburg, bei schönem Wetter sogar bis zu den Alpen schweifen lassen.
Der barocke Charakter des Gartens kommt vor allem durch die Buchsbordüren zustande. Die Buchsbordüren umfassen die blühenden Stauden, Gehölze sowie etliche Zwiebelpflanzen, die im Frühling wunderschön bunt blühen. Pyramidenförmig geschnittene Eiben geben dem barocken Garten zusätzlich Struktur. Kleinere Wege gliedern den Garten mit den Nutzbeeten und den vielfältigen darin enthaltenen Gemüsesorten. Diese Vielfalt kam auch schon zu Effingers Zeiten in der Küche des Schlosses auf den Tisch. Dank alten Kochbüchern weiss man, dass die Herrschaften feine Eier-Kraut-Zwiebelkuchen oder Kümmelkuchen mit Zutaten aus dem eigenen Garten serviert bekamen.
Notwendige Restaurierung
Mit grosser Sorgfalt wurden in den letzten Jahren das Schloss und die Nebengebäude saniert. Um das Ausflugsziel noch attraktiver zu gestalten, wurde auch der Garten, der bis dahin nicht für Besucher zugänglich war, überholt. 1998 nahm man sich der Instandsetzung des Gartens als Nutz- und Lustgarten nach altem Vorbild an. Es wurde darauf geachtet, die charakteristischen Eigenschaften eines Nutzgartens, der Gemüse, Früchte und Beeren liefert, sowie die romantischen Elemente eines Lustgartens wieder unter einen Hut zu bringen, so wie es schon im 18. Jahrhundert bei der Familie Effinger der Fall war. In einem ersten Schritt suchte die Projektleitung in historischen Dokumenten nach Informationen zum Schlossgarten. Man nahm sich auch ein Beispiel an den umliegenden alten Bauerngärten. Denn früher dienten die Gärten der Herrschaft oftmals als Vorbild für das einfache Volk und wurden von den Bauern kopiert, die dann Schlossgärten im Kleinformat besassen. Dank diesen Informationen gelang es, den Schlossgarten wie anno dazumal wieder aufzubauen und öffentlich zugänglich zu machen. Damit auch die Bepflanzung möglichst nah dem seinerzeitigen Original entspricht, plante ProSpecieRara die Gemüsebepflanzung des Gartens mit alten, kaum mehr kultivierten Gemüse-, Kräuter- und Beerensorten. Über 400 verschiedene rare Sorten, vorwiegend solche aus dem 18. Jahrhundert, werden heute den Besucherinnen und Besuchern in den Nutzbeeten gezeigt. Die Bepflanzung ändert sich jährlich.
Saatguternte und Versuchsanbau
Die im Garten angebauten alten Sorten dienen aber nicht nur als Museumsstücke, sondern ganz direkt auch der Erhaltung. So wird von einigen angebauten Gemüse- und Getreidesorten Saatgut geerntet. Denn nur wenn man alte Sorten aktiv anbaut, können sie für die Zukunft erhalten bleiben. Dies führt zu ungewöhnlichen Anblicken, wie etwa jenem von blühenden Randen oder Kopfsalat. ProSpecieRara nutzt auch die Möglichkeit, verschiedene Sorten nebeneinander anzubauen, zu beobachten und spezifische Sortenbeschreibungen zu erstellen.
Jahresthema, Führungen und Setzlingsmarkt
Um den Ausflug in den Garten noch abwechslungsreicher zu gestalten, kann man von Juni bis September jeden Sonntag an einer Führung durch den Garten teilnehmen. Das Führungsteam von ProSpecieRara weiss viele Geschichten aus und über den Garten zu erzählen. Oder man geht mit einer der gratis aufliegenden Broschüren zum jeweiligen JahresGartenthema selbst auf Entdeckungstour und erfährt Kurzweiliges über einzelne Aspekte des Gartens. Wer dann auf den Geschmack gekommen ist, sollte den legendären ProSpecieRara-Setzlingsmarkt immer am ersten Maiwochenende auf Schloss Wildegg nicht verpassen. Dort kann man die Raritäten für den eigenen Garten erwerben.

Nutz- und Lustgarten Schloss Wildegg
Informationen für Besucherinnen und Besucher
Der Schlossgarten ist vom 1. April bis 31. Oktober (Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr) für Besucher geöffnet. Der Eintritt ist kostenpflichtig. Dank einer Broschüre zum Jahres-Gartenthema und der guten Beschilderung kann man den Garten auf eigene Faust erkunden, oder man schliesst sich einer der sonntäglichen Führungen an, die zwischen 11 Uhr und 16 Uhr viermal stattfinden. Für Gruppenführungen kann man das Museumsteam kontaktieren. Auf dem Schloss findet der ProSpecieRara-Setzlingsmarkt am ersten Maiwochenende sowie über das Jahr weitere Blumen- und Gemüsesonderschauen statt.
Weitere Informationen: www.schlosswildegg.ch, www.prospecierara.ch

Arche Noah Schaugarten in Schiltern
Im Arche Noah Schaugarten wird Altes mit Neuem verbunden. Fast verloren gegangene Kulturpflanzen werden hier wieder lebendig, vermehrt, vor dem Aussterben bewahrt und weiterentwickelt.
Ein alter barocker Schlossgarten
Der ehemalige «Kuchlgarten» des Schlosses liegt in dem kleinen Örtchen Schiltern in Niederösterreich, malerisch eingebettet in die umliegenden Weinberge. Man betritt den Schaugarten durch ein von Maria Theresia gestiftetes, kunstvoll verziertes schmiedeeisernes Tor. Nach und nach öffnet sich ein immer weiter werdender Blick auf das Gelände. In dem alten Schlossgarten sind die barocken Strukturen weitgehend erhalten und bilden mit den ihn umgebenden alten Mauern und dem Gartenpavillon ein harmonisches Gesamtbild. Der 1706 erstmals erwähnte Gartenpavillon – das ehemalige Lusthaus – befindet sich auf einer kleinen Anhöhe, hinter der sich der historische Obstgarten verbirgt.
Alte und neue Raritäten
Hauptattraktionen sind nicht die geometrisch angeordneten Beeteinfassungen nach englischem Vorbild, sondern die vom Aussterben bedrohten, fast vergessenen Kulturpflanzen. Rund 750 verschiedene seltene Gemüse-, Getreide- oder Färberpflanzen werden jährlich für Schauzwecke, in verschiedene Themenbeete gegliedert, angebaut. Neben den zahlreichen alten Sorten kann der Besucher auch Exotisches aus aller Welt wie Knollenziest, Erdmandel oder Melothria kennenlernen. Im Schaugarten wird zudem Saatgut vermehrt. Und so sind vor allem im Herbst zahlreiche Samenträger zu bewundern, wie zum Beispiel blühende Pastinaken, Salate oder Schwarzwurzeln. Erfahrene und neugierige Gärtnerinnen und Gärtner finden vielfältige Anregungen für die eigene biologische Gärtnerpraxis, etwa zu Themen der Gründüngung oder Mischkultur oder des biologischen Pflanzenschutzes.
Verkauf von Pflanzen für Gärtnerinnen und Gärtner
Die im Garten angepflanzten Raritäten und Kuriositäten können im Anschluss an den Besuch im Arche Noah Shop als Bio-Jungpflanze oder als Bio-Saatgut erworben werden. Auf diese Weise werden auch die Hausgärten zu Vielfaltsgärten. Fachkundige Arche-Noah-Mitarbeitende des Shops vermitteln Wissen und Anbautipps zu den besonderen Pflanzen. Ebenso sind im Shop Bücher zu Gartenthemen, kalte und warme Getränke, Snacks und Eingemachtes sowie Picknickdecken für einen gemütlichen Aufenthalt unter alten Obstbäumen erhältlich.

Arche Noah Schaugarten in Schiltern
Informationen für Besucherinnen und Besucher
Der Garten ist von April bis Anfang Oktober, Dienstag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Es wird ein Erhaltungsbeitrag für den Schaugarten erhoben. Gruppenführungen auch mit Verkostungen auf Anfrage, ebenso Führungen für Schulklassen und ein Kinderprogramm.
Der Garten kann gut selbstständig erkundet werden: Alle Arten sind übersichtlich etikettiert, und zusätzliche Informationen finden sich auf den zahlreichen Informationstafeln an den Beeträndern. Wer noch mehr wissen möchte, kann samstags, sonntags und an Feiertagen dreimal täglich an Gartenführungen teilnehmen.
Weitere Informationen: www.arche-noah.at

Merian Gärten in Basel – Haupsitz ProSpecieRara
Am Stadtrand von Basel, zwischen Fussballstadion und Industriegebiet, öffnet sich eine ganz eigene Welt, die die Hektik der Stadt vergessen lässt – eine grüne Oase: die Merian Gärten Brüglingen mit ihren Pflanzensammlungen, darin eingebettet der Hauptsitz von ProSpecieRara Schweiz. In einigen Gartenbereichen arbeiten ProSpecieRara und die Merian Gärten zusammen: So können Besucherinnen und Besucher den ProSpecieRara-Gemüsegarten, den Beerengarten und die Obstsammlung sowie einige alte Nutztierrassen erkunden.
Vom Bauerngut zum botanischen Garten
Einst gehörten diese Ländereien Christoph Merian senior (1769–1849), dem Grosskaufmann und zu seiner Zeit reichsten Schweizer. Den rund 56 Hektar umfassenden Landsitz Brüglingen schenkte er seinem Sohn Christoph zur Hochzeit. Dieser vergrösserte die Ländereien und das Vermögen. Der Nutz- und Lustgarten wurde erweitert, eine grosse Orangerie kam dazu. Mit seinem sowie dem Tod seiner Frau Margaretha 1886 gingen sämtliche Besitztümer in die Christoph Merian Stiftung über. Der Ertrag der Stiftungsgelder wird bis heute für Menschen in Not, eine gesunde Umwelt, Lebensqualität und Kultur in Basel eingesetzt.
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts nahm die landwirtschaftliche Nutzung des Geländes sukzessive ab und endete 1980 mit der nationalen Gartenbauausstellung «Grün 80».
1968 stellte die Christoph Merian Stiftung den Teil des Geländes, der heute die Merian Gärten umfasst, für hundert Jahre kostenlos für die Schaffung eines botanischen Gartens zur Verfügung. Seither wurden zahlreiche Pflanzensammlungen angelegt. Die berühmteste darunter ist wohl die Iris-Sammlung, deren bunte Blütenpracht jeden Frühsommer Tausende Besucher anzieht.
Seltene Sorten im ProSpecieRara-Bauerngarten
Der Zier- und Nutzgarten wurde nach diversen baulichen Veränderungen 2011 nach Plänen aus dem 19. Jahrhundert umgebaut. Wie beim historischen Vorbild sind nun die rechteckigen Gemüsebeete durch helle Kieswege miteinander verbunden und der schnurgerade Kanal teilt den Garten in zwei Hälften. Nicht nur die Anordnung der Beete entspricht wieder dem ursprünglichen Zustand, sondern es wachsen darin auch wieder alte, fast vergessene Gemüse- und Zierpflanzensorten. Denn seit Ende 2012 hat ProSpecieRara Schweiz ihren Hauptsitz in zwei Gebäuden mitten in den Merian Gärten. ProSpecieRara plant seither die Bepflanzung der Beete, kann so Sichtungen durchführen und seltene Sorten für die neue und moderne Samenbibliothek vermehren. Die Gärtnerinnen und Gärtner der Merian Gärten sorgen für den Unterhalt der Gärten. Der Garten beherbergt sowohl einjährige Kulturen wie ‘Gelbe Radies’ oder ‘Roter Tessinermais’ als auch mehrjährige wie den ‘Riesenrhabarber Adliswil’ oder Kardy. Folgt man dem Mühlebach abwärts, grenzt an den Gemüsegarten die Beerensammlung mit gelben Himbeeren und weissen Erdbeeren, die zum Naschen verführen.
Direkt hinter dem Gemüsegarten liegt der neu gebaute helle Schafstall mit den Bündner Oberländer Schafen. In dem grossen Freigehege springen im Frühling die Lämmer zum Vergnügen der grossen und kleinen Zuschauer um die Wette. Das Brutzentrum, in dem die drei rarsten Schweizer Hühnerrassen vermehrt werden, steht gleich hinter dem Schafstall. Regelmässig schlüpfen dort im Schaufenster Küken und können von den Besucherinnen und Besuchern auf ihrem anstrengenden Weg aus dem Ei beobachtet werden. Weiter südlich liegt die Obstsammlung, in der 400 seltene Obstsorten, viele davon aus der Region Basel, erhalten werden. Alle ProSpecieRaraPflanzen sind mit ausführlichen Sorteninformationen beschriftet, sodass sie als Inspirationsquelle für den eigenen Garten dienen können.

Merian Gärten in Basel – Hauptsitz ProSpecieRara
Informationen für Besucherinnen und Besucher
Die Merian Gärten liegen, gut mit dem öffentlichen Verkehr (Tram 10/11) erreichbar, südlich der Stadt Basel. Von 8 Uhr bis Sonnenuntergang ist das gesamte Parkareal für Besucher zugänglich. Der Eintritt ist frei. Museen, Kunstausstellungen sowie diverse Veranstaltungen machen diesen Ort zu einem spannenden Ausflugsziel. Die Beschilderung der Sorten im Garten wird laufend angepasst, sodass einem selbstständigen Rundgang nichts im Weg steht. Auf Anfrage können auch Führungen gebucht werden.
Weitere Informationen: www.meriangaerten.ch, www.prospecierara.ch

Samengarten in Eichstetten am Kaiserstuhl
Das Ziel der Stiftung Kaiserstühler Garten ist, die Bewahrung, Erforschung, Vermehrung und Anpassung der regionalen Kulturpflanzenvielfalt zu fördern. Zu diesem Zweck hat die Stiftung in dem Winzerort Eichstetten am Kaiserstuhl, in der Nähe von Freiburg im Breisgau, einen Schau- und Samengarten eingerichtet. Auf einer Fläche von etwa 8000 Quadratmeter werden hier viele seltene und beinahe vergessene Kulturpflanzen angebaut, um sie für die Zukunft zu erhalten.
Erhaltungssorten von ProSpecieRara Deutschland
2011 hat die Stiftung Kaiserstühler Garten zusammen mit ProSpecieRara Schweiz die gemeinnützige GmbH ProSpecieRara Deutschland gegründet. Diese Gesellschaft setzt sich ebenso wie ProSpecieRara Schweiz für den Erhalt und die Verbreitung alter Kulturpflanzen ein.
Erzeugung von Saatgut für die Region
Das Besondere am Kaiserstühler Garten ist, dass es sich nicht nur um einen Schaugarten, sondern auch um einen Samengarten handelt. Hier werden die alten Gemüse-, Kräuter-, Blumen- und Getreidesorten nicht nur angebaut, sondern es wird von ihnen auch Saatgut gewonnen, sodass sie dem Anbau und der Vermarktung wieder zugänglich gemacht werden können. Das Ziel der Stiftung ist in die Zukunft gerichtet: Sie will die Vielfalt heimischer Kulturpflanzen durch kleinräumigen Anbau erhalten und fördern. Sozusagen als regionale Antwort auf die globale Privatisierung des Saatguts und auf das Verschwinden genetischer Vielfalt. Das Saatgut unserer in 8000 Jahren entstandenen Nahrungspflanzen ist ein Kulturschatz von unabsehbarem Wert. Das Anliegen der Stiftung ist es, diesen Schatz in der Region zu erhalten und samenfestes, vitales Saatgut, auch von heute gefährdeten Sorten, an künftige Generationen weiterzugeben. Um dies zu erreichen, muss der freie Zugang zum Saatgut ermöglicht werden. Weiterhin werden in Zuchtversuchen Gemüsesorten von zum Beispiel Sellerie, Lauch, Kohlrabi, Fenchel, Pastinake und Mangold angebaut mit dem Ziel, sie an die Region anzupassen und durch Selektion züchterisch zu verbessern.
Staunende Kinder erleben die kulturelle Vielfalt
Im Laufe der Vegetationsperiode von April bis Oktober wird im Garten die Vielfalt der heimischen Kulturpflanzen vom Keimen im Frühjahr bis zur Samenreife im Herbst gezeigt. Dabei wird den Besuchern die samentragende Vielfalt von bekannten und raren Gemüsearten nähergebracht. Kinder sehen hier oft zum ersten Mal, dass Karotten auch blühen können. Hier riechen, sehen und ertasten sie, was kulturelle Vielfalt tatsächlich heisst. Der Samengarten wird auch regelmässig als «Grünes Klassenzimmer» von Lehrern und Schulklassen aller Altersstufen genutzt. Um die Inhalte anschaulich vermitteln zu können, werden im Garten jeweils Schwerpunkte gesetzt, wie zum Beispiel die Zuordnung von Gemüsepflanzen zu Pflanzenfamilien, die Entwicklung von der Wildpflanze zur Kulturpflanze oder die Vielfalt innerhalb einer Gemüseart anhand zahlreicher verschiedener Sorten – es werden unter anderem regelmässig vierzig bis fünfzig verschiedene Tomatensorten angebaut, und auch die Vielfalt von Paprika ist jedes Jahr zu sehen. In einem weiteren Themenschwerpunkt wird mit Hilfe von Ursprungszentren gezeigt, wo einige der Nahrungspflanzen herkommen.
Das Obstmuseum auf der Wiese
Angegliedert an den Garten befindet sich ein Obstmuseum. Auf einer grossen Wiese stehen noch junge Obsthochstammbäume und Beerensträucher von besonderen Sorten wie ‘Gellerts Butterbirne’ oder ‘Graue Herbstrenette’, die in der Landschaft am Kaiserstuhl früher weit verbreitet waren.
Parallel zur praktischen Umsetzung im Garten hat die Stiftung eine Akademie gegründet, um die Stiftungsziele auch fachlichtheoretisch zu bearbeiten. Zur Wissensvermittlung rund um das Thema der biologischen Vielfalt werden Kurse, Vorträge, Seminare und Führungen veranstaltet. Angesprochen werden hier nicht nur Fachleute wie Gärtner und Züchter, sondern auch interessierte Laien und Hobbygärtner.

Samengarten in Eichstetten am Kaiserstuhl
Informationen für Besucherinnen und Besucher
Der Samengarten ist täglich geöffnet, und Besucher sind jederzeit herzlich eingeladen, die Pflanzenwelt zu erkunden oder den Gärtnerinnen und Gärtnern über die Schulter zu schauen. Von Juni bis September werden an jedem zweiten Sonntag im Monat Führungen angeboten, auch Privat- oder Gruppenführungen sind möglich. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Schaugarten in Eichstetten zu einer touristischen Attraktion in der Region entwickelt. Er eignet sich auch gut als Ausgangspunkt für Wanderungen in den Kaiserstuhl. Zur Unterstützung des Samengartens existiert seit 2005 ein Förderverein, dessen Mitglieder durch ihren Beitrag die Anlage und Pflege des Gartens mit ermöglichen.
Weitere Informationen: www.kaiserstuehler-garten.de

Schaugarten Landwirtschaftliches Zentrum Rheinhof in Salez
Im Schaugarten des Landwirtschaftlichen Zentrums Rheinhof in Salez, Kanton St. Gallen, wurden im Jahr 2013 die Gemüsesorten des Vereins zur Erhaltung alter Kultursorten in Liechtenstein, Hortus, angebaut. Hier befindet sich auch die Geschäftsstelle von Hortus.
Alte und moderne Ackerkulturen
Auf dem Rheinhof wird neben den modernen Sorten eine grosse Vielfalt alter Kulturpflanzensorten angebaut. Der Sortenschaugarten umfasst eine Fläche von 700 Quadratmetern und ist in vier Sektoren aufgeteilt. Es werden erhaltenswürdige Sorten von Ackerkulturen und Getreidearten wie Weizen, Gerste, Dinkel, Binkel, Roggen, Hafer, aber auch Hirse, Buchweizen, Ackerbohnen und Erbsen angebaut. Bei den Hauptgetreidearten werden die Zuchtfortschritte verglichen; heute seltene Getreidearten wie Emmer und Einkorn wachsen nebenan. Die Abstammung des Brotweizens wird ebenso gezeigt wie die neuesten Sorten für die landwirtschaftliche Produktion. Es wachsen auch neuere und ältere Kartoffelsorten sowie die Rheintaler Spezialität Ribelmais und einige Maissorten aus der Region der Linthebene, die hier getestet und in der Region zum Teil bereits wieder grossflächig angebaut werden.
Saatgutvermehrung alter Gemüsesorten
Jedes Jahr finden auch Saatgutvermehrungen von verschiedenen alten Gemüsearten und -sorten statt. Zudem wird der Garten ergänzt mit einer Vielzahl von Industrie- und Färberpflanzen, sowie einer Abteilung mit Heil-, Aroma- und Gewürzpflanzen, die der hier ebenfalls ansässigen Kräuterakademie zur Anschauung dienen.

Schaugarten Landwirtschaftliches Zentrum Rheinhof in Salez
Informationen für Besucherinnen und Besucher
Von Mai bis Oktober kann der Schaugarten tagsüber unter der Woche frei besichtigt werden. Jedes Jahr gibt es einen anderen Schwerpunkt zu entdecken. Führungen für Gruppen auf Voranmeldung; diesen steht die ganze Infrastruktur des Landwirtschaftlichen Zentrums Rheinhof mit Seminar- und Tagungsräumen zur Verfügung.
Weitere Informationen: www.lzsg.ch, www.hortus.li

Gemüsesorten
Artischocke
Cynara cardunculus L., Scolymus-Grp. Asteraceae (Korbblütler)
Geschichte
Der wilde Kardy, von dem die heutigen Gartenformen der Artischocke und des Kardys abstammen, ist im östlichen Mittelmeergebiet heimisch. Vermutlich nutzte man ihn schon früh, und zwar sowohl den Blütenboden der Knospe, wie heute bei der Artischocke, als auch die Blattspreiten. Artischocken und Kardy sind heute noch so nah verwandt, dass sie miteinander einkreuzen können. In Aufzeichnungen aus der Antike wird zunächst der Kardy erwähnt. Von Theophrast (371 v. Chr.) stammt eine der ersten ausführlichen Beschreibungen. Es waren römische Gärtner, die die wilde Pflanze züchterisch weiter bearbeiteten und sie fortan «carduus» nannten. Vermutlich trennen sich hier die Wege von Kardy und Artischocke. Plinius der Ältere (ca. 23–79 n. Chr.) preist in seinen Aufzeichnungen die Wirkung der Artischocke und beschreibt sie als Luxusgemüse.
Man geht davon aus, dass die Artischocke in ihrer heutigen Form im 15. Jahrhundert von der Levante über Sizilien nach Italien kam. In Venedig wurde sie 1473 als seltene Gartenpflanze ausgestellt. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts breitete sich die Artischocke von Frankreich nach England aus, nach Deutschland gelangte sie erst im 17. Jahrhundert.
Der Artischocke wurde lange Zeit erotisierende Wirkung nachgesagt. Fuchs schrieb 1543, Artischocken «machen Lust und Begier zu ehelichen Werken». Junge Mädchen warnte man eindringlich vor den Folgen des Artischocken-Konsums. Schon früh wurde die Artischocke auch als Medizin verwendet. Tabernaemontanus (1522–1590) legte eine detaillierte Beschreibung der Pflanze vor, worin es unter anderem heisst: «Die Wurzel in Wein gesotten, und davon getrunken, soll den Gestanck der Achseln (und des ganzen Leibs) vertreiben (…). Ob gemeldeter Tranck treibet auch viel stinckendes Harn, wie die Spargen, dienet dershalben zu den verstopften Lebern und Nieren, zu der Gelbsucht und Wassersucht.» In Frankreich ist die Artischockenheilkunde (Cynaratherapie) entstanden. Ihre Hauptanwendungsgebiete sind: Arterienverkalkung, Cellulitis, Diabetes, Fettleibigkeit, Gicht, Gallen- und Leberstauungen.

Ursprungsregion der Artischocke.

Erntet man sie nicht, entstehen daraus die bei Bienen sehr beliebten grossen violetten Blüten.
Bedeutung heute
Die Artischocke ist heute vor allem im romanischen Kulturkreis beliebt. Sie wird hauptsächlich in den Ländern des Mittelmeerraumes, allen voran Italien und Spanien, angebaut.

Von den Artischocken werden die jungen Blütenknospen gegessen.
Sortenvielfalt
Es gibt grüne, grünviolette und violette Sorten, darüber hinaus weitere lokale, meist vegetativ vermehrte. Grüne Sorten sind meist besonders grossblütig mit schweren Blütenknospen und grossen Blütenböden. Violette Sorten haben Blütenknospen mit grüner Grundfarbe und mehr oder weniger violetten Stellen auf den äusseren Blättern. Sie weisen meist längere und dickere Blütenhüllblätter und kleinere Blütenböden auf.
Anbau
In Italien und Spanien werden Artischocken über das Winterhalbjahr kultiviert, so können sie nach der Blüte vollständig einziehen und die heiss-trockenen Sommermonate über ruhen. Erntereif sind die Knospen dann zwischen Februar und April.
Im mitteleuropäischen Klima ist die Artischocke nicht leicht anzubauen. Sie stellt hohe Ansprüche an Temperatur und Boden. Der Standort soll sonnig und windgeschützt sein. Artischocken lieben Feuchtigkeit, ertragen aber keine Staunässe. Als Tiefwurzler mögen sie einen tiefgründigen, lockeren und nährstoffreichen Boden. Sie bevorzugen Regionen mit einem langen, temperierten Frühling. Am richtigen Standort entwickelt sich eine ausdauernde, distelartige Pflanze, die bis zu zwei Meter hoch werden kann. Die Pflanze ist mehrjährig.
Im schweizerischen Mittelland überwintern Artischocken in milden Wintern auch schon mal draussen auf dem Beet, leicht geschützt durch einige Tannenäste. Im zweiten Jahr beginnen die Artischocken zu blühen und Samen zu bilden. Bei vielen alten Sorten können noch Samen geerntet werden, sie bleiben auch in der nachfolgenden Generation sortenecht.
Bei Arche Noah in Österreich, das kontinentaleres Klima als in der Schweiz und Deutschland vorzuweisen hat, hat es sich bewährt, die Wurzelstöcke Ende Oktober/Anfang November auszugraben und zurückzuschneiden. Die Pflanze überwintert dann im Topf im unbeheizten Folientunnel. Der Neuaustrieb geht so jedoch meist schon im Februar los; diese Neuaustriebe sind im Gegensatz zum Wurzelstock extrem frostempfindlich; wenn die Triebe erfrieren, geht immer auch der Stock zugrunde. Daher werden die Töpfe rechtzeitig zu Beginn des Neuaustriebs an einen frostsicheren Ort gebracht. Zu diesem Zeitpunkt kann man auch mit der vegetativen Vermehrung der Artischocke beginnen. Dazu muss man die 10 bis 15 Zentimeter langen Neuaustriebe mit einem scharfen, sauberen Messer aus dem Wurzelstock herausschneiden. Für eine rasche Bewurzelung empfiehlt es sich, beim Schnitt ein kleines Stück aus dem Wurzelstock mitzugeben. Die so entstandenen «Kindel» können wie Stecklinge zur Bewurzelung in Töpfe gesteckt werden. So erhält man bis zum Auspflanzen nach den Eisheiligen kräftige Jungpflanzen, die schon im ersten Jahr wieder Blütenknospen bilden.

Verwendung
Gegessen werden primär die verdickten Blütenböden, die Artischockenherzen. Dafür werden die Blütenknospen geerntet, bevor sich die Schuppen abzuspreizen beginnen. Auch das Fruchtfleisch der Blattbasen kann genossen werden.
Die Blütenknospen können entweder als Ganzes gekocht und erst beim Essen zerlegt werden oder aber man entfernt schon vor dem Kochen die ungeniessbaren Teile. Von violetten Sorten werden oft auch kleine junge Blütenknospen als Ganzes frittiert oder gekocht. Der «Cynar», ein Artischockenschnaps, ist im südlichen Europa als Aperitif beliebt.
Inhaltsstoffe
Artischocken und Kardy enthalten in hoher Konzentration Inulin, ein spezielles Kohlenhydrat. Daher sind Kardy und Artischocke für Diabetiker besonders geeignet. Sie sind ausserdem besonders reich an Kalium, Magnesium und Kalzium und weisen eine bedeutende Konzentration an Folsäure (Vitamin B9) auf, die sich allerdings beim Kochen teilweise verliert.
Heilwirkung
Die Heilkraft der Artischocke liegt vor allem in den grossen Grundblättern. Deren Inhaltsstoffe sind Caffeoylchinasäure und Flavonoide. Als wichtigster Wirkstoff galt lange Zeit das Cynarin. Moderne Analysen haben jedoch nachgewiesen, dass Cynarin in der frischen Pflanze nur in Spuren vorkommt – es ist wohl vielmehr ein Zusammenspiel verschiedener in der Artischocke enthaltener Stoffe, die für die Heilwirkung verantwortlich ist. Bei Blähungen, Völlegefühl, Brechreiz, Übelkeit oder krampfartigen Schmerzen im Oberbauch können Artischockenextrakte hilfreich sein.
Grüne von Laon
Syn. Grosse von Laon
Wo heute noch samenfeste Artischockensorten angebaut werden, ist die ‘Grüne von Laon’ eine der beliebtesten. Das Städtchen Laon liegt in Nordfrankreich und wurde schon 1809 in agronomischen Lehrschriften als grosses Artischocken-Anbaugebiet gepriesen. Die ‘Grüne von Laon’ war Mitte des 19. Jahrhunderts die am häufigsten verkaufte und beliebteste Artischocke in Paris. In der Schweiz erschien sie 1878 erstmals im Sortenkatalog von François Wyss, in Frankreich führte sie Vilmorin ab 1886 im Sortiment.
Merkmale Grosse runde Blütenknospen mit bleichen grünen Blütenhüllblättern und breitem, dickem und fleischigem Blütenboden. Die Pflanzen wachsen oft mehr in die Breite als in die Höhe. Mittelspät reifend.
Anbau Lässt sich gut sortenrein und stabil über Samen vermehren. Ergiebig im Ertrag und ziemlich frosthart.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Violette von Chioggia
Diese Sorte zeigt eine gewisse Variabilität durch leichte Unterschiede in der Form und Farbe der Blütenhüllblätter. Sie hat ihren Ursprung in Norditalien. Chioggia ist ein an der Adria, südlich von Venedig gelegenes Gemüseanbaugebiet, in dem verschiedenste Sorten gezüchtet wurden, unter anderem die aussergewöhnliche weissrot gestreifte Chioggia-Rande. Unter dem Namen ‘Violetto di Sant Erasmo’ wird auf der gleichnamigen Insel in der Lagune von Venedig eine ähnliche Artischocke auf stark salzhaltigen Böden angebaut. Sie ist in der Region eine beliebte Delikatesse.
Merkmale Kleine hochrunde Blütenknospen mit spitzen, violetten Blütenhüllblättern und kleineren Blütenböden. Junge Blütenknospen sind fleischig, zart und geschmackvoll.
Anbau Diese Sorte wird üblicherweise über Samen, kann aber auch vegetativ vermehrt werden. Bei der Selektion der Samenträger nur Samen von violetten Köpfen ernten!
Verwendung Für die Küche unbedingt nur ganz junge Köpfe ernten. Diese können als Ganzes gekocht, frittiert oder gebraten werden.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Violette von Plainpalais
Syn. Violet de Plainpalais
Violette Artischocken wurden vor allem in Südfrankreich und Italien angebaut. Sie sind frühreifer als die grünen Sorten. In den Gemüsegärten von Plainpalais bei Genf wurde ein violetter Sortentyp weiter verbessert. Daraus entstand Ende des 19. Jahrhunderts die Sorte ‘Violet de Plainpalais’. In bürgerlichen Kreisen wurde sie damals hoch geschätzt. Sie galt als gut an die dortigen Anbauverhältnisse angepasst und qualitativ besser als die ‘Grüne von Laon’.
Merkmale Trägt mittelgrosse Blütenknospen mit violett überlaufenen Blütenhüllblättern, am oberen Ende rundlich mit doppelten Zipfeln endend. Hat eher kleine Blütenböden. Die Pflanzen haben im Vergleich zu grünen Artischockensorten einen kleineren Wuchs.
Anbau Diese Sorte wurde schon immer ausschliesslich über Wurzelableger vermehrt, da sie nicht samenfest ist. Auch ist sie nicht sehr winterhart, deshalb im Freiland gut vor Kälte schützen. Geeignet für den Hausgarten.
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Aubergine
Eierfrucht, Melanzane
Solanum melongena L. Solanaceae (Nachtschattengewächse)
Geschichte
Bereits 1200 v. Chr. wird in Sanskrit ein niedriges, distelartiges Gewächs mit roten oder dunkelgelben Beeren und violetten Blüten beschrieben: das Solanum indicum. Es ist die Wildform der heutigen Aubergine. Südindische Bauern und andere Ureinwohner des Subkontinents begannen bereits zu dieser Zeit mit der Zucht und Kultivierung dieses Gemüses. Die Wildform hat auch heute noch eine grosse Bedeutung in der indischen Heilkunde.
Die Araber lernten Pflanze und Frucht im 7. Jahrhundert kennen. Vermutlich gelangte die Aubergine im 13. Jahrhundert mit arabischen Händlern via Spanien nach Europa.
In Italien allgemein bekannt wurde sie jedoch erst im Laufe des 16. Jahrhunderts. Fuchs schreibt in seinem Kräuterbuch 1543: «Melanzan, Mala insana [ungesunde Äpfel], Poma amoris: Melanzan ist ein fremdes Gewächs (…) Will denselben Wert haben wie die Kürbisse und Melonen (…) Doch esset man die Äpfel an manchen Orten mit Öl und Salz und Pfeffer wie die Pfifferling (…) Doch solche Speise lieben allein die Schleckmäuler, die nicht hoch achten, wie gesund ein Ding sei, wenn es nur wohl schmeckt. Die andern so der Gesundheit wollen pflegen, sollen sich vor dieser Frucht hüten, dann sie ungesund und hertdewig ist.» In der Art wurde immer wieder vor dem Verzehr gewarnt: Diese Frucht sei wenig nahrhaft und gesundheitsschädigend.

Ursprungsregion der Ausgangsform der Aubergine, Solanum indicum.
Eine der ersten frühen Zuchtformen, die weisse, eiförmige Aubergine, erhielt den Namen «Eierfrucht». Bis heute kennt man die Aubergine im englischen Sprachgebiet unter dem Namen «eggplant».
Eine nahe verwandte Auberginenart ist im tropischen Afrika und in Brasilien verbreitet. Sie wird «Äthiopische Eierfrucht», Solanum aethiopicum, oder «Afrikanische Aubergine» genannt. Ihre heutigen Sorten wurden aus der Wildform Solanum anguivi Lam. gezüchtet.
Bedeutung heute
Neben China, Japan und der Türkei sind heute auch Italien und Spanien wichtige Produktionsgebiete. In der südländischen Küche ist die Aubergine ein fester Bestandteil geworden. Ohne dieses Gemüse gäbe es in Griechenland kein Moussaka oder in Frankreich kein Ratatouille. In Indien ist sie bis heute ein wichtiger Bestandteil in der regionalen Küche geblieben. Die Äthiopische Aubergine wird vor allem in Afrika und Brasilien verwendet. Europäern ist die Äthiopische Aubergine nahezu unbekannt und wird lediglich von einigen Liebhabern als alte Gemüsesorte geschätzt.
Sortenvielfalt
Die Familie der Nachtschattengewächse, zu der die Aubergine gehört, ist eine der grössten Pflanzengattungen. Richard Olmstead und Lynn Bohus haben im Jahr 2007 2716 anerkannte Sorten registriert. Zu dieser Gruppe gehören neben der Kartoffel und der Tomate auch die Tollkirsche oder Datura.
Mit vielen Farb- und Formvarianten – tiefviolett bis fast schwarz oder gestreift, klein, gross, länglich, kugelförmig oder zylindrisch – bringt die Aubergine viel Abwechslung für das Auge. Die Varietät mit den kleineren weissen, glänzenden Früchten hat weniger Fruchtfleisch und viele Samen. Ursprüngliche Formen sind an den Fruchtstielen und Kelchblättern oft stachelig, eine Eigenschaft, die den neuen Sorten weggezüchtet wurde. Die Bitterkeit ist ein weiteres Merkmal der Wildform. Heute werden im Grossmarkt vor allem die dunkelvioletten, länglichen, keulenförmigen Früchte angeboten. Doch wer einen Garten sein Eigen nennt, kann unter einer grossen Auswahl verschiedenster Sorten wählen.

Auberginen gibt es in zahlreichen Farben, Formen und Grössen.

Die Aubergine ‘Rotonda bianca sfumata di rosa’ bildet grosse dunkelviolette Blüten.
Anbau
In unseren Breitengraden ist es nicht immer einfach, eine reiche Ernte zu haben. Die Aubergine benötigt den wärmsten Platz im Garten. Für Freiland und Folienhäuser sind frühreife Sorten zu verwenden. Angezogen werden sie März, April im Haus. Ab Mitte Mai können sie an einen geschützten Platz ausgepflanzt werden. Ein mit Kompost vorbereiteter Platz und genügend Wassergaben sind die ideale Grundlage für eine gute Ernte. Ab und zu etwas Hühnermist unterstützt das Wachstum. Pro Pflanze lässt man 2 bis 3 Haupttriebe mit je 3 bis 4 Früchten wachsen. Die Aubergine sollte geerntet werden, bevor die Samen voll ausgereift sind, da sie sonst bitter wird.

