Kitabı oxu: «Schwarzbuch Alpen»

Şrift:

MATTHIAS SCHICKHOFER

SCHWARZ BUCH ALPEN

WARUM WIR UNSERE BERGE RETTEN MÜSSEN


INHALT

„MEINE“ ALPEN

DIE EROBERUNG DER ALPEN

DIE ALPEN IM KLIMASTRESS

BEDROHTE ALPENWÄLDER

PATIENT SCHUTZWALD

WILDE, VERWILDERTE ALPEN

STREIT UM DIE ALPENFLÜSSE

ZERSIEDELTE, VERKEHRSGEPLAGTE ALPENTÄLER

GESUNDE LEBENSMITTEL AUS DEN ALPEN?

WOHIN GEHT DIE WINTERREISE?

ZUKUNFTSPFADE FÜR DIE ALPEN

QUELLEN

„MEINE“ ALPEN

In die Berge bin ich schon fast immer gefahren. Das erste Mal mit sechs Jahren. Es ging nach Schladming, zu Sepp und Elsa im Untertal. Damals war das noch eine recht lange Fahrt. Ich erinnere mich noch, wie wir im Untertal ankamen und ich das erste Mal den Dachstein sah. Wir hielten an, am Rohrmoos, von wo man den riesigen Kalkstock gut sehen kann. Als Kind des Waldviertels waren mir solche Höhen bis dahin unbekannt. Die riesigen Berge stellten mein gewohntes Landschaftskonzept auf den Kopf. Ich war verzaubert. Und bin es noch heute.

Für mich war das Gebirge eine fremdartige, leere, freie, wilde, verwunschene Landschaft. Ich erfuhr von den dort lauernden Gefahren, ich erlebte mein erstes (furchterregendes) Gebirgs-Gewitter in einen Regenponcho gehüllt auf den Schultern meines Vaters. Und ich lernte, dass mit den Abgründen nicht zu spaßen ist. Es war meine erste Erfahrung mit so etwas wie „Wildnis“.

Die Alpen waren für mich ein Übergang zu einer wilderen, freieren Welt, wo es Wind und Licht, Hitze und Kälte, hartes Gestein und weiche Matten (mit stechenden Gräsern) und jede Menge frische Luft, angereichert mit dem Duft der Berge, gibt.

Ich verbrachte die meisten meiner kleinkindlichen Urlaube in den Niederen Tauern, winters wie sommers. Den Geruch des alten Holzhauses oder des heimelig flackernden Herds im Zimmer (es gab noch keine Zentralheizung) habe ich heute noch in der Nase. Die Heimfahrten waren stets von Trauer begleitet. Und ich sehnte mich nach der nächsten Alpenfahrt.

Seitdem bin ich den Alpen treu geblieben – als Gast, als Umweltschützer und als Fotograf. Im Zuge vieler familiärer Aufenthalte, Bergtouren, Skiurlaube und beruflicher Reisen konnte ich beobachten, wie sich die Alpen veränderten, und gewann Einblicke in ihr Innenleben. Als Greenpeace-Campaigner und -Aktivist erhielt ich Einsicht in die vertrackte Problematik der alpinen Verkehrsmisere. Gemeinsam mit Einheimischen organisierte ich Proteste entlang der Transitachsen. Das Problem ist längst nicht entschärft.

Für Natur-Reportagen begab ich mich auf die Suche nach den letzten ursprünglichen Winkeln in den Alpen. Und wurde fündig: In abgelegenen Hochtälern und Gebirgszonen haben Urlandschaften überlebt, die heute teilweise unter Schutz stehen. Das gilt leider nicht für alle „wilden“ Orte. Für Naturschutzfachleute gehören die Alpen zu einem der bedeutendsten Hotspots der Biodiversität in Europa. Gleichzeitig gelten sie als eines der am gefährdetsten Gebirgs-Ökosysteme der Welt.

Die Naturschätze der Alpen sind auch ein wertvolles Kapital für die hier lebenden Menschen: Dezentraler, „sanfter“ Naturtourismus ist für viele Talschaften vermutlich die einzige Chance, die Abwanderung zu bremsen.

Im Februar 2017 besuchte ich Zermatt. Das ehemalige Bergdorf unter dem Matterhorn ist nur durch eine Art Gebirgs-S-Bahn von Großparkplätzen weiter unten im Tal erreichbar. Eine Großstadtszenerie am Rande der bewohnbaren Welt. Die Gornergrat-Bahn brachte mich auf über 3000 Meter. Dort steht ein Gebäudekomplex aus Hotel, Shoppingmall und Gastronomie. Drinnen werden Messer und Uhren verkauft, im Selbstbedienungsrestaurant gibt es teuren Cappuccino (und vertrocknete Lasagne).

Draußen wehte ein Föhnsturm. Eine chinesische Touristin sprach mich an. Sie sei hier mit ihrer Familie. Für einen Tag. Um „den Berg“, das Matterhorn, zu sehen. „Der Berg“ war allerdings unter dicken Föhnwolken verborgen. Die Gruppe trug Straßenschuhe, fror und alle waren im Gesicht dick mit Sonnencreme beschmiert. Jeder im Taktverkehr eintreffende Zug spülte weitere Selfies schießende Städter auf den Gornergrat, die dann etwas verloren an diesem grandios-unwirtlichen Ort herumstanden. Rundum herrschte Pistenbetrieb. Auf etlichen Graten waren Liftstationen zu sehen.

Hier waren die Grandezza und die Crux der Alpen auf einem Bild versammelt: die an sich nutzlose Schönheit der wilden Berge und der Versuch, sie der geschäftigen Menschheit zugänglich zu machen. Die Menschen sind hier aber ganz offensichtlich nur Gäste. Wenn die Elemente hier ungnädig werden, dann ist der Spuk schnell wieder vorbei. Technische Großanlagen sind besonders verwundbar. Ich versuchte mir vorzustellen, wie es hier in 30 Jahren aussehen könnte – wenn Gletscher- und Permafrostschmelze ihre unheilvollen Spuren vertieft haben werden.

Dieses Buch ist keine umfassende oder wissenschaftliche Aufarbeitung der Situation der Alpen. Vielmehr eine subjektive Zusammenstellung von aktuellen Schlaglichtern auf einige Themen, die mir wichtig erscheinen. Über Lösungen wurde viel nachgedacht und geschrieben. Die Materialien, die in Zusammenhang mit der Alpenkonvention erarbeitet wurden, bieten eine Unzahl von mehr oder weniger konkreten Ansätzen. Es gibt keine Patentlösung. Aber vielversprechende Modelle für einen besseren Umgang mit unseren Bergen und für ein gutes Leben in dieser einzigartigen Region.

Die Alpen verdienen einen radikalen Wandel in unserer Wahrnehmung und in unserem Umgang mit ihnen. Möge dieses Buch einen Anstoß dazu geben.

DIE EROBERUNG DER ALPEN

Am Beginn stand eine gewaltige Kollision: Vor 230 Millionen Jahren bildete sich zwischen Eurasien und Afrika ein seichtes Meer, die Tethys. Diese Senke füllte sich langsam mit abgestorbenen Lebewesen und Schutt. Daraus wurde später das Kalkgebirge. Dieser Vorgang spielte sich in vier Sedimentationsbecken ab, dem „Helveticum“, dem „Penninikum“, dem „Ostalpin“ und dem „Südalpin“. Die Namen geben Hinweise auf die Alpengebiete, in denen sich diese Sedimentgesteine heute befinden.

Vor 100 Millionen Jahren begann die afrikanische Platte gegen den eurasischen Kontinent zu driften. Die riesigen Landmassen schoben sich in extremer Zeitlupe übereinander, durch diese Verfrachtungen entstanden verschiedene Gesteinsdecken und die Sedimentablagerungen wurden nach Norden bewegt.

Vor etwa 30 Millionen Jahren setzte die alpidische Hebung ein: Die afrikanische Platte drückte stärker gegen die eurasische Landmasse und aus den Alpen wurde allmählich ein Hochgebirge. Flüsse und Eiszeitgletscher modellierten die alpinen Tallandschaften. Die Bewegung der Kontinentalplatten ist nicht zum Erliegen gekommen: Jedes Jahr rückt Rom einen halben Zentimeter näher an den Bodensee.

Wasser und Eis (Eiszeiten) bewirken eine beständige Abtragung der Alpen, ohne sie wären die Alpen wesentlich höher, zwischen 8000 und 10.000 Metern.

Zum Ende der letzten Eiszeit, vor etwa 12.000 bis 10.000 Jahren, waren die Alpen sehr wild und fast menschenleer. Damals wichen die riesigen, ganze Täler füllenden Gletscher, die viele Kilometer in das Alpenvorland vordrangen, wieder zurück und hinterließen zunächst eine Kältesteppe.

Bis vor etwa 10.000 Jahren lebten in Europa noch fantastisch anmutende Tiere wie das Woll-Mammut oder das Woll-Rhinozeros. Große Pflanzenfresser wie Wisente und Elche waren auch in den Alpen heimisch. Wisent-Knochen wurden im Alpenraum bis in große Höhenlagen gefunden.1 Noch im Frühmittelalter waren Wisente in Europa verbreitet.

