Kitabı oxu: «Glücksregeln für die Liebe»

Şrift:

Pierre Franckh
Glücksregeln für die Liebe


Inhaltsverzeichnis

Meine Geschichte

Glücksregel 1

Glücksregel 2

Glücksregel 3

Glücksregel 4

Glücksregel 5

Glücksregel 6

Glücksregel 7

Glücksregel 8

Glücksregel 9

Glücksregel 10

Glücksregel 11

Glücksregel 12

Glücksregel 13

Glücksregel 14

Glücksregel 15

Glücksregel 16

Glücksregel 17

Glücksregel 18

Glücksregel 19

Glücksregel 20

Glücksregel 21

Danksagung und Anmerkung

Meine Geschichte

Als ich elf Jahre alt war, geschah das Unfassbare. Meine Eltern trennten sich und ließen sich scheiden. Die Familie zerbrach und wir zogen mit der Mutter erstmal nach Essen zu einer Großtante. Meinen Vater habe ich von da an nur noch sporadisch gesehen und ich wuchs gerade in der wichtigen Zeit der Pubertät ohne männliches Vorbild auf.

Was ich nicht verstehen konnte und wollte, war, wieso zwei Menschen, die sich einmal geliebt hatten, die sich ewige Zuneigung und Treue geschworen und lange Zeit an einer gemeinsamen Zukunft gebaut hatten, plötzlich alle Hoffnung aufgaben und nicht mehr zusammenleben wollten. Obwohl sie zwei Kinder hatten, die sich nichts sehnlicher wünschten, als dass sie zusammenblieben.

In meinen Augen gehörten sie jedenfalls zusammen. Aber nicht in ihren. Was war geschehen, dass die Liebe von einst sich so gewandelt hatte und es ihnen unmöglich erschien, auch nur noch einen Tag länger gemeinsam zu verbringen.

Diese Frage hat mich nicht mehr losgelassen. Bis heute nicht. Warum fällt es den Menschen so schwer ihre Liebe zu bewahren?

Da sich bei mir kein wirkliches Familiengefühl entwickelt hatte, bin ich sehr früh von Zuhause ausgezogen und habe bereits vor meinem Abitur geheiratet. Ich wollte einfach endlich eine Familie haben.

Ich wollte den Traum von Familie leben. Aber ohne wirkliches Vorbild, nicht aufgewachsen in einem harmonischen Familienverband und ohne dass mir etwas Brauchbares vorgelebt worden wäre, war ich überhaupt nicht fähig zu einer wahren, tiefen Liebesbeziehung. Meine eigene Scheidung war nur noch eine traurige Bestätigung dieser Tatsache. Ständig getrieben von der Sehnsucht nach Geborgenheit und Nähe suchte ich dieses Zuhause schließlich in fremden Armen. Im Sex fand ich zwar Bestätigung, aber jedes Mal war ich danach einsamer und fühlte mich wesentlich verlorener als zuvor. Weil ich die Einsamkeit nicht wahrhaben wollte, suchte ich umso häufiger und wilder nach dieser Tiefe, verlangte Hingabe ohne selbst Hingabe geben zu können – zumindest nicht dauerhaft, sondern nur für den kurzen Moment der selbstgeglaubten Liebesschwüre.

Ich hasste den Morgen, den Zug, das Flugzeug, das mich wieder wegführte, und gleichzeitig gefiel ich mir in der Rolle des einsamen, melancholischen Helden.

Als Liebhaber ein Genuss, als Partner ein Bankrotteur.

Denn all die Fähigkeiten, die ich von Frauen gelernt hatte, befähigten mich nicht, eine echte Liebesbeziehung einzugehen.

Sex, also die körperliche Vereinigung, führte mich seltsamerweise immer weiter weg von dem Ziel glücklich zu sein. Eine wirklich wahrhaftige Beziehung war in weite Ferne gerückt.

Beziehungen gab es also viele und gerade weil es so viele gab, waren sie meistens kurz und heftig und endeten stets im Chaos.

Das Einzige, was jedoch blieb, und zwar dauerhaft, war die Sehnsucht nach einer tiefen Liebesbeziehung.

Schon als Jugendlicher brachte mich diese Sehnsucht dazu, alles, was sich auch nur annähernd mit Beziehung beschäftigte, zu lesen. Freud, C. G. Jung, Psychologen, Therapeuten, Ratgeber, Verhaltensforscher. Nur damit ich bei interessanten Kongressen die Vorträge hören konnte, jobbte ich manchmal als Aushilfe bei Veranstaltungen im Deutschen Museum, denn Geld hatte ich damals kaum.

Das Studium der Psychologie und Medizin schien mir klar vorgezeichnet. Trotz aller frühen Erfolge als Schauspieler habe ich immer nur dieses Ziel anvisiert.

Aber das Schicksal hatte einen anderen Weg bestimmt. Nach dem Abitur wurde ich von dem Erfolg als Schauspieler so gestreichelt, dass es sich zunächst nicht anbot, dieses Talent brachliegen zu lassen und die Bühne mit einem Platz an der Uni zu tauschen.

Aber dem Ruf des Herzens zu folgen war stets ein tiefer Wunsch, der nie vernachlässigt wurde. Jenseits aller schauspielerischen Erfolge entstand ein zweites, paralleles Leben, welches immer intensiver und konsequenter betrieben wurde.

Fast fünfzehn Jahre lang beschäftigte ich mich mit der Reinkarnationstherapie und absolvierte verschiedene Therapieausbildungen. Ich beschäftigte mich ausführlich mit den Familienaufstellungen von Hellinger, studierte unzählige alternative Heilmethoden, interessierte mich für Rebalancing, Rolfing sowie für Transzendentale Meditation und Yoga und wurde intensiv und nachhaltig von den Werken Buddhas, Alice Baileys, des Dalai Lama, von Sri Nisargadatta Maharaj, Ron Smothermon, Ken Keyes und den Lehren östlicher Meister beeinflusst.

Bücher fanden zur richtigen Zeit den Weg in meine Hände und rüttelten mich wach für die wahren Werte. Eine Indienreise ließ mich schließlich zumVegetarier werden und ich begriff endgültig den Sinn täglichen Meditierens.

Doch die eigentliche Wende kam erst mit einer Krise.

Mitten in einer Zeit der großen beruflichen Erfolge erkannte ich, dass ich, trotz des erfolgreichen Einsammelns von sexuellen Beziehungen, von Macht und Prestige, von Geld und Anerkennung, unendlich weit entfernt von meinem wahren Glück war.

Das einzig Positive an dieser Situation war, dass ich es zum ersten Mal mit aller Deutlichkeit erkennen konnte und dass ich mich nicht mehr von den Schmeicheleien des Ruhmes täuschen ließ.

Ich erkannte klar, dass es keinen Sinn mehr hatte, zu kämpfen oder sich abzustrampeln. Ich ergab mich völlig. Ich ergab mich meinem Schicksal und bat darum, die tief liegende Wahrheit, die mein Lebensweg für mich bereithielt, endlich erfahren zu dürfen. Ich war überzeugt davon, dass das Leben noch mehr zu bieten haben musste als nur berühmt zu sein und sich selbst toll zu finden.

Ich war überzeugt davon, dass es eine tiefere Aufgabe, einen tieferen Sinn in meinem Leben geben musste. Es konnte nicht sein, dass ich einfach nur auf die Welt kam, um mich zu vergnügen und dann irgendwann wieder zu sterben.

Was immer der tiefere Sinn sein mochte, ich war bereit, ihn zu leben. Ich war bereit, meine wahre Aufgabe zu übernehmen.

Da geschah das Wunder. Über ein Gebet, in völliger Hingabe, tat sich plötzlich ein Vorhang in andere Dimensionen auf.

Für einige Zeit zog ich mich danach völlig von der Außenwelt zurück. Ein Engagement in Berlin half mir dabei. Etliche Monate spielte ich nur abends zwei Stunden Theater, die restliche Zeit verbrachte ich in Klausur und Meditation. Extrem wie ich war, stellte ich den Strom ab, warf alles, was meine Gedanken stören konnte, aus der Wohnung, ernährte mich nur noch von Obst und Wasser und beschäftigte mich mit dem Gedanken nach dem tieferen Sinn in meinem Leben und der Frage, wie ich zu einer wahren, echten Liebesbeziehung kommen kann. Wie sich später herausstellen sollte, hing in meinem Fall beides intensiv miteinander zusammen.

Ich machte mir eine Liste, wie meine künftige Beziehung aussehen sollte und stellte mit Entsetzen fest, dass ich zu all dem, was ich forderte, selbst gar nicht bereit war. All das, was ich mir so sehnlichst wünschte, konnte ich selbst gar nicht geben. Entweder weil ich es nicht besaß oder aber nicht fähig dazu war. Ich hatte nie gelernt, mich fallen zu lassen, mich bedingungslos hinzugeben, mich einzulassen und vor allem, mich zu entscheiden: für eine einzige Person; für diese und für keine andere auf der Welt; bedingungslos – aber was ist, wenn man sich der Falschen hingibt?

Da waren sie wieder, die Zweifel, die eine wahrhaft tiefe Liebesbeziehung stets zu verhindern wussten. Nein, ich war nicht mehr bereit, erneut die alten Wege zu beschreiten. Wohin diese führten wusste ich schon. Ich war auch nicht bereit, den ewigen Kreislauf weiter fortzuführen: verlieben – trennen, verlieben – trennen, verlieben – trennen, verlieben – trennen, verlieben – trennen, verlieben – trennen, verlieben – trennen…

Das klingt nach vielen Wiederholungen. Im Leben tun wir dies noch öfter.

Was geschieht in dem Zeitraum zwischen diesem Verlieben und diesem Trennen? In diesem Zwischenraum liegt das Scheitern.

Jedenfalls war ich nicht mehr bereit, mich mit Halbheiten zufrieden zu geben. All das, was ich forderte, wollte ich auch geben. Und was war mit dem, wozu ich noch nicht fähig war? (Das war übrigens erstaunlich viel.) Das wollte ich wenigstens offen legen. Ich wollte mitteilen: »Ja, meine Sehnsucht geht in diese Richtung, aber ich weiß nicht, wie ich da hinkomme. Mir fehlt völlig die Erfahrung.« Ich war auf jeden Fall hundert Prozent bereit es zu lernen und zu leben, egal wie schmerzhaft das auch sein würde.

