Kitabı oxu: «Psychotherapie von Persönlichkeitsstörungen»

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Der Autor

Prof. Dr. phil. Rainer Sachse, Psychologischer Psychotherapeut, Supervisor und Dozent, ist Leiter des Instituts für Psychologische Psychotherapie (IPP) in Bochum.

Rainer Sachse

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1. Auflage 2022

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-039762-0

E-Book-Formate:

pdf: ISBN 978-3-17-039763-7

epub: ISBN 978-3-17-039764-4

Geleitwort zur Buchreihe

Wer in die Vergangenheit blickt, stellt fest: Psychotherapie ist immer im Wandel.

Nach einer Phase der methodenspezifischen Diversifizierung spielen in der heutigen ambulanten und stationären Versorgung von Patientinnen und Patienten mit psychischen Erkrankungen störungsspezifische Behandlungsansätze eine zunehmende Rolle. In vielen Fällen sind diese verhaltenstherapeutisch geprägt und multimodal aufgebaut. Dabei werden nicht nur schulenübergreifend wirksame Behandlungskomponenten, sondern auch Erkenntnisse zu Basisvariablen der psychotherapeutischen Arbeit verwendet und integriert.

Die Reihe »Störungsspezifische Psychotherapie« hat die störungsspezifische Entwicklung bereits im Jahr 2004 aufgegriffen und bietet mittlerweile für über 20 Störungsbilder evidenzbasierte Manuale an. Klassische Themen wie die Therapie von Angst- oder Essstörungen, Suchterkrankungen oder Psychosen wurden um störungsspezifische Anleitungen für die Behandlung von Symptomen, Syndromen oder speziellen Fragestellungen (Tourettesyndrom, Adipositasbehandlung, Insomnie, stationäre Behandlungsbesonderheiten u. v. m.) ergänzt und durch einzelne Manuale zu Techniken und verwandten Methoden in der Psychotherapie (Achtsamkeitstraining, Hypnotherapie, Interpersonelle Therapie) erweitert.

Die Reihe »Störungsspezifische Psychotherapie« wurde 2004 begründet von Anil Batra und Gerhard Buchkremer, in der Folge weitergeführt von Anil Batra und Fritz Hohagen und mittlerweile herausgeben von Anil Batra und Alexandra Philippsen. Die Buchreihe wird fortlaufend erweitert und aktualisiert, wobei neue Techniken, alternative Vorgehensweisen und die aktuelle Studienlage berücksichtigt werden. Damit sollen die Bände psychotherapeutisch arbeitenden Ärztinnen und Ärzten, Psychologinnen und Psychologen in der praktischen Arbeit neben einer Einführung in die besondere Problematik verschiedener Erkrankungen auch konkrete Anleitungen, online abrufbare praxisnahe Tools sowie Techniken und Vorgehensweisen auch in therapeutisch herausfordernden Situationen zur Verfügung stellen.

Wir hoffen, Ihnen mit dieser Reihe hilfreiche Anregungen für die klinische Praxis geben zu können.

Anil Batra, Tübingen

Alexandra Philipsen, Bonn

Inhalt

1  Geleitwort zur Buchreihe

2  1 Einleitung: Worum es geht

3  1.1 Prinzipielles Vorgehen

4  1.2 Zentrale Themen

5  2 Theorie der Persönlichkeitsstörungen

6  2.1 Einleitung

7  2.2 Theoretisches Rahmenmodell: das Modell der doppelten Handlungsregulation

8  2.3 Beziehungsmotive

9  2.4 Problemrelevante Schemata

10  2.4.1 Einleitung

11  2.4.2 Was sind und was tun Schemata?

12  2.4.3 Charakteristika

13  2.4.4 Netzwerk-Struktur

14  2.4.5 Arten

15  2.4.6 Schemata und Beziehungsmotive: die Schema-Matrix

16  2.5 Manipulatives Handeln

17  2.5.1 Einleitung

18  2.5.2 Was ist manipulatives Handeln?

