Kitabı oxu: «Michael Korn & Liz Croll Trilogie»

Şrift:


Projekt Lucien

Michael Korn und Liz Croll Band 1


Ein Thriller von

Matthias Boden


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Der frisch gekündigte Bodyguard Michael Korn, ein misanthropischer Einzelgänger, wird von Interpol angeworben bevor er wegen Körperverletzung an einem Ministerpräsidenten eine Haftstrafe antreten muss. Zusammen mit der britischen Polizistin Liz Croll, dem Hacker Mike Banks, einem notorischen Schürzenjäger und der Auftragsmörderin Lea Enis soll er Forschungsdaten und einen Prototyp einer Firma aufspüren und in Sicherheit bringen. Bevor er und seine Mitstreiter zwei beteiligte Forscher verhören können, werden diese getötet. Den einzigen Hinweis auf die Daten liefert eine Notiz auf der Festplatte eines Forschers. Mehrere Gruppierungen sind ebenfalls hinter den Ergebnissen her und es beginnt ein mörderischer Wettlauf um die Welt.


Für Denise,

die Liebe meines Lebens.

Inhalt

  Prolog Mexiko, Irgendwo an der Küste

  1. Kapitel Deutschland, Köln Großbritannien, London

  2. Kapitel Italien, Rom

  3. Kapitel Deutschland, Flughafen Köln/Bonn Großbritannien, Flughafen London Heathrow

  4. Kapitel Vereinigte Staaten, Houston (TX)

  5. Kapitel Frankreich, Lyon

  6. Kapitel Vereinigte Staaten, Houston (TX)

  7. Kapitel Italien, Rom Vereinigte Staaten, Langley (VA)

  8. Kapitel Mexiko, Irgendwo an der Küste

  9. Kapitel Frankreich, Lyon

  10. Kapitel Mexiko, Cancún

  11. Kapitel Vereinigte Staaten, Langley (VA) Frankreich, Lyon

  12. Kapitel Europa, Irgendwo über dem Atlantik

  13. Kapitel Deutschland, Berlin Vereinigte Staaten, Langley (VA) Deutschland, Bremen

  14. Kapitel Mexiko, Cancún

  15. Kapitel Vereinigte Staaten, Houston (TX) Deutschland, Bremen

  16. Kapitel Frankreich, Lyon

  17. Kapitel Deutschland, Berlin Deutschland, Hannover Dänemark, Kopenhagen Vereinigte Staaten, Langley (VA)

  18. Kapitel Frankreich, Lyon

  19. Kapitel Deutschland, Hannover Dominikanische Republik, Cabarete

  20. Kapitel Dänemark, Kopenhagen Dominikanische Republik, Cabarete

  21. Kapitel Dominikanische Republik, Puerto Plata Südamerika, Irgendwo über dem Atlantik

  22. Kapitel Dänemark, Kopenhagen

  23. Kapitel Dänemark, Kopenhagen

  24. Kapitel Frankreich, Lyon Dänemark, Kopenhagen

  25. Kapitel Vereinigte Staaten, Moore (OK) Deutschland, Berlin

  26. Kapitel Frankreich, Lyon

  27. Kapitel Vereinigte Staaten, Langley (VA) Europa, Irgendwo über Deutschland

  28. Kapitel Venezuela, Caracas

  29. Kapitel Deutschland, Berlin Venezuela, Caracas

  30. Kapitel Frankreich, Lyon

  31. Kapitel Venezuela, Caracas

  32. Kapitel Frankreich, Lyon

  33. Kapitel Spanien, Barcelona Deutschland, Bremen

  34. Kapitel Venezuela, Caracas

  35. Kapitel Vereinigte Staaten, Langley (VA) Frankreich, Paris Vereinigte Staaten, Luftraum über Georgia

  36. Kapitel Spanien, Barcelona Frankreich, Lyon Deutschland, Berlin

  37. Kapitel Vereinigte Staaten, Langley (VA)

  38. Kapitel Frankreich, Lyon Irgendwo über dem Atlantik

  39. Kapitel Frankreich, Paris Frankreich, Lyon

  40. Kapitel Frankreich, Lyon

