Kitabı oxu: «Unternehmensführung und -organisation»
Evelin Schmidt
Unternehmensführung und -organisation
Betriebliche Abläufe erfolgreich gestalten

Aus Gründen der Vereinfachung und der Lesbarkeit wird auf die Wiedergabe männlicher und weiblicher Bezeichnungen verzichtet. Wo also zum Beispiel „Arbeitnehmer“ oder „Arbeitgeber“, „Meister“ oder „Geselle“ geschrieben steht, ist stets auch „Arbeitnehmerin“ und „Arbeitgeberin“, „Meisterin“ und „Gesellin“ zu lesen.
2., überarbeitete Auflage 2021
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Lektorat: Achim Sacher, Holzmann Medien | Buchverlag
Layout: Markus Kratofil, Holzmann Medien | Buchverlag
Satz: Da-TeX Gerd Blumenstein, Leipzig
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E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH | Rudolstadt
ISBN (Print): 978-3-7783-1549-1 | Artikel-Nr. 1814.02
ISBN (EPUB): 978-3-7783-1550-7 | Artikel-Nr. 1814.98
ISBN (MOBI): 978-3-7783-1558-3 | Artikel-Nr. 1814.98
Vorwort der Herausgeber
Am 1. April 2011 ist die nach § 42 des Gesetzes zur Ordnung des Handwerks (HwO) erlassene bundesweite Verordnung über die Prüfung zum anerkannten Fortbildungsabschluss „Geprüfter Betriebswirt/Geprüfte Betriebswirtin nach der Handwerksordnung“ in Kraft getreten. Damit werden die bisherigen Regelungen bei den einzelnen Handwerkskammern durch eine bundeseinheitliche Rechtsverordnung ersetzt.
Gemäß den Intensionen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks liegt das Ziel der neuen, bundeseinheitlichen Fortbildungsmaßnahme „… in der Vertiefung des betriebswirtschaftlichen-strategischen Verständnisses der Unternehmensführung. Im Vergleich zu den bisherigen Kammerregelungen ist die bundeseinheitliche Verordnung stärker auf eine Reflexion komplexer wirtschaftlicher Zusammenhänge und auf die Entwicklung konkreter Unternehmensstrategien ausgerichtet“. Das heißt: Die Fortbildungsteilnehmer sollen vor allem noch besser befähigt werden,
• das Unternehmen als ein vernetztes System von kundenorientierten Geschäftsprozessen zu verstehen, zu gestalten, zu planen und zu steuern;
• ganzheitlich kundenorientierte Unternehmensstrategien zu entwickeln und
• diese in operativ erfolgreiche Produkte, Dienstleistungen und Maßnahmen innerhalb und außerhalb des Unternehmens gewinnwirksam umzusetzen.
Die hierzu erforderlichen Methoden-, Führungs- und Sozialkompetenzen sind Gegenstand dieser Fortbildungsmaßnahme und prägen Inhalt und Struktur des neuen Rahmenlehrplans, der unter Federführung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Berlin, erarbeitet wurde. Dem Expertengremium gehörten Vertreter von Handwerkskammern und dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) an. Der neue Rahmenlehrplan sichert bei der Fortbildung zum/r „Geprüfte/n Betriebswirt/in nach der HwO“ bundesweit vergleichbare Standards. Dies ist ein wichtiger Beitrag, die hohe Qualität der beruflichen Aufstiegsfortbildung in Handwerk und Mittelstand zu gewährleisten.
Die Prüfung zum „Geprüfter Betriebswirt/Geprüfte Betriebswirtin nach der HwO“ ist in die vier handlungsorientierten Prüfungsteile Unternehmensstrategie, Unternehmensführung, Personalmanagement und Innovationsmanagement gegliedert, deren Prüfungsinhalte von der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk e. V. (ZWH) in der „Information zur Umsetzung der Verordnung“ (November 2011) wie folgt umschrieben werden:
„Im Prüfungsteil Unternehmensstrategie geht es darum, dass die Prüfungsteilnehmer zeigen, dass sie volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen im Hinblick auf die eigene Unternehmensstrategie erfassen und bewerten können. Außerdem sollen die künftigen Betriebswirte/-innen befähigt sein, rechtliche Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln und strategische Entscheidungen zu bewerten und zu berücksichtigen sowie eine geeignete Unternehmensstrategie zu entwickeln und zu planen.
Im Prüfungsteil Unternehmensführung soll die Unternehmensstrategie durch Maßnahmen der Unternehmensführung und -organisation sowie der Markt- und Kundenorientierung nachhaltig umgesetzt und durch die Gestaltung des Rechnungswesens die Finanzierung und Liquidität gesichert werden. Zudem soll die Wertschöpfung durch kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse optimiert werden.
Die Prüfungsteilnehmer sollen im Prüfungsteil Personalmanagement nachweisen, dass sie mit Blick auf die Unternehmensstrategie eine nachhaltige und ethisch verantwortungsvolle Personalplanung und -gewinnungspolitik realisieren sowie Personalführung und -entwicklung entsprechend den individuellen und den Unternehmensinteressen motivierend gestalten können.
Eine komplexe betriebswirtschaftliche Problemstellung eines Unternehmens soll im Prüfungsteil Innovationsmanagement mit einem Lösungsentwurf (Projektarbeit) erarbeitet und präsentiert werden. Dabei sind Bezüge zur Unternehmensstrategie, die Auswirkungen auf die operative Unternehmensführung haben und einen Innovationsbedarf zur Umsetzung der Unternehmensstrategie beinhalten, darzustellen.
Damit wird deutlich, dass im Vergleich zur bisherigen Verordnung im bundesweiten Fortbildungsabschluss die Ausrichtung auf strategisches Handeln einen besonderen Stellenwert einnimmt, der in allen Prüfungsteilen zum Tragen kommt.“
Auf diese neuen, verstärkt handlungsorientierten Anforderungen sind auch die Lehr- und Lernunterlagen auszurichten. Daher haben Herausgeber und Verlag die vorliegende Schriftenreihe „Kompetenzen zum Erfolg“ konzipiert. Aufbau und Inhalt entsprechen den Vorgaben des Rahmenlehrplans und den oben dargestellten Prüfungsinhalten.
Die Lehr- und Lernbuchreihe „Kompetenzen zum Erfolg“ besteht aus zehn inhaltlich abgestimmten Bänden entsprechend den vier Prüfungsteilen der neuen Verordnung:
| Band 1: | Volkswirtschaft – Rahmenbedingungen für eine Unternehmensstrategie |
| Band 2: | Unternehmensrecht – Zivilrecht, Arbeits-, Steuer- und Handwerksrecht |
| Band 3: | Unternehmensstrategie – Instrumente und Methoden zur Strategieentwicklung |
| Band 4: | Unternehmensführung und -organisation – Betriebliche Abläufe erfolgreich gestalten |
| Band 5: | Unternehmensrechnung – Finanzwirtschaft, Jahresabschluss, Kostenrechnung |
| Band 6: | Marketing und Kundenmanagement – Strategien und Instrumente erfolgreicher Kundengewinnung und Kundenpflege |
| Band 7: | Wertschöpfung – Instrumente, Methoden und Analysen zur Prozessoptimierung |
| Band 8: | Personalmanagement (Teil I) – Personal planen und gewinnen |
| Band 9: | Personalmanagement (Teil II) – Personal führen und entwickeln |
| Band 10: | Innovationsmanagement – Betriebliche Probleme strategisch lösen |
Bei der inhaltlichen Gestaltung der einzelnen Bände wurde auf eine handlungsorientierte Wissensvermittlung sehr großer Wert gelegt. Daher ist fast ausnahmslos jedem Kapitel eine Handlungssituation (Fallbeispiel) vorangestellt, deren Probleme vom Lernenden anhand der darauffolgenden Ausführungen im Selbststudium oder unter Anleitung eines/r Dozenten/Dozentin gelöst werden können. Auch im Text sind zahlreiche problemorientierte Handlungssituationen eingebaut, zu deren Lösung der/die Lernende sich das erforderliche Problemlösungswissen erwerben und seine/ihre (Fach-)Kompetenz einsetzen muss. Zur Überprüfung der erworbenen Kompetenz wird jedes Kapitel mit einer umfassenden Handlungssituation/Fallstudie abgeschlossen, wobei auch hier die unternehmensstrategischen Aspekte besonders berücksichtigt wurden.
Ergänzend zu den Lehr- und Lernbüchern der Schriftenreihe werden den Dozenten/ Dozentinnen in den Handwerksakademien zusätzlich fachspezifische Unterlagen zur handlungsorientierten Unterrichtsgestaltung, zur Vertiefung der Wissensvermittlung und zur Verwendung in der Managementpraxis zur Verfügung gestellt. Das erleichtert die buchbezogene Vorbereitung und Gestaltung des Unterrichts, ohne die individuelle Schwerpunktbildung bei der Wissensvermittlung einzuschränken.
Die vorliegende Lehr- und Lernschriftenreihe „Kompetenzen zum Erfolg“ dient nicht nur einer bestmöglichen Vorbereitung auf die Prüfung „Geprüfter Betriebswirt/ Geprüfte Betriebswirtin nach der Handwerksordnung“. Sie ist auch ein sehr hilfreiches Handbuch und Nachschlagewerk für die täglichen Entscheidungssituationen in der Unternehmensführung – sei es als Unternehmer, Geschäftsführer oder als leitende Führungskraft in einem Handwerksunternehmen. Dabei sind die praxisbezogene Gestaltung der Abbildungen und Checklisten, Hervorhebungen und Marginalien sowie ein ausführliches Stichwortverzeichnis am Ende eines jeden Buches eine große Hilfe.
Bei der Arbeit mit der Lehrbuchreihe „Kompetenzen zum Erfolg“, bei der Vorbereitung auf die Prüfung und nicht zuletzt bei der Ablegung der Prüfung wünschen wir Ihnen viel Erfolg!
Die Herausgeber und
Holzmann Medien | Buchverlag
Vorwort der Autorin
Unternehmen und das Management sehen sich vor neue, größere Herausforderungen gestellt: Komplexe Aufgaben in sich verändernden Märkten, der zunehmende nationale und internationale Wettbewerb sowie die Anforderungen an eine ethisch vertretbare Unternehmensführung seien nur beispielhaft genannt.
Untersuchungen des Bundeswirtschaftsministeriums zu Ursachen von Unternehmenskrisen und Insolvenzen zeigten, dass davon etwa 60 % auf Managementfehler zurückzuführen sind. Dabei ist augenfällig, dass Unternehmen, die sich fast ausschließlich auf operative Arbeit und Fragen konzentrieren, schlechter auf Krisen und ihre Bewältigung vorbereitet sind als Unternehmen mit einer strategisch ausgerichteten Unternehmensführung. Ausschlaggebend ist aber nicht nur der Zeithorizont von mehr als 5 Jahren. Vielmehr spielt die langfristige und zielorientierte Unternehmensführung eine wesentliche Rolle.
Der Unterschied zwischen einem erfolgreichen Unternehmen und einem weniger erfolgreichen Unternehmen besteht also in der Entwicklung und konsequenten Umsetzung einer Unternehmensstrategie.
Diese Überzeugung hat sich auch bei Handwerksbetrieben durchgesetzt.
In Konzernen und großen Industrieunternehmen gibt es dafür ganze Strategieabteilungen; das ist lange bekannt. Aber können sich kleine und mittelständische Handwerksunternehmen das überhaupt leisten? Wie müssen und können sie ihre Besonderheiten und charakteristischen Merkmale wie etwa Betonung individueller Kundenwünsche und personelle Einheit von Eigentümer und Geschäftsführung für diesen Prozess nutzen?
Der vorliegende Band „Unternehmensführung und -organisation“ aus der Lehrbuchreihe „Kompetenzen zum Erfolg“ soll darauf Antworten geben. Er soll theoretische Grundlagen als Basis für praktische Entscheidungen vermitteln, Verallgemeinerungen hervorheben und mögliche Handlungsalternativen sowie einen Planungsrahmen aufzeigen.
Entsprechend den Vorgaben des Rahmenlehrplanes ist der Band in folgende Kapitel gegliedert:
• Theoretische Grundlagen der Unternehmensführung
• Grundlagen des Managements
• Identifizierung von Erfolgspotenzialen
• Controlling als Instrument der Unternehmensführung
• Unternehmensorganisation als Voraussetzung und Rahmenbedingung für Führung und Management
• Managementsysteme und Managementtechniken
• Produktionsplanung und Steuerung
Dabei konzentrieren sich die Ausführungen auf die für Handwerksunternehmen relevanten theoretischen Aspekte, sollen aber gleichzeitig das Verständnis für die Komplexität der Führungs- und Realisierungsprozesse stärken. Grundlagen werden durch Praxisbeispiele und fallbezogene Situationsaufgaben veranschaulicht. Diese fördern einerseits das theoretische Verständnis und unterstützen andererseits durch Anwendung von Instrumenten und Verfahren die Lösungsfindung für eigene unternehmerische Aufgabenstellungen.
In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern anregende Einblicke und erfolgreiche Anwendung.
Im Frühjahr 2021
Evelin Schmidt
Inhaltsverzeichnis
Cover
Titel
Impressum
Vorwort der Herausgeber
Vorwort der Autorin
1. Theoretische Grundlagen der Unternehmensführung
1.1 Aufgaben und Ziele
1.1.1 Aufgaben und Ziele von Unternehmen
1.1.2 Aufgaben und Ziele der Unternehmensführung
1.2 Normativer Rahmen
1.2.1 Werte
1.2.2 Ziele
1.2.3 Verfassung
1.2.4 Kultur
1.2.5 Mission
1.3 System der Unternehmensführung
2. Grundlagen des Managements
2.1 Führung und Management
2.2 Strategisches und operatives Management
2.2.1 Strategieverständnis
2.2.2 Instrumente des strategischen Managements
2.3 Strategieprozess
3. Identifizierung von Erfolgspotenzialen
3.1 Wettbewerbskräfte und ihre Bestimmungsfaktoren
3.2 Konkurrenzanalyse
4. Controlling als Instrument der Unternehmensführung
4.1 Vom operativen zum strategischen Controlling
4.2 Controlling für KMU
5. Unternehmensorganisation als Voraussetzung und Rahmenbedingung für Führung und Management
5.1 Prinzipien und Einflussfaktoren der Organisationsgestaltung
5.2 Aufbauorganisation
5.2.1 Bildung von Organisationseinheiten
5.2.2 Organisationsformen
5.3 Ablauforganisation
5.3.1 Gliederung und Prinzipien
5.3.2 Darstellungsformen der Ablauforganisation
5.4 Prozessorganisation
5.5 Projektorganisation
5.6 Organisationsentwicklung
6. Managementsysteme und Managementtechniken
6.1 Managementsysteme
6.1.1 Risikomanagement
6.1.2 Qualitätsmanagement
6.1.3 Umweltmanagement
6.1.4 Change Management
6.2 Managementtechniken
7. Produktionsplanung und Steuerung
7.1 Aufgaben und Ziele
7.2 PPS- und ERP-Systeme
7.3 Auftragsorganisation
7.4 Zeitwirtschaft im Unternehmen
Die Autorin
Literaturverzeichnis
Stichwortverzeichnis
1. Theoretische Grundlagen der Unternehmensführung
Die Unternehmensführung steht immer stärker im Rampenlicht der Öffentlichkeit.
Ein Unternehmen zu führen bedeutet, alle Prozesse, die zur Leistungserstellung, zur Güterproduktion und zum Absatz dieser Güter und Leistungen erforderlich sind, zu steuern. Um diese Komplexität der Unternehmensführung zu verstehen, muss man sich zunächst mit Begriff, Gegenstand und Aufgaben der Unternehmensführung auseinandersetzen. Daher soll im Rahmen dieses Kapitels erläutert werden, welche Aufgaben Unternehmen und Unternehmensführung haben, auf welcher Basis Unternehmen ihre Ziele festlegen und welche Rahmenbedingungen zu beachten sind, um die Ziele in ihrer Gesamtheit zu erreichen.