Verwendung
Die Aubergine ist ein Gemüse, das gekocht werden muss. Sie lässt sich auf viele Arten zubereiten: Beispielsweise in Scheiben geschnitten gedünstet oder halbiert und gefüllt. Frittiert ist die ganze Pflanze verwendbar.
Im Gegensatz dazu kann die äthiopische Eierfrucht auch roh gegessen werden. Deren Blätter werden ebenfalls als Nahrungsmittel genutzt, vor dem Verzehr werden sie jedoch meist gekocht.
Inhaltsstoffe
Es sind geringe Mengen von Kalzium, Phosphor und Eisen, aber auch Vitamin B1, B2, C und Karotin in der Aubergine vorhanden. Sie besteht aus fast 93 Prozent Wasser, 4 Prozent Kohlenhydraten und 1 Prozent Eiweiss.
Heilwirkung
Bei Diabetes kann sie den Cholesterinspiegel senken helfen, oder bei chronischem Husten und Bronchialleiden Abhilfe schaffen. In der indischen Medizin wird die Aubergine zur Beschleunigung der Stoffwechselvorgänge im Körper benutzt. Um Durchfall bei Kindern zu lindern, werden die Blätter gedämpft und als Umschläge auf den Bauch gelegt. Untersuchungen konnten nachweisen, dass die Blätter der äthiopischen Eierfrucht eine leicht krampflösende Wirkung haben.
Applegreen
Syn. Green apple
An einen grünen Apfel erinnert diese Aubergine tatsächlich, allerdings an einen ziemlich grossen und etwas länglichen. Die hellgrüne Farbe bei Genussreife ist bei Auberginen ein ungewohnter Anblick. In Südostasien sind grüne Formen jedoch häufig. ‘Applegreen’ wurde im Jahr 1964 vom Pflanzenzüchter Elwyn Meader an der Universität von New Hampshire/USA entwickelt.
Merkmale Die ungewöhnlichen Früchte sind eiförmig, weiss bis hellgrün, etwa 300 bis 450 g schwer und 15 bis 18 cm lang. Sie sind festfleischig, mild, nicht oxidierend, wenn aufgeschnitten. Sie haben einen sehr guten Geschmack. Die Pflanzen wachsen mittelhoch, breit ausladend und sind locker belaubt. Sie haben mittlere Blattgrösse, helllila Blüten.
Anbau Eine typische Sorte für den Tunnelanbau oder für den Freilandanbau im sehr milden Weinbauklima. Mittlerer Ertrag. Im Tunnel frühreifend, im Freiland eher spät reifend. Früchte sind anfällig auf mechanische Schäden. Den Erntezeitpunkt zu bestimmen, braucht Erfahrung. Sie werden aufgrund der grünen Farbe oft als unreif eingeschätzt. Die Pflanze kann ohne Stütze angebaut werden.
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Bambino
Man würde meinen, sie sei dem Namen nach eine Italienerin. Doch der Ort der Entstehung und Züchtung dieser Sorte ist unbekannt. Sie ist vereinzelt noch im Samenhandel zu finden, aber nur, wo Spezialitäten angeboten werden. Die kleinen ovalen Früchte von der Grösse eines Golfballes und der zwergartige Wuchs unterscheiden ‘Bambino’ deutlich von anderen Sorten.
Merkmale Die Pflanze wird nur 30 bis 40 cm hoch und produziert dichte Fruchtbehänge mit kleinen, violettschwarzen Früchten. Sie hat dekorative hellviolette Blüten. Frühreif.
Anbau Eignet sich sehr gut für Töpfe. Bei gutem Standort können bereits ab Ende Juli erste Früchte geerntet werden.
Verwendung Die kleinen Früchte eignen sich geviertelt oder an Spiesschen mit Fleischstücken und Paprika aufgesteckt sehr gut zum Grillieren.
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Imperial Black Beauty
Syn. Black Beauty
‘Imperial Black Beauty’ ist eine sehr alte Sorte. Sie wurde im Jahr 1902 auf dem Markt eingeführt und entsprang der Kreuzung der Sorten ‘Large Early Purple’ und ‘Black Peking’. Letztere Sorte wurde 1866 aus China in die USA eingeführt.
Merkmale Eine Pflanze hat 4 bis 6 sehr grosse, dunkle und ovale Früchte mit glänzend dunkelvioletter Haut. Die Früchte haben einen guten Geschmack und sind gut haltbar. Mittelspät reifend.
Anbau Eignet sich nur für den Tunnelanbau oder den Freilandanbau in sehr warmen Gegenden. Die Pflanzen wachsen bis zu 1 m hoch und müssen ausreichend gestützt werden.
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Listada de Gandia
Eine wunderschöne alte Traditionssorte, die im Mittelmeergebiet auch heute noch auf Wochenmärkten zu finden ist. Ihrem Namen nach kommt sie aus der Nähe von Valencia/Spanien. «Listada» bedeutet gestreift – übersetzt würde sie also die «Gestreifte von Gandia» heissen. Angeblich begann ihre Verbreitung 1850 von Spanien nach Südfrankreich, von wo aus sie sich im ganzen Mittelmeerraum und bis in die USA verbreitete.
Merkmale Längliche eiförmige Früchte, die bis 15 cm lang werden und durch ein helles Streifenmuster auf violettem Grund bestechen. Das Fleisch ist süsslich, aromatisch und enthält keine Bitterstoffe. Eher spät reifend.
Anbau Ausgesprochen wärmeliebende Sorte, die auch in sehr heissen Sommern noch blüht und Früchte ansetzt. In Mitteleuropa für den Anbau im Plastiktunnel geeignet oder im Freiland an milden Lagen auf schwarzer, Wärme abstrahlender Mulchfolie anzubauen.
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Rossa di Rotonda
Diese Äthiopische Aubergine (Solanum aethiopicum) gehört botanisch einer anderen Art an als die herkömmlichen Auberginen (Solanum melongena). Die Lokalsorte ‘Rossa di Rotonda’ stammt ursprünglich aus Afrika und wird nach Rotonda im Parco Nazionale del Pollino in Italien benannt und dort auch heute noch angebaut. Sie kam wahrscheinlich bereits Ende des 19. Jahrhunderts nach Italien, denn ältere Leute bezeugen, dass diese Aubergine schon vor dem Abessinienkrieg 1935/1936 angebaut wurde.
Merkmale Sie hat die Grösse eines Apfels, ist rotorange glänzend und rund, im Aussehen einer Tomate ähnlich. Sie ist schärfer im Geschmack als gewöhnliche Auberginen und leicht bitter. Wenn sie einmal angeschnitten ist, verfärbt sich die Schnittfläche nicht. Hochwachsende Pflanze. Frühreif.
Anbau Im Mai wird die Jungpflanze ausgepflanzt. Ernte von August bis zur ersten Kälte. Hoher Ertrag von 2 bis 5 kg pro Pflanze. Sie ist kälte- und krankheitsresistenter als die herkömmliche Aubergine. Sehr gut freilandtauglich.
Verwendung Wird oft im Glas mit Essig und Öl eingemacht.
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Rotonda bianca sfumata di rosa
Syn. Rosa bianca, Italian pink bicolor
Diese Sorte stammt aus Italien, wo sie im Süden heute noch auf lokalen Märkten angeboten wird. Übersetzt würde man sie die «Runde, weiss-rosa Verschwommene» nennen. Verschwommen deutet auf ihre weissviolett ineinander laufende Zeichnung hin. Jedenfalls ist ihr Name Poesie, und genauso schön sieht sie auch aus.
Merkmale Grosse, runde, leicht tropfenförmige Früchte, die oft stark gerippt sind. Ihre Farbe ist hellviolett, jedoch nicht einheitlich, sondern in verschiedenen Schattierungen, besonders am Stielansatz mit viel Weissanteil, oft auch mit weissen Streifen. Sie hat eine dünne, feine Haut, die etwas verletzlich ist. Ihr weisses, festes Fruchtfleisch ist sehr cremig und mild, ganz ohne bitterscharfen Beigeschmack. Wenig Samen. Relativ grosser Stiel. Buschartig wachsende Pflanze.
Anbau Hausgartensorte, die gut im Freiland und ohne Pfahl angebaut werden kann. Ertragreich.
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Tschechische Frühe
Sie ist robust und frühreif. Deshalb eignet sie sich gut als Freilandsorte. Sie soll älter sein als die anderen Sorten und kommt ursprünglich aus Tschechien.
Merkmale Eierförmige, längliche, mittelgrosse Früchte mit dunkelvioletter Haut. Guter Geschmack. Die Pflanzen wachsen gedrungen und kompakt, haben dunkle Stängel und Blattadern. Frühe Blüte und Fruchtansatz.
Anbau Fürs Freiland geeignet. Guter Ertrag.
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Violette longue hâtive
Syn. Early long purple
Sie war lange Zeit eine Standardsorte sowohl in Frankreich als auch in weiten Teilen Europas. Vilmorin erwähnte eine ‘Violette longue hâtive’ (dt. «Violette Lange Frühe») bereits 1818 und unterschied sie von der mittelspät reifenden ‘Violette longue’ (dt. «Violette Lange»). 1904 pries er sie als «die, auf Grund ihrer Frühreife, am besten geeignete Auberginensorte für Paris». 1999 fiel sie jedoch definitiv aus der offiziellen EU-Sortenliste. Gut möglich, dass sie in vielen modernen Züchtungen enthalten ist.
Merkmale Früchte dunkelviolett, schlank und bis zu 20 cm lang. Guter Geschmack. Mittelfeste Schale. Pflanze mit starkem Wachstum. Früh reifend.
Anbau Empfohlene Sorte für kühlere Regionen. Für Freiland geeignet.
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White Sword
Die Früchte von ‘White Sword’ (dt. «Weisses Schwert») haben eine schöne elfenbeinfarbene Schale. Da und dort wird sie auch ‘Chinese White Sword’ genannt, was vermuten lässt, dass diese seltene Sorte ihren Ursprung in China hat.
Merkmale Leicht gebogene, 15 bis 20 cm lange Früchte, die in eine Spitze zulaufen. Weisse, manchmal leicht grünliche, dünne und druckempfindliche Schale. Bei Reife werden die Früchte gelb. Eher weiches, aber geschmackvolles Fleisch. Die Pflanzen wachsen bis 70 cm hoch, sind buschig und dicht belaubt, grossblättrig, haben kleine, helllila Blüten. Spät reifend.
Anbau Sehr wärmebedürftige Sorte, die in der Regel nur im Gewächshaus gut gedeiht. Nur mässig ertragreich. Die Früchte sollten jung geerntet werden, da sie später schnell dunkle Samen ausbilden und ihre Haut hart wird.
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Barbarakraut
Winterkresse, Barbarakresse
Barbarea vulgaris R. Br. Brassicaceae (Kreuzblütler)
Geschichte
Zur möglichen Namensherkunft des Barbarakrauts gibt es mehrere Varianten. Wahrscheinlich bezieht sich der Name darauf, dass die Winterkresse auch am Barbaratag am 4. Dezember noch als Salat zur Verfügung stand. Möglich ist auch ein Zusammenhang mit der Heiligen Barbara, die eine der 14 Nothelferinnen ist, da das Barbarakraut mit seinem hohen Gehalt an Vitamin C die Seeleute vor Skorbut rettete.
Kresse allgemein gehört zu den ältesten Salatpflanzen. Die erste Erwähnung stammt von dem deutschen Mönch Walahfrid Strabo im 9. Jahrhundert im sogenannten «Hortulus». Dabei ist jedoch nicht klar, welche Kresse er genau meinte. Speziell das Barbarakraut hatte einst eine hohe Bedeutung, da die frostfesten Pflanzen auch in den Wintermonaten frisches Grün lieferten. Es war üblich, das Barbarakraut Anfang August auszusäen, damit man den Winter über die Blätter für Salat ernten konnte. Häufiger als in deutschen Gärten wurde dies jedoch in englischen und französischen Gemüsegärten praktiziert. Mit den ersten amerikanischen Siedlern kam das Barbarakraut von Europa aus auch nach Nordamerika und wurde dort als nichteinheimische Salatpflanze angebaut. Im Laufe des 18. Jahrhunderts ging dann die Bedeutung langsam zurück, so wurde zum Beispiel in England die wohlschmeckendere Gartenkresse (Lepidium sativum) bevorzugt angebaut.

Ursprungsregion des Barbarakrauts.

Bedeutung heute
Durch die zunehmenden Möglichkeiten, sich auch in den Wintermonaten mit frischem Gemüse zu versorgen, ist die Bedeutung des Barbarakrauts weiter zurückgegangen. Seit einiger Zeit wird jedoch das Barbarakraut von Hobbygärtnern wieder entdeckt: Es ist robust, braucht wenig Pflege und bringt auch unter ungünstigeren Bedingungen eine gute und geschmackvolle Ernte. Für den Erwerbsanbau hat es keine Bedeutung.
Botanik
Das Barbarakraut gehört zur Familie der Kreuzblütler und ist eine sogenannte Halbrosettenpflanze. Es bildet im ersten Jahr eine vegetative Rosette aus Laubblättern und im zweiten Jahr einen gestreckten Laubspross. Dieser wird bis etwa 80 Zentimeter hoch und endet in einem leuchtend gelben Blütenstand. Das Barbarakraut blüht früh von April bis Juni, doch kann man auch bis weit in den Herbst noch einzelne blühende Pflanzen finden. Geerntet werden die Blätter der Rosette und auch die Samen (sie enthalten etwa 30 Prozent Öl). Die Pflanze produziert reichlich Samen und sät sich damit nach der Blüte gerne selbst wieder aus.
Barbarakraut wächst wild als lichtliebende Pionierpflanze auf offenerdigen Ruderalstellen wie auf Erdaufschüttungen und an Flussufern. Oft kann man es auch an Bahndämmen sehen oder in Unkrautfluren entlang von Wegen und Ackerrändern. Das Barbarakraut ist ursprünglich eine eurasische Art und inzwischen in der gemässigten Zone fast weltweit als Wildart verbreitet. In Europa kommt es nahezu überall vor.

Die Blätter des Barbarakrauts (links) sind eine erfrischende Salatbeigabe. Nach den ersten warmen Frühjahrstagen erscheinen die gelben Blüten (rechts). Lässt man sie ausreifen, kann man im Sommer Samen ernten.
Züchtung
Das Barbarakraut wurde nicht kommerziell vermarktet oder züchterisch bearbeitet; demzufolge gibt es auch keine Unterscheidung in verschiedene Sorten. Allerdings hat die kultivierte Form des Barbarakrauts grössere Blätter als die Wildform.
Anbau
Die Aussaat erfolgt im März oder von Juni bis Mitte September direkt im Garten (Reihenabstand 15 bis 20 Zentimeter). Die Samen werden nur leicht mit Erde bedeckt und danach gleichmässig feucht gehalten. Damit die Jungpflanzen nach der Keimung ausreichend Platz haben, sollten einige Pflanzen entfernt werden, sodass ein Zwischenraum von jeweils 10 Zentimetern entsteht. Das Barbarakraut verträgt Sonne bis Halbschatten und mag feuchte, nährstoffreiche Erde; je trockener der Standort, desto schärfer sind die Blätter. In Kultur sind bislang keine Krankheiten aufgetreten. Eine besondere Pflege oder Düngung ist nicht nötig, im Winter sollten die Pflanzen abgedeckt werden. Man kann das Barbarakraut auch gut in kleinen Töpfen oder Balkonkisten kultivieren. Es ist eine ideale Einsteigerkultur für Neu-Gärtner und -Gärtnerinnen.

Die Blätter werden ab dem Spätherbst über den Winter bis in den Frühling geerntet. Sie werden am besten frisch verwendet bzw. halten sich auch bis zu zwei Tage im Kühlschrank, wenn sie in ein feuchtes Tuch eingeschlagen werden.
Verwendung
Die jungen Blätter können gut als Salat gegessen bzw. mit anderen Salaten gemischt werden. Ebenso können die Blätter wie Spinat in Butter gedünstet oder mit diesem zusammen zubereitet werden. Das Barbarakraut passt auch gut zu Fischgerichten, Kräuterdips, Eierspeisen oder einfach auf ein Butterbrot. Bei den Einsatzmöglichkeiten kann man sich auch an der Verwendung von anderen Kressearten orientieren. Im Juli des zweiten Jahres können die zahlreichen grauen Samen geerntet und wie Senf verwendet werden.
Inhaltsstoffe
Wie das Synonym «Winterkresse» schon sagt, ist das Aroma des Barbarakrauts wie das der Kresse scharf-würzig und auch leicht bitter. Die Schärfe wird hervorgerufen durch Senfölglycoside, einen sekundären Pflanzenstoff. Diese Glycoside wirken als Abwehrstoffe gegen Tierfrass und beugen nach neueren Untersuchungen Infektionen vor und unterstützen die Krebsprävention. Weiterhin enthält das Barbarakraut viel Vitamin C. Im zweiten Jahr werden die Blätter im Geschmack zunehmend herb.
Heilwirkung
Das Barbarakraut wird auch als Heilpflanze verwendet: Man sagt ihm eine appetitanregende, blutreinigende, harntreibende und wundheilende Wirkung zu. So sollen schon im frühen Mittelalter Zimmerleute die Blätter des Barbarakrauts bei kleineren Verletzungen als Pflaster verwendet haben.
Blumenkohl und Brokkoli
Karfiol
Brassica oleracea var. botrytis L. (Blumenkohl) Brassica oleracea var. italica Plenck (Brokkoli) Brassicaceae (Kreuzblütler)
Geschichte
Wie Storl schreibt, kam der Kohl praktisch von selber zu den Menschen. Er fand, zuerst als Unkraut, auf den mit stickstoffhaltigen Abfällen gedüngten Böden eine geeignete ökologische Nische. Der Mensch nahm den Kohl in Kultur und züchtete daraus eine Vielzahl an Varietäten – vom Kohlrabi bis hin zum 5 Meter grossen Baumkohl. Storl schreibt weiter: «Der Kohl ist sozusagen der Hund unter den Gemüsen, denn auch dieser liess sich wie kein anderes Tier vom Menschen formen.»
Blumenkohl und Brokkoli stammen vermutlich von Brassica cretica ab, die wild in Südgriechenland und Zypern wächst. Ob Brokkoli oder Blumenkohl älter ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Ziemlich sicher ist Brokkoli schon in der Antike angebaut worden. Zwischen Brokkoli und Blumenkohl bestehen zahlreiche Übergangsformen.
Um 1490 brachten Genueser wahrscheinlich als Erste Brokkoli und Blumenkohl von Griechenland nach Italien. Von dort aus setzte sein Siegeszug durch ganz Europa ein. Im 16. Jahrhundert wird der Blumenkohl öfter in Kräuterbüchern erwähnt und abgebildet. Der Blumenkohl auf einem Holzschnitt von Joachim Camerarius d.J. aus dieser Zeit ist relativ klein und bildet eine unregelmässig geformte Blume. 1554 wird er von Dodonaeus erstmals als B. pompejana beschrieben.

Ursprungsregion der Ausgangsform von Blumenkohl und Brokkoli, Brassica cretica.
Die Saatgutvermehrung des Blumenkohls und wohl auch des Brokkolis gelang nördlich der Alpen lange Zeit nicht. So musste das Saatgut immer wieder aus Italien bezogen werden. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts gelang die Saatgutproduktion und damit auch die züchterische Bearbeitung im hiesigen Klima. Noch 1871 gibt Jäger an, dass man Brokkoli in Deutschland kaum anbaue, dafür aber gerne in England, Italien und Südfrankreich. Er nennt eine Menge Sorten von roter, violetter, weisser, grüner und gelber Farbe. Neben solchen, die sicher Köpfe bilden, gäbe es auch welche, die nur Sprossen treiben. Weiter rät er: «In die Küche liefert man den Brokkoli so, dass noch 8 Zoll vom Strunk an der Blume sitzen, da dieser geschält und von vielen wie Spargel zubereitet gegessen wird.» Entsprechend wird er auch heute noch als «Spargelkohl» bezeichnet.
Bedeutung heute
Brokkoli war vor einigen Jahrzehnten in Mitteleuropa noch wenig bekannt. Seinen Einzug in die Alltagsküche fand er erst in den letzten dreissig Jahren. Angebaut werden Blumenkohl und Brokkoli heute in vielen Ländern, optimale Bedingungen finden sie aber vor allem in Küstennähe. In Europa gehören England, Frankreich, Deutschland, Holland und Belgien zu den wichtigsten Anbauländern.
Botanik
Blumenkohl und Brokkoli gehören zur grossen Familie der Kohlgewächse. Wildformen des Kohls wachsen noch immer an den Küsten des Mittelmeeres und der Nordsee. Die Pflanzen in diesen Gebieten unterscheiden sich in ihrem Aussehen (Höhe, Verzweigungsgrad, Blätter, Blütenfarbe) voneinander, lassen sich aber alle miteinander kreuzen. Sie werden deshalb je nach Autor als einzelne Arten oder geografische Varietäten geführt. Beim Blumenkohl befinden sich bei Essreife die Blütenknospen, aus denen die weisse Blume geformt ist, noch im Embryonalzustand. In diesem Zustand verharrt die Pflanze nur wenige Tage, dann wachsen die Blütentriebe durch und der Kopf verliert seine Kompaktheit.

Alte samenfeste Sorten von Blumenkohl und Brokkoli gibt es in Europa nur noch eine Handvoll. Alle anderen Sorten sind Hybriden.
Brokkoli hingegen ist erntereif, wenn die einzelnen Knospen deutlich angeschwollen sind, seine Blütenstände befinden sich dann bereits im Knospenstadium. Dieses Stadium ist leicht zu übersehen. Verpasst man den richtigen Moment, beginnt die Pflanze zu blühen und der Geschmack ist dann nicht mehr so fein, sondern schmeckt intensiver nach Kohlgemüse. Nach der Haupternte wachsen beim Brokkoli innerhalb von 4 bis 5 Wochen zahlreiche «Nebenrosen», die ebenso geerntet werden können.
Sortenvielfalt
Durch intensive Züchtungsarbeit schuf man aus der Urform uniforme, weisse Blumenkohl-Pflanzen – heute hingegen geht der Trend wieder in Richtung Vielfalt: So kommen wieder violette, gelbe und grüne Blumenkohlpflanzen auf den Markt. Zudem unterscheiden sich die Sorten durch ihre Wuchsform, Pflanzengrösse und die Gestalt des Umblattes. Es gibt Sommer- und Herbsttypen, vereinzelt auch Wintertypen.
Brokkoli ist meist als grüne Form bekannt, rar sind die violetten Sorten. Der intensive Erwerbsanbau zieht Sortentypen mit grossen Hauptsprossen und einmaliger Ernte vor. Für die Hausgärtner eignen sich aber die älteren Sorten mit gestaffelter Ernte besser.
Heute werden im Samenhandel bei Blumenkohl und Brokkoli fast ausschliesslich Hybridsorten angeboten. Samenfeste Sorten sind unterdessen eine Rarität.
Anbau
Wie alle Kohlarten sind auch Blumenkohl und Brokkoli Starkzehrer und daher auf einen gut gedüngten Boden angewiesen. Sie verlangen jedoch einen höheren Kalkgehalt als die Kopfkohl-Pflanzen. Deshalb empfiehlt es sich, im Herbst gemeinsam mit dem Kompost Algenkalk einzuarbeiten. Dies verringert auch die Anfälligkeit für Kohlhernie.
Üblicherweise werden Setzlinge gepflanzt. Da die Samen jedoch schon bei tiefen Temperaturen (etwa ab 8 Grad) keimen, können sie auch im Mistbeet oder Frühbeet gesät werden. Die letzten Pflanzen können bis Ende Juli gesetzt werden. Im milden Klima können auch Winterbrokkoli und -blumenkohl gezogen werden.

Blumenkohl stellt grössere Anforderungen an eine gute Wasserversorgung als Brokkoli. Wassermangel führt zu einem verringerten Blattwachstum und kleineren Köpfen und fördert das frühzeitige Schossen.
Damit die Blumenkohl-Pflanzen auch wirklich weisse Blumen ausbilden, müssen viele alte Sorten gedeckt werden. Dazu pflückt man ein oder zwei Blätter und legt diese zum Schutz vor der Sonne auf die Blume. Ohne Deckung genügen bereits wenige Sonnenstunden, und die Blume vergilbt oder wird braun.
Verwendung
Blumenkohl und Brokkoli sind wegen ihrer guten Verdaulichkeit schon lange ein wichtiger Bestandteil der Schon- und Diätkost. Generell sind sie hierzulande noch immer als gekochtes Gemüse beliebt.
Inhaltsstoffe
Brokkoli weist einen noch höheren Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen auf als Blumenkohl. Beide Kohlpflanzen haben einen sehr hohen Gehalt an Vitamin C, Vitamin K und Kalium.
Heilwirkung
Brokkoli wird heute wegen seiner vorbeugenden Wirkung gegen Krebserkrankungen auch «Antikrebsgemüse» genannt. Der Inhaltsstoff Sulforaphan spielt dabei nachweislich eine wichtige Rolle. Forscher der Universität Illinois haben zudem nachgewiesen, dass die krebsvorbeugende Wirkung von Tomaten und Brokkoli am besten zum Tragen kommt, wenn man sie beide miteinander kombiniert. Wegen seines hohen Gehalts an Radikalfängern (Antioxidantien) wie Vitamin A, Vitamin C, Betakarotin und anderen hat Brokkoli auch in der Anti-Aging-Ernährung einen hohen Stellenwert.

Vom Brokkoli isst man die jungen Blütenknospen, kurz bevor sie sich öffnen.

Erfurter Zwerg
Syn. Haagescher allerfrühster Zwerg
‘Erfurter Zwerg’ ist eine alte Züchtung von Haage und Schmidt im deutschen Erfurt, einem der ältesten Anbaugebiete von Blumenkohl in Mitteleuropa. Sie hatte als Standardsorte lange Jahre Bestand auf dem mitteleuropäischen Markt. In der Schweiz wurde sie 1867 erstmals im Samenkatalog von Wyss erwähnt. 1955 lobt sie Kampe mit folgenden Worten: «Der besondere Wert des Erfurter Blumenkohls liegt in der guten Qualität der Blumen, die in Bezug auf Festigkeit, Färbung und Haltbarkeit an der Spitze aller Sorten steht.» Er erwähnt aber auch, was Vilmorin schon 1904 beschreibt: «Eine wertvolle Sorte, aber schwierig, sortenrein zu halten.»
Merkmale Die Pflanze wächst aufrecht und geschlossen. Ziemlich kurzer Fuss, lange, ovale, helle gräuliche Blätter. Mittelgrosse feste Blumen.
Anbau Frühsorte mit Anzucht im Februar/März oder als Nachkultur Mitte Mai bis Anfang Juli. Die Blumen sollten gedeckt werden, damit sie sich nicht bräunlich verfärben. In einem Bestand reifen die Blumen nacheinander ab und sollten regelmässig geerntet werden, bevor sie sich auflockern. Für einen Hausgarten ergibt das eine optimale Staffelung der Ernte. Ziemlich kälteresistente Pflanze.
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Lecerf
«Diese aus Frankreich stammende Sorte stellt einen klaren Typ dar, der eindeutig erkennbar ist», schreibt Kampe 1956. Becker-Dillingen preist sie ebenfalls: «Übersteht Trockenheit und mangelnde Bewässerung wie keine andere. Bewährte sich selbst im heissen Sommer 1928 sogar auf schwerem Boden ohne viel Humusgehalt ganz hervorragend.» Mit modernen Sorten kann sie heute nicht mehr mithalten, doch ihre Robustheit macht sie einzigartig. Die noch erhaltene Linie stammt ursprünglich von der Samenhandlung Lecerf in Genf.
Merkmale Grosse, locker bis mittelfeste Blumen von crèmeweisser Farbe. Können schnell gelb werden. Längliche, dunkelgrüne, meist etwas verdrehte Blätter, welche die Blumen teilweise selbst abdecken. Aufrechter lockerer Wuchs der Pflanzen.
Anbau Mittelfrühe Sorte mit Ernte im Sommer und Herbst. Robust.
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Coastal
Der Ursprung dieser robusten Brokkolisorte ist unbekannt. Vermutlich wurde sie irgendwo in Küstennähe, worauf ihr Name deutet, und wahrscheinlich in den USA gezüchtet. 1965 führte jedenfalls die Oregon State University eine BrokkolisortenStudie durch, bei der die Sorte ‘Coastal’ getestet wurde. Im Studienbericht wird erwähnt, dass ‘Coastal’ damals eine der häufigsten angebauten Sorten im North Willamette Valley bei Portland war. 1969 wird sie zudem in einer Tageszeitung von Sumpter in South Carolina zum Anbau empfohlen. Heute gehört sie in der Schweiz zu den wenigen samenfesten Sorten, die hier noch züchterisch bearbeitet und vermehrt werden. ‘Coastal’ ist eine ideale Hausgartensorte: robust und gestaffelt erntbar.
Merkmale Hübsche, fast silberne, graugrüne, mittelgrosse Knospen. Sie sind zart mit gutem Geschmack.
Anbau Für die Sommer- und Herbsternte: Aussaat Februar/März geschützt für Ernte im Sommer oder Aussaat im Juni für Ernte im Herbst. Bringt bei ausreichend weitem Stand neben der Hauptknospe noch zahlreiche erntefähige Seitenknopsen hervor.
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Rosalind
Violette Brokkolitypen sind heute in Vergessenheit geraten. Sie sind jedoch seit Langem bekannt. In den Sortenkatalogen und Gartenbüchern des 19. Jahrhunderts werden sie in verschiedenen Varietäten genannt: ‘Früher Violetter’ oder ‘Später kurzer Violetter’. Georg Vogel erwähnt 1996 die Sorte ‘Rosalind’ als «bisher noch weniger gefragte», purpurfarbene Sorte. Heute wird sie zum Teil auch als Blumenkohl ‘Rosalind’ angeboten, wobei Systematiker sich eigentlich einig sind, dass violette Typen näher mit dem Brokkoli verwandt sind als mit dem Blumenkohl.
Merkmale Rotviolette Knospen. Schmale lange Blätter mit weissen Blattrippen. Intensiver Geschmack.
Anbau Relativ kurze Kulturdauer. Bildet nach der Ernte der Hauptknopsen laufend kleinere Nebentriebe für eine Nachernte. Aussaat im Juni/Juli und Ernte im Herbst. Gedeiht besser bei kühleren Temperaturen.
Verwendung Beim Kochen färben sich die schönen rotvioletten Blumen dunkelgrün.
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Verde Calabrese
Will man Georg Vogel im «Handbuch des speziellen Gemüsebaus» Glauben schenken, haben wir deutschsprachigen Europäer unsere Bekanntschaft mit dem Brokkoli vor allem der Sorte ‘Calabrese’ zu verdanken. Diese süditalienische Sorte wurde Anfang des 20. Jahrhunderts bei uns eingeführt, daraufhin nahm der hiesige Brokkolianbau von Jahrzehnt zu Jahrzehnt zu. Jedenfalls ist die ‘Verde Calabrese’ eine gute Hausgartensorte mit lang andauernder Erntezeit.
Merkmale Mittelgrosse bis grosse Hauptknospen auf starken Haupttrieben. Nebenknospen kleiner. Guter Geschmack. Früh reifend.
Anbau Wüchsig und ertragreich. Bildet nach der Ernte der Hauptknospe zahlreiche, ständig nachwachsende fleischige Nebensprossen. Aussaat ab Februar.
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Bohne
Gartenbohne, Stangenbohne, Buschbohne, Reiserbohne
Phaseolus vulgaris L. var. vulgaris (Stangenbohnen) Phaseolus vulgaris var. nanus (L.) G. Martens (Buschbohnen) Fabaceae (Hülsenfrüchtler, Unterfamilie Schmetterlingsblütler)
Bei der Gartenbohne (Phaseolus vulgaris) unterscheidet man zwei Varietäten: Die Stangenbohnen (var. vulgaris), deren Stängel windend bis 4 Meter hoch klettert, und die Buschbohnen (var. nanus), die nicht klettern, bis etwa 60 Zentimeter hoch werden und meist keine Ranken ausbilden. Die Reiserbohne gehört zu den Stangenbohnen, wächst aber nicht mehr als 1,5 Meter hoch.
Geschichte
Die Wildart der Gartenbohne Phaseolus aborigineus ist eine Schlingpflanze und lässt sich heute noch in den Anden finden. Zahlreiche Funde aus Peru, Chile und Mexiko zeigen, dass die Gartenbohne bereits ab 6000 v. Chr. als Sammelfrucht in geringer Menge verzehrt wurde und sich ab circa 3000 v. Chr. mit der fortschreitenden Landwirtschaft zu einer wichtigen Nahrungspflanze der Indios entwickelte. Funde aus der Zeit der mittelamerikanischen Hochkulturen (ab etwa 300 v. Chr.) zeigen deren Anbau zusammen mit Mais, Baumwolle, Pfeffer, Kürbis und Amarant. Im Reich der Inkas galt die Gartenbohne als Nahrungsmittel der unteren Klasse, während die Limabohne (Phaseolus lunatus) eine Speise der herrschenden Klasse war und deren Samen auch als Spielsteine verwendet wurden. In Europa findet sich die erste Beschreibung der Gartenbohne bei Leonhard Fuchs, der sie im Jahr 1543 in seinem «New Kreutterbuch» als «Welsch Bonen» beschrieb.

Ursprungsregion der Ausgangsform der Gartenbohne, Phaseolus aborigineus.
In den Jahren 1583 bis 1593 beschäftigt sich Clusius eingehend mit Bohnen. Aber er vermengt noch alle drei heutigen Gattungen Phaseolus, Vigna und Lablab miteinander. In Italien wurde die Gartenbohne im 16. Jahrhundert angebaut. Erst hundert Jahre später erlangte die Gartenbohne auch in Deutschland weite Verbreitung. Sie löste die bereits kultivierte Puffbohne (Vicia faba) ab, die dann vermehrt als Viehfutter genutzt wurde.
Bis Ende 15. Jahrhundert kannte man nur die entwicklungsgeschichtlich ältere Stangenbohne. Die Buschbohne ist in der Kultur als spontane Mutation der Stangenbohne entstanden und erst im 16. und 17. Jahrhundert als niedrige, strauchig wachsende Pflanze bekannt geworden.
Bedeutung heute
Die Gartenbohne gehört weltweit zu den wichtigsten Kulturpflanzen und hat grosse Bedeutung für die Welternährung. Für manche Völker, vor allem in Südamerika, ist sie die wichtigste Eiweisspflanze. Stangenbohnen sind heute aus dem intensiven Erwerbsanbau von grünreifen Hülsen praktisch verschwunden. Ihre Ernte ist sehr aufwendig. In Hausgärten sind Stangenbohnen jedoch nach wie vor beliebt.
Sortenvielfalt
Es gibt niedrige Buschbohnen und windende Stangenbohnen sowie die Reiserbohne als halbhohe Zwischenform. Die ursprünglichsten Formen sind hochwüchsige Stangenbohnen mit violetten Blüten und derben marmorierten Hülsen. Oft haben sie schwarze Samen. Diese alten Sorten verwendet man ausschliesslich als Trockenbohnen, denn ihre Hülsen sind auch im grünen Zustand zäh und fädig. Mit der Zeit wurden Sorten mit weniger Fäden gezüchtet. Diese erntet man in grünreifem Zustand und kocht die Hülsen.
Die Sortenvielfalt bei Stangenbohnen ist sehr gross. In vielen ländlichen Gebieten, in Haus- und Bauerngärten wurden durch das ständige Aufbewahren eigener Samen für das darauffolgende Gartenjahr eigene Stangenbohnensorten entwickelt. Diese Sorten haben sich so über Jahrhunderte an lokale Gegebenheiten angepasst. Meistens waren es die Bäuerinnen, die ihre Bohnen mit Stolz bewahrten und sie innerhalb der Familie den kommenden Generationen weitergaben.

Gartenbohnen gibt es in unzähligen Lokal- und Zuchtsorten.
Die Sorten der Stangenbohne werden nach ihrer Hülsenform in verschiedene Gruppen eingeteilt. Viele Züchter haben sich an der Einteilung die Zähne ausgebissen. Der bekannte Schweizer Professor und Züchter Fritz Kobel teilte die Sorten nach ihrer Form und ihrem Verwendungsbereich folgendermassen ein:
Speckbohnen gehören wahrscheinlich zu den ältesten Sortentypen und haben lange, breite, flache Hülsen und ebensolche Körner.
Dörr- und Brechbohnen sind weniger fädig als Speckbohnen, haben lange, gerade, schmale Hülsen und ein ovales bis kreisrundes Korn. Zum Kochen werden sie der langen Hülsen wegen meist gebrochen.
Schmalzbohnen gehören zu den würzigsten und qualitativ besten Sorten. Sie haben fleischige, sich rasch mit Samen füllende Hülsen. Die Körner sind dick, meist kurz-oval oder typisch bohnenförmig. Unter ihnen finden sich viele Sorten mit violett oder rot gesprickelten Hülsen.
Konserven- und Salatbohnen müssen sehr früh geerntet werden, da sie sehr schnell fädig werden. Sie haben kurze und gerade Hülsen, die sich beim Reifen nicht so schnell mit Körnern füllen.
Wachsbohnen werden alle gelbhülsigen Bohnen genannt. Bei ihnen gibt es jedoch genau die gleichen Unterscheidungsmöglichkeiten wie bei den oben genannten.
Die Reiserbohne ist eine halbhoch rankende Bohnenform. Sie nimmt eine Mittelstellung zwischen Busch- und Stangenbohnen ein. Sie bleibt lange niedrig und schickt erst relativ spät ihre Sprosse aus. Sie eignet sich sehr gut für eine Mischkultur mit Maispflanzen. Mais ist die Rankhilfe für die Reiserbohne, diese versorgt den Mais über ihre Wurzelknöllchen mit Luftstickstoff.
Bei den Buschbohnen ist die Vielfalt an Lokalsorten um einiges geringer, da diese in den traditionellen Gärten weniger Verbreitung fanden als die Stangenbohnen. Die Buschbohnen gewannen erst mit der maschinellen Produktion für die Konservenindustrie an Bedeutung. Sie sind einfacher zu ernten und ihre Hülsen werden mehr oder weniger gleichzeitig reif. Es gibt heute zahlreiche fadenlose Sorten, die sich in Hülsenlänge, Hülsenquerschnitt und Hülsenfarbe unterscheiden. Ältere Buschbohnentypen bilden manchmal auch längere Ranken aus. Sie degenerieren in Richtung ihrer Urform, der Stangenbohne.
Anbau
Der Boden für den Anbau sollte humusreich sein, die Lage warm und windgeschützt. Alle Gartenbohnen sind sehr frostempfindlich. Idealerweise werden die Bohnen nach den Eisheiligen bis spätestens Juli direkt ins Freiland gesät. Für ein rasches Auflaufen sind mindestens 10 bis 12 Grad Bodenwärme nötig. Die Ernte beginnt etwa acht Wochen nach der Aussaat. Nach der Ernte verbleiben die Wurzeln im Boden. Die Knöllchenbakterien an den Wurzeln binden organisch Stickstoff und leisten so einen wertvollen Beitrag zur Bodenqualität. Stangenbohnen brauchen Rankhilfen von mindestens 2 bis 3 Meter Höhe. Die Buschbohne ist kalten Temperaturen gegenüber etwas toleranter und braucht mit ihrer Wuchshöhe von etwa 50 Zentimetern keine Stütze.

Für die Gemüseproduktion werden heute erwerbsmässig nur noch Buschbohnen angebaut (oben). Die Tradition des Stangenbohnen-Anbaus wird nur noch in Hausgärten gepflegt (rechts).

Verwendung
Die Bohne ist eigentlich eine Giftpflanze, die in rohem Zustand ungeniessbar ist. Der toxische Inhaltsstoff Phasin, der in den Hülsen und den Samen vorhanden ist, kann nur durch Kochen zerstört werden. Die in unreifem Zustand gepflückten Hülsen eignen sich als Gemüsebeilage und für Salate. Die reifen Samen dienen der Herstellung von Suppen und Püree. In Mexiko ist es undenkbar, eine Mahlzeit ohne Trockenbohnen zuzubereiten. Das Leibgericht der Kanadier ist bis heute «baked beans».
Inhaltsstoffe
Trockenbohnen enthalten rund 21 Prozent Eiweiss und 57 Prozent Kohlenhydrate. Neben zahlreichen Mineralstoffen weist es auch Kalium in einer höheren Konzentration auf. Bedeutend weniger Eiweiss und Kohlenhydrate, nämlich 2 Prozent Eiweiss und 5 Prozent Kohlenhydrate, liefern die Gartenbohnen (grüne Bohnen), dafür besitzen sie einen hohen VitaminC-Gehalt. Im Eiweiss der Gartenbohne sind die acht lebenswichtigen Aminosäuren enthalten.
Die ungekochten Samen und Hüllen enthalten das für uns giftige Phaseolin. Es hat eine pilztötende Wirkung, worauf vermutlich einige volksmedizinische Anwendungen basieren. Zusätzlich enthalten die Bohnen ein Lectin mit blähender Wirkung.
Heilwirkung
Mit nur 57 Prozent Kohlenhydraten und seinem hohen Anteil an Rohproteinen gilt die Bohne als gesundheitsförderndes Gemüse. Sie wirkt blutzuckersenkend, harntreibend und harnsäureausscheidend. Das Kochwasser kann als Tee bei leichter Diabetes Typ 2, Altersdiabetes, Rheuma, Gicht und Nieren- und Blasenleiden getrunken werden.

