Kitabı oxu: «Das große Buch vom Kleinvieh»
Wolf-Dietmar und Philipp Unterweger
Das große Buch vom Kleinvieh
Handbuch zur Haltung glücklicher Haus- und Nutztiere
Unter Mitarbeit von
Philipp Unterweger und Esther Schrode
Wolf-Dietmar und Ursula Unterweger
Leopold Stocker Verlag Graz – Stuttgart
IMPRESSUM
Umschlaggestaltung:
Werbeagentur Rypka GmbH, 8143 Dobl/Graz, www.rypka.at
Titelbilder: Dr. Wolf-Dietmar Unterweger
Umschlag Rückseite: Dr. Wolf-Dietmar und Dr. Philipp Unterweger
Bildnachweis: Dr. Wolf-Dietmar und Dr. Philipp Unterweger Farbabbildungen der Hühnerrassen: Mit freundlicher Genehmigung von Jakob Relowsky: S. 69 rechts unten, 75 rechts oben. Alle weiteren gemalten Farbabbildungen von Max Holdenried, Malmsheim, mit feundlicher Genehmigung von Marianne Holdenried.
Der Inhalt dieses Buches wurde von den Autoren und vom Verlag nach bestem Gewissen geprüft, eine Garantie kann jedoch nicht übernommen werden. Die juristische Haftung ist ausgeschlossen.
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ISBN 978-3-7020-1866-5
eISBN 978-3-7020-1978-5
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Layout und Repro: Werbeagentur Rypka GmbH, 8143 Dobl/ Graz

Esel und Ziegen haben ähnliche Beweidungsvorlieben. Kargheit macht sie glücklich.

INHALT
Die Kleinviehhaltung
Ziele und Möglichkeiten der Kleinviehhaltung
Welches Tier passt zu mir?
Die Anforderungen der Tiere
Tiere und Menschen – Das Zusammenleben
Gesetzliche Bestimmungen
Haftpflichtversicherung
Das Zusammenleben von Mensch und Nutztier
Akzeptanz und Wertschätzung des bäuerlichen Lebens
Nutztiere und die Nachbarschaft
Mensch-Tier-Konflikte
Kleinviehhaltung: vom Balkon bis zum Bauernhof
Kleinviehhaltung auf dem Land
Kleinviehhaltung in der Stadt
Kleinviehhaltung im Industriegebiet
Kleinviehhaltung in Schule, Bildungs- oder sozialer Einrichtung
Kleinvieh, Beruf und Freizeit: Kleinvieh macht auch Mist
Wir teilen uns den Bauernhof
Die Infrastruktur: Stallung, Garten, Wiesen und Weiden
Der Kleinviehgarten
Der Kleinviehstall
Grundbauform und Module
Multifunktionelle Futterkrippe
Der Auslauf
Das Grünland
Die Wiesen
Die Weiden
Unterstand auf der Weide
Die Zäune
Die Felder
Nutzung der Produkte
Der Streichelzoo
Umweltbildung und Pädagogik
Tiergestützte Therapie
Der Herd ist das Ziel: Milch, Fleisch, Eier
Tierische „Nonfood“-Produkte
Tierische Dienstleistungen
Zug- und Tragtier
Futter
Futterkomponenten
Das Heu
Heu für Kaninchen
Heu für Schafe
Heu für Ziegen
Heu für Lamas und Alpakas
Heu für Esel
Wasser
Pflege
Geflügel und Säugetiere
Geflügel
Säugetiere
Körperpflege
Klauenpflege
Fell- und Gefiederpflege
Schur
Gesundheitsförderung
Für Menschen
Für die Tiere
Krankheiten
Die Nutztiere
Perlhühner
Anatomie des Perlhuhns
Welche Perlhühner passen zu uns?
Rassen
Was man beim Kauf beachten sollte
Stall
Auslauf/Weide
Fütterung
Pflege
Vermehrung (Aufzucht)
Verwertung
Fleischgewinnung
Eiergewinnung
Krankheiten
Hühner
Anatomie des Huhns
Welche Hühner passen zu uns?
Rassen
Altsteirer
Andalusier
Appenzeller Barthühner
Appenzeller Spitzhauben
Augsburger
Barnevelder
Bergische Kräher
Bergische Schlotterkämme
Brakel
Deutsche Lachshühner
Deutsche Langschan
Deutsche Reichshühner
Deutsche Sperber
Dominikaner
Hamburger
Italiener
Krüper
Lakenfelder
Mechelner
Minorka
Niederrheiner
Orpington
Ostfriesische Möwen
Ramelsloher
Rheinländer
Sachsenhühner
Schweizer Hühner
Sulmtaler
Sundheimer Hühner
Thüringer Barthühner
Vorwerkhühner
Westfälische Totleger
Wyandotten
Was man beim Kauf beachten sollte
Stall
Auslauf/Weide
Fütterung
Pflege
Der Sporn
Der Schnabel
Die Krallenpflege
Das verrupfte Huhn
Das Stutzen der Flügel
Kalkbeine
Vermehrung (Brut und Aufzucht)
Verwertung
Das Huhn als Verwerter von Abfällen
Fleischgewinnung/Schlachtung
Eiergewinnung
Soziale Interaktion
Krankheiten
Puten/Truthühner
Anatomie der Pute
Welche Puten passen zu uns?
Rassen
Bronzeputen
Deutsche Puten
Cröllwitzer Puten
Blaue Puten
Was man beim Kauf beachten sollte
Stall
Auslauf/Weide
Fütterung
Pflege
Vermehrung (Aufzucht)
Verwertung
Fleischgewinnung/Schlachtung
Krankheiten
Wachteln
Anatomie der Wachtel
Welche Wachteln passen zu uns?
Rassen
Was man beim Kauf beachten sollte
Stall
Auslauf/Weide
Fütterung
Pflege
Vermehrung (Aufzucht)
Verwertung
Fleischgewinnung/Schlachtung
Eiergewinnung
Krankheiten
Pfau
Anatomie des Pfaus
Was man beim Kauf beachten sollte
Stall
Auslauf/Weide
Fütterung
Pflege
Vermehrung (Aufzucht)
Verwertung
Krankheiten
Besonderheiten
Enten
Anatomie der Ente
Welche Enten passen zu uns?
Rassen
Fleischenten
Aylesburyenten
Deutsche Pekingenten
Rouenenten
Zweinutzungsrassen
Orpingtonente
Landente
Pommernente
Was man beim Kauf beachten sollte
Stall
Auslauf/Weide
Fütterung
Pflege
Vermehrung (Aufzucht)
Verwertung
Fleischgewinnung/Schlachtung
Eiergewinnung
Krankheiten
Besonderheiten
Gänse
Anatomie der Gans
Welche Gänse passen zu uns?
Rassen
Deutsche Legegänse
Leinegänse
Lippegänse
Bayerische Landgänse / Österreichische Landgänse
Diepholzer Gänse
Emdener Gänse
Was man beim Kauf beachten sollte
Stall
Auslauf/Weide
Fütterung
Pflege
Vermehrung (Aufzucht)
Verwertung
Fleischgewinnung/Schlachtung
Eiergewinnung
Krankheiten
Besonderheiten
Tauben
Anatomie der Taube
Welche Tauben passen zu uns?
Rassen
Wiener Weißschild
Wiener Kurze
Waldviertler Kröpfer
Österreichische Klätschertaube
Huhnschecke/Linzertaube
Malteser
Was man beim Kauf beachten sollte
Stall, Voliere und Freiflug
Fütterung
Pflege
Vermehrung (Aufzucht)
Verwertung
Fleischgewinnung/Schlachtung
Krankheiten
Kaninchen
Anatomie des Kaninchens
Welche Kaninchen passen zu uns?
Rassen
Große Rassen/Riesen
Mittelgroße Rassen
Kleine Rassen/Zwergkaninchen
Marderkaninchen
Englische Widder
Luxkaninchen
Deutsche Großsilber
Japaner
Meißner Widder
Angora
Schweizer Fuchskaninchen
Was man beim Kauf beachten sollte
Stall
Auslauf/Weide
Fütterung
Pflege
Vermehrung (Aufzucht)
Verwertung
Fleischgewinnung
Fellgewinnung
Krankheiten
Esel
Anatomie des Esels
Welche Esel passen zu uns?
Rassen
Österreichisch-Ungarische Weiße Barockesel
Baudet du Poitou
Was man beim Kauf beachten sollte
Stall
Auslauf/Weide
Fütterung
Pflege
Vermehrung (Aufzucht)
Verwertung/Nutzung
Milchgewinnung
Fleischgewinnung
Zugtier/Trekking
Krankheiten
Besonderheiten (Der störrische Esel)
Schafe
Anatomie des Schafs
Welche Schafe passen zu uns?
Rassen
Brillenschaf/Kärntner Brillenschaf
Deutsches Karakulschaf
Schwarzes Bergschaf
Leineschaf
Weißköpfiges Fleischschaf
Braunes Bergschaf
Weißes Bergschaf
Waldschaf
Alpines Steinschaf
Weiße gehörnte Heidschnucke
Merinolangwollschaf
Bentheimer Landschaf
Weiße hornlose Heidschnucke / Moorschnucke
Skudde
Rauhwolliges Pommersches Landschaf
Merinofleischschaf
Bündner Oberländer Schaf
Engadinerschaf
Saaser Mutte
Spiegelschaf
Krainer Steinschaf
Montafoner Steinschaf
Tiroler Steinschaf
Zackelschaf
Was man beim Kauf beachten sollte
Stall
Auslauf/Weide
Pflege
Klauenpflege
Kotuntersuchung und Entwurmung
Hautparasiten
Schur
Vermehrung (Aufzucht)
Verwertung
Milchgewinnung
Fleischgewinnung/Schlachtung
Wollgewinnung
Fellgewinnung
Krankheiten
Ziegen
Anatomie der Ziege
Welche Ziegen passen zu uns?
Rassen
Thüringer Wald Ziege
Grüenochte Geiss
Simplonziege (Capra Sempione)
Graue Bergziege (Capra Grigia)
Appenzellerziege
Bündner Strahlenziege
Kupferhalsziege
Walliser Schwarzhalsziege
Blobe Ziege
Gämsfärbige Gebirgsziege
Pfauenziege
Pinzgauer Ziege
Pinzgauer Strahlenziege
Steirische Scheckenziege
Tauernscheckenziege
Was man beim Kauf beachten sollte
Stall
Auslauf/Weide
Fütterung
Pflege
Fellpflege
Klauenpflege
Vermehrung (Aufzucht)
Verwertung/Nutzung
Milchgewinnung (Melkregeln, Milchnutzung, Milch)
Fleischgewinnung/Schlachtung
Fellgewinnung
Zugtier/Kleinfuhrwerk
Krankheiten
Lamas und Alpakas
Anatomie der Lamas und Alpakas
Welche Lamas oder Alpakas passen zu uns?
Was man beim Kauf beachten sollte
Stall
Auslauf/Weide
Fütterung
Pflege
Vermehrung (Aufzucht)
Verwertung/Nutzung
Wollgewinnung
Fleischgewinnung
Trekking
Krankheiten
Schweine
Anatomie des Schweins
Welche Schweine passen zu uns?
Rassen
Angler Sattelschwein
Deutsches Sattelschwein
Rotbuntes Husumer Schwein
Leicoma
Buntes Bentheimer Schwein
Schwäbisch Hällisches Schwein
Schwarzes Alpenschwein
Mangalitza
Turopolje
Was man beim Kauf beachten sollte
Stall
Auslauf/Weide
Fütterung
Pflege
Vermehrung (Aufzucht)
Verwertung
Fleischgewinnung
Krankheiten
Literaturverzeichnis
Internetquellen

Die extensive Haltung von Ziegen und Eseln hat dazu geführt, dass eine große Vielfalt an Rassen und Lokalschlägen entstanden ist, auch bedingt durch das Futter und das Klima. Sie sind an die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten bestens angepasst.

