Kitabı oxu: «Hautsache schön, Hautsache gesund»

Şrift:

Marie-Luise Klietz und Dr med. univ. Matthias M. Aitzetmüller

unter Mitarbeit von Angelika Brodde

Hautsache schön,

Hautsache gesund

Marie-Luise Klietz und Dr. med. univ. Matthias M. Aitzetmüller

unter Mitarbeit von Angelika Brodde

Hautsache schön,

Hautsache gesund

Wissenswertes über unser größtes Organ


Originalausgabe

1. Auflage 2018

Verlag Komplett-Media GmbH

2018, München/Grünwald

www.komplett-media.de

ISBN E-Book: 978-3-8312-6974-7

Umsetzung: Angelika Brodde

Lektorat: Redaktionsbüro Julia Feldbaum, Augsburg

Korrektorat: Rita Krajicek

Umschlaggestaltung: Guter Punkt, München

Illustrationen: Heike Kmiotek – fine design – Erkrath

Satz: Daniel Förster, Belgern

E-Book-Herstellung und Auslieferung: Brockhaus Commission, Kornwestheim, www.brocom.de

Dieses Werk sowie alle darin enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrecht zugelassen ist, bedarf der vorherigen schriftlichen Zustimmung des Verlags. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung.

Inhalt

Geleitworte

Vorwort

1. Der Status quo

Lassen Sie uns über Geld reden

Der Nächste, bitte

Haben Sie noch Fragen?

2. Gesunde Haut, schöne Haut

Die Oberhaut – Aushänge- und Schutzschild

Die Grenze zwischen Ober- und Lederhaut – eine Art Eierkarton

In der Unterhaut geht’s ans Eingemachte

Und sonst so?

Was für ein Organ!

Kleine Geschlechterunterschiede

Cremen, peelen, ölen

Faltenrock oder: der Zahn der Zeit

Haut im Wandel

3. Fragen über Fragen

Das Thema Nummer eins

Akne und Aknenarben

Zweigbetrieb

Besenreiser

Offene Grenzen

Neurodermitis

Schlecht geschlafen?

Augenringe

Aufgepolstert

Zellulite

Wir sind gekommen, um zu bleiben

Dehnungsstreifen

Nachwuchs-Sorgen

Haarausfall

Das Chamäleon

Schuppenflechte

Das weiße Rieseln

Schuppen

Welcome to hell

Vitiligo

4. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

Von wegen dick!

Lipödem/Lymphödem

Der Wolf im Schafspelz

Couperose/Rosazea

Ein Problem erster Güte

Hautkrebs

Wie am Fließband

Hyperhidrose

Nichts hilft

Periorale Dermatitis

Die Zeit heilt nicht alle

Chronische Wunden

5. Was heißt hier »schön«?

Das Bild von sich selbst

Geschmackssache

Zwei gemeinsame Nenner

Wer entscheidet?

6. Kein Licht ohne Schatten

Schnell mal schlank?

Fett-weg-Spritze/Kryolipolyse

Kurvendiskussion

Brustimplantate

Weniger ist mehr

Bruststraffung und Brustverkleinerung

Everybody’s Darling

Botulinumtoxin

Einmal auffüllen, bitte!

Hyaluronsäure-Filler

Klappt doch wie am Schnürchen

Faden-Lifting

Grand cru

Platelet Rich Plasma/PRP

Der guten Form halber

Hautstraffung am Körper und im Gesicht

Ab durch die Mitte

Nasenkorrektur

7. Auf der Suche nach dem richtigen Arzt …

Erste Schritte

Doctor Who?

Es wird ernst

Glossar

Literaturliste

Über uns

Geleitworte

Es hat mich sehr gefreut, als ich von Matthias gefragt wurde, ob es mir möglich wäre, für das vorliegende Buch ein Vorwort zu schreiben.

Es ist sehr schön zu sehen, wie aus Ehrgeiz und Fleiß letztendlich Können und Kompetenz resultieren. Im nachfolgenden Werk wird von Marie-Luise Klietz und Dr. Matthias Aitzetmül-ler das Thema Hautschönheit und Hautgesundheit beleuchtet.

Es handelt sich dabei um ein immer aktuelles Thema. Zugegebenermaßen gibt es hierzu natürlich schon einiges an Literatur, aber das Alleinstellungsmerkmal dieses Buches ist, dass es an den »Otto Normalverbraucher« gerichtet ist und dadurch in sehr verständlicher Sprache rüberkommt.

Dennoch wird der wissenschaftliche Aspekt nicht beiseitegelassen, und alle Aussagen werden mit wissenschaftlich fundierten Informationen belegt, denn Wissen schafft Schönheit (und eben auch Gesundheit) – etwas, das auch in unserer Ordination gelebt wird. Es ist somit eine heitere Lektüre für jeden, der Interesse an unserem größten Organ, der Haut, hat.

Ich habe beide Autoren als junge Mediziner mit großem Enthusiasmus und Hingabe kennengelernt, die ihr Ziel mit Perseveranz und Begeisterung verfolgen. Was zunächst typischerweise bei der »Generation Instagram« mit einem Blog begann, entwickelte sich dann zu einer informativen Webseite und nun zum vorliegenden Werk.

Ich bin überzeugt, dass Marie-Luise und Matthias auf ihrem weiteren Weg in der Medizin sehr erfolgreich sein werden, und ich freue mich, sie dabei noch einige Zeit begleiten zu dürfen!

Doz. Dr. Georg Huemer M.Sc. MBA

Folgen Sie Marie und Matthias auf der faszinierenden Reise durch und über die Haut. Eine Reise der Entdeckungen, die vor über 6000 Jahren begann und die heute noch lange nicht zu Ende ist.

Gerade in den letzten Jahren haben wir durch die moderne Forschung völlig neue Einblicke in die Vorgänge der Haut auf molekularer Ebene gewonnen. Dies hat unser Verständnis sowohl von Hauterkrankungen und deren Behandlungen als auch von Therapien im Bereich der Schönheit und Prävention teilweise vollkommen verändert.

Marie und Matthias verstehen es, mit Enthusiasmus, Neugier und Wissen komplexe Zusammenhänge und das Verhalten der Haut in unterschiedlichen Situationen verständlich darzustellen. Der Sinn von kosmetischer und ästhetischer Pflege und Prävention bis hin zu medizinischen Behandlungen wird für jeden Leser auf aktuellem Stand fassbar.

Wurde bisher die dermatologische Medizin und die Ästhetik eher aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet, so fließen diese beiden Aspekte im folgenden Buch zusammen, und es entsteht eine völlig neue Perspektive auf die HAUT.

Diese Verbindung, gepaart mit dem tiefen Verständnis der zellbiologischen Vorgänge in der Haut, wie wir sie im »Dermatologischen Zentrum am Tegernsee« praktizieren, führt zu neuen Behandlungsansätzen in der Medizin und der Ästhetik – weit hinaus über Kortison, Botulinum und Hyaluron – in den Jahren, die kommen werden.

Die Reise geht weiter! Lassen Sie sich begeistern!

Professor Dr. med. Hans Wilhelm Kaiser

Tegernsee, im September 2018

Vorwort

Als wir Anfang 2018 gemeinsam anfingen, auf »www.doctor-aesthetics.de« zu bloggen, haben wir nicht im Traum damit gerechnet, dass daraus so bald ein Buch werden könnte. Alles ging schneller als geplant, was verschiedene Gründe hatte.

Tagtäglich stehen wir als junge Ärzte direkt im Kontakt mit vielen Patienten und bekommen genau mit, was die Menschen beschäftigt. Alle Fragen, Themen und Anregungen, die unsere Spezialgebiete betreffen, versuchten wir, vorerst durch Instagram-Beiträge näher zu beleuchten. Schon nach kurzer Zeit reichte die verfügbare Wortanzahl dort nicht mehr aus, und wir gründeten einen eigenen Blog. Um noch mehr Menschen zu erreichen, entschlossen wir uns kurzerhand, die Themen in einem Buch zusammenzufassen, um so auf alle Fragen etwas umfangreicher antworten zu können.