  41. Kapitel Frankreich, Lyon Frankreich, Lyon Frankreich, Luftraum über Grenoble Italien, Luftraum über Mailand

  42. Kapitel Kroatien, Split Frankreich, Lyon Ägypten, Sharm el Sheikh

  43. Kapitel Deutschland, Berlin

  44. Kapitel Deutschland, Bremen Frankreich, Lyon Deutschland, Berlin

  45. Kapitel Frankreich, Lyon Frankreich, Monaco

  46. Kapitel Deutschland, Bremen Frankreich, Lyon

  47. Kapitel Frankreich, Lyon Deutschland, Berlin Vereinigte Staaten, Washington D.C.

  48. Kapitel Frankreich, Lyon Deutschland, Berlin

  49. Kapitel Frankreich, Lyon Vereinigte Staaten, Washington D.C.

  50. Kapitel Frankreich, Lyon Malaysia, Ipoh Frankreich, Monaco

  51. Kapitel Deutschland, Berlin Frankreich, Lyon

  52. Kapitel Frankreich, Lyon Vereinigte Staaten, Washington D.C.

  53. Kapitel Frankreich, Lyon Deutschland, Bremen Deutschland, Berlin

  54. Kapitel Frankreich, Lyon

  55. Kapitel Deutschland, Bremen

  56. Kapitel Deutschland, Berlin Frankreich, Lyon

  57. Kapitel Frankreich, Lyon

  58. Kapitel Frankreich, Lyon

  Epilog Bahamas, Nassau Vereinigte Staaten, Santa Fe (NM) Vereinigte Staaten, Tulsa (OK)

  Danksagung

  Impressum

Prolog
Mexiko, Irgendwo an der Küste

Mond­licht spie­gel­te sich auf dem leicht ge­well­ten Ka­ri­bi­schen Meer und tauch­te den wei­chen Sand­strand des Ho­tels in ein sanf­tes Zwie­licht. Der kom­plett in schwarz ge­klei­de­te Mann ver­barg sich in den Schat­ten der Sträu­cher und ho­hen Grä­ser, wäh­rend er lang­sam und vor­sich­tig sei­nem Ziel im­mer nä­her kam. Die Luft roch nach Salz und Al­gen, die von den Wel­len an den Strand ge­spült wur­den. Ihm lief der Schweiß über die Stirn. Er war nicht son­der­lich gut trai­niert, und die vom Tag auf­ge­heiz­te Luft und der war­me Sand un­ter sei­nen schwar­zen Gum­mi­schu­hen, so­wie die ho­he Luft­feuch­tig­keit in dem sub­tro­pi­schen Land ta­ten ihr Üb­ri­ges. In sei­ner Hand hielt er ein klei­nes Käst­chen, auf dem leicht röt­li­che Zif­fern, in schnel­ler Fol­ge ih­re Wer­te än­der­ten. Zwi­schen zwei Grä­sern, un­weit vom Ufer, an den sich sanft die Was­ser­mas­sen leg­ten, fand er end­lich den ge­eig­ne­ten Ort. Lan­ge hat­te er ge­sucht, wäh­rend er in den ver­gan­ge­nen Ta­gen stun­den­lang am Strand um­her­ging. Sei­ne Arm­band­uhr gab ein akus­ti­sches Si­gnal von sich. Punkt 3 Uhr am Mor­gen. In knapp an­dert­halb Stun­den wür­de sich wie­der die Son­ne aus den Flu­ten er­he­ben und den pa­ra­die­si­schen wei­ßen Sand in glei­ßen­des Son­nen­licht tau­chen. Bis da­hin woll­te er aber be­reits wie­der ab­ge­reist sein. Der Auf­trag war er­füllt und er, wenn er zu­rück­ge­kehrt ist end­lich reich ge­nug sein, um nicht mehr ar­bei­ten zu müs­sen. Der­je­ni­ge, der ihn an­ge­spro­chen hat, wuss­te über wirk­lich al­les in sei­nem Le­ben Be­scheid und stell­te ihm ei­ne sehr ho­he Sum­me in Aus­sicht. Doch zu­erst müss­te er noch den letz­ten Teil zu En­de brin­gen und sich un­ge­se­hen aus dem Staub ma­chen. Er ging auf die Knie und zog aus sei­ner Ta­sche ei­ne klei­ne Schau­fel her­aus. Der Sand war weich und er müss­te nicht lan­ge gra­ben, um ein Loch aus­zu­he­ben, in dem er den klei­nen Kas­ten si­cher ver­ber­gen konn­te.

