Kitabı oxu: «Kings of Blood»

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Kings of Blood

Vorwort

Kings of Blood, ist ein Roman der sich mit der Geschichte der 9 Vampirfürsten befasst. Im Mittelpunkt des ersten Teils stehen dabei zwei Parteien.

Zum einen der Vampirfürst Nicolai Bolschakow und seine Familie. Diese flüchtete aus der Not heraus Anfang des 20.-ten Jahrhunderts nach Amerika und gründete dort einen neuen Vampir-Clan. Nach Jahrzehnten des Friedens muss sich die Vampirfamilie jedoch mit neuen Rivalen an der amerikanischen Ostküste auseinandersetzen.

Auf der anderen Seite erwacht jedoch noch eine ganz andere Bedrohung. Und diese möchte sich nicht mit den Vampiren um Blutquellen streiten. Ein ehemaliger Weggefährte der Vampirfürsten hat es sich zum Ziel gesetzt, die Welt von den Blutsaugern zu befreien.

Auch er ist nicht alleine. Und nach fast 1000 Jahren scheint er endlich einen Weg gefunden zu haben seine ehemaligen Kameraden zu vernichten.

Kapitel 1 - Alles ist vergänglich (Gegenwart)

„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben”.

Johannes 11, 25-26………...

Das helle Licht des Mondes scheint hinab. Hinab auf die Ruine die einst sein fürstlicher Palast war. Es ist Vollmond in jener kalten Winternacht. Die dicken Schneeflocken welche die Überreste seiner Vergangenheit sanft bedecken, werfen das gleisende Mondlicht zurück und erleuchten die sternenklare Nacht.

Wenn er gen Norden sieht, dann sieht er ganz andere Lichter. Es sind die Lichter einer pulsierenden Metropole. Moskau, die eine, die große, die schöne. Mehr als 300 Jahre hat er in seinem Palais südlich von Moskau verbracht. Mehr als drei Jahrhunderte wandelte er über die Erde am Rande der russischen Hauptstadt und der Stadt selbst. Und dennoch, seine Heimat ist es nicht.

Nicolai Bolschakow stammt nicht aus dieser Region. Er wurde ganz woanders geboren. Er wurde in Nowgorod geboren. Im Jahre 982 nach Christus. Als Sohn einfacher Bauern. Dort verbrachte er ein bäuerliches Leben bis er 22 Jahre alt war. Nicolai half seinen Eltern wo und wie er nur konnte. Doch wollte er sein Dasein nicht als einfacher Bauer fristen. Nicolai wollte die Welt sehen. Er hatte Träume und wollte hoch hinaus.

Deshalb entschloss er sich zum Militär zu gehen. Er trat den Truppen von Fürst Jaroslaw dem Weisen bei. Dort diente er viele Jahre. In der Armee lernte er zu kämpfen. Und zu töten. Zu dieser Zeit erwarb er sich unter seinen Kameraden den Beinamen “Schlächter”. Eine Art Ehrentitel den sich die Soldaten zu jener Zeit selbst untereinander verliehen. Sie war eine Anerkennung für schlachterprobte Männer. Sie wurde denjenigen zu Teil die unbarmherzig Blut vergossen und sich nicht vor dem Tode fürchteten.

Nach Moskau kam er erst viele Jahrhunderte später. In der Armee war er da schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Dafür jedoch, war er Teil eines Ordens geworden. Dem Orden der Blutkönige. Gegen Ende des 16 Jahrhunderts kehrte Nicolai nach Russland zurück. Im Süden, vor den Toren der Stadt ließ er sich nieder.

Doch er war nicht alleine. Nicolai gründete eine Familie. Er machte eine Tänzerin zu seiner Ehefrau und Gefährtin. Ljudmila, genannt Mila, war gerade 24 Jahre alt als sie Nicolais unwiderstehlichen Charme verfiel. Und seine Frau gebar ihm drei Kinder.

Nadescha, genannt Nadja, war sein ältestes Kind und einzige Tochter. Iwan, war der erstgeborene Sohn des Vampirfürsten. Und Konstantin, genannt Kostja, war ihr letztes Kind.

Zusammen lebte die Familie im Schatten der rasch heranwachsenden Stadt. Herrschaftlich und abgeschieden. Geschützt und unentdeckt von und vor der Gesellschaft. Sie gründeten einen eigenen Clan. So wie es für die Vampirfürsten üblich war. Eine Großfamilie, deren unangefochtene Vorsteher die Bolschakows waren. Der Moskau Clan war einer der größten Vampirfamilien seiner Zeit. Er hatte mehr als 70 Mitglieder.

Ein Teil der Mitglieder wohnte auf dem Anwesen der Bolschakows, der Rest verteilte sich auf eigene Häuser und Wohnungen in und außerhalb der Stadt.

Demütig blickt Nicolai auf die Trümmer seines alten Moskauer-Clans. Es war nicht seine erste Großfamilie im Laufe der Jahrhunderte. Und auch nicht seine letzte. Doch diese Trümmer bergen einen schmerz erfüllten Teil seines Herzens. Denn hier starb einst sein jüngster Sohn, Kostja. Und mit ihm starb auch ein Teil von Nicolai selbst. Mit Tränen in den Augen denkt er jede Nacht an Kostja zurück. Er war das hellste Licht in seinem dunklen Herzen. Und nun ist er nur noch eine traurige Erinnerung, die mehr und mehr verblasst.

Das Herz eines Vampirs ist anders als das eines Menschen. Es empfindet viel tiefer, intensiver. Freude, Trauer, Lust und Wut sind schier grenzenlos. Kein Geschöpf auf Gottes Erde ist fähig- und dazu verdammt so stark zu leiden wie ein Vampir.

Die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, hatte viel Leid für die russische Bevölkerung im Gepäck. Hungersnöte, Krankheiten, wirtschaftliche Krisen und Kriminalität waren die Saat der Kriege die der Zar zu jener Zeit führte. Vor allem der russisch-japanische Krieg und der erste Weltkrieg trafen das Land tief in´s Mark. Doch nicht nur die Menschen hatten unter der Kriegstreiberei zu leiden.

Auch die Vampire waren sehr hart davon betroffen. So fehlte es fast fünfzehn Jahre an starken, jungen Blut. Nur allzu viele junge, kräftige Männer starben fernab der Heimat in unsinnigen Kriegen und blutigen Gemetzeln. Was zurückblieb waren überwiegend Alte, Schwache und Kranke. Ihr Blut kann Vampiren nicht die Lebenskraft geben die sie brauchen. So schwanden vor allem die Kräfte der Halb- und Sklavenblutler zusehends.

So kündigte sich der Niedergang des Moskau-Clans von langer Hand an. Doch niemand hatte mit dem jehen, schnellen Ende gerechnet das dem Clan Ende 1917 bevorstand. Die Bolschewisten plünderten und beschlagnahmten nach der Oktoberrevolution jeden größeren Privatbesitz. Zuerst in der Stadt, dann über die Stadtgrenze hinaus.

Kurz vor Jahresende stürmte ein bewaffneter Trupp von Bolschewisten das bescheidene Palais von Nicolai und seiner Familie. Sie überraschten den Clan bei Tageslicht. Ohne zu wissen was sie erwartete betraten die Männer neuen Regierung das herrschaftliche Anwesen. Sie brachen die Haupt-Tür auf und rissen die opulenten Vorhänge von den Fenstern.

Als erstes begegneten sie den Sklavenblutlern im Erdgeschoss. Diese bilden die unterste Kaste eines Vampirclans. Ihnen werden zumeist einfache Aufgaben übertragen. Wachdienste, Botengänge, Beschaffungen. Sie führen niedere Aufgaben bediensteter aus.

Die Sklavenblutler des Hauses wurden schlichtweg erschossen. Sie hatten keine Chance gegen die bewaffneten Plünderer, denn sie sind keinesfalls unverwundbar. Ihre einzigen Gaben sind ein unnatürlich, langes Leben. Sie altern nur halb so schnell wie Menschen. Und das sie von überdurchschnittlicher Stärke sind. Doch sie sind so leicht verwundbar wie Menschen.

Die Kugeln der Bolschewiki trafen die Sklavenblutler mühelos. Sie rissen große Löcher in die Leiber der Vampire. Sie zerfetzten das Fleisch der unterentwickelten Spezies. Und sie zerschmetterten die Knochen die sie trafen. Das Blut ihrer Opfer sammelte sich auf dem kalten Boden auf dem sie standen.

Als sie die Schüsse der Eindringlinge schließlich hörten, erhoben sich die Halbblüter aus ihren Särgen. Sie versuchten die Bolschewisten abzuwehren und töteten sie am Ende schließlich. Dennoch fielen den Invasoren die meisten der Clan-Mitglieder zum Opfer. Das eindringende Sonnenlicht quälte und schwächte sie in ihrem Kampf. Die Sonne brannte sich in das vornehm-bleiche Fleisch. Ihre Haut schälte sich binnen Sekunden und zerplatzte unter unerträglichen Schmerzen.

