Kitabı oxu: «Soziale Arbeit studieren»

Der Autor und Reihenherausgeber

Prof. Dr. rer. soc. Rudolf Bieker war Professor für Theorie und Strukturen Sozialer Dienste/Sozialverwaltung am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. Heute ist er freiberuflich als Herausgeber wissenschaftlicher Publikationen und als Lektor tätig. Dem Studium der Erziehungswissenschaft, Soziologie und Psychologie an den Universitäten Düsseldorf und Köln folgte eine mehrjährige Forschungstätigkeit an der Bergischen Universität Wuppertal. Im Anschluss daran war der Autor über viele Jahre Referatsleiter und stellvertretender Geschäftsführer eines Dachverbandes im Non-Profit-Sektor.
Die Autorin

Dipl.-Päd. Nina Westerholt ist seit 2011 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Niederrhein. Die Erziehungswissenschaftlerin erweiterte ihr Studium um das Fach Deutsch als Fremdsprache sowie um Studien- und Berufsauslandsaufenthalte u. a. in Schweden. Aufgrund ihrer achtjährigen Tätigkeit als Studienverlaufsberaterin am Fachbereich Sozialwesen kennt sie die Fragen und Schwierigkeiten der Studierenden der Sozialen Arbeit aus erster Hand. Als Mitarbeiterin im Prüfungsausschuss sowie in Lehre und Forschung hat sie eine umfassende Sicht auf das Studium der Sozialen Arbeit. Sie promoviert in erziehungswissenschaftlicher Migrationsforschung.
Rudolf Bieker, Nina Westerholt
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5., erweiterte und überarbeitete Auflage 2021
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-038942-7
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-038943-4
epub: ISBN 978-3-17-038944-1
mobi: ISBN 978-3-17-038945-8
Vorwort zur Reihe
Mit dem so genannten »Bologna-Prozess« galt es neu auszutarieren, welches Wissen Studierende der Sozialen Arbeit benötigen, um trotz erheblich verkürzter Ausbildungszeiten auch weiterhin »berufliche Handlungsfähigkeit« zu erlangen. Die Ergebnisse dieses nicht ganz schmerzfreien Abstimmungs- und Anpassungsprozesses lassen sich heute allerorten in volumigen Handbüchern nachlesen, in denen die neu entwickelten Module detailliert nach Lernzielen, Lehrinhalten, Lehrmethoden und Prüfungsformen beschrieben sind. Eine diskursive Selbstvergewisserung dieses Ausmaßes und dieser Präzision hat es vor Bologna allenfalls im Ausnahmefall gegeben.
Für Studierende bedeutet die Beschränkung der akademischen Grundausbildung auf sechs Semester, eine annähernd gleich große Stofffülle in deutlich verringerter Lernzeit bewältigen zu müssen. Die Erwartungen an das selbstständige Lernen und Vertiefen des Stoffs in den eigenen vier Wänden sind deshalb deutlich gestiegen. Bologna hat das eigene Arbeitszimmer als Lernort gewissermaßen rekultiviert.
Die Idee zu der Reihe, in der das vorliegende Buch erscheint, ist vor dem Hintergrund dieser bildungspolitisch veränderten Rahmenbedingungen entstanden. Die nach und nach erscheinenden Bände sollen in kompakter Form nicht nur unabdingbares Grundwissen für das Studium der Sozialen Arbeit bereitstellen, sondern sich durch ihre Leserfreundlichkeit auch für das Selbststudium Studierender besonders eignen. Die Autor*innen der Reihe verpflichten sich diesem Ziel auf unterschiedliche Weise: durch die lernzielorientierte Begründung der ausgewählten Inhalte, durch die Begrenzung der Stoffmenge auf ein überschaubares Volumen, durch die Verständlichkeit ihrer Sprache, durch Anschaulichkeit und gezielte Theorie-Praxis-Verknüpfungen, nicht zuletzt aber auch durch lese(r)freundliche Gestaltungselemente wie Schaubilder, Unterlegungen und andere Elemente.
