Kitabı oxu: «DIE AUTORIN AM RANDE DES UNIVERSUMS»
Die Autorin am Rande des Universums
Monika Niehaus zum 70. Geburtstag
Herausgegeben von
Rainer Schorm, Jörg Weigand, Karla Weigand
AndroSF 147
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© dieser Ausgabe: 05. September 2021
p.machinery Michael Haitel
Titelbild: Rainer Schorm
Layout & Umschlaggestaltung: global:epropaganda
Lektorat & Korrektorat: Michael Haitel
Herstellung: global:epropaganda
Verlag: p.machinery Michael Haitel
Norderweg 31, 25887 Winnert
www.pmachinery.de
für den Science Fiction Club Deutschland e. V., www.sfcd.eu
ISBN der Printausgabe: 978 3 95765 255 3
ISBN dieses E-Books: 978 3 95765 842 5
I
Karla Weigand – À Bientôt! – Ein eher persönliches Vorwort
Ein, zwei Mal pro Jahr (ausgenommen während der verdammten Corona-Pandemie), wenn Jörg und ich uns aus dem sonnigen Breisgau in den wunderschönen Norden in Richtung unserer nordfriesischen Trauminsel Föhr aufmachen, freuen wir uns immer ganz besonders auf eine mehrtägige Reiseunterbrechung in Düsseldorf. Dort wohnen nämlich zwei ganz besondere Menschen, die wir glücklicherweise seit Langem zu unseren guten Freunden zählen dürfen: Monika Niehaus-Osterloh und ihr Mann Jan Osterloh.
Jeder Besuch bei den beiden fühlt sich jeweils an wie ein Nachhausekommen; ganz entspannt, irgendwie selbstverständlich und vor allem sehr herzlich.
Liebe Monika, heute geht es um dich, denn am 5. September feierst du deinen 70. Geburtstag! Dein Lebensweg hat in Hinsbeck am Niederrhein begonnen und schon deine Taufe war ein bisschen ungewöhnlich. Immerhin war dein Pate kein Geringerer als Josef Beuys! (Wer kann schon mit so einem Taufpaten aufwarten?) Der Künstler war mit deinem Vater, einem Arzt, befreundet und lebte zeitweise wegen des gemeinsamen Interesses an Rudolf Steiner im Haus deiner Großmutter Elisabeth. Als ganz kleines Kind hast du dann in Unkel am Rhein gewohnt, einer Stadt, die mir bisher nur als letzter Wohnort von Exkanzler Willy Brandt ein Begriff gewesen ist.
Nach der Grundschule auf dem Land, in Birkesdorf, besuchtest du das von Nonnen geführte Gymnasium »Unserer Lieben Frau« in Bonn. Das verbindet uns schon mal, liebe Monika. Bei mir war’s das Gymnasium »Unserer Lieben Frau am Anger« in München. Wir sind sozusagen beide »kloster-« bzw. »kirchengeschädigt« …
Gemeinsam ist uns ein Elternhaus mit vielen Büchern, die auch gelesen wurden und nicht nur die Regale füllten. Dass wir das mit Begeisterung in unser späteres Leben übernommen haben, sieht man in unseren Häusern: Überall Bücher, Bücher, Bücher! Die euren habt ihr noch gesichert mittels einer zähnefletschenden Hyäne … Irgendwann könnte mal eure (oder unsere) »Hütte« unter der horrenden Papierlast zusammenkrachen – was soll’s?
Dass du nach dem Abitur 1969 in der Kunstakademie bei Beuys angenommen wurdest, hat mir Jan verraten. Ich habe übrigens ein Bild von dir über meinem Bett hängen, das ich oft mit Vergnügen betrachte … Zweifellos hast du das zeichnerische Talent von deiner Mutter, einer Modezeichnerin und Malerin, geerbt …
Im Zweitfach hast du Biologie belegt – (dank guter Zensuren gab’s ein Stipendium der Cusanus-Stiftung) – und bist dann dabei hängen geblieben. Was, nebenbei bemerkt, Jörg und ich sehr begrüßen! Sooft eine Frage bezüglich irgendeines »Viechs« auftaucht, benutzt einer von uns die bereits stereotype Redewendung »Frag’ doch mal die Monika!« Von deinem Wissensschatz zu zehren ist sehr praktisch und auch viel effektiver, als irgendwelche Schwarten zu wälzen oder Wikipedia-Einträge zu Rate zu ziehen!