Schafe sind die besten Grasmäher. Sie pflegen Kulturlandschaften und erhalten die Schönheit wertvoller Obstwiesen.
DIE KLEINVIEHHALTUNG
ZIELE UND MÖGLICHKEITEN DER KLEINVIEHHALTUNG
Der Wunsch, eigene Tiere zu halten, kann vielfältige Ursachen haben. Vom Genuss des Anblicks von Bauernhoftieren im eigenen Garten, über die Nutzung der tierischen Produkte im Eigenbedarf bis hin zur Bereicherung des eigenen Verkaufsangebotes. Die Ziele, die Vorfreude und die idealisierte Vorstellung des Tierhaltens beeinflussen unsere Entscheidung.
Aber nicht allein emotionale Gründe sollen den Entschluss fällen, sondern auch rationale Überlegungen. Habe ich die nötige Zeit, die Verantwortung zu übernehmen? Wie sieht es aus, wenn die Schafe aus der Koppel ausbrechen und zusammen mit den Ziegen den nachbarschaftlichen Garten leer fressen? Habe ich die Energie und die Kraft, auch kleine Rückschläge zu bewältigen? So groß das Glück und die Freude der eigenen Tierhaltung auch sein mag – eine realistische Einschätzung der eigenen Ressourcen ist immer notwendig, um sich für das passende Tier zu entscheiden.
WELCHES TIER PASST ZU MIR?
Die Abschätzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen beinhaltet Überlegungen auf vier abstrakten Ebenen:

Diese vier Ebenen ermöglichen eine realistische Abschätzung der Machbarkeit. Unterschiedliche Arbeitseinteilungen und Organisationsformen lassen dann die Haltung verschiedener Tiere zu. Pauschale Aussagen zur Haltung eines Tieres sind jedoch nicht möglich, da die Rahmenbedingungen jeweils unterschiedlich sind.
Die Zeit: Zur Auswahl des passenden Tieres gehört zunächst immer die Überlegung der Zeit. Wieviel Zeit benötigt die art- und rassegerechte Haltung eines Tieres? Reicht es morgens und abends, die Tiere zu besuchen? Kann ich die Pflege und Fürsorge bewältigen? Wie sieht es in meiner Familie aus? Ist die Akzeptanz da, mir die Zeit zu gönnen, die Tiere zu versorgen? Können mir Nachbarn helfen? Ist die Arbeit teilbar? Was ist mit den Urlaubsreisen? Wer übernimmt die Vertretung? Das anspruchsloseste Tier ist sicherlich das Huhn, gefolgt vom Kaninchen. Esel und Schafe bzw. Ziegen benötigen mehr Zeitaufwand, da hier die zurückzulegenden Distanzen bis zur Weide größer werden und die Ansprüche steigen.
Der Raum: Welcher Raum steht mir für die Tierhaltung zur Verfügung? Brauche ich nur einen Stall mit passendem Auslauf? Wie groß muss dieser Stall sein, damit die Tiere tierwohlgerecht gehalten werden? Wie viele Tiere pro Fläche kann ich halten und wie ist es mit den Jungtieren, den überzähligen Männchen und den gegebenenfalls kranken Tieren? Werden Weiden benötigt? Wie viel Weide brauche ich pro Tier und Jahr? Zu jedem Weidetier gehört natürlich das Winterfutter. Heu und Zusatzfutter kann man kaufen oder kostengünstig selber anbauen. Die Fläche für die Produktion geht vom Weideland ab und die Fläche für die Lagerung des gesamten Winterfutters muss bei der Stall- und Scheunengröße berücksichtigt werden.
Das Engagement: Die Idee der Tierhaltung mag neu und fremd sein. Aber Sie sind nicht der erste Mensch, der Tiere hält. Fast alle unsere Vorfahren haben stets Tiere gehalten. Mit Erfolg, denn sonst wären sie verhungert. Obwohl wir Menschen eine Vergangenheit haben, die aus Ackerbau und Viehzucht hervorgeht, ist uns die praktische Erfahrung in Vergessenheit geraten und alles muss neu erlernt werden. Eine Herausforderung, die jeder meistern kann. Dennoch spielt die Frage nach dem Engagement eine wichtige Rolle: In wieweit kann ich mich dem Rhythmus der Tierhaltung anpassen? Wie weit gehen mein Glücksempfinden und die Frustrationstoleranz bei Rückschlägen? Wie groß ist die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und mit den Tieren durch dick und dünn zu gehen? Tierhaltung ist für jedermann. Dennoch müssen wir manchmal bis an unsere Grenzen gehen, wenn unvorhergesehene oder wenig attraktive Aufgaben auf uns zukommen.
Die Dauer: Bevor man sich mit der Haltung von Tieren beschäftigt, muss man wissen, dass die Verantwortung für diese Tiere keine Teilzeitaufgabe ist. Auch wenn man es schafft, sich die Arbeit zu teilen oder mit wenigen Stunden am Tag die Tiere tiergerecht zu versorgen, so gilt es doch, auch die Dauer einer solchen Beziehung zu berücksichtigen. Vielfach werden die Tiere sehr alt. Ein Huhn begleitet uns etwa 4 Jahre und ein Lama kann bis zu 20 Jahre alt werden. Sollte es Ihnen nicht gelingen, Tiere pragmatisch während der jungen Jahre zu schlachten, so haben Sie viele Jahre lang eine Verantwortung für diese Tiere. Gerade bei Nutztieren, die wir essen, ist eine nüchterne und akribische Planung des Schlachtzeitraums ein wichtiger Faktor. Mit jedem weiteren Jahr, welches ein Individuum älter wird, sinkt die Bereitschaft, es zu essen. Anders als bei einem guten Rotwein werden die Qualität und die Appetitanregung von älteren Tieren selten besser und die emotionale Bindung und der Gesunderhaltungsaufwand steigen.

Hühner in einem ländlichen Garten, in dem es noch eine lebensvolle Idylle gibt: Plätze zum Scharren und Picken im Schatten eines Birnbaumes, am Zaun, entlang einer Hecke, auf der Wiese.

Ein solcher Kleinviehgarten ermöglicht es den Tieren, alle Verhaltensbedürfnisse zu befriedigen: uneingeschränktes Fortbewegungsverhalten.
DIE ANFORDERUNGEN DER TIERE
Jede Tierart stellt andere Anforderungen an die Haltung. Die Tabelle auf S. 12 schafft einen Überblick über die grundlegenden Bedürfnisse der einzelnen Tiere. Jede Spalte ist ein zentraler Faktor, der sich entweder durch finanzielle Aufwendungen oder durch das Vorhandensein von genügend Fläche bewältigen lässt.
Gerade die unterschiedlichen Bestandteile des Futters erfordern entweder einen kontinuierlichen Zukauf oder die Produktion auf eigenen Flächen. Raufutter bezeichnet alle Futtermittel, bei denen die gesamte Pflanze verfüttert wird. Demnach ist Stroh, Heu, Silage und Gras dem Raufutter zuzuordnen. Die Lagerfähigkeit von Heu, Stroh und Silage ermöglicht die Winterfütterung. Gras und frischer Schnitt der Wiesen fällt unter Grünfutter. Auch grün gemähtes Getreide (Hafer oder Mais) zählt dazu. Saftfutter besteht hauptsächlich aus Knollen, Wurzeln und anderen Pflanzenteilen. Der hohe Wassergehalt ist für Wurzel- und Knollenfrüchte typisch und macht sie verderblich. Dennoch lohnt sich gerade hier der eigene Anbau.
Leguminosen sind alle Hülsenfrüchtler. Der Anbau dieser Pflanzen bereichert den Boden durch die Fähigkeit der Stickstofffixierung. Zudem sind die geernteten Hülsenfrüchte eine sehr wertvolle und eiweißreiche Kost, die vielfach geschrotet verabreicht wird. Auch grün gemähtes Getreide (Hafer oder Mais) zählt dazu. Körner sind die Früchte der Gräser. Somit ist das gesamte Getreide gemeint, welches bei der Ernte Körner liefert – und auch Stroh (Raufutter).

Anforderungen an die verschiedenen Nutztierarten. Idealer wäre, wenn die unterschiedlichen Futterbestandteile auf dem Hof selbst produziert werden könnten.