Denn trotz Internet und bereits erschienener Sachbücher und Ratgeber ist den Leuten vieles unklar, das haben wir durch die zahlreichen Anfragen auf unserem Blog erkannt. Weder dieses Buch noch der Blog können oder sollen den Facharztbesuch ersetzen, konkrete Therapieempfehlungen geben oder Anspruch auf Vollständigkeit erheben. In erster Linie wollen wir dem Leser das nahebringen, wofür ein Arzt vielleicht im ersten Moment keine Zeit hat: Hintergründe, tiefer gehende Erklärungen, alternative Behandlungsmöglichkeiten, Vorteile, Nachteile, Risiken.

Um es kurz zu machen: Dieses Buch enthält grundlegende Informationen zu den Fragen, die uns zu Hautgesundheit und Schönheit am häufigsten gestellt werden.

Als Ärzte und Wissenschaftler im Bereich der Dermatologie und Plastischen Chirurgie beschäftigen wir uns im Blog und in diesem Buch mit Themen aus der Schnittmenge unserer Fachbereiche. Diese Schnittmenge beinhaltet vor allem Ästhetik und Schönheit und deshalb haben wir unseren Blog »Doctor.Aesthetics« und dieses Buch »Hautsache schön, Hautsache gesund« genannt. Sicher gibt es Ausnahmen und Gegenbeispiele, aber wir glauben: Ästhetik, Ausstrahlung und Schönheit zeigen sich vor allem dann, wenn der Körper gesund und in Balance ist. Genauso ist es auch bei der Haut. Kranke Haut hat keinen »Glow« und wird nicht schön aussehen, ganz unabhängig vom Alter. Die Grundlage für schöne Haut ist gesunde Haut. Von daher sollte das Ziel bei jeder Therapie und jeder Behandlung sein, sich zuerst auf die Gesundheit zu konzentrieren. Danach lässt sich die Haut mit den verschiedenen Methoden verschönern, falls es überhaupt noch erwünscht ist.

Gerade weil wir junge Ärzte sind, legen wir das Hauptaugenmerk auf andere Dinge als Kollegen mit langjähriger Erfahrung. Das geht bei der Frage los, welchen Arzt man mit Hautsorgen konsultieren soll. Wir haben auf Kongressen schon Streitgespräche zwischen Dermatologen und Plastischen Chirurgen erlebt, die jeweils der Meinung waren, die einzig wahre Adresse für Haut- und Schönheitsfragen zu sein. Wir halten dieses Denken für falsch. Die Frage »Wem gehört die Haut?« ist für Patienten nicht relevant, denn für sie zählt, zu welchem Arzt sie konkret gehen können, wie erfahren dieser zum Beispiel mit dem Laser umgeht, und nicht, welcher und ob er einer bestimmten Fachrichtung angehört.

Dadurch, dass wir beide Fachrichtungen vertreten, merken wir, dass sich unsere Blickwinkel im Endeffekt oft ähneln. Es gibt viele Schnittpunkte, gerade wenn man über das Ästhetische spricht. Das ist uns bei der Arbeit an diesem Buch noch deutlicher geworden. Für den Patienten bzw. den Leser mag das im ersten Moment verwirrend erscheinen. Natürlich wäre es komfortabel, bei einem Problem bzw. einem Wunsch »einfach« zu dem einen zuständigen Facharzt zu gehen und dort eine konkurrenzlos gute Lösung auf dem Präsentierteller zu bekommen. Aber es ist, wie es ist. Haut und ästhetisches Empfinden sind hochkomplexe Themengebiete. Im Einzelfall mag es das Nonplusultra bei der Therapie geben, doch in den allermeisten Fällen sind Geduld, Fingerspitzengefühl und Weitblick gefragt, um sich an die individuell beste Lösung heranzutasten. Das gilt sicher für die behandelnden Ärzte, aber eben nicht nur. Angesichts der Komplexität der Zusammenhänge, des real existierenden Termin- und Honorardrucks in deutschen Arztpraxen sowie der unglaublichen Dynamik der medizinischen Entwicklung ist auch der Patient in der Pflicht, aktiv zu werden.

Je besser man informiert ist, je mehr man die Zusammenhänge versteht, desto eher wird man im Dschungel der Angebote den Weg finden, der zum eigenen Ziel führt, und weder Zeit, noch Geld oder Lebensqualität in Sackgassen vergeuden. Wir hoffen, dass die Lektüre dieses Buches den Leser in diese Pole Position bringt – und dass sie eben so viel Spaß macht wie die Arbeit daran.

In diesem Sinne: Schöne Grüße!

Marie & Matthias

1. Der Status quo

Wieso es gar nicht leicht ist, bei Hautfragen die richtige Antwort zu bekommen

Der folgende Satz klingt nur dann banal, wenn man keine Hautprobleme hat: Die Haut ist die Grenze zwischen dem Ich und der Welt. Alles scheint ganz einfach, solange die Haut gesund ist. Sie fühlt sich gut an, sieht im Idealfall schön aus, erträgt Sonne, Wasser und Seife und repariert sich auch noch von allein, wenn wir einmal mit dem Küchenmesser ausrutschen. Doch kommt ein Sandkorn in das Uhrwerk »Haut«, wird es kompliziert. Wir reden hier nicht von dem berühmten Pickel beim ersten Date, obwohl der ja schon nervig genug ist. Unsere Haut kann uns durch Juckreiz um den Schlaf bringen, kann mit Akne das Depressionsrisiko steigern, durch auffällige Schuppenflechte soziale Ausgrenzung verursachen oder durch ästhetische Defizite das Selbstwertgefühl schmälern.

Was tut man dann? Man geht zum Arzt. Das ist bei Hautfragen allerdings eine Wissenschaft für sich. Im Falle einer Krankheit brauchen gesetzlich Versicherte, also rund 87 Prozent der Deutschen, erst einmal eins: Zeit. Bei uns im Raum München sind Wartezeiten von mehreren Monaten für einen dermatologischen Termin keine Seltenheit. Geht es um die hartnäckige Zornesfalte auf der Stirn oder andere ästhetische Anliegen, ist die reine Terminfindung unproblematisch. Oft reicht ein einziger Anruf, und der Termin am Folgetag steht. Der Grund: Weil Krankenkassen ästhetische Eingriffe nur in handverlesenen Ausnahmefällen finanzieren, sind alle Patienten Selbstzahler und können als solche auch die Angebote von Praxen ohne Kassenzulassung nutzen. Leicht hat es die letztgenannte Gruppe dennoch nicht, denn es muss erst einmal eine Adresse gefunden werden, die nicht nur schnell Termine anbietet, sondern auch gute Lösungen herbeiführen kann – mehr dazu ab Seite 20.

Lassen Sie uns über Geld reden

Die schwierige Lage für gesetzlich Versicherte und die verwirrende Vielfalt ästhetischer Angebote sind zwar grundverschiedene Dinge, doch egal, ob es um Akne oder Falten geht: Beim Wunsch nach gesunder und schöner Haut spielt Geld eine größere Rolle, als uns lieb ist. Das gilt natürlich an erster Stelle für die Patienten. Marie erlebt es in der dermatologischen Praxis immer wieder, wenn etwa Eltern eines Kleinkinds mit Neurodermitis schier verzweifeln, weil es zwar Ärzte gibt, die helfen können, aber kaum freie Termine. Welches junge Paar hat schon ein Einkommen, das den Besuch in der Privatpraxis ermöglicht? Aber auch in der Ästhetik können Wohl und Weh durchaus vom Kontostand abhängen. Die Brust-OP zum Schnäppchenpreis kann gut gelingen, bringt aber einige Risiken mit sich (mehr dazu ab Seite 163).

Auch wir Ärzte stecken im Zwiespalt zwischen der Rolle als Helfer und der Rolle als Praxismanager. Das spüren wir, die wir am Anfang unserer Karriere stehen, vielleicht besonders deutlich, einfach weil wir uns noch nicht an die paradoxe Situation gewöhnt haben. Vielen Kollegen, mit denen wir im Austausch sind, geht es ähnlich. Natürlich haben sie wie wir den Beruf grundsätzlich aus Menschenliebe gewählt. Wir wollen helfen, im besten Fall heilen, deshalb haben wir das lange Studium auf uns genommen. Aber wir wissen ebenso: Menschenliebe finanziert keine Praxis. Auch Ärzte müssen darüber nachdenken, wie kosteneffizient ihre Praxis arbeitet. Zu viel Unwirtschaftlichkeit führt ins Aus, zu viel Wirtschaftlichkeit kann auf Kosten der Patienten gehen und wird leicht verhöhnt oder verpönt.