Als diese Entscheidung gefallen war, geschah etwas Wunderbares. Der Druck war von mir genommen. Es gab nichts mehr, was ich tun musste, ich durfte so sein, wie ich war. Es würde das Richtige geschehen. Das Einzige, was es zu tun galt, war, stets wahrhaftig zu sein. Und ehrlich. Stets alles mitzuteilen, keine Geheimnisse oder Heimlichkeiten, kein Hintergehen, kein Vortäuschen falscher Tatsachen, kein Betrügen oder insgeheimes Vergleichen.

Die Theorie war klar, aber war das überhaupt lebbar? Und vor allem: mit wem?

Die Entscheidung war jedenfalls gefallen. Und weil ich mich entschieden hatte, gab es auch nichts mehr zu suchen. Denn zuvor war es gerade die Suche gewesen, die mich nie mit dem zufrieden sein ließ, was ich hatte. Ich wollte nicht mehr suchen. Ich war bereit, alles einfach nur zuzulassen.

In diesem Moment beschenkte mich das Schicksal mit der größten Lehre, die man sich vorstellen kann.

Ich, der zum Einsiedler geworden war, wurde von den Kollegen überredet, wenigstens einmal nach der Vorstellung mit zum Abendessen zu gehen. Nicht wirklich redselig ließ ich mich mitschleifen, lernte neue Menschen kennen, redete über Dinge, die ich noch nie mitgeteilt hatte, stellte verwundert fest, dass dies meine Gesprächspartner berührte und verschwand wieder in meine Zurückgezogenheit.

Drei Wochen später läutete das Telefon. Es war eine Frau, der ich an diesem Abend meine Nummer gegeben hatte. Ich konnte mich daran erinnern, wusste aber nicht mehr genau, wie sie aussah. Doch, sie war blond, schlank und hatte eine große, dicke Brille.

Wir telefonierten also und plötzlich waren daraus vier Stunden geworden. Ich musste ins Theater. Am nächsten Tag sprachen wir erneut, diesmal sieben Stunden. Und da sich jeder von uns sicher war, dass wir uns nie begegnen würden, erzählten wir einander alles, gaben Geheimnisse preis, die man seltsamerweise nur Unbekannten erzählt.

Es war wunderbar. In dieser Offenheit gab es eine Tiefe und Vertrautheit, die ich bis dahin nicht kannte. Zwei Seelen tauschten sich aus, trotz aller Ferne so nah und ohne all die gewohnten Schutzmäntel, in berührender Ehrlichkeit.

Und bereits nach der dritten Nacht, nach weiteren sieben Stunden, als es langsam hell wurde, fühlten wir uns so nah und verbunden, dass wir beschlossen, einen gemeinsamen Urlaub zu verbringen. Einen Liebesurlaub auf einer kleinen Insel. Da wir uns nicht sehen konnten, ich spielte jeden Abend in Berlin Theater und sie in Bonn, blieb es beim Telefonieren. Am nächsten Tag, nach einer weiteren intensiven Nacht mit ihr am Telefon, beschlossen wir – da wir uns so gut verstanden – nach Beendigung unserer Engagements zusammenzuziehen. Sie kündigte ihren Job und ihre Wohnung. Sie war zu wahrer Hingabe fähig. In sechs Wochen wollten wir in München eine gemeinsame Wohnung beziehen.

Am nächsten Tag gingen wir noch einen Schritt weiter. Wir wollten unser Geld zusammenwerfen. Und nach einer weiteren Nacht beschlossen wir zu heiraten und Kinder zu kriegen.

Die wenigen, denen ich davon erzählte, hielten mich für vollständig verrückt. Aber war ich das wirklich?

In meinen Augen war das scheinbare Risiko überhaupt nicht vorhanden. Würde ich dieser Tiefe und Nähe, die ich mit dieser Frau empfand, keine Chance geben, würde ich mein ganzes Leben damit verbringen, mir vorzuwerfen, meine wahre, große Liebe nicht gelebt zu haben.

»Aber was ist, wenn ihr euch nicht riechen könnt? Wenn ihr körperlich nicht zusammenpasst?«

Dann würden wir Freunde werden. Denn seelisch bestand ein tiefes, untrennbares Band. Die beste Voraussetzung für bedingungslose Liebe.

Normalerweise war ich den umgekehrten Weg gegangen. Ich hatte mich körperlich mit einer Frau verbunden und erst dann genauer betrachtet, ob sie überhaupt zu mir passt.

Das Schicksal hatte mich lustigerweise diesmal gezwungen vollkommen anders vorzugehen. Erst nachdem das seelische Band geknüpft war, erst nachdem klare Entscheidungen gefällt worden waren, sollte es zu der körperlichen Vereinigung kommen. Als Krönung für zwei Menschen, die zueinander gefunden haben.

Aber noch hieß es zu warten.

Sechs Wochen, bis man sich endlich sehen kann, sechs Wochen ständiger Telefonate, tiefer Gespräche, des Austauschs von Gefühlen und Sehnsüchten und natürlich der Angst, der andere könnte doch noch einen Rückzieher machen.

Ich hatte die größte Chance das zu leben, wonach ich mich so sehnte: Liebe zu geben ohne Bedingungen, ohne einen Handel daraus zu machen, ohne Geheimnisse, alles zuzulassen. Ich war authentisch und dieses Gefühl befreite unendlich.

Nach sechs Wochen kam der große Moment. Ich mietete einen LKW und fuhr nach Bremen, wo sie wohnte, um sie abzuholen.

Ich weiß noch heute, wie glücklich ich im LKW saß, ihre Möbel hinten auf der Ladefläche, sie neben mir, die wunderbarste Frau der Welt. Ich hatte das tiefe Gefühl beschenkt worden zu sein. Dieses Gefühl hat sich bis heute bewahrt. Bis heute betrachte ich sie als Geschenk, dem es jederzeit frei steht, wieder zu gehen.

Dies ist nun dreizehn Jahre her. Wir haben geheiratet und eine Tochter bekommen.

Wir hatten unsere Krisen, weil jede Beziehung Krisen durchläuft, aber ich bin nicht einen Zentimeter von meinen Entscheidungen abgewichen. Diese Frau ist die Einzige in meinem Leben, ich war und bin nicht bereit, über andere Möglichkeiten nachzudenken. Es gibt keine anderen. Tiefe Erfüllung gibt es nur in der Hingabe. Und Hingabe ist nicht austauschbar.

Immer wieder wurde ich gefragt, wie schafft ihr das, gerade ihr, im öffentlichen Leben stehend, die ihr ein Leben führt mit den schönsten Frauen und Männern an eurer Seite, alleine in Hotels, unterwegs und mit Nächten voller Sehnsucht und Versuchungen.

Es gibt sie nicht, die Versuchungen. Wenn man sich entschieden hat, gibt es keine Versuchung mehr. Wenn man erfüllt ist, ist man nicht bereit, sich auch nur mit einem Zentimeter weniger als der Erfüllung zufrieden zu geben.

Es ist wirklich so einfach.

Und immer wenn ich davon erzähle und auch davon, was uns Menschen daran hindert Hingabe zu erfahren, entsteht im Gesprächspartner ein tieferes Verständnis.

Mit der Zeit nahmen diese Gespräche zu. Viele suchten ganz bewusst meine Nähe, um all das mitzuteilen, was man vor anderen eher verschweigt: Sorgen, Ängste, Minderwertigkeitsgefühle. Und immer ging es auch – so sehr der Schein nach außen etwas anderes vortäuschte – um unerfüllte Liebe, um Trauer und um die Wut, in der vermeintlich falschen Beziehung zu stecken oder immer wieder auf den Gleichen hereinzufallen oder aber erst gar nicht den Richtigen zu finden.

Neben beruflichen Ängsten und Sorgen ging es fast immer auch um die Sehnsucht nach einer wahren, tiefen Liebesbeziehung. Und nichts verblüffte meine Gesprächspartner so sehr, wie meine Frage, warum sie sich dann mit weniger zufrieden geben würden?

Diese Gespräche waren erstaunlicherweise keine einseitige Sache, denn jedes Mal geschah etwas Wunderbares: Ich selbst wurde beschenkt. Erfüllt von dem, was ich zu geben hatte und erfüllt davon, dass es jemanden gab, der es annehmen konnte, begann ich immer selbstverständlicher meine Wahrheit zu leben.

Dabei hatte ich nie das Gefühl, dass ich es war, der dies alles sagte, der erkannte, in welchen Mustern mein Gegenüber gefangen war. Immer hatte ich das Gefühl, dass es einfach gesagt wurde, weil es wahr war. Ich konnte etwas geben, was jenseits von Worten lag.

Es gab einen Austausch zweier Seelen, man berührte sich tief im Inneren und wusste, dass dort die Wahrheit lag.

Als würde ich ein unsichtbares Plakat mit mir herumtragen, zog ich die Menschen an, die Gespräche häuften sich. Selbst bei Empfängen oder anderen offiziellen Anlässen fanden immer genau die Menschen den Platz neben mir, die mit brennenden Fragen nach einer Veränderung in ihrem Leben suchten. Das Ansehen der Person spielte dabei keine Rolle. In dem tiefen Wunsch nach Liebe sind sich alle Menschen gleich.

Nur manchmal suchten diejenigen, die im Rampenlicht der Öffentlichkeit standen, vielleicht wesentlich unerlöster nach Antworten, weil sie keine Ansprechpartner dafür hatten.

Die wichtigste Regel jedenfalls hatte ich gleich zu Anfang gelernt. Nie ungefragt Antworten zu geben, sondern zu warten, still und leise. Etwas, was jeden Werbefachmann zur Verzweiflung bringen müsste – es gab keine Werbung. Und dennoch nahmen diese Gespräche zu, Menschen reisten von Hamburg, Frankfurt oder Berlin zu mir, nur um mit mir zu sprechen. Anscheinend weiß die Seele, wo sie bekommt, was sie sucht. Anscheinend gibt es einen »intergalaktischen, unsichtbaren Werbefeldzug«.

Und stets reisten diese Menschen erfüllt und voller Hoffnung und in der Tiefe der Gefühle berührt wieder ab.

Alle haben wir diese gleiche Sehnsucht: die Sehnsucht nach Glück und Liebe. Und sie ist lebbar. Man muss sich nur dafür entscheiden. Und natürlich auch erkennen, was uns daran hindert, uns endlich dafür zu entscheiden. Wir entscheiden uns ständig. Dafür oder dagegen, jede Minute, auch jetzt in diesem Augenblick.

Mein Weg ist nur ein Weg von vielen. Es ist mein Weg. Und nur darüber kann ich schreiben und berichten. Doch die Wahrheit in meinen Worten kann etwas in dir berühren, sie kann lang vergessenes Wissen in dir zum Schwingen bringen, so dass deine eigene Wahrheit klarer hervortritt.

