Kitabı oxu: «Wissenschaftliches Arbeiten»

Kohlhammer Executive Education
Herausgegeben von Dieter Wagner, Stephan A. Rehder und Roya Madani
Meike Gerstmann
Dieses Werk wurde im Rahmen des Projektes »QUP – Qualifizierung – Unterstützung – Professionalisierung zur Gestaltung des demografischen Wandels« entwickelt. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Initiative »Aufstieg durch Bildung: Offene Hochschulen«. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei der Autorin.
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1. Auflage 2021
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-037868-1
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-037869-8
epub: ISBN 978-3-17-037870-4
mobi: ISBN 978-3-17-037871-1
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Inhaltsverzeichnis
1 Abbildungsverzeichnis
2 Tabellenverzeichnis
3 1 Wissenschaftlich arbeiten im Bereich Executive Education
4 2 Wissenschaftstheoretische Grundlagen
5 2.1 Begriff und Aufgabe der Wissenschaft
6 2.2 Begriff und Aufgabe der Wissenschaftstheorie
7 2.3 Exkurs: Einordnung der Betriebswirtschaftslehre in das Wissenschaftssystem
8 2.4 Wissenschaftstheoretische Grundbegriffe
9 2.5 Wissenschaftstheoretische Ansätze
10 2.6 Anwendung wissenschaftstheoretischer Grundlagen auf das wissenschaftliche Arbeiten
11 3 Theorie – Empirie – Praxis
12 3.1 Der Stellenwert der Theorie im Zusammenspiel mit Empirie und Praxis
13 3.2 Empirie
14 3.3 Praxisbezug in wissenschaftlichen Arbeiten
15 4 Wissenschaftliche Methodik
16 4.1 Anforderungen an wissenschaftliche Arbeiten
17 4.2 Wissenschaftliche Projektplanung
18 4.3 Wissenschaftliche Literatur lesen, verstehen und wiedergeben
19 4.4 Strukturierung und Gliederung einer wissenschaftlichen Arbeit
20 4.5 Mündliche Präsentation und Diskussion einer wissenschaftlichen Arbeit
21 Literatur- und Quellenverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
| Abbildung 1: | Zusammenhang der einzelnen Themenbereiche |
| Abbildung 2: | Übersicht zum zweiten Kapitel |
| Abbildung 3: | Die Bedeutungen von Wissenschaft |
| Abbildung 4: | Die Aufgabe der Wissenschaft |
| Abbildung 5: | Die Funktionen der Wissenschaftstheorie |
| Abbildung 6: | Typologie der Wissenschaftsdisziplinen |
| Abbildung 7: | Typologie von wissenschaftlichen Aussagen |
| Abbildung 8: | Definition als sprachlich formulierte Gleichung |
| Abbildung 9: | Hypothesen und ihre Randbedingungen (nach Popper (1994)) |
| Abbildung 10: | Hypothesen, Gesetze und Theorien |
| Abbildung 11: | Theorien und Modelle |
| Abbildung 12: | Paradigma |
| Abbildung 13: | Wissenschaftstheoretische Ansätze |
| Abbildung 14: | Anwendung wissenschaftstheoretischer Grundlagen auf das wissenschaftliche Arbeiten |
| Abbildung 15: | Übersicht zum dritten Kapitel |
| Abbildung 16: | Die Theorie als Basis der wissenschaftlichen Arbeit |
| Abbildung 17: | Induktion - Deduktion |
| Abbildung 18: | Der Stellenwert der Theorie im Zusammenspiel mit Empirie und Praxis |
| Abbildung 19: | Phasen des empirischen Forschungsprozesses |
| Abbildung 20: | Der Stellenwert der Empirie im Zusammenspiel mit Theorie und Praxis |
| Abbildung 21: | Der Stellenwert der Praxis im Zusammenspiel mit Theorie und Empirie |
| Abbildung 22: | Übersicht zum vierten Kapitel |
| Abbildung 23: | Quellen zur systematischen Gewinnung von Wissen |
| Abbildung 24: | Merkmale eines Projekts |
| Abbildung 25: | Der inhaltliche Aufbau eines Exposees |
| Abbildung 26: | Inhalte eines Zeitplans |
| Abbildung 27: | Wissenschaftliche Texte lesen, verstehen und wiedergeben |
| Abbildung 28: | Schnellballsystem in der Literaturrecherche |
| Abbildung 29: | Die drei Ebenen des Textverständnisses |
| Abbildung 30: | Sinngemäßes versus wörtliches Zitat |
| Abbildung 31: | Grundsätzliche Zitationsformen |