Die einst vorherrschenden größeren Pflanzenfresser in den Alpen – Wisente, Elche, Steinböcke – wurden (bis auf Hirsche und Gämsen) ausgerottet oder stark dezimiert. Steinböcke waren bis in die Jungsteinzeit in verschiedenen Bergregionen das vorrangige Jagdwild. Um 1800 gab es nur mehr etwa 100 Tiere im italienischen Gran-Paradiso-Nationalpark. Im letzten Moment konnten diese Tiere geschützt und ein völliges Aussterben abgewendet werden. Mithilfe von Wiederansiedlungsprogrammen gelang es, den Steinbock in vielen Alpen-Gebieten wieder heimisch zu machen.

Als das Eis zurückwich, setzte auch die kontinuierliche Wiederbesiedlung durch die Menschen ein. Die frühen Siedler lebten als Jäger und Sammler. Aber schon früh begann die industrielle Nutzung der Alpen: Wie neue Forschungen ergeben haben, begann der Salzabbau in Hallstatt vermutlich deutlich früher als bisher angenommen. Bereits um 5000 v. Chr. wurde die Landschaft in diesem Gebiet intensiv bewirtschaftet. Hallstatt ist eine der ältesten Kultur- und Industrieregionen der Welt.

In der Jungsteinzeit bildeten sich sesshafte Bauernkulturen. Um die Mitte des 5. Jahrtausends v. Chr. wurde der zentrale Alpenraum für die Menschen auch als Dauersiedlungsraum interessant. Das führte zu einer zunehmenden Nutzung und Abholzung von Wäldern, zunächst im Einzugsbereich der Siedlungen. Auf den gerodeten Flächen wurde Ackerbau betrieben, im Wald weidete das Vieh.

Die bekannteste Gletschermumie, der „Ötzi“, stammt aus dem Zeitraum um 3200 v. Chr. Damals lebten die meisten Menschen bereits von Ackerbau und Viehzucht.

In der Bronzezeit (ca. 2200 v. Chr.) verdichtete sich die menschliche Präsenz. Die Menschen stiegen bereits auf die Berge, entfernten alpine Waldbestände und nutzten die frei werdenden Flächen als Sommerweiden. Davon zeugen Funde von Werkzeugen und Felsbildern in großen Höhen.

Die Römer begannen die Alpen systematisch zu erschließen und schufen ein erstes, großes Wegenetz. Das war die Grundlage für die Ausbreitung des Handels und der „Zivilisation“. Der Brennerpass wurde bereits im 2. Jahrhundert mit einer Straße gebändigt. Gehandelt wurde mit Salz, Holz oder Wein. An den Wegen entstanden Orte mit Herbergen, an den Kreuzungen und bei wichtigen Rohstoff-Abbaugebieten bildeten sich Städte.

Salz war im Mittelalter die begehrteste Handelsware. Viele alpine Ortsnamen mit dem Wort „Hall“ (das keltische Wort für Salz) zeugen von der Bedeutung der Salzgewinnung, etwa Reichenhall, Hallein oder Hall in Tirol. Ausgehend von den Salinen und Salzbergwerken in den Alpen entstanden Salzstraßen – Handelswege für den Salztransport zu den großen Städten.

Die Salzproduktion veränderte die Landschaft: Wälder wurden als „Salinenschläge“ abgeholzt, um Holz für die Befeuerung der Siedepfannen zu gewinnen. Das Holz für die Salinen musste „leicht“ sein, was die Anpflanzung von Fichten begünstigte.

Salzgewinnung und Bergbau brachten auch große Veränderungen für die Gesellschaft: An etlichen Orten schürften Tausende Knappen nach den begehrten Bodenschätzen. Das förderte auch die Ausbildung relativ fortschrittlicher Sozialsysteme. Bergbau-Städte wuchsen und wurden reich. Insgesamt entwickelte sich die Urbanisierung im Alpenraum aber viel langsamer als im europäischen Tiefland.

Die Landschaft der Alpen, wie wir sie heute kennen, wurde maßgeblich durch die Landwirtschaft geprägt: Die Täler und Almen der Alpen sind eine alte Kulturlandschaft mit lange zurückreichenden bäuerlichen Traditionen. Bergbauernhöfe wurden selbst in hoch gelegenen, oft nur schwer zugänglichen Lagen errichtet. Der Süden – die romanische Region – und der Norden – die germanischen Regionen – unterscheiden sich hinsichtlich der Bewirtschaftungsformen: In der romanischen Bergbauernwirtschaft haben Ackerbau und Milchwirtschaft den gleichen Stellenwert. Die sonnigen Lagen werden für den Ackerbau genutzt, auf schattigen und höher gelegenen Flächen finden sich Weiden. Es gibt Winter-, Sommer- und Almsiedlungen. Dank Realerbteilung bestehen die Siedlungen aus kleinen, verwinkelten Steinhäusern, die als „Haufendörfer“ auf den oft steilen Sonnenhängen kleben. Die romanischen Bergbauern waren wirtschaftlich autark. Nur Salz, zur Konservierung von Lebensmitteln, musste zugekauft werden.

Der Norden der Alpen weist ein feuchteres und kühleres Klima auf, was den Anbau von Getreide erschwert. Die germanische Berglandwirtschaft hat sich daher auf Grünland- und Viehwirtschaft spezialisiert. In den Nord- und Ostalpen fehlen somit Ackerterrassen. Weide und Wald gehören zum Hof, Allmende-Flächen (gemeinschaftlich bewirtschaftete Wälder oder Almen) gibt es im Unterschied zum romanischen Raum nicht. Almwirtschaft ist nur wenige Wochen im Jahr möglich. Meist erbt nur ein Sohn, daher dominieren über die Hänge verstreute, stattliche Bauernhöfe, die oft aus Holz gebaut sind. Die Bevölkerungsdichte in der romanischen Region ist viel höher, weil Ackerbau mehr Menschen ernähren kann.

Im späten 18. Jahrhundert entdeckte man die ästhetischen Reize der alpinen Welt. Die Alpen waren längst eine überwiegend vom Menschen geprägte Kulturlandschaft, mit Ausnahme der Zonen im Hochgebirge und der Steilhänge, die für die Nutzung ungeeignet waren. Das tat der Begeisterung der ersten Touristen für diesen – im Vergleich zum übrigen Europa – relativ naturnahen und daher faszinierenden Raum keinen Abbruch.

Die „Entdeckung“ der Alpen durch den städtischen Tourismus führte zu einem Umbruch in der Wahrnehmung und Bewertung dieses Gebirges in der Mitte Europas. Für die Bewohner waren die Alpen ein mit Gefahren und Mühsal verbundener, aber „alltäglicher“ Lebensraum. In den Städten hingegen dominierte das Bild der „schrecklichen“ Berge, die von mehr oder weniger kulturlosen (weil fernab der kulturellen Zentren lebenden) Menschen bewohnt werden. Der Alpenforscher Werner Bätzing spricht in diesem Zusammenhang von einem „Zerrbild, das mit der Realität dieses Gebirges wenig zu tun hat“2, weil bereits das Leben in diesem Raum eine hohe Kulturleistung darstellte.

Die Bewertung der Alpen als „schreckliches Gebirge“ wandelte sich zum ästhetisch verklärten Bild der „schönen Alpen“. Bätzing zufolge verlor die Natur aufgrund der „Herausbildung der modernen Naturwissenschaften“ und der „rationalen Weltsicht in Form der Aufklärung“ ihren Schrecken. Es entstand eine neue ästhetische Deutung einer „schrecklich-schönen“ Gebirgswelt, ein verklärtes, ländliches Idyll vor einer bedrohlichen, alpinen Kulisse. Laut Bätzing ist dieses neue „romantische“ Alpenbild ebenfalls ein Zerrbild, weil die Landschaft der Alpen nicht überall schön sei, man denke etwa an Geröll- und Schuttlandschaften.

HEILE, ROMANTISCHE ALPEN-WELT

Die einsetzende Natur- und Alpenbegeisterung in den urbanen Zentren wurde auch genährt durch Veröffentlichungen wie jene des Schweizer Naturforschers Horace-Bénédict de Saussure, der als Pionier der Alpenforschung und Wegbereiter des Alpinismus gilt: Er bestieg als Erster das Klein Matterhorn und führte eine erste wissenschaftliche Besteigung des Mont Blanc durch, bei der er den Berg als höchsten Gipfel Europas vermaß.

Der frühromantische Bestseller „Julie oder Die neue Heloise“3 des Genfer Schriftstellers, Naturliebhabers und Gesellschaftskritikers Jean-Jacques Rousseau spielte eine wichtige Rolle in der Verbreitung eines neuen, naturaffinen Alpenbildes: Natur und Ursprünglichkeit als Gegenentwurf zur städtischen Welt.

Die ersten Pioniere des Tourismus kamen vor allem aus England. Die meisten Alpen-Bewohner werden das Eintreffen der ersten Touristen mit Kopfschütteln quittiert haben. Doch das neue Phänomen bot auch wirtschaftliche Chancen: Quartiergeber, Gastronomen, Bergführer, Transporteure usw. konnten damit Geld verdienen; die Tourismusindustrie entstand. Die Alpen wurden zur Projektionsfläche für das Geschäft mit der (Wochenend- und Ferien-)Massenflucht aus dem naturfernen, ungesunden, städtischen Alltag. Dabei geht das Substrat der Sehnsucht – die unversehrte Landschaft – zusehends verloren. Die heile Alpenwelt wird gerade dort, wo sie besonders wirkungsvoll ihre Anziehungskraft entfaltet, Opfer derselben.

Im späten 19. Jahrhundert entstand der Begriff der Heimatliteratur. Diese Gegenbewegung zum Naturalismus stellte der um sich greifenden Modernisierung eine heile Welt des ländlichen Raums, der Natur und der Berge mit traditionellen, moralischen Menschen gegenüber. Besonders erfolgreich war Ludwig Ganghofer, dessen Bücher Millionenauflagen erzielten, und die fortan als Modelle für unzählige, mehr oder weniger kitschige Nachahmungen dienten.