Lernziele und Kompetenzen
Sie erwerben die Kompetenz,
• den Zusammenhang von Werten, Zielen und Rechtsform der Unternehmung zu erfassen und zu begründen,
• Aufgaben und Ziele von Unternehmen zu erarbeiten und zu bewerten und
• die Unternehmensführung als einen ganzheitlichen Prozess zu betrachten.
Handlungssituation

Handlungssituation (Fallbeispiel)
Horst Peters arbeitet seit seiner Berufsausbildung als Tischler vor sieben Jahren in der Möbeltischlerei Martin e. K. Es macht ihm Spaß, für Kunden individuelle Möbel zu entwerfen und zu bauen, und er würde gern mehr Verantwortung übernehmen. Deshalb absolviert er erfolgreich seine Ausbildung zum Meister und plant, seine eigene Tischlerei zu gründen.
Ausgerüstet mit diesem Wissen beobachtet er Marktentwicklung und Konkurrenzsituation genauer, um Zielgruppen und Leistungsangebot seines künftigen Unternehmens bestimmen zu können. Sein Ziel besteht darin, durch kreative Lösungen seinen Kunden spezifische, hochwertige Funktionsmöbel anzubieten.
Ausgehend davon entwirft er sein Unternehmenskonzept und will dafür seine Vision, das Leitbild und die langfristigen Zielstellungen formulieren, um danach die einzelnen Maßnahmen und Rahmenbedingungen für deren Erreichung abzuleiten und seine Führungsaufgaben als Meister zu bestimmen.
Situationsbezogene Fragen
• Welche Aspekte sollte das Unternehmensleitbild von Herrn Peters beinhalten?
• Welche strategischen Ziele schlagen Sie Herrn Peters vor?
• Welche Führungsaufgaben sollen im Unternehmen durch wen übernommen werden?
1.1 Aufgaben und Ziele
1.1.1 Aufgaben und Ziele von Unternehmen
Zunächst wird betrachtet, wodurch ein Unternehmen gekennzeichnet ist:
Sehr oft werden die beiden Begriffe Unternehmen und Betrieb dem Verständnis nach gleichgesetzt. Der „Handwerksbetrieb“ und das „Handwerksunternehmen“ sind durchaus zwei übliche und im allgemeinen Sprachgebrauch synonym verwendete Bezeichnungen. Dennoch sind unter betriebswirtschaftlichen Aspekten folgende Abgrenzungen zu beachten:
Betrieb
Der Betrieb ist gekennzeichnet durch
• die Kombination von Produktionsfaktoren zum Zweck der Erstellung neuer Güter oder Leistungen.
– volkswirtschaftlich: Boden, Arbeit und Kapital
– betriebswirtschaftlich: Betriebsmittel, Arbeit und Werkstoffe
• die Arbeit nach dem wirtschaftlichen oder Wirtschaftlichkeitsprinzip, was besagt, dass das Verhältnis von Aufwand und Ertrag optimal gestaltet werden soll. Es ist die Übertragung des Rationalitätsprinzips menschlichen Handelns auf die Wirtschaft und kann allgemein als sparsamer Umgang mit Ressourcen interpretiert werden.
• das Prinzip des finanziellen Gleichgewichtes.
Das Unternehmen muss in der Lage sein, seine Verbindlichkeiten in der geforderten Höhe termingemäß zu begleichen.
Unternehmen
Das Unternehmen hat zusätzlich die folgenden Merkmale:
• das Autonomieprinzip
Das Unternehmen ist in seiner Leistungs- und Wirtschaftsplanung eigenverantwortlich, selbstbestimmt und unabhängig von äußeren Eingriffen oder Vorgaben.
• das Prinzip der Alleinbestimmung
Entscheidungen im Unternehmen werden durch den Eigentümer der Produktionsmittel, d. h. durch den Eigenkapitalgeber, getroffen. Es wird deshalb auch als Prinzip der inneren Autonomie bezeichnet.
• die Arbeit nach dem erwerbswirtschaftlichen Prinzip Das Unternehmen strebt in seiner wirtschaftlichen Tätigkeit langfristig nach Gewinnmaximierung.
Merkmale von Unternehmen und Betrieb
Zusammenfassung
Der Betrieb ist eine technische, soziale, wirtschaftliche und umweltbezogene Einheit mit der Aufgabe der Bedarfsdeckung.
Das Unternehmen ist eine technische, soziale, wirtschaftliche und umweltbezogene Einheit mit der Aufgabe der Fremdbedarfsdeckung.
Diese ist verbunden mit Produktionsaufgaben und Wertschöpfung.
Beide treffen in der Regel selbstständige Entscheidungen und gehen Risiken ein.
Als Schlussfolgerung ergibt sich: Jedes Unternehmen ist ein Betrieb, aber nicht jeder Betrieb ist gleichzeitig ein Unternehmen.
Handlungssituation

Handlungssituation (Fallbeispiel)
Die Möbeltischlerei Meyer hat ihren Sitz in Zwickau und wird von Tischlermeister Manfred Meyer als Einzelunternehmen geführt. Seit acht Jahren fertigt die Tischlerei Möbel auf Kundenwunsch, von Einbauschränken bis zu kompletten Büroausstattungen. Die Unternehmensphilosophie beinhaltet eine intensive Zusammenarbeit mit dem Kunden sowie das Angebot von qualitativ hochwertigen Produkten.
Die Aufgabe des Unternehmens besteht in der Deckung des Bedarfs der Kunden an individuellen Möbeln.
Das Ziel des Unternehmens ist die Wirtschaftlichkeit der Produktion, gemessen an dem Verhältnis von Ertrag zu Aufwand.
Grundfunktionen des Unternehmens

Grundfunktionen des Unternehmens
Tischlermeister Meyer hat bei der Gründung seines Unternehmens vor acht Jahren Werkstatträume angemietet, in Maschinen investiert und zwei Gesellen eingestellt.
Material und Zubehör kauft er auftragsbezogen und verarbeitet es entsprechend der Kundenaufträge. Die fertigen Möbel verkauft er an die Kunden.
Gut läuft das Geschäft von Tischlermeister Meyer dann, wenn
• die Aufträge mehr Umsatzerlös bringen, als sie Kosten verursachen,
• der Zahlungseingang termingemäß erfolgt,
• kontinuierlich neue Aufträge erteilt werden.
1.1.2 Aufgaben und Ziele der Unternehmensführung
Begriff „Unternehmensführung“
Im ersten Abschnitt wurde herausgearbeitet, dass die Betriebswirtschaftslehre die Grundlage jeder Unternehmensführung ist. Jedes Unternehmen muss nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, also gewinnorientiert geführt, werden.
Unter Unternehmensführung wird folglich die zielorientierte Gestaltung, Steuerung und Entwicklung eines Unternehmens verstanden. Die Qualität der Unternehmensführung entscheidet maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg der künftigen Unternehmensentwicklung.
Daraus abgeleitet ergeben sich für die Unternehmensführung folgende Aufgaben:
• zielgerechtes Gestalten, Steuern und Entwickeln des Unternehmens mit Beantwortung der Frage, wie sich das Unternehmen erfolgreich am Markt positionieren soll,
• Schaffung von Planungs- und Kontrollmechanismen, d. h. Einzelpläne abstimmen, umsetzen und überwachen sowie die Einzelpläne zum Gesamtplan zusammenfassen,
• Schaffung adäquater Strukturen und Organisationsformen,
• Befähigung und Einbeziehung der Mitarbeiter bei der Realisierung der Planaufgaben,
• Realisierung der Interaktion zwischen Unternehmen und Umwelt.
Die im Folgenden vorgestellte Systematik der Funktionen orientiert sich am „Managementkreis“, den die Deutsche Managementgesellschaft als Darstellungsform entwickelt hat. Danach lässt sich der Führungsprozess grundsätzlich in folgende Führungsfunktionen gliedern:
Funktionen der Unternehmensführung
• Ziele setzen Jeder Führungsprozess, jede Führungsentscheidung wird nur so gut sein wie die Unternehmenspolitik insgesamt. Es ist unerlässlich, ausgehend von den Unternehmenszielen entsprechende Führungsziele zu bestimmen.
• Planen Planung ist die gedankliche Vorwegnahme von Entscheidungs- und Führungsprozessen. Ausgehend von den Zielen werden Handlungsalternativen gedanklich durchgespielt, auf Wirkungen und evtl. Hemmnisse geprüft. Diese „Planspiele“ sind die einzigmöglichen Experimente in der Unternehmensführung. Sie liefern Erkenntnisse über mögliche Wege und Ergebnisse.
• Entscheiden Sehr oft wird in der Wirtschaftspraxis Entscheidung als Synonym für Führung verwendet. Sie erscheint als die hauptsächlichste Führungsaufgabe. Allein eine Entscheidung macht jedoch noch keinen Führungsprozess aus.
• Realisieren Realisieren im allgemeinen Sprachgebrauch erfasst die eigentliche Durchführung von Maßnahmen oder Handlungen. Durchführung oder Ausführung bestimmter Arbeitsaufgaben gehört zum Produktionsfaktor menschliche Arbeit, wird aber gerade als Pendant zur führenden Tätigkeit gesehen. Realisieren als Führungsfunktion bezeichnet im Unterschied dazu die Fähigkeit, jemanden zur Ausführung zu veranlassen und die Ausführung zu organisieren.
• Kontrollieren Kontrollieren als Führungsaufgabe umfasst die Kontrolle der Realisierungsbedingungen ebenso wie die Kontrolle der Mittel, Methoden und Ergebnisse.
Diese einzelnen Führungsfunktionen können nur dann erfolgreich zu einem Prozess zusammengeführt und auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet werden, wenn die an Führung und Ausführung Beteiligten sich entsprechende Informationen übermitteln, miteinander kommunizieren.
Im Regelkreis der Führung werden diese Aufgaben zusammengefasst:

Regelkreis der Führung (nach der Deutschen Managementgesellschaft)
Regelkreis der Führung
Die Darstellung als Führungskreis soll vier Aspekte der Führung veranschaulichen:
1. Der Führungsprozess ist ein in sich geschlossenes System. Die einzelnen Phasen laufen nacheinander und parallel zueinander ab.
Wie die Produktions- und Leistungsprozesse sind auch dazugehörige Führungsprozesse durch Kontinuität und Wiederholbarkeit gekennzeichnet.
2. Der Führungsprozess ergibt sich aus der Aufeinanderfolge der Führungsfunktionen. Er kann auf unterschiedlichen Führungsebenen zeitlich unterschiedlich verlaufen.
3. Die kreisförmige Darstellung soll verdeutlichen, dass die Abfolge der Führungsfunktionen zwangsläufig ist. Ganz gleich, in welchem Führungssystem, auf welcher Führungsebene man sich bewegt, auf Zielsetzung folgt Planung usw. Damit wird allerdings nicht ausgeschlossen, dass in Einzelfällen auch das Überspringen einzelner Funktionen oder die Realisierung von Nebenfunktionen möglich sein kann.
4. Gleichzeitig macht die Kreisdarstellung deutlich, dass es sich bei der Unternehmensführung um einen dauerhaften, kontinuierlichen und in diesem Sinne unendlichen Prozess handelt. Sind gestellte Ziele erreicht, beginnt der Prozess für neue, erweiterte Zielstellungen erneut.
5. Die zentrale Anordnung der Kommunikation, ihre Berührung mit allen genannten Führungsfunktionen verdeutlicht, dass Kommunikation wesentliche Voraussetzung für einen erfolgreichen Führungsprozess darstellt. Sie begleitet den gesamten Prozess, ist Voraussetzung und gleichzeitig Realisierungsbedingung. Von der Qualität der Kommunikation hängt die Ausgestaltung, die Homogenität und Effizienz des Führungsprozesses ab.
1.2 Normativer Rahmen
Normative Unternehmensführung
Im Rahmen der normativen Unternehmensführung werden Entscheidungen zusammengefügt, die von den Trägern eines Unternehmens als Norm vorgegeben werden. Der normative Rahmen wird zur Orientierung in der Unternehmensumwelt benötigt, damit sich das Unternehmen ausrichten und entwickeln kann.
Deshalb steht am Beginn der Aufstellung des normativen Rahmens die Betrachtung der Unternehmensumwelt mit den entsprechenden Interessen- oder Anspruchsgruppen des Unternehmens.
Diese Anspruchsgruppen wollen durch die Gestaltung der Beziehung zum Unternehmen ihre Ziele verwirklichen. Je besser ihnen das gelingt, desto größer ist ihr persönlicher Nutzen, weshalb sie auch als Nutzergruppen bezeichnet werden. Für diesen Nutzen müssen sie auch einen eigenen Beitrag leisten. Je höher der mögliche Nutzen, desto größer auch die Leistungsbereitschaft und der Anreiz, die Beziehung zum Unternehmen aufrechtzuerhalten.
Stakeholder
Jede dieser Gruppen hat unterschiedliche Ansprüche an das Unternehmen. Der Stakeholder-Value-Ansatz berücksichtigt die Interessen aller am Unternehmen beteiligten Interessensgruppen, der Stakeholder, und versucht diese aufeinander abzustimmen.
Shareholder
Einen anderen Ansatz stellt der Shareholder Value dar. Hierbei strebt das Unternehmen danach, den Wert des Eigenkapitals, den Shareholder Value, zu erhöhen, um so den Ertrag und damit die Rendite der Eigentümer oder Anteilseigner zu steigern.
Zu den internen Anspruchsgruppen gehören die Mitarbeiter und die Kapitalgeber/ Anteilseigner. Bei Unternehmen, die nicht von den Inhabern selbst geführt werden, gehört auch das Management zu dieser Kerngruppe.
Kunden, Kreditgeber, Lieferanten, Wettbewerber und Staat i. S. d. Gesetzgebers gehören zu den direkten externen Anspruchsgruppen.
Die durch gewählte Organe betriebene (staatliche) Politik ist den indirekten externen Nutzergruppen zuzuordnen.
Die folgende Abbildung konzentriert sich dabei auf die internen sowie die direkten und indirekten externen Nutzergruppen. Auf eine Einbeziehung weiterer Anspruchsgruppen, wie z. B. Medien, Religionsgemeinschaften, Bürgerinitiativen u. Ä., wird zugunsten der Übersichtlichkeit verzichtet.

Beziehungsnetzwerk des Unternehmens
Zentrale Aufgabe ist es, in diesem Rahmen das Selbstverständnis des Unternehmens zu definieren, das seinen Ausdruck in der Vision, Mission und den Unternehmenszielen findet. Weitere Aufgaben sind die Gestaltung der Unternehmensverfassung und der Unternehmenskultur.
1.2.1 Werte
Werte
Ein wichtiges Instrument der Unternehmensführung sind Werte. Sie liefern grundlegende Orientierungen für Entscheidungs- und Gestaltungsprozesse.
Eine Wertedefinition nach Brockhaus lautet: „Werte sind Eigenschaften von Dingen und Sachverhalten, die zum Ziel menschlichen Strebens werden können.“ 1 Nach Kant sind Werte „spezifische Beschaffenheiten, die zur Hochschätzung würdig machen; spezifische positive Qualitäten, die Norm- und Soll-Charakter haben.“ 2
Bezogen auf Unternehmenswerte bedeutet das: Die jeweilige Vorstellung über Werte, Normen und Regeln des Zusammenwirkens des Unternehmens mit den externen Anspruchsgruppen einerseits und den internen Anspruchsgruppen andererseits ist entscheidend für die Art und Weise, wie das Unternehmen seinen Geschäftszweck erfüllt. Ihren Ausdruck finden diese Werte in der Unternehmensphilosophie.
Unternehmensphilosophie
„Die Unternehmensphilosophie ist die Gesamtheit der angestrebten Werte und Normen. Sie ist die Grundlage für qualitative Ziele und das gedankliche Prinzip für die Gestaltung der Handlungen der im Unternehmen tätigen Menschen nach innen und außen.“ 3
Im Zusammenhang mit der Erarbeitung ethischer Grundlagen des unternehmerischen Handelns wurde die Wertediskussion in den vergangenen Jahren intensiviert. Maßgeblich dafür war auch der sogenannte Wertewandel, der die Veränderung von individuellen wie gesellschaftlichen Werten und Normen beinhaltet. Durch zunehmenden Wohlstand und wachsendes Anspruchs- und Bildungsniveau hat sich das Gewicht der Bedürfnisse verändert.
Ursachen für den Wertewandel
Weitere Ursachen für den Wertewandel in der Arbeitswelt sind u. a.:
• technologische Entwicklungen
– ein technischer Vorteil allein ist keine Voraussetzung für einen Wettbewerbsvorteil
– in neuester Zeit gilt Humankapital als die beste Voraussetzung für Erfolg
• ökologische Herausforderungen
– Ökologie umfasst nicht nur die Umweltverschmutzung, sondern auch die ökologische Produktion, d. h. im weiteren Sinne den sparsamen und sorgsamen Umgang mit Ressourcen
– Ökologie schließt Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität ein
• demografische Entwicklung
– die Bevölkerung in den entwickelten Industrieländern nimmt zahlenmäßig ab
– das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigt
– Wanderungsbewegungen verstärken die daraus resultierenden Tendenzen, wie z.B. Fachkräftemangel
• Globalisierung
– bedeutet Wanderung von Kapital und Arbeitskräften
– Internationalisierung von Faktor- und Gütermärkten
– Sprachkenntnisse und Auslandserfahrungen gewinnen am Arbeitsplatz an Bedeutung
– in den Unternehmen arbeiten zunehmend interkulturelle Belegschaften
• Dynamik in Segmenten
– Beispiel: IT-Branche, deren rasche Veränderung sowohl Organisationen als auch Arbeitsprozesse nachhaltig verändert
– Visionen der Zukunft:
– Verzicht auf jegliche Anwesenheitspflicht, Arbeitszeit sollte sich nach dem Arbeitsanfall regeln
– Beteiligung der Arbeitnehmer am Unternehmenserfolg (völlige Flexibilisierung von Arbeitszeit und Entlohnung)
Die Wertediskussion impliziert die Erkenntnis, dass Menschen sich nicht nur nach äußeren Normen richten, sondern dass ihr Handeln maßgeblich von ihrer inneren Wertestruktur, ihren Überzeugungen und Moralauffassungen geprägt ist.
Das Erkennen dieser Werte, ihre Ausprägung sowie die bewusste Nutzung für die Steigerung von Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft stellen wesentliche Erfolgsfaktoren für die Unternehmen dar.
In der Konsequenz findet man zunehmend auch bei Klein- und mittelständischen Unternehmen eine ausformulierte Unternehmensphilosophie.
Beispiel
Beispiel: Heizung Lüftung Klima GmbH 4
„Unsere Leistung für Ihr Vertrauen“
Als qualitätsorientiertes Handwerksunternehmen streben wir täglich nach dem Ziel, individuelle Lösungen für die Aufgaben unserer Kunden zu entwickeln. Ihre persönlichen Bedürfnisse und Wünsche setzen den Rahmen für unser Handeln, nachhaltiger Nutzen ist der Antrieb unseres Tuns. Und das, was wir tun, tun wir stets mit Freude.
Mit unseren eigenen Ressourcen – Zeit, Energie, Kraft – und denen der Umwelt gehen wir zum Wohle der Gesellschaft schonend um, den Einsatz kalkulieren wir stets mit dem Blick auf das Gesamtwerk.
Jeder, der mit uns arbeitet – ob Kunde, Lieferant oder der eigene Mitarbeiter –, kann einen ehrlichen und fairen Umgang erwarten. Mit Respekt treten wir einander gegenüber und sind für das geschenkte Vertrauen in unsere Leistungen dankbar.
Stolz macht uns unsere ständige Weiterentwicklung in allen Bereichen: Als aktive Gestalter unserer Umwelt erreichen wir durch die stetige kritische Durchleuchtung unseres Tuns kontinuierliche Verbesserung. Unsere Leistungen zeichnen sich durch enormen Einsatz und ganzheitliche Planung aus. So können wir behaupten: ‚Wir schaffen das!‘“
Die Unternehmensphilosophie unseres Beispielunternehmens, der Möbeltischlerei Meyer, beinhaltet eine intensive Zusammenarbeit mit dem Kunden sowie das Angebot von qualitativ hochwertigen Produkten.
Situationsbezogene Aufgabe
Ergänzen Sie diese Unternehmensphilosophie, z. B. durch Anforderungen an die Art und Weise des Zusammenarbeitens mit Kunden und Lieferanten, durch Führungsgrundsätze und die Positionierung der Tischlerei in ihrem Umfeld!
1.2.2 Ziele
Führungsentscheidungen
Führungsentscheidungen im Sinne des Regelkreises der Führung setzen ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Sachkenntnis und Entscheidungsbefugnis voraus. Sie sind als richtungweisende ganzheitliche Entscheidungen existenziell für das langfristige Bestehen von Unternehmen am Markt. Aus diesem Grund können Führungsentscheidungen auch nur unter Kenntnis und Berücksichtigung der komplexen Zusammenhänge sowohl der Geschäftsprozesse im Unternehmen selbst als auch der Wechselbeziehungen zwischen Unternehmen und Umfeld getroffen werden. Sie setzen folglich das umfassende Verständnis der Gesamtzusammenhänge voraus.
Prinzipielles Ziel von Führungsentscheidungen ist die Sicherung der Existenz und die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens.
Jedoch gibt es für jede einzelne Führungsentscheidung separate Zielstellungen in Abhängigkeit vom jeweiligen Funktionsbereich, von der Hierarchieebene und vom Zeithorizont. Ausgehend von der Begriffsbestimmung soll deshalb im Folgenden das betriebliche Zielsystem untersucht werden.
Ziel: Definition und Merkmale
Ziel ist zunächst Ausdruck für einen in Zukunft angestrebten Zustand oder einen Entwicklungsprozess bzw. eine generelle Verhaltensvorschrift. Spezifiziert für Unternehmensziele definiert das Gabler Wirtschaftslexikon:
„Ein wirtschaftliches Ziel ist ein festgelegter wirtschaftspolitischer oder unternehmensrelevanter Sollzustand, z. B. Vollbeschäftigung, Preisniveaustabilität oder eine bestimmte Absatzmenge, ein Qualitätsstandard in der Produktion, eine Senkung der Personalfluktuation oder Fehlzeiten.“ 5
Merkmale von Zielen
Ein Ziel ist durch folgende Merkmale charakterisiert:

Merkmale von Zielen
Die Klassifizierung der Unternehmensziele resultiert aus dem Spannungsdreieck der Leistungserstellung:

Spannungsdreieck der Leistungserstellung
Die aufgeführten Zielstellungen stehen teilweise zueinander im Widerspruch, d. h. die Erfüllung eines Ziels behindert die Erfüllung des anderen Ziels. Beispielsweise sind mit der humanen Gestaltung der Arbeitsbedingungen häufig zusätzliche Kosten verbunden. Aus der Verbesserung der Arbeitsbedingungen erwächst aber zumindest kurzfristig kein höheres Ergebnis, sodass sich die Wirtschaftlichkeit verschlechtert. Deshalb kann es bei den Entscheidungen in der Unternehmensführung stets nur um den Interessenausgleich, d. h. die Optimierung zwischen den unterschiedlichen Zielen, gehen.
Zielarten
Je nachdem, unter welchem Aspekt Ziele betrachtet werden, können folgende Zielarten unterschieden werden:
1. nach dem Inhalt
| • Erfolgs- oder auch Formalziele | generelle wirtschaftliche Ziele wie z. B. Gewinnmaximierung und Liquiditätssicherung |
| • Sachziele | Produkt- und Dienstleistungsziele wie z. B. Produktneuentwicklungen oder Produktvariationen |
| • Wertziele | Ergebnisziele, Umsatzziele, Liquiditätsziele wie Umsatz, Umsatzsteigerung, Liquidität 1., 2. oder 3. Grades |
| • Sozialziele | Verhaltensziele gegenüber Mitarbeitern, Kapitalgebern, Marktpartnern, Öffentlichkeit und sonstiger Umwelt wie z. B. Arbeitsplatzsicherung, Mitbestimmung, menschengerechte Gestaltung der Arbeitsplätze |
| • Umweltziele | Verhaltensziele gegenüber der natürlichen Umwelt, z. B. Erhaltung der natürlichen Umwelt, sparsamer Umgang mit Rohstoffen und Materialien, geschlossene Stoffkreisläufe |
2. nach der Quantifizierbarkeit
| • quantifizierbare Ziele | Ziele, die mit konkreten zahlenmäßigen Werten verbunden werden |
| • absolute Ziele | z. B. Umsatzsteigerung oder Kostensenkung um 10 % |
| • relative Ziele | z. B. Verbesserung der Wirtschaftlichkeit, Erhöhung der Rentabilität oder des relativen Marktanteils oder Verringerung des Fremdkapitalanteils |
| • nicht quantifizierbare Ziele | Ziele, die nur verbal beschrieben bzw. in ihrer Qualität beurteilt werden können, z. B. Verbesserung des Mitarbeiterverhaltens oder Verbesserung des Firmenimages; Erhöhung der Kundenbindung u. Ä. Dafür sind Bewertungskriterien oder/und Bewertungsskalen erforderlich. |
3. nach dem Zeithorizont
| • Zeitpunktziele | Ziele, die zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht werden sollen, z. B. am Ende des Geschäftsjahres oder am 1.1.2015 |
| • Zeitraumziele | Ziele, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums erreicht werden sollen, z. B. innerhalb des nächsten Quartals oder im nächsten Geschäftsjahr oder in der Abrechnungsperiode vom 1.1. bis 31.12.2015 |
| • Fristigkeit | |
| – kurzfristige/ operative Ziele | Ziele, die in einem Zeitraum bis zu einem Jahr erreicht werden sollen, z. B. Festlegung von Maßnahmen und Instrumenten zur Erreichung mittel- und langfristiger Ziele |
| – mittelfristige/ taktische Ziele | Ziele, die in einem Zeitraum zwischen einem und drei bzw. fünf Jahren erreicht werden sollen, sie stellen das Bindeglied zwischen kurz- und langfristigen Zielen dar und markieren Etappenziele auf dem Weg zur Erfüllung langfristiger Ziele |
| – langfristige/ strategische Ziele | Ziele, die in einem Zeitraum über drei bzw. fünf Jahren erreicht werden sollen, z. B. Festlegung von Rahmenzielen wie Unternehmens- und Wettbewerbsstrategien |
4. nach dem Zielausmaß
| • Punktziele | Ziel wird exakt (auf den Punkt) in wertmäßiger Form vorgegeben, z. B. Umsatzsteigerung um 100 Tsd. Euro oder um 10 % |
| • Intervallziele | Festlegung eines Zielkorridors, z. B. Umsatzsteigerung zwischen 7 % und 10 % oder Kostensenkung um 3 % bis 5 % oder Realisierung eines Gewinns zwischen 100 und 200 Tsd. Euro |
| • relative Ziele | Ziele in Beziehung zu anderen vergleichbaren Organisationen, z. B. 3 % höhere Umsatzsteigerung als der Hauptwettbewerber oder 5 % höhere Kostensenkung als die Niederlassung |
| • Extremalziele | unbegrenzte Ziele, z. B. Gewinnmaximierung oder Kostenminimierung |
5. nach der Rangordnung
| • Oberziele | Ziele, die sich auf das gesamte Unternehmen beziehen. Sie sind nie unmittelbar und werden nicht mit einer Maßgröße angegeben, dienen jedoch als Vorgabe für nachgeordnete Unternehmensbereiche, z. B. langfristige Gewinnmaximierung. |
| • Zwischenziele | Ziele, die in engem Zusammenhang zum eigentlich angestrebten Ziel stehen. Das sind Teilziele oder Abschnittsziele auf dem Weg zur Zielerreichung, z. B. Kostenminimierung bei Sicherung der Qualität. |
| • Unterziele | Zielstellungen, die mit konkreten Maßnahmen verbunden sind und der Erreichung der Zwischenziele dienen, z. B. Produktivitätssteigerung um 10% durch Umorganisation des Fertigungsprozesses. |
Ziele und Zielerreichung sind ein Maßstab für die Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Deshalb ist die Zielformulierung eine Grundaufgabe der Unternehmensführung.
Dabei sind die Rangfolge und die Beziehungen der einzelnen Ziele zueinander von ausschlaggebender Bedeutung. Wie bereits beim Spannungsdreieck der Leistungserstellung angemerkt, können nicht alle Ziele gleichzeitig oder gleichermaßen erfüllt werden.
Zielhierarchie
Betrachtet wird deshalb im Folgenden zunächst die Rangfolge der Ziele, auch Zielhierarchie oder Zielpyramide genannt.
Zielpyramide

Zielpyramide
Eine Vision (lat. Erscheinung) beschreibt die Idealvorstellung des Unternehmens in weiterer Zukunft. Die unternehmerische Vision ist bedeutsam für die Entwicklung und den Fortbestand des Unternehmens, denn Visionen entwickeln zu können heißt, der Unternehmer hat Vorstellungen, wie er das Unternehmen an sich verändernde Märkte und Kundenwünsche anpassen kann, welche Entwicklungsrichtungen und Innovationen er künftig realisieren will, und er hat vor allem den Willen und die Überzeugung, das Unternehmen langfristig am Markt zu platzieren.
Eine der bekanntesten Visionen beschreibt Antoine de Saint-Exupéry in „Der kleine Prinz“: „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht die Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer …“
Damit sind gleichzeitig die Funktionen der Vision umschrieben. Sie gibt Orientierung, setzt Kräfte frei, ist die Basis für Zielsetzungen und wird somit zur realistischen Basis für existenz- und erfolgsicherndes Handeln sowohl des Unternehmers als auch der Mitarbeiter.
Sie ist Grundlage der Strategischen Unternehmensführung. Aus ihr werden die langfristigen Unternehmensziele abgeleitet
Vision
„Damit ist eine Vision eine ganz konkrete, bildhafte Vorstellung, die, entsprechend begreifbar und populär gemacht, Engagement und Motivation erzeugen kann. Als Basis unternehmerischer Veränderungsprozesse, wie z. B. bei Fusionen, Globalisierung, B2B-Commerce oder Netzwerkprojekten, kann die Vision den kreativen, intuitiven und innovativen betrieblichen Aufschwung und damit Aufbruch verkrusteter Strukturen und des sogenannten ‚Bewahrungsmanagements‘ bedeuten.“ 6
Leitbild
Vision, Mission und die Wertevorstellungen des Unternehmens ergeben zusammengefasst das Leitbild des Unternehmens. Dieses Leitbild definiert das Selbstverständnis des Unternehmens, begründet den Geschäftszweck und seine Professionalität und dokumentiert gleichzeitig, wie es die Interessen der direkten internen und externen Anspruchsgruppen verwirklichen will.
Die Beantwortung der folgenden exemplarischen Fragen hilft Ihnen bei der Erarbeitung Ihres Firmenleitbildes.