De Soissons
Bei der ‘Soisson’ handelt es sich um eine der ältesten, landwirtschaftlich angebauten, europäischen Gartenbohnen. Ihre Geschichte lässt sich bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen. Schon vor der Französischen Revolution wurde nordöstlich von Paris erwerbsmässiger Anbau betrieben. ‘Soisson’ gab es seit jeher als Stangen- und Buschbohnensorte. 1874 wird die Sorte ‘De Soisson’ sowohl als Buschbohne als auch als Stangenbohne in der Gartenrevue der Schweizer Gartengesellschaft wie folgt beschrieben: «Ihre Kerne sind weiss, sehr schön und leicht wässrig. Sie eignet sich gut zur Ernährung unserer grossen Höfe.»
Merkmale Weisses nierenförmiges Korn. Grüne, flache, fädige Hülsen, die meist gebogen wachsen. Weisse Blüten. Die Pflanze hat gerne Ausläufer.
Anbau Ertragreich. Für Höhenlagen nicht geeignet, da eher spät fruchtend und reifend. Nur Handernte möglich.
Verwendung Suppenbohne, man verwendet die trockenen Kerne.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Einlochbohne
«Weil sie so stark wächst, soll man von der ‹Einlochbohne› nur je eine Bohne pro Loch in die Erde stecken. Dies im Gegensatz zu anderen Sorten, wo man im Abstand von 30 cm 4 bis 6 Korn in ein Loch stecken kann.» Dies geht aus einer Studie von Reinhard Lühring vom Dreschflegel e.V. zu einer Kulturpflanzensammlung in Ostfriesland hervor. «Am häufigsten sind die Buschbohnen verbreitet, die hier je nach Verwendung auch als Hartschielen (Suppenbohne), Updrögt oder Insett Bohnen (aufgehängte, getrocknete beziehungsweise eingesalzene Bohnen), Einlochbohnen oder Padlegers bezeichnet werden», schreibt er weiter. «In Deutschland und Österreich sind verschiedene lokale Auslesen mit Namen ‹Einlochbohne› verbreitet. Die von den Kaiserstühler Gärten erhaltene Herkunft stammt aus Eichstetten am Kaiserstuhl.»
Merkmale Grüne, gebogene und fädige Hülsen. Korn hellgelb, geadert. Nabel weiss mit innen ockerfarbenem Rand. Wüchsig.
Anbau Robust.
Erhältlich über ProSpecieRara Deutschland

Empereur de Russie
‘Empereur de Russie’ tauchte um 1900 erstmals in der Westschweiz auf. In einer damaligen Zeitschrift wurde sie als «unübertroffen in Bezug auf ihre Robustheit, ihren Ertrag und ihre Qualität als grüne Bohnen» bezeichnet. Sie kann jedoch nur sehr jung als Frischbohne genossen werden. Ältere Hülsen werden schnell fädig. Als Auskernbohne schmeckt sie hingegen vorzüglich. Vilmorin-Andrieux bot diese Sorte noch in den 1950er-Jahren an. Sie soll ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet stammen.
Merkmale Bildet zahlreiche lange, mittelgrüne, zarte, fleischige Hülsen mit braun gesprenkeltem Korn. Ist nur sehr jung fadenlos. Auffällig ist die lange Spitze, in die die Hülsen am unteren Ende auslaufen. Helle rosa Blüten, die meist über den Pflanzen sitzen. Lange schlanke, walzenförmige Samen mit rot- und gelbbrauner Musterung. Starkwüchsige Pflanzen. Mittelfrüh reifend.
Anbau Guter Ertrag.
Verwendung Junge Hülsen als Frischbohnen verwenden oder die Kerne als Trockenbohnen.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Enfant de Mont Calme
‘Enfant de Mont Calme’ ist eine der sehr seltenen Schweizer Buschbohnenzüchtungen. Sie ging aus einer zufälligen Kreuzung zwischen der fadenlosen, Anfang des 20. Jahrhunderts sehr gefragten Sorte ‘Phénix’ und der amerikanischen Sorte ‘Hardy Wax’ hervor. Die damalige Station fédérale de Mont-Calme in Lausanne (heute Agroscope Changins-Nyon) stellte das Kreuzungsprodukt, ‘Fédéral’ genannt, 1914 an der nationalen Ausstellung in Bern aus. Leider vererbte sich aus der Elternsorte ‘Phénix’ die Anfälligkeit auf Anthraknose, eine Pilzkrankheit. Dank der Geduld des Gärtners Vionnet fand sich in der ‘Fédéral’ eine resistentere Linie, die dann ‘Enfant de Mont Calme’ genannt wurde.
Merkmale Grüne, fleischige, leicht gekrümmte Hülse ohne Fäden. Weisse Blüten. Länglich ovales, weisses Korn mit braunen Flecken um den Nabel. Mittelspät reifend.
Anbau Robust, mittlere Standfestigkeit. Für Handernte.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Etsdorfer
Die namensgebende Ortschaft Etsdorf liegt am Kamp nahe Krems in Niederösterreich. Die Buschbohne ist dort schon seit den 1960er-Jahren in Hausgärten im Anbau.
Merkmale Hülsen bis 19 cm lang, etwa 1 cm breit, grün ohne Zeichnung, schwach gekrümmt, dickfleischig, im Querschnitt rund. Hülsen fadenlos, erst spät bastig werdend. Korn 15 mm lang, elliptisch, ein- bis beidseitig gekappt, glänzend schwarz. Blüten helllila. Kräftiger Wuchs der mittelhohen Pflanzen.
Anbau Die Fisolen reifen folgernd.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen. Gedünstet mit gutem Fisolenaroma und feiner Textur.
Erhältlich über Arche Noah

Gesprenkelte Suppenbohne Matt
Traditionell wurde diese Lokalsorte früher in der Schweiz im Glarnerland am Rande der Kartoffeläcker angebaut. Eine Hausgärtnerin aus Matt gab sie im Jahr 2000 in die Erhaltung zu ProSpecieRara.
Merkmale Eher kurze und gerade, fädige Hülsen, grün mit rotvioletten Sprenkeln, im Querschnitt elliptisch. Blüten rosa, vorwiegend über dem Laub sitzend. Korn walzenförmig, beigebraun mit rotvioletten Sprenkeln. Wüchsige und hochwachsende Pflanzen (40 cm).
Anbau Stammt aus einem rauen gebirgigen Tal.
Verwendung Trockenspeisebohnen, eignen sich sehr gut für Suppen, z. B. Gerstensuppe oder Minestrone.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Golden Butter
Syn. Mont d’or
Sie entspricht wohl der bereits 1886 bei Vilmorin als ‘Beurre nain du Mont-d’Or’ folgendermassen beschriebenen Sorte: «Hellgelbe Hülsen, eindeutig nicht pergamenthäutig. Sehr ertragreich.» Herkunft von Chase Seeds in England.
Merkmale Hellgelbe, fadenlose Hülsen, etwa 12 cm lang und 1 cm breit, im Querschnitt oval. 5 bis 7 Samen pro Hülse. Kleine rosa Blüten. Hochwachsende Pflanzen, etwa 20 cm lange Ranken bildend. Korn rundlich und dunkelbraun bis violett.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen haben eher neutralen, etwas buttrigen Geschmack.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Ideal
Die Sorte ‘Ideal’ ging aus der ‘Marché de Genève’ hervor. Sie ist im Saatgutkatalog von Hoch & Cie. von 1955 als «verbesserte, widerstandsfähige» erwähnt. Samen Wyss führte sie ebenfalls im Sortiment. ProSpecieRara hat zwei verschiedene Herkünfte in Erhaltung: ‘Ideal Empro’ ist eine Selektion von M. Rossier aus dem botanischen Garten Genf. ‘Ideal Dietikon’ wurde während 45 Jahren in einem Hausgarten in Dietikon vermehrt. Das Saatgut wurde damals von der Samenhandlung Schollenbrecker in Basel bezogen.
Merkmale Grüne, gekrümmte, fadenlose Hülsen, im Querschnitt eiförmig. Blüte violett. Korn walzenförmig und schwarz. Wüchsige, hochwachsende Pflanzen (40 cm).
Anbau Robuste und sehr ausgeglichene Sorte. Ertragreich. An ungünstigen Standorten soll sie sensibel auf Mehltau reagieren.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen, auch zum Sterilisieren geeignet.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

John’s Beste
Diese Sorte kam 1997 aus Forbach in Deutschland in die Erhaltung zu ProSpecieRara. Um welche Sorte es sich wirklich handelt, konnte nicht eruiert werden. Vielleicht bekam sie ihren Namen einst von ihrem Anbauer, einem Herrn mit Namen John, vielleicht nannte sie auch jemand ‘John’s Beste’, weil er sie von seinem Freund John bekommen hat, der diese Buschbohne als seine beste Bohne weiterempfahl. Das alles sind Vermutungen. Jedenfalls fand man in alten Sortenkatalogen und Gartenbüchern keine Buschbohne mit dem Namen ‘John’s Beste’. Gut schmeckt sie trotzdem.
Merkmale Grüne, meist gebogene fädige Hülsen. Korn lang, walzenförmig und dunkelrot. Violette Blüten. Pflanzen haben gerne Ranken. Mittelfrüh reifend.
Verwendung Trockenbohne.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Karlsruher Markt
Die Buschbohne ‘Karlsruher Markt’ steht auf der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen in Deutschland mit regionaler Bedeutung in Baden Württemberg (Stand 2010). Die von ProSpecieRara erhaltene Herkunft stammt vom IPK in Gatersleben in Deutschland (Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung).
Merkmale Grüne lange Hülsen, im Querschnitt oval.
Erhältlich über ProSpecieRara Deutschland

Kidney
Bereits amerikanische Ureinwohner in den Zeiten vor Kolumbus nannten gewisse Typen der von ihnen kultivierten Phaseolus-Bohnen aufgrund der Form ihrer Kerne «Nieren-Bohnen», was in der englischen Sprache dann mit «Kidney beans» übersetzt wurde. Dieser Begriff wurde im 19. Jahrhundert im englischen Sprachraum noch für alle Vertreter der Gattung Phaseolus (also alle Gartenbohnen) verwendet, in Abgrenzung zu den heute als Puffbohnen (Vicia faba) bezeichneten und schon viel länger in Europa bekannten Bohnen. Heute wird der Bregriff «Kidney beans» umgangssprachlich noch für die grossen roten Samen der Gartenbohne gebraucht.
Merkmale Grüne flache und fädige Hülsen, die beim Abreifen rote bis violette Sprenkel bekommen. Langes, nierenförmig gekrümmtes Korn von dunkelroter bis fast schwarzer Farbe.
Verwendung Trockenbohne.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Kievitsbohne
Ein Erhalter aus Saint Cierges, Kanton Waadt, erzählte im Jahr 2000: «Ich bin der einzige, der diese Buschbohne in unserer Familie noch anbaut. Seit über hundert Jahren wurde die Kievitsbohne in meiner Heimat Holland von der Familie gehalten und war dort lokal weit verbreitet.» ‘Kievit’ wird in Holland der Watvogel der Kiebitze genannt. Ihre Eier haben eine Sprenkelung wie die Kerne dieser Buschbohne, wodurch sie zu ihrem Namen kam. Die ‘Kievitsbohne’ wurde in Holland lange in der Konservenindustrie verwendet.
Merkmale Kurze, breite, grüne und fädige Hülsen. Helllila Blüten. Gleichmässig eiförmiges, oval rundes, beiges Korn mit braunroten Sprenkeln und Streifen. Nabel weiss mit dunklem Rand.
Verwendung Die Kerne wurden im Winter immer als Suppenbeigabe gekocht. Beim Kochen verlieren sie ihre Sprenkel und werden gleichmässig braun. Auch für Chili con carne oder Burritos zu verwenden.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Kleine weisse Suppenbohne
Sie bildet ganz aussergewöhnlich kleine, runde Kerne, die als Suppenbohnen gekocht werden. Es handelt sich um eine Hausgartensorte vom Schellenberg in Liechtenstein. Die Gärtnerin meint, «mir schmecken die kleinen Bohnen der ‹Kleinen weissen Suppenbohne› einfach besser als die grösseren Kerne der gelben ‹Schwefelbohne›».
Merkmale Produziert flache, etwa 10 cm lange Hülsen mit Fäden. Kleines, weisses, rundliches Korn. Weisse Blüten, die beim Verblühen gelb werden. Pflanzen mit niedrigem Wuchs und hoher Standfestigkeit. Bilden manchmal Ranken aus. Mittelspät reifend.
Anbau Gesunde und robuste Pflanzen.
Verwendung Trockenbohne.
Erhältlich über Hortus

La Victoire
Syn. Siegerin
‘La Victoire’ ist eine in der Schweiz ab 1955 gehandelte Buschbohne. Sie ist eine Verbesserung der Sorte ‘Ideal’, die ihrerseits als Verbesserung der ‘Genfer Markt’ gilt. Vor allem als Biosaatgut ist sie heute noch vereinzelt im Handel zu finden.
Merkmale Grüne, lange, gerade und dünne Hülsen, im Querschnitt rund. Ohne Fäden. Lange schwarze, walzenförmige Samen. Lila Blüten. Kräftige Pflanze mit aufrechtem, mittelhohem Wuchs und ohne Ausläufer. Hülsen wachsen vorwiegend über dem Laub. Früh reifend.
Anbau Reichtragend. Eher für milde Lagen geeignet.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen sind sie zart und wohlschmeckend.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Marché de Vully
Syn. Zarte Welsche
Diese Sorte kam von der Schweizer Firma Gugger-Guillod SA in Nant-Vully am Murtensee zur Eidgenössischen Forschungsanstalt in Wädenswil. Eventuell stammt sie ursprünglich aber auch aus den USA und wurde nachträglich umgetauft. In den 1980er-Jahren wurde sie durch die ASPI (Association Suisse de Promotion des Semences Potagères Indigènes, heute: Delley Samen und Pflanzen AG) vermehrt und war verbreitet im Schweizer Handel zu finden.
Merkmale Dunkelgrüne, fadenlose Hülsen, die gerade oder gebogen und meist relativ kurz sind. Im Querschnitt eiförmig. Violette Blüten. Dunkelbraunes bis violettes Korn. Pflanzen mit mittlerer Wuchsstärke und ohne Ranken. Früh reifend.
Anbau Robuste Pflanzen.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen. Eignen sich als Gemüse und zum Tiefkühlen.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Marché des trois Chênes
Übersetzt heisst dieser klangvolle Sortenname ‘Markt der drei Eichen’. Die Herkunft der Buschbohnensorte ‘Marché des trois Chênes’ kann bis zum Genfer Züchter Grosjean in Chêne-Bougeries zurückverfolgt werden. Wann und ob sie wirklich da gezüchtet wurde, bleibt unklar. Ihrem Namen nach könnte sie durchaus auch aus Chênes-Bougeries stammen.
Merkmale Grüne, fadenlose, leicht gekrümmte, fleischige Hülsen mit rundem Querschnitt. Weisse Blüten, die vorwiegend im Laub sitzen. Reinweisses, ovales Korn. Pflanzen ohne Rankenbildung. Mittelfrüh reifend.
Anbau Nur für die Handernte geeignet.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Oktoberli
Syn. Merveille d’octobre
Diese Buschbohne eignet sich bestens als Nachkultur im Garten, da, wo vorher Kopfsalat oder Kohlrabi wuchs. Sät man sie zwischen dem 1. und 15. Juli, beglückt sie einem Ende September nochmals mit frischen grünen Bohnen. ‘Oktoberli’ wurde ab den 1940er-Jahren in der Schweiz gehandelt, im Katalog von Samen Vatter in Bern war sie nachweislich 1946 gelistet.
Merkmale Fadenlose, hellgrüne Hülsen mit einigen violetten Sprenkeln. Mehr oder weniger gerade Hülsen mit rundem Querschnitt. Pflanzen ohne, manchmal auch mit Ausläufern, mit zügigem Wachstum, mittelhoch bis hoch, aber gut standfest. Violettbraunes, langes, walzenförmiges Korn mit beigebraunen Sprenkeln.
Anbau Spätsorte, geeignet für den Herbstanbau mit Aussaat Anfang bis Mitte Juli. Guter Ertrag.
Verwendung Frische Hülsen als Gemüse, Bohnensalat oder auch zum Tiefkühlen.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Paas Lintorfer Frühe
Diese fadenlose Buschbohne wurde in den 1950er-Jahren von der deutschen Samenzucht und -handelsfirma Paas & Co. aus Ratingen-Lintorf gezüchtet und bundesweit gehandelt. Das Unternehmen ist vermutlich Ende der 1950er-Jahre in die Insolvenz gegangen. Dank dem IPK Gatersleben (Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung) und der Saatgutbank Sankt Petersburg in Russland sowie dem Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt VEN überlebte sie bis heute.
Merkmale Hellgrüne, fleischige, fadenlose Hülsen, im Querschnitt flach-oval. Korn weiss. Früh reifend. Ein heutiger Erhalter meint: «Sie ist eine wüchsige Bohne, die unter optimalen Bedingungen bis zu 75 cm hoch werden kann.»
Anbau Aus dem Hauptverzeichnis von Paas & Co. von 1954 zitiert: «Immer ertragssicher, hat sich in allen Lagen und Bodenarten bewährt.»
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen.
Erhältlich über ProSpecieRara Deutschland

Purple Duke
‘Purple Duke’ ist wohl nicht sehr alt, aber trotzdem eine Rarität. Ihre dunklen violetten Hülsen präsentieren sich schön in jedem Hausgarten. Aktuell ist sie vom auf Bohnenzüchtung spezialisierten holländischen Züchterhaus BakkerBrothers angemeldet und in der Schweiz bei Wyss (Select Samen) im Sortiment. Blauhülsige Buschbohnen sind entweder neueren Ursprungs oder waren bei uns lange nicht bekannt: Während beispielsweise im Album Benary von 1876 blauhülsige Stangenbohnen abgebildet sind, findet man bei Buschbohnen nur grüne und gelbhülsige. Das Züchterhaus Vilmorin, das seit bald mehr als zweihundert Jahren immer eine grosse Vielfalt an Gemüse im Sortiment hat, hatte sicher bis 1972, vielleicht auch länger, noch keine blauhülsigen Buschbohnen im Angebot.
Merkmale Dunkelviolette, fadenlose Hülsen, dünn und zart. Schöne kräftig violette Blüten. Korn lang, beige braun mit feiner dunkler Maserung.
Verwendung Als grünreife Hülsen. Leider verliert sich beim Kochen die schöne violette Farbe, und die Hülsen werden dunkelgrün. Schmackhaft sind sie trotzdem.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Red Valentine
Syn. Tausend für eine, Thousand-for-One, Refugee Bean, Purple speckled Valentine, Little Princess, Salat-Brechbohne, Salad Snap Bean
Diese Buschbohne wurde um das Jahr 1886 im Hause Vilmorin herausgegeben. Die Sorte stammt aus Amerika. Der Bohnenkenner des 19. Jahrhunderts, Georg von Martens, führte die Sorte auf die Bohne zurück, die Gaetano Savi unter dem Namen Phaseolus oblongus turcicus beschrieben hatte. Auf Deutsch kursierte sie vermutlich auch unter dem Namen «Türkische Dattelbohne», da man landläufig annahm, sie sei von der Türkei nach Europa eingeführt worden. Tatsächlich jedoch wurde sie erstmals von Prinz von Neuwied bei den Indianern, die 1815 bis 1817 am Missouri River wohnten, gesehen. Er nannte sie «ohmenik pusaehne», was die phonetische Wiedergabe des Namens aus der Sprache der Indianer war. Nachdem diese Bohnensorte in Europa ankam, erhielt sie von niederländischen Züchtern den Namen ‘Thousandfor-One’. Um 1837 wurde sie wiederum in der USA eingeführt und galt als neue Sorte, ohne dass man sich ihres indianischen Ursprungs bewusst war. In Amerika galt sie mit ihren langen zugespitzten runden Hülsen als Brechbohne (Snap bean) schlechthin. 1870 stand sie deswegen in der Zeitschrift «American Agriculturist» ganz oben auf der Empfehlungsliste für den amerikanischen Küchengarten. Mit der Zeit haben sich viele Varianten der ‘Valentine’-Bohne gebildet, die sich geringfügig voneinander unterscheiden.
Merkmale Schmale, grüne, zarte Hülse. Kerne zeichnen sich deutlich ab. Blüte tief rosa. Samen sind eine Mischung von rotbraunen und violettbraunen Kernen mit beigen Sprenkeln. Früh reifend.
Anbau Weite Pflanzabstände sind empfohlen.
Verwendung Sowohl grünreife Hülsen/Fisolen als auch die trockenen Bohnen.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Roi des Beurres
Syn. Kingshorn
1903 wurde diese Buschbohne in einer Liste der besten Sorten in einer Fachzeitschrift empfohlen. Sie gehört zu den Butterbohnen, die sich dadurch auszeichnen, dass ihre Hülsen kein «Pergament» enthalten. Das «Pergament» ist jene Schicht in der Hülse, die auch nach dem Kochen hart und fasrig bleibt und daher den Genuss der grünreifen Hülsen (Fisole) stark herabsetzt. Die Bohne kam von Le Biau Germe im französischen Montpezat d’Agenais zu ProSpecieRara.
Merkmale Gelbe, fleischige, fadenlose Hülsen. Korn lang und weiss.
Anbau Guter Ertrag, sie reift kontinuierlich über einen langen Zeitraum ab, sodass man noch spät im Sommer ernten kann.
Verwendung Als grünreife Hülse/Fisole.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Saxa
Becker-Dillingen beschreibt die Buschbohne ‘Saxa’ 1929 als «beste Frühsorte für den Markt» und drei Jahrzehnte später bemerkt Kampe: «Die Sorte ist wegen ihrer guten Ertragsfähigkeit und ihrer Ertragstreue im Anbau weit verbreitet. Die Hülse ist von guter Qualität und als Brechbohne gut zu verwerten.» ‘Saxa’ wurde von David Sachs im deutschen Quedlinburg auf Frühzeitigkeit hin gezüchtet und kam im Jahre 1903 als ‘Saxonia’ in den Handel. Im Jahre 1911 erhielt sie den Namen ‘Saxa’. Die Hülse war damals noch fädig. Durch die Kreuzung der Sorten ‘Saxa’ und ‘Alpha’ entstand die fadenlose ‘Saxa’, die 1922 in den Handel gebracht wurde. Die Sorte steht auf der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen in Deutschland (2010) mit regionaler Bedeutung in Bayern.
Merkmale Hellgrüne, fadenlose Hülsen von etwa 12 cm Länge mit rund-ovalem Querschnitt. Guter Geschmack. Weiss-lila Blüten. Korn ist lederbraun, länglich und walzenförmig, mit weissem, braun umrandeten Nabel.
Anbau Robuste Sorte für raue Lagen und frühe Aussaaten. Widerstandsfähig gegen Fettflecken und Virus.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Schwarze
Es dürfte sich hier aufgrund der kleinen schwarzen Kerne und der bei Reife zum Teil aufspringenden Hülsen um eine sehr ursprüngliche Sorte handeln. Sie entspricht eventuell der ‘Haricot du Brésil’ aus dem Vilmorin-Katalog.
Merkmale Kurze, hellgrüne, breite und fädige Hülsen. Violette Blüte, vorwiegend im Laub sitzend. Korn rund, schwarz und klein. Wüchsige, hochwachsende Pflanze (40 cm). Ausgeglichene Sorte. Spät reifend.
Anbau Gute Standfestigkeit.
Verwendung Als Trockenspeisebohne.
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Bunte Blütenfarben: Buschbohnen ‘Purple Duke’ (oben) und ‘Tschermaks Metis’ (unten).


Ein Buschbohnenfeld zur Produktion von Dörrbohnen.
Schwarzwälder Ausmachbohne
Diese Hausgartensorte kommt aus dem Schwarzwald, wo sie von der Mutter der Spenderin lange Zeit kultiviert wurde.
Merkmale Grüne Hülsen, die schnell zäh werden. Blüte weiss. Korn gelbbeige mit leichter Maserung und braunem Ring um den Nabel.
Anbau Pflanzen müssen etwas gestützt werden, da sie bis 50 cm hoch wachsen.
Verwendung Als Trockenspeisebohne. Die Spenderin meint: «Sie schmecken sehr fein, haben ein typisches Eigenaroma und sind relativ schnell gar (eingeweicht etwa eine halbe Stunde Kochzeit).»
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Starazagorsky
Syn. Yin und Yang, Orca
Die dekorativen schwarz-weissen Samen der Auskernbohne ‘Starazagorsky’ machen den Zungenbrecher mehr als wett. Manche sehen in ihnen das berühmte chinesische Symbol für Harmonie, Yin und Yang, in Schwarz und Weiss. Es soll sich gemäss verschiedener Angaben um eine ursprünglich griechische Sorte handeln, doch gibt es in Bulgarien auch die Stadt Stara Zagora. Und dieser Stadtname, der dem Sortennamen doch sehr nahe kommt, straft die griechische Herkunftsvermutung möglicherweise Lügen.
Merkmale Grüne, breite, etwa 10 cm lange Hülsen mit Fäden. Weisse Blüten. Zweifarbiges, schwarz-weisses Korn.
Anbau Hoher Ertrag bei gutem Wachstum.
Verwendung Trockenspeisebohne. Gekocht haben die Kerne einen leicht süsslichen, angenehmen Geschmack. Als Salat schmecken sie ausgezeichnet.
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Studerus
Ein Sortenerhalter aus Embd im Wallis baut die ‘Studerus’ schon lange Zeit auf 1300 m ü. M. an und beschreibt sie als «witterunsunabhängig, trockenheitsresistent und äusserst robust. Die Pflanzen treiben auch nach einem Frosteinbruch aus allen Nodien wieder aus.» Diese Sorte aus der Familie Studerus wurde von der Mutter aus dem sanktgallischen Steinach an ihre Tochter weitergegeben, die diese Buschbohne in Mellikon, Kanton Aargau, weiter anbaute.
Merkmale Grüne, leicht gekrümmte Hülsen, im Querschnitt elliptisch. Jung geerntet sind sie fadenlos. Über dem Laub sitzende, weisse Blüten. Langes, walzenförmiges beigebraunes Korn mit dunklem Ring um den weissen Nabel. Die Pflanzen wachsen buschig und eher niedrig. Mittelfrüh reifend.
Anbau Krankheits- und trockenheitstolerant. Auch für kühlere Lagen geeignet. Ertragreich.
Verwendung Jung geerntet, die Hülsen als grünreife Hülsen/Fisolen kochen. Sie sind zwar etwas grob, schmecken aber sehr gut. Oder man verwendet die ausgereiften Kerne als Suppenbohnen.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Tiefenbacher
Diese Wachsbohne ist eine alte Hausgartensorte aus Niederösterreich. Mindestens seit den 1930er-Jahren befand sie sich in der Familie Tiefenbacher aus Lichtenau im Waldviertel im Anbau. Dort wurde sie über Generationen von der Mutter an die Tochter weitergegeben.
Merkmale Hülsen gelb, bis 15 cm lang und etwa 1,5 cm breit, abgeflacht, im Querschnitt birnenförmig, fädig. Korn dunkelweinrot, flach und nierenförmig, circa 18 mm lang. Blüte helllila. Wuchshöhe 45 cm.
Anbau Frühe ertragreiche Sorte.
Verwendung Junge, grünreife Hülsen ergeben saftige Fisolen, später werden sie bastig.
Erhältlich über Arche Noah

Tschermaks Metis
Österreichische Züchtung, die nach dem bekannten Genetiker und Pflanzenzüchter E. von Tschermak benannt wurde. ‘Tschermaks Metis’ kam 1953 in die tschechische Genbank in Olomouc. Historisch interessante Sorte, nachdem diese offenbar in die von Tschermak zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchgeführten Kreuzungsexperimente an Bohnen eingebunden war.
Merkmale Hülsen 11 bis 12 cm lang und etwa 1 cm breit, stark gekrümmt, im Querschnitt breit elliptisch, leicht bastig. Blüte weiss. Korn schwarz mit weissen Sprenkeln. Pflanzen wachsen mittelhoch, circa 40 cm.
Verwendung Als Trockenbohne.
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Von Boswil
Eine Hausgärtnerin aus Boswil im Kanton Aargau schrieb: «Über meine verstorbene neunzigjährige Tante habe ich den Samen 1991 bekommen.»
Merkmale Hellgrüne, dicke und kurze, zarte Hülsen mit feinen violetten Sprenkeln. Korn beige-schwarz gesprenkelt. Wüchsige, üppige Pflanze.
Anbau Widerstandsfähig gegen Blattläuse.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen als Gemüse oder zum Tiefkühlen.
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Wachs Beste von Allen
Syn. Brittle Wachs
‘Wachs Beste von Allen’ ist eine alte amerikanische Sorte. Ihre Samen sind besonders schön: Das sonst weisse Korn hat um den Nabel eine flügelähnliche schwarze Zeichnung. Diese Sorte eignet sich vor allem für milde und trockene Lagen. Ab 1937 war sie in der Schweiz bei Mauser und später auch bei Vatter im Samenkatalog, in Österreich hielt sie Austrosaat im Sortiment.
Merkmale Gerade, 15 bis 18 cm lange, fadenlose, dickfleischige, gelbe Hülsen mit rundem Querschnitt. Im Geschmack ausserordentlich zart. Längliches, weisses Korn mit schwarzer Zeichnung um den Nabel. Mittelfrüh reifend.
Anbau In feuchten Lagen empfindlich für Krankheiten.
Verwendung Wachsbohnen werden traditionell für Bohnensalat verwendet, da sie aussergewöhnlich zarte Hülsen haben.
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Wiener Treib
Die Hauptstadt der Donaumonarchie war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schon zu einer Millionenstadt angewachsen. Ihre Versorgung mit Lebensmitteln war auch für Gemüsezüchter eine Herausforderung. Gefragt waren unter anderem Frühgemüse, die in Mist- oder in Treibbeeten frühzeitig kultiviert werden konnten. Man entwickelte bei zahlreichen Gemüsearten wie Radieschen, Kohlrabi, Wirz, Karotte, Salat und Bohne Sorten mit der Bezeichnung ‘Wiener Treib’.
Merkmale Hülsen, bis 13 cm lang, 1 cm breit, schwach gekrümmt, im Querschnitt birnenförmig, Farbe grün ohne Zeichnung. Kleines, längliches Korn mit weisser Grundfarbe und ockerfarbener Zeichnung um den Nabel. Blüte weiss.
Anbau Zarte Pflanzen. Früh reifend. Speziell für den Anbau unter Glas entwickelt.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen.
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Buschbohnen entstanden erst im 16. und 17. Jahrhundert durch Spontanmutationen von Stangenbohnen.
Das Geheimnis der trockenen Bohnen
Urs Frühauf
«Einfach dem Weg vom Dorf so lange folgen, bis es nicht mehr weiter hinauf geht. Dann bist du richtig.» So erklärt Urs Frühauf am Telefon den Weg zu sich nach Hause. Das wunderschöne umgebaute «Heimetli» in einer Senke oberhalb Pfaffnau im Kanton Luzern wird von Urs und seiner Frau Christine nun schon seit bald zehn Jahren bewohnt. Genau zehn Jahre ist es denn auch her, seit sich der gelernte Automechaniker dazu entschlossen hat, auf dem Hof seiner Schwiegereltern eine Trocknungsanlage einzurichten und sein Leben komplett umzukrempeln. Weg von Motoren und Benzin, hin zu Biolebensmitteln und Landluft.
Keine Lust auf chinesischen Import
Mit über fünfzig Jahren noch einmal etwas ganz Neues anzufangen, das liegt nicht jedem. Das Ehepaar Frühauf nahm die Herausforderung an und hat gemeinsam die «BioManufaktur» aufgebaut. Hier trocknen sie als einziger Betrieb in der Schweiz ProSpecieRara-Bohnen und machen daraus die «chöschtigen» Dörrbohnen, ein traditionelles Schweizer Produkt.
Als Urs in das Geschäft mit den Dörrbohnen einstieg, konnte man in der Schweiz nur Dörrbohnen aus China im Laden kaufen. Das gab ihm zu denken. Einem Bekannten konnte er eine Bohnenrüstmaschine abkaufen, ein zehn Meter langes Ungetüm, das die Bohnen von den Spitzen befreit. Danach werden die Bohnen in grossen Kochtöpfen blanchiert, bevor sie für etwa 24 Stunden in den 35 Grad warmen Trockner gelangen. «Das ist das Wichtigste, was ich den Leuten immer wieder erkläre, ich dörre die Bohnen nicht, ich trockne sie.» Beim Trocknen wird den Bohnen auf schonende Art und Weise das Wasser entzogen. Anschliessend sind sie fertig für den Verkauf.