In der Bretagne hast du dann deinen späteren lieben Mann Jan, einen Diplombiologen, kennen- und beim Jakobsmuschelessen und beim Skatspielen (wo du immer gewonnen hast!) auch lieben gelernt. Daher rührt wohl deine (und eure) bis heute andauernde Frankophilie. Etwas, das dich auch mit Jörg verbindet, der Jahre seines Studiums in Paris verbracht hat. Auch ich mag Frankreich, die Franzosen und ihre Lebensart sehr gerne. Leider beherrsche ich ihre wunderschöne Sprache nur noch arg rudimentär …
1974 war ein besonderes Jahr für dich: Du bist nicht nur mit Jan zusammengezogen, du hast auch deine Diplomarbeit über »die Konstruktion der Antennen des Kleinen Fuchses« geschrieben. Die zarten Flattertierchen haben dich anscheinend nicht mehr losgelassen und so hast du im Jahr 1979 mit einer Dissertation über »Das Flugverhalten und die Aerodynamik von Schmetterlingen im Windkanal« auch noch den Doktortitel erworben. Chapeau!
Vier Jahre später, 1983, haben Jan, der als Gymnasiallehrer arbeitete, und du geheiratet. Ihr bekamt im Lauf der Jahre zwei großartige Söhne (und inzwischen zwei ganz zauberhafte Schwiegertöchter) sowie vier wunderbare Enkelkinder.
Neben zig Beiträgen in Fachzeitschriften hast du auch jede Menge populärwissenschaftliche Artikel über interessante Phänomene in der Tier- und Pflanzenwelt sowie ganze Serien für den Hörfunk zu medizinischen, ökologischen und sonstigen Problemen aus der Naturwissenschaft verfasst. 1991 hast du mit zwei Koautoren das Fachbuch »Bunte Terrarienwelt: Amphibien und Reptilien« geschrieben. Erwähnen muss ich noch deine fruchtbare Zusammenarbeit mit Udo Pollmer. Dazu kamen noch zahlreiche Fachkompendien für das Fernstudium naturwissenschaftlicher, vor allem biologischer Fachbereiche.
Der Erste, der deine schriftstellerisch-belletristische Begabung erkannt hat, war dein Institutsdirektor, der Neurobiologe Professor Dr. Gerd Schneider. So hast du dich 1983 auch am Kurzgeschichtenwettbewerb des Bastei-Verlages beteiligt. Da wurde nämlich der »Robert-Sheckley-Preis« ausgeschrieben und du, als Anfängerin, hast gleich den 2. Preis für deine Erzählung »Heimweh nach Tau Ceti« gewonnen. Gratulation nachträglich!
Du merkst, liebe Monika, ich habe Jan ordentlich ausgequetscht, um etwas über deine Vergangenheit herauszubekommen. Kennengelernt habe ich dich ja erst viele Jahre später.
Stets in Erinnerung werden mir die obligaten spannenden Zoobesuche mit dir und Jan bleiben (die meisten im Krefelder Zoo, weil Jan dort jahrelang Schulklassen als Zoopädagoge unterrichtet hat), aber auch in verschiedenen anderen Tierparks. Ich kann es kaum erwarten, dass wir diesen schönen Brauch bald wieder aufleben lassen können. Irgendwann ist hoffentlich auch die abscheulichste Pandemie zu Ende.
Unvergesslich die bizarren »Aufführungen« von Schimpansenmännchen »Charlie« im Krefelder Zoo! Ab 1991 warst du oft dort, weil Jan ja Lehrer in der dortigen Zooschule gewesen ist. Charlie, der Dussel, konnte dich absolut nicht leiden, womit er meines Erachtens bewies, wie komisch er gestrickt war. Man muss dich doch einfach mögen, oder? Kaum bekam der Bursche dich zu Gesicht, fing er an, wie verrückt zu kreischen und wie ein Irrer gegen die gläserne Trennwand zum Zuschauerraum zu springen! Was er wohl mit dir gemacht hätte, wenn er dich tatsächlich erwischt hätte? Gut, dass wir’s nicht rausgefunden haben …
In den letzten Jahren war er allerdings abgeklärt (oder altersmüde?) und ließ das »Affentheater« bleiben. Du hast Charlie immerhin in einem Zookrimi verewigt … Jedenfalls hat er das schreckliche Ende, das ihm und etlichen anderen »Kollegen« letztendlich beschieden war (Brand im Affenhaus), nicht verdient.