| Abbildung 32: | Formale Gestaltung einer wissenschaftlichen Arbeit |
| Abbildung 33: | Inhaltsverzeichnis |
| Abbildung 34: | Gliederung verschiedener Arten wissenschaftlicher Arbeiten |
| Abbildung 35: | Mündliche Präsentation und Diskussion einer wissenschaftlichen Arbeit |
| Abbildung 36: | Struktur einer Präsentation |
Tabellenverzeichnis
| Tabelle 1: | Kriterien zur Bewertung wissenschaftlicher Aussagen 23 |
| Tabelle 2: | Anforderungen an Definitionen 24 |
| Tabelle 3: | Die unterschiedlichen Arten von Hypothesen 26 |
| Tabelle 4: | Anforderungen an Hypothesen 28 |
| Tabelle 5: | Die Aufgaben der wissenschaftlichen Arbeit in den Realwissenschaften 36 |
| Tabelle 6: | Anforderungen an wissenschaftliche Arbeiten 37 |
| Tabelle 7: | Anwendung von Theorien in der wissenschaftlichen Arbeit 42 |
| Tabelle 8: | Konzeptspezifikation und Operationalisierung 49 |
| Tabelle 9: | Quantitative versus qualitative Forschung 51 |
| Tabelle 10: | Anwendungsbezug in wissenschaftlichen Arbeiten 53 |
| Tabelle 11: | Vor- und Nachteile in der Zusammenarbeit mit dem Unternehmen 56 |
| Tabelle 12: | Aspekte der wissenschaftlichen Forschung 62 |
| Tabelle 13: | Anforderungen an wissenschaftliche Arbeiten 63 |
| Tabelle 14: | Das Projekt wissenschaftliche Arbeit 66 |
| Tabelle 15: | Projektphasen einer wissenschaftlichen Arbeit 68 |
| Tabelle 16: | Grundtypen verschiedener Fragestellungen 71 |
| Tabelle 17: | Literaturverwaltung 81 |
| Tabelle 18: | Literaturarten 83 |
| Tabelle 19: | Literaturrecherche 84 |
| Tabelle 20: | Verschiedene Lesetechniken 87 |
| Tabelle 21: | Beispiele für wörtliche Zitate 93 |
| Tabelle 22: | Literaturverzeichnis 102 |
| Tabelle 23: | Einleitung 104 |
| Tabelle 24: | Kompetenzebenen des Präsentierens 109 |
| Tabelle 25: | Die Gestaltung einer PowerPoint-Präsentation 111 |
| Tabelle 26: | Die Präsentation 113 |
1 Wissenschaftlich arbeiten im Bereich Executive Education

Executive Education
Einige Hochschulen in Deutschland haben es sich zum Ziel gemacht, ihr Studienangebot für eine größere Zielgruppe auszuweiten und neben den ›traditionell‹ Studierenden auch beruflich Qualifizierte und Studieninteressierte mit teilweise sehr unterschiedlichem Bildungsweg in ihre Studienprogramme zu integrieren. Die Führungskräfteentwicklung (›Executive Education‹) durch weiterbildende Studiengänge spielt dabei eine zentrale Rolle. In den USA oder in Großbritannien blickt der Bereich bereits auf eine längere Tradition zurück, aber auch in Deutschland gewinnt die ›Executive Education‹ an Bedeutsamkeit. Kennzeichnend für die Studienprogramme sind die flexiblen Lernformen sowie der hohe Praxisbezug. So haben auch Berufstätige die Möglichkeit, sich berufsbegleitend oder im Teilzeitstudium in ihrem Fachgebiet weiterzubilden und vertiefte theoretische Kenntnisse in ihrem Berufsfeld zu erwerben und mit ihren praktischen Erfahrungen zu verknüpfen. Durch die zunehmende Komplexität und die rasant fortschreitende Digitalisierung in der Arbeitswelt steigt auch der Bedarf an Weiterbildungen, in denen Fach- und Führungskräfte auf die anstehenden betrieblichen Veränderungen vorbereitet werden. Dem soll in den unterschiedlichen Weiterbildungsprogrammen durch die stark ausgeprägte Praxisorientierung entgegengekommen werden. Somit schlagen weiterbildende Studiengänge eine Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis. Das hat für diejenigen Personen den Vorteil, die sich zwar akademisch weiterbilden wollen, denen aber das klassische Hochschulstudium zu wenig Bezug zu ihrer Berufspraxis bietet. Weiterbildende Masterstudiengänge bieten zudem die Möglichkeit, durch die zumeist praxiserfahrenen Dozierenden, anwendungsbezogene Beispiele, sowie aktuelle Trends und Entwicklungen in der Wirtschaft oder Gesellschaft in die Lehre einfließen zu lassen (vgl. Cendon et al. (2020), S. 7 ff.).
