Kitabı oxu: «Lone und der Vagabund»
Poul Nørgaard
Lone und der Vagabund
SAGA Egmont
Lone und der Vagabund
Aus dem Dänischem von Albrecht Leonhardt nach
Lykke og vagabonden
Copyright © 1959, 2018 Poul Nørgaard und Lindhardt og Ringhof Forlag A/S
All rights reserved
ISBN: 9788711578506
1. Ebook-Auflage, 2018
Format: EPUB 2.0
Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach
Absprache mit Lindhardt og Ringhof gestattet.
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1
Als Lone aus der Schule nach Hause kam, fand sie einen Brief vor. Sie kannte die Schrift, der Brief war von Tjep. Ohne sich erst den Mantel auszuziehen, warf sie sich in einen Sessel und begann zu lesen:
Liebe Lone,
wie Du ja selbst weißt, ist der reizende Mensch, mit dem ich verheiratet bin, schon immer leicht irre gewesen, aber jetzt ist er völlig übergeschnappt. Setz Dich hin und hör Dir an, was er neuerdings ausgebrütet hat. Kürzlich las er in der Zeitung, daß jemand einen alten Möbelwagen zum Verkauf anbot. Den hat er gekauft. Daß er sich das überhaupt nicht leisten kann, spielt für ihn, wie Du Dir wohl denken kannst, nur eine ganz untergeordnete Rolle, und falls Du etwa glaubst, er habe vor, ein Möbeltransportgeschäft aufzumachen, dann täuschst Du Dich gewaltig. Er hat andere Pläne, sofern man die Einfälle, die in seiner Rumpelkammer von einem Kopf herumspuken, überhaupt als Pläne bezeichnen kann. Er will, daß wir in diesem Monstrum den ganzen Sommer über wohnen sollen, und zur Zeit ist er eifrig damit beschäftigt, den Wagen in ein rollendes Sommerhaus zu verwandeln. Übrigens macht er das großartig! Er hat Fenster hineingesägt, Schlafstellen eingerichtet, eine Küche und was weiß ich noch alles. Sinn für Farben hat er ja, der komische Kauz; malen kann er auch, und auf diese Weise ist der Wagen tatsächlich so gemütlich geworden, daß ich mich geradezu darauf freue, einzuziehen.
Eigentlich habe ich gar keine Zeit dazu, Dir zu schreiben, denn ich habe alle Hände voll damit zu tun, Gardinen zu nähen und auch sonst zu helfen, wo ich kann. Aber da Du und Kirsten in den Sommerferien mit uns in diesem Apparat wohnen sollen, muß ich Dich ja rechtzeitig darauf vorbereiten.
Glaub bloß nicht, daß wir irgendwo faul am Strand liegen werden. Jakob hat das Ding auf den klingenden Namen »Vagabund« getauft und ihn mit großen Buchstaben vorn und hinten draufgemalt. Er sagt, er wolle »etwas erleben«. Als ob wir nicht schon mehr als genug erlebt hätten – das werden Du und Kirsten gewiß bestätigen können! Mir hat es in meiner langjährigen Ehe mit diesem närrischen Menschen jedenfalls nicht an »Erlebnissen« gefehlt.
Ich freue mich schrecklich und hoffe, Ihr werdet es auch tun.
Deine völlig durchgedrehte
Tjep
P.S. Zieh die ältesten Kleider an, die Du hast.
Ganz unten auf der Seite hatte der Kunstmaler mit seiner großen und fast unleserlichen Klaue hinzugefügt:
Daß Tjep nicht ganz bei Troste ist, brauche ich Dir wohl nicht zu erzählen, dazu kennst Du sie gut genug. Findest Du meine Idee nicht großartig? Wann und wo wir uns zu unserer Rundfahrt treffen, werde ich Dich schon rechtzeitig wissen lassen! Halte Dich bereit!
Dein ergebenes Genie
Jakob Langaa
P.S. Dieses Autogramm darf nicht verkauft werden.