Ein anderes Erlebnis, wenn ich mich richtig erinnere im Zoo von Wuppertal, war auch sehr speziell und sagt zudem eine Menge über dich aus. Wir vier spazierten ganz entspannt dahin (Jörg hatte gerade Bekanntschaft mit einem überraschend zutraulichen Pfauenhahn gemacht); ich marschierte hinter euch dreien her, als mir urplötzlich ein ziemlich großer Gegenstand vor die Füße knallte, dem ich grade noch ausweichen konnte. Im nächsten Moment sah ich, wie du auf einmal davongerannt bist, als wäre ein Schwarm Hornissen hinter dir her! Unsere Männer, perplex wie ich, blieben auch verdattert stehen und schauten dir hinterher. Was, in drei Teufels Namen, war denn auf einmal los? Ich hätte übrigens nicht gedacht, dass du so schnell rennen kannst …
Inzwischen hatte ich den ominösen Gegenstand als deine ziemlich umfangreiche und schwere Umhängetasche identifiziert, bückte mich danach und hob sie auf. Ich war mir sicher, dass du das gute Stück nicht für immer loswerden wolltest …
Aber was sollte die ganze Aktion? Alles spielte sich in Sekundenschnelle ab und im nächsten Moment wussten wir Bescheid: Du hattest neben dem Weg ein Streifenhörnchen entdeckt, welches mit einer höchst seltsamen »Kopfbedeckung« auf der Flucht war! Das arme Tier hatte sein Köpfchen in ein im Gras liegendes, von dummen Menschen achtlos weggeworfenes Glasfläschchen gesteckt und war nicht mehr imstande, das schreckliche Ding loszuwerden, weil sein Kopf drin stecken blieb. In Panik schoss das Hörnchen kreuz und quer über den Weg und wäre zweifellos erstickt oder verhungert.
Das hattest du richtig erkannt, hast »Ballast« abgeworfen und bist hinterher gesaust, um das neugierige Streifenhörnchen einzufangen, um es von seinem »Taucherhelm« zu befreien und so vor dem sicheren Tod zu bewahren. Eine ebenso großartige wie spektakuläre Aktion!
Als ich dir nach erfolgreicher Befreiung deine Tasche wieder aushändigte, hast du ganz erstaunt dreingeschaut; du hattest überhaupt nicht registriert, dass du sie weggeschmissen hattest. Da war der kleine Nager, glücklich befreit, längst wieder in einem Gebüsch verschwunden.
Dass du und Jan große Tierliebhaber seid, sieht man auch daran, wie ihr mit euren Katzen umgeht! Egal, ob es sich um eine sehr »spezielle«, kapriziöse Mieze handelt, wie es etwa »Kätzchen« gewesen ist, die ebenfalls dir ihr Leben verdankte, oder ob es, wie derzeit, »Don Camillo« und »Peppone« sind, auch zwei ganz besondere »Früchtchen«… Wir lieben Katzen genauso wie ihr und trauern mit euch, falls eines der Samtpfötchen mal wieder den Weg alles Irdischen gegangen ist.
Was man besonders an dir schätzen muss, ist dein »savoir vivre«, liebe Monika, deine Vorliebe für gutes Essen und Trinken und fürs Kochen! Letztere Leidenschaft teilst du ganz besonders mit Jörg. Außer in meinem Küchenschrank kenne ich niemand in unserem Bekanntenkreis, der solche Mengen und vor allem so eine Auswahl sowohl an einheimischen wie an exotischen Gewürzen hat!
Die Besuche mit dir auf dem wunderschönen Düsseldorfer Markt und die Einkäufe, die wir dort tätigen, werden mir immer im Gedächtnis bleiben! Ich selbst bin ja nicht so die geniale Köchin. Aber, was du, meine Liebe, und Jörg dann jeweils für Köstlichkeiten auf den Tisch bringen, kann sich regelmäßig »von« schreiben. Ich bin eher so der akribische Gemüseputzer, Rüben- und Kartoffel- oder Spargelschäler, »Ausklauber« und Kleinschnippler. Ich habe auch, wie du, keine Scheu, Fleisch bratfertig herzurichten und Geflügel auszunehmen (uns graust’s vor gar nix, gelle? Oder, wie du zu sagen pflegst: »Mir sin’ vor nix fies!«).
Was ich auch ganz besonders an dir schätze, ist dein Gespür, wann es Zeit ist, das passende Getränk zu offerieren! So wird jede Mahlzeit bei euch zu einem (auf neudeutsch) »Event«.