Im Zentrum der Führungskräfteentwicklung steht in der Regel die Entwicklung von Managementkompetenzen und damit die Fähigkeit, die arbeitsteiligen Prozesse im Betrieb zu gestalten und das Personal zu führen. Dementsprechend werden Weiterbildungsprogramme auf die unterschiedlichen Managementfunktionen ausgerichtet. Dabei können die Programme allgemein gestaltet sein (z. B. Master of Business Administration, MBA) oder auf Branchen spezialisiert werden (z. B. Master of Business Administration im Gesundheitswesen, Sportmanagement).
Dem Studienprofil zufolge kommen im Bereich ›Executive Education‹ Studierende aus unterschiedlichen Berufsfeldern und Kontexten zusammen, die spezifische Anforderungen an die Studiengestaltung stellen. Dazu gehören unter anderem die flexiblen Lernformen. Fernunterricht (engl. Distance learning) und E-Learning über Online-Plattformen nehmen dabei wesentliche Rollen ein. Präsenzveranstaltungen werden, wenn überhaupt, als Blockveranstaltungen oder Wochenendseminare gestaltet, damit auch Berufstätige daran teilnehmen können (vgl. Cendon et al. (2020), S. 36 f.). Diese Lehrgestaltung ist an die Anforderungen der Berufstätigen angepasst, erfordert von den Studierenden allerdings ein hohes Maß an Motivation, Eigenverantwortung und Selbstdisziplin, sowie ein gutes Zeitmanagement. Viele Studieninhalte müssen in Selbststudium erarbeitet werden und dann als Präsentation oder schriftliche Arbeit wiedergegeben werden. Dabei spielt die Wissenschaftlichkeit und die damit einhergehenden Anforderungen an die einzureichenden Arbeiten eine wesentliche Rolle. Teilweise müssen sich die Studierenden die Kenntnisse über diese wissenschaftlichen Qualitätskriterien ebenfalls im Selbststudium aneignen und dann in ihren wissenschaftlichen Arbeiten nachweisen. Oftmals werden diese Kenntnisse aber auch schon vorausgesetzt. Das kann bei Studierenden zu Frust und Demotivation führen, insbesondere wenn ihnen die Grundkenntnisse des wissenschaftlichen Arbeitens fehlen. Selbst nach einem abgeschlossenen Grundstudium können einzelne Aspekte und Qualitätskriterien des wissenschaftlichen Arbeitens unbekannt sein. Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn der Studierende nach seinem Bachelorabschluss für längere Zeit beruflich tätig war und erst nach einigen Jahren in das Aufbaustudium einsteigt.

