Kitabı oxu: «Aktiviere den inneren Heiler in dir»
Patric Pedrazzoli
Aktiviere den inneren Heiler in Dir
Körper, Geist und Seele im Einklang
Giger Verlag
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unter www.gigerverlag.ch
1. Auflage 2021
© Giger Verlag GmbH, CH-8852 Altendorf
Telefon 0041 55 442 68 48
www.gigerverlag.ch
Lektorat: Josef K. Pöllath M.A.
Korrektorat: Susanne Langer M.A.
Umschlaggestaltung:
Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich
Layout und Satz: Roland Poferl Print-Design, Köln
Printed in EU
ISBN 978-3-039330-32-4
Inhalt
Einleitung
1 Ich? Wer ist Ich?
2 Die Welt ist in dir
3 Der freie Wille
4 Der Körper
5 Das Gehirn
6 Bewusst sein
7 Der Geist oder der Heilige Geist
8 Glücklich sein
9 Karma
10 Ursache des Leidens
11 Körperliche Krankheiten
12 Psychische Krankheiten
13 Heilung, Selbstheilung, Fernheilung
14 Annehmen, was ist
15 Beziehungen
16 Kraft der Worte und Kommunikation
17 Der Tod
18 Innerer Frieden und Stille
19 Wer bin ich wirklich?
20 Liebe
Meditation
Nachwort
Dank
Über den Autor
Einleitung
Eines Tages machte sich ein Mann auf, die Liebe zu befragen, wer sie wirklich sei. Er traf sie auf einem Hügel. Sie saß auf einer Schaukel und ließ sich die Sonne ins Gesicht scheinen.
»Gut, dass ich dich hier treffe, du bist also die Liebe, richtig«
Die Liebe blinzelte dem Mann entgegen: »Stimmt, das bin ich!«
»Und sie sagen, du brauchst nichts, um zu sein?«
»Auch das ist wahr!«, lachte die Liebe.
»Kann ich dir gar nichts geben?«
»Nein, danke, ich habe alles!«
»Gibt es wirklich nichts, was ich dir geben könnte, damit ich deiner würdig bin?«, wollte der Mann wissen.
»Nein, nichts. Du bist meiner immer würdig.«
»Einfach so?«
»Ja, einfach so«, lachte die Liebe erneut.
»Ja, und deshalb kannst du jeden einfach so lieben?«
»Ja, das tue ich ja auch.«
Leicht gestresst erwiderte der Mann: »Und deshalb liebst du mich?«
»Ja, ich liebe dich!«
»Ja, aber dann bin ich ja in deinen Augen gar nichts Besonderes für dich, wenn du jeden so liebst.«
»Warum, glaubst du, musst du etwas Besonderes sein, um geliebt zu werden?«
»Weil man doch wohl einen Grund braucht, jemanden zu lieben.«
»Nein, den braucht es nicht. Die Liebe liebt einfach.«
»Nein, so ist das doch keine echte Liebe«, stieß der Mann hervor.
»Ich will, dass mich jemand so liebt, wie keinen anderen.« Die Liebe holte noch einmal fröhlich Schwung auf ihrer Schaukel und rief dem Mann zu: »Mit Wollen hat Lieben nichts zu tun. Sie hat mit Sein zu tun. Du bist es nur gewohnt, zu denken, dass es einen Grund brauche, um geliebt zu werden. Das ist das Denken der Menschen, und obwohl sie tausendmal gehört haben, dass wahre Liebe nichts will, denken sie immer noch, es müsse Gründe geben. Sie wollen es einfach nicht glauben. Denn dann würde auffallen, dass sie gar nicht wirklich wissen, wer und wie ich bin.«
Die Liebe schwang immer höher auf ihrer Schaukel und rief dem Mann zu: »Ich liebe dich, weil du bist, nicht weil du etwas bist. Das war immer so und wird immer so sein. Nimm das bitte mit und verteile das, was ich dir gesagt habe, als Handzettel an all die armen Seelen, die der Angst immer noch auf den Leim gehen. Schreib groß darauf: Die Liebe liebt, weil sie es liebt zu lieben. Und wer liebt, wird unwiderstehlich, wer von euch also unwiderstehlich sein möchte, sollte ganz schnell anfangen zu lieben, alles und jeden. Ich wünsche dir eine wunderbare Heimreise!«, rief die Liebe dem Mann ein letztes Mal zu und verschwand mit einem großen Schwung und einem lauten Lachen in den Wolken.
Meine liebe Leserin, mein lieber Leser, bist du bereit für die größte Abenteuerreise im Universum? Eine Reise zum größten Wunder, das es überhaupt gibt?
Gern nehme ich dich mit zum Entdecken, wer wir wirklich sind.
Ich freue mich, mit dir zu reisen.
Patric Pedrazzoli
1 Ich? Wer ist Ich?
Lass uns eine gemeinsame Reise machen und tief in diese Thematik eintauchen. Hast du dir schon einmal die Frage »Ich? Wer ist Ich?« gestellt? Wahrscheinlich nicht, denn ich bin doch ich. Das weiß ich doch schon alles. Ich kenne mich ja. Ich, ist das am häufigsten gebrauchte Wort, das wir benutzen: Ich gehe, ich mache, ich tu, ich will, ich habe und viele Ich mehr. Doch wer ist Ich in Wirklichkeit? Hast du dein Ich schon jemals gesehen? Wenn ja, wie sieht es aus? Die häufigste Antwort, die ich bekomme, ist: Ich bin das, was ich am Morgen im Spiegel sehe. Ich bin doch das, aber wer ist das? Ist das dein Körper, den du im Spiegel siehst? Wenn also das dein Körper ist, der sich im Spiegel zeigt, kann es unmöglich dein Ich sein. Lass uns ganz intensiv überlegen. Hier möchte ich dir eine schöne Erfahrung aus meinem Leben schildern, die das ein wenig näher beleuchten kann, was ich meine.
Als eine meiner jüngeren Töchter im Alter von ein bis zwei Jahren vor mir stand und ich sie gefragt habe, wer sie sei, stand sie wortlos da. Sie lächelte mich strahlend an, und es kam sehr viel Liebe und Stille herüber, aber sie gab keine Antwort.
