Kitabı oxu: «Laute und Gitarre in der deutschsprachigen Lyrik»

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Engelsdorfer Verlag
Abb. auf der Umschlagvorderseite:
Jonny Schoppmeier: Stilleben 20 (Öl auf Leinwand, 2000)
Originalmaße (ohne Rahmen): 58,5 x 78,5 cm
Alle Rechte beim Künstler, http://tangobilder.com
Abb. auf der Umschlagrückseite: Zeichnung von Luise Danker (Ansichtskarte im Verlag Verband Deutscher Wandervögel, Leipzig)
Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)
www.engelsdorfer-verlag.de
Greiff frisch die Lauten / intonier
Alsbald nach deines Hertznbegier /
Von solcher süssen Liebligkeit
Sich wenden wird dein Trawrigkeit.
(Couranten Lustgärtlein 1625)

Der Lautenmacher. Aus: Eygentliche Beschreibung Aller Stände 1568. Mit Holzschnitten von Jost Amman und Gedichten von Hans Sachs.
Hans Sachs (1494–1576), Der Lautenmacher
Hans Sachs (1494–1576)
Der Lautenmacher
Gut Lauten hab ich lang gemacht
Auß Tännenholz / gut vnd geschlacht /
Erstlich vber die Form gebogn /
Darnach mit Saiten vberzogn /
Vnd angestimmt mit süssem Klang /
Eben gleich figuriertem Gsang /
Gefürnist Kragen / Bodn vnd Stern /
Auch mach ich Geigen vnd Quintern.

Harpffen vnd Lauten. Aus: Eygentliche Beschreibung Aller Stände 1568. Mit Holzschnitten von Jost Amman und Gedichten von Hans Sachs.
Hans Sachs (1494–1576), Harpffen vnd Lauten
Hans Sachs (1494–1576)
Harpffen vnd Lauten
Wir schlagen nach der Tablatur /
Nach der Noten rechter Mensur /
Daß die Lauten vnd auch die Harpff /
Geben jr Concordantz sein scharpff /
Mit gschwinden leufflein auff vnd nidr /
Nach deß Gsangs art hin vnd wider /
Singn wir Carmina mit dem Mund /
Orpheus die schöne kunst erfundt.

Lautenspielerin. Aus der Holzschnittfolge Musizierende Frauen (nach 1572) von Tobias Stimmer mit Gedichten von Johann Fischart.
Johann Fischart (1546–1590), HOmerus zweiffelt billich wol
Johann Fischart (1546–1590)
HOmerus zweiffelt billich wol
Ob man von Menschen glauben soll
Daß sie die Laut erfunden haben /
Oder ob sie die Götter gaben:
Weils die gröst Kunst ist / schönster thon /
Vnd aller Instrument ein Kron /
Vnd hat was himlisch lieblichkeit:
Drumˉ schreibt er sie sei zubereit
Vom Mercurio / der dieselb
Hat rund dem Himel gleich gewelbt:
Auff das sie auch recht Himlisch laut:
Kein schönerer Bau ward nie erbaut.

Spielerin einer Quinterne. Aus der Holzschnittfolge Musizierende Frauen (nach 1572) von Tobias Stimmer mit Gedichten von Johann Fischart.
Johann Fischart (1546–1590), EIN jder bei jm selbs eracht
Johann Fischart (1546–1590)
EIN jder bei jm selbs eracht
Das die Quintern sei nach gemacht
Der Geigen / wie sich das befind /
Wer jrem vrsprung recht nach grünt /
Vnd nur das Instrument besicht:
Ward erstlich nur dahin gericht /
Auff das sie ein anleitung sey
Zur Lauten / vnd zu allerley /
Auch das man Lider darzu dicht /
Vnd sing darein ein alt geschicht:
Gleich wie auch thaten vnsere Alten
Drum wöllen wir sie noch erhalten.