Halbblutler sind nicht ansatzweise so verwundbar wie die Sklaven der Vampirgattung. Doch haben sie eine Schwachstelle, ihr Herz. Sobald dieses in Mitleidenschaft gezogen wird, sterben sie. Und ihre Feinde stellten schnell fest das sie nur zu töten waren indem man ihnen ins Herz schoss oder stach.

Die Kugeln der Eindringlinge donnerten durch die Luft. Ein ums andere Mal trafen sie die Körper ihrer Feinde. Das Blut spritzte in alle Richtungen und besudelte das ganze Zimmer. Doch hatten die ersten Treffer keinerlei Wirkung. Blut, Knochensplitter und Stücke fleischlichen Gewebes verteilten sich im Raum, ohne das einer ihrer Feinde fiel. Doch sobald das erste Halbblut durch einen Zufallstreffer ins Herz fiel, schrie der Schütze “zielt auf ihre Herzen, zielt auf ihre Herzen”. Und das taten sie. Bald bedeckte sich der Boden nicht nur mit Blut und Fleischfetzen. Auch die toten Leiber stapelten sich. Die der Menschen, wie auch die der Vampire.

Und als das Gemetzel vorbei war, hatten nur zwei der Halbblutler den Kampf überlebt. Dimitri und Anton. Und als die Auseinandersetzung vorbei war, begaben sie sich in die Gruft. Tief im Keller des Hauses schliefen der Vampirfürst und seine Familie. Dimitri und Anton fiel die unangenehme Aufgabe zu, dem Fürsten von den Vorkommnissen zu berichten. Abgeschottet und in Sicherheit bekamen sie nichts mit vom Kampf im oberen Teil des Anwesens.

Erst als Dimitri und Anton den Fürsten über das Geschehen unterrichteten, wurde ihnen klar, das jemand fehlte. Es war Kostja, Nicolais und Milas jüngster Sohn.

Kostja war ein Vampir, ein Vollblutler, das Kind eines Vampirfürsten mit einem Halbblut. Gerade einmal 311 Jahre war er alt. Er war jung, leichtsinnig und manches Mal sogar naiv und dumm. Sein Vater beneidete- und bewunderte ihn gleichermaßen für seinen sorglosen Lebensmut. Machte er sich als Patriarch doch selbst ständig Sorgen um seinen Clan und insbesondere seine Familie. Kostjas lapidare Interpretation von Regeln, Befehlen und Hierarchie brachte ihm ein ums andere Mal Ärger mit seinem Vater ein. Doch Nicolai konnte seinem jüngsten Spross nie lange böse sein. Und nun, müsste er das auch nie mehr.

Kostja hatte sich in eines der Halbblut-Frauen verliebt. Anastasia war gerade mal 18 Jahre alt und erst seit kurzem ein Teil des Clans. Mila Bolschakowa hatte sie vor wenigen Monaten verwandelt. Sie stieß auf Anastasia während eines Besuches im Theater. Sie konnte ihrer Schönheit, ihrer Jugend und dem Geruch ihres lebensfrohen Blutes nicht widerstehen. Auch Kostja konnte ihr nicht widerstehen. Er verliebte sich auf den ersten Blick in das junge Mädchen das noch nicht zu wissen schien was mit ihr passierte.

Schon bald verbrachten sie jede freie Minute miteinander. Und Kostja führte sie ein in die Welt der Vampire und brachte ihr bei was es heißt ein Vampir zu sein. Manchmal schlichen sie sich heimlich aus dem Haus um zu zweit zu jagen. Mitunter kam es vor das sie mehrere Tage und Nächte verschwunden blieben. Mutter und Vater durchlitten dann bittere Stunden bis ihr Sohn gedankenverloren wieder zurückkehrte. Und obwohl es ihm sein Vater verboten hatte, schlief Kostja manchmal bei den Halbblutlern im Erdgeschoss.

So wie auch in dieser Nacht. Kostja kämpfte an der Seite der Halbblutler und half die Eindringlinge zu töten. Doch er selbst wurde auch im Kampf getötet. Ein Schuss, mitten ins Herz, beendete sein Leben. Denn auch Vollblutler sind am Herzen verwundbar und können so sterben.

Und während Nicolai an diesen Tag und die darauffolgende Nacht zurückdenkt, vermag er nicht an jenen Schmerz zu denken den er und seine Familie spürten als sie vom Tod Kostjas durch Dimitri und Anton erfuhren. Nicolai holte damals die Leiche seines Sohnes aus dem Erdgeschoss in die Gruft.

Unter unerträglichen Qualen und Schmerzen wandelte er im Sonnenlicht um den leblosen Leib von Kostja zu bergen. Auch ihm setzt die grässliche Strahlung der Sonne zu. Doch er ertrug den Schmerz und die Pein. Seine Haut barstede während er den Leichnam seines Sohnes barg.

Er spürte nur allzu deutlich wie sich die Haut auf seinem Fleisch spannte. So fest das sie schließlich riss und von seinen Gliedmaßen sprang. Vor allem sein Gesicht verbrannte er sich schwer dabei. Doch es war ihm gleich, alles was er wollte war Kostja nach unten zu tragen. Zu seiner Frau und Kostjas Geschwistern. Dorthin wo sie ihn betrauern konnten bis die Dunkelheit hereinbrach.

Anton und Dimitri hoben des Nachts ein Grab im Garten aus. Tief in der Erde vergruben sie das jüngste Kind des Fürsten. Dort sollte es ruhen und Frieden finden, bis in alle Ewigkeit. Nicolai wusste genau das seine Brandwunden schnell heilen würden sobald er frisches Blut trinken würde. Aber er wusste auch das die Wunde in seinem Herzen hingegen niemals heilen würde. Auch in 1000 Jahren nicht.

Doch blieb der Familie keine Zeit zum Trauern. Denn es war klar das sie fliehen mussten. Der Mob hatte die Stadt übernommen, gar das ganze Land. Die alten Regeln und Gesetze galten nicht mehr. Die Gesellschaft hatte sich über Nacht verändert. Reiche und adelige wurden enteignet, ihr Besitz dem Staat, der Allgemeinheit zugesprochen. Kommunisten waren nun an der Macht. Fest entschlossen die Obrigkeit zu entmachten und enteignen. Für ihren Clan war kein Platz mehr in Russland, kein Platz in ihrer alten Welt.

Der Rest des Clans versammelte sich in einem unauffälligen Domizil in Moskau. Dort hausten sie für mehrere Tage in einem heruntergekommenen Stadthaus. Im Verborgenen flüchteten sie nach Sankt Petersburg. Sie verließen das Land, ihre Heimat. Von Sankt Petersburg aus reisten sie mit dem Schiff zunächst nach Schweden, Göteborg um genau zu sein. Von dort aus führte sie ihr Weg weiter nach England, London. Jedoch gab es dort bereits einen anderen Vampir-Clan. Und so mussten sie abermals weiterziehen und sich ein neues Hoheitsgebiet suchen.

Für die sechs Vampire war die Überfahrt nach Amerika die reinste Hölle. Sie mussten sich verborgen halten. Zusammengepfercht mit Menschen aus allen Herren Ländern, in ständiger Versuchung des lockenden Blutes. Sie mussten aufpassen ihrem Durst nicht zu verfallen. Sie ernährten sich von Ratten und anderem Kleingetier. Nur selten kamen sie in den Genuss einen anderen Passagier auszusaugen.

Im Mai 1918 erreichten sie schließlich ihr endgültiges Ziel- Philadelphia. Hier ließen sich Nicolai Bolschakow, seine Familie und die restlichen Clan-Mitglieder nieder und gründeten einen neuen Vampir-Clan. Doch genauso wie seine Frau Mila, blieben sein Herz und seine Gedanken stets in Moskau. Dort wo Kostja starb. Philadelphia war für sie keine neue Heimat, es war ein Exil. Moskau, würde für immer ihre Heimat bleiben.

Und nun ist Nicolai zurückgekehrt. Doch nicht aus freien Stücken. Er ist nicht hier um in Erinnerungen zu schwelgen oder um die Vergangenheit zu beschwören. Ganz im Gegenteil er will einen Teil seiner Vergangenheit begraben. Er will einen Teil seiner tausendjährigen Geschichte ausmerzen. Er wurde gezwungen diesen Ort aufzusuchen. Und möglicherweise ist es seine letzte Nacht auf Erden.

Kapitel 2 - Der silberne Dolch (Vergangenheit)

Arava, Süd-Israel 2005. Ein Team von Archäologen untersucht ein Gebiet südöstlich der Landstraße 90. Das britische Forscherteam um Professor Dr. Kersh aus London, verspricht sich hier den Fund einer frühchristlichen Siedlung.

William Kersh ist einer der angesehensten Archäologen der Neuzeit. Er hat bereits unzählige Ausgrabungen organisiert und durchgeführt. Fundstücke seiner Entdeckungen sind in fast allen namhaften Museen der Welt zu finden. Er versteht es kaum ein anderer Geschichte und Relikte der Vergangenheit zu lesen und zu deuten.