Prof. Dr. Rudolf Bieker, Köln
Zu diesem Buch
In diesem Leitfaden erfahren Sie
• was Studieren bedeutet und wie Sie Ihr Studium zielgerichtet organisieren können;
• was unter Wissenschaft überhaupt zu verstehen ist und welche grundlegenden Haltungen und Fertigkeiten wissenschaftliches Arbeiten im Studium kennzeichnen;
• wie Sie Schritt für Schritt, von der Themenfindung bis zur fristgerechten Abgabe, eine qualifizierte schriftliche Arbeit erstellen (Hausarbeit, Bachelor- und Masterarbeit);
• wie Sie mit einem guten Seminarvortrag in der Sache überzeugen und das Lernen der anderen Seminarteilnehmer*innen fördern;
• wie Sie Klausuren und mündliche Prüfungen gezielt vorbereiten und erfolgreich bewältigen.
Das Buch wendet sich an
• Studierende, die ein Studium der Sozialen Arbeit beginnen (wollen) oder vor geraumer Zeit begonnen haben;
• Studierende höherer Semester, die Ihre Bachelor- oder Masterarbeit anfertigen wollen und das nötige inhaltliche und formale Know-how hierfür benötigen;
• Studierende, die sich nach längerer Hochschulabstinenz auf einen Masterabschluss vorbereiten und eine Wiederauffrischung ihres studienmethodischen Handwerkszeugs benötigen;
• Studierende benachbarter Studiengänge (z. B. der Heil- oder Pflegepädagogik, der Kulturpädagogik, der Frühpädagogik, der Erziehungswissenschaft, des Sozialmanagements), die ebenso wie ihre Kommiliton*innen nach einem praxisgerechten Leitfaden für ein erfolgreiches Studium suchen.
Das Buch berücksichtigt langjährige Erfahrungen des Autors und der Autorin in der Hochschullehre, dem Prüfungswesen und in der Studienverlaufsberatung. Für Anregungen bedanken wir uns bei den Studierenden unseres Fachbereichs, ganz besonders bei Kimberly Fleitmann.
Das Manuskript wurde für die hier vorliegende 5. Auflage ergänzt und auf den neuesten Stand gebracht.
Köln/Bonn im Juli 2020
Rudolf Bieker, Nina Westerholt
Lesehinweis
Wichtige Begriffe aus dem Manuskript haben wir im Text durch einen Pfeil → gekennzeichnet und in einem Glossar am Ende des Buches erläutert.
Inhalt
1 Vorwort zur Reihe
2 Zu diesem Buch
3 A Soziale Arbeit studieren
4 1 Studieren
5 1.1 Akademisches Lernen
6 1.2 Motivation und Gesundheit
7 1.3 Verhalten an der Hochschule
8 1.3.1 Umgang mit Kommiliton*innen
9 1.3.2 Umgang mit Lehrenden
10 1.3.3 Umgang mit Mitarbeiter*innen
11 1.3.4 Die Bedeutung der Sprache/E-Mail-Kommunikation
12 1.3.5 Kleidung
13 2 Planung und Organisation des Studiums
14 2.1 Warum Planung wichtig ist
15 2.2 Studienprogramm als Rahmenvorgabe
16 2.3 Strategische Ziele für Studium und Studienzeit
17 2.4 Zeitplanung
18 2.4.1 Vorlesungszeit
19 2.4.2 Wochenzeit
20 2.4.3 Tageszeit
21 2.4.4 Vorlesungsfreie Zeit
22 2.5 Abweichungen vom Studienverlauf
23 3 Lernen im Studium
24 3.1 Lehrveranstaltungen
25 3.2 Lesend Lernen
26 3.3 Schreibend Lernen
27 3.4 E-Learning-Angebote
28 3.5 Praxisbezogenes und handlungsorientiertes Lernen
29 3.6 Lernen in der Gruppe
30 3.6.1 Potenziale
31 3.6.2 Risiken
32 3.6.3 Regeln und Grenzen
33 3.7 Umgang mit Lern- und Schreibblockaden
34 4 Nebentätigkeiten im Studium
35 4.1 Rahmenbedingungen
36 4.2 Hilfskraft
37 4.3 Honorarkraft
38 4.4 Werkstudent*in