We­ni­ge Mi­nu­ten spä­ter war das Sand­loch groß ge­nug. Er steck­te die klei­ne Schau­fel wie­der ein und be­frei­te be­hut­sam den et­wa 10 cm großen Kas­ten aus sei­ner Ta­sche, und leg­te ihn in die Ver­tie­fung. Dann nahm er sei­nen elek­tro­ni­schen Hel­fer und leg­te ihn di­rekt über das Käst­chen. Die röt­li­chen Zah­len ver­strö­men ein sanf­tes Licht, das er so gut es eben ging, ab­schirm­te. Ge­naues­tens no­tier­te er sich die Zah­len, die auf­ge­hört hat­ten, sich zu be­we­gen. Nach­dem er al­les noch ein­mal über­prüft hat­te, ver­schwand sein Hel­fer in sei­ner Ho­sen­ta­sche, und er ver­teil­te den im­mer noch war­men Sand über dem Kas­ten. Zu­letzt be­sei­tig­te er noch ge­wis­sen­haft sei­ne Spu­ren und ver­ließ den Strand. Zwi­schen ei­ni­gen Ko­ko­spal­men hielt er in­ne und stell­te er­leich­tert fest das die kom­plet­te Ho­tel­an­la­ge, mit Aus­nah­me der Not­aus­gangs­be­leuch­tung im Dun­keln lag. Nie­mand war zu se­hen. Auf lei­sen Soh­len stahl er sich an der An­la­ge vor­bei und lief zu sei­nem Wa­gen, der nicht weit vom Strand zwi­schen Palm­we­deln ver­steckt war.

Zufrie­den star­te­te er den Mo­tor und fuhr in Rich­tung Cancún da­von. Auf zur letz­ten Etap­pe sei­nem neu­en Le­ben ent­ge­gen.

In Pla­ya del Car­men stopp­te er un­weit des Was­ser­parks Xcaret und ging bes­ter Lau­ne auf den Ein­gang zu. Ne­ben ei­nem Kas­sen­häus­chen ver­lief ein klei­nes Rinn­sal und ver­schwand in ei­nem et­wa hand­brei­ten Rohr. Dort nahm er sei­nen Zet­tel mit den Zif­fern zur Hand, fal­te­te ihn drei­mal und schob ihn in ei­ne klei­ne ver­schließ­ba­re Plas­tik­tü­te. Die­se be­fes­tig­te er mit Knet­mas­se an der obe­ren In­nen­sei­te des Roh­res und stapf­te wie­der zu sei­nem Au­to zu­rück. Er ließ sich in den Fah­rer­sitz fal­len und griff nach sei­nem Smart­pho­ne. Er wähl­te ei­ne Num­mer und war­te­te, bis die Ver­bin­dung stand. Nach dem Zwei­ten läu­ten wur­de das Ge­spräch an­ge­nom­men. Er flüs­ter­te: »Pa­ket ge­lie­fert!«, und be­en­de­te die Ver­bin­dung. Sein Auf­trag war be­en­det. Er ver­ließ den Park­platz und steu­er­te sei­nen Wa­gen di­rekt zum Flug­ha­fen von Cancún. Sein neu­es Le­ben in Reich­tum konn­te be­gin­nen.