Inhalt und Aufbau des Buchs
Dieses Buch richtet sich insbesondere an Studierende weiterbildender Masterstudiengänge, die bereits berufliche Erfahrung gesammelt haben und ihre Kenntnisse aus der Berufspraxis in ihre wissenschaftliche Arbeit einfließen lassen möchten. Gleichermaßen werden aber auch wissenschaftlich tätige Personen außerhalb des Hochschulwesens angesprochen. Das Buch möchte eine verständliche Einführung in die Wissenschaftstheorie geben und als Grundlage für die Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten im Studium und in der Berufspraxis dienen. Leser, die sich entweder einen vertieften Einblick in die Theorie des wissenschaftlichen Arbeitens verschaffen möchten oder einer generellen Einführung in die Thematik bedürfen, werden gleichermaßen angesprochen. Das Thema wird dabei fachübergreifend behandelt und ist somit auch für interdisziplinäre Studiengänge geeignet. Der Fokus liegt allerdings auf der Betriebswirtschaftslehre, da diese in weiterbildenden Studiengängen der ›Executive Education‹ erfahrungsgemäß eine wichtige Rolle einnimmt. Es soll zudem insbesondere auch auf den bereits erwähnten Praxisbezug in weiterbildenden Studienprogrammen eingegangen werden. Oftmals entscheiden sich Studierende weiterbildender Studiengänge für eine Forschungsarbeit, die sich auf ihre berufliche Tätigkeit bezieht. Teilweise geben auch die Institutionen oder die Unternehmen, in denen die Studierenden tätig sind, ein Forschungsprojekt in Auftrag. Inwiefern die Studierenden daraus ihren Vorteil ziehen können (z. B. in Form einer empirischen Erhebung in Absprache mit dem Unternehmen), soll ebenfalls Inhalt dieses Buches sein. Dem Zusammenspiel zwischen Theorie, Empirie und Praxis im Kontext des akademischen Arbeitens wird dementsprechend eine besondere Rolle zugeschrieben. Der Leser hat somit die Möglichkeit, neben seinen Fachkompetenzen auch seine fachübergreifenden akademischen Kompetenzen zu entwickeln und auszubauen. Dies wird ihm nicht nur für das Studium, sondern auch für die berufliche Tätigkeit von Nutzen sein.
Das Buch beginnt mit einer Einführung in die Wissenschaftstheorie. Es werden wissenschaftstheoretische Grundpositionen sowie Grundbegriffe und Konzepte des Gegenstandsbereichs vorgestellt. Aus den, in den ersten Abschnitten beschriebenen, wissenschaftstheoretischen Grundlagen ergeben sich einige wissenschaftliche Anforderungen, die im letzten Abschnitt des zweiten Kapitels erläutert werden. Die Abfassung einer schriftlichen Arbeit oder die Präsentation eines Fachthemas dient als Nachweis, dass die Ersteller wissenschaftlicher Texte diese Anforderungen kennen und in ihrer Arbeit umsetzen können.
Im dritten Kapitel wird das Zusammenspiel zwischen Theorie, Empirie und Praxis näher betrachtet. Dieses Kapitel soll dem Leser veranschaulichen in welchem Zusammenhang alle drei Teilbereiche im Kontext einer wissenschaftlichen Arbeit stehen und welche Möglichkeiten Studierende weiterbildender Studiengänge haben, ihre Berufserfahrung im wissenschaftlichen Kontext zu nutzen.
Im vierten Kapitel wird die wissenschaftliche Methodik betrachtet. Der Abschnitt folgt dabei einer bestimmten Reihenfolge an Schritten. Diese greifen in der Praxis des Verfassens einer wissenschaftlichen Arbeit ineinander und können je nach Bedarf und Einzelfall variieren. Es sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass formale Hinweise in diesem Buch fachübergreifend dargestellt werden, Zitierweisen und bibliographische Verfahren allerdings fachgebunden sind und demnach beim Betreuer der eigenen wissenschaftlichen Arbeit erfragt werden sollten. Zudem sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die unterschiedlichen Formen wissenschaftlicher Arbeiten auch unterschiedliche Arbeitsweisen und -techniken erfordern können. Auf die unterschiedliche und projektabhängige Herangehensweise wird in diesem Buch stets eingegangen.
Beim Lesen des Buches sollten die einzelnen Kapitel nicht als unabhängige Themenbereiche betrachtet werden. Ganz im Gegenteil greifen diese wie ein Zahnrad ineinander über und ergänzen sich gegenseitig (
Abb. 1).
