Kitabı oxu: «Franz und das Schwarz»

Şrift:

Franz und das Schwarz

1  Impressum

2  Titel

3  Widmung

4  Vorwort

5  Für dich

6  Franz und das Etwas

7  Teil 1

8  Rückwärts, blind mit Selbstjustiz

9  Finsterwald

10  Miss Almadeamor

11  Der Pythagoräer

12  Flaschenpost

13  Flavius

14  Der Basilisk

15  Hang zur Misanthropie

16  Das schwarz-weiße Haus

17  Zwei Mal sehen

18  Teil 2

19  Das Verlangen

20  Kadavergehorsam

21  Das Oxymoron

22  Bigotterie und Verum

23  Maskenball mit Marie Antoinette

24  Philanthropie durch surreale Eidetik

25  Die Avantgarde

26  Der Blechmann

27  Kaliban

28  Unter der Erde

29  Teil 3

30  Das Summen des Funkens (Dechiffriert)

31  Segeln

32  Devot bis zum Herzstillstand

33  Vagabund der Anderswelt (Reformation des Geistes)

34  Ich rufe dich

35  Die Einsiedler (eine unbekannte Zeit)

36  Herkunft bestimmter Figuren und ihrer Namen

37  Danksagung

38  Der expressive Extremist

39  Über den Autor

Impressum

Originalausgabe

1. Auflage 2021

© 2021 by Marius Rehwalt

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Herausgeber

David Walther

Dornblüthstraße 21

01277 Dresden

0173 3714104

Umschlaggestaltung und Motiv: Marius Rehwalt

Für Fragen, Anregungen, Buchungen und Presse:

David Walther

0173 3714104

Instagram: mariusrehwalt

Mail: marius_rehwalt@web.de

mariusrehwalt.com

Druck (Taschenbuch): epubli - ein Service der neopubli GmbH,

Berlin

Marius Rehwalt

Franz

und das

Schwarz

Eine

surreale

Erzählung

Gewidmet meinem Opa.

Vorwort

Geschrieben 2017 während einer elfwöchigen, stationären Therapie und in den darauffolgenden zwei Monaten.

Aufgezeichnete, wirre Ideen. Neuorientierung eines alten Körpers zu einem neuen Leben.

Mein wichtigstes Anliegen bei der drei Jahre später erfolgten Überarbeitung dieses Werkes war es, die kindliche Not, in welcher wir uns befinden, wenn wir uns unzulänglich, minderwertig, falsch, angegriffen oder Ähnliches fühlen, möglichst zu erhalten. Eine Depression ist an vielen Stellen nicht rational. Auch ich fühlte mich in vielen Momenten nicht einfach nur hilflos, sondern wie ein ausgeliefertes Kind. Handlungsunfähig, nervig und überflüssig. Fragen, die ich mir stellte, empfand ich selbst als dumm. Gefühle, die ich hatte, erachtete ich als überbewertet. Ich hoffe, trotz – oder gerade wegen – der langen Pause zwischen den Überarbeitungen zwei wichtige Dinge vereint zu haben: die naive Sprache und meine Emotionen aus der damaligen Zeit, in der ich oft nichts anderes als weinen oder sterben oder wenigstens in eine einsame Dunkelheit verschwinden wollte. So hoffe ich aber auch, Textstellen und Sätze, welche gänzlich aus dem Raster gefallen sind, womöglich nicht klar oder sprachlich ästhetisch waren, gut stilisiert zu haben. Mein Ansporn war, einen Feinschliff ohne zu tiefen Einschnitt vorzunehmen, um für intensive Vorstellungen und einen angenehmen Lesefluss zu sorgen, aber auch Interpretationsspielraum zu geben.

Daher möchte ich mich schon hier für jede Minute und die Geduld bedanken, welche Senta Herrmann auch diesem sensiblen Werk geschenkt hat. Ohne sie wäre Franz und das Schwarz noch lange nicht bereit, präsentiert zu werden. Für mich persönlich möchte ich damit einige Kapitel meines Lebens als abgeschlossen betrachten.

Ich danke jedem, der sich mit diesem Werk und seinen Gedanken, aber auch dem Entstehungsprozess sowie dem Warum und Wie auseinandersetzt.

Euer Marius, Dresden, 2021

Für dich,

die mich kriechen ließ

am dunkelsten Orte meiner Seele.

Die mein Denken und Fühlen verformte,

meinen Geist masochistisch quälte.

Nahmst mir Hoffnung, Liebe und Kraft,

bis ich als Würde beschwor

meines Leibes Nekrose.

Doch hör genau hin,

verkneife höhnisches Lachen!

Dich zu hassen

bleibt nicht mein einziges Wachen.

Ebenso Liebe und Dankbarkeit

sind in mir für dich

in Flammen entfacht.

Lehrtest mich Kämpfen und Menschlichkeit,

Verständnis und Einfühlen für andere Schwache.

Jetzt steh’n wir im Ring,

du ganz in Waffen;

ich muss allein

und nackt hier erschein’.

Doch höre mit mir

das Summen des Funkens.

Der letzte Ton

ist noch nicht erklungen.

Krieg frei, liebe Dysthymia!

Franz und das Etwas

Jeder schätzte, dass der kleinste Windstoß Franz davontragen würde. Klein und hager kam er daher. Seine dünnen Ärmchen hingen ihm wie Streichhölzer links und rechts seines leichten Buckels herab. Schlapp, als könnten sie sich niemals von selbst bis zu den Schultern erheben.

Keiner konnte mehr genau sagen, was ihn zu seiner plötzlichen Reise animiert hatte, doch es war nichts Gutes gewesen. Vielmehr etwas Schmerzliches, etwas, das sein Leben und seine Befindlichkeit so ins Wanken gebracht hatte, dass es in ihm zum Überlaufen gekommen war.

Seine Welt bestand schon lange aus einer Art schwarzem Schleim, den er seit vielen, vielen Jahren in seiner Brust mit sich herumschleppte. Er sah die Welt in Grau. Egal wie farbig er sie sich ausmalte, wie sehr er auch mit Pinsel und Stiften versuchte, sie bunter zu gestalten, das Grau bestimmte seinen Alltag. Mit dem Einbruch des großen Unglücks breitete sich die Schwärze weiter aus. Sie ergriff von ihm Besitz und übermannt ihn. Von seiner Brust aus wuchs sie und wuchs sie wie ein seelisches Krebsgeschwür, für das es keine Heilung zu geben schien. Bald war die Welt nicht mehr grau, sondern pures Schwarz. Seine Adern pulsierten schwarze Masse durch Herz und Hirn.

Doch in der hintersten Ecke seines Herzens gab es ein Fünkchen, tausendmal kleiner als die Spitze einer Stecknadel. Einen Funken aus purer Liebe. Es war seine Liebe zu den Menschen, zu seiner Familie, zu seinen Freunden. Und zum Leben. Das Leben war schön. Das hatte er immer gewusst, nur das Gespür dafür allmählich verloren. Sein Funke aber hatte ihn nun zum Aufbruch bewogen. Zu einer Reise tief in sich. Um den Funken zu entfachen und das Schwarze aus sich zu vertreiben.

Und so war er in jener Nacht ruhig eingeschlafen und hatte die Wanderung begonnen …

Teil 1

Der Weg

Pures Schwarz zerfrisst mich ganz,

ich taufe mich in Traurigkeit.

Rückwärts, blind mit Selbstjustiz

verlauf ich mich im Finsterwald.

Ich sehne mich zurück

nach etwas, das ich nie gekannt.

Nach einem alten Licht,

welches tiefer in mir brennt.

Doch nur noch dessen Glut

leise im Wind kämpft.

In meinem toten Körper

ist nichts als diese Leere.

Es kreist umher ein stummer Schrei,

ein alter Virus um sich greift.

Mit Widerhaken zieht

die Welt an meiner Haut.

Es rinnt das Blut, es beißt der Schmerz,

ich bin verwirrt geboren.

Pures Schwarz zerfrisst mich ganz,

ich taufe mich in Traurigkeit.

Finsterwald

Franz stand auf einem kleinen Hügel. Die Wolken hingen schwer über ihm. Grau und fahl zogen sie am Himmel nach Osten. Das Gras war welk, nirgendwo sah er eine einzige Blume. Vom Hügel ging ein geschwungener Pfad hinab, an dessen Fuß einst ein kleines Rinnsal verlaufen war. Die Brücke, die Besucher hinüberbringen sollte, war zerbrochen und abgebrannt, als hätte jemand den Weg in den dunklen Wald dahinter versperren wollen.

Hoch über dem Wald sah Franz einige Raben und Krähen ihre Bahnen ziehen. Hin und wieder hörte er ein leises würgendes Gurgeln.

Langsam bewegte Franz sich auf den Wald zu.

Dieser schien nicht still. Irgendetwas an ihm wirkte, als befände er sich in ständiger Bewegung. Die grauen Bäume, die Büsche … Nichts schien standhaft an einem Ort zu verweilen. Kurz hielt Franz inne und mit einem Mal war alles ruhig.

Seltsam, dachte Franz. Einige Augenblicke blieb er stehen und betrachtete den schwarzen Wald, ehe er weiter auf die Brücke zuging. Zwischen seinen Beinen huschte etwas hindurch. Er erschrak und sprang einen Schritt zurück.

Zitternd suchte er den Boden ab. War es ein Tier?

Nach einigen Momenten der erfolglosen Suche beschloss er, die Sache auf sich beruhen zu lassen, und nahm wieder seinen Kurs auf.

Wenige Meter weiter kreuzte ihn wieder etwas zwischen seinen Beinen. Als er abermals zurückwich, tippelte es erneut vorbei. Nach einer kurzen Zeit wieder. Und wieder und wieder und wieder. Es entstand eine kleine Staubwolke auf dem trockenen Pfad. Eine feine, piepsige Stimme drang an seine Ohren.

»Hallo, Znarf!«

Franz weitete die Augen. Wer? Znarf? Wer soll Znarf sein?, fragte er sich.

»Na, na. Nicht so schüchtern, lieber Znarf«, fuhr das Stimmchen fort.

Allmählich legte sich die Staubwolke und Franz erkannte ein kleines, nacktes Tierchen. Es hatte ungefähr die Größe einer Ratte, besaß jedoch kein Fell. Seine Augen wurden von einer großen Fettschicht überdeckt, die in einen schmalen Rüssel überging. Es stand auf vier dünnen Beinen mit hühnergleichen Füßchen und hatte obenauf zwei kleine Flügel, ähnlich einer Stubenfliege. Die nackte Haut war rosa-grau.

»Hallihallo, mein lieber Zarf. Warum denn nur so schreckhaft? Bin doch klein und fein. Was soll ich schon tun gegen dich so großen Mann?«

Franz fand langsam wieder zu seiner Sprache. »Was bist du? Und warum sagst du meinen Namen falsch herum?«

»Doofe Fragen, dumme Fragen. Sinnlos! Was geht nur in dir vor?«

»Nichts ist dumm. Macht es dir Spaß, mich zu beleidigen? Das find ich unerhört. Wo bin ich hier? Es ist so kalt, so grau. Noch grauer als die Wirklichkeit.«

Das kleine Wesen erhob sich und flog um ihn herum. Franz hatte alle Mühe, ihm zu folgen und es nicht aus den Augen zu verlieren. Nach zwei, drei Runden setzte es sich wieder auf den Pfad, spreizte die Hinterbeine weit auseinander und stieß einen großen Seufzer aus.

»Ach, herrje! Das kann was werden. Wo –«

»Hörst du wohl auf! Beantworte seine Fragen, ob dumm, ob schlecht! Schnell, bevor die Nacht einhält!«, schmetterte eine erhabene weibliche Stimme aus dem Nichts und ließ den Boden erbeben.

Franz fuhr zusammen und sank auf seine Knie. Die Hände hielt er sich schützend über den Kopf.