Einige Monate später habe ich sie erneut gefragt: »Wer bist du?« Und sie hat mich mit einem Blick angelächelt, der etwa sagte: »Was ist das für eine Frage, Papa?« Es kam wieder sehr viel Liebe herüber, eine Freude, eine Freiheit, eine Glückseligkeit. Aber kein Wort! Einige Monate später habe ich sie nochmals gefragt: »Wer bist du?« Und da hat sie ganz stolz gesagt: »Ich bin Nene.« Nene ist meine älteste Tochter. Sie heißt Nayeli und hat sich selbst Nene genannt, da sie ihren vollen Namen noch nicht aussprechen konnte. Also dachte meine mittlere Tochter, sie sei auch Nene.
Wie kam es, dass sie glaubte, sie sei auch Nene? Als ich darüber nachdachte, wusste ich plötzlich, warum sie zuerst gedacht hat, sie sei Nayeli, also Nene. Wenn wir nämlich im Haus gerufen haben: »Nayeli, wo bist du?« oder: »Nene, wo bist du?«, dann hat sie aus ihrem Zimmer herausgerufen: »Hier bin ich.« Damit hat meine mittlere Tochter angenommen: Ich muss ja auch jemand sein. Ich kann ja nicht einfach diese namenlose Liebe sein, sondern es muss da auch ein Ich sein, das einen Namen hat. Also dachte sie, sie sei auch Nene. Weil sie auch jemand sein wollte. Einige Monate später stellte ich nochmals dieselbe Frage, und sie antwortete ganz stolz: »Ich bin Ciela!«, als hätte sie es selbst herausgefunden. Da habe ich sie gefragt: »Bist du eine Prinzessin?« – »Nein, ich bin Ciela!«, beharrte sie vehement! Sie dachte wohl, nun habe ich herausgefunden, wer ich bin, und da musst du jetzt nicht mit Prinzessin oder sonst etwas kommen! Vielmehr weiß ich jetzt, wer ich bin. Noch Monate später hat sie geantwortet: »Ich bin Ciela!« – »Bist du eine Prinzessin?« – »Ja!« Danach war klar, dass sie nun Rollenspiele machen und in eine andere Rolle schlüpfen konnte. Nun konnte sie als Ciela auch eine Prinzessin sein.
So ist das Ich entstanden. Der Name ist völlig in Ordnung. Dies ist eine wunderbare Hilfe im Alltag. Doch wir sind nicht der Name, oder besser gesagt: Wir sind nicht jemand, der sich über den Namen definiert. Das merkst du, wenn jemand einen falschen Namen sagt oder deinen Namen falsch betont. Bist du dabei vollkommen entspannt, ist alles okay. Wenn du darauf intensiver reagierst oder sogar emotional wirst, dann siehst du daran, wie sehr du dich mit dem, was du denkst, identifizierst.
Das eine Ich ist das große Ich, das universelle Ich, das ganzheitliche Ich, das man Gott, Allah, Buddha, Universum usw. nennen kann. Man kann es aber auch das allumfassende All-Sein nennen oder die Einheit mit allem, was ist. Es kann verschiedene Namen haben. Dieses große Ich ist nicht das kleine Ich. Das kleine Ich, wovon ich vorher gesprochen habe, ist das Ich, das ich selbst kreiert habe. Dieses Ich hat einen Namen, und ich bin eine Person. Darauf kommen wir später noch zu sprechen. Das große Ich, das wir alle sind, das wir als Einheit und nicht getrennt voneinander sind, ist so: Wenn ich dir den Samen eines Apfelbaums (Kern) zeige, dann ist in diesem Kern bereits der ganze Baum enthalten. Sind wir uns darüber einig? Doch da sehen wir, dass der Verstand nicht begreifen kann, dass der ganze Baum schon in diesem Kern enthalten ist. Dabei ist es logisch, dass er in diesem Kern enthalten ist. Denn wir haben schon oft Samen gesehen, die in die Erde gesät wurden, und erlebt, dass daraus Pflanzen oder Bäume gewachsen sind. In diesem Kern ist nicht nur ein Baum, sondern Tausende, ja sogar Millionen von Äpfeln. Dieser Kern enthält also den Baum und auch die Millionen Äpfel, die dieser Baum in seinem Leben je tragen wird. Und auch in diesen Äpfeln sind wiederum Millionen von Bäumen und Äpfeln enthalten, wie aus dem Kern hier für den ersten Baum, Millionen von Äpfeln, die Millionen von neuen Kernen, neuen Bäumen geben werden. Das alles ist in diesem einen kleinen Kern enthalten. Es ist aber noch mehr enthalten.
Unglaublich, was in einem so kleinen Kern Platz hat. In ihm ist aber auch sein Zerfall enthalten. Nicht nur der Tod, sprich: seine Zersetzung, sondern auch der Humus, den dieser Baum geben wird und auch die anderen Millionen Bäume. Dieser Humus gibt neue Erde, und diese neue Erde birgt die Möglichkeit, neue Pflanzen und neue Bäume hervorzubringen. Das heißt, es ist in einem Apfelbaumkern so viel Humus enthalten wie die Erde Erdreich hat. Also ein unendlich großer Kreislauf ist bereits in diesem Kern enthalten.
Vielleicht fragst du dich: »Was will er damit sagen?« Damit möchte ich Folgendes sagen: Wir sind der Same allen Ursprungs des ganzen Universums. Es heißt in der Bibel: »Am Anfang war das Wort«, doch das glaube ich nicht. Am Anfang war es still. Dann kam ein Wort. Vor dem Wort muss es still gewesen sein. Das Wort kommt aus der Stille und fügt sich wieder in die Stille ein. Das heißt, wenn unser Körper der Same des Ursprungs allen Ursprungs ist, dann ist in uns das ganze Universum und auch all das, was existierte, bevor mit dem Urknall das Universum entstanden ist. In uns ist das Vorweltliche, alles, was existierte, bevor sich das Universum und die Planeten und die Welten manifestiert haben. Das bedeutet, in dir selbst ist bereits das ganze Universum zu Hause. Du bist in dir zu Hause, jetzt. Es ist alles in dir. Und wenn alles in dir ist, gibt es keine Suche im Außen. Es gibt nur eine Entdeckungsreise nach innen. Und die machen wir zusammen, gerade jetzt.