»Was ist denn da so komisch?« rief Kaufmann Berggren vom Laden her. Lone lief hinüber, um ihm den Brief zu zeigen. »Guck bloß mal, Vater«, begann sie, doch dann wurde ihre Stimme schon wieder von einem Lachanfall erstickt.
Der neue Gehilfe, Herr Mortensen, wog gerade Zucker ab. Er preßte die Lippen aufeinander und gab sich die größte Mühe, ernst zu bleiben. Da stieß er an eine Tüte – und schon war der ganze Boden mit Zucker bedeckt.
»Schöne Bescherung!« entfuhr es Herrn Berggren ärgerlich.
Pling-plang machte die Ladenglocke, und eine dicke Bäuerin mit einem Korb am Arm und einem kleinen Jungen an der Hand kam herein. „Was darf’s sein, Frau Olsen?” Der Zucker knirschte unter Berggrens Füßen, und nun konnte Lone ihr Lachen nicht länger beherrschen; sie ließ sich auf einen Sack Kartoffeln plumpsen, mit dem Ergebnis, daß er umfiel.
„Nein, jetzt reicht’s aber!” rief ihr Vater. „Mach, daß du ‘rauskommst, bevor du den ganzen Laden auf den Kopf stellst!”
Der Junge klatschte vor Begeisterung in die Hände, als Lone zwischen die Kartoffeln purzelte, die polternd unter den Ladentisch rollten. „Oh, Mutti, sieh nur, das ist beinahe wie im Zirkus.”
Der Gehilfe gab ein Grunzen von sich, sein Gesicht war ganz rot angelaufen. Er versuchte noch immer, das Lachen zu unterdrücken. Die Bäuerin sah mit erstaunten Augen von einem zum andern. Der Gehilfe stand da und würgte wie ein Huhn, das sich verschluckt hat; Lone saß mitten in den Kartoffeln und lachte, daß ihr die Tränen nur so die Backen herunterkullerten. Worüber die beiden eigentlich lachten, wußte die Frau nicht, aber Lones Gelächter war so ansteckend, daß die Bäuerin einfach mitlachen mußte; nun konnte auch der Kaufmann nicht länger ernst bleiben.
So fand Oberst Bark den sonst so ruhigen kleinen Gemischtwarenladen vor, als er, mit „Pulver” und „Blei” im Gefolge, eintrat.
„Großartig! Brillant!” rief er und stieß seinen Stock auf den Boden, als er das wilde Gelächter hörte. „Gesund für die Lungen!” Worauf er in den Jubel mit einem Gebrüll einstimmte, das die anderen völlig übertönte. Er hatte keine Ahnung, worüber sie lachten, und das interessierte ihn auch nicht; er lachte nur, weil die andern lachten.
Bei dem Donnergebrüll des Obersten war der Junge erschrocken zusammengefahren, doch dann stieß er einen entzückten Schrei aus, als er die beiden Dackel eifrig kläffend durch den ganzen Laden stürmen und auf die Kartoffeln Jagd machen sah.
Aber jetzt kamen andere Kunden, und Herr Berggren brachte Entschuldigungen und Erklärungen vor. Nachdem er Lone endlich hinausgeschleust hatte, kam allmählich wieder Ruhe in den Laden.
„Brillantes Mädel, brillantes Mädel!” stöhnte der Oberst und wischte sich die Lachtränen aus den Augen. „Worüber haben wir eigentlich gelacht?” Darauf konnte ihm niemand eine Antwort geben. „Na, geben Sie mir eine Kiste Zigarren von den üblichen, Berggren. Nein, Sie brauchen sie nicht einzupacken.” Worauf er mit jenem ein wenig steifen, breitbeinigen Gang, der für alte Reiter so bezeichnend ist, davonstolperte, die Zigarrenkiste unter dem Arm. „Pulver” und „Blei” folgten ihm auf den Fersen.