»Ja, ja. Ich mach ja schon. Immer hat sie was … Immer schreit sie … Was ist sie nur so hart?«, brabbelte das Wesen in sich hinein.

Franz blickte es fragend an, die Arme immer noch abwehrend erhoben.

»Nun gut, du Albermann. Ich will dir sagen, wer ich bin. Ich bin Iocus. Doch was ich bin, kann ich nicht sagen. Das weißt nur du allein. Und wo du bist? Was denkst du denn? Streng dich nur an!«

Franz nahm seine dünnen Ärmchen herunter und schaute sich um.

»Es ist so trostlos hier. So kalt, so rau. Alles seh ich nur in Grau.« Franz sackte ein wenig in sich zusammen und wirkte umso buckliger. »Dies hier muss mein Herz wohl sein. Ich kann es mir nicht anders denken.«

»Oh, oh, oh! Du kleiner Narr. Dein Herz? Dein Herz so grau? Dies hier ist für dich grau? Durfte lange nicht in so freudvollen Gegenden spazieren. Niemals ist dies dein Herz. Bis dahin ist’s noch weit. Dunkler, schwärzer, bis du nichts mehr siehst! Bist du einmal in deinem Herzen, wirst du nur tastend kriechen. Aber hui, du hast mich gar zum Schmunzeln wohl gebracht, hab Dank. Rat ruhig weiter, nur folge mir derweil! Die Alte macht mich sonst nur mürbe, wenn wir zu spät nach Hause kehren.«

»Wohin gehen wir?« Langsam stand Franz auf und blickte in den Wald. Ein Schauer lief ihm den Rücken hinab.

Das Wesen setzte zum Fluge an, umschwirrte ihn und stupste ihn dann zum Gehen. Franz gehorchte und lief los. Langsam und bedächtig durch die welken Gräser. Iocus setzte sich auf seine Schulter.

»Ach, kleiner Znarf, ich mag dich doch irgendwie. Siehst so elend aus. Bist so allein. Aber das wird nicht immer sein.«

Bei jedem Schritt, den Franz auf den Pfad setzte, sah er es jetzt sicher. Die Bäume des Waldes schoben sich hierhin, dorthin und kurz danach wieder woandershin. Bäume, die erst vorn gewesen, rutschten nun nach hinten. Von links nach rechts, es gab nur Ruhe, wenn auch Franz innehielt. Mulmig wurde ihm davon. Iocus schien genau in diese Richtung zu wollen, hinein in diesen dunklen Wald.

Die kleine Brücke ließ er rechts von sich liegen, der Bachlauf war ohnehin ausgetrocknet. Zwei, drei Meter stieg Franz hinab, übersprang die großen Steine und kletterte auf der anderen Seite wieder hinauf.

Überall krächzte es, gurgelte, knackte und rumorte. Auch die Raben und Krähen schrien immer wieder wütend. Der Wald war so dicht bewachsen, dass Franz sich fragte, wie er hindurchkommen sollte. Iocus flog von seiner Schulter bis zur anderen Seite der Brücke. Dort hielt er an und deutete zwischen die Bäume.

»Hier geht’s lang, du schlaffer Bub. Los, los, bald tönen schon die Schatten!«

Franz hatte das dumpfe Gefühl, dass alles, was das kleine Wesen sagte, höhnisch, gar spöttisch war. Fieberhaft überlegte er, was es wohl für ein Wesen sein könnte. Doch im Moment fiel ihm nichts ein. Er verscheuchte den Gedanken und besann sich seines Weges. Er folgte Iocus, der schon vorweg zum Waldrand geflogen war. Dort stand er nun vor einem schmalen Weg ins Reich des Morbiden. Franz konnte nur zehn oder zwanzig Meter weit in den Wald hineinschauen, dahinter lag tiefe Dunkelheit. Die Bäume umschlossen den Pfad zu allen Seiten, bildeten einen Tunnel und ein Dach aus morschen und vertrockneten Ästen. Die Geräuschkulisse wurde immer lauter, immer bedrohlicher.

Am Anfang des Weges erkannte Franz deutlich eine Linie auf dem Boden. Eine Art Grenze. Irgendwer muss sie mit einem Stock gezeichnet haben, schlussfolgerte Franz.

»Und? Haben wir es nun? Ich würd gern los. Nun komm!«

Franz nickte kurz und setzte seinen Fuß über die Linie. In diesem Moment drehte es ihn einmal um sich selbst, bis er wieder auf die Brücke schaute. Herumdrehen konnte er sich nicht. Er wollte zurücklaufen, den Strich erneut Richtung Brücke und Hügel überschreiten, aber auch dies blieb ihm versagt. Jeden Schritt, den er setzte, lief er rückwärts.

»Was ist hier los? Hilf mir doch, du freches Wesen!«, schrie Franz und stand den Tränen nahe.

»Habe nicht immer so viel Angst. Da musst du durch! So ist dein Finsterwald. Er macht, was er will. Oder was du wohl willst? Wer weiß das schon genau? Wirst du schon noch erfahren. Laufe nur, der Wald wählt heute deinen Weg. Ich schaue schon, dass du nicht fällst – über Wurzeln oder was dich sonst noch quält.«

Iocus krallte sich einen Zipfel seines Hemdes und zog an ihm.

Es war ein Graus für Franz’ Kopf. Jede Bewegung, die er machte, trieb ihn einen Schritt nach hinten. Dahin, wo er keine Augen hatte, immer tiefer in die verstörende Finsternis hinein. Schon nach wenigen Schritten schloss sich vor ihm das Dickicht. Die Brücke war weg, der kleine Hügel verschwunden. Düster war es nun geworden und seine Blicke huschten nervös hin und her. Aber er setzte weiter seine Schritte, einen nach dem anderen.

Manchmal versuchte Franz, hinter sich zu blicken, doch er konnte nicht weit sehen. Er sah nur, wie der Wald sich weiter wandelte und einen Weg freigab. Lange konnte er so nicht gehen, ehe ihn sein Nacken schmerzte.

Nach einer ganzen Weile glaubte Franz, dass es ein wenig heller wurde. Der Wald war in ein tiefes, dunkles Blau getaucht, dem sich ein Hauch von Lila untermischte. Die Bäume blieben weiter fahl, grau und wie abgestorben. Einige wirkten, als ob hier und da ein Feuer gebrannt hätte. Manchmal meinte er sogar, noch eine Glut oder einen dünnen Rauchschwaden zu sehen. Er war sich dessen aber nie ganz sicher. Zu viel Bewegung befand sich im Geäst.

Plötzlich stolperte er und stürzte auf den Rücken. Er stieß sich den Kopf und schrie auf. Als er sich aufsetzte, erkannte er eine Wurzel, die dick war wie ein Oberschenkel.

»Warum hast du nichts gesagt, Iocus?«

Das Wesen schaute ihn dümmlich an und schwieg. Zwischendurch zuckten kurz seine dünnen Flügel.

»Hey, ich rede mit dir! Was soll das? Du kannst doch alles sehen und geradeaus fliegen. Warum legst du mich so herein?« Franz wurde sauer. Dieser Ort, so fremd und gespenstisch, ein Wesen mit einem seltsamen Namen … Ihm wurde das alles viel zu viel.

Doch in diesem Moment lachte das Wesen lauthals los. Es rollte sich auf seinen Po, landete auf dem Rücken und lief purpurrot an.

»Hihihi … hohoho …«

»Was gibt es da zu lachen? Hast du das mit Absicht gemacht? Mich eiskalt über diese Wurzel stolpern lassen?«

Iocus wurde lauter, lachte und gluckste. Tränen kullerten aus seinen Augen, unter dieser dicken Fettschicht hervor.

Franz stand auf und wollte das Wesen fassen, es ergreifen und schütteln. Doch es war zu flink. Es schnellte hoch und umsurrte ihn weiter lachend. Franz ballte seine kleinen Hände zu Fäusten und senkte seinen Blick.

Nach einer ganzen Weile sagte er: »So langsam weiß ich, was du wohl für ein Wesen bist. Du musst der Argwohn sein. Nichts andres fänd’ ich passend.«

Augenblicklich hörte das Wesen auf zu lachen und zu surren. Gerade noch war es hinter Franz, nun setzte es sich vor ihm hin.

»Oh, er spricht also auch mal ein paar kluge Sätze. Ja, ja, so in der Form hat mich auch das Weib betitelt. Bist der Zweite, der das sagt. Ach, i wo! Damit kann ich wohl leben. Was ist schon dabei, am Leid der anderen? Am Unglück, hä?«

»Das ist nicht schön. Das tut den anderen weh. Wenn nicht körperlich, dann wohl im Herzen. Wer kann dir sagen, wer nicht schlafen kann – wohl wegen deiner Taten? Ich finde dich entsetzlich, nun, wo ich dein wahres Gesicht erblicken musste.«

»Bist du wohl still? Halt die Fresse!« Das Wesen wurde wütend und wuchs pulsierend heran, bis es Franz um mehrere Köpfe überragte.

Seine Stimme war nun nicht mehr piepsig, quiekend böse traf es eher.

»Bist du wohl selbst schuld, du Nichtsnutz! Hast den Schwarzen Mann gewähren lassen, der alles infizierte. Früher war ich lustig, witzig. Jeder wollte mit mir lachen. Fell hatte ich und große Augen. Sieh mich an, was mit mir passierte! Aus Humor hast du den Argwohn geboren. Tölpel! Wie sehn’ ich mich zurück nach wahrem Witz!«

Franz beruhigte sich. Ihm erschien nicht alles klar, doch er bemerkte, dass das kleine Wesen auf eine Art recht hatte. Er spürte, dass es mit Grund nicht erfreut über seine Worte war.

Und so entschuldigte sich Franz höflich bei dem Argwohn.

»Nun gut. Ich nehme sie an, deine Entschuldigung. Es sei verziehen. Aber merk dir eins, mein lieber Znarf, verletz’ hier niemanden! Du hast sie alle so gemacht. Du hast sie sich so verwandeln lassen.«

»Gut, mein Freund. Es tut mir leid.« Franz reichte Iocus seine Hand.

Iocus schlug mit seiner kleinen Pranke ein und pulsierte sich kurz darauf wieder auf seine eigentliche Größe.

Ab diesem Moment machte der Argwohn hin und wieder einen kleinen bösen Witz. Meist, um sich über ihn oder irgendwelche Bewohner dieser Welt, die Franz aber alle unbekannt waren, lustig zu machen. Hier und da schmunzelte er mit oder machte auch einmal den einen oder anderen Witz. Aber natürlich meist über sich selbst. Er machte sich nicht gern über andere lustig, wusste er doch zu gut, wie es sich anfühlte, das Opfer von Hohn und Verachtung zu sein. Gleichermaßen erschrak er über sich, da ihm dennoch hin und wieder etwas einfiel, was er bei anderen abwertend oder spöttisch betrachtete. Und so war er gespalten in seinen Reaktionen, sein guter Geist mochte die Späße des Argwohns zumeist wirklich nicht, nein, sie missfielen ihm regelrecht. Doch dann pochte etwas Fremdes in ihm auf und er musste schmunzeln.

Wo kommt das nur her?

Immer wieder sprach der Argwohn über ein altes Weib, zu dem sie hinmüssten. Sie könne an jedem Ort mit Franz und auch den anderen Wesen in dieser Welt reden.

»Sie sieht alles!«, sprach Iocus ganz frei heraus.

»War sie die laute Stimme vorhin, als du mir nicht hast antworten wollen?«

»Ja, ja. Das war sie. Denk nur scharf nach! Du weißt, wer sie wohl ist. Ist geprägt von Urbeginn. Kann dir Hinweise geben, Korrektur, Anmerkungen wohl. Kommt nur nicht raus, muss bleiben drin in ihrer Hütte. Der Schwarze Mann vertreibt sie sonst. Ach, was sag ich! Auslöschen würde er sie, wenn sie nicht bliebe im Licht.«

Franz hatte keine Ahnung, wer sie sein sollte. Er zermarterte sich den Kopf, entschied dann aber, dass es ihm nichts brachte. Wenn er sie sah, würde er sie fragen. Und wer oder was war eigentlich der Schwarze Mann?