39 B Wissenschaftliches Arbeiten
40 1 Wissenschaft
41 1.1 Grundverständnis
42 1.2 Verhältnis von wissenschaftlichem Wissen und Alltagswissen
43 1.3 Inhalt und Funktionen wissenschaftlicher Tätigkeit
44 1.3.1 Beobachtungen als zentraler Bezugspunkt
45 1.3.2 Beschreiben
46 1.3.3 Erklären
47 1.3.4 Vorhersagen
48 1.3.5 Bereitstellung von Gestaltungsoptionen
49 1.4 Wissenschaft und Wahrheit
50 1.5 Wissenschaft und Werturteile
51 1.5.1 Wertbasis der Wissenschaft
52 1.5.2 Werturteilsstreit
53 1.5.3 Verwendung von wissenschaftlichen Erkenntnissen
54 1.5.4 Werturteile und Soziale Arbeit
55 2 Wissenschaftliches Arbeiten im Studium
56 2.1 Wissenschaftliches Arbeiten
57 2.2 Die eigene wissenschaftliche Leistung
58 2.3 Leistungs- und Verhaltensanforderungen
59 C Schriftliche Arbeiten erstellen
60 1 Das Grundprinzip: Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück
61 2 Planung des Arbeitsprozesses
62 2.1 Vorteile des geplanten Vorgehens
63 2.2 Arbeitsschritte im Überblick
64 2.3 Startzeitpunkt
65 3 Klärung des Themas
66 3.1 Themenfindung
67 3.2 Klärung und Eingrenzung der Fragestellung
68 3.3 Kontakte zur Betreuungsperson der Arbeit
69 4 Literaturrecherche
70 4.1 Einführung
71 4.2 Geeignete Quellen
72 4.2.1 Eignungskriterien
73 4.2.2 Zitierwürdige Quellen
74 4.2.3 Nicht zitierwürdige Quellen
75 4.3 Wie Sie bei der Literatursuche vorgehen
76 4.3.1 Gezielte Suche
77 4.3.2 Einfache Einstiegsmöglichkeiten
78 4.3.3 Recherche in den Bestandskatalogen von Bibliotheken
79 4.3.4 Recherche in wissenschaftlichen Datenbanken und Portalen
80 4.3.5 Recherchen mit Suchmaschinen
81 4.3.6 Informationsquellen des Buchhandels
82 4.3.7 Recherchieren mit Citavi
83 4.4 Suchstrategien bei elektronischen Recherchen
84 4.5 Erstellen einer Arbeitsbibliografie
85 5 Beschaffung und Auswertung der Literatur
86 5.1 Beschaffung der Literaturquellen
87 5.2 Sichtung der Literaturquellen
88 5.3 Auswertung der Literaturquellen
89 5.3.1 Was bedeutet Auswerten?
90 5.3.2 Vorgehen bei der Literaturauswertung
91 6 Gliederung der Arbeit
92 6.1 Grundanforderungen an die Gliederung
93 6.2 Formale Struktur der Gliederung
94 7 Abfassung des Manuskriptes
95 7.1 Grundlegende Hinweise
96 7.1.1 Umgang mit Quellen
97 7.1.2 Exkurse
98 7.1.3 Anmerkungen
99 7.1.4 Abbildungen und Tabellen
100 7.1.5 Rohentwurf des Manuskriptes
101 7.1.6 Datensicherung
102 7.1.7 Speichern von Internetquellen
103 7.2 Sprache
104 7.2.1 Wissenschaftlicher Ausdruck
105 7.2.2 Ausführlichkeit
106 7.2.3 Roter Faden
107 7.2.4 Verwendung des Wortes »Ich«
108 7.2.5 Nicht diskriminierende Sprache
109 7.3 Einleitung
110 7.4 Hauptteil
111 7.4.1 Grundlegende Anforderungen
112 7.4.2 Vorgehen bei der Texterstellung
113 7.5 Schlussteil
114 7.6 Überarbeitung und Korrektur des Manuskripts
115 7.6.1 Eigene Überarbeitung
116 7.6.2 Korrektur durch andere Personen
117 8 Richtiges Zitieren
118 8.1 Bedeutung von Zitaten
119 8.2 Grundsätze des Zitierens
120 8.3 Techniken des Zitierens
121 8.3.1 Fußnotentechnik
122 8.3.2 Kurzbelege im Fließtext (Harvard-Methode)
123 8.4 Zitatformen und Zitierregeln
124 8.4.1 Wörtliches und sinngemäßes Zitat
125 8.4.2 Regeln und Gestaltungsformen für wörtliche Zitate
