Kitabı oxu: «Die Bornsteins»

Şrift:

Ralf Bachmann

Die Bornsteins

Eine deutsch-jüdische Familiengeschichte

Sax Verlag

Dank / Impressum

Ohne Unterstützung von Verwandten, Freunden und Förderern hätte dieses Buch nicht entstehen können. Mein Dank gilt vor allem der Stadt Falkenstein und dem Vogtlandkreis. Ich danke auch meiner Tochter Katrin Hartmann, der Grafikerin Birgit Röhling, dem Schöpfer der Ausstellung »Juden in Falkenstein« Ralph Ide, meiner Enkelin Lydia Strauß für die Titelzeichnung, um nur die wichtigsten Helfer zu nennen. Das Umschlagfoto aus Privatbesitz zeigt Mitglieder der Familie Bornstein 1905 am Ostseestrand.

Ralf Bachmann

Vollständige eBook-Ausgabe der im Sax-Verlag erschienenen Druckausgabe, Markkleeberg 2012

ISBN 978-3-86729-106-4

Alle Rechte vorbehalten

© Sax-Verlag, Beucha 2006

Layout und Bildbearbeitung: Birgit Röhling, Markkleeberg

Erstellung eBook: <text-element/>, Michael Steppes, Markkleeberg

www.sax-verlag.de

Vorwort / Einleitung
Zur 3. Auflage

Glücklicherweise hat das Erscheinen der »Bornsteins« nicht nur ein lebhaftes Echo ausgelöst, sondern auch eine Reihe unbekannter Details zur Familiengeschichte zutage gefördert. So kann diese Ausgabe in mehreren Kapiteln ergänzt und um ein neues Kapitel erweitert werden. Das ist auch einigen jener Leute zu verdanken, die sich als Nichtjuden mit wahrer Hingabe, oft neben ihrer beruflichen Tätigkeit, der Erforschung jüdischer Vergangenheit gerade in Orten gewidmet haben, in denen es längst keine jüdischen Mitbürger mehr gibt. Sie halten die Erinnerung an jene Zeiten vor der Judenvernichtung und -vertreibung wach, als deutsch-jüdisches Zusammenleben zum Nutzen aller noch eine Selbstverständlichkeit war. Dafür und für manche wertvollen Informationen bin ich namentlich Herrn Werner Pöllmann, Markneukirchen, Herrn Dr. Jürgen Nitsche, Chemnitz, Herrn Ralph Ide, Falkenstein/Vogtland, Frau Ellen Bertram, Leipzig, und nicht zuletzt Frau Waltraud Schmidt, Plauen, zu großem Dank verpflichtet.

Ich bin mit den »Bornsteins« viel unterwegs gewesen. In über 25 Lesungen habe ich zu ganz unterschiedlichen Bevölkerungskreisen gesprochen. Besonders am Herzen lagen mir die Begegnungen mit den meist sehr aufgeschlossenen Jugendlichen in Schulen und anderswo. Nun, im achten Lebensjahrzehnt, wird das aus Alters- und Gesundheitsgründen zwangsläufig seltener werden. Es wäre eine Genugtuung für mich, wenn trotzdem auch in Zukunft gerade die junge Generation zu diesem Büchlein als einem Lesestoff greifen würde, der ihr authentisch und aus der lebendigen Sicht eines Betroffenen, aber ohne Selbstmitleid und Anklagen vom Schicksal der deutschen Juden in und nach einer der schwersten Prüfungen in ihrer jahrtausendelangen Geschichte erzählt.

Was dieses Buch bezweckt

Nun, in erster Linie soll es Lesestoff sein, Unterhaltung und Entspannung bringen, auch wenn der Titel nicht danach klingt. Die Bornsteins? Die aus Falkenstein? Wenn schon noch eine deutsch-jüdische Familienchronik, warum dann gerade über stinknormale Juden, die keiner kennt? Warum nicht über die Mendelssohns und was aus ihnen geworden ist? So wird vielleicht mancher Leser nach den ersten Zeilen fragen. Mit der Antwort könnte ich es mir einfach machen: Über die Mendelssohns weiß ich weniger, als schon gedruckt worden ist. Über die Bornsteins aber eine Menge mehr, sogar intime Details, denn ich gehöre zu ihnen. Ich muss davon ausgehen, dass dieses Wissen mit mir ins Grab sinkt, wenn ich es nicht aufschreibe. Das könnte mir und den Lesern gleichgültig sein, gäbe es da nicht einiges, das wohl doch bewahrt werden sollte, das vielleicht zum zweitausendjährigen deutsch-jüdischen Zusammenleben gehört oder es wenigstens verständlicher macht. Erstens sind das in Form von Episoden mit Prismencharakter oder reportagehaft erzählten Geschichten typische Schicksale einer ganz bestimmten und nicht kleinen Gruppe von deutschen Juden – des jüdisch gebliebenen, jedoch recht angepassten städtischen oder kleinstädtischen Mittelstandes – im vorigen Jahrhundert. Zweitens ist das der Stoff für eine Lektüre, in der man keinen Zeigefinger heben muss, in der einfach die Wahrheit für sich spricht, die man mit innerer Anteilnahme, aber oft auch mit Schmunzeln lesen kann. Denn das Judenleben war auch in Deutschlands finstersten Jahren bis zur Schaffung der Massenvernichtungslager nicht nur tragisch und traurig. Es hatte alle Facetten, die das Menschsein nun einmal aufzuweisen pflegt. Niemand braucht sich zu schämen, wenn er vielleicht nach Tränen beim Weiterlesen zu lächeln beginnen sollte. So ist das Leben.

Die meisten Beiträge sind ursprünglich als selbstständige Arbeiten, entweder als Artikel oder als Manuskripte für Lesungen geschrieben worden. Biografien konnten und sollten so nicht entstehen. Aus den Lebensläufen wurden dramatische Höhe- oder Tiefpunkte herausgegriffen. Vollständigkeit darf man nicht erwarten. Hier und da kommt es zu Doppelungen. Ich hätte das durch Streichung beseitigen können, aber ich habe es nicht getan, weil es möglich sein soll, jedes Kapitel für sich zu lesen und doch den Gesamtzusammenhang zu erkennen. Alle Kapitel von 1 bis 10 sind nach dem wirklichen Ablauf der Ereignisse, wie ich sie erlebte oder erzählt bekam, unter Nennung der Namen und der Orte geordnet. Fotos und Dokumente aus hundert Jahren, die vielseitig wie ein jüdisches Familienalbum die meisten im Text genannten Ereignisse widerspiegeln, bieten dem Leser dann und wann die Möglichkeit zu einer Art optischer Kontrolle des Textes.

Die Kapitel 11 und 12, deren Held Primo ist, haben ebenfalls dokumentarischen Charakter. Da ist nichts ausgedacht. Nur im Interesse noch lebender Personen oder auch der nächsten Angehörigen inzwischen Verstorbener habe ich die Namen der Akteure verändert und manche Handlungsabläufe neu geknüpft. Inwieweit Primo mit dem Autor, mit dessen Bruder oder mit dessen bestem Freund identisch ist, muss ich aus dem gleichen Grund von Fall zu Fall dem Ratschluss des Lesers überlassen. Er ist jedenfalls weniger Person als Komposition.