Liebe Monika, ich weiß, dass ich immer mit dir reden kann (mit Jan natürlich auch). Aber manches bespricht sich halt leichter mit einer Frau. Jede Diskussion im Hause Niehaus-Osterloh macht großen Spaß und ist ein Gewinn; egal, ob es was Politisches oder Medizinisch-Naturwissenschaftliches ist, ob es sich um Philosophie, Soziologie, Literatur oder sonst etwas »Kluges« handelt.
Genauso kann man mit dir (euch) wunderbar »blödeln« und jede Menge Spaß haben. Deine Art von schrägem Humor und gerade die oft treffend bissigen Kommentare kommen meinem sehr ähnlich gestrickten Naturell sehr entgegen: Was gibt’s Schöneres, als hin und wieder mal so richtig über jemanden zu lästern?
Weder du noch Jan haben irgendwelche ideologischen Scheuklappen – eine Wohltat gerade hier und jetzt, wo alle so tun, als wären sie komplett frei im Denken. (Und am Ende kommt dann so was Jämmerliches wie die »Querdenken-Kacke« heraus …) Du, liebe Monika, bist grundsätzlich offen für alles, denkst liberal und bist auf keinen Fall ideologisch-religiös vorgeprägt, sprich verbildet oder verdorben – trotz der »Nonnenschule« …
Um es kurz zu machen: Gerade dich zur Freundin zu haben, macht mich sehr glücklich. Das Allerwichtigste zu deinem Geburtstag (auch wenn’s banal klingt): Bleib’ gesund, achte auf dich, übertreib’ nichts, damit es die nächsten dreißig Jahre noch so bleibt und vor allem: Mach’ mit der Schreiberei so weiter wie bisher und sei weiter produktiv. Ich jedenfalls freue mich schon auf den nächsten Band mit »Donnas Kaschemmen-Geschichten« – ein kleiner Geniestreich, wenn du mich fragst!
Und nicht zu vergessen, wenn wir wieder mal was wissen wollen, sei es über Tiere oder irgendwelche körperlichen Malaisen (du kennst dich ja auch in Medizin sehr gut aus!), dann sei so gut und hilf’ uns wie bisher auf die Sprünge. (Du weißt ja: »Frag’ doch mal die Monika!«).
Noch ein weiterer Wunsch an dich: Überrede Jan und lasst euch endlich mal wieder in Grunern sehen! Corona wird ja wohl nicht ewig dauern! Ihr seid jederzeit herzlich willkommen. Das obere Stockwerk steht zu eurer Verfügung, so lange ihr wollt. Ausflüge nach Frankreich oder in die Schweiz sind hoffentlich auch bald kein Problem mehr.
Und dass ich (wir) mich (uns) darauf freue(n), mit dir, meine Liebe, wieder in der Düsseldorfer Altstadt in Buchläden oder Antiquariaten zu stöbern, über den Markt zu flanieren und in einem der zahlreichen tollen Wirtshäuser in der Düsseldorfer Altstadt einzukehren, muss ich nicht extra betonen, oder?
À bientôt, ma Chère!
Deine Karla
Jörg Weigand – Monika
Man könnte sich ganz einfach damit bescheiden: Monika ist eben Monika. Das wäre gewiss nicht falsch, aber eben auch nicht genug richtig.
Denn Monika ist eben mehr als nur Monika.
Monika ist eine Frau – zweifellos.
Sie ist eine zielgerichtete Frau; will sagen: Sie weiß genau, was sie will und was nicht.
Monika ist intelligent. Und klug (was nicht identisch ist). Und clever.
Und vor allem: Sie ist informiert. Informiert auf vielen Gebieten, die für »normale« Menschen voller Rätsel stecken, ja – sozusagen – »böhmische Dörfer« sind.
Monika ist Biologin von der Ausbildung her.
Sie ist Übersetzerin aus praktischen Erwägungen (Brotberuf) und weil es ihr Spaß macht: wenigstens die meisten der Titel, die ihr als Aufträge ins Haus flattern.
Sie ist Autorin von Science-Fiction und Fantastik mit Abschweifungen in die Fantasy aus Passion und Ehrgeiz. Ihr Liebe gehört der kurzen, der gedrängten Form. Und um diese kurzen Texte herzustellen, ist sie bienenfleißig.
Sie könnte durchaus, das hat sie bereits hinreichend bewiesen, den langen belletristischen Text zu Papier bringen. Aber … (das lassen wir offen).
