Kitabı oxu: «Gamechanger»
Patrick Knittelfelder

SCM R.Brockhaus ist ein Imprint der SCM Verlagsgruppe, die zur Stiftung Christliche Medien gehört, einer gemeinnützigen Stiftung, die sich für die Förderung und Verbreitung christlicher Bücher, Zeitschriften, Filme und Musik einsetzt.
ISBN 978-3-417-26995-6 (E-Book)
ISBN 978-3-417-26969-7 (lieferbare Buchausgabe)
Datenkonvertierung E-Book: CPI books GmbH, Leck
© 2021 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH
Max-Eyth-Str. 41 · 71088 Holzgerlingen
Internet: www.scm-brockhaus.de; E-Mail: info@scm-brockhaus.de
Soweit nicht anders angegeben, sind die Bibelverse folgender Ausgabe entnommen: Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, © 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart.
Weiter wurden verwendet:
Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Wist en/Holzgerlingen. (ELB)
Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. (GNB)
Bibeltext der Schlachter Bibelübersetzung. Copyright © 2000 Genfer Bibelgesellschaft. Wiedergegeben mit der freundlichen Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten. (SCHL)
Co-Autorin: Sabine Rödiger
Titelbild: Cost onbro (Pexels), Vitor Gusmao-Shimabukuro (Pexels), Jeandaniel Francoeur (Pexels), Tanner Vote (Unsplash)
Autorenbild: © Tobias Bosina
Gesamtgestaltung: Erik Pabst, www.erikpabst.de
INHALT
ÜBER DEN AUTOR
EINLEITUNG – GAMECHANGER
1 RUNTER VOM SOFA
2 MACH DEIN LEBEN KLAR
3 GOTT KENNEN – WER IST ER UND WER BIN ICH?
4 KEHRE UM, BESTÄNDIG!
5 SELBSTDISZIPLIN
6 INTIMITÄT SCHAFFT AUTORITÄT
7 HONORINGS
8 FEIERE DEIN FEST
9 FASTE
10 ERWECKE DIE HELDEN
11 RAW – ZEIGE DEINE ECKEN UND KANTEN
12 WERDE EDGY UND GEFÄHRLICH
13 JUSTICE IS KEY – LEBE BARMHERZIG
14 ER WIRD KOMMEN
15 BRING YOUR FRIEND
ANMERKUNGEN
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ÜBER DEN AUTOR

Patrick Knittelfelder (Jg. 1970) ist einer der Gründer und Geschäftsführer der »HOME Mission Base« in Salzburg. Dort lebt er mit seiner Familie und rund 40 jungen Erwachsenen unter einem Dach. Sein Herz brennt für Evangelisation, Verkündigung und den Aufbau von neuen Projekten im Reich Gottes. Er ist als Unternehmer in der Gastronomie tätig.
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EINLEITUNG
Gamechanger
Wow! Wir leben in unglaublichen Zeiten. Unendliche Möglichkeiten. Unendliche Angebote. Unendliche Freiheiten. So viel Freizeit wie noch nie. So viele Insta-Freunde wie noch nie. Und so viele massive Krisen, globale, lokale und persönliche Herausforderungen an allen Ecken. Sicherheiten brechen weg. Bewährtes schwankt. Manchmal denke ich an die Generation unserer Eltern und Großeltern zurück. Ich meine jene, die einige Jahre nach dem Krieg geboren worden sind. Da ging’s fast nur aufwärts. Wirtschaftswachstum, von einem Wirtschaftswunder war die Rede, Urlaub am Meer und jeder, der gearbeitet hat, hat sich in seinem Leben ein Haus oder eine Eigentumswohnung verdienen können. Okay. Da gab es die Energiekrise in den 1970ern. Das war’s dann aber auch schon.
Heute sieht die Welt anders aus. Ein kleiner mieser Virus mit dem harmlosen Namen Corona wirft die gesamte Welt aus der Bahn. Die EU schnürt ein Billionen-Euro-Paket, um das Schlimmste zu verhindern. Und wir alle wissen nicht, wohin die Reise geht. Der Welt scheinen die Ideen auszugehen.
Und dann gibt’s da noch die Christen. Ich meine diese Leute, die darum ringen, ob es einen Gott wirklich geben kann. Und wenn es ihn gibt, wie ist er? Und wie denkt er über mich? Kann es wirklich sein, dass ich ihn Papa nennen kann, darf oder gar soll? Hat er wirklich alles im Griff? Und wie stellt er sich das vor, dass wir mit ihm kooperieren? Aber wenn da wirklich was dran ist und seine Kinder Licht der Welt, Salz der Erde, eine neue Schöpfung und vielleicht sogar die Rettung der Welt sind, dann sollten wir loslegen und das machen, wozu Gott uns berufen hat. Um Menschen zu fischen und diese zu seinen Jüngern zu machen.

Das Buch wendet sich an Menschen, bei denen diese Fragen schon gereift sind. Durchgerungen. Ein wenig. An Menschen, die spüren, dass sie gerufen sind, die Welt zu verändern. Und wenn es nur die Nachbarschaft ist. Die 15 Punkte eines christlichen Lifestyles sind geschrieben für Gamechanger. In der eigenen Familie, am Arbeitsplatz, in Kirche und Gemeinde, im Sportclub und bei den Brieftaubenzüchtern.
Damit diese Welt besser wird, damit »sein Reich komme« und »wie im Himmel so auf Erden« ein Stück mehr Realität wird, braucht es dich. Und damit du wirklich systemisch wirksam werden kannst, brauchst du Orientierung, eine Richtschnur, Herausforderung, Motivation und eine gefestigte Persönlichkeit. Dazu dieses Büchlein, dazu diese 15 Anregungen.