Als er im Frühjahr 2005 zu seiner neuen Mission aufbricht, stehen die Zeichen schlecht. Sowohl das Wetter als auch die politische Lage im Nahen-Osten bereiten ihm und seinem Team immer wieder Schwierigkeiten. Doch in der stechenden Hitze der Junisonne feiern sie ihren Durchbruch.

Einer seiner Studenten, die ihn auf dieser Mission begleitet haben, unterbricht Prof.-Dr. Kersh bei seiner nachmittäglichen Ruhepause. Brandon Wise will unbedingt der erste sein der ihm vom erfolgreichen Fund berichtet.

Brandon Wise: “Professor, Professor”!

Dr.-Kersh: “Mr. Wise, was haben Sie denn? Warum stören Sie meine Mittagsruhe”?

Brandon Wise: “Professor Kersh, wir haben etwas gefunden”!

Dr.-Kersh: “Und was Sie genau gefunden Mr. Wise? Eine Tonscherbe, antikes Werkzeug oder einen seltsam geformten Stein? Sie müssen schon etwas genauer werden wenn Sie mich hinter dem Ofen hervorlocken wollen”.

Brandon Wise: “Ich bin mir nicht sicher Professor. Aber ich glaube es sind Überreste einer Mauer”.

Dr.-Kersh: “Überreste einer Mauer sagten Sie? So, so, das könnte bedeuten das ich tatsächlich Recht hätte mit meiner Vermutung. Na dann wollen wir mal hoffen das es sich tatsächlich um eine Mauer handelt. Und wenn ja, das es nicht eine einsame Stallhütte im Nirgendwo ist”.

Professor-Dr.-Kersh begleitet Brandon Wise mit hinaus zur Ausgrabungsstätte. Das Areal ist sehr groß abgesteckt. Der Professor vermutet dort einen alten, jüdischen Handelsposten, beziehungsweise eine alte Siedlung die sich dort herum gebildet haben müsste. Zumindest deuteten andere Siedlungsfunde darauf hin. Und die Lage wäre den geschichtlichen Aufzeichnungen nach ideal.

Doch gibt es keine Garantie dafür. Ebenso könnte der vermutete Handelsposten, samt Siedlung ein Hirngespinst sein, oder einen Kilometer weiter weg liegen. Kersh kann nur hoffen das seine Vermutung richtig ist. Denn der Erfolg seiner Missionen bestimmt auch zukünftige Unternehmungen. Archäologen sind oftmals auf externe Geldgeber angewiesen. Und die investieren ihr Geld lieber in erfolgreiche als erfolglose Unternehmungen. Und der Professor hat noch einige archäologische Ziele im Kopf.

Das Team besteht aus mehreren ausgebildeten Archäologen, Studenten und einigen einheimischen Kräften die vor allem beim Freiräumen helfen. Die meisten der Helfer stammen aus dem palästinensischen Grenzgebiet. Billige Arbeiter mit Ortskenntnis. Als Kersh und Wise bei der Fundstelle eintreffen, haben die Arbeiter schon einen Teil freigelegt.

In der sengenden Hitze von 43° begutachtet der Professor das Fundstück. Und tatsächlich, es scheint sich um Überreste einer Mauer zu handeln. Sie sind bemerkenswert gut erhalten. Sofort werden die Ausgrabungen auf das direkte Umfeld konzentriert.

Prof.-Dr. Kersh: “Ich möchte das Gebiet um die Mauer in einem Radius von 50 m eingeteilt und ausgegraben haben”.

Brandon Wise: “Das wird einige Tage dauern Professor. Wir könnten mehr Leute gebrauchen”.

Prof.-Dr. Kersh: “Dafür haben wir kein Geld. Wir brauchen dann wohl mehr Enthusiasmus”.

Brandon Wise: “Was denken Sie, wie alt ist diese Mauer”?

Prof.-Dr. Kersh: “Das müssten Sie mittlerweile auch abschätzen können Mr. Wise. Was denken Sie”?

Brandon Wise: “Ich weiß nicht. Vielleicht 3.000 Jahre”?

Prof.-Dr. Kersh: “Nein, das denke ich nicht. Die Bauweise passt nicht dazu”.

Brandon Wise: “Und was glauben Sie Professor”?

Prof.-Dr. Kersh: “Vermutlich ist diese Mauer zwischen 1.500 bis 2.000 Jahre alt”.

Brandon Wise: “Ist das gut”?

Prof.-Dr. Kersh: “Ob das gut ist? Mr. Wise, hat Ihnen der Fund den Verstand geraubt”?

Brandon Wise: “Nein Professor, natürlich nicht. Aber ich bin extrem aufgeregt”.

Prof.-Dr. Kersh: “Das können Sie auch sein Mr. Wise. Ich habe eine frühchristliche Siedlung vermutet. Da würde das Alter genau dazu passen”.

Brandon Wise: “Fantastisch Professor”.

Das Team um den Professor ist in heller Aufregung über den Fund. Und in den nächsten Tagen reißt dies keineswegs ab. Im Gegenteil, denn der karge Boden hat noch viel mehr Schätze zu bieten als gedacht. William Kersh hatte mal wieder Recht behalten. Nach und nach grub das Team mehrere Gebäude frei. Es sind Überbleibsel einer längst vergangenen Zeit. Und nach ersten Untersuchungen sollte die Siedlung etwa 1.500 Jahre alt sein.

Doch fanden die Männer längst nicht nur bloßen Stein. Es wurden auch unzählige Relikte aus jener Zeit entdeckt. Auch Gräber, zum Teil reich bestückt, wurden ausgehoben. Schnell sprach sich Kersh´s Erfolg in aller Welt herum. Wie immer begann nun ein Hauen und Stechen um die Fundstücke. Ein großer Teil wird sicherlich an das britische Museum in London gehen. Doch auch das israelische Nationalmuseum wird seine Ansprüche erheben und einen Teil der Schätze in Zukunft beherbergen.

Allerdings erweckte Kersh´s Erfolg nicht nur das Aufsehen von Geschichts- und Kunstliebhabern. Auch andere Interessengruppen haben von seinen Freilegungen gehört und haben dabei ganz andere Absichten. Sämtliche Religionsgemeinschaften der Region sind an den Fundstücken interessiert. Doch es sind nicht nur offizielle Glaubensträger und Religionsvertreter für die Kersh´s Entdeckungen von Belang sind.

Immer wieder trifft sich Professor-Dr.-Kersh mit den Vertretern des britischen- und des israelischen Nationalmuseums. Zu diesen Gesprächen werden auch geistliche Vertreter eingeladen. Kersh möchte keinesfalls den Anschein erwecken das Großbritannien Kunst Ausbeutung betreibt. Jeder soll ein Stück vom Kuchen bekommen, alles soll in geregelten Bahnen verlaufen.

Weiter nördlich der Ausgrabungsstätte findet in Dimona ein großes Treffen statt. Professor-Dr.-Kersh, seine Kollegen Adam Rowe, Brian Johnson und der Leiter des britischen Museums Phil Preston begleiten ihn. Dort treffen sie Isaac Rosenthal, Leiter des israelischen Nationalmuseums. Er wird begleitet von Josef Shum, Vertreter der jüdischen Glaubensgemeinschaft und Eran Cohen, einem Beauftragten der israelischen Regierung. Ebenso sind Itay Tamuz, Vertreter der muslimischen Gemeinschaft und Roberto Mohn, Vertreter der christlichen Gemeinschaft anwesend.

Die Gespräche verlaufen wie erwartet sehr schwierig. Zunächst präsentieren Kersh und sein Team den anwesenden Interessenvertretern die verschiedenen Fundstücke. Mit Spannung verfolgen die Zuschauer jedes noch so kleine Objekt. Sie betrachten jedes Bild ganz genau. Doch den größten Wirbel verursacht das Fundstück 38 F.

Es handelt sich dabei um einen Dolch. Er ist aus puren Silber und äußerst gut erhalten. Er trägt eine Inschrift am Griff. Jedoch kann niemand der anwesenden sie lesen. Die Zeichen die er trägt sind den Betrachtern vollkommen unbekannt. Vielleicht kann dies aber noch bei intensiveren Untersuchungen am etwaigen Bestimmungsort geklärt werden. Alle der anwesenden Parteien erheben ihren Anspruch auf den Dolch. Vor allem nachdem Professor-Dr.-Kersh ihnen berichtet, das dieser eine bemerkenswerte Besonderheit aufweist.

Nach ersten Untersuchungen, ist dieser Dolch rund 10.000 Jahre alt. Damit wäre es das mit Abstand älteste, jemals gefundene Relikt aus Silber. Sein Anblick fesselt die Zuschauer. Er zieht sie regelrecht in seinen Bann. Niemand weiß was es mit diesem Relikt auf sich hat. Aber eines wissen sie alle, sie müssen ihn haben.