Nicht alle Flächen dürfen versiegelt werden, wenn ein Kleinviehhof für alle Bewohner zum Wohlfühlort werden soll.
TIERE UND MENSCHEN – DAS ZUSAMMENLEBEN
GESETZLICHE BESTIMMUNGEN
Die Rahmenbedingungen und gesetzlichen Regelungen für die Haltung von Haus- und Nutztieren variieren von Land zu Land und dann meist nochmals innerhalb der Verwaltungsgrenzen. Es ist daher wichtig, dass sich die Halter zunächst auf verschiedenen Wegen über die nötigen Erlaubnisse, Anforderungen und Meldepflichten informieren.
Bei vielen Haus- und Nutztieren sind einfache, formlose Meldungen ausreichend. Das Halten von Gänsen und Kaninchen ist meist mit weniger hohen Hürden ausgestattet als der Einstieg in die Schweine- oder die Hühnerhaltung.
INFO! Generell gilt:
Das Halten von Haus- und Nutztieren ist erlaubt, wenn man sich an die Vorschriften und Meldepflichten hält.
Bevor man sich mit den verschiedenen Verwaltungsebenen beschäftigt, sind gute Gespräche mit erfahrenen Tierhaltern der Weg zum Erfolg. Meist ist es motivierender und praxisnäher, wenn man sich dem Thema aus der Richtung der Erfahrungen nähert, als den Weg über die Vorschriften und Meldebögen geht. Das Ziel ist auf beiden Wegen dasselbe: gesunde Tiere in rassegerechter Haltung ohne Schädigung benachbarter Viehbestände und Anwohner.
In Deutschland, Österreich und in der Schweiz sind die gesetzlichen Bestimmungen unterschiedlich. So gibt die Organisation PROVIEH für Deutschland regelmäßig Auskunft, welche gesetzlichen Vorgaben für die einzelnen Tiere zu beachten sind.
Auch über das Lebensmittelrecht, die Lebensmittelhygiene, die Schlachtung – ein möglichst schonendes Ende – wird rechtlich fundierte Auskunft erteilt.
Für Österreich ist es ratsam, die gesetzlichen Bestimmungen im Einzelnen bei den entsprechenden Ämtern zu erfragen. Über die Nutztierhaltung erhält man bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft oder dem Magistrat rechtlich fundierte Auskünfte.
In der Schweiz regeln detailliert das Tierschutzgesetz (TSchG) und die Tierschutzverordnung (TSchV) die Haltung und Zucht von Nutztieren. Wie in Deutschland und Österreich so auch in der Schweiz ist der Halter von Nutztieren dem Tierwohl verpflichtet. Es ist selbstverständlich, dass man auch in der Schweiz wie in anderen Ländern den behördlichen Anordnungen Folge leistet.
HAFTPFLICHTVERSICHERUNG
Für das Halten von größeren Haustieren (v. a. Schafe, Ziegen und andere Weidegänger) empfiehlt es sich, eine Tierhalterhaftpflichtversicherung abzuschließen. So sind die Ziersträucher der Nachbarn abgesichert und das große Chaos nach einem unbeabsichtigten Ausbrechen aus der Koppel bereitet Ihnen keine Kopfschmerzen.
DAS ZUSAMMENLEBEN VON MENSCH UND NUTZTIER
Menschen und Nutztiere bilden durch die Domestikation eine eingeschworene Gemeinschaft. Durch den gegenseitigen Nutzen entsteht eine Vertrauens- und Schutzbeziehung. Die Aussicht auf eigene Eier, das Wissen um den Wert des zu erwartenden Fleisches und natürlich die emotionale Bindung zu den Tieren lässt Viehhalter ihre Tiere oft anders wahrnehmen, als dies ein Außenstehender tun würde.
In der Realität gibt es jedoch immer mehrere Ebenen: die Tiere, die Halter und die „Stakeholder“, also alle die Menschen, die in irgendeiner Form mit der Tierhaltung in Berührung kommen, seien es Familienmitglieder, Nachbarn, Passanten, Behörden oder Mitglieder der Gemeinde/Kommune. Dieses Netzwerk darf man nicht ausblenden, sondern sollte stets eine gute Kommunikation anstreben, die die anderen Akteure im Blick behält. Auch wenn es modern klingt, so sind Begriffe wie Moderation und Mediation auch in der Dorfgemeinschaft schon immer zentrale Bestandteile der Akzeptanzförderung. Das gute Gespräch mit dem Nachbarn, die gemeinsame Nutzung von Ressourcen und das Dulden von Nutzung – alle diese Aspekte brauchen die Kommunikation. Wenn die Gänse vor der Einfahrt des Nachbarn ruhen, dann kann das Angebot der Nachbarschaftshilfe über die Verunreinigungen hinweghelfen. Ein paar Eier hin und wieder sind Gold wert und als Geschenk äußerst beliebt. Die Beweidung ungenutzter Obstgärten wird oft gern gesehen.
Das Halten von Tieren war schon immer ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft. Tierhaltung ist die Grundlage unserer sozialen und gemeinschaftlichen Entwicklung. Daher lohnt es sich, diese wieder zu fördern und die Akzeptanz zu fordern.
AKZEPTANZ UND WERTSCHÄTZUNG DES BÄUERLICHEN LEBENS
Das bäuerliche Leben und die partielle Selbstversorgung sind der Grundstock für ein gesundes Dorf oder ein solides Gemeinwesen. Gackernde Hühner sind das Symbol für Ernährungssouveränität. Weidende Schafe, Ziegen – und auch das Großvieh – sind Symbole für den Klimaschutz und die Förderung der biologischen Vielfalt. Die Tiere, wie wir sie hier präsentieren, schufen unsere Kulturlandschaft und schafften das, was wir lieben und im Urlaub genießen.
Daher sei allen Tierhaltern geraten, die kulturellen, ästhetischen und künstlerischen Aspekte ihrer Viehhaltung zu betonen und zu teilen. Durch schöne Ställe, durch einen plastikfreien Hof, durch gesunde Tiere und arkadische Weiden wird Akzeptanz und Wertschätzung geschaffen. Es ist dem Menschen zu eigen, dass er gesunde Tiere anerkennt und wertschätzt. Es liegt in unserem Instinkt, die gute Tierhaltung zu erkennen und zu honorieren. So müssen die Tierhalter und die Tierlosen gemeinsam für ein vielfältiges Dorf einstehen und voneinander lernen. Nur so entstehen Respekt und eine gesunde und nachhaltige Dorfatmosphäre.

Die Anwesenheit von Kleinvieh vervollständigt den schönen Anblick eines dörflichen Umfelds. Hier fühlen sich nicht nur Menschen wohl, sondern auch Insekten, Vögel und Wildtiere.
NUTZTIERE UND DIE NACHBARSCHAFT
Auch die beste Kommunikation im Dorf und in der Nachbarschaft wird nie alle Menschen zu Freunden machen. Immer wird es Kritiker, Unglückliche und Menschen, die sich gestört fühlen, geben. Der Dialog wird dann nicht reichen. Das Recht und die kulturelle Pflicht, Tiere zu halten und an der Nahrungssouveränität mitzuarbeiten, ist das stärkste Argument. Ein guter Zaun, eine gesunde Hecke, ein geräuschgedämmter Stall und ein gepflegter Misthaufen wirken Wunder.
MENSCH-TIER-KONFLIKTE
Das Thema der Mensch-Tier-Konflikte begleitet den Menschen schon immer. Die zunehmende Abgrenzung von der Natur schuf daraus „Mensch-Wild-nis-Konflikte“. Das Verhältnis des Menschen zu seiner belebten Umwelt gestaltet sich durch den Wunsch nach Handlungshoheit und der reflektierten Kommunikation sehr schwierig.
So ist die unbeherrschte Wildnis für die meisten Menschen ein Ort der Angst und der Inakzeptanz. Zugvögel, die temporär in großen Massen auftreten, werden als abnormal wahrgenommen und als störend empfunden. Gänse, die auf ihrem Zugweg einen Mauserplatz aufsuchen und dort nach Nahrung suchen, werden zum Problem deklariert. Stare oder Krähen, die im Winter in Plantagen und Parks rasten, werden, da sie als kulturfremd wahrgenommen werden, nicht akzeptiert.
Die Bezeichnung Raubtier stammt aus diesem Denken. Obwohl ein in der freien Wildbahn lebendes Tier niemals raubt, sondern nur Nahrung in Form von Beute entnimmt, nehmen wir diese Tiere als Gegenspieler wahr. Während der Adel und die großen Landbesitzer schon früh daran arbeiteten, die großen, wild lebenden Fleischfresser zu dezimieren und zu kontrollieren, blieben Fuchs, Marder und Ratte für die Kleinviehhalter eine große Bedrohung.

Ein gesundes Dorfumfeld zeichnet sich durch tierbelebte Straßen aus.
Durch die naturwissenschaftliche Beobachtung der Ökologie und der Netzwerke des Lebens zeigte sich der wahre Wert von Wolf, Luchs und Wildkatze in unseren Ökosystemen. Naturschutzfachlich ist daher ein Besatz mit diesen Tieren aus vielen Gründen nötig und zwingend erforderlich.
Allerdings führte der gesellschaftliche Wandel zu einer komplett neu gestalteten Landbevölkerung. Das Jagdrecht wurde verbürgerlicht und einer breiten Masse zugänglich. Die Hirten und Hutetraditionen (Beweidung auf Weiden, die vormals Wald waren, der aber nicht gänzlich gerodet worden ist. Die Weiden sind von lichtem Baumbestand durchsetzt.) wurden wegrationalisiert und das Vieh dem Weidezaun überlassen. Der Mensch entfernte sich vom Land und hinterließ eine hochspezialisierte Landschaft mit wenigen Arbeitsplätzen. Die Zahl der Jäger ist größer als die Zahl der Hirten, und das, wo es doch mehr Vieh als Wild gibt. Das führt zu einem Denken, dass allen Bedrohungen des Viehbestands durch Wolf, Bär und Luchs nur durch die Jagd begegnet werden kann. Kleinviehhalter mussten schon immer ihren Viehbestand hegen und pflegen und nachts sichern, damit der Fuchs nicht die Gans holt, den Weidetierhaltern ist diese Form des Einpferchens und Eingralens verloren gegangen. In einer Landschaft, in der Hirten wieder ein erträgliches Arbeitsumfeld finden, indem Einkommen, Regelungen und Infrastruktur positiv auf diese Arbeit wirken, ist ein Nebeneinander von Mensch und Wildnis möglich.
Alle romantisierenden Gemälde mit arkadischen Motiven zeigen den Hirten als Vermittler zwischen Wildnis und Menschen, niemals jedoch Gewehre, Fallen und Giftköder.

Die Haltung von Kleinvieh löst viele Probleme der fehlenden Kulturlandschaftspflege und reintegriert die wertvollen Flächen in Kreisläufe.
KLEINVIEHHALTUNG: VOM BALKON BIS ZUM BAUERNHOF
Kleinviehhaltung liegt in unseren Genen. Kaum jemand kommt 2 oder 3 Generationen zurück, ohne dass nicht zumindest ein Vorfahr einen Stallhasen (Kaninchen) gehalten hat. Meist sind sogar richtige Rossbauern in den Vorfahren vertreten. Das Meerschweinchen, das die Kinder heute halten, ist nur ein kleines Trostpflaster für den unbewussten Verlust.
Zwar sind wir meist froh, wenn wir nicht mehr um 5 Uhr in den Stall müssen, damit wir gemolkene Kühe zurücklassen, wenn wir um halb 7 in den Berufsverkehr starten. Dennoch ist der Anblick von gesundem Weidevieh, von glücklichen Tieren auf dem Urlaubsbauernhof – oder gar der Urlaub in Rumänien in guten Weidelandschaften – sehr befriedigend und spricht längst verborgene Instinkte an. Daher sollte man versuchen, in allen Lebens- und Wohnlagen zumindest ein Mindestmaß an tierischer Selbstversorgung zu ermöglichen.
KLEINVIEHHALTUNG AUF DEM LAND
Auf dem Land, also in den Dorf- und Mischgebieten der Dörfer und auf den alten Hofstellen ist die Tierhaltung meist gar kein Problem. Zwar ist es oft schwierig, angrenzende Weiden zu finden oder überhaupt Grünland zu pachten. Dennoch ist es möglich, einen leerstehenden Stall zu finden, eine Obstwiese zu pachten oder in einem kleinen Hof unterzukommen.
In den Neubaugebieten gibt es leider zunehmend Regelungen, die das Halten von Haus- und Nutztieren einschränken oder gar verbieten. Nach dem Einholen von Informationen sollte man dann noch von Fall zu Fall erörtern, inwiefern nicht doch ein paar Zwerghühner, drei Laufenten oder ein paar Kaninchen den Garten beleben können.
Beim Aufstellen eines neuen Bebauungsplanes sollte man die Gemeinde dahingehend aufmerksam machen, dass das Halten von Haus- und Nutztieren mit in den Plan aufgenommen wird und somit im neuen Baugebiet erlaubt ist.