Entstanden sind diese 15 Kapitel als Vorträge in der Home Mission Basel in Salzburg, einer Jüngerschaftsschule für junge Erwachsene. Sabine Rödiger hat diese für mich in dieses Buch gegossen. Vielen Dank dafür. Mein Gebet ist, dass dieses Buch eine Hilfe für viele wird, um mitzubauen am Reich Gottes, um ein Gamechanger zu werden.
Patrick Knittelfelder
Salzburg, im Juli 2020
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1 - RUNTER VOM SOFA
Von der Leidenschaft
Die Anziehungskraft eines Sofas ist unheimlich groß. Wenn du jung bist, kannst du sehr schnell ein brennendes Herz bekommen, also eine echte Leidenschaft, wenn du etwas Neues kennenlernst, etwas Spannendes entdeckst oder irgendwo hinkommst, wo es wirklich abgeht. Diese Leidenschaft kann lange andauern oder, wie es heute leider oftmals ist, schnell auch wieder verpuffen. Oft lassen wir uns von Kleinigkeiten ausbremsen, weil wir verlernt haben, ausdauernd zu sein. In christlichen Kirchen gibt es viele junge Christen mit einem hohen Grad an Leidenschaft. Menschen um die 40 sind meistens schon weniger leidenschaftlich, 50-Jährige in der Regel noch weniger und unter den 60- und 70-Jährigen findest du kaum noch Menschen mit einem brennenden Herzen und einer großen, feurigen Leidenschaft.
Ich kenne einen von ihnen, einen ca. 80-jährigen Amerikaner namens Art. Art ist Missionar. Ich hörte ihn reden und schaute ihm in die Augen und wurde angesteckt von seinem Feuer und seiner Leidenschaft. Aber unter Menschen in so hohem Alter muss man normalerweise sehr lange suchen, um so jemanden zu finden.
Leidenschaft ist die Medizin gegen das Sofasyndrom. Das Sofa läuft dir dein ganzes Leben lang nach. Es lädt dich ein und flüstert dir zu: »Geh doch den bequemen Weg. Schau doch, was du schon alles machst, du bist doch schon ganz müde. Komm, setz dich einfach ein bisschen hin und ruh dich aus.«
Das Sofa hat ganz unterschiedliche Wirkungen auf dein Leben. Drei davon will ich mit dir ein bisschen genauer anschauen.
Die psychodynamische1 Wirkung des Sofas
Meine Frau fragt mich oft: »Du, was machen wir am Sonntag? Wollen wir Ski fahren oder auf den Berg gehen?« Darauf antworte ich meistens: »Lass uns den Sonntag doch mal ganz langsam angehen.« Ich stehe dann irgendwann auf, trinke gemütlich meinen Kaffee, schaue ein bisschen aus dem Fenster, mache dies oder jenes und meine Frau wird langsam immer ungeduldiger und ärgerlicher, weil der halbe Sonntag schon vorbei ist. Der Tag plätschert dahin und plötzlich ist es Abend. Das Einzige, was wir geschafft haben, war ein Spaziergang an der Salzach entlang. Aus der Bergtour und dem Skifahren ist nichts geworden.
Ich bin grundsätzlich schwer für eine Bergtour oder Ähnliches zu motivieren. Wenn ich dann allerdings doch mal motiviert bin oder irgendwelche Umstände mich zwingen, auf einen Berg zu steigen, stehe ich plötzlich auf dem Gipfel mit der unglaublich schönen Aussicht und sage: »Wow, sind diese Berge nicht gewaltig! Und es ist so gut, mal rauszukommen.« Und am Abend ist mein Herz wirklich erfüllt, ich fühle mich wohl und ich denke mir: »Das hat sich echt gelohnt!«
Es fällt mir immer wieder schwer, diesen ersten Schritt zu gehen. Aber wenn ich ihn dann gemacht habe, bin ich fasziniert von der Schönheit, freue mich enorm über die Abwechslung und spüre eine große Leidenschaft. Viele Menschen tun diesen Schritt nicht. Und was passiert? Sie bleiben in ihrer kleinen Welt, hängen den ganzen Tag rum und reden sich vielleicht ein, dass sie doch eh schon so viel tun und heute lieber einfach ausschlafen. Das Problem dabei ist, dass man dann immer träger wird. Dieses »Runter vom Sofa« und die Aufforderung: »Steh auf und geh, wider alle Müdigkeit!«, tun deinem Körper und deinem Inneren einfach extrem gut.

Wie das Sofa den Charakter formt
Leidenschaft ist immer eine Entscheidung. Du hast die Möglichkeit, dich für die Leidenschaft zu entscheiden. Sie entsteht, wenn du dich mit Dingen beschäftigst und herausfindest, wie sie funktionieren.
Als ich jung war, arbeitete ich einmal als Bauleiter bei einem Staudammprojekt. Allerdings waren die Voraussetzungen für dieses Projekt extrem schlecht. Ich hatte schlechtes Material und ungeeignete Mitarbeiter. Es war ein Projekt, das man so eigentlich nicht hätte durchführen können. Aber ich hatte diesen Auftrag angenommen und habe mich wirklich verausgabt, um diesen Staudamm zu bauen. Leider ist er nie fertig geworden, weil meine Mutter mich nach drei Tagen aus dem Bach herausgezogen hat, wo er entstehen sollte. Meine Lehrerin hatte sie angerufen, denn ich war drei Tage nicht in der Volksschule erschienen, weil ich all meine Kraft und Energie in dieses Staudammprojekt gesteckt hatte. Und das ist nur eine von vielen Geschichten. Es gab viele Leidenschaften in meinem Leben, die ich der Schule vorgezogen habe.