So liefen sie weiter und weiter. Franz nach wie vor rückwärts, Iocus schwebte vor ihm, hinter ihm oder neben seinem Kopf. Gelegentlich setzte er sich auf seine Schulter, wenn er müde schien vom Fliegen. Manchmal aber hockte er auch auf Franz’ Kopf. Immer so, wie es ihm gerade beliebte. Es wurde immer dunkler und Franz fragte sich, wie lange sie schon gingen. Doch sein Zeitgefühl hatte ihn vor einigen Stunden schon verlassen. Der Argwohn achtete nun genau darauf, Franz immer rechtzeitig zu warnen, damit er nicht noch einmal fiel. Auch wenn man dem Argwohn anmerkte, dass es in ihm brannte, Franz noch ein weiteres Mal zum Stolpern zu bringen.

Dann endlich quiekte das Wesen von seinem Kopf: »Wir sind da. Miss Almadeamor, Miss Alma, wir sind da!«

Über seine Schulter sah Franz eine kleine Hütte. Sie hatte die Form eines Dreiecks, war zwei Mann hoch. Die Dachseiten reichten bis in die Erde und waren mit Moos, Gras und einem kurzen, dünnen Bäumchen bewachsen. Eine kleine, bucklige Esse befand sich im hinteren Bereich des Daches. Vor der Hütte sah Franz eine Veranda, deren Geländer an einigen Stellen gebrochen war. In der ihm zugewandten Dachseite gab es ein Fenster. So klein, dass Franz nicht einmal seinen Kopf hindurchstecken könnte. Ein schwaches, warmes Licht strahlte aus dem Inneren.

Franz wurde von einem Moment zum anderen bitterkalt. Er zitterte und schwitzte gleichzeitig. Seine Bewegungen wurden immer langsamer, er schien Stück für Stück einzufrieren. Dann hörte er etwas, das alles in ihm zusammenfahren ließ. Ein Tuscheln. Ein Raunen. Zähne klapperten und Sabber hörte er triefen.

»Rrrrmph … Rrrrmmmph …«, machten tausende Stimmen in unterschiedlichen Höhen und Stimmlagen.

Andere raunten und zogen immer wieder geräuschvoll die Nase hoch. Gequälte Schreie mischte sich dazwischen.

»Schnell!«, schrie der Argwohn Franz an und zog an ihm. »Die Schwärze hat sich gleich geschlossen. Schnell, nun komm!«

Franz stürzte die Veranda hinauf, kam ins Fallen und rollte rückwärts über seinen Kopf. Eine Tür wurde zugeschlagen und Franz verfiel in Düsternis.

Miss Almadeamor

Als Franz sein Bewusstsein zurückerhielt, umschloss ihn eine sommerliche Behaglichkeit. Wohltuende Wärme durchströmte ihn aus seiner innersten Tiefe heraus, benetzte sein Herz und seine Haut und entspannte sanft seine Glieder.

Verschwommen blickte er sich um, konnte jedoch so gut wie nichts erkennen. Er rieb sich die Augen. Alles wirkte doppelt. Die Umrisse pulsierten, waren mal nah und dann wieder fern. Alles drehte sich und stand auf dem Kopf, ehe es sich wieder entfernte. Auch sein Empfinden, ob er lag oder saß, schien ihn zu trügen. Als würde er auf dem Kopf stehen, tastete er um sich und spürte, dass er in eine riesige aufgeplusterte Decke gehüllt war.

Allmählich sah er erste schärfere Konturen und nach und nach erkannte er, dass er sich in einem großen Raum befand. Das Bett stand in der Mitte des Zimmers und er lag mit dem Rücken zu einer Eingangstür. Vor ihm zeigte sich ein kleiner Kamin mit einer Kochstelle. Rechts daneben hockte eine alte Dame auf einem antiken Hocker. Der Rest des Raumes quoll über von Bücherregalen, deren Inhalt wohl geordnet schien. Überall sah man Kärtchen mit Buchstaben und Verweisen.

»Miss Alma! Miss Almadeamor! Er ist munter.« Iocus setzte sich vor Franz auf die Decke und schaute ihn höhnisch an.

»Wo bin ich?«

Die Dame streckte sich und stand mit quietschenden und knarrenden Gelenken auf. Sie ergriff ihren kleinen Stock, der wie eine geschwungene Wurzel aussah, aber am oberen Ende den Kopf eines Franz unbekannten Tieres hatte. Es besaß scharfe Augen und spitze Zähne.

Dann drehte sie sich um und schaute ihn liebevoll an. Ihre Augen beanspruchten die Hälfte ihres Gesichtes. Darunter war eine winzige Brille auf einer noch winzigeren Nase. Der Mund schien nur ein kleiner Strich, kaum wahrzunehmen zwischen den vielen Falten. Ein dennoch breites Lächeln setzte sie auf, als sie sagte: »Oh! Das ist gut. Nur gut.«

Sie wackelte mit kleinen Schritten zu einem Regal, zog ein Buch heraus, dann ein weiteres und noch ein drittes; schlurfte zum Kamin, gab einen Pfiff von sich und von der Decke fielen zwei Tassen. Sie nahm das erste Buch und goss daraus eine teeartige Flüssigkeit in die Tassen. Dann packte sie das zweite und dritte Buch und wiederholte die Prozedur. Franz konnte nicht erkennen, was es war. Als sie fertig war, kam sie zu ihm, gab ihm eine Tasse und setzte sich wieder auf den kleinen Hocker.

»Trink nur fein! Trink, trink!«

Iocus schwirrte an den Buchreihen vorbei. Hin und her, hoch und runter, brabbelte vor sich hin und kam dann wieder zurück. Franz war geistig noch nicht anwesend. Er war weg. Sehr weit weg. Doch konnte er den Ort, an dem er sich gerade befand, nicht genau definieren. Als wäre er aus mehreren Stockwerken direkt in seinen Körper gefallen und sein innerer, geistiger Körper bei seiner Rückkehr ins Hier und Jetzt auf seinen fleischlichen geprallt.

Iocus stupste ihn und animierte ihn zum Trinken.

Er nahm einen Schluck von seinem Tee und verzog das Gesicht zu einer Grimasse. Bitter und sauer schmeckte das Getränk der alten Dame. Doch als er es hinunterschluckte, wurde es süß und warm. Er trank die ganze Tasse in einem Zuge aus und schien plötzlich voll bei Sinnen.

Unvermittelt stand er auf und ging ein wenig umher. Irgendwie fühlte er sich für den Bruchteil eines Momentes fast schon gut. Es war ungewohnt für ihn. Er verscheuchte das positive Gefühl und kehrte wieder zur inneren Unruhe zurück, die ihn schon so lange umtrieb. Franz setzte sich auf die Bettkante und schaute das Mütterchen an.

»Na, Znarf? Tat dir der Tee gut?«

»Oh ja! Es war fast schon beängstigend, liebes Mütterchen. Etwas, dass ich lange nicht mehr verspürt habe. Eine Freiheit von schlechten Gedanken. Wie eine Freundlichkeit zu mir selbst.«

»Ich kann mir gut vorstellen, dass das sehr ungewohnt und fremdartig für dich war. Darum habe ich dir auch einen nicht so starken Tee gemacht. Das hättest du noch nicht vertragen. Zu lange schon trägst du deine Last.«

»Er war sehr lecker. Vielen Dank.«

»Nun, nichts zu danken, kleiner Znarf!«

»Warum sagt ihr alle Znarf zu mir? Das verstehe ich am wenigsten bisher. Und was waren das für grässliche Geräusche, bevor ich hier in dein Haus eintrat?«

Das Mütterchen erhob sich, nahm den kleinen Hocker und kam näher an ihn heran. Dann setzte sie sich wieder und stöhnte kurz auf.

»Ach! So viele Fragen. So viele Fragen. Nun, wo fange ich am besten an? Iocus, was sagst du?«

»Eh, am besten am Ende, Miss Almadeamor, hihi, hihi.«

»Du bist albern. Wird Zeit, dass du wieder der Alte wirst.« Sie schüttelte den Kopf und dachte einige Momente nach, ehe sie begann: »Wie geht es dir, lieber Znarf?«

»Gerade eigentlich recht gut. Ich spüre eine angenehme Wärme in mir. Nicht ganz so vertieft in meiner Unruhe wie sonst.«

»Nein, nein. Nicht jetzt. Gerade bist du sicher. Kein Problem kann dich hier erreichen. Mein Haus ist ein Schutz. Eine Barriere, die auch der Schwarze Mann nicht zu durchbrechen vermag. Nur waren meine Freiheiten früher weitaus größer. Und nicht nur das: Eigentlich gab es überhaupt keine Grenzen für mich. Und es gab ein reibungsloses Leben zwischen dir und mir. Zwischen allen Bewohnern deines Geistes. Dann aber kam der Schwarze Mann. Und er empfand vieles als schlecht. Als erdrückend und nicht lebensnützlich. Da du ihn hast gewähren lassen, nahm er Stück für Stück alles, was er konnte.«

»Das ist viele Jahre her, habe ich recht?«, fragte Franz traurig.

»Oh ja. Deine Bewohner leiden. Viele sind nicht mehr da. Viele sind gestorben. Sind vom Schwarzen Mann und seinen Schergen vernichtet worden. Manche nur vertrieben, so wie ich. Manche wurden in ihrer Art und ihrem Denken manipuliert, so wie der kleine Argwohn.«

»Wer bist du? Was hat der Schwarze Mann gegen so ein liebes, kleines Mütterchen?«

»Ich bin dein Gewissen. Versuche dir zu helfen, dich zu schützen. Habe dem Schwarzen Mann eine Einschränkung gesetzt. Hinten im Jammertal. Da hatte er einen kleinen Tümpel. Den Tümpel der Trauer. Aber die Hindernisse hielten nicht. Du hast sie geöffnet und so hat er sich nach und nach ausgebreitet. Mich hat er als Erstes bedroht. Wenn die Dunkelheit sich einschleicht jede Nacht, kann ich nicht raus. Würde ich auch nur die Hand nach draußen stecken, würde es mich von innen zerfressen.«

»Was ist so schlimm an dir? Ich verstehe es nicht.«

»Vielleicht war ich zu streng? Obwohl, nein. Das glaub ich nicht. Er wollte einfach volle Macht. Und nicht mehr eingepfercht in einem dreckigen Tümpel leben. Er möchte dich regieren. Deine Trauer ist sein Leben.«

»Was kann ich dagegen tun?«

»Oh, das ist nicht leicht. Aber du bist hier. Das ist gut. Der erste Schritt wird sein, dass du es glaubst.«

»Was soll ich glauben?«

»Dass er da ist. Dass er real ist, tief in dir. In deinem Sein. In allem, was du bist.«

»Der Schwarze Mann?«

»Ja, genau der.«

Franz sah sich um und ging zum Fenster. Als er sich direkt davorstellte, wich er zurück. Grüne, gelbe und scharfe rote Augen sahen ihn an. Ohne Körper. Alles andere war pure Nacht.

»Keine Angst. Die Schergen kommen hier nicht rein. Die Moral hält weiter stand.«

Er ging rückwärts zum Mütterchen und drehte sich erst bei ihr wieder um.