In Bewertungsportalen gibt es sofort böses Blut, wenn es ums Geld geht. Vielleicht würde weniger geschimpft werden, wenn Patienten unser Gesundheitssystem besser kennen würden. Ärzte sind gerade bei gesetzlich versicherten Patienten abrechnungstechnisch stark reglementiert. Um die Praxismiete, die Gehälter der Angestellten und das eigene Leben finanzieren zu können, müssen alle sehr effizient arbeiten. Der einfachste Weg ist, die Zeit mit dem einzelnen Patienten zu kürzen und mehr Patienten abzuarbeiten. Klar, denken Sie jetzt vielleicht, damit finanzieren die Versicherten den Mitgliedsbeitrag im Golfklub oder die neue Luxuslimousine. Schön wär’s, möchten wir entgegnen.

Aber Beratungsgespräche fallen oft knapper aus, als es optimal wäre, und Termine sind erst nach monatelanger Wartezeit zu bekommen, weil der entsprechende Arzt sonst mit einem Minus aus dem Quartal gehen kann.

Nehmen wir als Beispiel die Dermatologen. Wenn die Wartezimmer voll und Termine Mangelware sind, warum machen nicht mehr Praxen auf? Die Antwort ist: Weil jeder Arzt nur mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen darf, wenn er eine Kassenzulassung hat – und deren Anzahl ist reglementiert. In Deutschland hat die Bundesärztekammer zuletzt 5944 Fachärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten gezählt, und in Großstädten wie München sind alle Kassensitze vergeben. Es kann also überhaupt keine neue dermatologische Praxis mit Kassenzulassung eröffnet werden. Und wird durch Ruhestand einer der begehrten Sitze vakant, reicht der Facharzttitel allein nicht aus, um auf der Liste nachzurücken. Man muss sich den Kassensitz kaufen, und da können Ärzte in wohlhabenden Regionen mit einer guten sechsstelligen Summe rechnen. Zusätzlich dazu die Einrichtung und teure Spezialgeräte: Schulden in Millionenhöhe sind bei der Eröffnung einer neuen Hautarztpraxis die Regel – Patienten erwarten ja zu Recht die höchsten Standards.

Der Nächste, bitte

Jeder Handwerker wird bei solchen Investitionen darauf achten, dass die Bilanz stimmt, und niemand wird es ihm ankreiden. Dabei müssen sich Handwerker nicht einmal mit dem Krankenkassensystem arrangieren. Ärzte dürfen nur quartalsweise, also vierteljährlich, Patienten abrechnen, und pro Quartal wird als Basis ein einziges Beratungsgespräch erstattet. Am profitabelsten ist es also, Patienten einmal pro Quartal einzubestellen, wobei die Worte »Beratungsgespräch« und »profitabel« aus Arztsicht nicht in einen Satz passen. Keine 15 Euro werden dem Arzt für das wichtige Gespräch erstattet. 15 Minuten für ein Erstgespräch wären eine angemessene Zeit, aber damit käme die Praxis auf einen Stundenlohn von knapp 60 Euro – von dem Steuern, Löhne, Miete und Kredite bezahlt werden sollen. Nur kurz zum Vergleich: Handwerker berechnen pro Mann und Arbeitsstunde etwas über 62 Euro.

Egal, wie gern wir mit jedem Patienten ausführlich reden würden: Patientenkontakte dürften nie länger als fünf Minuten dauern, damit sie sich für den Arzt überhaupt ansatzweise rentieren – und nur einmal pro Quartal stattfinden. Denn sieht der Arzt Patienten, die im entsprechenden Quartal schon bei ihm waren und nun ein anderes Problem oder Testergebnisse besprechen möchten, verdient er an diesem Folgegespräch gar nichts. Gerade für Dermatologen eine fatale Situation, denn wir müssen etwa bei Akne-, Psoriasis- oder Neurodermitis-Patienten engmaschig kontrollieren, ob und wie die Therapie anschlägt. Ein Gespräch pro Quartal reicht bei diesen Krankheiten niemals, jedes weitere geht auf Kosten des Hauses.

Finanziellen Zugewinn bringen für die meisten Ärzte hauptsächlich die Privatpatienten. Hier kann der Arzt entsprechend der Gebührenordnung für Ärzte, kurz GOÄ, die knapp 15 Euro Beratungsgebühr mit speziellen Faktoren multiplizieren und so auf 70 bis 80 Euro pro Gespräch kommen. Wenn also in einer Hautarztpraxis erst die Privatpatientin ausführlich aufgeklärt wird, finanziert der Arzt damit möglicherweise das Folgegespräch, welches er kurz darauf mit den besorgten Eltern des Kindes mit Neurodermitis führt. Was wir betonen wollen: Die Qualität dieser beiden Gespräche unterscheidet sich nach unserer Erfahrung nicht. Die oft angeprangerte Zweiklassenmedizin, bei der ein und derselbe Arzt Patienten je nach Versicherung mehr oder weniger gut behandelt, haben wir noch nirgends kennengelernt. In den Krankenhäusern und Praxen, in denen wir bisher tätig waren, haben die Ärzte ohne Ausnahme jeden Patienten mit derselben Sorgfalt behandelt.

Solange die Politik nicht eingreift, wird sich an diesem System nichts ändern. Das viel diskutierte Modell der Bundesversicherung, das es in der Schweiz schon gibt, wäre eventuell eine Lösung. Hier müssen alle in eine solidarische Grundversicherung einzahlen und können dann individuell Zusatzversicherungen abschließen. In Österreich schlägt man gerade einen neuen Weg ein: Hier versucht man, die Zahl der Krankenkassen zu reduzieren und so das Ganze einheitlicher und transparenter zu machen. Denn die Vielzahl der Kassen und ihre unterschiedlichen Abrechnungssysteme machen den Ärzten das Leben zusätzlich schwer.

In Deutschland helfen sich vor allem Plastische und Ästhetische Chirurgen, aber auch einige Dermatologen anders. Der Trend geht bei Hautfragen hin zu Privatpraxen, die sich mit keinem Abrechnungssystem anfreunden müssen, weil sie ganz oder größtenteils außerhalb der Kassenleistungen agieren und vom Patienten statt der Versicherten- die Kreditkarte sehen möchten. Valide Daten gibt es nicht, aber nach unserer Einschätzung liegt die Quote der privat abgerechneten Maßnahmen bei Plastischen und Ästhetischen Chirurgen nur knapp unter 100 Prozent, und in Großstädten zeichnet sich ein klarer Trend ab hin zur dermatologischen Privatpraxis. Wenn das Budget reicht, kann man hier in der Regel binnen 24 Stunden einen Termin inklusive ausführlicher Beratung bekommen. Viel Zeit, im komfortabel eingerichteten Wartezimmer den frisch gebrühten Cappuccino zu schlürfen, bleibt nicht: Lange Wartezeiten sind in Privatpraxen die absolute Ausnahme. Wie man sich in dem mittlerweile existierenden Angebotsdschungel am besten zurechtfindet, beschreiben wir ab Seite 201.

Haben Sie noch Fragen?

Wartezeit bzw. Auswahl der Praxis sind nicht die einzigen Fallstricke, wenn’s um die Haut geht. Denn kommt es zum Beratungsgespräch, werden nicht immer die richtigen Fragen gestellt, und zwar sowohl seitens der Patienten als auch seitens der Ärzte. Stellen wir uns einen auf Akne spezialisierten Dermatologen vor. Seine Patienten sind oft Teenager, die noch keine Ahnung davon haben, was da warum auf ihrer Haut passiert. Ein erstes Beratungsgespräch müsste bei Adam und Eva anfangen, um grundlegende Hautfunktionen und Zusammenhänge so zu erklären, dass sich der junge Patient das Wichtigste merkt. Für uns Ärzte eine echte Herausforderung, schließlich kennen wir die Zusammenhänge aus dem Effeff. Das beginnt bei der Sprache. Der Tipp beispielsweise, präventiv gegen Komedonen vorzugehen, hilft dem 16-jährigen Akne-Patienten wenig. Wir hören immer wieder, dass Patienten zwar ein Arztgespräch hatten, sich aber einfach nichts merken konnten. Wer hat nicht schon einmal über Medizinerdeutsch gewitzelt?