Oft frage ich mich, wo die nächste Generation, also unsere Kinder und die jungen Menschen von heute, die Möglichkeit hat, solche Projekte durchzuführen. Denn ich glaube, dass das enorm charakterformend ist. Als Kind hast du vielleicht noch ein Baumhaus oder einen Staudamm gebaut oder eine Höhle gegraben und musstest Kraft, Energie und Leidenschaft hineinstecken. Du hast damals schon gelernt, dich zu motivieren und nicht aufzugeben, wenn Rückschläge kommen. Aber solche Kindheitsabenteuer werden heute immer seltener. Zumindest in der Stadt sind die Möglichkeiten für so etwas sehr begrenzt. Viele beschäftigen sich eher damit, wie man ein Pokémon fängt oder an die nächstbeste Spielkonsole kommt. Und wenn sie darauf keine Lust mehr haben, dann surfen sie stundenlang im Internet und schauen sich irgendwelche Videos an. Aber das alles formt den Charakter nicht.

Es ist grundsätzlich nie zu spät, deinen Charakter zu formen, egal ob du 10, 20, 50 oder 80 Jahre alt bist. Aber es ist eine Entscheidung, mit etwas zu beginnen, dich dort wirklich hinein zu investieren und es durchzuziehen. Denn es werden Widerstände kommen. Aber dennoch ermutige ich dich, kühn zu sein und dein Projekt einfach anzugehen. Warte nicht auf später!
Mein Staudammprojekt war nicht groß geplant. Es gab keine Materialzusammenstellung, keinen Zeitplan, nicht mal eine Skizze. Es gab eigentlich nichts. Aber ich habe den Bach gesehen und wusste: Dort muss ein Staudamm hin. Und dann ging es los. Ich habe einfach angefangen.
In welchen Situationen schaust du auf dein Leben und denkst dir, dass da jetzt etwas Neues hingehört, z. B. ein Berufswechsel oder ein Auslandsjahr? Oder du denkst dir, dass du einmal grundsätzlich dein Leben ändern oder mit einem künstlerischen oder technischen Projekt beginnen solltest, von dem du schon so lange träumst. Das Problem ist: Das Sofa rennt hinter dir her und sagt: »Jetzt ruh dich doch mal aus.« Oder: »Was? Jetzt, in deinem Alter, willst du noch eine neue Ausbildung machen? Du hast doch schon einen Beruf, selbst wenn er dir nicht so viel Spaß macht. Aber eine neue Ausbildung schaffst du eh nicht, dazu fehlen dir die Kraft und das Geld erst recht. Bleib lieber auf dem Sofa liegen.« Aber wer sagt denn, dass das stimmt? Der beste Freund des Sofas ist nämlich der Geist der Entmutigung. Die beiden gehören zusammen und tauchen immer gemeinsam auf. Sie sind quasi verheiratet. Sie lungern beide ständig um dich herum.
In der Heiligen Schrift heißt es aber: »Ihr Väter, behandelt eure Kinder nicht zu streng, damit sie nicht entmutigt werden!« (Kolosser 3,21; GNB). Ich selbst bin sehr dankbar, dass ich nur ein paar Mal entmutigt worden bin. Aber viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene werden ständig entmutigt und verlieren die Freude daran, Dinge anzugehen, umzusetzen und sich schließlich daran zu freuen. Lass du dich nicht entmutigen!
Die spirituelle und geistliche Wirkung des Sofas
Es gibt jemanden, der sehr großes Interesse daran hat, dass du dein ganzes Leben lang auf dem Sofa sitzt. Neben dir steht die Packung Chips, auf der anderen Seite liegt die Tafel Schokolade, vor dir steht das Bier oder die Cola und in der Hand hältst du die Fernbedienung. Damit bist du für den Widersacher der ungefährlichste und langweiligste Mensch, den es auf dieser Welt gibt.
Die Heilige Schrift sagt uns etwas ganz anderes: »Zieh die Schuhe der Bereitschaft an!« (vgl. Epheser 6,15). Bereitschaft ist einer der Kernpunkte für Jüngerschaft. Sei bereit, neues Land zu betreten, neue Wege zu wagen. Geh los und mach etwas!
In der Bibel finden sich viele kleine Nebensätze. Einer der genialsten davon steht in 1. Mose 18,16. Das ist jene Stelle, wo Abraham vor seinem Zelt sitzt. Er ist schon sehr alt, hat aber keine Kinder. Gott kommt zu ihm in der Gestalt der drei Männer und Abraham erkennt, dass das nicht irgendwelche Fremden sind, und lässt ein Essen zubereiten. Schließlich kommt die große Zusage an ihn, dass seine Frau ein Kind bekommen wird. Er selbst kann das nicht glauben, weil er und seine Frau eben schon so alt sind, aber die Zusage Gottes steht. Schließlich gehen die drei Männer, also Gott, weg.
Und jetzt kommt es: »Abraham ging mit ihnen, um sie zu geleiten« (1. Mose 18,16). Ich habe schon sehr oft über diesen Satz nachgedacht. Ich stelle mir vor, dass ich zu Hause sitze und es plötzlich an der Tür läutet. Ich öffne und drei Männer stehen dort. Ich bitte sie herein, koche für sie und wir essen gemeinsam. Und dann verkünden sie mir das unglaublichste Wunder, das in meinem Leben geschehen wird. Ich bin total verblüfft und sprachlos. Irgendwann gehen sie und ich verabschiede mich ungefähr so: »Vielen Dank für euren Besuch! Echt eine Ehre für mich, dass ihr da wart. Bitte kommt mich bald wieder besuchen.«
Aber was tut Abraham? Er lässt alles stehen und liegen und geht einfach mit ihnen. Das finde ich eigentlich ziemlich unverfroren. Aber er tut es, zieht seine Schuhe der Bereitschaft an und geht mit diesen Männern. Dadurch schreibt er Geschichte, und zwar eine, von der die ganze Welt auch heute noch spricht. Er schaut nämlich mit den drei Männern auf Sodom hinab und ringt um die Gerechten, die in dieser Stadt sind.