Ganghofers narrative Elemente fanden auch Eingang in „Heimatfilme“, die ab 1910 produziert wurden. Die Filme von Arnold Franck („Die weiße Hölle vom Piz Palü“, 1929) lieferten wichtige Impulse. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Heimat-Sujets in der Blut-und-Boden-Literatur und in zahlreichen Filmen ideologisch missbraucht. Die Nationalsozialisten förderten die Naturverklärung in ihrer kulturpolitischen Propaganda. Allen voran der Südtiroler Luis Trenker wurde berühmt dafür, Heimat und erhabene Bergwelt als idealisierte Projektionsfläche mit der Dekadenz des Stadtlebens zu kontrastieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam in Deutschland eine Welle an meist recht schlicht gestrickten Heimatfilmen auf, die den noch mit den Folgeschäden des Krieges kämpfenden Menschen ein wohliges, stereotypes Bild von vertrauter Heimat präsentierten.

Im Alpinismus entwickelte sich zwischen den beiden Weltkriegen ein „heroisches“ Zeitalter. In den italienischen Dolomiten wurden sehr schwierige Erstbegehungen im VI. Grad frei geklettert. Herausragend war die Besteigung der bis dahin als unbegehbar eingestuften überhängenden Nordwand der Großen Zinne im Jahr 1933. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es einen Trend zur technischen Erschließung vieler Alpenwände (mit viel Eisen versicherte Routen), der in den späten Sechzigerjahren durch ein Revival des Freikletterns abgelöst wurde. Reinhold Messner und sein Bruder Günther knüpften an die Tradition der Dreißigerjahre an und eröffneten neue Schwierigkeitsgrade, etwa am Heiligkreuzkofel in den Dolomiten (1968).

VERKEHRSERSCHLIESSUNG UND TOURISMUS

Die Alpen verhindern zweifellos „die freie Sicht aufs Mittelmeer“: Sie sind eine gewaltige Barriere im europäischen Zentrum. Die einsetzende Moderne machte sich daran, diese verkehrstechnisch zu überwinden. Auch die „Reliefenergie“ der Alpen – zur Energieerzeugung – kam ins Blickfeld. Ende des 19. Jahrhunderts begann man in Frankreich und der Schweiz mit der industriellen Erschließung der Alpen für die Energiegewinnung.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts setzte der Bau von alpinen Eisenbahnen ein. 1854 wurde die Semmeringbahn eröffnet, die erste gebirgsquerende Bahn der Welt. 1871 ging die erste Bergbahn Europas in Betrieb: auf die Rigi über dem Vier-waldstättersee. Ein paar Jahre später erreichte das Schienennetz den gegenüberliegenden Pilatus – bis heute die steilste Bahnstrecke der Welt. Mit den Bahnen kamen die Touristen, um 1900 entstanden in der Schweiz etliche Grandhotels. 1898 erreichte die Gornergrat-Bahn bei Zermatt eine Höhe von 3089 Metern. Noch höher hinauf schaffte es 1912 die Jungfraubahn mit in Europa unerreichten 3454 Metern. 1908 startete bei Grindelwald die erste Bergschwebebahn auf das Wetterhorn. Die hing noch an vier Seilen, heute schweben Seilbahnen an nur einem.

Ab den 1950er-Jahren waren die Berge selber dran: Technische Aufstiegshilfen machten steile Wände auch für Unerfahrene begehbar und der alpine Skitourismus kam auf Touren. Pisten wurden angelegt, Skilifte und Seilbahnen errichtet. Die Zahl der Skifahrer stieg rasant.

In den späten 1950er-Jahren kamen die Alpen als Hindernis für den Straßenverkehr ins Visier. Die Brennerautobahn, eine der ersten Gebirgs-Schnellfahrstrecken der Welt, wurde in den 1960er-Jahren mit gigantischem Aufwand in Beton gegossen bzw. (in Italien) durch den Fels gebohrt. Ab 1971 strömte der Verkehr. Fast zehn Jahre später, 1980, öffnete auch die Schweiz mit dem Gotthard-Straßentunnel die Schleuse für Laster und Autos.

Der Fremdenverkehr spielte auch eine Rolle für den Wiederaufbau der Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. 1948 entstand die Idee, den Tourismus durch niedrig verzinste ERP-Kredite zu unterstützen.4 Die französische Nachkriegspolitik wollte ganz Frankreich nach Savoyen in die Skiferien lotsen. Dafür musste Skifahren leistbar sein, also errichtete der Staat große Gebäudekomplexe mit vielen kleinen, billigen Wohnungen. Die ähnelten nicht zufällig den Vorortsiedlungen: Sie wurden von den gleichen Architekten geplant. In Savoyen steht heute der größte Skizirkus der Welt, Trois Vallées, mit 600 Kilometern Piste und 144 Liften. Der Drang zum „Größten“, „Höchsten“, „Schnellsten“ im Skitourismus ist ungebrochen. Ein Strudel aus Investition und Verschuldung ist entstanden – und dreht sich immer weiter. „Man ist in einer Wachstumslogik gefangen“, erklärt Verena Winiwarter, Umwelthistorikerin am Institut für Soziale Ökologie der Universität Klagenfurt.5

Mit 460 Millionen Nächtigungen pro Jahr sind die Alpen heute eine der beliebtesten Urlaubs-Destinationen weltweit. Noch in den frühen 1990er-Jahren überwog der Sommer-Tourismus, dann wurde der Winter das Zugpferd für die Branche. Doch hier stößt man zusehends an Grenzen, nicht zuletzt aufgrund des Klimawandels. Also wird verzweifelt nach Alternativen gesucht. Aber was tun mit den hässlichen Wintersport-Arealen? Wer will da noch bergwandern? Fieberhaft werden alternative Nutzungen für die vielen Seilbahnen in der zunehmend schneefreien Zeit ersonnen. Der Adrenalin-Faktor ist wichtig, meinen Marketing-Fachleute. Also kommen Downhill-Mountainbiking, Paragliding, Sommerrodelbahnen, Skywalks, Seilbrücken oder Seil-Gleitfluganlagen auf die Angebotspalette.

DIE ALPEN ALS SPASSKULISSE

Eines haben all diese „Angebote“ gemeinsam: Die Alpen werden zum Sportgerät und zur Spaßkulisse degradiert. Wichtig ist vor allem, dass ausreichend Geld an den verschiedenen Kassen und Chipkarten-Lesegeräten in der verbauten Landschaft hängen bleibt. Und die Anlagen müssen massentauglich sein.

Die Beliebtheit der alpinen Spaß- und Sporteinrichtungen ist eine der Ursachen für die wachsende Not der alpinen Ökosysteme. Das betrifft nicht nur das Skifahren, sondern auch andere Trendsportarten im sogenannten Outdoor-Be-reich. Die Alpen sind in dieser Hinsicht weltweit einzigartig: Keine andere Bergregion wird von erlebnishungrigen Menschen so beansprucht wie die Gipfel und Täler zwischen Nizza und Wien.

Früher waren vor allem Bergwandern und Bergsteigen angesagt. Die extremeren Auslegungen des Alpenerlebnisses waren einer überschaubaren Gruppe von Könnern vorbehalten. Das Streben nach Nervenkitzel und Angstlust treibt Touristiker und ihre Kundschaft immer weiter in bisher kaum berührte Naturlandschaften. Dort erhofft man sich intensive Körper- und Landschaftserlebnisse durch Canyoning, Mountainbiking, Paragliding, Rafting, Caving, Freeriding oder Klettern. Bisher kaum gestörte Orte wie Felswände, Schluchten oder Höhlen kommen mehr und mehr unter Druck.

Ein Beispiel dafür ist die „Area 47“, eine Erlebniswelt am Eingang zum Tiroler Ötztal. Der alpine Vergnügungspark macht in seinen Werbetexten klar, um was und wen es geht: „Wildwasser und Stromschnellen, steiler Fels, tiefe Gumpen und Berghöhlen ziehen dich magisch an? Mit den erfahrenen Guides der AREA 47 eroberst du das nasse Element im Raftingboot. Spürst das Herzklopfen im Hals, bevor du in der Schlucht nach unten springst. (…) Geh an deine Grenzen, mit der geeigneten Tour für Einsteiger, Familien und eingefleischte Bergabenteurer.“

Die Area 47 bietet einen 20.000 Quadratmeter großen Wasserpark. Zahlende Gäste können „Wakeboarden“ oder sich beim Blobbing oder auf der Wasserschanze austoben. Rafting auf dem Inn, Canyoning, ein Hochseilgarten oder Höhlentouren sorgen für die Steigerung des Nervenkitzels – mit Sicherheitsnetz. Fachleute haben dafür einen neuen Anglizismus erfunden: das „Thrilling“, die Lust an der Angst. Ein Urlaub muss heute mehr bieten als nur ein Urlaubsziel oder eine Sportart. Also werden bekannte Angebote „neu verpackt“ und frisch inszeniert.