In unseren Blogs bemühen wir uns, wichtige Hautfragen auch für Laien verständlich zu erklären und so zu helfen, aus einem Arztgespräch das Beste herauszuholen. Dabei wählen auch wir manchmal die falschen Worte. Ein Beispiel: Nachdem unser Akne-Artikel online ging, haben wir ziemlich viele Anfragen bekommen, ob wir nicht einmal auch so einen Artikel über Mitesser schreiben könnten. Wer sich ein bisschen mit der Haut auskennt, weiß, dass beide Themen ein und dieselbe Problematik betreffen. Aber das Beispiel zeigt, dass es vielen Betroffenen an Verständnis für die Zusammenhänge mangelt. Das ist übrigens völlig normal, man kann kaum vom Patienten verlangen, dass er Medizin studiert, bevor er einen Arzt aufsucht. Uns geht’s außerhalb der Praxis auch nicht anders. Wenn uns etwa in der Werkstatt etwas über unsere Autos erzählt wird oder IT-Experten über ihr Fachgebiet reden, verstehen auch wir nur Bahnhof.

Doch zurück ins Sprechzimmer. Die richtigen Fragen seitens des Arztes können helfen, aber sie zu stellen ist nicht einfach. Natürlich wollen wir den Patienten grundlegend vermitteln, wo die Probleme bzw. die Lösungen liegen. Dass dem Wirtschaftler im Arzt bei den meisten Gesprächen die Stoppuhr im Nacken sitzt, während er seinem Gegenüber das hochkomplexe Thema Haut näherbringen will, haben wir ja schon erläutert. Aber mehr noch: Bei vielen Beratungsgesprächen gibt es Aha-Momente seitens der Patienten, mit denen wir zu Beginn unserer Arbeit nicht gerechnet hätten. Ein schönes Beispiel ist ein Akademiker, der über Hauttrockenheit und Juckreiz klagte und nach einem Produkt fragte, mit dem er den Körper abseifen könne, ohne die Haut zu stressen. Auf die Frage, warum er denn zum Beispiel seine Schienbeine abseifen wolle, antwortete er: um den Schweiß abzuwaschen. Aus dermatologischer Sicht ist das Nonsens, denn Schweiß ist wasserlöslich. Das Gespräch hätte aber auch anders verlaufen können. Der Arzt hätte inhaltlich korrekt über Syndets, Duschöle und Seifen referiert, der Patient würde sich vielleicht die Hälfte merken, und die Schienbeine würden weiterhin grundlos mit Tensiden gestresst.

Ein weiteres Problem liegt darin, dass Patienten gute Fragen haben, sie aber nicht aussprechen – sei es aus Schüchternheit, Scham oder falschem Respekt vor dem Arzt. Ein Beispiel, das Matthias erlebt hat, ist eine Patientin, die als Selbstzahlerin einen Brusteingriff durchführen lassen wollte. Sie hatte ein langes Erstgespräch mit dem Arzt, bei dem sie mit ihm einen ausführlichen Aufklärungsbogen durchgegangen war. Kaum wieder im Vorzimmer, sprudelten sehr grundlegende Fragen aus ihr heraus. Wird das Implantat über oder unter den Muskeln gelegt, wollte sie zum Beispiel wissen, ein Thema, dass sie gut und gern mit dem Arzt hätte vertiefen können. Denn diese grundlegende Frage wurde vom Arzt angesprochen, nur hatte die Patientin die Informationen nicht verinnerlicht.

Wir glauben nicht, dass dieser Fall eine Ausnahme ist. Beim Arztgespräch sind viele Patienten wie gelähmt, weil sie sich gestresst oder mit Informationen überschüttet fühlen. Sie schaffen es nicht mehr, sich aufs Essenzielle zu fokussieren, und gehen mit bruchstückhaftem Verständnis aus der Beratung. Was hilft? Eine gute Vorbereitung, die schon einmal ein Grundverständnis für die Haut aufbaut, und der Mut nachzufragen. Dazu möchten wir unbedingt ermuntern.

Wir finden es hervorragend, wenn Patienten offene Fragen stellen, und wir sind uns sicher, dass es anderen Ärzten genauso geht.

2. Gesunde Haut, schöne Haut

Von wegen »Hülle« – ein Bio-Wunder aus der Nähe betrachtet

Viele Patienten tun’s, viele unserer Freunde tun’s, und bevor wir Medizin studierten, haben wir es auch getan: die Haut als Ding betrachtet. Nach vielen Stunden in Hörsälen, Laboren und OPs können wir aber versichern, dass unsere Haut absolut keine Sache ist, sondern quicklebendig, etwas sich stetig Wandelndes, nie Konstantes. Von der ersten bis zur letzten Sekunde unseres Lebens geht es in ihr zu wie auf einem Großflughafen zu Beginn der Sommerferien. Akteure kommen und gehen, schlummern oder treten in Aktion, Stoffe werden von A nach B transportiert. Sicherheitsdienste scannen bei der Jagd nach Übeltätern jeden Ankömmling und verhaften manchmal völlig unschuldige Wesen. Müll fällt an, wobei es wie im echten Leben Fälle gibt, in denen fleißige Ordnungshüter allen Unrat schleunigst wegputzen, aber auch solche, in denen er liegen bleibt – weil der Müll überhandnimmt, weil die Putzkolonne keine passenden Werkzeuge oder ein Energietief hat. Manchmal wird gestreikt, manchmal fehlt Personal, manchmal gerät durch einen Sturm alles durcheinander. Aber im Großen und Ganzen läuft der Laden.

Da können sich die Macher vom Bau-Flop BER eine Scheibe abschneiden: Der Haut gelingt es nicht nur, dieses sehr komplexe Miteinander von Akteuren, Warentransfer und Sicherheitsmaßnahmen zu organisieren, nein, sie schafft das auch noch auf dem sparsamen Raum von durchschnittlich 1,3 Millimetern (!) Dicke. Will man das Treiben hier verstehen, führt kein Weg an einem dermatologischen Grundkurs vorbei. Was wir sehen, wenn wir uns angucken, ist im Grunde ein Schutzwall aus toten Zellen. Diese Zellen als »die« Hautzellen zu bezeichnen ist weder ganz falsch noch ganz richtig. Unsere Oberschicht besteht in der Tat aus besonders häufig vorkommenden Hautzellen – nur leben in der Haut noch andere Zelltypen, die in unterschiedlichen Hautschichten agieren. Für diese Schichten kursieren deutsche und lateinische Begriffe. Ganz oben haben wir die Oberhaut (Epidermis), gefolgt von der Lederhaut (Dermis). Die Basis bildet die Unterhaut (Subkutis).


Die Oberhaut – Aushänge- und Schutzschild

An einigen Stellen – etwa rund um die Augen oder auf den Lippen – misst sie gerade einmal den Bruchteil eines Millimeters. An den Fußsohlen schafft sie mehrere Millimeter, wobei Männerhaut immer etwas dicker als die von Frauen ist und Haut im Alter grundsätzlich dünner wird. Doch auch die dünne Oberhaut ist keine »tote« Schicht, wenngleich hier kein Blut fließt und sich die ersten Zellen erst in ihrem Erdgeschoss, nämlich an der Grenze zur Lederhaut, teilen. Eher entspricht die Metapher einer Spedition, bei der in diversen Etagen verschiedene Experten eng verzahnt miteinander arbeiten. Reist man durch die Epidermis, trifft man ganz oben in der Hornschicht (Stratum corneum) als erste Spezies »tote« Zellen an. Diese hornbildenden Zellen (oder Korneozyten) verzahnen sich miteinander zu einer Art Mauer. Als Kitt wirken hauteigene Fette und andere Stoffe, die durch Schweiß und Talg hierhergelangen. Auf der Hornschicht klotzt noch ein Heer von Gastarbeitern, Mikroorganismen, mit denen wir von Kopf bis Fuß besiedelt sind und die ähnlich wie im Darm als gutartig angesehen werden. Die Zellmauer und die Mikroorganismen bilden gemeinsam den Säureschutzmantel – ein überaus wirksames Bollwerk gegen Stress von außen.