126 8.4.3 Regeln und Gestaltungsformen für sinngemäße Zitate
127 8.4.4 Übergreifende Regeln
128 8.4.5 Zitieren juristischer Materialien
129 9 Erstellung der sonstigen Manuskriptteile
130 9.1 Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit
131 9.2 Seitenzählung
132 9.3 Titelblatt
133 9.4 Inhaltsverzeichnis
134 9.5 Abkürzungsverzeichnis
135 9.6 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
136 9.7 Anlagen
137 9.8 Literaturverzeichnis
138 9.9 Verzeichnis sonstiger Quellen
139 9.10 Eidesstattliche Versicherung
140 9.11 Datenträger
141 10 Layout, Schlusskorrektur, Indruckgabe, Abgabe
142 10.1 Layout
143 10.2 Schlusskorrektur
144 10.3 Indruckgabe
145 10.4 Abgabe
146 D Seminarvorträge halten
147 1 Funktionen des Seminarvortrags
148 2 Vorbereitung des Seminarvortrags
149 2.1 Grundfragen
150 2.2 Vom Basistext zum Stichwortmanuskript
151 3 Leitfaden für einen guten Seminarvortrag
152 3.1 Grundregeln
153 3.2 Einstieg und Einleitung
154 3.3 Hauptteil
155 3.4 Schlussteil
156 4 Diskussion und Feedback zum Vortrag
157 5 Visualisierungen
158 6 Handout
159 7 Angst vor dem Sprechen
160 E Klausuren und mündliche Prüfungen bewältigen
161 1 Klausuren
162 1.1 Gestaltungsformen
163 1.2 Schwerpunkt Wissensprüfung
164 1.3 Schwerpunkt Transferprüfung
165 2 Mündliche Prüfungen
166 2.1 Gestaltungsformen
167 2.2 Prüfungsablauf
168 3 Prüfungsvorbereitung
169 3.1 Anforderungen klären
170 3.2 Prüfungsmotivation fördern
171 3.3 Kontinuierlich Lernen
172 3.4 Tutorien nutzen
173 3.5 Lerngruppe bilden
174 3.6 Die Rolle der Prüfer*innen einnehmen
175 3.7 Lernmethoden wählen
176 3.7.1 Strukturierung großer Stoffmengen
177 3.7.2 Erinnerungstechniken
178 3.7.3 Verknüpfungswissen
179 3.8 Die letzten Tage vor der Prüfung
180 4 Verhalten bei Prüfungen
181 4.1 Verhalten in einer Klausur
182 4.2 Verhalten in einer mündlichen Prüfung
183 4.3 Verhalten nach der Prüfung
184 5 Beanstandung eines Prüfungsergebnisses
185 F Digitale Werkzeuge für das Studium
186 1 Textverarbeitungsprogramme
187 2 Literaturverwaltungsprogramme
188 3 Cloud Services
189 4 E-Ressourcen
190 4.1 Schreibtrainer
191 4.2 Lerntechniken und Zeitmanagement
192 G Nach dem Studium
193 1 Master
194 2 Berufseinstieg
195 3 Promotion
196 Anlagen
197 Anlage 1: Musterdeckblatt Bachelorarbeit
198 Anlage 2: Musterdeckblatt Hausarbeit
199 Anlage 3: Quellen im Literaturverzeichnis aufführen
200 Anlage 4: Checkliste »Endkorrektur des Textes«
201 Anlage 5: Immer Ärger mit dem Komma – Wie Sie die häufigsten Fehler vermeiden
202 Literaturverzeichnis
203 Glossar
204 Abkürzungsverzeichnis
205 Abbildungsverzeichnis
206 Tabellenverzeichnis
207 Stichwortverzeichnis
A Soziale Arbeit studieren
Was Sie in diesem Kapitel lernen können
Ein Studium unterscheidet sich von schulischer Bildung vor allem durch seine größere Gestaltbarkeit und das höhere Maß an Eigenverantwortung für Lernprozess und Lernergebnis. Das Kapitel zeigt Ihnen, wie Sie nicht nur das Studium selbst, sondern die gesamte Studienzeit zielorientiert und anforderungsbezogen gestalten können. Darüber hinaus erhalten Sie eine Vielzahl von Hinweisen für Ihr Lernen im Studium.
