Kitabı oxu: «Die Augusteische Dichtung - Roms Beitrag zur Weltliteratur»

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Fachbereich
PHILOLOGIE
Die Augusteische Dichtung – Roms Beitrag zur Weltliteratur
Von Prof. Dr. Niklas Holzberg
I. Nach Phillipi 42 v. Chr.
Vergil – Bucolica (Eklogen)
Der Begründer der Augusteischen Dichtung ist einer der bedeutendsten römischen Dichter überhaupt: Publius Vergilius Maro, kurz Vergil. Geboren wurde er im Jahre 70 v. Chr. in Mantua, er verstarb im Jahre 19 v. Chr. in Brindisi.
35 v. Chr., also mit 35 Jahren verfasst Vergil die Gedichtsammlung, die am Anfang der sogenannten Augusteischen Dichtung steht.
Sie erscheint sieben Jahre nach der Schlacht von Philippi (42 v. Chr.). Diese endete mit dem entscheidenden Sieg Oktavians über die Cäsarmörder Brutus und Cassius und deren Anhänger. Der Anlass für die Gedichtsammlung waren vermutlich die Landverteilungen in den Jahren 42-41 v. Chr. Die siegreichen, nach der Schlacht entlassenen Soldaten wurden in Italien auf enteignetem Land angesiedelt.
Das Werk trägt den lateinischen Titel Bucolica, übersetzt „Hirtendichtung“. Es hat sich eingebürgert, dass man die einzelnen Gedichte auch Eklogen nennt, was so viel heißt wie „Kleine Gedichte“. Insgesamt sind es zehn an der Zahl, mit einem Umfang zwischen 60 und 100 Versen. Sie spielen – wie schon der Name verrät - in der Welt der Hirten.
Orientierung an griechischen Vorbildern
Als Vergil sein Werk schreibt, ist es typisch für die römische Dichtung, dass sie sich an griechischen Vorbildern orientiert. Vergils Vorlage stammt in diesem Fall aus der griechischen Antike, von einem Dichter namens Theokrit. Dieser verfasste im 3. Jahrhundert v. Chr. zum ersten Mal eine Hirtendichtung dieser Art. Er befand sich damit in einem Trend der griechischen Literatur, den man als kallimacheische Literatur bezeichnet. Das Besondere an dieser Dichtung ist, dass sie sich nicht mehr -wie es vorher der Fall war - hauptsächlich mit Haupt- und Staatsaktionen befasst, also mit Königen, Schlachten oder hoher Politik. Sie bemüht sich vielmehr um die bürgerlichen, sogar kleinbürgerlichen Probleme, wie die Hirtenthematik deutlich zeigt.
Vergil führt die Hirtendichtung in die römische Welt
Die römische Poesie der Agusteischen Zeit ist stark durch den Trend zur Kleinpoesie geprägt. Dies bezieht sich nicht nur auf den Inhalt der Gedichte, sondern auch auf die äußere Form: Jeder Vers ist bis ins letzte Detail durchdacht und stilistisch sehr fein ausgearbeitet. Die Gedichte sind spielerisch und anspielungsreich.
Auch Vergil bewegt sich in diesem Trend. Mit dem Rückbezug auf die griechische, kallimacheische Dichtung, führt er nun die Hirtendichtung in die römische Welt ein. Im Gegensatz zu seinem Referé Theokrit stellt er in seiner Hirtendichtung Bezüge zum aktuellen Geschehen her: Gleich im ersten Gedicht, also in der ersten Ekloge, spielt Vergil indirekt auf Oktavian, den Sieger von Philippi, an.
Er lässt zwei Hirten auftreten, „Meliboeus“ und „Tityrus“. Meliboeus ist enteignet worden, muss Haus und Hof verlassen. Tityrus hingegen hat Haus und Hof von einem göttlichen Jüngling, den er in Rom getroffen hat, zurückerhalten. Hierzu muss man wissen, dass auch Vergils Landgut bei Mantua im Zuge der Landverteilungen beschlagnahmt worden war, er es jedoch von Augustus zurückerstattet bekam. Bemerkenswert ist, dass die beiden Hirten wenig von ihrer Arbeit, von ihren Schafen und Ziegen reden. Stattdessen spielen sie auf der Flöte und singen sich Lieder vor. Auch die Liebe kommt zur Sprache, die Erotik, wenn auch relativ dezente Erotik. Gleichzeitig toben im Hintergrund noch die Bürgerkriege, es ist die Zeit der Landenteignungen, das spielt ganz eindeutig in diese Idylle hinein.