Ich wollte dir kurz zeigen, was das große Ich ist. Man kann es auch als Sein bezeichnen, da wir in diesem Samen mit allem von Anbeginn der Zeit und auch davor verbunden sind, sind wir auch mit allem eins: mit jedem Planeten, mit dem Universum, mit allen Menschen, mit allen Tieren, mit der Natur und mit der geistigen Welt. Dies zu entdecken ist das größte Geschenk, das es gibt, und es gibt dem Leben einen Sinn. Entdecke, wer du wirklich bist. Dies ist die größte, spannendste und wunderbarste Abenteuerreise zu dir selbst.
Nun kommen wir zum kleinen Ich. Dieses Ich ist in der Kindheit entstanden. Ich habe meine Tochter öfter im Arm gehabt und ihr vor dem Spiegel gesagt, während ich auf ihren Körper zeigte, das bist du. Auf jedem Foto habe ich ihr gesagt, das bist du und dein Papa. Sie hat also angenommen, ich bin ich und ich bin der Körper. Wenn du Babys vor den Spiegel stellst und sie fragst: »Wer ist das?«, sagen sie, was sie im Spiegel sehen: »Das ist ein Baby.« Sie gehen nicht davon aus, dass sie das sind im Spiegelbild, sondern sie gehen von etwas anderem aus. Sie sind nicht das, was sie sehen.
Später entsteht dann etwas anderes: Es kommt das Ich, das einen Namen trägt. Doch bist du der Name? Bist du auf den Namen beschränkt? Nein, du bist etwas viel Größeres als du denkst. Erinnere dich an den Samen als Ursprung allen Seins. Also du hast einen Körper, oder besser gesagt: Du bist in diesem Körper unterwegs in dieser Welt. Das bist du. Du bist also der Insasse im Körper, so wie du mit dem Auto unterwegs bist und dann aussteigst, und auf dem Parkplatz komme ich zu dir und frage dich: »Bist du das Auto?« Und du sagst: »Nein. Ich bin der Insasse und nicht das Auto.« Wir sind in einen Körper hineingeboren.
Im Lauf der Jahre sammeln wir viele Informationen und speichern sie im Gehirn ab. Solange ich mich an meine Kindheit erinnere, bis ich etwa sechs oder sieben Jahre alt war, hat mein Gehirn kaum gedacht. Es war still. Keine Gedanken. Es war kaum etwas abgespeichert. Erst im Lauf der Jahre kamen die Gedanken auf und wurden zu einem sprechenden Radio. Und was hat es gebracht? Ich war in der jüngsten Kindheit glückselig, voller Energie und Lebensfreude. So wie du auch. So wie alle kleinen Kinder. Bis sich ab einem gewissen Alter die Gedankenwelt immer mehr manifestierte und verdichtete. Was ist passiert? Wie ist das geschehen, ohne dass ich es bemerkt habe? Das Gehirn funktioniert ähnlich wie ein Computer, der viele Programme laufen hat. Im Gehirn geschieht dies zu etwa 95 Prozent unbewusst. Ähnlich wie bei einem iPhone® oder einem anderen Smartphone oder auch wie der Taskmanager auf dem Computer. Wenn du den Taskmanager öffnest, dann siehst du erst, wie viele Programme gleichzeitig im Hintergrund laufen, Programme, die du auf der Oberfläche des Computers gar nicht sehen kannst. Diese Programme rauben dir viel Energie und leeren deinen Akku. Wir legen also in unserem Gehirn wie auch beim Computer Excel-Tabellen an. Aber wie entstehen diese Excel-Tabellen?
Zuerst beleuchten wir das Ich noch etwas genauer. Wir werden alle als Personen bezeichnet. Ich bin eine Person, ich bin eine Persönlichkeit, ein Individuum. Das Wort Person heißt im Lateinischen die Maske, sprich: die Maske des Schauspielers. Wer ist diese Maske, diese Person? Diese Maske zeige ich meiner Außenwelt, und ich meine, ich sei diese Person, also die Maske. Ich zeige mich nicht, wie ich wirklich bin, so, wie es unsere Kinder zeigen, frei und unbekümmert, sondern eher manipulativ. Ich zeige dies so, wie ich es mir antrainiert habe, so, wie ich glaube, dass es gut ankommt, und so, wie ich die Liebe, die Anerkennung bekomme, wie mir Wertschätzung entgegengebracht wird, wie ich glaube, am besten meine Ziele zu erreichen. Und dies geschieht zu 95 Prozent unterbewusst. Das bedeutet, dass ich gar nicht mehr bemerke, dass ich zu einer Marionette meines Unterbewusstseins geworden bin. Mein wahres Wesen ist hinter dieser Maske in der Tiefe verborgen. Diese Person, diese Maske ist das kleine Ich, das eine Rolle spielt, um gut durchs Leben zu kommen. Es wohnt im Hirn, ist also die Stimme im Kopf, die nie genug bekommt und immer recht hat, sie benutzt den Körper, um ihre Pläne zu realisieren. Die Excel-Tabellen im Hirn sind am Anfang simpel eingeteilt. Du bist ein Mann oder eine Frau. Am Anfang, als kleines Kind, wissen wir gar nicht, dass es verschiedene Geschlechter gibt. Auch da bilden wir eine Einheit und meinen, alle seien gleich. Doch wir werden von unseren Eltern früh darauf aufmerksam gemacht, wer wir aufgrund körperlicher Merkmale sind. Das heißt, die erste Excel-Tabelle wird überschrieben mit dem Namen Patric, also einem Namen und mit einem körperlichen Geschlecht. Du bist ein Junge und wirst einmal ein Mann, hieß es bei mir. Dann kommt die Herkunftstabelle, woher ich komme, z.B. aus der Schweiz. Also bin ich ein Schweizer. So entsteht der Nationalismus in mir und auch ein gewisser Patriotismus. Es ist sehr schön, ein Schweizer zu sein. Doch innerhalb der Schweiz entsteht eine Untergruppe dieser Herkunfts-Excel-Tabelle, nämlich: In der Schweiz bin ich Berner, also aus dem Kanton Bern, also nicht Zürcher oder Basler, sondern ein stolzer Berner. Bei dir ist es sicher auch so. Schau einmal, aus welchem Land du kommst und aus welcher Gegend in diesem Land du das fühlst, was ich damit meine. Auf diese Weise füllt sich diese Tabelle. Wir führen in uns also einen starken Patriotismus für unser Land, dann für den Kanton (das Land, den Bezirk etc.), und es geht noch weiter.