Die Muse Kalliope mit Laute.
Holzschnitt aus: Ain Newes unnd Kunstlich schönes Stamm oder Gesellen Büchlein, Wien 1579.
Caliope. Die Lautten
Ain Newes unnd Kunstlich schönes Stamm oder Gesellen Büchlein, Wien 1579
Caliope. Die Lautten
DER Musick schön einhelligkeit /
Ir krafft vnd größ volkommenheit.
Bezeuget das sie müsse sein /
Ein Gab vom Herrn nur allein.
Homerus zweyffelt billich wol /
Ob man von Menschen glauben sol.
Das sie die Laut erfundn haben /
Oder ob sie die Götter gaben.
Weils die gröst kunst ist / schönster thon /
Vnd aller Instrument ein kron.
Vnd hat was Himlisch liebligkeit /
Drumb schreibt er sie sey zubereit.
Vom Mercurio / der die wol /
Rundt dem Himel gleich gewelbt hol.
Auff das sie auch recht Himlisch laut /
Kein schöner Baw ward nie erbawt.
Die Lautten ein auffmercken gut /
Auch zart Finger begeren thut.
Sie ist ein Sayttenspiel zum schertz /
Erquickt auch manich trawrig Hertz.
Vnd wird vnter den Sayttenspielen /
Für andere hoch gerümbt von vielen.
Johann Fischart (1546–1590), Ein Artliches lob der Lauten
Johann Fischart (1546–1590)
Ein Artliches lob der Lauten
| SO die Musick gerhümet würd | |
| Vmb jhr lieblicheyt / die sie fürt / | |
| Daß sie die Menschen machet gütig / | |
| Fein freündtlich / sittig vnd demüttig / | |
| Vnd die gemütter so erregt | 5 |
| Gleich wie ein süsse red bewegt / | |
| Vnd macht die wilden hertzen mildt | |
| Den zorn vnd all vnwillen stillt: | |
| Vnd dis als durch jr süßigkeyt: | |
| So wird zwar nicht vnbillich heüt | 10 |
| Die Lauten also hoch erhebt / | |
| Weil sie am meysten drinnen lebt / | |
| Vnd schwebt in lauter freud vnd wunn: | |
| Das gleich wie von der Mertzen sunn | |
| All Laub vnd graß / all Bäum auff Erden / | 15 |
| Ja auch die leüt erquicket werden: | |
| Also so bald jr lieblich gthön | |
| Die gmüter mercken vnd verstehn / | |
| So würd bey jn erreget gleich | |
| Jhr art / vnd was ist Thugentreich / | 20 |
| Was in jn mütig ist vnd gůt | |
| Von jhrem klang sich fürher thůt: | |
| Dann vnder allem Seitenspiel | |
| Ist miltigkeyt jhr zweck vnd ziel / | |
| Geht sittig vnd in aller still / | 25 |
| Tracht nicht wie sie die ohren füll / | |
| Vnd leut erdäub / wie manchs gesang / | |
| Wie Zincken vnd Posaunenklang / | |
| Wie wasserbrausen / vnd die Mülen / | |
| Wie der Wölff wülen in den hülen / | 30 |
| Da man nicht höret vor gethümmel | |
| Ob es auch donner in dem himmel / | |
| Da man entrütt/ entschütt das hirn / | |
| Spert augen auff / vnd runtzelt stirn: | |
| Nein / solche Thaubsucht sie nicht bringt: | 35 |
| Danns nicht allein den ohren klingt / | |
| Sonder dem hertzen vnd gemüt | |
| Welchs sie begütigt mit dem Lied. | |
| Sie hilfft auch nicht zůr grewlicheit / | |
| Zů blůt vergiessen / krieg vnd leid / | 40 |
| Wie feldtgeschrey / Trummeten / Trummen / | |
| Darbey die leut vmbs leben kummen / | |
| Da die leüt doben / zittern sehr / | |
| Oder werden zornwägig mehr / | |
| Da rasend würd beyd Roß vnd mann / | 45 |
| Die man vor zorn nicht halten kan / | |
| Wie solt sie solch vnmenschlichheyt | |
| Vorsetzen jhrer freündtlichkeyt? | |
| Darmit sie doch das wüten lindert / | |
| Ja die vnsinnigkeit gar mindert. | 50 |
| So ist sie auch nit vngestümm / | |
| Vnd bringt nicht forcht / sorg oder grimm / | |
| Erschreckt die leüt nicht in dem feld | |
| Beyd hirt vnd herd / beyd wild vnd wäld / | |
| Gleich wie das Panisch grewel horn / | 55 |
| Welchs grausen einjagt vnd den zorn: | |
| Nein also grewlich ist sie nit / | |
| Sonder mit allem halt sie frid / | |
| Sie tracht mehr all ding zůerfrewen / | |
| Gleich wie der lieblich frische Meyen / | 60 |
| Dann das sie alles scheuch vnd hinder / | |
| Vnd die wäld öd stell wie der Winter: | |
| Dann dises hieß sonst sehr beschamen | |
| Jhr löblich vnd lieblichen Namen / | |
| Welchen man zů gemeinlich gibt | 65 |
| Der Musa / die sie treibt vnd übt / | |
| Die man nent Ehrenfreuderinn / | |
| Weils in Ehren erfrewt die sinn: | |
| Wie solt sie dann dahin gerhaten | |
| Das sie verändert nam vnd thaten? | 70 |
| Hülff Diana der Jägerinn | |
| Das wild verfolgen wie ein spinn? | |
| Welchs sich nicht vndersteht zůwehren / | |
| Wie Löwen / Wölff / wild schwein vnd Beren / | |
| Sonder gedenckt sich zů verschlieffen / | 75 |
| Wann es das Jägerhorn hört büffen / | |
| Wolt gern dem zorn des menschen weichen / | |
| Wann es erhört das greüwel zeichen | |
| Das Menschen vnd das Hundsgeheül / | |
| Aber kein heil ist in der eil: | 80 |
| Sonder da ist man nicht gesättigt | |
| Biß man es todtschlächt vnd beschädigt: | |
| Was ist das für ein wilder schall? | |
| Den man doch rhümbt vor andern all / | |
| Vnd findet platz an Höfen viel / | 85 |
| Jst das ein lieblich Musickspiel? | |
| Vor welchem sich die Thier verstecken / | |
| Das Viech beym Hirten můß erschrecken? | |
| Vnd wütten machet leut vnd hund? | |
| Nur das man speiß den schlund vnd mundt: | 90 |
| Da sonst im ghör steht der Musick thůn | |
| So hat jhr bauch die Ohren nun: | |
| Jst das nicht eitel Neid vnd Leyd? | |
| Wa ist da Miltigkeyt vnd Frewd? | |
| Die vns dann sein soll angeboren / | 95 |
| Wa ist die lieblichkeyt der Ohren? | |
| Da hört man nichts dann grewlich blasen / | |
| Als ob die Wind het außgelassen | |
| Der Aeolus auß jhrem sack / | |
| Die in ein grůben fallen strack / | 100 |
| Vnd machen stimmen allerley / | |
| Gleich wie das Heckelbergisch gschrey: | |
| Da schreyt / da růfft man / jauchtzt vnd flůcht / | |
| Da büfft / da blaßt man / wann man sůcht / | |
| Da heülen / bellen hund darzwischen / | 105 |
| Das heyßt die stimmen wůst vermischen: | |
| Wie kan eim sittigen gemüt | |
| Gefallen das man also wüt? | |
| Dargegen seh die Lauten an / | |
| Würd man das widerspiel verstahn / | 110 |
| Das ob schon jhr holtz / leib vnd zeug | |
| Jm wald erzogen ist / vnd gzweigt / | |
| So denckt sie doch nicht meh hinauß / | |
| Jn wilden wald / jhrs Vatters hauß / | |
| Wann sie einmahl ist abgehawen | 115 |
| Vnd so gewelbt vnd schön erbawen | |
| Zů einem zarten Musickspiel / | |
| Sie laßt dem wild dieselbig hül / | |
| Vnd Faunis disen wald gespensten / | |
| Vnd bleibt sie rhüwig bey den menschen | 120 |
| Zů jhrem brauch in jhren häüsern / | |
| Thůt sich der Wilden art gar eüssern / | |
| Tröst leuth darfür in jhrem leyd / | |
| Weil vnglück sie am meisten reut / | |
| Vnd stelt zů frieden süß die hertzen / | 125 |
| Vnd macht vergessen jhren schmertzen: | |
| Derhalben meinen jhren viel / | |
| Das gmeinlich alle Seitenspiel | |
| Drumb wie ein Hertz formieret seyen / | |
| Weil sie das Hertz am meisten frewen / | 130 |
| Ja wer wol halber ist getödt | |
| Den richtet sie auff also blöd: | |
| Drumb ist von Orpheo erdacht / | |
| Das er fein frauw hab widerbracht | |
| Durch dises Spiel auß Todsgefahr: | 135 |
| Nun ist von seinem Handspiel klar | |
| Das es ist von der Schneck entstanden / | |
| Welchs man ein Laut nent in vil Landen / | |
| Sonst heißts auff Griechisch vnd Latein | |
| Ein Schneck / weil es ist gwelbet fein / | 140 |
| Vnd weil der erst der sie erfand | |
| Seyten vber ein Schnecken spant: | |
| Daher von jhr noch kommen viel | |
| All andre gwelbte Seytenspiel: | |
| Aber jr keins behalt den Namen / | 145 |
| Vnd bzeugt den vrsprung vnd den stammen | |
| Gleich wie die Laut / die man allein | |
| Ein Schneckenhauß nent zů Latein. | |
| Darumb so sollen billich sie | |
| All Seitenspiel hoch halten hie / | 150 |
| Vnd sie wie jhre Můtter ehren / | |
| Sich nach jhr kehren / von jr lehren / | |
| Vnd gegen jhr sich recht erzeigen | |
| Als jhrer Oberstin sich neigen / | |
| Weil sie in Kunst vnd lieblichkeit | 155 |
| Jr kinder vbertriffet weit. | |
| Drumb hat sie als der gröste schatz | |
| Bey den Musis den höchsten platz / | |
| Da Diana die Hätzerinn / | |
| Nicht nemmen darff in jhren sinn | 160 |
| Das sie solt zů den Musis gohn | |
| Auff Parnassum vnd Cytheron | |
| Mit den Hundskuppeln / stricken / winden / | |
| Als wolt den Cerberum sie binden / | |
| Denn sie da kein Acteon find | 165 |
| Den sie mach blind vnd wild gesindt: | |
| Aber sie mögen bey jn leiden | |
| Die weisen Götter vnd gescheiden | |
| Apollinem vnd Palladem / | |
| Die seind den Musis angenem / | 170 |
| Weil sie fein still sich jn vergleichen | |
| Vnd leüt zůr Klůgheit auch erweichen / | |
| (Dann ein still hertz bald Weißheyt faßt | |
| Ein wildes sie verstoßt vnd haßt) | |
| Wenden dem Menschen alls zu nutz / | 175 |
| Lassen dem Wild sein art vnd trutz / | |
| Machen nicht das es vester wüt / | |
| Jagen es nicht auß seim gebiet | |
| Auß wälden auff das Ackerfeldt / | |
| Da es dem volck meh schad anstelt: | 180 |
| Ach solche vnbarmhertzigkeit | |
| Jst von jn vnd der Lauten weyt. | |
| Dann dises Künstlich gwelbte hauß | |
| Hat solch anmůtung vberauß | |
| Das sos bekompt ein Orpheum | 185 |
| Ein Amphion / so weiß darumb / | |
| So gsellen sich zů jhr die Thier / | |
| Vergessen jhrer wildnuß schier / | |
| Verwundern sich was in jhr leb / | |
| Das jr rund bauch solch stimmen geb / | 190 |
| Daß die halb himmelsründ vnd Sphär | |
| Die himmlisch Concordantz erklär / | |
| Das ein gewelb von holtz gebogen / | |
| Mit todten därmen nur bezogen / | |
| Vnd auff ein höltzen thach gespant | 195 |
| Soll klingen / singen allerhandt. | |
| Wie solt sich dann nicht drab entsetzen | |
| Der mensch / vnd sie gantz Himlisch schätzen? | |
| Weil sie entspringt von solchen leüten | |
| Die Götter heissen bey den Heyden / | 200 |
| Weil er kan höhers dran verstohn / | |
| Vnd nicht allein den blossen thon / | |
| Sonder das Künstlich zsammen stimmen | |
| Von jhr vollkommenheyt zurhümen. | |
| Derhalben seind der Lauten goben | 205 |
| Für andre Handspiel hoch zůloben: | |
| Daher sie dann jr Namen preißt | |
| Der zů Latein vom loben heißt / | |
| Von Laude kompt beyd lob vnd Laut | |
| Vnd lied / wer den vrsprung beschawt: | 210 |
| Welchen Namen sie täglich ziert / | |
| Vnd von jr noch erhalten würd: | |
| Wie man dan sicht zů vnser zeit | |
| Wie sie gestiegen ist so weit | |
| Das sie nun alle stimmen gibt | 215 |
| Die auch ein Mensch / so d Musick übt / | |
| Das bey jhr all die Thön erklingen | |
| So die Musici mögen singen / | |
| Erlangt so viel mit Künstlich griffen | |
| Als selbst die leüt mit jhrem rüffen / | 220 |
| Vnd ist drinn so volkommen gar / | |
| Vnd gibts so sauber / rein vnd klar / | |
| Das wa wir selbs nit menschen weren | |
| Die gern einander selber hören / | |
| So solten wir schier selbst erkennen / | 225 |
| Das wa sie die wort köndt ernennen / | |
| So solt sies vns zuthůn gewiß / | |
| Dan sie auch hat von Menschen diß / | |
| Drumb ist jhr hochheyt / Ehr vnd zier | |
| Des Menschen Ehr / ders bracht herfür. | 230 |
| Auch wann heüt wider möchten leben | |
| Die ersten / die es an han geben / | |
| So solten sie jrn eignen fund | |
| Nicht meh erkennen nun zůr stund / | |
| Dieweil es heüt nichts hat zů deiten | 235 |
| Mit dreyen oder vieren seyten: | |
| Sonder es würd gehöret heut | |
| Der Musick gantz einhälligkeit | |
| Mit sechs vnd acht vnd meher stimmen | |
| Wies die neun Musas möcht gezimmen / | 240 |
| Sie bringt mit einem griff zuwegen | |
| So viel als sieben Menschen mögen / | |
| Muteten stück bey jhr erklingen | |
| Wie die ein menschlich stimm möcht singen / | |
| Erstatt so vil als siben Geigen / | 245 |
| Oder vil Pfeiffen möchten zeigen / | |
| Dann so vil stimmen / so vil bindt: | |
| Auch so regiert sie nicht der windt / | |
| Der vngwiß blast gleich wie die Pfeiffen / | |
| Sonder ein Künstlich hand zůgreiffen / | 250 |
| Sie macht nicht schwach den Athem sincken / | |
| Gleich wie Trummeten oder Zincken / | |
| Sonder ein gläychig gänge handt | |
| Als in keim spiel / wie es würd gnant / | |
| Vnd machet also fein geringer | 255 |
| Zů andern spielen auch die finger: | |
| Derhalben ziert dis Jnstrument | |
| Wol Palladis Jungfräwlich händt / | |
| Dann sie von dem nicht klagen mag | |
| Das es jr Roten Mund verschlag | 260 |
| Wie etwann jhro von deßwegen | |
| Die Pfeiffen waren sehr entgegen: | |
| Dann da sie auff ein zeit bekam | |
| Ein Pfeiff / vnd für den mund die nam / | |
| Auff daß sie sich darauff auch übt / | 265 |
| Wie sie dann Musick sehr beliebt / | |
| (Dann weise leüt / wie sie dann was / | |
| Tragen zůr Musick keinen haß) | |
| Als aber sie kam in das feld | |
| Sich zů eim klaren brünlein stelt / | 270 |
| Würd sie jhrs andtlitz drinn gewar | |
| Wie das es sey entstellet gar / | |
| Jr augen nicht wie sich gezimpt / | |
| Jhr schöner mund auch fast gekrümpt / | |
| Vnd jhr Naßlöchlein zů weit offen / | 275 |
| Jhr wänglein zů hoch auffgeloffen / | |
| Vnd mit röte zů viel vermischt / | |
| Empfand sich auch eng vmb die brüst / | |
| Da rüfft sie / O du falsche Pfeiff / | |
| An dir ich mich nicht meh vergreiff / | 280 |
| Weil du die schönen leüt verstellst | |
| Vnd einem das gesicht verfählschst | |
| Verflůchet seyst du jmmerdar / | |
| Daß dich keyn schönes bild erfahr / | |
| Kein Jungfrawhänd dich nicht berür / | 285 |
| Weil du bist gar zuwider jhr / | |
| Wilt sie beschamen vnd entstellen | |
| Gen jrem bůlen vnd gesellen | |
| Wann sie gedenckt jn zůerfrewen | |
| Am Reyen in dem grünen Meyen: | 290 |
| O fliecht sie weit jhr schöne leut | |
| Dann sie durch süßigkeyt bestreit | |
| All ewre schöne die jr habt / | |
| Darmit Natur eüch hat begabt / | |
| Vnd macht eüch häßlich / vngestalt / | 295 |
| Die warlich niemand hie gefalt | |
| Dan von dem hassen kompt je häßlich / | |
| Vnd sicht bey Thiern vnd Menschen gräßlich / | |
| Aber die schöne ist ein schein / | |
| Den jederman halt werd vnd rein: | 300 |
| Dis neydig stück macht nun bekandt | |
| Das dich der häßlich Pan erfand / | |
| Der auch das Jägerhorn angab | |
| Auff das das Wild ein vnrhuw hab / | |
| Vnd lehrt den Vogler pfeiffen fügen | 305 |
| Darmit die Vögel zubetriegen / | |
| Zůlocken jn durch falsch gesang / | |
| Bitz das ers bring in zwang vnd strang / | |
| Als dann würgt er sie auff der stätt / | |
| Welchs er jn vor nicht gpfiffen hett: | 310 |
| Also gewänen sich die leüt | |
| Bey zeiten zů der grewlichkeyt: | |
| Ach wie ein schandtlich tödtlich lied / | |
| Welchs mord / betrug weißt dem gemüt / | |
| Mißbraucht die friedlich Musickfreud | 315 |
| Zu wüterey vnd grewlichkeyt: | |
| Derhalben hab ich vrsach gnůg | |
| Hinweg zuwerffen den betrug / | |
| Dich arge Pfeiff / die mich verstelt: | |
| Zů dem mir auch den mund verhält / | 320 |
| Das ich zů dir nicht singen soll / | |
| Wann du schon lautest etwas wol / | |
| Gleich wie ich dann mag singen sunst | |
| Zů anderm Spiel vnd Seyten kunst: | |
| Daher erhielt auch zwar den sieg | 325 |
| Apollo in dem Musickkrieg | |
| Wider Marsyam den er schundt / | |
| Dieweil er nichts dann pfeiffen kundt / | |
| Vnd wolt dasselb vorsetzen auch | |
| Dem allerschönsten Seitenbrauch: | 330 |
| Aber die Pfeiff macht solche köpff | |
| Vnd solch Cyclopisch grob geschöpff / | |
| Dann Pfeiffer / sagt man / geben geyffer / | |
| Vnd Trummenschläger geben säuffer: | |
| Hiermit warff sie die Pfeiff daruon / | 335 |
| Vnd trat mit füssen sie zu hon / | |
| Welchs sie doch lang nicht het gethon | |
| Der Lauten / aller spiel ein kron / | |
| Weil sie nicht kondt von jhren melden / | |
| Das sie kondt an der Pfeiffen schelten. | 340 |
| Drumb hat sie den Athenern allen | |
| Ein lange zeit nicht wöllen gfallen / | |
| Vnd meynten das kein Adlich mann | |
| Mit Pfeiffen solt zuschaffen han / | |
| Sonder nur knecht vnd bäwrisch leüt: | 345 |
| Welchs ich doch nicht schreib auß eim Neid | |
| Den ich trieg zu dem Pfeiffenspiel / | |
| Sonder ich meld was jhren viel | |
| Etwan daruon gehalten haben / | |
| Auff das ich zeig der Lauten gaben: | 350 |
| Dann ich kan je erachten wol / | |
| Das auch die Pfeiffen nun zůmol | |
| Jn kunstlichkeyt hab zůgenommen / | |
| Darzů die Alten nicht seind kommen / | |
| Vnd kompt von jhr die Orgel her / | 355 |
| Welche dann ist zůrhümen sehr: | |
| Auch weil all musickspiel allhie | |
| Seind eins in einer Harmony / | |
| So will ich sie nicht trennen zwar / | |
| Sonder viel meh vereinbarn gar: | 360 |
| Doch sicht man hie wie allezeit / | |
| Beyd bey den Alten vnd noch heüt | |
| Die Laut vor andern ghabt den rum: | |
| Weil sie ist ein begriff vnd summ / | |
| Vnd einhalt aller art vnd kunst | 365 |
| So alle Seitenspiel han sunst: | |
| Gleich wann ein Maaler hochbeschreyt | |
| Der anlegt all sein gschicklichkeyt | |
| An ein gemähl / so vil jm müglich / | |
| Auff das man darauß vrtheil füglich | 370 |
| Sein sinnreich kunst vnd sein verstand | |
| Wie groß die in jm sey zůr hand: | |
| Also han hie die Musae all | |
| Allen Künstlichen thon vnd schall | |
| Der zůerreichen müglich war | 375 |
| Auff allen Jnstrumenten gar | |
| In dise gwelbte Kirch vnd schneck | |
| Der Lauten / begabt vnd gesteckt / | |
| (Gleich wie all kunst auch auff der Pfeiffen | |
| Die Orgel mag in sich begreiffen) | 380 |
| Auch han sies also zůgerüst | |
| Das sie nicht vngemachlich ist / | |
| Wie Jnstrument die blaßbälg brauchen / | |
| Darmit ein wind sie hinein hauchen / | |
| Sonder zutragen angenem / | 385 |
| Vnd sehr des menschen Leib bequem / | |
| Ist von gebäw nicht wichtig / schwer / | |
| Sonder sehr lüfftig / leicht vnd lär: | |
| Gleich wie der Himmel vnd der lufft | |
| Nicht schwer ist wie der Erden klufft: | 390 |
| Daher dann ist die gmeine sag / | |