Während die Gespräche in Dimona noch bis tief in die Nacht andauern, ereignet sich an der Ausgrabungsstätte ein Zwischenfall. Die Nacht ist bitterkalt und das restliche Team von Professor-Dr.-Kersh genießt seinen wohlverdienten Schlaf. Alle gefundenen Artefakte werden in einem mobilen Container-Labor untersucht, katalogisiert und zur weiteren Aufbewahrung behandelt. Danach werden sie in einem weiteren Container eingelagert. Die Sicherheitsvorschriften sind streng.

Grabräuber sind auch in Israel keine Seltenheit. Oftmals erzählen die einheimischen Helfer zu Hause von den Fundstücken. So bekommen kriminelle Banden über Umwege immer wieder von vermeintlichen Schatzfunden mit. Genau aus diesem Grund hat der Professor eine israelische Sicherheitsfirma mit dem Schutz des gesamten Camps beauftragt.

Sechs Männer sind im Einsatz. Zwei von ihnen patrouillieren die Außengrenzen des Camps. Zwei weitere Männer bewachen den Container mit den eingelagerten Artefakten. Zwei weitere Männer pausieren und wechseln die Schichten zeitversetzt mit den anderen Einsatzkräften ab.

An der Nordseite des Camps läuft Wachmann Gershon mit geschulterten Gewehr seine Runde. Plötzlich spürt er eine Hand die von hinten über seinen Mund greift. Kaum hat er die Hand wahrgenommen, spürt er einen stechenden Schmerz. Er fühlt sich heiß an.

Ein breites Messer treibt sich in seinen Rücken. Das scharfe Metall öffnet seine Haut und sticht sich durch das Gewebe. Gezielt schneidet sich die Klinge von hinten in seine Luftröhre wie durch warme Butter. Der Wachmann hat nicht einmal die Möglichkeit zu schreien. Warmes Blut sammelt sich in Gershons Lunge und läuft an der Klinge entlang. Es spuckt aus seinem Mund und verteilt sich auf den sandigen Boden.

Es dauert etwa zehn Minuten bis der zweite Patrouillier dieselbe Stelle erreicht wie Gershon. Wachmann Yeini findet auf seinem Rundgang eine Packung Zigaretten. Gershon muss sie wohl verloren haben. Als er sich nach unten bückt um die Schachtel aufzuheben ereilt ihn dasselbe Schicksal wie Gershon. Auch Yeini wird von hinten der Mund zugehalten und ein Messer in den Rücken gerammt. Das blutige Messer schneidet sich auch in Yeinis Fleisch und bringt ihn für immer zum Schweigen. Der karge Boden verschlingt das frische rote Nase das sich auf ihm ergibt.

Der Attentäter ist vermummt. Er trägt einen schwarzen Anzug. Einen altertümlichen Anzug, keine moderne Kampfkleidung. Sein Kopf ist durch eine pechschwarze Kapuze bedeckt die er tief in sein finsteres, vernarbtes Gesicht zieht.

Im Schutze der Nacht schleicht sich der mysteriöse Eindringling von hinten an den bewachten Container an. An der Rückseite angekommen kann er deutlich eine Lache Urin riechen. Lautlos klettert er auf das Dach. Dort harrt er der Dinge aus. Geduld ist eine Tugend. Insbesondere für Attentäter. Das Timing ist wichtig. Man muss die innere Ruhe haben den richtigen Moment ab zu passen. Sein Plan ist einfach.

Er wartet solange bis einer der beiden Wachmänner erneut pinkeln geht. Eine ganze Stunde muss er ihren belanglosen Gesprächen lauschen, bis Wachmann Sahar schließlich zum pinkeln geht. Der Attentäter nutzt die Gunst der Stunde. Doch Sahar steht nicht optimal, denn er uriniert an den Container. So kann sich der Meuchelmörder nicht unbemerkt an der Rückseite herunterlassen.

Er dreht sich mit den Fersen zur Dachkante. Dann hüpft er von oben hinunter und landet direkt hinter Sahar in der Hocke. Blitzschnell steigt er wieder nach oben und rammt Sahar seine blutige Klinge in den Rücken während er ihm mit festen Griff den Mund zuhält. In seinem Todeskampf tritt der Wachmann ganz unwillkürlich an den Container. Der Attentäter konnte in der schnelle nicht so gezielt zustechen wie bei den anderen Wachleuten. Mit einem heftigen Ruck bricht er Sahar das Genick. Das Knacken seiner Knochen und das Reißen des anhaftenden Gewebes sind deutlich zu hören.

“Alles klar man”? Ruft der letzte wache Sicherheitsmann Sahar zu. Wachmann Shechter erhält keine Antwort von seinem Kollegen. Mit gezogener Pistole läuft er zur Rückseite des Containers. Als dort ankommt sieht er Sahar vor sich stehen. Er senkt die Waffe und fragt ihn “was ist los man”? Im dunklen Schatten des Containers bemerkt er viel zu spät was los ist. Der Attentäter hat Sahars Leiche lediglich hochgehalten. Er stößt sie Shechter zu und eher dieser weiß wie ihm geschieht schneidet ihm der Mann in schwarz von vorne mit einem gezielten Hieb die Kehle durch. Sahar hält sich den Hals. Er versucht den roten Strom der sich aus seiner Kehle ergießt zurückzuhalten. Doch seine Bemühungen sind vergebens. Unweigerlich läuft und tropft das Blut über seine Hände nach außen und sinkt zum Boden.

Auch Shechter selbst sackt sofort auf den Grund. Sein zuckender Körper landet auf Sahars noch warmen Leib. Das Blut der beiden Wachmänner läuft in Strömen zusammen und bildet eine schauerliche Blutlache in der sich das Konterfei des Attentäters spiegelt.

Nun muss sich der Eindringling beeilen. Er eilt zur Tür des Containers. Er ist gesichert, mit zwei Schlössern. Beide wachhabenden Sicherheitskräfte haben jeweils einen elektronischen Schlüssel, eine Art Chip. Er eilt zurück zu den beiden Leichen und besorgt sich die Türöffner. Im Handumdrehen öffnet er die vermeintliche Schatzkammer. Er sieht sich kurz um.

Das Team hat bereits einige interessante Objekte geborgen. Dann hört er eine Stimme rufen. “Hey, was ist da los”? Es ist die Stimme von Avram Rubin, einem weiteren Wachmann. Er ist damit dran Gershon als Patrouille abzulösen. Als er den offenen Container sieht wird er stutzig. Er legt sein Gewehr an und geht auf den Container zu. Das Licht ist aus und die Flügeltür nur leicht geöffnet. Er hat die Tür im Sucher.

Plötzlich tut sich etwas. Es dauert eine Sekunde bis Rubin merkt das sich die Tür gerade öffnet. Der Mann in schwarz hält sich am Flügelblatt fest und klappt die Türe nach außen. Nun hat er die Tür zum Schutz im Rücken und flieht zu Fuß unter den Deckmantel der Nacht. Das gesamte Team steht in seinen Betten als Rubin das Feuer auf den Flüchtling eröffnet. Immer wieder schießt er ins Dunkel, mit der Hoffnung einen Zufallstreffer landen zu können. Doch der mysteriöse Fremde entkommt.

Sofort beginnt das Team den Vorfall aufzunehmen. Sie sind sich einig zuerst Professor-Dr.-Kersh zu alarmieren. Erst nachdem er sein Okay gegeben hat, verständigt Brandon Wise die Polizei. Das Treffen in Dimona wird sofort beendet und der Professor eilt mit seinen beiden Kollegen zurück in´s Camp.

Der nächste Morgen ist mehr als bitter. Er ist eine Katastrophe für alle Beteiligten. Der Tod der vier Wachmänner ist eine menschliche Tragödie sondergleichen. Er überschattet alles andere. Für den Professor ist dies aber nicht der einzige herbe Schlag.

Die israelischen Ermittler haben die Ausgrabungsstätte lahmgelegt und alle Artefakte beschlagnahmt. Wann- und ob überhaupt Professor-Dr.-Kersh die Stücke zurück bekommt ist fraglich.

Es scheint, als würde sich diese Tragödie zu einem Politikum entwickeln. Es gilt den Tod vier Israeliten aufzuklären. Doch sowohl Kersh und seine Geldgeber, als auch die Museen und Glaubensgemeinschaften wollen die Mission zu Ende bringen lassen.

Doch dabei steht ein Mann im Wege. David Levy, er leitet die Ermittlungen und bittet den Professor um ein Gespräch. Er findet sich wie gefordert zur Befragung im Büro des Ermittlers in Dimona ein. Brandon Wise begleitet ihn als Fahrer.

David Levy: “Mr. Kersh, haben Sie eine Ahnung wer Interesse an den Ergebnissen Ihrer Ausgrabungen gehabt haben könnte”?

Prof.-Dr.-Kersh: “Prof.-Dr.-Kersh. Wenn Sie mich fragen möchten ob ich weiß wer uns überfallen hat…. nein”.