Die Gebirgslandschaft allein ist nicht genug, sie wird nun „bespielt“. Um die touristischen „Produkte“ unter die Leute zu bringen, werden „Marken“ kreiert und „positioniert“. Natürlich geht es dabei um „Wertschöpfung“, also Einnahmen. Beim guten alten Wandern bzw. Radfahren und einem eher kontemplativen Naturaufenthalt verbleibt halt weniger Geld in der Gegend.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) stellt dazu kritisch fest: „Der Natur wird keine Atempause mehr gegönnt.“ Ihre Belastungsgrenzen seien aber in vielen Bereichen bereits überschritten. „Von der Eventisie-rung halten wir nichts, das sind Geschmacksverstärker, die den Blick von der Schönheit der Natur ablenken“, meint Hanspeter Mair vom Deutschen Alpenverein.6

DIE ALPEN IM KLIMASTRESS

Am stärksten sind die Veränderungen dort sichtbar, wo es am kältesten ist: beim Eis. Die Gletscher sind daher eine Art Klima-Alarmanlage. Gletscher sind fremdartige Zonen, eine Welt aus Kälte, Eis, Schutt, Lawinen, Moränenseen, reißenden Bächen und heimtückischen Spalten. Gletscher werden im Schnee geboren: Unter den meterhohen Schneeauflagen in ihren am höchsten gelegenen Bereichen verwandeln sich die Schneekristalle unter Druck in körnigen Firn, der allmählich zu Eis verdichtet wird. Aus 80 Zentimeter Schnee wird etwa ein Zentimeter Eis. Das gewaltige Eigengewicht lässt das Eis langsam abwärts gleiten. Wenn ausreichend viel Eis ausreichend schnell von oben nachschiebt, können Gletscher bis tief in die grünen Talzonen hinabreichen. Früher stießen einige der größten Alpengletscher bis in die Bergwaldzone vor. Doch dieses Phänomen ist heute auf nicht einmal eine Handvoll Gletscher beschränkt, wie den sich ausdünnenden Aletsch- und den Morteratschgletscher in der Schweiz oder das französische Mer de Glace am Mont Blanc.

So bedrohlich Gletscher wirken mögen, haben sie doch stets hilfreiche Dienste für die Bewohner der tiefer gelegenen Bereiche der Alpen geleistet. Ihr wichtigster Beitrag: Oben, in ihrem „Nährgebiet“, nehmen sie Wasser in Form von Eis auf und geben es nach vielen Jahren unten, im „Zehrgebiet“, wieder ab. Gletscher sind also gigantische Pufferspeicher, die den Winterniederschlag verzögert im Sommer in die Flüsse speisen. Diese sogenannte „Gletscherspende“ garantiert auch im Sommer eine reichliche Wasserführung in vielen großen Alpenflüssen. In heißen, trockenen Sommern, wenn der Winterschnee auf den Bergen fast vollständig verschwindet, fällt diese Wasserzufuhr dank Schmelzwasser besonders groß aus. Noch. Denn die Alpengletscher schwinden seit mehreren Jahrzehnten kontinuierlich dahin.

Bedingungen wie im extremen Hitzesommer 2003 könnten in wenigen Jahrzehnten der Normalfall sein. Dann wird der sommerliche Wassersegen der Gletscher nicht mehr für eine Linderung der Wassernot sorgen, weil die Gletscher weitgehend abgeschmolzen sein werden. Die Alpenflüsse könnten dann im Hochsommer extremes Niedrigwasser führen – bedingt durch das Ausbleiben der Gletscherspende in Kombination mit früher Schneeschmelze in den Bergen und fehlenden Niederschlägen. „Mit den versiegenden Bächen und Flüssen sinken auch See- und Grundwasserspiegel im Unterland und die erhöhte Verdunstung trocknet die Böden aus. Der Bedarf an Wasser für die Landwirtschaft steigt, aber um die Nutzung des verbleibenden Wassers entstehen ernste Konflikte.“7 Wasser werde ja auch gebraucht als Trink- und Brauchwasser, ist lebensnotwendig für Fische in Gewässern, für die Stromerzeugung und die Kühlung von Kernkraftwerken oder für das Löschen von (in Zukunft wahrscheinlich häufigeren) Waldbränden.

Der Bericht „Klimaänderung und die Schweiz 2050“ des „Beratenden Organs für Fragen der Klimaänderung“ OcCC nennt beunruhigende Zahlen: „Drei Viertel der Wasservorräte, welche in den Gletschern langfristig gebunden sind, werden alleine bis 2050 wahrscheinlich verschwinden: Dies sind etwa 40 Kubikkilometer Wasser.“8 Es sei daher zu erwarten, dass während Trockenperioden eine stärkere Konkurrenz ums Wasser entsteht.

Das Schmelzwasser aus dem vereisten Hochgebirge hat noch einen anderen Effekt: Es ist kälter und wird von entsprechend angepassten Arten bewohnt. Gletscherbäche transportieren außerdem Unmengen an Gesteinsmehl, das die zig Tonnen schweren Gletscher im Zuge ihrer Abwärtsbewegung an ihrer Unterseite vom Fels abschleifen. Diese „Gletschermilch“ setzt sich als Sediment im Flachland ab.

Gletscher und gefrorene Schutthalden (Blockgletscher) bewegen große Gesteinsmassen. Aber sie tun das langsam und meistens berechenbar. Steinschlag, Bergstürze, Lawinen, Muren und Hochwässer bedrohen Siedlungsräume stärker. „Seit der historischen Besiedlung der Gebirgsräume hat der Mensch versucht, mit diesem Risiko sinnvoll umzugehen. Er ist dabei davon ausgegangen, dass Klima und Natur in engen Grenzen relativ konstant bleiben – eine Annahme, die für die kommenden Jahrzehnte kaum mehr gelten kann.“9

Die Gletscher sind aber auch abseits ihrer technischen „Funktion“ von Bedeutung. Sie sind die weiße Krone der Alpen. Ihr Anblick lockt jedes Jahr Hunderttausende Touristen in das Gebirge. Besucher-Hotspots wie die Franz-JosefsHöhe beim österreichischen Paradegipfel Großglockner oder der Gornergrat bei Zermatt sind Schlüssel-Attraktionen. Der Pasterze-Gletscher unter den Wänden des Großglockners löst sich jedoch zusehends auf: Der kilometerlange Talgletscher ist bereits weitgehend von seinem Nährgebiet abgeschnitten. Im „Hufeisenbruch“, wo noch vor einigen Jahren bizarre Eisgebilde die steilen Talflanken überzogen, klafft jetzt eine offene Wunde aus Stein. Der Großteil des Eisbruchs ist weg. Wissenschaftler geben der unteren Pasterze nicht mehr viele Jahre; in Zukunft wird es dort nur mehr schuttbedecktes „Toteis“ geben.

In den letzten 150 Jahren haben die Alpengletscher bereits mehr als die Hälfte ihrer früheren Ausdehnung eingebüßt. In höheren Lagen, wo Felswände das Eis beschatten oder Lawinen für ausreichend Nachschub sorgen, wird sich das Eis länger halten. Aber auch hier schmilzt in heißen Sommern fast der ganze „Altschnee“ ab und das Eis ist der Sonne ausgesetzt. Wird der stolze „Glockner“, Österreichs höchster Gipfel, in ein paar Jahrzehnten ein kahler Steinberg sein?

Viele kleinere Gletscher hat dieses Schicksal schon ereilt. In Hitzesommern reicht die Auftauzone bis ganz hinauf in die Gipfelregion, unzählige Wasserfälle rauschen zu Tal. Auch in den Sommerskigebieten und an den „Gletscherstraßen“ bietet sich ein deprimierendes Bild: graues bis schwarzes Eis, unterbrochen von Plastikmatten, die wie riesige Pflaster Teile der sterbenden Gletscher länger am Leben erhalten sollen. Dazu noch die im Winter angehäuften Schneelager, die über den Sommer unter weißen Planen gebunkert werden. Im Rekord-Sommer 2003 haben die Alpengletscher 5 bis 10 Prozent ihres Volumens verloren.

Die siechen Gletscher bergen auch neue Gefahren für Bergsteiger: Spalten entstehen. Vor allem da, wo das Eis auf den benachbarten Fels trifft, tun sich meterbreite Rand-Klüfte auf. Alpine Wege müssen gesperrt oder mit Leitern versichert werden.

Der Klimaforscher Herbert Formayer vom Institut für Meteorologie an der Universität für Bodenkultur Wien bestätigt die traurige Perspektive für die alpinen Eiswelten10: „Die Gletscher sind nicht im Gleichgewicht. Auch wenn jetzt gar kein weiterer Anstieg der Emissionen mehr erfolgt, werden die Gletscherzungen ziemlich bald weg sein.“ Die Zerfallserscheinungen seien bereits überall zu sehen. Natürlich dauere es einige Zeit, bis diese 20 bis 30 Meter dicken Eismassen ganz weg sind. In den nächsten zehn bis 15 Jahren werden die großen Gletscherzungen aber weitgehend verschwunden sein, erklärt Formayer. „Ende des Jahrhunderts wird es zwar noch Gletscher geben, aber nur mehr kleine Flächen in nordseitigen Karen über 3500 Meter Höhe, die dann eher wie Schneefelder aussehen werden. Die Bilder der großen Gletscher werden wir sehr bald verlieren.“

Dass sich die Alpengletscher in einem massiven Ausmaß zurückziehen, belegt der Bildband „Gletscher im Treibhaus“ von Sylvia Hamberger und Wolfgang Zängl11 eindrucksvoll. Die Autoren haben dafür Gletscher im Sommer 2003 neu fotografiert und alten Postkarten gegenübergestellt. Die Website www.gletscherarchiv.de zeigt auch aktuellere Vergleichsfotos. Die deprimierende Bildersammlung beweist, dass sich die Gletscher der Alpen in fortschreitender Auflösung befinden, und straft all jene Lügen, die den Klimawandel als Erfindung oder Panikmache abtun.