19  2.5.3 Zum Begriff der Manipulation

20  2.6 Images und Appelle

21  2.7 Manipulationen im Therapieprozess

22  2.8 Interaktionstests

23  2.9 Vertrauen

24  2.10 Ich-Syntonie

25  2.11 Änderungsmotivation

26  2.12 Kurzer Überblick über die Persönlichkeitsstörungen

27  3 Therapie von Persönlichkeitsstörungen

28  3.1 Grundsätzliche Aspekte

29  3.2 Therapie-Phasen

30  3.2.1 Phase 1: Beziehungsgestaltung

31  3.2.2 Phase 2: Entwicklung eines Arbeitsauftrages

32  3.2.3 Phasen 3, 4 und 5

33  4 Modellbildung durch den Therapeuten

34  4.1 Was ist Modellbildung?

35  4.2 Analyse nach der Schema-Matrix

36  4.3 Analyse von Images und Appellen

37  4.3.1 Vorgehen bei der Analyse von Images und Appellen

38  4.3.2 Manipulative Strategien

39  4.4 Hinweise zur Diagnose von Nähe- und Distanzstörungen

40  5 Therapie: prinzipielle therapeutische Vorgehensweisen

41  5.1 Therapeutische Prinzipien

42  5.2 Eröffnung der Therapie

43  5.2.1 Der erste Kontakt

44  5.2.2 Sitzposition

45  6 Beziehungsgestaltung durch den Therapeuten

46  6.1 Sinn einer Beziehungsgestaltung

47  6.2 Allgemeine Beziehungsgestaltung

48  6.3 Komplementäre Beziehungsgestaltung

49  6.3.1 Komplementarität zu Beziehungsmotiven im Therapieprozess

50  6.3.2 Komplementäres Handeln zu den zentralen Beziehungsmotiven

51  7 Umgang mit Manipulation

52  7.1 Manipulationen zu Therapiebeginn

53  7.2 Der Umgang mit Manipulation

54  7.2.1 Therapeutische Strategien sind erforderlich

55  7.2.2 Konfrontative Interventionen

56  7.2.3 Konfrontationen und Beziehungskredit

57  7.3 Konfrontative Interventionen

58  7.4 Regeln

59  7.4.1 Wirkung von Regeln

60  7.4.2 Konfrontative Wirkungen von Regel-Konfrontationen

61  7.4.3 Erkennen von Rechtfertigungen und Tarnstrategien

62  7.4.4 Konfrontation mit Rechtfertigung

63  8 Therapeutischer Umgang mit Tests

64  8.1 Was sind Tests?

65  8.2 Arten von Tests

66  8.3 Umgang mit Tests

67  9 Therapeutischer Aufbau von Änderungsmotivation

68  9.1 Änderungsmotivation

69  9.2 Ambivalenz

70  9.3 Steigerung der Änderungsmotivation

71  9.3.1 Arbeit mit Kosten

72  9.3.2 Gewinne einer Veränderung deutlich machen

73  9.4 Senkung der Beharrungstendenz

74  9.4.1 Kosten der Veränderung senken

75  9.4.2 Gewinne der Beharrung bearbeiten

76  10 Komorbiditäten

77  10.1 Begriff

78  10.2 Art der Komorbidität

79  10.3 Kompatible und konflikthafte Komorbiditäten

80  10.4 Komorbidität mit Achse-I-Störungen

81  10.5 Komorbidität von Persönlichkeitsstörungen

82  11 Die Phasen 3, 4 und 5: weitgehend »normale« Therapie

83  11.1 Wann kann ein Therapeut mit Phase 3 beginnen?

84  11.1.1 Vertrauen

85  11.1.2 Images und Appelle

86  11.1.3 Manipulation

87  11.1.4 Vermeidung

88  11.1.5 Folgen von Interventionen

89  11.2 Realistische Therapie-Ziele

90  12 Für fortgeschrittene Therapeuten: Die Beachtung nonverbaler und paraverbaler Signale im Therapieprozess

91  12.1 Einleitung: Was sind und wie wirken paraverbale und nonverbale Signale?

92  12.1.1 Begriffsbestimmung

93  12.1.2 Kommunikationskanäle und Signalkongruenz

94  12.1.3 Validität der Information

95  12.1.4 Dekodierbarkeit der Information

96  12.1.5 Nonverbale Signale

97  12.1.6 Paraverbale Signale

98  12.1.7 Phasen-Übergänge

99  12.2 Wie Klienten mit non- oder paraverbalen Mitteln Interaktionsziele verfolgen

100  12.2.1 Einleitung

101  12.2.2 Interaktionelles Ziel: Aufmerksamkeit bekommen

102  12.2.3 Interaktionelles Ziel: Distanz aufbauen und Distanz halten

103  12.2.4 Interaktionelles Ziel: Kommunikationskontrolle

104  12.2.5 Interaktionsziel: direkte Kontrolle

105  12.2.6 Interaktionsziel: Kümmern, Verantwortung übernehmen, Entlasten u. a.