Einzelne Inhalte oder Begriffe können sich in anderen Kontexten wiederholen und werden somit in einen anderen oder erweiternden Zusammenhang gebracht. Die Gliederung des Buches sollte daher nicht als strikte Bearbeitungsabfolge gesehen werden, sondern als System aus wechselwirkenden Abschnitten, die in einem engen Zusammenhang stehen. Da die wissenschaftstheoretischen Grundlagen die Basis für das wissenschaftliche Arbeiten darstellen, wird dieses Kapitel in der Abbildung als größtes Zahnrad dargestellt. Die Erstellung einer wissenschaftlichen Arbeit setzt voraus, dass die Kriterien der Wissenschaftlichkeit bekannt sind. Zudem sind die theoretischen Grundlagen nutzbringend für den gesamten (akademischen) Lernprozess und werden somit auch innerhalb des Buches immer wieder aufgegriffen.

Abb. 1: Zusammenhang der einzelnen Themenbereiche
2 Wissenschaftstheoretische Grundlagen

Abb. 2: Übersicht zum zweiten Kapitel
Die Beschäftigung mit wissenschaftstheoretischen Grundlagen scheint auf den ersten Blick ein Ballast zu sein, der angesichts der modernen anwendungsorientierten Betriebswirtschaftslehre und den straff organisierten Studienprogramme überflüssig erscheint. Die Auseinandersetzung mit der Wissenschaftstheorie ist allerdings ganz im Gegenteil eine wesentliche Voraussetzung für die wissenschaftliche Tätigkeit. Das wissenschaftliche Arbeiten erfordert einen verantwortungsbewussten Umgang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Aussagen, auf denen das Studium an Hochschulen basiert. Daher sollten, in Vorbereitung auf die wissenschaftliche Tätigkeit, neben den Fachkenntnissen des Studiums auch Kenntnisse der wissenschaftlichen Theorie, Methodik und Arbeitsweise erworben werden, um einen verantwortungsbewussten Umgang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu sichern und um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Die Wissenschaftstheorie »durchleuchtet […] die Wissenschaftspraxis und entwickelt Kataloge von Anforderungen, denen die Wissenschaften, d. h. das wissenschaftliche Problemlösungsverhalten und seine Ergebnisse genügen sollen« (Raffée/ Abel (1979), S. 1). Das Auseinandersetzen mit der Wissenschaftstheorie und dementsprechend mit der Begrifflichkeit der Wissenschaft sowie mit den wissenschaftstheoretischen Ansätzen und der wissenschaftlichen Methodologie, stellt eine Grundlage für die Erstellung einer eigenen wissenschaftlichen Arbeit sowie für die Entwicklung einer eigenen wissenschaftstheoretischen Position dar. Insbesondere im fortgeschrittenen Studium spielen diese wissenschaftlichen Kenntnisse eine wesentliche Rolle, wenn die Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit getragen werden (bspw. Masterarbeiten, Dissertationen, Beiträge für wissenschaftliche Fachzeitschriften). Die Forschungsarbeiten müssen spätestens zu diesem Zeitpunkt den wissenschaftlichen Anforderungen entsprechen und die allgemein anerkannten Qualitätskriterien erfüllen. In diesem Kapitel werden dementsprechend zunächst die wissenschaftstheoretischen Grundbegriffe geklärt, bevor die für die wissenschaftliche Arbeit in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften wesentlichen wissenschaftstheoretischen Ansätze dargestellt werden. Beide Abschnitte stellen die Grundlage für die Anforderungen an wissenschaftliche Arbeiten dar, die im letzten Abschnitt dieses Kapitels besprochen werden sollen.