David Levy: “Mr. Kersh, vier israelische Bürger starben weil sie Ihren Container bewacht haben. Irgendjemand hatte sehr wohl Interesse”.

Prof.-Dr.-Kersh: “Mr. Levy, sowohl das britische- als auch das israelische Nationalmuseum haben großes Interesse an den eingelagerten Artefakten. Und auch die jüdische, die muslimische und christliche Glaubensgemeinschaft haben Wünsche diesbezüglich”.

David Levy: “Was war in dem Container”?

Prof.-Dr.-Kersh: “Die Unterlagen liegen Ihnen vor. Haben Sie die Aufzeichnungen nicht gelesen”?

David Levy: “Doch, das habe ich”.

Prof.-Dr.-Kersh: “Dann wissen Sie ja was sich in diesem Container alles befindet”.

David Levy: “Ja, das weiß ich. Und ich weiß auch was sich nicht mehr darin befindet”.

Prof.-Dr.-Kersh: “Uns wurde noch nicht mitgeteilt ob jetzt etwas fehlt oder nicht. Was fehlt”.

David Levy: “Ein Objekt…… 38F, ein silberner Dolch”.

Prof.-Dr.-Kersh: “Der Dolch…..”.

Der Professor schnauft tief durch. Er schwitzt und tupft sich mit einem Taschentuch die Stirn ab. Es ist entsetzlich warm und trocken. Und der beißende Qualm von Levys Zigaretten raubt ihm die Luft zum Atmen.

David Levy: “Ja, der Dolch. Was ist so besonders an diesem Dolch”?

Prof.-Dr.-Kersh: “Warum halten Sie ihn denn für besonders Mr. Levy”?

David Levy: “Jetzt mal Klartext Mr. Kersh. Sie halten uns vielleicht für einen Haufen Ziegenhirten in einem unbedeutenden, kargen Hinterland. Aber wir sind nicht dumm”.

Prof.-Dr.-Kersh: “Das wollte ich auch nicht damit ausdrücken”.

David Levy: “Vier Männer sind tot. Und alles was fehlt ist ein Dolch aus Silber. Laut Ihren Unterlagen fand man auch mehrere Gegenstände aus aufwendig bearbeitetem Gold. Gold ist ein Vielfaches mehr wert als Silber, Mr. Kersh”.

Prof.-Dr.-Kersh: “Ja, das stimmt wohl. Vielleicht hatte der Täter einfach keine Zeit sich die wertvollsten Gegenstände auszusuchen”.

David Levy: “Keine Zeit. Ich verstehe Mr. Kersh. Was machte diesen Dolch wertvoller als die Schmuckstücke aus Gold. Ich darf Sie daran erinnern das Sie sich in einer offiziellen Vernehmung befinden. Helfen Sie uns den Fall zu lösen”.

Prof.-Dr.-Kersh: “Und wenn ich das nicht kann? Ich bin genauso ratlos wie Sie”.

David Levy: “Sie erhalten Ihren Fund erst wieder wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind. Es ist in Ihrem eigenen Interesse uns zu helfen”.

Prof.-Dr.-Kersh: “Der Dolch ist insofern besonders, weil er weit älter ist als alle anderen silbernen Fundstücke. Weit, weit älter”.

David Levy: “Wer hat davon gewusst”?

Prof.-Dr.-Kersh: “Niemand. Das Ergebnis präsentierte ich erst gestern bei einem Treffen, hier in dieser Stadt”.

David Levy: “Ich will von Ihnen eine Liste mit dem Namen aller Personen die an diesem Treffen beteiligt waren”.

Prof.-Dr.-Kersh: “Sollten Sie nicht eher die umliegenden Dörfer in´s Visier nehmen”?

David Levy: “Nein. Hier war kein einfältiger Eierdieb am Werk”.

Prof.-Dr.-Kersh: “Sie glauben, jemand hat das von langer Hand geplant”?

David Levy: “Die Art und Weise wie Ihre Wachleute getötet wurden, lassen auf Spezialkräfte schließen”.

Prof.-Dr.-Kersh: “Spezialkräfte”?

David Levy: “Ja. Mossad, CIA, Ex-KGB, MI6, etc.”.

Prof.-Dr.-Kersh: “Wollen Sie mir erzählen ein Geheimdienst hätte den Dolch gestohlen”?

David Levy: “Vielleicht. Vielleicht war es aber auch ein ehemaliges Geheimdienst Mitglied das sein Geld jetzt als Söldner verdient. Glauben Sie mir, davon gibt es reichlich”.

Während für Prof.-Dr.-Kersh eine Welt zusammenbricht, berichten die Medien weltweit über diesen Zwischenfall. Diese Mission, sein Name und seine Reputation wird für immer und ewig mit den rätselhaften “Arava-Morden” in Verbindung stehen. Doch in Anbetracht der vergeudeten Menschenleben erscheint das dem Professor nahezu belanglos.

Doch die Morde wecken auch das Interesse eines anderen Mannes. Am anderen Ende der Welt liest ein mysteriöser Mann in Buenos Aires die Tageszeitung. Er sitzt in einem Café und genießt seinen Espresso zu lateinamerikanischen Klängen. Als er im Bildschirm hinter sich an der Theke im Frühstücksfernsehen von den Morden und dem Diebstahl hört. Der Mann dreht sich um. Sein Gesicht ist Finster, gezeichnet von Schmerz und Kämpfen. Neugierig wirft er seine Blicke auf die eingeblendeten Bilder des gestohlenen Dolches der den Journalisten unzählige Fragen aufgibt. Er lächelt und knallt mit offener Hand ein paar Münzen auf den Tisch. Dann verlässt er das Lokal.

Kapitel 3 - Der Ruf des Ordens (Gegenwart)

“Mein Fürst, meine Fürstin, ich wünsche Ihnen einen erfolgreiche Nacht”- sprach das Sklavenblut am Eingangstor der Bolschakows. Nicolai und Mila Bolschakow gehen noch nach hunderten von Jahren gerne und regelmäßig gemeinsam auf die Jagd. Nötig hätten sie es gewiss nicht. Sie könnten sich auf den Lorbeeren dessen ausruhen, was sie sich in den letzten fast 100 Jahren aufgebaut haben.

Sehr viel Zeit ist vergangen seitdem der Moskau-Clan sich im Zuge der Oktoberrevolution auflöste-, nach Amerika floh- und sich neu gründete. Als sie 1918 in Philadelphia ankamen, galt diese Stadt als die am schnellsten wachsende Metropole in den USA. Und das war sie auch. Zu ihrer Hochzeit in den 1950er Jahren beherbergte die Stadt mehr als 2.000.000 Menschen. Und ein paar Vampire.

Nicolai, Mila, sowie die Kinder Nadja und Iwan siedelten sich zusammen mit den übriggebliebenen Halbblutlern Dimitri und Anton in Philadelphia an. Zunächst lebten sie in einem angemieteten Haus in der Stadt. Schließlich fand Mila durch einen reichen Bankier der ihr zum Opfer fiel, ein Herrenhaus am Rande der Stadt. Ein malerisches großes, rotes Backsteingebäude mit Nebenhaus und Garage im Neu-Englischen Stil. Mit großer Gartenanlage, umsäumt von hohen Bäumen inmitten einer ruhigen und vornehmen Villengegend. Hier lässt es sich aushalten und unbeschwert leben.

Sie gründeten einen neuen Clan. Er wurde bekannt als Rusvania-Clan. Und mittlerweile gehören ihm ganze 87 Vampire an. Nicolai ist als Fürst das einzige Reinblut. Iwan und Nadja sind als seine Kinder Vollblutler. Mila hingegen ist ein Halbblut, genauso wie 49 weitere Clan-Mitglieder. Dazu gesellen sich 30 Sklavenblutler.

Der Fürst und seine Frau gehen heute zum Ballett. Als sie noch menschlich war, war Mila schließlich selbst Tänzerin. Und die Verdammnis hatte ihre Liebe zum Tanzen nie geschmälert. Im Gegenteil, nur allzu gerne tanzte sie. Ob mit, oder ohne ihren Mann. Eine russische Ballett-Gruppe ist in der Stadt. Sie führen “Der Nussknacker” im Lewis-Theater in der Altstadt auf. In der Originalversion von Tschaikowski. Nicolai und Mila freuen sich seit Wochen auf diesen Abend.

Zuerst werden sie die Vorstellung genießen, den Tanz, die Musik, den Gesang. Den wunderbaren Klang der russischen Sprache. Sie werden in Erinnerungen schwelgen. Ein Stück ihrer Heimat findet heute einen Weg zurück zu ihnen und ihren Herzen. Und sie werden ebenso von russischem Blut trinken.