| Das sie den Namen Liuto trag | |
| Bein Welschen von der leichte nur / | |
| Weil sie von holtz ist leicht vnd pur: | |
| So machten sie die Musae auch | 395 |
| Nicht gar hellschreyend / hart vnd rauch / | |
| Sonder mit fleiß wol temperiert / | |
| Die süßigkeyt mit kunst geziert / | |
| Also das wa die Künstlich art | |
| Zůr lieblichkeyt würd vereinbart / | 400 |
| (Wie solches dann geschehen soll) | |
| So ist zwar nicht zufinden wol | |
| Ein Musickspiel / welchs meh bewegt | |
| Zůr Thugendt / vnd all zucht erregt / | |
| Gleich wie das schöne Lautengwelb: | 405 |
| Fürnemlich so man braucht dasselb | |
| Zů Künstlich stücken vnd muteten / | |
| Zů nutzlich gdichten von Poeten / | |
| Zů Psalmen so heüt seind im gang / | |
| Zů Erbarm lied / zů gůttem gsang / | 410 |
| Dann Schandparkeit / vngfläterey | |
| Ferr von dem reinen spiel hie sey / | |
| Als dann würd durch diß Musickwunder | |
| Das hertz zů gůttem frisch vnd mundter / | |
| Macht milte sitten vnd geberden: | 415 |
| Wie sonst von andern spielen werden | |
| Die leüt gantz forchtsam / zornig / wild / | |
| So würd die forcht hierinn gestilt / | |
| Erweckt zů lauter freüdigkeyt / | |
| Zů freündtschafft vnd standmüttigkeyt / | 420 |
| Zů schönen gdancken / süsser Red: | |
| Jn sonderheyt so man auch thet | |
| Gleich wie die Alten allesammen / | |
| Die jhr zů hülff mit worten kamen / | |
| Vnd sungen drein ein dapffer gschicht | 425 |
| Oder ein nutzlich Lehr gedicht / | |
| Darmit der Mensch mit süssem klang | |
| Nutz schöpffet auß der wort gesang: | |
| Dann also můß man es vermängen | |
| Den klang mit worten vnd gesängen | 430 |
| Auff das eins helff dem andern fein / | |
| Vnd gang den leüten süsser ein. | |
| Zů dem würd durch die klingend Seyt | |
| Die Menschlich stimm süß zůbereyt / | |
| Vnd zů der lieblichkeyt gefürht / | 435 |
| Die sonst zů hoch schreyt vnd toniert: | |
| Sie macht nicht Närrisch vnd leichtfärtig / | |
| Vnhöflich / bäwrisch vnd vnärtig / | |
| Wie die Sackpfeiffen vnd Schalmeyen / | |
| Die sehr vil Midasköpff erfrewen / | 440 |
| Sie leyrt auch nicht auff eim Tenor / | |
| Wie Midas rohr vnd Esels ohr: | |
| Ist nicht vnkünstlich wie die Trumm: | |
| Macht nicht die leüt doll / dumm vnd stumm / | |
| Gleich wie die Hörner vnd die Schellen / | 445 |
| Welche die Bachischen Macrellen | |
| Bewegten / daß sie gar ermördten | |
| Den Orpheum / den Kunstgelehrten: | |
| Sie macht nicht weinen / wie man schreibt / | |
| Daß das Syrenisch gsang solchs treibt / | 450 |
| Sie macht nicht hart / macht nicht zu zart / | |
| Sonder das mittel sie bewart / | |
| Welches dann ist ein sonder krafft / | |
| Die in jr die groß Kunst verschafft / | |
| Auff welche man am meisten acht / | 455 |
| Vnd jhr ein solch ansehen macht: | |
| Dann wie man in der gmalten gschicht | |
| Nicht oben an die farb besicht / | |
| Sonder das wesen / thůn vnd stellen / | |
| Welches man thůt für höher zehlen: | 460 |
| Also auch mit dem Lautenspiel | |
| Betracht man nicht den klang so viel / | |
| Als selbst die künstlich Melodey / | |
| Die arttlich Concordantz darbey / | |
| Der stimmen schön einhälligkeyt / | 465 |
| Die ein erinnern jeder zeyt | |
| Der gantzen Musick lieblichkeyt / | |
| Des Texts / so darzů ist bereyt: | |
| Dann darumb ist der Text bedacht | |
| Das er werd btracht vnd drein gebracht: | 470 |
| Daher so find man für gewiß / | |
| Das die Gmahl Agamemnonis | |
| Clytemnestra die Königinn | |
| Keüsch blieben sey on argen sinn / | |
| Allweil sie täglich schlagen hört | 475 |
| Den Musicum / den jhrn verehrt | |
| Jhr Mann der König / da er schifft | |
| Jn Krieg von Helena gestifft / | |
| Welchs da es merckt der Ehrendieb / | |
| Welcher sie het vnzimlich lieb / | 480 |
| Aegysthus / das er nicht vermocht | |
| Zů fall sie bringen / wie er gdocht / | |
| Er richt dann vor den Spielmann hin / | |
| Da hat er baldt ermördet jn / | |
| Darnach da fand er platz vnd fug | 485 |
| Sein arger lieb zů thůn genůg / | |
| Weil sie denselben hett verloren / | |
| Der jhr vor bösem stopfft die ohren / | |
| Fült die mit reinem klang vnd gsang / | |
| Das arg red kein zůgang erlang / | 490 |
| Halff jhr durch Künstlich Seiten schlagen | |
| Vngreine gdancken zů verjagen / | |
| Erinnert sie durch nutzlich gsäng / | |
| Daß sie der bgird den zaum nicht häng. | |
| Hierauß so ligt je häll am tag | 495 |
| Was für ein krafft die Laut vermag / | |
| Wann sie ein rechten Meister kriegt / | |
| Der sie zů ehren braucht vnd fügt / | |
| Nemlich das sie kan Thugend lehren / | |
| Vnd von bösen gelüsten kehren. | 500 |
| Derhalben wann man auch vorzeiten | |
| Gab die gesatz den wilden leüthen / | |
| Můßt man sie zů dem Seitenspiel | |
| Gar arttlich singen dick vnd viel / | |
| Auff daß sies mit dem süssen klingen | 505 |
| In die wilden gemüter bringen. | |
| Daher dann die Poeten sagen | |
| Das durch das künstlich Lautenschlagen | |
| Die stätt gebawen seyen worden / | |
| Vnd gbracht zů Zünfften vnd in Orden: | 510 |
| Dieweil das volck wonhafft in wälden | |
| Verstreyt in hütten vnd in zelten | |
| Dardurch beredt sein in die stätt / | |
| Viel eh dann durch des Menschen red: | |
| Welchs man nicht find beschriben stehn | 515 |
| Von keinem Jnstrument wie schön / | |
| Als nur von des Amphionis / | |
| Des Orphei vnd Arionis / | |
| Deren Handspiel mann Lyram nent / | |
| Weil Mercurius diß Jnstrument | 520 |
| Apollini zůr vergeltung gab / | |
| Da er jm schenckt vieh / gůt vnd hab / | |
| Dann Lytra ein vergeltung heißt / | |
| Wie solchs die Griechisch sprach außweißt / | |
| Daruor hieß es ein Schneck allein / | 525 |
| Wie noch die Laut heißt zů Latein / | |
| Sonst hat mans ein Cythar genent / | |
| Aber es dient als auff ein end / | |
| Dann Chelys welchs heyßt Schneck vnd Gwelb | |
| Vnd Laut / wie wir nennen dasselb / | 530 |
| Begreifft in sich all dise Namen / | |
| Dann sie kommen von jhr allsammen. | |
| Auch ist keim Musickspiel sonst mehr | |
| Geschehen solche himlisch ehr / | |
| Wie des Orphei Lytra geschicht / | 535 |
| Die man noch an dem Himmel sicht: | |
| Dann nach dem Orpheus was ermördt | |
| Da ward sein Seitenspiel verehrt / | |
| Vnd vnder die sternen erhebt / | |
| Da sie zůr gdächtnüß ewig lebt / | 540 |
| Zuzeigen an / das dise kunst | |
| Von niemand sey herkommen sunst / | |
| Dann von Himmlischer güt von oben / | |
| Daher dann kommen gůtte goben / | |
| Vnd das gewißlich Gott dieselben | 545 |
| Die erstlich mit den Seytengwelben | |
| Vmbgangen seind regieret hab / | |
| Vnd jhre händ gfürt auff vnd ab / | |
| Wie man dann solchs noch täglich spürt | |
| Wie hoch die kunst Gott fürt vnd ziert / | 550 |
| Sonst wers on Göttlich gnad vnmüglich | |
| Sie also hoch zubringen füglich. | |
| Vnd was mach ich es dann so lang | |
| Zuloben den Himmlischen klang / | |
| So jede Edel Creatur | 555 |
| Vnd gut fürtreffliche Natur | |
| Darab hat ein natürlich freud / | |
| Vnd lust darzů / vnd änlichkeit. | |
| Derhalb / daß man mirs nicht verkehr | |
| Als ob ich die natur hie lehr / | 560 |
| So will ichs kurtzlich nun beschliessen / | |
| Vnd sie zůr letz auch freündtlich grüssen / | |
| Gleich wie sie grüßt Homerus dann / | |
| Da er zů jr fängt also an. | |
| Wie soll ich dich nicht billich grüssen | 565 |
| Du Lautenkunst? du würst gepriesen | |
| Für alle andre Seitenspiel / | |
| Dann du erreichst das höchste ziel / | |
| Der Himmelssphären Concordantz / | |
| Wann sie gehn in einander gantz / | 570 |
| Du bist volkommen vnder allen / | |
| Drumb hast Apollini gefallen: | |
| Die Götter dich erfunden gar / | |
| Vnd lautst noch Göttlich jmmerdar: | |
| Wie hast du sie doch nur erfrewt | 575 |
| Da man schlůg auff der ersten seyt? | |
| Der Nectar vnd der himmeltranck | |
| War jn so süß nicht als dein klanck / | |
| Du lieb der Götter vnd der leut | |
| Vertringest leid vnd bringest freud / | 580 |
| Du bist ein Ehrenfreuderinn | |
| Erquickest hertz / gemüt vnd sinn / | |
| Kein Mensch sich nimmer nicht bekümmer | |
| Bey disem süssen Seyten zimmer / | |
| Glückselig seind dieselben Corden | 585 |
| Die auff dich seind gezogen worden / | |
| Dann jetzund bringst du sie zů ehren / | |
| Das sie die leüt die Musick lehren: | |
| Du allerkünstlichst Musickzeüg / | |
| Dein lob ich nicht genůg ersteig / | 590 |
| Dann offt vor lieb vnd süßigkeit | |
| Kann man außsprechen nicht die frewd / | |
| Köndt ich dein lob so hoch auch singen | |
| So hoch du vns magst freuden bringen / | |
| So braucht ich alle meine künst / | 595 |
| Dann du es vmb vns wol verdienst / | |
| Aber es ist genůg gelobt | |
| Was Gott hie ehret vnd begobt: | |
| Du schöne halbe runde Welt / | |
| Wer ist dem nicht dein baw gefält? | 600 |
| Dann je des leibs fürnemste stück | |
| Am menschen seind auch rund geschickt / | |
| Daher der Mensch heißt die klein welt | |
| Weil er die groß Welt in sich hält / | |
| Also begreiffst / wiewol on sterck / | 605 |
| Der gantzen Welt schön Musickwerck | |
| Die stimmen auch vom Firmament | |
| Seind in deim kleinen werck vollendt: | |
| O du holdselig Lautenspiel | |
| Bist wie Sibylle kirch vnd hül | 610 |
| Darauß die weissagung erthönen: | |
| Drumb soll dich niemandt nicht verhönen / | |
| Dieweil du heylig bist geacht / | |
| Weil dich Apollo hat gemacht / | |
| Vnd etwas geben seiner krafft / | 615 |
| Vnd in sein Tempel dich gehafft / | |
| Nemlich zůn sternen an den Himmel | |
| Da dich verzehrt kein rost noch schimmel. | |
| Deine Bawmeister Götter waren / | |
| Vnd machest auch / wie wir erfahren / | 620 |
| Göttlich gedancken vnd gemüt / | |
| Darumb man dir groß ehr erbiet: | |
| Ach wa vermag doch dis das gold | |
| Dem man doch ist so gfär vnd hold? | |
| On das es gar verwirt die hertzen | 625 |
| Das drüber sie jr ehr verschertzen: | |
| Aber du zartes holtz bringst leben / | |
| Derhalben will ich dich erheben / | |
| Dich vorsetzen dem Edelgstein / | |
| Dem bleichen gelben falschen schein. | 630 |
| Dich Edel holtz so vngerüst / | |
| Welchs in dem wald erzogen bist | |
| Will ich abhawen vor all dingen / | |
| Jch kan dich baß zů ehren bringen | |
| Wann ich dich trag mit mir zuhauß / | 635 |
| Dann so blibst in der wildnuß drauß / | |
| Wann ich dich mit eim runden bauch | |
| Formier / vnd mit eim kragen auch / | |
| Vnd auff dem Tach bezieh mit seyten / | |
| Vnd last dich meine finger leyten / | 640 |
| So würst du zam / lieb / mild vnd zart / | |
| Vnd verlierst deine wilde art: | |
| Wiewol du schon bist abgehawen | |
| Kan doch dein Todt vil meh erbawen / | |
| Dann wann du stündst auff deinem stammen: | 645 |
| Lebst vnbekand vnd on ein namen. | |
| Dan wem bist nutz drauß in dem wald? | |
| Da nur der brausend wind erschalt? | |
| Jsts nicht vil besser das man dich | |
| Zů frewden brauch fein sicherlich / | 650 |
| Dann daß man auß deim zarten holtz | |
| Mach schädlich pfeyl vnd einen boltz? | |
| Vnd brauch dich dann zůr grewlichkeyt? | |
| Welchs mir für dich wer hertzlich leid | |
| Daß du genetzet würst im blůt / | 655 |
| So jetz dein klang vil bessers thůt / | |
| Vnd würdst nun lautprecht vberal / | |
| Erklingst nun in des Königs saal: | |
| Wie manches zartes Frawenbild | |
| Erfrewst du / so sie auff dir spielt? | 660 |
| Darmit es argen gdancken wehrt / | |
| Die Ohren von böß reden kehrt. | |
| Ja selbst der Fürst vnd der Regent | |
| Nemmen dich in jhr fürstlich händt / | |
| Auff das sie sich mit dir erquicken / | 665 |
| Darnach zům ernst sich besser schicken: | |
| Offt nimpt dich der Achilles auch | |
| Daß seine streitbar hand dich brauch / | |
| Erlabst jn mehr dann all die beut | |
| Die er möcht bringen auß dem streit / | 670 |
| Vnd da er het im Raub die wal / | |
| Nam er dich doch für als zůmal / | |
| Hielts gold für vnnütz vnd für schertz: | |
| O wie ein Rechtes Musickhertz / | |
| Ein schöne that von einem Helden / | 675 |
| Von welcher man würd ewig melden / | |
| Der laßt vns folgen vnd nachtrachten / | |
| Vnd ander Närrisch volck verachten / | |
| Dem nur das kot vnd wůst der Welt | |
| Für alle andre künst gefält: | 680 |
| Vnd laßt den geitzwanst sich vernarren | |
| Am klang des golds / vnd dran verstarren / | |
| So sicht man dann die Eselsohren | |
| Den reichen Midis angeboren / | |
| Die nur erquickt viel Thaler stellen / | 685 |
| Dann Narren hören doch gern schellen: | |
| Laßt die Centauros lust auch haben | |
| Wann die pferd schreien / dumlen / traben: | |
| Die bauren wann die hüner gachsen | |
| So sie die Eyer hören wachsen / | 690 |
| Oder wann villeicht Můwt die kůh | |
| Der Ochs brelt / vnd bläht Geyß darzů / | |
| Wann Dauben mit den flügeln klepffen / | |
| Da laßt sie jre Lusigk schöpffen / | |
| Oder wann etwan geigt der karren / | 695 |
| So sie mit höw vnd mist ausfahren / | |
| Oder des treschen seind gar fro / | |
| Jn bawren ghört doch haberstro / | |
| Deßgleichen laßt auch in die Mül | |
| Sein jhr hochlautend Lautenspiel / | 700 |
| Dann (spricht man) hoffmann hört gern hiha | |
| Der Müller gern des Esels ja / | |
| Vnd Seitenspiel ghört nicht in d Mül: | |
| Das ist / das sie nicht ghöret vil | |
| Bey dollen schlamp zů vollen brüdern / | 705 |
| Zů jhrem jauchtzen / truncknen liedern / | |
| Dann (sagt man) von Biertranck vnd Wein | |
| Sollen nicht naß die Seyten sein / | |
| Sie werden sonst nicht meh erklingen / | |
| Dann volle faß keyn thon meh bringen: | 710 |
| Laßt Jägern auch jr hundsgeheül | |
| Bitz sie auch heülen mit der weil: | |
| Laßt Landtsknecht vmb die Trummen schantzen / | |
| Hewschrecken nur den Sommer dantzen: | |
| Vnd laßt den fraaß sein Busick enden / | 715 |
| Wann er den Bratspiß höret wenden / | |
| Vnd ein die träppen fallen ein / | |
| Vnd schencken ein beyd bier vnd wein / | |
| Vnd kannen klopffen / glässer brechen: | |
| Der thon würd sich wol an jn rechen / | 720 |
| Vnd jhn zerstören leib vnd seel: | |
| Derhalben niemand nicht erwehl | |
| Den thauben schall der Midasgschöpff | |
| Vnd diser groben Eselsköpff / | |
| Die gar der geitz macht hie zů Thoren / | 725 |
| Vnd ist Syrenisch gsang den Ohren / | |
| Das die begird sie so verfürt / | |
| Das sinn vnd hertz drinn wird verwürt: | |
| Dich aber süssen Seitenklang / | |
| Den ich auß deim gewelb empfang / | 730 |
| Wöllen wir die die Musas ehren | |
| Vnd Sittlichkeyt bgeren zůlehren / | |
| Für allen andern knall vnd schall | |
| Jn würden halten vberal / | |
| Du solt vns einen Artz verwesen | 735 |
| Der leid vnd kranckheit macht vergessen / | |
| Soltst sein das kraut vnd Jnstrument / | |
| Welchs dient für Traurwendt vnd Nepenth / | |
| Jm leid solt du vns bringen freud | |
| Jn freud deren erinnern beid / | 740 |
| Du solt vns vnser geist erwecken | |
| Wann wir ein gůtes werck volstrecken / | |
| Vnd dein lob wöllen wir verkünden | |
| Allweil den Athem wir empfinden / | |
| Dann du bist aller Musick schein / | 745 |
| Du gliebst den Göttern nur allein / | |
| Dich braucht der Phoebus jeder frist | |
| Wann er vnder den Musis ist / | |
| Drumb werden dich die all belieben | |
| Die kunst belieben oder üben / | 750 |
| Weil künstliches zůsammen ghört / | |
| Vnd kunst von dir auch würd gelehrt / | |
| Weil du mit deiner lieblichkeyt | |
| Erinnerst vns zů jeder zeit | |
| Auch der himmlischen süßigkeit / | 755 |
| Da dann ist die Recht Musickfreud / | |
| Die Lautbar ist in Ewigkeyt / | |
| Darzů vns alles dien vnd leyt. |
J. F. G. Mentzer
[Pseudonym von Johann Fischart]
Martin Opitz (1597–1639), Uberschrift auf eine Laute
Martin Opitz (1597–1639)
Uberschrift auf eine Laute
DA als ich war ein Baum hört ich deß Orpheus Lieder:
Nun bin ich eine Laut' / vnd Orpheus hört mich
[wieder.
Martin Opitz (1597–1639), An H[errn] Johann Nauwach
Martin Opitz (1597–1639)
An H[errn] Johann Nauwach
WAs schönes hör' ich doch? was ist es für ein klang /
Vnd zarte Melodie? ists Orpheus sein Gesang
Mit dessen kräfften er kan die Odryser zwingen
Das harte rawe Volck? hör ich den Phebus singen /
Der Musen grossen Gott? o Nauwach das bist du.
Thalia selber kömpt / vnd reckt jhr Ohr hinzue;
Sie zörnt mit jhrer Handt / leßt ab die hellen seiten /
Verschleußt den süßen Mundt / vnd wil mit dir
[nicht streiten:
Du steigest vber sie / vnd deine newe Bach
So in die Elbe rinnt giebt nicht den Brunnen nach
Am grünen Helicon. hört ewren mittgesellen /
Ihr Pierinnen Volck / den rechten Spruch zu
[fellen /
Als die jhr richten könnt. hier taugt kein Midas nicht /
Der Eselsohren hatt / vnd esels vrtheil spricht.
So wußte Pindarus Beotien zu stillen /
Tirteus Sparten Volck; so folgte Telesillen
Das streng' Argiverlandt; so wann Alceus nam
Die starcke laut' vnd sang / ward Lesbos mild' vnd
[zahm.
Was aber soll nun mir / o Nauwach / von dir
[ahnen /
Mir / der ich eine gans bin bey gelehrten
[schwanen /
Das du mein Kinderspiel mit solchem Eyfer liebst /
Vnd durch dein singen jhm erst seine Seele giebst?
Ich bin es ja nicht werth / ich weiß das meine
[sachen /
Mein Tockenwerck vnd schaum der jugendt nicht
[viel machen;
Doch machst du daß mein sinn mich stoltz zu
[werden zwingt /
Weil du mich vnd mit dir das schöne Dresden singt.
Wolan / denselben Lohn den ich dir nicht kan
[geben /
Wird dein gerüchte dir verleihen nach dem Leben:
Die Laute deine Ziehr soll bey der Leyer stehn
Die mit den Sternen pflegt am Himmel auff zu gehn.
Die künste sterben nicht. so lange man wirdt
[singen /
So lange wird dein Lob durch Erd' vnd lufft
[erklingen.