Eine Tonne Dörrbohnen
Mit Slow Food hat die BioManufaktur einen kompetenten Partner an der Seite. Slow Food hat Urs auf die ProSpecieRara-Bohnen aufmerksam gemacht. Die Reifezeit dieser Bohnen ist zwar nicht so genau vorhersehbar wie die herkömmlicher Industriebohnensorten, doch dafür sind sie viel geschmackvoller. Noch immer ist er froh, dass er sich für die ProSpecieRara-Sorten entschieden hat. «Dadurch haben meine Dörrbohnen einen zusätzlichen Pluspunkt, um sich von anderen abzuheben», erklärt er. Slow Food Schweiz hat ihm auch geholfen, seine Dörrbohnen beim Detailhändler Coop in die Regale zu bringen. Und mit Biofarm hat er einen weiteren «gestandenen» Abnehmer seines Produkts an der Seite. «Einen Teil kann ich aber auch direkt über meine Homepage verkaufen», berichtet Urs. Heute produziert er zusammen mit fünf Bauern aus der Region fast als eine Tonne Dörrbohnen. Eine ganze Menge, wenn man sich vor Augen führt, dass dafür zehn Tonnen Bohnen geerntet werden müssen.
Fast vergessenes Traditionsgemüse
«Eigentlich sind Dörrbohnen ein kostbares Wintergemüse, das man sich früher zu speziellen Anlässen gegönnt hat», meint Urs. «Die Bohnen dienten als wichtiger Eiweisslieferant für einen Grossteil der Bevölkerung. Fleisch konnte sich nicht jeder leisten, und Hülsenfrüchte nahmen folglich einen wichtigen Stellenwert in der Ernährung ein. Zudem weisen Dörrbohnen interessanterweise einen höheren Nähr- und Brennwert auf als frische Bohnen», ergänzt Christine. «Die Dörrbohne ist ein traditionelles Schweizer Gemüse; viele junge Leute kennen es vielleicht noch von der Grossmutter», erzählt Urs weiter. Auf einer Berner Platte zum Beispiel dürfen die Dörrbohnen auch heute nicht fehlen. «Oder an einem ThanksgivingDinner von Schweizern in Amerika», schmunzelt er. Bis dorthin konnte er seine Bohnen nämlich schon verschicken.
Es macht Urs sichtbar viel Spass, mit seiner Trocknungsanlage neue Sachen auszuprobieren. Seien es Randenchips, zuckersüsse Erdbeersnacks, ganze Brokkolibäumchen, denen er das Wasser entzieht, oder wunderschön getrocknete Zwiebelringe, die wie pergamentfarbige Blumen in einem Glas im Lager liegen und auf ihren grossen Auftritt warten. «Auf jeden Fall eine gesunde Sache.»
Er hat den Schritt vom Mechaniker zum Trockner nie bereut. «Es hat sich mir ein neues Umfeld aufgetan, mit neuen, interessanten Menschen und einer anderen Lebensqualität», sagt Urs Frühauf mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen.
Persönliches
Urs Frühauf (60) ist gelernter Automechaniker. Nach mehreren Jahren in diesem Beruf und als Aussendienstmitarbeiter hat er sich mit vollem Eifer dem Trocknen von Gemüse und Früchten zugewandt. Er probiert immer wieder neue Kompositionen und Verfahren aus, um gute Produkte, die von den Leuten geschätzt werden, herzustellen. Seine Frau Christine (60) arbeitet Teilzeit als Lehrerin in Pfaffnau und packt ebenfalls in der BioManufaktur mit an.
Weiteres erfahren Sie unter: www.gruenboden.ch
Ärnböhnli
Ein Hausgärtner aus Baden im Kanton Aargau übergab diese Bohne 2003 an ProSpecieRara. Seine Grossmutter hat zu ihrer Hochzeit um 1895 ein Samenpäckli mit ‘Ärnböhnli’ erhalten.
Merkmale Helle, grüngelbe, gekrümmte, kurze und fädige Hülsen, im Querschnitt rund-oval. Blüte weiss. Korn oval und braun. Früh reifend. Schwachlaubige Pflanze.
Anbau Die Stangenbohne wird über 6 m hoch, die grünen Bohnen werden fast nie zäh, auch wenn sie schon gelb geworden sind. In heissen Sommern kann diese Bohne allerdings fädig werden. Hülsen jung ernten.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen, müssen aber gefädelt werden.
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Berner Butter Verzasca
Die ‘Berner Butter’ wurde in der Schweiz erstmals 1896 in einer Sortenliste von François Wyss erwähnt. Sie wurde aus Deutschland eingeführt, wo sie unter dem Namen ‘Wachs Kaiser Friedrich’ gehandelt wurde. Die lokale Selektion ‘Berner Butter Verzasca’ wird seit 1943 im Südschweizer Verzascatal angebaut. Damals, mitten in den Kriegszeiten, wurde ein Paket mit Samen der Stangenbohne ‘Berner Butter’ ins Dorf Gerra geliefert, adressiert an Maria Vasti. Aber es gab 40 Maria Vastis im Dorf! Man fand nicht heraus, wer das Saatgut bestellt hatte und so pflanzte eine der Maria Vastis das Saatgut an. Jahrzehntelang nahm sie eigenen Samen als Saatgut fürs nächste Jahr weiter und verteilte das kostbare Gut auch an Nachbarn und Bekannte.
Merkmale Hellgelbe Hülsen, leicht rot bereift, stark gekrümmt und rund-oval im Querschnitt – im Vergleich zum heute gängigen ‘Berner Butter’-Sortentyp mit breiten flachen Hülsen. Fadenlos. Blüte rosa. Korn länglich, dunkelviolett bis dunkelbraun.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen. «Sie schmeckt im Wasser gekocht besser als gedämpft», meint man im Verzascatal.
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Berner Landfrauen
Syn. Alphorn, Cor des Alpes
Die ‘Berner Landfrauen’ erschien erstmals Ende der 1920er-Jahre auf dem Markt. Kobel schreibt 1941: «Die Landfrauenbohne wurde nach Mitteilung von Herrn Weibel, Gartenbaulehrer in Oeschberg im Kanton Bern, von einer Bäuerin aus der Sorte ‘Späte Schneggli’ durch Auslese gewonnen. Die Schweizer Firma Mauser hat die Sorte in den 1970er-Jahren wegen starker Virusverseuchung bearbeitet. Aus der Einkreuzung mit einigen damals schon virusresistenten Buschbohnen und anschliessenden Rückkreuzungen entstanden aus der Sorte ‘Berner Landfrauen’ die Sorten ‘Selma Star’, ‘Selma Zebra’ und eine Sorte ‘Verbesserte Berner Landfrauen’.
Merkmale Mittellange, sichelförmige, sehr zarte und fadenlose Hülsen von grüner Farbe mit vielen violetten Sprenkeln, im Querschnitt rund elliptisch. Lila Blüten. Beigebraunes ovales Korn mit dunklen Sprenkeln. Starklaubige und hochwachsende Pflanzen. Spät reifend.
Anbau Ertragreich, aber für raue Lagen nicht geeignet.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen. Wird traditionell im Berner Landgericht «Speck und Bohnen» verwendet.
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Blaue Adliswil
Samenhändler, die jährlich von Hof zu Hof zogen und Saatgut verkauften, waren bis Anfang des 20. Jahrhunderts in ländlichen Gegenden wohl bekannt. 1906 kaufte eine Frau im zürcherischen Adliswil einer Samenhändlerin Bohnensamen ab, die sie von da an stets selber weiter zog. Sie gab auch ihrem Nachbarn einige Samen. Dieser kultivierte die ‘Blaue Adliswil’ weiter, bis ihm eines Frühlings sämtliche Jungpflanzen erfroren und er plötzlich keine blauen Bohnen mehr hatte. Das ärgerte ihn sehr. Die Nachbarin war inzwischen verstorben. Zum Glück fand später die Tochter der Nachbarin beim Ordnen des Nachlasses sieben Bohnenkerne in einer Marronitüte. Gemäss dem darauf notierten Datum waren sie bereits neun Jahre alt. Die Tochter gab die sieben Samen dem Nachbarn, der sie sorgfältig in Töpfen aussäte. Alle Samen keimten noch!
Merkmale Violettblaue, flache und bis 15 cm lange Hülsen, die lange fadenlos bleiben. Blüte lila. Korn beige bis hellbraun mit feiner Maserung.
Verwendung Junge Hülsen als grünreife Hülsen/Fisolen. Eignen sich auch zum Dörren oder Einfrieren. Trockene Kerne auch als Suppenbohnen.
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Blauhilde
Hübsch sind sie im Garten anzusehen, die blauhülsigen Stangenbohnen! Sie sind oft nur in Privatgärten zu finden. Die heute in Mitteleuropa noch verbreitetste Sorte ‘Blauhilde’ wurde von der Firma Hild gezüchtet und kam 1964 auf den Markt.
Merkmale Blauviolette, bis 25 cm lange, dickfleischige und fadenlose Hülsen, im Querschnitt rund. Lila Blüten. Beige bis hellbraunes Korn mit feiner Maserung. Mittelfrüh reifend.
Anbau Sehr ertragreich. Durch die violette Farbe findet man die Hülsen bei der Ernte leicht.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen. Leider verliert sich beim Kochen die violette Hülsenfarbe, auf dem Teller erscheint sie dann im üblichen Grün. Trotzdem sind die Bohnen sehr schmackhaft.
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Borlotto
Syn. Lingua di fuoco
‘Borlotto’ ist eine Züchtung von Samen Mauser in Winterthur. Sie entspricht der alten bekannten italienischen Auskernbohne. ‘Borlotto’ ist ähnlich der ‘ZEFA Borlotti’, kann aber nur als Trockenspeisebohne verwendet werden, da ihre Hülsen fädig sind.
Merkmale Leicht gekrümmte, fädige Hülsen, im Querschnitt flach bis oval. Hülsen zuerst rot-grün, dann rot-gelb verfärbend und gesprickelt. Blüte rosa. Oval-rundes, beiges Korn mit violetten Sprenkeln und Streifen.
Verwendung Als Trockenspeisebohne.
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Burro Butterbohne
Syn. Dangio, Von Prugiasco
Eine Hausgärtnerin aus Oberentfelden im Kanton Aargau überreichte 1991 ProSpecieRara einige Samen zur Erhaltung dieser feinen und schmackhaften Sorte. Ursprünglich soll diese Stangenbohne aus Italien kommen. Bei ProSpecieRara gibt es zwei weitere, sehr ähnliche Hausgartensorten: ‘Dangio’ mit etwas grösseren Kernen aus dem Bleniotal, Tessin, und ‘Von Prugiasco’, die sehr spät ausreift. Sie alle gleichen auch der ‘Schmalzkönigin’, die 1917 bis 1990 im Schweizer Samenhandel war.
Merkmale Üppige und hochwachsende Pflanze mit vielen, eher kleineren Blättern. Die Hülsen sind zwischen 8 und 12 cm lang, grün und im Querschnitt oval-rund, fadenlos, bleiben lange zart – eine typische Schmalzbohne mit gutem, leicht süsslichem Geschmack. Blüte rosa. Beigebraunes, rund-ovales Korn mit streifenförmig dunkelbrauner Musterung. Mittelspät reifend.
Anbau Nicht anfällig für Krankheiten und schwarze Läuse. Samen brauchen lange zum Ausreifen.
Verwendung Sowohl als grünreife Hülsen/Fisolen als auch als Trockenbohne.
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Bussola
Das Bleniotal ist ein uriges Schweizer Südalpental. Die Stangenbohne ‘Bussola’ wurde hier von einer Familie aus dem Dörfchen Dangio über Jahrzehnte angebaut.
Merkmale Grüne, breite und flache, leicht gekrümmte und fädige Hülsen, in denen sich die Kerne schon früh abzeichnen. Rosa Blüten. Rund-ovales hellbraunes Korn mit rotbraunem Ring um den Nabel. Mittelhoch bis hochwachsende Pflanze. Mittelspät reifend.
Anbau Alpine Sorte, robust.
Verwendung Auskernbohne. Genutzt werden die reifen Samen.
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Cherokee Trail of tears
Ihr Hülsenfarbe ist so wunderschön, wie die Geschichte ihrer Herkunft traurig ist: Es wird erzählt, dass diese Stangenbohne vom Stamm der Cherokee-Indianer angebaut wurde. Als sie im Oktober 1838 von den Siedlern aus ihrer Heimat, den Smokie Mountains, vertrieben wurden, nahmen sie diese Bohne mit auf ihren Zwangsmarsch. Im März 1839 erreichten sie die Reservate in Oklahoma. Es war ein Weg, der 4000 Gräber und viel Leid und Tränen hinterliess und der als ‘Trail of Tears’ in die Geschichte einging.
Merkmale Weinrote, lange, fädige Hülsen mit rund-ovalem Querschnitt. Rosa Blüten. Glänzend schwarzes, ovales Korn. Pflanze mit wenig Laub.
Anbau Robust und resistent gegen allerlei Krankheiten und Schädlinge. Guter Behang für eine reiche Ernte.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen haben sie ein reales Bohnenaroma, das moderne Bohnensorten oft vermissen lassen. Die Hülsen müssen dafür jung geerntet, gefädelt und gekocht werden. Sie sind auch zum Tiefkühlen geeignet. Reif geerntet sind die schwarzen Kerne gute Suppenbohnen.
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Chriesistei Boniswil
‘Chriesistei’-Bohnen waren in der Schweizer Region Aargau einst weit verbreitet, und viele Familien hüteten ihre eigenen Selektionen, die sich rein äusserlich nicht wesentlich voneinander unterschieden. Mit Sicherheit sind sie aber über die Jahrzehnte an die in den jeweiligen Gärten kleinräumlich herrschenden Umweltbedingungen angepasst worden. Deshalb werden verschiedene Herkünfte hier einzeln vorgestellt. Der Name ‘Chriesistei’ deutet übrigens auf ihre typischen Samen hin: Rundlich und dunkelweinrot, ähnlich einem Kirschenstein. ‘Chriesistei Boniswil’ bekam ProSpecieRara 2003 von einer Hausgärtnerin aus Boniswil im Kanton Aargau. Sie hat die Bohnen von ihrer Schwiegermutter aus Muri, ebenfalls Kanton Aargau, die diese wiederum von ihrer Mutter (geb. 1895) übernommen hat. Vermutlich hat diese die Bohnen, so wie es früher Brauch war, auch schon von ihrer Mutter (geb. 1864) erhalten.
Merkmale Grüne, kurze (8 cm), mittelstark gekrümmte, fadenlose Hülsen, im Querschnitt rund-oval. Blüte weiss. Rundliches, dunkelweinrotes Korn. Hochwachsend.
Anbau «Sie ist robust und gibt einen guten Ertrag bis zum Frost», meinte die Hausgärtnerin aus Boniswil.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen sind zart und fein.
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Chriesistei Dintikon
1990 schrieb eine Frau aus Wigoltingen im Kanton Thurgau an ProSpecieRara: «Vor mehr als fünfzehn Jahren fand mein Bruder auf dem Estrich unseres alten Elternhauses einige Bohnenkerne. Er steckte sie in einen Blumentopf, wo sie erstaunlicherweise gut keimten, daher in den Garten versetzt wurden und gut gediehen. Dann merkten wir, dass es die alte Bohnensorte war, die schon unsere Mutter hatte. Sicher ist die Sorte um die sechzig Jahre alt, solange ich mich erinnern kann, gab es diese Bohne auf dem Tisch. Über den Ursprung weiss ich nur so viel, dass die Sorte in meinem Heimatort in Dintikon im Aargau sehr bekannt und beliebt war. Hier in der Ostschweiz kennt sie niemand.»
Merkmale Grüne, kurze, etwa 8 cm lange, mittelstark gekrümmte, fadenlose Hülsen, im Querschnitt rund. Blüte weiss. Rundliches, dunkelweinrotes Korn. Hochwachsend und starklaubig.
Anbau Sehr robuste Sorte.
Verwendung Man kann die grünreifen Hülsen/Fisolen verwenden oder sie als Auskernbohne nehmen.
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Chriesistei Grosi Muri Boswil
Diese ‘Chriesistei’-Herkunft kam im Jahr 2000 aus Boswil im Kanton Aargau zu ProSpecieRara. Ein Hausgärtner hatte diese Bohne, die er von seiner Schwiegermutter erhielt, schon fünfzehn Jahre in seinem Garten angepflanzt. Seine Schwiegermutter hat sie ebenfalls schon fünfzig Jahre angepflanzt und wiederum von ihrer Schwiegermutter erhalten, die sie schon vierzig Jahre vorher anbaute.
Merkmale Grüne, kurze, etwa 8 cm lange, mittelstark bis stark gekrümmte, fadenlose Hülsen, im Querschnitt rund. Blüte weiss. Rundliches, dunkelweinrotes Korn. Hochwachsend und starklaubig.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen.
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Chriesistei Rote Bohne
‘Chriesistei Rote Bohne’ ist seit 1993 bei ProSpecieRara in Erhaltung. Sie ist eine ‘Chriesistei’-Herkunft aus Oberentfelden im Kanton Aargau.
Merkmale Grüne, kurze, etwa 8 cm lange, stark gekrümmte, fadenlose Hülsen, im Querschnitt oval-rund. Rundliches, dunkelweinrotes Korn. Hochwachsend und starklaubig.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen.
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Chriesistei Wehntaler
«Ich hoffe, dass diese Sorte erhalten werden kann, da wir schon 75 Jahre alt sind und unsere Kinder nicht mehr gärtnern», schrieb ein Mann aus dem zürcherischen Schönenberg 2008 an ProSpecieRara und legte dem Brief einige Bohnenkerne bei. Die Urgrossmutter seiner Frau wuchs im Wehntal auf, das zwar noch zum Kanton Zürich gehört, aber westlich an den Aargau grenzt. Diese Urgrossmutter heiratete etwa 1880 und nahm die ‘Chriesistei-Bohnen’ als Teil ihrer Aussteuer mit ins zürcherische Hütten. Seit dieser Zeit wurde von allen nachfolgenden Generationen jedes Jahr Saatgut genommen.
Merkmale Grüne, kurze, etwa 8 cm lange, mittelstark gekrümmte, fadenlose Hülsen, im Querschnitt oval-rund. Blüte weiss. Rundliches, dunkelweinrotes Korn. Hochwachsend. Etwas später reifend als andere ‘Chriesistei’-Herkünfte.
Anbau Die Bohne ist ertragreich und bei der Anzucht sehr resistent gegen Nässe und Kälte.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen.
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Chrigler
Syn. Brienzer Krugler, Marteli
Ein beliebtes traditionelles Wintergericht aus Brienz im Berner Oberland war «Chrigler mit Birnenschnitz, Speck und Wurst». Man kochte dabei die trockenen Bohnenkerne so lange, bis sie weich und saftig wurden. Familien aus Brienz nennen ihre Bohnen ‘Chrigler’. Samen Mauser vertrieb ab den 1950er- bis in die 1990er-Jahre eine sehr ähnliche Sorte unter dem Namen ‘Marteli’. Es handelt sich um eine typische Schmalzbohne.
Merkmale Grüne, leicht gekrümmte Hülsen mit roten Sprenkeln, etwa 10 cm lang, im Querschnitt rund-oval. Junge Hülsen sind fadenlos. Während der Reife zeichnen sich die Kerne schon ziemlich früh an der Hülse ab. Blüten weiss (im Gegensatz zur Sorte ‘Chrügler’). Beiges rundes Korn mit violetten Flecken und Streifen. Mittelfrüh reifend.
Anbau Auch für etwas rauere Standorte geeignet. Ertragreich und robust.
Verwendung Die Kerne werden beim Kochen weiss, eignen sich aber hervorragend als Winternahrungsmittel aus dem Garten. Junge Hülsen können auch als grünreife Hülsen/Fisolen gekocht werden.
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Chrügler
‘Chrügler’ ähnelt der vorher beschriebenen Sorte ‘Chrigler’ nicht nur im Namen sehr: Beides sind Schmalzbohnen, die Hülsen und Kerne sind in etwa identisch, doch die Blütenfarbe unterscheidet sich: ‘Chrügler’ hat rosa Blüten, wohingegen ‘Chrigler’ weiss blüht. ‘Chrügler’ kommt aus der Nachbarschaft von Brienz, aus dem bernischen Oberried.
Merkmale Grüne, leicht gekrümmte, fadenlose Hülsen mit roten Sprenkeln. Rundovaler Querschnitt. Rosa Blüten. Beiges Korn mit violetter Zeichnung.
Verwendung In erster Linie wird sie als Suppenbohne verwendet. Wenn sie jung geerntet werden, gelten die grünen Bohnen als eine besondere Delikatesse.
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Cornetti Viola Trionfo
Vermutlich ist ‘Cornetti Viola Trionfo’ eine Form von ‘Trionfo Violetto’, einer alten, in Italien sehr populären Sorte. Seit 1989 kam sie von Suffolk Herbs in Grossbritannien ins Sortenarchiv von Arche Noah.
Merkmale Hülsen schlank, dunkelviolett und fadenlos, im Querschnitt rundlich. Stängel und Blattnerven sind violett gefärbt bzw. überlaufen. Schöne lila Blüten. Korn grau. Reife mittelspät, kurz nach ‘Dasinger Blaue’.
Anbau Stangenbohne mit starker Verzweigung an der Basis. Lange Erntezeit. Eine der ertragreichsten violetten Fisolensorten (Bohnen für den Frischkonsum).
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen als Beilage und als Salat. Die Hülsen sind nach dem Kochen grün, fest, knackig und haben einen guten Geschmack.
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Dasinger Blaue
‘Dasinger Blaue’ ist seit 1997 im Archiv der Arche Noah. Der Vater der Spenderin der Sorte baute diese Sorte schon lange in seinem Garten in Dasing nahe Augsburg an.
Merkmale Hülsen dunkelviolett und fadenlos, im Querschnitt rundlich. Stängel und Blattnerven violett gefärbt bzw. überlaufen. Blüten lila. Korn klein und hellbeige. Stangenbohne mit sehr schlankem Wuchs und mittlerer Wüchsigkeit. Reifezeit mittel.
Anbau Lässt sich lange im Herbst beernten, guter Ertrag.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen sind angenehm knackig, mit gutem Geschmack. Färben sich beim Erhitzen grünlich.
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Dell’Aquila
Aus dem norditalienischen Coggiola kam 2001 diese Stangenbohne zu ProSpecie Rara. Es handelt sich hier um die originale, in alten Sortenkatalogen erwähnte ‘Dell’Aquila’, die höchstwahrscheinlich identisch mit der sagenumrankten ‘Monstranzbohne’ ist. ‘Dell’Aquila’ (dt. Adlerbohne) wurde beispielsweise 1900 im Katalog der Mailänder Firma Fratelli Ingegnoli angeboten. Ihr Name deutet auf die flügelartige Zeichnung um den Nabel der Bohnenkerne hin.
Merkmale Eher kurze (10 bis 12 cm lange), grüne, leicht gekrümmte und fadenlose Hülsen, im Querschnitt flachoval. Lila-weissliche Blüten. Korn weiss mit dunkler Zeichnung um den Nabel. Dichtlaubige Pflanzen. Mittelspät reifend.
Anbau Mittlere Ertragsstärke.
Verwendung Wurde vorwiegend als Trockenspeisebohne verwendet.
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Fasöi Grisoni
Die ‘Fasöi Grisoni’ kommen aus Südbünden, genauer aus Cologna im Puschlav, und wurden dort über Jahrzehnte angebaut. ‘Fasöi’ heisst im italienischen Dialekt einfach «Bohne». Es ist nicht bekannt, ob der Name ‘Grisoni’ etwas mit Graubünden zu tun hat oder allenfalls auf die sehr alte Sorte ‘Grandson’ verweist.
Merkmale Grüne, fadenlose, 8 bis 10 cm lange Hülsen mit violetten Sprenkeln, im Querschnitt oval. Blüte rosa. Rundes, beiges Korn mit schwarzen, feinen Flecken und Streifen. Hochwachsende Pflanze. Mittelfrüh reifend.
Anbau Guter Ertrag. In Poschiavo auf 1000 m ü. M. werden die Kerne Anfang Juni gesät. Man sagt, die Bohne dürfe die Maisonne nicht sehen. An höhere Anbaulagen angepasst.
Verwendung Die grünreifen Hülsen/Fisolen werden zusammen mit Braten im Römertopf gekocht oder traditionell mit Pizzoccheri gegessen.
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Frühe Wädenswiler
‘Frühe Wädenswiler’ ist eine der sehr raren Schweizer Züchtungen von Gartenbohnen. Dr. F. Kobel von der Forschungsanstalt Wädenswil kreuzte die Stangenbohne ‘Juli Selektion Wädenswil’ mit der Buschbohne ‘Genfer Markt’, um eine ebenfalls früh blühende Stangenbohnensorte mit den Qualitäten der Buschbohne (fadenlos und gute Bohnenqualität) zu lancieren. 1951 wurde die ‘Frühe Wädenswiler’ erstmals in grösserem Umfang angebaut. Heute wird sie noch von Sativa Rheinau als biologisches Saatgut angeboten.
Merkmale Zarte, fadenlose, mittellange, grüne Hülsen, im Querschnitt rund. Blüte weiss. Korn weiss und länglich. Früh reifend. Schwachlaubig mit gutem Behang.
Anbau Schwachlaubig, einfach zu ernten mit gutem Behang.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen. Für Frischkonsum, zum Dörren und Einfrieren geeignet.
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Gasser
Eine Hausgartensorte aus Schaan in Liechtenstein.
Merkmale Fadenlose, hellgrüne Hülsen mit ovalem Querschnitt. In der Reife werden die Hülsen wunderschön leuchtend rosa gescheckt. Zweifarbige Blüten: Schiffchen und Flügel sind weiss, die Fahne ist sanft hellviolett bis lila gefärbt. Kerne sind mittelbraun mit dunkelbraunen Sprenkeln. Pflanzen ranken sehr hoch.
Anbau Robuste und sehr gesunde Sorte.
Verwendung Junge, grünreife Hülsen/Fisolen oder die trockenen Kerne als Suppenbohnen.
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Gelbes Posthörnli
Syn. Posthörnchen
‘Gelbes Posthörnli’ und ‘Grünes Posthörnli’ mit stark sichelförmig gebogenen Hülsen, ähnlich einem alten Posthorn, erfreuten sich in der Schweiz grosser Beliebtheit. Vermutlich sind sie österreichischen Ursprungs. Dieser Sortentyp heisst dort auch ‘Sechserkipfler’ oder ‘Kipflerbohne’. ‘Gelbes Posthörnli’ wurde 1919 erstmals erwähnt und ist bis heute noch vielen bekannt. In den 1940er-Jahren wurde sie an der Schweizer Forschungsanstalt Wädenswil züchterisch verbessert.
Merkmale Hellgelbe, sehr stark gekrümmte, kurze Hülsen, an denen sich die Samen sehr rasch abzeichnen. Blüte lila. Korn walzenförmig, rotviolett mit beigen Sprenkeln, brauner Ring um den Nabel. Starklaubige Pflanzen. Spät reifend.
Anbau Langsam wachsend.
Verwendung Die grünreifen Hülsen werden in relativ jungem Zustand geerntet und als Frischbohnen/Fisolen zubereitet. Auch zum Einmachen geeignet.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz, Arche Noah

Grah Kukuruzar Biseli
Diese Lokalsorte wurde 1996 in Kroatien im Rahmen einer Sammelreise von Bewohnern der Ortschaft Požega zur Sortenerhaltung an Arche Noah übergeben. Sie ist in diesem Gebiet seit den 1930er-Jahren im Anbau. Ihr Name nimmt Bezug auf die Anbaumöglichkeit mit Mais (Kukuruz = Mais).
Merkmale Hülse mittelgross, grün, ohne farbige Zeichnung, im Querschnitt birnenförmig. Korn weiss, mittelgross, nierenförmig, flach. Blüte weiss.
Anbau Für den Mischanbau mit Mais geeignet.
Verwendung Sehr wohlschmeckende Trockenbohne.
Erhältlich über Arche Noah

Graueli
Ihr typisch schweizerischer Name trügt: ‘Graueli’ stammt aus der Steiermark und aus Slowenien, ihr ursprünglicher Name aber ging auf dem Weg in die Schweiz verloren. Ihr aussergewöhnliches mausgraues Korn gab ihr ihren heutigen Namen.
Merkmale Grüne, leicht gekrümmte, 12 bis 15 cm lange Hülsen, im Querschnitt flach. Jung ist sie fadenlos. Blüte rosa. Grau bis olivfarbenes, ovales Korn. Hochwachsende Pflanze.
Verwendung Jung als grünreife Hülsen/Fisolen. Aber auch als Auskernbohne, kurz im Dampfkochtopf gegart, haben die Kerne einen hervorragenden Geschmack.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Grünes Posthörnli
Syn. Luzerner Marktbohne, Beurre Kugeli, Kaffeebohne
‘Grünes Posthörnli’ ist das Pendant zu ‘Gelbes Posthörnli’ und gehört zum Sortentyp, den man in Österreich ‘Kipfler’ nennt. ‘Grünes Posthörnli’ wird von Kobel 1941 erwähnt und wurde damals von Samen Vatter unter dem Synonym ‘Luzerner Marktbohne’ vertrieben. Ebenfalls sehr ähnlich, vielleicht sogar identisch, sind die Stangenbohnen ‘Beurre Kugeli’ aus der schweizerischen Genbank in Changins und die ‘Kaffeebohne’, eine Hausgartensorte aus dem aargauischen Walde, die etwas dunklere Samen hat. Die ‘Vaters Dicke Bohne’ ist wahrscheinlich eine lokale Selektion aus Grabs im Rheintal, die im Gegensatz zum ‘Grünen Posthörnli’, das bei ProSpecieRara und Sativa Rheinau erhalten wird und ursprünglich ebenfalls von dort stammt, in ihrer Ursprungsregion erhalten blieb.
Merkmale Hellgrüne, 10 cm kurze, stark gekrümmte und fadenlose Hülsen. Blüte blassrosa. Korn braun und oval-rund. Starklaubige, hochrankende Pflanze. Spät reifend.
Anbau Langsam wachsend.
Verwendung Späte fadenlose Hülsen, die man ausreifen lässt, bis sie fast gelb und ganz dick sind. Sie werden nicht zäh, sind sehr knackig. Zum Einmachen geeignet.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Heilige gesegnete Bohne
Die ‘Heilige gesegnete Bohne’ ist eine Monstranzbohne (siehe ‘Monstranzbohne’), die sich aber sowohl bezüglich ihrer Hülsen als auch ihrer Reifezeit von vielen anderen Herkünften unterscheidet. 1992 übergab sie ein Gärtner aus dem sankt gallischen Gams ProSpecieRara. Er bekam einige Samen von einer alten Frau, die die ‘Heilige gesegnete Bohne’ schon lange pflanzte.
Merkmale Grüne, 10 bis 15 cm lange, leicht gekrümmte, fadenlose Hülsen, im Querschnitt rund-oval. Blüte rosa. Korn weiss mit feiner brauner Monstranz-ähnlicher Zeichnung um den Nabel. Viel früher reifend als andere Monstranzbohnen.
Verwendung Das spezielle Korn wurde meist als Trockenbohne verwendet. Die grünreifen fadenlosen Hülsen/Fisolen eignen sich aber auch als Gemüse.
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Herrenböhnli
Syn. Œil de Perdrix, Chugelibohne
Diese Sorte ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts sowohl in der Deutschschweiz, nachweislich in Steinach und Mellikon, als auch in der südlich von Genf gelegenen HauteSavoie bekannt. Es könnte sich um eine alte verbreitete Sorte handeln, deren ursprünglicher Name mit der Zeit verloren ging. ‘Herrenböhnli’, ‘Œil de Perdrix’ und ‘Chuglibohne» sind lokale Namen, die man ihr gab.
Merkmale Sehr kurze, etwa 5 cm lange, grüne Hülsen ohne Fäden, im Querschnitt rund. Die Kerne zeichnen sich beim Reifen früh ab. Weisse Blüten. Runde, kleine, beige Samen mit einem Hauch von Violett. Mittelhoch wachsend. Kleinblättrig.
Anbau Die Pflanzen haben einen guten Behang, aber angesichts der sehr kurzen Hülsen fällt die Erntemenge eher gering aus.
Verwendung Nutzung als grünreife Hülsen/Fisolen, gute zarte Salatbohne. Aus der Haute-Savoie ist überliefert, dass auch die ungedroschenen ausgereiften Hülsen als Ganzes zubereitet wurden: Dafür weichte man die Hülsen einige Stunden ein, um sie danach im Salzwasser zu kochen.
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Hottwil
Diese Hausgartensorte stammt aus dem aargauischen Hottwil, im schönen Mettauertal in der Nähe von Frick. Bereits im 19. Jahrhundert wurde sie nachweislich von einer Grossmutter aus dem Dorf angebaut. Ihre Enkelin hütete dieses Familienerbe ab den 1970er-Jahren im zürcherischen Hinwil. Stolz preist sie ihre Stangenbohne: «Die Bohnen schmecken herrlich und sind recht robust.»
Merkmale Stark gekrümmte, etwa 10 cm lange, grüne Hülsen mit violetten Sprenkeln, im Querschnitt flachoval. Fadenlos. Rosa Blüten. Schönes, rundes, beiges Korn, mit violetten Flecken und Streifen.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen.
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Ingrid
Diese Lokalsorte aus dem Schweizer Rheintal hat ihren Namen von der Gärtnerin, aus deren Familie diese Bohne stammt. Schon Ingrids Grosseltern bauten diese Bohne in Diepoldsau/Giessen an. Ihre Familie wanderte vor dem Ersten Weltkrieg nach Frankreich aus. Wieder zurück in der Schweiz war die Familie total verarmt, hatte aber diese Bohnen mit dabei. Seither hütete man dieses wertvolle Gut in der Familie.
Merkmale Grüne, etwa 15 cm lange, feine, zarte und fadenlose Hülsen mit rundovalem Querschnitt. Blüten weiss. Weisses, kleines, nierenförmiges und flaches Korn. Pflanze mit gutem Behang und eher wenig Laub.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen.
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Julibohne
Syn. Precoce de Juillet
Sie war schon um 1900 bekannt. Eine Selektion der ‘Julibohne’ von der Forschungsanstalt Wädenswil wurde dann Vorläufer der späteren Wädenswiler Züchtung ‘Frühe Wädenswiler’. Die Herkunft von ProSpecieRara kommt aus der schweizerischen Genbank in Changins.
Merkmale Grüne, etwa 15 cm lange, gekrümmte Hülsen, im Querschnitt rund. Junge Hülsen sind fadenlos, später werden sie schnell fädig. Blüte weiss. Kleines, weisses nierenförmiges Korn. Die Sorte ist wüchsig und frühreif.
Verwendung Julibohnen wurden als Markt- und Konservenbohnen, wohl meist in Form von Trockenbohnen gehandelt.
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Kaiser Friedrich
‘Kaiser Friedrich’ gilt als alte deutsche Sorte. Die dunklen violettblauen Samen und die karminroten reifenden Hülsen machen diese Stangenbohne aussergewöhnlich. Ob es sich um die alte Sorte ‘Wachs Berner Butter’ handelt, wie in Dr. F. Kobel 1941 angegeben, ist zweifelhaft. Sie entspricht wohl eher der sehr alten ‘Wachs Mont d’Or’, die nach Vilmorin 1904 in der Gegend von Lyon entdeckt und ab 1882 bis 1956 in der Schweiz gehandelt wurde. Ob sie dann in Deutschland einfach in ‘Kaiser Friedrich’ umgetauft wurde oder ob sie zuerst weiter verbessert und dann unter dem Namen ‘Kaiser Friedrich’ auf den Markt kam, ist nicht mehr nachvollziehbar.
Merkmale Breite, relativ dicke, fadenlose Hülsen, bis 20 cm lang, die hellgelb im Schatten, am Licht aber rot überzogen bis ganz rot werden. Lila Blüten. Hoher Wuchs, bis 3 m. Eher späte Sorte.
Anbau Robust.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen. Nicht zu lange kochen, sonst werden sie weich. Leider verblasst die rote Farbe beim Kochen, und die Hülsen werden gelblich. Guter Geschmack. Nicht geeignet zum Tiefkühlen. Wenn die Farbe nicht stört, auch als Dörrbohne geeignet.
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Kapitän Weddingen
Syn. Präsident Roosevelt, Bürgers fadenlose Riesen
‘Kapitän Weddingen’ kam 1900 unter ihrem ersten Namen ‘Bürgers fadenlose Riesen’ auf den Markt. In der Schweiz war sie bis 1990 im Handel. Kampe schreibt 1955: «Die besonderen Qualitätseigenschaften der Hülsen, verbunden mit der Fadenlosigkeit, haben zur grossen Verbreitung der Sorte beigetragen. Sie ist von den fadenlosen Stangenbohnen noch die meist angebaute Sorte und wird vom Frischmarkt wie von der Industrie gerne aufgenommen.» ‘Kapitän Weddingen’ ist der Vater der Sorte ‘Neckarsegen’ (Kreuzung mit polnischer Landsorte) und der späteren ‘Neckarkönigin’, die seit 1956 bis heute eine der beliebtesten Stangenbohnensorten ist. Die Sorte steht auf der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen in Deutschland (2010) mit regionaler Bedeutung in Sachsen Anhalt.
Merkmale Grüne, länger als 20 cm, fadenlose Hülsen mit rundem Querschnitt. Weisse Blüten. Weisses, walzenförmiges Korn. Mittelfrüh reifend.
Anbau Ertragreich. Für wärmere Lagen geeignet.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen gekocht oder als Dörrbohne.
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Kärntner Butter
‘Kärntner Butter’ wurde von der Firma Samen Keuschnigg in Klagenfurt vertrieben. Sie ist seit 1995 im Archiv der Arche Noah.
Merkmale Hülsen gelb, gekrümmt und ohne Fäden, im Querschnitt flach, bis 18 mm breit und 24 cm lang. Korn relativ klein und weiss. Blüten weiss. Früh reifend.
Anbau Schwach bis mittelstark wachsend, sehr rasch Blüten und Früchte ansetzend.
Verwendung Sehr zarte Konsistenz und intensiver Geschmack. Als grünreife Hülsen/Fisolen, in Kärnten auch «Strankalan» genannt, werden sie dort oft nach dem Blanchieren mit Semmelbröseln und Butter zubereitet («abgeschmelzt» oder «abgeschmalzen»).
Erhältlich über Arche Noah

Klapprotts Lila Schecke
Diese Schwertbohne stammt aus Siebenbürgen im heutigen Rumänien und ist von Aussiedlern Anfang der 1990er-Jahre nach Deutschland gebracht worden.
Merkmale Aussergewöhnliches, dunkelweinrot-weiss geschecktes, rund-ovales Korn. Sehr flache, breite, hellgelbe, fadenlose Hülsen, etwa 12 cm lang. Blüten weiss. Mittelspät bis spät reifend. Hochwachsende Pflanze, guter Behang.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen schmecken als Schnittbohnen sehr gut und sind butterweich. Die Kochzeit ist kürzer als bei anderen Bohnen. Die trockenen Kerne sind ebenfalls eine Besonderheit auf dem Teller.
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Klapprotts Tiefbraune
Diese Butterbohne stammt aus Nova Sedlice an der östlichsten Ecke der Slowakei gelegen, angrenzend an Polen und die Ukraine.
Merkmale Die gelben Hülsen haben einen ganz leichten rosa Schimmer. Sie sind breit, leicht gekrümmt, fädig und etwa 12 cm lang. Blüte rosa. Korn tiefbraun, lang und relativ gross.
Verwendung Trockenspeisebohne. Die ganz jungen Hülsen muss man vor dem Kochen abfädeln.
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Kleine Weisse
Diese Hausgartensorte vom Schellenberg in Liechtenstein hat dünne, lange, weisse Kerne, die man da, wo sie herkommt, immer als Suppenbohne verwendet hat. Die jungen Hülsen sind aber nur wenig fädig und können nach dem entsprechenden Rüsten auch als Grünbohnen (Fisolen) gegessen werden.
Merkmale Längere, flache grüne Hülsen mit wenig Fäden. Weisse Blüten.
Anbau Wächst mittelhoch, ist gesund und robust.
Verwendung Als Trockenbohnen oder als grünreife Hülsen/Fisolen.
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Klosterfrauen
Die ‘Klosterfrauen’ haben aussergewöhnlich dekorative, zweifarbige Samen. Diese Bohne wurde in der Schweiz nachweislich zwischen 1912 und 1957 gehandelt. Erstmals beschrieben ist sie aber schon 1898 bei Gustave Heuzé in «Les Plantes Légumières Cultivées en Plein Champ». Sie sieht der englischen Sorte ‘Pea Bean’ sehr ähnlich, vielleicht stammt sie auch von dieser ab.
Merkmale Grüne, kürzere, fadenlose Hülsen, im Querschnitt flach-oval. Blüte weiss. Korn oval, halb weiss, halb braun. Starkwüchsige Pflanze. Eher später reif.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen als Gemüse oder ausgereifte Samen als Trockenspeisebohnen.
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Mäuchbohne
Syn. Schnägglibohne, Nebelbohne
«Solange ich mich besinnen kann, haben meine Mutter und Grossmutter – ich bin Jahrgang 1931 – diese Sorte gepflanzt. Es ist noch heute unsere Lieblingssorte», schreibt eine alte Hausgärtnerin aus dem bernischen Leuzigen. Die ‘Mäuchbohne’ war im Kanton Luzern, im Emmental und im Berner Mittelland um die Jahrhundertwende (19./20. Jahrhundert) bekannt und verbreitet.
Merkmale Grüne, stark gekrümmte Hülsen von etwa 10 cm Länge. Beim Ausreifen zeigen sich violette Sprenkel. Die Hülsen sind fadenlos und im Querschnitt oval. Rosa Blüten. Beiges Korn mit schwarzen Streifen und Flecken. Hochwachsend. Spät reifend.
Anbau Robuste Sorte mit gutem Ertrag. Ein weiterer Name der ‘Mäuchbohne’ ist ‘Nebelbohne’. Er rührt wohl daher, dass die Hülsen erst wachsen, wenn der Nebel im Herbst kommt.
Verwendung Sowohl als grünreife Hülsen/Fisolen als auch als Trockenbohnen. Die oben erwähnte Gärtnerin empfiehlt: «Gekocht sind die grünen Bohnen am besten, wenn ein Stück Speck darauf gelegt wird. Dazu sind Apfelschnitzli sehr gut.»
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Mombacher Speck
Eine Stangenbohnensorte, die von den späten 1930er- bis in die späten 1980er-Jahre gehandelt wurde. Sie ähnelt der Sorte ‘Phänomen’, aus der sie wohl 1928 durch Mutation entstand. Kampe meint 1955 zu ‘Mombacher Speck’: «Durch sichere Ertragsfähigkeit, verbunden mit gesundem Wuchs und guter Qualität, hat die Sorte besondere Bedeutung und grösste Verbreitung erlangt.»
Merkmale Grüne, fleischige, leicht gekrümmte Hülsen, im Querschnitt flach. Junge Hülsen sind fadenlos, ältere Hülsen haben Fäden. Korn weiss und nierenförmig. Hochwachsend. Früh reifend.
Anbau Hat ihre ursprüngliche Robustheit etwas verloren.
Verwendung Gegessen werden vornehmlich die gefädelten Hülsen im grünen Zustand oder die noch fadenlosen, sehr jungen Hülsen. Eine Anbauerin meint: «Sie sind fleischig und eher knackig mit sehr feinem, mildem Geschmack und nicht mehlig.»
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Monstranzbohne
Eine Monstranz (von lat. monstrare, «zeigen») nennt man in der katholischen Kirche ein kostbares liturgisches Schaugerät mit einem Fensterbereich, in dem eine geweihte Hostie zur Anbetung feierlich ausgestellt wird. Das Korn der ‘Monstranzbohne’ hat eine Monstranz-ähnliche Zeichnung. Um die ‘Monstranzbohne’ ranken sich viele Legenden und Geschichten. Eine besagt, dass die Monstranz auf den Bohnen erschien, nachdem der Priester bei einem Flurumgang mit dem Allerheiligsten an den Bohnen vorbeiging. Oft wurden aus den trockenen Kernen Rosenkränze angefertigt. Es gibt aus dem ganzen deutschsprachigen Raum viele Herkünfte dieser alten Bohne, die vermutlich alle auf die Sorte ‘Dell’ Aquila’ zurückgehen.
Merkmale Grüne, leicht gekrümmte, kurze, fadenlose Hülsen mit ovalem Querschnitt. Weisse Blüten. Ovales, weisses Korn mit brauner Zeichnung um den Nabel, wobei sich die «Flügel» bei einigen Herkünften deutlich vom Ring um den Nabel abheben (so wie hier im Bild), bei anderen Herkünften sind es eher verschwommene Flecken um den Nabel (siehe Samenbild ‘Dell’Aquila’). Hochwachsend. Spät reifend.
Verwendung Das spezielle Korn wurde meist als Trockenbohne verwendet. Die grünreifen Hülsen/Fisolen eignen sich aber auch als Gemüse oder zum Einfrieren.
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Muttelibohne
Syn. Grandson, Herzbohne
Die ‘Muttelibohne’ stammt aus Attelwil im Kanton Aargau. Ihr Name soll aufgrund ihrer eher kleinen und kompakten Kerne entstanden sein. Höchstwahrscheinlich entspricht sie der Sorte ‘Grandson’, auch ‘Herzbohne’ genannt. Diese Westschweizer Sorte war vor allem in der Region Bern verbreitet und wurde während gut dreissig Jahren bis Ende des Zweiten Weltkrieges gehandelt, bevor sie vom Markt verschwand.
Merkmale Grüne, gekrümmte, etwa 10 cm lange Hülsen mit einigen violetten Sprenkeln, im Querschnitt rund-oval. Fadenlos. Blüten rosa. Korn hat beige Grundfarbe und dunkelviolette Musterung. Pflanze rankt hoch. Mittelspät reifend.
Anbau Qualitativ gute, unter Mittellandbedingungen sehr robuste und ertragreiche Sorte. Die Belaubung ist dicht, was die Ernte der Hülsen etwas erschwert.
Verwendung Hauptsächlich als grünreife Hülsen/Fisolen, traditionell als «Speck und Bohnen»-Gericht.
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Bunte Blüten von Stangenbohnen: ‘Trockenbohne Mikulic’ (links) und die in Liechtenstein erhaltene Hausgartensorte ‘Gasser’ (rechts).