Glaube nur, was du tief in dir als Wahrheit empfindest.

Die große Sehnsucht, den richtigen Partner zu finden

Wir alle haben eigentlich die gleiche große Sehnsucht: Einen Partner fürs Leben zu finden. Einen Partner, der ähnlich denkt und fühlt wie wir, der an unserer Seite steht und zu uns hält, der uns akzeptiert wie wir sind, mit all unseren Stärken und Schwächen, und der natürlich unsere Liebe erwidert. Also einen Partner, der uns entspricht.

Nicht selten treffen wir genau auf diesen Partner. Denn auch seine Sehnsucht ist genauso groß wie unsere. Also wird er genauso auf der Suche sein wie wir selbst.

Doch obwohl wir perfekt zueinander passen und füreinander bestimmt sind, verhindert irgendetwas, dass unsere Anziehungskräfte auch wirklich wirken können.

Dieses »Irgendetwas« sind wir selbst.

Denn trotz dieser tiefen Sehnsucht tun wir seltsamerweise unglaublich viel dafür, es auf keinen Fall zu einer derartigen Beziehung kommen zu lassen.

Welch raffinierte Möglichkeiten wir uns ausgedacht haben, um ein wirkliches Kennenlernen mit unserem wahren Partner zu verhindern, darauf werde ich in diesem Buch ausführlich eingehen. Und natürlich auch darauf, wie wir es schaffen können, unsere wahre Liebe endlich zuzulassen.

Du musst deinen Partner nicht finden, du musst nur bereit sein, ihn zuzulassen.

Traurige Tatsache ist, dass, wenn der wundervolle Partner dann endlich vor uns steht, wir sehr oft alles tun, um ein tatsächliches Zusammenkommen zu boykottieren.

Doch warum tun wir das?

Und warum glauben so viele, trotz eines wunderbaren Partners, alleine dazustehen? Warum fühlen sich so viele in ihrer Beziehung einsam und verlassen? Warum fühlen sie sich durch den anderen so verletzt und gedemütigt?

Warum ist für viele die Beziehung eine Belastung und keine Erfüllung? Warum befürchten wir, niemals den richtigen Partner zu finden?

Und vor allem, warum können wir ihn nicht halten?

Einige von uns sind vielleicht sogar schon längst mit dem richtigen Partner zusammen und können – oder wollen – es nur nicht sehen. Lieber leben sie den Schmerz der Trennung, auf den sie hinarbeiten, als den Schock der Liebe zuzulassen.

Warum tun wir das?

Oder aber, und das ist das, was zurzeit am meisten passiert, unsere große Liebe steht vor uns und wir sind nicht frei.

Wenn du mit jemandem zusammen bist, der nicht dein richtiger Partner ist, bist du nicht frei für deinen richtigen Partner.

Heute werden Partner scheinbar wahllos konsumiert. Aus Lust, purem Zeitvertreib oder aus Angst, ansonsten für immer alleine bleiben zu müssen.

Viele von uns sind lieber einsam in einer Beziehung, die sich auf nichts bezieht, als auf ihren wahren Partner zu warten.

Viele Menschen werden im Laufe der Zeit anklopfen. Auch solche, die nicht wirklich an einer Beziehung interessiert sind. Geschweige denn ein Leben mit uns verbringen wollen. Viele möchten nur das Glücksgefühl der Verliebtheit ausleben oder sich im Rausch der Sexualität verlieren, ohne an ihren Mustern oder ihrer Entwicklung arbeiten zu wollen.

Diese Menschen meinen gar nicht uns. Auch wenn wir es für eine Zeit lang glauben.

Wenn du dich mit weniger zufrieden gibst, darfst du dich nicht wundern, wenn du auch nur weniger bekommst.

Die Erkenntnis, unsere wahre Liebe nicht wahrgenommen zu haben oder vielleicht nicht frei für sie gewesen zu sein, kann einen tiefen Schmerz hinterlassen.

Die verpasste Chance kann lange an uns nagen. Vielleicht ein ganzes Leben lang.

Eine tiefe, wahre Liebesbeziehung führen zu wollen ist eine Entscheidung. Fang an dich zu entscheiden.

Glücksregeln für die Liebe

Die folgenden Glücksregeln für die Liebe sind als Hilfe zur Klarheit und zum Wachstum für uns selber gedacht und sollten nicht dazu verwendet werden, Forderungen an den Partner zu stellen oder die Beziehung in das Korsett dieser Glücksregeln zu pressen.

Wir sollten also zu keinem Zeitpunkt den Fehler begehen, die folgenden Regeln von unserem Partner einzufordern oder ihm das Buch mit dem stillen Vorwurf zu schenken, wir hätten es ja schon immer gewusst.

Es ist dein Buch. Es sind deine Regeln. Sie können dich zu einer tiefen, wahren Liebesbeziehung führen. Aber nur, wenn du sie für dich anwendest.

Die Beziehung kannst du nur verändern, indem du dich veränderst.

Wenn wir mit unserem Partner über das Buch oder verschiedene Kapitel reden möchten, dann sollten wir das tun, aber nur, weil wir uns mit seiner Hilfe besser erkennen möchten.

Sind wir offen und ehrlich, wird unser Partner vielleicht auch die Chance haben sich einzubringen. Wir dürfen aber niemals eine Forderung daraus machen. Sonst wollen wir nur Recht haben. Und Recht haben wollen vergrößert die Trennung.

Es ist also dein Buch und dein Wunsch nach einer erfüllten Partnerschaft. Mache daraus keine Waffe. Den Unterschied merkt man ziemlich schnell. Wenn man sich mit dem Partner beim Lesen des Buches im Streit befindet, wollte man sicherlich die Regeln für seinen Partner gültig sein lassen und weniger für sich selbst.

Glücksregel 1
Sex hilft nicht bei der Partnersuche

Für jetzt oder für immer?

Die meisten von uns wollen zwar einen Partner fürs Leben, suchen aber seltsamerweise zuerst nur auf der körperlichen Ebene. Dabei wissen wir, dass dies auf lange Sicht nicht genügen wird. Da zählen andere Werte. Wir kennen diese Werte, es sind diejenigen, die für uns eine grundlegende Bedeutung haben, und weil sie für uns so wichtig sind, kommt es unweigerlich zur Trennung, wenn sie sich zu stark unterscheiden. Und dann sind wir wieder da, wo wir eigentlich nicht sein wollten: Allein und um eine Enttäuschung reicher.

Dabei war an deinem Partner nichts falsch, er war einfach nur nie der Richtige für dich.

Das haben wir natürlich vorher nicht gewusst.

Aber warum nicht?

Vielleicht, weil wir uns zu Beginn unserer Beziehung nicht wirklich dafür interessiert haben. Natürlich hatten wir nicht vorgehabt, eine weitere Enttäuschung zu erleben, im Gegenteil – wir wollten von ganzem Herzen, dass es diesmal klappt. Wir wollten nicht länger alleine sein.

Doch anscheinend ist oft genau dieser Wunsch nach Zweisamkeit so stark, dass wir über andere wichtige Dinge hinwegsehen. Wir erhalten nämlich immer das, was wir in unsere persönliche »Suchmaschine« eingeben, in diesem Fall: »Ich will nicht allein sein«. Dass die künftige Beziehung eigentlich auch ein Leben lang Bestand haben sollte, wusste die Suchmaschine nicht. Doch warum nicht?

Wonach haben wir wirklich gesucht? Nach einem Partner fürs Leben. Warum haben wir ihn dann nicht bekommen? Warum sind wir dann mit weniger zufrieden? Vielleicht haben wir unbewusst doch nach etwas anderem gesucht. Nach etwas, was uns anfänglich als wesentlich wichtiger erschien.

Die Priorität lag vielleicht nicht auf: »Für immer«, sondern auf: »Jetzt!«

Vielleicht waren wir einfach nur glücklich, jemanden gefunden zu haben, der uns bewundert, begehrt und uns unsere Einsamkeit vergessen lässt. Vielleicht war da plötzlich jemand, der uns toll fand und unserer Seele schmeichelte. Durch seine Augen waren wir plötzlich wieder schön und jung und attraktiv und anziehend. Mit einem Mal bekamen wir wieder all das, was wir so lange entbehrt hatten: Bestätigung und Wertschätzung. Dieses Gefühl war so wundervoll, dass alles andere eben nicht mehr so wichtig schien.

Vielleicht hatten wir einfach Sehnsucht nach ein bisschen sinnlichem Körperempfinden. Vielleicht wollten wir auch nur wissen, ob wir immer noch attraktiv für das andere Geschlecht sind.

Gründe mag es unzählige gegeben haben, aber mit Sicherheit war das Hauptaugenmerk im Wesentlichen »nur« auf den wundervollen Moment des Erlebens ausgerichtet und nicht darauf, einen Partner fürs Leben zu finden. Das ist an sich nichts Schlechtes. Man hatte so womöglich eine heiße, heftige Affäre oder eine liebevolle, sanfte Kuschelpartie, die aber zwangsläufig zu einem Ende kam, sobald die körperliche Faszination wieder nachließ und klar wurde, welch große Unterschiede zwischen beiden bestanden. Die Trennung war vorprogrammiert und es hat keinen Sinn, sich deswegen Vorwürfe zu machen oder sich gar über den Ex-Partner zu beschweren. Man hat nämlich genau das bekommen, was man tatsächlich gesucht hatte. Auch wenn man es nicht wahrhaben will, die Lieferung war prompt und richtig, nur die Bestellung war womöglich falsch. Oder ungenau.

Wenn man also einen Schuldigen sucht, weiß man jetzt jedenfalls, wo man ihn finden kann. Richtig. Bei sich selbst.

Es ist dein Leben, das du gestaltest. Wer sonst sollte dafür verantwortlich sein?

Wir sollten also nicht enttäuscht sein, wenn wir wieder einmal dort stehen, wo wir schon einmal begonnen hatten: Auf der Suche nach einem Partner, der uns entsprechen könnte.

Nur, genau genommen stehen wir gar nicht wieder am Start, sondern eine Stufe tiefer. Denn jetzt sind wir um eine weitere Verletzung reicher. Wir fühlen uns benutzt und minderwertig. Was uns nach der kleinen Karussellfahrt nach wie vor geblieben ist, ist unsere Einsamkeit.

Was es wert ist zu haben, ist es wert, darauf zu warten!

(Marylin Monroe)

Hätten wir unseren künftigen Partner von Anfang an, also lange bevor wir uns auf ihn eingelassen haben, genauer angesehen, seine seelischen Anteile, seine inneren Werte, seine Denkweise und natürlich auch seine Herkunft, so hätten wir die Chancenlosigkeit einer längeren Partnerschaft vermutlich schon damals erkennen können und die Finger von ihm gelassen.