STAUB AUFWIRBELN

Kratzt man sich, kann man die Zellen der Hornschicht mit bloßem Auge sehen: Sie bilden die hellen Schüppchen, die auf einer trockenen Hautpartie als eine Art Staub wahrnehmbar sein können. Eine einzelne, gut sichtbare Schuppe entsteht, wenn mehrere Hundert solcher Zellen aneinanderhaften.

Bevor sich Korneozyten als Abwehrspieler in der schützenden Plättchenmauer behaupten, müssen sie allerdings erst einmal durch die gesamte Epidermis reisen. Sie entstehen in ihrem Erdgeschoss, der sogenannten Keimschicht (oder auch Stratum basale), quasi einer Fabrik für Hautzellen. Da heißen sie allerdings noch Keratinozyt, sind rund und lebendig und haben eine Menge Aufgaben zu bewältigen. Keratinozyten können nämlich je nach Bedarf verschiedenste Stoffe freisetzen, etwa für Wundheilung, Immunabwehr oder Entzündungsprozesse. Sie sind es übrigens auch, die bei UV-Licht aus einem speziellen Baustoff Vitamin D3 herstellen. Etwa 28 Tage dauert die Reise, an deren Ende aus dem prallen, runden Keratinozyt ein leerer, flacher Korneozyt wird. Upcycling at it’s best. Einige Zellen haben allerdings auch das Zeug zu einer spezialisierten Karriere. Das sind die multipotenten Vorläufer- oder Stammzellen, quasi die Joker der Haut. Sie können sich, je nachdem, was sie für einen Stimulus bekommen, in spezialisierte Zellen differenzieren, insofern der Körper dazu das entsprechende Signal gibt.

Andere Spezialisten sind zum Beispiel die Pigmentzellen (Melanozyten). Dringt UV-Licht an sie heran, bilden sie mehr schützende Pigmente und lagern diese in den Keratinozyten ein. Wie dunkel die Haut wird, hängt übrigens einzig und allein von der Aktivität der Hautzellen und der Größe der Melanosomen (Orte, an denen das Melanin gespeichert wird) ab, ein Nubier hat nicht mehr Melanozyten als ein Schwede. Rothaarige beispielsweise haben ein anderes Melanin (Phäomelanin) in sich. Dies macht sie besonders lichtempfindlich. Die Farbe der Haut wird aber noch durch andere Faktoren bestimmt. Sehr viel bewirken die Blutgefäße, die je nach Beschaffenheit der Haut und der Blutzirkulation mehr oder weniger durchschimmern. Den Lippen geben sie die rote Farbe, weil sie gut zu sehen sind. Ein fahler Teint hingegen entsteht, wenn die Haut schlecht durchblutet, stark verhornt ist oder gar eine Krankheit dahintersteckt.

REIFE LEISTUNG!

Bis wir das Werk der pigmentbildenden Melanozyten als Sommerbräune wahrnehmen, vergehen ein paar Tage, schließlich müssen die Pigmente ja aus der Keimschicht gen Oberfläche wandern. Womit geklärt wäre, wieso wir etwa eine Woche nach dem Sommerurlaub die tiefste Bräune zu sehen bekommen.

Außer den Keratinozyten und den Melanozyten arbeiten in der Epidermis noch die Langerhans- und die Merkel-Zellen. Die Langerhans-Zellen entsprechen bei der Flughafen-Metapher dem Sicherheitsdienst. Verdächtige Fremdkörper, zum Beispiel Krankheitserreger, werden von ihnen quasi verhaftet und ans Immunsystem übergeben. Die Merkel-Zellen (benannt nicht nach Angela, sondern nach dem Anatom Johann Friedrich Sigmund Merkel) dienen dem Tastsinn: Es sind Nervenzellen, die Druck registrieren und dem Gehirn melden.

Die Grenze zwischen Ober- und Lederhaut – eine Art Eierkarton

Diese dermal-epidermale Übergangszone, oft englisch »Epidermal Junction Zone« oder in Medizinerdeutsch Stratum papillare genannt, trägt durch ihre verzahnte Struktur zur Stabilität der Haut bei. Man ahnt es schon, im Alter werden auch ihre Zähne schwächer, einer der vielen Gründe, die Falten begünstigen. Ab hier beginnt die Lederhaut, die ihren Namen aus gutem Grund trägt. Vom Aufbau her ähneln sich unsere Haut und die von Tieren stark. Wenn Kürschner Tierhäute gerben, entfernen sie im Grunde Ober- und Unterhaut. Zurück bleibt die Dermis – mit anderen Worten: Leder, das beweist wie stabil und zugfest Haut sein kann. Der wichtigste Bestandteil der Lederhaut ist das Kollagen, ein faseriges Strukturprotein, das die Haut zusammenhält und Wasser speichert. Bei Neugeborenen sind diese Kollagenfasern dünn und unstrukturiert. Je älter man wird, desto dicker und starrer werden die Kollagenfasern. Wahrscheinlich hat jeder an seinem Körper auch einen Beleg dafür, wie wichtig die sorgfältige Anordnung des Strukturproteins ist: Narben sind nichts anderes als wirr durcheinandergewirbeltes Kollagen. Wobei es »das« Kollagen gar nicht gibt, denn im Körper existieren zig verschiedene Arten. In der Haut spielen Typ 1 und Typ 3 die Hauptrolle. Ihre Verteilung hängt vom Alter ab, bei einem Neugeborenen überwiegt Typ 1, bei einem sehr alten Menschen Typ 3. Eingebettet in die Kollagenfasern liegt auch die körpereigene Hyaluronsäure, jene zuckerähnliche Verbindung, die extrem gut Wasser binden kann und für die Durchfeuchtung der Haut Verantwortung trägt.

Hinzu kommen die elastischen Fasern, namentlich Elastin und Fibrillin. Sie bilden gemeinsam mit dem Kollagen das Bindegewebe der Oberhaut. Während Kollagen ein ziemlich fester Füllstoff ist, dienen Elastin und Fibrillin der Dehnungsfähigkeit der Haut. Ihnen ist es zu verdanken, dass eine Falte, die man sich in den Arm gekniffen hat, nach ein paar Sekunden verschwindet. Und ja, auch ihnen bekommt Altern schlecht, deshalb verliert die Haut ihre Elastizität.

TRENNUNG AUF ZEIT

Wahrscheinlich haben Sie auch schon einmal gesehen, dass sich Ihre Oberhaut von der Lederhaut trennt – zum Glück aber nur partiell, nämlich bei den meisten Blasen. Sie bilden sich, wenn die Schichten durch einen mechanischen Reiz wie enge Schuhe gelöst werden. Oder weil das Immunsystem sehr viele Zellen als schadhaft entlarvt, entsorgt und so die Verbindung der Hautschichten auflöst, etwa bei einem starken Sonnenbrand. Die weiße Haut über der Blase ist die Epidermis, die Flüssigkeit darin Serum aus den Blutgefäßen.

Zeit ist aber nicht der einzige Feind jener gummibandähnlichen Stränge. Wenn man übermäßig in die Sonne geht, gibt’s eine sogenannte Elastose, bei der das Elastin seine Funktionalität verliert und sich nutzlos in der Haut ansammelt. »Landmannshaut« nannten die Ärzte früher das Resultat, nämlich sehr faltige gräuliche Haut. Heute sollte man vielleicht eher von Ibiza-Haut reden.