2.1 Begriff und Aufgabe der Wissenschaft
Das Ziel der Wissenschaft ist es, durch systematische Vorgehensweise Erkenntnisse zu gewinnen und somit neues Wissen zu generieren. Dabei unterscheidet sich dieses Wissen vom Alltagswissen im Aspekt der Vorgehensweise bzw. im Generierungsprozess. Das wissenschaftliche Wissen hat im Gegensatz zum Alltagswissen den Anspruch, der intersubjektiv überprüfbaren Wahrheit zu entsprechen und erfordert dementsprechend eine nachvollziehbare Systematik im Generierungsprozess. Auf diese Weise können Dritte den Wahrheitsgehalt und die Richtigkeit einer wissenschaftlichen Aussage überprüfen. Wissenschaftliches Wissen kann dementsprechend auch als »objektives Wissen« (allgemeingültiges, subjekt- bzw. personenunabhängiges) verstanden werden. Dieses Wissen rechtfertigt sich im wissenschaftlichen Diskurs aber nur so lange, wie es nicht widerlegt wird (Falsifikationsprinzip nach Popper) (vgl. Popper (1994) und Pfriem (2004), S. 293).

Bedeutungen von Wissenschaft
Nach Raffée (1974) wird der Wissenschaftsbegriff in drei verschiedenen Bedeutungen verwendet (
Abb. 3).
Zunächst kann mit dem Begriff ›Wissenschaft‹ eine Tätigkeit gemeint sein, die das Ziel hat, Wissen zu generieren. Die Wissenschaft wird hierbei als Prozess gesehen, durch den neue Erkenntnisse gewonnen werden. Sie ist also auf die »Vergrößerung unseres Wissensvorrats« (Raffée (1974), S. 13) gerichtet. Durch die Wissenschaft werden neue Theorien aufgestellt, bestehende Theorien durch Überprüfung widerlegt oder verifiziert und weiterentwickelt. Die Vorgehensweise im Forschungsprozess muss dabei systematisch und nachvollziehbar erfolgen, damit eine Überprüfbarkeit gewährleistet wird.

Abb. 3: Die Bedeutungen von Wissenschaft (Quelle: In Anlehnung an Raffée (1974), S. 13)
Die Wissenschaft kann weiterhin als Institution und somit als ein aus Menschen und Einrichtungen bestehendes System betrachtet werden, welches systematisch arbeitet und dabei Erkenntnisse eines Gegenstandsbereiches erlangt. Hierbei sind als Beispiele die Universitäten und private Forschungseinrichtungen zu nennen. Über die Hochschulen wird das in der wissenschaftlichen Tätigkeit ermittelte Wissen systematisch weitergegeben. Dabei ist anzumerken, dass die Hochschulen nicht zuletzt durch die Globalisierung der Wissenschaft nicht nur in Konkurrenz untereinander, sondern auch zu den vielfältigen privaten Forschungseinrichtungen geraten sind. Internationale Rankinglisten und die Vergabe von ›Dritt‹-Mitteln durch Firmen oder Stiftungen an ausgewählte Forschungsprojekte haben die wissenschaftlichen Institutionen in einen internationalen Wettbewerb treten lassen. Das hat einerseits Vorteile, weil die Forschung dadurch angekurbelt wird; der Wettbewerb hat aber andererseits auch Nachteile, weil Forschende dadurch unter Druck geraten können, ihre Forschungsergebnisse ohne gründliche Überprüfung zu veröffentlichen, da ihnen zum einen zeitliche und zum anderen finanzielle Rahmen vorgegeben werden.
Zuletzt kann die Wissenschaft auch als Ergebnis der Tätigkeit betrachtet werden. Sie beschreibt dabei »die Gesamtheit an Erkenntnissen über einen Gegenstandsbereich […], die in einem Begründungszusammenhang stehen« (Kornmeier (2007), S. 4 f.). Dabei ist anzumerken, dass die Ausdifferenzierung der Gegenstandsbereiche immer stärker zunimmt. Dieses Phänomen lässt sich nicht zuletzt auch an der Vielzahl an verschiedenen Studienmöglichkeiten ausmachen.
Nach Raffée (1974) wird bei dieser Begriffsbestimmung zwischen einer subjektiven und einer objektiven Betrachtungsweise unterschieden:
»In der subjektiven Bedeutung des Wortes ist Wissenschaft ein systematisch geordnetes und/oder systematisch reflektiertes Wissen, über das ein individuelles menschliches Subjekt in seinem Bewußtsein verfügt. Objektiv gesehen ist Wissenschaft ein systematisch geordnetes Gefüge von Sätzen.« (Raffée (1974), S. 13)
Die systematische Zuordnung und Reflektion bzw. das systematische Vorgehen, um wissenschaftliche Sätze zu gewinnen, sind die wesentlichen Kriterien der Wissenschaftlichkeit und somit spezifische Anforderungen an das wissenschaftliche Arbeiten, die in Abschnitt 2.6 näher erläutert werden sollen.