Aber das haben wir nicht getan. Und dafür muss es einen Grund gegeben haben.

Vielleicht haben wir beim Warten auf die »Lieferung« einfach der Zukunft nicht mehr getraut. Vielleicht haben wir geglaubt, dass nichts Besseres mehr nachkommt. Zumindest nicht für uns.

Vielleicht glauben wir tief in uns, dass uns nichts Besseres zusteht und sind daher bereits mit dem Erstbesten zufrieden. Aber das stimmt nicht. Die Wahrheit sieht ganz anders aus.

Dir steht immer das zu, was du glaubst, dass dir zusteht.

Wir bestimmen unser Leben. Wir ganz alleine. Entweder wir begrenzen uns und sind mit wenig zufrieden oder aber wir fühlen uns frei und sind bereit, nur das Beste zu empfangen.

Wenn wir wirklich nur das Beste für unser Leben wollen, gilt es jedoch einige Entscheidungen zu treffen. Die erste ist, dass wir künftig nur noch danach suchen, was wir auch wirklich wollen.

Also, was möchtest du wirklich? Einen Partner fürs Leben? Dann lass uns genau danach Ausschau halten – und nach nichts Geringerem!

Für die meisten von uns ist die Wahl eines Partners wie das Herumtappen im Dunkeln. Es macht Spaß, bis das Licht angeht.

(Ron Smothermon)

Sex schafft Bindungen

Wenn wir es diesmal wirklich ernst meinen, sollten wir der Partnerwahl mit einem ganz anderen Anspruch begegnen, anstatt nur dem Lustprinzip zu folgen. Auf der Suche nach dem Partner fürs Leben ist Sex nämlich erst einmal zweitrangig. Auch wenn er später noch enorm wichtig werden wird. Aber eben erst später.

Meistens drehen wir jedoch die Reihenfolge um und wundern uns, warum wir uns so schwer wieder lösen können.

Sex wird völlig unterschätzt und nur zur Befriedigung der Sinne benutzt. Aber Körperlichkeit schafft Begehrlichkeiten und Abhängigkeiten. Auch unerwünschte. Wir verbinden uns mit einer zweiten Person, werden Eins mit ihr, noch bevor wir wissen, wer sie wirklich ist, was sie mit uns vorhat und welche Überraschungen auf uns warten.

Wollen wir das wirklich? Auch wenn es nicht der Richtige ist? Die dabei entstehende Bindung bleibt! Und hängt uns lange nach! Auch wenn wir unsere Meinung längst geändert haben und eigene Wege gehen möchten.

Sex macht Spaß, ohne Frage, aber Sex hilft nicht bei der Partnersuche, sondern nur bei der anschließenden Partnerbindung. Beim Sex entsteht immer eine tiefere Bindung.

In vielen Kulturen und Religionen werden die Partner nach der Eheschließung oder einer vergleichbaren Zeremonie aufgefordert, die Ehe nun auch zu vollziehen. Seit Jahrhunderten wissen wir, dass die körperliche Vereinigung Mann und Frau zu einem Paar werden lässt.

Inzwischen hat man sogar herausgefunden, dass Frauen beim Orgasmus ein eigenes Sexualhormon ausschütten, Oxytocin. Dieses Hormon sorgt dafür, dass zu dem Geliebten fortan eine sehr enge Bindung entsteht. Es ist der reinste Klebstoff für die Beziehung. Ob die Frau es will oder nicht, dieses Hormon wirkt auf die Psyche und fesselt an den Bettgenossen. Selbst wenn sie die körperliche Nähe gar nicht mehr haben möchte.

Eine rein freundschaftliche Beziehung lässt sich leichter wieder lösen, die körperliche Vereinigung aber schmiedet zwei Menschen zu einem Paar zusammen.

Der sexuelle Akt schafft immer Bindung.

Diese Bindung lässt sich ein ganzes Leben lang nicht mehr wirklich auflösen. Ist es der Falsche, bin ich an den Falschen gebunden. So einfach ist das. Der Falsche bleibt aber immer der Falsche, da hilft kein Schönreden oder -denken. Was nützt es mir, nicht mehr alleine zu sein und trotzdem tief im Herzen einsam zu bleiben?

An den falschen Partner gebunden zu sein macht dich einsamer, als du alleine je wärst.

Ist man mit dem Falschen zusammen, selbst wenn auch nur für kurze Zeit, ist man nicht frei für den »Richtigen«. Aber was heißt »kurz«? Immer wieder kurz ergibt nämlich auch lang. Und »immer wieder« bedeutet eine Ansammlung von Verletzungen und Zurückweisungen, bis man irgendwann wirklich glaubt, beziehungsunfähig zu sein.

Gehen wir jedenfalls öfters so vor, sammeln wir auf diese Weise ganz viele verschiedene Bindungen und Verletzungen. Unsere Lebensfreude nimmt immer mehr ab. Nicht zu. Auch wenn wir dies vielleicht nicht so sehen wollen. Denn mit jeder nicht erwiderten Hingabe, mit jeder enttäuschten Hoffnung, mit jeder verletzenden Trennung verlieren wir uns selbst ein kleines Stück.

Bevor man also überhaupt in Erwägung zieht mit jemandem ins Bett zu gehen und sich mit ihm zu vereinen, sollte man erst einmal herausfinden, ob man sich überhaupt vereinen will – oder nur gegenseitig konsumieren?

Dabei sollte man die Kraft der Sexualität nicht unterschätzen. Stimmen nämlich die wesentlichsten Elemente mit dem Partner überein, denkt und fühlt man gleich, dann gibt es eine tiefe Verbundenheit, Nähe und Vertrauen. Dann kann man sich endlich fallen lassen und alle Masken ablegen. Man muss nichts mehr beweisen. Man kann sich bedingungslos hingeben.

Bedingungslose Hingabe ist die mächtigste und intensivste sexuelle Erfahrung,die du jemals haben kannst.

Wenn man einmal im Leben diese Erfahrung gemacht hat, erkennt man, dass alles andere im Vergleich dazu nur eine lächerliche Turnübung ist.

Anders gesagt, es ist einfach wesentlich schöner und aufregender, jemanden im Bett zu haben, den man liebt, mit dem man verschmilzt, auf den man sich verlassen kann und dem man sich wirklich bedingungslos hingeben möchte, als einfach nur eine Leistungsnummer abzuliefern. Das hinterlässt nur Leere und tiefe Einsamkeit.

Den Richtigen finden wir jedenfalls nicht, wenn wir sofort mit jemandem ins Bett springen, ein paar Orgasmen haben und durch dieses Auswahlverfahren glauben, Tiefe und Wahrhaftigkeit zu erleben.

Liebe wäre dann nur eine Frage der Technik, der sexuellen Hemmungslosigkeit oder der Bereitschaft des anderen, sich unseren sinnlichen Wünschen unterzuordnen.

Sex hilft nicht bei der Partnerwahl. Sonst würde die Person, die uns am besten befriedigt, unser Partner für das ganze Leben sein.

Dass dem aber nicht so ist, haben wir bestimmt schon oft genug am eigenen Leib erfahren dürfen.

Wollen wir endlich den Kreislauf der Enttäuschungen verlassen, gibt es nur eins: Sich Zeit zu lassen.

Einen anderen Menschen kennen zu lernen, sich ihm anzunähern und trotzdem sich selbst treu zu bleiben – auf diese Weise kann sich unser Wesen in seiner ganzen Fülle entfalten.

Wer ist der (die) Richtige?

Sich Zeit zu lassen, bedeutet nicht, kein Interesse zu zeigen oder alles in der Schwebe zu halten. Im Gegenteil. Man interessiert sich. Sehr sogar. Man will immer mehr von seinem möglichen künftigen Partner kennen lernen. Man will wissen, ob die eigene Wahl auch wirklich die richtige ist. Ob man überhaupt zusammen passt, bevor man sich ihm hingibt.

Man sollte also viel Zeit miteinander verbringen. Dabei merkt man am deutlichsten, ob man auch außerhalb des Bettes mit dem anderen zusammen sein will. Hat man sich darüber hinaus überhaupt etwas zu sagen?

Gibt es, außer dem Wunsch nicht alleine zu bleiben, noch weitere Gemeinsamkeiten? Denkt man gleich, fühlt man gleich? Hat man den gleichen Lebensrhythmus? Versteht man das Gleiche unter Treue und Intimität. Welche Erfahrungen, Wünsche und Sehnsüchte bringt jeder mit ein?

Möchte unser künftiger Partner seine Zukunft genauso gestalten wie wir selbst?

Wie geht er mit seinen Gefühlen um, teilt er sich mit, kann er zuhören?

Wir sollten auch nicht vergessen, uns seine Schattenseiten zu betrachten. Jeder hat welche. Können wir mit ihnen umgehen?

Und vertrauen wir ihm? Auch in den Momenten, wo wir schwach sind?

In jeder Partnerschaft kommen auch Zeiten, wo wir nackt und schutzlos sind. All unser über die Jahre angehäufter Seelenmüll wird früher oder später hochschwappen. Dann brauchen wir jemanden an unserer Seite, der uns Verständnis und Geborgenheit entgegenbringt. Und uns die Sicherheit bietet, nicht sofort verlassen oder ausgetauscht zu werden. Haben wir das Gefühl, wir könnten uns ihm so zeigen?

Und ... meint er wirklich uns? Sind wir etwas Besonderes für ihn? Sind wir kostbar und einmalig? Wenn man viel Zeit miteinander verbringt und wenn man sich wirklich ergänzt, entsteht aus der ersten Verliebtheit Nähe und tiefe Zusammengehörigkeit. Man sieht sein Gegenüber immer mehr als einen Teil von sich, als wundervolle Ergänzung seiner eigenen Persönlichkeit.

Entdecke dich durch ihn.

Wir sollten auch seine Familie kennen lernen und ihm unsere eigene vorstellen. Dort lernen wir ungeheuer viel über ihn. Wir sehen wie er aufgewachsen ist und was Familie für ihn bedeutet. All das hat er für das Leben mitbekommen. All das kann er künftig in unsere kleine Familie einbringen.

Sieh es dir genau an. Und wenn du es wirklich ernst meinst, wirst du mit seiner Familie mehr zu tun haben, als du jetzt glaubst.

Man sollte sich aber auch selbst genau betrachten. Ist dies wirklich der Partner, mit dem man zusammen sein will? Oder ist es nur die Angst, ohne ihn wieder alleine zu sein?