Es ist eine Nacht, ganz nach ihrem Geschmack. Die laue Frühlingsluft umhüllt das Paar das wie ganz normale Menschen mit seinem Wagen vorfährt und den Schlüssel dem Parkservice übergibt. Gerade Vampire haben ein Auge für die schönen Dinge des Lebens. Nicolai lässt es sich nicht nehmen einen eleganten, dunkelbraunen Maserati zu fahren. Mila wandelt über den roten Teppich im Eingang des Theaters als wäre sie ein Filmstar. Und für Nicolai ist sie es. Sie sieht bezaubernd aus in ihrem Kleid. Es ist ein schulterfreies, smaragdgrünes Abendkleid. Mila trägt dazu wie immer Diamantschmuck und ihr wallendes, langes rotes Haar wirft einen königlichen Schatten auf ihr Antlitz.

Auch ihr Mann macht eine gute Figur. Im klassischen schwarzen Smoking betritt er das Foyer und begleitet seine Frau zu ihren Sitzplätzen. Sie haben sich einen Platz in den Logen gesichert. Gemeinsam sehen sie sich die perfekt inszenierte Aufführung an. Sie lauschen dem Gesang der alten Heimat und frönen sich am Bühnenbild und den leidenschaftlichen Tanzeinlagen. Mila´s Herz schlägt schneller und schneller je länger die Aufführung dauert. Ihr Puls rast und die pure Sehnsucht ist ihren Augen zu sehen. Nicolai kann ihren Herzschlag hören, er kann ihn förmlich spüren.

Auch sein Herz schlägt schneller. Das Stück macht ihm Freude. Und er genießt das Glück mit seiner Frau dort in der Loge zu verweilen und ihre Begeisterung zu fühlen. Kaum ist das Stück um das Mädchen Mascha zu ende, machen sich die beiden auf den Weg. Ihr erklärtes Ziel sind die Umkleidekabinen der Tänzerinnen.

Sie bleiben noch eine Weile in der Loge sitzen und warten bis der Großteil des Publikums das Theater verlassen hat. Dann begeben sie sich langsam, fast schon andächtig nach unten. Über Umwege gelangen sie zur Bühne. Von dort schreiten sie nach hinten in Richtung der Umkleidekabinen. Ein Mitarbeiter des Theaters hält sie an.

Mitarbeiter: “Entschuldigen Sie Sir. Aber Sie dürfen sich hier nicht aufhalten”.

Nicolai: “Doch wir dürfen uns hier aufhalten”.

Mitarbeiter: “Doch, Sie dürfen sich hier aufhalten”.

Nicolai: “Sie möchten sich einen Kaffee holen und im Foyer Platz nehmen”.

Mitarbeiter: “Ich möchte mir einen Kaffee holen und im Foyer Platz nehmen”.

Nicolais Blick ist hypnotisch. Er kann Menschen seinen Willen aufzwingen. Eine Fähigkeit die auch Vollblutler und Halbblutler beherrschen. Aber ihre Gedankenkontrolle ist nur von kurzer Dauer, flüchtig. Der Mitarbeiter des Theaters begibt sich ins Foyer und besorgt sich eine Tasse Kaffee. Dort wird er verweilen bis ihn schließlich die Polizei zurück in die Realität holt.

Mila und Nicolai betreten derweil die Umkleidekabine der Tänzerinnen. Es herrscht rege Freude unter der Truppe. Ihre Vorführung war ein voller Erfolg. Zusammen mit dem Choreographen möchten sie auf den Abend anstoßen. Nicolai läuft bedächtig durch die Reihen hübscher Mädchen. Er klatscht laut, mit langen Pausen in die Hände.

Nicolai: “Meine tiefste Hochachtung. Sie waren alle, ausnahmslos fantastisch”!

Choreograph: “Wer sind Sie”.

Nicolai: “Nennen Sie mich Nicolai. Das ist meine bezaubernde Frau, Ljudmila”.

Mila: “Wir sind Bewunderer aus der alten Heimat”.

Nicolai: “Möchten Sie uns nicht etwas zu trinken anbieten”?

Choreograph: “Ja. Ja, natürlich. Feiern Sie mit uns, trinken Sie mit uns”.

Der ahnungslose Choreograph lächelt das Fürstenpaar an. Er weiß nicht das alle im Raum bereits Nicolais Bann unterliegen. Der Wodka fließt in Strömen. Das Ensemble feiert mit seinen Besuchern. Glas um Glas verschwindet in den durstigen Kehlen der Tänzerinnen. Alles was die Ballerinas und ihr Choreograph sehen und wahrnehmen sind Wodkagläser die sich immer wieder leeren und füllen. Sie lachen, singen und unterhalten sich mit ihren mysteriösen Verehrern. Doch in Wahrheit trinken Nicolai und Mila keinen Wodka. Längst trinken sie vom Blut der Tänzerinnen.

Sie genießen ihr Mahl. Sie zelebrieren ihren Genuss regelrecht. Nicolai verfügt über mächtige Reißzähne denen er seinen Opfern mit Freude in den Hals bohrt. Und Mila steht ihm in der Freude zu töten nicht nach. Für sie ist es ein Festmahl aus der alten Heimat. Ihre Augen färben sich braun-gelb. Schimmernd wie Bernstein leuchten und stechen sie hervor sobald die Blutgier sie übermannt. Doch dem Anlass entsprechend soll es heute etwas kultivierter ablaufen.

Deshalb beißen sie ihren Opfern in die Pulsadern. Dann lassen sie das frische Blut aus dem aufgerissenen Fleisch in das edle Kristall Tropfen aus dem das Ensemble normalerweise seinen Wodka trinkt.

Schluck für Schluck, Glas für Glas, rinnt der kostbare rote Saft ihre Kehlen hinab. Das liebliche Lebenselixier erquickt sie mit neuer Kraft. Es schmeckt metallisch, aber süßlich. Jedes Mal wenn sie von guten, nahrhaften Blut kosten durchströmt sie eine neue Energie die sie enthusiastisch werden lässt. Sie erfüllt sie mit Freude, Frieden und Leidenschaft.

Während Nicolai und Mila ein paar der Tänzerinnen ausbluten lassen und ihnen ihre Lebenskraft nehmen, beginnen sie sich zu küssen. Das Blut das sie aufnehmen macht sie euphorisch. Ihre blutigen Zungen liebkosen sich gegenseitig und beflügeln sie in Ekstase. Gegenseitig lecken sie sich das Blut von den Zähnen. Und noch während die ausgebluteten Leiber um sie herum sterben, lieben sich der Fürst und die Fürstin in der Umkleidekabine zwischen den noch lebenden Menschen die nichts von der Realität um sich herum mitbekommen.

Nicolai ist ein stürmischer Liebhaber. Ein sehr dominanter Mann. Er streift Milas Kleid von ihrem Oberkörper um von ihren Brüsten zu kosten. Mila hat einen üppigen Busen, den Nicolai gerne verwöhnt. Und nachdem er ihren Busen liebkost hat lüftet Nicolai Milas Rock und öffnet seine Hose. Mit einem festen Stoß dringt der Fürst in seine Fürstin ein und macht sie sich zwischen den ahnungslos feiernden Menschen zu eigen. Das Fürstenpaar gibt sich seiner Lust hin, ungeachtet der Toten um sie herum. Sie laben sich an ihren Körpern und dem Blut der Menschen das sie umgibt.

Nachdem Nicolai und Mila mit ihrem Liebesspiel fertig sind, überkommt Mila eine Idee. Es wäre doch Verschwendung dieses gute Blut einfach ziehen zu lassen. Nicolai lässt den Choreographen losziehen. Er soll ein leeres Gefäß besorgen. Und tatsächlich, er kommt wenige Minuten später mit einer Wassergallone zurück.

Es mag zwar nicht elegant aussehen. Doch es erfüllt seinen Zweck. Nicolai und Mila lassen das Blut mehrer Tänzerinnen ab und in die Gallone fließen. Das wertvolle Gut sammelt sich zu einem köstlichen, verführerischen Gemisch. Sieben Tänzerinnen haben ihr Leben zum Wohle des Fürstenpaares gelassen. Doch was geschehen ist, wird das übrige Ensemble erst morgen feststellen. Und selbst dann werden sie keine Erinnerung daran haben. Bestenfalls werden sie in ihren Träumen von einzelnen Fragmenten heimgesucht.

Zufrieden und glücklich verlassen Nicolai und Mila das Theater. Sie suchen den freundlichen, jungen Mann vom Parkservice auf. Kurz darauf sitzen sie in Nicolais Maserati, die Gallone voll Blut im Kofferraum und fahren nach Hause. Es war eine aufregende Nacht, ein voller Erfolg. Das Vampir-Paar zeigt keinerlei Reue, sie versprühen die pure Freude.

Nicolai: “Ich hoffe der Abend hat dir ebenso gut gefallen wie mir mein Stern”.

Mila: “Ja, das hat er. Das hast du wunderbar ausgesucht”.

Nicolai: “Rhmm, das freut mich sehr”.

Mila: “Deshalb liebe ich dich so mein Mondlicht”.

Nicolai: “Ich liebe dich auch mein Stern”.

Mila: “Welches der Mädchen hat dir am besten geschmeckt”?