Gänse halten den Bewuchs auch da kurz, wo Schafe und Ziegen nicht unbeaufsichtigt weiden können.

Die natürliche Nutzung eines Feuchtgebietes erhält Funktionen und Strukturen. Sie spart Kosten in der naturschutzfachlichen Pflege und wird auch in Notzeiten nicht eingespart. Denn die Hirten wissen, dass sie diesem Biotop die Vitalität ihres Viehs verdanken.
INFO! Bebauungsplan anpassen
Fordern Sie Ihre Gemeindeverwaltung auf, im Rahmen einer Neuausweisung von Baugebieten die Rahmenbedingungen für eine Kleinviehhaltung im Sinne der ökologischen und nachhaltigen Dorf- und Stadtentwicklung zu ermöglichen. Diese Forderung lässt sich im Einklang mit den Zielen „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und „Artenschutz“ der vereinten Nationen bringen und unterstützt diverse Förderprogramme für mehr Natur im Siedlungsbereich.
KLEINVIEHHALTUNG IN DER STADT
In der Stadt gilt das Gleiche wie für Neubaugebiete und Wohngebiete in den Dörfern. Der Gartenplatz beschränkt die Anschaffung von Tieren und die Vorschriften und Akzeptanz im Wohnumfeld regeln den Rest.
Sollte man nur eine Wohnung zur Verfügung haben, so ist der Platz auf dem Balkon meist zu klein und Mietverträge reglementieren die Haltung sehr deutlich.
Das Tierhalten in Schreber- und Gemeinschaftsgärten mag hier eine Alternative sein, die neben dem Vorteil der Arbeitsteilung oft auch den Nachteil der ungewünschten Fütterung oder des Diebstahls mit sich bringt.
KLEINVIEHHALTUNG IM INDUSTRIEGEBIET
Für Gartenlose lohnt sich die Überlegung, ob sich auf dem Betriebsgelände des Arbeitgebers nicht ein Projekt zur Förderung der regionalen Ernährung starten lässt. Von Tomaten entlang der Firmenhalle bis hin zum kleinen Hühnerhof. Das Engagement der Mitarbeiter ist gewünscht und führt zu einem besseren Betriebsklima. Die Beweidung der Grünflächen und der Baulandreserve eröffnet bald neue Möglichkeiten und schon ist man in der Lage, das gesamte Industriegebiet ringsum zu beweiden.
Tierhaltungskonzepte für Industriegebiete werden im Rahmen von CSR-Maßnahmen (corporate social responsibility/soziale Verantwortung des Unternehmens) und für das betriebliche Gesundheits- und Umweltmanagement zunehmend von großer Bedeutung sein.
Eine beliebte Abnahmequelle für die Produkte ist die Betriebskantine und ein gemeinschaftlicher Kühlschrank/Tauschtisch, der die Arbeit für alle schmeckbar macht.

Esel sorgen für Arbeitserleichterung, wenn sie magere Standorte regelmäßig beweiden.

Enten und Gänse ernähren sich zudem aus dem Wasser und nutzen so die Gewässer nachhaltig.

Ruhendes Wassergeflügel wirkt beruhigend und entspannend.

Jeder Besucher wird sich freuen, wenn er schon am Hofeingang von der rastenden Hühnerschar begrüßt wird.
KLEINVIEHHALTUNG IN SCHULE, BILDUNGS- ODER SOZIALER EINRICHTUNG
Auch Schulen, Altersheime und andere soziale Einrichtungen sind ideale Plätze, den Menschen den Wert der Natur und regionaler Lebensmittel näher zu bringen. Es bieten sich vielfältige Möglichkeiten, den Schulgarten um die Bereiche der Tierhaltung zu erweitern. Hühner im Seniorenheim erwecken bei den Bewohnern vielfach sehr positive Empfindungen und sind ein beliebtes Ziel für Spaziergänge. Soziale Einrichtungen und Wohnheime für Menschen mit verschiedenen Einschränkungen sind für die Haltung von Kleinvieh ebenfalls prädestiniert. So bringt die Verantwortung für Tiere und die entgegengebrachte Wertschätzung oft ungeahnte therapeutische Wirkungen hervor. Bei einem Besuch in Genf entdeckten wir auf dem Gelände einer wirtschaftswissenschaftlichen Hochschule einen Gemeinschaftsgarten. Die Idee der gesunden und vielfältigen Ernährung kennt also keine Grenzen.
Mit diesem Buch wollen wir alle ermutigen, die Ernährungssouveränität auch wieder mit der Vielfalt der heimischen Nutztierrassen zu erweitern und einen Beitrag zu leisten, dass weniger Tiere in Massentierhaltung gehalten werden und Billigfleisch unsere Lebensgrundlage wie auch andere Kulturen bedroht.
KLEINVIEH, BERUF UND FREIZEIT: KLEINVIEH MACHT AUCH MIST
Die Kleinviehhaltung unterscheidet sich im Zweck: Während die einen nur als Hobby Tiere halten, dient sie anderen zur Erweiterung des Angebots im Hofladen oder für das Geschäft. Auch die Kleinviehhaltung zur Bereicherung der Schule oder der Betriebskantine kann eine ernsthafte Überlegung sein. Zunehmen werden auch die „Teilzeitbauern“, also die Menschen, die ihre reguläre Arbeit reduzieren, um einige Prozent der Woche für den Eigenbedarf oder zur Selbstverwirklichung zu arbeiten. Das Modell des bedingungslosen Grundeinkommens, welches vielerorts diskutiert wird, ist ebenfalls ein Grund, die Kleinviehhaltung zu thematisieren.
Die Übernahme von Verantwortung für Tiere erfordert Zeit. Es ist bei vielen Tierarten kein „Nebenher“ möglich. Auch Kaninchen kosten Zeit, Schweine mehr, Schafe und Ziegen schon viel mehr, vor allem dann, wenn die Milch ins Spiel kommt.
WIR TEILEN UNS DEN BAUERNHOF
Die solidarische Landwirtschaft und Modelle des geteilten Eigentums lassen sich auch auf private Tiergruppen anwenden. Gemeinschaftlich gehaltene Hühner sind ideal machbar. Gemeinsame Schafe ermöglichen es allen Parteien, in den Urlaub zu fahren und die Betreuung der Tiere zeitlich zu koordinieren. Es erfordert Vertrauen, Verantwortungsbewusstsein und gute Planung. Dann lassen sich in Wohngemeinschaften, in Straßenzügen oder in Wohnvierteln bestens Tiere gemeinschaftlich halten.
Die Idee vom wandernden Hasenstall, der reihum alle Rasenmäher überflüssig macht, wird dann schnell zur Realität. Kinder können gemeinschaftlich dafür sorgen, dass der Freilauf immer in einem anderen Garten steht und die umweltschädlichen Rasenmäher auch nur noch teilzeitaktiv sind, wenn überhaupt die Sense sie nicht ganz ersetzt.
Die Urlaubsvertretung hat die Aufgabe, die einzelnen Tiere auf ihren Gesundheitszustand zu überprüfen, für das Futter und reichlich frisches Wasser zu sorgen, die Funktionen der Automaten zu überprüfen und den Zaun auf undichte Stellen zu überprüfen.
CHECKLISTE! Urlaubsvertretung
Leben alle Tiere?
Gibt es kranke oder gar verendete Tiere? Wenn ja, Tierarzt konsultieren!
Ist der Zaun/Stall dicht oder zeigen sich Einbruchsspuren?
Ist die Tränke gefüllt und sauber?
Ist das Futter ausreichend und sauber?
Ergänzen des Futters.
Überprüfen der Funktionen (ggf. Elektrozaun, automatischer Schieber, Futter- und Getränkeautomaten)
Absammeln der Eier beim Federvieh (Hühnern, Enten und Gänse etc.)
Überprüfen der Nester und Stallungen auf Verunreinigungen. Im Bedarfsfall misten.

Ein Kaninchenstall und das gelagerte Holz machen die Fassade lebendig. Es ist selbstverständlich, dass auch Kaninchen Auslauf brauchen.
DIE INFRASTRUKTUR: STALLUNG, GARTEN, WIESEN UND WEIDEN
DER KLEINVIEHGARTEN
Der Kleinviehgarten ist das unmittelbare Umfeld um das Wohnhaus der Menschen beziehungsweise rund um den Kleinviehstall. Diese beiden Faktoren bestimmen die Ausstattung des Kleinviehstalls maßgeblich. Für den Menschen ist es interessant, dass unnötiger Schmutz, Geräusche und Gerüche vom Wohnhaus ferngehalten werden, was durch die Ausrichtung der Türen und Fenster und die Lage bezüglich zur Windrichtung beeinflusst werden kann.
So ist eine Stallung in Süd-West-Lage direkt vor dem Wohnzimmerfenster sicherlich nicht optimal. Auch die Rückseite eines Kaninchenstalls am Schlafzimmerfenster lässt auf eine ungünstige Raumnutzung im Kleinviehgarten schließen. Da sich die Witterung (Hitze, Feuchtigkeit …) oftmals negativ auf den Untergrund im Auslauf auswirkt, können hier auch Gedanken an die Platzierung gemacht werden. Die Kotecke einer Schweinekoppel und das Küchenfenster sind unpassende Nachbarn, während eine Weide vor der Terrasse dafür sorgt, dass man während der Mahlzeiten Tiere beobachten kann und alles im Blick hat.
Es lohnt sich auf alle Fälle je nach Tierart über die Gestaltung im Gartenraum nachzudenken. Ästhetische Gesichtspunkte spielen eine große Rolle bei der Vermittlung von Freude und Akzeptanz der Tierhaltung. Kurze Wege, gerade im Winter, erleichtern die Fütterung und Pflege und ermöglichen auch noch im höheren Alter eine gefahr- und mühelose Tierhaltung.
Ein wichtiges Merkmal ist die biologische Vielfalt des Gartens. Der Wert der Biodiversität macht sich im Kleinviehgarten bemerkbar. Bäume und Sträucher spenden Schatten und ermöglichen Staubbäder, zugleich reduzieren sie die Verdunstung von Schweinesuhlen und Schwimmteichen. Artenreiche Säume fördern die Selbstmedikation der Tiere und unterstützen Nutzinsekten bei der Parasitenkontrolle. Nisthilfen in den Bäumen steigern die Anzahl der Gartenvögel, was den Hausund Nutztieren zu Gute kommt, indem die lästigen Insekten auf natürliche Weise in Schach gehalten werden. Der Star übernimmt in unseren Breiten die Funktion des „Madenhackers“ und befreit die Weidetiere durch enge Begleitung von jeder Menge Lästlingen und Parasiten. Vielfalt ist demnach die beste Gesundheitsprävention für die Tiere. Artenreiche Hochstamm-Streuobstwiesen bieten durch den Frühjahrsschnitt der Bäume Knospen und Misteln. Die extensiven Wiesen und Weiden führen zu ausgewogener Ernährung. Strukturelemente ermöglichen den Ziegen das Klettern und bieten Schatten und Deckung für die kleineren Haustiere.