In der Unterbaut geht’s ans Eingemachte …

… denn hier verlaufen Nerven, Blut- und Lymphgefäße. Wobei die »Nerven« in Wirklichkeit eine Menge spezialisierter Sinneskörperchen sind, die jeweils Kälte, Wärme, Reibung und Druck registrieren. Vielfach ragen die Fühler dieser Sinneskörper in die Epidermis, deshalb nennt man sie Nervenendigungen – weil ihre Wurzel ja eine Etage tiefer liegt. Gerecht geht es bei ihrer Verteilung nicht zu. Lippen, Finger- und Zehenspitzen sowie die Genitalien haben eine Fünfsterneausstattung, während etwa der Rücken nur einen Bruchteil an Sensibilität abbekommt. In Einzelfällen können wir bewusst Missverständnisse der Nervenendigungen auslösen. Wärmepflaster gegen Muskelschmerzen funktionieren zum Beispiel, weil der Wirkstoff Capsaicin Nervenendigungen triggert, die für Wärmemeldung zuständig sind. Ähnlich wirkt Menthol: Es kühlt nicht, sondern gaukelt unseren Nerven Kühle vor, weil sich bestimmte Bestandteile des Menthols an Kälterezeptoren docken. Auch wenn wir bei Juckreiz mit Kühlung oder Kratzen reagieren, manipulieren wir im Grunde unser Nervenkostüm: Denn indem wir einen neuen Reiz setzen, überdecken wir das Jucken.

SPÜRST DU SCHON ETWAS?

Die Verteilung der Sinneskörper kann man mit zwei Bleistiften und der sogenannten Zweipunktediskrimination am eigenen Leib prüfen. So geht’s: Einen Bleistift sanft auf die Haut drücken und dann herausfinden, wie weit entfernt der zweite Bleistift platziert werden muss, um getrennt wahrgenommen zu werden. Auf dem Finger reichen zwei Millimeter, auf dem Rücken kann ein Zentimeter nötig werden.

Hinzu kommt das Unterhautfettgewebe, das die Haut aufpolstert und als Wärmespeicher dient. Dieses Fett möchten wir alle gern haben, denn ob die Haut prall und fest oder pergamentartig wirkt, wird stark von ihm beeinflusst. Fehlt dieses subkutane Fett, haben wir einen Effekt wie bei einem Luftballon, dem die Luft ausgeht.

Auch in der Unterhaut wirkt Bindegewebe aus Kollagen-, Fibrillin- und Elastinfasern, allerdings weniger fest und strukturiert als in der Lederhaut. Und hier agieren die Zellfabriken der Haut, die sogenannten Fibroblasten. Sie produzieren vor allem Kollagen. Je besser sie arbeiten, desto praller und gesünder ist die Haut und desto besser funktioniert auch die Wundheilung. Zwischen ihnen und ihren Fasern schwimmt eine geleeartige Flüssigkeit, die im Kontakt zu Blut- und Lymphgefäßsystem steht, also dem Stoffwechsel dient.

Zudem patrouillieren diverse wehrhafte Zellen durch die Unterhaut, denn je nachdem, welche Erreger eintreten, muss der Körper gewappnet sein. Dringt eine fremde Eiweißstruktur in die Haut – zum Beispiel ein Virus –, wirkt das etwa wie ein Magnet auf die Makrophagen. Sie bewegen sich zum Eindringling und machen ihrem deutschen Namen »Riesenfresszelle« alle Ehre. Nun sind die Makrophagen nicht die einzigen Ordnungshüter in der Unterhaut. Es ist etwas ganz anderes, ob Viren eintreten oder Bakterien oder ob die Immunzellen eigentlich nur auf eine Verletzung reagieren sollen. Dafür gibt es noch Plasmazellen, Lymphozyten, Mastzellen, Granulozyten, Monozyten und, und, und.


Und sonst so?

Wichtig für die optische Erscheinung, die Funktionen der Haut und auch für die Pflege wären dann noch die Hautanhangsgebilde, so nennen Mediziner Talg- und Schweißdrüsen, Haarwurzeln und Nägel. Die Haarwurzeln oder auch Follikel gibt’s nur im Doppelpack mit Talgdrüsen, deshalb verändert sich die Hautstruktur bei einem kräftigen Haarwuchs. Talgdrüsen kommen aber auch allein vor, zum Beispiel auf der Stirn. Da haben wir keine starke Behaarung, aber viele tendenziell aktive Talgdrüsen. Bei der Verwendung von Kosmetik ist das sehr relevant, schließlich öffnen die Drüsenausgänge die Haut für Stoffe aus Cremes. Positiv nutzen lässt sich das etwa bei dem Antioxidans Vitamin E, das als fettlöslicher Stoff bereitwillig in die talgreichen Kanäle eindringt.

Bei den Schweißdrüsen unterscheidet man zwischen apokrinen und ekkrinen Drüsen. Die ekkrinen Drüsen sind über den gesamten Körper verteilt, die apokrinen Drüsen oder auch Duftdrüsen unter den Achseln, im Scham- und Analbereich sowie an den Brustwarzen angesiedelt. Apokrine Drüsen schütten bei entsprechenden Reizen pheromonartige Duftstoffe aus. In erster Linie besteht Schweiß allerdings aus Wasser, angereichert mit Mineralstoffen, Spurenelementen und für die Haut lebensnotwendigen Stoffen wie Harnstoff (Urea), Eiweißen und Fettsäuren. Schweiß allein riecht nicht, erst die Stoffwechselausscheidungen besonderer Bakterien sorgen für ein unschönes Odeur. Diese Bakterien lieben aber vor allem den apokrinen Schweiß, deshalb müffeln wir unter den Achseln, nicht aber etwa am Unterarm.

SCHWITZEN WILL GELERNT SEIN

Die ekkrinen Schweißdrüsen arbeiten von Geburt an, laufen bei Babys aber noch mit halber Kraft – ein Grund, wieso die richtige Außentemperatur im Kinderzimmer so wichtig ist. Die apokrinen Drüsen beginnen ihre Arbeit erst in der Pubertät, deshalb kommt typischer Schweißgeruch bei Kindern nicht vor.

Über das Wunderwerk der Finger- und Zehennägel könnte man ein ganzes Buch verfassen. Um es kurz zu machen: Der Nagel wächst in mehreren Keratinschichten mit überraschend vielen Hohlräumen, deshalb erinnert die Nagelplatte unter dem Mikroskop an Blätterteig. An ihrer Unterseite haftet sie durch Längsleisten an der Haut. Ihre Seiten und die Wachstumszone am Nagelmond werden durch die Nagelhaut geschützt, während an der Fingerspitze ein zartes Häutchen namens Hyponychium die Verbindung zur Haut aufrechterhält. Reinigt man die Fingernägel mit scharfen Gegenständen, verletzt man es leicht, und in der Folge können die Fingerspitzen vorübergehend überempfindlich sein und schneller verdrecken. Das ist der Grund, wieso bei einer hautfreundlichen Maniküre nur mit Wasser und Bürste gereinigt wird.

Was für ein Organ!

Nun haben Sie viel darüber gelesen, welche Struktur und welche Bestandteile die Haut hat. Kommen wir zum Wieso. Die Haut ist nicht nur Hülle, sondern das größte Organ des Körpers. Sie schirmt uns von der Umwelt ab, hält also äußere Einflüsse fern, interagiert aber gleichzeitig mit ihr. Ihre erste Aufgabe ist die Regulation des Wärmehaushalts. Bei Hitze kühlt uns verdunstender Schweiß, bei Kälte schützt das Unterhautfettgewebe. In kalten Regionen bildet die Haut deshalb vermehrt Unterhautfettgewebe. Fehlt der Baustoff Fett, etwa bei Magersüchtigen, dann reagiert die Haut durch die vermehrte Bildung von Vellushaar, jenen hauchzarten kleinen Härchen, die man oft auf Babyköpfen sieht.

Extrem wichtig ist auch die Rolle als Bollwerk gegen schädliche Mikroorganismen, Stoffe und Strahlen. Diesen Job erledigt vor allem die Hornschicht mit den Pigmenten und ihrem Team aus harmlosen Mikroorganismen. Auch hier zeigt sich, wie flexibel die Haut ist. Hat sie mit viel Sonne zu tun, legt sie bei der Hornschicht extra Zelllagen an. Normalerweise besteht sie aus etwa zehn Korneozyten-Schichten. Bei unbelehrbaren Sonnenstudiobesuchern kann sich das verzehnfachen, was sich an der kühlen Farbe der Haut zeigt. Weil die Hornschicht viel dicker ist als bei Schattenfreunden, schimmern die Blutgefäße nicht mehr durch, und jeder »Glow« gehört der Vergangenheit an.