Elemente des Unternehmensleitbildes
Situationsbezogene Aufgabe
Erstellen Sie ein Leitbild für Ihr Unternehmen. Beantworten Sie dafür die folgenden Fragestellungen:
• Was würden Ihre Kunden sagen, was das Besondere an Ihrem Unternehmen ist, wodurch es sich wesentlich von vergleichbaren Unternehmen unterscheidet?
• Was glauben Sie bzw. Ihre Mitarbeiter, wozu Ihre Arbeit gut ist, welchen Nutzen sie stiftet?
• Wie beschreiben Mitarbeiter und Kunden die Atmosphäre in Ihren Geschäftsräumen bzw. an Ihren Auftragsorten?
• Was ist Ihnen im Umgang mit Kunden und Mitarbeitern besonders wichtig?
Beispiel
Beispiel: Tischlerei Dorner GmbH 7
• Zufriedene Kunden: Zufriedene Kunden sind das größte Kapital. Darum ist es uns wichtig, sich in den Kunden hineinzuversetzen, um aus seiner Sicht die Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen. Denn nur wenn der Kunde wiederkommt und nicht die Ware, können wir zufrieden sein.
• Motivierte Mitarbeiter: Nur mit motivierten und gut geschulten Mitarbeitern ist es möglich, den organisatorisch einwandfreien Ablauf in einem Betrieb aufrechtzuerhalten. Daher ist darauf zu achten, das Personal regelmäßig aus- und weiterzubilden. Für ein gutes Betriebsklima ist es zudem wichtig, sich von Zeit zu Zeit zusammenzusetzen, um eventuelle Wünsche, Anregungen oder neue Ideen zu besprechen.
• Hochwertige Produktpalette: Qualitativ hochwertige Produkte sind das A und O für einen kleineren Gewerbebetrieb. Nur so sind wir sicher, auch auf lange Sicht im hart umkämpften Wettbewerb bestehen zu können und unsere Produkte an den Mann zu bringen.
• Qualität: Um qualitativ einwandfreie Produkte gewährleisten zu können, ist es wichtig, auch einwandfreies Rohmaterial und Zusatzprodukte einzukaufen. Dabei ist nicht nur einwandfreie Ware oder der Preis von größter Wichtigkeit, sondern es sollten auch Lieferzeit, Konditionen und das Vertrauen zum Lieferanten selbst in Betracht gezogen werden. Daher ist es von großem Vorteil, nach den bestmöglichen Lieferanten auf dem Markt Ausschau zu halten und diese auszuwerten.
Die einzelnen Ziele stehen zueinander in Beziehung. Von diesen Beziehungen hängt es ab, in welchem Maße und auch mit welchem Aufwand die einzelnen Ziele erreicht werden können.
Zielbeziehungen
Zu unterscheiden sind die folgenden Zielbeziehungen:
| • Antinomie: | Die Ziele sind unvereinbar. Das Erreichen von Ziel 1 schließt Erreichen von Ziel 2 aus und umgekehrt. | |
| Beispiel: | Das Unternehmen will die Produktionskapazitäten besser auslasten und ordnet dafür Mehrarbeit an. Gleichzeitig wurde in der Personalabteilung beschlossen, Überstunden zu reduzieren. | |
| • Konflikt: | Die Ziele stehen zueinander im Widerspruch. Erreichen von Ziel 1 behindert Erreichen von Ziel 2 und umgekehrt. | |
| Beispiel: | Die Mitarbeiterzufriedenheit soll durch Lohnerhöhung verbessert werden, gleichzeitig sollen die Personalkosten verringert werden. | |
| • Indifferenz: | Die Ziele sind völlig unabhängig voneinander. Man spricht deshalb auch von neutralen Zielbeziehungen. Erreichen von Ziel 1 ist unabhängig vom Erreichen von Ziel 2. | |
| Beispiel: | Beschleunigung der Produktentwicklung Kostenreduzierung in der Buchhaltung | |
| Dieser Zustand ist in der Praxis nur selten anzutreffen. | ||
| • Komplementarität: | Die Ziele unterstützen sich gegenseitig, man spricht von Zielharmonie. Erreichen von Ziel 1 fördert Erreichen von Ziel 2. | |
| Beispiel: | Die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens soll verbessert werden. Dabei wird Gewinnmaximierung angestrebt. | |
| • Identität: | Erreichen von Ziel 1 bedeutet Erreichen von Ziel 2. | |
| Beispiel: | Verkürzung der Durchlaufzeit als Ziel 1 und Reduzierung der Liegezeiten als Ziel 2. | |
Betriebswirtschaftliche Ziele
Bereits hier sei auf typische betriebswirtschaftliche Ziele verwiesen, die Sie in Ihrer Unternehmensplanung und -führung vorrangig berücksichtigen müssen.
| • Gewinn | = | Ertrag ./. Aufwand (= Jahresüberschuss) |
| • Rentabilität | = | Gewinn durch Kapitaleinsatz oder |
| = | Gewinn durch Umsatz (= kapitalmäßiger Wirkungsgrad der betrieblichen Faktorkombinationen) | |
| • Cash Flow | = | Einzahlungen./.Auszahlungen(= Zahlungsmittelüberschuss) |
| = | Innenfinanzierungskraft der Unternehmung | |
| • Shareholder Value | = | Marktwert der Unternehmung |
| • Umsatz | = | mit Verkaufspreisen bewertete Absatzmengen |
| • Produktivität | = | Output durch Input(= mengenmäßige Ergiebigkeit der betrieblichen Faktorkombination) |
| • Wirtschaftlichkeit | = | Ertrag durch Aufwand(= wertmäßige Ergiebigkeit der betrieblichen Faktorkombinationen) |
Zielbildung und Funktion von Zielen
Die Zielbildung gehört zu den wichtigsten Elementen der Unternehmensführung. Die Phasen der Zielbildung können wiederum aus dem Regelkreis der Führung abgeleitet werden.
Zielbildung: Prozess
Der Prozess beginnt mit der Zielsuche: In der Regel gibt es dafür einen Auslöser, z. B. die wirtschaftliche Situation des Unternehmens, mögliche Marktveränderungen wie veränderte Kundenwünsche, eine veränderte Wettbewerbsstruktur oder auch Veränderungen in der Gesetzgebung.
Die Zielsuche beginnt mit einer Beschreibung und Bewertung des Ist-Zustandes, aus dem der Veränderungsbedarf abgeleitet wird. Für eine erfolgreiche Zielsuche werden Kreativitätstechniken eingesetzt (Mindmapping, Brainstorming/Ideenkonferenz).
Im nächsten Schritt erfolgt die Zielabstimmung: Hierbei werden die Beziehungen zwischen den Zielen analysiert. Diese Wechselbeziehungen werden berücksichtigt, um zum einen Synergieeffekte zu erzielen und zum anderen widersprüchliches Handeln zu vermeiden.
Darüber hinaus wird eine Zielordnung festgelegt. Um die Beziehungen zwischen den Zielen festlegen und lenken zu können, werden unterschiedliche Themenbereiche gebildet, die in der Regel den Abteilungen oder Funktionsbereichen des Unternehmens entsprechen.
Zum Beispiel sind an der Zielstellung „Verbesserung des Bekanntheitsgrades“ die Bereiche Marketing und Kunden beteiligt.
In der Phase der Zielentscheidung werden die formulierten Ziele konkret untermauert und operationalisiert. Unter Berücksichtigung der verfügbaren Ressourcen wird die Realisierbarkeit geprüft.
Im Ergebnis entstehen eine Rangfolge oder/und eine zeitliche Aufeinanderfolge der jeweiligen Ziele.
Danach folgt die Zielformulierung. Hier werden mit den Führungskräften aller beteiligten Bereiche und Ebenen Ziele und Teilziele verbindlich formuliert und festgelegt sowie Maßnahmen und Handlungsanweisungen zur Zielerreichung für die einzelnen Bereiche, Geschäftsfelder und Mitarbeiter festgelegt und dokumentiert.
Es folgt die Realisierung, auch Zieldurchsetzung genannt. Hier gilt es, die erforderlichen Ressourcen bereitzustellen – finanzielle Mittel, Zeitbudgets, Sachmittel und Mitarbeiter – und Verantwortlichkeiten für Überwachung und Optimierung des Realisierungsprozesses festzulegen.
Den Abschluss bildet die Zielkontrolle: Anhand vorher festgelegter Kriterien und Maßstäbe wird der Zielerreichungsgrad bestimmt. Die Zielkontrolle schließt aber ebenso die Ursachenanalyse für Abweichungen – negative wie positive – ein, um die Ressourcennutzung beurteilen zu können und evtl. Unter- oder Überkapazitäten zu beseitigen oder die Ressourcenqualität im Sinne der Zielerreichung zu verbessern.
Letztendlich gibt diese Zielkontrolle auch Auskunft darüber, inwieweit die richtigen Ziele gesetzt wurden. In Auswertung des Zielbildungsprozesses beginnt der Regelkreis der Führung von Neuem.
Mögliche Methoden zur Durchführung des Zielbildungsprozesses sind die Balanced Scorecard und die Szenariotechnik, die im Abschnitt Controlling näher erläutert werden.
Zielbildung als Grundlage der Unternehmensführung
Die Zielbildung im Unternehmen ist die wesentliche Grundlage für das unternehmenspolitische Führungssystem. Die formulierten Ziele sollen sowohl den Führungskräften als auch den Mitarbeitern eine Orientierung geben und sie zur optimalen Zielerfüllung motivieren und somit die langfristige Etablierung des Unternehmens am Markt sichern.
Damit Ziele diese Funktion erfüllen können, müssen sie folgenden Ansprüchen genügen. Ziele müssen nach der „SMART-Formel“ sein:
| S | spezifisch: Ziele sollen konkret, präzise und eindeutig formuliert werden. Leichte und verständliche Formulierung des angestrebten Zustandes. |
| M | messbar: Ziele sollen messbar sein. Definierte quantitative und qualitative Kriterien ermöglichen die Beurteilung des Zielerreichungsgrades. |
| A | anspruchsvoll: Ziele sollen Anstrengungen erfordern. akzeptiert: Ziele sollen von Führungskräften und Mitarbeitern anerkannt werden. aktionsorientiert: Ziele sollen positive Veränderungen aufzeigen. |
| R | realistisch: Ziele sollen zwar hoch gesteckt, herausfordernd, dennoch aber erreichbar sein. |
| T | terminiert: Ziele sollen einen festen Endzeitpunkt haben, d. h. es sollen Termine festgelegt werden, zu denen das jeweilige Ziel erreicht sein soll. |
Situationsbezogene Aufgabe
Bestimmen Sie je ein lang- und ein kurzfristiges Ziel für die weitere Entwicklung Ihres Unternehmens. Nehmen Sie dabei Bezug auf die oben genannte SMART-Formel.
Funktion der Zielbildung
Zusammenfassung
Unternehmensziele bilden die Grundlage und Voraussetzung für künftige Handlungs- und Erfolgskompetenzen. Die Zielbildung ist der erste Schritt des Regelkreises der Führung mit den Phasen Planung, Steuerung und Kontrolle im Unternehmen.
1.2.3 Verfassung
Eine weitere wichtige Aufgabe der normativen Unternehmensführung ist die Gestaltung der Unternehmensverfassung. Mit ihr wird das in den Unternehmenszielen und der Vision formulierte Selbstverständnis des Unternehmens abgesichert.
Unternehmensverfassung
Die Unternehmensverfassung enthält alle konstitutiven und langfristig angelegten rechtlichen Regelungen zur Steuerung der Unternehmungsaktivitäten im Hinblick auf verschiedene Interessen.
Bei der Festlegung ihrer Verfassung verfügen die Unternehmen über einen Gestaltungsspielraum:
Die Unternehmensverfassung basiert nämlich nur teilweise auf gesetzlichen Vorgaben, wie etwa dem Gesellschafts-, Arbeits-, Mitbestimmungs-, Wettbewerbs-, Kapitalmarkt- und Verbraucherschutzrecht.
Darüber hinaus beruht sie zu wesentlichen Teilen auf kollektivvertraglichen Vereinbarungen wie Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen und vor allem auf privatrechtlichen Vereinbarungen zwischen den Unternehmensträgern, die in Form von Gesellschaftsverträgen, Satzungen, Geschäftsordnungen oder Unternehmensverträgen niedergelegt sind.8
Zu den grundlegenden Elementen der Unternehmensverfassung gehören demnach:
• gesetzliche Regelungen
– Arbeitsrecht
– Gesellschaftsrecht, Mitbestimmungsrecht, Wettbewerbsrecht
– Kapitalmarktrecht, Verbraucherschutzrecht
• kollektive vertragliche Vereinbarungen
– Tarifverträge
– Betriebsvereinbarungen
• privatautonome Satzungen
– Geschäftsverträge
– Geschäftsordnungen
Grundsätzlich kann man zwischen einer Außen- und einer Innenverfassung unterscheiden – je nachdem, Interessen welcher Gruppen wie in die Entscheidungsprozesse des Unternehmens einfließen sollen.
Die Innenverfassung
• regelt den Einfluss auf die Entscheidungsmacht im Unternehmen und
• regelt die interne, formale Machtverteilung zwischen den entscheidungsbefugten Interessengruppen.
Die Außenverfassung
• schützt mit externen, ansetzenden Regelungen die sonstigen verfassungsrelevanten Interessen der Nutzergruppen, die im Unternehmen nicht entscheidungsbefugt sind.
Grundlegende Merkmale und Unterschiede der Unternehmensverfassung lassen sich durch Beantwortung der folgenden beiden Fragen erkennen.
| 1. Grundfrage: | Welche Interessengruppen sollen die Zielsetzung und Politik des Unternehmens bestimmen? |
| 2. Grundfrage: | Wie ist die formale Entscheidungsstruktur des Unternehmens interessenkonform zu gestalten? |
Je nach Beantwortung
• bestimmt die Unternehmensverfassung den Unternehmenszweck.
• regelt sie Größe und Einfluss von Interessengruppen auf Zielsetzung und Politik des Unternehmens.
• erfolgt die Normierung der Entscheidungspartizipation als notwendige Voraussetzung für Berücksichtigung der Interessenunterschiede.
• erfolgt die Festlegung von Rechten und Pflichten der Unternehmensmitglieder.
• regelt sie den Zugang der Interessengruppen zu Leitungs- und Kontrollorganen auf Basis des Gesellschafts- und Mitbestimmungsrechtes.
• ist die Unternehmensverfassung strukturgebend, weil sie die Bildung von Organen für Grundsatzentscheidungen veranlasst und deren Entscheidungsbefugnisse festlegt.
• regelt die Unternehmensverfassung das gemeinsame Handeln von Individuen im Unternehmen für die Entscheidungs- und Konsensbildung in Konfliktfällen.
Wesentlich für die Gestaltung der Unternehmensverfassung sind die Interessen der externen und internen Nutzergruppen, da sowohl ihre individuellen Zielstellungen als auch ihr Zusammenwirken mit der Verfassung des Unternehmens geregelt werden.
Die folgende tabellarische Darstellung gibt einen Überblick über die jeweiligen Interessenlagen der externen und internen Nutzergruppen/Koalitionspartner.
Interessen der Nutzergruppen
| Koalitionspartner | Typische Interessen |
| • Top-Management | Einfluss auf das Unternehmen und seine Umwelt (Macht); Prestige: hohes Einkommen; Verwirklichung schöpferischer Ideen |
| • Bereichsleitung/ Spezialisten | Einfluss auf den eigenen und andere Unternehmensbereiche sowie das Top-Management; Anwendung und Erweiterung professioneller Kenntnisse und Fähigkeiten; Prestige: hohes Einkommen |
| • Übrige Mitarbeiter | hohes Einkommen; soziale Sicherheit; Selbstentfaltung am Arbeitsplatz; zufriedenstellende Arbeitsbedingungen und zwischenmenschliche Beziehungen |
| • Eigenkapitalgeber | hohe Gewinnausschüttung; Teilnahme an Wertsteigerung durch Kursentwicklung und günstige Angebote bei Kapitalerhöhungen; Einfluss auf das Top-Management |
| • Fremdkapitalgeber (Gläubiger) | hohe Verzinsung; pünktliche Rückzahlung und Sicherheit des zur Verfügung gestellten Kapitals |
| • Lieferanten | günstige Lieferkonditionen; Zahlungsfähigkeit; anhaltende Liefermöglichkeiten |
| • Kunden | qualitativ hochstehende Leistungen zu günstigen Preisen; Nebenleistungen wie Konsumentenkredite, Service, Ersatzteile oder Beratung; gesicherte Versorgung |
| • Kommunalbehörden | Bereitstellung von Arbeitsplätzen; Beiträge zur Infrastruktur und zu Kultur- und Bildungsinstitutionen |
| • Staat | Einhaltung gesetzlicher Vorschriften; hohes Exportniveau; Steuereinnahmen |
| • Gewerkschaften | Anerkennung der Gewerkschaftsvertreter als Verhandlungspartner, Verhandlungsfairness; Möglichkeit, Gewerkschaftsanliegen im Unternehmen zu artikulieren und Mitglieder zu werben |
| • Arbeitgeber- verbände | Ausrichtung unternehmerischer Entscheidungen an eigenen Interessen; Beitragszahlung |
Interessen externer und interner Nutzergruppen
(Quelle: Macharzina/Wolf: Unternehmensführung: Das internationale Managementwissen –Konzepte, Methoden, Praxis; Springer 2008, S. 13)
Zentrales Kriterium der Unternehmensverfassung sind die Verfügungsrechte der unterschiedlichen Interessengruppen. Deshalb folgt eine Kurzübersicht dieser Verfügungsrechte in Abhängigkeit von der jeweiligen Rechtsform des Unternehmens.
| Rechtsform des Unternehmens | Verfügungsrecht | Beispiele |
| (Klassische) Einzelunternehmung | alle Verfügungsrechte in der Hand des Unternehmers | e. Kfm. |
| Publikumsgesellschaft | Trennung zwischen Eigentum und Verfügungsmacht, dadurch Einschränkung der Verfügungsrechte des Unternehmers | breite Streuung der Beteiligungsverhältnisse, z. B. KG, AG |
| Mitbestimmte Unternehmung | Weitere Einschränkung der Verfügungsrechte durch Mitbestimmung der Arbeitnehmer | eine nach MitbestG von 1976 mitbestimmte Gesellschaft, z. B. AG |
Bürgerschaftliches/gesellschaftliches Engagement