»Warum muss ich glauben, dass er ist?«

»Weil er dich sonst ganz bekommt. Sonst hast du keine Angst. Siehst keinen Sinn darin, ihn zu bekämpfen.«

Franz sank auf den Boden und igelte sich ein. Er fing bitterlich an zu weinen und wippte leicht hin und her. Er weinte leise. Doch jede Träne schnitt eine tiefe Wunde in sein Herz. Es war, als wäre es schon seit vielen Jahren vertrocknet. Als liefen die Tränen mit ihrem Salz in all die Risse und brannten wie Feuer darin. Er weinte lange. Und erst, als er nicht mehr konnte, weil seine Augen schmerzten, hörte er auf. Das Mütterchen gab ihm einen neuen Tee und streichelte ihm über den Kopf.

»Der Schwarze Mann hat sehr viel Macht. Er ist ein Tier. Er ist besessen von Trauer und Gier nach Selbstmitleid«, sprach das Gewissen ernüchternd.

»Er war es all die Zeit, der mich so kriechen ließ ganz tief unter der Erde.«

»Das hast du gut erkannt. Doch du hast nun einen Namen. Mit einem Namen lässt sich besser kämpfen. Und du musst kämpfen, bis er nur noch eine Träne in einem weggeworfenen Taschentuch ist.«

»Sag mir, Mütterchen: Bin ich ein schlechter Mensch?«

Wieder tätschelte sie ihn am Kopf. »Ach wo! Wer sagt denn sowas? Du hast es nicht gewusst. Das hast du nie. Hast auch die Schleusen nicht mit Wissen oder Macht geöffnet. Es ist einfach nur passiert, hast ihn einfach gewähren lassen. Dazu kommt der größte Feind, die Unzufriedenheit. Sie erst hat den Schwarzen Mann verführt, nach mehr Macht sich auszustrecken. Es ist ein Zusammenspiel von so vielen Dingen, Erlebnissen und Gefühlen. Es ist schwer durchzublicken, wie genau alles entstand. Aber ich habe dich die Jahre über gesehen. Du hast dich lange sehr gewehrt. Ich bin sehr stolz auf dich. Hast Großes auch erreicht. Doch diese Pest, dieser Krebs, er war zu machtvoll.«

»Und? Ist es jetzt zu spät?«

»Für manche, ja, wie ich schon sagte. Viele hatten nicht die Kraft. Sie sind auf halbem Wege wohl verloren gegangen. Aber für dich? Niemals. Hör nur hin, sei ganz still!«

Und so lauschte Franz in die Stille und tatsächlich: Ganz leise hörte er einen feinen, glockenartigen Singsang. Er hörte ihn nicht mit seinen Ohren. Er hörte ihn mit all seinen Sinnen und besonders mit seinem Herzen. Aber er schien unendlich weit weg zu sein. Gar nicht auf diesem Planeten, so kam es Franz vor.

»Was ist das? Es ist schön.«

»Das ist dein Funken.«

»Mein Funken?«

»Ja, dein Leben. Deine Liebe, deine Freude. Dein ganz eigenes Glück.«

»Es ist noch nicht erloschen?«

»Es kann niemals ganz erlöschen, nur mit dem Tode. Es kann nur verschlossen werden, aber den Schlüssel kann man finden und dann wird es frei sein.«

»Und wo finde ich den Schlüssel?«

»Oh, das kann ich dir nicht sagen. Es wird auch nicht nur einer sein, denn dann wäre es ganz einfach. Einen habe ich hier.« Sie zog an einer Kette, die sie um den Hals trug und an der ein kleiner, feiner Schlüssel hing. Sie löste ihn von der Kette und gab ihn Franz.

»Meinen hast du. Heb ihn gut auf! Aber wie viele du noch brauchen wirst, das kann auch ich dir nicht sagen. Du musst deinem Weg folgen, weiterziehen. Und auf der Reise wirst du schon merken, wo du wieder einen Schlüssel erhältst. Der Weg formt sich für dich. Das wirst du spüren. Verlasse ihn nicht und versuche zu lernen und zu handeln! Helfe dem einen oder anderen, bezwinge vielleicht auch manchen auf deinem Weg, und wenn du ankommst beim Schwarzen Mann, befreie deinen Funken aus seiner Hand! Aus seinem Würgegriff. Erlöse ihn aus dem Verlies.«

Franz schluckte schwer.

»Der Schwarze Mann hat meinen Funken?«

»Ja, aber hab keine Angst! Du wirst genug Verstand und Mut auf deinem Weg lernen, um ihn zu besiegen und zu bezwingen.«

»Ich muss darüber reflektieren, Mütterchen. Aber ich denke, mir bleibt keine Wahl. Ich möchte, dass es wieder geordnet in mir ist. Möchte, dass Harmonie in mir sich birgt.«

»Oh, Harmonie? Die hast du, kleiner Znarf. Manchmal auch zu viel.«

»Kann man denn zu viel Harmonie haben?«

»Nein. Da hast du recht. Das kann man nicht.«

Beide mussten schmunzeln.

Das Mütterchen fügte noch hinzu: »Aber andere meinen, man könne zu viel an Harmonie besitzen. Das wirst du noch verstehen.«

Franz nickte.

»Aber warum sagt ihr alle Znarf zu mir? Dass es mein Name rückwärts ist, das habe ich verstanden. Aber warum?«

»Nun, was denkst du? Nach dem, was du nun weißt?«

Franz schloss seine Augen, um in sich hineinzuhorchen.

Nach einigen Minuten schlussfolgerte er: »Ihr seid ich. Und ich bin ihr. Das ist meine Welt. Von innen, meine Spiegelwelt? Ihr alle seid meine Gedanken und Gefühle, also meine Spiegelbilder. Darum redet ihr mich so an.«

Das Mütterchen schloss zufrieden seine Augen und wippte lächelnd mit dem Köpfchen auf und ab.

»Du bist ein kluger Junge. Viel mehr brauche ich nicht zu sagen. Es ist aber auch eine Art Anderswelt. Das, wo du herkommst, würden die meisten als die Gutwelt bezeichnen. Und dass du hier bist, wird dort, in der sogenannten besseren, der angeblich richtigen Welt, nicht jedem gefallen.« Sie strahlte innere Zuversicht aus und fuhr fort: »Aber du wirst es schon schaffen und den Schwarzen Mann besiegen. Es ist schön, dich hier zu haben.«

Iocus surrte zu den beiden, er hatte ein kleines Nickerchen gemacht.

»Seht!«, piepste er. »Es wird hell. Wir müssen weiter.«

Das Mütterchen stand auf und begleitete die beiden zur Tür. Sie verabschiedeten sich mit einer kleinen Umarmung und dann stieg Franz die Veranda hinab und blickte sich noch einmal um.

Er war verwundert. Das Haus war so winzig, der Raum aber so groß gewesen.

Doch er konnte nicht weiter darüber nachdenken, Iocus zog wieder an ihm. Sie schritten um das Häuschen und gingen weiter in den Wald. Mit Freude stellte Franz fest, dass er nicht mehr rückwärtsgehen musste.

Der Pythagoräer

Sie liefen einige Stunden im Morgengrauen durch den Finsterwald. Hier und da huschten schwarze Schatten mit leuchtenden Augen an ihnen vorbei.

Je näher eines dieser Wesen an Franz herankam, umso kälter wurde ihm. Doch allmählich schien er sich daran zu gewöhnen. Sie unternahmen nichts, rannten einfach nur umher und gaben verstörende Geräusche von sich. Entweder war es ihnen schon zu hell oder Franz musste irgendetwas an sich haben, das sie davon abhielt, ihm irgendetwas anzutun, schlussfolgerte er. Doch dann zuckten die Bäume und begannen zu kriseln. Als ob Franz durch eine Filmwelt schreiten und die Filmrolle verenden würde. Alles wurde schwarz und es dröhnte ein helles Pfeifen in seinen Ohren.

Im nächsten Moment kamen Franz und Iocus an einen Ort, der noch suspekter schien. Sie befanden sich inmitten eines unendlich weitläufigen Raumes. Nicht weit von ihnen sahen sie ein Zimmer, das der Länge nach aufgeschnitten war. Darin befand sich eine große Tafel, wie man sie aus jeder Schule kennt. Eine riesige Seifenblase umschloss den Raum.

Bunte Dreiecke und diverse andere geometrische Formen und Körper flogen durch die Luft. Große, kleine. Mal nur zweidimensional, manchmal auch dreidimensional. Stellenweise waren sie mit Nummern oder Formeln versehen. Der Boden war in einer Sprache beschrieben, die Franz nicht verstehen konnte.

Vor der Tafel bemerkte er einen kleinen Mann, der an seinem vollgestellten Schreibtisch lehnte. Fast noch ein Junge. Er hatte ihnen den Rücken zugewandt und rieb sich den Hinterkopf.

Langsam gingen die beiden auf den Raum zu. Vor der Seifenblase stoppte Franz und berührte sie kurz mit seiner Hand. Sie hatte eine eigenartige Konsistenz. Nicht fest, aber auch nicht flüssig. Es war aber auch nicht wabbelig wie Pudding. Kalt, doch dahinter wurde es warm.

Franz gab sich einen Ruck, schloss seine Augen und sprang hindurch.

Als er seine Augen wieder öffnete, hatte sich alles wieder vollständig verändert. Die Tafel schien in beide Richtungen kein Ende zu nehmen. Und auch nach oben hin reichte sie bis in die Wolken. Überall war sie mit winzigen Zahlen und Formeln beschrieben. Leitern in den unterschiedlichsten Größen hatte man an sie gelehnt. Der Mann rieb sich weiter seinen Kopf und – ja, wirklich – es kamen kleine Rauchwölkchen aus seinen Ohren. Franz ging um den Schreibtisch herum und sah sich den Mann an.

Er war recht dünn, hatte wild zerzauste lange Haare. Einen langen weißen Bart trug er, der ihm zu allen Seiten abstand. Franz hätte schwören können, dass er von hinten noch jung ausgesehen hatte. Drei Brillen trug er übereinander, welche sich schwer in seine Nase gruben. Eine andere hielt er in der Hand und zwei weitere ruhten auf seinem Kopf. Er hatte nicht viel an. Nur ein langes, cremeweißes Hemd.

Iocus setzte sich hinter den Mann auf den Schreibtisch und wollte gerade beginnen, ihn zu ärgern. Doch Franz vereitelte seinen Plan und durchschnitt die Stille.

»Guten Tag!«

Der Unbekannte weitete seine Augen, schob die zwei Brillen von seinem Kopf und setzte sie sich auf die Nase. Dann drehte er sich zu ihm um. Seine Augen waren nur noch schwer und tanzend zu erahnen hinter den fünf Brillen.

»A. Wa u hi?«

Franz war irritiert. Was hatte er gesagt?

»Guten Tag. Ich bin Franz. Oder wie ihr jetzt sagen würdet, Znarf. Wer bitte seid Ihr?«

Der Mann stöhnte genervt. »A. I sa do. I wß do w u is!«

»Es tut mir leid. Ich kann Sie nur ganz schlecht verstehen.«

»Ate umeude. Ix auhn u. Mis. As mis!«

Er warf die Brille aus der Hand, schritt zur Tafel und stieg eilig eine Leiter hinauf. Dann sprang er von da aus hinüber zu einer anderen. Kurz machte er halt, wischte etwas mit seinem Hemd an der Tafel weg. Daraufhin sprang er eine Leiter zurück, stieg diese noch höher hinauf, sprang weiter zur nächsten, rüber zu einer anderen und ließ sich schließlich bis fast ganz unten hinabgleiten. Dort schrieb er etwas an die Tafel, fiel auf den Boden, rannte und rannte, bis Franz ihn nicht mehr sehen konnte. Franz wollte schon hinterher, hörte jedoch, wie der Mann hinter ihm wieder angebraust kam. Franz drehte sich um und sah, wie der Verrückte erneut etwas an die Tafel schrieb, ein paar Meter weiter Zahlen und Buchstaben wegwischte und direkt etwas Neues an ihrer statt kritzelte.

Jetzt kam er verschwitzt und schnaufend zurück.