Es dauerte eine Weile, bis die Kunden bedient worden waren und der Kaufmann und sein Gehilfe wieder Ordnung in das Geschäft gebracht hatten.
Inzwischen hatte Lone den Nachmittagskaffee gekocht.
„Es wird wirklich Zeit, daß du lernst, dich ein bißchen zu beherrschen, Lone”, sagte Herr Berggren, als er kurz darauf ins Wohnzimmer kam. – „Worüber hast du eigentlich gelacht?”
„Hier, lies nur mal, Vati.” Sie reichte ihm den Brief.
Er setzte sich die Brille auf und begann zu lesen.
„Ja, wenn von denen ein Brief kommt, bin ich sowieso schon auf alles gefaßt”, sagte er, nachdem er lachend zu Ende gelesen hatte. „Die sind beide völlig verdreht.”
Lone sah ihn fragend an. „Darf ich?”
„Ob du darfst?” Er schob die Brille in die Stirn und warf ihr einen erstaunten Blick zu. „Als ob ich noch was zu sagen hätte, wenn ihr drei euch zusammengerottet habt.”
Sie flog ihm an den Hals. „Du bist der liebste Vater in der ganzen Welt.”
Er machte sich behutsam frei. „Das dürfte zwar übertrieben sein, aber wenn du deinen alten Vater gern hast, mein Kind, dann bin ich zufrieden. Ich habe mir jedenfalls alle Mühe gegeben, dir deine Mutter zu ersetzen, die du ja leider nie gekannt hast. Sie war ebenso liebevoll und fröhlich wie du. – Aber schließlich haben wir es dem Maler Langaa, dieser verrückten Nudel, zu verdanken, daß es uns jetzt so gut geht. Denn als ich ihn das erste Mal traf, war es nicht allzu rosig um uns bestellt. Prächtigere Menschen als ihn und Tjep kann man sich schwerlich vorstellen, da hast du völlig recht.”
„Und was für spaßige Einfälle die immer haben”, lachte Lone. „Ich werde ihnen gleich schreiben. Oh, wie ich mich freue!”
Es wurde ein langer Brief. Während sie ihn schrieb, versank Lone immer wieder in Gedanken. Sie rief sich die vielen Erlebnisse ins Gedächtnis zurück, die sie mit dem lebensfrohen Kunstmaler und seiner ebenso netten Frau gehabt hatte. Sie mußte an die spannende Schmugglerjagd in den Sommerferien denken, als sie in Vestervig bei Langaas zu Besuch war, und an den Schiffbruch in den Herbstferien. Dann waren sie und Kirsten mit den beiden in Tirol gewesen. Hu, wie unheimlich die alte Geisterburg in jener Nacht im Mondschein ausgesehen hatte!
An Kirsten würde sie natürlich auch schreiben, sie hatte das ja alles miterlebt. Damals, vor einigen Jahren, hatte die Welt traurig für sie ausgesehen, aber dann war sie für die ganzen Sommerferien auf das große Gut Ravenstrup, das Kirstens Vater gehörte, eingeladen worden. Seitdem war Kirsten Winge nun ihre beste Freundin, und obwohl Kirsten auf Fünen wohnte und Lone in Nordseeland, hatten sie seit jener Zeit ihre Ferien fast immer gemeinsam verbracht.
2
„Was mag denn hier bloß los sein?” rief Lone aus, als sie und Kirsten vom Bahnhof der jütländischen Provinzstadt, wo sie sich mit dem Maler und Tjep verabredet hatten, auf die Straße hinaustraten. Es herrschte ein derartiges Gewimmel von Kindern und jungen Leuten, daß sie sich kaum hindurchdrängeln konnten.
„He! Hallo! Lone, Kirsten!” ertönte in diesem Augenblick eine gewaltige Stimme, und da gewahrten die Mädchen auch schon die riesige Gestalt des Malers, der alle anderen mit seinem rotbärtigen Kopf weit überragte und sich mit rudernden Armen einen Weg zu ihnen bahnte.