Ein schöner Anblick ist die gemischte Nutzung der Grünflächen hinterm Haus.

Ideales Areal für Kleinvieh. Gewässer für Wassergeflügel. Säume für Esel und Ziegen.
Vielfalt ist ein wichtiger Helfer bei der Gestaltung des Kleinviehgartens. Vielfalt ist tolerierte Natur und bewusste Wildnis. Sie ergänzt unsere Verantwortung für die Tiere und hilft bei der Gesundheitsprävention. Keinesfalls entbindet sie uns von unserer Sorgfalts- und Beobachtungspflicht. Ein naturnaher, wilder Garten ist sinnvoll und erstrebenswert, da er das klimaschädliche Kohlendioxid bindet. Verwilderte oder verwahrloste Haus- und Nutztiere sind dagegen nicht zu akzeptieren.
DER KLEINVIEHSTALL
Die Stallungen dienen den Tieren zum guten Leben. Das bedeutet, dass hier auf eine solide und art- bzw. rassegerechte Haltung geachtet werden sollte. Neben den typischen Anforderungen für die unterschiedlichen Tierarten spielen aber auch noch andere Aspekte eine große Rolle. Die Benutzerfreundlichkeit durch kurze Wege, sicheres Arbeiten und leichte Pflegbarkeit, die Schönheit im System, sodass der Stall zur Region, zur Landschaft zum Dorf und auch zum Haus passt. Ein Stall im Toskanastil wirkt in Schweden fremd und bei unbedachter Verwendung wie ein Fremdkörper. Dennoch kann es auch gut passen, wenn sich Kulturen vermischen und ergänzen.
In keinem Fall jedoch ist ein Stall im Baumarktstil zu rechtfertigen. Offen gezeigte Grobspanoder Siebdruckplatten, einfallsloses Wellblech, offen verbaute Hohlblocksteine haben in unseren Dörfern und in der Kulturlandschaft keinen Platz. Die Kleinviehhaltung muss schön sein, wenn sie Akzeptanz erfahren möchte. Es ist daher sinnvoll, den Baumärkten keinen Glauben zu schenken, wenn sie uns mit Lockangeboten überhäufen. Denn neben der Schönheit und den vorangegangenen Punkten spielt auch die Nachhaltigkeit und die Gesundheitsverträglichkeit eine große Rolle bei der Haltung von Nutztieren. Ökologisches Bauen mit heimischem Holz, mit Lehm und Fundsteinen geht in jedem Fall in die richtige Richtung. Regionale Ziegelsteine, Lehmflechtwände, Rundholzkonstruktionen, Natursteinmauern und Zimmermannshandwerk erfüllen alle Anforderungen an eine nachhaltige Gestaltung.
Bei den Fahrten mit der Bahn und durch Vororte fallen die Schrebergärten auf, die mit den Mitteln der Baumärkte hergerichtet werden. Keiner dieser Schrebergärten ist zukunftstauglich. Unverrottbare Bauteile zersplittern in der Witterung, Wind und Wetter machen Kunststoffe brüchig und verteilen sie in der Landschaft. Zersprungene Hohlblocksteine, geborstene Dachabdeckungen, aufgequollene OSB-Platten schaffen unnötige Probleme und Belastungen für die, die sie entsorgen müssen und somit für die Gemeinschaft.

Ein Storch zeigt an, dass es im Umfeld genug Futter gibt.

Dieses kleine Eindachbauernhaus bietet Platz für Mensch und Tier. Es beherbergt Wohnräume, Stallungen für Kleinvieh, Stroh, Heu und Futterrüben.
Der Bau von Stallungen ist ökologisch zu gestalten. Das Halten von Hühnern ist kein Grund, die zukünftigen Generationen mit Sondermüllbaustoffen zu belasten.
Unsere Freilichtmuseen geben wunderbare Beispiele für ökologisches und nachhaltiges Bauen. Sie zeigen, wie ein Leben zwischen Mensch und Tieren möglich ist, ohne dass chemisch verunreinigte Baustoffe das Leben belasten. Ein Besuch in diesen Museen gibt wichtige Ideen für tolle Stallbauten – vom Eindachbauernhaus bis hin zum Weideunterstand.

Ein harmonisches Ensemble, bestehend aus Wohnhaus, Stall- und Wirtschaftsgebäude sowie Lagerscheune. Die Anordnung ist gestaffelt, so steht das Wohnhaus leicht verschoben in der ersten Reihe im Süden. Zudem schützen die in Westrichtung gebauten Gebäude das Wohnhaus und den dahintergelegenen Wirtschaftshof vor der Witterung aus der Hauptwindrichtung. Das Einbauen einer Terrasse, eines Gemüsegartens und die Gestaltung der Weide vor dem Wohnhaus ermöglichen das Beobachten der Tiere vom Wohnzimmer aus. Außerdem kann durch das Pflanzen von Bäumen und Sträuchern die Kulissenwirkung sehr passend gestaltet werden.

Die flächendeckende Verfügbarkeit genormter Baumaterialien und die billigen Baustoffe der Großhändler sind kein Freischein dafür, dass Ihr Kleinviehstall nicht aus regionalen und ökologischen Baustoffen besteht und sich in seiner Optik harmonisch an die Region anpasst. Bauen Sie schön.
Grundbauform und Module
Die Freude an der Kleinviehhaltung bleibt lange erhalten, wenn die Infrastruktur praktisch angeordnet ist. So ist die Vermeidung langer Wege und das zeit- und kräftesparende Gestalten der Anlage ein wichtiger Faktor. Auch die Barrierefreiheit und die volle Nutzbarkeit bei Schnee und Eis beeinflussen die Tierhaltung positiv.
Der hier vorgestellte Kleinviehstall ist ein modularer Vorschlag zur Haltung verschiedener Nutztiere. Der dreigegliederte Stall bietet auf seiner Grundfläche drei variable Haltungsformen an, wobei der mittlere Teil auch als Werk- und Tierhaltungsraum fungiert und somit nur zum Teil für die Tiere zur Verfügung steht. Im Dach findet sich Platz für das Heu.
Da die Tiere unterschiedliche Anforderungen an ihren Stall haben, bespricht dieses Kapitel zunächst nur den Aufbau und die Grundbauform. Aufgrund von einzelnen Modulen gehen wir in den jeweiligen Kapiteln auf die speziellen Anforderungen der Tiere ein und besprechen die artspezifischen Anpassungen an Einrichtung und Ausstattung.
Selbstverständlich gibt es eine Fülle von Varianten und Eigenkonstruktionen, die alle für die Haltung von Kleinvieh genutzt werden können. Prädestiniert sind bestehende Stallungen in Gehöften, die durch eine Instandsetzung wieder benutzt werden können. Hierbei ist an mögliche Anpassungen in Bezug auf Tierwohl, Arbeitssicherheit und Arbeitserleichterung zu achten. Dennoch ist die Wiedernutzung bestehender Stallungen auch aus Gründen des Ressourcen- und Klimaschutzes sicherlich die sinnvollste Lösung. Die Trennung von Lagerscheune und Stall kann manchmal baulich sinnvoll sein, dennoch ist das tägliche Schleppen von Futter eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, die durch einen integrierten Heustock erleichtert werden kann.

Grundriss
A: Hühnerstall
B: Legenester
C: Fluchtsicherer Zugang
D: Luke zu Heustock im Dach
E: Kaninchenstall
F: Vorraum
G: Futteranrichte
H: Schaf-/ Ziegenstall
I: Doppeltor
J: Voliere

Ein Kleinviehstall ist das optimale Gebäude für ambitionierte Halter und Familien mit der Freude an Haustieren. Hier finden neben den Hühnern auch noch Kaninchen und eventuell Pferde, Esel, Ziegen, Schafe oder Schweine einen sicheren Unterschlupf. Die Bauweise mit dem offenen Wirtschaftsraum ermöglicht ganzjährig geschütztes Arbeiten und einen Unterstand an nassen Tagen. Außerdem kann der zweite Anbau auch als Geräteschuppen genutzt werden, da er räumlich getrennt ist. Der Dachboden bietet ausreichend Stauraum für Heu und Stroh oder für Transport- und Obstkisten.
Multifunktionelle Futterkrippe
Die Erfahrung, welche sich durch das Halten von Tieren einstellt, wird Schritte zur Arbeitserleichterung und zur Schonung von Ressourcen hervorbringen. Dass im abgebildeten Futterstand das herausgezupfte und herunterfallende Heu durch einen Trog aufgefangen wird, erhält wertvolles Futter und schützt es vor Verunreinigungen durch Tritt. Das gerettete Heu kann in den Kaninchenstall verbracht werden.

DER AUSLAUF
Neben dem Stall und der Weide bietet der Auslauf für manche Tiere einen temporären Freigang. Der Auslauf ist für Geflügel die Voliere. Volieren bieten Schutz vor garstiger Witterung und sind für manche Tage eine Alternative zum Freilauf. Im Falle einer Stallpflicht ist die Voliere der einzige Kontakt zur Außenwelt und sollte daher für Geflügel vorschriftsmäßig und recht üppig gestaltet sein.
Ein Schweinekoben ermöglicht den Schweinen das Verlassen des Stalls, wenn die Weide zu nass ist oder anderweitig genutzt wird. Der Auslauf ist somit ein Vorhof am Stall, der den Tieren und Tierhaltern temporäre Entlastung bieten soll. Diese Entlastung sollte stets das Tierwohl als Ziel haben und zeigt, dass die Nutzung des Auslaufs zeitlich sehr begrenzt ist.

Beispiel zweier kleiner Geflügelställe: für Hühner, Gänse, Enten, Perlhühner und auch Wachteln.

Die Farben eines Schweinestalls ergänzen sich harmonisch.
DAS GRÜNLAND
Durch die Sesshaftwerdung des Menschen vergrößerten sich um die Siedlungsgebiete herum die offenen Flächen für die Haltung und Fütterung der Tiere. Während der Vegetationszeit wurden die Tiere nachts in Pferchen und Koppeln vor Raubtieren geschützt und während des Tages zogen sie – vom Hirten begleitet – auf die Weiden und Waldweiden. Zur Fütterung der Tiere während des Winters brauchte man Heu. Dieses wurde auf speziellen, unbeweideten Flächen erzeugt – den Wiesen.
Die Wiesen
Als Wiesen bezeichnet man Grünland, welches mindestens einmal pro Jahr gemäht wird. Diese Mahd dient der Gewinnung von Futter oder Einstreu. Durch diesen Eingriff unterscheiden sich Wiesen erheblich von Weiden, welche ursprünglich nie gemäht, sondern ausschließlich beweidet wurden.
In der natürlichen Landschaft Mitteleuropas sind Wiesen demnach künstliche und vom Menschen geschaffene Ökosysteme. Dennoch nehmen sie eine ganz besondere Rolle ein. Durch die regelmäßige, aber reduzierte Mahd, welche in aller Regel nur ein- bis zweimal pro Jahr durchgeführt wurde, konnten sich auf diesen Flächen sehr vielfältige Pflanzengesellschaften entwickeln. Diese Entwicklung, die über viele Jahrhunderte in Mitteleuropa stattfand, führte zu den artenreichen Blumenwiesen und zu der damit einhergehenden Insektenvielfalt. Heu und Streu waren demnach die Treiber für eine sehr artenreiche Landschaft.
Die Intensivierung der Mahd, die Düngung der Wiesen und die Einführung der Silage führten dazu, dass die Vielfalt der Pflanzen und Tiere drastisch zurückging. Wiesen sind ein stabiles System und entwickeln sich über die Jahre zu artenreichen Beständen. Die Änderung in der Pflege in den letzten Jahren führte zur Verarmung der Blumen- und Kräuterzusammensetzung und schuf eine Menge von Problemen. Die häufige Befahrung durch viel zu schweres Gerät verdichtet die Böden und sorgt für Hochwasser. Die starke Düngung mit Gülle belastet das Wasser mit Nitrat, Chemikalien und Keimen und somit die Gesundheit von Menschen, aber auch von Tieren. Die schnelle und effiziente Mahd und Aufbereitung tötet nahezu alle Insekten und Wiesenvögel, vergleichbar wie bei der Überfischung der Meere.