Neckarkönigin
Sie ist immer noch die verbreitetste Freiland-Stangenbohnensorte schlechthin. Allzu rar ist sie (noch) nicht, doch muss berücksichtigt werden, dass der Anbau von Stangenbohnen im intensiven Gemüseanbau heute kein Thema mehr ist, da die Ernte von Hand zu aufwendig ist. Deshalb ist die ‘Neckarkönigin’ vor allem noch in Hausgärten und als Gärtnersorte verbreitet. Sie wurde in den 1950er-Jahren von der Firma Hild im deutschen Marbach am Neckar gezüchtet. Dabei wurden neben Zuchtsorten auch zwei Landsorten eingekreuzt: Aus ‘Kapitän Weddingen’ und einer polnischen Landsorte entstand vorerst die Sorte ‘Neckarsegen’. Diese wiederum wurde mit einer Gärtnersorte aus dem Rheinland gekreuzt und daraus entstand dann die ‘Neckarkönigin’.
Merkmale Grüne, fadenlose und sehr lange Hülsen, im Querschnitt rund. Blüte weiss. Korn weiss und nierenförmig. Stark wachsende Pflanze. Mittelspät reifend.
Anbau Die ‘Neckarkönigin’ verbindet in idealer Weise die Eigenschaften Robustheit und Ertrag. Für den Freilandanbau geeignet.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen sind äusserst zart. Zum Einfrieren geeignet.
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Pea Bean
1597 ist in «The Herball or Generall Historie of Plantes» eine Bohnenpflanze mit ihren Samen abgebildet, die der ‘Pea Bean’ sehr ähnlich sieht. Sie ist beschriftet als «Phaseolus Aegytiacus. The partly coloured Kidney Beane of Egypt» (dt. «die halb farbene Gartenbohne aus Ägypten»). Nach Eleanour Sinclair Rohde in «Vegetable cultivation and cookery» (London, 1938) soll dies eine der schmackhaftesten Bohnen sein. 1982 kam die Sorte von der Henry Doubleday Research Association im britischen Coventry zu ProSpecieRara.
Merkmale Kurze, grüne, fadenlose Hülsen mit meist nicht mehr als 4 Samen, im Querschnitt flach. Blüte weiss bis blassrosa. Korn rundlich, halb weiss, halb dunkelpurpur. Stark verzweigter Wuchs. Wuchshöhe bis 2,5 m. Früh reifend.
Verwendung Wegen ihrer dekorativen Samen hauptsächlich als Trockenspeisebohne. Aber auch grünreife Hülsen/Fisolen.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Pfefferbohne
Sie ist eine sehr beliebte Stangenbohne aus der Region Eichstetten am Kaiserstuhl.
Merkmale Grüne breite und fadenlose Hülsen. Korn oval-rund, halb weiss, halb braun mit dunkelbraunem Rand um den weissen Nabel.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen. Ist schon nach kurzer Kochzeit lind.
Erhältlich über ProSpecieRara Deutschland

Phänomen
Syn. Phénomène
‘Phänomen’ ist aus einer Kreuzung der ‘Verbesserten Rheinischen Speck’ und der ‘Zehnwochenbohne’ hervorgegangen. Sie wurde 1905 durch J.C. Schmidt im deutschen Erfurt in den Handel gebracht. In der Schweiz wurde sie 1912 lanciert. 1929 lobt sie Becker-Dillingen als «sehr ertragreich, sehr dickfleischig und gesund; gleich gut geeignet für den Markt wie für Konserven». In den 1950er-Jahren stuft sie Kampe dann aber als Sorte ein, die nicht mehr zu empfehlen sei.
Merkmale Grüne, sehr lange, fleischige und fädige Hülsen mit rund-ovalem Querschnitt. Weisse Blüten. Weisses Korn. Eher schwachlaubige Pflanze. Früh reifend.
Anbau Gilt als robust in rauen Lagen.
Verwendung Wird typischerweise als Trockenbohne genutzt. Junge Hülsen sind noch fadenlos und können auch als grünreife Hülsen/Fisolen gekocht, eingefroren oder gedörrt werden.
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Schmalzkönigin Herrliberg
Die Stangenbohne ‘Schmalzkönigin’ wurde von 1917 bis 1990 in verschiedenen Schweizer Samenkatalogen angeboten. ProSpecieRara hat eine Herkunft aus dem zürcherischen Herrliberg in Erhaltung, die dort über drei Generationen, vom Grossvater, Vater und Sohn im Anbau war.
Merkmale Grüne, leicht gekrümmte, kurze, fadenlose Hülsen, im Querschnitt flach. Rosa Blüten. Ovales mittelbraunes Korn mit dunkelbraunen Streifen und Flecken. Starklaubige Pflanze. Eher spät reifend.
Verwendung Sowohl als Auskernbohne zu verwenden wie auch zur Gewinnung der grünreifen Hülsen/Fisolen.
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Schnutzla
Diese alte Reiserbohne kam 1996 aus dem sankt gallischen Sevelen zu ProSpecieRara. Sie wurde bereits von der Grossmutter der Spenderin gepflanzt, die 1869 geboren war. Als im Rheintal noch Mais für die menschliche Ernährung angebaut wurde, liess man diese mässig hoch wachsende, sogenannte Reiserbohnen-Sorte an den Maisstängeln emporranken. Der Anbau entsprach dem der ‘Schwefelbohne’.
Merkmale Kurze hellgrüne Hülsen, zäh und fädig. Weisse Blüten. Mittelgrosse, weisse Kerne mit lebhafter, goldener und schwarzer Musterung um den Nabel. Spät reifend.
Anbau Rankt nur etwa 150 cm hoch. «Die Samen sollten beim Pflanzen nur leicht mit Erde bedeckt werden. Ein Sprichwort sagt, sie sollten das Betzeitläuten noch hören», erinnert sich ihre Spenderin.
Verwendung Trockenspeisebohne. Die spät reifenden Kerne wurden in den schwierigen 1930er- und 1940er-Jahren mit Fleisch, Erbsen und Gerste zu einer Suppe verkocht.
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Schöne von Richigen
Syn. Rychiger
1993 gelangte die ‘Schöne von Richigen’ aus Schwanden im Emmental mit einem Brief an ProSpecieRara: «Die Bohnensorte wurde vor etwa fünfzig Jahren nach einem schweren Hagelwetter, das die Bohnensaaten vernichtet hatte, in einem ‹Trögli› gefunden, als man nach noch vorhandenen Samen suchte. Eine Pflegetochter hatte sie vor mehreren Jahren aus Richigen bei Worb mitgebracht und wusste auch noch den Namen: ‘Schöne von Richigen’.»
Merkmale Grüne, kurze, fadenlose Hülsen, im Querschnitt flach. Blüte lila. Rundes schwarzes Korn. Starklaubige Pflanze.
Anbau Mässiger Ertrag.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen. Im oben erwähnten Brief wurde erklärt: «Kurze Kochzeit, sonst wird die Bohne ‹matschig›. Gut geeignet zum Dörren.»
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Schwefelbohne
Syn. Schwefelgelbe
Früher wurde die ‘Schwefelbohne’, eine Reiserbohne, üblicherweise in Mischkultur mit dem Rheintaler Ribelmais angebaut. Die Bohne rankte an den Maisstängeln empor, dafür bekam der Mais von den Wurzelknöllchen der Bohne Stickstoff. Diese Mischkultur kennt man auch aus anderen Regionen, wie der Steiermark oder aus Südamerika. Für die Ernährung ist die Kombination Mais und Bohne sehr wertvoll, da der Mais die notwendigen Kohlenhydrate liefert und die Bohnen das Eiweiss.
Merkmale Das Korn ist oval und schwefelgelb – daher auch ihr Name. Um den Nabel zeichnet sich ein brauner Ring ab. Die Hülsen sind etwa 10 cm lang, flach, mit Fäden. Die Blüten haben ein weisses Schiffchen und weisse Flügel, die Fahne ist helllila gefärbt. Mittelfrüh reifend.
Anbau Sie ist eine Reiserbohne und rankt nur bis 150 cm hoch.
Verwendung Als Trockenbohne. Traditionell wurden die ausgekernten Samen mit Fleisch, Gerste und Erbsen zu einer nahrhaften Suppe gekocht.
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Selma Star
Der Züchter P. Huber von der Schweizer Firma Samen Mauser in Dübendorf hat die ‘Berner Landfrauen’ in den 1970er-Jahren wegen starker Virusverseuchung bearbeitet. Aus der Einkreuzung mit vier damals schon virusresistenten Buschbohnen und anschliessenden Rückkreuzungen entstanden die Sorten ‘Selma Star’, ‘Selma Zebra’ sowie eine ‘Verbesserte Berner Landfrauen’. Im Jahr 2000 fielen die beiden SelmaSorten mangels Absatz aus dem Mauser-Sortiment. Selma ist die Abkürzung für ‘Selektion Mauser’.
Merkmale Grüne, leicht gekrümmte, fadenlose Hülsen, im Querschnitt rund, etwa 15 cm lang. Blüte weiss. Korn weiss, dünn und walzenförmig.
Anbau Ertragreich. Gut zu beernten, da sie nur wenig Laub hat.
Verwendung Die grünreifen Hülsen/Fisolen eignen sich zum Dörren und Tiefkühlen.
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Simmen
Da der Grossvater, der diese Sorte einst anbaute, Simmen hiess, taufte man diese Stangenbohne nach ihm. Er übergab dieses Familienerbe später seinem Sohn, der sie wiederum seinem Sohn weiter vererbte. ‘Simmen’ ist eine Hausgartensorte aus der Region Schwyz.
Merkmale Hellgrüne, fleischige, leicht violett angehauchte und leicht gekrümmte Hülsen von etwa 15 cm Länge, mit Fäden. Die Samen zeichnen sich sehr früh an der Hülse ab. Rosa Blüten. Schwarzes, flaches, nierenförmiges Korn. Nicht hoch rankende Pflanze, aber mit gutem Behang. Früh reifend.
Anbau Auch für höhere Lagen geeignet.
Verwendung Ganz junge Hülsen als grünreife Hülsen/Fisolen kochen, dann sind sie sehr schmackhaft, oder die Kerne als Trockenbohnen verwenden.
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St. Fiacre
Syn. Mangetout de Saint Fiacre
Die ‘Saint Fiacre’ stammt wohl vom gleichnamigen Ort, in der Nähe von Meaux und östlich von Paris. Vilmorin preist sie 1904 als absolut fadenlose und zarte, sehr empfehlenswerte Stangenbohne. Seine Beschreibung der Sorte ‘Mangetout de Saint Fiacre’ deckt sich weitgehend mit derjenigen, die Kobel 1941 von der in der Schweiz gehandelten ‘Grünhülsigen Saint Fiacre’ machte. Die bekannte Sorte ‘Weinländerin’ ging beim Volg (Verband Ostschweizer Landwirtschaftlicher Genossenschaften) 1956 als Spontanmutante aus der Sorte ‘Saint Fiacre’ hervor. Die ‘Saint Fiacre’ wurde vom Volg schon 1910 im Sortiment geführt. Samen Mauser handelte von 1917 bis 1962 damit.
Merkmale Lange, grüne, 12 bis 15 cm lange Hülsen, im Querschnitt flach-oval. Nur ganz junge Hülsen sind wirklich fadenlos. Blüte weiss. Korn nierenförmig und braun.
Verwendung Junge Hülsen als Frischbohnen/Fisolen.
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Tansania
Die Geschichte der ‘Tansania’ lässt sich gerade mal bis zum Restaurant Lindenwiese in Salem in der Ostschweiz zurückverfolgen, und dort endet jegliches Wissen über ihre Herkunft. Ob sie wirklich aus dem afrikanischen Land Tansania stammt? Jedenfalls ist diese Reiserbohne gut an das hiesige Klima angepasst.
Merkmale Relativ kurze, grüne, fadenlose Hülsen. Weisse Blüten. Wunderschönes hellviolettes, fein gesprenkeltes, oval bis rundliches Korn. Pflanze klettert 1,5 bis maximal 2 m hoch.
Anbau Reiserbohne, rankt nur bis etwa 150 cm hoch.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen sind sie zart und schmackhaft. Die violetten Kerne eignen sich zur Herstellung von schönen Schmuckgegenständen wie Halsketten usw.
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Von Menschen und Pflanzen
Annafried und Martin Widmer-Kessler
Das verschworene Häufchen
«Getroffen haben wir uns jeweils irgendwo in einem Hotel oder einem einsamen Bürogebäude. Man war schon glücklich, wenn man den Ort gefunden hatte», berichten Annafried und Martin aus früheren Zeiten, als man bei den Erntetreffen von ProSpecieRara noch persönlich vor Ort war, um die Samen, die es zu vermehren galt, in Empfang zu nehmen. Fünfzehn bis zwanzig unerschrockene und oft auch unerfahrene, aber willige Saatgutvermehrer kamen jeweils zusammen. Béla Bartha, der damals den Pflanzenbereich bei ProSpecieRara leitete und heute Geschäftsführer der Stiftung ist, stand dann in der Mitte mit seiner Schuhschachtel, aus der er Couverts mit Samen zog. Ein Tütchen enthielt die Stangenbohne ‘Klapprotts Lila Schecke’. Von den 24 Samen in Bélas Tütchen bekam Annafried 1991 deren zwölf, wovon sie sieben zu Hause pflanzte. Fünf Böhnchen behielt sie als Absicherung zurück, man wusste ja noch nichts Genaues über diese Sorten. «Die Bohnen sind zügig und gross gewachsen, mit wunderschönen gelben Hülsen. Seit diesem Zeitpunkt biete ich ‘Klapprotts Lila Schecke’ im Sortenfinder an», berichtet mir Annafried von der schicksalshaften ersten Bohnenbegegnung. Bei Martin hat es damals mit der Bohnensorte ‘Klapprotts Lila Sprenkel’ weniger gut geklappt: «Meine Bohnen sind fast nicht gewachsen. Von den zwei Hülsen, die ich am Schluss ernten konnte, gewann ich etwa gleich viele Samen, wie ich zu Beginn gesteckt hatte.» Ein wenig betrübt pflanzte er die Sorte trotzdem im Jahr darauf wieder an. «Als sie dann aber zweifarbig blühte, dachte ich mir: Fort mit dem Zeugs, jetzt sind die Bohnen ja schon verkreuzt. Erst Jahre später las ich dann im Internet, dass die Sorte ‘Lila Sprenkel’ zweifarbig blüht.» Schallend muss er über ihre anfänglichen Irrtümer lachen. «Du musst dir das mal vorstellen», meint Annafried wieder ernsthaft, «wir haben angefangen mit dem Vermehren, als es noch kein Internet gab. Auch das Kursangebot, das ProSpecieRara inzwischen aufgebaut hat, gab es damals noch nicht. Sehr viel Wissen zu den Sorten und ihrer Vermehrung, das frühere Generationen noch hatten, ist verloren gegangen. Wir mussten uns das wieder selber erarbeiten und vieles ausprobieren. Die paar wenigen kostbaren Samen hat man aufgeteilt und zu verschiedenen Zeiten ausgesät, um zu schauen, wann was wächst.» Und Martin doppelt lachend nach: «Zum Beispiel haben wir damals zum ersten Mal von Frostkeimern gehört.»
Nur mutig voran
«In den ersten zwei Jahren konnten wir von unseren Pflanzen noch gar nichts probieren, sondern haben einfach möglichst viel Saatgut produziert», meint Annafried rückblickend. «In den 1990erJahren wurde, analog der Kartoffel- und Tomatenexpertengruppe, eine Gemüseexpertengruppe gegründet», schmunzelt Martin.
«Die Gruppe hat sich dann aber bald wieder aufgelöst, da die detaillierten Beschreibungen von so unterschiedlichen Pflanzen viel zu aufwendig waren.» In einem Samenbaukurs bei der Gärtnerei Zollinger und diversen anderen Kursen haben sich die beiden weiteres Pflanzenwissen angeeignet. «Das Vermehren ist sicherlich der wichtigste Teil der Erhaltungsarbeit. Doch wenn man die Sorte einmal gesichert hat, finde ich es nötig, dass man die besonderen Eigenschaften einer Sorte durch Selektion festigt, da die Pflanzen die Tendenz haben zu degenerieren», gibt Annafried zu bedenken.
Ausprobieren und erfinderisch sein
So wurden die beiden immer mehr zu gefragten Gartenexperten bei ProSpecieRara. Neben den Bohnen pflanzten sie auf verschiedenen im Aargauer Reusstal verteilten Flächen Kartoffeln, Haferwurzel, Tomaten, Guten Heinrich und viele weitere Raritäten an. Mit zugekauften speziellen Gemüsearten aus der Region gingen sie auf Herbstmärkte oder an den Setzlingsmarkt in Wildegg. «Beim ersten Mal in Wildegg, das muss im Jahr 2002 gewesen sein, haben wir uns völlig verkalkuliert», berichtet Annafried. «Schon am Samstagvormittag musste ich Martin wieder nach Hause schicken, um zu Hause noch alle verfügbaren Pflanzen auszugraben.»
Und Martin lacht: «Die Leute haben uns einfach alles abgekauft, es war eine Freude.»
Die alten Kulturpflanzensorten sind äusserst faszinierend und können auch in der Küche geniale Geschmackserlebnisse auslösen. Annafried hat darum schon vor Jahren angefangen, einen ProSpecieRara-Schlemmerteller am Reutemarkt anzubieten. «Dreifarbige Kartoffelterrinen, Mohnkuchen oder Hummelschnitten mit Erdbeerspinat, ich war einfach experimentierfreudig», erzählt sie. «Man muss den Leuten ja auch Ideen geben, was man mit dem Gemüse anstellen kann.» In ihren Lunexgarten-Kursen («Lunex» steht für «Lust-Nutz-Experimentiergarten» und ist wörtlich zu nehmen) bietet sie Koch-, Färber- und Samenbaukurse an, um Wissen weiterzugeben und die Teilnehmenden zu motivieren, einfach mal etwas auszuprobieren.

Es steckt viel Geschichte in dem Gemüse
Hinter jedem Gemüse stehen Geschichten, Erfahrungen und Menschen. «Ich bin für Tradition, in der Wissen und Kultur über Generationen hinweg weitergegeben und laufend angepasst werden. Für mich ist es wunderschön zu sehen, dass die Sorten, die wir über die Jahre ausgesät haben, nun wachsen und wuchern», meint eine zufrieden zurückblickende Gärtnerin.

Persönliches
Annafried (55) und ihr Mann Martin (54) Widmer-Kessler sind seit über 28 Jahren bei ProSpecieRara aktiv. Annafried arbeitete 25 Jahre als Primarlehrerin, bevor sie aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf aufgeben musste. Martin arbeitet als Schreiner und Sozialpädagoge, seine Holzwerke finden sich überall in der Wohnung und verschönern auch den Garten. Zusammen mit freiwilligen Helfern bestellen sie mehrere Ackerflächen im Reusstal. Das grosse Schaugewächshaus beim Kloster Gnadenthal, das von Annafried geplant und von beiden betreut wird, ist für Besucher öffentlich zugänglich.
Weiteres erfahren Sie unter: www.lunexgarten.ch
Trebona
‘Trebona’ ist eine neuere Züchtung der Firma Hild im deutschen Marbach am Neckar und seit 1977 im Handel. Sie ist eine der ertragsstärksten Stangenbohnensorten. Einige Bio-Saatgutzüchter bieten sie heute noch an, Hild selber führt sie aber nicht mehr im Samenkatalog.
Merkmale Mittelbreite, mittelgrüne und sehr lange Hülsen (25 cm), im Querschnitt rund-oval. Weisses, nierenförmiges Korn. Blüte weiss. Wuchs wenig verzweigend. Sehr früh reifend.
Anbau Ertragreiche Sorte mit besonderer Eignung für Gewächshausanbau. Im Freiland nur in milden Lagen und früh anzubauen.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen.
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Trešnjevac 2
‘Trešnjevac 2’ kommt aus einem Hausgarten im Gebiet Žumberak in Kroatien, wo sie mit langer Tradition in der Familie der Spender angebaut wurde. Seit 1996 ist sie im Sortenarchiv der Arche Noah. ‘Trešnjevac’ ist eine in Kroatien sehr geschätzte Bohnensorte mit rotem Korn (trešnja = Kirsche).
Merkmale Hülsen fadenlos, grün, violett gestreift und marmoriert, relativ kurz, im Querschnitt schmal länglich. Ernte unproblematisch, da Hülse auch in fortgeschrittenem Zustand (mit grösserem Korn) noch zart und fadenlos ist. Blüten lila. Korn beige mit dunkellila Sprenkeln. Hochwachsend, mittlere Wüchsigkeit und Reifezeit.
Anbau Lange Zeit beerntbar, guter Ertrag.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen. Bei vergleichenden Verkostungen war sie im Spitzenfeld: zarte Konsistenz, intensiv, voll und harmonisch im Geschmack.
Erhältlich über Arche Noah

Trockenbohne Mikulić
Eine Stangenbohne aus Kroatien. Im Rahmen einer Sammelreise der Erhalterorganisation Arche Noah, Österreich, im Jahr 1976 von Frau Mikulic aus Cigoc, Posavina, erhalten. Dort seit den 1980er-Jahren im Anbau.
Merkmale Hülsen lange, gerade oder leicht gekrümmt, im Querschnitt flach, grün, ohne farbige Zeichnung. Korn und Blüte weiss.
Anbau Eignet sich für die Mischkultur mit Mais.
Verwendung Trockenbohne, ist wegen dem weissen Korn auch von heiklen Essern akzeptiert.
Erhältlich über Arche Noah

Vaters Dicke Bohnen
Diese Hausgartensorte stammt aus dem Sankt Galler Rheintal, wahrscheinlich aus dem Raum Werdenberg–Buchs. Sie wurde in der Familie schon vierzig bis fünfzig Jahre angebaut, bevor sie 1987 zu ProSpecieRara kam. ‘Vaters Dicke Bohnen’ ist wahrscheinlich eine lokale Selektion der Stangenbohne ‘Grünes Posthörnli’.
Merkmale Grüne, stark gekrümmte, kurze und fadenlose Hülsen, im Querschnitt rund-oval. Blüte weiss bis blass lila. Korn braun und oval. Sie zeichnen sich an den Hülsen sehr früh ab. Mittelspät reifend.
Anbau Eher hoher Pflückaufwand. Ein Erhalter meint: «Im unteren Teil der Stange setzen die Bohnen wenig Frucht an. Man muss sie frei wachsen lassen, bis sie von oben nach unten fallen. Erst dann setzt ein üppiges Blühen ein. Auch Krankheiten oder Befall von Ungeziefer habe ich bis heute nicht festgestellt. Es wundert mich, dass eine solch ertragreiche und gesunde Sorte so ins Abseits geraten konnte.»
Verwendung Sowohl die grünreifen Hülsen/Fisolen als auch die trockenen Kerne. Man kann sie hängenlassen, bis sie dick und fleischig sind. Sie werden dann zwar mehlig, bleiben aber praktisch fadenlos und sind sehr schmackhaft. Die Hülsen eignen sich nicht zum Einfrieren, da sie sich dabei ins Schmutzige verfärben.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Vatter’s Erntesegen
‘Vatter’s Erntesegen’ ist eine in den 1970er-Jahren von der Samenfirma Vatter gehandelte Stangenbohnensorte.
Merkmale Gerade, kürzere, grüne, fadenlose Hülsen mit rund-ovalem Querschnitt. Korn weiss, lang und walzenförmig. Blüte weiss. Mittelfrüh reifend.
Anbau Reichtragend.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Violette Erica Herrensberger
Syn. Blaue Speck
Die wohl ursprünglichste und älteste hier beschriebene blauhülsige Stangenbohne ist die Schweizer Hausgartensorte ‘Violette Erica Herrensberger’. Die namentlich erwähnte Frau hütete diese Bohne und vermehrte sie über Jahre selbst, bevor sie sie an ihre Nichte in Winterthur weitergab. Die ‘Violette Erica Herrensberger’ ist vermutlich identisch mit der Sorte ‘Blaue Speck’, die bereits 1885 von der landwirtschaftlichen Landesanstalt San Michele an der Etsch zum Anbau empfohlen wurde.
Merkmale Violettblaue, breite und flache, fädige Hülsen, etwa 20 cm lang. Die Kerne zeichnen sich stark ab. Blüte lila. Korn beigebraun und nierenförmig. Mittelfrüh reifend.
Anbau Robust.
Verwendung Als Suppenbohne sehr geeignet. Junge Hülsen können als grünreife Hülsen/Fisolen verwendet, müssen aber vorher gefädelt werden. Leider verliert sich die schöne blaue Farbe beim Kochen und die Hülsen werden dunkelgrün. Zum Tiefkühlen geeignet.
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Von Eriswil
«Ich habe im Radio gehört, dass sie alte Gemüsearten, unter anderem auch alte Bohnensorten pflanzen. Ich sende ihnen hier ein paar Stangenbohnensamen. Es ist eine ganz alte Sorte. Schon meine Grossmutter hat immer von diesen gepflanzt (über 800 m ü. M.). Können Sie mir vielleicht schreiben, wie der Name dieser Bohne heisst?» Eine Frau aus dem bernischen Eriswil schrieb im Frühjahr 1994 diese Zeilen an ProSpecieRara. ‘Von Eriswil’ gleicht sehr der Sorte ‘Simmen’, bildet jedoch fadenlose Hülsen.
Merkmale Grüne, etwa 15 cm lange, gerade und fleischige Hülsen, die leicht violett getönt sind. Blüte rosa. Schwarzes, flaches und nierenförmiges Korn. Pflanzen ranken mittelhoch. Früh reifend.
Anbau Robust und ertragreich. Durch ihre Frühzeitigkeit sehr gut geeignet für den Anbau in höheren Lagen.
Verwendung Frisch zu verbrauchen als kleine Hülsen, die beim Kochen schön weich werden. Man kann sie auch als getrocknete Bohnen kochen.
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Ilanz
«Soeben entnehme ich den Mitteilungen des BNB den Artikel Ihre lobenswerten und überaus weitblickenden Bemühungen um die Erhaltung u.a. des Erbgutes alter kultivierter Gemüsesorten. Deshalb sende ich Ihnen Bohnensamen einer Stangenbohnensorte, die von meiner Grossmutter hier in Ilanz kultiviert wurde in unserem Garten. Und dies in ununterbrochener Folge schon lange vor meiner Kindheit (geb. 1932)», heisst es in einem Schreiben an ProSpecieRara, datiert mit 27. Okt. 1991. ‘Von Ilanz’ gleicht der ‘Neckarkönigin’ und dürfte eine Vorgängerin dieser sein. Sie ist der Sorte ‘Kapitän Weddingen’ sehr ähnlich.
Merkmale Grüne, mehr als 20 cm lange Hülsen, im Querschnitt oval. Ganz junge Hülsen sind nicht fädig, später haben sie Fäden. Blüte weiss. Korn weiss und nierenförmig. Wuchshöhe mittelhoch, bis 2,5 m. Früh reifend.
Anbau Gedeihte in Ilanz auf 700 m ü. M.
Verwendung Junge Hülsen als Frischbohnen/Fisolen. «Sie sind sehr fleischig und bestehen nicht nur aus Wasser, wie z. B. die Höckerbohnen», erklärt der Spender der Sorte zum Abschluss des oben erwähnten Briefes.
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Von Obermumpf
Die Mutter einer Hausgärtnerin aus Rheinfelden AG bekam einst Bohnensamen einer alten Frau aus Obermumpf im Kanton Aargau. Schon diese hatte sie damals wiederum von einer alten Frau names Euphemia. Die Zeichnung der Kerne macht diese Schwertbohne aussergewöhnlich.
Merkmale Grüne, leicht gekrümmte, kurze und fädige Hülsen, im Querschnitt flachoval. Blüten weiss. Korn rund bis oval, zweifarbig: eine Hälfte weiss, die andere beige mit dunkelvioletten Sprenkeln. Brauner Ring um den Nabel. Starklaubige Pflanze.
Verwendung Wunderschöne Trockenspeisebohne. Junge grünreife Hülsen/Fisolen sind nach dem Abfädeln auch als Gemüse zu verwenden.
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Wachs Rheingold
‘Wachs Rheingold’ wurde zwischen 1937 und 1957 gehandelt und war in der Schweiz sehr verbreitet. Sie gehört zum Typ der breithülsigen Schwertbohnen.
Merkmale Gelbe, breite, leicht gekrümmte und fadenlose Hülsen, im Querschnitt flach. Hülsen 15 bis 17 cm lang. Blüte lila. Korn rund und schwarz. Starklaubige Pflanze. Spät reifend.
Anbau Ertrag mittel.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen.
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Wädenswiler Schwertbohne
Syn. ZEFA Frühe Wädenswiler
Die ‘Wädenswiler Schwertbohne’ entstand Mitte der 1980er-Jahre an der schweizerischen Forschungsanstalt Wädenswil. H.-P. Buser bearbeitete eine Landsorte, die der Forschungsanstalt übergeben wurde, weiter. Die Vermarktung via ASPI (Association Suisse de Promotion des Semences Potagères Indigènes; heute Delley Samen und Pflanzen AG) klappte damals nicht, sodass die Sorte bis heute nie in den Handel kam. Von der ASPI stammt aber der Name ‘ZEFA Frühe Wädenswiler’, der insofern verwirrend ist, da es schon eine ‘Frühe Wädenswiler’ gab. Die ‘Wädenswiler Schwertbohne’ ist eine Stangenbohne vom Typ ‘Neckarkönigin’.
Merkmale Dicke, fleischige, leicht gekrümmte, grüne und fadenlose Hülsen, im Querschnitt rund-oval. Hülsen länger als 25 cm. Blüte gelblich. Nierenförmiges weisses Korn. Sehr früh reifend.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen. Eine Erhalterin meinte kurz und knapp: «Guter Geschmack. Super Bohne!»
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Weinländerin
Sie ist eine der beliebtesten Schweizer Stangenbohnen! Die ‘Weinländerin’ entstand 1956 aus einer spontanen Mutation der ‘Saint Faicre’. Der landwirtschaftliche Genossenschaftsverband UFA-Volg verbesserte daraufhin dreissig Jahre lang die neue Sorte über Einzelpflanzenauslese. Ab den 1960er-Jahren wurde sie in ihrem Saatgutsortiment geführt. Virusanfälligkeit, Konkurrenzsituationen im Samenhandel und schwindendes Interesse an Stangenbohnen führten in den 1990er-Jahren bei UFAVolg zur Aufgabe der aufwendigen Einzelpflanzenauslese. Heute wird die ‘Weinländerin’ noch von biologischen Saatzuchtfirmen vermehrt.
Merkmale Grüne, feine, fadenlose Hülsen mit rotvioletten Sprenkeln von 20 bis 25 cm Länge. Hülsen im Querschnitt rund-oval. Blüten violett. Langes, braunes, nierenförmiges Korn mit schwarzen Streifen und Flecken. Starklaubige Pflanze. Mittelspät reifend.
Anbau Ertragreich.
Verwendung Als grünreife Hülsen/Fisolen zum Kochen und zum Dörren geeignet.
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Weisse Franzosen
Syn. Von Strengelbach
Hausgartensorte, die von einer Familie aus Steinhausen im Kanton Zug vom Vater und Grossvater seit mindestens 1930 angepflanzt wurde. Eine sehr ähnliche Hausgartensorte wurde ProSpecieRara aus Strengelbach im Kanton Aargau übergeben.
Merkmale Grüne, mittel bis stark gekrümmte, fadenlose Hülsen von etwa 12 cm Länge, im Querschnitt oval. Blüte weiss. Korn oval und weiss. Eine sehr hochwüchsige Sorte (bis 6 m). Mittelfrüh reifend.
Anbau Starke Belaubung, dadurch schlechte Erntbarkeit der Hülsen.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen. Sie haben nur sehr wenig Fäden, die sich beim Kochen lösen. Zum Einmachen geeignet.
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Weisse Weinländerin Kuert
Der Züchter P. Kuert von der Landwirtschaftlichen Schule Charlottenfels in Schaffhausen selektierte in den 1980er-Jahren diese weisssamige Linie der ‘Weinländerin’ heraus und zog sie in seinem Privatgarten weiter.
Merkmale Grüne, leicht gekrümmte, bis 20 cm lange, fadenlose Hülsen, im Querschnitt rund. Blüte weiss. Korn lang und weiss.
Anbau Gesunde und ertragreiche Sorte.
Verwendung Grünreife Hülsen/Fisolen.
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Wienerli
Syn. Suppenerbsen
Die ‘Wienerli’ sind wahrscheinlich verwandt mit der ‘Schwefelbohne’. Die beiden Sorten gleichen sich in vielen Merkmalen. Doch dem Korn der ‘Wienerli’ fehlt die typische Zeichnung um den Nabel. Das Ursprungssaatgut der ‘Wienerli’ kam von einer über siebzigjährigen Frau aus Balzers in Liechtenstein. Sie hütete eine grosse Schachtel auf dem Estrich mit verschiedenem Saatgut, das noch von ihrer Mutter stammte. Beim Anbau stellte sich dann heraus, dass es tatsächlich noch keimte. Eine vergleichbare Bohne wurde auch in einem weiteren liechtensteinischen Dorf, in Planken, gefunden – man nennt sie dort auch «Suppenerbsen».
Merkmale Eher kürzere Hülsen mit Fäden. Rundliches, erbsenähnliches, beigegelbes Korn. Weisse Blüten.
Anbau Reiserbohne, rankt nur bis 150 cm hoch.
Verwendung Trockenbohne. Die Kerne werden als Suppenbohnen gekocht.
Erhältlich über Hortus

Xaver
Ein Hausgärtner aus dem liechtensteinischen Gamprin vermehrt diese Stangenbohne seit den 1970er-Jahren jedes Jahr selbst. Er erzählt, dass er sie an 3 m hohen Stangen ranken lässt. Immer die letzten Hülsen, die ganz oben wachsen und zu denen er nicht mehr kommt, lässt er ausreifen und bewahrt sie dann als Saatgut für das nächste Jahr auf.
Merkmale Bringt über 20 cm lange grüne fadenlose Hülsen hervor, im Querschnitt rund-oval. Weisse Blüten. Das Korn ist länglich und weiss, es befinden sich aber typischerweise immer einige wenige braun gescheckte Samen darunter. Hoch rankende Pflanze.
Verwendung Wurde immer als Suppenbohne (Trockenbohne) verwendet. Die jungen Hülsen können aber auch als Frischbohnen/Fisolen gekocht werden.
Erhältlich über Hortus

ZEFA Borlotti
‘ZEFA Borlotti’ entstand in den 1980er-Jahren an der Schweizerischen Forschungsanstalt in Wädenswil als Selektion einer Hausgartensorte.
Merkmale Grüne, rot gesprenkelte, 10 bis12 cm lange, leicht gekrümmte, fadenlose Hülsen, im Querschnitt oval. Rund-ovales Korn, beigebraun mit rotbraunen Sprenkeln. Es zeichnet sich beim Reifen früh ab. Blüten mit hellrosa Fahne und weissen Flügeln. Starkwachsende Pflanze. Mittelfrüh reifend.
Anbau Mässiger Ertrag.
Verwendung Kerne als Trockenspeisebohnen. Grünreife Hülsen/Fisolen sind fadenlos und können auch verwendet werden.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Ziegler Galgenen
Es muss ungefähr in den 1920er-Jahren gewesen sein, als die ‘Ziegler Galgenen’ von einer Reise zu Familienmitgliedern in Übersee (Amerika) als Mitbringsel in die Schweiz kam. Sie wurde an eine Bekannte aus dem sankt gallischen Galgenen übergeben, die diesen Schatz hütete und später ihrer Tochter weitergab. 1992 übergab Frau Ziegler, eine Nachbarin der Familie, die Bohnenkerne ProSpecieRara in die Erhaltung.
Merkmale Grüne, kurze, mittelstark gekrümmte, fadenlose Hülsen, im Querschnitt oval-rund. Beim Reifen werden die Hülsen rot bereift und bekommen violette Sprenkel. Blüte rosa. Schönes dunkelbraunes, rundliches Korn. Hochwachsende Pflanze.
Anbau Anspruchslos.
Verwendung Grünreife Hüslen/Fisolen, knackig.
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Endivie
Escariol, Frisée
Cichorium endivia L. Asteraceae (Korbblütler)
Geschichte
Bei den Germanen galt die Wegwarte, aus der die Endivie entstand, als Heilpflanze. Sie wurde zur Herstellung von Zaubertränken verwendet. Die Endivie war bei den alten Ägyptern und Griechen eine bekannte Salatpflanze und ist im Mittelmeer beheimatet. Bei den Römern lassen sich erste Belege zur Verwendung der Endivie in der Zeit um Christi Geburt finden. Sie wurde als intybus oder intubum bezeichnet. Als Stammpflanze wird Cichorium pumilum Jacq. (Syn. Cichorium endivia subsp. divaricatum) vermutet, die im ganzen Mittelmeergebiet verbreitet ist und auch im Kaukasus und in Turkestan wild vorkommt. Plinius der Ältere beschrieb 23 n. Chr. in seiner Enzyklopädie «Naturalis Historia», dass die Endivie in Salz und Essig eingelegt wird, um sie später gekocht zu essen. Im 15. und 16. Jahrhundert wird die Pflanze im Kräuterbuch von Mattioli als «zahme scariol» erwähnt. Aus dem 16. Jahrhundert gibt es die ersten Abbildungen in der «Camerarius Florilegium» von Joachim Camerarius d. J., die die Nutzung und das Vorhandensein beider Arten Endivie und Zichorie eindeutig belegen. Hieronymus Bock beschreibt 1546 in seinem «Kreuterbuch», dass «so in teutschen Landen wachsen die zahmen Endivien die in Gärten gezogen werden» und «sie seien vorzeiten aus Burgundia zu uns gekommen, da sie eine edle Fürstin von Croia (…) hat bringen lassen und folgends in das Herzogtumb ausgeteilt worden». Im Kräuterbuch des Tabernaemontanus von 1588 werden Endivien und verschiedene Methoden des Bleichens beschrieben.

Ursprungsregion der Ausgangsform der Endivie, Cichorium pumilum.
Bedeutung heute
Neben Kopfsalat ist die Endivie bei uns das zweitwichtigste Salatgemüse. Inländische Endivie wird von Juli bis Dezember aus dem Freiland angeboten. In der übrigen Zeit wird die Endivie aus Südeuropa importiert.
Sortenvielfalt
Die zwei Arten Cichorium intybus (Zichorien) und Cichorium endivia (Endivie) sind eng miteinander verwandt, was vielfach zu Namensverwechslungen führt.

Varietäten der Endivie: breitblättrig der EscariolTyp (oben), locker langblättrig und ohne feste Rosette die Schnittendivie (unten).

Auf Französisch nennt man die Frisée-Endivien, die stark fiederschnittig zerschlitzte Blätter bildet, Chicorée. Um 1870 wurde am Genfer Markt die Endivie ‘Chicorée très frisée à cæur pleine’ genannt.
Von der Endivie gibt es kopfartige Rosettenformen mit glatten, breiten, ganzrandigen Blättern, die auch «Escariol» oder «breitblättrige Endivie» genannt werden (var. latifolium). Daneben gibt es Frisée-Formen (var. crispum) mit lockeren Rosetten und tief geschlitzten krausen Blättern. Dann gibt es noch die Schnittendivie (var. endivia), eine Form, die keine feste Rosette bildet, sondern aufrecht locker stehende Blätter erzeugt.
Anbau
Die Endivie ist eine ideale Nachfrucht, die ab Ende Mai direkt ausgesät werden kann. Sie fühlt sich in mittelschwerem, locker humosem Boden wohl. Die Temperatur für die Keimung vor dem Aussaattermin muss mindestens 21 Grad und bis zum Auspflanzen 12 Grad betragen, sonst fangen die Jungpflanzen an zu schossen. Im Sommer werden sie mit 30 Zentimeter Abstand angebaut, im Herbst mit 40 Zentimeter Abstand.