Emblem Concordia Discors. Aus: J. W. Zincgref: Sapientia picta, Frankfurt 1624. Kupferstich von Matthaeus Merian, dem Älteren.
Deutschsprachige Epigramme zum Emblem Concordia Discors von Julius Wilhelm Zincgref (1591–1635), Georg Greflinger, So kann eine Stadt bestehen
Deutschsprachige Epigramme
zum Emblem Concordia Discors von Julius Wilhelm Zincgref (1591–1635)
DIe Laut bezogen ist mit grob und kleinen Seiten /
Von Mancherley gethön / vnd wer daruff sol
[schlagen /
Das es recht Accordir, muß wissenschafft drumb
[tragen /
Gut Regiment darff Kunst bey so vielerley Leuten.
(Sapientia picta 1624)
So kann eine Stadt bestehen
Sich dieses Lautenspiel mit grob und kleinen Säyten
Und gleich wol / stimmt man sie / stimmt die der
[andern ein:
Sol eine Stadt in Ruhe und Recht erhalten seyn /
So muß sie seyn besetzt mit groß und kleinen Leuthen.
(Georg Greflinger 1666)
Georg Philipp Harsdörffer (1607–1658), Selig sind / die nicht sehen / und doch glauben
Georg Philipp Harsdörffer (1607–1658)
Selig sind / die nicht sehen / und doch glauben