„Guten Tag, guten Tag!” riefen die Mädchen wie aus einem Munde. „Und vielen Dank, daß … “ Doch der Maler unterbrach sie. „Keine Zeit für Höflichkeiten”, sagte er und nahm ihnen die Koffer ab, „jetzt müssen wir vor allen Dingen sehen, daß wir von hier verschwinden. Kommt!” Damit schob er sich wie ein Eisbrecher durch den Menschenschwarm, und die beiden verwirrten Mädchen folgten ihm dicht auf den Fersen. „Die Polizei ist hier”, erläuterte er über die Schulter hinweg. „Ich darf hier nicht halten, weil wir einen Auflauf verursachen.”
Das ist auch nicht weiter verwunderlich, dachte Lone, als sie das sonderbare Fahrzeug sah, um das sich die Leute drängten. Es war ein großer und sehr altmodischer Möbelwagen. Das eigentlich Bemerkenswerte daran war jedoch die ungewöhnliche und höchst eigentümliche Einrichtung und Bemalung. Aus dem Dach ragte ein langes Ofenrohr hervor; an beiden Seiten des Wagens waren zwei Fenster ausgesägt und mit Gardinen verhängt, und an der Rückseite befand sich eine Tür, zu der eine Klappleiter hinaufführte, die man während der Fahrt hochziehen konnte. Das auffallendste an dem ganzen Fahrzeug aber war seine Farbenpracht. Der vordere Teil war grün angestrichen, was, wie der Maler später erläuterte, gut für die Augen sei, und auf der Vorderseite und der Rückseite stand mit großen Buchstaben: Vagabund. Darüber hinaus war der ganze Wagen wie ein großes Landschaftsgemälde mit blauem Himmel, Wald, Strand und grünen Feldern dekoriert, und über allem strahlte eine mächtige zitronengelbe Sonne. Denn, so sagte Jakob Langaa: „Es ist gut, Sonnenschein von zu Hause mitzunehmen, falls man unterwegs in Regen geraten sollte.”
„Das ist der Zirkusdirektor selbst”, flüsterte ein kleiner Junge seinem Kameraden ehrfürchtig zu, als der Maler sich dem Wagen näherte. „Traust du dich, ihn zu fragen?”
„Macht ihr heute abend Zirkus?” ließ sich eine laute Jungenstimme vernehmen.
„Nein”, brummte der Maler. „Wir graben nach Gold.”
Die Augen des Jungen wurden so groß wie Teetassen.
„Au, hast du das gehört, Egon? Das sind richtige Goldgräber.”
Eine goldbetreßte Mütze tauchte im Gewimmel auf.
„So, jetzt müssen Sie aber wirklich machen, daß Sie wegkommen”, trieb der Polizist den Maler ungeduldig an. „Sie halten ja den ganzen Verkehr auf.” Er stand an der Klappleiter, um die neugierige Menge etwas auf Abstand zu halten.
Der Maler reichte ihm eine Zigarre. „Bitte sehr, und schönen Dank für Ihre Geduld.” Er schubste die beiden benommenen Mädchen die Leiter hinauf in Tjeps Arme; dann sprang er selbst auf den Führersitz und ließ den Motor an. Es hörte sich an, als ob eine Dreschmaschine eingeschaltet würde; das ganze Fahrzeug zitterte und bebte. Alles Hupen nützte nichts, die Leute machten keinen Platz. Erst als der Polizist vor den Wagen lief, lockerte sich die Menge so weit auf, daß der Maler anfahren konnte. Der vagabund setzte sich mit einem solchen Ruck in Bewegung, daß Lone sich schnell festhalten mußte, um nicht zu fallen.
