Kitabı oxu: «Muse des Künstlers: Erotische Novelle»

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Olrik

Muse des Künstlers: Erotische Novelle

Lust

Muse des Künstlers: Erotische Novelle ÜbersetztKirsten Evers Original Kunstnerens museCoverbild / Illustration: Shutterstock Copyright © 2019, 2019 Olrik und LUST All rights reserved ISBN: 9788726202090

1. Ebook-Auflage, 2019

Format: EPUB 2.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von LUST gestattet.

Muse des Künstlers

„Charlotte, Liebchen. Ich schaffe es nicht zur Vernissage von Emil Martens in einer halben Stunde. Sei ein Schatz und lass dich dort blicken, damit wir repräsentiert sind.“

„Ich?“ Ich glotzte Anton Lothar an, den Inhaber der äußerst schicken Galerie, bei der ich gerade erst diese Woche angefangen hatte zu arbeiten.

„Ja, du“, erwiderte er mit einem schiefen Lächeln und zuckte mit den Schultern. „Ganz ruhig, Kleines. Du brauchst nichts zu beurteilen. Nur da sein. Deinen Namen ins Gästebuch eintragen und unsere Galerie dazuschreiben. Ich kümmere mich dann um alles Weitere.“

„Also dann...dann mach ich das gern!“, sagte ich und dachte sofort an die viel zu hohen Schuhe, die ich leichtsinnigerweise ausgerechnet heute einzuweihen beschlossen hatte und die nun schon seit Stunden meine Füße folterten. Besonders der linke kleine Zeh fühlte sich an, als sei er an mehreren Stellen gebrochen, brutal unter meinen Fuß gedrückt und in den viel zu kleinen Schuh gezwängt worden. Aber der überwältigende Gedanke, Lothars Galerie zu repräsentieren, ließ mich den Schmerz vergessen – einen Termin für eine Zehentransplantation könnte ich auch später noch vereinbaren.

Er sah mich etwas skeptisch an. „Ich muss wohl nicht betonen, wie wichtig es ist, dass du uns ins Gästebuch schreibst!“

„Nein, nein, Herr Lothar. Ich verstehe schon“, sagte ich und schenkte ihm ein großes und hoffentlich vertrauenswürdiges Lächeln.

Er nickte kurz und eilte von dannen, zu was auch immer wichtiger zu sein schien als eine Vernissage.

Bisher war es ein durchwachsenes Erlebnis gewesen, in der Galerie zu arbeiten. Einerseits hatte ich von genau diesem Job jahrelang geträumt – endlich konnte ich mein Studium der Kunstgeschichte zu etwas gebrauchen. Anton Lothar war zudem ein Name, der in der Branche einen fabelhaften Ruf genoss, weil er einen unheimlich guten Riecher dafür hatte, welche aufstrebenden Künstler es zu unterstützen galt. Andererseits war er ziemlich altmodisch und, was Gleichberechtigung anging, lebte er noch immer im 18. Jahrhundert. Mit dieser Tatsache konnte ich mich nur schwer anfreunden. So naiv war ich nicht, dass ich nicht schon längst durchschaut hatte, dass mein durchtrainierter und attraktiver Körper bei meiner Anstellung in der Galerie eine größere Rolle gespielt hatte als meine Uni-Noten.

Nicht dass Lothar jemals versucht hätte, mit mir zu flirten. Er war stockschwul, aber trotzdem schien es ihm wichtig zu sein, dass ich und meine Kurven neben den Ausstellungsstücken eine gewisse Blickfang-Funktion boten.

Aber ich war erst seit einer Woche hier. Und ich würde ihm schon noch beweisen, dass ich mehr vorzuweisen hatte als einen schönen Ausschnitt.

Ich schloss die Galerie und nahm mir ein Taxi zu der Adresse, an der die Vernissage stattfinden sollte.

Während der Fahrt recherchierte ich ein paar Last-minute-Fakten zu diesem Emil Martens, von dem ich peinlicherweise noch nie etwas gehört hatte. Auf meinem Bildschirm tauchten mehrere Artikel über ihn auf. Einige waren begeisterte Lobreden, andere kritisierten ihn für sein altmodisches Frauenbild. Während ich die Artikel überflog, entstand vor meinem inneren Auge das Bildnis eines älteren Herrn, vielleicht um die 60, wie Anton Lothar.

Kurz überlegte ich, ob ich meinen gequälten Zeh zumindest im Taxi aus seiner Folterkammer erlösen sollte, aber der Gedanke daran, wie schmerzhaft es sein würde, ihn dann später wieder in den Schuh zu zwängen, hielt mich davon ab.

Aber Himmelherrgott! Allein die 100 Meter zwischen Taxi und dem Eingang des Veranstaltungsorts, einem alten Speichergebäude, waren die Hölle.

Ich kritzelte meinen Namen ins Gästebuch und bemerkte zufrieden aus dem Augenwinkel, wie die beiden Gäste, die neben dem Gästebuch standen, reagierten, als sie sahen, dass ich von Lothars Galerie entsandt worden war.

Woohoo. I'm someone important.

Ich nahm mir ein Glas Sekt und ließ mich von der murmelnden Menschenmenge, die im Raum umherkroch, ergreifen und versuchte, ganz nach vorn zu den Werken zu gelangen. Es war keine leichte Aufgabe, denn der Raum war ziemlich voll, aber schließlich konnte ich mich doch ganz nach vorn kämpfen, wo ich die Gemälde in ihrer ganzen Pracht sehen konnte.

Ich war sprachlos.

Auf dem kleinen Handybildschirm hatte ich mir keinen richtig guten Eindruck von den Bildern machen können, die in ihrer vollen Größe eine ganz andere Wirkung hatten.

Der Anblick, der sich mir bot, war zu gleichen Teilen faszinierend und hypnotisierend – und auch etwas beunruhigend.

Letzteres lag vielleicht daran, dass ich sofort sah, was mit der Kritik an Emil Martens’ Kunst und seinem zweifelhaften Frauentypus gemeint gewesen war.

Meiner Einschätzung nach befanden sich in den Ausstellungsräumen mehr als 20 Werke, alle zwei Meter hoch und zwischen einem und zwei Metern breit – je nachdem, wie viele Frauenkörper darauf abgebildet waren.

Sämtliche Bilder bestachen dadurch, dass sie im Stil russischer Ikonen gehalten waren, mit feinen Randdetails aus echtem Blattgold. Aber anstelle der religiösen Motive, die man normalerweise mit dieser Art von Malerei verbindet – Jesus, die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind, Maria Magdalena und dergleichen – hatte Emil Martens es vorgezogen, zeitgenössische Frauenbildnisse von fast fotografischem Realismus zu verewigen.

Aber dann doch nicht so ganz, denn es war ihm gelungen, die gewollt unrealistischen Dimensionen beizubehalten, die man so oft in der russischen Ikonenmalerei beobachten kann. Die Köpfe der Frauen waren also etwa anderthalbmal so groß, wie man es sich eigentlich vorstellen würde. Aber genau dieses Detail verlieh dem Motiv seinen ganz besonderen Fokus, da wir Menschen ja meist zuerst das Gesicht unseres Gegenübers wahrnehmen. Die Körper der Abgebildeten waren nur sehr leicht bekleidet, womit der Vergleich zu der religiösen Motivwelt auch schon aufhörte. Einige waren ganz nackt, während andere achtlos übergeworfene und fast durchsichtige Gewänder trugen.

Pulsuz fraqment bitdi.

1,96 ₼