Da und dort tauchen im Text einige jiddische und aus dem Hebräischen stammende Ausdrücke und Bezeichnungen auf. Soweit es den Gedankengang nicht allzu lang und abrupt unterbricht, werden sie unmittelbar im Anschluss übersetzt oder erklärt. Ansonsten sei auf den umfangreichen Teil »Anmerkungen und Erläuterungen« im Anhang verwiesen, in dem auch selten gebrauchte Fremdwörter (im Text mit * versehen) interpretiert werden und einige Langfassungen von im 8. Kapitel zitierten Heine-Gedichten zu finden sind.

Ralf Bachmann

1. Kapitel

Opa Max, der Kapitalist,
und Hoelz Max, der Anarchist
Vom Kaufmann in Lissa zum ersten Juden in Falkenstein / Vogtland

An einem sonnigen Sommernachmittag des Jahres 1886 saß in einem kleinen jüdischen Café der damals preußischen Stadt Lissa (Provinz Posen) der 23-jährige Kaufmann Max Bornstein mit einem guten Freund zusammen, der gerade von einer längeren Reise quer durch Sachsen zurückgekommen war. Er erzählte sehr bildhaft und immer wieder die Sätze mit einer oder gar zwei fast malenden Handbewegungen unterstreichend von Leipzig, dem aufblühenden »Klein Paris«, das vor allem zu Messezeiten wie ein Magnet Handelsleute aus allen Kontinenten anziehe, vom Elbtal und der unvergleichlichen Silhouette der königlichen Metropole Dresden. Aber Max Bornstein spielte ein wenig ungeduldig mit dem Kaffeelöffel. Er wollte etwas anderes hören. Das kam doch alles für ihn als Startpunkt einer neuen Existenz nicht in Frage, da brauchte man viel Geld, gute Beziehungen, den kaltschnäuzigen Geschäftssinn eines Shylock und Erfahrungen im Umgang mit Gaunern und Kuponabschneidern. All das hatte er nicht. Umso mehr horchte er auf, als der Freund zum vorletzten Teil der Reise kam und von einem herrlichen Flecken Erde im Grenzgebiet zwischen Sachsen, Bayern und Thüringen schwärmte, gebirgig, dennoch nicht schroff, mit vielen kleinen Siedlungen, aber noch mehr Wäldern und Bergwiesen – dem Vogtland, von Menschen, die sich dem Fremden nicht leicht erschließen, die auch ihm aber immer freundlich begegneten, die geschickte Handwerker, musikalisch, fleißig und sparsam sind. In der einen oder anderen Kleinstadt habe er selbst gedacht, hier könnte man bleiben, ein Geschäft aufmachen und eine Familie gründen. Falkenstein zum Beispiel sei ein wahres Kleinod inmitten von Grün, um die 500 Meter hoch gelegen. Fast alle Häuser, erzählte er, sind nach einem Großbrand, der vor über 25 Jahren die halbe Stadt vernichtet hat, neu gebaut, deshalb erscheinen die Straßen wie auf einem Schachbrett schnurgerade und rechtwinklig, wenn auch meist nicht gepflastert und nach Regen rechte Schlammwüsten. Nach und nach kommt selbst das in Ordnung. Eine Stadt, die schnell wächst, ist dazu einfach gezwungen. Jetzt gibt es 5 000 Einwohner, aber spätestens 1900 sollen es doppelt so viel sein. Ein großes Kundenpotenzial für ein Geschäft mit zwei, drei Verkäuferinnen. Falkenstein blüht auf wie die Gardinenweberei und die Stickereiindustrie, die hier einen Platz gefunden haben. Das klang verlockend für meinen Großvater, den jungen Handelsmann, der auch mit Interesse vernahm, dass es in Falkenstein noch keine Juden gab.

Jeder Jude wird in Falkenstein der erste sein

Falkenstein, hörte er, hatte jahrhundertelang den Status einer »Freien Bergstadt«, in denen nach der Bergordnung von 1589 die Ansiedlung von Juden verboten war. Seit kurzer Zeit gäbe es kein Bergamt mehr. Man könne jetzt auch die großzügigere Gesetzgebung des Deutschen Reiches auf diesem Gebiet nutzen. Aber jeder Jude, der nun dorthin geht, wird der erste sein. Max Bornstein schreckte das nicht, im Gegenteil. Ortsansässige Juden waren überall die schärfste Konkurrenz für zugereiste jüdische Geschäftsleute. Einen gewissen zeitlichen Vorsprung zu haben, konnte nichts schaden. Er hatte es im Grunde nicht eilig, die preußische Provinz zu verlassen. In Lissa (dem heutigen polnischen Leszno) gab es eine angesehene jüdische Gemeinde. Unter den Rabbinern waren große Gelehrte, und sie hatten begabte Schüler.

Für ihn selbst war das Studium der Thora nicht allzu verlockend, er saß nicht gern stundenlang über dicken Büchern und mochten sie noch so weise sein.


Max Bornstein (Fotoatelier Ronneberger & Sohn Falkenstein)

Aber manchmal beneidete er die Knaben schon, die jünger als er waren und bereits ganze Abschnitte aus den fünf Büchern Moses auswendig aufsagen und sogar erklären konnten.

Er ahnte nicht, dass einer von ihnen, der 1873 in Lissa geborene Rabbinersohn Leo Baeck, einmal einer der größten jüdischen Religionsphilosophen, ein führender Vertreter des liberalen Judentums und der letzte große deutsche Rabbiner vor der Schoa werden sollte. Mancher Jude erwarb sich als Rechtsanwalt, als Arzt oder Handwerker einen herausgehobenen Platz in der von der Textilindustrie geprägten Provinz. Auch Max Bornstein hatte im Wartheland und in Schlesien als Angestellter in Konfektionsbetrieben stets sein Auskommen gehabt. Aber immer wieder bekamen die Juden zu spüren, dass sie als Menschen zweiter Klasse galten. In den Textilbetrieben wurden Hungerlöhne gezahlt, und viele Familien, die aus dem Osten zuzogen, fanden weder Arbeit noch Brot. Wenn ihn seine um drei Jahre ältere Braut Röschen Fabian manchmal ungeduldig fragte, ob es nicht endlich Zeit sei, unter die Chuppa (den auf vier Stangen stehenden jüdischen Hochzeitsbaldachin) zu gehen, glaubte Max Bornstein, sie und sich vertrösten zu müssen. Für ihn war die Voraussetzung, selbst ein Geschäft eröffnen zu können, auf eigenen Füßen zu stehen. Und dafür standen die Chancen hier ausgesprochen schlecht.