Was will ich damit sagen? Wenn du auf deinem Sofa sitzt und sitzen bleibst, wird nichts Großartiges in deinem Leben passieren. Du kannst dir die besten Serien und die besten Filme 27-mal anschauen, aber das wird dein Leben nicht ändern. Aber in dem Augenblick, wenn du vom Sofa aufstehst, das Gewohnte verlässt und Neuland betrittst, wird dein Leben spannend werden. Neue Ideen, neue Kreativität werden in dir freigesetzt, neues Feuer, neue Leidenschaft und ungeahnte Wege und Erlebnisse warten auf dich.
Es wird vielleicht nicht immer einfach werden. Du wirst sicher auch Rückschläge hinnehmen müssen, wirst vielleicht enttäuscht werden, aber all das, was du dann tust, wird zutiefst deinen Charakter formen, tief in deine Psychodynamik eingreifen und dein Leben mit neuer Freude und neuem Sinn erfüllen. Es wird dir eine große Befriedigung geben und, sofern du am Reich Gottes mitarbeitest, ein ganz großer Baustein für dein geistliches Wachstum sein.
Run your race
Wir hier auf der »Mission Base« verlassen sehr oft unser Sofa. Manchmal stellen wir uns sogar eher die Frage, ob wir uns nicht mal wieder aufs Sofa setzen sollten und ob es nicht viel zu viel ist, was wir tun. Die Sache ist aber, dass ein Tag für alle Menschen auf dieser Welt gleich lang ist. Dein Tag hat 24 Stunden und mein Tag hat 24 Stunden. Und die Frage ist, wie wir unseren Tag verbringen.
Wo investierst du deine Talente, Charismen und Begabungen? Ich fordere dich auf, darüber nachzudenken, ob du deine Zeit sinnvoll investierst. Paulus sagt: Run your race – laufe dein Rennen (vgl. 1. Korinther 9,24). Wenn du dein Rennen mit Ausdauer läufst, wirst du am Ende den Siegeskranz entgegennehmen. Frage dich selbst: Wohin führt mein Rennen? Wie viele Zwischenstationen mache ich? Wie viel trödele ich?
Mich beschäftigt schon lange die Frage, warum in der Bibel nicht einfach steht: Mach dies und mach jenes und dann gelingt dein Rennen. Im Koran steht genau drin, was du tun sollst, nämlich fünfmal am Tag beten, den Hadsch machen, den Armen Almosen geben und so weiter. Dann ist dein Rennen in Ordnung, auch wenn du nie sicher weißt, ob du gerettet wirst oder nicht. Ich vermisse solche konkreten Anweisungen in der Bibel. Nirgendwo gibt es eine klare Aussage, wie unser Rennen aussehen soll und was wir hineininvestieren sollen. Die Erklärung dafür ist ganz einfach: Jeder von uns rennt sein ganz eigenes Rennen. Wir rennen nicht gegeneinander. Geschwindigkeit, Dynamik und die Fruchtbarkeit unserer Rennen sind total unterschiedlich. Aber wenn wir unser Rennen ernst nehmen, wird es nur erste Plätze und einen Siegeskranz für jeden geben.
Vielleicht fragst du dich jetzt, ob du zu viel oder zu wenig in deinem Leben tust.
Manchmal geht es dir wahrscheinlich so, dass du einfach nicht mehr kannst und eigentlich ein Sofa to go bräuchtest, auf das du dich jede freie Minute fallen lassen kannst. Oder du erkennst eben doch, dass das Sofa dich wirklich verfolgt und du eigentlich runter vom Sofa müsstest.
Die Frage ist: Wie findest du die Balance und wer sagt dir eigentlich, was richtig oder falsch ist und ob du zu viel oder zu wenig tust? Die Antwort darauf lautet: Gott sagt es dir! Er ist der Schlüssel. Nicht ein religiöses System, in dem alle Punkte vorgeschrieben und festgelegt sind.
Christsein heißt, eine Beziehung zu führen. In einer Beziehung musst du mit dem Partner abklären, wo was wie dran ist, und du musst das richtige Maß erringen und erstreiten. Gott wird dir ganz genau sagen, wie dein Rennen läuft, was zu viel und was zu wenig ist. Es wird Zeiten geben, in denen du alles geben musst und er dich dazu ermutigt, auffordert und sagt: »Gib alles, lass nicht nach, geh weiter!« Und es wird Zeiten geben, wo er sagt: »Komm und ruh dich aus bei mir!« (vgl. Markus 6,31). Solche Phasen können Stunden, Tage, Wochen, Monate und manchmal sogar Jahre dauern. Wie findest du heraus, was Gott dir gerade sagt? Indem du mit ihm Beziehung lebst, an seiner Seite gehst und ihn einlädst, dein Leben zu begleiten.

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2 - MACH DEIN LEBEN KLAR
Deine Vorbildwirkung
Hans Peter Royer, ein sehr bekannter österreichischer Prediger und Skilehrer aus Schladming, wurde erst spät von Gott berufen. Er erzählte oft folgende Geschichte: Als Gott neu in sein Leben kam, war er total begeistert von ihm. Er philosophierte mit seiner Skilehrgruppe jeden Tag bis drei Uhr morgens über Gott und redete die ganze Zeit von Gott. Irgendwann stellte er sich dann die Frage: »Warum passiert eigentlich nichts? Warum ist keiner von Gott begeistert?« Und dann erkannte er selbst die Antwort. Sie war ganz einfach. Er sagte: »Wenn sie mich gesehen haben, wie ich als total kaputter Typ an der Bar stand, haben sie sich gedacht, was der mit Gott kann, kann ich ohne Gott auch. Es gibt keinen Grund, mit Gott zu leben.« Erst dann begann er, sein Leben zu ändern und einen integren Lebensstil zu führen. Das bedeutet ganz einfach, umzukehren und ein gottgefälliges Leben zu leben.