Hirtendichtung mit politischem Hintergrund
Besonders politisch – und auch gleichzeitig eines der bekanntesten - ist ein Gedicht, das zwar vom Äußeren her ein Hirtengedicht ist, aber das Oktavian doch sehr deutlich ins Spiel bringt: In der 4. Ekloge, prophezeit der Hirtendichter, genauer gesagt wiederholt Vergil eine Prophezeiung, die er in sibyllinischen Büchern gelesen hat. Diese besagt, dass ein Knabe geboren sei und dass dieser Knabe ein goldenes Zeitalter heraufbringen wird. Es werde dann keine Kriege mehr geben. Alltägliche Sorgen, auch die der Hirten wären Vergangenheit. Es gebe dann keine Schlangen mehr und keine anderen wilden Tiere, die die Schafe und Ziegen bedrohen. Dieses goldene Zeitalter werde mit dem Jahr 40 beginnen.
Seit der Veröffentlichung der Bucolica, der Hirtengedichte, hat man darüber gerätselt, wer mit diesem Knaben gemeint sein könnte. Es gab verschiedene Personen, die in Frage kamen. Im Mittelalter hatte man keine Zweifel: gemeint war natürlich Jesus Christus. Vergil habe das gespürt. Diese Deutung ist sicherlich nicht richtig. Ich persönlich vertrete die eher unpopuläre Ansicht, dass es sich hier um eine Prophezeiung aus dem „Rückblick“ handelt und sich auf Oktavian bezieht. Seine Geburt wird noch einmal aus der Retrospektive geschildert. Seine politische „Geburt“: das Jahr 40 wird genannt. In diesem Jahr hatte Oktavian einen sehr wichtigen Vertrag mit Antonius geschlossen, seinem politischen Gegner. Die beiden einigten sich vorübergehend und die ersehnte Friedensära schien greifbar.
Vergil mag wie alle anderen gehofft haben, dass die Kriege nun beendet waren.
Gattungsmischung – Hirtendichtung und Liebeselegie
Ein zweites sehr bekanntes Gedicht aus der Sammlung ist die letzte, die 10. Ekloge. In dieser kommt es zu einer sogenannten „Gattungsmischung“.
Schauplatz ist noch immer die Hirtenwelt, dieses Mal sogar eine griechische: Es ist die Welt Arkadiens. Arkadien ist der ideale Ort für einen Hirten in Griechenland.
In diese Welt hinein setzt Vergil einen Dichter einer anderen Gattung, Cornelius Gallus, den Begründer der römischen Liebeselegie. Cornelius Gallus, wurde 69 v. Chr geboren und starb um 26 v. Chr. Sein Werk ist leider bis auf wenige Überbleibsel verloren gegangen. Trotzdem ist er der Begründer einer Gattung, die in der Augusteischen Literatur noch eine wichtige Rolle spielen sollte. Vergil versetzt Cornelius Gallus nun „virtuell“ in die Hirtenwelt Arkadiens.
Die Ekloge ist in Form eines Klageliedes, einer Elegie geschrieben. Gallus ist von seiner Geliebten verlassen worden, die mit einem Offizier in den Krieg gezogen ist und trauert nun darüber.
Vergil lässt die Elegie damit enden, dass er selbst – der als Hirte verkleidet die ganze Zeit anwesend war, die Szenerie verlässt.
Vergil verlässt nicht nur diese Elegie, er erhebt sich auch –sinnbildlich- aus den Niederungen der Hirtenpoesie auf die nächst höhere Stufe der Dichtung. Er lässt darauf nämlich sein nächstes Werk folgen, das anspruchsvoller ist als die Hirtendichtung. Es sind die Georgica, Lehrgedichte über die Landwirtschaft.