Die erste Pflanzung erfolgt Mitte Mai bis Ende Juli, die Ernte ist ab Anfang Juli bis Mitte September. Die zweite Pflanzung erfolgt ab Ende Juli bis Anfang August und kann ab Mitte September bis November geerntet werden.
Für ein helles Herz wird die Endivie vor der Ernte 6 bis 10 Tage lang abgedeckt.
Im Gegensatz zur krausen Endivie erträgt die glatte Endivie auch leichten Frost.
Verwendung
In der Schweiz und in Deutschland wird die Endivie als Salat gegessen. Da sie lagerfähig ist, ist sie besonders in der Winterzeit ein beliebtes Rohkostgemüse. In Italien wird sie auch gegart genossen.
Inhaltsstoffe und Heilwirkung
Endiviensalat hat einen verhältnismässig hohen Gehalt an Mineralstoffen (Kalium, Kalzium), Folsäure und an Vitamin A und C. Die Endivie besitzt einen weissen Milchsaft mit dem Inhaltsstoff Intybin, der beim Anschneiden aus den Milchröhren austritt. Der leicht bittere Geschmack des Bitterstoffs Intybin wirkt anregend auf die Verdauung.
Bubikopf
Diese Endiviensorte erwähnte Vilmorin 1818 in seinem Samenkatalog, Parey bezeichnete sie 1955 als Synonym zu ‘Grüner Selbstbleichender’. Moderne Weiterentwicklungen sind heute unter dem Namen ‘Nummer Vijf 2’ oder ‘Grosse bouclée 2’ im Handel.
Merkmale Glattblättrige Endivie vom Typ Escariol. Aufrechte Blätter mit breiter Blattspreite. Der Blattstiel ist charakteristisch breit geflügelt, der Blattrand ganzrandig und mittelstark gewellt. Bildet grosse, sehr gut gefüllte Rosetten mit recht guter Selbstbleichung. Blätter relativ kräftig, aber nicht hart.
Anbau Die robuste Sorte eignet sich vor allem für den Herbstanbau im Freiland, im Folien- oder Glashaus. Aussaat Juni/Juli. Frostunempfindlich. Eignet sich zudem bei Anzucht von mehr als 18 Grad im Frühanbau unter Flies. Spät schiessend.
Verwendung Die Sorte dient in erster Linie zum sofortigen Verbrauch, da die Haltbarkeit beim Einschlag infolge der grossen und dichten Blattmasse nicht ausreichend ist.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

En cornet de Bordeaux
Syn. Scarole en cornet, Béglaise
Diese Sorte gehört in einen Formenkreis von Endivien, die seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts traditionell in Süd- und Westfrankreich angebaut wurden. Ihren Namen bekamen sie wegen ihrer grossen, gezähnten Blätter, die in Form einer Tüte oder Kapuze ineinander gerollt sind. Vilmorin schreibt 1904 in seinem Katalog: «Die Endivie ‘Scarole en cornet’ ergibt einen ausgezeichneten Wintersalat, weil sie relativ robust ist und im Boden und im Klima von Paris normale Winter übersteht, so man sie dann mit Laub und Stroh gut abgedeckt hat.» ‘En cornet de Bordeaux’ ist 1972 in seinem Katalog gelistet.
Merkmale Endivie vom Typ Escariol mit langen, kräftigen, mittelgrünen Blättern. Bildet niedrige Rosetten ohne Bleichanteil. Die Blätter sind etwas derb, aber geschmackvoll.
Anbau Für den Herbstanbau im Freiland geeignet. Aussaat Juni/Juli, Auspflanzung im August. Schossempfindlich, nicht für den Hochsommer geeignet.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Escariol Gelb
Syn. Gele Vollhart, Dorée á cæur, Altijd Gele, Bionda a cuore pieno, Blonde cæur plein, Breedblad Vollhart Altijd Geel, Rubia de corazon Ileno, Dorata a cuore pieno, Gialla a cuore pieno, Casco d’oro
Wie die zahlreichen fremdsprachigen Doppelnamen schon vermuten lassen, ist diese Sorte altbewährt und weit verbreitet. Glattblättrige Endivien werden als «Escariol» bezeichnet. Vilmorin beschreibt sie zum Beispiel in seinem Standardwerk «Les Plantes potagères» 1904. Aktuell immer noch im Handel erhältlich.
Merkmale Mächtige Pflanzen, bis 45 cm im Durchmesser. Die glatten Blätter krümmen sich zu vollen, goldgelb gefärbten Herzen ein.
Anbau Frühe Sorte. Aussaat ab Mitte Mai, liebt sonnige Lage und kräftigen Boden. Schnellwachsend, daher besonders für die Sommer- und Herbsternte geeignet. Vollständig ausgebildete Pflanzen werden durch Zusammenbinden der Blätter oder Abdecken der Pflanzen gebleicht. Für den Winterbedarf werden die Pflanzen vor Eintritt des Frostes im Keller eingeschlagen. Robust bei Kälte und Regenwetter.
Verwendung Saftige milde Endivie, eignet sich auch zum Einfrieren.
Erhältlich über Arche Noah, ProSpecieRara Schweiz

Géante maraîchère
Syn. Scarole batavia, Scarole grosse de Limay
‘Géante Maraîchère’ wird 1947 und 1972 im Vilmorin-Katalog erwähnt. Der Guide Clause beschreibt diese Endivie einige Jahre früher ebenfalls. Vermutlich ist ‘Géante Maraîchère’ aber schon viel länger bekannt und wurde im 19. Jahrhundert unter ihrem Synonym ‘Scarole grosse de Limay’ gehandelt. Unter diesem Namen erscheint sie bei Vilmorin bereits 1886.
Merkmale Glattblättrige Endivie vom Typ Escariol. Die grossen, gut gefüllten Köpfe haben einen hohen Gelbanteil, gute Selbstbleichung und weichere Blätter. Starkwachsend, wird höher als andere Escariol-Typen.
Anbau Die Sorte eignet sich besonders für den Herbstanbau und die Ernte vor den ersten Frösten.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Schnittendivie
Schnittendivie wird als eine eigene Varietät der Endivie beschrieben: Cichorium endivie var. endivia. Im Unterschied zu den Escariol- und Friséeformen (var. latifolium und var. crispum) bildet die Schnittendivie keine geschlossenen Rosetten und kann mehrfach geschnitten werden.
Merkmale Schmale, lange, leicht gekrauste und aufwärts stehende Blätter. Bildet keine Köpfe.
Anbau Sommerendivie. Aussaat März bis Juni in Reihen von 20 cm Abstand. Auch als Zwischenkultur geeignet.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Très fine maraîchère
Diese sehr feine Marktgärtnersorte gehört zur Form der gekrausten Endivien, dem Frisée-Salat (var. crispum). Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts unterschied man die zwei Unterarten der Endivie, den Frisée und den Escariol. Im Album Benary werden 1893 nicht weniger als acht verschiedene Frisée-Sorten abgebildet. Die Sorte ‘Très fine maraîchère’ wird 1947 bei Vilmorin für den Frühjahrs- und Sommeranbau empfohlen mit Direktsaat ab April.
Merkmale Blätter fein gekraust. Mittelgrosse, dichte Köpfe.
Anbau Für den Frühjahrs- und Herbstanbau im Freiland und den frühen Anbau unter Glas. Kann mit kürzerer Kulturzeit auch als «Baby leaf»-Salat angebaut werden.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Erbse und Kefe
Palerbse oder Schalerbse, Markerbse und Zuckererbse
Pisum sativum L. Fabaceae (Hülsenfrüchtler)
Erbsen sind uralte Kulturpflanzen. Aus der Art Pisum sativum entwickelten die Menschen die drei Gruppen Kefen, auch Zuckererbsen genannt (Pisum sativum L. subsp. sativum Macrocarpon-Grp.), Markerbsen (Pisum sativum L. subsp. sativum Medullare-Grp.) und Palerbsen, die man auch Schalerbsen nennt (Pisum sativum L. subsp. sativum Sativum-Grp.).
Geschichte
Die Erbse gilt als die älteste Nutzpflanze unter den Hülsenfrüchten. Bei verschiedenen Ausgrabungen fand man Erbsen zusammen mit Linsen, Emmer, Einkorn und Gerste. In steinzeitlichen Siedlungen (von etwa 7000 bis 4500 v. Chr.) im Vorderen Orient, in der südlichen Türkei und im östlichen Griechenland wurden Erbsen gefunden. In dieser Zeit hatte das Volk der Bandkeramiker bereits Kulturformen aus den Wilderbsen entwickelt. Die wilden Vorfahren der Erbse sind vermutlich die zwei Wilderbsen-Arten Pisum elatius und Pisum humile. Die erste wächst als rankendes Unkraut in Getreidefeldern, in der Macchia des östlichen Mittelmeergebietes und im Vorderen Orient. Die zweite findet man nur im Vorderen Orient im Gebiet des Euphrats und Tigris. Diese Wilderbse ist frei von Bitterstoffen.
Lange Zeit waren Erbsen gleichbedeutend mit den heutigen Pal- oder Schalerbsen, also den kugelrunden Erbsen, die man wie andere Hülsenfrüchte in Suppen verkocht. Ab wann enthülste Erbsen, also Markerbsen, kultiviert wurden, lässt sich nicht genau feststellen. Wahrscheinlich begann man im 13. Jahrhundert, die unreifen Hülsen samt den darin enthaltenen Samen zu kochen. Im 17. Jahrhundert fingen holländische Gärtner an, Markerbsen zu züchten, bei denen man ausschliesslich die grünen Erbsen ohne Hülsen ass. Frische grüne Erbsen waren damals unglaublich teuer und bei der Oberschicht sehr beliebt. Die Gemahlin des Sonnenkönigs Ludwig XIV. klagte, «dass die Prinzen nur noch Erbsen essen wollen». Wann genau die ersten Kefen auf den Markt kamen, ist ebenfalls ungewiss. Mit Sicherheit kann gesagt werden, dass man sie Ende des 18. Jahrhunderts kannte.

Ursprungsregion der Ausgangsformen der Erbse, Pisum elatius und Pisum humile.

Die Winterkefe (WinterZuckererbse) der Schweizer Biogarten-Pionierin Frieda Welten blüht kräftig violett und produziert frühzeitig zarte Hülsen.

Noch heute werden verschiedene Bräuche mit Erbsen gepflegt. Ein Brauch im Bodenseegebiet ist das «Klöpflen»: An jedem Donnerstag in der Adventszeit werden dazu Erbsen oder Linsen an die Stubenfenster geworfen, angeblich als Erinnerung an die Pestzeit, in der man so feststellen wollte, ob noch jemand im Hause lebte. Vielleicht stammt der Brauch aber auch aus heidnischer Zeit, in der die Erbsen, als dem Gott Donar geweiht, Windstürme vertreiben und befruchtende Gewitter herbeiführen sollten.
Die Fahrenden kennen Erbsen als Totenspeise. In ländlicher Umgebung kennt man den Aberglauben, dass wer Erbsen in der Karwoche isst, bald eine Leiche im Haus hat oder selbst stirbt.
Noch ein Aberglaube ist überliefert: Wenn Zwerge die Erbsenfelder plündern, die Schoten öffnen und die Halme zertreten, soll man um Mitternacht in das Erbsenfeld gehen und mit Ruten und Peitschen heftig über die Beete schlagen, um dem Treiben Einhalt zu gebieten.
Bedeutung heute
Vor allem im angelsächsischen Raum ist die Erbse bis in unsere Tage eine der beliebtesten Gemüsearten geblieben. Grüne Erbsen sind vom Frischmarkt allerdings nahezu verschwunden. Sie werden heute in der Landwirtschaft grossflächig als Dresch- oder Ackererbsen angebaut und für die Konserven- und Tiefkühlindustrie verarbeitet. Die Erbse ist weltweit das viertwichtigste Gemüse. Die grössten Anbauflächen befinden sich in Europa, den USA und Indien.
Sortenvielfalt
Man unterscheidet drei Gruppen bei Erbsen: Palerbsen, Markerbsen und Kefen.
Die älteste Gruppe der Speiseerbsen sind die Palerbsen. Ihre Hülsen bilden eine Pergamentschichtaus. Sie haben runde, stärkehaltige und glattschalige Samenkörner. Ihr trockenes Korn wird meistens zum Kochen verwendet (Trockenspeiseerbsen oder Rollerbsen). Zur Verwendung als unreife, grüne Erbsen müssen sie sehr jung geerntet werden, denn wenn die Körner zu gross geworden sind, haben sie einen leicht mehligen Geschmack.
Die Markerbse besitzt meist runzelige, zarte, süsse Samenkörner, die nur grünreif geerntet werden. Sie haben einen geringeren Stärkegehalt als die Palerbsen. Als Trockenerbsen sind sie nicht geeignet, da sie beim Kochen nicht weich werden. Tiefgekühlt oder in Gläser eingekocht, behalten sie die Aroma- und Nährstoffe und bleiben weich.
Bei den entwicklungsgeschichtlich jüngsten Erbsen, den Kefen, isst man die ganzen fleischigen, unreifen Hülsen. Im Französischen wird die Kefe daher auch passenderweise «pois mangetout» genannt. Man züchtete den Kefen die Pergamentschicht der Hülsen so gut es ging weg. Es gibt jedoch keine Kefen ganz ohne Pergamentschicht, deshalb sollte man sie trotzdem möglichst früh und jung ernten, dann schmecken sie süss, zart und buttrig.
Innerhalb dieser drei Erbsengruppen unterscheidet man hochwachsende von mittelhoch und niedrig wachsenden Sortentypen. Ältere Sorten sind eher hochrankend – sie können bis 2 Meter hoch klettern – moderne Sorten wachsen eher niedriger und werden rund 40 Zentimeter hoch. Diese brauchen keine Stützhilfen und können wegen ihrer gleichzeitigen Reife maschinell geerntet werden. Hingegen erntet man die älteren Sorten von Hand, dafür oft über längere Zeit, was im Hausgarten von Vorteil sein kann. Grundsätzlich reifen die Hülsen von niedrigen Sorten früher aus als solche von hochwachsenden Sorten.
Anbau
Erbsen brauchen viel Licht bei gleichzeitig guter Wasserversorgung. In mittelschwerem Mittellandboden fühlen sich Erbsen wohl. Der Wuchs ist je nach Sorte sehr unterschiedlich.
Die Aussaat sollte frühzeitig erfolgen, um eine gute Blattentwicklung mit den länger werdenden Tagen zu fördern. Palerbsen ertragen leichten Frost und können möglichst früh, ab März, gesät werden. Mark- und Zuckererbsen sind etwas kälteempfindlicher und kommen erst ab Anfang April direkt in den Boden. Nach dem Auflaufen ist ein Anhäufeln sinnvoll, um die Pflanze zu stützen. Ab Mitte Juni bis Mitte Juli darf geerntet werden. Es gibt Lokalsorten von Winterkefen, die bereits im späten Herbst gesät werden und auf dem Beet als Jungpflanzen überwintern. Sie ertragen problemlos mehrere Wochen 0 bis -15° C. Wo wenig Schnee liegt, sollten sie aber mit Laub vor Kahlfrost geschützt werden. Man kann sie ab Anfang Juni ernten. Im Frühjahr gesteckte Kefen sind etwa drei Wochen später erntereif.


Markerbsen sind die bekannten grünen Erbsen die man im unreifen Zustand aus den Hülsen herauslöst.
Erbsen sind Langtagpflanzen. Ab Mitte Mai mit zunehmender Tageslänge wird die Blütenbildung angeregt. Wenn die Pflanzen bis dahin stark gewachsen sind, setzen sie mehr Blüten und Hülsen an.
Erbsen sind leicht anfällig für Mehltau, darum unterstützt die Mischkultur mit Kohlrabi, Salat, Mangold oder Rettich die Gesundheit der Pflanze. Erbsen sind mit ihren Knöllchenbakterien wichtige Bodenverbesserer, darum sollte die Pflanze am Schluss der Ernte nur bodeneben abgeschnitten werden.
Inhaltsstoffe
Grüne Erbsen enthalten etwa 77 Prozent Wasser, 13 Prozent Kohlenhydrate, 6 bis 7 Prozent Eiweiss, 0,5 Prozent Fett, 2 Prozent Rohfasern und 1 Prozent Mineralstoffe wie Phosphor oder Eisen. Kalium und Vitamin E sind in besonders hoher Konzentration enthalten. In den reifen Trockenerbsen finden sich bis zu 23 Prozent Eiweiss und 60 Prozent Kohlenhydrate. Für Jugendliche und ältere Menschen sind Erbsen sehr geeignet, da sie Knochen und Gewebe festigen.
Heilwirkung
Erbsen können bei Diabetes die Getreidefrüchte ersetzen. Sie wirken auch Blutdruck- und Cholesterinspiegel-senkend. In verschiedenen Kulturen werden bei Hochzeiten Erbsen als Fruchtbarkeitsritual gegessen. Erstaunlicherweise wirken sie jedoch eher empfängnisverhütend. In Tibet, wo die Bevölkerungszahl über Jahrhunderte stabil blieb, ist die Erbse ein Hauptbestandteil der Ernährung. Indische Frauen kochen sich zur Verzögerung der Empfängnis eine Suppe aus Erbsenhülsen.
Erbsenmehl diente für Umschläge auf Wunden, entzündete Hautstellen und gegen Ausschlag. Innerlich wurde es gegen Wassersucht und viele andere Leiden verwendet. Man empfahl auch Erbsen mit Petersilie für Frauen im Kindbett. Auch bei Gelbsucht, Zahnschmerzen, Hühneraugen und Warzen wurden Erbsen als Medizin herangezogen. Bei chronischem Durchfall und Magengeschwüren soll man Erbsen vermeiden. Erbsen sollten nicht roh gegessen werden.
Born
Einst gab ein Bauer aus dem Emmental einige Samen dieser Kefensorte einer Frau Born aus dem bernischen Aeschau. Vor rund fünfzehn Jahren hat diese sie weitergegeben an einen passionierten Sortenerhalter, bei dem sie seither im Anbau steht.
Merkmale Wächst kräftig und über 2 m hoch. Violette Blüten. Das reife Korn ist braun und runzelig.
Anbau Für den Anbau in mittleren Höhenlagen geeignet.
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Corne de Bélier
Syn. Sugar Tall white
1873 beschrieb Monnier in seinem französischen Werk «Les semences» die ‘Corne de Bélier’ (dt. «Horn des Schafsbocks») als «die beste aller Kefen». Vermutlich ist sie eine französische Züchtung und war damals relativ neu. Auf dem Genfer Markt erschien sie 1879. Zunächst hielt sich ihre Beliebtheit in Grenzen. Man hielt die älteren Sorten, die anspruchsvolle weiss blühende Sorte ‘Gourmand’ und die robuste ‘Gourmand gris’ mit violetten Blüten für besser, da ihre Hülsen zarter waren. Acht Jahre später wurde sie dennoch in die Erwerbsgärten des Genfer Marktes aufgenommen und zum Anbau empfohlen. In den 1920er-Jahren war sie noch immer sehr häufig, auch heute ist sie immer noch vereinzelt im Samenhandel zu finden.
Merkmale Die Pflanze wird etwa 130 cm hoch, hat lockeres Laub. Die Blüten sind weiss und gross, die Hülsen sind gerade, etwa 9 cm lang und 2,5 cm breit. Reife Körner sind blassgrün und nur leicht runzelig.
Anbau In nährstoffreichen Böden ziemlich ertragreich.
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Doré de Revermont
Sie ist eine gelbhülsige Kefe vom Museum Revermont im französischen Jura. Die kleinen Hülsen sind eine Delikatesse, die man sich jedoch bei der aufwendigen Ernte und der Rüstarbeit gut verdienen muss. Vilmorin beschreibt 1856 eine gerade neu eingeführte gelbhülsige Kefe ‘Doré’, ebenfalls weissgelb blühend wie die ‘Doré de Revermont’.
Merkmale Hochwachsend, bis 1,8 m. Feine Pflanze mit dünnen Stängeln und kleinen zierlichen Blättern. Helle weissgelbe Blüten. Gelbe, nur 6 bis 7 cm lange, feine Hülsen. Bleiben lange fadenlos. Das reife Korn ist beigegelb und leicht runzelig.
Anbau Die Hülsen bilden sich bei regelmässigem Ernten über eine ziemlich lange Zeit.
Verwendung Ein Sortenerhalter meint: «Ich bereite sie immer so zu, dass ich sie relativ früh ernte und die sich dann noch nicht abzeichnenden Kefen direkt und ausschliesslich in Butter dünste: Andünsten, Deckel zu und 5 bis 10 Minuten schmoren lassen. Delikat!»
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Früher Heinrich
Deutsche Sorte, die bei Vilmorin 1920 im «The vegetal garden» beschrieben wird als «eine gute und ziemlich frühe Sorte, aber nicht ganz so ertragreich wie die niedrigen Sorten, zum Beispiel die ‹Britische Zuckererbse›». Und Kampe meinte 1955: «Sie hat nur wegen ihrer frühzeitigen Pflückreife gewisse Bedeutung für den Hausgartenanbau.» Sie fiel also damals schon wieder aus dem Erwerbsanbau.
Merkmale Gelblich grüne, mittellange, schmal bis mittelbreite Hülsen mit geschwungener Spitze. Verhältnismässig kleine und dünnschalige Hülsen. 1 bis 2 Hülsen pro Rispe. Weisse Blüten. Hoher, lockerer Wuchs. Das reife Korn ist prall, glattschalig, rundlich und rötlich-gelb. Mittelfrühe Reife.
Anbau Mit Vorteil an Reisern anbauen, an denen die Pflanze hochwachsen kann.
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Graue Buntblühende
Syn. Weggiser
Die ‘Graue Buntblühende’ steht auf der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen in Deutschland (Stand 2010). Sie soll in der Region Brandenburg regionale Bedeutung geniessen. Kampe beschreibt die ‘Graue Buntblühende’ 1955 in seinem Werk «Gemüsesorten. Beschreibung und wirtschaftliche Beurteilung». Wer sie gezüchtet hat und woher sie stammt, bleibt unklar. Auf der aktuellen EU-Sortenliste wird sie als Synonym zur Kefe ‘Weggiser’ geführt, wobei die heute angebotenen Saatgut-Herkünfte vor allem bezüglich Wuchshöhe sehr unterschiedlich sind.
Merkmale Mittelgrosse, grüne Hülsen. Zwei Hülsen pro Rispe. Blüten mit helllila Fahne und Flügel und tief dunkelweinrotem Schiffchen, wobei Fahne und Flügel schöne regelmässige Ader-Zeichnungen aufweisen, daher auch ihr Name ‘Buntblühende’. Das reife Korn ist rundlich, wenig gerunzelt, graubraun oder grünlich, schwarzviolett gesprenkelt und verwaschen. Mittelspät reifend. Die von ProSpecieRara Deutschland und der Stiftung Kaiserstühler Garten erhaltene Herkunft wächst über 1 m hoch.
Erhältlich über ProSpecieRara Deutschland

Mettmenstetten
Hausgartensorte aus dem zürcherischen Mettmenstetten. Seit über vierzig Jahren wurde diese Kefe angebaut, und jeden Sommer liess man einige Samen fürs kommende Jahr ausreifen.
Merkmale Breite und lange grüne Hülsen. Blüten zweifarbig: helllila Fahne und Schiffchen und dunkelviolette Flügel. Das reife Korn ist graubraun mit feinen violetten Sprenkeln. Wuchshöhe niedrig bis mittelhoch, 60 bis 80 cm.
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Rembrandt
In der Volg Gemüse- und Blumensamenliste von 1934 ist die Kefe ‘Rembrandt’ erwähnt. In den 1940er-Jahren wird sie auch im Richtsortiment für den Kanton Graubünden für den Anbau empfohlen.
Merkmale Wuchshöhe etwa 150 cm. Mittelstark wachsend. Besonders süsse und grosse Hülsen, die auch zart bleiben, wenn die Körner ausgebildet sind. Das reife Korn ist blassgrün und nur leicht runzelig. Weisse Blüten. Mittelfrüh reifend.
Anbau Ertragreich und robust.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Roi du Carouby
«Le Caroubier» nennen die Franzosen den Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua), der wie die Erbsen zur Familie der Hülsenfrüchte gehört und schokoladenbraune, bis 30 cm lange gebogene Hülsen bildet. Die ausreifenden Hülsen der Zuckererbse ‘Roi du Carouby’ gleichen dieser Hülsenfrucht sehr, sind aber natürlich um einiges kleiner. Was hatte sich der Züchter wohl bei seiner Namenskreation gedacht? Jedenfalls hat er mit dem Namen ‘Roi du Carouby’ (dt. «König des Johannisbrotbaums») ein bisschen übertrieben. Die Sorte ‘Roi du Carouby’ gab es in verschiedenen Selektionen mit früherer und späterer Reifezeit unter den Namen ‘Carouby cosse blonde’, ‘Carouby cosse verte’, ‘Carouby de Maussane’, ‘Carouby du Tricastin’. Das Züchterhaus Vilmorin erwähnte sie in seinen Katalogen von 1947, 1958 und 1972.
Merkmale Purpurne Blüten. Sehr breite, schwertförmige Hülsen, die nicht fädig sind. Mittelhoch wachsend. Mittelstarke, hell- bis graugrüne Belaubung. Braungrüne, runzelige Körner mit violetten Sprenkeln. Spät reifend.
Anbau Robust bezüglich Trockenheit und Nässe. Die Hülsen sollte man nicht zu gross werden lassen, sondern noch relativ jung ernten, dann sind sie besonders schmackhaft. Guter Ertrag.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz, Arche Noah

Rombach
Eine betagte Tante übergab diese Hausgartensorte aus dem schweizerischen Rombach im Kanton Aargau ihrer Nichte, die sie wiederum 2004 in die Erhaltung von ProSpecieRara weiterreichte. Eine grosse, butterzarte Kefe.
Merkmale Hochwachsend, etwa 1,70 m. Violettlila Blüten und hellgrüne, zarte Hülsen. Ausgezeichneter Geschmack. Das reife Korn ist grün bis braun mit violetten Sprenkeln und runzelig.
Anbau Ein Tipp von der Familie aus Rombach: «Die Samen vor dem Säen 2 Stunden in Kamillentee einlegen und dann 24 Stunden unter ein feuchtes Tuch geben. So keimen sie schnell und gleichmässig.»
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Schweizer Riesen
Syn. Géant Suisse
Eine Schweizer Kefenzüchtung, die 1909 erstmals in den Handel kam. Im Handbuch von Becker-Dillingen 1929 wird sie als «in Bezug auf Wachstum und Hülsengrösse eine der grössten Zuckererbsen» beschrieben. Kampe empfiehlt sie 1955 ebenfalls zum Anbau.
Merkmale Pflanzen wachsen bis 2 m hoch, blühen lilaviolett und bilden grosse, breite, dünnschalige Hülsen, die bis 13 cm lang und 3 cm breit werden. Die Hülsen sind von sehr guter Qualität und von mittlerer Fädigkeit. Das reife Korn ist gross, braun und runzelig. Üppiges dunkelgrünes Laub. Blattansatz mit rotem Blattring. Kurze Internodien. Sehr späte Pflückreife.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz, Arche Noah

Suppenerbse Rupp
Diese Spezialität wurde in der Familie Rupp seit mindestens 65 Jahren in ihren Hausgärten nahe Melk in Niederösterreich gepflegt. Der Kontrast von grünem Blattwerk und gelben Hülsen ist sehr attraktiv.
Merkmale Hülse gelb, 7 cm lang, 7- bis 8-samig. Blüte weiss-grünlich. Wuchshöhe hoch, 180 cm. Rankvermögen mittel bis gut. 2 bis 3 Blattpaare pro Blatt. Höhe des Hülsenansatzes in 120 bis 150 cm. Erste Ernte Mitte Juni.
Anbau Lange Erntezeit.
Verwendung In der Familie Rupp wurden nur die trockenen Samen für Suppen verwendet. Die Sorte ist aber auch eine geschmacklich sehr gute Zuckererbse.
Erhältlich über Arche Noah

Susi
Eine ausgesprochen frühe Kefe, die allgemein als sehr gute Sorte beschrieben wird. Es handelt sich um eine Hausgartensorte aus dem zürcherischen Unterschlatt, die zuerst von der Forschungsanstalt in Wädenswil erhalten wurde und Ende der 1990erJahre zu ProSpecieRara weiterging.
Merkmale Niedrig buschiger Wuchs, etwa 60 cm hoch. Standfeste Pflanze mit grauhellgrünen Blättern. Blassweisse, mittelgrosse Blüten und hellgrüne, nach vorne gekrümmte Hülsen, 1 Hülse pro Rispe. Das reife Korn ist beigegelb und leicht runzelig. Früh reifend.
Anbau Durch ihre Kleinwüchsigkeit nicht allzu hoher Ertrag. Hat eine relativ kurze Produktionsperiode.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Sweet Golden
Die gelbhülsigen Kefen sehen wunderschön aus im Garten und schmecken vorzüglich. Im Album Benary wird 1879 eine «krummschotige Zuckererbse mit wachsgelben Schoten» abgebildet. Vilmorin führt 1856 eine gelbschotige Sorte auf. Im Gegensatz zur ebenfalls gelbhülsigen Kefe ‘Doré de Revermont’ blüht ‘Sweet Golden’ dunkelviolett, nicht weissgelb. ‘Sweet Golden’ ist in Europa kaum verbreitet, in den USA aber als Spezialität erhältlich.
Merkmale Feine, aber gut wüchsige, zierliche Pflanze. Wächst mittelhoch, bis 1,50 m. Blätter gelbgrün. Die Hülsen sind hellgelb. Geschmack mild, delikat. Das reife Korn ist grün bis braun mit feinen violetten Sprenkeln und runzelig.
Anbau Die Hülsen müssen sehr früh geerntet werden, später werden sie zäh.
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Von Maloja
Maloja liegt auf einer Passhöhe, die die Grenze zwischen dem Oberengadin und dem urtümlichen Bergell bildet. Auf rund 1900 m ü. M. brachte diese Kefe über Jahrzehnte ihren Ertrag und gedieh prächtig. Die letzten Samen aus der Schublade der Grossmutter durfte ProSpecieRara entgegennehmen und bewahrt seither dieses alpine Erbe mit Respekt und Sorgfalt.
Merkmale Kräftiger Wuchs, rund 1,5 bis 2 m hoch, je nach Anbaulage. Violette Blüten. Das reife Korn ist beigebraun und runzelig. Hat aussergewöhnlich schmackhafte Hülsen.
Anbau Für extreme Höhenlagen geeignet. Eine Erhalterin aus dem Elsass preist diese Kefe auch, da «sie auf ihrem armen, sauren Boden gut gedeiht».
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Von Seengen
Ein Mann aus Boniswil im Aargau übergab ProSpecieRara diese Hausgartensorte. Er bekam sie 1999 von einer heute verstorbenen alten Frau aus dem aargauischen Seengen.
Merkmale Lange, hellgrüne Hülsen, zart, schmackhaft und kaum fädig. Zweifarbige helllila und violette Blüten. Das reife Korn ist runzelig, grünbraun und violett gesprenkelt. Buschiger Wuchs. Niedrig bis mittelhoch wachsend (70 cm). Spät reifend.
Anbau Guter Ertrag.
Verwendung Als Gemüse und gekocht in Salat gemischt.
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Weggiser
Syn. Graue Buntblühende
Ihr Name lässt vermuten, dass diese Kefensorte aus Weggis am Vierwaldstättersee stamme. Sie erscheint erstmals 1942 im Samenkatalog von Blankenhorn aus Teufen. 1946 ist sie auch bei Wyss als Synonym von ‘Niedrige graue Zucker’ und ‘Johannis’ aufgeführt. ‘Weggiser’ wurde hauptsächlich in der Schweiz angeboten. Sie kam in der Zeit des Zweiten Weltkriegs auf, in der das Heimatland verteidigt werden musste, und es wäre in diesem Kontext durchaus möglich, dass ein Samenhändler begann, eine ausländische Zuchtsorte unter einem Schweizernamen anzupreisen. Das sind aber alles nicht belegte Vermutungen. Jedenfalls führt die aktuelle EU-Sortenliste ‘Weggiser’ als Synonym zu ‘Graue Buntblühende’ auf. Wobei im heutigen Saatgutangebot vor allem bezüglich Wuchshöhe signifikante Unterschiede zwischen den verschiedenen Herkünften bestehen.
Merkmale Hat sehr viele, dafür kleinere, zarte Hülsen. Violette Blüten. Das reife Korn ist runzelig, grünbraun mit violetten Sprenkeln. Frohwüchsig. Mittelfrüh reifend. Die von ProSpecieRara erhaltene und bei Sativa Rheinau angebotene ‘Weggiser’ hat eine Wuchshöhe von 150 cm.
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Wilhelm Tell
Man müsste meinen, die Kefe ‘Wilhelm Tell’ sei eine urtypische Schweizerin. Doch genauere Informationen fehlen, und die Quellenlage ist dürftig. Der einzige Nachweis findet sich im Katalog der Samenhandlung Blankenhorn in Teufen, Appenzell Ausserrhoden, wo sie von 1948 bis 1960 angeboten wurde.
Merkmale Grüne lange Hülsen. Das reife Korn ist beige bis blassgrün und ziemlich prall. Niedrig bis mittelhoch wachsende Pflanze.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Winterkefe Frieda Welten
Frieda Welten aus Spiez im Berner Oberland war eine schweizer Biogarten-Pionierin. Sie gab bereits 1978 einen biologischen Gartenbau-Ratgeber heraus, als noch niemand etwas von biologischem Gärtnern wissen wollte. Die Grossmutter einer ihrer Kochschülerinnen aus Aeschi bei Spiez gab ihr die ersten Samen dieser Winterkefe. Winterkefen werden im Spätherbst in die Erde gelegt und sind durch ihren Wachstumsvorsprung im kommenden Jahr etwas früher reif als übliche Frühsorten.
Merkmale Pflanze wird bis über 2 m hoch und bildet Paare von violetten Blüten. Grosse Hülsen. Früh reifend. Das reife Korn ist braun bis blassgrün, nicht gesprenkelt und runzelig.
Anbau Frieda Welten rät: «Man sät die Winterkefen Ende Oktober oder Anfang November, sodass sie vor Wintereinbruch möglichst noch keimen, aber nicht zu gross werden (etwa 5 cm). Man kann sie erfahrungsgemäss auch noch an Weihnachten säen. Über den Winter schützt man sie am besten mit Erbshütchen (Drahthütchen) vor Schneedruck. Es hat sich gut bewährt, die Pflänzchen vor dem Winter mit Kompost oder Lauberde stark anzuhäufeln, beinahe einzubetten. Wenn die Kefen im Herbst zu gross werden, frieren sie im Winter ganz ab.» Ernte ist ab Ende Mai.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Winterkefe Rohrbachgraben
Ein Hausgärtner aus dem bernischen Gunzgen bekam Mitte der 1960er-Jahre eine Winterkefensorte von einer alten Frau, die sie schon seit Jahrzehnten anbaute und immer wieder selber Samen weiternahm. Sie übergab ihm diese Sorte zusammen mit dem Nüsslisalat ‘Gelber Rohrbachgraben’.
Merkmale Wächst hoch, aber nicht ganz so hoch wie die Winterkefe ‘Frieda Welten’. Ansonsten sehr ähnliche Blüten und Hülsen. Das reife Korn ist grünbraun mit Sprenkeln und runzelig. Mittelfrüh reifend.
Anbau Wird wie die Winterkefe ‘Frieda Welten’ im Spätherbst ausgesät.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz


Kefenernte bei ortoloco in Dietikon bei Zürich.
Stadtgeflüster
Romina Tschuor
In der Mittagshektik, die im Café in Zürich herrscht, erzählt Romina von ihrem Gartenparadies. Vor einem Jahr hat sie die unbenutzte Dachterrasse ihres Wohnhauses nach Absprache mit der Vermieterin in eine kleine, feine Gartenperle verwandelt. Vor allem die Tomaten haben es ihr angetan. Überall hat sie sich mit speziellen Tomaten eingedeckt: beim Detailhändler Globus, in der Innerschweiz bei einer Bäuerin und in den Ferien im Land der Tomaten, in Italien. «Ich habe alle Tomaten probiert und mir von den schönsten und schmackhaftesten die Samen aufbewahrt. Ich habe nur Tomaten verwendet, von denen der exakte Name bekannt war, sodass ich diesen nachschlagen konnte.» Mit den Samen hat es angefangen. Pro Sorte hat Romina etwa zwei bis vier Pflänzchen in ihrer Stadtwohnung liebevoll grossgezogen. «Ich setzte nur so viele Samen, wie ich brauchte. Pikieren finde ich nämlich schwierig.» Ihr Vater und der Freund der Schwester haben dann auf der Dachterrasse ein Tomatenhaus für sie gebaut. Nach Topfeinkäufen im Internet und in Fachgeschäften, nach Säckeschleppen und Planen hat sie nun zwanzig verschiedene Tomatensorten, darunter fünf von ProSpecieRara, ein Zuhause mit Aussicht gegeben. «Ich bin beim Erdeschleppen fast durchgedreht», meint die zierliche Frau lachend. Doch die Tomaten haben all den Schweiss belohnt und sich prächtig entwickelt.
Die Lieblinge
Vor allem die Sorten ‘Téton de Venus’ und ‘Bianca Cherry’ haben es der Neo-Gärtnerin angetan. Neben ihrem Lieblingsgemüse haben auch noch viele andere Pflanzen auf dem Dach Platz gefunden.
«Ich habe Fenchel, Erbsen, Salat und natürlich Mangold für meine Capuns angebaut.» Das Gartenwissen hat sich die gebürtige Sarganserin in Gesprächen mit Freunden, die einen Schrebergarten besitzen, sowie aus dem Buch «Das grosse Buch der Tomaten» angeeignet. Die reiche Ernte im Spätsommer hat ihr gezeigt, dass sie schon vieles richtig gemacht hat. «Ich habe sie nie gewogen, aber es waren sehr viele Kilogramm Tomaten. Ich habe extrem viel Tomatensalat gegessen, meist nur mit etwas Olivenöl, Salz und Pfeffer. Der Eigengeschmack ist so delikat – Sauce oder Essig wären zu stark gewesen. Die Tomaten dürfen auch nicht in den Kühlschrank, dann schmecken sie viel besser», meint sie. Die rest lichen Tomaten hat Romina zu Sugo und Tomatensuppe verkocht. «Getrocknet habe ich letztes Jahr zwar noch keine, aber vielleicht probiere ich das auch noch aus.»
Tomaten für Körper und Portemonnaie
Dank einer Zusatzausbildung in den Bereichen Phytotherapie und Diätetik wird der Garten und die biologische Lebensmittelproduktion ein immer wichtigerer Aspekt im Leben der «Fast-Vegetarierin». «Es ist mir wichtig, mich mit naturbelassenen Produkten auseinanderzusetzen.» Auf die Frage, welche Bedeutung der Tomate in der Traditionellen Chinesischen Medizin zukommt (ein Bereich, der Romina in der Heilpraktikerschule besonders interessiert), zückt die junge Frau ihr iPad und liest aus dem Onlinelexikon ihrer Schule vor: «Sie wirkt kühlend, tonisierend, löst Nässe und Feuchtigkeit im Körper auf.»
Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Faktor ist auch der Preis. «Richtig feine Bio-Tomaten kosten im Laden sehr viel Geld», sagt die Teilzeitstudentin. Da sie bei ProSpecieRara samenfeste Sorten bekommt, muss sie nicht jeden Frühling Geld für Setzlinge ausgeben, sondern kann ihre eigenen Sorten züchten. Zudem findet Romina die Grundidee von ProSpecieRara spannend, «dass man versucht, Traditionen zu bewahren und zu pflegen und dass man die Möglichkeit bekommt, sich selbst zu versorgen».
Eine Terrasse für alle
«Der Garten ist für mich primär ein Ort, an dem ich meine Ruhe habe», meint sie bestimmt. Seit sie die grosse Dachterrasse bepflanzt hat und im Sommer überall Gemüse und Blumen wachsen, haben aber auch die anderen Hausbewohner den Weg hinauf ins grüne Paradies gefunden. «Oft essen sie jetzt hier oben zu Abend. Die liebe Nachbarin, die mir beim Giessen geholfen hat, kann sich natürlich auch bei den reifen Tomaten bedienen. Lustigerweise konnte ich auch ein paar meiner Freunde mit dem Gärtner-Virus anstecken. Denen gebe ich gerne Samen oder Setzlinge weiter.
Die sind dann ganz gespannt, ob es bei ihnen zu Hause im Topf auch so schön grünt.»
Bald jedoch wird Romina ihre grosse Terrasse gegen «nur» zwei Balkone eintauschen – mit ihren Lieblingstomaten und weiteren Setzlingen im Gepäck. «Hoffentlich hat es auf den neuen Balkonen genug Sonne», ist ihre grösste Sorge. Das Tomatenhaus und die Töpfe lässt sie vorerst auf der alten Dachterrasse zurück. «Platz hätte ich ja auf meinen Balkonen sowieso nicht genug.» Die anderen Hausbewohner wird’s freuen. Nach ihrer Ausbildung wird sie sich dann einen grossen Garten suchen.