| IN den grünlich falben Matten / | |
| unter einer Linden Schatten / | |
| hat ein müder Wandersmann | |
| seine Laute hingeleget / | |
| weil er / von dem Schlaff erreget / | |
| Mund und Augen zugethan. | |
| Auf nechst beygelegnen Auen | |
| weidet' / in dem kühlen Tauen / | |
| ein darob erstaunter Knab: | |
| Als er nun nichts mehr vernommen / | |
| ist er näher beygekommen / | |
| hinterlassend seinen Stab. | |
| Er kniet nechst der Laute nieder / | |
| die zuvor so holde Lieder / | |
| und den wunderreinen Klang / | |
| diesen Knaben zu bethören / | |
| in den Lüfften lassen hören | |
| durch den strengen Saitenstrang. | |
| Er wolt dem Gehör nicht trauen | |
| und mit seinen Augen schauen / | |
| wie deß stummen Holtzes Stern | |
| könte sonder Sinn und Leben | |
| so beliebte Stimme geben / | |
| wolt er selber schauen gern. | |
| Als er nun nicht mögen sehen / | |
| wie der Klang pflegt zu geschehen / | |
| rühret er die Saiten an: | |
| bald die Lauten murmelnd klagte / | |
| und dem Wandersmann ansagte / | |
| was der Hirtenknab gethan! | |
| Sind nicht in deß Holtzes Krümmen aller Vögel zarte Stimmen / | der Knab redet. |
| die doch niemand hier beschaut? | |
| Ich hab mit dem Ohr vernommen / | |
| daß aus diesem Holtze kommen | |
| ein gar wundersüsser Laut. | |
| Wie kan auß deß Bauches Klüfften | |
| etwas tönen in den Lüfften / | |
| sag mir lieber Wandersmann? | |
| Sag mir / wie kan doch geschehen / | |
| daß ich hier nicht kan ersehen / | |
| was ich hab gehöret an? | |
| Knab / du must den Ohren trauen / | Antwort. |
| was du hörst / ist nicht zu schauen. | |
| dich vergnüge das Gehör! | Rom. 10/17. |
| Man muß seinen Sinn betauben / | |
| GOttes Wort in Einfalt glauben. | |
| Selig ist / der glaubt der Lehr! | Joh. 20/33. [recte: 20/29.] |