Warum also sollte man nicht nach Sachsen umziehen, es in einer Stadt wie Falkenstein versuchen? Er überlegte nicht lange. Mit einem Koffer und etwas Bargeld, das er gespart hatte, machte er sich auf die Reise. So wurde Max Bornstein 1886 der erste Jude in Falkenstein im Vogtland. Er war, obwohl eher ein Großstadtmensch, von dem, was er sah, begeistert und traf alle nötigen Vorbereitungen für die Eröffnung eines Konfektions- und Schuhgeschäftes in bester Lage in der Hauptstraße von Falkenstein. Gleichzeitig beschloss er, seine Großstadtambitionen, die ihn bis dahin mehr nach Breslau und Posen geführt hatten, auf Leipzig zu übertragen und dort später eine zweite Wohnung zu mieten. Noch einmal kehrte er im gleichen Jahr nach Lissa zurück, um seiner Braut, seinen Geschwistern und einigen seiner engsten Gefährten, mit denen er die Schulbank gedrückt und später die Bar Mitzwa gefeiert hatte, Bericht zu erstatten. Er muss das Vogtland in leuchtenden Farben geschildert haben, denn im Melderegister der nächsten Jahre tauchen mehrere jüdische Neuzugänge aus Lissa und Umgebung auf, darunter Röschen, mittlerweile Frau Bornstein, Schwester Rosa, Schwager Paul Lewin und sogar ein Kaufmannslehrling für die neu gegründete Firma Bornstein.

Meine Großeltern heirateten übrigens in Birnbaum, einer Kleinstadt westlich von Posen. Die Gründe für die Ortswahl haben mich nicht weiter beschäftigt, bis ich ein kleines Buch von Nils Busch-Petersen über den Lebensweg von Oscar Tietz las, der aus Birnbaum stammte und zum Warenhauskönig von Berlin wurde. Busch-Petersen bemerkt darin eher beiläufig, Birnbaum sei eine Art »Brutstätte« für große jüdische Handelsdynastien geworden. Außer der Familie Tietz nennt er u. a. die Joskes, die später in Leipzig und Berlin große Warenhäuser besaßen.

Ein Blick auf den Stammbaum, den ich aus Haifa bekommen hatte, ließ mir ein Licht aufgehen. Oma Röschen und die »Stammmutter« der Joske-Dynastie waren Schwestern. Meine Großeltern wollten wohl da heiraten, wo die zwei Jahre ältere und offenbar schon besser situierte Schwester Johanna Joske lebte und eine Hochzeit ausrichten konnte. Dass Oscar Tietz im gleichen Jahr in Berlin seine Cousine Betty ehelichte, war wahrscheinlich nur ein Zufall.

Rückblick mit Wehmut und Nachdenklichkeit

Im Schloss Falkenstein, Sitz des Museums und der Sparkasse der Stadt, fand im Herbst 2003 eine Ausstellung statt, die man getrost in die Kategorie »deutsche Besonderheiten« einstufen kann. Sie hieß »Juden in Falkenstein«. Die Stadt, die seit über einem halben Jahrhundert keine jüdischen Bürger mehr hat, gedachte mit viel Liebe und etwas Wehmut ihrer jüdischen Vergangenheit. Zur Ausstellungseröffnung erschienen nur noch einige von weither angereiste Nachfahren der Falkensteiner Juden, darunter mein Vetter Herbert aus Haifa und ich als die einzigen beiden noch lebenden Enkel Max Bornsteins. Falkensteins Bürgermeister Arndt Rauchalles lobte die Ausstellung als einen lohnenden Rückblick. Sie mache den heutigen Falkensteinern bewusst, welche Lücke da entstanden ist, welcher Verlust an Kultur, an Weltläufigkeit, an Kreativität, an nicht selten skurrilen Persönlichkeiten, an jener Mischung von Unterschiedlichkeit und Gemeinsamkeit, die das deutsch-jüdische Zusammenleben prägte und so wertvoll machte.


Falkensteiner Anzeiger vom 7. März 1889

Falkenstein hat fast 10 000 Einwohner und eine lange Geschichte. 1362 wird der Name zum ersten Mal in einer Urkunde genannt. Aber die Geschichte der Juden in Falkenstein ist extrem kurz, etwas mehr als sechs Jahrzehnte. Sie begann mit dem, was eben zu lesen war, dem Zuzug meines Großvaters, und der Eröffnung seines Konfektions- und Schuhgeschäfts »auf eigene Rechnung« in der Hauptstraße 9, das offenbar rasch florierte, dessen Besitzer und Sortimente später mehrfach wechselten, das aber bis heute als Laden besichtigt werden kann und nach mehreren Frischzellenkuren wieder eine Zukunft zu haben scheint. Und die Geschichte der Falkensteiner Juden endete im November 1951, als die letzten Mitglieder der Familie Levy der DDR den Rücken kehrten. An der Hausfront Hauptstraße 30 erinnern seit der jüngsten Renovierung große dunkle Lettern über den Schaufenstern daran, dass hier Auguste Levy ein Haushaltwarengeschäft betrieb, die als Gustel Korytowski in Großvaters Geschäft begonnen hatte. Hier schließt sich der Kreis.

Vier Kinder aus Falkenstein – vier jüdische Schicksale in Deutschland

Die idyllische Bergstadt ist nie eine jüdische Hochburg geworden. Doch immerhin überschritt deren Zahl in der »Blütezeit«, den Zwanzigerjahren, die 100. Fast alle flohen vor Judenverfolgung und Holocaust im Nazireich. Ihre Nachkommen sind heute u. a. in Israel, in der Schweiz, in den USA, aber auch in München, Hamburg und Berlin zu Hause. Mancher hält zumindest sporadisch Kontakt zu der Stadt, in der seine Vorfahren lebten. Bleiben wir bei den Bornsteins, deren Schicksal typisch für die Mehrzahl jener Juden war, die sich eigentlich vor allem als Deutsche und dann erst als Juden gefühlt und denen die Nazis ihre Herkunft wieder in die aus Palästina stammende Haut gegerbt hatten, um es frei nach Heinrich Heine zu formulieren.

Am 28. Januar 1890 wurde Röschen und Max mit Elsa Regina die älteste Tochter geboren. Sie heiratete den Leipziger Kaufmann Siegfried (Fred) Samuel Urbach, der von SA-Mob überfallen und auf offener Straße zusammengeschlagen wurde. An den Folgen ist er 1935 in Leipzig gestorben. Tante Elsa ist mir als ernst, gebildet und sehr zurückhaltend in Erinnerung. Sie überlebte, zeitweise im Untergrund oder im Exil, und starb 1969 in Frankfurt am Main. Etwas über das Schicksal ihres Sohnes, meines Cousins Karli, kann man in meinem Buch »Ich habe alles doppelt gesehen« (Sax-Verlag, Beucha 2009, S. 259 ff.) anhand eines Artikels von Walter Janka nachlesen. Tante Elsas Enkel und Urenkel wohnen in der Schweiz.

Die nächste Tochter und damit das zweite in Falkenstein geborene jüdische Kind, Jahrgang 1892, nannten Max und Röschen Alma. Sie wanderte 1936 gerade noch rechtzeitig mit ihrem Mann Julius Samter, der in der Nachbarstadt Reichenbach ein Konfektionsgeschäft leitete, und Sohn Herbert, von dem in einem der nächsten Kapitel zu sprechen sein wird, nach Haifa aus. Für die zahlreichen Nachkommen der Familie, die wenigsten von ihnen sprechen Deutsch, ist Israel zur Heimat geworden.