Die Steinmauern zeigen, dass die Feldeinfriedungen Europas vielfältig, ökologisch und wertvoll sind.
Viele globale Probleme könnten gelöst werden, wenn die klassische Heuwirtschaft – zwei Schnitte pro Jahr – und die nachhaltige Pflege der Streuwiesen – ein Schnitt pro Jahr – kombiniert mit extensiven Weidelandschaften wieder zur Regel gemacht würde. Die Haltung von Kleinvieh hilft dabei.
Nach der zweimaligen Mahd konnten die Wiesen im Herbst und Winter nachbeweidet werden. Dadurch bekamen diese Flächen eine einmalige und gut dosierte Düngung. Außerdem brachten die Tiere durch Fell und Kot Samen auf die Flächen und erhielten so die Pflanzenvielfalt – oder bereicherten diese. Die Nachbeweidung umfasste alle Wiesen, aber auch die Stoppelfelder und die abgeernteten Feldfruchtäcker. Die Mischung der Weidetiere sorgte dafür, dass verschiedener Mist aufgebracht wurde und dass die Nutzung der Pflanzenreste und der möglicherweise aufgetretenen Schädlinge effizient war. Während Schafe und Rinder vorwiegend den Aufwuchs verwerteten, nutzten Schweine zusätzlich tiefer liegende Energiequellen, wie Wurzeln oder bodenlebende Insektenlarven.

Ziegen und Schafe ergänzen sich bei der Beweidung. Schafe bevorzugen Gräser und Kräuter. Ziegen reduzieren die Verbuschung.

Dem Zeitgeist des übertriebenen Ordnungssinns und der wirtschaftlichen Optimierung erlegen, traut sich die Mehrheit der Menschen immer noch nicht, ihren Rasen in eine artenreiche Wiese zu verwandeln. Solch blühende Wiesen, wie die Bilder zeigen, könnten auch in Ihrem Garten und auf Ihrem Grünland blühen. Wenn Sie zudem Teile der Wiese ungemäht über den Winter stehen lassen, dann können große Mengen von Insektenarten unterschiedlicher Entwicklungsstadien überwintern und das biologische Gleichgewicht und die ökologischen Funktionen im Frühjahr aufrecht erhalten.
Die Weiden
Oft wird der Begriff Weide recht statisch gesehen. Das mag zum einen an den rechtlichen Regelungen der Förderungspolitik liegen oder an dem durch den gestiegenen Wohlstand veränderten Anspruch an Fläche. Beides ist für die Beweidung von großem Nachteil. Fassen wir nämlich zusammen, was die eigentlichen Weiden für Kleinvieh sind, so ergibt sich plötzlich ein Bild einer Landschaft, in dem viele Probleme neu geordnet werden müssen oder gar nicht erst entstehen.
Weiden sind Grünland, welches beweidet wird und somit anderen Anforderungen entspricht als Wiesen, welche gemäht werden. Wege, Grabenränder, Ufer, Triften, Böschungen, Säume, Geflügelausläufe, Obstgärten, Waldschneisen, „Unland“, abgeerntete Stoppel- und Hackfruchtfelder sind Weiden. Zählt man diese Flächen zusammen, so ergeben sich in den Städten und Gemeinden riesige Flächen, die nicht in Konkurrenz zum Ackerland oder zu Wiesen stehen. Es muss in unserer Landschaft wieder selbstverständlich werden, dass man diese Bereiche beweidet. Ein wichtiger Gedanke für eine Beweidung der gesamten Landschaft ist das Einführen bzw. Wiedereinführen von „Weidedienstleistern“ oder Gemeindehirten.
Setzt man diese Definition und diesen Umfang des zu beweidenden Landes in den Kontext mit den allgegenwärtigen Begriffen des Bienen- und Insektensterbens und des Verlusts der biologischen Vielfalt, so ergibt sich in der Beweidung ein interessantes Lösungsmodell. Derzeit wird die Pflege dieser Randstrukturen aus Kosten- und Effizienzgründen meist durch ein flächendeckendes Mulchen gelöst. Mulchen von Grünland wiederum schadet der Blütenvielfalt und den Insekten erheblich, eine Lösung ist die Beweidung. Es ist daher unsere gesellschaftliche Pflicht, dass wir die Beweidung wieder neu denken und gerade diese kleinen unscheinbaren Flächen wieder besser nutzen. Sei es beim Viehtrieb, durch die Triebbeweidung oder durch ein gezieltes Einhagen. In jedem Fall muss dieses Neudenken sowohl von den Tierhaltern als auch von den Ordnungsbehörden und den Anwohnern neu geregelt werden, wenn wir langfristig und effizient Landschaftspflege betreiben möchten.

Ein Esel frisst auf einer schwer zu bewirtschaftenden Weide. Kleinviehhalter sind in der Lage, fast alle Landschaftstypen nachhaltig und wertvoll zu pflegen. Sie sind Dienstleister und wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft. Von der düngenden Nachbeweidung eines Stoppelfeldes oder Beets bis zum Steilhang: Kleinviehhalter werten alles auf.

Kreislaufwirtschaft und Upcycling. Die Beweidung des Gründüngers nach dem Abernten des Getreides stimuliert den Wuchs der Leguminosen und regt die Stickstoffbindung im Boden an. Die Kühe und die munter schnatternden Gänse veredeln dieses Pflanzenmaterial in delikater Weise. Eine Win-Win-Situation, die einen ganzheitlichen Bauernhof mit geringer Spezialisierung fordert.
Beweidung fördert die biologische Vielfalt und trägt aktiv zum Klimaschutz bei. Voraussetzung für die Erfüllung dieser Funktionen ist die extensive Beweidung ohne Zufütterung. Durch den angepassten Besatz und die Verwertung von Nährstoffen durch die Tiere werden die Weiden artenreich und vital. Die Stickstoffzufuhr durch den Niederschlag ist derzeit hoch genug, damit die Flächen wüchsig bleiben. Zur Pflege einer extensiven Weidelandschaft gehört dazu, dass die Flächen nicht befahren, nachgemäht oder egalisiert werden. Dadurch entsteht eine dreidimensionale Vielfalt, die durch Hochstauden, Sträucher und Bäume, aber auch durch langjährige Ameisenhaufen einen erheblichen Wert für die Artenvielfalt und die ökologische Funktion hat.
Die Tiere pflegen die Weiden, indem sie Dünger und Samen verteilen. Sie sparen Energie und sorgen für gesunde, regionale Lebensmittel. Aber natürliche Tierhaltung erfordert Wissen, Können und Liebe. Die Regionalität, die Rassen, das Individuum und auch die Natürlichkeit des Umfelds stiften den Unterschied zum eintönigen Massenauftreten auf der Weide.
Haustiere sind domestizierte Wildtiere. Durch diese artenreiche Kleingruppenhaltung auf der Weide wird dem Insektensterben entgegengewirkt. Denn das Insektensterben ist real. Es geht nicht nur um das Hundekottütchen und den Flüssigmist des Massentierhalters; wir sind längst eine Stufe weiter. Das Bienensterben ist in aller Munde – das Sterben und Fehlen der Zersetzer, der Destruenten, merkt kaum jemand. Der flüssige Mist der Massentierhaltung versickert unzersetzt und gelangt dadurch zu schnell ins Grundwasser. Und zugleich zeigt er, dass die Bauernhoftiere nicht auf Stroh liegen dürfen. Anders bei den Kleinviehhaltern.
Unterstand auf der Weide
Zum Schutz vor den unterschiedlichen Witterungen empfiehlt es sich, einen einfachen Unterstand auf der Wiese zu installieren. Dies lohnt sich freilich nur auf langfristigen Dauerweiden. Je nach Bauart kann dieser Unterschied verschiedene Funktionen erfüllen. Grundlegend ist jedoch die Einfachheit der Bauart.
Ein einfacher Unterstand aus Rundhölzern. Herunterhängende und büschelweise angebrachte Reisigbesen erlauben es den Tieren, sich von Fliegen und anderen Lästlingen zu befreien. Diese Einrichtung hat gegenüber Kunststoffbesen den Vorteil, dass kein Mikroplastik ins Erdreich und somit in unseren Nahrungskreislauf gelangt.

Unterstand für Weidetiere. Durch die Schräge kann das Dach für Ziegen als Kletterfläche benutzt werden.
Durch das Einbauen einer erdnahen Dachschräge kann der Unterstand als Klettergerüst für Ziegen benutzt werden. Optimal ist die Verwendung eines Gründachs. Dadurch wird die Dachhaut geschont und Weidefläche bleibt trotz Bebauung erhalten. Die Statik muss bei einer Schichtdicke von 30 cm mindestens 300 kg pro Quadratmeter aushalten.
INFO! Weideregeln
Wege, Grabenränder, Ufer, Triften, Böschungen, Säume, Geflügelausläufe, Obstgärten, Waldschneisen, „Unland“, abgeerntete Stoppel- und Hackfruchtfelder sind Weiden.
Besitzverhältnisse klären und Betretungsberechtigung einholen.
Den Übergang von der Stallhaltung zur Beweidung allmählich durchführen.
Wasser und Minerallecksteine vorhalten.
Tiere ruhig fressen lassen und nicht unnötig stören.
Verschmutztes Weidefutter meiden.
Sonnenschutz und Regenunterstand anbieten.
Stoppelweiden mit Bedacht nutzen.
Blähendes Futter, frischer Klee, Rübenblätter vermeiden und ggf. Raufutter, Heu und Stroh zufüttern.
Bei „intensiver Weidehaltung“: kurze Besatzzeiten und lange Ruhezeiten
Bei „extensiver Weidehaltung“: Dauerweide mit geringer Dichte (1–2 GVE pro ha in gemischter Beweidung)
Moderne Grassorten können durch Endophyten zu Problemen beim Weidevieh führen.

