Kitabı oxu: «Osterglocken»
Nataly von Eschstruth
Osterglocken
Novelle
Saga
Osterglocken
German
© 1901 Nataly von Eschstruth
Alle Rechte der Ebookausgabe: © 2016 SAGA Egmont, an imprint of Lindhardt og Ringhof A/S Copenhagen
All rights reserved
ISBN: 9788711487457
1. Ebook-Auflage, 2016
Format: EPUB 3.0
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Osterglocken
Er richtete sich schwerfällig auf und starrte mit schlaftrunkenen Augen um sich her, — gähnte ein-, zweimal und schüttelte die Stroh- und Heuhalme aus dem verwilderten Haar und Bart.
Und dann rang sich ein Aufstöhnen aus seiner Brust. Er hatte geträumt, — nur geträumt, dass er wie ehedem in seinem Bett gelegen, ein Dach zu Häupten, ein Frühstück auf dem Tisch, anständige Kleider am Nagel und ein Portemonnaie in der Tasche ....
Ein Fluch klang zischend über die schmalen, farblosen Lippen, mit kurzem, wutendem Ruck richtete er sich empor und schleuderte die Heubündel von sich. —
Jetzt war er erwacht, und er sah sein ganzes, bitteres Elend wieder vor Augen.
Wie ein Stück Vieh war er in einem Heuschober untergekrochen, Lumpen auf dem Leibe, nagenden Hunger im Leibe und keinen Heller Geld im Beutel, ein Strolch, ein verkommener, elender, tief gesunkener Mensch!
Wie ein scharfes Hohnlachen schrillt’s aus seinem Munde. Er rafft sich empor, packt den schweren Knotenstock und blickt um sich her.
Milde, strahlende Frühlingssonne. Die nahen Berge prangen im winterlich grünen Tannenkleide, überhaucht von zartwallenden Duftschleiern, welche ihre hochragenden Häupter mit dem lichten Himmelsgrau zu verschmelzen scheinen.
Maigrüne Felder ziehen ihre zarten Streifen an den Berghängen empor und breiten sich im schmalen Thal zu künstlichem Teppich aus, zwischen dessen Saatmuster üppige Wiesen in junger Frühlingspracht leuchten.
Und mitten in diesem herrlichen Bild prangt das schmucke Dörfchen dicht vor ihm, mit roten Ziegeldächern durch knospende Baumzweige lachend, kräuselnde Rauchwolken über den Schornsteinen, ein freundlich helles Kirchlein auf freiem Platz.
Der verkommene Mensch vor dem Heuschober kneift die geschwollenen Augen zusammen und blinzelt mit hasserfülltem Blick über die friedliche Gotteswelt und Stätte wohnlichen Behagens hin, dann setzt er sich langsam wieder auf das Heu nieder und stützt ingrimmig das hagere Gesicht auf die Fäuste.
Ja, die da unten in den reichen Häusern wohnen, die haben’s gut! Die sitzen im warmen, trockenen Nest, die haben Haus, Hof, Vieh, Feld und Garten, denen fliegen die gebratenen Tauben in den Mund! Er aber, Heinrich Selke, — er ist ein räudiger Hund unter ihnen! Er ist seit jeher ein Stiefkind des Glückes gewesen! Arbeitsscheu? Träge und faul? lächerlich! Kein Glück und kein Stern! Ungerechtigkeit, Selbstsucht überall.
Und bäumt man auf gegen die Sklavenketten, dann zeigt es sich vollends, welche Macht das Geld hat und welch ein Narr wohl jeder ist, der sich auf schöne Worte und Versprechungen verlässt!
Heinrich Selke blickt spöttisch auf seine Lumpen nieder. Diese sind alles, was ihm geblieben! —
Für den einsamen, verlassenen und arbeitslosen Mann steht keiner ein!
Nun ist er geworden, was er früher nie gewesen, äusserlich und innerlich ein Lump!
Alles was er besass, hat er verloren, und nur eines dafür eingetauscht, den masslosen Hass, die menschenfeindliche Erbitterung, welche in jedem einen Todfeind erblickt, welcher noch einen Heller sein eigen nennt! —
Wie weh der Hunger thut! wie bitter weh! Soll er noch einmal sein Heil versuchen und drunten von Thür zu Thür betteln gehn?
Er krampft die Hände zusammen und schüttelt wild den Kopf.
Nein! er hat es gestern Abend gethan, und keiner gab ein Nachtquartier, und nur ein Weib ein Stückchen Brot. Niemand mochte den unheimlichen, verwahrlosten Kerl unter sein Dach nehmen, und im Wirtshaus, wo er vielleicht einen Schnaps erbettelt hätte, sass der Gendarm.
Soll er sich ihm in die Hände liefern? Wenn sie ihn einsperren, bekommt er zu essen.
Pulsuz fraqment bitdi.