Nicolai: “Sag du zuerst”.

Mila: “Nein, ich habe zuerst gefragt”.

Nicolai: “Aber ich bin dein Fürst”.

Mila: “Und ich bin das Weib das ihm in den Nacken beißt wenn er frech wird”.

Nicolai: “Die schwarzhaarige, die kräftige”.

Mila: “Ja, die war gut. Lieblich und rein zugleich, nicht wahr”?

Nicolai: “Ja. So war es”.

Mila: “Mir hat die kleine blonde am besten gemundet. Ihr Blut war stark, voller Energie. Und voller Sünde”.

Nicolai: “Dir haben schlechte Menschen schon immer besser geschmeckt”.

Mila: “Ja, sie haben definitiv ihren Reiz”.

Nicolai: “Was für eine Nacht. Ist es nicht ein Jammer was aus dieser Stadt geworden ist”?

Mila: “Ja. Hier hat sich so viel geändert. In welcher Hinsicht meinst du das mein Mondlicht”.

Nicolai: “Die Menschen hier. Sie sind fett geworden und hässlich. Ihr Blut schmeckt fad und faulig. Und überall diese Neger”.

Mila: “Am schlimmsten finde ich die kranken. Und die Drogensüchtigen”.

Nicolai: “Dimitri hat letzte Woche eine Frau gebissen. Er hat sie nicht überprüft. Und ehe er sich versah, war er voll auf Drogen”.

Mila: “Wie furchtbar, was ist dann passiert”?

Nicolai: “Er eilte nach Hause. Iwan hat ihn in die Zellen gesperrt, bis er wir bei klarem Verstand war”.

Mila: “Iwan ist ein guter Junge”.

Nicolai: “Ja, das ist er”.

Mila: “So stark und pflichtbewusst wie sein Vater”.

Nicolai: “Und so dickköpfig wie seine Mutter”.

Mila: “Diese Zeit ist so dekadent Nicolai”.

Mila und Nicolai kehren zurück zu ihrem Anwesen. Das Sklavenblut am Tor ebnet ihnen den Weg. Gemächlich parkt der Fürst seinen Luxuswagen in der Garage. Am Hauseingang erwartet sie dort Anton. Dimitri und Anton gehören als Halbblutler der mittleren Kaste des Clans an. Doch haben die beiden als Überlebende von Moskau eine Sonderstellung. Mit finsterer Miene begrüßt er das Herrscherpaar.

Anton: “Mein Fürst, meine Fürstin”.

Mila: “Anton. Was grämt dich so”?

Anton: “Dimitri bittet euch zu sehen Nicolai”.

Nicolai: “Das klingt ja sehr wichtig”.

Mila: “Ist etwas passiert”?

Anton: “Nichts von Bedeutung. Das hoffe ich jedenfalls”.

Nicolai: “Schick ihn in den Salon”.

Anton: “Ja mein Fürst”.

In einem der hinteren Zimmer des Erdgeschosses hat sich Nicolai ein Arbeitszimmer eingerichtet. Einen Salon wir es nennt. Dort stehen riesige Regale, voll mit Büchern. Es sind tausende von Büchern. Wer ewig lebt hat viel Zeit zum Lesen. Oft schließt er nachts die Vorhänge im Salon.

Dann bleibt er für Stunden allein im abgedunkelten Raum sitzen und liest in seinen Büchern. Als Kostja noch ein Kind war, las er ihm aus seinen alten Büchern im alten Palais vor.

Doch es ist keine Bibliothek. Große, schwere, braune Ledermöbel zieren das Interieur. Damit einher geht ein riesiger Schreibtisch. Selbst eine kleine Bar ist integriert. Sie ist bestückt mit feinstem Blut aus aller Welt.

Nicolai steht an der Bar und schenkt sich ein Glas Blut ein. Es ist ein edler Tropfen, aus längst vergangener Zeit. Es ist eine Flasche aus den 1950er Jahren. Reinstes Neu-Englisches Blut. Nicolai und Mila haben sich einen beachtlichen Blutkeller aufgebaut. Einen solchen Keller hatten sie bereits in Russland. Doch mussten sie ihn damals zurücklassen. Einer der Vorzüge der neuen Welt, war seit jeher das Blut der Einwanderer.

Früher war Philadelphia voll von ihnen. Menschen aller Nationalitäten strömten in die USA. Iren, Deutsche, Italiener, Franzosen, Spanier, Skandinavier, Niederländer, Griechen und Osteuropäer. Hin und wieder gönnte sich Nicolai auch Asiaten und Afrikaner. Oder Blut aus dem Nahen Osten. Das Blut von heute ist ihm zum Teil zu wieder. Zu viele Mischblütler. Fade und blass im Geschmack. Er ist ein Gourmet und bevorzugt reines Blut.

Und als er das Blut aus dem Glas schmeckt kommen die Erinnerungen zurück. Das Opfer war ein junger Mann. Mit braunen Haaren und blauen Augen. Er stammt aus Maine und besuchte die Universität in Philadelphia. Nicolai griff ihn während eines Eishockeyspiels auf. Irgendwann im Spätherbst 1956. So steht es zumindest auf der Flasche. Nicolai wird aus seinen Erinnerungen geweckt. Es klopft am Türrahmen.

Dimitri steht in der Tür. An der Hand hält er einen kleinen Jungen. Er ist ganz bleich im Gesicht. Mit pechschwarzen Haaren und blauen Augen.

Dimitri: “Mein Fürst”.

Nicolai: “Dimitri, tritt ein. Kann ich dir ein Glas Blut anbieten? Neu-Englisch, Ernte 1956”.

Dimitri: “Nein Danke. Nicolai, ich muss mit euch sprechen”.

Nicolai: “Wer ist dieses Kind”?

Dimitri: “Sein Name ist Viktor”.

Nicolai: “Viktor? Was macht Viktor hier”?

Dimitri: “Ich habe seine Mutter getötet”.

Nicolai: “Und”?

Dimitri: “Er versteckte sich im Schrank. Ich habe ihn erst nicht bemerkt”.

Nicolai: “Warum hast du ihn nicht getötet, warum lebt der Junge noch”?

Dimitri: “Es erschien mir nicht richtig mein Fürst”.

Nicolai: “Nicht richtig? Was soll das heißen”?

Dimitri: “Nun, er, er ist von russischem Blut. Ich habe ihn zu einem Sklavenblut gemacht”.

Nicolai: “Du armer Tor, er ist viel zu jung für uns. Wie alt ist er, 9, 10”?

Dimitri: “Er ist 11”.

Nicolai: “11. Pahh, du machst ein Kleinkind zum Sklavenblut, du Narr”!

Dimitri: “Ich habe gehofft ihr würdet ihn zum Halbblut machen”.

Nicolai: “Und ihn verdammen bis in alle Ewigkeit”.

Dimitri: “Gebt ihn mir als Bruder, ich kümmere mich um ihn. Wenn es sein muss, bis in alle Ewigkeit”.

Kaum hat Dimitri die Worte gesprochen, spürt er die mächtige Hand des Fürsten um seine Kehle. Er ist um ein vielfaches schneller und Stärker als die Mischblutler die unter ihm in der Hierarchie stehen. Er drückt Dimitri die Kehle zu und zwingt ihn mit einer Hand auf die Knie. Sein schulterlanges, blondes Haar fällt unwillkürlich über seine Wangen. Seine stechend grünen Augen färben sich rot vor Zorn. Dimitris Augen schwellen an und treten hervor. Nicolai drückt so fest an seiner Kehle das einige Adern in Dimitris Augen platzen. Das Blut quillt aus ihnen empor. Ebenso an Nicolais Finger die sich durch die Haut in Dimitris Fleisch bohren.

Nicolai: “Du weißt nichts über die Ewigkeit du Narr, Dimitri”!

Dimitri: “Mein Fürst”!

Mila: “мой лунный свет (mein Mondlicht). Beruhige dich! Was ist hier los”?

Nur die liebliche Stimme seiner Frau scheint den Vampirfürsten beruhigen zu können. Seine Hand lässt ab von Dimitri. Der gescholtene bekommt kaum Luft. Er muss sich erst einmal sammeln.

Nicolai: “Dieser Narr hat einen Knaben mitgebracht. Er hat ihn zum Sklavenblut gemacht”.

Mila: “Dimitri, das hättest du nicht tun sollen”.

Dimitri: “Es tut mir leid meine Fürstin. Aber er erinnerte mich an meinen eigenen Sohn. Und ihr wisst, wir können keine Kinder zeugen”.

Nicolai: “Du hast ein unschuldiges Kind verdammt du Dummkopf. Du kennst unsere Regeln. Verwandle niemals ein Kind”.

Mila: “Was wirst du jetzt tun mein Geliebter”?

Nicolai: “Er wollte einen Sohn. Nun hat er einen. Du wirst ihn füttern, ihn waschen und unterrichten. Du wirst dich um ihn kümmern und dafür sorgen das er ein wertvolles Mitglied unseres Clans wird”.