106  12.2.7 Interaktionsziel: Dominanz

107  12.2.8 Expansives Verhalten

108  12.3 Steuerung des Klienten-Prozesses durch den Therapeuten mit Hilfe para- und nonverbaler Signale

109  12.3.1 Prozesssteuerung

110  12.3.2 Ein wesentlicher Grund für Steuerung: Verarbeitung von Informationen

111  12.3.3 Paraverbale Steuerung

112  12.3.4 Pausen

113  13 Schlussbemerkung

114  Literatur

115  Sachwortregister

1 Einleitung: Worum es geht

In diesem Buch soll es um die Therapie von Persönlichkeitsstörungen gehen und vor allem: Um die praktischen Aspekte einer solchen Therapie.

Dabei wird deutlich, dass die Therapie von Persönlichkeitsstörungen eine sehr spezielle Art von Therapie ist, die besondere Anforderungen an Therapeuten stellt. So weisen Klienten mit Persönlichkeitsstörungen z. B. eine hohe Beziehungsorientierung auf, zeigen nur wenig Änderungsmotivation, erzeugen im Prozess viele Interaktionsprobleme usw.

Das Buch dient dazu, Therapeuten in die Lage zu versetzen, solchen Anforderungen gut gewachsen zu sein.

Relevant sind dabei Fragen danach, was ein Therapeut wie verstehen kann, auf welche Probleme er gefasst sein sollte, wie er mit diesen Problemen umgehen kann, welche besonderen therapeutischen Strategien er anwenden sollte usw.

1.1 Prinzipielles Vorgehen

Das Buch soll sich dabei auf bestimmte Aspekte einer Therapie von Persönlichkeitsstörungen (PD für »personality disorder«) konzentrieren. Das bedeutet auch, dass dazu andere Aspekte nicht behandelt werden sollen und können: Der Inhalt des Buches soll sich tatsächlich auf grundlegende Probleme konzentrieren, da diese schon komplex genug sind.

Daher möchte ich mich an folgende Prinzipien halten:

• Ich möchte nicht auf alle Aspekte und Facetten einer Therapie von Persönlichkeitsstörungen (PD) eingehen.

• Ich möchte hier auch nicht auf differentielle und störungsspezifische Konzepte eingehen (auf weiterführende Literatur wird verwiesen).

• Vielmehr will ich auf einige, wesentliche Essentials einer Therapie von Persönlichkeitsstörungen eingehen.

• Ich möchte darauf eingehen, welche Probleme PD-Klienten prinzipiell im Therapieprozess zeigen und wie man als Therapeut damit konsruktiv umgehen kann.

• Dazu möchte ich nur so viel theoretischen Hintergrund liefern, wie zum Verständnis des Vorgehens erforderlich ist.

• Konzentrieren möchte ich mich vielmehr auf das praktische therapeutische Vorgehen.

1.2 Zentrale Themen

Es soll deutlich werden, was genau die therapierelevanten Besonderheiten sind, die Klienten mit Persönlichkeitsstörungen in die Therapie einbringen und die besondere Probleme für Therapeuten mit sich bringen.

Persönlichkeitsstörungen können aufgefasst werden als Probleme mit sehr hoher Komplexität: Viele psychologische Variablen sind beteiligt und es gibt sehr viele Wechselwirkungen zwischen diesen Variablen.

Zu diesen besonderen Charakteristika sollen dann therapeutische Strategien und Interventionen angegeben werden.

Solche zentralen Themen sind z. B.:

• Die hohe Beziehungsmotivation von PD-Klienten.

• Das hohe interaktionelle Misstrauen.

• Die hohe Ich-Syntonie und damit geringe Änderungsmotivation.

• Das hohe Ausmaß an Manipulation.

• Die Durchführung sogenannter »Interaktionstests«.

• Das zunächst geringe Ausmaß an Selbstöffnung und Mitarbeit.

Auf alle diese Aspekte soll ausführlich eingegangen werden. Besonders im Fokus steht dabei die Bedeutung der paraverbalen und nonverbalen Kommunikation zum Verstehen des Klienten und auch für die Steuerung des Therapieprozesses durch den Therapeuten.