Auch für uns als Forerunner lautet die Frage: Wie werden wir eigentlich wahrgenommen, wenn wir rausgehen in die Welt? Wenn wir die gleichen Schwächen und die gleiche Kraftlosigkeit zeigen, wenn wir mit den gleichen schlechten Angewohnheiten durchs Leben gehen wie alle anderen Menschen auch – dann sagen die Menschen: »Ja, du hast zwar Gott, tust dir auch einiges an dafür, aber das alles kann ich ohne Gott auch.«
Die ewige Hochzeit
Gott ermahnt uns an sehr vielen Stellen in der Bibel, umzukehren und unser Leben klarzumachen. Schau dir zum Beispiel mal 2. Könige 17,13 oder Matthäus 4,17 an. Warum? Weil es um unsere Seele geht. Es geht um unser ewiges Leben. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich tue alles dafür, um bei der ewigen Party Gottes an seinem Hochzeitstisch dabei zu sein. Und ich will nicht am letzten Ende des Hochzeitstisches sitzen. Ich will auch nicht an der Eingangstür warten, bis irgendwer mir den Platz zuteilt. Sondern ich werde es so machen, wie es in der Heiligen Schrift steht:
Seit den Tagen Johannes’ des Täufers bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan und Gewalttätige reißen es an sich.
Matthäus 11,12
Das muss man richtig verstehen. Damit ist gemeint, dass ich mit aller Kraft das bereits angebrochene Himmelreich stürmen will, mit allem Glauben, aller Entschiedenheit und allem Vertrauen auf den Herrn. Ich möchte weit vorne beim Hochzeitsmahl sitzen. Ich liebe Hochzeiten, ich liebe gutes Essen, ich liebe gute Gesellschaft. Dort ist mein Platz. Es geht mir um mein ewiges Leben, um meine Seele und darum, wie es mit mir weitergeht, wenn ich sterben werde. Ich weiß, dass das Leben erst richtig anfängt, wenn ich gestorben bin. Deswegen bemühe ich mich, mein Leben klarzumachen, umzukehren und nach vorne zu schauen. Vorne heißt in unserem Fall: Ewigkeit!
Geistliche Autorität
Wenn du dein Leben klarmachst und Grundvoraussetzungen in deinem Leben klärst, dann wächst du an geistlicher Autorität. Die Frage ist: Wie willst du durchs Leben gehen? Man kann auch einfach gerettet und erlöst werden und zum ewigen Hochzeitsmahl kommen. Aber mit welcher Autorität willst du hier auf Erden heute, morgen, übermorgen und in den nächsten Jahren durch dein Leben gehen? Es gibt diese wunderbare Geschichte, die uns das so bildlich vor Augen stellt, dass man denken könnte, sie sei erfunden. Sie ist aber wirklich passiert.
In Apostelgeschichte 19 wird folgende Situation beschrieben: Paulus und Petrus ziehen im Auftrag Jesu durch die Lande. Außer ihnen ziehen auch so einige jüdische Geisterbeschwörer herum, die sehen, was Paulus und Petrus da machen, und sich denken: »Wow, das ist cool! Die heilen die Kranken, treiben die Dämonen aus und vollbringen Wundertaten.« Mit ihrem eigenen Geschäft der Geisterbeschwörung sieht es allerdings eher ein bisschen dünn aus und so wollen sie auch das tun, was Petrus und Paulus tun. Unter ihnen sind die berühmten sieben Söhne von Skeuas, einem jüdischen Hohepriester, die sagen: »Okay, das machen wir jetzt auch!« Sie sehen einen Typen mit einem gewaltigen Dämon, gehen zu ihm hin und sagen wortwörtlich: »Ich beschwöre euch bei dem Jesus, den Paulus verkündet« (V. 13).
Dann geht es weiter: »Aber der böse Geist antwortete ihnen: Jesus kenne ich und auch Paulus ist mir bekannt. Doch wer seid ihr?« (V. 15). Möge uns das nie passieren, dass, was auch immer wir in dieser Welt mit geistlicher Autorität tun, ein Dämon oder irgendwer anders zu uns sagt: »Jesus kenne ich und Paulus kenne ich auch« – und dann zählt er womöglich noch Tausende und Abertausende Menschen auf, deren geistliche Autorität er kennt –, »aber dich kenne ich nicht.« Das ist der große Unterschied.
Die Geschichte geht folgendermaßen weiter: Der Dämon reißt den sieben starken Männern die Kleider vom Leib, zerkratzt sie, schlägt sie und sie rennen nackt aus dem Haus und flüchten zum Gelächter aller. Letzten Endes waren dann alle zutiefst erschrocken über das, was da passiert ist. Zum Schluss heißt es: »So wuchs das Wort in der Kraft des Herrn und wurde stark« (V. 20).
Wenn du Dinge in Vollmacht und geistlicher Autorität tust, werden deine Worte mächtig. Du kannst dasselbe tun und meinen wie die Person rechts neben dir, und doch hat sie eine geistliche Autorität und du nicht. Ein ganz entscheidender Punkt dafür ist dein Leben. Hast du dein Leben klargemacht oder nicht?
Wie du dein Leben klarmachst
Wir alle leben in einem Netz aus Beziehungen, Abhängigkeiten und Stammbäumen. Wir alle haben Eltern, Großeltern, Urgroßeltern. Die Frage ist: Wie sieht es mit deinen Beziehungen aus? Wie sieht es mit deiner Vergangenheit aus? Wo gibt es Unklarheiten? Wie steht es mit deinem Verhältnis zu Vater und Mutter? Das ist ein Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren (vgl. 2. Mose 20,12). Vielleicht fällt es dir durch deine Familiengeschichte oder andere Erfahrungen schwer, deine Eltern zu lieben. Doch schau genau: Du musst sie nicht lieben, aber du sollst sie ehren.
Gibt es in deinem Leben schwere Verfehlungen oder Sünden? Gibt es in deinem bisherigen Lebensweg große Brüche, von denen du noch nicht umgekehrt bist und die du nicht bekannt hast? Wenn das so ist, dann zögere keine Sekunde, das zu tun.