Annonce aus dem Falkensteiner Anzeiger vom 27. Mai 1911

Die jüngste im Bornsteinschen Dreimäderlhaus wurde 1893 meine Mutter Hertha. Das Nesthäkchen heiratete als einzige einen Nichtjuden, was ihr praktisch das Leben rettete. Sie überlebte das KZ Theresienstadt, starb 1978 in Leipzig und hat dort auf dem jüdischen Friedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden. Ihr ist vor allem das Kapitel »Der weiße Traum und die Kette mit dem Magen David« gewidmet.

Das tragischste Schicksal ereilte in der Zeit der Judenmorde Wilhelm, das Söhnchen, Großvaters ganzen Stolz. Geboren ist er zu Falkenstein im Jahre 1897. Nach Ableistung des Wehrdienstes im Ersten Weltkrieg wurde er Vertreter einer Thüringer Porzellanfirma und zog mit seiner Frau, einer Winzertochter aus dem Rheinland, die wie seine ältere Schwester hieß, nach Leipzig.


Laden in der Hauptstraße um 1910. Am Fenster: Elsa und Hertha

Dort kam 1933 Tochter Ruth zur Welt. Der Lebensweg von Onkel Willy, Tante Alma und Cousine Ruth spielt in meiner Erinnerung und deshalb auch in diesem Buch eine bedeutende Rolle. Von Anfang an traf sie die Naziverfolgung am härtesten.

Willy, der sich in Leipzig in der jüdischen Loge B’nai B’rith (Söhne des Bundes) engagiert hatte, wurde nach der so genannten Reichskristallnacht viereinhalb Monate im KZ Buchenwald eingekerkert und anschließend verpflichtet, Deutschland sofort zu verlassen.

Von seinen Erlebnissen bei der Odyssee der St. Louis, die mit über 900 Juden an Bord bis in den Hafen von Havanna kam, aber nach Europa zurückgeschickt wurde, handelt das Kapitel »Die Odyssee der St. Louis«. Frau und Tochter konnten noch kurz vor Kriegsbeginn nach Belgien fliehen. Dort überlebten sie, während Willy Bornstein in Auschwitz ermordet wurde.

Ähnlich dramatisch war das Schicksal der anderen jüdischen Familien Falkensteins, der Lewins und Verlegers, der Levys und Korytowskis, der Chojnackis und Gumpels. Über manche konnte man in den Dokumenten der Ausstellung Details erfahren, von anderen existieren nur noch ein paar Quittungen, ein Briefumschlag mit dem Stempel »Empfänger im Getto nicht auffindbar«.

Auch einen Schindler hat Falkenstein: Alfred Roßner wurde 2002 in Yad Vashem als »Gerechter unter den Völkern« geehrt. Er hatte im Krieg in Bẹdzin im besetzten Polen als Treuhänder einer Firma, die der Familie Verleger gehörte und später Uniformschneiderei der SS wurde, mehreren 100 jüdischen Arbeitern das Leben gerettet, indem er sie durch »UK«-Stellung (im Kriegsbürokratenjargon für »Unabkömmlich«) vor der Deportation bewahrte. Wie er das machte, wie er dabei die SS-Leute hinters Licht führte, welchen Mut er bewies – all das könnte Stoff für einen Spielberg-Film sein. Die Antwort der SS ließ nicht lange warten. Roßner wurde im Dezember 1943 im Gefängnis von Sosnowitz zu Tode gequält. Ein weiterer Nothelfer war der Falkensteiner Apotheker Dr. Hans Scherner, der im März und April 1945 das Ehepaar Klemperer auf der Flucht vor den Nazis (Victor Klemperer hat darüber in seinem große Literatur gewordenen Tagebuch geschrieben) aufnahm und versteckte.

Die finsterste Zeit der Falkensteiner Juden begann mit einem Aufruf des Nazi-Bürgermeisters Lenk und des NSDAP-Ortsgruppenleiters Hainig vom 26. August 1935 an die Einwohnerschaft mit selbst für damalige Verhältnisse unglaublichen Drohungen: »Kein deutscher Volksgenosse kauft oder verkehrt mehr bei Juden, Judengenossen, reaktionären und marxistischen Geschäftsleuten. Er geht auch nicht mehr zu jüdischen Rechtsanwälten und Ärzten usw. Wer dies nicht beachtet, läuft Gefahr, öffentlich gebrandmarkt und unter Umständen wegen Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung zur Rechenschaft gezogen zu werden.« (siehe Anhang S. 140/141)

Mein Großvater hat das nicht mehr erlebt. Er hatte sich lange vorher nach Leipzig zurückgezogen, wo wohlhabende Verwandte wie die Joskes und die Nordheimers wohnten, mit denen er sich gut verstand, und wo er im November 1931 in seiner Wohnung in der Reitzenhainer Straße 43/45 an Krebs erkrankte und verschied. Großmutter Röschen schenkte zwischen 1880 und 1887 sechs Kindern das Leben, außer den genannten noch zweien, denen nur wenige Monate beschieden waren, und starb selbst schon 1913. Die Bücher deuten darauf hin, dass Max Bornstein als Geschäftsmann sagen wir trickreich war. Vielleicht zwang ihn auch die wirtschaftliche Lage dazu, ein wenig zu manipulieren.

Ich weiß alles nur aus den Gesprächen der Eltern, Schriftstücken und Falkensteiner Zeitungsinseraten. Denn als er starb, war ich knapp zwei Jahre alt. Im Adressbuch 1907/08 war aus der Firma schon »Max Bornstein Nachf.« geworden. Aber man inserierte vollmundig als »Größtes und ältestes Spezialhaus für Herren-, Damen- und Kinderkonfektion sowie Schuhwaren«. Die Nachfolger waren engste Verwandte des Großvaters, Schwester Rosa, von deren Existenz ich erst aus den alten Papieren erfuhr, da von ihr zu Hause nie die Rede war, und ihr Ehemann Paul Lewin. 1935, als in Falkenstein Nazis wie die oben zitierten Bürgermeister Lenk und NSDAP-Ortsgruppenleiter Hainig das Sagen hatten, kamen Haus und Geschäft unter den Hammer, damit der Besitz in »arische Hände« übergehen konnte.

Für Hoelz war er ein »anständiger Kerl«

Falkenstein hat nicht so viele berühmte Söhne und Töchter. Einer gehört in die Geschichtsbücher, ein Spross der Familie von Trützschler, der einstigen Herren des Schlosses, in dem die erwähnte Ausstellung stattfand: Wilhelm Adolph von Trützschler hätte sich über sie gefreut. Er wurde 1848 als Vertreter des Vogtlands in die erste Deutsche Nationalversammlung gewählt, die in der Frankfurter Paulskirche tagte. Unerschrocken trat er für die deutsche Einheit und die Abschaffung der Monarchie ein, focht als linker Demokrat für Presse- und Glaubensfreiheit. Am 14. August 1849 töteten ihn die Kugeln eines preußischen Exekutionskommandos in Mannheim. Bis heute bleibt ihm außerhalb Falkensteins die verdiente Anerkennung weitgehend versagt.