Die Reise ins Ungewisse hatte begonnen. „Bitte, setzt euch”, sagte Tjep mit einer einladenden Handbewegung in Richtung auf ein altes Sofa, das am Fußboden festgenagelt war, wie übrigens die meisten Möbel. „Es ist wirklich nett, daß man euch mal wiedersieht.” Sie selbst setzte sich auf den Tisch. Obwohl schon nahezu vierzig Jahre alt, war sie schlank wie ein Windhund. Das kurzgeschnittene, blonde Haar bildete einen dichten Kranz um ihren Kopf, und wie sie dort auf dem Tisch saß und mit den Beinen baumelte, in einem Khakihemd mit aufgekrämpelten Ärmeln, einer halblangen, engen blauen Leinenhose und blauen Leinenschuhen, glich sie einem aufgeschossenen Jungen. „Warum sagt ihr gar nichts? Findet ihr es hier nicht gemütlich?”
Die Mädchen hatten dagesessen und sich umgesehen. Verschwenderisch konnte man die Einrichtung nicht nennen. Aber es war sicher praktisch, und die hellen, frohen Farben, in denen alles gehalten war, wirkten einladend und ermunternd.
Das Wageninnere war wie eine Stube mit Tisch, Sofa und zwei Stühlen ausgestattet. An der einen Wand waren zwei Schlafstellen befestigt, die eine über der anderen. „Dort schlaft ihr”, sagte Tjep. „Breit sind die Betten zwar nicht, aber solange ihr eure schlanke Linie bewahrt, werdet ihr schon Platz haben. Wer unten und wer oben liegen soll, darüber müßt ihr euch selber einig werden.” An den Wänden hingen Bilder, einige in Glas und Rahmen, und die Gardinen vor den Fenstern ließen sich nachts vorziehen. In der einen Ecke stand ein kleiner, fester Tisch mit einem Petroleumkocher, darüber an der Wand hing alles Küchengerät, und in einem Kasten, der unter den Tisch geschoben war, klirrte das Geschirr. „Eisenporzellan”, klärte Tjep die Mädchen auf.
„Ja, hier ist es wirklich gemütlich”, lächelte Kirsten. „Aber wo schläfst du und dein Mann?”
Tjep zeigte auf das Sofa. „Dort rolle ich mich hin. Ich sage absichtlich ,rollen’ denn das Sofa ist nicht nur sehr kurz, sondern auch holprig, aber es geht eigentlich ganz gut. Man hat ja schon von indischen Fakiren gelesen, die auf Nägeln schlafen; da muß ich wohl zufrieden sein. Das Schlimmste ist, daß es nach vorn hängt, deshalb muß ich mich mit den Nägeln festkrallen, um nicht herunterzufallen. Aber man gewöhnt sich an vieles. Jakob schläft in Zelt und Schlafsack, das hat er immer schon so gern getan.”
Kling, kling, drrrrrr! Es hörte sich an wie ein erkälteter Wecker.
„Du meine Güte, habt ihr hier auch Telefon?” flüsterte Lone bewundernd, als sie sah, wie Tjep den Arm ausstreckte und den Hörer von der Gabel abhob. Man hörte ein paar kratzende Geräusche, dann reichte Tjep ihr den Hörer.
„Das ist für dich”, sagte sie.
„Für mich?” Lone war sprachlos. Wie konnte denn das angehen? „Ja, hallo!”
„Hallo”, ertönte die Stimme des Malers. „Ja, wir hatten vorhin gar keine Zeit, uns richtig guten Tag zu sagen. Wie geht’s dir?”
„Danke, mir geht’s sehr gut.” Lone hatte sich noch immer nicht von ihrem Erstaunen erholt.
„Freut mich, meine Liebe. Sag Tjep Bescheid, daß wir uns eine Tasse Kaffee genehmigen müssen, sobald wir bei einem Bäcker vorbeikommen, wo wir ein bißchen was zu knabbern kriegen können. Und jetzt laß mich eben noch Kis guten Tag sagen.”
Tjep lachte hellauf, als sie die offensichtliche Verblüffung der Mädchen bemerkte, und ihre graugrünen Augen leuchteten vor Stolz und Heiterkeit. „Das ist bloß ein altes, ausrangiertes Haustelefon, das Jakob zu einem Spottpreis auf einer Versteigerung erstanden und selbst in Ordnung gebracht hat”, sagte sie.