Denn ich bin der Herr, dein Gott, ein eifersüchtiger Gott: Ich suche die Schuld der Väter an den Kindern heim, an der dritten und vierten Generation, bei denen, die mich hassen.
2. Mose 20,5
Verstehst du, was Gott da sagt, und zwar nicht nur an dieser, sondern an ganz vielen Stellen? Er ermahnt uns, dass wir ernst nehmen müssen, was er in der Schrift sagt, wenn wir ihm nachfolgen wollen. Und er sagt, dass er ein eifernder Gott ist und dass ihm die Missetaten unserer Vorgänger nicht gefallen. Diese Missetaten unserer Vorgänger werden Auswirkungen haben auf die dritte und die vierte Generation.
Weißt du, was das ganz klar für dein Leben heißt? Spätestens in der dritten Generation vor dir waren deine Vorfahren wahrscheinlich in irgendeiner Art in den Ersten oder Zweiten Weltkrieg verwickelt. So wie bei allen von uns im deutschsprachigen Raum. Es kann fast gar nicht anders sein. Was ist mit dieser Zwischenkriegsgeneration? Was ist in der Nachkriegsgeneration passiert? Mit welchen schweren Verfehlungen haben deine Eltern sich schuldig gemacht? Was ist da im Leben deiner Familie passiert? Gott sagt ganz klar, dass das Auswirkungen und Bedeutung hat, und zwar Bedeutung für dein Leben, deine Heilung und deine geistliche Autorität – heute.
Jetzt fragst du dich vielleicht, was du da machen kannst? Was, wenn dein Opa in den Zweiten Weltkrieg involviert war und dein Papa dieses und jenes getan hat? Was, wenn man munkelt, dass es in deiner Familie ein dunkles Geheimnis gib? Was, wenn es eine Abtreibung gegeben hat oder sonst irgendeine schwere Verfehlung? Du fragst dich, was du dafürkannst. Nein, du kannst nichts dafür. Aber ja, du kannst sehr wohl etwas tun. Du kannst nämlich für Versöhnung sorgen, dort, wo das geht, denn Versöhnung ist der Schlüssel.
Du kannst Licht in deine Familie hineinbringen. Und selbst wenn das in deiner Familie nicht zu funktionieren scheint, kannst du noch etwas tun: Du kannst umkehren und Reue zeigen für die Personen der letzten Generationen in deiner Familie. Wenn du katholisch bist, kannst du zu einem Priester gehen, und er kann dir genau sagen, was du tun kannst und was er tun kann, um dir in diesem Fall zu helfen. Wenn du nicht katholisch bist, dann suche dir in deiner Gemeinde jemanden, der dir dabei helfen kann, wie du mit Ballast, der in den Generationen vor dir in deiner Familiengeschichte liegt, umgehen kannst. Ich kann dir eins versprechen: Es wird massive Auswirkungen auf dein Leben haben.
Dazu muss man sagen, dass die Veränderung oft nicht auf einen Schlag passiert, sondern ein Prozess ist. Du brauchst den Heiligen Geist dazu, der Dinge aufdeckt und dich überführt. Denn viele Dinge liegen im Verborgenen, vieles kannst du nicht direkt sehen, sondern musst in der Vergangenheit und eurer Familiengeschichte danach forschen. Du kannst auf diesem Weg um den Geist Gottes als Helfer bitten: »Komm, Heiliger Geist, decke auf und zeige mir, wo in meinem Leben, im Leben meiner Eltern, meiner Großeltern und in den zurückliegenden Generationen eine schwere Sünde passiert ist.«
Wenn du Offenbarung hast, dann geh auf die Knie, bereue und bitte um Vergebung. Die Frucht wird nicht ausbleiben. Der Herr sagt in 2. Mose 20,6: »Doch ich erweise Tausenden meine Huld bei denen, die mich lieben und meine Gebote bewahren.« Damit sagt der Herr, dass es wirklich von Bedeutung ist, was im Leben von Eltern und Vorfahren geschehen ist. Und er sagt dir damit, dass das, was du tust, noch viel mehr an Segen bewirken kann, bei Tausenden, die nach dir kommen werden, und bei denen, die schon jetzt bei dir sind.

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3 - GOTT KENNEN – WER IST ER UND WER BIN ICH?
Wer er ist
Ich weiß nicht, welche Vorstellungen du von Gott hast. Ein großes Thema in der Jüngerschaft ist es, mit falschen Gottesbildern aufzuräumen. Es geht darum, zu erkennen, zu erarbeiten und mit deiner ganzen Seele und deinem ganzen Sein zu versuchen, annähernd zu begreifen, wer dieser Gott wirklich ist. Gott ist unendlich, unzähmbar, leidenschaftlich. Er trägt das ganze Universum. Er ist überraschend, verborgen und sichtbar zugleich.
Seine Stimme ist wie das Dröhnen von Wassermassen (vgl. Offenbarung 1,15) und Geröll und wie der leise Wind (vgl. 1. Könige 19,12–14). Wenn du ihn siehst, fällst du wie tot zu Boden, aber er richtet dich wieder auf (vgl. Offenbarung 1,17). Er will dich ganz, so wie du bist. Er eifert um dich wie der Bräutigam um die Braut (vgl. Jesaja 61,10). Gott ist größer, als wir je denken können. Gott ist Vater, er ist dein Vater und Gott ist Mensch geworden (Galater 4,4).
Jesus will dich zu seinem Jünger machen (vgl. Matthäus 28,19), um dir die Liebe des Vaters zu zeigen (Johannes 15,9). »Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen« (Johannes 14,9), sagt Jesus. Gottes Heiliger Geist möchte dich zurüsten mit allem, was du für die Nachfolge brauchst. Gott zu kennen heißt, ihn zu entdecken, ihn zu entdecken heißt, ihn zu suchen, und ihn zu suchen heißt, ihn zu studieren.