Ist man durch ihn mehr oder weniger? Wird durch ihn alles leichter oder schwerer? Ist er eine Ergänzung oder Belastung?

Sucht er einen Partner fürs Leben, oder nur einen für den Moment?

Wenn man nicht das Gefühl hat, dass er unser »Seelenpartner« ist, sollte man die Finger von ihm lassen. Das Ende ist sonst bereits vorprogrammiert.

Im Bett mit dem Falschen ist eine emotional teure Angelegenheit.

Je öfter wir uns mit weniger zufrieden geben, umso unzufriedener werden wir. Weil wir uns nicht die Chance einer großen Liebe zugestehen.

Wir waren uns nicht mehr wert. Aber das Schlimmste wird sein, dass wir ständig das Gefühl haben werden, unser wahrer Seelenpartner hätte uns verpasst, weil wir nicht auf ihn gewartet haben.

Es mag der wundervollste Mensch sein, aber wenn ihr nicht zusammen passt, wird es für euch beide die Hölle. Dann behindert ihr euch nur gegenseitig und verhindert das Zusammenkommen mit dem wahren Seelenpartner.

Glücksregel 2
Sei ehrlich zu dir selbst

Die Liste – Bestandsaufnahme

Dieses Mittel kann uns zum einen helfen, unsere bestehende Beziehung zu durchleuchten und die Möglichkeit schaffen, sie nach unseren Wünschen zu ändern. Zum anderen kann sie uns helfen, wenn wir momentan frei sind, genau den Partner anzuziehen, der unseren Vorstellungen entspricht.

Aber dazu sollten wir natürlich erst einmal wissen, welche Vorstellungen wir wirklich haben. Und vor allem, ob wir tatsächlich bereit sind, all unsere Vorstellungen in die Beziehung einzubringen.

Das geht am besten mit der nachfolgenden Liste. Sie hilft uns dabei in folgenden Punkten.

1. Sie ist so etwas wie eine Wunschliste. Alles was man in der Beziehung verwirklicht wissen möchte, wird man dort wiederfinden. Also alle bewussten Wünsche und Sehnsüchte.

2. Darüber hinaus hilft sie aber auch, uns über unsere unbewussten Wünsche klar zu werden. Sie zeigt uns nämlich nicht nur, wo wir uns gerade befinden, sondern vor allem warum wir uns da befinden, wo wir jetzt gerade sind. Sie ist also so etwas, wie unsere seelische Landkarte.

3. Das Wesentlichste an der Liste aber ist der dritte Aspekt: die Bestandsaufnahme. Sie offenbart uns, wie tief und ehrlich unsere Bereitschaft, eine wahrhafte Liebesbeziehung einzugehen, in Wirklichkeit ist. Gleichzeitig offenbart sie uns aber auch, mit was wir uns überraschenderweise dann tatsächlich zufrieden geben wollen. Je aufrichtiger unsere Liste also wird, desto schneller und genauer können wir unseren wahren Zustand erkennen und werden uns unserem gewünschten Ziel nähern.

Wie sieht so eine Liste nun aus? Ganz einfach. Man macht zunächst einmal zwei Spalten. In die eine schreiben wir hinein, was wir alles in der Partnerschaft vorzufinden wünschen und was der Partner daher alles mitbringen soll. In die andere Rubrik schreiben wir, was wir alles bereit sind anzubieten, also das, was wir glauben, selbst geben zu können.

Befindet man sich momentan in einer angehenden oder bereits bestehenden Beziehung, macht man eine dritte Spalte. In die schreibt man, was die Partnerschaft einem zur Zeit tatsächlich alles gibt. Dies ist also die Habenseite.

Was ich mir in meiner Beziehung wünsche

Die Wünsche und Vorstellungen, die man gerne in seiner Beziehung realisiert haben möchte, scheinen sicherlich auf der Hand zu liegen. Auf den ersten Blick also eine scheinbar einfache Aufgabe. Warum sie aber dennoch einen kleinen Haken hat, werden wir später noch genauer betrachten.

Was ist nun deine Vorstellungen von einer wunderbaren Beziehung? Sei dabei absolut ehrlich. Du brauchst die Liste niemandem zu zeigen. Du kannst sie heimlich machen. Nur für dich Du brauchst sie nicht preiszugeben. Zumindest nicht, solange du dazu nicht bereit bist. Jetzt geht es erst einmal nur darum, ganz offen und ehrlich zu dir selbst zu sein. Hauptsache du tust es! Egal, wie unmöglich, intim oder peinlich es dir erscheint.

Denn wenn du selbst dich schon begrenzt, was wird dann erst das Leben mit dir machen?

Also, fang an mit deinen Wünschen! Vergiss das artige Mädchen, den angepassten Jungen, vergiss was deine Mutter sagen würde, wenn sie deine Liste lesen könnte oder dein Freund, Partner, Kumpel, Vater… Es ist deine Liste und nur du liest sie. Und wenn du willst, kannst du sie anschließend auch sofort wieder vernichten.

Die Liste kann kurz oder lang sein, lass dir Zeit, wir werden sie sowieso in den nächsten Tagen oder Wochen immer wieder ändern, vervollständigen oder sogar neu schreiben. Denn je genauer und detaillierter sie wird, umso klarer wird uns unsere Vorstellung von unserer Beziehung werden.

Mit dieser Liste definierst du deinen ganz persönlichen Rahmen, in dem alles stattfinden soll.

Also, was bedeutet eine gute Beziehung für dich? Was erwartest du von ihr? Was möchtest du dort erleben?

Genügend guten Sex, Sicherheiten, ruhig einschlafen, vielleicht im Löffelchen, mit einem Lächeln aufwachen, Harmonie, zwei, drei, vier Kinder, geliebt werden, deine Ruhe haben, gekitzelt werden, prickelnde Abenteuerurlaube, eine liebevolle Mutter oder einen umsorgenden Vater für deine Kinder, viel reisen, Überraschungen, oft Ausgehen, tanzen bis zum Morgengrauen, Verbundenheit, Treue, begehrt werden, viel lachen, Tantra, kochen und nie abspülen, wieder Kind sein dürfen, ein Trampolin im Haus, deine Eltern zufrieden stellen, nicht zuviel Sex, die Füße massiert bekommen, auf keinen Fall kochen müssen, Frühstück ans Bett, Blumen, Aufmerksamkeiten, deinen Geburtstag wichtig nehmen, in der Badewanne gefüttert werden, absolute Ehrlichkeit …

Schreib alles auf, was dir in den Sinn kommt. Auch wenn es dir noch so belanglos vorkommt. Hätte es nämlich keine Bedeutung, würde es dir nicht jetzt einfallen. Schreib einfach mal drauf los. Aus dem Bauch heraus. Ohne dich zu begrenzen oder zu kontrollieren.

Das ist sie also nun, deine Wunschliste. Das alles soll in deiner Beziehung stattfinden. Was immer dir eingefallen ist, liegt nun genau vor dir.

Sieh dir einmal die Reihenfolge an. Was kommt als Erstes? Und was findet erst weiter hinten Beachtung? Und stimmt das so? Wenn du zum Beispiel meinst, dass manche Dinge, die weiter hinten stehen, etwas mehr nach vorne gehören, wie ist das dann im wirklichen Leben? Steht dort vielleicht auch etwas Wichtiges hinten? Vielleicht hast du sogar etwas Wichtiges noch gar nicht aufgeschrieben, weil du dich nicht traust. Es soll aber »eigentlich« auch in der Beziehung stattfinden, also, dann schreib es hin. Verschlüssle es, wenn du willst, kürze es ab, mach es unleserlich, aber schreib es hin. Auch wenn du meinst, es stehe dir nicht zu, es sei zu intim oder nicht wirklich »normal«. Schreib es hin!

Und schau dir die Liste immer wieder an, mach dich mit ihr vertraut. Es sind deine Wünsche.

Hoffentlich stehen dort auch ganz viele »unmögliche« Dinge. Dinge, für die du dich sonst schämen würdest. Denn eins ist klar, mit dem richtigen Partner schämt man sich bestimmt nicht sie gemeinsam auszuleben. Hat man jedenfalls einen Wunsch und lebt ihn nicht aus und steht nicht dazu, darf dieser Anteil in der Beziehung nicht stattfinden. Dann hat man aber eine Partnerschaft, in der man nicht zur Gänze stattfinden kann.

Diese Wunschliste ist ein laufender Prozess. Was immer dir in den nächsten Tagen noch einfällt kannst du hinzufügen.

Aber wie immer gibt es auch hier eine Kehrseite der Medaille: Alles was man in der Beziehung haben möchte, muss man auch selbst hineingeben. Denn Geben und Nehmen hält sich die Waage.

Man will bestimmt auch nicht mit jemandem zusammen sein, der nur einfordert, aber selbst nichts zu bieten hat. Nur Forderungen stellen hört sich also nicht gerade sexy an. Was man haben will, muss man auch bereit sein zu geben. Und das ist sicherlich schon weniger einfach.

Die große Frage ist also, und damit werden wir uns jetzt ausführlicher beschäftigen, was bist du bereit, in eine Beziehung einzubringen?

Was ich bereit bin, selbst einzubringen

Die zweite Spalte korrespondiert sehr eng mit der ersten. In diese Rubrik schreiben wir, was wir glauben, in einer Beziehung anbieten zu können.

Das ist sicherlich ganz ähnlich dem, was wir uns selber auch wünschen. Steht bei uns zum Beispiel in der ersten Spalte der Wunsch »Treue«, muss man davon ausgehen, das Treue uns wichtig ist und wir bestimmt auch treu sein wollen. Andernfalls wäre die Forderung nach Treue ein bisschen lächerlich.

Oder möchte man zum Beispiel, dass der künftige Partner immer ehrlich zu uns ist, so steht bei uns vielleicht in der linken Spalte – Absolute Ehrlichkeit. Das ist also das, was wir von unserem Partner erwarten. Mit weniger sind wir nicht zufrieden. Kein Schwindeln, kein Verschweigen, keine Untreue, keine Lügen, kein Zurückhalten, kein Hintergehen und auch keine Geheimnisse.

So weit so gut. Aber was man fordert, muss man auch selbst einbringen.

Also sollten wir jetzt auf die rechte Seite auch die Wörter – Absolute Ehrlichkeit schreiben. Das ist das, was wir selbst einbringen. Also kein Schwindeln, kein Verschweigen, keine Untreue, keine Lügen, kein Zurückhalten, kein Hintergehen und auch keine Geheimnisse.

Entspricht das dem, wie du dich selbst siehst?

Es ist deine Forderung an dich selbst.