Figurengedicht Ein Laute. Aus: Johann Helwig: Die Nymphe Noris, Nürnberg: Dümler, 1650.
Johann Helwig (1609–1674), Ein Laute (Auf! singet und springt)
Johann Helwig (1609–1674)
Ein Laute
Nun / so wil ich / sprach Montano / noch eines versuchen / und in des Floridans Namen eine Lauten aufgesetzt haben.
Auf! singet und springt!
die Laute schön klingt:
derer Klang
ohne Zwang
hoch anringt.
Lasst sie liebn /
und uns übn /
solchen Lust;
iedem wie bewußt /
was für Freud sie macht /
freyer Muth hier lacht:
sie kein Leid betrüb'!
ieder hab die lieb!
wer sie nicht hoch acht /
sich selbst veracht /
und hat darvon
den Midas Lohn.
Georg Philipp Harsdörffer (1607–1658), Von der Brüderlichen Versöhnung
Georg Philipp Harsdörffer (1607–1658)
Von der Brüderlichen Versöhnung
DAs Band der Einigkeit ist gleich den Lauten Seiten / *
Die gleicher Weiß gestimmt / gantz gleiche Tönung
[leiten.
Springt etwan eine Quint / so zieh sie wieder an!
Wie man / mit Hertz und Hand / den Feind
[versöhnen kan.
* Zwo gleich gestimmte Lauten / geben gleichen Ton von sich / ob man gleich nur eine berührt.
Paul Fleming (1609–1640), An Herrn Johan Klipstein
Paul Fleming (1609–1640)
An Herrn Johan Klipstein
Was Orpheus jener Zeit auf Venus Klippen sunge
und wie er durch den Witz die starken Saiten zwunge
in dem beseelten Ton, daß auch der Thracen Hain'
und ungefüßte Klüft' ihm nachgegangen sein;
und daß der Linus auch die Thebischen Gefilder,
das ungezahmte Land, gemachet hat viel milder
durch seiner Harfen Kraft; wie auch Arions Kunst
den liebenden Delfin zu einer solchen Gunst,
die über Wundern ist, bei Lesbus hat bewogen;
und daß das wilde Wild Amphion nachgezogen,
im Fall' er Stimm' und Spiel zugleiche tönen ließ, –
ist mancher Klügling noch zu gläuben ungewiß.
Wie, spricht er, kan es sein, daß Felsen hören können?
Und hat der dumme Forst auch die Vernunft der Sinnen,
daß er den Ton vernimmt? Drum weiß er nicht, wohin
die hohen Schriften sich in ihrer Deutung ziehn.
Das strenge Heidenvolk sind die bewegten Klippen,
der Wald das wilde Tun der ungeschlachten Lippen,
und grober Sitten Wust, die durch die kluge Hand,
und feurige Vernunft der Weisen sich erkannt,
und sich aus sich verjagt. Diß hat der Kastalinnen
geneunte Schwesterzunft so glücklich enden können
durch ihrer Musik Macht. Wer ist so taub und blind,
daß er den Stimmen nicht ein Ohr und Auge gönnt?
Sie hat uns Menschen erst zu Menschen recht gemachet
und durch ihr Lieblichsein uns freundlich zugelachet,
als wir noch waren grob. Was nichts nicht zwingen kan,
das bändigt ein Gesang. Wenn Hermes stimmet an,
so schläft auch Argus ein. Was kann man bessers finden,
wenn uns der Trauermut die lassen Geister binden
und ganz umnebeln will, als wenn bei guter Kost
man um sich haben kan der Musik süße Lust,
der Kummertöterin? Da können deine Gaben,
Licinta, dich und uns in voller Wollust laben
und uns dir machen gleich, wenn dein bejahrter Wein
springt in der Schalen auf, und Einer spielet drein
es sei auch was es sei. Die Sing- und Saiten-Schulen,
die lernen uns bevor das wolvergunte Buhlen,
und wie man sittsam wird. Cytheris und ihr Sohn
sind, wo man singt und spielt, nicht gerne weit darvon.
Saul raset ohne sie. Misenus muste singen,
solt' Hector lustig sein. Wenn Schützens Lieder klingen,
so wächst des Sachsens Lust. Wenn Nauwach das Pandor
läßt hören und mit ihm den künstlichen Tenor,
da wacht mein Opitz auf, daß er des Künstlers Stimmen,
so hoch, wo über uns der Leier Sternen klimmen,
durch seinen ersten Preis, die deutschen Vers' empört,
weil immer eine Kunst die ander' liebt und ehrt.
Wo laß ich aber dich, und deine schöne Laute,
Herr Klipstein, welche dir von Hand zu Hand vertraute
Apollo Phöbus selbst, der sie vorerst erdacht,
der deine schnelle Faust ihr griffreich hat gemacht?
Wo lass' ich dich und sie, sie, Fürstin aller Saiten,
dich, ihrer Künstler Gott? Wenn du die Traurigkeiten
durch deine Kunst bestürmst, so dringt der Helicon
auch selbsten sich zu dir, daß ihn dein großer Ton
noch mache göttlicher. Du schaffst, daß unsre Sinnen
sich weit, weit über uns ans Blaue schwingen können,
wo man kein Leid nicht kennt. Der wollustvolle Klang
verzäubert uns den Sinn und macht uns sehnend krank,
doch durch ein süßes Weh. Wem soll ich dich vergleichen?
Ich weiß, an Lieblichkeit muß dir Iopus weichen
und Demodokus auch. Was Thamyras gespielt,
das stichst du leichtlich hin. Wen dieses Lob vervielt,
der komm' und höre dich! Du hast den Preis erworben,
daß du nach deinem Tod' auch bleibest ungestorben.
Die Kunst verlacht das Grab. Du wirst sein hochgepreist,
so lange Cynthius der Lauterfinder heißt.