Die Aufgabe der Wissenschaft

Abb. 4: Die Aufgabe der Wissenschaft (Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Raffée (1974), S. 13 und Helfrich (2016), S. 21 f.)
Allgemein gesehen können der Wissenschaft vier wesentliche Aufgaben zugeschrieben werden: Sie hat zum einen die Aufgabe, Phänomene bzw. Probleme zu benennen und zu beschreiben. Des Weiteren hat sie die Aufgabe, Phänomene bzw. Probleme zu erklären und Prognosen abzugeben. Neben der Formulierung von allgemeingültigen Aussagen, die nicht nur für Einzelfälle, sondern für eine Vielzahl von Fällen gültig sind, hat sie weiterhin die Aufgabe, problemlösende Handlungsoptionen zu entwickeln, um bestehenden Problemen besser zu begegnen. Dabei hat die Wissenschaft stets den Anspruch ›wahr‹ zu sein. Das bedeutet, dass die wissenschaftlichen Aussagen, die gemacht werden, mit der Realität übereinstimmen sollen (intersubjektive Überprüfbarkeit).
Raffée (1974) unterscheidet im Hinblick auf die Aufgabe der Wissenschaft als solches bezüglich der Zweckgebundenheit. Er differenziert demnach die ›reine‹ Wissenschaft (Grundlagenforschung/ basic research) von der angewandten Wissenschaft (anwendungsbezogene Forschung/ applied research). Dabei ist zu beachten, dass keine eindeutige Trennung vorgenommen werden kann, sondern sich beide Elemente in bestimmten Aufgabenbereichen überschneiden können. Während die Grundlagenforschung an keinen bestimmten Zweck gebunden ist (Zweckfreiheit), wendet sich die anwendungsbezogene Forschung einer konkreten Problemstellung zu (Zweckgebundenheit) (vgl. Raffée (1974), S. 13).
Die »Grundlagenforschung legt ihr Gewicht auf die Produktion und Vermehrung von möglichst allgemeingültigem Wissen, auf die verallgemeinerbare Beschreibung (Diagnose) und Erklärung […] [von] Sachverhalte[n] und Zusammenhänge[n]. Nicht der einzelne Fall, sondern die generelle Tendenz steht im Vordergrund des Interesses. Im Unterschied dazu soll anwendungsorientierte Forschung Ergebnisse liefern, die beim aktuellen Entscheidungsprozeß [sic!] verwertet werden können. Nicht abstrakte Zusammenhänge (»Gesetzmäßigkeiten«) stehen im Vordergrund, sondern die Anwendbarkeit der Befunde auf einen aktuellen Fall oder auf eine Klasse gleichartiger Fälle.« (Kromrey (2009), S. 11)
In der Betriebswirtschaftslehre lassen sich diesbezüglich zwei Positionen ausmachen: Die Vertreter der reinen Wissenschaft postulieren den Erkenntnisfortschritt als wichtigste Aufgabe der Wissenschaft. Sie hat damit eine rein theoretische bzw. erklärende Funktion. Für die Vertreter der angewandten Wissenschaft steht die praktische Umsetzbarkeit der Erkenntnisse im Mittelpunkt der Wissenschaft (vgl. Kornmeier (2007), S. 22).
Der Trend hin zu einer anwendungsbezogenen Forschung ist auch an deutschen Universitäten wahrnehmbar. Nicht zuletzt da den Hochschulen ›Dritt‹-Mittel zur Finanzierung von Forschungsprojekten durch Unternehmen oder Stiftungen angeboten werden, um Forschungen in ihrer jeweiligen Branche oder in ihrem Tätigkeitsbereich zu unterstützen. Weiterbildende Studienprogramme, die einen starken Praxisbezug aufweisen, sind nur eines von vielen Beispielen.