Schlagzeilen machte von hier aus ein anderer. Er setzte ganze Reichswehreinheiten in Bewegung und verleitete noch das DDR-Fernsehen zu einem nicht nur historisch misslungenen Spielfilm. Der umstrittene Revolutionär Max Hoelz, einer der Köpfe des örtlichen Arbeiter- und Soldatenrates, Organisator des vogtländischen Widerstandes gegen den Kapp-Putsch, sah sich als Kommunist und nannte seine Arbeiterwehr »Rote Garde«. Er war aber wegen seiner eigenwilligen, individuellen Terror nicht ausschließenden Kampfmethoden zeitweise sogar aus der KPD ausgeschlossen und galt vielen als ein klassischer Anarchist. Andererseits wurde er wegen seines Mutes und seiner Ehrlichkeit von den Arbeitern geliebt und wegen seines Aussehens von Frauen umschwärmt. Die Meinungen über ihn gingen immer auseinander. Die DDR tat sich schwer mit dem ungebändigten Revolutionär, ließ aber doch das Erscheinen einer in den Zwanzigerjahren geschriebenen Autobiografie und einer von einem DDR-Journalisten geschriebenen geglätteten Würdigung seines Lebens zu. Kaum einen wird es wundern, dass der Streit um seinen Platz in der Geschichte nach der Wende neu entflammte und wohl auch heute nicht beendet ist.

Unter den Episoden aus dem Leben von Opa Max, die im Familienkreis die Runde machten und die vor allem meine Mutter als Lieblingstochter nicht müde wurde zu erzählen, nahmen seine Begegnungen mit diesem Mann den ersten Platz ein. Max Hoelz ertrank 1933 in Russland. Angeblich als er die Oka an einer Stelle auf einem primitiven Ruderboot zu überqueren versuchte, wo der russische Strom fast 1000 Meter breit und besonders gefährlich war. Als meine Mutter von seinem rätselhaften, bis heute unaufgeklärten Tod erfuhr, erinnerte sie sich an das Urteil von Opa Max über ihn:

»Natürlich kannte ich Hoelz Max«, sagte mein Großvater zu ihr. »Jeder in Falkenstein hat ihn gekannt. Die einen bekamen was von ihm, die anderen mussten ihm etwas geben, vor allem Geschäftsleute. Ich auch, ein paar Mal. Er nahm nichts für sich, verteilte alles an Arme. Der Hoelz war kein Kommunist wie die heute, eher fühlte er sich als eine Art Stülpner Karl (die sächsische Variante des Robin Hood – R. B.), der die Reichen berauben und die Elenden beschenken wollte. Der Hoelz war ganz gewiss kein gewöhnlicher Ganew (jiddisch für Gangster – R. B.), aber ein recht meschuggener Fisch war er schon.« Nicht sehr fortschrittsgläubig kommentierte Opa die revolutionären Programme der Hoelzianer mit den dank meiner Mutter in der Familie geflügelt gewordenen Worten: »Alles wird sich neu gestalten, nur der Toches bleibt gespalten.«

Vor der großen Brandstiftungsaktion gegen fünf Kapitalistenvillen, die Max Hoelz gewiss zu Recht angelastet wurde, obwohl er sich nicht schuldig bekannte, suchte Hoelz seinen »kapitalistischen Freund Max Bornstein« auf und vertraute ihm an: »Hör zu, Max, hier in Falkenstein wird in den nächsten Tagen etwas passieren, wovon die ganze Welt reden wird. Aber du brauchst keine Angst zu haben. Dir tun wir nichts. Du bist ein anständiger Kerl.«


Falkensteiner Adressbuch 1907

Dabei war mein Opa ein absolut unpolitischer Mensch. Er blieb, was er war, ein deutscher Jude, sehr deutsch und sehr jüdisch, bis zu seinem Tode, der rechtzeitig kam, um ihm die ganze nazistische Schreckenszeit zu ersparen.

Man sprach nur über Opas Streiche

Viel mehr über ihn weiß ich nicht. Er war schon sehr hinfällig, als ich gerade mal zu denken anfing. Noch einmal entlockte ich ihm ein herzliches Lachen, als ich ihn »Opa Bornsteibein« anredete. Ein einziges Foto zeigt mich mit ihm zusammen vor dem Kaufmannsladen meines großen Bruders beim Geschäfte machen. Das konnte er und das bereitete ihm Vergnügen, und wenn er einen anderen dabei über den Tisch zog, dann nicht aus Geldgier, sondern eher, ums dem mal zu zeigen.


Zeitgenössisches Flugblatt: Die fünf durch Hoelz niedergebrannten Villen in Falkenstein. April 1920

Großvater Max war in Falkenstein zu Lebzeiten eine fast ebenso bekannte Persönlichkeit wie sein Vornamensvetter Hoelz. Und er war auch nicht weniger populär. Er galt als Ulknudel, die viel Schabernack auf Kosten anderer betrieb, den Schaden aber meist in großzügiger Weise wieder gutmachte. Kein Heimatforscher hat darüber geschrieben, nichts Gedrucktes ist zu finden. Aber als ich mich in den Achtzigerjahren zum ersten Male in Falkenstein auf die Suche nach Spuren von Max Bornstein machte, vermochten sich einige sehr alte Leute noch an dies und das zu erinnern. Die Stammtisch- und Skatbrüder konnten sich ihre Zusammenkünfte ohne ihn nicht vorstellen. Noch Jahrzehnte nach seinem Ausscheiden, so erzählte man mir, sagte man bei ihnen statt des üblichen Skatwortes »Die Hose runter« nur »ToT«, eine Abkürzung des Jiddischen »Toches offn Tisch«. Das hatten sie bei Max gelernt. Dann und wann nippte er wohl auch ein wenig am Glase. Meine Mutter sang gern das Lied vom »Bummelpetrus«. Ob sie da an ihn dachte, weiß ich nicht. Als Opas Lieblingslied, das er in der für ihre Stille bekannten Falkensteiner Nacht manchmal zum Entsetzen braver Bürger in voller Lautstärke zu intonieren pflegte, nannte sie jenes von der »tollen Bolle«: »Und dann schleich ich still und leise immer an der Wand lang, immer an der Wand lang, heimwärts von der Bummelreise, immer an der Wand, an der Wand entlang.«


Opa Max (ganz rechts) mit alten Freunden beim Skat

Nein, ein Vorbild war er nicht. Hätte es damals einen Stadtschreiber gegeben, Großvaters Streiche hätten ihm reichlich Stoff geboten. Es ist anzunehmen, dass sich die Reporter der Klatschpostillen, die gab es damals noch nicht und schon gar nicht in Falkenstein, oft an seine Fersen geheftet hätten. So sind wir auf Ortsgeflüster angewiesen, das ich noch durch die wohl eher geschönten Erzählungen meiner Mutter ergänzen kann. Da nichts mehr zu beweisen ist, muss man auf allzu detaillierte Schilderungen verzichten. Es gab in Falkenstein einen jüdischen Gemischtwarenladen, der einem als knausrig geltenden Freund oder Verwandten gehörte. Als der einmal in Chemnitz war und ihn seine nicht übermäßig fachkundige Gattin Selma im Laden vertrat, stattete Großvater dem Geschäft wie von ungefähr einen Besuch ab. Er sah sich dieses und jenes an und fragte dann beiläufig nach dem dunkelgrünen Inhalt eines kleinen Fässchens. Was das wohl sei, wollte er wissen. Weiß der Teufel, antwortete Selma. Koscher sieht es nicht aus, wie Schmierseife. »Na, dann gib mir mal für’n Groschen.« Selma verkaufte ihm eine ganze Schüssel voll. Unterwegs traf Opa ein paar Stammtischbrüder und schickte sie auch zu ihr. Im Nu war das Fass leer. Stolz berichtete Selma dem heimkehrenden Gatten über ihren Geschäftserfolg. Doch dessen Begeisterung hielt sich in Grenzen. Das »grüne Zeug« war nämlich Kaviar.