In Bern bin ich nicht von der Stadt, sondern vom Land. Beispiel: Ich bin in Oberwangen aufgewachsen, einem Dorf, etwa 20 Kilometer außerhalb der Stadt Bern. Es geht noch weiter in die Untergruppen, denn in Oberwangen bin ich nicht unten im Dorfkern aufgewachsen, sondern oben auf dem Hubel. Der Hubel ist eine kleine Hügelkette. Im Hubel war ich vom Gummenholzweg, also nicht vom unteren Gummenholzweg, sondern vom oberen, und dort nicht von vorn an der Straße, sondern von hinten, am Waldrand. Hörst du dies? In mir führe ich einen fünf- bis sechsfachen Patriotismus. Wie kann es sein, dass unser Gehirn solche Tabellen führt und sich darin auch noch identifiziert, also mit Emotionen und Gefühlen verknüpft ist und dadurch alles als real empfindet?
Ich möchte dir an einem schönen Beispiel zeigen, wie unsere Gedanken im Hirn – also die gespeicherten Excel-Tabellen in dieser 3D-Welt – reagieren, wenn die Schweiz bei einem Fußballmatch gegen Brasilien führt. Welche Gefühle und Emotionen steigen in mir hoch? Die Hoffnung, dass es bei diesem Resultat bleibt, Ängste, dass es sich ändern könnte, Verzweiflung, wenn das Spiel kippt und Brasilien zwei Tore schießt, Aufbruchsstimmung beim Ausgleichstreffer, Euphorie und Freude, wenn die Schweiz erneut in Führung geht. Eine Glückseligkeit, die über mich kommt, wenn der Schlusspfiff ertönt und wir gewonnen haben. Spürst du das? Aber wenn Brasilien führt und dies bis zum Schlusspfiff so bleibt, dann sind wir deprimiert, und es entsteht Trauer. Wenn Paraguay gegen Chile spielt, spüre ich nichts, bei keinem Tor, und mir ist auch das Endresultat vollkommen egal. Da sehen wir, wie die selbst kreierten Excel-Tabellen funktionieren, wie sie mit uns spielen. Unsere Excel-Tabellen sind mit unseren Emotionen gekoppelt, das heißt, ein Gedanke – bewusst oder unbewusst – löst Emotionen aus mit allem, was wir in unserem Hirn abgespeichert haben, ob wir wollen oder nicht, ob die Emotionen sich positiv oder negativ auf uns auswirken. Es ist alles vollkommen okay mit den Excel-Tabellen und den Emotionen. Die gehören alle zum Leben. Doch mir geht es um die Identifizierung und um das Leiden, das für uns und unser Umfeld dadurch verursacht wird. Wir sind das, was ich hier beschrieben habe. Oder sind wir etwas völlig anderes? Sind wir nicht viel mehr als die Gedanken, Tabellen und Emotionen? Wir führen noch Hunderte mehr solcher Excel-Tabellen in unserem Kopf, die uns das Leben nicht leichter machen. Zum Beispiel gibt es neben der Tabelle Religion auch noch die Tabellen Sexualität, Spiritualität, Erfolg, Werte, Beziehungen usw. Was meinst du, geben dir diese Tabellen: Freiheit, Frieden, Liebe oder führen sie eher zu einem goldenen Käfig, zu einem Hamsterrad, zu Stress usw.? Ist es das, woran du glaubst? Oder ist es das, was du zu glauben meinst, weil es deine Tabelle so abgespeichert hat, weil es dir deine Eltern so mitgegeben haben? Gesellschaft, Freundschaft und Kultur und vieles mehr. All das haben wir in uns abgespeichert. Es macht unbewusst mit uns das, was es will. Das Bewusstsein beträgt etwa fünf Prozent, fünfundneunzig Prozent aber ist Unterbewusstsein, und das steuert uns permanent.
Wenn wir den Alltag mit unserem Unterbewusstsein bewältigen, sind wir lebendige Marionetten. Gesteuert von unseren Tabellen. Es geht mir dabei nur darum, deutlich zu machen, woher das alles kommt. Was geschieht bei dir beim Lesen dieses Buches? Wir beobachten diese Themen, gehen tief in sie hinein und durchleuchten die Maske, ihre Themen und Ursachen, wir beleuchten sie, und im Moment der Klarheit und Wahrheit in dir erlösen sie sich. Als würde das Licht in einen dunklen Raum hineinleuchten, sodass es heller und heller wird. Wenn das Licht den Raum völlig erleuchtet, ist die Dunkelheit weg. Wo Licht ist, ist kein Schatten mehr. Ich frage mich dann immer: Wo ist der Schatten hingekommen, wenn das Licht darüber ist? Ist der Schatten real? Wenn ja, wo ist er hingegangen, nachdem das Licht dominierte? Dies ist eine sehr spannende Frage. Antworten darauf habe ich nicht. Vielleicht ist die Antwort darauf jenseits von Worten. Was kann ich tun, damit ich dieses Spiel, das ich selbst kreiert habe, durchschaue? Wenn ich aber nicht merke, dass es ein Spiel ist, dann habe ich mich in der Ernsthaftigkeit des Spiels des Lebens verloren.
Es geschieht durch Achtsamkeit und Wachheit. Tu nichts und beobachte alles, so, wie wir dies in diesem Kapitel versucht haben. Sei geduldig mit dir, aber auch geduldig mit mir. Fühle die Energie dahinter, die sich freisetzen kann. Es ist etwas Stilles, etwas Kräftiges, etwas Universelles, wenn sich die Unwissenheit in uns auflöst. Es braucht Geduld. Und Geduld ist reine Liebe wie die Natur. Du musst nichts tun in der Natur, es wächst alles von allein. Man muss nur Geduld haben. Kümmere dich nicht darum, wenn etwas nicht kommt, sondern sei geduldig und warte! Es kommt etwas Neues. Die Samen wachsen unterschiedlich schnell. Gib dem allem Zeit in dir, heranzureifen. Lausche den Worten, lass die Stille ihre Kraft und Wirkung entfalten, und beobachte, ohne etwas zu tun! Wer ist Ich? Wer sind wir wirklich? Ich kann dir nicht zeigen, wer wir wirklich sind, aber ich kann dir zeigen, was wir nicht sind. Und wenn wir aufräumen und feststellen, was wir nicht sind, wird dein wahres Ich erwachen. Dieses Ich wird größer. Versuche auch, das Wort schnell wegzulassen. Denn schnell ist das dritthäufigste Wort, das wir benutzen. Kennst du das zweithäufigste Wort noch? Ja? Es ist wollen. »Ich will schnell.« Du musst dich nicht beeilen. Du musst nichts tun. Nimm dir Zeit und sei Beobachter der Stille, ohne einzugreifen, wenn es nicht beim ersten Mal schon klappt. Komm mit mir in diese Tiefe und finde dein Sein, dein wahres Wesen.