2 Theorie der Persönlichkeitsstörungen
2.1 Einleitung

Für Therapeuten ist es wichtig, ein psychologisches Rahmenmodell für PD zu haben, an dem sie sich auch in der praktischen Arbeit orientieren können: Daher ist die Theorie keine »akademische Spielerei«, sondern eine wichtige Heuristik, die ein Therapeut sehr gut für seine Informationsverarbeitung, Diagnostik und Indikationsentscheidungen verwenden kann.

2.2 Theoretisches Rahmenmodell: das Modell der doppelten Handlungsregulation

Das Modell der doppelten Handlungsregulation stellt ein übersichtliches theoretisches Modell über die psychologische Funktionsweise von PD dar.

Es gibt einen theoretischen Rahmen vor, den Therapeuten beim Verstehen der PD, bei der Diagnostik und bei der Ableitung therapeutischer Strategien praktisch benutzen können.

Für ein besseres Verständnis von PD werden im Folgenden die wesentlichen Komponenten des Modells kurz dargestellt. Zur vertieften Lektüre siehe Sachse (1999, 2001, 2002, 2004a, 2004b, 2004c, 2006a, 2006b, 2008, 2013b, 2014a, 2014b, 2018, 2019a, 2019b, 2019c).

2.3 Beziehungsmotive

Zur Analyse des Interaktionsverhaltens von Klienten mit Persönlichkeitsstörungen wurde das Konzept der Beziehungsmotive, das auch gerade bei der Behandlung von Klienten mit Persönlichkeitsstörungen relevant ist, entwickelt (vgl. Sachse et al., 2010, 2011, 2014; Sachse & Schirm, 2015).

Dabei wird angenommen, dass Personen im Hinblick auf die Beziehung zu anderen Personen bestimmte Motive haben, die sie in der Interaktion mit relevanten Partnern befriedigen möchten. Dabei möchten sie, dass andere durch ihr Beziehungsverhalten ihnen motivrelevantes Feedback geben.

Hat eine Person z. B. ein hohes »Anerkennungsmotiv«, dann will sie positives Feedback über sich selbst bekommen: Sie will beispielsweise hören, dass sie erfolgreich ist, leistungsfähig, intelligent, ausdauernd u.ä. Sie will dieses Feedback vor allem von Personen, die das auch beurteilen können, jedoch, in geringerem Ausmaß, eigentlich von jedem.

Und: Sie will nicht das Gegenteil hören, also dass sie unintelligent, erfolglos, leistungsschwach u.ä. ist.

Für die Therapie ist wesentlich, dass die PD-Klienten solche Handlungen von Interaktionspartnern und damit auch von Therapeuten erwarten: Sie gehen in eine Therapie, um vom Therapeuten eine bestimmte Art von Beziehung angeboten zu bekommen. Und darauf muss ein Therapeut reagieren, wenn er eine therapeutische Beziehung zu einem Klienten aufbauen will.

Man kann sechs zentrale Beziehungsmotive unterscheiden:

• Anerkennung

• Wichtigkeit

• Verlässlichkeit

• Solidarität

• Autonomie

• Grenzen/Territorialität

Klienten, die ein bestimmtes Beziehungsmotiv hoch in der Motivhierarchie aufweisen, wollen vom Interaktionspartner Handlungen, die das Motiv befriedigen: Das bedeutet, sie wollen eine bestimmte Art von Feedback bekommen. Motivationstheoretisch gesehen bilden Motive eine »Hierarchie« ihrer Bedeutung: Motive, die hoch in der Hierarchie sind, will eine Person vorrangig befriedigen, sie »determinieren die Exekutive« in hohem Ausmaß, d. h. sie beeinflussen das Handeln der Person sehr stark. Motive, die niedriger liegen, dominieren weniger, trotzdem ist es für eine Person wichtig, auch diese Motive zu befriedigen.

Motive, die unbefriedigt bleiben, bleiben hoch in der Hierarchie oder werden sogar immer bedeutsamer (so wie Hunger stärker wird, je länger man nichts isst): Das bedeutet, befriedigt man ein Motiv nicht, nimmt es an Bedeutung zu!