Die zweite Geschichte könnte Tante Gustel (Levy-Korytowski) widerfahren sein, deren Geschäft ja schräg gegenüber dem Wohnhaus meines Großvaters auf der anderen Straßenseite lag. Sie pflegte ihr Kinderwagenangebot zum Ärger mancher Spaziergänger als eine Art Fahrzeugkolonne auf dem Fußweg auszustellen. Aus Sicherheitsgründen und da die Straße leicht abschüssig war, fesselte sie alle mit einem Strick aneinander, den sie an einem eigentlich für Hundeleinen bestimmten Haken am Schaufenster festknotete. Als Opa festgestellt hatte, dass sich Tante Gustel zum Mittagsschlaf niederlegte, schlich er sich – Max und Moritz in einer Person – mit einem Messer über die Straße, schnitt den ganzen Geleitzug ab und setzte ihn in Bewegung. Manche Passanten fanden Vergnügen daran, die mutterlosen Wagen noch ein Stück weiter zu schieben. Jedenfalls grämte sich Gustel fast wie die Witwe Bolte und hatte den Rest des Nachmittags zu tun, um die alte Ordnung wiederherzustellen. Den Täter hatte sie schnell ausgemacht und drohte mit einem Regenschirm vom Haus 30 in Richtung Haus 9. Aber die Strafe kam nicht wie bei Wilhelm Busch in alttestamentarischer Härte. Lange böse sein konnte dem Opa kein Mensch. Der lud sich gleich bei ihr zum Kaffee ein, erzählte ein paar Schnurren und gelobte »beim Wohle meiner Kinder, mögen sie 120 Jahre alt werden«, so etwas werde sich nie wiederholen.


Anzeige aus dem Falkensteiner Adressbuch, 1907

Wenig zart spielte er auch dem Schmied, der zu seinem Stammtisch gehörte, bei einem gemeinsamen Berlin-Ausflug mit. Für Falkensteiner war ein Besuch in Berlin etwas Großes, und Opa Max wollte dem wohl noch die Krone aufsetzen, als er sie ins Hotel »Adlon« führte, dieses stinkfeine Haus mit dem Duft der großen weiten Welt und dem etwas aufdringlicheren der Halbwelt. Man setzte sich dort an einen Tisch im riesigen Restaurant mit den glatten Marmorfliesen, bestaunte die mondäne Garderobe und das extravagante Auftreten der Hautevolee der Reichshauptstadt, nippte an Kaffee oder Bier und fühlte sich sehr unsicher in der fremden, unheimlichen Umgebung. Mein Opa tat so, als ob er einmal für kleine Jungs müsse, flüsterte aber heimlich dem Oberkellner etwas ins Ohr und legte ihm ein Geldstück in die Hand. Bald wurde über »Hausfunk«, dessen ehrfürchtig verfolgte Durchsagen bis dahin dem Herrn Rittmeister und wirklichen Geheimen Rat von Sternberg, dem Herrn Akademiepräsidenten Prof. Dr. von Stubenrauch und der Operettensängerin Fräulein Fritzi Massary galten, ausgerufen: »Der Herr Schmied aus Falkenstein möchte bitte sofort zu Hause anrufen. Das Schmiedefeuer ist ausgegangen.« Der aus seiner Anonymität Gerissene lief puterrot an, schlurfte, alle Blicke auf sich ziehend, erschrocken über die Fliesen in Richtung Rezeption und merkte den Schwindel erst am schallenden Gelächter der Mitgereisten, die inzwischen Mitverschwörer und froh waren, dass es sie diesmal nicht getroffen hatte.

Jüngst kam mir noch eine andere Episode zu Ohren. Onkel Max fuhr mit Schwager Julius im Zug nach Leipzig. Der hatte die Gewohnheit, im Coupé als Erstes die Schuhe auszuziehen und als Zweites einzuschlafen. Als er dieses Stadium erreicht hatte, nahm Opa einen der Schuhe und band ihn außen an die Abteiltür. Vor Leipzig weckte er Julius auftragsgemäß. Der suchte vergeblich nach dem fehlenden Schuh. Großvater wusste natürlich von nichts. Aber der Schwager reagierte auf nicht erwartete Art. Er nahm den verbliebenen Schuh, öffnete das Fenster, warf ihn hinaus und zürnte: »Dann brauche ich den auch nicht mehr.« Spätestens beim Aussteigen dürfte er das bitter bereut haben. Vielleicht hatte er wenigstens zwei Paar Socken an. Opa besaß nach eigener Aussage nur ein einziges und begründete das mit dem überzeugenden Argument: »Was brauche ich zwei Paar Socken, wenn ich nur ein Paar Füße habe.«

Opa Max tat auch viel Gutes. Seine Kinder hatten durch seine Großzügigkeit eine solide Pensionatsbildung und verdankten ihm den besten Start ins Leben. In den Erinnerungen der Alten, mit denen ich sprach, die es aber auch nur von ihren Eltern wussten, spielten erlassene Raten und geschenkte Schuhe eine Rolle, wurde er ein Wohltäter genannt. Aber wie das so ist, von seinen Streichen war zu Hause oft, davon aber nie die Rede.

2. Kapitel

Aus dem Führer-Depot ins Musée d’Orsay
Die Geschichte eines Makart-Gemäldes oder: Wo man dem Abschiedsgruß der Lewins in Paris begegnet

Das Museum Orsay in der Rue de Lille ist eines der jüngsten in der französischen Hauptstadt. Erst 1986 wurde der Umbau eines schmucken Belle-Époque-Bahnhofs an der Seine in eine faszinierende moderne Bildergalerie abgeschlossen. Aber meine Cousine Ruth, die beste Fremdenführerin für Kunstliebhaber rund um Notre-Dame, pflegte zu sagen: Wer dieses Museum versäumt hat, dem bleibt wohl nichts übrig, als seinen Parisbesuch zu wiederholen. So führte sie meine Frau und mich gleich bei unserer ersten gemeinsamen Visite in der Metropole des Nachbarlandes dorthin, und wir sind ihr aus mehr als einem Grunde bis heute dankbar dafür. Nirgendwo sonst – den Louvre nicht ausgenommen – findet man die Werke der französischen Impressionisten in solcher Fülle und Vollständigkeit wie im Musée d’Orsay, nirgendwo hat man so viele beglückende Wiederbegegnungen mit alten Bekannten aus dem Schaffen von Manet und Monet, Renoir und Pissarro, aber auch von Cézanne und Gauguin, van Gogh und Toulouse-Lautrec wie in diesem auf die Zeit von 1848 bis 1914 beschränkten Musentempel mit dem gläsernen Bahnhofsdach.