Übung
Wenn du dich nun fragst: »Wie kann ich das alles umsetzen? Was kann ich tun, um all dies zu erkennen und davon frei zu werden?« Ich gebe dir eine Hilfe für deinen Alltag. Sei einfach achtsam und wach und beobachte dein Spiel des Lebens. Wenn du mich nun fragst: »Wie geht das? Was kann ich tun? Wie lange dauert es?« Dann sei einfach wach, achtsam und beobachte und durchleuchte dein Leben. Wenn du geduldig bist, demütig und voller Hingabe an den gegenwärtigen Moment, wirst du entdecken, dass da ein Brett ist. Und nach einer Weile erkennst du, dass dieses Brett acht mal acht Felder hat. Nach einer weiteren geduldigen Weile siehst du schwarze und weiße Felder, also insgesamt 64 Felder. Du siehst also das Schachbrett, das Spiel des Lebens. Das ist symbolisch gedacht, was ich hier schreibe. Doch genauso funktioniert es. Wenn du noch tiefer schaust, entdeckst du die verschiedenen Spielfiguren auf dem Brett. Du stellst fest, dass nicht alle Figuren gleich sind und dass nicht alle Figuren die gleichen Spielzüge spielen können. Alle sind in gewissen Mustern zu Hause. Jeder Spielzug verändert das Spiel. Das Spiel ist immer in Bewegung. Alles kommt und geht und ist nie gleich. Wenn wir uns dann nach ein paar Monaten oder ein paar Jahren sehen, bist du ein Schachmeister oder eine Schachmeisterin. Ohne dass ich dir eine Anleitung gegeben habe. Auch ohne Anweisungen wurdest du durch deine Achtsamkeit, den wachen Geist und deine Geduld zur Meisterschaft geführt im Spiel des Lebens. Genauso geht es. Nichts tun heißt nicht, dass nichts passiert. Vertrau dir und vertrau dem Universum. Wenn wir das in der Tiefe nach deiner Meisterschaft betrachten, dann frage ich dich: »Bist du das Spiel oder bist du derjenige, der das Spiel wahrnimmt? Der Beobachter? Der stille Zeuge?«
Beginne jetzt all dies in deinem All-Tag zu beobachten, zu beleuchten, zu durchleuchten. Dann wird sich alles auflösen, erlösen. Ich bin immer bei dir!
Geschichte
Bodhidharma entlarvt das Ego
Bodhidharma wurde vom Kaiser Wu gefragt: »Mein Ego, das Selbst, macht mich rasend. Ich habe alles ausprobiert, doch ich werde es einfach nicht los. Hilf mir!« Bodhidharma sagte: »Komm morgen um drei Uhr früh zu mir. Komm allein und vergiss nicht, dein Selbst mitzubringen. Ich werde es für immer vernichten.« Der Kaiser bekam es mit der Angst zu tun. Dieser Bodhidharma sah ziemlich verrückt aus. Wie kann irgendjemand mein Selbst umbringen? Und was meinte er damit, als er sagte: »Vergiss nicht, es mitzubringen«?
Komm allein und bring dein Ego mit!
Die ganze Nacht machte der Kaiser kein Auge zu. Er wälzte sich im Bett hin und her. Mehrere Male entschied er sich, nicht zu hingehen. Bodhidharma hatte gesagt: »Komm allein!« Und er sah sehr gefährlich aus. In China war er als der barbarische Buddha bekannt. Er hatte gefährliche Augen. Wenn Bodhidharma jemandem in die Augen sah, dann konnte dieser monatelang nicht schlafen. Er sah wirklich wie ein Mörder aus – und er war auch einer. Er brachte die Egos seiner Schüler um. Viele Leute wurden durch ihn erleuchtet. Er war wirklich einer, der nicht lockerließ.
Doch die Anziehung zu ihm war genauso groß wie die Angst. Bodhidharma war kein gewöhnlicher Mensch. Selbst wenn er äußerlich hart aussah, innen war er voller Mitgefühl. Kaiser Wu musste zu ihm gehen. Bodhidharma saß schon da und hatte seinen Stock in der Hand. »Du bist also gekommen. Wo ist dein Ego? Wo ist dein Selbst? Hast du es mitgebracht? Ich werde es für immer auslöschen.«
Bodhidharma droht, das Ego zu töten
Der Kaiser sagte: »Wovon sprichst du? Das Selbst ist doch kein Ding, das ich mitbringen kann.« Bodhidarma sagte: »Was ist es dann?« – »Es ist etwas in mir drin«, antwortete der Kaiser. »Na gut«, sagte Bodhidarma, »innen oder außen, das macht keinen Unterschied. Mein Stock reicht überallhin. Setz dich einfach vor mich hin, schließ die Augen und versuche es zu finden. In dem Moment, in dem du es gefunden hast, gib mir Bescheid, und ich werde dein Selbst umbringen.«
Schlotternd und zitternd setzte sich der Kaiser vor Bodhidharma hin. Stunden vergingen. Die Sonne ging allmählich auf. Er hielt nach seinem Ego Ausschau, suchte und suchte. Es war wichtig, genau hinzuschauen, denn vor ihm saß dieser gefährliche Mann mit seinem großen Stock. Er würde wahrscheinlich hart zuschlagen.
Wo ist das Selbst?
Am Morgen, nach dem Sonnenaufgang, war der Kaiser ein völlig anderer Mensch. Bodhidharma sagte: »Jetzt kannst du deine Augen wieder aufmachen. Wo ist dein Selbst? Du hältst jetzt schon drei Stunden lang nach ihm Ausschau.«
Der Kaiser berührte ehrfürchtig Bodhidharmas Füße und sagte: »Ich konnte es nicht finden. Ich schaute wirklich genau hin. Niemals zuvor habe ich mich so angestrengt, das Ego zu finden. Ich habe meine ganze Energie dafür eingesetzt. Und doch konnte ich es nicht finden.« Bodhidharma lachte und sagte: »Ich habe es dir ja gesagt, ich habe es völlig ausgelöscht.«
Das Ego gibt es nicht!