Die Gletscherschmelze bringt noch eine weitere Gefahr mit sich: Die Hänge im Gletscherumfeld werden instabil. Noch vor 150 Jahren reichte die Gletscherzunge des Unteren Grindelwaldgletschers, die sich östlich der 3870 Meter hohen Schweizer Berg-Prominenz Eiger ins Tal bewegt, bis auf eine Seehöhe von 1000 Meter hinab. Der Ort verdankte dieser atemberaubenden Kulisse seine Popularität als Urlaubsort. Der Gletscher ist heute nur mehr ein Abklatsch seiner einstigen Pracht: Mehr als die Hälfte des Eisvolumens ist seit der Mitte des 19. Jahrhunderts den Lütschi-Bach hinuntergegangen. Statt wilder Eisbrüche ist heute ein schuttbedecktes Gletschervorfeld zu sehen. Der obere Gletscher ist in zwei Teile zerfallen, die untere Eismasse ist vom Eisnachschub abgeschnitten und dämmert als schmutziges „Toteis“ dahin.

Im Juni 2006 tat sich ein großer Spalt in einem Felsabbruch an der Ostflanke des Eigers oberhalb des Grindelwaldgletschers auf. Der Riss vergrößerte sich rasch und ein Teil der Wand löste sich vom Berg. Am 13. Juli stürzten 600.000 Kubikmeter Fels auf den darunter liegenden Rest des Gletschers. Der zurückweichende Grindelwaldgletscher hatte den Felswänden ihre Stabilität genommen. Früher fixierten die Eismassen die Felspartien als eine Art Widerlager. Durch den Rückzug des Eises kommt es zu einer „Entspannung im Fels und Druckentlastungsklüfte tun sich auf“, erklärt Gletscherforscher Wilfried Haeberli.12 In die Risse eindringendes Schmelz- und Regenwasser kann das Gestein sprengen, wenn es wieder friert.

Mit Vor-Ort-Messungen, Fernerkundungstechniken und Modellrechnungen haben Michael Zemp, Wilfried Haeberli und ihre Kollegen von der Universität Zürich die jüngere Geschichte und die Zukunft der Alpengletscher analysiert. Ihre Berechnungen haben ergeben, dass die Alpen bis zum Ende des Jahrhunderts fast völlig eisfrei sein könnten.13 Eine durchschnittliche Erwärmung der Sommertemperaturen um drei Grad könnte die heute noch bestehende alpine Gletscherdecke bis auf 10 Prozent der Gletscherausdehnung von 1850 reduzieren. Bei einer Temperaturerhöhung von fünf Grad würden die Alpen fast vollständig eisfrei sein. Nur jenseits der 4000-Meter-Marke könnten Eisreste der zunehmenden Hitze trotzen.

Nachdem 90 Prozent aller Alpengletscher kleiner als einen Quadratkilometer sind, werden die meisten Gletscher in den europäischen Alpen wohl bereits in den kommenden Jahrzehnten verschwinden. Auch kleine Gletscher und Eisfelder können Probleme verursachen, wenn sie sich auflösen: Zieht sich das Eis zurück, legt es große Mengen Schutt frei, die bei starken Niederschlägen als Muren zu Tal gehen können.

UNBERECHENBARER PERMAFROST

In den Alpen gibt es große Mengen Eis, die nicht so sichtbar sind wie die Gletscher: der Permafrost. Darunter versteht man dauerhaft gefrorenen Boden und Gesteinsuntergrund, der nur im Sommer oberflächlich auftaut. Der dauerhafte Frost im Untergrund entsteht, wenn die lokale Lufttemperatur im Jahresmittel unter null Grad bleibt. In kalten Regionen wie Sibirien oder der nordamerikanischen Tundra sind riesige Flächen unterirdisch gefroren. In den Alpen liegen nur bestimmte Gebiete permanent unterhalb des Gefrierpunkts. Permafrost macht Fels- und Schuttpartien im Hochgebirge wasserdicht und erhöht so ihre Stabilität. Dieser andauernd gefrorene Untergrund kann Hunderte Meter tief reichen, vor allem in hohen Bergregionen mit schattigen und kalten Flanken und Felswänden. Doch das große Schmelzen dringt bis tief in das Gestein vor. Der Kitt der Berge taut auf.

Laut Karl Krainer vom Institut für Geologie und Paläontologie an der Universität Innsbruck kann Permafrost in drei Formen auftreten: als Blockgletscher (sich zu Tal bewegende, im Inneren gefrorene Schuttmassen), als Permafrost in Lockergestein und als Permafrost in Festgestein (Spaltenfrost). Blockgletscher sind lappen- oder zungenförmige Gebilde aus Lockergestein, die gletscherähnlich langsam zu Tal kriechen. Allein in Nordtirol gibt es mehr als 500 aktive Blockgletscher. Wenn Spaltenfrost oder Blockgletscher auftauen, gerät das Gestein in Bewegung. Steinschlag, Felsstürze oder Felslawinen können die bedrohliche Folge sein.

Der Hitzesommer 2003 zeigte, was vermutlich im großen Stil auf die Alpen zukommt: Aufgrund von Steinschlag und Bergstürzen mussten Wege und Hütten gesperrt werden. Die Lobbia-Hütte in der italienischen Adamello-Gruppe wurde evakuiert.14 Am 15. Juli 2003 herrschte (wie stets zu dieser Jahreszeit) am Matterhorn Hochbetrieb. Gegen 10.30 Uhr brachen am Hörnligrat etwa 1000 Kubikmeter Fels ab. 84 Bergsteiger mussten von der Bergrettung mit Hubschraubern in Sicherheit gebracht werden. Das Matterhorn wurde gesperrt.15 Auch der Normalweg auf den Mont Blanc war in diesem Extremsommer für Bergsteiger gesperrt, Bergstürze sowie Eis- und Steinschlag waren an der Tagesordnung. Am 7. August kamen vier Personen auf Europas höchstem Berg durch Steinschlag ums Leben, 40 Bergsteiger wurden mit Hubschraubern ausgeflogen. Auftauender Permafrost gefährdete selbst den Gipfel des Hohen Sonnblicks mit dem historischen meteorologischen Observatorium auf 3105 Meter Seehöhe. Durch Auftauprozesse in der Gipfelpyramide verlor der stark zerklüftete Fels an Stabilität und der Gipfel drohte abzustürzen. Mit langen Stahlankern wurde der Berg aufwendig wieder zusammengeschraubt.

Auch schmelzende Blockgletscher steigern ihre Talwärtsbewegung. Die Geografin Isabelle Roer von der Universität Zürich berichtete, dass sich untersuchte Blockgletscher im Engadin zwischen zehn und 50 Zentimeter im Jahresmittel bewegten. „Doch seit den Neunzigerjahren gleiten die Blockgletscher viel schneller zu Tal. Nahe Zermatt sind es inzwischen zweieinhalb Meter pro Jahr. Im Hitzesommer 2003 rückten die Eis- und Schuttströme sogar bis zu sieben Meter vor.“16

Diese Bewegungen können auch Infrastrukturen gefährden. Im Tiroler Kaunertal war man schon mit solchen Problemen konfrontiert, weil dort eine Straße durch einen Blockgletscher gebaut worden war. Starkniederschläge, wie sie durch den Klimawandel vermehrt zu erwarten sind, können diese aufgetauten, labilen Zonen mobilisieren und Muren auslösen. Auch wenn sich Eis- und Blockgletscher meist weit weg von Siedlungen befinden, können Murengänge weit ins Tal vorstoßen.

Forschergruppen aus allen Alpenländern haben nun ein einheitliches Messnetz ins Leben gerufen, mit dessen Hilfe die Temperaturentwicklung des Permafrosts in den Alpen kontinuierlich überwacht werden soll. Für Österreich wurde im Rahmen des Programms permAT17 untersucht, welche Skigebiete, Stauseen und Berghütten von „vorhandenen“ oder „wahrscheinlichen“ Permafrostvorkommen betroffen sein könnten. Dabei hat sich gezeigt, dass besonders die Ötztaler, Stubaier und Tuxer Alpen sowie Teile der Hohen Tauern mit Problemen rechnen müssen.

AUS FÜRS SKIFAHREN UNTER 1200 METER?

Ganze zwei Millimeter Niederschlag fielen im Schweizer Mittelland im gesamten Dezember 2016. Normal sind drei Millimeter – pro Tag. Es war der trockenste Dezember seit Beginn der Messungen im Jahr 1864. Auch in höheren Lagen blieb es ungewöhnlich trocken, obendrein war es dort drei bis vier Grad wärmer als üblich. Viele Skigebiete mussten mit Kunstschnee nachbessern, um wenigstens einen Teil der Pisten befahrbar zu machen.

Eine Studie von Forschern um Christoph Marty vom Schweizer Schnee- und Lawinenforschungszentrum SLF in Davos zeigt18, was in der Alpenregion zu erwarten ist, wenn der Klimaschutz nicht massiv zulegt: Zum Ende des Jahrhunderts könnte es um 70 Prozent weniger Schnee geben (unter 1000 Meter). Das Trend-Szenario (A2) zeigt eine Abnahme der Schneebedeckung von 50 Prozent selbst in Höhen über 3000 Meter. Die am stärksten betroffenen Gebiete liegen unter 1200 Meter, wo die Simulationen fast keinen Schnee gegen Ende des Jahrhunderts mehr zeigen. Für niedrig gelegene Skigebiete könnte es daher sehr eng werden: Zwei von drei Pisten in den bayerischen Alpen liegen niedriger als 1200 Meter, in Österreich befindet sich nur ein Drittel der Skigebiete auf 1500 Meter und höher. Die Simulationen der Schweizer Forscher haben auch ergeben, dass die Schneesaison im Jahr 2035 durchschnittlich um ein bis zwei Monate später beginnen und bis zu einen Monat früher enden wird als derzeit.