Denn wenn man es selbst nicht kann, aber fordert, fühlt sich der Partner übervorteilt.

Vielleicht ist es ja auch eher ein vor dir gewünschtes Ziel. Dann sollte man es besser anders formulieren. »Das Ziel in meiner Beziehung sollte absolute Ehrlichkeit sein. Das ist es, was ich mit Hilfe meiner Beziehung verwirklichen möchte. Auf diese Grundlage einer Partnerschaft möchte ich hinarbeiten.« Nun sollte man aber auch noch die linke Seite ausbessern. Dort müsste man nun ebenfalls hineinschreiben: »Eines der Hauptziele unserer Beziehung sollte die Verwirklichung von absoluter Ehrlichkeit sein.«

Zum einen hat die künftige Beziehung eine Aufgabe, einen tieferen Sinn, zum anderen ist der Partner uns ebenbürtig. Er wird den gleichen Wunsch haben wie wir und an sich arbeiten wollen. Es wird nicht immer funktionieren, aber es wird eine der Säulen in der Beziehung sein. Beide Partner werden in diesem Punkt reifen und erwachsen werden.

Beide wissen, worum es geht und woran sie arbeiten wollen. Man wird nicht immer perfekt sein, das ist absolut in Ordnung, aber man erwartet auch nicht, dass der Partner es ist.

Dann lass uns doch jetzt mal mit der zweiten Spalte anfangen. Was alles bist du bereit, auch wirklich in die Beziehung einzubringen?

Betrachte nun einmal beide Spalten ohne voreilige Schlüsse zu ziehen. Ist Geben und Nehmen ausgeglichen oder überwiegt eine Seite? Verlangst du mehr, als du bereit bist zu investieren? Oder willst du selbstlos geben, ohne selbst zu partizipieren? In beiden Fällen eine Schieflage, die Sprengkraft birgt und für eine wahre und tiefe Liebesbeziehung nicht förderlich ist.

Interessant an der Liste ist auch, ob Geben und Nehmen harmonisieren. Wenn man all das, was man will, auch geben kann, ist man im Fluss und wird eine ausgeglichene Beziehung haben. Zumindest in diesen Punkten.

An manchen Stellen wird der Inhalt der beiden Rubriken aber nicht übereinstimmen. Vielleicht besitzt man etwas, das man einfach nur gerne gibt. Dann braucht man aber einen Partner, der in diesem Bereich uneingeschränkt nehmen kann. Ohne Abnehmer nützt einem sein Angebot nämlich nichts. Dann sollte dies links ebenfalls auf die Wunschliste.

Darüber hinaus sollte man sich auf jeden Fall intensiver prüfen, ob ausschließliches Geben einem auch wirklich reicht oder ob man nicht stillschweigend doch das Gleiche von seinem Partner zurückerwartet. Oder ob nicht vielleicht als Ausgleich in einem anderen Bereich eine stille Forderung von uns liegt, z.B. »Ich möchte schon, dass das, was ich tue, auch anerkannt wird.« Dann gehört diese ebenfalls auf die linke Seite.

Es gibt auch sicherlich Qualitäten, die wir noch nicht entwickelt haben, aber gerne haben möchten, also Dinge in unserer Wunschliste, die wir in der rechten Spalte nicht wiederfinden. Wir haben zwar den Wunsch danach, können es aber nicht selber einbringen. Dann würde das ein Bereich in der Beziehung werden, in dem Entwicklung gefordert ist. Und zwar unsere Entwicklung. Wir werden diesen Bereich bei uns ausbilden müssen. Die Partnerschaft wird uns hierbei helfen. Manchmal ist dies nicht immer ganz leicht, Entwicklung und Transformation sind eben nicht immer leicht. Aber...

Wenn du das Gleis kennst, auf dem du dich bewegst, kennst du das Ziel, dem du entgegeneilst.

Und das macht die ganze Sache wesentlich angenehmer. Wir wissen, wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Je ehrlicher wir jedenfalls mit unserer Liste umgehen und je besser wir uns wirklich einschätzen können, desto schneller wird unsere Entwicklung in der gewünschten Richtung sein.

Aber nicht weil wir sagen, das will ich haben, her damit, sondern weil wir verstehen, in welche Richtung wir uns noch entwickeln müssen. Wir wünschen uns dann einen Partner, der uns bei dieser Entwicklung begleitet.

Und wenn es uns wirklich ernst ist, werden wir sehr schnell dieses Ziel in unserer Partnerschaft erreicht haben. Nicht, weil wir fordern und einklagen, sondern weil wir bereit sind, Entwicklung zuzulassen.

Im nächsten Kapitel befassen wir uns mit diesem Thema noch ausführlicher.

Beim genaueren Vergleich der Spalten erkennen wir nun auch, ob wir zum Beispiel überhaupt bereit sind, all die »unmöglichen« Dinge, die in unserer Wunschliste sind, auch wirklich zu leben und sie als Angebot einzubringen.

Wir erinnern uns, das sind die Dinge, für die wir uns normalerweise schämen würden und die eigentlich keiner wissen soll. Dennoch sind es Sehnsüchte von uns. Je heimlicher, desto intensiver. Wenn diese Sehnsüchte nun nicht in der rechten Spalte zu finden sind, bringen wir sie auch nicht in die Beziehung mit ein.

Aber warum bringen wir sie nicht ein? Was hindert uns noch daran? Was begrenzt uns?

Wer in dir glaubt, dass dir so etwas nicht zusteht?

Oder genauer gefragt, welche Person in dir glaubt, dass dir so etwas nicht zusteht? Wessen Meinung vertrittst du in Wahrheit? Wer hat dir dies gesagt? Wessen Verbot ist es?

Du musst nicht sofort eine Antwort darauf wissen. Erlaube dir den Luxus auch einmal keine Antwort zu finden. Lass die Fragen einfach so stehen. Denn manche Fragen kann der Verstand nicht beantworten. Für viele Fragen ist er nicht zuständig. Meist will er diese Art von Antworten sogar eher verhindern. Aber Fragen finden ihre Antworten oft selbstständig.

Selbst wenn du jetzt nichts verstehst, versuche nicht nachzugrübeln. Vertraue einfach darauf, dass Fragen sich immer beantworten werden.

Was ich in meiner Beziehung habe

Nun kommen wir zu der Spalte für die bereits bestehende Partnerschaft. Dabei betrachten wir unsere Beziehung einmal aus einem anderen Blickwinkel. Wir machen eine kurze Bestandsaufnahme, einen Kassensturz.

Welche Hoffnungen erfüllen sich und welche nicht? Was bekommst du von deiner Beziehung?


Nun, in der ersten Spalte stehen unsere Vorstellungen von unserer Idealbeziehung. Diese Spalte dürfte mittlerweile ziemlich angewachsen sein.

Aber wie sieht es nun rechts, auf unserer Habenseite, aus?

Wo haben wir weniger? Wo mehr? Ist die dritte Spalte genauso lang wie die erste? Oder gibt es eine kleine Schieflage?

Bekommen wir vieles von dem, was wir uns erhoffen und ersehnen? Ist die Beziehung das, was wir uns vorgestellt haben? Wenn nicht, werden zumindest die wesentlichsten Eckpfeiler erfüllt?

Es kann auch sein, dass wir vielleicht etwas anderes, ganz Wesentliches stattdessen bekommen?

Vielleicht fällt uns auch jetzt noch etwas anderes auf. Vielleicht gibt es sogar mehr zusammenführende als trennende Faktoren. Wir haben es bisher nur nie bemerkt.

Oft ist es nämlich so, dass von zehn Dingen neun wundervoll passen, wir aber immer nur auf den einen wunden Punkt starren und darauf herumhacken. Natürlich wird dann der Mangel an Bedeutung gewinnen und alles Wunderbare sich immer mehr verlieren. Betrachten wir eben immer nur das, was uns nicht behagt, wird uns irgendwann die ganze Beziehung nicht mehr behagen.

Der ständige Blick auf deinen Mangel verstellt dir den Blick auf deinen Reichtum.

Besitzt man zum Beispiel ein Auto, das viele Vorzüge miteinander vereint, nur leider einen zu kleinen Kofferraum hat, kann man mit dem Wagen glücklich werden oder an diesem einen Detail scheitern. Man kann sich so lange darüber ärgern, bis der ganze Wagen einem nicht mehr gefällt. Der Wagen war immer der gleiche, mit all seinen unzähligen Vorteilen. Man hat nur seine Vorzüge nicht zu schätzen gewusst. Vielleicht aber hatte der Wagen eine Lernaufgabe für einen. Vielleicht schleppt man einfach immer zuviel Gepäck mit sich herum. Aber man war nicht bereit sich zu ändern, lieber hat man den Wagen aufgegeben.

Vielleicht sieht man grundsätzlich zu viel auf das Negative. Und vielleicht fallen einem durch die Liste nun die wesentlichsten Merkmale der Zusammengehörigkeit auf. Vielleicht sind es sogar ziemlich viele und man hat immer nur auf das wenige Trennende gestarrt. Vielleicht hat man das Verbindende nicht annehmen wollen, aus Angst, dass es nicht so bleiben könnte.

Der Blick auf das Negative ist nämlich so eine Sache. Oft können wir das Schöne gar nicht genießen, in Erwartung, dass das Schlechte eintreten wird.

Betrachte das, was du hast, nicht das, was du nicht hast.

Man sollte sich auf die Eigenschaften, die der Beziehung Kraft geben, konzentrieren und auf das sehen, was einen zusammenführt. Dies stärkt die Partnerschaft und lässt die wesentlichen Elemente größer und machtvoller werden. Die trennenden Merkmale werden sich fügen, immer unbedeutender und kleiner werden und irgendwann keine Rolle mehr spielen. Weil man anderes, Wichtigeres auf der »Spielwiese« des Zusammenseins gefunden hat.

Was aber, wenn wir nun feststellen, dass auf der rechten Seite nur sehr wenig von dem zu finden ist, was wir uns in unserer Beziehung wünschen würden? Dann sollten wir uns fragen, warum das so ist. Warum haben wir einen Partner angezogen, der nicht unseren bewussten Erwartungen entspricht? Wie steht es also mit unseren unbewussten Gedanken? Wenn wir uns ganz offensichtlich etwas anderes wünschen, warum sind wir dann zusammengekommen? Und was hält uns in dieser Beziehung, in der wir eigentlich nicht sein wollen? Vermutlich ist es etwas sehr Wesentliches. Sonst wären wir doch längst fort. Vielleicht wiegt ein einziger Punkt unsere ganze, scheinbar trennende Liste auf. Vielleicht sollten wir nach diesem Punkt suchen. Irgendwo muss dort stehen, warum wir in der Beziehung sind.