Monika ist eine gute Sachdarstellerin komplizierter, oft verschachtelter Zusammenhänge. Und das mit einem Hang zum Skurrilen, Unwahrscheinlichen und Absonderlichen. In der Darstellung solcher Fakten kann sie spannend erzählen.
Monika ist aber auch – das sei betont – eine Frau, die zu leben weiß. Sie liebt das Reisen, liebt gutes Essen und weiß den passenden Wein zu schätzen. Und einen Verdauungsschluck vor oder nach dem Essen im Kreise der Familie oder von Freunden weist sie auch nicht ab.
Monika liebt Frankreich und hätte ebenso gut eine Französin hergegeben, so man es ihr bei der Geburt möglich gemacht hätte; etwa eine gebildete und dabei menschlich wie sozial anspruchsvolle Pariserin aus einem der anspruchsvolleren Arrondissements.
Sie ist eine gute Köchin und steht Neuem in der Küche (persönlich wie sachlich) immer offen und neugierig gegenüber. Und sie ist eine gute Beiköchin, auch das nicht selbstverständlich.
Alles in allem: Monika ist anspruchsvoll und ehrgeizig, ohne den in Deutschland fast üblichen Neid vor sich her zu tragen.
Monika ist liebenswert, sie hat Charme und kann zuhören. Sie nimmt Anteil, ohne in Versuchung zu geraten, unaufgefordert »gute Ratschläge« zu erteilen. Monika hat Wärme für diejenigen, die sie mag. Und sie ist hilfsbereit, wo gefordert.
Kurz: Wer Monika zur Freundin hat, hat Glück im Leben.
Monika ist eben Monika.
Gerald Bosch – Naturverwunderliches – Eine etwas andere Biologie
Die nachfolgenden, nicht ganz ernst zu nehmenden Beschreibungen wurden durch häufige frühkindliche Beobachtungen eines seinerzeit sehr bekannten und sehr narrativen deutschen Fernsehzoologen (†) inspiriert. Meine Doku beginnt mit (Pseudo-) Säugern und führt über weitere fiktive Wirbeltiere und Wirbellose zu Scheinpflanzen und Fantasypilzen. Enjoy!
1 Der majestätische Baulöwe (Leo dywidax) ist unumstrittener Beherrscher der offenen Liegenschaften, doch jagt er mitunter auch in den angrenzenden Zementwüsten und Asphaltsteppen, vereinzelt sogar in abgelegenen Straßenschluchten. Entgegen landläufigen Gerüchten ernährt er sich nicht von Erdnüssen, sondern ist und bleibt ein blutrünstiges Raubtier. Gegen Einbruch der Dämmerung, wenn die Mitglieder von Bauausschüssen nach langatmigen Komiteesitzungen und Ortsbegehungen ermattet nach Hause ziehen, geht er auf die Pirsch. Schnell und lautlos werden kleine, effektiv verzinste Rudel gebildet, die nun ein geeignetes Objekt, etwa ein geschwächtes Bauherren-Gnu (Unibos lucrativus), auf einer offenen Gemarkung zielsicher einkreisen und schlussendlich dem Boden gleichmachen. In der Wahl seiner Beute ist der Baulöwe recht anspruchslos, zumeist werden große Herdentiere bevorzugt – flinke, in der Regel langweilige Schreberparzellen (Domaena quadratica), verwilderte Amtsschimmel (Equus paragraphissimus) oder auch einzelne, behäbige Grundbuchbüffel (Bison cataster). Aber selbst Bewohner der unteren Einkommensschichten, wie Kleiner Krauter (Simplicius tucholskii), Bausparschwein (Porcus leonbergi) oder die verwandte Arme Sau (Sus lamentabilis), sind für ihn durchaus schmackhafte Häppchen, die er keineswegs verschmäht. Zielsicher durchquert er jede Lücke im Paragrafendschungel, wobei provisorische Schutzwälle wie Bauverordnungen, Flächennutzungspläne oder einstweilige Verfügungen keine ernst zu nehmenden Hindernisse darstellen. Hat er erst einmal den Angstschweiß seiner prospektiven Beute gerochen, dann ist es um diese geschehen. Natürliche Feinde besitzt die Großkatze kaum. Mitunter fallen junge, unerfahrene Exemplare dem Pleitegeier (Gyps concursus) zum Opfer, ansonsten sind es vor allem alte, vom Erfolg geblendete Männchen, die von eifrigen Steuerpanthern (Fiscus inspector) erlegt werden, wenn sie z. B. nach einem großen Beutezug durstig zu den Quellen steuern.