In 80 Jahren könnten somit nur mehr Skigebiete über 1800 Meter überleben, für die anderen wird der Winter zu knapp. Der sogenannte „Christmas-Easter-Shift“ (Verschiebung der Saison in Richtung Ostern) wird an Grenzen stoßen: Künftig könnte der Schnee schon im März geschmolzen sein. Die Klimazonen verlagern sich bis 2035 um 200 bis 500 Meter nach oben, bis 2085 um 700 bis 1000 Meter. So viel Schnee, wie heute auf 1200 Meter liegt, wird dann erst in 2000 Meter Höhe zu finden sein. Wenn es der Weltgemeinschaft gelingt, das Zwei-Grad-Klimaschutzziel einzuhalten, was derzeit wenig wahrscheinlich ist, könnte sich der Schneerückgang bei rund minus 30 Prozent zum Ende des Jahrhunderts stabilisieren.

Tourengeher werden deshalb in Zukunft immer weiter hinaufsteigen müssen. Und das birgt neue Gefahren: Lawinen. In den Alpen sterben jetzt schon jährlich mehr als 100 Menschen in Lawinen. 2010 waren es 147. Mit einer weiteren Zunahme ist zu rechnen. Besonders gefährlich sind Nassschneelawinen; die kamen bislang eher in tieferen Lagen unter 1000 Meter vor. Die gefährlichen, schweren Schneemassen werden in Zukunft durch den Klimawandel auch in größeren Höhen ein Thema sein. Nasser Schnee ist bis zu zehnmal schwerer als trockener Schnee, die Lawinen sind entsprechend gefährlicher.

STRESS FÜR DIE VEGETATION: BRÄNDE UND HÖHENWANDERUNG

Auch wenn die „Sommerfrische“ am Berg in Zukunft ein Revival erleben dürfte – die Urlaubsidylle im Gebirge und an den Alpenseen könnte durch den Klimawandel getrübt werden. Bei langen Hitzeperioden ist nämlich mit häufigeren und schwereren Waldbränden zur rechnen.

Gegen Ende der Sommerhitzewelle 2003 verursachte ein Brandstifter einen verheerenden Waldbrand oberhalb von Leuk im Schweizer Kanton Wallis. Aufkommende Bergwinde sorgten für eine Ausbreitung des Brandes auf einen 500 bis 1000 Meter breiten Streifen bis hinauf an die Waldgrenze. 300 Hektar Wald, inklusive 70 Hektar Schutzwald, brannten in nur einer Nacht ab. Es schwelte mehr als zehn Tage lang. Ohne Helikopter hätte dem Feuer kaum etwas entgegengesetzt werden können. Die Löscharbeiten konnten erst drei Wochen später völlig eingestellt werden. Zum Glück gab es keine Toten oder Verletzten, berichtet die Studie „Leben mit Waldbrand“.19

Im Vergleich zum Mittelmeerraum treten Waldbrände in den Alpen (noch) eher selten und weniger großflächig auf. Wenn extreme Hitzeperioden in Zukunft vermehrt eintreten, wird es aber auch hier öfter zu Großbränden kommen, besonders in trockenen Lagen. Im Zusammenwirken mit dem Mangel an Schmelzwasser könnte das zu gefährlichen Situationen führen. Die Studie kommt zum Schluss, dass „in inneralpinen Trockentälern, zum Beispiel im Rhonetal und Engadin“, die Waldbrandgefahr „wegen der Zunahme von Dürren im Sommer drastisch zunehmen wird“. Doch auch bisher feuchtere Bereiche werden in Hitzesommern ein gesteigertes Brandrisiko haben.

Die Erwärmung wird auch den kälteliebenden Pflanzenarten des Hochgebirges zusetzen: Sie müssen nach oben ausweichen. Doch diese Flucht nach oben trifft unweigerlich auf eine Grenze: Am Gipfel ist Schluss. Sollte es zu einer durchschnittlichen globalen Erwärmung um drei Grad in den nächsten 100 Jahren kommen, ist nach Angaben der Alpenschutzkommission CIPRA20 eine Verschiebung der Vegetationszonen von ca. 600 Kilometern von Süd nach Nord bzw. eine vertikale Verschiebung um ca. 600 Höhenmetern zu erwarten. Da sich die meisten Gehölze aber nur mit einer Geschwindigkeit von etwa 100 Kilometern in 100 Jahren ausbreiten, viele alpine Arten nur mit 50 Höhenmetern bzw. einzelne Grasarten gar nur mit vier Metern in 100 Jahren bewegen, werden viele Arten dem raschen Temperaturwandel nicht folgen können.

Der Wald stößt in höhere Lagen vor, Schäden in Fichtenwäldern in Tallagen durch Borkenkäfer nehmen zu. Laubwälder breiten sich aus. In sehr heißen Sommern kämpfen die meisten Baumarten mit Trockenheit. Weil sich die Wuchsbedingungen für etliche Baumarten im immer unwirtlicheren, hitze- und trockenheitsgeplagten Tiefland verschlechtern, werden die Alpen bei einem starken Temperaturanstieg als „Refugium für den Wald“ an Bedeutung gewinnen, erklärt Georg Gratzer, Waldökologe an der Universität für Bodenkultur Wien.21

Die Alpen sind die „floristisch reichhaltigste Region Mitteleuropas“. Die „Flora alpina“ zählt laut CIPRA 4491 Pflanzenarten, von denen 501 nur hier vorkommen. Durch die Höhenwanderung der Vegetationszonen sind 45 Prozent der alpinen Arten bis 2100 vom Aussterben bedroht.

„Wir sind mitten im Klimawandel. Ein weiterer Temperaturanstieg von etwa ein bis zwei Grad bis zur Mitte des Jahrhunderts kann nicht mehr verhindert werden, weil das Klima sehr träge auf die bisherigen Emissionen reagiert“, erläutert der Klimaforscher Herbert Formayer.22 „Wir haben ja schon eine massive Erwärmung hinter uns. Seit den Siebzigerjahren ist es schon um etwa zwei Grad wärmer geworden. Und das hat unsere Umgebung noch nicht verdaut. Die Natur hat nicht nachgezogen.“

REICHT DAS PARISER KLIMAABKOMMEN?

Am 12. Dezember 2015 feierte die Welt den Durchbruch bei der Klimakonferenz in Paris: Ein neuer Weltklimavertrag wurde nach heftigem Ringen doch noch unterzeichnet. Erstmals vereinbarten Industrie- und Schwellenländer, gemeinsam gegen den Klimawandel vorzugehen. Alle teilnehmenden Staaten sind nun völkerrechtlich verpflichtet, ihren nationalen Klimaschutzbeitrag zu definieren und Maßnahmen zu dessen Umsetzung zu ergreifen.

Ziel des Vertrags ist es, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad (bezogen auf das vorindustrielle Niveau) zu beschränken, wobei 1,5 Grad angestrebt werden. De facto geht es aber darum, die Erwärmung bei einem weiteren Anstieg von einem Grad ab heute zu stabilisieren. Um das zu erreichen, müssen die weltweiten Treibhausgasemissionen in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts auf null reduziert werden. Das bedeutet, dass ab 2050 keine klimaschädlichen Gase mehr ausgestoßen werden dürfen, die nicht wieder durch sogenannte „Senken“, zum Beispiel Wälder, aus der Atmosphäre aufgenommen werden. Und die Industriestaaten müssen den Entwicklungsländern unter die Arme greifen.

Doch sind diese Ziele überhaupt ausreichend?

Im September 2016 warnte ein Team von Top-Wissenschaftlern die Weltgemeinschaft, dass „sie damit aufhören sollte, sich mit dem Paris-Abkommen selbst zu gratulieren“, weil die globalen Temperaturen wahrscheinlich bereits in 35 Jahren gefährliche Werte erreichen werden. Sie legten einen Kurzbericht vor, wonach die Welt schon um 2050 den heiklen Wert von ein Grad Erwärmung überschreiten könnte, sollten die Emissionen nicht stärker gekürzt werden. Sir Robert Watson, Professor an der University von East Anglia und ehemaliger Leiter des UNO-Weltklimarats, betont: „Wenn ihr Regierungen es wirklich ernst meint, dann müsst ihr viel, viel mehr tun.“23

Die Klimamodelle berücksichtigen bis jetzt vor allem die bekannten Emissionen von Treibhausgasen, vor allem CO2. Wissenschaftler warnen aber davor, dass sich die Klimaerhitzung beschleunigen könnte, wenn es zu sogenannten „Kippeffekten“ („tipping points“) kommt. Damit sind „Rückkopplungen“ gemeint, etwa Methangase, die wegen der Erwärmung verstärkt aus dem auftauenden Permafrostboden Sibiriens entweichen. Methan ist um ein vielfaches klimawirksamer als CO2 und könnte das Klimasystem noch mehr ins Wanken bringen.