1. Kapitel
Deutschland, Köln

Mi­cha­el Korn saß auf ei­nem Korb­stuhl vor der Ca­fe­te­ria Köl­le und be­ob­ach­te­te mür­risch die um­her­wan­dern­den Men­schen in der Köl­ner In­nen­stadt. Er rauch­te ei­ne Zi­ga­ret­te, de­ren Qualm er in die Mit­tags­son­ne blies. In sei­nem schwar­zen Shirt und den eben­falls schwar­zen Carg­o­ho­sen scann­te er mit sei­nen blau­en Pu­pil­len die Um­ge­bung. Wie hat­te es nur so weit kom­men kön­nen? Er, der ehe­ma­li­ge Bo­dy­guard der Re­gie­rungs­ver­tre­ter war ge­kün­digt wor­den. Nur, weil er dem Mi­nis­ter­prä­si­den­ten des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len et­was un­sanft den El­len­bo­gen ins Ge­sicht ge­rammt hat­te. »Was kann denn ich da­für, wenn der Idi­ot sei­nen Kopf aus­ge­rech­net da hin­hält, wenn ich ge­ra­de zur Waf­fe grei­fe«, dach­te er bei sich. Po­li­ti­ker, das mie­ses­te Pack, das man sich vor­stel­len kann. Lü­gen wie ge­druckt und träu­men ih­re All­machts­fan­tasi­en, die kein nor­ma­ler Mensch mehr ver­steht. Zu al­lem Über­fluss gab es auch noch ei­ne An­zei­ge we­gen Kör­per­ver­let­zung. Als der Mi­nis­ter­prä­si­dent ihm das sag­te, stand Korn nur da und be­dach­te ihn mit ei­nem fins­te­ren Blick, be­vor er zu ihm mein­te: »Wo nichts ist, kann man auch nichts ver­let­zen, du Bra­t­hahn. Au­ßer­dem soll­test du dich vor­se­hen, sonst mach ich Ernst und sto­ße dich aus dei­ner Ar­ma­ni-Gar­di­ne!«. Manch­mal soll­te er sich viel­leicht doch zu ei­ner nor­ma­len Kom­mu­ni­ka­ti­on her­ab­las­sen, aber die­se Fä­hig­keit war bei ihm schon lan­ge nicht mehr ab­ruf­bar. Sein gan­zes bis­he­ri­ges Le­ben stand nicht un­ter ei­nem gu­ten Stern. Und wie­der ein­mal glit­ten sei­ne Ge­dan­ken drei­ßig Jah­re in die Ver­gan­gen­heit. Müh­sam kämpf­te er die Trä­nen aus sei­nen Au­gen und ver­such­te, an et­was an­de­res zu den­ken. Er drück­te sei­ne Kip­pe im Aschen­be­cher aus und nahm einen letz­ten Schluck von sei­nem Kaf­fee. Mi­cha­el er­hob sich und ging auf die na­he ge­le­ge­ne Po­li­zei­wa­che zu. Die Men­schen vor ihm teil­ten sich wie ein Vor­hang. Er war ei­ne im­po­san­te Er­schei­nung und be­saß ei­ne ge­wis­se na­tür­li­che Au­to­ri­tät, mit sei­nen wa­chen Au­gen und den har­ten Ge­sichts­zü­gen. Ru­hig be­trat er die Wa­che und mel­de­te sich am Schal­ter. Die jun­ge Po­li­zis­tin da­hin­ter warf ihm einen ab­schät­zi­gen Blick zu, be­vor sie zum Hö­rer griff und ei­ne Num­mer wähl­te. »Ihr Be­su­cher ist hier!«, flö­te­te sie in den Hö­rer. Nach ei­ner kur­z­en Pau­se füg­te sie »Na­tür­lich Herr Prä­si­dent!«, hin­zu und leg­te auf. »Neh­men Sie bit­te einen Au­gen­blick Platz, sie wer­den ab­ge­holt«, hör­te er sie sa­gen, be­vor sie sich wie­der ih­rem Mo­ni­tor wid­me­te.

Korn blieb lie­ber ste­hen und war­te­te ei­ni­ge Mi­nu­ten, be­vor ein Mann mitt­le­ren Al­ters in ei­ner schmu­cken Uni­form ihm die Hand reich­te. »Mein Na­me ist Wald­schmidt Herr Korn! Ich bin der Po­li­zei­prä­si­dent und ha­be sie her­ge­be­ten, weil mich ei­ne Nach­richt aus Ly­on er­reicht hat. Bit­te fol­gen Sie mir«, krächz­te er mit et­was hei­se­rer Stim­me.

Korns Stie­fel quietsch­ten auf dem hell­grau­en Lin­ole­um­bo­den, als er dem Prä­si­den­ten in ein ärm­lich ein­ge­rich­te­tes Be­spre­chungs­zim­mer folg­te. Die Tür fiel mit ei­nem leich­ten Kli­cken wie­der in das Schloss und Wald­schmidt for­der­te Mi­cha­el, auf Platz zu neh­men. Be­vor der Prä­si­dent et­was sa­gen konn­te, er­griff Korn das Wort. »Was zum Teu­fel ha­be ich denn mit Frosch­schen­keln zu tun? Mein ein­zi­ger Auf­ent­halt bei den Schne­cken­schlach­tern en­de­te in ei­nem Fias­ko, als drei mei­ner Kol­le­gen in ei­nem Ku­gel­ha­gel ster­ben muss­ten und ich lei­der über­lebt ha­be. Das ist aber auch schon fünf­zehn Jah­re her. Ist de­nen jetzt ein­ge­fal­len, dass ich da­mals das Croissant vor dem Ober­pfos­ten auf den Bo­den ge­tre­ten ha­be und sie mir jetzt einen Auf­ent­halt im Knast spen­die­ren wol­len?«.