Der Papa
Heute Morgen bin ich aufgewacht und wäre beinahe zu spät zur Arbeit gekommen. Folgendes war der Grund: Moritz, mein Sohn, 13 Monate alt, wird jeden Tag entzückender. Er ist in der Nacht ein Terrorist – er will trinken, er schreit, kreischt, er ärgert mich immer wieder. Aber in der Frühe und am Abend gibt es so ganz spezielle Zeiten. Und heute Morgen wollte er nur eines: bei mir sein.
Er ist einfach zu mir raufgekrabbelt. Dann hat er begonnen, mit mir zu kuscheln. Da sitze ich im Pyjama und er kommt einfach zu mir. Immer, wenn ich aufstehen will, weint er kurz, drückt sich an mich und will nur bei mir bleiben. Das ist so unglaublich entzückend. Das ist herzzerreißend. Ich kann nicht einfach aufstehen, da kann ich machen, was ich will. Und ich sage eigentlich immer: Ich bin Leiter, ich bin Vorbild, ich muss pünktlich kommen, das geht gar nicht anders. Ich bin die Pünktlichkeit in Person. Eigentlich. Aber es geht nicht. Es geht einfach nicht.
Wenn er bei mir sitzt und ich ihn anschaue, muss ich so oft an Gott denken. Denn so ist Gott. Er sagt: »Ich bin dein Vater« (vgl. Johannes 20,17). Gott sagt: »Patrick, so wie du zu Moritz bist, bin ich zu dir und zu dir, Kevin, und zu dir, Pia, und zu jedem.« Wenn ich Moritz’ Leben anschaue, ist echt viel Mist dabei. Er ist Weltmeister im Schränkeausräumen. Sobald ich mich umdrehe, hat er alles ausgeräumt. Heute früh war es die Wäsche. Ich sah den Wäschehaufen auf dem Boden liegen, verdrehte die Augen und er lachte mich schelmisch an. Er krabbelte rüber zu mir und was tat er? Er setzte sich auf meinen Schoß und wollte einfach mit mir kuscheln. Ich habe es zugelassen, ich konnte nicht anders. Verstehst du? So ist Gott. Damit wir einen Funken Ahnung davon bekommen, wie Gott ist, gibt er uns einige Beispiele.
An einer Stelle sagt Jesus: »Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten« (Matthäus 7,11). Ich saß da mit all den Dingen, die ich so zu tragen habe in meinem Leben, mit meiner ganzen Vergangenheit, meiner Familiengeschichte, all meinen gestörten, gebrochenen Beziehungen, all den Enttäuschungen in meinem Leben. Und normalerweise hätte ich sagen müssen: »Du kleine Rübe machst mir das Leben echt schwer!« Aber wie war es tatsächlich? Ich habe es nicht mal mehr geschafft, rechtzeitig zu duschen. Ich musste einfach bei ihm sitzen bleiben, weil er aus irgendwelchen Gründen bei mir sitzen wollte und mir dabei so viel Liebe schenkt. Das ist unglaublich.
Du räumst in deinem Leben was weiß ich wie viele Schränke aus, schmeißt alles Mögliche runter. Und wie viel Blumenerde hast du in deinem Leben schon in der ganzen Wohnung verteilt? Weißt du, was Gott sagt? »Oh nein! Nicht die Blumenerde!« Aber dann kommst du zu ihm und kletterst auf seinen Schoß, schmiegst dich an seine Brust und er sagt: »Was ist schon Blumenerde!« So ist Gott. Wir müssen unserer Gefühlswelt mit solchen Bildern helfen, weil wir kognitiv einfach nicht imstande sind zu verstehen, wie Gott über uns denkt. Deswegen sagt er immer wieder und immer wieder und immer wieder: »Ich bin euer Vater. Der Abba. Der Papa.« Das ist so schwer zu verstehen und es ist so schwer, dass wir diese Wahrheit wirklich in unser Herz fallen lassen.
Wenn du am Morgen, tagsüber oder spät am Abend betest, alleine oder auch in einer Gruppe, in der Kapelle oder in deinem Zimmer auf dem Bett liegst, auf einem Berg stehst oder sonst wo bist und sagst: »Gott, ich will bei dir sein« – weißt du, was dann passiert? Weißt du, was der Vater dann sagt? »Eigentlich muss ich jetzt die Welt retten. Aber ich kann jetzt nicht. Ich hab einfach keine Zeit, denn ich will und muss jetzt einfach bei dir bleiben.« So ist Gott.
Die sechs Bünde Gottes mit den Menschen
Wir müssen die Heilsgeschichte verstehen. Von Beginn bis zum Ende ist sie eine Liebesgeschichte Gottes zu den Menschen. Aber wir sehen das oft nicht. Wir schlagen irgendeine Stelle in der Bibel auf und lesen, wie sich Menschen gegenseitig die Köpfe einschlagen. Aber du musst die Geschehnisse im Zusammenhang sehen. Wenn du irgendeine Stelle zusammenhanglos rausziehst, kannst du nur verlieren.
Die wichtigste Regel für die Bibelauslegung ist die, dass wir die Schrift mit der Schrift auslegen müssen. Was heißt das? Du musst die Bibel und ihre großen Linien kennen. Vor allem die Heilsgeschichte und die Bünde, die Gott mit den Menschen geschlossen hat.
Der Bund mit Adam und Eva
Der erste Bund steht in 1. Mose 1–3. Gott schafft die Menschen perfekt. Als sein Abbild macht er sie. Er setzt sie in die allerbeste Umgebung hinein, die es überhaupt gibt, ins Paradies. Dann passiert das Verhängnisvolle, das Dramatische. Gott setzt Adam und Eva in dieses Paradies, er schenkt es ihnen, und was tun sie? Sie brechen den Bund mit ihm.