Es existiert nur, wenn du nicht hinsiehst. Schau nach innen, und du wirst dort kein Ego finden, kein Selbst … nichts dergleichen. Was du findest, ist ewiges, unbegrenztes Leben. Du wirst dafür unglaublichen Respekt empfinden und das Leben zutiefst wertschätzen.
BUDDHISTISCHE WEISHEITSGESCHICHTE
2 Die Welt ist in dir
Sei nach Möglichkeit neutral, wenn wir dieses Thema durchleuchten. Versuche so gut es geht, nicht zu interpretieren, sondern lass es in einem leeren Raum in dir einfach sein. Lass die Worte in dir wirken.
Die Welt ist in dir. Gibt es diese Welt da draußen überhaupt, so wie wir sie sehen, hören, riechen, fühlen und wahrnehmen? Wenn du das ganz genau betrachtest, existiert die Welt da draußen. Aber wo? Du denkst jetzt vielleicht: »Was ist das für eine komische Frage?« Ich bin ein Leerer, der sich absichtlich mit zwei e schreibt. Denn was wir hier zusammen machen, ist Leeren. Wir leeren uns, damit wir in der Fülle des Lebens im Universum erwachen können. Wenn wir zu viel in unserem Kopf haben, sehen wir nicht das, was Kinder noch sehen können. Alles leuchtet im Leben und ist ein wahres Wunder. Die Welt ist wunderschön, unsere Körper sind wunderschön, unsere Tierwelten sind wunderschön, unsere Natur, dieser wunderbare Planet, unsere Galaxie und unser Universum sind wunderschön. Siehst du es noch? Alles, was ich sehe, fühle, höre und wahrnehme von der Außenwelt, geht wohin? Die Welt sehe ich über meine Augen, diese Einblicke in die Welt hinaus gehen durch meine Augen in mein Gehirn und werden dort interpretiert. Alles, was ich höre, geht über die Töne und Geräusche in mich hinein und wird im Gehirn interpretiert. Alles, was ich fühle und wahrnehme von der Außenwelt, geht in mich hinein und wird in mir im Gehirn interpretiert. Gibt es die Welt da draußen wirklich? Und wenn ja, wo existiert sie? Hat die Welt dir schon jemals gesagt: »Hier bin ich, und du bist dort?« Siehst du, wie nüchtern wir an dieses Thema herangehen, es tief betrachten, beobachten, durchleuchten und erlösen können? Die Welt, die du und ich wahrnehmen und interpretieren, existiert nur in uns.
Siehst du das auch so? Die Welt, die wir immer als außen gesehen haben, existiert also nur in uns. In uns findet also die Welt statt. Und ist meine Welt dieselbe wie deine? Prüfe dies einmal bei deinem Partner, bei Freunden und der Familie, ob ihr alle in derselben Welt lebt. Noch einfacher ist es, wenn wir dies bei Menschen, die nicht die gleiche Musik hören wie wir, beobachten, bei Menschen, die andere politische Interessen haben, aus anderen Kulturen kommen oder eine andere Religion haben als wir. Ob sie in derselben Welt leben?
Es gibt fast acht Milliarden Menschen auf dieser Welt und damit auch acht Milliarden Innenwelten, die die Außenwelt interpretieren. Kannst du mir folgen? Du musst mich nicht verstehen. Auch ich verstehe es nicht, da der Verstand begrenzt ist und dieser Sichtweise nicht so ohne Weiteres folgen kann.
Folge mir aus dir heraus, folge deiner Seele, deinem Herzen, und lausche diesen Worten. Wenn es nun die Welt da draußen nur in dir gibt, wie sieht es dann mit deinem Innenleben aus? Deine Innenwelt, wie du dich in dir fühlst, wahrnimmst, vielleicht auch mit dir sprichst, deinem Bauchgefühl, deiner Intuition usw., also all das, was du seit vielen Jahren als dein Innenleben wahrgenommen hast. Wie sieht es damit aus? Gibt es nun ein Innenleben für dich und ein gerade neu entdecktes Außenleben, das aber eigentlich innen ist? Es gibt also deine eigene innere Welt und die Welt von draußen, die du in dir interpretierst.
Aus meiner Sicht kommt es damit zu einem kleinen Konflikt zwischen zwei inneren Welten, da ich die Außenwelt auch in mir interpretiere. Es kann aber keine zwei Welten in deinem Inneren geben. Deswegen werden die beiden inneren Welten zu einer Welt in dir. Da diese verschmolzenen Welten zu einer Welt in dir geworden sind, kannst du selbst in dir Frieden mit der Welt machen, mit dir, deiner Menschen- und Tierfamilie sowie mit der Natur. Es ist alles möglich, wie schon im ersten Kapitel beim Beispiel mit dem Samen (➛ Seite 13) erwähnt, wo das ganze Universum in dir zu Hause ist.
Versuche das mehr und mehr in deinem Alltag zu realisieren. Dein Kopf beginn dann zu grübeln, weil er vielleicht noch nie an so etwas gedacht hat. Dein Verstand nimmt immer an, dass das Außen außen und das Innen innen ist. Du wirst erkennen, dass alles eins ist.
Wir leben in einer sehr wissenschaftlichen Welt. Lass uns zusammen sehr nüchterne, spirituelle Wissenschaft betreiben. Laut wissenschaftlichen Studien muss alles beweisbar sein und hundertprozentig übereinstimmen. Wenn wir einmal schauen, wie viel unser Auge von dem wahrnehmen kann, was wahrnehmbar ist, d. h. ein Spektrum von hundert Prozent, dann kann unser Auge weniger als ein Prozent von allem, was es zu sehen gibt, sehen. Unser Ohr hört weniger als ein Prozent von allem, was man hören kann. Unsere Wissenschaft basiert also auf weniger als einem Prozent der Wirklichkeit. Eine solche Wissenschaft müsste also ein völliger Humbug sein, denn bei weniger als einem Prozent Wahrgenommenem und den restlichen neunundneunzig Prozent Nicht-Wahrgenommenem kann es das alles gar nicht geben. Aber so betrachtet man es nicht. Wenn das mit unserer Wissenschaft so ist, dann ist das alles nicht viel wert und entspricht nicht der Wahrheit, sondern lediglich der Wahrheit von einem Prozent, was erforscht ist. Damit könnte ich gut leben. Es gibt also noch viel Luft nach oben bei unserer Wissenschaft.