»Nein Herr Korn, es geht nicht um da­mals und hat mit der Po­li­zei in Pa­ris über­haupt nichts zu tun«, ent­geg­ne­te Wald­schmidt »Man hat mich ge­be­ten Sie, und nur sie zu mir zu be­stel­len und ih­nen einen Brief aus­zu­hän­di­gen. Al­ler­dings nicht von der Po­li­zei, son­dern von In­ter­pol, die ih­ren Haupt­sitz in Ly­on hat.«

Ungläu­big starr­te Korn den Prä­si­den­ten an und sah ihn ei­ne Map­pe auf­schla­gen, aus der er einen Brief­um­schlag zog und ihm übergab.

»Den In­halt die­ses Briefs kennt nur In­ter­pol selbst, aber es ging da­bei um einen Job, den man ih­nen an­bie­ten möch­te«, er­klär­te er.

Korn nahm den Brief­um­schlag, sah ihn sich fra­gend an, be­vor er ihn öff­ne­te. Da­rin be­fand sich ei­ne Nach­richt so­wie ein Flug­ticket nach Ly­on, aus­ge­stellt auf sei­nen Na­men. Die Nach­richt lau­te­te:

Herr Korn,

bit­te be­su­chen Sie uns in der In­ter­pol Zen­tra­le in Ly­on. Wir ha­ben einen Job für sie und wür­den ih­nen ger­ne al­les Wei­te­re per­sön­lich er­klä­ren. Die gan­ze An­ge­le­gen­heit muss ver­trau­lich blei­ben.

Ber­nand Rous­sel, In­ter­pol.

Fas­sungs­los steck­te Mi­cha­el Korn den Brief­um­schlag in sei­ne lin­ke Bein­ta­sche und be­trach­te­te Wald­schmidt der et­was un­ru­hig auf sei­nem Stuhl saß. In sei­nem Kopf wir­bel­ten die Ge­dan­ken, wäh­rend sich sei­ne Mie­ne ver­dun­kel­te. Er konn­te es nicht glau­ben. Ein Jo­b­an­ge­bot von In­ter­pol. Ist das die Be­loh­nung, wenn man ei­nem Mi­nis­ter­prä­si­den­ten die Na­se bricht?

Großbritannien, London

»Hän­de hin­ter den Kopf und ganz lang­sam um­dre­hen« zisch­te Liz dem Ju­gend­li­chen zu, der ver­sucht hat­te einen Kiosk aus­zu­rau­ben, nur be­waff­net mit ei­nem Ta­schen­mes­ser aus der Schweiz. Der Jun­ge dreh­te ihr lang­sam den Rücken zu und hat­te sei­ne Fin­ger in­ein­an­der ver­schränkt in den Na­cken ge­legt. Die Po­wer­frau steck­te ih­re Waf­fe zu­rück ins Hols­ter und nahm die Hand­schel­len vom Gür­tel. Vor­sich­tig trat sie auf den kaum 1,70 m großen Ju­gend­li­chen zu, der so vie­le Bol­zen im Ge­sicht hat­te, um einen zwei­ten Eif­fel­turm nie­ten zu kön­nen. Mit der Schul­ter don­ner­te sie ihn ge­konnt ge­gen die Wand und fi­xier­te die von Nar­ben über­sä­ten Ar­me hin­ter dem Rücken. Dann trat sie et­was zu­rück und griff sich das Funk­ge­rät. »Ich hab ihn ein­ge­sam­melt, ihr könnt ihn jetzt ho­len«, mur­mel­te sie und be­hielt den jun­gen im Blick.

Et­was spä­ter stand Liz vor ih­rem Strei­fen­wa­gen, rauch­te genüss­lich ei­ne Zi­ga­ret­te in dem die­si­gen und leicht ver­reg­ne­ten Lon­do­ner Som­mer. Plötz­lich knack­te ihr Funk und ei­ne quä­len­de Stim­me er­klang: »Croll, kom­men sie zum Haupt­quar­tier und mel­den sie sich um­ge­hend beim Chief!«

Seuf­zend trat sie die Zi­ga­ret­te auf den Pflas­ter­stei­nen aus, blies noch ein­mal den Rauch vor sich hin und be­stä­tig­te den Funk­spruch. Was will der Al­te nur wie­der von mir, är­ger­te sie sich im zä­hen Ver­kehr auf der re­gen­rei­chen In­sel. Sie war ei­ne der bes­ten der gan­zen Trup­pe ge­wor­den, trotz ih­res Han­di­caps mit nur knapp über 1,60 m Grö­ße un­ter den gan­zen Re­kru­ten mit Gar­de­maß. Vor dem Haupt­quar­tier stell­te sie den Strei­fen­wa­gen ab, ver­schloss ihn ord­nungs­ge­mäß und be­weg­te sich ziel­stre­big zum Bü­ro des Chiefs. »He­rein!«, bell­te die dunkle Stim­me ih­res Vor­ge­setz­ten, als sie ge­klopft hat­te. Liz öff­ne­te die Tür und trat in das klei­ne Bü­ro.