Befriedigte Motive sinken in der Hierarchie ab, sie werden weniger relevant. Die Befriedigung wesentlicher Motive (sogenannter »impliziter« Motive) führt zu Zufriedenheit: Die Person kommt in einen angenehmen, positiven, affektiven Zustand, der sich auch positiv auf ihr gesamtes Wohlbefinden auswirkt (Brunstein, 1993, 1995, 2001, 2006).

Wird ein Motiv nicht befriedigt, dann führt das zu Unzufriedenheit, also zu einem negativen und beeinträchtigenden Zustand.

Ist ein Motiv extrem dominant, dann ermöglicht es anderen Motiven nicht mehr, befriedigt zu werden, das heißt: Dominante Motive verstärken Unzufriedenheit.

Alle diese Aspekte spielen bei PD eine Rolle.

Dabei ist das Feedback, das mein Anerkennungsmotiv befriedigt, anders als das Feedback, das mein Wichtigkeitsmotiv befriedigt usw. Die Personen wollen damit von Interaktionspartnern motiv-spezifisches Feedback.

Die Personen wollen vom Interaktionspartner bestimmte Inhalte explizit (verbal) oder implizit (nonverbal) mitgeteilt bekommen, aber eigentlich sind diese Informationen aus motivationstheoretischer Sicht nicht nur »Informationen«, sondern »Futter«. Es geht daher nur am Rande darum, die Person »zu informieren«, also ihr etwas zu sagen, was neu für sie ist. Es geht zentral darum, ein Motiv zu befriedigen, also der Person etwas zu geben, was sie braucht.

Daher genügt es auch nicht, einer Person mit einem Motiv ein Feedback einmal oder »ab und zu« zu geben: Sie will es so oft wie möglich hören und so intensiv wie möglich! Und das gilt in umso höherem Ausmaß, je stärker das Motiv ausgeprägt ist.

Würde es sich um reine Informationen handeln, dann hätte eine ständige Wiederholung der Inhalte durch den Partner bald keinen Informationswert mehr und wäre überflüssig und würde irrelevant. Aus motivationstheoretischer Sicht bedeutet die Mitteilung relevanten Feedbacks aber eine Motivbefriedigung und wird damit weder redundant noch irrelevant: Ähnlich wie man heute auch wieder Nahrung braucht, obwohl man gestern schon gegessen hat und auch lägst weiß, wie die Lebensmittel schmecken, so ist auch der Inhalt einer »Anerkennungsbotschaft« heute wieder gut zu hören, obwohl man sie gestern schon bekommen hat und obwohl man ihre Inhalte im Prinzip längst kennt.

Klienten mit PD sind aufgrund ihrer stark ausgeprägten Beziehungsmotive hochgradig beziehungsorientiert: Das bedeutet, sie wollen in allen Beziehungen und vor allem in den für sie wichtigen, dass ein Interaktionspartner ihre Motive füttert und zwar so stark wie möglich: Das ist eines ihrer primären Anliegen in Beziehungen.

Außerdem bringen Klienten ihre Beziehungsmotive in die therapeutische Beziehung ein: Das heißt, sie wollen auch vom Therapeuten eine Befriedigung ihrer Motive. Und das ist das Erste und Stärkste, was sie zu Therapiebeginn wollen: Sie wollen, dass ein Therapeut ihre Motive füttert.

Nun weisen aber Klienten in aller Regel nicht alle Motive hoch in der Motivhierarchie auf: Ein Klient mit einer PD weist meist ein, zwei der drei Motive auf und das auch in unterschiedlicher Stärke. So weist z. B. ein Klient mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung das Motiv Anerkennung in hohem Maße auf (es ist das zentrale Motiv in der Hierarchie); daneben kann er, schwächer ausgeprägt, noch die Motive Wichtigkeit oder Solidarität oder Autonomie aufweisen.

Die Dominanz dieser Motive führt dazu, dass die Person vorrangig versucht, diese Motive zu befriedigen, also ihre Handlung weitgehend danach auszurichten. Das hat aber fast immer zur Folge, dass andere Motive »auf der Strecke bleiben«, und das erhöht meist die allgemeine Unzufriedenheit.

Im Einzelnen kann man die Motive folgendermaßen definieren (vgl. Sachse, 2006a):

Janr və etiketlər

Yaş həddi:
0+
Litresdə buraxılış tarixi:
05 avqust 2025
Həcm:
260 səh. 17 illustrasiyalar
ISBN:
9783170397644
Müəllif hüququ sahibi:
Bookwire
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