Grundtypen der Unternehmensverfassung von Gesellschaften
(Quelle: Hungenberg, H./Wulf, T.: Grundlagen der Unternehmensführung – Einführung für Bachelorstudierende; Springer 2011, S. 73)
Situationsbezogene Aufgabe
Beschreiben Sie – ausgehend von der Rechtsform Ihrer Unternehmung und den gesetzlichen Regelungen – die wesentlichen Elemente Ihrer Unternehmensverfassung.
Beispiel
Beispiel: QualityRent GmbH 9
Peter Körber und Ralf Schuster wollen sich mit den von Körber geerbten 3 Rolls-Royce-Limousinen selbstständig machen. Das Unternehmen soll als GmbH gegründet werden. Bei der Vorberatung empfiehlt der Notar, eine Satzung für das Unternehmen zu entwerfen. Darin sollten beide u. a. regeln, wie die Gewinnverteilung erfolgen soll und wie im Falle nachhaltiger Verluste mit Nachschussverpflichtungen umgegangen wird. Darüber hinaus sollte das Abstimmungsverfahren bei Entscheidungen festgelegt werden. Und schließlich sollte auch vorausschauend überlegt werden, wie sich beide Gesellschafter verhalten, wenn einer seine Geschäftsanteile verkaufen möchte. Nach reiflicher Überlegung und intensiven Diskussionen legten beide folgende Regelungen fest:
• Grundsätzlich gilt für die Gesellschaft das GmbH-Gesetz.
• Die Gesellschafteranteile zwischen Körber und Schuster wurden im Verhältnis 80 zu 20 aufgeteilt.
• Der Gewinn soll dennoch jeweils zur Hälfte an jeden der beiden Gesellschafter verteilt werden.
• Die Gewinnaufteilung wird neu geregelt, sobald ein Gesellschafter nicht mehr im Unternehmen tätig ist.
• Gesellschafterentscheidungen müssen einstimmig getroffen werden.
Corporate Governance
Zunehmend wird seit etwa Mitte der 90er-Jahre die Unternehmensverfassung unter dem Aspekt der „Corporate Governance“ diskutiert, mitunter werden beide Begriffe sogar gleichgesetzt. Eine erste Abgrenzung ist gegeben durch die Unterscheidung von innerer und äußerer Verfassung. Während sich die o. g. Elemente wesentlich auf die innere Unternehmensverfassung beziehen, erfasst die Corporate Governance vorwiegend die äußere Unternehmensverfassung. Im angloamerikanischen Sprachraum steht der Begriff für ein ganzheitliches Konzept der Führung und Kontrolle, während in Deutschland die Diskussion v. a. im Zusammenhang mit Fragen der Unternehmensethik forciert wurde. Korruptionsskandale, Managementaffären sowie Interessenkonflikte zwischen Anteilseignern, Management und Mitarbeitern führten zu der Forderung, den Einfluss der Anteilseigner zu stärken und die Unternehmen besser zu kontrollieren.
Im Ergebnis gibt es seit 2002 einen Deutschen Corporate-Governance-Kodex. Für börsennotierte Unternehmen ist in Deutschland die Corporate Governance gesetzlich geregelt. In der Präambel heißt es dazu: „Der vorliegenden Deutsche Corporate-Governance-Kodex (der ‚Kodex‘) stellt wesentliche gesetzliche Vorschriften zur Leitung und Überwachung deutscher börsennotierter Gesellschaften (Unternehmensführung) dar und enthält international und national anerkannte Standards guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung. Der Kodex soll das deutsche Corporate-Governance-System transparent und nachvollziehbar machen. Er will das Vertrauen der internationalen und nationalen Anleger, der Kunden, der Mitarbeiter und der Öffentlichkeit in die Leitung und Überwachung deutscher börsennotierter Aktiengesellschaften fördern.“10
Ziel der Corporate Governance ist eine gute, verantwortungsvolle Unternehmensführung in der Gesamtheit von Aufbau- und Ablauforganisation, d. h. sowohl in Strukturen als auch in Geschäfts- und Informationsprozessen. Während diese Grundsätze für börsennotierte Unternehmen gesetzlich geregelt sind, werden zunehmend auch in nicht börsennotierten Unternehmen die Leitungs- und Führungsstrukturen einschließlich ihrer Transparenz sowie die Berücksichtigung der Stakeholderinteressen diskutiert.
Corporate Social Responsibility
Damit rückt die Corporate Social Responsibility (CSR) in den Mittelpunkt der Diskussion. Sie steht für die gesellschaftliche Verantwortlichkeit der Unternehmen und stellt gewissermaßen eine Anforderung, ein Leitbild für die Art und Weise des Wirtschaftens und des Managements der Unternehmen dar.
Dabei bleibt es jedem Unternehmen selbst überlassen, wie diese gesellschaftliche Verantwortung wahrgenommen und ausgestaltet wird.
Zusammenfassend kann CSR als gleichbedeutend verstanden werden mit
•Unternehmenssozialverantwortung oder
•unternehmerischer Sozialverantwortung.
Im angloamerikanischen Sprachraum gilt häufig:
Corporate Governance + Corporate Citizenship = Corporate Responsibility
Das bedeutet:

Corporate Responsibility ist folglich zu verstehen als Unternehmensphilosophie, die sich den Zielen
• Transparenz,
• ethisches Verhalten und
• Respekt
vor den Stakeholdern verpflichtet sieht.
Die Europäische Kommission definiert CSR in ihrem Grünbuch (Brüssel 2001; S. 8) „… als ein Konzept, das den Unternehmern als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren“.11
Sie basiert auf drei Säulen:
1. Wirtschaftliche Dimension Unternehmen sollen langfristig Gewinn erwirtschaften, um die Bedürfnisse ihrer Nutzergruppen/Stakeholder zu befriedigen und damit ihre eigene Existenz zu sichern. In diesem Sinne nachhaltig zu wirtschaften heißt, sowohl Erwerb als auch Wohlstand zuzulassen, aber gleichzeitig die Begrenztheit der Ressourcen zu berücksichtigen.
2. Ökologische Dimension Ökologisch nachhaltig zu wirtschaften bedeutet sparsamer Umgang mit Ressourcen sowie Schutz und Regeneration der natürlichen Umwelt, um sie für die nachfolgenden Generationen zu erhalten, bei gleichzeitiger Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.
3. Soziale Dimension Sie betrachtet den Menschen als die wertvollste Ressource des Unternehmens. Da für den Unternehmenserfolg sowohl Wissen und Können als auch Motivation und Disposition der Mitarbeiter entscheidend sind, gestaltet das Unternehmen Bedingungen, um Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft langfristig zu erhalten und zu verbessern.
Corporate Social Responsibility
Zusammenfassend umschreibt Corporate Social Responsibility somit die freiwilligen Leistungen und Aktivitäten, mit denen die Unternehmen, über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehend, zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.
Für den Mittelstand ist es immer schon selbstverständlich: Unternehmen sind Teil der sozialen Gemeinschaft und haben eine Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern, Kunden und Nachbarn, ihrer Umwelt und der Gesellschaft insgesamt.
Und gerade kleine und mittelständische Betriebe sind es, die sich dieser Verantwortung stellen und sich oftmals weit über ein gelegentliches Sponsoring örtlicher Vereine hinaus engagieren. Es gibt immer mehr mittelständische Unternehmen, die den strategischen Nutzen von CSR erkannt haben, dieses passgenau anwenden, an ihre Partner kommunizieren und zielgruppengerecht in die Beziehungen mit Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern integrieren.
Kurz gefasst ermöglicht die Anwendung von Elementen der Corporate Social Responsibility:

CSR ist somit eine Investition in die Bedingungen des langfristigen Unternehmenserfolges.
1.2.4 Kultur
Unter Kultur versteht man „ …das von den Menschen zu bestimmten Zeiten in abgrenzbaren Regionen aufgrund der ihnen vorgegebenen Fähigkeiten in Auseinandersetzung mit der Umwelt und ihrer Gestaltung in ihrem Handeln in Theorie und Praxis Hervorgebrachte (Sprache, Religion, Staat, Politik, Technik, Kunst…), auch der Prozess des Hervorbringens und des Reproduzierens der verschiedenen kulturellen Inhalte und Modelle …“12
Eine weitere Definition von Kultur lautet: „Kultur besteht aus Mustern von Denken, Fühlen und Handeln, dazu ihre Verkörperung in Artefakten; der wesentliche Kern der Kultur besteht aus traditionellen … Ideen und … Werthaltungen …“13
Unternehmenskultur
Übertragen auf das Unternehmen beschreibt die Unternehmenskultur die Einmaligkeit, das Besondere eines Unternehmens.
Die Unternehmenskultur ist folglich die Gesamtheit der in einem Unternehmen vorherrschenden Wertvorstellungen, Traditionen, Überlieferungen, Mythen, Normen und Denkhaltungen, welche das Verhalten der Mitarbeiter prägen.
Bei den Elementen der Unternehmenskultur wird unterschieden zwischen
• sichtbaren oder expliziten und
• unsichtbaren oder impliziten Elementen.
Zur Darstellung wird dabei oft das Eisbergmodell, entwickelt nach Edgar Schein, verwendet:
Das Eisbergmodell der Unternehmenskultur
(Quelle: Dr. Kleinfeld, A. Wertemanagement Bickmann & Collegen, Präsentation 2001, übernommen von http://www.bickmann.de/pdf/kleinfeld-wertemanagement-praesent.pdf, letzter Zugriff 13.05.2013)
Unternehmenskultur
• ist die Gesamtheit aller Basisannahmen, Normen, Werte, Denkhaltungen und Umgangsformen.
• prägt das Verhalten der Mitarbeiter und dadurch das Erscheinungsbild der Unternehmung.
• entwickelt sich durch die Unternehmensgeschichte zu etwas Einzigartigem.
Ebenen der Unternehmenskultur
Edgar Schein unterscheidet bei der Unternehmenskultur drei verschiedene Ebenen14:
Die Ebene der Artefakte ist sichtbar, aber oft nicht zu entziffern bzw. schwer zu interpretieren. Sie umfasst alles, was man sieht, hört und fühlt, wenn man einer neuen Gruppe mit unbekannter Kultur begegnet. Hierzu zählen Technologie, Strukturen, Prozesse, Umgangsformen, Sprache, Raumgestaltung, Kleidungsordnung, beobachtbare Rituale etc. Das sind die grundsätzlichen Sinnorientierungen (Sinn des Lebens, Wert des Menschen, Gerechtigkeit usw.). Artefakte zu erkennen setzt eine längerfristige Beobachtung voraus.
Die mittlere Ebene bezieht sich auf erklärte und begründete Werte und Normen (z. B. Ideologien, Ge- und Verbote, Verhaltensrichtlinien). Diese spielen bei der Gründung eines Unternehmens eine entscheidende Rolle, da sie zunächst von den Gründerpersönlichkeiten geprägt und formuliert werden. Sie sind teilweise sichtbar, z. B. die Unternehmensgeschichte, teils aber auch unbewusst, wie bspw. Einstellungen und Haltungen. In dem Maße, wie diese Werte von den Mitarbeitern und Führungskräften übernommen und gelebt werden, entwickelt sich die Unternehmenskultur.
Gelebte Werte verbinden Mitarbeiter und Führungskräfte und tragen zur Identifikation mit dem Unternehmen bei.
Basisannahmen bilden die untere Ebene und werden als selbstverständlich vorausgesetzt, sie sind unsichtbar und werden unbewusst angenommen. Das sind die grundsätzlichen Sinnorientierungen wie Sinn des Lebens, Wert des Menschen, Gerechtigkeit usw.
Basisannahmen sind das verborgenste Element der Unternehmenskultur. Sie haben sich seit der Gründung herausgebildet, sind den Organisationsmitgliedern meist nicht bewusst und bestimmen doch ihr tägliches Handeln.
Zu diesen Basisannahmen gehören: Überzeugungen, Werte, Wesen des Menschen, soziale Beziehungen, Wahrheit, Umfeld.
„Die Unternehmenskultur ist das, was bestimmt, wie die Leute sich verhalten, wenn sie nicht beobachtet werden.“15
Die Unternehmenskultur ist somit auch Teil der Gesellschaftskultur und kann auch auf diese zurückwirken.
Die jeweils spezifische Unternehmenskultur entsteht in einem Sozialisierungsprozess und resultiert aus
• den konkreten Umständen, Motiven und Rahmenbedingungen der Unternehmensgründung,
• der Persönlichkeit, den Fähigkeiten und der Mentalität des Gründers,
• der historischen Entwicklung der Gründungsidee, der Zielgruppe(n) und der jeweiligen Region sowie evtl.
• aus der am Standort vorherrschenden Religion.
Effekte der Unternehmenskultur
Welche Effekte können nun durch die Unternehmenskultur ausgelöst oder verstärkt werden, d. h. welchen Zweck erfüllt eine Unternehmenskultur, und wie kann man sie aktiv gestalten?
An negativen Effekten ist die mögliche Verselbstständigung der Unternehmenskultur zu nennen. Daraus resultieren dann starre Organisationsstrukturen und -formen und eine Tendenz zur Orientierung nach innen. Das bedeutet, Unternehmenskultur wird zum Selbstzweck und wirkt sich nicht fördernd auf das Verhalten gegenüber Kunden und Geschäftspartnern aus.
Aus einer fest fixierten Unternehmenskultur können ebenso mangelnde Risikobereitschaft sowie damit einhergehend Innovationsfeindlichkeit entstehen.
Dagegen können mit einer gut entwickelten Unternehmenskultur die folgenden positiven Effekte erzielt werden:
• Erhöhung der Motivation für Mitarbeiter und Führungskräfte
• effiziente Kommunikation auf und zwischen den einzelnen Hierarchieebenen einschließlich schneller Informationsverarbeitung
• rasche Entscheidungsfindung und zügige Umsetzung von Plänen
• geringer Kostenaufwand
• Flexibilität bei gleichzeitiger
• Stabilität und Zuverlässigkeit
• Prozessorientierung
In Korrespondenz mit der Unternehmenspolitik beeinflusst die Unternehmenskultur ganz wesentlich die Entscheidungsprozesse im Unternehmen.
Unternehmenskultur kann ihre Wirkungen nur dann entfalten, wenn die Mitarbeiter in die langfristige Entwicklung einbezogen werden, sich mit ihr identifizieren und sie im täglichen Arbeitsprozess tatsächlich umsetzen. Dann kann es gelingen, die positiven Effekte zu verstärken und die negativen einzudämmen.
1.2.5 Mission
Mission
Eng verbunden mit der Unternehmenskultur ist die Mission des Unternehmens, auch Unternehmenszweck oder „business mission“ genannt. Mit ihr wird die Frage „Was ist unser Geschäft?“ beantwortet. Sie bringt zum Ausdruck, was der Markt, die Nachfrager von unserem Unternehmen erwarten und erwarten können. „Damit soll festgelegt werden, welche Leistungen das Unternehmen als Teil der Gesamtwirtschaft erbringen soll und welcher klaren Ausrichtung die Marketingkonzeption folgen soll. Die Unternehmensmission dient dazu, übergreifend das Handeln der Unternehmensbereiche zu harmonisieren. Die Konzentration auf einen klaren Unternehmenszweck hilft der einheitlichen Orientierung aller Mitarbeiter. Die Unternehmensmission muss daher in der Unternehmenskultur verankert sein.“16
Die Mission gibt dem Unternehmen seinen Sinn und erläutert, wofür das Unternehmen steht und was es tut, d. h., mit der Unternehmensmission werden Handlungsrichtung und Handlungsrahmen des Unternehmens konkretisiert.
Die Mission stellt die Operationalisierung der Vision dar. Sie beinhaltet Werte und Begriffe, welche die langfristige Zielorientierung widerspiegeln, und stellt gleichzeitig den Bezug zur gegenwärtigen Situation des Unternehmens her. Damit werden auch Verbindungen zu den für die Zielerreichung notwendigen Verhaltensweisen geknüpft.
Unternehmensmission
Zusammengefasst beinhaltet die Unternehmensmission Aussagen zu
• Unternehmenszweck,
• Unternehmenszielen,
• Unternehmenswerten sowie zu
• Verhaltensstandards und Strategien.
Beispiel
Beispiel: Dürr Metall & Kunststofftechnik 17
Seit unserer Gründung bearbeiten wir Zeichnungsteile mit Freude und Leidenschaft.
Diese Hingabe für Präzision und Schönheit wollen wir unseren Teilen mit auf den Weg zu Ihnen geben.
Wenn Sie unsere Produkte anfassen, sollen Sie die Freude und Leidenschaft spüren, mit der sie gefertigt wurden.
Situationsbezogene Aufgabe
Überlegen und notieren Sie stichpunktartig zu folgender Frage: Haben Sie von anderen Unternehmen eine gute Mission gehört? Wie lautet diese, und warum hat Sie die Formulierung überzeugt?
Die Mission erfüllt folgende Funktionen:

Funktionen der Unternehmensmission
Zusammenhang zwischen Vision, Mission und Strategie
Mission beantwortet die Frage „Wie wollen wir gesehen werden?“ und findet ihren Ausdruck im Leitbild. Sie zielt auf das Langzeitgedächtnis der Kunden und des gesellschaftlichen Umfeldes und wird über die Corporate Identity kommuniziert.
Corporate Identity
Die Corporate Identity, die Unternehmensidentität, ist das realisierte Erscheinungsbild (CI) eines Unternehmens und besteht aus folgenden Elementen:
• Corporate Behaviour
• Corporate Design
• Corporate Communication
Corporate Behaviour
Corporate Behaviour umfasst das Verhalten des Unternehmens sowohl nach innen als auch nach außen. Es betrifft Führungsstil, Informationspolitik im Unternehmen sowie das Verhalten von Mitarbeitern und Führungskräften untereinander.
Corporate Design
Corporate Design bezeichnet das visuelle Erscheinungsbild des Unternehmens vom Logo über Firmenfarben, die Gestaltung von Firmendokumenten, Verpackungen und Werbeträgern.
Corporate Communication
Corporate Communication schließlich beschreibt die Unternehmenskommunikation und ihre Umsetzung innerhalb des Unternehmens sowie nach außen.
Die Corporate Identity soll sicherstellen, dass das Unternehmen sowohl von seinen Mitarbeiten als auch am Markt als unverwechselbar und einzigartig wahrgenommen wird.
So stellt sich der Zusammenhang zwischen diesen Elementen folgendermaßen dar:
| Formuliertes Selbstbild | Realisiertes/ erlebtes Selbstbild | Fremdbild |
| Unternehmensmission | • Corporate Identity • Corporate Behaviour • Corporate Design • Corporate Communication | Unternehmensimage |
In dieser ganzheitlichen Betrachtungsweise bestimmt die Unternehmensmission die Unternehmensentwicklung und stellt die Basis für die Erarbeitung der Unternehmensstrategie dar. Zudem liefert sie gleichzeitig die Vorlage für die Unternehmenskultur und die Unternehmensverfassung.
Mit der Vision wird festgelegt, was das Unternehmen erreichen will. Das wird als Unternehmensziel formuliert. Die Vision ist folglich vorrangig für die Mitarbeiter des Unternehmens bestimmt. Sie definiert die „Position“, die das Unternehmen mittel- bzw. langfristig einnehmen will.
Strategie beschreibt die Wege, die zur Zielerreichung beschritten werden müssen und legt Etappen für Zwischenziele fest. Der Grundsatz dafür lautet, die richtigen Dinge richtig zu tun.
Die Vision ist Grundlage für Mission/Leitbild und Strategie.
Vision, Strategie und Leitbild