Acht Meter Makart und eine Störung der Museumsordnung

Das Wirken des österreichischen »Malerfürsten« Hans Makart, der zwar kein Rembrandt war, aber mit Rubens zumindest die Vorliebe für pralle weibliche Rundungen teilte, fällt zwar in jenen Zeitraum, doch es ist wohl eher ein Zufall, wenn ihm in einem so französisch geprägten Museum auch ein Platz eingeräumt wurde. Nur diesem Zufall ist es zu verdanken, dass das Orsay in meine Sammlung deutsch-jüdischer Plaudereien geriet. Und dieser Zufall führte auch dazu, dass ich die Museumsordnung mit einer Blitzlichtaufnahme und die Museumsruhe – soweit man davon bei einem ununterbrochenen Strom zehntausender Besucher sprechen kann – durch einen Aufschrei störte. Es geschah beim Anblick der »Abundantia«, wie ich inzwischen weiß die römische Göttin des Überflusses. Das ist ein Gemäldepaar von über acht Metern Länge: vier Meter »Die Gaben der Erde« und vier Meter »Die Gaben des Meeres«. Da rief ich zwar unoriginell, aber absolut spontan und lauthals: »Ja kann denn das wahr sein?« Unter den »Gaben des Meeres«, einer Gruppe üppiger Damen mit Kindern, Netzen und Meeresfrüchten, zu deren bräunlich getönten Farben als Blickfang der nackte Rücken einer der Fischerinnen kontrastiert, hatte ich in meiner Jugend so manche Mußestunde verbracht und mich in schlüpfrigen Träumen als Gespiele der wohl nicht nur Fische fangenden Schönen gefühlt. Das Bild über der Couch in unserer Stube war freilich kleiner, eine Kopie, nach Ansicht von Kunstkennern die beste, das Werk eines jüdisch-ungarischen Malers namens, wenn ich nicht irre, Boris Birnenbaum. Der Weg des Originals ist eine wahrhaft dramatische Geschichte, das Schicksal der Kopie nicht minder.

Im vornehmen Leipziger Musikviertel lebte ein schon altes, ehedem sehr wohlhabendes jüdisches Ehepaar namens Lewin, das sein Leben und sein Vermögen dafür angelegt hatte, kenntnisreich Werke der Malerei zu sammeln, die nun dicht an dicht alle Wände ihrer Wohnung bedeckten. Meine Mutter kannten die Lewins aus früheren Zeiten, als sie noch die Bornstein Hertha war. Sie gehörten wohl zu einem Zweig jener Familie Lewin, in die Rosa, jene Schwester meines Großvaters eingeheiratet hatte, die gemeinsam mit ihrem Mann Paul Lewin das Geschäft in Falkenstein übernahm.


Die Gaben des Meeres (Ausschnitt)

Ich kann mich nicht erinnern, dass wir mit den Lewins jemals Kontakt hatten, bis es zu jenem Besuch kam, der der erste und der letzte zugleich werden sollte. Als das Kunstsammlerehepaar 1943 die Aufforderung zum »Transport« erhielt, beschloss es, nicht auf den deutschen Tod im Auschwitzer Gas zu warten, sondern den Zeitpunkt vorzuverlegen und damit selbst zu bestimmen. Vorher wollten die beiden gern wenigstens ein paar der Kunstwerke vor dem Zugriff der Nazis bewahren. So fragten sie meine Mutter – in aller Vorsicht aus einer Telefonzelle –, ob sie nicht, es sei die letzte Gelegenheit vor ihrer Abreise, an diesem Abend einmal zu ihnen kommen könnte, um ein Geschenk entgegen zu nehmen.

Doch es hätte praktisch Selbstmord bedeuten können, wäre sie als Jüdin, die ohnehin nur dank ihres nichtjüdischen Mannes noch nicht den gleichen Weg vor sich hatte, der Einladung gefolgt. So einigte man sich schnell auf meinen älteren Bruder und mich. Uns als »Mischlingen« konnte nicht viel passieren. Lewins empfingen uns still, aber freundlich. Lange erzählten sie uns ganze Essays über den Lebensweg von wertvollen Bildern aus ihrem Besitz und machten uns auf deren Besonderheiten aufmerksam. Dass sie beschlossen hatten, ihrem Leben unmittelbar nach unserem Besuch ein Ende zu setzen, ließen sie uns weder merken noch wissen.

Ich hatte damals noch nie einen Kunstsammler gesehen oder gar besucht, selbst in ein Kunstmuseum hatte mich bis dahin niemand mitgenommen. Wer hätte es tun sollen und können? So stand ich wie betäubt vor der überwältigenden Fülle an Schönheit. Fast war es zu viel des Besten. Noch ein Bild hätte an den Wänden keinen Platz mehr gefunden. Welche Farben! Welche Figuren! Welche Allegorien! Ich war beeindruckt und ratlos zugleich. Mein praktischer veranlagter Bruder fragte, was nun aus diesem Schatz werden solle. Sie schwiegen bedrückt und schlugen uns vor, nein, baten uns, einige von ihnen ausgewählte Bilder mitzunehmen. Museumsstücke, nach denen gefahndet werden würde, kamen nicht in Frage. Aber einen postkartengroßen, farbenfroh ölgemalten Hahn in einem kostbaren goldenen Rahmen und zwei schöne Grafiken von Bäumen und Landschaften drückten sie uns in die Hand. Und auch die Makart-Kopie legten sie uns trotz deren Dimension ans Herz. Sie sei so wertvoll wie ein Original, da Makarts »Fischzug«, wie sie das Ölgemälde nannten, in München verschwunden sei und wahrscheinlich überhaupt nicht mehr existiere. Lewins umhüllten das Bild mit einem Leinentuch und gaben es uns. In der elterlichen Wohnung bekam es einen Ehrenplatz, doch Freude an ihm hatten wir nie, da natürlich die Nachricht vom Tode des Ehepaares eintraf, ehe das Bild über dem Liegemöbel hing.

Und als meine Mutter nach dem Kriege aus dem KZ Theresienstadt zurückgekehrt war, bezog sie – Vater war gestorben, der Bruder und ich arbeiteten in anderen Städten – bald eine Ein-Raum-Wohnung.

Zum Appetitmachen in die Kellerbar

Für das Bild war auf Dauer beim besten Willen keine Wand mehr frei. Sie bemühte sich, es zu verkaufen, bekam aber nur Absagen: Das im Krieg zerstörte Leipziger Bildermuseum hatte damals weder Räume noch Geld. Kunstliebhaber stellten sich in den Hungerjahren auf das Sammeln von Kartoffeln um. Selbst der große Heinz Rühmann nahm bei seinen Auftritten im Leipziger Raum nur Honorare in beißbarer Form. Private Makart-Liebhaber, sollte es die in Leipzig gegeben haben, kannte meine Mutter nicht. In der Familie hob man vor dem ölreichen Riesenschinken mangels Platz und Kunstverstand abwehrend die Hand. So war sie froh, dass sich der Wirt des Leipziger Nachtlokals »Cottbusser Postkutsche«, den sie zufällig beim Zeitungskauf kennen gelernt hatte, spontan zu einer Besichtigung vor Ort bereit fand. Nach dem dritten Boonekamp – er hatte schwer gegessen und irgendwelche Verdauungsprobleme – schob er schließlich seinen kalten Zigarrenstummel vom linken in den rechten Mundwinkel und begann zu nicken. Ja, so etwas könne er sich für seine Kellerbar am Brühl als »Appetitmacher« schon vorstellen, meinte er mit der praktischen Philosophie des neureichen Kunstbanausen. Er bot ihr wohl 100 oder 200 Mark, auf den Pfennig genau hat sie uns das nicht berichtet, und das Bild verschwand in der »Postkutsche«.