Der Zauber, der Reiz und die Funktionalität einfacher Unterstände, aus regionalen Hölzern konstruiert und erbaut.
Die Zäune
Zäune und Feldeinfriedungen sind vielfältig. In der Anfangsphase der bäuerlichen Lebensweise war die Strategie, Feldeinfriedungen und Zäune zu errichten, komplett anders als heute. So wurden aus Kosten- und Effizienzgründen nur die Pferche und Koppeln eingefriedet, um das Vieh nachts zu schützen. Des Weiteren umfriedete man Felder und Äcker mit Lesesteinen oder Hecken und schuf so unbewusst die sehr artenreichen Wallhecken, Knicks und Lesesteinwälle. Man schützte somit das Vieh vor nächtlichen Angriffen und die Feldfrüchte vor Übergriffen durch Tiere.
Das Vieh stand im Mittelpunkt. Man war entweder selbst Hirte oder hatte Hirten. Hirten waren Teil der Familien oder die Gemeinde stellte einen Gemeindehirten. Da das Vieh der wertvollste Besitz war, war die Arbeit als Hirte oder die Beschäftigung von Hirten selbstverständlich. Eine Umfriedung aller Weiden, die zum Teil als Allmende der Gemeinschaft gehörten und sich über weite Flächen erstreckten, war finanziell und politisch nicht vorstellbar. Erst die soziale Verteuerung des Lebens und die günstige Herstellung von Stacheldraht machten Weidelandschaften unrentabel. Eine Katastrophe für die biologische Vielfalt und den Klimaschutz. Nun wurden Weiden eingezäunt und Felder blieben uneingefriedet. Jagdpächter vertrieben recht schnell die letzten Haustierherden aus dem Wald und nahmen den Fraßdruck von den Feldern.

Zäune können intelligent angelegt werden und so passiv darüber entscheiden, wer durchgelassen wird.
Die Entwicklung war auf verschiedenen Ebenen problematisch für die Umwelt. Der Verlust von Wallhecken, Hecken und Mauern entstrukturierte die Landschaft und reduzierte die Vielfalt. Der Strukturverlust ging auf Kosten der Tier- und Pflanzenvielfalt. Erosion durch Wind und Wasser bedrohte die Felder und die Verstecke von Vögeln, Insekten und Niederwild gingen verloren.
Der Stacheldraht schuf zunächst noch Lebensraum für Wildpflanzen und Insekten, da entlang dieser Strukturen der Fraßdruck geringer war und auch nur schlecht gemäht werden konnte. Bewachsene Stacheldrahtzäune rund um die Weiden schufen ein kilometerlanges Blütennetz durch ganz Deutschland. Das endete abrupt mit der Einführung des Elektrozauns: Dieser muss zum Erhalt der Funktion ausgemäht werden. Viele Kilometer Lebensraum gingen so schon verloren, als die Tiere noch auf den Weiden waren.

Ob man für die Herstellung der Materialien eines Zauns eine Fabrik, ein Sägewerk oder einfach nur die Ruten einer intakten Hecke braucht, entscheidet sich von Fall zu Fall. Ein bunter Katalog voller Sonderangebote sollte einem das Denken nicht abnehmen.

Feldeinfriedungen sind vielfältig. In Europa gibt es Hunderte verschiedene Typen. Von der viehsicheren Hecke über verschiedene Steinmauern und Erdwälle bis zur nahezu grenzenlosen Vielfalt regionaler Holzzäune. Es lohnt sich die Beschäftigung mit den Feldeinfriedungen Europas, um zu sehen, dass Weiden auch sehr schön aussehen können und dass die Pflege von Hecken plötzlich eine für das Vieh nützliche Aufgabe wird, die den Zweck der Weideeinfriedung erfüllt.
Ob man nun einen Holzzaun wählt oder sich mit einem Drahtzaun beschäftigt – der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Mit Sicherheit ist ein Elektrozaun mit mobilen Pfählen und Solarplatte schnell aufgebaut. Dennoch sollten gerade bei langfristigen Weiden auch schöne und nachhaltige Zäune gebaut werden. Hierzu gibt es eine Vielzahl von Anregungen und Modellen. Eine Elektrolitze ist dennoch sehr praktisch und hat in manchen Bereichen große Vorzüge.
Die Höhe des Zauns richtet sich nach der Tierart. Niemals sollte man die Sprungkraft eines Schafs oder gar einer Ziege unterschätzen. Auch die Kraft und das Geschick eines Esels oder Schweins ist unvorstellbar. Kaninchen graben flink und Hühner können oft erstaunlich gut fliegen. Als Teilzeittierhalter müssen wir uns immer wieder vor Augen führen, dass der Tag dieser Tiere auch 24 Stunden hat. In dieser Zeit bleibt genug Energie und Kraft für die Tiere, sich ausgiebig mit den Einfriedungen zu beschäftigen, um sich weiteres Weideland zu erschließen. Drücken und Schieben sind beständige Kräfte, die jeden Zaun irgendwann knacken. Esel zeigen außerdem großes Geschick beim Bearbeiten von Riegeln und Schiebern. Hier wirkt der Elektrozaun durch seine psychologische Wirkung Wunder. Dennoch ist die regelmäßige, strenge Kontrolle der Zäune ein Muss.
Während bei den meisten Tieren ein solider Zaun als Weideeingrenzung genügt, ist für die Freifläche um den Stall eine stabilere und langfristigere Lösung sinnvoll. Bei Schweinen gilt vielerorts zur Verhinderung des Kontakts mit Wildschweinen eine doppelte Zaunpflicht. Hier muss parallel zum Weidezaun ein weiterer Zaun gezogen werden, der den Tierkontakt vermeidet.
Nicht vergessen darf man, dass man nicht nur das Ausbrechen der Tiere oder den ungewünschten Kontakt mit den Wildformen verhindern, sondern auch das Eindringen von „Raubtieren“ oder Menschen regulieren möchte. Somit ist je nach Lage der Koppel oder des Geheges auch ein intensiver Schutz gegen ungewollten menschlichen Kontakt sinnvoll.
Das Aufkommen des Wolfs versetzt nun auch die Säugetierhalter wieder in die Situation, aus der Geflügelhalter nie herauskamen: die Hege und Pflege der Tiere durch nächtliche Sicherung.
Zäune sind vielfältig und können zudem schön und sinnvoll sein. Es lohnen sich eine Recherche und etwas handwerkliche Zuneigung zum Zaunbau, wobei regionale Zäune bevorzugt werden sollten.
DIE FELDER
Zur effizienten und kostengünstigen Kleinviehhaltung empfiehlt es sich, möglichst viele Futtermittel selbst anzubauen. Dadurch reduzieren sich die Kosten erheblich. Es gibt kaum Grenzen des Anbaus und die vollständige Ernährung der Tiere kann durchaus gelingen. Wenn der Platz nicht ausreicht, so sollte zumindest das Heu für Kaninchen oder den alltäglichen Bedarf als Nesteinlage in fast jedem Garten produziert werden können. So spart man sich das Rasenmähen und fördert nebenbei artenreiche Blumenwiesen. Auch das Anbauen von vielen Zucchini- oder Kürbispflanzen ist ein großer Beitrag zur Tierfütterung. Riesenzucchinis werden geraspelt und können so die Hühnerschar satt machen.

Kartoffellegen ist eine Einzelarbeit, die sich lohnt. Man legt die Kartoffeln in Abständen auf den Mist und drückt sie an. Ein Wohl- und Glücksgefühl überkommt einen nach getaner Arbeit – beim Legen und späteren Ernten.
NUTZUNG DER PRODUKTE
DER STREICHELZOO
Der Streichelzoo ist ein Ort, an dem Tiere gehalten werden, damit Sie von Kindern (seltener von Erwachsenen) durch Anfüttern dazu gebracht werden, sich anfassen zu lassen. Diese wohl etwas zugespitzte Beschreibung zeigt eine Haltungsform, welche sicherlich nur ein eingeschränktes Potential hat. Die Zielgruppe von Streichelzoos ist recht eingeschränkt und die meist überfetteten Tiere erfüllen nicht die Anforderungen einer tiergerechten Haltung und nachhaltigen Nutzung. Streichelzoos bringen zwar die entfremdeten Kinder näher an Tiere, allerdings auf einem fragwürdigen Weg. Wie schafft der didaktische Anspruch, den Spagat von der „lächelnden“ Ziege zur Billigbockwurst auf der Picknickbank neben dem Gehege?
UMWELTBILDUNG UND PÄDAGOGIK
Da das Streicheln von Tieren keiner vollumfänglichen Annäherung mit den Lebewesen und deren Haltungsgründen entspricht, ist die Aufgabe der Vermittlung von Wertschätzung der Kleinviehhaltung sicherlich ein wichtiger Bestandteil der Umweltbildung. Das Verständnis von Nahrungskreisläufen und der Lebensläufe der einzelnen Tiere schafft ein solides Wissen über die Entstehung unserer Nahrung.
Auch hier ist die reine Fokussierung auf die Erzeugung von Nahrung unzureichend. Denn die Vermittlung der Schlachtung schafft immer großen Gesprächsbedarf und es wird oft so enden, dass man selbst zwar nicht schlachten möchte, jedoch fertige Würstchen und Braten sehr gerne isst. Wenn die Umweltbildung eindimensional bleibt und nur dem Zweck folgt, dass aus einem Küken später Frikassee wird, dann ist das sicherlich einer der wichtigsten zentralen Gedanken der Tierhaltung, bildet aber keinesfalls ein stabiles Gerüst der Umweltbildung.

Die Zuneigung für ihre Tiere dürfen junge und alte Menschen gleichermaßen zeigen. Sie zeugt von Empathie und Respekt.
Die Heranführung an Tiere zeigt den Kreislauf des Lebens, aber auch die Einbettung in Systeme: von der Natur, der biologischen Vielfalt, bis hin zum Verantwortungsbewusstsein und zu langfristigen Tier-Mensch-Beziehungen. Durch die gemeinschaftliche Haltung wird auch das Miteinander geregelt, denn ohne strenge Vorschriften und Verlässlichkeit ist das Tierwohl schnell in Gefahr.
Neben dem Erlernen der Tierbiografien ist auch für den Menschen einiges Positives dabei. Aspekte aus der Gesundheitsförderung und tiergestützten Therapie werden ganz schnell unbewusst aufgegriffen. Schon das Beobachten einer Hühnerschar oder das Streicheln von Kaninchen fördert in großem Maße die positiven Wirkungen auf die Menschen. In allen Bereichen nützt das selbstverständliche Vorhandensein von Tieren. Regelhaftigkeiten werden geschult. Respekt für und vor den tierischen Mitbewohnern. Verantwortungsbewusstsein und das Gefühl der Wichtigkeit gehen mit der Tierhaltung einher. Aber selbst die stillen Dinge dürfen nicht vergessen werden. Eine Sitzbank in der Nähe des Geheges oder sogar auf der Weide sorgt für eine große Nähe zu den Tieren. Schafe und Hühner hören sich jedes Gespräch an und auch Schweine kennen kein Verplappern, wenn man ihnen von Sorgen und Freuden des Lebens berichtet.