Chris Wil­liams sah zu ihr, leg­te sei­nen Stift auf den Ma­ha­go­nisch­reib­tisch und sag­te in ru­hi­gem Ton »Ah, da sind sie ja end­lich Croll. Set­zen Sie sich, ich ha­be et­was mit ih­nen zu be­spre­chen!«

Liz setz­te sich auf den Be­su­cher­stuhl und ver­such­te, die Mie­ne ih­res Chefs zu durch­drin­gen.

»Sie ha­ben mal wie­der gan­ze Ar­beit ge­leis­tet«, be­gann der Chief. »Al­ler­dings sieht es so aus, als ob ih­re Ta­ge in Lon­don ge­zählt sind Croll.«

Liz war ver­wirrt. Ih­re Ta­ge in Lon­don ge­zählt? »Wie denn das Chief? Hab ich was falsch ge­macht?«, frag­te sie mit ei­nem Vor­wurf in der Stim­me.

»Aber nein Croll, sie ha­ben nichts falsch ge­macht und ich wä­re froh, wenn ich das über die meis­ten hier sa­gen könn­te, aber um ehr­lich zu sein, gibt es ei­ne Ent­wick­lung, von der sie ver­mut­lich über­rascht sein wer­den. Ich ha­be ei­ne Nach­richt von ei­nem ge­wis­sen Ber­nand Rous­sel von In­ter­pol be­kom­men. So wie es aus­sieht, will man sie dort ha­ben. Wo­für weiß nie­mand, aber es scheint ge­heim zu sein, weil sich wirk­lich al­le dar­über aus­schwei­gen. Sie flie­gen über­mor­gen von Hea­throw nach Ly­on rü­ber und wer­den auf­ge­klärt, worum es sich han­delt. Ihr Flug­ticket ha­be ich be­reits hier!«

»Soll das ein Witz sein? Ich ha­be mich nir­gend­wo be­wor­ben und will auch nicht in ein Bü­ro ge­setzt wer­den nur, um ir­gend­wel­che Stel­len über­all auf der Welt mit In­for­ma­tio­nen zu ver­sor­gen«, platz­te es aus Liz her­aus.

»Das ist kein Scherz. Es ist aber auch ih­re Ent­schei­dung, ob sie den Job bei In­ter­pol an­neh­men. Ich wür­de sie ger­ne hier­be­hal­ten, das kön­nen Sie mir glau­ben. Es ist nur ein An­ge­bot und nie­mand weiß ge­nau, worum es geht. Al­so flie­gen sie nach Süd­frank­reich, hö­ren sich das an und tref­fen dann ih­re Ent­schei­dung. Ih­re Stel­le hier ist ih­nen si­cher, wenn sie ab­leh­nen«, be­ru­hig­te sie Wil­liams.

»Wer ist ei­gent­lich die­ser Rous­sel? Hat der was zu mel­den?«, frag­te sie et­was lau­ter als be­ab­sich­tigt.

Chris Wil­liams blick­te sie lan­ge an, be­vor er schließ­lich her­vor­brach­te: »Ich ha­be mich in­for­miert und die­ser Rous­sel ist der Boss von In­ter­pol. Ein Fran­zo­se, mehr­fach aus­ge­zeich­net, mitt­ler­wei­le schon an die 60 Jah­re alt und hat den La­den schon seit 13 Jah­ren in sei­ner Hand. Und über In­ter­pol steht nie­mand mehr. Die­se Stel­le wird von nie­man­dem kon­trol­liert. Selbst die Po­li­tik hat da nichts zu ent­schei­den. Völ­lig un­ab­hän­gig.«

»Okay, ich wer­de mir das mal an­hö­ren Chief«, ant­wor­te­te Liz klein­laut.

19,69 ₼

Janr və etiketlər

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Litresdə buraxılış tarixi:
17 sentyabr 2025
Həcm:
1842 səh. 5 illustrasiyalar
ISBN:
9783754934876
Naşir:
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
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