Als er wieder da war, setzte er sich im Schneidersitz auf seinen Schreibtisch und sagte: »I of. I is e. I of. Nx Löug. I br Löug.«

Nun mischte sich Iocus ein: »Znarf, du musst ihm helfen! Er ist nicht mehr bei Sinnen. Du musst mit ihm die Lösung finden. Für seine Formel.«

Franz sah sich die Tafel an und ihm wurde flau. Wie sollte man bei dieser Rechnung eine Lösung finden? Gab es die überhaupt? Waren es viele Rechnungen oder gar nur eine? Wie viele Jahre arbeitete dieser Mann schon daran und wie sollte Franz sich auf die Schnelle hineindenken?

»Ich kann es nicht. Ich seh hier nicht durch!«

»Denk nach, Znarf! Du musst wissen, wie es geht.«

»Ich kann ihn ja noch nicht einmal fragen. Ich kann nicht mit ihm reden. Kein Wort verstehe ich. Dies ist nicht lösbar. Das ist nicht fair.«

»Überleg dir was! Irgendwas muss es doch geben.«

Auch Franz rieb sich jetzt den Kopf und sah sich um. Dann trat er an den Schreibtisch. Er sah, dass darauf verkehrt herum ein Namensschild stand, und drehte es um.

Dr. Intelligentia, Paolo (Pythagoräer)

Franz wühlte tief in seinem Wissen. Es hemmte ihn der Gedanke, dass die Aufgabe keine Lösung zu haben schien. Geistig gelähmt war er von seiner Angst, nicht zu begreifen, nicht verstehen zu können. Er merkte, wie sich kein einziges Zahnrad in ihm mehr drehte. Da lag ein Stock quer in seinem Kopfe.

»Ich muss hier raus«, stieß er hervor und sprang durch die Blase. Draußen sah er wieder die vielen farbigen, geometrischen Formen und die merkwürdige Schrift. Er ging hinter das Zimmer und entdeckte, dass der große Raum hier in einem Punkt endete. Und dahinter, es war fast wie ein Loch, verbarg sich ein idyllischer Ort. Ein klarer Bach in einem blühenden Wald. Er sah ein Reh und Vögel. Eilig rannte Franz zurück in den kleinen Raum und packte den Mann am Arm. Dieser schrie und fuchtelte wild um sich, aber dennoch kam er mit.

Als sie gemeinsam den Punkt erreichten, schubste Franz ihn in das Loch und sprang gleich mit hinein.

Jetzt saßen sie auf einem riesigen Baumstumpf direkt am Bach. Das Reh blickte sie an und fraß dann weiter. Die Vögel sangen, Bienen schwirrten umher. Beide genossen die Ruhe und den Klang der Natur. Franz spürte förmlich, wie der Mann zur Ruhe kam. Als sie eine ganze Weile so gesessen hatten, fing der Mann an zu reden.

»Oh, das ist so schön. Wie lange war ich nicht mehr hier? Hab Zeit und Raum komplett vergessen.«

»Ich kann dich ja doch verstehen. Die Ruhe tut dir gut, oder?«

»Ja. Die Sonne. Kein Lärm. Die Tiere. Die Luft.« Er atmete lang und laut ein. »Mein Kopf arbeitet wieder ein klein wenig langsamer. So lange Zeit stand er nicht still. Versucht doch, die Lösung für dein Leben zu finden.«

»Es tut mir sehr leid, dass ich dir so selten deine Ruhe gab und du immerzu so schwer am Rechnen warst.«

»Es ist schon gut. Das geht ganz von allein. Egal, was du auch machst, ich wurde immer wilder, immer besessener. Davon, alles richtig wohl zu machen.«

»Woran arbeitest du genau?«

Der Mann überlegte eine Weile, ehe er antwortete. Vorher setzte er sich noch eine kleine Raupe auf die Hand, die langsam seinen Arm hochwanderte.

»Ach, weißt du, das ist sehr kompliziert. Das Leben, dein Leben. Ich als dein Verstand versuche, dein Leben in eine Formel zu bekommen. Sodass du eine klare Lösung hast. Doch zu viele Klammern, zu viele Probleme entstehen. Sodass ich nicht mehr weiß, wie viele Formeln es nun schon sind.«

Sie standen auf und gingen langsam ein Stück am Fluss entlang. Sie unterhielten sich über den Aufbau von mathematischen Formeln und darüber, wie man sie strukturierte, wie man sich einige gut einprägen und sich neue aus alten, schon bekannten, herleiten könne.

Der Mann war müde. Das sah Franz ihm an. Die Rauchwolken stiegen unablässig aus seinen Ohren und Franz wusste, dass er niemals aufhörte zu denken, zu zermartern.

»Weißt du, wo ich herkomme und lebe, befindet sich nicht weit von mir ein Fluss. Er durchwandert wundervoll und mit so viel Würde eine alte, barocke Stadt. Wie eine Schlange windet er sich in unzähligen Schleifen hindurch. Überall spielt sich das Leben der Natur, der Ruhe und dennoch auch der Moderne ab. Ich gehe gern dorthin, verweile in Ruhe und verträumt an verschiedenen Orten des Wassers und seines Ufers. Oft fällt es mir schwer, richtig zu genießen, genau hinzuhören, was das Wasser und seine Stille mir sagen möchten. Ich habe oft den Eindruck, es möchte einen erwecken. Wachrütteln aus Zwängen und Krämpfen des Alltags.«

Dr. Intelligentia schwieg, stimmte aber mit einem Nicken zu.

Franz fuhr fort: »Auch da, wo ich als kleiner Junge gelebt habe, war ich umgeben von der Stille und Liebe der Natur. Nicht weit von unserem Haus gab es einen kleinen Bach. Dort habe ich viel Zeit verbracht. In der Nähe stand eine alte und verfallene Mühle, die für kaum noch jemanden interessant erschien. Leider konnte man sie nicht mehr betreten, das Wetter hatte ihr schon zu sehr zugesetzt. Aber ich bin gern an diesem Ort gewesen. Auch da sah ich Rehe, wenn ich lang genug still und ruhig am Bach gesessen und gewartet habe. Kein Geräusch von mechanischem oder industriellem Leben vernahm man dort. Es plätscherte langsam und beruhigend, aber immer im Wandel, das kleine, verschlafene Bächlein. Lange Zeit habe ich diesen Platz oft besucht, habe erste Lieder geschrieben, sie der Natur und den versteckten Tieren vorgesungen.«

»Aber irgendwann war ich alt genug«, sagte der Verstand und blickte Franz an. »Bereit zu wirken und zu denken. Und das Leben stellte viele Fragen und Anforderungen an dich.«

»Das ist wohl wahr. Und umso schwerer erscheint es mir, vollen Nutzen aus solch wunderbaren Plätzen zu ziehen. Immer schwerer wird es, die Zeit für solche Orte zu finden.« Franz hing Gedanken und Erinnerungen nach, die er mit den Orten des Wassers verband. So viel Wunderbares hatte er dort erlebt. Hatte mit Freunden bei unzähligen Gesprächen an Bächen verweilt. So viele Dinge, die sich tief in sein Herz eingebrannt hatten, ihn bis heute formten, standen in Verbindung zum Wasser. Manch eine verletzende Begegnung beschwor der Duft des Flusses wieder herauf. Dennoch übte die Bewegung und Natürlichkeit des Wassers einen tiefen Reiz der Ruhe und Verbundenheit auf ihn aus.

Franz blickte umher und sah, wie zwei Käfer miteinander kämpften, bis einer auf dem Rücken landete und dann von Ameisen gefressen wurde. Der Anblick gefiel ihm nicht und so schaute er in den Bach. Dort sah er, wie ein Reiher kam, sich einen Frosch schnappte und damit im Maul davonflog. Kurz darauf erblickte er, wie ein Fisch aus dem Wasser sprang und eine Mücke fraß. Und ein Vogel pickte an einem Baum Maden aus der Rinde.

Mit einem Mal hatte Franz eine Idee.

Er gab dem Pythagoräer zu verstehen, dass sie wieder zurücksollten. So gingen sie wieder zu dem kleinen Loch, stiegen eine dünne Leiter hinauf und kletterten zurück in den großen Raum. Sie liefen um die Blase herum und erreichten wieder das Zimmer mit der großen Tafel.

»Was fehlt dir genau, lieber Dr.?«

»Wenn ich das nur wüsste!«

Franz grinste ihn an. »Genau das ist es: eine Unbekannte.«

Der Verstand fasste sich an den Kopf, rückte sich alle seine Brillen zurecht und begann ein weiteres Mal, wie wild umherzurennen und zu klettern. Er wurde immer schneller, bis man nicht mehr sah, wo er sich eigentlich gerade befand. Man hörte es wischen und kritzeln. Überall rieselte es Kreide und tropfte es Wasser.

Nach einer Weile stand er verschwitzt und schwer atmend neben Franz und setzte sich auf den Boden. Er lehnte sich an den Schreibtisch und schlief ein.

Franz sah sich nun die Tafel an. Formeln über Formeln. Doch überall war nun ein neues Zeichen aufgetaucht. Es war ein großes X. Überall, wo der Verstand nicht weitergekommen war, hatte er ein X eingefügt. Weiterhin stand keine Lösung am Ende der Gleichungen. Doch Franz merkte, dass das Wissen um diese Unbekannte und dass man sie nicht kennen musste, ihn beruhigte.

Er setzte sich daneben und dachte ernsthaft nach. Alte Erinnerungen reanimierte er in sich. Franz spürte, wie verstaubte Schubladen im Innersten sich öffneten. Es stiebte in seinem Kopf, roch nach Moder und war dunkel. Doch das große X wirkte wie eine Lampe, mit der er nun durch die Reihen in seinem Bewusstsein schritt. Er durchleuchtete alles, was sich bisher in seinem Leben abgespielt hatte. Entscheidungen, Gefühle, Gedanken, Pläne, Ziele. Alles, was er irgendwie noch aus sich hervorholen konnte, betrachtete er in Ruhe und in Frieden. Und er erlebte zum ersten Mal, wie er fast wertungslos an die Dinge heranging. Er sah sie an, wendete sie und durchdrang ihre ganze Existenz. Ihm war egal, ob es ihm gefiel, ob er traurig war oder glücklich. Er sah die Zeichen und Ereignisse seines Lebens jetzt ganz anders. Er erspähte die Unbekannte, die er niemals hatte definieren können. Erst im Nachhinein konnte man ihr einen Wert geben. Genau das machte ihn glücklich. Franz hatte versucht, mit allen Unbekannten umzugehen. Hatte sie nie verstoßen. Er wollte sie einfügen in seine Formel. Doch nicht jede Unbekannte, nicht jedes X oder Y befand sich an der passenden und richtigen Stelle. Und er wusste, es würde auch weiterhin so gehen. Es gab keine Formel für sein Leben. Nicht für das Leben. Das Leben ist Formel und Lösung zugleich. Ohne berechenbares Ergebnis. Erst der Tod, wenn er ihn ereilen würde, war das Ergebnis. Er war die Zahl hinter dem Gleichheitszeichen, die alle Unbekannten mit einbezog. Ganz, ganz, ganz am Ende.

Franz stand auf und drehte sich um. Er ließ den Blick über den Schreibtisch schweifen und sah auf dessen Mitte einen Schlüssel liegen.

Er steckte ihn in seine Hose und nickte Iocus zu. Seite an Seite stiegen sie aus der Blase und gingen hinter den Raum. Sie sprangen ins Loch und liefen lange Zeit am Bachlauf entlang, beobachteten die Natur, genossen die Ruhe und lieblich frische Luft. Währenddessen hing Franz alten Erlebnissen hinterher und stellte fest, dass er noch lange nicht wertfrei war.

Flaschenpost

Nach einiger Zeit bemerkte Franz, wie etwas sie verfolgte. Auch Iocus wurde langsam unruhig.