1 Studieren
1.1 Akademisches Lernen
Mit dem so genannten »Bologna-Prozess«, der auf die Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums abzielt (Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen), sind u. a. Effektivität und Effizienz des Studiums in den Vordergrund gerückt. Die Lernprogramme wurden allerorten durchgeregelt, die Studienzeiten verkürzt. Die Tendenz zur Verschulung der Hochschulstudiengänge ist unverkennbar. Das gilt auch für die Soziale Arbeit.
Wer sich heute für ein Studium der Sozialen Arbeit entscheidet, findet aber durchaus noch Gestaltungspotenziale vor. Nach wie vor geht es im Studium darum, sich selbst Ziele zu setzen, eigene Gestaltungsmöglichkeiten zu erkennen und wahrzunehmen und die Hochschule als das zu sehen, was sie ist: eine akademische Dienstleisterin, die einen notwendigen, aber nicht hinreichenden Beitrag zu der angestrebten Selbstqualifizierung leistet. Uni-Lernen bedeutet immer auch, Selbstverantwortung zu übernehmen, für den Lernprozess und für das Lernergebnis.
Eine Studentin des 6. Semesters
»Die Hochschule hat zu meinem beruflichen sowie persönlichen Entwicklungsprozess beigetragen. Ich habe neben dem fachlichen Wissenszuwachs ein Netzwerk für den Übergang in das Berufsleben aufbauen können. Ich hatte die Möglichkeit, mich einzubringen, und ich habe gelernt, mich kritisch zu äußern. Dazu beigetragen hat die Lehr- und Studienkultur an der Hochschule. Neben den → Vorlesungen und → Seminaren habe ich die Chance genutzt als studentische Hilfskraft an den Entwicklungsprozessen der Hochschule mitzuwirken. Ich empfehle allen Studierenden, die Möglichkeiten der Mitbestimmung, Selbstreflexion und Weiterbildung zu nutzen, denn diese Gelegenheit kommt nicht so schnell wieder« (Kimberly Fleitmann, Studentin an der Hochschule Niederrhein, 2020).
Das akademische Lernen unterscheidet sich von dem eher passiv-rezeptiven schulischen Lernen durch seine stärker selbstaktive und forschende Ausrichtung. Es geht nicht um bloßes Nachbeten eines vorgegebenen, flüchtig angelesenen Stoffes und die Reproduktion von Faktenwissen, sondern um den Erwerb von Problemlösungskompetenzen. Die Lösungen, um die es geht, sind nicht-technischer Natur; sie können nicht vorhersagbar »bewirkt«, sondern nur im engen Zusammenwirken mit dem »Kunden« ausgehandelt und ausprobiert werden. Der Erwerb von Problemlösungskompetenz erfordert im Studium u. a.
• sich mithilfe von Fachliteratur selbsttätig und kritisch reflektierend mit Theorien, Konzepten und Methoden der Sozialen Arbeit und ihrer Bezugsdisziplinen auseinanderzusetzen;
• Lernangebote tatsächlich auszuschöpfen (»hingehen statt liegenbleiben«);
• im Bedarfsfalle einzufordern, dass sich Kompetenzerwerb nicht auf die Wiedergabe von Klausurwissen beschränkt;
• Praxis zu entdecken und fachliches Handeln zu erproben (handlungsorientiertes Lernen);
• sich mit → Kommiliton*innen und → Lehrenden auszutauschen, um nicht nur das wissenschaftliche Lernen, sondern auch das soziale Lernen zu fördern;
• auf die Qualität der Lehre und lernförderliche Studienbedingungen zu drängen (z. B. durch eigenes Engagement in der Hochschulselbstverwaltung);
• durch eigenständige Lebensführung außerhalb des Elternhauses Lebenserfahrung zu sammeln, ohne die die Soziale Arbeit nicht auskommt.
Berufliche Handlungskompetenz ist in erster Linie eine Bringschuld der Hochschule; die Verantwortung dafür kann sie nicht auf Studierende abwälzen. Wie eine Problemlösung in der Sozialen Arbeit entsteht aber auch berufliche Handlungskompetenz nur in Co-Produktion zwischen Lehrenden, Studierenden und Praxis. Studierende tun gut daran, sich bei diesem Joint-Venture nicht nur auf vorgefertigte Lernpakete einzulassen, sondern auch darüber hinaus die Chance zum Kompetenzerwerb zu ergreifen. Schon dies spricht dafür, sich aktiv mit der Planung und Organisation des eigenen Studiums auseinanderzusetzen.