Das größte Wunder bleibt aber auch für uns, wie bereitwillig die Haut sich wechselnden Formen anpasst. Wachstum, Schwangerschaft, Diäten … Egal, wie sehr wir Menschen unseren Umfang und unsere Länge verändern, die Haut macht vieles mit. Klar gibt es Gegenbeispiele, meist zeugen Dehnungsstreifen davon, dass die Haut nicht alles kompensiert. Bei Adipositas-Patienten, die dank Magenbändern und Bypässen innerhalb von zwei, drei Jahren 40, 50 Kilo abnehmen, kann die Haut nicht von XXXL auf Normalformat schrumpfen. Deshalb sprechen diese Menschen häufig bei Plastischen und Ästhetischen Chirurgen für körperstraffende Operationen vor (mehr dazu ab Seite 191). Aber meist gelingt diesem flexiblen, seidenweichen, sich immer updatenden Bio-Computer namens Haut eine permanente, an die jeweiligen Bedürfnisse angepasste Erneuerung. Denn das darf man beim Nachdenken über dieses fleißige Organ nie vergessen: Wir alle fahren einmal im Monat aus der Haut. Länger bleibt kein Keratinozyt bzw. Korneozyt im Dienst.

Kleine Geschlechterunterschiede

Dass Männerhaut etwas dicker ist als die von Frauen, haben wir eingangs schon erwähnt. Einerseits ist das ein klarer Vorteil, wenn’s um die Optik geht. Dass das auch an den Augen der Fall ist, merken wir in der Praxis zum Beispiel daran, dass Männer viel weniger Probleme mit Augenringen haben als Frauen. Männer haben zudem eine ganz andere Bindegewebsstruktur als Frauen, deshalb ist ihre Haut tendenziell straffer, fester und robuster. Weil Frauenhaut für das Projekt Babybauch optimiert ist, verlaufen ihre Bindegewebsfasern in einer gut dehnbaren parallelen Ausrichtung. Bei Männern sind sie vernetzt, und dadurch können sich auch die Fettpolster, die dazwischen gelagert sind, schlechter abzeichnen. Der Grund, wieso Männer viel seltener Zellulite haben als Frauen. Der Preis, den Männer für ihre toughe Hülle zahlen, ist weniger Zartheit.


Einen deutlichen Unterschied machen natürlich die Hormone, da haben Frauen in Hautsachen die Nase vorn. Testosteron regt die Talgbildung an, deshalb leiden Männer öfter unter Akne, und deshalb haben sie größere Poren. Östrogen hingegen regt die Kollagensynthese an und stärkt das Bindegewebe, sorgt also für schöne Haut. Allerdings nur bis in die Phase der Wechseljahre, denn ab dann wird viel weniger Östrogen produziert. Deshalb ist die Haut von Frauen nach den Wechseljahren im Schnitt auch zehn Prozent dünner als zuvor, es sei denn, die Betroffene entscheidet sich für eine Hormonersatztherapie. Hiermit lässt sich die Hautalterung durch Östrogenmangel nahezu auf null herunterfahren.

Ein weiterer gravierender Unterschied zwischen ihr und ihm ist aus dermatologischer Sicht die Rasur. Naheliegenderweise klagen vor allem männliche Patienten über zahlreiche hartnäckige kleine Rasurpickel im Bartbereich. Die Diagnose lautet Follikulitis, Haarwurzelentzündung. Ursache ist der Gebrauch von stumpfen Klingen, die mit zu viel Druck angewendet werden, wodurch es zu kleinen Verletzungen kommt und in betroffenen Arealen eine Entzündung entsteht. Also: Um die Rasur erträglicher zu machen, sollte man immer scharfe Klingen benutzen. Die roten Punkte sind nämlich nur das Anfangsstadium. Gelangen durch weitere Verletzungen immer mehr Bakterien an Follikel und Talgdrüse, können sich stattliche Abszesse entwickeln, die aufgespalten oder mit Antibiotikum behandelt werden müssen. Dann doch lieber scharfe Rasierer nutzen, oder?

Cremen, peelen, ölen

Die Frage, wie gut Kosmetik der Haut tut und ob sie überhaupt nötig ist, dürfte bei jeder größeren Runde zu einer lebhaften Diskussion führen. Auf der einen Seite haben wir die Cremegegner, die Kosmetik jegliche nachweisbare Wirkung absprechen und sie daher auch mal als Feinlederpflege verspotten. Auf der anderen Seite gibt es die Kosmetikjunkies, die gern jeden Trend mitmachen und sich bereitwillig nacheinander zehn Produkte ins Gesicht klopfen, wenn Beautyblogs »Layering« zum neuesten Kult erklären – eine aufwendige Mode aus Südkorea, bei der Schicht für Schicht nacheinander diverse Reinigungsprodukte, Wässerchen und Seren aufgetragen werden. Wir würden uns keinem dieser Lager anschließen. Kosmetik als komplett überflüssig darzustellen, finden wir verwerflich. Klar, in der Steinzeit haben die Leute keine Creme gehabt, aber die sind auch mit 25 gestorben und haben ganz sicher nicht heiß geduscht. Fakt ist aber auch: Egal, welche Wirkstoffe in einem Serum oder einer Creme sein mögen und wie viel das Produkt kostet, wer wirklich langfristige Anti-Aging-Effekte erwartet, der wird enttäuscht.

Wir erleben in der Praxis im Gegenteil häufig, dass ungeeignete Kosmetik der Haut schadet. Diese Beobachtung lässt sich natürlich nicht pauschalisieren, denn zum Arzt geht man naturgemäß wegen Hautproblemen, nicht weil man so happy mit seiner Hautpflege ist. Ein klassischer Kosmetikschaden ist die periorale Dermatitis, auch bekannt als Stewardessenkrankheit, die sich durch dicht gedrängte kleine Pickel vor allem im Mundbereich bemerkbar macht und eine Hautreaktion auf zu viele Pflegestoffe ist (mehr dazu ab Seite 139). Fast noch häufiger sehen wir Akne, die durch falsche Pflege von einem leichten zu einem schweren Fall wird (mehr dazu ab Seite 54). Ähnlich weit verbreitet sind Probleme, die durch übermäßigen Gebrauch von Duschgel entstehen. Die darin enthaltenen waschaktiven Substanzen brechen die Lipidschicht der Haut auf, was bei trockener Haut zu Ekzemen führen kann. Hinzu kommen im Gel die Zusatzstoffe, die für Duft, Haltbarkeit und haptische Sensationen sorgen. Wir sind Freunde von fester Seife, weil man sie sparsamer dosiert als Duschgel und weil sie oft weniger Chemie mit sich bringt.

Quasi der heilige Kosmetik-Gral und damit auch ein echter Wirtschaftsfaktor sind Anti-Aging-Cremes. Wir sind oft überrascht, welche blumigen Aussagen in der Werbung getroffen werden. Als realistische Benchmark empfehlen wir den Vergleich zu Zahncreme. Kein Mensch würde jahrelang die Zahnpflege vernachlässigen und dann hoffen, dass Zahnpasta XY ihm ein Vorzeigegebiss à la Tom Cruise beschert, doch das suggeriert die Werbung hinsichtlich all der »Lifting«-, »Energie«- und »Revitalisierungs«- Cremes, die es auf dem Markt so gibt. Aus unserer Sicht funktioniert sinnvolles Anti-Aging mit Kosmetik nur präventiv, also durch eine Pflege, die den Hautschutzmantel stärkt, Zellschäden durch Antioxidanzien verhindert, die Oberhaut durch wasserbindende Stoffe wie Glyzerin, Urea oder Hyaluronsäure durchfeuchtet und die UV-Filter enthält (wirken garantiert, genauso wie feststeht, dass Sonne Falten macht). Der Schlüssel zur ewigen Jugend sind solche Cremes allerdings auch nicht.