Zusammenhang von Vision, Mission und Strategie
(Quelle: Prof. Dr. D. Steude: Folienskript zur Vorlesung Einführung in die Unternehmensführung WS 2001/2002, FH Erfurt)
1.3 System der Unternehmensführung
Führung
In Bezug auf das Unternehmen heißt Führung Dispositionsgewalt über Sachen, Kapital und Menschen, die in einem hierarchischen oder gar abhängigen Verhältnis zur Führungskraft stehen.
Gutenberg bezeichnete deshalb leitende oder führende Arbeit als dispositiven Faktor und bettete ihn in das System der betriebswirtschaftlichen Produktionsfaktoren ein. Im Gegensatz zu Betriebsmitteln und Werkstoffen hat die menschliche Arbeit als Produktionsfaktor jedoch eine soziale Komponente. Damit wird Führung, ausgeübt durch Menschen, auch von ethischen Wertevorstellungen beeinflusst. Das findet seinen Ausdruck in dem Modell der „gestuften“ Verantwortung von Unternehmen:
• Muss-Dimension: Gewinnerzielung, Gesetzestreue, faire Lohn- und Preispolitik, menschengerechte Arbeitsbedingungen, Strategien zur langfristigen Existenzsicherung usw.
• Soll-Dimension: Ausrichtung an Werten wie Ehrlichkeit, Integrität, Fairness, Transparenz, ökologische Verantwortung, „Corporate Governance“ usw.
• Kann-Dimension: „Good Corporate Citizenship“, freiwillige Leistungen wie Nachbarschaftsprogramme, Freiwilligenarbeit, Private Public Partnership usw. (vgl. Abschnitt 1.2.3 „Unternehmensverfassung“)
Früher verstand man unter Führung, jemanden dazu zu bringen, das zu tun, was er nach Auffassung eines anderen, des Führenden, tun soll.
Im neueren Verständnis heißt Führung, andere erfolgreich zu machen.
Unternehmensführung
Grundsätzlich jedoch wird Führung verstanden als zielorientierte, soziale Einflussnahme zur Erfüllung gemeinsamer Aufgaben in oder mit einer strukturierten Arbeitssituation. Unternehmensführung oder Management ist ein Komplex von Steuerungsaufgaben, die bei der Leistungserstellung, im Rahmen des Wertschöpfungsprozesses in einem arbeitsteiligen System erbracht werden müssen und diesen Wertschöpfungsprozess grundlegend beeinflussen.
Unter Rückgriff auf Abschnitt 1.2 bedeutet Unternehmensführung eine permanente Abstimmung des Unternehmens mit seiner Umwelt, repräsentiert durch die unterschiedlichen Nutzergruppen, denn nur in der Interaktion zwischen internen und externen Nutzergruppen kann ein Unternehmen langfristig erfolgreich agieren.
Damit ist auch die weit verbreitete Abgrenzung zwischen Unternehmens- und Personalführung in der ursprünglichen Form nicht mehr vollständig zutreffend. Die Einbeziehung der sozialen Interaktion wurde bisher als Merkmal der Personalführung gesehen, inzwischen festigt sich jedoch die Auffassung, dass auch bei der Abstimmung zwischen Unternehmen und Umwelt, bei der klassischen Unternehmensführung also, zunehmend soziale Aspekte und Wechselbeziehungen berücksichtigt werden müssen. In diesem Sinne verschmelzen Unternehmens- und Personalführung miteinander.
Um dennoch den spezifischen Aspekten der Unternehmensführung gerecht zu werden, wird unterschieden zwischen:
• Unternehmensführung als Institution Sie betrachtet die Gesamtheit der leitenden Instanzen, d. h. alle Träger, Organe und Führungskräfte, die aufgrund ihrer Stellung, rechtlicher und organisatorischer Regelungen Weisungs- und Entscheidungsbefugnis besitzen. Wer ist Führungskraft?
• Unternehmensführung als Funktion Sie beschreibt die Gesamtheit der Aufgaben, die zur Planung, Steuerung und Kontrolle eines Unternehmens notwendig sind und nicht reine Ausführungstätigkeiten darstellen. Sie kann unterschieden werden in die Personal- und die Sachfunktion. Während die Personalfunktion die gezielte Beeinflussung des Mitarbeiterverhaltens zur Zielerreichung zum Gegenstand hat, bezieht sich die Sachfunktion auf die gezielte Gestaltung und Lenkung von Prozessen und Teilsystemen. Welche Aufgaben haben Führungskräfte? In diesem Zusammenhang spricht man auch von der
• Unternehmensführung als Prozess Diese wird verstanden als Gesamtheit der Vorgänge und Prozesse zur Problemlösung – hierbei wird Führung begriffen als Prozess der Willensbildung und Willensdurchsetzung gegenüber anderen Personen und des Tragens der damit verbundenen Verantwortung. Was tun Führungskräfte?
Infolge der Wechselbeziehungen zwischen Unternehmen und Umwelt werden die Führungsaufgaben im Unternehmen immer komplexer. Die Entwicklung der Märkte und Unternehmen ist von hoher Dynamik gekennzeichnet, Entscheidungsprozesse sind nicht mehr als einfache Ursache-Wirkungs-Beziehungen zu betrachten und zu gestalten, sondern man hat es mit einem komplexen mehrdimensionalen System der Unternehmensführung zu tun.
Unternehmen werden deshalb aus systemtheoretischer Sicht als offene Systeme bezeichnet, die durch folgende Merkmale gekennzeichnet sind:
Merkmale des Unternehmens als System

Merkmale des Unternehmens als offenes System
(vgl. CAPRA F., 1987; VESTER F., 1990, zitiert nach: http://www.teialehrbuch.de/Kostenlose-Kurse/Unternehmensfuehrung/23066-Unternehmen-sind-offene-Systeme.html; letzter Zugriff 5. 6. 2013)
Aus den genannten Gründen spielen systemorientierte Ansätze in der Unternehmensführung eine bedeutsame Rolle. Sie beschäftigen sich mit der Fragestellung, wie das Unternehmen als Gesamtsystem gestaltet und gelenkt werden kann. 18
„Gestalten und Lenken eines Gesamtsystems ist weder ein wirtschaftliches noch ein technisches noch ein psychologisches usw. Problem. Es ist all das zusammen …“ 19
Führungsaufgaben in Unternehmen können in der Gegenwart und Zukunft nur durch ganzheitliches Denken und Handeln gelöst werden. Erforderlich ist die Berücksichtigung vielfältiger Einflussfaktoren durch integrierendes, zusammenführendes Denken.
Die Aufgabe der Unternehmensführung ist es also, den Fit – die Abstimmung, Harmonisierung oder auch Optimierung – zwischen Unternehmen und Umwelt herbeizuführen; dies kann durch Veränderung des Unternehmens oder durch aktive Einwirkung auf die Umwelt geschehen.
In Anlehnung an den internationalen Sprachgebrauch ist der Begriff der Unternehmensführung zunehmend ersetzt worden durch den Begriff des Managements, dessen Gliederung stark mit der Gliederung der Unternehmensführung korrespondiert.
Zusammenhang von normativem, strategischem und operativem Management

Deshalb kann die Forderung nach ganzheitlicher Unternehmensführung ebenso auf das Management übertragen werden, woraus sich die Forderung nach einem integrierten Managementsystem ableitet.
Managementsystem
Unter einem Managementsystem wird ein Instrument zur gezielten Umsetzung der Unternehmensziele unter Anwendung des Regelkreises der Führung verstanden.
Die Führungsebenen hängen eng zusammen. Das normative Management ist dem strategischen Management übergeordnet, und das operative Management hat die Aufgabe, durch konkrete Maßnahmen die Erfüllung der Unternehmensziele zu sichern.
System der integrierten Unternehmensführung
Ein integriertes Management-System (IMS) kombiniert die unterschiedlichen Anforderungen zu einem umfassenden Instrument für die Unternehmensführung. Auf diese Art und Weise können die unterschiedlichen Anforderungen der Nutzergruppen miteinander koordiniert und mit möglichst geringem Risiko erfüllt werden.
Teilsysteme dieses integrierten Managementsystems, mit denen zentrale Themen im Unternehmen bearbeitet und umgesetzt werden sollen, können z. B. sein:
• Qualitätsmanagement
• Umweltmanagement
• Ressourcenmanagement
• Sicherheitsmanagement
• Arbeitsschutzmanagement
• Risikomanagement
Dabei gibt es zwischen diesen einzelnen Teilsystemen durchaus auch thematische Überschneidungen, sodass es zu Doppelarbeit und im schlimmsten Fall sogar zu widersprüchlichen Regelungen kommen kann. Um dieser Gefahr zu entgehen, werden die einzelnen Bestandteile nicht getrennt voneinander, sondern als integriertes Managementsystem eingesetzt. Dabei wählt man heute meist die Methode der Prozessintegration, bei der die Unternehmensprozesse erfasst und in einem Modell abgebildet werden.20
Situationsbezogene Aufgabe
Überlegen und beschreiben Sie, welche dieser genannten Teilsysteme des Managements Sie in Ihrem Unternehmen einsetzen. Wie tragen diese zur Erreichung Ihrer Unternehmensziele bei?
Die Anforderungen aus den Managementsystemen werden in Aufgaben und Pflichten umformuliert und den Unternehmensprozessen bzw. einzelnen Tätigkeiten zugeordnet.
Mögliche Vorteile aus der Anwendung dieser Teilsysteme können sein:21
• Themen wie interne Audits, Unternehmensziele und -programme; die Lenkung von Dokumenten und Daten sowie Vorbeuge- und Korrekturmaßnahmen werden übergreifend behandelt
• Nutzung von Synergien und zusätzlichen Ressourcen
• Mitarbeiter werden durch optimierte Abläufe motiviert
• Umgang mit Unternehmensprozessen wird erleichtert
• Reduzierung der Schnittstellenproblematik
• Kostenreduzierung
• Konzentration von Informationen
• klare Regelungen der Abläufe und Zuständigkeiten
• Transparenz der Geschäftsprozesse
• Einführung eines systematischen Verfahrens
• Bewertungsmöglichkeit von Lieferanten und Subunternehmern
• Reduzierung von Produktionsfehlern, Serviceausfällen und Sicherheitsvorfällen
• Erfüllung gesetzlicher und sicherheitstechnischer Anforderungen
• Sicherung des Kerngeschäftes durch Rechtssicherheit
• Überprüfung des eigenen Sicherheitsniveaus
Nutzen integrierter Unternehmensführung
Der Hauptnutzen aus der integrativen Nutzung der einzelnen Teilsysteme lässt sich wie folgt zusammenfassen:
• Vermeidung von Doppelarbeit und Überschneidungen durch Zuordnung der jeweiligen Anforderungen aus den Einzelsystemen zu den betrieblichen Tätigkeiten oder Prozessen.
• Nutzung von Synergieeffekten durch Mehrfachnutzung von Lösungen in unterschiedlichen Teilsystemen.
• Ganzheitliche Sicht der Unternehmensprozesse durch zusammenhängende Analyse und Verbesserung der Tätigkeiten und Prozesse.
• Begrenzung des Verwaltungsaufwandes für das Managementsystem durch gemeinsame Nutzung notwendiger Strukturen.
Auf die Detailbeschreibung der einzelnen Teilsysteme der integrierten Unternehmensführung wird unter dem Aspekt der Gestaltung von Unternehmensführung und -organisation verzichtet (vgl. dazu auch Kapitel 6 sowie Band „Unternehmensstrategie“ dieser Reihe).
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