2 Der Wischmops (Canis domesticus var. vileda), regional – vor allem im Norden seines Verbreitungsgebietes – auch Feudel genannt, ist ein anspruchsloser Hausgenosse des Menschen und absolut standorttreu. Leider wird das friedliebende Kerlchen oftmals mit dem aggressiven Menschenmops (Canis massendemos) verwechselt. Von diesem unterscheidet ihn nicht nur sein schlichtes, graues, leicht verfilzendes Haarkleid, sondern auch seine Vorliebe für Wasser. (C. massendemos hingegen hasst beispielsweise Wasserwerfer wie die Pest.) In freier Wildbahn nimmt er gerne kurze Bäder in Putzeimern; zu langes Verweilen führt zur Ausdünstung eines unangenehmen Revierdufts. Ansonsten hält er sich oft wochenlang in Trockenstarre in wasserlosen Lebensräumen auf. Diese Hunderasse wurde speziell zur Jagd auf die nervtötende Wollmaus (Mus sublectulus var. vorwerkii) gezüchtet.
3 Beim Daxhund (Canis domesticus var. dividendus) wiederum handelt es sich um eine alte Jagdhundrasse, die früher vor allem zur Hatz auf Bullen und Bären eingesetzt wurde, heute jedoch eher als sportlicher Szenehund in Mode gekommen ist und sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Zu den besonderen Eigenschaften des Daxhundes zählen in jungen Jahren seine enorme Zuwachsrate und Agilität, speziell in den Gemarkungen des E-Commerce; allerdings ist er bereits dann schon – wie auch mit zunehmendem Alter – nicht vor plötzlichem Verfall gefeit, der ohne erkennbare Ursachen aus heiterem Himmel eintreten kann. Dieser von gewieften Analysten auch als »Talfahrt« bezeichnete Zustand lässt die Beliebtheit des kleinen Kerlchens so abrupt sinken, dass er unbarmherzig von seinen Besitzern verstoßen wird. Im Umland der Frankfurter Börse, das als ursprüngliches Zuchtgebiet dieser Rasse gilt, wird das betroffene Tier mit den altüberlieferten Worten »Sofort verkaufen!« in die Verbannung – oder »abgestoßen«, so der Fachterminus – geschickt; diese Formel muss der Tradition entsprechend via Mobiltelefon ausgesprochen werden. Ungeachtet seiner hohen Sprungkraft im Tagesgeschäft kann man sich C. dividendus aufgrund seiner Tendenz zu Kursverlusten daher kaum als beständigen, treuen Hausgenossen vorstellen, der sein Herrchen bis ins hohe Alter stützt und ernährt. (Zu diesem Behufe besser geeignete Rassen sind Golden Pension Retriever oder Mixed Fund Mastiff, die von Natur aus einfach eine größere Sicherheit bieten.) Global wurde der Daxhund immer wieder weitergezüchtet – so entstanden in Europa der Baissett und der Hausseky Dog, in den USA der Dow-Jones-Terrier und in Japan der Nikkainese.
4 Der Osterházy (Lepus dacapo) ist der einzige Vertreter der Hasenartigen (Lagomorpha), der sich bevorzugt im Orchestergraben aufhält. Stets erkennbar ist dieser Hase an einem weißen, schalartigen Halsstreifen, der sich auch über den Rücken zieht, sowie an einer ausgeprägten, schwarzen Hautfalte, die ihm wie ein Cape in den Nacken fällt. Neben seiner ausgeprägten Vorliebe für Champagner wird aber auch leichte Kost wie rote Rosen oder Tulpen (bevorzugt aus Amsterdam) von diesem Mümmelmann nicht verschmäht. Sein Nachtlager baut der Osterházy aus verlorenen Akkorden, alten Notenblättern und unvollendeten Symphonien. Aber ach, wie die meisten Langohren besitzt auch L. dacapo viele natürliche Feinde, darunter vor allem den Freischütz (Andrewia lloydweberi), doch auch Vogelhändler (Adamo pseudonobilis), Milchmänner (Anatevka galicia) und Bettelstudenten (Academicus milloeckeri) stellen ihm nach. Einen Vorteil hat die Evolution ihm jedoch in die Wiege gelegt: Dank seiner langen Ohren nimmt er schon frühzeitig gefährliche Zwischentöne wahr, sodass er sich vor einem hereinbrechenden Crescendo oder Andante furioso ziemlich allegro in Sicherheit bringen kann (s. a. Falscher Hase, Lepus fricadellus).