Lass uns das Spektrum in uns erweitern, sodass wir in die vollen hundert Prozent eintauchen können. Unser Wesen war bereits da, bevor es den Urknall gab. Es kommt von dorther, wo das erste Wort gesprochen wurde, aus der Stille. Alles, was Materie ist, Gefühle, Farben, Schwingungen, all das schwingt in vielen Millionen Frequenzen. Das ganze Universum, die ganze Welt, die Körper, die Chakren, die geistige Welt: Alles ist mit Schwingungen aufgebaut. Aber unser Wesen ist absolut still. Und etwas, das still ist, hat keine Resonanz und keine Frequenz. Dies bedeutet: Unser Wesen durchdringt das gesamte Universum. Es ist in allem und eins mit allem, was ist. Alles, was Frequenz und Resonanz hat, sind wir nicht, und doch sind wir alles. Die Stille ist immerwährend hier. Ich bitte dich, auch während des Lesens ab und zu einen Moment innezuhalten und der Stille zu lauschen, die du bist. Dein Wesen ist immer hier und immer jetzt und es ist immer still in dir. Doch dies ist oft zugedeckt und überdeckt mit Geräuschen, Einflüssen, Gedanken, Sorgen, Zweifeln, Ängsten, Erfolgsdruck, Zielerfüllungen und vielem mehr. Entdecke, was du wirklich bist, indem wir die Geschichten über uns zusammen aufdecken, um dem, was wir wirklich sind, näherzukommen.
Die meisten Menschen, die zu mir kommen, möchten oft in und zur Ruhe kommen und ihre Mitte finden, um ihr volles Potenzial leben zu können. Die Stille ist immer da und immer hier. Es gibt keinen Weg dahin, weil wir bereits da sind. Solange jemand in uns ist, der in die Ruhe kommen möchte, ist er auf dem Weg zu realisieren, dass es bereits still in ihm ist. Du kannst das mit einem Plattenspieler vergleichen. Die Mitte, auf die die Schallplatte aufgelegt wird, ist immer in der Mitte und bleibt immer am gleichen Ort.
Wir sind nicht die Platte, die sich dreht, und wir sind auch nicht die Geräusche oder die Musik, die sie von sich gibt. Wir sind die Mitte, die all dies überhaupt möglich macht. Wir denken aber, dass wir das sind, was sich bewegt und Lärm macht, und wir versuchen, auf dieser Ebene der Platte in die Mitte oder in die Ruhe zu kommen. Doch da wir das nicht sind, können wir dort nie in die Ruhe kommen und die Stille finden. Wir suchen am falschen Ort. Du bist die Mitte des »Plattenspielers«, und du bleibst immer am gleichen Ort. Doch die Welt und die Frequenzen drehen sich um dich herum. Statt deine Mitte zu suchen und sie finden zu wollen, darfst du realisieren, dass du das rundherum nicht bist. Du hast deine Mitte und die Stille nie verlassen. Du darfst erkennen, was du nicht bist, um zu realisieren, was du schon immer gewesen bist. Es klingt alles sehr einfach, und das ist es auch. Und es ist doch nicht ganz so einfach. Das Universum hat alles ganz einfach gemacht. Der Verstand sucht die Perfektion. Doch die gibt es im Universum nicht. Es ist alles schon in Ordnung. Es ist in Ordnung, alles absolut vollkommen, jedoch nicht perfekt.
Im Lauf des Lebens kommen viele Geschichten dazu, die wir in unserem Gehirn abspeichern. Unser Wesen wird dabei durch die vielen Geschichten zugedeckt. Nun beginnt eine tiefe Innenschau, und man beginnt, die erste Schicht zu beobachten, zu beleuchten, zu durchleuchten und zu erlösen. Wir beginnen damit, die oberste bewusste Schicht zu durchleuchten. Wie bereits ausgeführt: Wir leben mit fünf Prozent Bewusstsein und fünfundneunzig Prozent Unterbewusstsein. Beginnen wir also mit der obersten Schicht. Ist diese erlöst, kommen die restlichen neunundneunzig Prozent näher an die Oberfläche. Dies bedeutet, ein Prozent aus dem Unterbewusstsein taucht bei den fünf Prozent Bewusstsein auf. Wenn die nächste Schicht durchleuchtet und erlöst wird, kommen die restlichen achtundneunzig Prozent nach oben, und davon sind nun zwei Prozent Unterbewusstsein, die in den fünf Prozent Tagesbewusstsein auftauchen. Wenn wir dies durchführen und Schicht für Schicht erlösen, kommt das Unterbewusstsein automatisch an die Oberfläche und wird dort beleuchtet und erlöst. Dazu sind Geduld, Hingabe, Demut, ein wacher Geist und Achtsamkeit notwendig. Was kommt danach, wenn alles aufgelöst ist? Du erwachst zum kosmischen Menschen. Dein Wesen ist die größte Kraft im Universum, das ewig und unbegrenzt ist und in dem es alle Möglichkeiten gibt. Dein Wesen trägt das volle Potenzial des ganzen Universums in sich drin. Es ist alles möglich. In jedem Moment. Sei daher offen und bereit für kleine und große Wunder.
Lass uns jetzt noch tiefer hineinblicken in unser Wesen und uns zusammen eine Erfahrung machen, um erahnen zu können, was ich meine, ohne es verstehen zu müssen. Wenn du ein Glas betrachtest, frage ich dich: Bist du das Glas? Oder bist du der bzw. die Wahrnehmende? Also der stille Beobachter in dir, der die Gegenstände um sich herum zwar wahrnehmen kann, sich jedoch bewusst ist, dass er diese Gegenstände selbst nicht ist. Kannst du nachvollziehen, was ich meine? Du nimmst also vieles um dich herum wahr, doch du bist nicht das, was du wahrnimmst, sondern derjenige, der wahrnimmt. Einverstanden?