„Die tipping points sind das größte Problem“, bestätigt Herbert Formayer. „Nicht, was wir wissen, ist die Crux, sondern was wir nicht wissen. Da könnten Entwicklungen eintreten, wo wir nicht wissen, wie sich das Klimasystem verhalten wird. Dieses Problem können wir mit den Klimamodellen aber nicht abbilden, weil die werden dann so instabil, dass das nicht mehr glaubwürdig ist.“ Ein solches Worst-Case-Szenario wäre für die Alpen noch viel verheerender.

Im Alpenraum ist der motorisierte Straßenverkehr mit Abstand der größte Emittent von Treibhausgasen. Das gilt für den Lkw-Transit ebenso wie für den Freizeit- und Binnenverkehr. Die Zersiedelung und die wuchernden Shoppingwelten an den Ortsrändern tragen wesentlich zum Problem bei. Auch die künstliche Beschneiung und die Urlaubsmobilität sind riesige Energieverbraucher. Ein Teil des Klimaproblems ist also hausgemacht. Und die Alpenländer haben ihre „Hausaufgaben“ in Sachen Klimaschutz längst nicht gemacht.

Touristiker wissen um die Bedeutung des Schnees für ihr Geschäft. Ohne die „Magie“ des weißen Winters kollabiert das milliardenschwere Wintergeschäft in seiner aktuellen Form. Seilbahnbetreiber und Groß-Hoteliers müssten demnach längst die Klimaschutz-Bewegung anführen und in Washington demonstrieren, um Präsident Donald Trump zur Abkehr von seiner ignoranten Klimapolitik zu bewegen. Aber das ist aus heutiger Sicht nicht einmal in den kühnsten Vorstellungen denkbar.

BEDROHTE ALPENWÄLDER

Um 5000 v. Chr. bot das steirische Ennstal einen völlig anderen Anblick als heute: Ein fast lückenloser grüner Teppich aus Wald überzog das Tal bis zur Baumgrenze. Am Talboden breiteten sich große Hoch- und Niedermoore aus. Die waren schwer zu passieren und voller Schlangen und Bären. Der Ennsfluss nahm sich viel Platz und bildete Mäander. Aus dem Waldmeer ragten die Gerippe toter Nadelbäume. Die Wälder bestanden vor allem aus Fichten und Tannen, an den Südhängen wuchsen Mischwälder mit Buchen und Ahorn. Die Baumgrenze bildete ein Filz aus Latschen mit Fichten, Zirben und Lärchen. Oberhalb waren baumlose alpine Rasen und schneegefleckte Felslandschaften zu sehen.

Die Ansicht der Alpen hat sich seitdem gründlich verändert: Die Talböden sind heute Wiesen und mehr oder weniger stark verbaut. Auf den Hängen wachsen vor allem Fichtenforste, die teilweise aufgrund von Sturmschäden und Abholzungen bereits große Lücken aufweisen. Und die Baumgrenze liegt tiefer als seinerzeit, weil Teile der Wälder gerodet wurden, um die alpinen Rasen für die Almweiden auszuweiten. Ein Blick ins Ennstal im Jahr 2017 zeigt eine Kulturlandschaft. „Wildnis“, als vom Menschen nicht maßgeblich beeinflusste Zonen, gibt es nur mehr ganz oben.

Wälder prägen unser Alpenbild genauso wie Gipfel, Gletscher oder Almwiesen. Auf romantischen Gemälden finden sich oft knorrige Bäume vor hochalpinen Panoramen. In Alpen-Bildbänden werden romantische Ansichten alter Wälder im Winterweiß oder in magischen Lichtstimmungen präsentiert. Bergwald steht für die meisten Menschen für Natur und Unverfälschtheit. Die Tourismus-Werbung lockt mit Worten wie „urig“ oder „pur“. Doch das ist ein Irrtum. Die Wälder der Alpen sind fast zur Gänze das Resultat menschlicher Nutzung.

Schon vor Tausenden von Jahren wurden erstmals Wälder abgeholzt, um Platz für Siedlungen zu schaffen oder um Bauholz und Brennstoff zu gewinnen. Ausgehend von den Siedlungen wurde weiter im Wald eingeschlagen und das Vieh in die Wälder getrieben, was zu deren Auslichtung führte.

Die Waldnutzung im Gebirge war mit immensen Anstrengungen und Gefahren verbunden und forderte unzählige Todesopfer. Um das Holz ins Tal zu bringen, nutzte man steile Hänge und Abgründe, hölzerne Gleitrinnen (Holztriesen) und die Kraft des Wassers: Mithilfe von Klausen (Stauanlagen) wurden künstliche Wasserschwalle erzeugt, mit deren Wucht die Holzstämme über weite Strecken talwärts transportiert werden konnten. Flussabwärts wurden Flöße eingesetzt.

Durch „Streunutzung“ (Entnahme von Laub und Nadeln) kam den Wäldern viel Biomasse abhanden. Das führte teilweise zu schweren Waldschäden. Erst im 19. Jahrhundert erkannte man die Bedeutung von Laub und Nadeln für die Nährstoffversorgung der Wälder.

Holz war jahrhundertelang die einzige Energiequelle in den Alpen. Erst im Zuge der industriellen Revolution wurde es durch fossile Brennstoffe ersetzt. Das galt insbesondere für das frühkapitalistische Großgewerbe wie die Montanindustrie und die Salzproduktion: In den Alpenländern war die Holz-Nachfrage so gewaltig, dass mancherorts alle ursprünglichen Wälder abgeholzt wurden. Sogar Wertholz inklusive stattlicher Lärchen und Zirben wanderte in die Kohlenmeiler oder wurde als Hallholz für die Sudpfannen der Salinen verbrannt.

In der Folge kam es zu Konflikten zwischen der bäuerlichen Holznutzung zur Selbstversorgung und dem starken herrschaftlich-industriellen Holzbedarf, besonders für die Eisen- bzw. Waffenherstellung. Die industriellen Ansprüche setzten sich durch. Das wirkte sich in einem starken Anstieg der großflächigen Nutzungen aus, vor allem im Nahbereich von industriellen Betrieben.

Seit rund 300 Jahren stellen sich die Wälder der Alpen überwiegend als intensiv genutzte Forste dar, in denen meist mit flächigen Einschlägen („Kahlschlägen“) und nachfolgenden Aufforstungen gewirtschaftet wird. Weil oft mit schnell wachsenden Fichten, dem „Brotbaum der Forstwirtschaft“, aufgeforstet wurde, dominieren heute vielerorts gleichaltrige Reinbestände dieser nordischen Nadelbaumart. Das hat zum Rückgang der Artenvielfalt im Wald geführt, die Böden verarmt und die ökologische Stabilität reduziert. Homogene Bestände sind anfälliger für Stürme und Insekten-Invasionen. Diese „Stangenwälder“ werden von vielen Menschen zudem als hässlich empfunden.

In den Alpen gibt es heute kein einziges ursprüngliches, größeres Wald-Tal mehr. Die einstigen Alpenurwälder sind heute auf eine Fläche von einigen hundert Hektar geschrumpft. Naturwälder, also vor langer Zeit einmal genutzte Wälder, gibt es glücklicherweise mehr.

WOOD WIDE WEB: DAS NETZWERK DES WALDES

Im südlichen Niederösterreich wächst seit 6000 Jahren der gut 300 Hektar große Rothwald, der letzte große Alpenurwald. Er liegt in der streng geschützten Kernzone des „Wildnisgebiets Dürrenstein“ und darf nur von Wissenschaftlern betreten werden.

Einem 450 Jahre andauernden Grenzkonflikt zwischen zwei Klöstern und dem unzeitgemäßen Verhalten von Albert Rothschild ist es zu verdanken, dass dieser Wald nie kahlgeschlagen wurde. Rothschild hatte das Anwesen im Jahr 1875 erworben. Zu dieser Zeit waren die Wälder der Alpen für die einsetzende Industrialisierung schwer verwüstet, die Berge weitgehend kahlgeschlagen, in den Tälern stapelte sich das Holz.

Rothschild beschloss, den wilden Wald fortan zu schützen. Damit machte er sich allerdings zum Gespött seiner Zeitgenossen, die ob seiner weltfremden Naturliebe den Kopf schüttelten. Die Forstakademie Marienbrunn (Wien) veranstaltete im Jahr 1869 eine Exkursion in den Urwald. Im einem Bericht darüber heißt es: „Nicht ungezügelte Üppigkeit in ungeschwächter Urkraft, eingehüllt in rauschende Duftfülle, romantischer Gestaltenreichtum und Lebensfrische, sondern Leichenhof, gebrochene Kraft, Verfall und Modergeruch … Verkommenheit, wie überall dort, wo die ordnende Hand des Menschen nicht hinkommt!“24

Natürlich ist der Rothwald nicht „verkommen“. Im Gegenteil. Dieser wilde Wald ist eine regelrechte Explosion des Lebens. Reinhard Pekny arbeitet als Ranger im Wildnisgebiet und führt Fach-Exkursionen in das Naturreservat. – Es ist ein wolkenverhangener Frühlingstag. Die Laubbäume leuchten in frischen Grüntönen. Wir betreten eine Anders-Welt des Riesenwuchses, der Formen- und Gewächsvielfalt, der Moose, der Pilze und des Totholzes. Es ist ein wenig wie der Übergang in ein Fantasy-Reich. „Wälder“, erklärt der Ranger, „bestehen nicht nur aus Bäumen. Wälder verbinden den Boden, die Erde, mit dem Himmel.“ Und die verborgene Welt des Waldbodens ist faszinierend – und weitgehend unbekannt.