Dimitri: “Das werde ich Nicolai”.

Nicolai: “Dein Schicksal, soll von nun an seines gebunden sein. Bis in alle Ewigkeit”.

Mila: “Wirst du ihn zum Halbblut machen mein Mondlicht”?

Nicolai: “Nicht jetzt. Erst wenn er alt genug ist. Wenn er ausgewachsen ist. Ich werde das keinem Kind antun”.

Mila geht auf den verschreckten Jungen zu. Sie beugt sich zu ihm herunter. Ljudmila hat ein großes Herz. Sie liebt Kinder über alles. Und nur allzu gerne hätte sie wieder ein Kinderlachen im Haus. Auch wenn Nicolai nicht begeistert davon ist.

Mila: “Wie heißt du kleiner Mann”.

Viktor: “Ich heiße Viktor”.

Mila: “Vitja. Sei willkommen”.

Viktor: “Ich will zu meiner Mama”!

Mila: “Das geht nicht Vitja. Deine Mama ist tot. Aber du hast jetzt einen neuen Papa, Dimitri”.

Viktor: “Dimitri”?

Mila: “Ja. Er wird sich jetzt um dich kümmern. Wir werden uns alle um dich kümmern. Du kannst immer zu mir kommen wenn du magst”.

Dimitri: “Danke meine Fürstin”.

Mila: “Nun geht. Bereite ihm ein Bett vor. Er schläft ab nun bei dir”.

Dimitri und Vitja verlassen den Salon. Nicolai und Mila diskutieren noch eine Weile über Dimitris Vorgehen. Natürlich kann er Dimitri verstehen. Nur allzu gut sogar. Aber er weiß welche Gefahren diese Zieh-Vaterschaft für Dimitri bereithält.

Nachdenklich blickt er zum Fenster hinaus. Auf die schaurig-schönen, majestätischen Bäume die sein Anwesen umgeben. “Komm ins Bett Liebster, der Morgen graut bereits”- ruft Mila ihrem Gatten zu. Und er folgt ihr in die Gruft. Dort schlafen sie gemeinsam in einem großen Sarg aus edlem Holz. Daneben stehen die Särge von Nadja und Iwan.

Und während die Sonne ihre grässliche Morgenröte verkündet bettet sich das Fürstenpaar zur Ruhe.

Kapitel 4 - Ich sehe deine Sünden (Vergangenheit)

Prag, Oktober 2005. In einer kühlen Nacht spaziert ein Mann durch das Rotlichtviertel der tschechischen Hauptstadt. Er sucht Zerstreuung, Ablenkung. Sein Beruf ist hart, gefährlich und mental belastend. Alles was er heute will, ist zu vergessen wer er ist. Und was er ist.

Mehrere Stunden saß er in einer schmierigen, billigen, Tittenbar. Ein Laden ohne Stil, ohne Klasse. Eine Bar nach seinem Geschmack. Doch das reicht ihm heute nicht. Also machte er sich auf um in den Laufhäusern der Straße vor ihm nach einer Prostituierten zu suchen. Haus für Haus lief er ab. Auf der Suche nach dem Besonderen. Alles was er heute will ist sich das Hirn rausvögeln. Ein bisschen Sex, schmutziger Sex. Er will Lust spüren, Leidenschaft. Er will spüren das er noch lebt. Aber er konnte nicht finden was er suchte. Sein Geschmack ist sehr speziell.

Von links und rechts umgarnen ihn die billigen Huren. Asiatische Mädchen, überwiegend aus Thailand und Vietnam. Afrikanische Frauen, schwarz wie die Nacht mit leuchtend weißen Zähnen und großen Titten. Und slawische Mädchen, aus Moldawien, Georgien und Weißrussland. Manche der schönen und weniger schönen Damen warten mit einem gewissen Extra zwischen den Beinen auf. Auch von dieser Verführung hat er in der Vergangenheit bereits gekostet.

Sie machen dem jungen Mann eindeutige Avancen. Er ist jung, sieht gut aus und hat eine sportliche Figur. Er ist eine Willkommene Abwechslung zum üblichen Klientel. Jede von ihnen würde diesen Mann gerne als Kunden gewinnen. Müssen sich die Damen doch sonst mit Bierbäuchigen Schweinen herumschlagen die allzu oft die Zeche prellen wollen. Obwohl er nicht findet was er eigentlich sucht, betritt er eines der Zimmer.

Eine füllige schwarze Frau gewinnt heute seine Gunst für sich. Schnell werden sich die Hure und der mysteriöse Freier einig. Sie nennt sich Jade und behauptet aus Jamaika zu kommen. Doch das tut sie nicht, das wissen beide genau. Es liegt auf der Hand das Jade eigentlich aus Afrika kommt. Woher genau ist dem jungen Mann egal. Vermutlich ist sie auch nicht freiwillig hier. Er tröstet sein Gewissen in dem er sich einredet ein Highlight für diese Hure zu sein.

Jade: “Wie heißt du Süßer”?

Dario: “Die Leute nennen mich Dario”.

Jade: “Wo kommst du her Schätzchen”?

Dario: “Mal von hier, mal von dort”.

Jade: “Das macht überhaupt nichts. Ich komme auch von hier und dort”.

Dario: “Ich komme aus Gilan”.

Jade: “Wo liegt das, Gilan”.

Dario: “Das ist nicht weiter wichtig”.

Dario und Jade überspringen den üblichen Small-Talk. Sie einigen sich auf einen Preis von 50,00 €. Jade gehört eine volle Stunde lang nur ihm alleine, so oft er will und kann in dieser Zeit. Er drückt ihr den vereinbarten Preis in die Hand. Für die nächste Stunde ist Jade seine liebevolle Freundin. Für eine Stunde ist sie ihm nahe und schenkt ihm so viel Liebe wie sie nur kann. Und auch wenn Jade nicht das war was er suchte, so kann sie ihm doch eine schöne Stunde bereiten und seine Gedanken zerstreuen.

Jade und Dario tasten sich zum Kennenlernen erst mal im Stehen ab. Dario hat sich völlig ausgezogen. Sie streicheln sich gegenseitig. Jade tastet Darios Gemächt ab. Und sie ist beeindruckt von seiner Ausstattung. Dario genießt ihre Hände an seinem Schritt. Küssen möchte er die Hure nicht. Aber er liebkost ihre großen schokobraunen Möpse.

Dann legen sie sich auf das knarrende Bett. Jade verwöhnt ihren Freier mit dem Mund. Und Dario erfreut sich an ihren Lippen die sich um seinen Schwanz schmiegen. Jade ist sehr leidenschaftlich und mit ihren großen samtigen Lippen hat sie bis jetzt noch jeden Mann um den Verstand gebracht. Doch Dario möchte noch mehr, wesentlich mehr. So soll es nicht enden.

Dario legt die exotische Schönheit auf den Rücken und streift sich das Kondom über das sie ihm gegeben hat. Behutsam dringt Dario tief in Jades Liebestempel ein. Sein Phallus füllt die feuchte Spalte der Dirne völlig aus. Wie ein wilder Stier verlustiert sich Dario zwischen ihren Beinen. So lange bis er schließlich zum Orgasmus kommt. Er ergötzt sich an Jades Stöhnen und freut sich auf die zweite Runde.

Nachdem Dario Jade insgesamt 3 Mal beglückt hat, ist die Zeit schlussendlich abgelaufen. Freundschaftlich verabschieden sie sich an der Tür. Dann kehrt Dario zurück auf die Straße. Auf die dunklen, schummrig beleuchteten Prager Straßen. Die Häuserfassaden geben einen schäbigen, traurigen Anblick ab in den einschlägigen Prostitutionsgassen. Hier verläuft der Straßenstrich. Abgewrackte alte Frauen und frisch verschleppte junge Mädchen bieten sich hier ekelhaften alten Säcken zu Dumpingpreisen an. Am liebsten würden die Stadtväter das alles niederreißen und die Huren aus der goldenen Stadt verbannen. Doch so leicht ist das nicht.

Dario schlendert über das beschädigte, alte Kopfsteinpflaster in den Nebenstraßen. Vorbei an zwielichtigen Spelunken und herumlungernden Versagern und Taugenichtsen. Er ist auf den Weg ins Hotel. Einer kleinen schäbigen Absteige. Dario legt großen Wert darauf unerkannt zu reisen. Unsichtbar zu sein. Doch das klappt nicht immer so reibungslos wie er sich das wünscht.

Als er die Felic-Gasse entlang schlendert bemerkt er Schritte hinter sich. Sie sind auffällig. Denn sie sind gewollt leise. Dario lässt sich nicht anmerken das er seinen Verfolger entdeckt hat. Er nimmt einen anderen Weg, weg von seinem Hotel. Er biegt ein paar Mal ab, bis er sich in einer scheinbar ruhigen, gottverlassenen Seitenstraße befindet. Unbemerkt greift Dario unter seine Lederjacke.

Pulsuz fraqment bitdi.

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