Das Aszendenz-Modell in der Dichtung
Ich erwähne die Georgica an dieser Stelle, weil Vergil der Begründer einer besonderen Art von Dichterkarriere ist: Der Dichter entwickelt sich im Laufe seines Schaffens künstlerisch weiter. Auch die Gedichte die er schreibt, entwickeln sich von einem „niederen“ über ein „mittleres“ bis zum einem krönenden, „höchsten“ Niveau.
Nach den Georgica „erhebt“ Vergil sich nämlich noch einmal: Er schreibt sein großes Werk, die Aeneis. In dieser dreht es sich nun doch um Haupt- und Staatsaktionen, um Könige und Schlachten.
Bis in die frühe Neuzeit wurde dieses „Aufsteige-Modell“ oder wie man auch sagt Aszendenz-Modell mehrfach nachgeahmt, bereits von Zeitgenossen Vergils, aber auch später noch, von großen Dichtern der frühen Neuzeit und des späten Mittelalters. Petrarca etwa wäre zu nennen, Dante, der Engländer John Milton und andere. Außerdem gilt das Modell auch für Horaz, den nächsten Dichter, den ich jetzt ansprechen möchte. Etwas später als die Eklogen, die Bucolica erscheinen, veröffentlicht Horaz seinerseits ein Gedichtbuch, die Satiren.
Horaz spielt deutlich auf die Hirtengedichtsammlung Vergils an. Er beginnt auf der „untersten“ Stufe und wird dann auch über drei Schritte bis zu seinem „höchsten“, bedeutendsten Werk emporsteigen.
Horaz – Erstes Satirenbuch
Quintus Horatius Flaccus, kurz „Horaz“ wurde 65 v. Chr. geboren und verstarb 8 v. Chr. Er stammte also aus derselben Generation wie Vergil. Er hat selbst in der Schlacht von Philippi mitgekämpft. Anfangs war er auf der „falschen“ Seite, auf der Seite von Brutus, dem Mörder Cäsars. Horaz erzählt, dass er in der Schlacht dann bald gemerkt hat, dass er auf der falschen Seite war. Er warf dann sein Schild weg und der Gott Merkur habe ihn in einer Wolke aus der Schlacht entführt. Das ist sicherlich erfunden, aber Horaz will damit zum Ausdruck bringen, dass er seinen „Irrweg“ erkannt hatte. Er ist dann auch auf die „richtige“ Seite übergewechselt. Wie Vergil ist er ab diesem Zeitpunkt ein eindeutiger Parteigänger Oktavians.
Das erste Werk des Horaz heißt „Satiren - Erstes Buch“. Unter dem Begriff „Satire“ verstehen wir heute die Spottschriften oder -filme über einzelne Personen oder Geschehnisse. Der Begriff bedeutete damals etwas anderes: Satura, lässt sich mit „buntes Allerlei“ übersetzen. Satiren sind also von Haus aus „vermischte Gedichte“ zu den verschiedensten Themen.
Horaz knüpft an einen älteren römischen Dichter an, der ganz gezielt die Satire dazu einsetzt, politische und gesellschaftliche Missstände in seiner Zeit bloßzustellen und dabei auch bedeutende Politiker direkt angreift. Der Dichter heißt Gaius Lucilius. Er lebte von 180 v. Chr. bis 103 v. Chr. Horaz unterscheidet sich insofern von Vergil, als er sich an das Werk eines römischen Dichter anlehnt. Horaz orientiert sich übrigens auch an Vergil: Seine Gedichtsammlung umfasst ebenfalls zehn Gedichte und er spielt mehrfach auf die Bucolica Vergils an.
Die Satiren sind ganz aus dem Geiste Oktavians heraus geschrieben und richten sich direkt an eine Person, die auch für Vergil sehr wichtig werden sollte: Mäzenas - ein Förderer der Künste. Ein reicher Etrusker, der zu den engsten Vertrauten des Augustus gehörte. Sein Name lebt heute noch in der Bezeichnung „Mäzen“ fort.
Pulsuz fraqment bitdi.