5 Der Halsabschneider (Lanius guillotinus), ein unscheinbarer Singvogel mit schmutzig grauem Gefieder (»Nadelstreifen«), gleicht in seiner Biologie dem Neuntöter (Lanius collurio) oder Rotrückenwürger, der seine noch lebende Beute – teilweise sogar größere Kleintiere – an langen Dornen im Gebüsch aufspießt. Ursprünglich bis Mitte des 19. Jahrhunderts weltweit verbreitet, saß der Halsabschneider nicht wie andere Raubvögel auf einer hohen Warte, sondern lauerte gut getarnt in dunklen Mauerecken oder Hauseingängen, um sich im Schutze der Dämmerung auf seine Beute zu stürzen. Bevorzugte Opfer waren Lebewesen, die genervt, gestresst, geschwächt oder anderweitig in Not geraten waren. Aufgrund starker Verfolgung durch die jeweiligen Rechtssysteme schrumpfte der ursprüngliche Bestand beträchtlich. Vom unmittelbaren Aussterben bedroht, gelang es dem Halsabschneider jedoch, durch einen bravourösen Zug (man kann nahezu von einem Paradebeispiel für die Anpassungsfähigkeit der Natur sprechen) zum echten Kulturfolger zu mutieren, der seine Ernährungs- und Lebensweise völlig umgestellt hat. Anstelle von Blut lebt er heute von Zinsen (z. B. aus Wett- und Spielschulden), deren Niveau ähnlich wie beim Kredithai (Targocarcharias multidebitorius syn. Catarhinus monetarius progressivus) jenseits von Gut und Böse liegen. Andere Nahrungsquellen sind Mieteinnahmen, Personalkredite oder Aktienfonds. Das Nest des Halsabschneiders enthält zahlreichen Haken, an denen er seine Kontrakte aufhängt. In einem nicht nur für Ornithologen interessanten Beispiel von Mimikry imitiert der Halsabschneider smarte Vermögensberater oder adrette Sachbearbeiter von Kreditinstituten, wobei er sich geschickt durch ein charakteristisches Nadelstreifengefieder und sein angeborenes einschmeichelndes Verhalten tarnt. Aber auch Kleininserate zu Direktkrediten, die über kostenlos verteilte Wochenendblättchen in Umlauf gelangen, helfen dem gefiederten Monster immer wieder, neue ahnungslose Opfer zu finden und in den finanziellen Ruin zu treiben. Auf Anfragen der Schufa beim Vogelschutzbund NaBU wurde bei dessen letzter Jahreshauptversammlung in Erwägung gezogen, angesichts der mittlerweile drastischen Bestandszunahme eine Abschussquote (im dreistelligen Bereich) zu befürworten.
6 Der giftspritzende Talkmaster (Vipera annewilla) aus der Familie der Viperidae (Vipern und Ottern) ähnelt von Biologie und Verhalten dem Australischen Buschmeister oder Bushmaster (Lachesis muta). Die stets nach dem letzten Schrei beschuppte Schlange stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde bei uns über die Niederlande eingebürgert; sie bevorzugt kleine, quadratische Wohnhöhlen, deren Vorderseiten verglast sind. Nach Betätigung der Fernbedienung werden Talkmaster zu jeder Tageszeit putzmunter und plappern, was das Zeug hält. Als Nahrung dienen ausschließlich sogenannte Einschaltquoten; sobald diese einen bestimmten Level unterschreiten, geht die Schlange unweigerlich ein – ein großes Problem besonders bei Exemplaren, die unter Knebelverträgen in Gefangenschaft gehalten werden. Mithilfe eines Langzeitgifts, dem Quototoxin, werden die Opfer scharenweise gelähmt; dessen chemische Analyse ergab einen hohen Anteil Schwafelsäure (47,4 %), Gamma-Egozentrin (21,8 %), Beta-1,4-Bloedsin (14,89 %), Hissssstamin (0,66 %) sowie zahlreiche, nicht näher untersuchte Laberstoffe und Weichmacher (darunter u. a. polymere Frustrane, etliche Knalldehyde und Telegen-Derivate) – kurzum, ein recht spritziger Cocktail. Talkmaster kann man gefahrlos anfassen, weil das Gift nur über die Netzhaut in den menschlichen Körper eindringt; dort führt es jedoch nach mehrstündigem Kontakt zu Stumpfsinn, Willenlosigkeit und Hirnerweichung, auch bekannt als MIS (Maybrit-Illner-Syndrom). Der Artenschutz von Talkmastern fällt übrigens – wie auch beim Ergrauten Star (Megadiva heestersi) – in den Zuständigkeitsbereich der GEZ und wird durch eine bundesweite Gebührenordnung finanziert.