Emblem Harmonia suavis. Aus: Lust- und Artzeney-Garten des Königlichen Propheten Davids, Regensburg 1675.
Wolf-Helmhardt von Hohberg (1612–1688), Der Herr hat wolgefallen an seinen wercken
Wolf-Helmhardt von Hohberg (1612–1688)
Der Herr hat wolgefallen an seinen wercken
(Ps. 104, V 31)
Von einer maisterhand gerührt fürtrefflich klinget
die Laute; wan wol sind die saiten eingestimmt:
Von Gottes weisheit so die ganze welt entspringet
und der geschöpffe kunst den Schöpffer macht
[berühmt.

Filip Zesens dichterische Liebes-Flammen. Frontispiz in: Filip Zesens dichterische Jugend-Flammen, Hamburg 1651.
Philipp von Zesen (1619–1689), Das fünfte Lied an die übermenschliche schöne Himmelshulde / als Er Sie auf der Lauten spielen hörete
Philipp von Zesen (1619–1689)
Das fünfte Lied
an die übermenschliche schöne
Himmelshulde /
als Er Sie auf der Lauten
spielen hörete
1.
Schöne / wie mag dieses kommen /
daß mich ihrer Lauten-klang /
die Sie kaum zur hand genommen /
macht so balde liebe-krank /
daß die sinnen schwächer werden /
und sich neugen hin zur erden /
daß mich ihrer augen blik
ziehet aus mier selbst zurük.
2.
Mit den fingern mag sie spielen /
aber mit den augen nicht;
dan die kraft macht schmertzen fühlen /
die aus ihren blikken bricht;
ja / was mehr ist / ihre zunge
reget mier auch hertz und lunge /
wan sie so beengelt singt /
und mich fast zum sterben bringt.
3.
Ja nuhn kan ich leichtlich gläuben /
daß Orfeus durch seinen klang /
wie die weisen Dichter schreiben /
das vertutzte wild bezwang /
weil itzund Ihr süßes spielen
die vernunft mus selbsten fühlen /
und / o Engel-mänschen-bild /
nichts für ihren strahlen gilt.
4.
Ihre laute / die sie führet /
ist mit bändern schön bestrükt /
die aus lieb' und gunst gerühret /
könt' ich auch so sein beglükt /
daß ein lied aus gunst geschrieben /
meine Schöne möchte lieben /
und derselbe / der es schreibt /
Ihrer gunst sei einverleibt.
5.
Sie ist ja zur gunst gebohren
denen / die ihr günstig seind /
und zum lieben auserkohren /
drüm werd' ich ja nicht / als feind /
so unglüklich bleiben müssen;
bin ich doch auf nichts beflissen
als auf ihren hohen preis /
der von keinem weichen weis.
Angelus Silesius (Johann Scheffler) (1624–1677), Das Lautenspiel Gottes
Angelus Silesius (Johann Scheffler) (1624–1677)
Das Lautenspiel Gottes
Ein Herze, das zu Grund Gott still ist, wie er will,
Wird gern von ihm berührt: es ist sein Lautenspiel.
Angelus Silesius (Johann Scheffler) (1624–1677), Sie stimmt ihm die Saiten an
Angelus Silesius (Johann Scheffler) (1624–1677)
Sie stimmt ihm die Saiten an
1
Ich will die Laute rühren,
Und Jesu musizieren.
Ich will die Saiten zwingen
Und, was ich kann, drein singen.
Mit Herz und Mund erschallen,
Daß es soll widerhallen.
Die Laute will ich rühren
Und Jesu musizieren.
2
Ich will mein Herz erheben
Und in dem Himmel leben.
Ich will mich von der Erden
Und weltlichen Beschwerden
Zu meinem Liebsten schwingen
Und durch die Wolken dringen.
Mein Herz will ich erheben
Und in dem Himmel leben.
3
Ihr himmelischen Chöre,
Vergönnet mir die Ehre,
Daß ich mit euch vermenge
Mein arme Lobgesänge.
Daß ich mit euren Weisen
Den Herren möge preisen.
Vergönnet mir die Ehre,
Ihr himmelischen Chöre.
4
Ich wollt ihn gerne loben,
Wie ihr im Himmel droben.
Stimmt ein mit euren Flöten
Und ewigen Trompeten.
Er wird von meiner Zungen
Nicht schön genug besungen,
Drum wollt ich ihn gern loben,
Wie ihr im Himmel droben.
5
O Jesu, mach mich weise,
Daß ich dich würdig preise.
Laß meines Herzens Saiten
Durch deinen Geist bereiten.
Befeuchte meine Seele
Mit deiner Gottheit Öle,
Daß ich dich würdig preise,
O Jesu, mach mich weise!

Der Nürnberger Lautenist Melchior Schmid (geb. 1608).
Kupferstich von Johann Jakob Schollenberger mit einem lateinischen Epigramm von Sigmund von Birken (1668).
Herzog Anton Ulrich Museum Braunschweig,
HJSchollenberger AB 3.24.
Sigmund von Birken (1626–1681), Uber D. Melchior Schmids Nürnb. Lautenistens Bildnis
Sigmund von Birken (1626–1681)
Uber D. Melchior Schmids
Nürnb. Lautenistens Bildnis

Seinen Orfeus Thracien, Thebe den Amfion preise;
unser Nürnberg diese Beÿde hat zugleich in diesen
[Mann.
Es bekennet, wer ihn kennet, ihn mit Ohren sehet an,
daß sein süsses Lautenspiel in dem Chor das Honig
[heise.
Deutschsprachige Fassung des lateinischen Epigramms.
In: Birken-Wälder, Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, Historisches Archiv: P.Bl.O. 13.3.1.1, fol 208r.

Der Nürnberger Stadtmusiker Johann Wellter (1614 bis 1666). Kupferstich (1668) von Johann Friedrich Leonhard mit einem Epigramm von Sigmund von Birken.
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Mp 25692.
Sigmund von Birken (1626–1681), Johann Wellter Stadt Musicus in Nürnberg, ward gebohren A°. 1614 starb A°. 1666
Sigmund von Birken (1626–1681)
Johann Wellter Stadt Musicus in Nürnberg, ward gebohren A°. 1614
starb A°. 1666
Zuvor war ich ein Holtz, und hörte Orfeus Lieder;
Jetzt bin ich eine Laut', und Orfeus hört mich wieder:
So sprach diß Seitenspiel, in unsers Wellters Hand.
Sein Nam ihn Orfeus nennt, dem Wellter zugerañt.

Figurengedicht Ein Laute. Aus: Theodor Kornfeld: Selbst=Lehrende Alt-Neue Poësie, Bremen 1685.
Theodor Kornfeld (1636–1698), Ein Laute (Ihr Lauten itzt klinget)
Theodor Kornfeld (1636–1698)
Ein Laute; so anno 1664. auff
Herrn Henr. Klostermans J. U. L. Hochzeit
von mir gesetzet / und gegeben.