Die frühkindliche Prägung bleibt lange erhalten. In blauer Latzhose nähert sich einer der Autoren hier erstmals den Hühnern an, während der andere Autor ihn dabei fotografiert.
TIERGESTÜTZTE THERAPIE
Viel zu selten werden die heimischen Nutztiere, und vor allem das Kleinvieh, in der tiergestützten Therapie eingesetzt. Während Delfine und Pferde die Vorstellung dieser Therapieform prägen, scheinen die kleineren Nutztiere nicht beachtet zu werden. Dabei sind die Vorteile kleiner Nutztiere ganz erheblich. Auf einem Biolandbauernhof, auf welchem Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten, spielen Lamas eine ganz besondere Rolle. Diese Tiere haben ihren Kopf auf Augenhöhe der Menschen und schauen nicht wie die Pferde neutral und scheinbar abwesend zur Seite, sondern sind im Leben mancher Menschen die ersten Bezugspersonen, die den direkten Augenkontakt suchen und ihn auch ertragen. Es ist für diese Menschen Gold wert, dass die Lamas nicht die gleichen Unterscheidungen machen wie wir Menschen. Es ist ihnen schlicht egal, ob der Pfleger sabbert oder ein wenig schief schaut. Was den Besuchern und Fremden entweder die Scheu ins Gesicht treibt oder zu einem unverminderten Abwenden führt, kompensieren die Lamas damit, dass sie einfach auch hin und wieder sabbern. Augenhöhe und standhafter Blickkontakt zeichnen Lamas aus. Eine wunderbare Eigenschaft für Therapietiere.
Schafe, Ziegen, Schweine, aber auch Hühner und Gänse haben jeweils hervorragende Eigenschaften, um in der tiergestützten Therapie genutzt zu werden. Die tiergestützte Therapie ist ein vielfältiges Feld. Die Ziele sind so unterschiedlich, wie das Angebot und die Nachfrage. Von der reinen Aktivität mit Tieren bis hin zu einem zielorientierten Ansatz ist alles möglich. Es kommt auf die Qualifikation des Anbieters und die Bedürfnisse des Patienten an.

Hahn und Lämmchen auf dem Strohbett. Ein vorzüglich eingestreuter Platz. Für das Wohl der Tiere ist gesorgt.
Schweine lassen sich durch ihr großes Bedürfnis am „Suchen“ und „Wühlen“ gut begleiten und letztendlich gezielt motivieren – was den Klienten ebenfalls motiviert. Schafe sind passiv und nicht fordernd und bieten so Wärme und haptische Erlebnisse. Hühner sind neugierig und lassen sich gut anfüttern, wobei das Aufschlagen der Flügel und der Fluchtreflex große Ruhe und Beharrlichkeit bei den Patienten fordern. Der Schnabel schult Vorsicht und Mut und die Zerbrechlichkeit eines Kükens die Zärtlichkeit. Esel erfordern Aufmerksamkeit und Respekt und sind zugleich starke Partner. Neben den einzelnen Tierarten spielen auch die generellen Erfahrungen im Hofumfeld eine große Rolle: Vom Füttern über das Misten bis hin zum Einrichten eines neuen Freigeheges mit gemeinsamem Umzug der Tiere.
Patentrezepte zur Nutzung von Kleinvieh in der Therapie gibt es nicht. Eine menschennahe Aufzucht ist nötig, da die Tiere sonst scheu sind. Tiere sind keine Menschen und verhalten sich anders, das heißt, eine Vermenschlichung kann zu Unfällen führen und setzt geschultes Personal voraus. Beachtet man alle möglichen Aspekte einer Tier-Mensch-Therapiebeziehung so können sehr wertvolle Erfahrungen und Bindungen entstehen.
DER HERD IST DAS ZIEL: MILCH, FLEISCH, EIER
Zierpflanzen und Nutzpflanzen sind die groben Unterscheidungsmerkmale im Gartenbau. Bei Tieren ist das recht ähnlich. Dennoch gibt es von den wenigsten Arten reine „Zierrassen“. Zierrassen sind Tierrassen, die vor allem auf optische Merkmale gezüchtet wurden. Der weit größere Teil und eben auch die Zierrassen enden irgendwann auf dem Teller. So ist jedenfalls der ursprüngliche Ansatz.
Durch das Halten von Tieren wird die „ökologische Nische“ oder das Nahrungsspektrum des Menschen erweitert. Nahrungsressourcen werden durch die Tiere für den Menschen zugänglich, die ihm sonst verschlossen bleiben. So wandelt ein Karpfen algiges und nährstoffreiches Wasser in Speisefisch um. Ein Pferd, eine Ziege, ein Schaf verwandeln Gras in Kraft, Fleisch, Pelz, Leder und Milch. Schweine und Hühner veredeln Speisereste, ungenießbare Knollen und kleine Samen in Fleisch und Eier.
Dieser Schritt der Veredelung von für den Menschen Unnutzbarem ist die einzigartige Chance der Tierhaltung. Es ist zugleich auch das stärkste Argument gegen die Veganisierung der Ernährung, die industriell und künstlich ist. Die klimagerechte Bewirtschaftung des Grünlands (Weiden und Wiesen) und der Wälder, die Aufwertung von Ungenießbarem und die Nutzung nachhaltiger Kreisläufe sind unverzichtbare Bestandteile einer klimaschützenden und biodiversitätsfördernden Ernährung. Somit ist der Herd ein nachhaltiges Ziel der Kleinviehhaltung.

Zwei Blickwinkel prägen unsere Beziehung zum Kleinvieh. Optisch bereichert es jeden Blick aufs Land. Auch ein kulinarischer Blick lohnt sich: Ein duftender Gänsebraten, frischer Schafskäse und ein feines Schnitzel erfreuen Leib und Seele.

Die Isolationswirkung von Wolle zeigt der Schnee, der auf dem lebenden Schaf liegen bleibt.
TIERISCHE „NONFOOD“-PRODUKTE
Tierische Nonfood-Produkte können unterschiedlich und regional sehr vielfältig sein. Die Federn des Geflügels und die Knochen der Tiere sind sicherlich Bestandteile einer vollumfänglichen Nutzung, werden aber nicht regelmäßig und wenn, dann regional sehr unterschiedlich genutzt.
Die Wolle und das Fell bilden volumenmäßig sicherlich die Hauptmenge der zyklisch anfallenden und zu verwertenden Produkte. Vom Kaschmirpullover bis zum Wolldünger – die Wertschätzung für diese natürliche Hightechfaser variiert global sehr stark.
Auch Felle und Leder können die Vielfalt der Nutzungstypen noch bereichern. Leider haben es Naturfasern und Felle in letzter Zeit schwer. Dabei sollte gerade das Problem der zunehmenden Vermüllung der Meere, Böden und des Wassers mit Mikroplastik ein dringendes Umdenken herbeiführen. Ein Wollpullover und ein Tierfell werden zu wertvollem Humus. Die sich beim Waschen ablösenden Fasern verunreinigen das Wasser nicht langfristig. Eine neue Wertschätzung von tierischen Fasern und Häuten ist ein wichtiger Beitrag zum Schutz unserer Umwelt.
Mist ist als entstehende Biomasse auch ein Faktor, den man nicht außer Acht lassen sollte. Ohne eigenen Acker oder großen Garten muss man sich auch hier um den regelmäßigen Absatz kümmern.
Der Mist von Geflügel ist reich an Stickstoff, Phosphorsäure, Kalk, Kali und Magnesium und ähnelt dem importierten Guano stark. So lohnt es sich, allen Ausscheidungen des Geflügels große Aufmerksamkeit zu zollen und diese Produkte im Gemüseanbau, bei der Zierpflanzenzucht oder im nachbarschaftlichen Tauschhandel einzusetzen. Der Mist ist neben den Eiern und dem Fleisch das beste Produkt des Hühnerhalters. Eine begehrte Geheimwaffe, bei der sogar Hühnerskeptiker schwach werden und plötzlich mit einem Eimerchen klingeln. Aus Hühnermist entsteht hervorragender, nahezu samenfreier Humus, der verdünnt als Anzuchterde verwendet werden kann. Auch der direkte Einsatz von Hühnermist ist möglich, da er gebundene Nährstoffe beinhaltet, die durch die Bewässerung oder den Regen in den Boden übergehen. Dennoch ist Hühnermist recht scharf und für manche Kulturen nur bedingt zu empfehlen. Aus diesem Grund empfiehlt sich die Herstellung von Flüssigdünger aus Hühnermist. Diese Brühe macht jedem industriell hergestellten Flüssigdünger Konkurrenz und übertrumpft ihn in Sachen Nachhaltigkeit, Ökologie und in der Energiebilanz.

Die Produktion von Mist und das Durcharbeiten von Flächen sind Dienstleistungen, die uns die Tiere erbringen.
Schafdung hat den höchsten Stickstoffgehalt und eignet sich daher bestens für die Düngung von Gemüsegärten und Feldern.
Auch der Mist von Ziegen ist sehr wertvoll für die Düngung. Sowohl für Schafe als auch für Ziegen benötigt man etwa 1 m2 Dungstätte/Misthaufen pro Tier, welcher schattig gelegen sein sollte, um eine zu rasche Kompostierung zu verhindern.
Schweinemist bereichert die Felder, auf denen sie wühlen. Durch die Bodenbearbeitung wird er gleich in den Untergrund eingearbeitet. Alles Fressbare wird vom Schwein genutzt – das Nichtfressbare zur Verrottung tief eingewühlt. Schweine suchen somit den Mist der anderen Tiere nach Fressbarem durch und arbeiten ihn in den Untergrund ein.
Der Mist aller Nutztiere des Kleinviehhofs eignet sich zur Düngung. Je nach Zweck wird dieser unverdünnt angewendet, zur Jauche angesetzt, verdünnt oder kompostiert ausgebracht.
TIERISCHE DIENSTLEISTUNGEN
Tiere sind Bausteine einer belebten Welt. Alle diese Bausteine sind demnach nötig, damit das System funktioniert. Um die Wirkung der Pflanzen und Tiere zu benennen und gegebenenfalls zu monetarisieren, wurde das Konzept der „Ökosystemdienstleistungen“ oder der „Ökosystemingenieure“ entwickelt. So lassen sich verschiedene Leistungen, die die Natur allein durch ihre Anwesenheit vollbringt, besser erklären und wertschätzen. Kleinvieh trägt auch entschieden zu diesen Dienstleistungen bei, denn unterschiedliche Arbeiten werden von den Tieren durchgeführt, ohne dass es einen zusätzlichen Aufwand benötigt.


Oft ergibt sich der Nutzen für die Kultur- und Naturlandschaft erst, wenn wir das Gesehene mit dem Wissen unserer Zeit verknüpfen und sich die Tiefe derartiger Anblicke vor uns auftut.
Schweine und Hühner: Bearbeiten den Boden und begrenzen das Überhandnehmen von Insekten und Wurzelbeikräutern.
Gänse, Enten: Revitalisieren Gewässer, vertilgen Schnecken und dezimieren das Überwuchern von Vegetation.
Pulsuz fraqment bitdi.