7 Die gewaltige Riesenbo-äh (Pytton bochum), auch unter den Namen Gemeine Revierschlange oder Großer Püttwurm bekannt, hat sich vortrefflich an das Leben im Großstadtdschungel adaptiert. Als Lebensräume nutzt dieses Riesenreptil ausschließlich rußreiche, versmogte Reviere, wo es vorzugsweise dunkle Förderschächte besiedelt; mitunter trifft man dieses Kriechtier aber auch in kleinen, ergrauten Reihenhäuschen (den sogenannten »Kumpelhäusken«) an. Einer Riesenbo-äh sollte man niemals von der Seite kommen, da sie den vermeintlichen Angreifer sofort unter bösartigen Zischlauten (»Gezz iss shluuusss«) attackiert. Die Nahrungsaufnahme der streng vegetarisch lebenden Schlangen erfolgt nie unter Tage, sondern stets oberirdisch. Zwar hat man in jüngster Zeit auch einzelne Exemplare gesichtet, die sich über Essensabfälle, wie Pommes frites, Pils und Currywurst, hermachten, normalerweise ernährt sich P. bochum jedoch ausschließlich vom Kohlepfennigkraut (Obulus carbonicus), einer Zivilisationspflanze aus der Familie Verwaltungskräuter (Politicaceae; vormals: Administrales). Hier steht P. bochum in direkten Nahrungskonkurrenz zum nahe verwandten Riesenrheinwurm (Pytton gartzweileri), auch Tagesbo-äh genannt, einer weiter südwestlich lebenden, meist reinbraun, oft aber auch rot-grün gezeichneten Riesenschlange. Aufgrund des hohen Nahrungsbedarfs der Tiere, der nur unzureichend aus der öffentlichen Hand gedeckt werden kann, und dem gleichzeitigen drastischen Rückgang von O. carbonicus müssen wir mit dem baldigen Aussterben dieser Riesenschlangen rechnen. Erschwerend kommt in solch einer fatalen Situation noch hinzu, dass das standorttreue Tier aufgrund seiner ausgeprägten Revierverbundenheit selbst dann, wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht, lieber im Kohleschacht ersäuft, als ihn freiwillig verlässt.
8 Die Gruppe der Amphibien ist besonders stark von Klimawandel und Umweltverschmutzung betroffen, da sich nur wenige Vertreter erfolgreich an die anthropogenen Veränderungen ihrer Lebensräume adaptieren konnten. Darüber hinaus kennt das Gros der Bevölkerung nur wenige oder überhaupt keine dieser schlüpfrigen Überlebenskünstler – entweder, weil die Tiere nur zu manchen Jahreszeiten auftauchen, wie beispielsweise der Knallfrosch (Rana sylvester), der immer in den letzten Dezemberwochen unüberhörbar in Erscheinung tritt, oder aber wie die Falsche Wechselkröte (Bufo nonindossabilis) in völliger Abgeschiedenheit leben. (B. nonindossabilis hält sich knapp oberhalb der Deckungsgrenze von Bankkonten auf und wird nur dann vom Laien wahrgenommen, wenn sie gerade mit lautem Knall geplatzt ist.) Andere amphibische Kulturfolger wie Lustmolch (Triturus nymphomanes) und Salamikröte (Bufo beefi) sind nur Personen mit bestimmten beziehungsweise ausgefallenen Geschmacksrichtungen bekannt. Umso erfreulicher ist, dass der Wetterfrosch (Rana kachelman), ein Vertreter der Anuren (Froschlurche), nicht nur als treuer Hausgenosse akzeptiert wurde, sondern auch nutzbringend zur Schönwetterprognose im Alltag eingesetzt werden kann. Allerdings hat die vermehrte Verwendung von KI-Software in der TV-Meteorologie in den letzten Jahren dazu geführt, dass dieses kleine grüne Kerlchen immer seltener zur Wettervorhersage in Nachrichtensendungen gebraucht wird.