Christian Gryphius (1649–1706), Die Feder hat bisher erhitzt in geiler Brunst
Christian Gryphius (1649–1706)
Die Feder hat bisher erhitzt in geiler Brunst
DIe Feder hat bißher erhitzt in geiler Brunst
Manch freches Narren=Lid geschriben /
Und meinen Geist dahin getriben /
Wo er bethört von Wahn / von Rauch' und leerem Dunst
Sich selbst ein Schandmal angebrennt /
Des Himmels strengen Zorn ihm auf den Halß gezogen /
Den Bund mit GOtt getrennt /
Und niemand sonst / als sich und seine Ruh betrogen /
Und / was mich itzt am meisten schmerzt
Die Seeligkeit bey GOtt verscherzt.
Nun aber schmeist der Blitz den tollen Kiel entzwey /
Und prägt mir lauter Donner=Sprüche /
Gesetze / Straf' und strenge Flüche
In Brust und Adern ein; Ich fall' in Raserey
Und höre stat des Lauten=Spils
Das meinen Sinn ergözt / den Schall der Rach=Trompeten /
Die Boten meines Zils /
Die Donner / welche den / der frembd Feur opfert / tödten.
Die Feder fällt mir aus der Hand
Und wird ein scharfer Diamant.
Ein Diamant / der diß in Ertz und Eisen gräbt /
Was ein verkehrtes Lid verbrochen /
Das halb verfaulte Todten=Knochen
Und ein gebrechlich Bild biß an die Stern' erhebt.
Das meines Schöpfers grosse Macht
Nie nach Verdienst geehrt / das in den eitlen Ohren
Mehr Lust zu düstrer Nacht /
Als Libe zu dem Licht / das ewig scheint / gebohren.
Das die Begierden aufgeweckt /
Die Tugend aber gantz ersteckt.
Der Himmel schreibt mir weit andre Noten vor /
Der harte Thon folgt auf den weichen /
Ich kan die Stimmung nicht erreichen /
Die Laute springt entzwey / der Welt Syrenen=Chor
Entdeckt mir nichts als Klipp' und Stein /
Wo ich / der sie gelibt / itzt mus zu scheitern gehen.
Es kan nicht anders seyn;
Wer Angst mehr libt / als haßt / mus in der Angst vergehen.
Ach falscher Thon / ach laue Brunst /
Ach übel angelegte Kunst!
Erschrick bethörter Geist / ermunter Aug' und Ohr /
Wie schrecklich blizt der feur'ge Himmel!
Wie kracht der Donner Angst=Getümmel!
Ermuntre dich o Hertz / sonst laufst du von dem Thor
Der allzu leichten Eitelkeit
In das verfluchte Schloß / wo keine Musen singen /
Wo unter stätem Leid
Und ew'ger Dienstbarkeit die schweren Fessel klingen.
O harter Thon der Ewigkeit /
Der mir itzt in die Ohren schrey't /
Schmeiß Geig' und Laute weg; Greif Davids Harfen an /
Und stimme sie mit deinen Thränen /
So wird der Seufzer ängstlich sehnen
GOtt wohlgefällig seyn. Thu / was die Feder kan /
Entwirf des höchsten Schöpfers Ruhm /
So wirst du GOttes Geist in deinen Adern fühlen
Und als sein Eigenthum
Das grosse Jubel=Lid mit allen Engeln spilen.
O Jubel=Lid! o Ewigkeit!
O seelig angelegte Zeit!
Johann von Besser (1654–1729), An seine Laute
Johann von Besser (1654–1729)
An seine Laute
Diß ist die treue Trösterin
Von allen meinen Kümmernissen,
Wenn die, um die ich traurig bin,
Nichts will von meinem Kummer wissen.
Das Hertz der strengen Ehrengard
Ist leider gegen mich zu hart,
Und giebt nicht Acht auf meine Plagen.
Ihr aber, meine Saiten ihr
Seyd viel mitleidiger mit mir,
Ihr hört zum minsten meine Klagen,
Und wißt, so offt ich euch berühr,
Mein Leiden wieder nachzusagen.
Unbekannter Verfasser, Er beklagt sich, er könne nicht stets gut auf der laute spielen; Sie aber sagte: er hätte allezeit gut gespielt, wenn sie zugehört. U. E. v. B.
Unbekannter Verfasser
Er beklagt sich, er könne nicht stets
gut auf der laute spielen;
Sie aber sagte:
er hätte allezeit gut gespielt, wenn
sie zugehört.
U. E. v. B.
DU hast mich allezeit noch fertig spielen hören,
Und willst dich nicht mein Kind, an meine klagen kehren:
Allein bewundre mich hierüber nicht zu viel,
Wenn ich dich vor mir seh, so krieg ich lust zum spiel.
Johann Beer (1655–1700), Die Welt ist eine Laute
Johann Beer (1655–1700)
Die Welt ist eine Laute
Die Welt ist eine Laute / und wer darauf will spielen /
Wird mehr denn tausend Schock der falschen
[Quinten fühlen.
Johann Friedrich Riederer (1678–1734), Ein Lautenist bricht viele Seiten…
Johann Friedrich Riederer (1678–1734)
Ein Lautenist bricht viele Seiten /
eh er den Meister kan bedeuten.
Barthold Hinrich Brockes (1680–1747), Die Laute der Belisa, besungen von Belisander
Barthold Hinrich Brockes (1680–1747)
Die Laute der Belisa,
besungen von Belisander
Wie oft, wie manchesmal, von Phöbus Gluth
[entglommen,
Vom Dichter=Geist gereizt, hab' ich mir
[vorgenommen,
Belisa, Dein Verdienst und dessen Seltenheit
Dem nimmer satten Zahn der all=verzehrnden Zeit
Durch Schriften zu entziehn, durch Verse zu
[entreissen?
Allein der Wohlstand hat mich immer schweigen
[heissen.
Heut aber reißt dennoch die so geschickte Hand,
Durch ihren Zauber=Klang, des Wohlstands
[sprödes Band
Mit Lust und Recht entzwey. Das gar zu süsse Tönen
Der Laute, die Sie spielt, wird meinen Fehl beschönen;
Wo das gefehlet heisst, zu loben, was man liebt,
Zu lieben eine Frau, die solche Wunder übt.
So bald ihr Ton durchs Ohr uns sanft das Herze
[schläget,
Kocht gleich das Blut und wallt; die Seele wird
[beweget,
Und steigt, Verwundrungs=voll, aus unsrer engen
[Brust,
Auf Leitern der Music, ins Paradis der Lust,
Wo, gleichsam von der Welt Getümmel abgeschieden,
Sie, voller stolzen Ruh, ergetzt, vergnügt, zufrieden,
Von jedem Ton erquickt, entzückt durch jeden
[Schlag,
Aus Furcht, Sie misse was, kaum Athem holen mag.
Den Seiten muß an Klang ein silbern Glöckchen
[weichen;
Kein irdisches Metall kann Ihrer Anmut gleichen;
Dahero, weil Ihr Ton so hell, so rein, so zart;
So scheints, ob ihre Hand auf unsichtbare Art
Ein himmlisch Glocken=Spiel mit güldnen Strickchen
[zöge,
Und ob die schlanke Hand nicht sprünge, sondern
[flöge.
Die Sinne folgen Ihr, die Herzen fliehn und stehn,
Nachdem die Fluchten hoch, schnell oder
[langsam gehn.
Bald singt ein Griff allein, bald rauscht der Töne Menge,
Und macht in Luft und Ohr ein liebliches Gedränge
Von lauter Cirkelchen; bald theilt sie Maaß und Zeit,
In unbeschreiblicher geschwinder Fertigkeit,
Mit Regel=mäßigen unzähligen Manieren.
Oft drohet sie mit Fleiß, den Wohllaut zu verlieren
In einem falschen Ton; doch zeucht die kluge Hand
Aus einem harten Klang und herben Gegen=Stand
Noch süss're Zärtlichkeit. Will Sie aus Hendels Stücken
Mit einem sanften Satz des Hörers Ohr erquicken;
So greift ein jeder Griff ihm so die Sinnen an,
Daß er den Wunder=Ton nicht gnug bewundern
[kann.
Die Saiten weiß ihr Geist so künstlich auszudehnen,
Daß eine süsse Klag', ein fast verliebtes Sehnen,
Aus todten Sehnen bricht. Gefällt ihr dann die Eil;
So gleicht an Schnelligkeit kein Strom, kein Stral,
[kein Pfeil;
Kein Blitz, kein Wirbel=Wind den wohlgemess'nen
[Sprüngen,
Die ihrer raschen Hand niemalen mißgelingen.
Der Töne Menge bricht, gleichwie ein Strom,
[hervor,
Und scheints, man hör' in Ihr den ganzen
[Musen=Chor.
Dieselbe Leidenschaft, so Orpheus eh den Thieren
Bezaubernd eingeprägt, würd' er itzt selber spüren;
Amphion würde gar mehr Stein als seine Stein,
Und kein Delphin hinfort Arions Brücke, seyn,
Wofern sie einmal nur Belisen zugehöret.
Wie aber, wird von mir die Laute nur verehrt?
Was führ' ich vom Clavier und Ihrer Sing=Art an?
Weit mehr, als glaublich ist. Und was? Belisa kann
(Wird durch die Meng' Ihr Ruhm gleich eher klein,
[als grösser)
Das eine ja so gut, das andre fast noch besser.
* *
*
Euch, die ihr Sie gehört, ersuch' ich, tadelt nicht,
Ob hätt' ich Ihren Ruhm nicht hoch genug getrieben!
Ihr andern, falls ihr denkt, hier wäre viel erdicht't;
So hört Sie erst, dann sprecht, ob ich zu viel
[geschrieben!
Christian Friedrich Hunold (1681–1721), Auf seine Laute / von dem Herrn Baron von Lichnowsky
Christian Friedrich Hunold (1681–1721)
Auf seine Laute /
von dem Herrn Baron von Lichnowsky
1.
Du süsser Klang beliebter Säyten /
Der meine Laute kostbar macht;
Der mir vor hundert andern Leuten /
So manche Lust zu wege bracht.
Erlaube daß itzt meine Hand /
Die schon so manchem Zeit=Vertreibe
Zu Ehren Müh' hat angewand /
Auch dir ein wahres Lob=Lied schreibe.
2.
Wenn mehr als hundert leere Grillen /
Den bey dem Buch gantz müden Sinn /
Itzund beginnen anzufüllen;
Und ich offtmahls verdrießlich bin:
So weiß ich kein vergnügter Ziel
Dem Kummer und Verdruß zu setzen /
Als nur das süße Lauten=Spiel /
Das mich allein weiß zu ergetzen.
3.
Ich greife was ich will vor Lieder /
Es sey auch auf dem tiefsten Chor /
So gehts mir schon durch alle Glieder /
Und schallt verliebt in meinem Ohr.
Vergnügt wird jedes Schlaf gestöhrt;
Wenn man bey späten Abend Stunden /
Dich auf der Straßen spielen hört /
Und Echo sich mit dir verbunden.
4.
Will einer Doris Augen zwingen /
Die er sonst nicht zu schauen kriegt:
So darf er nur ein Ständgen bringen;
Und spielen / was ihr Ohr vergnügt:
So ist schon alles gleich geschehn:
Das schöne Kind läst hin und wieder
Sich alsdenn bald am Fenster sehn /
Und hört vergnügt auf seine Lieder.
5.
Drum du allein O süsse Laute /
Du bleibst mein süsser Zeit=Vertreib;
Du bist mir meine Hertz=Vertraute /
Wenn andre jetzt ein schönes Weib
Mit ihrem Spiegel fast entzückt.
Du süße Laute bleibst mein Leben /
So lange mich dein Klang beglückt /
So lange werd' ich dich erheben.
Johann Ulrich von König (1688–1744), Ein Schäfer=Gedicht auf die hohe Geburt eines Chur=Sächß. Printzen, bey zugleich glücklich erfolgter Zurückkunft Sr. Majestät unsers allergnädigsten Königs 1720
Johann Ulrich von König (1688–1744)
Ein
Schäfer=Gedicht
auf die hohe Geburt
eines Chur=Sächß. Printzen,
bey zugleich
glücklich erfolgter Zurückkunft
Sr. Majestät unsers allergnädigsten Königs
1720
[…]
Seladon:
[…] Jetzt wollen wir die Pfeiffen
Abwechselnd zum Gesang ergreiffen.
Hört! wie ich mit geschwollnen Wangen
Bereits den rechten Thon zu suchen angefangen.
Hulderich:
Die alte Leyer weg! die Pfeiffen weg hiervon!
Hier gilt kein bäurischer kein Regel=loser Thon.
Es soll nur Silvius darzu die Laute spielen, (u)
Der so spielt, wann er spielt, daß es die Herzen fühlen.
Er ist an Aendrungen ganz unerschöpflich reich,
Und sich in seiner Kunst nur einzig selber gleich.
Wann er nachläßig seine Saiten
Mit leichter Hand nur obenhin berührt,
Und, nach unzähligen Annehmlichkeiten
Alsdenn verstärkt durch ein hellklingend streiten,
Den Wohllaut und die Kunst in solchen Lustkampf
[führt,
Daß selbst sein thönend Holz davon sich muß
[erschüttern,
So bebt das Herz vor Lust, wie seine Saiten zittern.
Wann aber denn der Thon ersterbend sich verliehrt,
Er auch, durch klägliche verliebte Schmeicheleyen,
Durch immer wechslende stets fremde Zaubereyen,
Durch manchen falschen Gang des Hörers Ohr betrügt,
Und selbst durch den Betrug noch künstlicher vergnügt,
Bald seufzend bebt, bald schwebend stille liegt;
Und oft den Klang erst schärft, indem er scheint zu
[schweigen,
So hält man bey sich selbst den Athem ängstlich an,
Damit den Ohren ja kein Thon entwischen kan.
Oft überrascht er uns durch unverhofften Fall,
Oft überfällt er uns durch wunderschnelles Steigen,
Antwortet oft sich selbst mit nachgeahmtem Schall,
Und macht durch sanftern Griff den schönsten
[Wiederhall.
Will aber er den Klang verdoppeln und vermehren,
So weiß, wie ihm geschieht, der Hörer nicht:
So mißtraut man selbst dem Gesicht,
Und glaubt hier mehr als einem zuzuhören.
Kurz: Zwischen Lust, Verwunderung und Ruh,
Vergißt man sich, und hört ihm zu.
So sagte Hulderich, und von den andern beyden
Sprach jeder: ja! und brach sein Rohr entzwey mit
[Freuden.
Weg! rieffen sie: mit Pfeiffen und mit Rohr,
Nur Silvius spielt recht für ein so zartes Ohr.
Wohlan! fuhr jener fort, auf nun! Elban,
Du fängst das Lied am ersten an,
Dir folget Seladon, ich ihm, zum Unterschied:
Drauf sangen alle drey, wie folgt, diß
Wiegen=Lied: […]
(u) [Anm. im Original:] Silvius ist der Taufnahme des Königl. Cammer=Musici und berühmten Lautenisten, Mons. Weisens [= Silvius Leopold Weiß (1686–1750)].
Johann Valentin Pietsch (1690–1733), Die seltne Eigenschafften des Hoch=Wohl=Edlen und Wohlgelahrten Herrn Georg Christoph Tauschern, weit=berühmten Virtuosen auf der Laute, bey dessen beglückter Ankunfft in Königsberg
Johann Valentin Pietsch (1690–1733)
Die seltne Eigenschafften des
Hoch=Wohl=Edlen und Wohlgelahrten
Herrn Georg Christoph Tauschern,
weit=berühmten Virtuosen auf der Laute,
bey dessen beglückter Ankunfft in Königsberg
BEtaubte Muse komm! verlaß das rauhe Feld,
wo Mars, der wilde Mars, die laute Wohnung hält;
was will dein matter Mund den rothen Sieg besingen?
wird wohl dein leiser Ton der Waffen Schall bezwingen?
das donnernde Metall dämpft deinen Lob=Gesang,
der Feld=Trompeten weicht der Flöten sanffter Klang,
der Flöten, welche dir dein Phöbus anvertrauet,
und mit geweyhter Hand von Lorbern aufgebauet.
Komm, meine Muse komm! verlaß den stoltzen Wahn,
dein Schall erfüllet nicht die weite Helden=Bahn.
Beschreibe doch vielmehr der Pierinnen Kriege,
die Krafft der Wissenschafft, der Künstler stille Siege;
komm und verehre nur des Tauschers kluge Hand,
die unsrer Künstler Schaar den alten Ruhm entwandt.
Der Pregel ließ unlängst die reinen Silber=Quellen,
von Eyfer angereitzt, aus seinen Schrancken schwellen,
denn Tauschers Laute zog die strenge Weichsel nach,
die durch des Pregels Thor mit wilden Rauschen brach.
Der Pregel widerstund und wollte nur allein
durch seinen Wunder=Klang vergnügt gerühret seyn.
Die zarte Nymphen=Schaar hat ihn schon längst geehret,
sie haben seinen Ruhm, eh' als sein Spiel, gehöret,
sein Name schallet noch in Feldern, Wald und Klufft,
sein Finger rührt das Spiel, sein Spiel bewegt die Lufft,
die Lufft bewegt das Ohr, das Ohr bewegt die Sinnen,
die Bäume regen sich, der Sitz der Pierinnen,
der ewig grüne Berg, rührt sein entzücktes Haupt,
Castallis Brunn erstarrt, so daß man heute glaubt,
was man als Fabeln sonst von Thracien gelesen;
dein Ruhm, mein Tauscher, kan durch keine Zeit verwesen,
dein ungemeines Lob kennt kein gemeines Ziel,
selbst Phöbus tauscht mit dir sein süsses Säiten=Spiel.
Wo du die Laute schlägst, zerschlägst du die Beschwerden,
das Kummer=Band zerspringt, die kalten Flüsse werden
von Eyfersucht erhitzt und sind dem Pregel feind,
die Tyber ist erzürnt, die trübe Temse weint,
die Seine läßt den Schaum an beyden Lippen kleben,
warum? der Pregel will sich über sie erheben,
weil dein berühmter Ton ihr Ufer lustig macht.
Es jauchst der Schäffer Chor, der bleiche Tyrsis lacht
bey seiner Liebes=Pein. Die Doris hat das Essen
und ihren Seladon bey deinem Spiel vergessen.
Kein Schlaf schließt Sylvien die muntern Augen zu,
du öffnest das Gehör, Amynthe flieht die Ruh,
und läßt durch deinen Klang sich aus dem Lager rücken,
es kan dein Spiel ihr Hertz mehr als der Schlaf erquicken.
Dieß werther Tauscher dieß, und noch weit mehr geschieh't,
nachdem dich unser Berg, o grosser Meister! sieht.
Kommt, die ihr unverschämt der Künstler Namen stehlet,
die Säiten und zugleich die zarten Ohren quälet,
lernt was aus Billigkeit ein Künstler wissen muß;
ihr spielt nur euch zur Lust, und andern zum Verdruß,
lernt wie ihr eure Kunst müßt mit Vernunfft verbinden,
sonst kan man mehr Verstand in euren Fingern finden,
als eu'r Gehirn beseelt. Schaut dieses Muster an
und sucht ob sich eu'r Fleiß ihm ähnlich machen kan.
Ich weiß es kan mein Lob nicht seinen Würden gleichen,
mein unbekannter Ton muß seiner Laute weichen,
ihr Musen zürnet nicht, daß ich so krafftloß bin,
ich werffe für Verdruß die rauhe Flöte hin,
hier ist mein festes Ziel, ich will nicht weiter singen,
wenn meine Reime nicht wie Tauschers Säiten klingen.
Johann Christian Günther (1695–1723), Auf Mons. B - - Jur. Stud. einen guten Lautenisten, als er in einer Compagnie Virtuosen war
Johann Christian Günther (1695–1723)
Auf Mons. B - - Jur. Stud.
einen guten Lautenisten,
als er in einer Compagnie Virtuosen war.
DIß, was dein Witz gesetzt und deine Laute spielt,
Verdient, daß dessen Lob auch Völcker nach uns lesen;
Denn wäre nur die Weißheit hier gewesen,
Sie hätte bey der Finger Lust
In ihrer nie bewegten Brust
Die Herrschafft des Affects gefühlt.
Daniel Stoppe (1697–1747), Was ist das Lauten=Spiel
Daniel Stoppe (1697–1747)
Was ist das Lauten=Spiel? Ein ungezognes Kind,
An dem man Tag vor Tag etwas zu ändern findt.
Anna Louisa Karsch (1722–1791), Sapho spricht mit ihrer Laute.
Anna Louisa Karsch (1722–1791)
Sapho spricht mit ihrer Laute.
Als gesagt wurde, die griechische Sapho habe einmal
mit ihrer Leyer gesprochen. Den 13. Oktober 1761.
Sapho.
Verschmähte Laute brich in Stücken!
Wer soll dich hören? Thyrsis fleucht,
Willst du den kalten Mond entzücken?
Der seinem Herzen gleicht!
Die Laute.
Ich will nur deinen Kummer spielen,
Vielleicht wird, in dem kalten Mond,
Ein Dichter deine Klagen fühlen,
Denn er ist auch bewohnt.
Sapho.
Dem Mond ist seine Nacht getreuer,
Und Venus ist in ihn verliebt,
Ob gleich ihm ein geborgtes Feuer
Nur seine Schönheit giebt.
Die Laute.
Doch Thyrsis Herz scheint acht zu geben,
So oft du in die Hand mich nimmst:
Und jedes Lied hat Geist und Leben,
Das du für ihn bestimmst.
Sapho.
Muß er, verliebt in deine Lieder,
Dich loben, und von mir entfliehn?
Er spottet meiner, spott' ihm wieder,
Dein Thon sey mehr für ihn!
Die Laute.
Du weißt doch, wenn ich neu bespannet
Für andre Hörer tönen will,
Dann wird der Geist aus mir verbannet,
Und traurig bin ich still.
Sapho.
Das weiß ich, aber, ihm zum Trutze,
Befehl' ich dir das Schweigen an,
Thu unter meines Stolzes Schutze,
Groß, wie ein reicher Mann!
Die Laute.
Wie aber, wenn ich ihn gewänne,
Den Thyrsis nicht, den Dichter Gleim!
Zuweilen läßt's, als ob er sänne,
Er liebt wohl insgeheim!
Sapho.
Wie schön willst du mich da betrügen!
Soll ich es glauben Laute? Nein!
Bleib hier an meinem Herzen liegen,
Schiedsrichter soll es seyn!
Die Laute.
Nun wird das Urteil gut gesprochen,
Dein Herz, der erste Richter, ist
Schon lange Zeit für den bestochen,
Auf den du böse bist!
Sapho.
Er kommt! – Wie wird mir! auf, und spiele
Du Laute! Sey wie ich entzückt!
O, sag' ihm alles, was ich fühle,
Seitdem ich ihn erblickt!
Pulsuz fraqment bitdi.