„Ach so, das ist also keine drahtlose Anlage oder so was Ähnliches”, stellte Kirsten fest, und Lone fragte: „Man kann wohl nur zu Herrn Langaa hinaus telefonieren und umgekehrt?”
„Ja, natürlich. Glaubtest du etwa, man könnte das Fernamt verlangen?”
Lone sah, daß sich in der Wand eine Tür befand, die zum Führersitz hinausführte. Außerdem bemerkte sie unmittelbar hinter dem Chauffeur ein kleines Schiebefenster. „Aber dann ist es doch viel leichter, direkt durch das kleine Fenster zu sprechen.”
„Leichter schon, aber längst nicht so lustig”, lachte Tjep und klammerte sich an den Tisch, als der Wagen in diesem Augenblick mit einem so jähen Ruck stehenblieb, daß eines der Bilder von der Wand herunterfiel.
„Das liegt an der Bremse, sie hat eine fatale Neigung zu blockieren, selbst wenn man nur leicht auf das Pedal tritt”, kommentierte Tjep Lone guckte aus dem Fenster und sah, daß sie in einem kleinen Dorf vor einem Bäckerladen hielten.
Das Telefon klingelte. „Was soll ich euch mitbringen?” fragte der Maler. „Habt ihr irgendwelche besonderen Wünsche?”
„Nein, danke, du kannst ja sehen, was sie haben”, antwortete Tjep.
„Hast du Kleingeld?”
Tjep schob das Fenster zur Seite. „Ja, das dachte ich mir gleich, ich muß wieder spendieren. Extramahlzeiten sollen eigentlich nicht vom Haushaltsgeld bestritten werden. Hier, bitte sehr!” Sie reichte ihm ein Geldstück und schob die Scheibe wieder vor. „Und beeil dich ‘n bißchen, wir haben Kaffeedurst”, fügte sie am Telefon hinzu, bevor sie den Hörer auflegte.
„Wir werden wahrscheinlich nie ganz erwachsen, Jakob und ich”, lachte sie und machte sich an dem Petroleumkocher zu schaffen. „Ihr könnt inzwischen Tassen auf den Tisch stellen. Sie stehen dort. Damit trat sie gegen den kleinen Kasten auf dem Fußboden. „Ihr könnt euch ruhig ein bißchen nützlich machen.”
„Wo ist denn der Maler nur hingegangen?” fragte Kirsten, als der Tisch gedeckt und der Kaffee fertig war.
„Zum Bäcker.”
„Ja, aber das sind doch keine zehn Schritte!”
„Ach, da kennst du Jakob nicht. Er schwatzt. Am besten hupst du mal.” Das half. „Netter Mann, der Bäcker”, sagte der Maler, indem er sich in den Wagen hinaufschwang und eine große Tüte mit Gebäck ablieferte. „Ich fragte ihn, ob er ‘ne Tasse mittrinken wolle, aber dazu habe er keine Zeit, meinte er.”
Kunstmaler Jakob Langaa war sehr groß und breitschultrig, er hatte einen feuerroten Vollbart und klare, blaue Augen, in denen der Schalk saß. Er trug ein großkariertes Hemd und schwarze Samthosen.
„Wo geht die Reise hin?” fragte Lone neugierig, während sie am Kaffeetisch saßen.
Er zuckte die Achseln. „Keine Ahnung.”
„Wissen Sie das nicht?”
„Nein. Woher sollte ich es wissen? Und ehrlich gesagt, Lone, es interessiert mich auch nicht. Sonne und Luft sind ja überall schön, und wir machen diese Fahrt, um uns zu amüsieren. Wenn wir Lust haben zu fahren, dann fahren wir. Und wenn nicht, ja, dann bleiben wir eben, wo wir sind, und machen uns das Leben angenehm. Das nenne ich Ferien haben!”
Pulsuz fraqment bitdi.