»Ich glaube, dass die Schergen uns wieder nähergekommen sind«, flüsterte Franz.

»Ja, das Gefühl habe ich auch. Und die Nacht ist nicht mehr fern. Das behagt mir nicht, nein, nein. Znarf, du musst wohl schneller laufen!«

Und so beschleunigte Franz seine Schritte, um bald schon in ein leichtes Rennen überzugehen. Doch der Boden an dem Bachlauf war nicht optimal für solch ein Unterfangen. Bäume waren unterspült worden und deren Wurzeln klafften fast unüberwindbar über den Weg. Steine nahmen an Größe und Zahl immer mehr zu.

Plötzlich verharrte Iocus in der Luft und hielt auch Franz dazu an, innezuhalten. Er flog an einem Baum hoch und verschwand kurz. Als er wieder in Reichweite war, rief er etwas, das Franz nicht verstehen konnte.

Er flog zu Franz zurück und sagte: »Los, komm! Ich habe was für diese Nacht gefunden. Du wirst Augen machen.«

Franz wunderte sich, was das sein sollte, ein Baum für die Nacht? Trotzdem machte er sich an dem halb abgestorbenen Baum ohne Krone an den Aufstieg. Nach gut einer Viertelstunde erreichte er die Spitze und musste aufpassen, nicht hinabzufallen, denn ein ausgehöhlter Stamm überraschte ihn.

Ein Strick baumelte vor seiner Nase ins Innere. Er drehte sich auf der Kante um, nahm mühsam den Strick in die Hand und hangelte sich nach unten ins Dunkle.

»Hallo!«, grüßte eine schelmische Stimme, die von einem lustigen Witze-Erzähler hätte stammen können.

Franz drehte sich um und sah in die großen, grünen Augen eines Käfers. Der Käfer trug einen Frack, war ebenso groß wie Franz und hatte auf dem linken Auge ein Monokel. Darunter paffte er mit breitem Grinsen eine Pfeife.

»Hallo, ich bin Franz.«

»Na, ich weiß doch, wer du bist. Schön, dich mal in natura zu sehen. Gut siehst du aus. Setz dich doch nur bitte!«

Er deutete hinter sich auf eine kleine Sitzgruppe, die aus drei verschiedenen Stühlen und einem kleinen Beistelltisch bestand.

Sie setzten sich einander gegenüber. »Na? Hast dir eine harte Reise ausgesucht. Aber wird sich lohnen. Das wirst du sehen, mein alter Freund.«

Der Käfer lächelte zufrieden.

»Oh ja, es ist nicht leicht.« Franz hatte sich seine Hände unter die Oberschenkel gezwängt, stierte verlegen auf den Boden und wippte mit den Beinen hin und her.

»Ja, da sprichst du ein wahres Wort. Moment, bitte.«

Der Käfer stand auf und legte in der Wand einen Schalter um. Es zischte kurz und er setzte sich wieder hin.

»Nein, das ist tatsächlich nicht einfach, aber es muss«, gab Franz etwas verbittert von sich.

»Ach i wo! Wo denkst du hin, wo ist dein Kopf?« Der Käfer schob sich das Monokel von seinem Auge, hauchte es an und putze es mit seinem Frack, ehe er fortfuhr: »Niemand muss. Es ist dir frei. Wach auf und bleib, wie du bist und was du bist! Niemand muss. Niemand muss dem Erreger einen Namen geben. Es ist nur einfacher für den Kämpfer, einen Namen zu wissen, um den Gegner vor Augen zu haben. Etwas, für das es sich überhaupt in den Ring zu steigen lohnt. Einen Namen, den man sich auf seine Faust kritzeln kann, den man recherchieren kann. Man muss den Feind studieren. Nur dann kann es was werden. Aber auch das ist alles sinnlos, mein Freund –«

»… wenn ich nicht will?«, schaltete sich Franz ein.

»Ganz genau. Oh, ich mag dich. Du willst, hab ich recht?«

»Und ob. Ich will schon lange, doch ich wusste es nicht eher.«

»Das ist doch egal. Du bist hier. Ob gestern, ob heute oder morgen. Es zählt das Jetzt und dein eigen Herz.« Er pochte ihm sanft auf die Brust. »Und? Was ist der Feind für dich?«

»Auch wenn ich mir dessen bisher nicht bewusst war, so ist er für mich ebenso der Schwarze Mann. Ja, so würde ich ihn definieren. So, wie auch ihr ihn hier benennt.«

Der Käfer nickte zustimmend und brummte zufrieden.

»Es ist nicht einfach ein Begriff, ein Erreger oder Virus«, fuhr Franz fort. »Es ist viel mehr. Es hat eine Persönlichkeit, die mich von innen heraus zerfrisst. Die mich müde macht, mein Denken lähmt und mir die Kräfte raubt. Das einen eigenen Willen hat. Es hat Macht und Kampfgeist. Es kann lenken und regieren. Mich verformen oder durchdrehen lassen.«

»Ich verstehe dich. Es ist wohl so, wie du sagst. Ich danke dir für deine Offenheit.«

»Ich akzeptiere ihn als ›Es‹, aber nicht als hoffnungslosen Fall.«

»Sehr gut. Sehr gut!«

Franz schaute nach oben und sah, dass die Nacht hereingebrochen war. Er dachte an die Schergen. Der Käfer bemerkte dies wohl und nickte ihm lächelnd zu.

»Keine Angst, mein Freund. Die Schergen kommen hier nicht rein. Ich habe die Moral aktiviert. Da oben ist für heute Nacht wieder ein Schutzschild. Ihr seid gern meine Gäste, auch wenn ich den alten Argwohn lieber mochte.« Er schmunzelte verträumt. Iocus bemerkte den kurzen Seitenhieb gar nicht mehr. Er lag in einer Ecke und schlief bereits.

»Aber du wirst sehen, dir werden die Schergen kaum etwas zuleide tun.«

Franz stand auf, bedankte sich für die Unterkunft und legte sich mit einem Kissen auf den Boden. Sofort schlief er ein.

Am Morgen gab es ein feines, kleines Frühstück, das aus einer Art Waldmüsli bestand.

»Wer bist du?«, wollte Franz natürlich zum Schluss noch wissen.

»Ich bin und bleib die Güte. Etwas dick, aber ich komm schon klar.« Er lachte laut los und hatte alle Mühe, sich zu beruhigen. Dann verabschiedeten sie sich, Franz stieg den Baum hinauf und kletterte draußen behutsam am Stamm wieder nach unten.

Es dauerte nicht lang und sie kamen an einem kleinen See an, nachdem sie eine Weile in Ödnis gelaufen waren. Der kleine Bach wurde immer schmaler und wo er in den See floss, war er nur noch als kleines, fingerbreites Rinnsal.

»Was ist das hier?«, fragte Franz in die Stille hinein.

Iocus schien sich sichtlich zu amüsieren, gerade jetzt, wo Franz nicht weiterwusste. Er rollte sich vor ihm über den grauen Sand, hielt nach einiger Zeit inne und drehte sich in Richtung des Sees. Dann rutschte er auf seinem Hintern an den Rand und ließ die kleinen Füßchen tapsig im Wasser pendeln. Ob der kleine fliegende Argwohn nun etwas wusste oder nicht, er blieb still.

Nach einer Weile hörte Franz das Mütterchen. »Es ist deine Hoffnung.«

»Ist sie wirklich so klein?«

»Leider, ja. Sie war einmal ein Meer vor vielen Jahren. Du hast etwas hineingeworfen, etwas in einer Flasche. Jetzt verstopft sie die Quelle.«

Franz überlegte. War das kleine Rinnsal die Quelle oder gab es mehrere?

»Was du hineingeworfen in dieses wundervolle Meer, kann nur ein Narr in solch kranke Welt schmeißen«, sprudelte es abwesend aus Iocus heraus.

Mehrmals versuchte Franz von Miss Almadeamor weitere Antworten zu bekommen, doch vergebens. Sie hatte wohl genug gesagt. Franz musste selbst eine Lösung finden.

Er umrundete den kleinen See. Als er dies in dieser Öde noch einmal tat, um wirklich sicher zu sein, wurde er immer durstiger.

So kehrte Franz zu Iocus zurück, setzte sich neben ihn auf den rissigen Boden und trank einige Schlucke aus dem See, während er überlegte.

Wenn nun das Wasser aus der Erde kommt und etwas darauf liegt, so liegt die Quelle vielleicht am Boden des Sees, und ich muss hinabtauchen.

Franz dachte einige Zeit weiter nach. Eine andere Möglichkeit fiel ihm jedoch nicht ein und so zog er sich aus, legte seine Sachen an den Rand und trat ins Wasser. Derweil tapste Iocus sich seine kleinen Füßchen auf Franz’ Sachen trocken und kauerte sich dann in dessen Hemd, um zu dösen.

Im ehemaligen Meer der Hoffnung befand sich eiskaltes und öliges Wasser. Franz zitterte sofort am ganzen Leib, noch bevor sein kompletter Körper davon umschlossen war. Doch er raffte allen Mut zusammen und rannte los. Kopfüber sprang er in die Tiefe, tauchte auf den Grund und verrückte jeden Stein, den er zu fassen bekam. Dann stieg er hinauf, hechelte nach Luft und setzte erneut an. In Endlosschleife tauchte er bis auf den Boden und alles, von dem er glaubte, dass es die Quelle verstopfen könnte, hob er an. Egal wie viel Kraft es ihn kostete. Er war sich seiner vollends sicher. Er musste den richtigen Riecher haben, so dachte er.

Nach einer Weile war er von der Kälte leicht bläulich angelaufen. Auch seine Lunge zog sich in sich selbst zusammen, immer schwerer konnte er sie mit Sauerstoff füllen. Franz schwamm an den Rand und machte eine Pause.

Doch lange hielt er es nicht aus. Er wollte wissen, was er hineingeworfen hatte und was jetzt seine Hoffnung lähmte.

Immer tiefer musste er hinab, immer knapper wurde seine Atmung. Aber in ihm waren die Kraft und der Wille, endlich sich selbst zu finden. Sich selbst zu helfen. Doch in diesem Fall war seine Unnachgiebigkeit fatal.

Als er an der tiefsten Stelle tauchte, hob er etwas sehr Schweres an. Erst wollte es sich nicht heben lassen. Als er sich mit aller Macht und letzten Kraftreserven in den Boden stemmte, hob er es an und setzte es endlich daneben.

In diesem Moment brauchte er wieder Luft und wollte nach oben schwimmen. Irgendetwas hielt ihn jedoch fest. Franz war wie gelähmt. Eine Kraft umströmte ihn und hielt ihn am Grunde des Sees gefangen. Er atmete aus und schrie in die Schwärze des Wassers. Er brauchte Luft. Er wollte atmen! Doch ein Strudel wirbelte um ihn herum. Das Wasser wurde davongezogen, tief ins Erdreich hinein.

Dann gab es ein großes Schmatzen und er lag im Schlamm des Sees. Seine Nase lag im Freien und er bekam endlich die ersehnte Luft. Langsam quälte er sich aus dem Matsch, schnappte weiter nach Sauerstoff. Die Augen waren verschmiert wie der Rest seines Körpers.

Er suchte das Rinnsal und rannte an die Stelle, wo es begann, etwas breiter zu werden, um sich zu waschen. Danach kam er zurück zu seinen Sachen und setzte sich nackt in den öden Sand. Der Argwohn setzte sich daneben und blieb still.

»Was ist hier los, Iocus? Habe ich etwa gar keine Hoffnung mehr?«

Iocus blieb still.

In diesem Moment dröhnte hinter ihm eine ohrenbetäubende Hupe. Kurz darauf noch eine und dann eine weitere. Nach wenigen Augenblicken erschallte ein ganzes Hupkonzert.