Ein Bund in der Bibel ist viel mehr als ein Vertrag, da Gott dadurch seinen Willen in höchstem Maße kundtut. Gott sagt: »Ich gebe dir diesen Garten, das beste Paradies für alle Zeiten.« Und der Mensch sagt: »Wow. Klingt cool.« Und er dreht sich um und bricht den Bund. Wer sich genauer damit auseinandersetzt, dem kommen die Tränen. Nicht Tränen der Trauer, sondern Tränen darüber, wie Gott trotz allem noch über den Menschen denkt. Denn trotz des zerbrochenen Vertrauens, trotz des Ungehorsams, trotz des Verstoßes gegen seine Liebe lässt er sie nicht in ihrer Scham sitzen, sondern was tut er? Er bekleidet sie, weil er gut über sie denkt, weil er sie trotz allem liebt.
Der Bund mit Noah
Der zweite Bund steht in 1. Mose 6–9. Dort sagt Gott zu Noah: »Noah, ich kann diese ganze Sünde der Welt nicht mehr ertragen und ich schicke eine Flut. Es soll vorbeigehen. Aber mit dir fange ich noch einmal ganz neu an. Noah, komm, bau eine Arche.« Noah fängt an, eine Arche zu bauen, und alle greifen sich an den Kopf und sagen: »Der Noah ist total übergeschnappt. Mitten auf dem Berg oben baut er ein Schiff. Wie kann man nur so blöd sein?« Bis zu diesem Zeitpunkt hatte es auf der Erde noch nie geregnet. Die Leute wussten gar nicht, was Regen ist.
Noah geht in das Schiff hinein, nimmt alle Tiere mit, es beginnt zu regnen und dann kommt die große Flut. Noah überlebt, beginnt wieder von vorn und Gott sagt: »Schau, da drüben ist Land. Jetzt beginnen wir neu und es wird alles so, wie ich es mir ausgedacht habe. Ich schließe mit dir einen ewigen Bund. Nie mehr will ich eine Flut über die ganze Erde kommen lassen.« Es hatte Gott gereut, was er getan hatte, weil er die Menschen ja liebt. Aber dann kommt es, wie es kommen muss. Noahs Nachfahren tun das Gleiche wie die Menschen vor der Flut: Krieg, Zwietracht, Sünde. Wie enttäuschend für Gott.
Der Bund mit Abraham
Der dritte Bund steht in 1. Mose 12-25. Es geht um Abraham. Ein uralter Mann, keine Kinder, keine Rentenversicherung, keine Krankenversicherung, nix, denn zur damaligen Zeit waren die Kinder all das. Er steht alleine da. Gott kommt eines Tages in Gestalt der drei Männer zu Abraham und sagt: »Ich verheiße dir, dass du ein starkes Geschlecht werden wirst.« Und Abraham sagt: »Na ja, der Jüngste bin ich jetzt nicht mehr, ich weiß nicht, wie das gehen soll.« Sarah lacht ebenfalls, da ihr Gottes Versprechen aufgrund ihres Alters und ihrer Unfruchtbarkeit absurd und unmöglich scheint. Und trotzdem! Was ist passiert? Nachkommen, so zahlreich wie der Sand, ist die Verheißung Gottes. Entgegen der Hoffnungslosigkeit hoffend glauben. Das tut Abraham.
Der Bund mit Mose
Der vierte Bund steht in 2. Mose ab Kapitel 2. Gott schließt ihn mit Mose. Die Israeliten sind in Gefangenschaft in Ägypten, werden geknechtet, ausgebeutet, bauen Pyramiden und Städte und alles Mögliche. Müssen Lehmziegel anfertigen. Viele arbeiten sich zu Tode. Gott greift ein und sagt: »Mose, ich erwähle dich. Ich statte dich aus mit übernatürlichen Fähigkeiten. Schau, was du alles tun kannst.« Gott schickt zehn Plagen zum Pharao und schließlich zieht das Volk aus Ägypten aus. Die Israeliten staunen über das, was passiert. Sie gehen durch die Wüste, werden von den Ägyptern verfolgt. Sie ziehen durch das geteilte Meer, die Ägypter ertrinken alle. Sie müssen ewig lang durch die Wüste laufen, leiden Hunger. Der Herr gibt ihnen Manna. Bald reicht ihnen das nicht mehr, sie beschweren sich, es kommen Schlangen, viele sterben. Gott schickt eine Wolkensäule vor ihnen her. Das muss man sich erst einmal vorstellen. Stell dir vor, du sagst zu Gott: »Gott, du mein Gott, wohin soll ich gehen?« Und Gott sagt zu dir: »Wir machen das ganz einfach. Ich schick dir eine Wolkensäule und du gehst einfach hinter dieser her. Und für die Nacht, wo du die Wolkensäule nicht sehen kannst, gebe ich dir eine Feuersäule.« So ist Gott.
Die Israeliten erleben Unglaubliches. Aber was tun sie während der 40 Jahre in der Wüste ständig? Immer und immer wieder fallen sie ab. Da gibt Gott Mose die Zehn Gebote, das Gewaltigste überhaupt. Sie sind eine Richtlinie, durch die Gott den Menschen sagt: »Leute, ihr seid immer wieder so verwirrt, deshalb gebe ich euch ein paar Punkte, eine konkrete Orientierung, eine Betriebsanleitung für euer Leben.« Mose kommt runter vom Berg und sieht das goldene Kalb. Wieder ist der Bund mit Gott gebrochen.
Der Bund mit David
Der fünfte Bund steht in 1. Samuel ab Kapitel 16. Gott erwählt einen, der ganz nach seinem Herzen ist, König David. Über ein Riesenkönigreich herrscht er. Gott sagt zu David: »Ich schließe mit dir einen Bund. Wir bauen gemeinsam einen Tempel. Riesengroß und gewaltig.« Was passiert mit David? Selbst David fällt. Er hat Hunderte der allerschönsten Frauen, und trotzdem ist es eine einzige, über die er fällt: die, die in der Nacht auf dem gegenüberliegenden Balkon badet. Der Ehebruch, der Bundesbruch, nimmt auch hier seinen Lauf.
Pulsuz fraqment bitdi.