Vielleicht haben wir in unserer Wunschliste etwas Wesentliches vergessen. Etwas, das genügend Kraft besitzt, uns in der Partnerschaft zu halten.

Es kann auch sein, dass wir uns aus Verlustangst oder Minderwertigkeitsgefühlen mit weniger zufrieden geben. Oder eines unserer wesentlichsten Muster korrespondiert mit denen unseres Partners und bindet uns auf diese Weise an ihn. Vielleicht gibt es eine innerliche Schuld, die wir glauben abtragen zu müssen, oder unser Partner steht stellvertretend für unseren Vater oder unsere Mutter. Vielleicht sind uns finanzielle Sicherheit oder ein umsorgender Vater für unsere Kinder wichtiger als Nähe, Verbundenheit und Liebe. Wir sollten einfach nur betrachten, was ist. Ohne es zu beurteilen. Vielleicht brauchen wir tatsächlich finanzielle Sicherheit, um uns überhaupt öffnen zu können. Vielleicht würden beklemmende Überlebenskämpfe uns die letzte Kraft rauben.

Du hast immer den Partner, den du wirklich willst.

Wäre es nicht so, wären wir bereits über alle Berge. Alles hat einen tiefen Sinn in unserem Leben.

Wenn die Beziehung, die wir haben, nicht unseren bewussten Wünschen entspricht, sagt dies jedenfalls in erster Linie etwas über uns aus.

Also keine Sorgenfalten, denn selbst wenn wir mehr trennende als verbindende Faktoren finden, muss es dennoch etwas geben, das uns zusammenhält. Wir haben genau die Beziehung, die wir für unsere Entwicklung brauchen und zu der wir fähig sind. Sonst hätten wir eine andere. Wenn wir also nicht die Beziehung haben, die wir haben wollen, ist dies weder gut noch schlecht. Es ist jenseits aller Bewertungen. Es ist schlichtweg genau die Erfahrung, die wir machen wollen, damit unsere Entwicklung weiter vorangeht.

Also sollten wir herausfinden, warum wir in dieser vermeintlich ungeliebten Partnerschaft verbleiben wollen. Es kann hierfür viele Gründe geben, auch gute Gründe. Wir fangen keine Beziehung bei Null an.

Deswegen ist es so wichtig, dass wir erkennen, wo wir uns gerade befinden. Je klarer uns unsere Lage wird, umso eindeutiger können wir die richtigen Fragen stellen. Die Liste hilft uns bei dieser Bestandsaufnahme. Sie ist das beste Hilfsmittel, um dich dir selbst vor Augen zu führen

Du zeigst dich dir selbst.

Dabei ist es nur notwendig, den Fokus etwas zu verändern und neu auszurichten. Die Antworten liegen nämlich nicht bei unserem Partner, sondern nur bei uns selbst.

Stelle dir einfach immer wieder die Fragen: »Warum bin ich mit diesem Partner zusammen? Was ist der tiefere Sinn? Welche Erfahrung möchte ich machen? Ist diese Erfahrung älter als die Beziehung? Kenne ich diese Emotion schon von früher?«

Die Antwort wird kommen. Morgen, übermorgen, nächste Woche. Wir sollten einfach offen für die Antwort sein. Die Antwort wird kommen, solange wir uns immer wieder auf die Frage fokussieren. Wenn die Antwort richtig ist, werden wir es fühlen. Die Antwort wird uns bereichern. Wenn die Antwort uns schwächt oder uns verbittert, sind es nur unser Ego oder der Verstand, die antworten. Die richtige Antwort hat Kraft und gibt uns Freiheit.

Die Antwort liegt bereits in der Frage.

Die Antwort besitzt eher emotionalen Charakter und stammt aus unserem Erfahrungsschatz. Vielleicht werden wir die Antwort nicht sofort mögen, weil sie mehr mit uns zu tun hat, als mit unserem Partner. Das ist sogar das, was sehr wahrscheinlich ist. Denn es ist unser Leben, um das es geht. Unser Partner ist zwar Teil unseres Lebens, aber nur, weil wir es so wollen. Bewusst oder unbewusst.

Wir sollten uns jedenfalls für die erwartete Antwort nach allen Seiten offen halten. Es könnte zum Beispiel auch sein, dass die Antwort weniger mit uns zu tun hat, sondern nur irgendwann von uns übernommen wurde. Also aus Meinungen und Vorstellungen unserer Eltern, Großeltern etc. bestehen.

Die Antwort können wir jedenfalls nicht ergrübeln. Vertraue einfach darauf, dass sie kommen wird.

Vielleicht zeigst du deine Liste sogar irgendwann deinem Partner. Warum auch nicht? Mit wem sonst willst du dein Innerstes bereden?

Wenn es wirklich dein Partner ist, hat er vielleicht eine ähnliche Liste oder will, von dir inspiriert, nun selbst eine erstellen. Vielleicht erfährst du auf diese Weise ganz viel von seinen Wünschen und Sehnsüchten. Vielleicht ist er genauso einsam wie du. Vielleicht wartet er in seiner Sprachlosigkeit nur darauf, dass ihn jemand da heraus holt. Vielleicht wartet er auf ein Zeichen von dir? Wer sonst sollte ihm helfen?

Wenn es dir jedenfalls in der Beziehung nicht gut geht, geht es ihm ebenfalls nicht gut. Wenn du Distanz und Kälte spürst, spürt er es auch.

Dein Partner ist nur so lange dein Gegner, wie du ihn dazu machst.

Nimm ihn also besser als Vertrauten und Verbündeten. Vielleicht erstellt ihr sogar gemeinsam eine Liste. Wie würde eine wundervolle Partnerschaft zwischen euch aussehen? Und was hindert euch daran sie zu leben?

Vielleicht findet ihr ungeliebte Gemeinsamkeiten, die ihr gerne loslassen möchtet. Nichts jedenfalls ist schlimmer, als nicht zu kommunizieren. Entdeckt wieder eure Liebe zueinander.

Stehst du am Anfang einer Beziehung oder vor der Entscheidungsfindung, wäre es ebenfalls ganz ratsam, deinem künftigen Partner deine Liste zu zeigen. Dadurch gibst du ihm die Chance, dich in deiner ganzen Tiefe zu erfassen. Gleichzeitig beschenkst du ihn mit deinem Vertrauen.

Und keine Sorge, du kannst dich nicht lächerlich machen. Wenn es der Richtige ist, hat er deine Wellenlänge. Dann denkt und fühlt er wie du.

Und heb die Listen auf, auch wenn du von Zeit zu Zeit immer wieder neue erstellst.

Wenn du sie irgendwann wieder einmal hervorziehst und vergleichst, wirst du erkennen können, wie rasant deine Veränderung vorangegangen ist. Und wie viel Arbeit du bereits geleistet hast. Es war deine Arbeit, die diese Entwicklung ermöglicht hat. Grund genug, stolz auf dich zu sein.

Gibt es Situationen in deinem Leben, die sich immer und immer wieder wiederholen?

Wir haben viel durchgemacht. Leid, Zurückweisung, Neid, Eifersucht, Hass. All dieser seelische Schmerz hat sich angesammelt im Laufe der Jahre. Nicht nur bei uns, auch bei unserem Partner.

Schon in der frühesten Kindheit haben wir Überlebensmechanismen und Strategien aufgebaut, die uns geschützt haben und die es uns überhaupt erst ermöglichten, mit diesem seelischen Schmerz fertig zu werden. Diese ganzen Schutzmäntel haben wir damals gebraucht, um zu überleben. Sie waren lebensnotwenig.

Jedem erging es so. Allen. Dem Partner, den Freunden und Bekannten, dem Chef und natürlich auch uns selbst. Wir sind nicht die Ausnahme. Wir sind nicht allein, auch wenn es sich manchmal so anfühlt.

Die gute Nachricht ist, wir haben es geschafft. Wir haben überlebt. Wir brauchen diese Mechanismen nicht mehr. Heute behindern sie uns eher, als dass sie uns nützen. Trotzdem tragen wir sie heute noch immer mit uns herum und wissen nicht, wie wir sie wieder loswerden können. Meistens wissen wir nicht einmal, dass wir sie überhaupt haben.

Was sind das für Mechanismen? Obwohl so offensichtlich, sind sie durchaus nicht leicht zu entdecken. Doch nicht etwa, weil sie sich so gut verstecken, sondern weil wir sie einfach nicht sehen wollen. Wir wollen den vermeintlichen Schutz von damals nicht so ohne weiteres aufgeben. Wir wollen nicht einsehen, dass sie uns heute nichts mehr nützen. Und damit ist eigentlich auch schon klar, wo wir sie finden können.

Es sind nämlich die Dinge, die wir notwendigerweise verdrängt haben, weit, weit von uns weggepackt. All das also, was wir eben bis heute nicht wahrhaben wollen. Meist sind die Mechanismen dort zu finden, wo wir uns unverstanden fühlen oder verlassen, ins Chaos gestürzt, einsam, ohnmächtig, verraten, ausgenutzt, betrogen, voller Trauer oder hoffnungslos abhängig. Und das in einer ewig wiederkehrenden Schleife.

Die Frage, die es hier zu stellen gilt, ist einzig und allein folgende:

Gibt es Dinge in deinem Leben, die sich immer und immer wieder wiederholen?

Denn vieles davon hast du schon einmal erlebt und bist es bis heute nicht losgeworden, magst du auch noch so erwachsen erscheinen. Und genau dieser seelische Schmerz aus unserer Vergangenheit hindert uns daran, die Gegenwart frei und glücklich zu erleben.

Noch immer sind wir nämlich an diese alten Erfahrungen gebunden. Auch wenn wir sie scheinbar längst vergessen haben. Noch immer sind sie nicht gelöst.

Immer dort also, wo wir uns heute wieder einmal verletzt fühlen, sind unsere Verletzungen von früher zu finden. Dort sind wir immer noch ein Kind, mit einem kindlichen Verhalten und keiner Möglichkeit, die Dinge erwachsen zu regeln oder mit ihnen so umzugehen, wie wir gerne möchten.

Dabei wollen wir endlich auch in diesen Dingen erwachsen werden. Deswegen, und nur aus diesem Grund, kommen immer wieder die gleichen Themen in unser Leben, die gleichen Hinweise, die sich für uns in genau der gleichen emotionalen Größe und Tiefe wie damals wiederholen.