Wenn das so ist, dann schau einmal deine Hand an. Bist du diese Hand oder bist du immer noch der Wahrnehmende? Nun wird es also ein wenig schwieriger, da du dich wahrscheinlich mit deinem Körper identifizierst und denkst, du seist der Körper, sprich: du seiest auch die Hand, die du gerade betrachtest.
Erinnere dich nun daran, wie leicht dir dies bei der Betrachtung des Glases gelang. Da war dir völlig klar, dass du nicht das Glas bist, sondern lediglich derjenige, der das Glas wahrnimmt, also der Wahrnehmende, der Beobachter in dir, der stille Zeuge. Was ist aber nun der Unterschied bei der Betrachtung der Hand im Vergleich zur Betrachtung des Glases? Das Glas ist außerhalb von dir, also etwas Fremdes. Bei der Hand ist es so, dass du denkst, du seist dein Körper, also auch deine Hand. Doch hier ist es dasselbe: Du nimmst die Hand wahr, bist sie aber nicht, weil du der Wahrnehmende bist.
Schauen wir noch genauer hin. Betrachte nun deinen Körper: Bist du dein Körper, oder bist du das, was ihn wahrnimmt? Dies ist eine knifflige Frage, jedoch essenziell. Wenn dir dies alles bewusst ist, dass du nicht das bist, was du wahrnimmst, sondern lediglich derjenige, der das alles wahrnimmt, dann bist du frei von dem, was du denkst, dass du bist. Du definierst dich vielleicht über deinen Körper und sagst dir: »Das bin doch ich! Ist das wirklich wahr?« Lass den Gedanken ein wenig nachwirken. Wenn du dir also bewusst bist, dass du nicht das Glas bist, dass du nicht die Hand bist, dass du nicht der Körper bist, sondern dass du der bist, der alles wahrnimmt, sprich: der Wahrnehmende, dann realisierst du auch, dass du unmöglich deine Gedanken sein kannst. Du hörst zwar, dass es da oben in deinem Hirn denkt, doch auch hier bist du lediglich der Wahrnehmende. Du kannst also unmöglich diese Gedanken sein. Aber warum hörst du immer auf die Gedanken und gehorchst ihnen? Ich wiederhole noch einmal: Weil der Verstand dies nicht verstehen kann, weil er versucht, sich mit etwas zu identifizieren, was du nicht bist, damit er das Gefühl bekommt, er sei die Wahrheit und sei real. Doch das ist er nicht.
Du bist nicht das Glas, nicht die Hand, nicht der Körper, nicht die Gedanken. Dann allerdings bist du auch nicht deine Geschichte, deine Vergangenheit und auch nicht die spekulative Zukunft, die du dir vorstellst. Du bist der Wahrnehmende, der immerwährend im Hier und Jetzt und dort auch ewig ist, immer jung und zeitlos, losgelöst von Raum und Zeit. Dies ist dein Wesen: glückselig, voller Energie und Freude.
Wenn du aber denkst, du bist das, was denkt, dein Körper, deine Geschichte und auch die spekulative Zukunft, dann leidest du unter dem, was du nicht bist, weil du glaubst, dass du dieses Vergängliche bist, das kommt und geht, und dass du nicht das bist, das immerwährend hier und jetzt ist und dies alles wahrnimmt, jedoch das alles nicht ist.
Du versuchst, die Vergangenheit aufzulösen, die du nicht bist. Vielleicht versuchst du dies schon seit vielen Jahren, versuchst, dies und jenes loszulassen. Doch wie kannst du etwas loslassen, was du nie hattest, weil du es doch nicht bist? Weil du denkst, du seist dies alles, leidest du darunter, und noch mehr leidest du, weil du versuchst, es loszulassen. Beobachte dieses Spiel einmal! Nimm dir Zeit. Beeile dich nicht, denn unser Wesen ist zeit- und raumlos und ewig. Du musst nirgendwohin, um dann irgendwann einmal ankommen zu können, um dort dann frei von Leiden, Sorgen, Zweifeln und Ängsten zu sein. Werde dir dessen bewusst. Komm mit auf diese tiefe Reise zu dir selbst, jetzt. Ich bin immer bei dir, wenn du Hilfe brauchst.
Alles, was wir wahrnehmen, ist eine Interpretation unserer Excel-Tabellen im Gehirn. In Wirklichkeit ist alles so, wie es ist, ohne Bewertung, ohne Einteilung in gut und schlecht, in richtig oder falsch. Alles, was wir wahrnehmen, sind wir nicht. Wir sind also nicht unser Körper und nicht unsere Gedanken und nicht unsere Emotionen. Es ist etwas Tieferes in dir, was du bist. Es ist die reine Liebe. Entzaubere das, was du wahrnimmst und nicht bist, um zu entdecken, was du schon immer gewesen bist. Dafür, was du bist, gibt es keine Worte.
Ich möchte dir dies noch aus einer anderen Perspektive zeigen. Dazu ein Beispiel: Als kleine Kinder werden wir oft mit der Sonne verglichen. Du bist ein Sonnenschein, heißt es dann. Kennst du das auch? Wo ist dein Sonnenschein hingekommen? Leuchtet es immer noch durch dich hindurch? Oder sind dichte Wolken vor die Sonne gezogen, und du hast dich daraufgesetzt und lässt dich von ihnen vertreiben? Hast du vergessen, wer du wirklich bist? Du bist die Sonne.
Es ist ein Phänomen, dass die Sonne Milliarden von Kilometern von der Erde entfernt ist und durch ihr Licht ein Objekt auf der Erde, zum Beispiel deinen Körper, einen Schatten werfen lassen kann, der so aussieht wie das Objekt oder dein Körper. Was bist du nun? Bist du das Licht, die Seele, die Liebe, die das alles überhaupt erst ermöglicht? Oder bist du das Objekt, der Körper, und vielleicht sogar die Projektion, der Schatten? Wir versuchen oft, den Schatten loszuwerden, ihn zu heilen oder ihn zu transformieren. Der Schatten ist unser Ego, unsere Prägungen, unsere Muster usw. Doch wenn wir – symbolisch gesehen – die Sonne sind, also reines Licht, was wollen wir dort heilen oder transformieren? Die Sonne ist vollkommen. Also bist du vollkommen,jetzt. Wenn wir als Sonne denken, wir sind das Objekt, der Körper und die Projektion, der Schatten, dann haben wir uns in einer Illusion verloren, die wir selbst geschaffen haben, und an die wir glauben.
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