Persönliches
Die 26 Jahre alte Romina Tschuor aus Sargans hat eine Ausbildung als Pharma-Assistentin abgeschlossen. Anschliessend an die Lehre hat sie sich an der Zürcher Hochschule der Künste weitergebildet und arbeitet heute in einer Zürcher Galerie für zeitgenössische Kunst. Ihrer Leidenschaft für Pflanzenheilkunde folgend, pendelt sie mehrmals wöchentlich nach Luzern, um ein Studium der Phytotherapie und Diätetik nach Traditioneller Chinesischer Medizin zu absolvieren und arbeitet schon Teilzeit als Ernährungsberaterin und Phytotherapeutin nach westlicher TCM. Nebenbei bepflanzte sie im Jahr 2012 zum ersten Mal ihre Dachterrasse.
Weiteres erfahren Sie unter: www.botanicaltreat.ch
Auskernerbse Konservenkönigin
Eine alte Sorte, die wohl viele aus der Grosselterngeneration als Kind noch aus den «Erbsli-Rüebli-Büchsen» assen. «Aufgrund des kleinen, gut sortierenden Korns wurde die Sorte früher von der Industrie gern aufgenommen. Da sie jedoch in Folge des hohen Wuchses für den feldmässigen Anbau weniger geeignet ist, ist die Bedeutung der Sorte sehr zurückgegangen», schreiben Kampe et al. schon 1955. 1901 kam die ‘Auskernerbse Konservenkönigin’ auf den Markt. Rund hundert Jahre lang war sie im Samenhandel. 2002 fiel sie bei der Firma Wyss Samen und Pflanzen AG in Zuchwil (Kanton Solothurn) aus dem Sortiment.
Merkmale Hoher Wuchs mit hellem Laub. Hellgrüne, schmale, schwach gekrümmte Hülsen mit schnabelförmiger Spitze. Lockerer Wuchs. Das reife Korn ist klein, glattschalig und blass bläulich-grün. Mittelspät bis spät reifend. Aufgrund des glatten, runden Korns wird sie manchmal auch den Palerbsen zugeordnet. Von der Industrie wurden aber immer die unreifen grünen Kerne verwendet, wie dies bei Markerbsen üblich ist.
Anbau Wegen ihrer Höhe nicht für die Maschinenernte geeignet. Für den Hausgarten, wo von Hand geerntet wird, ist sie eine sehr empfehlenswerte Sorte.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Boueverli Helmishub
Diese alte Markerbsensorte, die seit Generationen in einer Familie weitergegeben wurde, wird von dieser bis heute «Boueverli» genannt. Die Markerbsen wurden von der Grossmutter (geb. 1892) im Ostschweizer Weiler Helmishub, Kanton Thurgau, angebaut. Die Tochter nahm dann bei ihrem Wegzug aus der Familie einige Kerne mit nach Heldswil (ebenso Kanton Thurgau) und gab sie später wiederum an ihre eigenen Nachfahren weiter.
Merkmale Grosse, grüne und süsse Erbsen. Weisse Blüten. Wächst bis 2 m hoch, üppig und kräftig wachsend. Das reife Korn ist gelb- bis blassgrün und runzelig.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Juwel
Diese deutsche Zuchtsorte wurde von der auf Erbsenzüchtung spezialisierten Firma Van Waveren, damals in Weissenfels, aus der Sorte ‘Horal’ selektiert. Sie kam 1938 in den Handel. Kampe beschreibt sie 1955: «Gute Wuchs- und Ertragseigenschaften, verbunden mit guter Konservierbarkeit, haben diese neuere Sorte schnell zu einer führenden (Markerbse) im feldmässigen Anbau gemacht. Sie wird von der Konservenindustrie in grossem Umfang aufgenommen.»
Merkmale Hülse schmal, 7 bis 8 cm lang. Reifes Korn gelbgrün, geschrumpft. Blüte weiss. Wuchshöhe niedrig, 50 bis 60 cm. Wuchs sehr aufrecht. 2 bis 3 blaugrüne Blattpaare pro Blatt und zahlreiche Ranken, die sich fest ineinander verhaken. Reife mittelfrüh.
Verwendung Süsse Markerbse. Flache Hülsen sind jung auch als Zuckererbsen zu verwenden.
Erhältlich über Arche Noah

Kenturio
Als Belohnung für ihre guten Dienste schenkte eine Frau Fürst aus dem zürcherischen Gutenswil bei Uster ihrer Magd 1935 einige Samen der Sorte ‘Kenturio’. Die Magd baute diese geschmacklich ausgezeichnete Markerbse weiterhin an und gab sie auch ihrer Schwester, die sie Anfang der 1990er-Jahre zur Erhaltung an ProSpecieRara übergab.
Merkmale Hoch und üppig wachsend. Weisse, grosse, nickende Blüten. Grosse, dunkelgrüne Hülsen. Eine Hülse pro Rispe. Das reife Korn ist runzelig und blassgrün. Üppiges Laub. Spät reifend.
Anbau Robust.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Markerbse Adliswil
In einem Familiengarten in Adliswil, Kanton Zürich, beobachtete eine passionierte Gärnterin in einem schwierigen Frühjahr, in dem ihre eigenen Erbsen kümmerlich wuchsen, dass diejenigen ihres Gartennachbarn prächtig gediehen. Und so begann sich diese ertragreiche Markerbse zu verbreiten.
Merkmale Niedrig bis mittelhoch. Kräftig, buschig wachsend. Dunkelgrüne Blätter. Weisse Blüten, zu 1 bis 2 an einer Rispe. Feine gekrümmte Hülsen mit mittelgrossem Korn. Das reife Korn ist blassgrün und runzelig. Spät reifend.
Anbau Meist robust mit gutem Ertrag.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Non Plus Ultra
Dies ist eine in Schweden selektierte Linie der erstmals 1845 erwähnten Sorte ‘Ne Plus Ultra’. Sie wird von anderen Quellen als «eine der besten englischen Erbsensorten» bezeichnet. Im deutschsprachigen Raum befand sie sich in den 1920er-Jahren häufig im Anbau und auch in England wurde sie sehr empfohlen. The Vegetables of New York lobte sie 1928 als Markerbse «von exzellenter Qualität».
Merkmale Hülsen gleichmässig ausgebildet, siebensamig. Korn sehr gross. Relativ niedrigwüchsig. Spross stämmig.
Anbau Übertrifft die Ausgangssorte im Ertrag.
Erhältlich über Arche Noah

Ruhm von Braunschweig
Deutsche Sorte, die schon vor 1945 bekannt war. Die Sorte steht auf der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen in Deutschland (2010) mit regionaler Bedeutung in Niedersachsen.
Merkmale Hülsen gut gefüllt. Reifes Korn trocken, relativ klein, 9 mm im Durchmesser, weisslich-grün, zylindrisch und stark gerunzelt. 6 bis 8 Körner pro Hülse. Blüte weiss. Mittelhoch bis 100 cm rankend. Blätter gross.
Verwendung Süsse Grünerbsen, sehr junge Hülsen auch wie Kefen/Zuckererbsen zu nutzen. Laut einer Erhalterin gut geeignet als Gemüse in Butter geschwenkt oder in Sahnesauce.
Erhältlich über Arche Noah

Spanische Erbse
Ein spanischer Einwanderer aus den Pyrenäen nahm diese Markerbse aus seiner alten Heimat mit. Im zürcherischen Adliswil baute er sie über Jahre erfolgreich an und gab sie auch seinen Gartennachbarn weiter.
Merkmale Grosse pralle Hülsen mit grossen Erbsen darin. Bis 180 cm hoch wachsende Pflanze. Weisse Blüten. Das reife Korn ist blassgrün und runzelig.
Anbau Braucht Stützhilfe.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Tante Emma
Eine Gärtnerin aus dem zürcherischen Ottenbach bekam in den 1950er-Jahren eine Erbsensorte von ihrer Tante Emma geschenkt. Sie baute diese Hausgartensorte rund vierzig Jahre regelmässig an und benutzte immer wieder eigene Samen weiter.
Merkmale Dunkelgrüne, breite Hülsen. Grosse, lilaviolette, nickende Blüten. 1 Hülse pro Rispe. Das reife Korn ist blassgrün bis braun und runzelig. Wächst hoch. Starke hell- bis graugrüne Belaubung. Mittelspät reifend.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Téléphone
Syn. Téléphone à rames
In London wurde diese Sorte von M. J. Carter um 1878 vorgestellt. In Genf wurde sie danach erprobt. Da sie aber nicht so ertragreich war, setzte sie sich im Erwerbsanbau nicht durch. In bürgerlichen Hausgärten aber fand man Verwendung für die ‘Téléphone’ und so erlangte sie auch in der Schweiz eine gewisse Bedeutung. Vilmorin erwähnt sie erstmals 1886 und lobt sie auch 1947 noch wegen ihren «sehr schönen Hülsen». ‘Téléphone’ ist bis heute auf der EU-Sortenliste angemeldet.
Merkmale Hochwachsend, bis 1,7 m. Lange, dicke Hülsen. Dicke blassgrüne Kerne von sehr süssem ausgezeichneten Geschmack. Weisse, grosse Blüten. Nur schwache Belaubung. Hell- bis graugrüne Blätter. Reifes Korn runzelig und blassgrün. Spät reifend.
Anbau Am richtigen Standort hat sie einen guten Behang.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Téléphone Nain
Syn. Daisy
1940 findet sich die erste namentliche Erwähnung der niedrigen Schwester der Sorte ‘Téléphone’ im Guide Clause. Im Samenkatalog von Vilmorin erscheint sie einige Zeit später, 1947, mit dem Synonym ‘Daisy’. Bis heute hat die Sorte eine Bedeutung im Anbau und ist noch auf der offiziellen EU-Sortenliste angemeldet.
Merkmale Bauchige, 8 bis 10 cm lange, hellgrüne Hülsen (auf dem Bild sehr junge Hülse). Wächst niedrig, 60 bis 70 cm hoch. Runzeliges, leicht viereckiges Korn, das beim Ausreifen blassgrün wird. Spät reifend.
Anbau Ertragreich.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Velö Borsó
Diese Hausgartensorte aus Ungarn stammt vom Budapester Gemüsemarkt und ist seit 1989 im Samen-Archiv von Arche Noah. «Velöborsó» ist ungarisch und wird mit «Markerbse» übersetzt.
Merkmale Grüne Hülse, etwa 12 cm lang und 1,4 cm breit. 8- bis 10-samig. Reifes Korn grün bis weisslich grün, mit unregelmässiger Form und runzeliger Oberfläche. Junge Hülsen häufig gewellt. Blüte weiss. Wuchshöhe mittelhoch, bis 1,3 m. Mittelfrüh reifend.
Verwendung Leicht mehlige Markerbse mit sehr gutem Geschmack.
Erhältlich über Arche Noah

Vera
Diese Markerbsensorte kam mit deutschstämmigen Siedlern um die Jahrtausendwende aus Kasachstan nach Mitteleuropa.
Merkmale Guter Hülsenansatz, dichter Samenbesatz. Blüte weiss. Wuchshöhe mittelhoch, bis 100 cm. Früh reifend.
Erhältlich über Arche Noah

Wunder von Kelvedon
Syn. Kelvedonian
Eine sehr frühe und produktive Markerbsensorte. Erste Erwähnung dieser englischen Sorte findet sich im Katalog von Vilmorin 1904. Er nannte sie damals ‘Kelvedonian’, später dann ‘Merveille de Kelvedon’. Im 20. Jahrhundert war sie weit verbreitet: Nennungen finden sich in Südtirol bei der Samenhandlung Biasion 1966/1967. In der Schweiz soll sie ab 1944 im Handel gewesen sein. Kampe preist 1955 ihren guten Marktwert. Auch heute erscheint sie noch auf der europäischen Sortenliste und ist vereinzelt bei kleineren Samenfirmen als Saatgut zu finden.
Merkmale Lange, dunkelgrüne und volle Hülsen. Das reife Korn ist blassgrün und runzelig. Niedrig wachsende Pflanze, bis 60 cm. Mittelfrüh reifend.
Anbau Produktive Sorte.
Verwendung Auch für die Konservierung geeignet.
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Blauschokker
Syn. Blaue Erbsli, Blue Pod
Diese wunderschönen blauen Hülsen muss man beim Ernten nicht lange an der Pflanze suchen. ‘Blauschokker’ ist eine altbewährte Schalerbse mit langer Tradition in Ostfriesland und Holland. Leider sind die schönen blauen Hülsen zäh und nicht geniessbar. Verwendet werden die trockenen Kerne.
Merkmale Violette Blüten. 5 bis 6 cm lange violettblaue Hülsen. Die ausgereiften Körner sind grünbraun und runzelig. Wuchshöhe 180 cm. Früh reifend.
Anbau Die Hülsen bis zur vollständigen Trockenheit an der Pflanze hängen lassen und erst dann ernten. Ertragreiche Sorte. Erträgt Hitze schlecht, deshalb unbedingt zeitig im Frühjahr anbauen: Aussaat im März und Anfang April. Für Höhenlagen geeignet.
Verwendung Die trockenen Kerne werden traditionell für deftige, rustikale Gerichte mit Speck gekocht.
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Lötschentaler
Syn. Fellenberg, Gommererbse
Die ‘Lötschentaler’ ist eine typisch alpine Lokalsorte aus dem Wallis. Es sind verschiedene Herkünfte aus dem Lötschental und dem Goms bekannt, auch unter den Namen ‘Fellenberg’ und ‘Gommererbse’, was auf ihre einst grosse regionale Verbreitung hinweist.
Merkmale Wächst buschig und hoch. Zierliche und feinblättrige Pflanze. Weisse Blüten. Bildet zahlreiche kleine Hülsen, die gut gefüllt sind. Die reifen Körner sind rund und gelb. Spät reifend.
Anbau Ertragreich. Geeignet für höhere alpine Lagen, aber etwas anfällig auf Mehltau.
Verwendung Die Erbsen wurden üblicherweise im reifen Zustand ausgedroschen und als Trockenerbsen in Suppen gekocht. Sie können auch gemahlen und dann für Suppen oder Brot verwendet werden. Oder man weicht sie ein, kocht sie und bereitet sie gedünstet oder zu einem Mus zerstossen zu. Ferner sind die Erbsenkörner ohne Probleme lagerbar.
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Trockenerbse Basel
Eine Hausgartensorte aus Basel. Möglicherweise stammt sie ursprünglich aus Holland und könnte auf die Sorte ‘Blauschokker’ zurückgehen, der sie sehr ähnlich ist. Sie hat runzelige Samen wie sie normalerweise Zuckererbsen haben, ist aber immer als Trockenerbse verwendet worden.
Merkmale Hochwachsend. Mittlere, hell- bis graugrüne Belaubung. Lilaviolette grosse Blüten zu 1 bis 2 pro Rispe. Violette Hülsen, leicht gekrümmt. Das ausgereifte Korn ist viereckig, runzelig, grün bis braun mit violetten Sprenkeln. Spät reifend.
Anbau Liefert guten Ertrag.
Verwendung Geeignet für Suppen. Deftig und sehr gut im Geschmack.
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Erdbeerspinat
Chenopodium foliosum Asch. Chenopodiaceae (Gänsefussgewächse)
Geschichte
Der wilde Erdbeerspinat stammt ursprünglich aus Südeuropa, Nordafrika und angrenzenden Teilen Asiens. Die Menschen kannten und assen den Erdbeerspinat wohl schon zur Zeit des Römischen Reiches. Mit der Ankunft des echten Spinats in Mitteleuropa im 16. Jahrhundert wurde der Erdbeerspinat dann immer mehr verdrängt, da der echte Spinat grössere Blätter bildete und leichter zu ernten war. Allerdings hatte der Erdbeerspinat wohl auch vorher schon nur ein Nischendasein in Hausgärten geführt und wurde vor allem als Zierpflanze angebaut. In Weimar wurde der Hausgarten des Literaten Johann Gottfried Herder (1744-1803) rekonstruiert; dort wachsen heute wieder Gemüsesorten und Kräuter, wie sie damals auf dem Speisezettel zu finden waren. Dazu gehört auch der Erdbeerspinat. Vom Anbau in den Gärten ist der Erdbeerspinat vielerorts ausgewildert, sodass er heute auch in Osteuropa, dem südlichen Afrika und Nordamerika zu finden ist. In unseren Breitengraden kommt er gelegentlich in Unkrautbeständen, auf Schutthalden, Burgruinen oder an Wegrändern vor. Nach einem Waldbrand im Wallis wuchs er in den ersten Jahren verbreitet als Pionierpflanze.

Ursprungsregion des Erdbeerspinats.
Botanik
Der Name «Erdbeerspinat» bezieht sich auf das Aussehen der kleinen roten Früchte und die spinatartige Verwendung der Blätter. Die Früchte schmecken jedoch nicht nach Erdbeeren, sondern eher etwas fade und erinnern an Rote Bete. Neben dem echten Erdbeerspinat (Chenopodium foliosum) gibt es auch den nah verwandten Kopfigen oder Ährigen Erdbeerspinat (Chenopodium capitatum). Er schmeckt sehr ähnlich.
Der Erdbeerspinat ist eine einjährige, wildwachsend auch eine zweijährige Pflanze mit Wuchshöhen von 15 bis 70 Zentimetern. Er bildet zunächst eine Blattrosette, von der aus der Stängel aufrecht und oft verzweigt wächst. Die Laubblätter sind schmal dreieckig-eiförmig und tief gezähnt. Blütezeit ist von Juni bis Juli. Die Bestäubung der unscheinbaren Blüten erfolgt über den Wind, Erdbeerspinat ist ein Fremdbefruchter. Im Unterschied zum Kopfigen Erdbeerspinat besitzen beim Erdbeerspinat auch die oberen Blütenknäuel Tragblätter. Nach der Blüte entwickeln sich im August/September kugelige maulbeerartige Früchte. Die Samen haben einen Durchmesser von etwa 1 Millimeter, die Samenschale ist rotbraun oder schwarz. Die Pflanze vermehrt sich leicht durch Selbstaussaat.
Züchtung
Der Erdbeerspinat wurde bisher kaum durch züchterische Massnahmen selektiert; es gibt keine Sorten, sondern nur verschiedene Herkünfte.
Anbau
Erdbeerspinat ist eine anspruchslose Pflanze und kann auf allen Böden angebaut werden, allerdings werden die Pflanzen grösser und üppiger auf humosem, mit Dünger angereichertem Boden. Zum Gedeihen benötigt er einen sonnigen bis halbschattigen Standort. Die Aussaat erfolgt von März bis August direkt im Freien in einer Tiefe von 1 bis 1,5 Zentimetern.

Der Erdbeerspinat bekam seinen Namen nicht umsonst – seine Früchte sehen aus wie Beeren, schmecken aber nicht so süss.
Es ist sinnvoll, zu verschiedenen Zeiten zu säen, um laufend frische Blätter ernten zu können. Die spät gesäten Pflanzen bilden ebenso wie die aus Selbstaussaaten im nächsten Frühling besonders kräftige Rosetten, bevor sie in Blüte gehen. Der Reihenabstand sollte etwa 15 bis 25 Zentimeter betragen, innerhalb der Reihen wird ein Abstand von 10 bis 15 Zentimetern empfohlen. Die Keimdauer beträgt 15 bis 20 Tage bei 10 bis 25 Grad, die Entwicklung bis zur Erntereife etwa 2 Monate. Es können sowohl die Rosettenblätter als auch fortlaufend die Stängelblätter geerntet werden. Wichtig ist regelmässiges Giessen und ein Lockern zwischen den Reihen.
Der Erdbeerspinat eignet sich auch für die Terrasse oder den Balkon, wo er in mitte lgrossen Töpfen und Kästen kultiviert werden kann. Krankheiten und Schädlinge halten sich meist in Grenzen. Erdbeerspinat ist ideal für alle, die alte Sorten pflegen sowie eine schnell wachsende und auffällige Pflanze haben möchten.


Die Blätter des Erdbeerspinats kocht man wie Spinat als Gemüse.
Verwendung
Wenn die Blätter noch jung und zart sind, lassen sie sich roh als Salat verwenden; ansonsten bietet sich eine Zubereitung ähnlich wie die von Spinat an, das heisst, man dünstet die Blätter einfach in Butter. Darüber hinaus kann der Erdbeerspinat wie auch der Spinat für verschiedenste Gerichte verwendet werden, zum Beispiel für eine Quiche oder als Pfannenkuchenfüllung. Da die Blätter schnell welken, werden sie am besten direkt vor der Zubereitung geerntet. Sie können aber auch einige Tage luftdicht verpackt im Kühlschrank lagern oder eingefroren werden wie Spinat.
Die roten Beeren sind zwar essbar, aber wenig schmackhaft und voller Samen. Der Volksname «Beermelde» oder Schminkmelde» weist darauf hin, dass die Früchte früher auch zur Färbung der Wangen genutzt wurden.
Inhaltsstoffe
Die Inhaltsstoffe des Erdbeerspinats ähneln denen der anderen Spinat-Gemüsearten. Er enthält viele Ballaststoffe, Carotin, Mineralien, Proteine und Vitamine. Vor allem die Vitamine gehen bei langem Erhitzen verloren, deswegen wird meist empfohlen, Spinat nur kurz zu blanchieren oder zu dünsten. Darüber hinaus enthält Erdbeerspinat aber auch Oxalsäure, die in höherer Konzentration gesundheitsschädlich ist (es kann zu einer Verarmung an Kalzium und zu Nierenschäden kommen). In vernünftiger Menge genossen, handelt es sich beim Erdbeerspinat aber um ein sehr gesundes Lebensmittel.
Heilwirkung
Der Erdbeerspinat hat auch eine medizinische Bedeutung. Die jungen Blätter sind reich an Vitamin C und wurden als Mittel gegen Skorbut eingesetzt. Ausserdem wirkt ein Brei aus zerkleinerten und gekochten Blättern etwas abführend. Solch ein Brei wurde von den Indianern Nordamerikas auch zur Schmerzlinderung bei Zahnschmerzen und Rheuma benutzt.

Etagenzwiebel
Luftzwiebel, Johanniszwiebel
Allium × proliferum (Moench) Schrad. ex Willd. Amaryllidaceae (Amaryllisgewächse), früher: Alliaceae (Zwiebelgewächse)
Geschichte
Man geht heute davon aus, dass die Etagenzwiebel durch Kreuzung von Speisezwiebel (Allium cepa) und Winterheckenzwiebel (Allium fistulosum) entstanden ist. Die Etagenzwiebel kommt, von gelegentlichen Auswilderungen abgesehen, nur als Kulturpflanze vor. 1796 wird die Etagenzwiebel in Aufzeichnungen der Gärtnerei eines Mr. Driver bei London beschrieben. Damals glaubte man, sie gehöre einer eigenen Art an, und nannte sie Allium canadense. Im «Curtis Botanical Magazine», einer amerikanischen botanischen Zeitschrift aus dem Jahr 1812, wurde die kanadischeAbstammungder Etagenzwiebel fälschlicherweise bestätigt. Als «oignon catawissa» tauchte die Etagenzwiebel wieder in Europa auf, als Mr. Lentillac sie 1875 von Amerika nach Europa brachte.
Bedeutung heute
Im Erwerbsanbau wurde und wird die Etagenzwiebel nicht genutzt. Sie hat Liebhaberwert und wird in Hausgärten da und dort angebaut.
Botanik
Die Etagenzwiebel ist eine der kuriosesten Zwiebeln. Sie ist mehrjährig und frosthart und vermehrt sich in der Regel nur vegetativ über Brutzwiebeln. Unterirdisch bildet die Etagenzwiebel Nebenzwiebeln, die ähnlich wie bei Schalotten ein Nest bilden. Oberirdisch wachsen röhrenförmige saftige Blätter und ein Schaft, auf dem sich in 20 bis 30 Zentimetern Höhe ein Nest von kleinen Brutzwiebeln, sogenanaten Bulbillen, bildet. Diese Brutzwiebeln treiben wiederum aus und können eine zweite, manchmal sogar eine dritte Etage bilden. Die Brutzwiebeln dienen der Pflanze ebenso wie die jungen Nebenzwiebeln in der Erde zur vegetativen Vermehrung. Wenn sich die oberirdischen Brutzwiebeln senken und den Boden erreichen, schlagen sie von selbst Wurzeln in der Erde. Zur Blüte kommt die Etagenzwiebel nur sehr selten; wenn doch, dann kommen vereinzelte Blüten und Brutzwiebeln gemeinsam auf einem Blütenschaft vor.
Züchtung
Etagenzwiebeln wurden nie züchterisch bearbeitet. Aus Hausgärten sind aber lokale Selektionen erhalten geblieben, die sich in der Grösse, Form und Farbe der Brutzwiebeln und ihrer Schale unterscheiden.
Anbau
Etagenzwiebeln sind zwar nicht sehr ertragreich, aber dafür sehr dekorativ. Die Vermehrung ist einfach: Man nimmt die oberirdischen Brutzwiebeln ab und steckt sie wieder in die Erde. Bester Zeitpunkt dafür ist August. Die Pflanzabstände sollten 20 Zentimeter in der Reihe und 30 bis 40 Zentimeter zwischen den Reihen betragen. Die Etagenzwiebel verlangt nicht viel Pflege. Es reicht in der Regel aus, im Frühjahr etwas zu düngen und den Boden frei von Unkraut zu halten und zu lockern. Die Pflanze ist winterhart und kann sich, einmal eingewachsen, gut selbst mit Wasser versorgen. Allerdings sollte das Beet alle drei bis vier Jahre gewechselt und eine Anbaupause von vier Jahren eingehalten werden. Es können die gleichen Krankheiten und Schädlinge auftreten wie bei der Speisezwiebel, aber in der Regel sind die Etagenzwiebeln robuster. Geerntet werden sowohl die Brutzwiebeln als auch die unterirdischen Nebenzwiebeln ab Ende Juli. Die Etagenzwiebel kann auch gut auf dem Balkon in Gefässen kultiviert werden.

Verwendung
Die Brutzwiebeln der Etagenzwiebel eignen sich für den Rohverzehr, für Saucen und zum Braten mit Kräutern. Sie sind meist ziemlich scharf im Geschmack. Aufgrund ihrer geringen Grösse lassen sie sich auch sehr gut in Essig oder süss-sauer einlegen. Neben den Zwiebeln kann man im zeitigen Frühjahr auch das frische Laub der Etagenzwiebel als Küchenkraut wie Schnittlauch verwenden.

Die Brutzwiebeln der Etagenzwiebel wachsen etagenweise über dem Boden.
Etagenzwiebeln werden auch als Schnittblumen in der Floristik verwendet, allerdings sollte man sie entweder in gut belüfteten Räumen aufstellen oder sich mit einem leichten Zwiebelduft arrangieren können.
Inhaltsstoffe
Bei den Inhaltsstoffen und dem Wert für die Ernährung ist die Etagenzwiebel mit der Speisezwiebel vergleichbar.
Fenchel
Knollenfenchel, Gemüsefenchel
Foeniculum vulgare subsp. vulgare var. azoricum (Mill.) Thell. Apiaceae (Doldenblütler)
Der Gartenfenchel (Foeniculum vulgare subsp. vulgare) umfasst die drei Varietäten Knollenfenchel (var. azoricum), Gewürzfenchel (var. dulce) und Wilder Fenchel (var. vulgare), wobei der Knollenfenchel (var. azoricum) als einzige Varietät eine Knolle, bildet und als Gemüse verwendet wird.
Geschichte
Man nimmt an, dass aus Wildformen des Fenchels die Vorgänger der heute als Gewürzfenchel (var. dulce) bezeichneten Varietät entstanden sind. Diese Varietät bildet keine Knolle, besitzt jedoch stark aromatische Samen. Rund um das Mittelmeer, im arabischen Raum und bis nach China wird der Gewürzfenchel schon seit der Antike kulinarisch und pharmazeutisch verwendet. Bis heute wachsen verschiedene nah verwandte Fenchelarten als Wildpflanzen. Sie gelten als heilig und heilkräftig. Im alten Rom hat man die Sprossen als Gemüse gegessen und die Samen als Gewürz in Fleischsaucen gegeben. Die Römer schätzten Fenchel und überlieferten Rezepte. In Griechenland nannte man ihn «Marathon» nach dem berühmten Ort an der Ostküste Attikas, der inmitten von Fenchelfeldern lag. Im Zusammenhang mit dem Sieg Miltiades über die Perser im Jahr 490 v. Chr. und dem berühmten Meldelauf über 42 Kilometer erlangte der Fenchel den Ruf als Symbol für Mut und Erfolg. Krieger – später auch römische Gladiatoren – assen Fenchel oder rieben sich mit Fenchelsaft ein, um siegreich aus dem Kampf hervorzugehen. Die Sieger wurden mit dem duftenden Fenchellaub gekrönt.

Ursprungsregion der Ausgangsformen des Fenchels, Foeniculum vulgare.
Als Gewürzpflanze wanderte der Fenchel früh über die Alpen. Karl der Grosse (747 bis 814) hat ihn in sein Verzeichnis der Kulturpflanzen, «Capitulare de villis», aufgenommen. Seit dem Mittelalter wurde Fenchel als Gewürzpflanze nördlich der Alpen vor allem in Klostergärten kultiviert.
Über die Entstehung des Knollenfenchels (var. azoricum) weiss man nur, dass seine Herkunft vermutlich in Italien liegt und dort der wild wachsende Fenchel züchterisch verbessert wurde. Der Knollenfenchel wurde oft auch «Florentiner Fenchel», «Römischer Fenchel» oder «Bologneser Fenchel» genannt.
Bedeutung heute
In den Mittelmeerländern ist der Knollenfenchel seit Langem ein wichtiges Gemüse. Italien ist Europas grösster Fenchelproduzent und -exporteur. Heute wird Knollenfenchel auch in vielen west- und mitteleuropäischen Ländern, allen voran in Belgien, Holland, der Schweiz und in Grossbritannien angebaut.
Botanik
Der einjährig zu kultivierende Knollenfenchel wird 50 bis 80 Zentimeter hoch und bildet oberirdisch eine Zwiebel, die man in der Umgangssprache als Knolle (Scheinknolle) bezeichnet. Daher kommt auch der Name Knollenfenchel. Die Pflanzen besitzen an ihren glatten Stielen feingegliederte Blätter, die dem Gartendill ähneln. Als Gemüse lassen sich die saftig-fleischigen, weissen bis hellgrünen Scheiden der Grundblätter verwenden.
Sortenvielfalt
Sortenabhängig können die Blattscheiden kurz und breit oder schmal und länglich sein. Der Fenchel ist eine Langtagspflanze, das heisst, er neigt zum Schossen bzw. Blühen, wenn die Tage länger werden. Bei Gemüsefenchel ist diese Eigenschaft unerwünscht, da man ja möglichst grosse Knollen ernten möchte. Alte Sorten sind deshalb oft nur für den Herbstanbau mit Aussaat nach Mitte Juni geeignet. Seit den 1970er-Jahren wurden einige schosstolerante Sorten gezüchtet, die sich auch für den Frühjahrsanbau eignen. Ein Züchtungsdurchbruch gelang der Schweizerischen Forschungsanstalt in Wädenswil mit der 1979 angemeldeten Sorte ‘Zefa Fino’. Unterdessen sind durch konsequente Auslese auch samenfeste Fenchelsorten erhältlich, die sich für den Ganzjahresanbau eignen. Die Knollenform wird nicht ausschliesslich von den Erbanlagen bestimmt, sondern vor allem auch von den Witterungseinflüssen (Trocken- und Hitzestress) sowie vom Alter und der Grösse der Jungpflanzen.

Zur Samengewinnung lässt man schöne Fenchelknollen blühen und ausreifen.
Anbau
Der Fenchel liebt humus- und nährstoffreichen, tiefgründigen Boden.
Der Sommerfenchel entwickelt bei früher Saat vor dem Schossen genügend grosse Knollen. Ab Februar kann die Aussaat im Haus erfolgen, ab April ist bei warmen Temperaturen auch die Direktsaat möglich. Die ideale Keimtemperatur liegt bei 20 Grad, nach der Keimung können die Pflänzchen behutsam an etwas tiefere Temperaturen, aber nicht unter 15 Grad, gewöhnt werden.
Der Herbstfenchel sollte wegen Schossgefahr erst nach dem 20. Juni im Freiland an einem warmen und geschützten Ort gesät werden. Damit der im Hochsommer gesäte Fenchel bis zum November erntereif ist, benötigt er viel Wärme. Ideal ist der Anbau im Weinbauklima oder auf einem Hochbeet. Gegen Ende Oktober wird der Knollenfenchel frostsicher, in Erde eingegraben, im Keller gelagert.
Wer in ungünstigeren Klimalagen gärtnert, sollte entsprechend auf schossfeste Ganzjahressorten zurückgreifen und diese im Warmen vorziehen.

Sommerfenchel

Herbstfenchel
Verwendung
Fenchel ist ein sehr vielseitiges Gemüse mit einem unverwechselbaren milden, anisähnlichen Aroma. Gern wird er auch Saucen und Hackfleisch beigemischt. Fein gehackte Fenchelblätter verwendet man beispielsweise in der Bouillabaisse. Bei vielen Fleischgerichten wird Fenchel mitgekocht, um deren Unverträglichkeit abzubauen. Genossen wird die Knolle aber auch in Salaten, Gemüsegerichten oder traditionell als Beilage zu gedünsteten Fischgerichten. In Italien werden die Samen gern auch zum Verfeinern von Salami verwendet.
Inhaltsstoffe
Der Knollenfenchel ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen, insbesondere an Kalzium. Er beinhaltet auch doppelt so viel Vitamin C wie die gleiche Menge Orangen.
Die mehrheitlich relevanten Stoffe des Gewürzfenchels sind in den Samen mit hohem Anteil an ätherischen Ölen vorhanden. Der Inhaltsstoff Anethol ist verantwortlich für den Anisgeschmack und das Fenchon gibt den typischen Fenchelgeschmack.
Heilwirkung
Der Gemüsefenchel ist reich an Ballaststoffen. Er gilt als ideales «Abspeckgemüse». Roh als Salat ist der Gemüsefenchel ein wahres Gesundheitselixier. Fenchel ist gut verdaulich und eignet sich als Schon- und Babykost. Fenchelhonig oder Fenchelsamentee werden als traditionelle Hausmittel bei Erkältungen und bei Störungen im Magen-Darm-Trakt eingesetzt. Fencheltee regt bei stillenden Müttern den Milchfluss an. Der Gemüsefenchel entwässert, entschleimt und entgiftet. Das Gemüse entkrampft den Darm und beruhigt die Nerven. Bei den Griechen galt der Fenchel als Mittel gegen Magenkrankheiten und zur Schärfung der Augen, aber es hiess auch, dass die Samen die Lust reizen, während die Blütendolden als Liebeszauber verwendet wurden.

Die Italiener züchteten die ersten knollenbildenden Fenchel.
Fino
‘Zefa Fino’ ist eine Züchtung der Schweizerischen Forschungsanstalt in Wädenswil. Ihr Zuchtziel 1967 lautete: «Auch bei einer Aussaat im Frühjahr soll diese Sorte schossfest und gleichzeitig ertragreich sein.» Viele ältere Knollenfenchel-Sorten können wegen mangelnder Schossfestigkeit erst im Sommer ausgepflanzt werden. Mit ‘Zefa Fino’ ist ein grosser Züchtungsfortschritt zur Tauglichkeit von Knollenfenchel für den Frühjahrs- und Ganzjahresanbau gelungen. ‘Fino’-Typen sind heute in verschiedenen Linien und Herkünften auf dem europäischen Saatgutmarkt erhältlich.
Merkmale Runde, kompakte, flache und weisse Knollen. Breite kurze Blattscheiden. Feines mittelhohes Laub. Die Knollen schmecken hervorragend süss-fruchtig und zart.
Anbau Für den Anbau im Frühjahr und als Ganzjahressorte geeignet. Gute Schosstoleranz. Schnellwüchsig. Aussaat: Ab Februar mit Vorkultur unter Glas, Auspflanzung unter Tunnel oder Flachfolie. Spätere Sätze direkt ins Freiland ab Anfang April. Braucht gute Düngung und ausreichend Wasser.
Verwendung Schmeckt ausgezeichnet als Salat.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz, ProSpecieRara Deutschland

Perfection Grosjean
Die Sorte ‘Perfection’ wurde 1941 in der «Revue horticole et viticole de Suisse romande» für den Erwerbsanbau empfohlen. 1962 berichtet die gleiche Zeitschrift von einem Vergleich verschiedener ‘Perfection’-Herkünfte, bei denen die einen als schossfester und ertragreicher resultierten. Die Genfer Züchterfamilie Grosjean selektionierte daraus ihre eigene Linie und vermehrte diese eigenständig ab 1978.
Merkmale Typisch sind die nach oben gerichteten Blattstiele. Dadurch ist die Knolle wenig ausladend und hochoval. Schmale lange Blattscheiden. Spät reifend.
Anbau Herbstfenchel, nicht schossfest. Die Saat sollte also nicht vor dem 20. Juni vorgenommen werden.
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Perfektion
Der biodynamische Züchtungsbetrieb Sativa Rheinau entwickelte diese Sorte mit einer Kreuzung aus einer alten ‘Perfektion’-Linie und der Sorte ‘Zefa Fino’. Durch konsequente Auslese eignet sich dieser Knollenfenchel ‘Perfektion’ heute für den Ganzjahresanbau.
Merkmale Bildet runde bis hochovale, dicke, weisse Knollen mit breiten, kurzen Blattscheiden.
Anbau Für den ganzjährigen Freilandanbau geeignet. Aussaat in Kisten ab März oder Direktsaat von Mitte Juni bis Mitte Juli. Direktsaat bringt schönere Knollen. Sehr schossfest. In gutem Boden wüchsig. Braucht grössere Pflanzabstände, sonst bildet er nur flache Knollen aus.
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Selma
‘Selma’ wurde von der Schweizer Samenfirma Mauser gezüchtet. Ihr Name deutet darauf hin: ‘Selma’ ist die Abkürzung von «Selektion Mauser». Sie ist eine raschwachsende Sorte vom Typ ‘Zefa Fino’.
Merkmale Weisse, runde, flache bis leicht bauchige Knollen. Wenig Neigung zur Bildung von Seitentrieben. Mittelspät reifend.
Anbau Eignet sich für den Ganzjahrsanbau im Freiland. Vorkultur ab März im Kasten, von Mai bis Mitte Juli Direktsaat. Sehr schossfest. Ertragreich.
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Sirio
Eine ältere deutsche Züchtung von Hild Samen in Marbach. Sie fiel vor einigen Jahren aus der europäischen Sortenliste.
Merkmale Längliche bis breite, flache, gelblich-weisse Knollen, teilweise mit grünlich gefärbten Blattscheiden. Flach abstehende Blattstiele.
Anbau Nur für den Herbstanbau mit Aussaat ab Mitte Juni geeignet. Nicht schossfest. Die Pflanze ist bezüglich Wachstumsgeschwindigkeit deutlich langsamer als moderne Sorten und ertragsschwächer.
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Feuerbohne
Prunkbohne, Käferbohne
Phaseolus coccineus L. Fabaceae (Hülsenfrüchtler)
Geschichte
Die Feuerbohne hat, wie auch die verwandte Gartenbohne (Phaseolus vulgaris), ihren Ursprung in Amerika. Allerdings erfährt und erfuhr sie dort nie die gleich grosse Verbreitung oder gar wirtschaftliche Bedeutung wie die gewöhnliche Gartenbohne. Da sie kühlere Lagen bevorzugt, beschränkte sich ihr Vorkommen mehrheitlich auf die mittelamerikanischen Gebirge von Costa Rica, Guatemala und Mexiko. In den kühlfeuchten, aber frostfreien Hochländern sind die Kultur- und Wildformen mehrjährig, aus den Wurzelknollen treiben ständig neue Schösslinge. Die Einheimischen nutzen die reifen Samen und auch die Knollen, nicht aber die grünen Hülsen, die bei uns teilweise ebenfalls gegessen werden. Das war vermutlich bereits siebentausend Jahre vor unserer Zeitrechnung so, wie Funde belegen. Damals wurden die Wildpflanzen gesammelt. Ab etwa 900 v. Chr. wurden Feuerbohnen gezielt angebaut, in Mischkultur mit Mais und Kürbis, wobei die Maispflanzen als Rankhilfe für die Bohnen dienten.
Nach Europa kam die Feuerbohne wohl zur Zeit des Übergangs vom 16. zum 17. Jahrhundert. Die Damenwelt in Paris nutzte die Blüten schon bald für Sträusse und Kränze, und ab Mitte des 17. Jahrhunderts verbreitete sich die Feuerbohne dank ihrer geringen Krankheitsanfälligkeit, ihrer Robustheit und Anpassungsfähigkeit in ganz Mittel- und Nordeuropa. Die kräftigen Farben ihrer Blüten liess manches Gärtnerherz höher schlagen, sodass sie manche Zäune, Mauern und Lauben schmückten. Daher rühren auch ihre Namen «Prunkbohne», «Prahlbohne» oder «Pläsierbohne».

Ursprungsregion der Feuerbohne.
Bedeutung heute
Wirtschaftlich gesehen hatte die Feuerbohne nie einen grossen Stellenwert, sie wurde schon immer ausschliesslich in Gärten angebaut. Eine Ausnahme bildet hier das österreichische Bundesland Steiermark. Die steirische Käferbohne gehört dort schon lange zum Alltag und wird in grossen Mengen angebaut, rund 250 Tonnen pro Jahr. Seit den 1990er-Jahren hat die Produktion zugenommen. In der Steiermark werden die Bohnen heute oft wieder klassisch in Kombination mit Mais angepflanzt, anschliessend aber maschinell geerntet und weiterverarbeitet. Der steirische Käferbohnensalat mit Kürbiskernöl ist eine lokale, sehr gefragte Spezialität.
Botanik
Gleich wie die Stangenbohne (Phaseolus vulgaris) bildet die Feuerbohne lange Ranken aus (bis zu 7 Meter Länge!). Dennoch unterscheiden sich die beiden Arten deutlich: So ist die Feuerbohne mehrjährig (sofern sie nicht der Frost dahinrafft), bildet auffällige schöne, lange, rot oder weiss blühende Blütentrauben aus, ihre Kerne sind gross, und sie stellt geringere Ansprüche an Boden und Temperatur. Feuerbohnenblüten werden durch Insekten befruchtet, deshalb gibt es auch eine grosse Anzahl an verschiedenen Auslesen, wovon die wenigsten wirklich homogen sind. Oft findet man in einer «Sorte» weisse und rote Blüten, violette und weisse Kerne. In seltenen Fällen treten sogar Einkreuzungen mit Gartenbohnen auf.

Die haarigen Hülsen der Feuerbohne lässt man ganz ausreifen und erntet dann die Kerne, wenn sie ganz trocken sind.