Wir hatten damals als Kind keine Lösungsmöglichkeiten. Auch später in der Jugend nicht. Und selbst heute haben wir immer noch keine wirklich funktionierenden Strategien gefunden. Wir erfahren den gleichen Schmerz, genauso ohnmächtig wie damals, weil wir nicht darüber hinaus gekommen sind. Weil wir bis heute nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen und wie wir uns davon lösen können.

Partnerschaft ist nun die beste Möglichkeit, mit diesen Wunden in Kontakt zu kommen und sie für immer zu heilen.

Das ist das, was ständig geschieht. Das ist das, was wir glauben, nicht aushalten zu können. Der Partner kitzelt genau diese längst vergraben und vergessen geglaubten Gefühle wieder hoch. Warum? Weil das seine Aufgabe ist!

Und unsere Aufgabe ist es, es zuzulassen.

Also, alles was in unserem Leben immer wiederkehrt, hat etwas mit uns zu tun. Sonst wäre es nicht in unserem Leben. Auch wenn es Dinge sind, die uns nicht gefallen, Wir werden sie so lange mit uns herumschleppen, bis wir uns davon lösen können. Es sind unsere Themen. Wir tragen sie herum, also müssen wir sie auch lösen, kein anderer wird es für uns tun. Die Partnerschaft ist also die beste und schnellste Möglichkeit zu erkennen, woran wir noch arbeiten sollten. Kein anderer kommt uns so schnell so nah, um uns in dieser Tiefe zu berühren und die vergessenen Wunden zum Auftauchen zu bringen. Unser Partner zwingt uns unerbittlich, Farbe zu bekennen und an uns zu arbeiten. Das macht er natürlich genauso unbewusst wie wir. Und ihm gefällt es genauso wenig. Denn auch wir kitzeln all sein »Zeug« hervor, an dem er zu arbeiten hat

Jede Enttäuschung bietet dir gleichzeitig das größte Potential zum persönlichen Wachstum.

Aber woran soll man nun arbeiten, wenn man gar nicht weiß, was wirklich unsere Anteile sind?

Es ist eigentlich ganz einfach. Betrachte die Dinge in deinem Leben, die sich immer und immer wieder wiederholen.

Steckst du öfters, scheinbar unverschuldet, im gleichen Schlamassel? Erfährst du wieder einmal die gleiche Enttäuschung, stehst wieder einmal tief verletzt und ohnmächtig einer Situation gegenüber? Oder bist erneut völlig unerwartet auf den Gleichen reingefallen?

Reingefallen ja, aber bestimmt nicht unerwartet.

Es ist doch merkwürdig, obwohl es verschiedene Menschen sind, verschiedene Orte, zu verschiedenen Zeiten, erleben wir immer wieder fast das Gleiche.

Aber wie haben die das gemacht? Haben die sich abgesprochen? Ohne dass sie sich kannten? Ist es ein geheimes Komplott? Wieso bringen völlig unterschiedliche Menschen uns immer wieder in die gleiche oder ähnliche Situation? Wir wollen sie doch gar nicht haben! Aber man lässt uns keine andere Wahl. Genau. Wir haben keine Wahl! Aber wieso nicht?

Warum kommen wir immer wieder an die gleichen, enttäuschenden Punkte, in die gleichen Situationen? Wir wollen sie nicht, dennoch erleben wir immer wieder Ähnliches.

Vielleicht haben diese ungeliebten Punkte doch eine Verbindung zu unserer unerledigten Vergangenheit?

Aber wenn die Vergangenheit so weit zurückliegt, dass wir uns manchmal nicht einmal daran erinnern, warum sollte sie uns dann noch immer beeinflussen? Das haben wir doch alles längst hinter uns gelassen. Weit zurück und längst vergessen. Wir sind erwachsen, können frei entscheiden und leben inzwischen unser eigenes Leben.

Aber ist das wirklich so?

Ein Kind, das Liebe erfährt,

wird, erfüllt von dieser Liebe,

immer bestrebt sein, diese Liebe weiterzugeben.

Ein Kind, das ohne Liebe aufwächst,

wird immer verzweifelt diese Liebe suchen.

Ein ganzes Leben lang.

(Unbekannte Quelle)

Wurde unsere Liebe als Kind ausgenutzt oder abgelehnt, wird dies wahrscheinlich ein Thema in unserem Leben sein.

Als Kind mussten wir vielleicht vor langer, langer Zeit erfahren, dass wir unwillkommen und daher nicht wirklich liebenswert waren. Diese Verletzung hat sich tief in das Bewusstsein des Kindes eingegraben. Es hatte ja nur diese eine Erfahrung. Es kannte keine andere Wahrheit. Es wusste nur, dass es so, wie es ist, nicht geliebt wird. Irgendwann war es dann überzeugt, dass dies die Wahrheit sein muss, dass es nur an ihm liegt und dass es tatsächlich nicht liebenswert ist. Irgendwann fand es sich dann tatsächlich selbst nicht mehr »der Liebe wert«. Das künftige Verhalten hat sich nun danach ausgerichtet. Dieses Kind fing an, sich selbst nicht mehr zu mögen. In der Kindheit, in der Jugend, in der Pubertät. Rollen wurden entwickelt, der Spaßvogel, der Intelligente, der Coole, der Geheimnisvolle, der Rebell oder der Schwierige, denn in diesen Rollen wurde man wenigstens angenommen. Aber tief im Inneren fühlten wir uns immer mehr zurückgesetzt.

Manche nehmen sogar an Gewicht zu, um sich selbst zu bestätigen, dass sie nicht liebenswert sein können.

Die eigentliche Ursache haben wir heute längst vergessen, nur das Thema nicht. Das Thema ist weiterhin aktuell. Heute werden wir nur argwöhnisch darauf achten, dass unsere Liebe nicht erneut ausgenutzt und verraten wird. Und wir müssen höllisch aufpassen, kindlich, trotzig, immer auf der Lauer liegen. Tatsächlich erwarten wir gar nichts anderes. Wir warten regelrecht darauf. Da wir es ja nicht anders kennen, glauben wir, dass abgewiesene Liebe zum Leben gehört.

Also werden wir die Liebe des Partners nicht wirklich frei und unschuldig entgegennehmen können. Eigentlich glauben wir ihm nicht. Wir sind uns sicher, wenn er uns erst einmal richtig kennen lernt, wird er uns nicht mehr mögen. Deswegen verstecken wir uns sicherheitshalber lieber hinter einer unserer Rollen.

Denn genau genommen warten wir auf die hinterlistige Wendung, auf die Bedingung, die mit seiner Liebe verknüpft sein muss, auf den Knall, der uns unerwartet treffen wird. Unser Partner jedenfalls, der bei uns nicht wirklich ankommt, wird mit seiner Liebe langsam nachlassen oder aber uns auffordern, ihm endlich zu vertrauen und uns ihm hinzugeben. Nun geraten wir unter Druck. Druck kennen wir. Und nun misstrauen wir erst recht. Streitigkeiten werden entstehen und je mehr wir uns zurückziehen, desto gewaltiger wird dieses Thema in unsere Beziehung treten. Alle anderen Übereinstimmungen zählen plötzlich nichts mehr.

Mit der Zeit wird sich unser Partner immer mehr zurückziehen, weil er merkt, dass wir ihm nicht vertrauen, dass wir ihn nicht wirklich nah an uns heranlassen, dass wir Vorbehalte haben. Er kann ja nicht wissen, dass dies in Wirklichkeit nichts mit ihm zu tun hat, sondern nur mit unserer Vergangenheit.

Dann kommt der Moment, wo er uns vorwirft nicht liebesfähig zu sein. Etwas, was uns in unglaubliche Wut versetzt, weil es genau unsere Ohnmacht trifft. Und dann endlich platzt die längst erwartete Bombe. Eigentlich hat die Beziehung so doch keinen Sinn mehr.

Darauf haben wir gewartet. Wie gut, dass wir uns nicht wirklich eingelassen haben. Es war ja klar, dass auch er unsere Liebe früher oder später verraten wird. Trennung, Enttäuschung, Tränen und die Bestätigung, sich besser nie mehr einzulassen sind die Folge.

Aber was ist es wirklich, was uns daran gehindert hat, unsere Liebe zu leben?

Welche Muster und Verletzungen schleppen wir noch heute mit uns herum?

Ist es vielleicht das Gefühl von Minderwertigkeit? Also einer solchen Liebe nicht wert zu sein? Oder ist es die Angst, irgendwann wieder alleine dazustehen? Vielleicht glauben wir immer noch, dass wir nicht liebenswert sind und sind im Grunde überzeugt, dass sich unser Partner früher oder später jemandem anderes zuwenden wird. Vielleicht glauben wir auch, dass wir nicht schön genug sind, nicht intelligent oder witzig, nicht sinnlich, sexy oder raffiniert genug. Vielleicht glauben wir, dass wir im Bett nicht genügen, dass jemand anderes besser wäre?

Aber all das ist nicht die Wahrheit! Sondern nur eine Überzeugung, die irgendwann einmal entstanden ist und uns unsere Lebendigkeit in diesem Bereich genommen hat. Und sie noch heute nimmt! Die Frage ist nur, mit was wurde uns unsere Lebendigkeit genommen?

Vielleicht vertrauen wir nicht, weil wir glauben, dass das Ausnutzen von Gefühlen zum Leben gehört. Vielleicht haben sich die Eltern scheiden lassen und wir glauben, dass Liebe keinen Bestand hat, oder wir waren als Kind unwillkommen und glauben daher noch heute, dass wir unerwünscht sind.

Was immer deine Vorstellung von Beziehung ist, wichtig ist nur zu wissen, dass du eine vorgefertigte Meinung davon hast.

Und diese Meinung ist nicht frei. Sondern noch immer mit der nicht bewältigten Vergangenheit verbunden!

Jede gescheiterte Partnerschaft hat uns mit unseren Verletzungen von damals wieder in Verbindung gebracht. Und weil sie gescheitert sind, wurden dort die Verletzungen wahrscheinlich nicht nur bestätigt, sondern sogar noch verstärkt. Nun sind wir in diesem Punkt noch misstrauischer geworden.

Deswegen ist es so wichtig, dass wir uns den Menschen, auf den wir uns einlassen wollen, genau anschauen. Denn auch er bringt eine Vergangenheit mit, die wir dann mit ihm ausleben müssen.

Gerade weil man mit dem Partner durch alle Tiefen wandern wird und besonders durch die ungeliebten Tiefen und dabei so viel »vergessener« Seelenmüll hochkommen wird, sollte man sich nicht bei der ersten Gelegenheit an jemanden binden.

Ist es jemand, dem du genügend vertraust, dass er dich in deine Tiefen begleiten soll?

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