Franz drehte sich verzweifelt um und blickte in die mürrischen Augen von fünf dicken Lastwagenfahrern.

Als Franz sich erhob, stiegen sie alle aus, jeder mit einem Klemmbrett unter dem Arm, und kamen auf ihn zu.

»Ihre Lieferung! Bitte unterschreiben!«, meldete sich der Erste.

Ein weiterer Fahrer schien noch ungeduldiger und unterbrach den, der eigentlich nach dem Ersten zu reden begonnen hatte.

»Ne, ne. Did kannste voll vergessen, Kleener! Ik muss los, wa? Mach mig mal zuerst hier!«

»Eh, wir kum hier schun olle dron!«, sagte der Dritte dann.

»Na, los jetzt! Nimm mal deine Bestellung an, wir müssen schnell weiter! Gibt noch andre Kunden. Bist nich der Einzige.«

Franz blieb sitzen und schaute sich die Lastwagen an. Erst begriff er nicht, was hier gespielt wurde. Doch nach einer Weile stand er auf, zog sich in Ruhe wieder an und trat anschließend um die Lastwagen herum. Auf allen Planen, die um die Hänger der Lastwagen gespannt waren, zeigte sich dieselbe große Figur abgebildet. Sie schien aus Stein, vielleicht sogar aus Marmor gefertigt zu sein. Franz bekam ein ungutes Gefühl. In ihm kam ein Kampf ins Rollen. Ein Teil von ihm wollte schleunigst hier weg, ein anderer wollte unbedingt diese Figuren haben. Sie besitzen. Und Franz konnte sich das alles in keiner Weise erklären.

Er drehte sich zu den Fahrern um und lehnte die Bestellung ab, ohne selbst genau zu wissen, warum.

»Was? Das geht nicht! Was sollen wir denn jetzt machen?«

»Eh, seit Jahren kumm wir zu dir und bring dir hier son Lastwagen voll. Du hast uch Rabatt bei uns, wa? Did kannste jetz ni bring, Kollege. Wat soll denn da mei Chef sagen?«

Die Fahrer wurden ungeduldig und fingen an zu schwitzen.

Franz schritt an ihnen vorbei und deutete Iocus, dass sie weitergehen würden.

Sie gingen am Rinnsal entlang, während sie hörten, wie die Fahrer weiter schimpften und sich irgendwann in ihre Lastwagen setzten und davonrauschten.

In dem Moment meinte Franz zu Iocus: »Ich habe vielleicht gerade meine Hoffnung für einen Moment ganz verloren, aber diese Laster haben mir einen echten Schrecken eingeflößt.«

Iocus setzte sich auf seine Schulter und piepste dann vergnügt: »Das wird schon alles, hu, hu. Am Grunde lag es ja nicht, was du alter Narr ins Meer hast geworfen. Komm nur, komm! Das andere Ende eines jeden Wassers birgt dir vielleicht eine Antwort.«

Und so liefen sie den Bachlauf entlang zurück, am Käfer vorbei, dann am Loch, welches zum Pythagoräer führte, und immer weiter und weiter.

Um die Mittagszeit erreichten sie einen Punkt, ab dem der Pfad bergauf verlief. Franz konnte nicht abschätzen, wie lang es noch so gehen würde, bis sie am anderen Ende des Wassers ankommen würden: an seiner hoffentlich wahren Quelle.

Es wurde immer steiler. Anfangs gab es noch Bäume, die irgendwann ihr Laub verloren. Und schon bald gab es nichts mehr. Er war verschwitzt. Franz spürte die Leere in sich, fühlte, dass es keine Hoffnung mehr in ihm gab. Zurück blieb nur noch Panik. Sie kribbelte in seinen Armen und er versuchte sie sich abzustreichen, bis er wunde Arme hatte. Er hörte sich wimmern und klagen vor Schmerzen, während er lief. Immer apathischer wurde er, stierte zu Boden, lief einfach und lief und lief.

Als er nach oben sah, verstand er reflexartig zwei Dinge. Er begriff, was es war, was er ins Meer geworfen hatte und was die Quelle versperrte. Und mit der Erkenntnis kam er ins Straucheln. Franz griff um sich und wollte sich halten, doch er bekam nichts zu fassen. Es gab nichts, woran er sich hätte klammern können. Schlagartig wurde das Gefälle immer steiler, bis der Boden fast im rechten Winkel stand. Dabei wandelte sich der Untergrund perfide zu Geröll. Franz rutschte und fiel.

Er schrie auf. Er stieß sich an Steinen. Er schürfte sich seinen Leib von Kopf bis Fuß auf, bis er bewusstlos unten im Matsch des Sees landete.

Nach einer halben Ewigkeit wachte er langsam wieder auf und kam zu sich. Er konnte sich nicht bewegen. Es war ihm unmöglich. Doch dies war ihm nicht gleich bewusst. Nach und nach verstand er, wo er war und was er als Letztes vorgehabt hatte. Am Schluss stand die bittere Erkenntnis, was seine Hoffnung blockierte.

Jetzt erst merkte er, dass alle seine Knochen gebrochen waren. Nackt und am Ende befand sich Franz in einem Zustand, so schlimm und so grausam, wie er ihn noch nie zuvor verspürt hatte.

Erkenntnis strafft manch Herzen.

Wie lange kannst du leiden unter Schmerzen?

Franz versank im Matsch und ließ es einfach geschehen. Er spürte jeden gebrochenen Knochen und jedes Brennen in seinen Wunden. Er roch das Fleisch, das an ihm brannte, und sah auch die Kerben in seiner Seele. Er war innerlich allein. So allein wie noch nie in seinem Leben. Käme ihn jetzt jemand fragen, wie es ihm ginge, oder um ihm Hilfe anzubieten, müsste er sich übergeben. Es würde ihn aus dem Tiefsten heraus ekeln. Er würde eine Grimasse ziehen vor menschenverachtender Anbiederung. Obwohl er es nicht wollen würde, es würde einfach so geschehen.

Viele Stunden lag er so da und sah in den dunklen Himmel. Es kam die Nacht und er hörte, wie die Schergen des Schwarzen Mannes um ihn tänzelten, ihn auslachten und verhöhnten.

Es wurde Morgen und sie verschwanden mit der Sonne.

Endlich kam Iocus angeflogen, setzte sich auf Franz’ Brust und schlief ein. Sein sanftes Schniefen, das auf Franz beruhigend wirkte, begleitete seinen Schlaf beinahe meditativ.

Er verlor jedes Gefühl für Zeit, lag weitere Tage oder Wochen so, ehe er den ersten Finger in Bewegung setzten konnte. Er gestand sich nur langsam ein, dass die Zeit zum Weitergehen näher rückte. Ruhe hatte er in sich benötigt. Sein Geist hatte ihm zeigen wollen, wie er sich wirklich fühlte, wie sehr seine Seele an ihren Grenzen war. Alles schmerzte. Iocus streckte sich und erhob sich dann für einige kleine Flugkurven in die Luft. Als Franz stand, wackelte und zitterte er auf seinen Beinen.

Der Weg ging jetzt nicht mehr wie die erste Zeit am bewachsenen Bachlauf entlang. Es war nun von Anbeginn karg und voll Geröll. Anfangs funktionierte kein Schritt. Die meisten Knochen waren nach wie vor gebrochen und durch das Geröll rutschte Franz einfach immer wieder weg. Er wollte hinauf. Er wollte das Problem richten. Stück für Stück kämpfte er sich voran. Er wimmerte manchmal vor Schmerzen, doch er schaute nie zurück. Kam er ins Rutschen oder Straucheln, hielt er kurz inne, sah sein Ziel, die Quelle, biss die Zähne zusammen und kämpfte weiter. Dies ging einen Tag so und eine Nacht. Am nächsten Tag musste er mehrmals unterbrechen, doch er gab nicht auf.

Dann kam eine weitere Nacht und mit dieser auch die Schergen, die ihn ärgerten und hänselten. Diese kleinen, dürftigen und bösen Schatten waren wie dumme kleine Ratten.

Als Franz am dritten Tag erwachte, erkannte er, dass die Schergen ihn ein ganzes Stück zurückgezogen hatten. Er schlug mit seiner Faust auf einen Stein und zog sich dann weiter. Am Abend hatte er es geschafft. Franz setzte sich neben die Quelle und Iocus gesellte sich dazu. Er sah von oben den trockengelegten See und es wurde ihm schwummrig, so weit, wie es hinab ging. Der Krater des Sees war nur noch ein kleiner Punkt. Ringsherum zeigte sich eine weiße Leere. Und während Franz seinen Blick schweifen ließ, zog eine verträumte Wolke an ihnen vorbei.

Behutsam legte er seine Hand um eine Flaschenpost, die in einem Loch steckte. Er zog sie heraus und in diesem Moment blubberte klares Wasser sanft den Berg hinab. Franz trank begierig daraus, ehe er sich an das Öffnen der Flasche machte.

Er entfernte den Korken und zog den eingerollten Zettel heraus. Franz strich ihn glatt und ihm kam ein Schlüssel entgegen.

Dann fand er ein vertrocknetes Herz. Ein Blitz durchzuckte Franz’ Brust und seinen Magen. Auf dem Zettel las er fünf große Buchstaben und musste schmunzeln. Die Flaschenpost, die er ins Meer seiner Hoffnung geworfen hatte, war auf der Suche nach der Liebe gewesen. Doch diese Reise war gescheitert und hatte die Quelle der Hoffnung verstopft.

Franz blickte nach unten. Der See füllte sich allmählich. Er hauchte sein Herz an und es wirkte nicht mehr ganz so ausgedörrt wie zuvor. Eine Hälfte kehrte zurück ins Leben. Dann rollte Franz es wieder in den Zettel, stopfte beides in die Flasche zurück und verkorkte diese. Er nahm den Schlüssel, steckte ihn zu den anderen in seine Tasche. Die Flaschenpost verschwand in seiner anderen Hosentasche und er machte sich an den Abstieg.

Flavius

Franz und Iocus sahen noch kurz zu, wie der See immer mehr an Größe zunahm und tranken einige beruhigende Schlucke daraus. Dann marschierten sie weiter. Sie durchwanderten einige Zeit die karge, traurige Wüste – den alten Meeresgrund seiner Hoffnung.

Bald wird mein Meer der Hoffnung so weit ausgedehnt sein, wie es einst schon einmal war, dachte Franz.

Nochmals begann die Szenerie heftig zu zucken. Es klackte flüchtig, man registrierte ein Rauschen und kurz darauf befanden sich Franz und Iocus zurück im Finsterwald. Nachdem die beiden einige Stunden ohne nennenswerte Pausen vorangeschritten waren, lichtete sich der Wald und sie standen vor den Toren einer großen Stadt. Sie war umgeben von hohen, roten Mauern. Türme mit Wachleuten standen im Abstand weniger Meter. Die Stadt lag umschlossen vom Finsterwald. Als Franz abgewogen hatte, ob sie um die Stadt herumlaufen sollten oder geradewegs hindurch, entschied er sich für die zweite Möglichkeit und stapfte los. Über den Eingangstoren stand in großen Buchstaben: Stadt der Gedanken, genießen Sie Ihren Aufenthalt!

Die Häuser wirkten allesamt alt und ungepflegt. Viele der Fenster waren kaputt oder mit Pappe und Tüten bedeckt. Doch große Beachtung schenkte Franz diesem Umstand nicht. Vielmehr verwunderte es ihn, dass ihm niemand über den Weg lief. Keine Seele erblickte er, während er vorsichtig durch die Gassen schritt. Es dauerte nicht lang, da erreichten Franz und Iocus das Zentrum der Stadt. Die Häuser links und rechts verschwanden und eine freie Fläche erstreckte sich vor ihnen. Ein gigantischer Marktplatz, in dessen Mitte sich eine Traube von Menschen gebildet hatte. Das Geschwafel und Geschrei der Menge drang an Franz’ Ohren. Doch die Menschensammlung stand nicht still. Ganz langsam schob sie sich gen Westen. Iocus tippelte los, schwang sich dann in die Luft und flog in Richtung der Massen. Franz wackelte hinterher. Als er ankam, sah er, dass die Menschen sich um etwas geschart hatten. Ein Wagen schien es wohl zu sein. Franz achtete nicht darauf, wie die Leute aussahen. Er presste sich zwischen ihnen hindurch und wollte sehen, was den Lärm hier zu befeuern schien. Nach einigen Remplern und Stößen in seinen Bauch erreichte er das Innere des Kreises.