Die Waldökologie-Professorin Suzanne Simard vom Forest Science Center an der Universität von British Columbia (Kanada) beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Erforschung dieser unbekannten Sphäre unter unseren Füßen. Einst hatte sie in Aufforstungsprogrammen nach Kahlschlägen in der kanadischen Forstwirtschaft gearbeitet. Da war ihr aufgefallen, dass die wenigen üblicherweise angepflanzten Setzlinge in vielen Fällen nicht gut wuchsen. Sie sahen anders aus als ihre „wilden“ Artgenossen in den Urwäldern von British Columbia, in denen sie aufgewachsen war. Die Bäumchen waren oft mickrig und krank. Als sie dann Wissenschaftlerin wurde, ging sie daran, dieses Phänomen zu erforschen. Sie fand heraus, dass Bäume schwächer und anfälliger für Insektenangriffe wurden, wenn man sie aus ihrer Baumgemeinschaft entfernte und sie dann sozusagen allein aufwachsen ließ. In der Film-Doku „Intelligent Trees“25 berichtet sie, wie sie sich mit dem System der Mykorrhizapilze im Waldboden zu beschäftigen begann.

Mykorrhiza bedeutet in etwa „verpilzte Wurzel“, eine Wurzel also, die vom mikroskopisch kleinen Fadengeflecht eines Mykorrhizapilzes besiedelt und umhüllt ist. Alle natürlichen Baumarten der Erde sind mit Mykorrhizapilzen vergesellschaftet. Pilze und Bäume unterhalten Austauschbeziehungen untereinander. Die Pilze können sich über mehrere Quadratkilometer ausbreiten. Sie versorgen „ihre“ Bäume mit Nährstoffen und Wasser, die sie aus dem Boden aufnehmen. Die Bäume geben im Gegenzug bis zu einem Drittel ihrer Zuckerproduktion an die Pilze ab. Ein Löffel voll Erde kann mehrere Kilometer Pilzfäden enthalten.

Bei der Kartierung von Wäldern zeigte sich, dass alle Bäume mithilfe der Pilze in einem riesigen Netzwerk verbunden sind. Dieses wird mittlerweile auch in der Fachwelt als „Internet des Waldes“ bezeichnet.

Simard injizierte eine schwach radioaktive Markersubstanz (Kohlenstoff-Isotope) in Bäume und fand diese Kohlenstoffmoleküle wenig später auch in Nachbarbäumen. Der Austausch erfolgte unterirdisch, über das Wurzel-Pilznetzwerk. Und es stellte sich heraus, dass auch andere Moleküle über das Pilz-Netzwerk hin- und herwandern. „Das gab uns ein rudimentäres Verständnis von der Sprache der Bäume“, sagt sie. Man könne sich dieses Netzwerk auch als „Marktplatz“ vorstellen, wo Nahrung angeboten oder nachgefragt wird.

Bisher war die vorherrschende Ansicht, dass Bäume zueinander in einem Konkurrenzverhältnis um Licht, Wasser und Nahrung stehen und dass nur die „stärksten“ überleben. Doch dies dürfte nicht zutreffen: Bäume kooperieren und unterstützen einander. Simard konnte nachweisen, dass selbst grundverschiedene Arten wie Birken und Tannen einander helfen: Im Sommer versorgen die Birken die eher im Schatten wachsenden Tannen, im Winter revanchieren sich die immergrünen Tannen und liefern den entlaubten Birken Nährsubstrate.

Peter Wohlleben, Ökoförster und bekannter Buchautor in Deutschland, meint, dass sich Bäume „fast bedingungslos“ unterstützen: „Die Schwächsten werden von den Starken unterstützt.“ In der Wald-Gemeinschaft würden sie auch das Mikroklima regulieren. Wohlleben bezeichnet das als „Baum-Kommunismus“, weil das Individuum nicht so wichtig ist wie die Gemeinschaft. Er erzählt von „befreundeten“ Bäumen, die ihre Äste voneinander weg wachsen lassen, um sich nicht ins Gehege zu kommen, und denen der Lebenswille abhandenkommt, wenn der „Freund“ stirbt. Die Wurzeln dieser „Baumfreunde“ sind massiv miteinander verflochten. „Für die Bäume ist es ein Desaster, wenn das soziale Netzwerk kollabiert“, erklärt der Förster.26

Die wichtigste Rolle in diesem „wood wide web“ spielen die größten und ältesten Bäume. Diese „Mutterbäume“ weisen die intensivste Vernetzung mit den meisten Verbindungen auf. Die jungen Bäume werden von den alten versorgt und wachsen in deren Umgebung auf. Sie werden offenbar regelrecht „erzogen“: Untersuchungen haben gezeigt, dass Altbäume über Licht-Zugeständnisse und Nährstoffe das Wachstum der Kleinen beeinflussen. Enger „verwandte“ Altund Jungbäume unterhalten intensivere Austauschprozesse als einander „fremde“, erklärt Simard. Das konnte in Experimenten belegt werden.

Der Wald ist also eine innig verbundene Gemeinschaft; daher ist es für Wälder wichtig, als Ganzes, also mit möglichst vielen Individuen, zu überleben. Wenn Wälder großflächig abgeholzt und mit (anderen) schnell wachsenden Baumarten aufgeforstet werden, erhält man große Flächen mit vereinzelten Bäumen, Waisenkindern quasi, die ohne sorgende Mutterbäume und den Schutz der Wald-Kooperative aufwachsen müssen. Suzanne Simard meint daher, es sollten niemals zu viele Bäume gleichzeitig entfernt werden. Da Altbäume besonders viele Verbindungen zu anderen Bäumen unterhalten, sind sie gewissermaßen Knoten oder „hubs“, spielen eine Schlüsselrolle in der Aufrechterhaltung des Wald-Netzwerkes und damit für die Waldgesundheit. Wenn zu viele Altbäume gleichzeitig umgeschnitten werden, kollabiert das Netzwerk. Daher ist es wichtig, ausreichend Mutterbäume im Wald zu belassen.

Diese Erkenntnisse haben große Bedeutung für die Forstwirtschaft, besonders in ökologisch sensiblen Räumen wie den Alpen: Kahlschläge sollten schlichtweg unterbleiben. Aber in vielen Alpenwäldern stehen diese nach wie vor auf der Tagesordnung – wenn auch in kleineren Dimensionen als in Kanada. Eine ökologisch „nachhaltige“ Forstwirtschaft sollte demnach das Prinzip des minimalen Eingriffs verfolgen und urwaldähnliche Strukturen im Wald aufrechterhalten oder schaffen. Dazu gehören Altbäume und Totholz, die standortgerechte Vielfalt der Baumarten und die Ungleichaltrigkeit der Bäume. Suzanne Simard stellt klar, dass das nicht bedeute, dass Wälder nicht mehr genutzt werden dürfen.27 Sie müssen aber weniger intensiv genutzt werden.

Die Forschungsergebnisse von Simard legen auch nahe, möglichst mit dem natürlichen Nachwuchs zu arbeiten und keine Setzlinge aus Baumschulen zu verwenden. Denn wenn in Laubwaldgebieten mit Fichten oder gar mit Exoten wie Douglasie aufgeforstet wird, fehlen die mit diesen Bäumen verbundenen Mykorrhiza-Netzwerke im Boden. Geschwächte, störungsanfällige und wenig widerstandsfähige Forste sind die Folge.

Die Resultate einer drei Jahrzehnte währenden Untersuchungsreihe aus dem Schweizer Pilzreservat La Chanéaz (Kanton Freiburg) zeigen „auffällige Veränderungen in der Artenzusammensetzung der Pilzflora: die Mykorrhizapilze haben im Verhältnis zu den übrigen Waldpilzen deutlich abgenommen.“28 Diese Entwicklung sei „beunruhigend, weil Mykorrhizapilze im Ökosystem Wald wichtige Funktionen erfüllen“. Nach Kahlschlägen oder auf leergefegten Sturmschadenflächen würde man in den nachfolgenden Jahren keine Fruchtkörper von Mykorrhizapilzen mehr finden, weil die Pilze nicht mehr von den baumeigenen Kohlenhydraten versorgt werden.

„Unzählige Gewächshausexperimente“ würden beweisen, dass Pflanzen mit Mykorrhizapilzen besser wachsen und stresstoleranter sind als Pflanzen ohne Mykorrhizapilze: „Ein nachhaltig genutzter Wald mit einer großen Baumartenvielfalt ist eine unabdingbare Voraussetzung für den Erhalt einer hohen Diversität an Waldpilzen.“ Fazit des Berichts: „Eine hohe Diversität an Mykorrhizapilzen ist eine Voraussetzung für einen gesunden Wald. Ganz nach dem Motto: ohne Wald keine Pilze – ohne Pilze kein Wald.“

Nun, was hat diese Pilz-Geschichte in einem Alpenbuch zu suchen? Wälder sind ein enorm wichtiger Faktor für die Bewohnbarkeit der Alpen: Sie schützen Täler, speichern Wasser, beeinflussen das lokale Klima, filtern die Luft, speichern Kohlenstoff, liefern Rohstoffe, bieten Lebens- und Erholungsraum und sind eine Ressource für die Wirtschaft. Daher müssen sie mit der größtmöglichen Sorgfalt und Rücksicht behandelt werden.

In den vergangenen Jahrhunderten wurden die alpinen Wälder aber großflächig regelrecht misshandelt. Ein Großteil der Gebirgswälder wurde mehrmals kahlgeschlagen und danach meist mit schnell wachsenden Baumarten wie Fichten und Kiefern bepflanzt. Die Wurzel-Pilz-Netzwerke sind daher vermutlich großflächig schwer gestört.

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