AUF EIN WORT

Anti-Falten-Cremes werden oft als Mittel gegen bestehende Falten aufgefasst, was wir für ein grundlegendes Missverständnis halten. »Anti-zukünftige-Falten-Cremes« wäre eine bessere Bezeichnung, denn wirklich nennenswertes Anti-Aging funktioniert mit Kosmetik nur auf der präventiven Ebene.

Aus unserer Sicht kommt smartes, effizientes Anti-Aging ohne exorbitant teure Kosmetik aus. Cremes mit den eben beschriebenen Stoffen, mit Fruchtsäuren oder dem kosmetischen AntiAging-Star Vitamin A leisten das kosmetisch Machbare, und sie gibt es auch im Drogeriemarkt für überschaubare Preise. Wir empfehlen unseren Freunden eher, das so gesparte Geld in Botulinumtoxin und Filler zu investieren. Was in der Regel für Staunen sorgt, weil diese Stoffe hierzulande nicht als Vorsorgemaßnahmen angesehen werden, sondern als Mittel gegen bereits entstandene Falten. Aber wenn man früher etwa zu Botulinumtoxin greift, entstehen diese Falten später. Wobei wir betonen wollen, dass sinnvolle Hautpflege und ein bewusster Lebensstil das auch schaffen. Die faltenfreie 30 Jahre alte Stirn per Botulinumtoxin mimisch zu beruhigen ist aber eine sinnvolle Option für alle, die wirklich gar keine Lust auf Falten haben.

Faltenrock oder: der Zahn der Zeit

Es muss aber nicht gleich die Spritze sein. Schauen wir doch einmal, wie Falten überhaupt entstehen. Für sehr junge Haut ist das noch überhaupt kein Thema, weil sie fantastische Regenerationsfähigkeiten hat. Föten, die vor der 24. Schwangerschaftswoche im Mutterleib operiert werden, kommen ohne Narben zur Welt, ganz egal, wie groß der chirurgische Eingriff war. Je älter man wird, desto schlechter ist es aber leider um diese regenerativen Kapazitäten bestellt. Die Haut altert. Dagegen ist noch kein Zaubermittel gefunden, dafür gibt es die realistische Chance, den Prozess zu verlangsamen – oder ihn zumindest nicht zu beschleunigen.


Bis Mitte 20 funktioniert das komplexe Zusammenspiel von Zellen, Botenstoffen und Stoffwechsel in gesunder Haut noch ziemlich perfekt, aber danach geht’s bergab. Unausweichlich. Je älter man wird, desto mehr Zellteilungen haben die Zellen hinter sich, und bei der x-ten Zellteilung entsteht quasi die Kopie einer Kopie einer Kopie. Ähnlich wie bei einer Fotokopie wird die Qualität immer schlechter, und mit der Zeit bauen sich Fehlerquellen ein, sowohl bei Zellprodukten wie dem Kollagen als auch bei den Zellen selbst. Nehmen die Fehler überhand, dann bricht der marode Kollagenstrang nach einem einzigen Sonnenbad, und dann stirbt die Zelle (sofern sie nicht zuvor vom oben beschriebenen Sicherheitsdienst als feindlich erachtet und liquidiert wurde). So viel zur unvermeidbaren sogenannten »intrinsischen« Hautalterung.

Wir können dennoch kräftig dazu beitragen, wie schnell die Haut altert. Dieser menschengemachte oder »extrinsische« Faktor basiert auf einer Flut von winzigen Entzündungen, mit denen sich die Haut gegen Schaden wehren muss. Ausgelöst wird das vor allem durch UV-Licht, Luftbelastung (Rauch, Feinstaub, Ozon) und falsche Ernährung. Die Übeltäter, die das in erster Linie verantworten, sind freie Radikale. So nennt man kleinste chemische Verbindungen mit einem oder mehreren ungepaarten Elektronen, die anderen Verbindungen Elektronen rauben. Sie sind in etwa so friedliebend wie eine Horde wild gewordener Junggesellen, die in eine Gruppe glücklicher Pärchen eindringen, funktionierende Beziehungen sprengen und so zu allem Überfluss auch noch neue Singles erzeugen.

Das ist für den Körper zunächst einmal kein Problem, oder besser: kein neues. Um Wärme und Energie zu erzeugen, muss er Sauerstoff spalten, wobei Sauerstoffradikale entstehen. Der Körper selbst startet also täglich mehrere Tausend Angriffe auf jede (!) seiner Zellen, was aber gar nicht schlimm ist, weil er auch gleich eine Reihe ausgleichender Tricks auf Lager hat. Allen voran sind das Antioxidanzien: Stoffe, die mit ihren Elektronen nahezu hausieren gehen und so die freien Radikale ruhigstellen, bevor sie einer Hautzelle etwas antun. In erster Linie wirken hier die Vitamine A, C und E, sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide und Polyphenole sowie bestimmte körpereigene Peptide. Heikel wird die oxidative Lage erst, wenn das Verhältnis von Attacken zu Abwehrstoffen nicht mehr stimmt. Wer es ernsthaft schafft, täglich die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen, in sauberer Luft lebt, selbstredend nicht raucht und nie ungeschützt in die Sonne geht, ist fein raus. Für alle anderen (also für alle – oder kennen Sie so jemanden?) liegt hier der Schlüssel zu wirksamem Anti-Aging. Wenn wir einerseits den oxidativen Stress zum Beispiel durch Sonnenschutz vermindern und andererseits die Haut von innen und außen mit Radikalfängern versorgen, dann bremsen wir die extrinsische Hautalterung erheblich. Die Uhr zurückdrehen können wir damit aber nicht, Vorsorge ist also nicht nur besser als Nachsorge, sondern alternativlos.

AUF EIN WORT

»Reich an Antioxidanzien« ist ein Prädikat, mit dem sich vom Smoothie bis zum Serum viele Produkte schmücken. Aber woher weiß man überhaupt, wie es um diesen Reichtum wirklich bestellt ist? Wer sich mit zigfach kopierten Floskeln nicht zufriedengeben will, studiert die »ORAC«- Charts, kurz für »Oxygen Radical Absorbence Capacity«. Hier sind mit seriösen wissenschaftlichen Methoden ermittelte antioxidative Werte einsehbar, freundlicherweise eingeteilt in vier leicht verständliche Leistungsklassen A, B, C und D. A ist top, D ist Flop. So ziemlich alle Obst- und Gemüsesorten schaffen es in die A-Klasse, so weit keine Überraschung. Aber wussten Sie, dass Tomatenmark um Längen besser schützt als frische Tomaten, dass Bio-Kakao dem oft gelobten Grünen Tee antioxidative Konkurrenz macht und Gewürze echte Anti-Aging-Pülverchen sind? (Lesetipp: www.orac-info-portal.de)

Antioxidanzien-Top-Ten, nach ORAC, Stand 2018

• Gewürznelke

• Gewürzsumach

• Zimt

• Sorghumhirse

• Oregano

• Kurkuma

• Açai-Beere

• Mohrenhirse

• Sumachbohnen

• Kakaopulver

Haut im Wandel

Ein wichtiger Faktor bei der Hautpflege sind Lebensalter und Jahreszeiten. Grundsätzlich lässt sich schon sagen, dass sich die Haut im Laufe der Jahre verändert. Junioren brauchen ganz andere Produkte als Senioren. Während es in den jugendlichen Jahren vor allem darum geht, Pickel und dergleichen zu verhindern, ist es im Alter eher wichtig, dass man die Haut aufpolstert und dadurch Falten in ihrer Erscheinung abmildert. Zudem verliert Altershaut an Lipiden, braucht also meist eine reichhaltigere Pflege. Babyhaut braucht am wenigsten Pflege, da reicht es, wenn man eine schlichte Creme aus Wasser und Fetten nutzt. Duftstoffe und Konservierungsmittel haben hier nichts zu suchen, weil die dünne Babyhaut viel durchlässiger ist. Und das war’s. In der Dermatologie sehen wir oft besorgte Eltern, die bei ihrem Kind eine Neurodermitis befürchten – während die junge Haut in Wirklichkeit durch zu viel Pflege eine gestörte Schutzbarriere zeigt.

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30 iyul 2025
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ISBN:
9783831269747
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