Feuerbohnenblüten sind je nach Sorte leuchtend rot, rot-weiss oder reinweiss.
Sortenvielfalt
Feuerbohnen sind nicht ganz so vielfältig wie die Gartenbohnen, dennoch gibt es eine grosse Farbenvielfalt bei den Kernen (von reinweiss über violett, braun bis fast schwarz mit jeweils unterschiedlich starken Sprenkeln). Auch die Blütenfarbe ist entweder weiss, rot-weiss, lachs- oder leuchtend orangerot. Die vorherrschende rote Farbe gab ihr den Namen «Feuerbohne».
Anbau
Ende April bis Anfang Mai werden die Feuerbohnen direkt an Ort und Stelle, jeweils fünf bis sieben Kerne um eine Stange, gesteckt. Sie bevorzugen kühl-feuchtes Klima, weshalb sie in Höhenlagen besser gedeihen als Gartenbohnen. Im Gegenzug können sie aber mit Hitzeperioden schwerer umgehen und reagieren dann mit geringem Fruchtansatz. In trockenen Jahren müssen sie bewässert werden, da sie sonst die Blüten fallen lassen.

Die jungen Hülsen können ab Juli geerntet werden. Um die Kerne zu nutzen, lässt man die Hülsen komplett eintrocknen. Die ausgekernten Kerne trocknen im Haus noch mindestens zwei Wochen nach, bevor sie in luftdurchlässigen Säcken gelagert werden.
Verwendung
Die jungen Hülsen können wie Gartenbohnen gekocht werden, sie sind fleischiger. Zu spät geerntete Hülsen weisen innen bereits eine zähe pergamentartige Schicht auf, und auf den Hülsen hat sich bereits ein haariger Pelz gebildet. Üblicher ist die Verwendung der Kerne als Trockenbohnen. Die frischen oder getrockneten Kerne können als Bohnensalat, als Mus oder als Beilage zu Gerstensuppe oder Minestrone verwendet werden. Getrocknete Kerne müssen über Nacht eingeweicht werden, bevor sie gekocht werden können. Beim Kochen empfiehlt es sich, das Wasser erst am Ende der Kochzeit zu salzen, da die Bohnen sonst länger hart bleiben.
Ungekochte Bohnen, sowohl Garten- als auch Feuerbohnen, sind giftig, das Erhitzen auf mindestens 75 Grad zerstört jedoch die giftigen Lektine.
Inhaltsstoffe
Der Nährstoffgehalt entspricht in etwa demjenigen der Gartenbohnen, somit ist auch die Feuerbohne eine ausgezeichnete Eiweisslieferantin.

Die kurzen haarigen Hülsen enthalten oft nur ein bis drei Kerne.
Bonela
Als Handelssorte soll ‘Bonela’ seit 1988 als typische Steirische Käferbohne auf mehr als 200 Hektar Anbaufläche den gestiegenen Bedarf in Gastronomie, Buschenschanken (Heurigenlokale) und bei Direktvermarktern in der Südsteiermark decken. Erhaltungszüchter ist die in der Region gelegene Versuchsstation für Spezialkulturen Wies.
Merkmale Korn schwarz gesprenkelt auf violettem Grund, gross. Blüte feuerrot. Reife mittelspät bis spät.
Anbau Derzeit wird der gemeinsame Anbau mit Mais als Stützfrucht wieder häufig praktiziert. Dieser ist in der Steiermark schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt und wurde durch moderne Möglichkeiten der Korn-Trennung wieder aktuell.
Verwendung Gut quellfähige Trockenbohne. Gerühmt werden ihre «fein-cremige Konsistenz» und ein marroniähnlicher Geschmack mit einem «zart nussigen Nachgeschmack». Steirischer Käferbohnen-Salat mit Zwiebeln und dem dunkelgrünen Kürbiskernöl ist in vielen Gaststätten und Haushalten der Region ein fixer kulinarischer Bestandteil.
Erhältlich über Arche Noah

Della nonna di Cologna
«Ich sende Bohnen von meiner Nachbarin. Sie sagte mir, das sind die PuschlaverBohnen, und sie würden schon von ihrer Grossmutter stammen, die unter anderem auch in Cologna wohnte.» So lautete der kurze Brief, den eine Bohnensendung an ProSpecieRara begleitete. Einige Jahre vorher kam bereits eine Feuerbohne aus Cologna, die ‘Fasöi della minestra da Dumega’. Doch die Samen dieser beiden Lokalsorten unterscheiden sich. Cologna ist eine am Berghang vom Puschlav (Kanton Graubünden) gelegene Siedlung auf 1100 m ü. M.
Merkmale Eine Mischung von vier verschiedenen Körnern: weiss, hellbraun mit dunkelbraunen Sprenkeln, violett mit schwarzen Sprenkeln und rein dunkelviolett. Entsprechend verschiedenfarbig sind auch die Blüten.
Anbau An raue Höhenlagen angepasst.
Verwendung Kerne als Suppenbohnen.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Dicke Lydia
Eine Hausgartensorte, die 1992 aus der Ostschweiz zu ProSpecieRara kam. Sie stammt von einer Frau aus dem sankt gallischen Wattwil, die sich erinnerte, dass bereits ihre Mutter die ‘Dicke Lydia’ anbaute.
Merkmale Die Pflanzen bilden eher kurze Hülsen, mit dicken Körnern, die auf beigebraunem Grund dunkle Streifen zeigen. Weisse Blüten.
Anbau Pflanze setzt schlecht Hülsen an. Lange Reifezeit.
Verwendung Die Trockenbohne eignet sich vorzüglich für Salat oder als Suppe.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Fagiole Michel-Uhlmann
Ihr Name deutet schon darauf hin: ‘Fagiole Michel-Uhlmann’ hat ihre Heimat südlich der Alpen. Diese Lokalsorte stammt aus Magasa am Gardasee und wurde, seit man sich erinnern kann, von den Frauen dort gepflanzt.
Merkmale Wuchsfreudige und robuste Pflanze. Eine Samenmischung von zwei verschiedenen Typen: hellviolettes Korn mit schwarzen Sprenkeln und beigebraunes Korn mit dunklen Sprenkeln. Hülsen eher kurz. Rot-weisse Blüten.
Anbau Die Bohnen werden ausgereift gepflückt. In kälterem Klima müssen sie nachgetrocknet werden. Eher für mildes Klima geeignet.
Verwendung Getrocknet als Suppenbohne haben sie einen leicht nussigen Geschmack.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Fasöi dalla minestra da Dumega
Eine robuste Landsorte aus Cologna im Puschlav (Kanton Graubünden), wo man einen italienischen Dialekt, das sogenannte Poschiavin, spricht: ‘Fasöi della minestra da Dumega’ ist die «Suppenbohne von Dumega». Sie wuchs dort auf 1100 m ü. M.
Merkmale Eine Mischung aus weissen und violett-schwarz gesprickelten Körnern. Erstere blühen weiss, Letztere rot. Die Hülsen sind gross und beinhalten 4 bis 5 Kerne.
Anbau Robust, an alpine Lagen angepasst.
Verwendung Getrocknete und eingeweichte Bohnenkerne waren Bestandteile der Gerstensuppe. Zum Einfrieren müssen die Kerne nicht blanchiert und beim Auftauen nicht eingeweicht werden.
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Glarnerland
«Die ersten Bohnen, die ich zum Pflanzen erhielt, stammen aus dem Glarnerland von meiner Schwiegermutter. Meine Grossmutter aus Näfels hat ebenfalls solche Bohnen angepflanzt. Ich bin heute schon sechzig Jahre alt.» Diese Worte begleiteten einige Samen in einem Couvert, das Ende der 1990er-Jahre an ProSpecieRara gesendet wurde.
Merkmale Mittellange, leicht gebogene Hülsen mit etwa 4 Samen. Korn auf violettem Grund sehr dunkel gesprenkelt, teils fast schwarze Körner.
Verwendung Der oben erwähnte Brief endete mit den folgenden Erfahrungen: «Als Suppenbohnen sind diese sehr gut, als Gemüse ist es doch ein bisschen trocken, vielleicht mit Speck dazu? (Kalorien?)»
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Grosse Weisse
Leuchtend weiss, lang und oval sind die wunderschönen, flachen Kerne dieser weissen Feuerbohne. Es ist eine Hausgartensorte vom Schellenberg in Liechtenstein.
Merkmale Üppig blühende und wüchsige Pflanze. Seltene, rein weisse Blüten. Weisses Korn. Pflanze rankt hoch.
Anbau Benötigt hohe Stangen.
Verwendung Wurde traditionell als Suppenbohne verwendet.
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Käferbohne Leitner
«Käferbohnen» werden in der Steiermark die Feuerbohnen mit dunkel gesprenkeltem Korn genannt. Historisch ist die Käferbohne auch mit dem Namen des Erzherzogs Johann verbunden, eines bedeutenden Förderers der steirischen Landwirtschaft. Er liess um 1830 «Feuer- oder Blumenfaseolen» sammeln und archivieren. Da Feuerbohnen sich leicht verkreuzen, stellen die Landsorten meist relativ bunte Mischungen dar, was am Korn leicht ablesbar ist. Diese Herkunft stammt aus Niederösterreich, benannt nach der Spenderin.
Merkmale Mischung aus rosa-schwarzem und beigebraunem Korn. Vereinzelte weisse und schwarze Samen, die aber ausselektiert wurden. Blüte rot, teilweise auch rot-weiss. Sehr kräftige Pflanze, stark rankend.
Verwendung Gemüsenutzung der jungen grünen Früchte ist möglich, die Bohne wird aber meist als Trockenbohne verwendet. Für Salate und Suppen.
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Muesbohni Bavona
Diese aussergewöhnlichen schwarzen Samen gelangten 2003 mit der Post an ProSpecieRara. «In einer alten Hütte im Val Bavona habe ich die beiliegenden Samen gefunden. Ich habe bei den bekannten Saatgutfirmen keine ähnlichen Kerne gefunden und denke, diese schwarze Varietät ist verloren gegangen.» Das Bavonatal im Kanton Tessin ist abgeschieden, im hintersten Maggiatal und hoch in den Südalpen gelegen.
Merkmale Korn tiefschwarz mit weissem Nabel. Rote Blüten.
Anbau Robust, auch in höheren Lagen.
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Ober-Wolfsbacher
Syn. Aus Ober-Wolfsbach
Diese Landsorte aus Ober-Wolfsbach im niederösterreichischen Mostviertel hat in Österreich seit 2010 eine beschränkte Handelszulassung. Als Erhaltungszüchter ist Arche Noah eingetragen.
Merkmale Im Korn eine bunte Mischung: je etwa ein Drittel lila Samen mit schwarzer Sprenkelung, beige Samen mit braunen Sprenkeln und weisse Samen, rotbraune sind selten. Relativ kleinsamig. Blüte rot.
Anbau Wüchsige Pflanzen, in der Kultur unkompliziert.
Verwendung Wird traditionell als Trockenbohne zubereitet. Es galt als Verschwendung, die jungen Früchte als grünreife Hülsen/Fisolen zu verwenden, da man fürchtete, dann zu wenig lagerfähiges Korn zu ernten.
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Painted Lady
Gewisse Quellen datieren die erste schriftliche Erwähnung der Feuerbohne ‘Painted Lady’ auf das Jahr 1633. Andere meinen zu wissen, dass sie erstmals 1855 erwähnt wurde. Jedenfalls ist sie die älteste Nennung einer zweifarbig blühenden Feuerbohne. In amerikanischen und englischen Gartenbüchern aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird sie oft neben der rotblühenden ‘Scarlet Runner’ und der weiss blühenden ‘White’ erwähnt. Und was zusätzlich erstaunt, ist, dass sie auch heute noch auf der offiziellen europäischen Sortenliste erscheint.
Merkmale Braun-beige geschecktes Korn und rot-weisse Blüten. Junge Hülsen sind relativ zahlreich und gerade oder leicht gebogen. Die Hülsen sind aber im Gegensatz zu modernen Sorten nicht alle gleich lang.
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Saubohne
Puffbohnen (Vicia faba) werden oft «Saubohnen» genannt. Bei dieser Familiensorte aus Eschen in Liechtenstein handelt es sich aber um eine Feuerbohne (Phaseolus coccineus). Sie wurde schon von der Mutter des heutigen Anbauers gepflanzt. Einige Kerne dienten dabei immer wieder als Saatgut fürs kommende Jahr. Sie hat sehr grosse weisse Kerne.
Merkmale Eher kleine, gelbgrüne Blätter. Pflanze rankt sehr hoch. Grosse, meist stark gekrümmte breite Hülsen. Die Blüten sind, bevor sie sich öffnen, hellgelb, dann rein weiss und verblühen wieder hellgelb. Das Korn ist weiss.
Anbau Benötigt hohe Stangen.
Verwendung Wurde immer als Suppenbohne verwendet.
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Suppenbohne
Eine Lokalsorte aus Schwanden im Emmental, die, so erinnert sich die Tochter heute, ihre Mutter (geb. 1926) rund sechzig Jahre lang jedes Jahr wieder neu anbaute. Die Familie nannte die Bohne «Suppenbohne».
Merkmale Grosses weisses Korn. Weisse Blüten.
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Suppenbohne Anni Spreng
Eine alte Familiensorte aus dem aargauischen Oberentfelden. Die Erhalterin erinnert sich, dass bereits ihre eigene Grossmutter, die 1883 geboren wurde, diese Feuerbohne im Emmental kultiviert hat.
Merkmale Die Kerne sind violett-schwarz gesprenkelt, die Seitenflächen sind fast schwarz und um die Kante herum violett. Leuchtend rote Blüten.
Verwendung Wurde traditionell als Suppenbohne gekocht.
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Weisse Jona
Eine Krankenpflegerin und passionierte Biogärtnerin – und das damals schon seit zwanzig Jahren – übergab ihren Fund 1994 an ProSpecieRara: «Beiliegend weisse Bohnen. Vor acht Jahren bei der Übernahme eines alten Hauses in Jona (Sankt Gallen) gefunden. Stangenbohne, weiss blühend.» Es stellte sich später heraus, dass es sich nicht um eine Stangenbohne handelt, sondern um eine Feuerbohne.
Merkmale Rein weisses Korn. Weisse Blüten.
Verwendung Jung geerntet als Gemüse verwendbar, die Bohnenkerne für eine Gerstensuppe.
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Flaschenkürbis
Lagenarien, Kalebassenkürbis, Kalebasse
Lagenaria siceraria (Molinia) Standl. Cucurbitaceae (Kürbisgewächse)
Geschichte
Der Flaschenkürbis gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Während man die unreifen Früchte, Blätter und Sprossen der bitterstoffarmen Sorten als Gemüse nutzen kann, wird die ausgehärtete Schale der Frucht zur Anfertigung verschiedener Gegenstände wie Haushaltsgeräte oder Musikinstrumente verwendet. Die Gefässe genügen dabei vielen Ansprüchen, sie sind leicht, hohl, relativ unzerbrechlich, wasserdicht und kompostierbar. Der Flaschenkürbis verbreitete sich vermutlich von den tropischen Regionen Zentralafrikas in der ganzen Welt. Die Samen der Flaschenkürbisse können ein Jahr lang in Salzwasser schwimmen, ohne ihre Keimfähigkeit einzubüssen. In verschiedenen Gegenden wurde er mehrfach unabhängig voneinander domestiziert. Gefässe aus dem Flaschenkürbis haben im Alltagsleben vieler Kulturen bereits vor der Erfindung der Keramik eine wichtige Rolle gespielt. Archäologische Funde besagen, dass der Flaschenkürbis schon vor zwölftausend Jahren in Peru, vor neuntausend Jahren in Mexiko und vor fünftausend Jahren in Ägypten bekannt war.
Im Kräuterbuch «Hortulus» erwähnt Walahfrid Strabo im Jahr 840 den Flaschenkürbis als eine von 23 Nutzpflanzen eines idealen Gartens. Im Mittelalter wurde der Flaschenkürbis in weiten Teilen Europas noch als Gemüse gezogen, später wurde er jedoch von den Gartenkürbissen verdrängt.

Ursprungsregion des Flaschenkürbis.
Bedeutung heute
Die Bedeutung der Kalebassen als Gefäss ist heute im westlichen Kulturkreis durch industriell gefertigte Behältnisse zurückgedrängt. In vielen tropischen Ländern werden aus den Früchten aber immer noch traditionelle Gefässe hergestellt. Unreife Früchte, Sprossspitzen und Samen werden in gewissen regionalen Küchen verwendet.
Botanik
Der Flaschenkürbis ist eine einjährige, dem Boden anliegende oder – häufiger – mit verzweigten Sprossranken kletternde Pflanze. Die Sprosse können mehrere Meter lang werden. Die Blätter sind gross und herzförmig sowie auf beiden Seiten dicht behaart, bei manchen Sorten riechen sie stark nach Moschus. Die fünfzähligen Blüten sind weiss, kleiner als Cucurbita-Blüten und dünn wie Seidenpapier. Der Flaschenkürbis ist eine einhäusig getrenntgeschlechtige Art, das heisst, es bilden sich an einer Pflanze lang gestielte männliche und kurz gestielte weibliche Blüten. Die Blüten öffnen sich gegen Abend und werden wahrscheinlich durch Motten bestäubt, möglicherweise auch durch Gurkenkäfer und andere Insekten. Bei Sonnenschein bestäuben auch Schwebfliegen, Hummeln und Honigbienen die Blüten. Schon am Tag nach dem Erblühen welken die Blüten dahin und werfen ihre Blütenkronen nach einigen Tagen ab. Die Früchte sind botanisch betrachtet Beeren und enthalten viele Samen.
Man teilt den Flaschenkürbis in zwei geografische Unterarten, die auch mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten korrelieren:
Zur Unterart Siceraria zählt man afrikanische und amerikanische Sorten. Die Samen sind im Umriss viereckig, die Pflanzen meist bitter, die Früchte dickschalig und meist früh reifend.

Bevor die heutigen Kürbisarten von Amerika zu uns kamen, kannte man nur den Flaschenkürbis.
Zur Unterart Asiatica zählt man asiatische Formen. Die Samen sind im Umriss dreieckig, die Pflanze schmeckt nicht bitter, die Früchte sind dünnschaliger und meist später reifend als Siceraria-Sorten.
Züchtung
Die Züchtung verschiedener Sorten richtete sich vor allem danach, welcher Gebrauchsgegenstand aus den Früchten hergestellt werden sollte. Manche Züchtungen bringen besonders bizarre Formen hervor oder sind besonders schmackhaft. Daraus ist eine enorme Vielfalt entstanden mit Früchten, die in Form, Grösse und Farbe stark variieren. Während einige nur wenige Zentimeter gross sind, werden andere bis zu 3 Meter lang. Die Form reicht von breit, kugelig, birnförmig, keulenförmig, kellenförmig bis zylindrisch. Die Sortennamen geben manchmal einen Hinweis auf die Verwendungsmöglichkeit: Da gibt es zum Beispiel die ‘Miniatur Bottle’ als kleine Flasche oder den ‘Extra Long Handled Dipper’, geeignet für eine Schöpfkelle. Ein spezieller Kürbis ist auch der Weinhebekürbis, der in Weinbaugebieten Österreichs und Ungarns zum Heben des Weines aus dem Fass verwendet wurde.
Anbau
Der Flaschenkürbis ist besonders wärmebedürftig. Aber die Sorten mit einer langen Züchtungsgeschichte in Europa können auch hierzulande im Freien angebaut werden. Es empfiehlt sich der Anbau an einem sonnigen, geschützten Ort sowie an nährstoffreichem Boden. Die Samen des Flaschenkürbisses werden Mitte/Ende April in grösseren Töpfen vorgezogen und dann Mitte/Ende Mai, nach den Eisheiligen, nach draussen gepflanzt. Optimale Temperaturen für die Anzucht sind 20 bis 24 Grad, dann treiben die Samen innerhalb von 1 bis 2 Tagen kleine Wurzeln und nach weiteren 3 bis 5 Tagen Keimblätter. Die Aussaat wird nur leicht mit Erde bedeckt und feucht, aber nicht zu nass gehalten. Die Jungpflanzen werden nicht pikiert, dazu sind ihre Wurzeln zu empfindlich. Vor dem Auspflanzen empfiehlt es sich, die Pflanzen abzuhärten. Dafür werden sie tagsüber an warmen Tagen ins Freie gestellt. Im Beet benötigen die Pflanzen viel Wuchsraum, deshalb sollte der Pflanzabstand bei etwa 2 Metern mal 1,5 Metern liegen. Da die Früchte krumm werden, wenn sie auf dem Boden liegen oder anderswo anstossen, empfiehlt sich ein Rankgerüst, Spalier oder Zaun. Diese müssen für grossfrüchtige Sorten sehr stabil sein! Unreife Früchte werden 60 bis 90 Tage nach der Aussaat geerntet. Sollen die Früchte ausreifen, bleiben sie länger an der Pflanze. Die jungen Früchte können in bestimmte Formen gezogen werden, auch Knoten sind möglich. Der Flaschenkürbis ist kaum krankheitsanfällig. Echter und falscher Mehltau treten manchmal auf, aber meist erst gegen Ende der Saison. Da Flaschenkürbisse sehr stark wachsen, sind sie für die klassische Mischkultur mit Mais und Bohnen nicht geeignet. Man kann den Flaschenkürbis auch gut in ausreichend grossen Gefässen auf dem Balkon ziehen. Da die Pflanze ein ausgezeichneter Kletterer ist, eignet sie sich auch besonders als Sichtschutzpflanze.

Verwendung
Die jungen Früchte des Flaschenkürbisses haben weisses und zartes Fruchtfleisch, sie sind sowohl roh im Salat als auch gegart essbar. Allerdings sollten für den Verzehr die bitterstoffarmen Sorten bevorzugt werden. Gekocht werden sie vielfach als Sommergemüse verwendet, zum Beispiel in Indien, Italien und China. Auch Currygerichte kann man gut mit ihnen kochen. In Japan wird das Fruchtfleisch der Sorte ‘Yûgao’ in Streifen geschnitten, getrocknet und als essbare Hülle für kleine Essensportionen verwendet. Die Blätter sind nach dem Entfernen der Blattnerven als Spinatgemüse nutzbar, ebenso die Sprossen und feinen Ranken, die zum Beispiel in ein Wok-Gericht gemischt werden können. Aus den gemahlenen Samen kann man auch eine Art Quark herstellen.
Um die Früchte als Gefäss nutzen zu können, müssen die Kürbisse voll ausreifen und danach langsam luftgetrocknet werden. Wenn sich die Stängel gelbbraun färben, sind die Früchte erntereif. Die Kürbisse sollten bis zu den ersten Frösten an den Pflanzen hängen bleiben und dann an einen trockenen, luftigen Ort gebracht werden. Idealerweise werden sie aufgehängt oder einzeln aufgelegt und immer wieder vorsichtig gewendet. Dadurch bildet sich aus der sonst eher fleischigen Fruchthülle des Kürbisses eine harte, wasserundurchlässige Aussenhaut. Falls die Früchte schimmeln, kann die oberste Hautschicht abgeschabt werden. Wenn die Früchte nach einigen Wochen vollständig getrocknet sind, kann man die Samen mit einem scharfkantigen Löffel herausschaben und die innere Fruchtwand mit einem scharfkantigen Werkzeug glatt schleifen. Ausserdem können die äusseren Fruchtwände durch Schnitzereien, Bemalungen und Kerbungen verziert werden. Häufig werden die Flaschenkürbisse dann als Gebrauchsgegenstände wie Schalen, Löffel und Trinkgefässe genutzt. Traditionell sind beispielsweise die Verwendungen als Melkeimer bei den Massai in Kenia, als Nistbehälter für Schwalben in Nordamerika, als Grillenkäfig in China oder als Penisfutteral in Neuguinea. Des Weiteren werden mehr als 60 verschiedene Blas-, Zupfund Schlaginstrumente aus dem Flaschenkürbis hergestellt.
Inhaltsstoffe
Hauptsächlich, nämlich zu über 95 Prozent, besteht die Frucht des Flaschenkürbisses aus Wasser. Darüber hinaus enthält er viel Beta-Karotin, eine Vorstufe des Vitamins A, und trägt mit seinem hohen Gehalt an Kalium sowie geringen Mengen an Eisen, Kalzium und Magnesium zur Mineralstoffversorgung bei. Die Samen enthalten 35 bis 50 Prozent Öl sowie Proteine, Kohlenhydrate, Steroide und Spurenelemente.
Heilwirkung
Der Flaschenkürbis hat auch eine wichtige Bedeutung in der Kräutermedizin, vor allem in Asien. Die reifen Früchte verwendet man als Diuretikum (bewirkt eine Ausschwemmung von Wasser durch die Niere) und sie werden als brechreizendes und fiebersenkendes Mittel eingesetzt. Blätter, Samen und Blüten wurden in den gesamten Tropen zu verschiedensten Heilzwecken verwendet.
Die Kalebassen haben in verschiedenen Kulturen auch eine mythologische Bedeutung. In China zum Beispiel sind sogenannte «Hulus», hergestellt aus der Hülle eines doppelbauchigen Flaschenkürbisses, ein Hilfsmittel im Feng Shui, mit dem man die Lebensenergie Qi in Räumen sammeln und harmonisieren kann. Im Voodoo symbolisiert die Kalebasse das Universum: Zwei gleichwertige Hälften, die untrennbar miteinander verbunden sind, repräsentieren Himmel und Erde.
Gartenmelde
Atriplex hortensis L. Chenopodiaceae (Gänsefussgewächse)
Geschichte
Archäologische Funde lassen darauf schliessen, dass die Gartenmelde bereits seit Jahrtausenden in Europa und vom Mittelmeergebiet bis nach China hin bekannt war und kultiviert wurde. Die Römer brachten die Pflanze ähnlich wie den Mangold nach Mitteleuropa. Bei Ausgrabungen wurde in Küchenabfällen gut erhaltenes Saatgut der Gartenmelde gefunden.
Als Urform der Gartenmelde wird die Wildpflanze Atriplex aucheri vermutet, die in Mittelasien vorkommt. Ihren Anbau im alten Griechenland erwähnt Theophrastos (371 bis 287 v. Chr.) und schreibt, dass «andrapaxis» oder «anaphaxis» in der letzten Hälfte des Januars bis in die erste Hälfte des Februars gesät wird und die Saat in acht Tagen aufgehe. Dioskurides (etwa 60 n. Chr.) schreibt: «Atraphaxis, welche auch Chrysolachanon (Goldgemüse) heisst, ist ein bekanntes Gemüse (…) sie dient gekocht zum Essen, hat aber auch Heilkraft.» Die Bezeichnung Atriplex stammt ebenfalls aus dem antiken Griechenland, wohl aufgrund ihrer dreieckigen Blattform. In verschiedenen mittelalterlichen Quellen wird die Gartenmelde als Gemüse erwähnt. Danach scheint sie in unserer Gegend an Bedeutung verloren zu haben, denn sie wird in den Kräuterbüchern des 16. und 17. Jahrhunderts nur selten erwähnt. Das mag daran liegen, dass im Spätmittelalter und in der Rennaissance verschiedene andere Pflanzen als Blattgemüse der Gartenmelde vorgezogen wurden. Beispiele dafür sind Mangold, Guter Heinrich und später auch der Spinat, der heute vollkommen ihren Platz eingenommen hat.

Ursprungsregion der Ausgangsform der Gartenmelde, Atriplex aucheri.

Junge Pflanzen der Gartenmelde verwendet man wie Spinat.
Bedeutung heute
Als einjähriges, hochwachsendes Gemüse ist die Gartenmelde eher für den Privatgarten geeignet. Für den Erwerbsanbau besitzt sie fast keine Bedeutung. In neuerer Zeit findet man bei Grossverteilern manchmal in fertigen Mischsalaten junge Blätter von der Gartenmelde. Die Gartenmelde, im speziellen die purpurfarbene Form, ist beliebt in der Wild- und Gourmetküche.

Lässt man Gartenmelden wachsen, werden sie bis 1,80 Meter hoch und bilden geflügelte Samen.
Botanik
Mit bis zu 2 Metern Wuchshöhe gehört die Gartenmelde zu den grossen Gartenpflanzen. Die Pflanze hat kein längeres Rosettenstadium, sondern wächst kontinuierlich in die Höhe. Die unteren Blätter sind mehr herzfömig-dreieckig undgezähnt, die oberen länglich dreieckig. Geerntet werden die Blätter, bis die Blütenbildung beginnt. Danach schmecken sie bitter.
Sortenvielfalt
Im 19. und 20. Jahrhundert werden grüne, gelbe und rote Formen der Gartenmelde beschrieben, daneben auch eine bunte Form «bengalis», mit grünem Stängel, deren Spitzen und Blätter rosa gefärbt sind. Züchterisch bearbeitet wurde die Gartenmelde kaum. Entsprechend sind heute ausschliesslich Landformen bekannt, die in Haus- und Bauerngärten erhalten und selektiert wurden. Sie unterscheiden sich in Blattfarbe und -form sowie Pflanzenwuchs und Geschmack. Jungpflanzen haben immer eine etwas grünere Farbe. Rote und violette Blattfarben entwickeln sich durch Umwelteinflüsse wie Sonnenstrahlung und Temperatur. Je nach Standort können die Pflanzen dadurch abweichende Färbungen zeigen.
Anbau
Die Gartenmelde ist eine problemlose Gartenbewohnerin, in Bezug auf Klima, Boden und Licht unempfindlich. Ab April kann sie direkt in feinkrümeliger Erde ausgesät werden. Sie liebt durchlässige Gartenerde, kommt jedoch auch mit anderen Standorten zurecht. Entweder lässt man die Pflanzen in dichten Reihen (10 mal 20 Zentimeter) aufwachsen und rodet sie zur Ernte, oder man lässt die Jungpflanzen mit einem Abstand von 40 bis 50 Zentimetern zueinander stehen; dann können sie bis zu zwei Meter hoch werden. In diesem Fall sollte man darauf achten, dass sie keine sonnenhungrigen Kulturen beschatten.
Bei einem gut gedüngten, gelockerten und bewässerten Boden werden die Blätter grösser und zarter. Durch regelmässiges Pflücken der Blätter und der Seitentriebe entsteht eine buschige Form, die aber auch mehr Platz benötigt. Lässt man die Blütenstände stehen, versamt die Gartenmelde.

Verwendung
Kleine, eng gesäte Jungpflanzen können als Ganzes geerntet und wie Spinat verarbeitet werden. Die frischen jungen Triebe und Blätter sind roh in einem Salat dekorativ und eine sehr zarte Bereicherung. Als Spinatersatz kommen die Blätter als Belag auf einer Quiche, als Gemüse oder in Suppen zum Einsatz. Gekocht schmeckt die Gartenmelde etwas herber als Spinat. In einzelnen Regionen ist es üblich, Sauerampferblätter beizugeben. Wie Spinat zubereitet, kann man die Gartenmelde gut einfrieren.
Inhaltsstoffe
Die Gartenmelde ist, wie viele andere Gemüsearten, reich an den Vitaminen A und C, den Mineralstoffen Kalzium, Kalium, Magnesium und Phosphor. Ähnlich wie Spinat enthält sie auch Oxalsäure, jedoch in geringerer Menge als dieser.
Heilwirkung
Der Tee aus getrocknetem Kraut ist ein Hausmittel bei Stoffwechselstörungen, Hautunreinheiten, bei Blasen-, Leber- und Nierenleiden und kann als sanftes blutreinigendes Mittel verwendet werden. In den Samen der Gartenmelde ist Saponin enthalten, was deren abführende Wirkung erklärt.
Alter Spinat von Monthey
Ein Hausgärtner aus Monthey in der Westschweiz pflegte über Jahre hinweg einen «Spinat» in seinem Garten und wusste nicht, was er da eigentlich genau erntete. Er schrieb: «Dieser von uns benannte ‹Alte Spinat› wuchs über sehr lange Zeit im Garten meines Grossvaters in Champéry auf 1050 m ü. M. Als er 1940 aus dem Dorf wegzog, nahm er Samen mit nach Monthey auf 400 m ü. M. Seither haben wir Jahr für Jahr eine Pflanze zur Samenbildung stehen gelassen. So konnten wir sie jeden Frühling neu aussäen. Sie wuchs auch spontan aus Samen, die im Jahr zuvor zur Erde fielen.»
Merkmale Sehr wuchsfreudig. Hat sehr grosse, silbergrüne, blasige Blätter. Wird bis 2 m hoch.
Anbau Guter Blattproduzent. «Man kann ihn bis Ende Juli säen, aber der beste Moment ist Mitte Mai», wurde uns berichtet. «Direkt in die Reihe in eine Tiefe von 3 bis 4 cm säen. Später ausdünnen, um nur die schönsten Pflanzen zu ziehen. Pflanzabstand 20 bis 30 cm.»
Verwendung «Wir ernteten die Blätter, bis die Pflanzen 1 bis 1,5 m hoch waren.»
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Butterkraut
Eine lokale Herkunft aus dem Schwarzwald, die dort bis heute in der traditionellen Küche verwendet wird.
Merkmale Dunkelgrüne, grosse, blasige Blätter. Die Pflanze wird je nach Standort 1 bis 2,5 m hoch.
Anbau Für die Samenernte von der ersten Saat Samenträger stehen lassen. Folgesaaten sind während des ganzen Sommers möglich.
Verwendung Maike vom Sortengarten Eichstetten meint: «Mit Tomate gedünstet und geröstete Sesamkörner darauf, so hab ich die Butterkraut-Melde gemacht. Fand es lecker und würde sie sogar Spinat vorziehen.»
Erhältlich über ProSpecieRara Deutschland

Enz
Diese Gartenmelde stammt aus einem Hausgarten in Trimmis, im Kanton Graubünden. Ihren Namen bekam sie vom Schenker der Samen.
Merkmale Graugrüne Blätter. Mittelstark wachsend.
Anbau Robust. Erfahrungsgemäss ist auch der Anbau in der Höhe möglich. Enz übersteht Schnee und Frost schadlos.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Gelbe aus Österreich
Eine Hausgärtnerin aus dem österreichischen Weinviertel, aus Hollabrunn, baute in den 1980er- und 1990er-Jahren diese schöne gelbe Gartenmelde an. In einem Brief an ProSpecieRara von 1995 schrieb sie: «Mit gleicher Post sende ich Ihnen heute zwei Päckchen (à circa ½ kg) Saatgut der ‘Gelbe Melde Österreich’, Ernte 1994. Hoffentlich finden Sie geeignete Anbauer – ich muss für dieses Jahr die betreffende Anbaufläche anderweitig nutzen!»
Merkmale Hat schöne gelbgrüne, grosse, fleischige Blätter. «Wird gut 1,5 bis nahezu 2 m hoch, verholzend; wird dann samt Samenstand goldgelb», wird im Brief berichtet.
Anbau Blätter werden, so lange sie noch jung und weich sind, gepflückt.
Erhältlich über ProSpecieRara Schweiz

Grüne Amriswil
Aus Amriswil im Kanton Thurgau, in der Nähe vom Bodensee, kommt diese grüne Gartenmelde. Die Spenderin berichtete: «Von meiner Mutter, verstorben 1987. Diese Melde war seit etwa 1954 in unserer Familie. Woher meine Mutter die Samen hatte, weiss ich nicht.»
Merkmale Grüngraue, etwas kleinere Blätter.
Verwendung «Etwas strenger im Geschmack als Spinat», meint die Amriswilerin.
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Lauerz
Diese sehr alte Hausgartensorte kam im Jahr 2000 von einem Hausgärtner aus Ibach im Kanton Schwyz zu ProSpecieRara: «Als Beilage erhalten Sie eine grössere Portion Spinatsamen. Die Herkunft bzw. der Name ist natürlich nicht bekannt. Den Samen habe ich von einer Frau aus dem Muotathal bekommen. Sie selber hat den Samen von ihrer Grossmutter (gestorben 1913). Er soll von Lauerz, Kanton Schwyz, stammen. Die Kultur sieht zwar aus wie Unkraut und erst noch hellgrün, ich kann Ihnen jedoch versichern, er schmeckt wirklich wie Spinat. Mir passt er, weil er wesentlich weniger schnell aufschiesst als der gekaufte.»
Merkmale Mittelgrosse Blätter, leicht blasig, wenn älter.
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Purpurfarbene
Hübsch mehrfarbig kommt die ‘Purpurfarbene’ daher. Sie kam vor neun Jahren aus dem zürcherischen Uerikon zu ProSpecieRara. «Wie versprochen sende ich Ihnen Samen von der roten Gartenmelde, Atriplex purpur (?), welche ich vor Jahren von einer Bäuerin im Emmental/Entlebuch erhalten habe. Ich habe die Melde jedes Jahr mit gutem Erfolg ausgesät. Ich hoffe, dass sich diese guten Eigenschaften auch bei Ihren Aussaaten zeigen werden.» Und das haben sie in der Tat.
Merkmale Vielfarbige Gestalt: Stängel und Blattstiel sind kräftig purpurfarben bis violett. Die Blattunterseite hat den gleichen Farbton, aber etwas blasser. Die Blattoberseite ist olivfarben mit einem silbernen Schimmer.
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Rote Blauetikett
Die Samenhandlung Blauetikett Bornträger im deutschen Offstein nahm diese Sorte 1994 aus ihrem Sortiment.
Merkmale Anfangs grünblättrig, je älter die Pflanze wird, desto röter werden die Blätter. Die Blattränder sind nicht oder wenig gezähnt.
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Rote Elsass
Ursprünglich kommt sie, wie ihr Name sagt, aus dem französischen Elsass, genauer aus Sundgau. Dann gelangte sie in einen Hausgarten nach Basel, wo sie immer wieder versamte und Jahr für Jahr gedieh.
Merkmale Intensiv rote Blätter und Stängel.
Verwendung Die Blätter der roten Gartenmelde geben beim Kochen den Farbstoff ab. So können Gerichte rosa eingefärbt werden.
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Rote Lebeda
Die ‘Rote Lebeda’ ist eine Lokalsorte aus Südböhmen/Tschechien.
Merkmale Intensiv weinrot gefärbte Stängel und Blattunterseiten. Blattoberseite dunkelrot bis violett. Als Jungpflanze (im Bild) noch heller, sie wird erst später dunkler.
Anbau Eine Erhalterin schreibt: «Kultur problemlos, versamt selbst, wird aber nie zu einem Problem-‹Unkraut›. Die Pflanzen werden bis etwa 2 m hoch, blühen im August, reife Samen September bis Oktober.»
Verwendung Die rote Farbe kann als Farbstoff zur Einfärbung von verschiedenen Gerichten verwendet werden. Sie bleibt beim Kochen erhalten.
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Rote Lebeda Rumänien
Eine Hausgärtnerin aus dem luzernischen Sursee schrieb: «Rote Gartenmelde aus Rumänien, genauer gesagt aus dem Dorf Dornesti, ganz im Nordosten von Rumänien. Ich habe dort zwei Jahre gearbeitet und erhielt die Melde von einer alten Frau. Diese Melde wird dort im Garten oder auch zwischen den Feldkulturen gezogen, zum Beispiel am Rand des Maisfeldes. Sie dient vor allem als Suppengemüse und wird ‹Lebeda› genannt. Ich baue sie auch zu Hause an, sie wird etwa 2 m hoch.»
Merkmale Aussergewöhnlich regelmässig gezähnter Blattrand. Dunkelweinrote Stängel, etwas hellere Blattunterseiten und grauoliv farbene Blattoberseiten. Die Blätter haben einen hervorragend feinen Geschmack.
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Rote Richterswil
Eine ganz besondere Farbvariante hat diese Gartenmelde aus dem zürcherischen Richterswil.
Merkmale Blätter in der Farbe zwischen orange und purpurrot. Stängel dunkler, Blattoberseite fast hellgrün.
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Violette Richterswil
Eine dunkelviolette Herkunft aus Richterswil im Kanton Zürich.
Merkmale Stängel und Blattunterseiten sind dunkelweinrot. Blattoberseite eher violett. Im Frühling als Setzling ist sie noch grünlich gescheckt. Wird im Sommer mit zunehmendem Sonnenlicht schön violett.
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Gartensauerampfer
Rumex rugosus Campd. Polygonaceae (Knöterichgewächse)
Geschichte
Der Gartensauerampfer (Rumex rugosus) ist die Kulturform des Sauerampfers (Rumex acetosa), der auch Wiesen-Sauerampfer oder Grosser Sauerampfer genannt wird. Die Herkunft des Gartensauerampfers ist unbekannt. Heute wird er hauptsächlich in Deutschland, England und Frankreich als Gartenpflanze angebaut. Teils wächst er zwar wild an Grabenrändern und auf feuchten Wiesen, doch wahrscheinlich sind diese Pflanzen aus Gärten ausgewildert.
Pulsuz fraqment bitdi.