Die Bar segnete lange vor der DDR das Zeitliche. Nur ältere Leipziger, die unter den verführerischen Meerjungfern und ihren vollen Busen und Netzen vielleicht einst den ersten Kuss tauschten, mögen sich noch an die Nachtlokalzeit des »Fischzugs« erinnern. Ich sah das Bild nie wieder.

Bis ich eben im Orsay-Museum völlig unerwartet dem Original gegenüber stand. Cousine Ruth, die Zeugin der aufregenden Wiederentdeckung war, sich sehr für die dramatische und teilweise rätselhafte Geschichte interessierte und im Gegensatz zu mir mit französischer Korrespondenz in Kunstangelegenheiten keine Mühe hatte, schrieb einen Brief an Museumsdirektor Henri Loyrette. Der Conservateur Général antwortete postwendend. So erfuhr ich vom wechselhaften Schicksal der beiden »Abundantia«-Gemälde, die 1870 als erstes wichtiges Auftragswerk Makarts entstanden waren, aber niemals, wie vom Auftraggeber eigentlich vorgesehen, im Speisesalon des neu erbauten Palais Hoyos in Wien aufgehängt wurden. Die Gründe sind unklar, Makart-Forscher Gerbert Frodl vermutet, es sei zu einem Streit zwischen dem Maler und seinem Kunden gekommen. Schon 1871 ging das Bilderpaar auf »Wanderschaft« durch verschiedene Galerien, war einige Zeit auch im Besitz des Berliner Bankiers Blumenthal und landete 1889 in der Neuen Pinakothek in München.

Warum Lewins vom Verschwinden des Originals ausge-gangen waren, erhellte der weitere »Lebenslauf« der Gemälde: Adolf Hitler hatte »Die Gaben der Erde« und »Die Gaben des Meeres« nach einem Besuch der Pinakothek ganz begeistert für sein persönliches Museum ausgewählt, das nach dem »Endsieg« in Linz entstehen sollte. Deshalb hatten die Nazis die Bilder rechtzeitig in einem Depot im Salzkammergut »in Sicherheit« gebracht und Nachrichtensperre über sie verhängt. 1951 wurde das Gemäldepaar vom »Collecting Point« München nach Frankreich transportiert und 1973 an den Louvre verkauft. Seit 1986 hängt es im Orsay-Museum. Wie schlecht das Geschäft war, das meine Mutter gemacht hatte, geht aus einer dem Schreiben beigelegten Anzeige von Sotheby’s London vom Juni 1997 hervor, wo eine Version der »Gaben der Erde« für 45 000 bis 55 000 Pfund zum Verkauf angeboten wird.

Weitere Recherchen und vor allem Informationen der Leipziger Judaistin Ellen Bertram, die in ihrem Buch »Menschen ohne Grabstein« zu finden sind, ermöglichten es mir, dieses Erlebnis in »Ich habe alles doppelt gesehen« noch einmal aufzugreifen und um einige Fakten anzureichern. Eine mir wichtige Passage daraus möchte ich hier zitieren: Aber eigentlich wusste ich so gut wie nichts von den Bildersammlern Lewin, die wir an jenem Abend zum letzten Male sahen. Meine schwachen Erinnerungen beschränkten sich auf die so reich bebilderte Wohnung, die Freundlichkeit und das grenzenlos scheinende Fachwissen der alten Leute, auf den nächtlichen Heimweg mit den großen Gegenständen und auf das Entsetzen, als wir bald darauf erfuhren, dass sich die Ehepartner und die Schwester der Frau kurz nach unserem Besuch mit Schlaftabletten das Leben genommen hatten. Ich vermochte mich weder an das Datum, noch an die genaue Adresse, noch an das Lager zu erinnern, in das sie kommen sollten, von anderen interessanten Fragen ganz abgesehen, die mir bis heute unklar sind: Warum haben sie gerade bei meiner Mutter angerufen, wie verwandt waren sie mit den Bornsteins, wie sind sie zu den Bildern gekommen? Sie wussten natürlich noch nichts über das von Albert Speer nach Hitlers Plänen entworfene gigantische »Führermuseum«. Erst im April 1943 wurde darüber in der Zeitschrift »Kunst dem Volk« offiziell berichtet. Aber kannten sie vielleicht zufällig Dr. Gottfried Reimer aus Döbeln, einen der Chefbeschaffer für Linz, oder was ist sonst aus ihrer gewiss bedeutenden Sammlung geworden?

Aus dem Verzeichnis in »Menschen ohne Grabstein« konnte ich nun immerhin entnehmen, dass es sich um das Ehepaar Käthi und Fedor Lewin handelte, er am 17.6.1868 in Zibelle (Schlesien), sie am 1.11.1878 in Hannover als Tochter des Ehepaars Isenstein geboren. Käthi Lewin starb am 3.9.1942, Fedor zwei Tage später im Israelitischen Krankenhaus Leipzig. Sie hatten den Freitod gewählt, nachdem sie die Mitteilung über ihre Deportation nach Theresienstadt erhielten. Ellen Bertram ergänzte per E-Mail: »Mit großem Interesse habe ich in Ihrem Buch die Hinweise zur Kunstsammlung von Fedor Lewin gelesen. Es ist das einzige, was es dazu gibt bzw. was ich gefunden habe. Vor Jahren war mal ein junger Mann auf der Suche danach, ich habe aber nie wieder etwas von ihm gehört. Fedor Lewin hat schon vor der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Leipzig gelebt. Er war Inhaber der Firma Max Löwenberg & Co., Großhandel mit Damenbekleidung, der Firma Franz Wulf Nachf., Kleiderstoffgroßhandlung, und der Firma Schottländer & Co., Kleiderstoffgroßhandlung.«

Welchen Nutzen haben diese Details, die an der Geschichte im Prinzip nichts ändern? Nun, erstens verifizieren und konkretisieren sie das allein aus dem Gedächtnis Erzählte, zweitens korrigieren sie ein paar offensichtliche Irrtümer, drittens könnten sie dazu beitragen, dass sich der eine oder andere Nachkomme von Zeugen meldet und die noch offenen Fragen beantworten hilft. Den Verbleib der Lewinschen Sammlung zu klären, hieße ja wahrscheinlich nicht zuletzt, nazistischen Millionendieben auf die Spur zu kommen. Die Arbeit Ellen Bertrams und aller anderen, die sich die Erforschung jüdischer Schicksale zur Lebensaufgabe gemacht haben, hat also, wie dieses Beispiel zeigt, nicht nur rein moralische und wissenschaftliche, sondern auch ganz praktische Bedeutung und verdient umso mehr Lob und Anerkennung.

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