Ein alter, kleiner Mann zog einen Karren, der aussah wie ein kleines Haus. Viel zu klein, als dass irgendwer drin hätte wohnen können. Doch ihm schien es zu gefallen. Franz sah, wie sehr er an diesem Wagen hing und wie schwer es für ihn war, ihn zu bewegen.

Franz trat aus der Masse in die Mitte. Abrupt herrschte Stille und die Menge stoppte. Auch der alte Mann hielt inne. Jeder einzelne Blick der Leute brannte sich in Franz’ Seele und schmerzte ihn im Herzen. Er wollte weg. Eine tiefe Beklemmung machte sich breit. Doch es wurde noch schlimmer, als der Erste auf ihn zeigte. Dann der Nächste und bald schon alle.

Alsbald schrie einer: »Was willst du denn hier?« Eine ekelhafte Stimme. Bei jedem Wort hörte man es schmatzen, als ob derjenige gerade noch beim Essen wäre.

Franz drehte sich in die Richtung, aus der er die Stimme vermutete. Und wirklich, ein fetter, kleiner Mann hielt in der einen Hand ein Hühnerbein, biss hinein und sprach dann weiter.

»Komm, mach dich weg! Hast hier nix zu suchen, dummer Znarf!« Seine Augen wirkten riesenhaft, seine Kleidung war verschmiert mit Essensresten.

»Nun lass ihn doch! Vielleicht sucht er nach dir. Oder nach einem anderen hier, der ihn belust’gen kann«, sagte der alte Mann, während er mit gläsernem Blick zu Boden stierte.

Franz war verunsichert. Seine Gedanken kreisten und ihm wurde ganz bange. Alle Leute in dieser Stadt waren hässlich wie die Fäulnis. Die meisten waren fett. Durch keine Tür würden sie passen. Ungepflegt, verwahrlost. Ein übler Gestank nach Schweiß, altem Tabak und vergammeltem Essen lag in der Luft. Franz wurde immer angewiderter. Was hatte er nur aus seinen Gedanken werden lassen? Sollten dies wirklich seine sein? Krankhaft, dumm und abartig? Den Worten am Eingang der Stadt zufolge musste es so sein.

Manche hatten einen Kopf, der größer war als ihr Körper. Andere besaßen einen Hals, der sich dünn und lang gestaltete wie ihre Beine. Ein oder zwei konnte Franz entdecken, die zwei Hälse und auch Köpfe hatten. Manche bestanden nur aus einem Bauch, hatten keine Ohren, keine Nase, nur den Mund. Hier und da sah Franz auch Nackte, die dies überhaupt nicht zu stören schien. Und die, die bekleidet waren, erschienen allesamt dreckig und fettig. Über Körperpflege schien sich hier niemand Gedanken zu machen, geschweige denn über Ordnung und Anstand.

Es trat eine Dame hervor, zumindest hatte sie sich geschminkt wie eine Dame. Sie hatte Beine bis zur Brust, ab da war fast schon Schluss. Ein Miniatur-Oberkörper, kein Hals, ein runder, kleiner Kopf und die Arme hingen schlapp bis auf den Boden. Halb schrie sie, als sie sprach, wurde aber kurzerhand immer leiser, um urplötzlich in diesem Stil von vorn zu beginnen.

»NA, du willst … DICH WOhl mal … WIEDER EINlullen lassen!«

»O nein, ich weiß nicht recht. Ich bin mir noch nicht sicher, bin erschrocken. Was habe ich nur für kranke Gedanken?«

»Bist du von Sinnen? Krank? Frei von Schuld und Rechenschaft! Kannst tun und lassen, was du willst hier. Genieß es! Wir sind nicht krank. Du bist wohl gefangen in einem Reinheitsfimmel!«, erwiderte ein großer Mann mit zwei Köpfen im Smoking. Der eine klein und ohne Hals, der andere auf einem langen Hals mit einem kaputten Zylinder obenauf.

»Nichts da! Ihr scheint ohne Regeln, stinkt und gehört gewaschen. Jeder scheint sich hier selbst der Nächste. Niemand achtet auf den anderen. Eure Häuser fallen ein und dennoch wächst die Stadt. Und was schreit ihr hier so auf den armen Manne ein? Seht ihr nicht, wie schwer er zieht? Mir tut er leid. Er scheint gar nicht bei Sinnen. Ist abwesend, wie ich seh’. Lasst ihn doch dahinziehen, wo es ihm beliebt!«

Franz drehte sich zu dem alten Mann und blickte ihn traurig an. Der Alte stierte immer noch auf den Boden und trat nervös von einem Bein aufs nächste.

»Diesen alten Quacksalber? Flavius! Der mit seinem Mist. Den braucht hier keiner mehr. Der soll gehen, soll sich verpissen!«, schrie einer von hinten.

»Jawohl.«

»Genau.«

»Jaja, so ist’s richtig«, stimmten viele mit ein.

»Ein wahres Wort hast du gesprochen«, schimpfte der mit seinem Hühnerbein.

Die Dame meldete sich theatralisch: »JA, Geh hin … IN DEN Finsterwald! MACH DIch weg … AUS unserer Stadt! WIR HABEN alles, WAS WIR brauchen. UND VERgiss nicht, DEINEN KREmpel und … DEIN HAUS anzuzünden!«

Franz erfasste eine tobende Wut. Sie drehte sich erst wie ein kleiner Windzug in seinem Magen. Dann, wie ein Sturm, nahm sie immer mehr Fahrt auf. Sie drehte sich und tobte in ihm, bis sie über seine Brust in seinen Hals und dann aus dem Mund geschossen kam. Er hielt sie nicht auf. Nein, heute ließ er ihr freien Lauf. Sie war berechtigt. Heute hatte sein Zorn seinen Platz verdient. Er schrie die Leute an und wirbelte dabei in alle Richtungen.

»Was habt ihr nur? Noch einen solchen Satz und ich zünd’ die ganze Stadt in Flammen! Macht den Weg frei! Haut ab! Macht euch in eure Häuser, ich will euch nicht mehr sehen!«

Nach einer knappen Viertelstunde hatte er sich beruhigt. Seine Stimme war verendet und der Letzte, der Dicke mit der Hühnerkeule, watschelte fluchend von dannen.

Franz schnappte nach Luft und stützte sich auf seine Knie.

Iocus flog auf seine Schulter.

»Das hast du aber gut gemacht. War es denn so schlimm?«

Franz brauchte eine Weile, ehe er antworten konnte.

»Ich fühl mich nicht gut, nein. Auch wenn sie dumm und ekelhaft sind und die Abfuhr verdient haben, so wie sie auf den alten Mann herniederredeten. Irgendwie kann ich es nicht leiden. Ich war mir selbst zu laut. Und bin nicht auch ich es selbst gewesen, der sie so verkommen hat werden lassen?«

»Ich verstehe. Doch ist wohl alles viel komplizierter und verzwickter. Sie sind solch stramme Diener des Schwarzen Mannes geworden, dass sanftes Reden nichts mehr bringt bei ihnen, selbst wenn es dir Kummer bereitet. Aber du hast den Weg dadurch frei gemacht. Der Alte darf nun ziehen.« Iocus gab ihm einen Klaps auf die Schulter und flog hinter ihm weg.

Franz drehte sich um. Der Alte war indessen weitergezogen. Franz holte ihn ein, nahm sich die Deichsel und half dem Mann beim Ziehen. Sie sprachen kein Wort miteinander. Zu müde war er, zu sehr hatte ihn die Wut erobert. Zu viel Kraft hatte sie ihn gekostet.

Ich hoffe, ich muss nie mehr so schreien und so aus mir fahren. Ich hasse Wut. Sie wird nie meine Freundin.

Den ganzen Weg über sann er weiter darüber nach, wie man es hätte besser machen können. Ruhiger? Sanfter? Mit guten Argumenten? Doch hätten sie ihn dann genauso schnell verstanden? So reagiert und den alten Mann in Frieden ziehen lassen? Oder wäre es endlos weiter hin und her gegangen? Zu viele Fragen, entschied Franz irgendwann, und so ließ er es sein. Er half dem alten Mann, der weiter in Richtung Stadtende zog.

Während sie liefen, kam hier und da eine Frau in Schürze und kippte eine übelriechende Flüssigkeit aus dem Fenster oder der Tür. Es war widerlich und Franz hatte das Gefühl, allmählich selbst diesen Gestank der verwahrlosten Stadt anzunehmen.

Er schätzte, dass es so um die Mittagszeit sein musste, als sie am Rand der Stadt ankamen. Dichter Nebel umschlang ihre Mauern. Sie umgab ein riesiges Feld aus totem Gras und altem Gemüse. Danach sah es jedenfalls aus. Um sich dessen sicher zu sein, konnte Franz nicht weit genug blicken. Schwach zeichnete sich im grauen Nebel eine kleine, schiefe Hütte ab, auf die sie geradewegs zuliefen. Der Weg endete und die letzten fünfzig Meter liefen sie über harte, hügelige Erde. Franz schaffte es kaum, am Karren zu ziehen, und er fragte sich, wie der alte Mann das so ohne Murren bewerkstelligte.

An der Hütte ließ Flavius die Deichsel des Wagens sachte auf den Boden gleiten und ging zur runden Eingangstür. Es gab keinen Zaun und es wirkte, als hätte diese Hütte keinen dazugehörigen Garten. Als stünde sie im Niemandsland.

»Komm!«, sagte der Alte mit zittriger, lieber Stimme, machte seine Tür auf und ging hinein.

Franz trat mit Iocus auf der Schulter durch die Tür und schloss sie hinter sich. Als er sich umdrehte, schnipste der Alte mit den Fingern. In diesem Moment entfachte ein Feuer im Kamin in der rechten Ecke. Davor standen zwei kleine Ohrensessel. Einer in Orange, der andere in Rosa. Sie waren alt und kaputt. Der Stoff aber aus feinstem Muster, das sich mit den Flammen je nach Blickwinkel zu verändern schien. Sie luden ihn ein, sich zu setzen und das Feuer zu genießen. War es im ersten Augenblick noch kalt gewesen, so war es mit dem Moment, in dem das Feuer entflammte, sofort wohlig warm im Raum geworden.

Der alte Mann kam aus der gegenüberliegenden Ecke mit zwei Tontöpfen und setzte sich in den rosafarbenen Ohrensessel. Mit einer Geste deutete er auf den anderen.

Franz setzte sich und erhielt den einen Topf. Erst zögerte er kurz, aber als er den Alten ruhig seine Suppe genießen sah, nahm auch er einen großen Löffel zu sich.

Seine Augen weiteten sich. Die Ohren brannten ihm und seine Kehle wurde herrlich warm und weich. Es roch nach Zimt und Orangen. Doch schmeckte es süß und saftig. Die Suppe machte satt und irgendwie auch glücklich. Niemals hatte er so etwas bisher gegessen. Als er fertig war, stellte er seinen Topf neben sich auf dem Boden ab.

Pulsuz fraqment bitdi.

9,44 ₼

Janr və etiketlər

Yaş həddi:
0+
Həcm:
241 səh. 2 illustrasiyalar
ISBN:
9783754101452
Naşir:
Redaktor:
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
Yükləmə formatı:

Oxşar kitablar